3 «> = " R a? 1 u 3 598 Ni Xti * Montag, 1Z2. Jahrgang to vs 0? Eine weitere Erschwerung der Forderung liegt sodann in der starken Erhöhung. des Kvksanteils auf 720 000 Tonnen gegenüber der früheren Forderung von 638 000 Tonnen, obwohl gerade eine erhebliche Herabsetzung der zu liefernden Kvksmengen in Anbetracht der geringen deutschen Kvksvorräte und der durchaus unzulänglichen Belieferung der deutschen Hüttenindustrie dringend notwendig gewesen wäre. Die außerordentlich drückende Belastung der deutschen Kohlenwirtschaft hat bereits zu einer verzweifelten Kohlenlage in Deutschland geführt. Es braucht nur auf die fortgesetzt steigende Einfuhr an englischer Kohle mit allen ihren katastrophalen Begleiterscheinungen, auf die Notlage der Eisenbahn, der Hüttenindustrie, der Das- und Elektrizitätswerke und an die ungenügende Versorgung des Hausbrandes hingewiesen zu werden, die zu ernstlichen Besorgnissen Anlaß gibt. Während für Deutschland wiederum eine Kohlenpreiserhöhung zum 1. August eingetreten ist, kündigt man in Frankreich eine Preisermäßigung für französische Industriekohle und für deutsche Kohlen an. Frankreich will eben mit allen Mitteln die deutsche Industrie wettbewerbsunfähig machen. In diesem Sinne sind auch die maßlosen Forderungen der Repara- tivnskommissivn zu bewerten. Der Reichskvhlenrat hat denn auch aus all diesen Gründen das neue Kohlenreparationsprogramm für unerfüllbar erklärt und die Erwartung ausgesprochen, daß die Reichsregierung es ablehnt. Erscheint täglich, avtzer Sonn- Feiertags, m it derSconstagsbeilage: GietzenerFamilienblätler Monatlich« StMgsprefte: Mk. 29.- und Mk. 3.- TrLgerlohn,durch diePost Mk. 32.—, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern: infolge HSHerer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse : für die Schrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Z. August 1922 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv.34mm Brette örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 nun Breite 500 Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschristleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Ein bedeutsamer Beschluß der Reparationskommisston. EngTischs Reden zur WLederherstellungssrage. London, 5. Aug. (Wolff.) In einer liberalen Versammlung in Oxford erwiderte Asquith auf die große Parlamentsrede Lloyd Georges über die Wiederherstellungsfrage. Er sagte, Es sei erfreulich, daß Lloyd George jetzt endlich den britischen Steuerzahlern entbedt habe, was diese Steuerzahler vor allem brauchen. Dies sei eine klare Regelung der Wirtschaftslage Europas. Wer auf dieses Ziel hinarbeite, der sei der beste Freund des britischen Steuerzahlers. Asquith sagte noch Großbritannien sei durch seine Ehre gebunden, die Schulden an die Vereinigten Staaten zu bezahlen. Es sei dazu bereit und ip der Lage. Die Frage der (Staatsmänner sei jetzt, die Wiederherstellungsfrage und die Frage der Schulden vernünftig und enkmültig zu regeln. Wenn das geschehe, werde Amerika seinen Anteil an der wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt nehmen. (Beifall.) Hierauf hielt Keynes eine Rede, in der er ausführte, er habe nichts an der Dalfournotei auszusehen, vorausgesetzt, daß dies der erste und nicht der letzte Schachzug Großbritanniens fei. Die Rote sei seines Erachtens nicht, tote manche annähmen, an Deutschland, sondern in der Hauptsache an Frankreich gerichtet, und sie sei eine notwendige Antwort auf die Versuchsballons Poincaräs in der „Times" und anderswo, die darauf hinausgingen, daß England aus alle seine Ansprüche verzichte und dafür nichts erhalten solle. Die unvernünftige Politik der Die Kohlenförderungen I der Entente. Deutschland konnte bekanntlich auf die Dauer die ihm auferlegte Ablieferung der sehr -beträchtlichen Kohlenmengen nicht durchführen. ES wandte sich mit dem Ersuchen um Ermäßigung des Quantums an die Reparations- kvmmission, der gegenüber es die maßlosen und für die deutsche Wirtschaft absolut un- erttäglichen Forderungen klarstellte. Was war der Erfolg? Die Entente verlangt jetzt monatlich 1 725 000 Tonnen Kohlen einscbl. Koks, gegenüber der früher monatlich zu liefernden Kohlenmenge von 1915 000 Tonnen, so daß, oberflächlich betrachtet, scheinbar eine geringe Ermäßigung des Liefersvlls eingetteten ist. In Wirklichkeit ist diese Ermäßigung zunächst durch den Zusatz illusorisch gemacht, daß, falls sich in den betreffenden drei Monaten die Förderung in den deutschen Revieren ausschließlich Oberschlesiens auf über 8 300 000 Tonnen stellt, von dem Uebevschuß 20 v. H. außer den genannten 1725 000 Tonnen geliefert werden Müssen. Wenn also die deutsche Kohlenförderung wieder etwa die Höhe der Märzförderung erreicht, so wurde sich die monatlich zu liefernde Kvhlenmenge auf etwa 2 100 000 Tonnen erhöhen und damit selbst die frühere Lieferung von 1 915 000 Tonnen um fast 200 000 Tonnen überschreiten. In Wirklichkeit kann also von einer absoluten Ermäßigung der Forderungen nicht gesprochen werden. Der Beschluß der Reparationskvm- mrssion muh vielmehr im Hinblick auf dir Möglichkeit einer Mehrforderung der Entente auf Grund einer vermehrten Förderung unter Umständen als eine Verschlechterung der Kohlenfrage für Deutschland angesehen werden, die umso unerträglicher sein würde, als Deutschland 77 v. H. der früheren Förderung von Oberschlesien verloren hat. Der Hinweis der Reparativnskvmmission, daß sich für Deutschland die Verhältnisse hinsichtlich des Kohlenbezugs aus Oberschlesieen nicht geändert hätten, trägt den Tatsachen ferne Rechnung. Wir können selbstverständlich die Kohle, ebenso wie wir sie in gesteigertem Maße von England kaufen müssen, auch von Polen kaufen; aber die Markbettäge, die dadurch ins Ausland wandern, gehen der deutschen Wirtschaft verloren und bedeuten überdies eine unprodukttve Ausgabe, da wir auf der anderen Seite die gekaufte Kohle abltefern. Beraubungen und Ausweisungen in Elsast-Lothringen. Paris. 6. Aug. (Wolfs.) Das Pressebureau des Oberkommissars von Elsaß- Lothringen hat. dem „Matin" zufolge, gestern abend mitgeteilt, daß nach der Entscheidung vom 5 August die Banken und Finanzinstitute jeder Art in Elsaß-Lvthdingen nicht mehr berechtigt sind, Personen deutscher Staatsangehörigkeit Wertpapiere und Gelder, die in Banken oder Kreditanstalten niedergelegt sind oder deren Zinsen auszuzahlen, gleichviel zu welchem Zeitpunkt die Riederlegung erfolgte. Die Banken und Finanzinstitute von Elsaß-Lothnngen werden als Sequester der besagten Konten und Depots angesehen. Paris 6. Aug. (Wolff.) Wie dem „Oeuvre" aus Straßburg mitgeteilt wird, wurde gestern abend die erste Ausweisungsmaß- na'hme gegen deutsche Staatsangehörige als Berge,tungsmaß rege: angeordnet. SechsDeutsche die zu Gunsten der Politik von Klaus Zorn v o n D u l a ch in einer öffentlichen Versammlung Kundgebungen veranstalt?! haben sollen, wurden ausgetoiesen. Der Berichterstatter des Blattes bemerkt hierzu, es scheine, daß die Öffentliche Meinung in ilffrer Mehrheit den gegenüber den deutschen neutralistischen Agitatoren ergriffenen Maßnahmen günftig gesinnt sei. Die Antwortnote der Reichsregierung an Frankreich. Berlin. 5. Aug. (Wolff.) Die Antwortnote der Reichsregierung auf die Rote der französischen Regierung in der Angelegenheit der Ausgleichszahlungen lautet: Eurer Exzellenz beehre ich mich, den Empfang der Rote vom 1. August zu bestätigen. Die Reparationskommission Hat auf Eintrag der deutschen Regierung vom 12. Juli auf Gewährung eines Moratoriums für die Reparattoi^zahlungen mit ihrem Schreiben vom 13. Iuli in Aussicht gestellt, daß sie ihre Entscheidung auf diesen Antrag vor dem 15. August treffen und mitteilen wird. Die großbritannische Regierung Hat auf den Antrag der deutschen Regierung vom 114. Iuli aitf Herabsetzung der monatlichen Ausgleichsraten mit Schreiben vom 2. Juli geantwortet. daß sie beabsichttgt. diese Frage bald mit den anderen beteiligten Mächten zu erörtern, um der deutschen Regierung die Antwort im Ramen | der Gesamtheit der beteiligten Mächte zugehen zu lassen. Die belgische Regierung hat auf den gleichen Antrag geantwortet, daß fte sich auf diesen Antrag zu derselben Zeit wie über das Gesuch um das Moratorium für die Reparations- Barzahlungen äußern werde. Eine Absch i t dieser beiden Roten beehre ich mich zur gefälligen Kenntnis Ew. Exzellenz bei^ufügen. Die deutsche Regierung kann danach annehmen, daß bereits vor dem 15. August eine grundsätzliche Regelung der Frage der Ausgleichszahlungen möglich sem wird. Sollte diese Annähme, die sich auf das Schreiben bcr Reparationskommission vom 13. Iuli im Zusammenhang mit den erwähnten beiden Roten gründet, nicht zutreffen, so wird die deutsche Regierung ihre vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen ihrer Leitungsfähigkeit zu erfüllen bestrebt sein. Auf die Frage der Heranziehung der privaten A u s g l e ichs schu ld n er zur srnan- zielten' Abdeckung der Ausglcichsverpflr-ytungen wird die deutsche Regierung in ihrer Aeutzerung zur Sache selbst, die sie sich in ihrer Rote vom 1. August vorbehielt, besonders eingehen. Schon jetzt sei bemerkt, daß ein dem Reichsrat vorliegender Gesetzentwurf eine Aenderung des Der- rechnungsshstems vorsieht, wonach insbesondere auch die Ausgleichsschuldner stärker a^ls bisher herängezogen werden sollen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck nnö Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7. Die neuen französischen ^Sanktionen". Paris, 5. Aug. (Wolff.) Havas veröffentlicht folgendes (Kommunique: Da die deutsche Regierung nur eine dilatorische Antwort erteilt hat. hat die fran- z Ö s i s ch e R e g i e r u n g zur Sicherstellung ihrer Ansprüche folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Ausgleichsämter in P a r i s und Straßburg werden aufgefordert, bis auf weiteres jede Anerkennung deutscher Forderungen aufzuschieben. 2. Die Ausgleichsämter erhalten Anweisung, ür Rechnung der deutschen Regierung und aas dem Erlös der Liquidationen der deutschen Guter in Frankreich die durch die Urteile des gemischten Schiedsgerichts gewährten Entschäbigungen bis auf weiteres nicht zu bezahlen. Die Wirkungen des ftanzösisch-deutschen Abkommens vom August/September 1921, auf Grund dessen diese von den Ausgleichsämtern in Paris und Straßburg gewährten Zahlungen erfolgten, toer= den auf diese Weise suspendiert, und die deutsche Regierung wird die Urteile, die zu ihren lln= gunften ausgefallen sind und ausfallen werden, aus eigenen Mitteln ausführen müssen. 2. Die Ausgleichsämter in Paris und Straßburg sind angewiesen worden, jede Rotifika - tivn des Reinerlöses aus der Liquida t i o n d eu t s ch e r G ü te r i n Frankreich e i n z u st e l l e n. Diese Maßnahme wird die Entschädigung von Deutschen mit in Frankreich liquidiertem Besitze praktisch unmöglich machen und Deutschland verhindern, Guthaben im Interesse dieser Kategorie seiner Staatsangehörigen zu verwenden. 4. Die im Gange befindliche Ausführung des in Baden-Baden geschlossenen Abkommens über die Wiedererstattung von Mobiliar, das von deutschen Eigentümern im Elsaß und in Lothringen zurückgelassen worden ist, wird suspendiert. 5. In Elsaß und Lothringen werden sofort Vorkehrungen getroffen, falls diese verschiedenen Maßnahmen zur prompten Regelung der Frage nicht ausreichen sollten, diese durch weitere progressive Bestimmungen zu ergänzen. Das Echo der neuen französischen Gewattmatznahmen. Poincares Retorsionsmahnahrnen finden in der Berliner Presse einmütig eine entrüstete Ablehnung. Die „Voss. Ztg." erklärt, die Maßnahmen ständen im völligen Gegen- ahe zum Geiste be8 Abrechnungsverfahrens, das auf völliger Gegenseitigkeit beruhe. Ser -2d lab an seiger“ erklärt, Poincars wolle oer Welt beweisen, daß Frankreich sich stark genug fühle, eine Forderungen Deutschland gegenüber gewalt- am durchzusetzen. Der „Vorwärts" sagt, der neue unerhörte Vertragsbruch reihe sich an die bestehenden Gewaltakte der Besetzung Düsseldorfs, Duisburgs und Ruhrorts und der Einführung der Zollinie zwischen besetztem und unbesetztem Deutschland an. Solange Frankreich vom Poin- carismus besessen sei, könne keine Konferenz helfen, die nicht ihre Beschlüsse gegen Frankreich fasse und durchführe. Die „Freiheit" erklärt, dies sei ein it^uer 'Schlag gegen die Valuta, durch den Deutschlands Zahlungsfähigkeit immer mehr zerrüttet werde. Die „Rote Fahne" meint, die Katastrophe der deutschen Währung, die Zerrüttung der deutschen Wirtschaft und die wahnsinnige Teuerung erhielten einen neuen Antrieb. Die 'Welle der Rot ziehe die Lebenshaltung der arbeitenden Massen tiefer als vorher herab. Das Berliner Tageblatt" führt aus, Poin- eare behaupte nicht, daß Deutschland das Recht verletzt habe; dieses Eingeständnis des Zuristen, der keine wirtschaftlichen Zusammenhänge, sondern nur das Recht anerkenne, müsse man fest- fjalten. Rach der „Deutschen Allemei nen Ze i t u n g“ beginnt Poincare den neuen Feldzug gegen das deutsche Eigentum mit einem flagranten Rechtsbruch. Keynes sagt noch, die internationale Anleihe könne nicht zustande kommen, und wenn sie zustande Tarne, würde sie eine verhängnisvolle Verwirrung anrichten. Der Gedanke, daß der Rest der Welt Deutschland für die Wiederherstellungszahlungen an Frankreich 100 Prozent seiner flüssigen Ersparnisse leihen würde, sei lln- finn. Im allgemeinen würden 250 bis 500 Millionen Pfund Sterling genannt Die Annahme, daß eine Regierung in der Welt oder alle Regierungen zusammen vor dem Bankerott Deutsch- lands im gegenwärtigen Augenblick diesen Geldbetrag von den Kapitalbesitzern der Vollbörsen der Welt erlangen könnten, sei lächerlich. „Die höchste Zahl, die mir von einem zuverlässigen Fachmann genannt wurde, wäre 100 Millionen Pfund Sterling. Aber ich glaube, auch diese Zahl, ist noch zu hoch gegriffen. Sie könnte nur aufgebracht werden, wenn der Anteil von besonderer Seite, z. D. auf die deutschen Gelder im Auslande, sowie von Deutsch-Amerikanern ein größerer Teil davon, geliefert werden würde. Dies würde aber nur geschehen, wenn gleichzeitig eine für Deutschland sehr vorteilhafte Regelung zu- tanbe käme. Alliierten während der letzten vier Iahce habe die deutschen Finanzen so ruiniert, daß Deutschland augerchlicklich überhaupt nicht zahlen könne, und es sei sicher, daß für eine kürzere oder längere Zeit nichts übrig bleibe, als ein Moratorium zu gewähren. Pom- care sei anscheinend bereit, die Bonds der Serie C zu annullieren, vorausgesetzt, daß Großbritannien Frankreich seine Schulden erlasse und auf seinen Anteil verzichte. Aber die Bonds der Serie C seien reines Wasser. Die Erörterung einer endgültigen Regelung müsse bis ö um nächsten Jahr verschoben werden, wo nach gehöriger Vorbereitung eine große, Konferenz für das ganze Problem der zwischenstaatlichen Schulden abgehalten werden sollte, an der die Vertreter der Vereinigten Staaten teilnehmen müßten und die vielleicht in W a s h i n g- ton abgehalten werden könnte. Eine internationale Anleihe großen Umfanges sei seines Erachtens eine ebenso große Illusion wie eine Wiederherstellung großen Umfangeß. Poincarö und Lloyd George seien durch ihre früheren Versprechungen gebunden. Lloyd Georges Anteil an dieser Sache sei eine wechselnde Periode in seiner Laufbahn. Frankreich könne einem kurzen Moratorium zustimmcn; das sei kein großes Opfer infolge der Politik des Vorrechtes über den baren Betrag, auf den Frankreich in der nahen' Zukunft Anspruch hätte, selbst, falls bie zur Zahlung festgesetzten Summen mir gering feien. Die ganze Lösung der Frage sei nicht Verbindlichkeit. Der Anspruch auf Pensi onen müsse auf gegeben und die Besetzung bcr Rheingebiete aufgehoben werden. Wenn Frankreich diesen Bedingungen zustimme, so würde es richtig sein, wenn Großbritannien und die anderen Alliierten ihre Schuld erließen. Paris. 5. Aug. (WTD.) Zu den ungeordneten Retorsionsmahnahmenber französischen Regierung schreibt die Havasagenll»^ die getroffenen Maßnahmen seien nicht dazu be- ■ Heutiger Stand 8es Dollars 10 Tlhr vormittags: Berlin 760, Frankfurt a. M. 770 Paris. 7. Aug. (WTD.) Die Reparationskommission veröffentlicht folgenden Antrag des englischen Delegierten Sir Ivhn Dradbury: „Auf Grund der gegenwärtigen Finanzlage Deutschlands und des Zusammenbruchs der Mark ist die Reparcttions- kommisfton der Ansicht, daß als notwendig erklärt toerber für den Rest des Iah res 1922 alle auf Grund der Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage von Deutschland in ausländi- ch en Devisen zu leistenden Barzahlungen zu suspendieren. Die Kommisse.. empf—v-t also den alliierten Regierungen, alle Zahlungen auf Grund des Ausgleichsverfahrens zu suspendieren unter der Bedingung, daß die von der deutschen Regierung für diese Operation angebotene Summe von monatlich 500000 Pfund Sterling an die Reparationskommission abgeführt und von ihr zu einem später zu bestimmenden Zwecke verwendet wird." Wenn die alliierten Regierungen diese Empfehlung annehmen, ist die Reparationskommission bereit, bie Zahlungen zu suspenbieren. bie für das Hahr 1922 von den als Reparationen zu entrichtenden Summen noch zu be.^chlen sind. Der Betrag der auf diese Weise suspendierten Zahlungen wird in derselben Weise übertragen wie die durch den Kommissionsspruch vom 21. März ausgeschobene Zahlung. Wegen des dringlichen Charakters der derzeitigen Lage hat die Kommission es nicht für notwendig erachtet, für das neue für 1922 zu gewährende 'M o - ratorium neue Bedingungen zu stellen. Es wird indessen i n aller Kürze notwendig sein, den Betrag, der in den Iahren 1923 und 1924 von Deutschland zu fordernden Zahlungen zu bestimmen. Die ganze Frage der für jenen Aufschub zu stellenden Bedingungen, die notwendigerweise strenger sein werden als die des lausenden Moratoriums wird als Bestandteil dieser Entschließung in Erwägung gezogen werden. In dieser Sitzung vom 3. August hat die Reparationskommission mit 3 gegen 1 Stimme beschlossen, die Beratung dieses Planes bis nach der Londoner Konferenz aufzugeben. Ew. Exzellenz bezeichnen die in der Rote vorn 26. 3ult 1922 angeEünbrgten Maßnahmen nunmehr als„Retorsionsmahnahme n". Rach dem Abkommen vom 10. Iuni 1921 ist bie einzige Rechtsfolge der Richterfüllung der von Deutschland übernommenen Verpflichtungen die, daß die beteiligten alliierten Mächte dieses fristlos kündigen können. Die Kündigung hätte die Wirkung, baß die Bestimmungen des Vertrages von Versailles über die Zahlung der jeweiligen Debetsaldän wieder Anwendung finden tour Den. Als Sicherung für den Fall bcr Richtzahlung gibt der Vertrag von Versailles den alliierten Mächten l ediglich ein Pfandrecht an den Erlösen aus der Liquidation des deutschen Eigentums. Sinn und Zweck dieser gerade für den »all der Richterfüllung vorgesehenen Bestimmungen würde die Anwendung der für den 5. August 1922 angekündigten Retorsionsmaßnahmen widersprechen, zumal für die Zahlung, die überhaupt erst am 15. August fällig rst. Seit Ew. Exzellenz Rote vom 26. 3uh 19z2 hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands weiter außerordentlich verschlechtert. Die Mark ist inzwischen bis auf ein ZweihundertNel ihres Friedenswertes gefuaEen. Die Leistungs- fäljjgleit Deutschlands ist dementsprechend Weller zurückgegangen. Unter diesen Umständen gibt die deutsche Regierung eindringlichst der Erwägung der französischen Regierung anheim, die Angelegenheit einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen und ihre Entscheidung bis zu den in der anliegenden englischen und belgischen Rote erwähnten Verhandlungen der beteiligten alliierten Mächte zurückzustellen. (gez.) Dr. Wirth. IHnrmt, eitert stärkeren Effekt tn Der dssenMchen Meinung zu machen. Es handle sich um praktische Maßnahmen, die bestimmt seien, Deutschland zu beeinflussen. Die ganze Angelegenheit hätte keine derartigen Sensationen verursacht, cvenn Deutschland nicht die ausgetauschten Schrift st ücke veröffentlicht hätte. Das für die Regelung der Frage der Privat- schulden gewählte System sei dasjenige des Ausgleichs durch Vermittlung besonderer^ Aemter gewesen. Die französischen Gläubiger seien verpflichtet gewesen, auf dem Wege über die Aemter vorzugehen. Die Regierung müsse sich also an ihre Stelle setzen, um ihre Ansprüche zu wahren. Die deutsche Regierung habe den Versuch gemacht, die Durchführung des Friedensvertrages in Bezug auf die Tätigkeit der Ausgleichsämter zu sabotieren, wie sie sich auch bemüht habe, sich den Reparationsbestimmungen zu entziehen. Iebesmal, wenn es sich um die Vereinigung der Konten handelte, habe die deutsche Regierung die Schwierigkeiten vermehrt. Dadurch sei die französische Regierung dazu gekommen, progressive Vergeltungsmaßnahmen in Betracht zu ziehen, die sich immer härter gestalten würden, wenn es bei dem Mangel an gutem Willen auf Seiten Deutschlands bleibe. Paris, 5. Aug. (WTB.) Der „Temps" erfährt aus Straßburg, daß der elsässische Abgeordnete Karl Frey gestern Poineare in einem Briefe auf die Rachteile gewisser Sanktionen und die üblen Wirkungen hingewissen habe, die sie in Elsaß urck> Lothringen haben werden. Der Brief ist von zwei weiteren elsässischen Abgeordneten, Walter und Müller, die sich gegenwärtig .in Straßburg aushalten, gegengezeichnet. Das „Journal des Debats" schreibt zu den französischen Zwangsmaßnahmen im Zusammenhänge mit den Ausgleichszahlungen: Man darf feststellen, daß sie milde sind und daß es sich alles in allem darum handelt, den Deutschen die Ausgleichszahlungen zu entziehen, auf die sie ihrerseits Anspruch haben. Der „T e m p s" schreibt, die deutsche Antwort sei höflich gehalten und die französische Regierung habe dem Rechnung getragen. Sie sei aber dilatorisch und deshalb habe die französische Regierung die Pflicht gehabt, zu gewissen Maßnahmen zu schreiten. Frankreich trete entschieden auf. aber es wünsche auch gerecht zu bleiben. Cs solle nicht verheimlicht werden, daß die Aufgabe der deutschen Regierung schwierig sei. Was sie verhindert habe, die völlige Zahlung zu versprechen, sei wahrscheinlich nicht Mangel an Mitteln. sondern die Haltung der verbündeten Regierungen gewesen, die einen der französischen AnschMiung gegensätzlichen Standvunll eingenommen hätten. In der deutschen Oeffentlichkeit hätten sie auf diese Weise Illusionen und Widerstände bestärkt, denen die deutsche Regierung sich an- geschlossen habe. Wohlgemerkt schlage der Streit zum Schaden der Deutschen aus. Es sei immer die gleiche Geschichte: wenn Deutschland dieses Treiben satt habe, werde sein gesunder Menschenverstand es ihm vielleicht selbst sagen, daß es besser wäre, sich mit den Franzosen gut zu stellen. Ein Enzyklika des Papstes k Rvm, 5. Aug. lWTB.) Die Zeitungen veröffentlichen folgende Nachricht, die nur unter Vorbehalt aufzunehmen ist: On Vati- ■ kankreisen sprach man dieser Tage viel von einer bevorstehenden Enzyklika des P a p st e S. Das Dokument soll im Laufe des Monats erscheinen und sehr wichtig vom reli- l giösen wie politischen Standpunkt sein. Es ».soll genau die Linien vorzeichnen, in denen e die Katholiken ihre soziale Tätigkeit beschrän- • ken sollen, um eine Verwechslung zwischen Politik und Religion zu vermeiden. Die Enzyklika würde außerdem einen Aufruf an die ganze Welt enthalten, zur Wiederherstellung eines wirllichen Friedens bei allen Regierungen und Völlern und zur Beendigung des Jagens nach dem wirtschaftlichen Ruin, der besonders Europa in ein ungeheures Feld des Elends und der Verwüstung verwandele. Bayern »nd das Reich. München, 5. Juni. (WTB.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Rach Eingang des bayerischen Antwortschreibens lieh der Reichspräsident im Benehmen mit dem Reichskanzler an die bayerische Regierung durch Vermittelung des Gesandten Preger eine mündliche Einladung zur Aufnahme von Verhandlungen ergehen. Der bayerische Ministerpräsident regte daraufhin an, zunächst eine Besprechung in München über die schwebenden Fragen und die Richtpunkte für solche Verhandlungen mit den Vertretern der Reichs- regierung zu veranstalten. Die ReichSregie- rung hat die Reichsminister Gehler und Fehr, die sich beide augenblicklich in Bayern befinden, veranlaht, sich nach München zu begeben. Vormittags fand mit den beiden Reichsministern unter dem Vorsitze des MinisterpräsidentenLer- che nfeld und u nter Teilnahme des Landtagspräsidenten, der beiden zuständigen Ressortminister, des Gesandten Reger und einzelner Vertrauensleute der Koalitionsparteien eine eingehende Besprechung statt, über deren Ergebnis die Reichsminister nach Berlin berichten werden. Es ist zu erwarten, dah sich eine Kommission der bayerischen Regierung in den nächsten Tagen nach Berlin begeben wird, um die Verhandlungen weiterzuführen. München, 4. Aug. Der Hauptschriftleiter der „M ünchener Reue st e Rachrichten" hatte in seinem Blatt einen offenen Brief an den Reichspräsidenten ^r-ttchwt und charin sehr deutlich den bekannten Standpunkt >Baherns betont. Gr erhielt daraufhin folgende Antwort: „Der Herr Reichspräsident läßt den Eingang Ihres Schreibens vom 28. vorigen Monats mit freundlichem Dank bestätigen. Er hat von Ihres Ausführungen^ Kenntnis genommen und I bttret Sie, davon überzeugt zu sein, dah es sein aufrichtiges Best reden ist, unter Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte des Reichs und seiner Länder einen Ausgleich der bestehenden Gegensätze herbeizuführen." Aus dem Reiche. Ein Protest gegen preußische Personalpolit'ck. Düsseldorf, 6. Aug. lWTD.) Der Pro- vinzialausschuß hat in seiner Sitzung am Freitag den Anträgen auf Erklärung seines Einvernehmens zur Ernennung des Regierungspräsidenten Fuchs zum Oberpräsidenten der Rhsinprovinz, des Referenten beim Reichskommissar für die besetzten Gebiete B a u t n e ch t zum Regierungspräsidenten in Koblenz, des Landrates Klausner zum Regierungspräsidenten in Aachen und des Landrates Sassen zum Regierungspräsidenten in Trier folgende Stellung genommen: 1. Der Provinzialausschuß vermag das bisher hinsichtlich der Besetzung der Regierangspräsidentenstellen in Aachen, Koblenz und Trier beobachtete Verfahren des Staatsministers als dem Geiste des Artikels 86 der Verfassung entsprechend nicht anzuerkennen und legt dagegen Qktttäfh.-ung ein. Trotzdem nimmt der Provinzial- ausschuß im Hinblick auf die gegenwärtige Lage zu den beabsichtigten Ernennungen Stellung. 2. Der Provinzialausschuß erklärt sein Einverständnis mit der Ernennung des Regierungspräsidenten Fuchs zum Oberpräsidenten der RHeinprovinz. 3. Der Prv'oinzialausschuh lehnt die Erklärung des Einverständnisses mit der Ernennung des Referenten beim Reichstommissar für die besetzten Gebiete Bauknecht zum Regierungspräsidenten von Koblenz ab. 4. Der Provinzialausschuß erklärt sein Einverständnis mit lder Ernennung des Landrates Dr. Sassen zum Regierungspräsidenten in Trier. 5. Der Provinzialausschuß lehnt die Erklärung des Einverständnisses mit der Ernennung des Landrates Klausner zum Regierungspräsidenten in Aachen ab. Dazu gibt die Zentrumsfrakiion des Provinzialausschusses und die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft des Provinzialausschusses Ettärun- gen ab. Das Stimmenverhältnis bei der 2lb- stimmung im Provinzialausschusse zu den einzelnen Anträgen war folgendes: Zu 1.: 8 Stimmen für, 4 Stimmen gegen, 1 Stimmenthaltung. 3us 2.: 9 Stimmen für, 4 Stimmen gegen. Zu 3.: 9 Stimmen für Ablehnung der Einverständniserklärung, dagegen 4 (Stimmen. Zu 4.: 9 Stimmen für, 4 Stimmen gegen. Zu 5.: einstimmige' Ablehnung. Die wachsende Teuerung. Berlin, 6. Aug. (WTB.) Die Groh- handelstndexziffer des Statistischen Reichsamts ist im Durchschnitt im Juli 1922 fesselnd zu schildern weist, so ist das stattliche Buch von Anfang bis zu Ende eine genußreiche und spannende Lektüre. — Ernst Weist: „Stern der Dämo* n e n". Verlag Georg Müller, München. — Der Verfasser verrät eine starke Gestaltungskraft, die durch sprachliche Gewalt gestützt wird. Es bleibt jedoch zu bedauern, dast so reiche Fähigkeiten an einen Stoff verwandt wurden, dessen Behandlung man lieber der wissenschaftlichen Untersuchung eines Sexualpshchologen überlassen möchte. Man könnte sonst vergessen, dast es sich bei dem gewählten Motiv um eine Abnormität, und nicht um ein allgemein menschliches Problem handelt. eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle an der Volksschule zu G r e b e n a u, Kreis Alsfeld: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle an der Volksschule zu Ober-Ohmen, Kreis Alsfeld: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schul- stelle an der Volksschule zu Wallertheim, Kreis Oppenheim. Büchcrtisch. Henno, Bauernkomödie, Lateinisch von Johannes Reuchlin 1497, Deutsch von Hans Sachs 1531. Reust & 3 tta, Verlagsanstalt, Konstanz a. D. — Arthu r Landsberger, „Elisabeth", der Roman einer deutschen Fran. Georg Müller, Verlag München. — Das Buch gibt hochinteressante, der Wirklichkeit entnommene Lebensabschnitte aus dem besetzten Rhcingebttte, stellt uns Proben vor Öligen jener „schwarzen Schmach", die von den Franzosen so gern geleugnet wi»d, und liefert psychologische Bilder von nationaler Bedrängnis, von denen wir wünschen möchten, Last sie weit in der Welt bekannt würden. — „3 m Stromgebiet des Sepi k", eine deutsche Forschungsreise in Neuguinea, von Dr. Walter Behr mann, a. o. Professor der Geographie an der Universität Berlin. Mit 101 Abbildungen und einer Karte. Verlag von Olig. Scherl. Berlin. — Anderthalb Jahre hielten sich kühne, ausdauernde Forscher im 3nnern von Reuguinea auf, jenem noch gänzlich undurchforschten Lande der Vulkanlandschaften. ungeheuren, endlosen Urwälder und jenes Hauptstroms Sepik (Kaiserin Augusta-Flust), in dessen sumpfigem Bereich die interessanten Eingeborenen-Siedlun- gen der Betrachtung zugänglich waren. Sie erwiesen sich großenteils als friedliche Kanibalen, Mele erlitten durch den aus der SchnellzugS- lvkomotive ausstrürnenden Dampf so schwere 'Brühwunden, dast sie daran starben. ♦ * Der Strei t um den Reifrock. Roch ist der erbitterte Meinungskampf um den kurzen | und den langen Rock nicht verklungen, da beginnt schon ein neuer Streit um den Damenrock, und diesmal handelt es sich nicht um seine Länge, sondern um seine Weite. 3mmer und immer wieder versuchen die französischen Modeschöpfer den Reifrock wieder zu lanzieren, und es scheint, als ob er diesmal seinen siegreichen Einzug gehalten habe. Bei den großen Rennen der Grande Semaine, besonders bei der „Grand Steeple" sah man auffallend viele Toiletten, die in ihrem ganzen Schnitt und besonders in der riesigen Breite des Rockes an die Tage der Kaiserin Eugenie gemahnten. Jene umfangreichen Krinolinen, die damals der Modemaler des zlveiten französischen Kaiserreiches Winterhalter aus seinen eleganten Bildern festhielt, sind in all ihrer pompösen Massenhaftigkeit wieder aufgetaucht. Verschiedene Taströcke, die da von Damen der Gesellschaft getragen wurden, waren zu direkten Ballons aufgebläht, aus denen sich die ärmellosen Taillen schmal und schlank emporhoben. Die alte Frage bleibt, ob sich der gesunde Verstand der Damenwelt von heute nicht doch gegen diese Ungetüme wehren wird, die wirkliche Verkehrshindernisse sind. Seit den Tagen der Kaiserin Eugenie hat sich tn der gesellschaftlichen Stellung der Frau doch mancherlei verändert. Sie steht im Geschäfts- und im Sportsleben: sie lebt in einem sehr viel rascheren Tempo, und die Ver- tehrsmittel, die ihr zur Verfügung stehen, vom Auto bis zum Flugzeug, sind für die riesigen Reisröcke nicht mehr gemacht. Vorläufig haben aber die französischen Modeschöpfer Röcke gebracht, die nicht nur bis über die Knöchel herabreichen, sondern über groste runde Reifen gespannt sind, und die Französin, soweit sie als eigentliche „Mode- Löwin" gelten will, fügt sich willig. Kreis Schotten ä Schotten, 6. Qlug. Das obere Horloff- tal wurde dieser Tage zwischen Gonterskirchen und Einhartshausen von einem schweren Weiter heimgesucht. Mehrere Gewitter stießen in dem engen Tal zusammen. Ein orkanartiger Sturm wütete etwa 10 Minuten und entwurzelte eine grobe Anzahl von Obst- und Waldbäumen: an Der Kreisstraße sind etwa zwanzig Bäume entwurzelt, bzw. abgebrochen, viele anberc haben Aeste verloren, auf der Straste lag das Obst in Haufen. Starkenburg und Nhemhcffen. ' wd. Darmstadt, 6. Aug. 3n der letzten Stadtverordnetensitzung wurde das Projekt der Elektrisierung der Strecke Griesheim — Darmstadt — Arh e i - ligen genehmigt. Die Kosten hierfür sollen etwa 30 Millionen Mark betragen, und zwar für Darmstadt und Arheiligen 16 Millionen und für Griesheim 14 Millionen Mark. Als Zuschüsse sollen leisten die Firma Merck zwei Millionen, die Gemeinde Arheiligen 2 Millionen, Griesheim 4 Millionen und Darmstadt 6 Millionen Mark. Heffcn-Nasiau. Bursche schlug den einen der Schüler mit einem 'harten Instrument nieder und verletzte den andern durch Messerstiche, um sich der Räder zu bemächtigen, von denen er eineß auf der Flucht liegen liest. Der Täter entkam. |[ Marburg, 5. Aug. Der Direktor der Univerfitäts-Augentlinik, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. med. Alfred Bielschowsky, hat den an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger des emer. Lehrers der Augenheilkunde, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. med. Uhthofs in Breslau angenommen. Er tritt sein neues Lehramt erst im nächsten Frühjahr an. Saturn: 4 August. 5. August. OlmOft -Rotter» 29363,25 29436,75 30362, - 30438, - - • 6802 6a 6917,40 6072,40 6087,60 12933,80 13966 2013433,15 13466,85 16304,55 16345’45 16963,80 16946,20 19675,35 19724,65 20574,25 20625,75 1598,- 1602, - 1677,90 1682,10 3455,40 3464’60 3595,50 3604,50 3375,75 3384,25 3505,60 3514,40 761,04 762,96 788,10 789,99 6142,30 6157,70 6367, - 6883,- 14132,30 14167,70 14771,50 14808,50 11460,65 11489-35 12009,95 12040,05 1,53 1,57 1,53 1,57 1802,25 1902,60 1907,40 Der Angestelltenstreik in Frankfurt. fpd. Frankfurt a. M., 6. Aug. 3m Streik der kaufmännischen Angestellten ist keine Veränderung eingetreten. Vielmehr konnte am Samstag von einer Zuspitzung der Lage gesprochen werden, da verschiedene gröstere Geschäfte auch ihre Arbeiter nicht mehr beschäftigen konnten und deshalb die Betriebe schliesten musttcn. Fast alle Geschäfte und Betriebe werden von Streikposten überwacht. Rur einige Geschäfte, in denen die Inhaber selbst das Amt des Verkäufers übernahmen, hielten am Samstag offen. Inzwischen wurden Vermittlungsverhandlungen zwischen den Parteien ausgenommen, die von Gewerberctt Dr. Waß - muth geleitet wurden. Die Vertreter der Angestellten gaben eine Erklärung ab, dast sie bereit sind, so bald als möglich eine Verständigung mit den Technikern über das Verhältnis der beiden Gehaltsgruppen herbeizuführen. Hierzu erklärten sich auch die Techniker bereit. Die Vertreter der Arbeitgeber übermittelten diese Erklärung dem Kartell der Arbeitgeberverbände. Die Verhandlungen werden am Montag nachmittag fortgesetzt. — Der Streik hat auch nach dem benachbarten Offenbach übergegriffen. Hier mußten die Zweiggeschäfte der großen Franffurter Firmen Latscha und Schade u. Füllgrabe geschlossen werden. Auch die Angestellten des Merks Oehler, einer Schwesteranstalt von Griesheim Elektron, verlangen Regelung ihrer Gehälter nach den Franffurter Sätzen. Ein früherer Polizeipräsident unter Anklage. inc. Frankfurt a. M-, 6. Aug. Dor kurzem hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung gegen den früheren Pvlizeipräsiden- t e n von Frankfurt, Leopold Harris, erhoben, wobei es sich um Straftaten handelt, die im Jahre 1916 begangen worden sein sollen, als H. noch Kaufmann war. Die Verhandlung, die im Herbst stattfinden wird, dürfte Aufklärung darüber bringen, warum Harris den Posten als Polizeipräsident, der ihm in der Revolutionszeit übertragen wurde, nicht beibehalten konnte. Frankfurter Diebeschronik. fpd. Frankfurt a. M., 6. Aug. Für etwa 300 000 Mark Silbersachen,Schmuckstücke und Kleider stahlen in der Nacht zum Samstag Einbrecher aus einer Villa des Westends. Die Einbrecher waren durch das offen stehende Küchenfenster in das Haus eingedrungen. — Schreibmaschinen und Fahrräder sind seit einigen Wochen wieder außerordentlich beliebte Objekte für die Einbrecherzunft. Die Maschinen werden meistens nachts aus den Bureaus geholt, die Fahrräder aus den Kellern. 3n den meisten Fällen erhalten die Besitzer ihr Eigentum nicht wieder, da sie die Nummern der gestohlenen Sachen nicht angeben können. Viele Geschäftsinhaber schließen jetzt nachts ihre Schreibmaschinen in den Geldschränken ein. mc. Frankfurt a. M., 6. Aug. Zwei Offenbacher Schüler unternahmen am Freitag auf Fahrrädern eine Fahrt in den Isenburger Wald. AlS sie dort Pilze suchten, kam ein sechzehnjähriger = Hungen. 7. Aug. Bei dem Rad- fahr fest, das gestern in Klein-Linden stattfand, errang der hiesige Radfahrervereür „Germania" im Korsvfahren in Klasse B den 1. Preis. — KreiSfeuerwehrinsvektor Di- kvrä-Gießen nahm gestern, nachmittag eine Besichtigung der hiesigen Pflicht- und Freiwilligen Feuerwehr vor, die ein zufriedenstellendes Ergebnis hatte. Das markierte Brandvbjekt wurde von drei Seiten angegriffen. Die Hebung klappte in allen einzelnen Teilen vorzüglich und auch das Abrücken ging Kreis Friedberg. /X Aus der Wetterau, 6. Aug. Ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen ging heute nachmittag nieder. Die Wasfer- massen waren s,o bettächtlich, das) das Wasser stundenlang auf den Feldwegen, in den Furchen und auf den tiefliegenden Aeckern stand. Die Kartoffel- und Haferäcker waren wie gewalzt. Kreis Lauterbach. ^Schlitz, 3. Aug. Unser an landschaftlichen Schönheiten und romantischen Reizen so reiches Städtchen hat seit dem Kriege als Sommerfrische mit jedem Zähre einen größeren Zuspruch von Gästen erfahren. Heute sind nicht nur die Gasthäuser und Hotels alle besetzt, auch in zahlreichen Privathäusern haben die Fremden, die in unseren Wäldern und Bergen Erholung suchen, Unterfunft gefunden. Die Stadt erhebt pro Kopf und Tag eine Fremdensteuer von 3 Mk. Zu diesen Dauergästen kommt täglich ein Strom von Touristen durch die Stadt, angezogen von dem altertümlichen Städtebild mit seinen fünf Burgen und seiner alten Kirche. Der Rachmittagszug von Bad Salzschlirf bringt täglich auch zahlreiche Badegäste zu kurzem Verweilen nach hier, darunter viele Ausländer-. Unser altes hessisches Städtchen ist mit der Zeit der beliebteste -Ausflugsort des Salzschlirf er Badepublikums geworden. Schöne Waldwege führen in nicht zwei Stunden zu dem bekannten Badeorte. Japan Rio de Janeiro 10087, — 10113, Dor nun mehr zwei Jahren das betannre besetz Hn Kraft treten konnte, das die Herstellung und HSinfufa alkoholischer Getränke verbietet. Die all- imähiiche Umstellung der Brauereibetriebe und ;©dmab5brenncreien auf andersartige Produktion Labe keine Zunahme der Zahl der Arbeitslosen aur Folge gehabt und das amerikanische Volk ifei zum allergrößten Teil mit dem alkvhollosen Zustand durchaus zufrieden. Wenn auch Haus- [brauereien und Grenzschmuggel (insbesondere an Iber Westküste) bis heute noch nicht ganz unter- Ibrücft weff>en konnten, sei Amerika also seit 2 Jahren völlig „ttocken gelegT. lieber den Em- stuß des Alkoholverbots auf Wohlstand. Gesund- checksverbältniste und Kriminalität im Volle wußte der Vortragende an Hand von Statistiken nrn .Günstiges zu berichten. Er schloß mit der Aufforderung auch in Deutschland durch Propaganda .uni) Zusammenschluß die Volksgesinnung in der Weise zu beeinflussen, daß von chr ein Alkohol- Gesetz ähnlich dem amerikanischen, ausgehen uns igetragen werden könne. In der anschließenden freien Aussprache zeigte sich daß die lmks- radikalen Diskussionsredner große innere Schwierigkeiten hatten, dieses allgemein menschliche Problem in der erforderlich sachlichen und unpersön- lichsn Weise zu behandeln. Die Gründung eines Arbeiterabstinentenbundes wurde von Frau Dr. Flörke angeregt. Ferner kamen Vertreter des Blaulreuzverems, des Bundes abstinente'-' Frauen und ein Mitglied der seit 29 Jahren abstinenten Obstbausiedelungsgemeinde Eden bei Oranienburg zu Wort. Zum Schluß forderte Prof. S chm idt, der die Versamm.ung im Namen des hessischen Gauverbandes gegen den Alloholis- mus leitete, dazu auf, die verschiedenen aliohol- gegnerischen Organisationen unserer Stadt zu .einem „Arbeitsausschuß zur Bekämpfung des Alkoholisnms" zu vereinigen, denn nur der Zusammenschluß gebe Einfluß. Ob eine so uabtlale Maßnahme, wie das amerikanische Alkoholgesetz, die einzige Möglichkeit darstellt, den unleugbaren Schäden des Lrinlertums abzuhelfcn, darüber läßt sich immerhin verschiedener Meinung sein, jedenfals aber ist es zu begrüßen, wenn eine weitere Oefsentlichkeit zum Nachdenken über diese hygienisch wie vvllswirtschastlich gleich bedeutungsvolle Frage angeregt wird. * Preußisch-Süddeutsche Klassen- Lotterie. Die Lose Mr 3. Klasse sind bis kommenden Mittwoch, abends 6 Mr, einzulösen. Ebenso sind auclj die in der 2. Klasse-mit Gewinn gezogenen Lose gegen Grsahlose vorMlegen. Bornotizen. : — Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Wildes Blut", „Die Kette der Schuld" und „Die Teepuppe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „ Fridericus Rex", 1. und 2. Teil. Landkreis Gießen. Züricher Devisenmarkt. 5. 8, Bei einem Zusammenstoß Mischen einem Schnellzuge und Personenzuge bei Sulphur Springs sind sechzig Personen ge? tötet und hundert verletzt worden. Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: ---- 4.8. (Nachdruck verboten.) 28. Fortsetzung. Eine Anzahl von Stufen stiegen tn die Tiefe und verloren sich im Dunkeln. Eduard hielt seinen Revolver gespannt. Er hatte noch eine Ladung von neun Schuß darin und hoffte, es auch mit einer größeren Zahl von Gegnern aufnehmen zu können, wenn ihm das Glück hold war. Der Lärm, der von unten heraufquoll, übertönte den Hall der Schritte, er verhinderte abei auch, baf! Eduard oder der Doktor hören konnten, wie 'in fliegender Hast einige schwarze Kerle bk Treppe herauf und ihnen entgcgenstürmten.Wahrscheinlich hatten diese (Singeborcnen doch irgendwie das Rahen der beiden Europäer bemerkt und eilten nun, diese unschädlich zu machen. Rur ein| zufälliger Strahl, der aus der Laterne drang und einen Augenblick lang die blauten Waffen de Rubier beleachiete, verriet Eduard die Gefahr, in welcher er und der Doktor schwebte. Aber mit dem Entschluß, lieber zu fallen alS zu Weichen, stürmte er den Angreifern entgegen und wollte einige Schüsse auf sie abgeb.n. Aber fein Revolver versagte. Beim Durchschwimmen des unterirdischen Kanales war er naß geworden und arbeitete nun nicht mehr. Eduard fühlte, wie das Blut aus feiner Hauk zurückwich, aber mit dem Mut eines von der Meute gestellten Ebers warf er sich auf die Gegner, zerschmetterte dem vordersten mit einem wohlgezielten Stoße der Faust die Kinnladen, würgte die Nach drän gen den an der Kehle und trat mit den Füßen blind nach allen Seiten, so daß einige Reger wankten und über die Stufe.. sangen. • Allmählich wurde es klarer in ihm, er vermochte die Dinge der Umwelt von den Phantasien seines erregten Gehirnes zu unterscheiden, ohne daß jedoch dadurch der Eindruck des Ganzen seine Schrecklichkeit abstreift?. Denn wohin er sein Ange wandte umgab ihn wallender Fe iei> schein und wo dieser nicht mehr hinzudrängen vermochte wölbte sich ein gespensttscher Rebel, in welchem verrenkte menschliche Gestalten und grinsende Tier gesichter schwankten. Das Tosen seines BluteS verebbte unb jein Kopf wurde freier, aber dennoch ließ der Lärm Rasch entschlossen nahm nun Perzeli is das Schilfrohr, das er wie unter dem Zwange eines unbewußten Gedcmkenganges abgeschnitten hatte, steckte es tn das Loch und schob es tief hinein. Er fühlte einen elastischen Widerstand, drückte dagegen und sah z t seiner und Eduards Freude, wie einer der mächtigen Quadern sich leicht und frei nach rückwärts bewegte und eine große schwarze Oeffnung freimachte. Und a us diesem Tor, das wie der Eingang zur Hölle erschien, drang ein Donnern, Singen, Kreischen und der Laut von Zimbeln und 'Gongs, als ob alle Geister des wilden Heeres hier unten ihren ©abbat hielten. Vorsichtig, aber zum Letzten entschlossen, betrat Eduard noch vor dem Doktor das finstere Innere. Es trieb ihn vorwärts, jetzt, wo er sich dem Ziele so nahe wußte. Er hatte keinen Plan und keine Vorstellung, wie er Srlly befreien wollte, er dachte auch gar nicht daran, daß sie möglrchen- falls gar nicht mehr zu retten war — jetzt wo es einfaches, heldenhaftes Sichopfern galt, gewann er die ganze Kraft und Grösse seines Wesens wieder, die solange nredergehalten worden waren durch Hebet legen, Zweifeln und Warten, jetzt ging er feinen klar gezeichneten Weg dem Feinde entgegen zu Sieg oder Untergang. Perzelius folgte ihm, die mitgebrachte Laterne in der Hand die nun stark abgeblendet war und nur ein spärliches Licht verbreitete. W ßMMM AM MU Roman von Ernst Scherte!. Eüt Schuß krachte und ein zweiter und dritter — wohl aus der Waffe des Doktors — und Eduard verdoppelte wie wahnsinnig seine Anstrengungen. Er fühlte bereits nervige Finger seine Glieder umkrallen, doch er biß sich los und drängte mit dem Kopfe feine Gegner zurück, jo daß er tatsächlich Raum gewann. Ajder da schmetterte ein Schlag nieder auf seinen Schädel, et dachte nur noch: „Durch, durch um leben Preis!" dann quoll Blut vor feine Augen, fein Bewußtsein verließ ihn und er brach schwer zusammen. Reuntes Kapitel. Als Eduard wieder erwachte, fand er sich von einem unklaren, zuckenden Schein umgeben. Die wirren Bilder, die sich in seinem Kopse drängten, schwankten zwischen Traum und Wirtlich- leit. Seine Schläsen hämmerten unb feine Gedanken hasteten von der Vergangenheit zur Gegenwart, ohne beides richtig verbinden zu könne.:.. Sein Atem ging matt und langsam, und ein müdes Zerschlagen sein hielt seine Glieder ge- hinadschluAen. Von Perzelius vermochte er nichts zu sehens aber zweifellos befand sich dieser auch im Kampf, j Turnen, Sport und Sprek. Der Segelflug. Gersfeld, 4. August. Vom 9. bis 24. August wird auf den Hängen der Wasserkuppe der dritte Rhön-Segel- flug--Wettbewerb stattsinden, zu dem etwa 45 Flugzeuge erwartet werden. Vachdem die vorjährigen deutschen Erfolge auf diesem Gebiet des Segelsports mit dem Weltrekord des Regierungsbaumeisters Hardt (21* Minuten Flugzeit mit und gegen den Wind bis 150 Meter Er- EHebung über den Startpunkt) zum Abschluh gekommen waren, ist in diesem Hcchr ein weiterer Erfolg mit interessanten Flügen zu erwarten. Die ersten wissenschaftlich und zwecklich brauchbaren Ergebnisse auf diesem Gebiet erzielte bekanntlich der Ingenieur O. L i l i e n t h> a l, der in mehr als 30jähriger mühevoller Arbeit die deute noch brauchbaren Grundlagen der Flugkunst schuf und alä erster frei fliegender Mensch leider mitten aus seinen Erfolgen vor 26 Jahren durch einen Todessturz gerissen wurde. Die Weiterentwicklung wurde nun besonders von Amerikanern gefördert, unter denen die Gebr. Wright am bekanntesten geworden sind, nachdem sie durchs Einbau eines zunächst kleinen Hilfsmotors ihr Gleitflugzeug zu einem brauchbaren Motorslieger umgestaltet Chatten. Da aber in der Folge die Militärverwaltungen als einzig zahlungsfähige Interessenten auftraten, schlug man mit der Entwicklung der Leichtmvtoren bald den Weg ein, der zur schnelleren Erreichung praktischer Ergebnisse zur Airwendung immer stärkeren Motoren führte, um ohne Rücksicht auf die Vetriebs- I "I !!■! II—MWMII HIWI 3qgT!Tr«UlT JJJgE—; kosten die Luft zu meistern, ohne die vorhandenen' Energiequellen auszunutzen. So fand auch die erste Gleitflug-Spvrlveranstaltung Darmstädter Studenten im Jahre 1911 auf der Rhön kein allgemeines Interesse, obgleich dort schon der Student Guthermut einen Gleitflug von 832 Meter ausführte. Erst 1920 wurde die Idee einer solchen Sportveranstaltung von dem Frankfurter Ingenieur Ursenus in Verbindung mit Gleit- und Segelflugvereinen aufgegriffen und der erste Rhön-Segelflug-Wettbewerb brachte trotz des sehr schlechten Wetters schon mit einem Flug von beinahe 2 Km. Länge einen merkenswerten Achtungserfolg. Dies gab der durch die Veranstaltung der Prinz-Heinrich-Flüge bekannten Südwestgruppe des deutschen Lustsahrtverbandes Veranlassung, gemeinsam mit dem Deutschen Modellund Segelflugverband 1921 den zweiten Rhön- Segelslug-Wettbewerb zu veranstalten, bei dem dir- Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt den Ehrenschutz übernahm. Die vorjährigen Erfolge gingen weit über die kühnsten Erwartungen h naus und Flüge von 2—8 Kilometern Länge mit Flugzeiten von 5—13 Minuten Dauer wurden nicht nur als Ausnahmen, sondern bei verschiedener Wetterlage erreicht, wobei volle Kreise und Achter mit und gegen den Wind auch öfters mit Höhengewinn geflogen wurden. Diese natürlich auch im Ausland gebührend beachteten Erfolge deutscher natürlicher Fliegekunst beweisen den Wert solcher Bestrebungen auch denen, die seither diesen Sportversuchen skeptisch gegenübergestanden 'fyatten und nur die leider bei solchen Proben unvermeidlichen Verluste an Menschenleben kritisiert hatten, so dah jetzt der Segelflugsport als praktisches Vorstudium wirklicher Flugkünst anerkannt ist. Wenn es auch wohl nie erreicht wird, dah sich der Mensch ohne motorische Veihilfe bei jeder Wetterlage wird in die Luft erheben können, so ist es doch schon des Sch-weihes der Edlen wert, wenn es in absehbarer Zeit gelingt, ein brauchbares Verkehrsflugzeug auszubilden, das vielleicht nur 1/5 bis 1/io der heute nötigen Pferdestärken gebraucht. Denn ein wirtschaftlicher Flugverkehr ist unmöglich, so lange man zur Beförderung einiger Personen Hunderte von Pferdestärken benötigt bei einer irgend schnellen Abnutzung der Maschine, wie denn £ec heutige Luftverkehr überall nur mit hohen Staatszuschüssen durchführbar ist. D.- Radsport. „Germania"-Gießen gewinnt die Sanmeister- schaft im 100-Kilotneter-Mannschaftsfahren. Der Gau 9a V. D. R. veranstaltete gestern auf-der Strecke Giehen—Marburg—Kirchhain und zurück sein 100 Klm.-Meisterschaftsmannschafts- fahren. Dem Starter Gaufahrwart M a r x - Giehen stellten sich' 5 Mannschaften aus Marburg, Kirchhain und Giehen. Am 7.20 Ahr wurden die Konkurrenten in Abständen von 5 Minuten entlassen. Die favorisierten Mannschaften von 1885 Giehen hatten Start Rr. 2, Kirchhain 1904 Rr. 4, und „Germania"-Giehen Rr. 5. Gleich vom Start aus wurde ein sehr scharfes Tempo gefahren. Dis Marburg hatte der Radf.°V. 1891 Marburg schon zwei Defekte zu beheben und war infolgedessen aus dem Rennen geworfen. Giehen 1885 hatte bereits „ Einigkeit"-Kirchhain überholt und am Wendepunkt standen die Mann- ' '* "" '• ll IM II I liniWUT III III____Ulli schäften noch' ziemlich gleich. Die Entscheidung fiel auf der Rückfahrt. Bis Marburg hatte „Germania"-Giehen 1 Minute Vorsprung, welchen sie bis zum Ziel hielt und als Sieger über das Band ging. Ergebnis: 1. „G e r ma n i a" - G i e h e n (Rödiger, Muhl, Reitberger, Sehrt, Mandler. 'Faber) in 3 Std. 20 Min. 2. 1885 Giehen (Deibel, Kehler, Reuning, Zinher I, Zinher ll, Heh) in 3 Std. 21.35 Min. 3. 1904 Kirchhain in 3 Std. 32 Min. 4. „Einigkeit"-Kirchhain in 4 Std. 16 Min. I I Von der Rease zurück Br» Pioch Sprechstunden 1 81/.,—10 und 2’^-4 Uhr Zahnarzt Dr.Haubach verreist. Bekanntmachung. Anrechnung überzahlter Neichsnotopfer- beträgs auf die Zrvangsanleihe. Nach § 36 des Vermögenssteuergesetzes ist das Ncichsnotopfer nur in Höhe von 10 vom Hundert des abgabepflichtigen Ykrmögens, mindestens aber in Höhe von 33'/3 vom Hundert des gesamten Notopfers und bei Vermögen über 1027 000 Mark in Höhe von 40 vom Hundert des gesamten Notopfers zu entrichten. Die hierüber hinaus bereits entrichteten Notopferbeträge sind auf Antrag entweder zurückzuerstatten oder nach § 11 des Gesetzes über die Zwangsanleihe auf die geschuldete Zwangsanleihe anzurechnen. Wer von dem letzteren Recht Gebrauch machen will, hat den Antrag gleichzeitig mit der Ab- • gäbe der Vermögensteuererklärung, die im Januar 1923 stattfinden soll, zu stellen. Als Ieichnungskurs wird, jba sich die überzahlten Beträge bereits jetzt schon im Besitz des Fiskus befinden, der Fuli-Zeichnungskurs, t also 94 vom Hundert, angerechnet. Wer also 3. B. durch Hingabe selbstgezeichneter Kriegsanleihe oder F in bar sein Notopser in Höhe von 200 000 Mark entrichtet hatte, hierauf aber 80 000 Mark zurück- ' zuerhalten und an Iwangsanleihe 90 000 Mark zu zeichnen hat, erhält bei einem entsprechenden Antrag 80 000 Mark unter Zugrundelegung eines Zeichnungskurses von 94 Prozent, also 85 100 Mark angerechnet, sodah er nur noch 4 900 Mark Iwangsanleihe zu zeichnen hat. Hiernach ist es zwecklos, schon jetzt solche Anträge auf Anrechnung bei den Finanzämtern M stellen. Insoweit jemand Anrechnung überzahlter Reichsnotopferbettäge auf Zwangsanleihe beanttagen will, hat er zur Zeit nichts zu tun, es genügt, wenn der Antrag bei Abgabe der Dermögensteuererklärung gestellt wird, der günstige Iuli-Ieichnungskurs von 94 vom Hundert ist dann auf jeden Fall gesichert. Die Finanzämter (73158 Giehen, Butzbach, Grünberg und Hungen. j Vermietungen | Pension Brandl Neuon Bäu» 22. Out möbl. Zimmer m. Varpfl. 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