m. 281 Erscheint läglid), nutzer Sonn» und Feiertags, mit derSomstagsbeiloge: GietzenerFa milien blätter Monatliche vezuarpreise: B80 Mark und 20 Mark Trügerlohn,durch diePost <00 Mark,auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernlprech- Lnschlüsse: fürbieSd)rifU leilung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen. poftschecllonlo: Frankfurt a. M. 11686. 172. Jahrgang Mittwoch, 6. Dezember 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Unlverfilälz-Vuch- und Steinöruderti R. Lange in Gießen. $d)riftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm Höhe für Anzeigen,) 27 mm‘Breite örtlich 12 Mk, auswärts 15 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Dreite40MK. Bei Platz- Vorschrift 20'0 Aufichlag. Hauplschriftleiter: Slug. Goetz Verantwortlich für Politik: Slug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschem; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen. Der Reichspräsident und der neue französische Botschafter. Der! in, 5. Dez. (WTV ) Der Reichspräsident hat heute den neuema.vnten französischen au hervi deutlichen bevollmächtigten B o t - schaster Oacquin be Oll ärgerte zur ®nt- gcgennahme seines Beglaublgungsschrei- enS empfangen Bei dem Empfang tpar m Bertrctimg deS ReichSmiirislers des Auswärtigen ©taatdlefretäi von Hciniel zugegen. Der Botschafter hielt folgende Ansprache: terr VräsidentI Ich habe die Ehre, Ihnen das chreiben zu überreichen, womit der Präsident ber französischen Republik mich bei Ihnen als auherordentlichen bevollmächtigten Botschafter beglaubigt hat Ich bin berufen, mein Land bei der Deutschen Republik zu vertreten, und es wird mir am Herzen liegen, nich s zu unterlassen, um die Absichten meiner Regierung zu verwirklichen, die daraus abzielen, in friedlicher Arbeit an der Aufrechterhaltung jener politischen und wirtfchaft- lidjen Stabilität Europas mitzuarbeiten, die allein nach so groben Erschütterungen die Rationen in die Lage versetzen kann, in gegenteiligem Ber- tixrucn ihren En»wickelungsgang wieder aufzunehmen. Alle meine Bemühungen werden daraus gerichtet sein, inmitten des deutschen Boltes den Beweis für den aufrichtigen Wunsch meiner Regierung zu liefern, dah zwischen Frankreich und Deutschland im Rahmen des Friedenscertrages, ber die Boraussetzungen ihres Verhältnisses zu- eyianber geregelt hat. die Beziehungen wiederher- gestellt und entwickelt werden, die für das Einvernehmen und den Fvrtsch.itt dieser neuen Z e i t unentbehrlich sind, und von welcher die Geschichte erwartet, dab sie noch mehr als ihre Borgänger -um Triumph der Zivilisation und zur Herrschaft der menschlichen Gerechtigkeit beitragen. Für die Erfüllung dieser hohen Aufgabe bringe ich neben jenem leidenschaftlichen Wayrheitskult und jenem entschlofsenen Streben nach Einhaltung des richtigen Mabes, wie sie die französische Tradition aufweist, die unerschütterliche Absicht mit, die Rechte meines Landes zu wahren und diejenigen Deutschlands zu achten. Indem ich Sie bitte, Herr Präsident, den Ausdruck meiner aufrichtigen Wünsche für Ihre Person und für die deutsche Ration zu genehmigen, gestatte ich mir, dem Bertrauen Ausdruck zu geben, bafo Sie vermöge der hohen Autorität, die Ihnen sowohl Ihre persönlichen Eigenschaften als auch das von Ihnen verwaltete hohe Amt verleihen, ebenso wie Ihre Regierung mir Hnterftüfcung angedeihen lassen werden, ohne die meine Bemühungen Gefahr laufen würden, nicht alle ihre Früchte zu tragen. Der Reichspräsident erwiderte mit folgenden Worten Herr Botschafter! Ich habe die Ehre, aus Ihren Händen das Schreiben entgegenzunehmen, mit dem der Präsident der französischen Republik Sie als auherordentlichen bevollmächtigten Botschafter bei mir beglaubigt. Mit Genugtuung nehme ich die Wünsch: entgegen, die Sie Deutschland und mir ausfprechen. Seien Sie versichert, dah die Reichsregieru:ig alles tun wird, um Ihre hohe Aufaabe zu erleichtern und jene Stabilität der Ber- b ä 11 n i ff e herzuftellen, die Sie mit Recht als das Ziel der Gegenwart bezeichnen. Jener Sinn für Mab und Wahrheit, die Sie erwähnen, wird Dabei entscheidend mitzuwirken haben, und Ihre Worte verbürgen mir, dab Sie aufrichtig bemüht sein werden, an der Beruhigung dec ©elfter mitzuarbeiten, die unseren beiden Ländern so dringend nottut. Indem Sie die Ihnen neuen Ber- hältnisse und die sich schwerer und schwerer gestaltende Gage des deutschen Bolles unmittelbar auf sich wirken lassen werden, werden Sie Gelegenheit finden, mit ihrer reichen diplomatischen Erfahrung dem Frieden zu dienen In der 5Öffnung, dab Ihre Arbeit reiche Früchte tragen wird, heitze ich Sie willkommen. Hieran schlvh sich eine Unterhaltung, in deren Verlauf der Botschafter dem Reichspräsidenten auch die Mitglieder der Botschaft vorstellte. ♦ Wenn der französische Botschafter sagt, die Geschichte erwarte „von dieser neuen Zeit, daß [ie noch mehr als ihre Borgänger zum Triumph der Zivilisation und zurHerrschaftdermensch- NchenGerechtigkeit beitrage“ — so muh er sich dabei auch etwas gedacht haben. Sollte er gar die Abtrennung der Rheinlande vom Reiche als „Gerechtigkeit“ deuten wollen? Bei uns Deutschen gibt es über die gegenwärtige französische Gewaltpolitik nicht viel Worte, und der Reichspräsident hat dem- gemäh höflich, kühl, formell und kurz gesprochen . . . Die Konferenz der deutschen Minister in Berlin. Berlin, 5. Dez. (Wolfs.) Wie den Blättern von zuständiger Seite mitgeteilt wird, hatte der bayerische Ministerpräsident heute vormittag eine Besprechung mit dem Reichs- kanzler. Um P/s Uhr fand ein Frühstück bei dem Gesandten von Preger statt, an dem auch der Reichskanzler teilnahm. Heute abend findet eine Besprechung des Reichskanzlers mit ben im Laufe des Tages weiter eingetrofjenen Ministerpräsidenten der Länder statt. Gegenstand der Besprechung ist die allgemeine Lage, insbesondere die Ernährungs- und Wirtschaftsfragen. Berlin, 5. Dez. Heute nachmittag fand beim Reichskanzler eine Besprechung mit den präsidierenden Mitgliedern ber Begierungen der deutschen Länder statt, an der auch die stimmführenoen Bevollmächtigten der Länder zum Reichsrat teilnahmen. Rach einer Begruhungsansprache des Reichskanzlers erstatteten die zuständigen Ressortminister über die auhenpolitische, innerpolitische, finanzielle, soziale und ernährungswirtschaftliche Lage kurze Berichte, die morgen Gegenstand einer Aussprache fein werden. Im Anschluh an die Besprechung fand ein Empfang statt, zu dem der Reichskanzler und Frau Cuno geladen hatten. Der Reichspräsident, die hier anwesenden Minister des Reichs und ber Länder sowie Mitglieder des Reichstags und des Preuhischen Landtags nahmen daran teiL Die Konferenz von Lausanne. Paris, 6 Dez. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Matin" schreibt über bei Stand der De. Handlungen in der Meerengenfrage: Trotz der Konzessionen ber Alliierten, die nicht unterschätzt werden dürften, würden die Türken wahrscheinlich die Vorkonferenz von London abwarten und bann erst eine Antwort geben, bie von derjenigen der Russen ganz verschieden fein werde. Der Berichterstatter erklärt, er sehe, dah sich in Lausanne bie Empfindung immer mehr entwickele, bah die Londoner Borkonferenz für die allgemeine Politik der Alliierten und für ihr gutes Einvernehmen en scheibend sein werde. Die Türken werden sich vor den Alliierten, wenn sie einig seien, gewisse Machenschaften und gewis e Widerstände versagen, dagegen nicht, wein sie sie für uneinig halten. Es wäre gut, sagt der Berichterstatter, wenn man in Lausanne wühle, bah Frankreich und England, fefbft wenn sie sich über die mitteleuropäische Frage und bie Reparationsfrage nicht verständigten, trotzdem eine all- fettige Politik der Festigkeit zu wayre.i verstehen, und bah Frankreich in feiner Orientpoliti! feine Schwankungen vornehmen dürfe unter dem Borwand, dah es am Rhein feine Sache verspielt habe. Ein türkisch-englischer Konflikt in Konstantinopel. London, 6. Dez. (WTB.) Eine Reutermeldung aus Konstantinopel besagt, dah. sich gestern ein ernster Zwis chenfall ereignet hat. Die türkische Polizei wollte bie Einschihung von Griechen und Armeniern verhindern, die Konstantinopel verlassen wolllen. Britische Truppen besetzten darauf das Zoll- a m t und deckten mit Hilfe von Maschinengewehren die Einschiffung. Rachmittags wollte Die türkische Polizei die Ausschiffung von Flüchtlingen aus Samsun verhindern, die sich an Bord eines französischen Dampfers befanden, obwohl ber italienischen Polizei eine entsprechende Erlaubnis erteilt worden war. Der Zwischenfall beschäftigt die alliierten Oberkommissare. Die Londoner Vorkonferenz. Paris, 6. Dez. (WTB.) Havas berichtet aus London: Die Besprechungenderalliierten Premierminister werden am Samstag in der Downiag-Street in den Räumen Bonar La Ws abgehalten Im Prinzip solle die Borkvnferenz den Zweck haben, bas Programm der Brüsseler Konferenz aufzustellen, ihren Zeitpunkt tefl<;ulcgcn, sowie über bie Einladungen zu beschließen, die gemacht werden sollen. Richtsdesto- weniger sei es :iach Andeutungen, die gemacht würden, möglich, dah der Rahmen der Besprechungen erweitert werde. P o i n c a r £ werde am Freitag abend in London eintreffen und mit ihm der französisch: Finanzminister sowie die Sady.erftänbigen Pcretti de la Rocca und Tannery. Mussolini werde ebenfalls am Freitag abend erwartet. Die offizielle Rach icht, dah er mit der Eröffnung der Sitzung am 9. Dezember einverstanden fei. soll gestern in London eingetroffen sein. Mussolini tDcrbe in Begleitung des Direktors des Schatzamtes Rossi und des Sad) /eritänbigen Giannini und des italienischen Mitgliedes bei der Repa- rationskrmmission Amegtio kommen. Der belgisch: Ministerpräsident Theünis werde in Begleitung des belgischen Mi.n^ers für auswärtige Angelegenheiten Jasper an den Verhandlungen teilnehmen. Auherdem befv.ibet sich in seiner Begleitung das belgisch: Mitglied in der Reparationskommission Bemelmans. Eine bcdcntsame amerikanische Warnung. London. 5. Dez. (WTB.) Der amerikanische Botschafter in London. Harvey, erklärte gestern in einer Rede über bie augenblickliche europäische Lage, die gesamte Well stehe einer groben Gefahr gegenüber. Die Zusammenkunft bq: Premierminister der vier alliierten Mächte Europas Ende dreser Woche sei die bedeutendste Begegnung, bie seit 1918 stattgefunden habe. Der Grund dafür sei einfach. Es gebe anher dem Krieg noch andere Biege, um internationale Katastrophen herbeizuführen. Es gebe solche Dinge wie Aushungern von Rationen durch andere. Bterm das Wirtschaftsprogramm nicht auf der Zusammenkunft der alliierten Premierminister der Lösung einigermaben nähergebracht werde, wisse er nicht, was vor dem Zusammenbruch retten solle. Europa könne nicht noch ein weiteres Hahr unter dieser Drohung weiterleben. Die Leute redeten über die b-evorstehende Wirtschaftskonferenz von Brüssel, als ob sie etwas bedeuten könnte. Wenn die Premierminister der vier großen Rationen Europas diese Fragen nicht regeln könnten, und wenn diese die Gefahr nicht abwenden könnten, welchen Zweck habe es dann, irgendwelche gröberen und besseren Ergebnisse von einer Zusammenku.rft untergeordneter Persönlichkeiten in Brüssel zu I erhoffen? In London müsse innerhalb der allernächsten Wochen eine internationale Vereinbarung erzielt werden. So wie bisher könne es auch nicht ein einziges Jahr weiter- ge machtwerbe n. Es müsse eine internationale Regelung ber Wirtschaf:sfragen fiattfinben. Der Londoner Berichterstatter des ^Manchester Guardian" schreibt, die Rede Harveys sei von ungewöhnlichem Jyteresse. Harvey habe noch erklärt, bür Welt hoffe, dah bie Premierminister Englanbs, Frankreichs. Italiens unb Belgiens bie Lage im Geiste der Duldsamkeit behandeln würden. Amercka werde vielleicht in der Lage sein, die Beschlüsse zu beeinflussen. Das Ergebnis einer amerikanischen Studienreise. P a r i S, 5. Dez. (WTB.) Der frühere Staatssekretär der Bereinigten Staaten unter Präsident Wilson, Tumulty, ber soeben von einer langen Studienreise aus Deutschland zurückgekehrt ist, hat einem Berichterstatter des „Intransigeant“ erklärt: D i e L a g e i n D e u t s ch l a n d i st k r i t i s ch. Das Schicksal Deutschlands wird sich in sechs Monaten entscheiden. Wenn die Reparationsfrage nicht rasch eine Lösung von feiten Frankreichs und Englands findet — und Amerika ist bereit, ihnen dabei zu helfen —, so glaube ich, dah eine Katastrophe von unberechenbaren wirtschaftlichen Folgen das Ergebnis sein wird. Tumulty erklärte dem Berichterstatter, er werde in Amerika seinen ganzen Ginfluh aufbieten, um die in Deutschland gewonnenen Eindrücke zur Geltung zu bringen. Aus dem englischen Unterhaus. London, 5. Dez. (Wolff.) Auf bie Anfrage eines Mitgliedes der Arbeiterpartei, ob der Premierminister bei den Reparationsverhand- lungen die Bedingung erfüllen könne, dah bie alliierten Truppen wenigstens vom rechten Rheinufer, das in vollkommenem Widerspruch zu dem Versailler Vertrag besetzt wurde, zurückgezogen werben, erklärte B d - n a r Law. es sei unmöglich, über die Erörterungen dieser Art eine Erklärung absugeben. Das Unterhaus hat gestern den Antrag ber Liberalen auf Aufhebung der Industrie- schuhakte mit 269 gegen 207 Stimmen ber Arbeiterpartei abgelehnt. Ungefähr 20 Ratro- nallibetale haben den Antrag ber Asquithlibe- ralen unterstützt, während die übrigen Rational- liberalen sich ber Abstimmung enthielten. _ In ber Dorangegangenen Debatte erklärte Sir Hohn Simons, der den Antrag eingebracht hat, das Gesetz führe ebenso wie die anderen Schutz- mahnahmen zu Preissteigerungen, es behindere den Handel unb beschränke den Erwerb. Der Präsident des Handelsamtes Lloyd G r e a m e erklärte, wenn es wahr sei, dah bie Inbustrie des Friedens künftig in grohem Mähe von der chemischen Wissenschaft abhänge, sei es von größter Wichtigkeit, die chemische Industrie in England zu entwickeln. Die in Frage kommenden Gesetze hätten zweifellos diese Industrie in überraschendem Mähe gefördert. Heute verfertigten die britischen Fabrikanten ausge^ichnete Magnete in jeder gewünschten Menge. Die Fabriken der optischen Glasindustrie wüchsen allmählich empor, unb viele neue chemische Fabriken seien entftanben. Der Fortschritt in der Verfertigung wissenschaftlicher Instrumente sei so gut, dah die wissenschaftlichen Institute Frankreichs, Belgiens unb Italiens jetzt lieber nach England kämen, um wissenschaftliche Instrumente zu kaufen, als sie auf billigeren Märkten anderswo im Auslände zu et- toerben. Die Untersuchung photographischer Linsen auf der Station der Luftstreitkräfte in Farnborough habe ergeben, bah bie von einer englischen Firma gelieferten Linsen den besten Zeihlinsen überlegen seien. Deutschlanb habe ein großes chemisches Forschungsinstitut errichtet unb jede deutsche Industrie habe eine Forschungsschule. Wenn England nicht die chemische und die Farb- stosfindustrie fördere, werde es nicht bie Gelegenheit haben, geübte britische Chemiker anzustellen. Das Parlamentsmitglied Webgwood Benn erklärte, die beutsche chemische Industrie sei nicht durch Schuf mahnahmen aufgebaut worden, sondern durch Erziehung. Das sei die beste Art des Schutzes. Das beste Hellmittel für bie augenblickliche Lage würde 'die Riederreihung aller Zollschranken fein, ferner die Befreiung der Industrie upb die Schaffung des freien Handels zwischen den Rationen der Welt. Asquith nannte das Industrieschutzgesetz eine vollkommene Rarrhsit, die das Geschäftsleben behindere. Das Gesetz werde von der gesamten Bank- und Handelswelt verurteilt. Die Unterhausmitglieder Leach unb M o- r e l richteten im Parlament an bie Regierung bie Anfrage, ob das Kabinett irgendeine Politik erwogen habe, die es auf der Zusammenkunft der alliierten Premierminister in London Der treten könne, ob der Premierminister eine Gelegenheit ergreifen werde, um das Unterhaus, bevor die Konferenz stattfindet, über die Politik zu unterrichten. die er im Interesse des Landes betreiben wolle, ob ferner Bonar Law bei den Beratungen mit den Premierministern Frankreichs und Italiens erklären werde, dah jede Streichung der Schulden abhängig sein müsse von ber Festsetzung der Reparationen auf einer ermäßigten endgültigen Summe, der Räumung der Rheinlande und der Beschränkung <3ler Rüstungen durch einen ratifizierten Pakt, um aut diese Weise einen bauernden Frieden sicherzustellen und die europäische Zivilisation in den Stand zu setzen, sich zu erholen. Bonar Law erwiderte, es sei flar, dah er, ba er mit den Premierministern zusammenkommen werde ohne Vorschläge, die gemacht werden sollen, vor ber Konferenz keinerlei Erklärung abgeben könne. Morel kündigte an, dah er die Frage wieder vorbringen werde. Deutscher Reichstag. 276. Sitzung, nachmittag Z 2 Uhr. Berlin, 5. Dez. 1922. Auf ber Tagesorbnung stehen zunächst Anfragen. Auf eine Anfrage ber Deutschnationalen wird erwidert, dah bei den deutsch-polnischen Währungsverhandlungen die Interessen ber bcu schen Ansiedler in ben an Polen abgetretenen Gebieten geschützt werden sollen. Abg. S ch u 1 tz - Vrom- erg (D at..) fragt, welchen Auzgang die Verhandlungen genommen hätten, zur Aufdeckung der Verschwörung, bie nach der Mitteilung des früheren Reichs- kanzlers gegen ihn angezettelt gewesen seien. Ein Regierungsvertreter erwidert, am 16. Oktober sei der Kaufmann Wllli Schulze aus Dresden auf der Bahnhofswachr In Hagen in Westfalen erschienen und habe erflart, dah er auf der Reise nach Essen sei, um im Auftrage von Offizieren 2 Revolver abzuholen, die zu einem Mordanschlag gegen Dr. Wirth verwendet werden sollen. Auher ihm sei ein Major, ein Rittmeister und ein Stubent an der Sache beteiligt. Die Tat solle am 22. Oktober ausgeführt werden. Schulze habe seine Aussagen auch bei späteren Vernehmungen aufrechterhalten, schiiehlich aber habe er alles widerrufen und als frei erfunden erklärt. Da auher der Selbstbeschuldigung nichts Belastendes gegen Schulze vorlag, was eine gesetzliche Handhabe, gegen ihn eine öffentliche Anklage zu erheben, gerechtfertigt hätte, sei er wieder entlassen worden. Als 2lbg. SHultz- Bromberg qs für ri tiger bezeichnet, oah ber Reichstag angesichts ber groben Erregung, welche damals der Vorgang hervorgerufen hatte sofort von ber Aufklärung benachrichtigt worden wäre, wird regle« rungsseitig erwidert, dah die Aufklärung erst in den allerletzten Tagen erfolgt sei. ALg. Schiffer (Dem.) weist in ebner Anfrage daraus hin. dah bie polnische Regierung durch die Unterlaffung ber Errichtung von M in- derheitsschulen im abgetretenen Obersch lesnen daL Genfer Abkommen verletzt habe. Regierungsseitig wird erwidert, dah die deutsche Regierung die Angelegenheit aufmerksam verfolge und daraus bedacht fern werde, die Rechte der deutschen Minderheiten zu schützen. Abg. Wulle (Deutschvölk.) beschwert sich in einer Anfrage darüber, dah der preuhische Innenminister die national-sozialistische deutsche Arbeiterpartei verboten habe. Regierungsseitig wird daraus evtoibert, eine Prüfung des Verbotes fei nur auf dem Wege der ordentlichen Beschwerde möglich, eine solche Beschwerde sei aber noch nicht ergangen. Alsdann kommt der Haushalt deS Reichspräsidenten zusammen mit dem Gesetzentwurf über den Rachiragsetat des Reichspräsidenten zur Beratung. . Der Gesetzentwurf geht dem Haushaltsausschuh zu. Der Rachtragsetat des Reichspräsidenten. öe£ Reichskanzlers, des Reichswirtschafts Ministers und des Reichswehrministers wirh, angenommen. Bei dem Rachtragsetat deS ReichSiustizmini« sters fordert Abg. Rosenfeld (S.) den neuen Reichsjustizminister auf, eine programmatische Erklärung ab-.ugeben, und stellt konkrete Fragen wegen der Strafrechtsreform, der Erleichterung des Ehescheidungsverfahrens, wegen ferner Stellung zu den Bestrebungen in Bayern, die Iustizhoheit des Reiches nicht anzuerkennen und wegen seiner Stellung zur Klassenjustiz. Abg. Dr. Betl (Z.) wendet sich gegen jede weitere Erleichterung der Ehescheidung und bittet der Rotlage des deutschen Anwaltsstandes abzu- helsen. Reichsjustizminister Dr. Heinze dankt seinem Amtsvorgänger für die ernste Mühewaltung unb die Gewissenhaftigkeit, mit der er fein Amt verwaltet habe, und erklärt, dah bei der Iuftizresorm, wie bei allen anderen Reformen, wirtschaftliche Gesichtspunkte und finanzielle Leistungsfähigkeit berücksich'-igt werden müsse. Der Rot der Rechtsanwälte werde er seine besondere Aufmerksamkeit zutoenben. In der Frage der Ehescheidungsreform seien aber gewisse Bebenfen großer Volkskreise zu berücksichtigen, denen man nicht vor den Kops Hoben könne, lieber den Pro^h Zechenbach werde er im Ausschuh Auskunft geben. Was seine Stellung zur Klassenjustiz anbelange, so werde es fein Bestreben sein, die Iuistz aus dem Kampfe der Parteien herauszuheben. Er bitte alle Parteien, ihn bei der Erreichung dieses Zieles unterstützen zu wollen. Der Rachtragsetat zum Zuftizhaushalt unb zum allgemeinen PensionsondS wird darauf angenommen. Morgen nachmittag 3 Uhr sozialdemokratische Teuerungsinterpellativn, weitere Rachtragsetats und Reichswahlgesetz. Schluh 4V.llhr. Aus dem Reiche. Ems foziolbemokratifHe Anfrage über bie Prelssteigerung-rn. Dem „Vorwärts“ zufolge hat die sozialdemokratische R e i ch s t a g s f r a k t i o n eine Interpellation eingebracht, worin unter Hinweis auf die fortgesetzte Steigerung ber Preise aller Lebensmittel und die dadurch her- vorgerufene Beunruhigung unb Erregung der De- bölrerung, die noch gesteigert werde durch die bedrohlichen Rachrichten über den Stand der Dr o t- versorgung, gefragt wird: Welche Mah- nahmen gedenkt die Aeichsregierung xur Sicherstellung der Vvlkseinährung zu treffen? Was gedenkt die Reichsregierung gegen die Zurückhaltung des Brotgetreides zu tun? Welche Maßnahmen will die Reichsregierung gegen die ungeheure Preissteigerung bet Milch, Zucker und den sonstigen Rahrungsmitteln veranlassen? Ist die Reichscegierung bereit, die ^lmfahsteuer, welche die Preise stark erhöht, bei solchen Lebensmitteln aufzuheben, die der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegen? Zur Verhaftung EhrhardtS. Berlin, 5. Dez. (Privattelegramme, Abendblätter, keine Wolffmeldungen.) Rach einer Meldung des „Verl. Tagebl." aus Leipzig hat der S t a a t s g e r i ch t S h o f zum Schutze der Republik die Beschwerde des Korvettenkapitäns Ehrhardt gegen den Haftbefehl zurückgewiesen. Weiter hat der Gerichtshof beschlossen, Ehrhardts gesamtes Vermögen zu beschlagnahmen. 5>ie Wahl des sächsischen Ministerpräfidenten. Dresden, 5. Dez. (Wolff.) 3n der heutigen Sitzung des Landtages stand die Wahl des Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung. Don sozialdemokratischer Seite wurde die Wiederwahl des bisherigen Ministerpräsidenten Buck vorgc schlagen, der schließlich auch mit 49 von 94 abgegebenen Stimmen gewählt wurde. Hofmann (Deutschnat.) erhielt 18 und Kaiser (Deutsche Dp.) 3 Stimmen. Außerdem wurden 24 weiße Zettel abgegeben. Bayern mrd die republikauisch-rn Schutzgrsetze. München, 5. Dez. (Wolff.) Das Präsidium der vereinigten vaterländisä-en Verbände Bayerns richtete an den Ministerpräsidenten Dc. v. K n i l l i n g vor dessen Abreise nach Berlin eine Anfrage des Inhalts, ob die bayerische Staatsregierung dem bei Eröffnung des Landtages bekundeten Standpunkt gemäß die Absicht habe, bei der neuen ReichSregie.ung ehestens dahin zu wirken, daß die sogenannten republikanischen Schutzgesetze als Ausnahmegesetze auch im Sinne der Weimarer Verfassung a u f- gehoben werden. Ferner haben die Verbände angefragt, wie es mit den Sicherungen steht, die zwischen der Regierung Dr. Wirths und der bayerischen Regierung Lerchenfelds bezüglich des Gesetzes in Bayern vereinbart wurden und ob das Kabinett Cuno diese Sicherungen erneut abgegeben habe. Aus Hessen. Aus dem Finanzausschuß. tm. Darmstadt, 5. Dez. Der Finanz- auSschuh des Landtags lehnte in seiner heutigen Beratung die Vorstellung des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen, Bez. Hessen auf Gewährung eines Staatszuschusses nach der Regierungsantwort ab. Der Ausschuß setzte die Tagegelder derAbgeordneten neu fest: vom 1. Oktober ab: Für Abgeordnete aus Darmstadt 400 Mk., für auswärtige 603 Mk.. für äiebecnachtungen 600 Mk., vom I Rovember ab: für Darmstädter Abgeordnete 1000 Mk., für auswärtige 1500 Mk., älebernachlungen 1500 Mk. *Aus dem besetzten Gebiet. Gin ZeitungSdrrbst. Zweibrücken, 6. Dez. (WTB.) Das Erscheinen der „Z w e i b r ü ck e r Zeitung" wurde von der französischen Besatzungs» behörde auf die Dauer von drei Tagen verboten. Aus Stadt und Land. Gießen, den 6. Dezember 1922. Geldabfindnug der Kapitulanten. Aach dem Mannsch^f.'srersorgungsgeseh form Kapitulanten, die nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivilversorgungsschein erworben haben, bis xum Ablauf eines Jahres nod) der Entlassung aus dem aktiven Militärdienst auf ihren Antrag gegen Vei> zichl auf den Echem und auf die Zidilverforgunas- entschadngung eine einmalige Geldabfindung bewilligt werden, wenn sie für eine nützliche Verwendung des Geldes Gewähr leisten. Während nach diesex Vorschrift di« Bewilligung der Abfindung in das freie Ermessen der Verwaltungsbehörde gestellt war, hat das Kapitulantenent- schädigungsgesetz für die Kapitulanten, die nach Vollendung des 12. Dienstjahres infolge der Verminderung der Wehrmacht aus dem aktiven Dienst ausscheiden müssen und zum Beamten würdig erscheinen, einen Rechtsanspruch auf die Geldabfindung geschaffen. Die Frage, ob für eine nützliche Verwendung des Geldes Gewähr gegeben ist, ist lediglich nach der Persönlichkeit des Kapitulanten zu beurteilen. Wenn der Kapitulant nach feiner dienstlichen und außerdienstlichen Führung und feinen moralischen Eigenschaften eine genügende Sicherheit für die Annahme gewährt, daß das Geld nützlich verwendet wird, so hat die Bewilligung der Abfindung zu erfolgen, ohne daß es eines besonder«! RachwriseS des Verwendungszweckes bedarf. Die Bewilligung hängt also z. B. nicht von der Art der Anlegung des Kapitals ab. Portoersparnisscbe im Paketversand. Bei Versand von Paketen im Gewicht von 11 bis 20 Kilogramm lassen sich folgende Portversparnisfe durch Teilung inzweiPakete erreichen in der Fernzone bei: 11 Kg. Tarif 288 Mk., geteilt in 5 u. 6 Kg. nur 264Mk. 3n der Rahzone ist daS Verhältnis das gleich:, die Ersparnis beträgt aber nur die Hälfte. * 12 336 6 „ 6 288 13 — 384 n — n e„ 7 n n 312 «k 14 — II 432 - — n 7 „ 1 ■e •e 336 15 480 ■ 7„ 8 — n 360 — 16 528 8„ 8 II n 384 n 17 w H 576 — 8 „ 9 — n 408 18 624 9„ 9 II 432 - 19 672 9 „10 456 n 20 W ff 720 n 10 „10 n n 480 < Eisenbahnperfonalien Zu n 1.Dezember wurde Regierungs- un) Baurat Müller vom Vorstand des hief.gen B tr.ebsamts 1 -ur Eisenbahndlrektion nach Frank u7t versetzt. Re- aieiu vg3- und Daurat Euler wurde von Betzdorf als Vorstand des hiesigen Vetriebsamts 1 nach Gießen verseht. ** Die Ablieferung der Ge- treideumlage. Die Leitung des Kommu- nälverbandes macht im neuesten AmtSverkün- digungsblatt darauf aufmerksam, daß das erste Drittel der Getreiteuinlage sofort, längstens aber bis zum 10. Dezember, abzuliefem ist. •* Diebstähle. 3n der Rocht zu gestern wurden aus einem Hühnerhaus in einem Garten deS alten Feldes vier Hühner, ein Hahn unb zwei Stallhasen entwendet und an Ort unb Stelle abgeschlachtet. — 3n derselben Rächt wurden einer Holzhauerrotte im Schiffenberger Wald zwei Schrotsägen, drei Aexte und drei Hacken gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal- Abteilung entgegen. ** Reinigung der Schmie deka m i n e. Zur Behebung von Zweifeln und zur Herbeiführung einer einheitlichen Regelung hat das Ministerium des Innern nach Anhörung sachverständiger Behörden bestimmt, daß die Schmiedekaminr, sofern keine sonstigen Feuerungen in sie einrnünden, alljährlich mindestens einmal zu reinigen sind. E i II ober hessisches Städtchen im Film. Unfer burgenr..ichZ, schön gelegenes oberhessisches Stndtcfe.i Schlitz war im vergangenen Jahre der Schauplatz der Ausnahme eines größeren FllmwerkeS. Eine Berliner Filmgesellschaft setzte in Schlitz das Märchen „Tischlein, d e ck dich" in Szene. Rachdem der Film in großen, Lichtspielhäusern begeistert ausgenommen worden ist, hat ihn das hessische Film-Archiv für längere Zeit erworben, und unseren Schulen wird nun Gel 'geufert geboten sein, sich an der frischen Handlung des Märchens, dann aber auch an den schönen Landschaften des Schlitz erlandes unb den alten Gassen und Plätzen des reizmteir oberhessischen Städtchens zu erfreuen. Gestern hat Eludienrat Dr. Vetters, der Leiter der hessischen Lehrsilmzentrale, in Bad-Rau heim vor dreimal ausver'auftem Hause den Schulen der Stadt und der Umgebung den Film gezeigt: er wurde vvn der Zug.n) mit Spannung verfolgt und fand lebhaften Beifall. 3n nächster Wochr toiro den Schuten von Gießen und Umgebung Gelegenheit geboten fein, den schönen Heimatfilm zu bewundern. Dann wird er seine weitere Reise in die hessischen Städte und größeren Orte fortsehen. Bornotizen. — TageSkalenderfürMittwvch. Stadttheater, 7 Uhr: „Der Vulkan." — Reue Aula, 8V» Hfe: Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Das Kind ter Straße" und „Die Stranddiva." — Aus dem Stadttheaterbureau. Am kommenden Sonntag findet nachmittags 31/2 Uhr eine Wiederholung der Sträusschen Operette „Der letzte Walzer", abends Zy2 Uhr eine Wiederholung von „Wallensteins Laaer" und „Die Piccolomini" statt. — Dienstag, Den 12., gelangt die Operette ,. Frühlingsluft" von Josef Strauß als neunte Vorstellung im Dienstag-Abonnement zur Erstausführung. — Für Donnerstag, den 14., ist Kammersänger Ruebiger gewonnen, der Heiteres und Heitei-sles aus seinem reichhaltigen Repertoire bringen wirb. Der Künstler, für Gießen neu, hat kürzlich bi Berlin feinem 50. Atend unter begeisterndem Beifall gegeben. Der Vorverkauf hat begonnen. — DieTheatergemeinde des Bühnenvolksbundes hat am Donnerstag ihren ersten Theaterabend mit „Wallensteins Lager" und „Die Piccolomini", dem am 18. Dez. „Wallensteins Tod" folgen wird. Mitglieder, die ihre Karten ^och nicht abgeholt haben, mögen -dies bis spätestens morgen, Donnerstag, tun. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, einzelne Regenschauer, kiästige westliche Winde bei milden Temperaturen. — Die Randwirbel einer umfangreichen Depression im Rorden ziehen hl schneller Folge über Deutschland hinweg. Die Witterung bleibt weiterhin unbeständig. Landkreis Gießen. • Ober-Bessingen, 5. Dez. Bei der Deigeordnetenwahl am Sonntag wurde der Landwirt Ferdinand Kühn, Sohn unseres Altbüigermeisters, mit 105 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, der ßanötoirt Karl Walter, erhielt 101 Stimmen. Von 225 Stimmberechtigten wählten 206. Kreis Friedbertz. * Butzbach, 5. Dez. Zugunsten der hiesigen Winternothilfe hat die Butzbacher Farbenfabrik 25 000 Mark zur Verfügung gestellt, die in fünf Monatsraten verteilt werden sollen. Zahlreiche Geschäftsleute haben Spenden in Naturalien (Kolonial-, Eß-, Manufakturwaren usw.) zugesagt. Ein Gastwirt hat sich bereit erklärt, den Bedürftigen ein schmackhaftes, gutes Mittagessen für 50 Mark zu verabreichen. * Butzbach, 5. Dez. Der Zuschlag auf die Friedensmiete ist hier auf 630 Prozent festgesetzt und vom KreiSamt genehmigt worden. Davon sind für Zinsrnehr- belastung 12 Prozent, für Betriebskosten 67 Prozent, für laufende Znstandhaltungsarbei- Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte vo>n Liesbet Dill. 54. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) „Jawohl!" rief die Cellotante, und erhob sich. „Ich habe auch noch etwas zu sagen, nämlich die Geschichte mit dem Smaragden —" „Das hätten Sie vorher sagen sollen," verwies sie der Richter. „Auf diese Sache kommen wir noch zurück. Sehen Sie sich, bitte. Die nächste Zeugin, Fräulein Müller-Güth." Alle Köpfe reckten sich, unb während der Postbeamte, unzufrieden, nicht alles gesagt zu haben, was er sagen wollte, auf feinen Platz zu- schritt, betrat die Hochdramatische den Saal. Wie eine Walküre, die aus dem Feuerzauberfchlag erwacht, schritt sie zum Richtertisch. um ihrenEioab- zulegen, aufrecht, als trüge sie Schild und Speer, uni> ihre volle dunkle Stimme füllte den weiten Raum wie mit Orgeltönen. „Die schwätzt ja wie ein Kerl," sagte der Mann neben Herbert. Fräulein Müller-Güth berichtete zunächst, daß sie geschäftliches Vertrauen au Herwegh geführt und sie ihm ihr Vermögen kn die Hände gelegt habe, das bisher ihr Bankier verwaltet hatte, ehe sie ihre Amerikareise antrat. „Wie kamen Sie dazu, einem Anwalt das Geld zu geben, statt einer Dank?" ,Mit Danken arbeite ich nicht gern," ant- tooriete die Künstlerin. „Ich hatte viel von Her- wcghs guter Derwaltung gehört, besonders von seiner Einfühlung —sie betonte das Wort mit einem Dlick nach Lern eisernen Staatsanwalt. „Llnd von den sechs Prozent," warf der Staatsanwalt ein, der diesen Dlick zuruckgab. „Gewiß, auch das." „In welcher Weise hat man Ihnen denn Rechenschaft über das zu verwaltende Vermögen abgelegt? Sie haben in Ihrem Zeugenverhör ausgesagt, daß Siq nie einen Dries, eine Rechnung odek einen Abschluß erhalten hätten, und als Sie zurückkamen und Ihr Geld verlangten, hörten Sie, daß alles in der Vppenhausener Ziegelei angelegt sei und nicht flüssig gemacht werden könne." „Ganz recht. Wenigstens konnte ich nicht soviel erhalten, wie ich brauchte. Ratürlich war ich darüber sehr erregt, denn von dieser Ziegelei hatte ich inzwischen erfahren, daß sie vor 'dem Bankrott stand, Hch wollte das ganze Kapital sofort herausziehen, und als man mir sagte, das ginge nicht, reichte ich die Klage ein." „Dcstand denn über die Verwendung Ihres Geldes keine bestimmte Abmachung?" fragte der Richter. „Rein, ich hatte freilich gesagt," setzte sie hinzu mit einem Dlick auf ten Angeklagten, der vor sich hinstarrte mit einem verlorenen, traurigen Ausdruck, „daß es mir gleichgültig sei, wo ec eS anlege, nur müsse es fieber angelegt fein." „Diese Sppenhausener Fabrik konnte doch niemand als etwas ganz Sicheres betrachten?" meinte der Richter. Der Staatsanwalt räusperte sich „Vielleicht nicht, aber ich hatte ihm ja freie Wahl gelassen." Fräulein Müller-Güth warf dem Staatsanwalt einen feindlichen Dlick zu. „So, das ist etwas anderes." Der Richter durchblätterte ein Attenhest. „In Ihrer ersten Aussage steht —" Die Müller-Güth schien aufs peinlichste berührt von ihren Anklagen, die sie in ihrem ersten Zorn auf das Haupt des Anwalts geschleudert hatte, und die ter Richter ihr jetzt langsam unb deutlich vorlas. „Ja. so habe ich vielleicht damals gesagt. Aber inzwischen bin ich zur Dc-sInnung gekommen," fuhr fie fort, „und muß mir sagen, daß ich an dem vielleicht entstehenden Verlust teilweise wohl selbst schuld bin." Die Richter blickten sich an, der Staatsanwalt schob das Tintenfaß von sich, die Referendare lächelten, unb die Gerichtsdiener, die an den Wänden lehnten wie matte Fliegen, schüttelten die Köpfe. Das war ja einfach toll! Geter Zeuge, ter oorgeLaten war, um Herwegh zu beschuldigen, nahm feine Anklagen zurück unb entschuldigte ihn sogar. Die Müller-Güth tat es mit Wärme. „Ich habe in Herrn von Herwegh einen ter sympathischsten Menschen kennengelernt unb ein durch und durch musikalisches Talent. Man muh be- rücksich'.igen, meine Herren," sagte sie mit ihrer weilhinschwingenden Altstimme, „daß man es hier mit einem ungewöhnlichen Manne zu tun hat, der außer seiner Wissenschaft noch vielen anderen Interessen diente. Er war nicht nur ein glänzende r Redner und Jurist, sondern auch ein Künstler! Solche Menschen kann man doch nicht mit Allerweltsgesehen messen!" „Das mag alles fein," unterbrach sie ter Richter, „aber hier haben wir jetzt festzustellsn, wie es kommen konnte, daß man ihm dieses Vertrauen allmählich entzog." ten 331 Proz. unb für große Instandsetzung-- arbeiten 200 Proz. zu verwenden. Di« Anordnung ist bereits in Kraft getreten. Wassergeld. Straßenreinigungs- und Müllabfuhr- Gebühren, Schornsteinfeger- und Treppenbeleuchtungskosten, sowie die Wohnungsbauabgabe gehören nicht zu den Betriebskosten: sie sind anteilsmäßig auszuschlagen. * Bad-Rauheim, 5. Dez. Der Mie- terschutzverein hat gegen den 100prozen- tigen Zuschlag zur Friedensmiete, den die Bürgermeisterei festsetzte, Einspruch erhoben. — Herr Gottfried H ü r l i - mann spendete 100000 Mark, die zu Weihnachten an bedürftige Bürger verteilt werden sollen. Kreis Büdingen. Ortenberg, 5. Dez. Der Bericht in Rr. 275 deS „Gieß. Anz." über die Verurteilung eines Milchlieferanten aus Oberseemen ist, soweit die Ortsbezeichnung in Betracht kommt, unzutreffend.. Unserem Gewährsmann war bei der Abfassung seines Berichts ein Schreibfehler unterlaufen. Die Milchverfälschung, die zur Verhängung der hohen Sttafe von 35 000 Mark führte, hat sich in W e n i n g s ereignet. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M, 5. Dez. Der Polizei wurden heute früh drei eigenartige Fälle von Heber fällen unter zweifellos hypnotischer Beeinflussung gemeldet. Auf der Obermainbrücke wurde ein junger Mann in betäubungsähnlichem Zustande und feiner Wertsachen beraubt auf gefüllten. Gr kann sich lediglich erinnern, daß er beim Ueberfd)reiten ter Drücke sich plötzlich zwischen zwei Männern befunden habe und darauf das Dewußtsern verlor. Im zweiten Fall fand man in ter Rahe, am Dachsenhäusev Ufer, einen Wann, ter sich in Wutanfällen befand. Im dritten Falle hantelt es sich um einen jungen Mann, ter ebenfalls auf ter Sachsenhäuser Seite dabei überrafcht wurde, als er von einem Kahn in ten Main springen wollte. Als er auf die Revier wache gebracht wurde, verfiel er in einen tiefen Schlaf, ter stundenlang dauerte. Der Mann kann sich nur erinnern, daß er sich plötzlich in De- gleitung von zwei Männern befunden habe, die ihn zu dem Sprung in den Main aufforterten. Die Vorfälle erregen in Pvlizeikreifen erhebliches Aufsehen. Landwirtschaft. Die Maul- und Klauenseuche. * Großen-Linden, 5. Dez. Hier ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Sperrbezirk ist die Gemarkung Gcotzen-Linben, das Deobachtungsgebiet besteht aus ten Gemarkungen Klein-Linoen, Leihgestern und Allendorf a. d. Lahn. * Friedberg, 5. Dez. In ter Gemeinde Melbach ^ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Die Gemeintem Dorheim, Beienheim, Weckesheim, Sötel und Wisselsheim bilden Has Sperrgebiet. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 121 vom 5. Dezember enthält: Verbot öfsent- licher karnevalistischer Veranstaltung«!. Ausstellung von Waiitergeweibeschein«i. Gewerbe-Legitimationstarten. Polizeistunde in Deuem. Vleh- seuchen. Erhöhung d?s Eintciu sgeltes für Oris- bürger. Herausgabe einer Heimatzeitschrist. Reinigung ter Schornsteine. Ablieferung ter Ge- tititeumlage. Dienstn-achrichten. Feldbereinigung Heutiger Stand des Dollars 10 Ubr vormittags: Berlin 8375, Frankfurt a. M. 8500. „Ich hätte ihm mein Vertrauen entzogen?" rief Fräulein Müller-Güth und blickte sich im Saale um. „Das habe ich ja nicht einmal in meiner ersten Ausscige behauptet, obwohl ich damals sehr nervös war. Ich habe nur gesagt, daß der Anwalt freie Hand über mein flüssiges Geld hatte und daß ich ihm sogar erlaubt habe, das Geld auch eventuell in einer Fabrik anzulegen. Da, wie ich nachträglich gehört habe, er sein eigenes Vermögen in diese Fabrik gesteckt hat, so wird er sie doch auch für sicher gehalten baten. Das ist alles, was ich zu sagen habe, unb ich bitte, mich jetzt zu entlassen, Herr Präsident, denn ich habe Probe . . ." Das letzte Wort „Pro—obe" schleuderte sie wie ein Schwergewicht in ten Saal. Sie wurde entlassen. Die Wotanstochter schlug ihre Pelzstvla um die Schultern und verlieh ten Saal, gefolgt von vielen bewundernden Blicken, denn die Müller- Güth war feit ihrer Amerikareife noch um viele Grate berühmter geworden. Herr Stolzenberg stand vor dem Richterttfch. Aber er hatte nichr viel zu sagen. Gr hatte Her- wegh verscyieterttlich Geld geliefert und es bis jetzt nicht zurückerhalten. Er wußte tretet, wo es angelegt war, noch wie. Es schien ihn nicht einmal besonders zu interessieren. Er machte ten Eindruck, als sei er nur widerstrebend vor das Tribunal geschleppt, er hielt die Hänte auf dem Rücken verschlungen unb bewegte unruhig die Finger, was der Lümmel für Befangenheit deutete, und ließ sich jedes Wort herauslocken tote ein verstockter Sünder, in feinem langen Gehrock und dem bürstena.rtigenHaupthaar. (Fortsehung folgt.) Sied' SergMbig daS IE, 7geb., Lalle"' u ; ’bflfe e !** bcugniei W6 'm.. «>» 5 is lanE ” 0 weite ;u, dab er qj ben muhte, J*1 heißen formten < falschen Aamen mit seiner 'Brau lobungsnnge g er uxniger -Braut nicht M Ankauf der Aln wurde jedoch t davon abgehalte sich einige M Sulden, Ke W hMMchen A Die M erfuhr ländische Unfern Angeklagten uteri dem Angeklagten dem Seschäst. In trollte - natürlich cab man nichts a, erst das Scld. Aä dem Lallen der Q ging bei Ka>: nicht ohne Hut, llbrtelte und Sch Dollgarn, Lchürzi Andenken milzun reisten ihm nach aus der Straft? g einige Straben Lallen gab an, Lachen nut stihw wollen. x gröbere Wumir sah le: bet itioill Das iSecicht geföngnisstr drei Monate angerechnet Word« Mr, er könne f Dec psychiatrische Dr. Tcriba, de Deistes?nltand hin fest, M der Ana ift. 3m übrigen -v: Joßanb potbeftrafi Desertierens vom S.aatiantj jnir^ung tQin tracht, dch «i ih toorbentoar. seine M^leien dur DM) der Zell, un (8 D«r Darms! lvc schtvecen T^f^ rWr hA ”eröorb( unds, °si'ä?r9e zeitige Se,*en- Orttfcmung über die 'Serrui toage der Deinem de TUinl Inrolti in re fest« Stellung in Mainz ergiebig und wohlschmeckend ree vvr auf den etangenTüb. Gefunden. verloren. Aenverung der Ortffar)img über die Benutzung der Gemeindevied-' Gietzeuer Str«fkammer. Gieften, 1. Dez. Vermachtes. ®me «ngewöftaliche BttrL^srei entdeckt. 'S e r I i n, 5. Dez. (WTB.) Der Kriminal- Polizei ist eS gelangen, den Urheber eines ungewöhnliche» Betrugsmanövers zu. haft er von Hause in den nächsten Tagen Geld erwarte Auch schrieb er ro«t ‘Briefe In seine Heimat, die natürlich nie an einen Empfänger ausgehändigt lvvrden sind, weil sie eine fingiere Adresse trugen, die der Holländer deshalb schreiben muhte, weil seine Eitern nicht gut anders heihen konnten als er selbst, und weil er einen falschen Flamen führte. Eines Tages fuhr Tüllen mit seiner Braut nach 2 a u t e r b a dj, n>o bie Bcr- lobungSringe gekauft werden sollten. Dort hatte er weniger Glück. Zwar war eine Kusine der Braut nicht abgeneigt, ihre Ersparnisse für den Ankauf der "Ringe zur Verfügung zu stellen, sie wurde jedoch von etwas gewitzigteren Leuten davon abgehallen. Auf der Bank wollte Ballen sich einige Tausend vorschieben lassen auf 530 Gulden, die die Dank in Lauterbach von einer holländischen Dank sich überweisen taffen sollte. Die Dank erfuhr natürlich schnell, daft die holländische Bank einen Kunden mit dem Rainen des Angeklagten überhaupt nicht kannte Geld hat sie dem Angeklagten natürlich nicht gegeben. Au h in dem Geschäft, in dem Ballen die Ringe kaufen wollte — natürlich die besten, die sich vorfanben —, gab man nichts auf feine Angaben und verlangte erst das Geld. Rach Strinsuct zurückgelehrt, wurde dem Ballen der Boden zu hrift unter den Fü^en. Gr ging bei Rächt und "Rebel auf und davon, nicht ohne Hut, lleberzieher, Anzug, Hemden, llhrkette und ochal seines Schwagers und llhe, Wollgarn, Schürze und Rock seiner Braut sich als Andenken mitzunehmen Schwager und Braut reiften ihm nach Frankfurt nach. Dort wurde er auf der Strafte gestellt, nachdem man ihn birch einige ©traben im Laufschritt verfolgt hatte. Ballen gab an, er habe die mitgenommenen* Sachen nur leihweise, nicht aber für immer haeen wollen. Er fand für bi eh Behauptung bei Gericht den entsprechenden Glauben. Ein weiterer Detrugssall Ballens spielte in Leipzig Dort hatte er sich als Meftgast etn- gemietet Auch hier sprach er von groben Einkäufen und von seinem Vermögen in Holland. Der Vermieter brauchte deshalb nur zu hören, Laft der Holländer feine ilijr in Reparatur habe, um ihm sofort seine eigene echt goldene Uhr zum vorübergehenden Gebrauch zur Verfügung zu stellen Einig-e hundert Mark lieh er dem Herrn Ausländer selbstverständlich auch ohne weiteres, denn dieser erwartete ja auch in Leipzig eine gröbere Geldsumme aus Holland. Hb*: und Geld i ah der ber itwill ge Entle her niemals wie 'er. DaS Gerächt erkannte auf eine Gesamt- gefängnisstrafe von einem Hahr und drei Monaten, auf die die Unter) uebungäftaft angerechnet worden ist Drr Angeklagte fce auctete zwar, er könne sich aus nichts mehr enlii nicn. Der psych'atrifche Sachverständige, Medizinalrat Dr. 6 i r i ba, der den Angeklagten auf seinen Geistes->u iand hin untersucht hakte, [teilte jedoch fest, das) der Angeklagte durchaus verantwortlich ist. 3m übrigen wir) der Angeklagte, der auch in tolland vorbestraft wir. darunter rtermal wegen esertierens vom Militär, auch noch von einer anderen S.a.itZanwaltschast g.'fu ft D.i der Strafzumessung tarn zuaun iten des Angek.agten in Betracht. daß es ihm ausnehmend leidjt gemacht worden war, seine doch recht dreisten und plumpen Schwindeleien durchzustühren Alles in allem. Ein Bild der Zeit, und kein erfreuliches furt enien Motorpslua gab die Marie Schn t5 auf und nahm den Ballen mit nach Steinfurt. »o der Holländer sofort von den Eltern der Schn, als Schwiegersohn ausgenommen und drei Wochen lang ausS beste bewirtet wurde. Dab der .f^rr Holländer kein Geld hatte und alle Welt än- pumpte, fiel weiter nicht auf. Denn er stammte ja aus einem valutastarken Land und gab ja selbst Muller, sowie einige Augenzeugen vernommen. Hieraus erfolgte Vertagung auf Mittwoch, S-nbfrtod«Shrtrch»PAO^H in bet Pfalz. Zwei brücken. 5. Dez. (Wolfs.) Heute vormittag 8V3 Uchr begann vor dem S chwu r- g e r i ch t unter grobem An dränge deS Publikums und b.fonfcecen SchMtzmaf>ush«en die Verhandlung gtge-t neun Angeklagte anS 2a mb- r och t und R e u st a d t wegen 2andsrie- densbruches. Der Anklage liegen die Ausschreitungen zugrunde, die in der Rächt des 30. 3uni vor und in dem Wvh.ihauS des flfabri- kanten Phil. Helsserich sich abgespielt haben, als kurz nach dem Rathenau-Mord nachts gegen 12 Uhr eine Menschenmenge vor dem WohrchauS Hekfferichs erschien, um ach gewaltsamer Oeff- zu verhaften, durch das eine ganze Reifte von Äoldftanftlern em. WUionenbeträae geschüftigt worden sind. ES ftanbclt sich em kn »jähri- gen, au? Rußland gebürtigen Kaufmann SamvelRofeneck.der seit dem Arichjad» in Berlin eine (Sold- und Lilbenvarenauf- kanfsftelle betrieb. Roseneck hat sich auf bisher mibe kannte Weis« m Sen Btliy von Dlankoformularee der Deutschen Golft- und Siltzerscheiftean st alt in Berlin gesetzt. Die von ihm erworbenen Dold- mtd Snlberwaren schmolz er zu Barren um, ließ sie von der Deutschen Scheideanftalt prüfen und stempeln, fälschte dann aber mit Hilfe der unrechtmäßig in feinem Besitz befindlichen Blankoformular« deren Angaben end verkaufte Vie Barren auf Grund Gefälschter Äch-ein«. Entdeckt würben die Fälschungen Rosenecks durch den Leichtsinn, mit dem er zuletzt bei den gefälschten Eintragungen fteS Goldgehalts vorging. Raubmord an der Mutter. Breslau, 3. "Dez. (WTB.) Die Kaufmanns fr au Eugen.« M u f chner ift heute vormittag von ihrem 17iährigen Sohne ermordet worden. ES handelt sich um R a u b- mo r ft. wurde zur Vernehmung ber Zeugen gefCbrtnen. Der Hauptbelaststs ist der Angeklagte D ö l l, der sich in erster 2inic an fter Hey2 und ber MlD» Handlung des Abg. JJutgtCÖeo beteiligte. Von 3n le reffe ist Heerde i. ftaft brr zweite Angeklagt» H u khmann weniger auS polllifchsn, als aus rein persönlichem Zorn gegenüber dem Abg. Dlngeldey handell«, weil dieser in der Ebeschei- Ser Kettens;anb in der EuH Ilst der ärgste Feind der tiauL Er macht dis Haut crau und unscheinbar. ru!t .HDc ser. Pickel. Pusteln hervor. Äok-Stesand-Mandel leie betreu die Haut von allen Unreinheiten, macht sie blum^neait und sammetweich. In einschlägigen Geschulten zu haben. Korpulenz ist unschön und ungesund. Wir raten Ihnen, 30 Gramm echte Tokuda-Kerne zu kaufen, die wirksame, völlig unschäd» l.che, fettzehrende Stoffe enthalten, davon nehmen Sie 3ma[ täglich 1-2 Stück. Sicher erhältlich: Univ.- Apotheke zum goldenen Engcl, Marktplatz. ,Jöa‘sa Handel. Berlin, 5. Dez. Am Devisenmarkt war vie Haltung vormittags unsich?r bet "Reibung zur Ab- fa.wächung Dor DollactürS schwankte um 9150 herum. Mittags trat eine entschiedene Befestigung ein auf die Zcitu rgSnach icht, Last ftte Brüsseler Konferenz auf den 15. Canuar verschoben fei und auf Gerüchts von einer starkem Anfpanmrng dec Reichsbanl zu Ende be3 vergangenen Monats. D«r Dollsir stieg aus S6Z5 bei meist geringen Umsätzen. Frankfurt a. 5. Dez. Börsen- stimmungsbild. Am Devisenmarkt vollzogen sich die Umsätze m recht engen Grenzen. Der Dollar, der im Bormittagsverkrhr mit etwa 8250—8T00 umging, stellte sich fräfier auf 8200—8350. Die Börse war heute wieder für den offiziellen Berkehe geschlossen. Gs machte sich aber wieder starke Rachftage für SffcLen geltend. Man rechnet für morgen m t einer vorwiegend festen Börse. Die Kurse lauteten, soweit solche genannt wurden, gegen die gestrigen Gchkaft wl.ermrge« vielfach höher. Lebhaft begehrt waren besonders Kassa-Ondustrie- akt'.en aller Gattungen. Bon ften fortlaufend notierten Wertensind ElektrizitätS-, chemische, Metall- und Maschinenaktien bevorzugt. Interesse bestand für Mon.anaktien. Kali- aktten gesucht. D-alutawerte ruhiger, aber fest. Märkte. BerliL-r Produktemnartt. Berlin, 3. Dez Der Produftenmartt zeigte einen sehr ruhigen und lustlosen Verkehr. Es fehlte an neuen Aufträgen dec Reichsgetreidestelle und auch an Deckungen für früher au diese verkaufte Ware Die Preise erfuhren fern» nenncrJ- teerten Aenbrrungen. Für "Weizen büreben dle Mühlen meist Käufer, sie waren aber nicht geneigt. die hoch gebüebenen Fordsnurgen des 3n- zu bezahlen Roggen und Gerste waren recht ruhig. Bei Hafer hat sich das Airgebot für bahnst.benLe und naher Ware etwas vermehrt und findet st^wer Absatz. Mais bliab bei ver- cinMÜso Aach^rage sehr still Mrhl war von zweiter Hand angeboren, auftsre Artikel batten ein2r: seftr ruhigr.: VerLohr. WÄzM, mäcii'ch-en 15 402--15 620 71ZL (still), RogsLN, märlitzchm 13 400-13 600 Mk. (still). Sommrrg-rste 12 500 brs 13.500 Ml. diktiere meiner Fra u“ Humoresken von Martin P ros- fa u er. Leipzig. Verlag von Ernst Keils "Rach- folger (August Scherl) G. m. b. H In Martin Prvskauer ist eine ganz eigenartige Begabung für Humor, Satire und "Witz zutage getreten. Moder er auch die Gegenstände seiner kürzeren und längeren heiteren Skizzen und Erzählungen nehmen mag, überall findet er die nur iftm eigene prägnante Art ber Darstellung und überall dis ^Pointe", die daS Zwerchfell mit unfehlbarer "IBrwfuru! lebhaft erschüttert. — Als Vorweihnachtsnummer legt die Le i p- ziger Illustrierte Zei tun g (I.I.llLe e ) töte soeben erschienene Är. 4083 vor Einer der besten Kenner tev Kinderseele, Paul Georg Münch, plaudert über das jetzt in jeder Familie aktuelle Thema „Das.Kind und Str Weihnachtsmarkt". Paul Konewk« gemütvolle Silhouetten aus der Weihnachtszeit spinnen uns schon ganz in den Zauder des Christfestes ein. An der köstlichen, originellen Wei nachrsgesch ch e au> dem ame ila- nrfchen Westen „S-nnkt O Tvoke" weroen bte 2eict ihre Freude haben. Die ganzseitigen Revroduk- tivnen von Otto Pilz „Wendische Schule" und Birrno Bielefelds „Marktplatz in Wernigerode" gereichen dem Heft zur besonderen Zierd' Sonst verdienen besondere Erwähnung die erg.'ifenb.- Erzählung „Gin neuer Tag" von dem flämischen Dichter Georg Roose, die Aussätze „Gotische Holzplastik aus Schwaben im Brrlmer Kaifer-Frieo- rich-Museum, „Brrgrssene Musttinstrumente" u b die populärw s enschaftliche Avhcmd ung über „Crdbe^e.rmoglicht.stt in Südamerik.r und die Welterdbebenherde". Die Tagrsereignilse finden in Wort und Bild gebührende Berücksichtigung. bungSflage deS Huthmann, m der H als der schuldige Teil erklärt mürbe, die Ehefrau Huth- mann vertrat. In gebäffigfler Weise hat er sich daher bei den Plünderunaen, dem llmzuge und der rohe» Behandlung Dingeldetzs benommen. Der Ange klagte Wagner dem Hause v. HelmoltÄ in fr Pvlizc iobe 1 »xchtinetster Lmdmann eingefchtagen. In drr bis gegen 4 llhr dauernden Verhandlung wurden der Abg Dingeldey, dessen Fran, dessen ziehung gebracht worden war. zu suchm, der bei feinem Bruder vermutet wu de Alck diese CHiut- maftung sich als unbegründet erwies, zog die Menge unter Drohungen wieder ab., nachdem in und auftrrhalb des HavseS Sachbeschädigungen uixft Diebstäh- le 00 g-?rrem- men worden waren. Die Ltrterfuchung ergab, t atz an den Vorgängen Arftcitertrupps aus Lambrecht und "Reustadt a. d. Haarbt beteiligt waren. Die Anklage wurde erhoben gegen zwei kommunistische Stadträte aus Lambrecht und Reustadt und einen kommunistischen Pa r - teisekretär aus Ludwigshafen und coeiters sechs Teilnehmer. Es sind 40 Zeugen geladen und für die Verhandlungen zwei Tage in Aussicht genommen. 3n ber Verhandlung ergingen sich die 9 Angeklagten in mehrstündigen Ausfuhren i-rn über die Ku rdgebungen vor drr Villa des Fabrikanten Helfferich, die sie als Gegenwirkung gegen bie Bestrebu ’gen rechtsa richteter Krri.se und gegen die Agitation der Geheimorganisation-rn bezeichneten. die auch in der Pfalz ihre Bertrauens» ieute hätten. Alke Angeklagten bestritten, an den Kundgebungen vor und in der Villa beteiligt gewesen zu sein. Bemerkenswert war dir SrllL- rung des als Hauptanführer angeflagten Parteisekretärs der kommutistischs.» Partei der Pfalz, die pfälzischen A.-de izc feien unmittelbar nach dem Rathenaumord fo erregt gewei^, baft sie Dr Helfferich an die nächste Laterne ga» knüpft hätien, wenn er in ber fraglichen Rächt erwischt worden wäre. Wiederholl kam es zu scharfen Zufammenstoften mit Lern Vorsitz enden, »umal sich auch die Zuhörer turd) Dei'a iS unbge'ungen an den Au" ü ru v. en beteiligten. Die Vernehmung Les Fao.ita.tten Philipp Helfferich beffätiate die Vorgänge in und vor seiner Villa. Sr stellte feft, daft fein Bruder überhaupt nicht in Reustad^ gewesen sei. Von den neun Angeklagten aber Kn ne er f"D SM Silber, plülloo 3nmelea Smiirrt $iiljfriii sofort nefurfjt. Näh. Hereo.'iVlotfitr.S.MToh M. Ch. Miihlsleiß Sackgrobhandlung Gießen Selters wen 83. Telcvbou 2132. Nutzbaani-Bäfkti älter.Form.f.Vrioat* bmtöünlt au tauf. ges. Näb- in d. GeschältS- ifelle b Gien. A.s"»»" Xnr heute und morgen: M Der große Sittenfilm Heute vormittag verschied nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 79 Jahren mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel •Kranze •Schleier ‘•Seide •Hand- " schabe ---- -Wüsche IWätas Salomon HlaDcn, Schastr. 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