Nr. 31 Der Otetzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche vezugrpre'je: Tlk. 9.50 einschl. Trägerlohn, durch die Post Mk. 10. - einschl. Bestellgeld, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Ferniprech - Anschlüsse: für die Schrift leitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Siehe», postschecttonto: gronffart a. 111. 11686. 172. Jahrgang Montag, 6. gebruar 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck unb Verlag: yrühl'sche Univ.-Vuch- nnö Steinbruderet R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle unb Druckerei: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigeno 34 mm Breite örtlich 70 'Pf, auswärts 90 'Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 300Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 § Aufschlag. Hauptfchriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Karl Walther; für de» Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen. Die Vorgänge bei der Regierungsbildung in Hessen. Don Hustizrat Weidemann ((Sieben), her bot einigen Wochen au£ der Demokratischen Partei ausgeschieden und zur Zentrumspartei übergetreten ist, erhalten wir mit der QJitte um Abdruck folgende Zuschrift: Die Dummer 28 des „(Siebener Anzeigers" vom 2. Februar bringt eine Zuschrift aus volkspartetlichen Kreisen, welche scharfe Angriffe auf die Haltung des Zentrums bei der letzten Regierungsbildung enthält Es fei einem Mitglied dieser Partei hierzu einige Worte gestattet Rach den für die Regierungsbildung auf- gestellten Richtlinien sollte eine Verbreiterung der Koalition durch Hinzutritt der Volkspartei aus Gründen des Allgemeinwohls erstrebt werden, die alte Koalition dagegen sei nicht in erster Linie erstrebenswert. Die Richtlinien fahren dann fort, da die grobe Koalition zur Zeit nicht zu erreichen gewesen, sei nur die Wiederkehr der alten Koalition übrig geblieben. Man behauptet nun, das Zentrum sei bei den Verhandlungen nicht energisch genug für die Verbreiterung eingetreten, und schließt hieraus, entweder sei es ihm gar nicht ernst mit der Hereinnahme der Volkspartei in die Regierung gewesen oder es habe sich taktisch un- gedydt l e -om.nen, weil es schon von vornherein zu erkennen gegeben habe, es finde sich auch mit der alten Koalition ab. Zum Beweise hierfür wird auf eine Darstellung Bezug genommen, welche der demokratische Abgeordnete Obenauer von den Verhandlungen gegeben hat. Die Kritik und Anzweifelung des ernstenWil- lens deS Zentrums beruht auf einer Verkennung damaligen politischen Gesamtlage. Zunächst ist es höchst fraglich, ob die Darstellung des Herrn Obenauer überhaupt zutreffend ist. Dieser Herr ist ein parlamentarischer Reuling, der wohl kaum über die erforderliche Schulung verfügt, die zur richtigen Beurteilung so wichtiger, schwieriger und fortwährend schwankender Verhandlungen, wie sie einer Regierungsbildung vor- auszugehen pflegen, erforderlich ist. Die Demokratische Partei selbst hat auch gerade bei diesen Verhandlungen so wenig zielklar operiert, dab man zweifeln mnb. ob sie sich überhaupt über die Politischen Absichten der anderen Parteien klar war. Bekanntlich wollte sie erst der Regierung fem- bleiben und ist erst später in sie eingetreten Dazu kommt aber noch, dab Herr Obenauer in dem zweiten Satze seiner Darstellung: „Diese Mitteilung des Zentrums war natürlich für die Sozialdemokratie der Richtpunkt für ihre Verhandlungen usw." gar fette tatsächlich? Feststellung sondern ein Urteil abgibt. Und zwar ein Urteil, das offensichtlich falsch ist Die Sozialdemokraten haben nicht deshalb die grobe Koalition abgelehnt, weil das Zentrum in offener Weise seinen Standpunkt darlegte, sondern weil sie nach dem früheren Verhalten der Volkspartei noch nicht die Zeit für eine erspriebliche Mitarbeit mit dieser Partei für gekommen hielten. Seit dem Görliher Parteitag stand ja auch der hessischen Sozialdemokratie der Weg zur Zusammenarbeit mit der Volkspartei offen Und es beibt denn doch die hessische Sozialdemokratie stark unterschätzen, wenn man glaubt, sie hätte bei einer so ernsten Angelegenheit, wie c-s eine Regierungsbildung immer ist, diesen Punkt nicht in reifliche Erwägung gezogen. Dab ihr hierzu gerade die auf eine Verbreiterung der Koalition in erster Linie dringende Erklärung des Zentrum-, mit dem sie drei 3ahre zusammen gearbeitet hatte, besonderen Anlast gab, ist ohne weiteres anzunehmen. Rein, in Hessen war eben die Kluft zwischen Sozialdemokratie und Volkspartei noch zu grob, sie ist in Hessen noch gröber wie im Reich Und nicht einmal im Reich ist bis jetzt trotz aller Bemühungen des Zentrums die grobe Koalition verwirklicht worden! Es mutet auch sonderbar an, dem Zentrum, der einzigen Partei, welche die grobe Koalition ernstlich wollte — die Demokraten wollten ja anfangs überhaupt nicht in die Regierung nun die Schuld für das vorläufige Scheitern zuzuschieben. Warum hat die Volksparter das Zentrum in seinen Bemühungen um die Verbreiterung nicht dadurch unterstützt, dab sie energisch ihren Eintritt m die Regierung forderte und sich rückhaltlos auf den Boden des Regierungsprogramms stellteV Es ist dasselbe Spiel tote im Reich. Man labt b t n« car 6 gestern nachmittag mit dem Zustiz- minister Bart Hou, dem Finanzmi nister de L a st e h r i e und dem Kriegsminister M a - g i n o t über das neue Militärreformgesetz verhandelt. Die Beratung der Minister mit ben vereinigten Finanz- unb Heeresaussch üssen der Kammer über die Vorlage werden morgen beginnen. Der russische General Jpatiew in Paris. Parts, 6. Febr. (WTB.) Der in Paris eingetroffene General Jpatiew, der als Vertreter der Sowjets bezeichnet wurde, erklärte dem „Petit Journal", er sei Professor der polytechnischen Hochschule und nur z u wissen- schaftlichen Zwecken nach Paris gekommen. Er Jperbc keine politische Erklärung abgeben, denn er beschäftige sich nicht mit Politik. Er sei Gelehrter und wünsche die Beziehungen mit den Gelehrten Frankreichs wieder aufzunehmen. In wirtschaftlicher Beziehung ist General 3patiew nicht pessimistisch. Die Revolution habe die Bergwerke geschont; sie seien mir nationalisiert worden. Zur Papstwahl. Rom, 5. Febr. (WTB.) Hm 5 Hhr nachmittags teilte langanhaltender schwärzlicher Rauch mit, dab dieWahldesPapstesnochnicht erfolgt sei. Der Eifendahnerftreik. Berlin, 5. Febr. Der Streik hat sich auf Baden ausgedehnt, wo sich ein Teil der Eisenbahner dem Streik der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner angeschlossen hat. Damit ist der regelmäbige Verkehr auch in Baden unterbrochen. Ferner ist in Mecklenburg das Lokomotiv- und Zugbegleitpersonal in den Ausstand getreten Der Aufruf der Spihenvrganisa- tionen der Gewerkschaften hat aus die sttciken- den Beamten der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten im allgemeinen nicht gewirkt Auch die ausständischen Gruppen des Deutschen Eisenbahnerverbandes haben den Streik nicht aufgegeben. Infolge des Streikes der städtischen Arbeiter wurde heute morgen die elektrische Licht- und Krastversorgung sowie die Was ecrersorgung eingestellt und die Versorgung mit Gas auf ein Minimum beschränkt. Die elektrischen Straften» bahnen hatten bereits gestern den Betrieb eingestellt. 3n den Elektrizitätswerken ist die Technische Rothilfe eingesetzt worden. Gleiche Mabnahmen sind für die Gaswerke in Aussicht genommen In der Reichskanzlei fanden heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Besprechungen statt, bei denen die Mitglieder des Kabinetts und Führer der in der Regierung vertretenen Parteien vertreten waren Es wurde feft- gestellt, dab der Eisenbahnnotverkehr nach einem vom Reichsverkehrsminister dargelegten Plane ausgenommen worden war. Es herrschte Einmütigkeit darüber, dab die Lage, wenngleich das Zusammentreffen der beiden Streiks in Berlin für die Bevilkerung besonders mißliche Verhältnisse geschaffen habe, nach wie vor nach den ^großen Gesichtspunkten der Gesamt- > Politik beurteilt werden mü'fe. Man war sich darüber klar, dab de? S t a n d p u n k t derRe- | g icrung gegenüber dem Streik unverändert sei. Die im Gang befindlichen Verhandlungen mit den Spitzen verbänden der Arbeiter, Angestellten und Beamten werden morgen vormittag in der Reichskanzlei ihren Fortgang nehmen. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit, dab nach Mitteilungen des berufenen gewerkschaftlichen Kreises bereits versucht werde, die Streiklage von linksradikaler Seite politisch au szu nützen. Die Polizei sei genügend vorbereitet, jeden Versuch, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören, im Keime zu ersticken. Berlin, 5. Febr (WTB.) Die Streikleitung der ReichSgewerkschast Deutscher Eisenbahnbeamten stellt als Bedingung für eine Einigung die Erklärung der Reichsregierung, dab Mabregelungen von Streik- führern oder Streikenden nicht vvrgenommen werden dürfen, dab sämtliche den Direktionen zugegangene Verfügungen über dieArbeitSzeit- r e g e l u n g zurückgezogen wurden und daß sofort Verhandlungen über die Regelung der Gehälter der unteren Deamtengruppen ausgenommen würden. Besserung in Frankfurt und Giessen. Frankfurt a. M.. 6. Febr (WTB.) 3n der allgemeinen Streiklage ist eine gewisse Besserung etngetreten. 3 n Sieben 1 st ärntliches Personal mit Ausnahme des Lokomotivpersonals zum Dienst erschienen. Es ist gelungen, ben Rot- betrieb im Bezirk in erhöhtem Mabe in Gang zu bringen. Don unterrichteter Seite wird uns geschrieben: 3 m Eisenbahner streik ist in G leben eine wesentliche Besserung nicht eingetreten Cs zeigt sich, dab die Führer der Bewegung vorzugsweise unter den Lokomotivführern zu suchen sind, da das gesamte Rangierpersonal, Weichensteller, wie überhaupt das stationäre Personal mit Ausnahme einiger Fahrbediensteten zum Dienst erschienen ist. Der Zugverkehr hat sich gebessert, etwa 20 Züge gehen ab und ebensoviel kommen an. — Der Rotsahrplan für Gießen hat sich seit SamStag etwa- verschoben. Gefahren werden, wenn nicht besondere Verhältnisse eintreten, als neuer Zug Zug 508 nach Gelnhausen in Gieben ab 1.35 nachm. Der Zug 516 (Sieben ab 5.30 nachm. fährt bis Ridda. Rach Wetzlar und Dillenburg fährt als neuer Zug der Personenzug 637 (Sieben ab 11.25 vorm., dagegen ist der Zug 1629 nach Wetzlar, der in (Sieben um 10.14 nachm. abging, weggefallen. Wie uns rnitgeteilt wird hat der Haupt - Vorstand deS Deutschen Eisenbahnerverbandes in Berlin eme Slreikbeteiligung abgelehnt, so daß die Stteikparole einzelner Ortsgruppen, falls solche überhaupt herausgegeben worden sind, über die Köpfe der verantwortlichen Führer erfolgen und somit in das Fahrwasser eines wilden Streiks geraten. Gegen diese Streikenden soll, wenn die Arbeit nicht am 7. Februar ausgenommen ist. sofortige Dienstentlassung ausgesprochen werden. Die Folgen des Streikes machen sich, tote uns geschrieben wird, bereits auch hier und in der Hmgegenb bemerkbar. Die Kliniken haben nur noch für kurze Zeit Kohlen, und in Wetzlar muhten teilweise die Oefen abgedämpft werden, wodurch Arbeitseinstellungen unvermeidlich sind Die auf der Bahn befindlichen Lebensmittel unterliegen dem Verderben, die Milchzufuhr für die Großstädte ist außerordentlich zurückgegangen, und die Werke beginnen infolge KvhlenmangelS mit Stillegungen. Diese Folgen hat die Allgemeainheft denen zu verdanken, die unter unverantwortlicher Verletzung ihrer Dienstpflichten in den ausgebrochenen Teilstreik getreten sind. Gewalttätigkeiten im frankfurter Bahnhof. Frankfurt a. M.. 6 Febr. (WTD.) Gestern nachmittag zogen nach einer Dersammlung die Streikenden nach dem Bahnhof und drangen in das Bahnhofsgebäude ein. Sie entfernten dieArbeitswilllgenundmißhandel- tendieTechnischeRothilse schwer Die Polizei hat den Bahnhof zwar wieder beseht, ist aber außer Stande, die Bahnhvfsanlagen von den Streikenden zu räumen. Der Notbetrieb in Kassel. K a s s e l. 5. Febr. (WTD.) Die Streik° läge'ist im wesentlichen unverändert. Die Milch- und Kvhlenzüge wurden durchgeführt. Die Technische Rothilfe wurde überall in erhöhtem Umfange eingesetzt. Außerdem sind zahlreiche freiwillige Meldungen von zum Lokomotivführer geeigneten Personen erfolgt, so daß die Hoffnung besteht, daß der Rotbetrieb noch erweitert werden kann. Ein Aufruf der Ersen- bahnverwaltung bittet um die Mithilfe ber Frauen, die sich während des Krieges im Zugbegleit- und Telegraphendienst bewährt haben. Berlin 5. Febr. (WTB.) Der Allgemeine Eisenbahnerverband dementiert die von den Funktionären der Reichsgewerkschaft dratscher Eisen- babnbeamtcr verbreitete Rachncht, daß der A l l- gemeine Reichsverband nunmehr auch den Streik erklärt habe. Rach wie vor seien die Vertreter des Allgemeinen Etenbahnerveroanöes an den Verhandlungen mit dem Aeichsverkehrs- Minister zur Regelung der Teuerungszuschusse beteiligt welche in einer noch zu vereinbarenden Form auch den Beamten zugute kommen sollen. Der Verband weist auf die Erklärungen der Spitzenorganisationen hin und ersucht seine Rlit- glieder, keine Katastrophenpolrtrk zu treiben. Aus dem Reiche. Die Lage der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen. 3n ben letzten Tagen war der Verbands- ausschutz deS Zentralverbandes dcu scher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener (Berlin NÖ 18) am Sitze des Verbandes versammelt. Der Verbandsausschuß nahm zu wichtigen inner- organisatorischen Fragen Stellung und befähle sich eingehend mit dem derzeitigen Stand von Versorgung und Fürsorge. Die Stellungnahme wurde in zwei Entschließungen ntebcrge'cgt Mit dem Grundlon der Eingabe betr. Reform des Reichsversoigungsgcfehes ist der Verbandsaus- schuß einverstanden Die grundlegenden For- befunden über die Rentenerhohungen für Kriegsbeschädigte und besonders für Sjinterblubrne unter Anpassung an die Regelung der Reichsdesol- dungsordnung, über die Beseitigung der Ais- gleichszulage und Rentenkürzung. üb-r die Vereinfachung von H ildehandiung, (Senäbrunq von Haus- und Krankengeld und Kapitalabfindrng als Unterlagen für die Reform des R. D. G werden nachdrücklichst unterstützte Der Verbands- ausschuß beauftragt den Zentvolverband Im Benehmen mit sachverständigen Mitgliedern Vorschläge auszuarbeiten über den 2lufba i der Fürsorge für Hinterbliebene und Kiteg.n eitern. Der Arbeitsschutz für Schwer des chä digte muß verstärkt werden. 3n das Schwerbeschädigten- geseh sind auch Maßnahmen für die erwerbsunfähig» Witwe und Kriegereltern auf^une men. Mit allem Rachdruck wendet sich aber der Verbandsausschuh des Zentralverbandes gegen den Versuch des Reichsarbeitsministeriums bei Gelegenheit der Reform des Reichsversorgungs- gesehes, den Rechtsanspruch der Versorgung zu ersetzen durch einen „Fürsorgeanspruch" Diese Gefahr ist gegeben durch die beabsichtigte Einstellung der Versorgung auf die Bedürftigkeit. Dies wird von den Versorgungsberechtigten als eine grobe Verletzung der In feierlichster Form von den maßgebenden Stellen gegebenen Versprechungen aufgefaht. Der Verbandsausschuß stellt sich auf den Standpunkt, daß der Rechtsanspruch unablösbar ist. Die Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches rechtfertigt nicht die Verletzung der vornehmsten nationalen Pflicht der wirtschaftlichen Sicherung der Kriegsopfer. Der Verbandsausschuß fordert den Hauptvorstand auf, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß den Sieolungsbestrebungen der Dersorgungsberechtigten eine weitergehende Förderung gewährt wird, als das heute der Fall ist. Die erforderlichen Verhandlungen sind sofort aufzunehmen. Der Derbandsausschuß wünscht einen weiteren Ausbau der Selbsthilfe innerhalb des Verbandes und fordert alle Mitglieder auf, die auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen der Der- bandsleitung tatkräftig zu unterstützen. Die Deutschnationalen und die Umsatzsteuer. Don der Deutschnationalen Dolks- partei werden wir um Aufnahme der nachfolgenden Ausführungen gebeten: Ein Antrag Hammer auf Befreiung der Genossenschaften von der Umsatzsteuer hat in den Kreisen des selbständigen Mittelstandes Unruhe hervvrgerafen: es wurde in Abweichung von der Wahrheit von einem Antrag Hammer-Breitscheid gesprochen, während in Wahrheit die Abgeordneten Hammer und Breitscheid ohne jede Fühlung miteinander eine Anregung, die von dem bekannten demokratischen Genossenschaftsanwalt Dr. Krüger audgeaangen war, ausgenommen hatten. Die deullchnationale Reichstagssraktion hat alsbald nach ihrem Zusammentreten bei Wiederbeginn der Reichstagsarbeit den Antrag in vollem Einvernehmen mit dem Abgeordneten Hammer für die zweite Lesung zurückgezogen. Der Antrag war aus dem Wunsche entstanden, den durch die Preissteigerung in schwierige Lage gekommenen Einkaufsgenossenschaften des Handwerks, denen der Abg. Hammer seit vielen Jahren nahesteht. zu Hilfe zu kommen. Die Angriffe auf die Deutsch- nationale Volkspartei aus diesem Anlaß machen sich seltsam in einer Presse, deren Parlamentarier ebenfalls für den erwähnten Antrag gestimmt hatten. So steht fest, daß die beiden demokratischen Abgeordneten, ferner Scholz (D. Vp) und Decker- Hc-ssen (D. Vp.) für den Antrag gestimmt hatten, ebenfalls alle Zentrumsabaeordneten Dr. Hugo (D. Vp.) hatte gegen den Antrag gesprochen, beteiligte sich aber nicht an der Abstimmung. Eine Krisis in der oberschlesischen 3ndustrie. K a t t o w i h , 5. Febr. Die zwischen den A r- beitgebern und Arbeitnehmern der oberschlesischen Grohindu strte geführten Verhandlungen sind abgebrochen worden. Die Arbeiter wollen von ihren sorde- rangen nicht abgehen und die Arbeitgeber haupten. daß die Forderungen über das Maß der von der interalliierten Kommt fton z-igestan- benen Kohlenpreiserhöhungen hmausgmgen. Aus Hessen^ Dem Landtag ist wieder eine Reihe von Anträgen und Re° gierungSvv.lagen zugegangen. Abgeordnete der Deutschen Volkspartei beantragen, der Landtag wolle die Regierung ersuchen, in der Provinz Oberhessen, wie sie in den beiden anderen Proviirzen bereits bestehen, eine Daugewerk- schule zu errichten. 3n der Begründung wird gesagt, der Bolksstaat Hessen besitze zur Zeit drei Baugewerkschulen, davon befinden sich zwei in der Provinz Starkenburg und eine in der Provinz Rheinhessen, während die größte Provinz die Prov. Oberhessen keine besitzt. Es wäre nun ein leichtes, in der Provinz Ober- Hessen eine Baugewerkschule zu errichten. Wir haben in den Städten Gießen und Friedberg größere neugebaute Gewerbeschulhäuser mit dreikmssigem Aufbau. Eine dieser Schulen wäre zu einer Daugewerkschule durch Anhängen der beiden letzten Klassen leicht umzugestalten. Die Gebäude zur Hinterbringung sind vorhanden. Beide Städte liegen an Eisenbahnknotenpunkten. An beiden Schulen ist ein Stamm Lehrpersonal vorhanden. Dieselben Abgeordneten beantragen, die Regierung zu ersuchen, die hessische Barordnung, welche schon seit mehreren Jahren vor dem Krieg abgeändert werden sollte, da sie den seinerzeit'gen Verhältnissen nicht rn:hr entsprochen hatte, und für die heutigen Verhältnisse erst recht keine Anwendung mehr finden kann, abzu- ändern. Ein Zentrumsantrag betrifft die Ortsklassen- Einteilung. Die dem Landtag trotz der kürzlich getroffenen Reuregelung wieder in großer Zahl vorliegenden Anträge auf anderweite Einstufung von Orten In das Ortsklassen-Berzeichnis ließen erkennen, daß jene Regelung in weiten Kreisen nicht befriedigt hat. Änter diesen älmständen wird beantragt, die den Beamten usw. gewährten Teuerungszulagen für alle Orte gleichmäßig festzusehen, die Höhe des eigenllichen Wohnung^g'ld-Zuschusses dagegen nach höchstens drei Ortsklassen zu bemessen. 3n einer Regierungsvorlage, Unterstützung notleidender Kleinrentner betreffend, heißt es: Die Rot der Kleinrentner, die von den Einkünften eines geringen Vermögens leben, ist bekannt. Schon seit langer Zeit schwebten Verhandlungen zwischen den zuständigen Stellen, die sich nunmehr zu einer Hilfsaktion für die Kleinrentner verdichtet haben. Hiernach sollte das Reich für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 31. März 1922 lOOOOOOCO Mk. xur Verfügung stellen unter der Bedingung, daß die Länder und Gemeinden mindestens das Doppelte des Reichszuschusses aufwendeten. Der Reichsrat hat jedoch kürzlich diese Bestimmung dahin geändert, daß die Länder und Gemeinden nur den gleichen Betrag des Reichszuschusses aufzubringen haben, so daß eine Drittelung der Kosten nach Reich, Land und Gemeinde entsteht. Die Reichsregierung hat in der Reichsratssitzung die Erklärung abgegeben, daß diese Fassung für sie unannehmbar sei. Um aber . eine einstweilige Auszahlung der Beträge zu ermöglichen, ist bann vom Reichsrat beschlossen worden, bis zum Zustand k:mme i endgrligec Richtlinien den Herrn Rcichsarbrttsrninister zu ermächtigen, aus dem im Rach trag zum außer- 1 ordentlichen Hu'halt für das Rcchnungs ahr vor- j gesehenen Mitteln den Ländern auf Antrag vorläufig Zuschüsse za solchen Unterstütz ingen za ; gewähren, die den beigeschlossenen Richtlinien entsprechen Di.se Ermächtigung soll sich bis zum Betrage von 50 000 OCX) Mark erstreiken. Der hiernach für Hessen in Betracht dämmende Anteil an den 50 000 000 Mart beläuft sich, auf 1021378 Mark, der uns unter der Bedingung zur Verfügang steht, daß das Land und die Gemeinden zusammen den doppelten Betrag cruswenden. Der Berechnung li gt noch d.e alle Ortskiasfeneinteilung su-runbe; die neue wird erst bei späterer Vectei ung berücksich ig'. Wir gestalten uns doh r, den Land ag zu Bitten, den gleichen Betrag also 1021 373 Mark, zu La en des Re chnu-g: Wahres 1922 zu bewilligen. Wir werden alsdann die.en Betrag in den Voranschlag von 19.2 einstellen und gehalten uns vor, über den für bas kommende Rechnungsjahr genötigten Betrag dem Landtag Vorlage zu machen. Arußerst erwünscht wäre es uns in Anbetracht der außerordentlichen Rot der Kleinrentner, wenn der Fi- nanzausschaß des Landtages uns zu dieser Ausgabe gemäß Artikel 56 dec hessischen Verfassung vom 12. Dezember 1919 ermächtigen würde, damit die Auszahlungen an die notleidenden Kleinrentner alsbald beginnen könnten. Die Verteilung der Mittel beabsichtigen wir in der Weise vorzunehmen, daß wir den Gemeinden aus Landes» und Reichsmitteln für den Kops der Bevölkerung 1,30 Mark für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Bei einer Bevölkerung von nahezu 1300 000 Einwohnern wurde hierfür ein Betrag von 1 690 000 Mark einzusetzen fein. Den Rest von 352 756 Mark werden wir zunächst als Reservefonds zurückvehalten, um solchen Gemeinden, die mit diesen Mitteln nicht auskommen» Zuschüsse zu gewähren. Eine derartige pauschalmäßige Regelung erscheint uns am Platze, da irgendwelche Unterlagen über die Zahl der zu unlerstühenden Kleinrentner gemäß den aufgestellten Richllinien noch nicht vorhanden find und erst jetzt gewonnen werden, und ferner, well die ganze Regelung nur eine vorläufige ist. Die Aufstellung endgültiger Richtlinien durfte in den nächsten Monaten zu erwarten sein. Das Landesamt für das Bildungs- wesen schlägt dem Landtage vor, daß die Hälfte des zu erwartenden und besonders nachzuweisenden Fehlbetrages dec „Ausstellung deutscher St u n ft Darmstadt 1 922“ auf die Staatskasse unter der Bedingung übernommen werde, daß der Beitrag des Staates nicht höher ist als derjenige, den die Stadt Darmstadt für dieses Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Stadt hat bis jetzt die Bewilligung eines Beitrages von 50 000 Mark beschlossen. Gin sozialdcrnolratischer Antrag will die Re- ?lierung ersuchen, alsbald dem Landtag eine Vor-. age vorzulegen, wonach die Pflegegelder für Waisenkinder den Sätzen der Kriegswaisenrente angeglichen werden. Aus Stabt und Land. Gießen, den 6. Fedr. 1922. ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 30. Januar die Pvlizeiwacht- melfter auf Probe Peter Kaiser aus Hausen (Kreis Offenbach), Valentin L ü h r i n g aus Frankfurt a M, Peter Pfeifer aus Knoden (Kreis Benshe.m), Philipp Schröder aus Groß- Bieberau (Kreis Dieburg), Richard Weber aus Bobenhausen (Kreis Büdingen) zu Polizeiwachtmeistern bei dem Pvlizeiamt Reu-3senburg: Georg E m i ch aus Wald-Michelbach L O. zum Pollzei- wachtmeister bet dem Polizeiamt Offenbach a M. mit Wirkung vom 1. Januar 1922 an; Sebastian Grimm aus Bieber (Kreis Offenbach) zum Poli- zeiwachtmeister bei dem Polizeiamt Offenbach a Main mit Wirkung vom 15. Januar 1922 an. — Zu Zollbetriebsasfistenten wurden ernannt: die Zolloberwachtmeister Heinrich Hartmann und Karl Schierzu Darmstadt, Karl F r o b ö s e und Wilhelm Schrödter zu Mainz, Heinrich M i t s ch zu Bingen. — Mit Wirkung vom l.April d. I. ab wurden übertragen: dem Zollinspektor Eckhardt zu Mainz die Stelle des Zollinspektors des Bezirks Gießen 2 mit dem Standort Gießen, dem Zollinspektor Roll zu Mainz die Stelle eines Zollinspektors bei dem Hauptzollamt Offenbach. — Dem Zollinspektor Lenz zu Mainz wurde mit Wirkung vom 1. April d. I. an die Stelle eines Zollinspektors beim Hauptzollamt Offenbach übertragen. * Die Rechnung der Kreiskasse des Kreises Gießen für 1918 schließt in Einnahme mit 5 159 367,66 Mk., in Ausgabe mit 4 974 327,17 Mk. ab, so daß sich ein Rest von 185 040,49 Mk. ergibt. * Sonderbriefmarken für die Deutsche Gewerbeschau. Für die Deutsche Gewerbeschau München 1922 hat der ReichSpostminister die Ausgabe von Sonderbriefmarken genehmigt, die an allen deutschen Postämtern verkauft werden sollen. Deutschland erhält dadurch seine ersten Ausstellungsbriefmarken. Zur Erlangung von Entwürfen für diese Marken hat die Leitung der Deutschen Gewerbeschau sechs deutsche Künstler, die sich als Marlen-Graphiker bereits einen Ruf erworben haben, zu einem engeren Wettbewerb eingeladen. Die letzte Entscheidung über die Ausführung der vorgeschlagenen Entwürfe hat der ReichSpostminister. Geschaffen werden sollen die Werte zu l1/« Mark in Grün, 2 Mark in Rot, 4 Mark in Blau und ein oder mehr höhere Werte. •’ Vom Ortsverein der S. P. D. werden wir um Abdruck folgender Mitteilung gebeten: Die Funktionäre dec S P. D., Ortsverein Gießen, haben fid> tn der St ang vom 4. Februar mit dem ©ifenbaß^er^reit kescha t gt und an den Porte ivor stand D ilin felge, des Telegramm ge.ichlet: 1. Unverzüglich bei der Reichs- regierung vorstellig zu werden, damit der Greifer laß des Rcichskabineits zu:ückgenommen wird, 2. der Parteivorsiand'seinen ganzen Ein laß geltend macht, damit die Verhandln gen sofoct ausgenommen werl-en, um weitere Se.iäd'gangen des Wirtschaftslebens za verhüten, 3, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß berech igte Forderungen der Eisenbahner erfül t werden. Die Blüchermchten. Roman von HannSvonZobeltitz. 21- Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Am Abend stellte sich hohes Fieber ein. Ter Arzt kam noch einmal, hatte bebe k iche Miene. ■Sie Patientt i wimmerte u au h r ich sprach in wilden Phantasien. Don dem Fest bei dem russischen Botschafter. von dem Alleinsein mit dem Geliebten untereinander im Wintergarten und wie er sie tu ch dir Flammen getracen. Wirr, ohne Zusammenhänge, alles durcheinander. Aar sein Rarne Hang immer wieder schmerzerfüllt aas und dann ein jäher Schrei: „Alles vorbei" — „Alles vorbei". Tage und Rächte hat sie so gelegen. Sie sah nicht mehr die Blumen, die er sandte S(e Hörle nicht mehr seine Stimme, wenn er leise an bie Tür pochte. Rur baß sie manchmal nach den Händen der Gräfin haschte, sie fest, wie hilfesuchend, umklammerte. Ganz schmal war ihr Gesicht geworben, und die rote Branbwunte über die sich allmählich ein dunkler Schorf b eiietc, lag noch unheimlicher und entstelle ider über Wange und Hals. llndlich sind kurze lichte Momente gekommen. Sie hat die Umgebung erkannt, hat auch ein rat den Strauß auf dem Tisch neben ihrem Bett gesehen, hat nach ihm gefaßt, aber die Hand gleich wieder zurückgezcgrn. Verlangte ein andermal nach einem Spiegel, so start, daß die Gräfin sich schließlich nicht mehr weigerte. Doch als |ie den Spiegel in Händen hielt, wagte sie nicht hinein- zuschauen, ließ ihn fallen. „Rie — nie, nie!" 3mme. trie'.er sprach ihr die gütige Gräfin gut zu, kam die zierliche Frau von Dachl oeden. ihr Trost zu bringen. Immer wieder lächelte sie trübe und brach dann in Tränen aus. „Rie — nie — nie!" wiederholte sie. Rie darf er mich Wiedersehen I" „Kind, schätzt du meinen Franz denn so fletn ein?" fragte die Gräsin e d ich ernst. „Rirnmfr du an, daß er nur deine Schönheit geliebt hat? Wie unrecht tust da ihm. Ein Mann wie er liebt nicht das Gesicht. Die Seele liebt er, den ganzen Menschen!" Doch sie schüttelt den Kops. „Sieh, liebe Tochter, Schönheit ist immer vergänglich. Armselig, wer sich an sie allein hängt. Wir Frauen müssen uns daran gewöhnen, daß wir altem, daß die Schönheit verblüht. Oft bleibt der Mann jünger. Weh beiden, wenn darüber das Glück zerbricht. Cs darf nicht bre chen. Auch die alternde Frau, mein' tch, hat immer Mittel und Wege, sich ihres Mannes Liebe zu erhalten. Seine treue Kameradin wird sie halt — und das ist bas Höchste." Doch Luise schüttelte den Kopf. „Ein paar Tage noch, und du wirst aif- stehen können, Luise. Drüben auf dem Lehnstuhl sollst du sitzen und ihn empfangen, den Franzi. Dann wirst du sehen, wie er dich liebt Jetzt and für immer.“ Da schlug sie die Häinde vor das Gesicht: „Riel Rie: Er darf mich nie mehr sehenI" „Geliebtes Kind, verleih: du sie. eist. Als eine Prüfung eurer Lieb?, von Gott gesendet, solltest du's nehmen. And sieh: es bleibt doch auch nicht so, wie es ist. Die Wunde heilt ja schon ab. Eine Rarbe wird bleiben, aber sie ble cht aus, sagt dec Kaiserliche Rat" S^e versuchte, zu scherzen. „Maß dich der F anzl halt von der andern Seite anschnuen, toeim er etwas besonders Schönes sehen will.“ ’ * Arbeitsjubiläum. Die Anzahl der Vierzigjährigen, d. h. derjenigen, die ununterbrochen vierzig Jahre und darüber in der Brühl'schen Dructerei tätig sind, hat einen erfreulichen Zuwachs erfahren durch denHllss- arbeiter Mandler aus Krofdorf, den wir am Samstag zu dieser seltenen Feier der Arbeit und Anhänglichkeit beglückwünschen und ihm kräftig die Hand schütteln konnten. — Herr Mandler war uns immer ein treuer, gewissenhafter und sehr geschätzter Mitarbeiter, der hoffentlich die Strecke Krofdorf—Gießen und umgekehrt zur Brühl'schen Druckerei noch recht oft in Gesundheit 'zurücklegt. Wieviel Kilometer und Schritte er in diesen vierzig Jahren von und zur Arbeitsstelle gegangen ist, mögen Leser mit viel Zeit ausrechnen. Das Fest der silbernen Hochzeit und zugleich das 25. Geschäftsjubiläum feiern am Dienstag die Eheleute Gastwirt Fritz T e i g l e r und Frau Luise, geb. Vogel, An Den Bahnhöfen20. ** Preußisch-Süddeutsche Klassen- Lotterie. Die Lose zur dritten Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum Mittwoch, 8. gebruar, abends 6 Ußr, eingelöst werden. ** Im Stadttheater hatte gestern an Stelle des erkrankten Frl. Wissen- dorf Frl. Gisela Wanner die Rolle der Malwine im „Schwarzwaldmädel" übernommen, eine Dereilwllligkeit, die um so mehr anzuerkennen ist, als nur eine Probe statt- finden konnte. Die Darstellerin fand bei den Zuhörern starken Deifalll ** ® i e LiterarischeGesellschaflldie gestern abend ihren vierten Dichterabend beran- ftaltcn wollte, mußte unter dem Streik der Eisenbahnbeamten leiden. W. v. Scholz, der Stuttgarter Dichter, konnte nicht kommen. An seiner Stelle hat Dr. v. Faber Balladen gesprochen von Bürger, Schiller, Goethe und Heine. Seine Art zu sprechen ist von der Dante-Feier im vergangenen Jahre in guter Erinnerung. Besonders die grausigen düsteren Stimmungen gelingen ihm. Die schlichten Töne aber gehen häufig in zu schwerer Gewandung einher. Als Dichterabend war es eine glückliche Lösung der Enttäuschung mit W. von Scholz, daß unsere Meisterballaden erklingen durften. Diese altbekannten Worte haben ihre unerschütterlichen Werte. Warum aber hat man sie nur als Lückenbüßer herangeholt? -f-. ” Der Reichsbund für Kriegsbeschädigte-, Hinterbliebene und ehemalige Kriegsteilnehmer hielt am Sams lag seine d.e jährige außerorbenttidje Generalversammlung verbunden mit Vorstands wähl ab. Es wird uns hierüber berichtet: Leider waren von ten 400 Mitgliedern mir 67 erschienen. Rach Beriefen des Protokrlls durch den Schriftührer P. Heß erstattete Kamerad Köhler, Sekretär der Ortsg ruppe Gießen, den Geschäftsbericht. 3n dem verslos er.en Jahr wurden 133 sch islliche Anträge erleb gt, davan 30 Hinterbliebene: 46 Te.ufungen beim Der- fDtgungSamt, davon wurden 14 Proz f e verhandelt, hiervon 6 gowonnem 2 verdaut, 6'cbgctokfen, der Rest schwebt noch. 3n etwa 300 Fällen wurde mündliche Auskunft erteilt. 183 älnterffüf unggge- suche (Kriegsbeschädigte) und 57 für Hinterbliebene bewilligt, 3 Entschließungen an die Stadt Gießen gerichtet zwecks Belle,e'-ung von Holz, Kartoffeln und Darlehen, die vollen Erfolg hatten. Den Kassenbericht erstattete Kamerad Ranz. Das Rechnungsiahr schloß ab mit einer Einnahme von 62 000 Mk. Aus dem Fest (Volksfest Os- waldkgarten) wurde die Einnhme von 4? C0) Mart ei zull. An Au. gaben für Gau-, Dund.es- leitung, Unter bewirt, Ortsgruppe and tUntcr- stühungen sind 56 000 Mk. entstanden. Unter Punkt 4 gingen verschiedene Anträge em, die er- le itzt wurden. Ein A trän auf Entlastung des Vorstandes wurde gegen 1 Stimme a: genomm n. Man schri t dann zur Vorstand.'Wahl. Da d e Vereinigung mit dem Einheit verband bevorsteht, wurde der Vorstand öarmb.bert. Als 1. Vorsitzender wurde Kamerad I a n z mit 3D gegen 25 Stimmen gewählt: 1. Sch if!f Ihrer K merad Heß und als 1. Kassierer Ranz einstimmig w.cd.rg w hlt. B is he K m? atz Walldorf, Schua)avdt und Luh, 2 Hinterbliebene, Frau 2a u n und Frau R i ck. K'sfenrevi'oren: Kamerad P f e f f e r und Schneider: Ge chäftsführer Kamerad Köhler. Unter Verschiedenes lag nichts Wichtiges vor, so daß Kamerad I a n z jmn 1 ülhr die Sitzung schloß. Der seitherige erste Voi sitzende, Äameiab Burkhardt, mußte sein Amt aus geschäftlichen Gründen Niederlagen, da er nach Ridda verzieht. 3hm fei für feine Opfer- Willigkeit nochmals gebanft, ebenso allen Gießener Spendern, die zur Bescherung dec Kinder bei der Weihnachtsfeier beigetragen haben. △ Eine große allgemeine Kaninchen-Ausstellung fand gestern in der Turnhalle des Gymnasiums statt. Es war dies die erst» Veranstaltung des Germania-Silber- Klubs für Oberhefsen und angrenzende Gebiete. Die Ausstellung kann in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Man konnte wahre Prachtexemplare aller Kaninchencassen sehen. Die Bewertung dec Tiere lag in den Händen des Preisrichters M. Schmall-Gießen. Zahlreiche Ehrenpreise und Geldpreise waren gestiftet, z. D. von den Vereinen Gießen, Schotten, Launsbach, Heuchelheim, Dorlar, Kinzenbach und vpm Kreis- vecband Wetzlar. Aus dem Ergebnis der Preisverteilung heben wir folgendes hervor: Sieger- Ehrenpreise: H. Schne i de r-Dorlar (Französische Widder), P h. Schäfer-Gießen, Schmidt-Kinzenbach (2) (Groß-Silber), 5t. Weimer- Gießen, I. D e ch e r t - Aklen-Buseck, K Horst- Gießen. K. Philipp- Steinberg- (Klein-Silber), Otto Pfaff- Launsbach (Blaue Wiener), H. S ch n e i d e r - Gießen ^(Holländer), H. Matern- Dorlar und K. P h i ft p p-Stein- berg (Hermelin). Ferner erhielten Preise: I. Deutsche Riefenschecken: L. Keil- Klein-Linden, Feuerstein -Gießen und W. W a l d s ch m i d t - Heuchelheim: 11. Weiße Riesen: G. S ch e 11 h aa s - Gießen (2); III. Groß-Silber: Ehrenpreise B. Arnold- Heuchelheim (2), H Kreuter - Gießen (2); IV. Klein-Silber: Ehrenpreis K Dietz- Dorlar, F. Hofmann -Heuchelheim, L. Vieh- m a n n-Kinzenbach, K W e i m e r - Gießen: V. Blaue Wiener: Ehrenpreis Häußner- Gießen: VI. Weiße Wiener: 1. und 2. Preis Hans George-Großen-Linden: VII. Havanna, Ehrenpreis K Stork- Launsbach: VIII. Hasenkaninchen: 1. Preis R. Wen- zel-Heuchelheim, K Schoch-Gießen: IX.Mar» Bürger Feh: Zwei 1. Preise L. K e i l-Klein- Linden: X. Schwarz- und Blau-Loh. Ehrenpreise PH. 3immermann = Oioßen^ Linden, H. Rainstädter- Dorlar, K. H o ck - Klein-Linden (2); XL Holländer: Ehrenpreis Deuker- Rodheim: XII. Hermelin: Ehrenpreis H. Mattern -Dorlar: XH1. Jungtier« klasse: Ehrenpreis K List-Gießen: XIV. @r- Zeugnisse: für Pelze und Schuhe aus Kanin zwei erste Preise Wilhelm Schultheiß-Lollar. Vornotizen. ** Tageskalender für Montag: Stadttheater, 7 älßr: Gastspiel des Petz-Kainer- Dallctts. — 8 ilßr abends: Monatsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr bei Kamerad Schmid. — Aftoria-Lichtspiele: »Die fremde Frau" und »Goliath Armstrong", 6. Teill — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Dergkahe" und „Der Dagno- fträfling". — Die Liga zum Schutze der deutschen Kultus veranstaltet morgen im (Safe Leib einen öffentlichen Lichtblldervvrtrag. Reg.-Rat Dr. v. Papen spricht über die Fremdenlegion. — „Gefährdete Jugend". Der für heute abend angekündigte Vortrag über ,Dll gefährdete Jugend", veranstallet von den Gießener Frauenvereinen, muß wegen des Eisenbahnerstreikes ausfallen. Wettervoraussage für Dienstag: Wollig, leichte Schneefälle, Frost, nörblidje Winde. Es ist noch keine wesentliche 2fenberung in der Wetterlage eingetreten, so daß das Frost- Wetter anhalten wird. Die Temperatur sank in der heutigen Rach unter den Aullpunkt: 3n Gießen auf 18 Gcad, Lauterbach 23 Grad und Darmstadt 15 Grad C. Landkreis Gictzen. * Grünberg, 4. Febr. Im Schweiß- raum der Amendschen Werkstatt ereignete sich, dem „Gründ. Anz." zufolge, gestern gegen 11 Ahr ein Explosionsunglück. Durch einen kleinen Schaden war dem Schweißappa^ rat Acetylengas entströmt, hatte sich aus-- gebreitet und schließlich am Schmiedefeuer entzündet. Im Augenblick war der Raum in Flammen gehüllt, der am Apparat beschäftigte Besitzer zu Boden geschleudert und das Glasdach hinausgedrückt. Ein im gleichen Raum befindlicher Arbeiter trug Brandwunden am Kopfe davon, während Herr Amend außerdem durch den Sturz am Kopfe verwundet wurde. Die .herabprasselnden Glasscherben richteten glücklicherweise nur Kleiderschaden an. Bei der Gewalt der Explosion ist eö überhaupt nur einem glücklichen Zufall zu danken, daß kein größeres ülnhell angerichtet wurde. Kreis Büdingen. b Aus dem oberen Ridde rtal, 4. Febr. Mit dem Brennen des elektrischen Lichts scheint es tn diesem Winter nichts mehr zu werden. Rxtz längst nicht alle Häuser sind „Riel. Rie! Rie!" Sie stöhnte auf. .Er feil sich nicht zwingen. Er würde sich zwingen, e Beteiligt Lehrer S MWvche Eisenbahn b, 5 ii qelungcnen Saiteti men. iießung für gegangvt tz- Mich 01 Semen s«i gerung Scheithch 190 M > □ ßa in aßet 1 bacher 3 Sefellfch altertum, tx dir Segenwa von minbefh Das Oahr 1 ötabt enüint her ümgeger dieser auigeg bad) über, fi oetvöhnliche diese Dörfer die von ihr Krieg. Zu i1 auch Dau (Sin üeberre Mühle bei < nach einem f narnti wird, nun jene Zu wesen, das d liche Eigentu Heimat zusai schüft bestanl 36 Desiyern jedoch ^eute €le haben 31 des alten D tyungen eil tyten 3'tiieru wirb das Seid (3. Februar» i Aiüeilberechtigl hch verlost: d gen Diesen, f aus dem Lat lcüher um 10 um 2 Uhr. 1] Kaffee mit ( Eierte ßanbö ^ultheih der 1 « i[i leit 50 Z ßolmfer ’ M^ihen ein ft-!obann W, baß s te; ÄÄ“ ieren et>'U und e «flauet ? iu ff* ti die an» ? an , MS. ihre Schönheit hin, zerstört? Zerstört in einem Er taumelte zurück. Trotz aller Vorderei» grausamen Augenb ick!" Ec sah ie wieder vor tung, trotz aller Selbstbeherrschung stöhnte er sich, Prangend Im dusttgen Ta rzlleitze mit dem 1 schwer aus. entblößten schneeigen Halse: das Gesicht tn blü-l ^Fvrrsetzung folgt.) * J todttn ars,i?^^iche en. Echz^^el, i $ "»Maw WiS>äS ÄLW I? * T5itebe>. «t4Ä fat: hin.QieC2- ?etl- ftteim; H A D. daas.kipf,' $ei6e $ ^Preise * ®)* 1,1 °treuter.^"°ld- U; 1. Site «■taben; viL V* LV»xbS(ltoA •«Ä'4 tet’®Drlat, K. §Dd, ollanber; Ehmpi-H " Hermelin! Ehrew L7§"?ungtln. Llst-Giehen; XIV gtl e und Schuh- aui Sanin vchulthelb'Lollür 'tizen. der für Montag: Wiel des Peh-Kainer- Monats Versammlung chr bei Kamerad Schmid. »Die fremde Frau" und -.Teil. - LichifvielhauS, cgiahe" und.Der Dagno- n Schuhe der deut« nftaltet morgen im Lass hen Lichtblldewvttrag apen spricht über die e Jugend". Der für igle Dottrag über ,Di> anslallet von denSiehenei toegen des Eisenbahner« orausiagr icndtag: -neefälle, Frost, nM-he Defcnilk&e 2fentaw 0 len, so dah das N‘ i! in bet heutigen M Jn MfM auf 18 SB d Darmstadt 15 Grad & s Gictzen. 4. Febi. Im SchtE Werkstatt ereignete sich, M» S S’l« A.SZ »«»S Mta trug M*™' S.Ms WS ’betehü«i innen e * metF jje ber Tü rt Anna gymbte, tWgfife?» M ättuntc’ w«» lÄ t jM er-«S' ell Vl>< itre iäwS’J , 1» *5$3 in,.' ader et7vr hleU.,^ einend "'>-ASS SÄÜ’j mtt den HauSonschtüllen berieten, tnti> die 3n- stallatronsftrmen tonnen nid;t schnell genug arbeiten. Ißäbrenl) in S ich e n ha ttj en und Ä a u l ft o b das Ortsnetz auzgehaut ist, wird Me Fertigstellung des Ortsnetze« m Burkhards noch eilige Wochen beanspruchen. Die strenge Kälte hat seither die Erbauung der Hälschen für die Transformatoren unmöglich gemacht. Ter Wunsch nach einer baldigen Einschaltung der Gemeinden ist allgemein, besonders grob aber bei denen, die lange mit ihrer 6nb schlietzung für den Anschluß geza adert hatten, weil sie meinten, nach dem Krieg gebe eS wieder genügend .Lampenole" zu kaufen. Kreis Lauterbach. h. Grebenhain, 2. Febr. Das Dundesfest des Vogelsberger Sängerbundes wi.d am 18. Juni d Z im benachbarten Bannerod stattfinden. Dec in diesem Ort be tehende Gesangverein .Germania" verbindet mit diesem Feste die Feier feines 25jährigen Bestehens. L. Herbstein, 5. Febr. Unter großer Beteiligung der Bewohner wurde heute Frau Lehrer Gerhardt beerdigt, die am Mittwoch auf der hiesigen Station unter den Eisenbahnzug geriet und tödlich verletzt wurde. KrciS Schotten. ti Burkhards, 4. Febr. Einen wohl gelungenen Unterhaltungsabend veranstaltete hier der Fußballklub Over-Seemen. Den Theaterstücken war schon ti .e Vorstellung für die Kinder am Vachmittag vvraus- gegangen. tz. Gedern, 2. Febr. Bei der in den fürstlich Ortenbergischen Waldungen bei Ober- Seemen gestern vorgrnommenen Holzverstei- qerung wurden folgende Preise erzielt: Scheithotz 250 bi« 300 Mk., Prügelholz 140 bis 190 Mk.. Stockholz 110 Mk. pro Raummeter. Laubach, 4. Febr. Heute tagte wieder in alter Weise im „Solmfer Hof" die Lau - bacher Daumkircher oder Blasius- Gesellschaft. Es handelt sich um ein Rechtsaltertum, das sich aus dem Mittelalter bis in die Gegenwart gerettet und das ehrwürdige Alter von mindestens fünf Jahrhunderten hat. Um das Hahr 1400, als unser Heimatort sich zur Stadt enttoldclte, wurden verschiedene Dörfer der Umgegend zu Wüstungen. Die Bewohner dieser ausgegangenen Dörfer siedelten nach Laubach über, freiwillig, ohne jede Rötigung. Die aewöhnliche Angabe, daß ein Abt von Fulda diese Dörfer zerstört habe, ist ebenso falsch, wie die von ihrem Untergang im Dreißigjährigen Krieg. Zu jenen ausgegangenen Dörfern gehört auch Daumenseen oder Baumkirchen. Din ileberreft bi cf es Dorfes ist die „Daunckircher" Mühle bei Freienseen, die jetzt auch allgemeiner aach einem früheren Besitzer „Höres-Mühle" genannt wird. 3n ihrem neuen Wohnsitz bildeten nun jene Zuwanderer ein geschlossenes Gemein- Desen, das durch das fortdauernde aemeinschaft- liche Eigentumsrecht an der Allmende der alten Heimat zufammengehalten wurde. Diese Gesellschaft bestand noch vor einem Hahrzehnt aus 36 Besitzern der alten Daumkircher Wiesen, die jedoch beute auf 29 zusammengcschmolzen sind. Cie haben zugleich das Recht der Mitbenutzung des alten Daumkircher Weidelandes. Rach den Satzungen einer alten Ordnung, die in ihrer letzten Fixierung auf das Jahr 1701 zurückgeht, wird das Gelände alljährlich auf 0L Dlasiustag (3. Februar) in 15 Losen wechselnd unter den Anteilberechtigten durch einen besonderen Schult- heiß verlost: das Gelände umfaßt etwa 15 Morgen Wiesen. Früher fand ein feierliches Mahl auf dem Rathaus statt. Die Tagung begann früher um 10 Uhr morgens: heute begann sie um 2 Uhr. Um 4 Uhr fand gemeinschaftlicher Kaffee mit Eierwecken statt. Als Schultheiß amtierte Landwirt Heinrich Greifer, alsEhren- schultheiß der Veteran von 1870/71, ßaljmamt; er ist seit 50 Hahr en Mitbesitzer. Um 8 Uhr fand vom Solmser Hof aus nach der Wohnung des Schultheißen ein Fackelzug statt. 3n dessen Hause schloß sodann die Sitzung. Es ist ein Verdienst der Behörde, daß sie diese alten Rechtsverhältnisse im neuen Grundbuch sichergestellt hat. — Am verflossenen Donnerstag begann am hiesigen Gymnasium Fridericianum die schriftliche Maturitätsprüfung. Fünf Prüflinge nahmen daran teil. Das mündliche Gramen soll bereits um die Mitte deS Monats stattfinden. Kreis Friedberg. Sf. Friedberg, 3. Fcbr. 3n der gestrigen vtadtverordnelensihung wurden bei Beginn die beiden neugewählten Deigeordneten LangSdors und Leuchtgens, sowie die an lecen St.'Ile gerügten Stadtverordneten Boßler und Dietz vvni Bürgermeister eingeführt und verpflichtet. Auf Antrag des Beigeordneten Langsdorf soll die Dergkaseme mit einer neuen Lichtleitung bei einem Kostenaufwand von 27 000 Mk. versehen werden. Sodann gibt der Bürgermeister einen ausführlichen Bericht über die Ursachen und den Verlauf des nunmehr glücklich beigelegten Streiks der Studierenden. Aus diesem Berichte geht hervor, daß die ganze Angelegenheit sehr übertrieben worden ist, und daß wirlliche tieferliegende Konfliktsgründe nicht vorhanden waren. Die Verhandlungen, die in durchaus gemäßigter Form geführt wurden, haben ein volles Einverständnis ergeben; der seitherige Direktor der Anstalt, Kern, tritt von seinem Amte zurück und den Studierenden wird gestattet, einen Friedberger Bürger als ihren Vertreter in das Kuratorium zu wählen. Die Hauptschuld an der ganzen Angelegenheit trage die alle Grenzen überschreitende Verhetzung des hiesigen Kaufmanns D o l ck m a n n, der seinen ganzen Einfluß dazu benutzt hat, eine tiefgehende Erbitterung hervorzurusen. Die Stadt wird sich bei der Regierung dafür einsehen, daß die Anstalt in Zumnft den Ramen Polhtechnikum führen kann. — 3n einer anschließenden geheimen Citjuqg wurden die Pachtverträge zwischen der Stadl Friedberg und der Gemeinde Ockstadt und dem Freiherrn von Frankenstein über das Gelände des Exerzierplatzes und der Schiehstände, soweit es nicht für Zwecke der Schupo benützt wird, genehmigt. — Die von dem Zweig- verein Schillerschule des D. H. E. veranstaltete Abendunterhaltung fand einen so lebhaften Zuspruch, daß der Saalbau bis zum letzten Platze gefüllt war und auf allgemeinen Wunsch in der nächsten Woche eine Wiederholung stattsinden soll. Das von dem Führer bei Gruppe, Dr. Riedel, in feinsinniger Weise zusammen- gestellte Programm zeigte in seinem ersten Teile „Walohaus"-Szenen au« dem Wanderleben, und gab den mitwi-lenden jungen Damen reiche Gelegenheit. ihr Können in musikalischer und deklamatorischer Hinsicht zu entfalten. Den Schluß bildete das vorzüglich gespielte Lustspiel von Kotzebue „®lc gefährliche Rachbarschaft", das einen großen Heiterkeitserfolg erzielte. Gießener Strafkammer. Gießen, 27. 3anu ir 1922. Der Bauunternehmer Heinrich H. von Frank- furt a. M. wandle sich im Herbst 1919 an den damals dort wohnenden Kaufmann Kurt R. mit der Frage, ob er nicht wisse, wie er etwas verdienen tonne, da es ihm finanziell schlecht gehe: er meinte, mit Mehl sei doch wohl etwas zu machen. R. trat seinerseits mit dem ihm bekannten Mühlenbesiher LouiS CH. zu Griedel in Verbindung, der sich auch nach längerem Zögern bereit erilärte. Mehl zu liefern. Er verkaufte denn auch 100 Zentner Weizenmehl an H. zum Preise von 4,93 Mk. für das Kilogramm; R. sollte eine Provision von 20 Pf. pro Kilogramm erhalten. Mitte Oktober 1919 holte H. 50 Zentner Mehl ab und verkaufte sie in Frankfurt zu 7,50 Mark pro Kilogramm an verschiedene Bäcker weiter. Als er am 27. Februar 1919 die restlichen 50 Zentner holen wollte, wurde er festgenommen und das Mehl beschlagnahmt. 3n der heutigen Hauptverhandlung waren die Angeklag- ten im wesentlichen geständig. — Das am 2. Februar verkündete Urteil lautete gegen H. auf 2 Monate Gefängnis. 25000 Mark Geldstrafe und Einziehung von 4440 Mark übermäßigen Gewinnes, gegen Ch. auf 25 000 Mark Geldstrafe und Einziehung von 14 500 Mark, gegen R. auf 2000 Mark Geldstrafe. ♦ Gießen. 2. Februar 1922. Wegen des Eisenbahner st reiks konnte nur eine Sache verhandelt werden. Angellagt waren der Arbeiter Emil Wilhelm W. und der Fakturist Hans H.. beide von Gießen, ersterer wegen zweier älrkundenfälfchungen in Tateinheit mit Betrug und eines Erpres - sungsversuchs, letzterer wer,en Beihilfe hierzu. Die zeitraubende Verhandlung endete damit, daß W. über den Antrag des Staatsanwalts hinaus zu 1 3 a b r Gefängnis verurteilt, H. mangels Beweises freigesprvchen wurde. — Die sofortige Verhaftung des W. wurde angeordnet. Kirche und Schule. I Hartenrod, 3. Febr. Die seit 7 Wochrn unter Leitung von Fräulein Mutschler hier befindliche Kreishaushaltungsschule schloß heute den Kursus mit einer Prüfung, zu der vom Kreisamt außer den Eltern der Orts- und Schulvorstand eingeladen war. Zu Beginn der Prüfung teilte Bürgermeister Reeb mit, daß das Kreisamt wegen des Eisenbahnerstreiks nicht teilnehmen könne. Die in der theoretischen Prüfung durc^enommenen Fächer (Haushallung, Rahrunasmittellehre, Kochen, erste Hilfe bei Unglücksfällen) zeigten, welche Gebiete in den sieben Wochm eingehend behandelt wurden, und welchen Fleiß Leiterin und Schülerinnen auf ihre Aufgaben verwandt hatten. Die Kochschule bot dann ihren Gästen Kaffee, Kuchen und Torten mancherlei Art an, so daß man auch Proben von der Tüchtigkeit der Lehrerin und der Schülerinnen schmecken konnte. Aus der Versammlung wurde Fräulein Mutschler herzlicher Dank und An- erkennuna gezollt. Keine Gemeinde sollte versäumen. sich um den Kursus, der geringste Kosten verursacht, zu bewerben. Von hier nahmen 18 Frauen und Mädchen, aus dem nahen Harbach vier Mädchen teil. Leider konnte der Berichterstatter nicht solange in der Gesellschaft bleiben, bis die ^Wiener Schnitzel", von denen so verheißungsvoll in der theoretischen Prüfung die Rede war, aufgetragen wurden. Die Kochschule siedelt von hier nach Beltershain jiber. Vermischtes. Seuchenerkrankungen in England. London. 4. Febr. (WTD.) Tas Mand- schwämmchenfieder breitet sich schnell weiter aus. Man meldet amtlich 73 neu? 3n- feklionsherde. Die Grafschaft Leicester und 5 andere Grafschaften sind auch ver'eucht w)rden. Allertmnsfund in Athen. Athen, 5. Febr. (WTD.) Bel der Ausgrabung des Fundamentes eines Hauses im Theseton ist ein B a S r e l i e f von bemerkenswerter Kunst auS dem 5. vorchristlichen Jahrhundert zutage gefördert worden. Das Relief ist sehr gut erhalten und stellt 15 Jünglinge dar, die sich zum Kampfe rüsten. ♦ ♦Sie Edel st einprobe mit Radium. Das Radium besitzt neben anderen merkwürdigen Fähigkeiten auch die geheinmisvolle Straft, den Diamanten im Dunklen aufteuchten zu lassen, und es ist ein geradezu zauberhafter Eindruck, wenn beim Vorbeiführen des Radiums an einer Reihe von Edelsteinen einer nach dem andern al« flimmernder Stern aufblitzt. Das Radium läßt sich also als ein Prüfstein für die Echtheit von gewissen Edelsteinen verwerten, die dazu nicht einmal aus ihrer Fassung genommen zu werden brauchen. 2luf diese Verwendung des Radiums macht Dr. Axmann in einem Aufsatz der „Mm- schau" aufmerksam, in dem er sich mit dem Radium und seinem Verhältnis zu den Edelsteinen beschäftigt. Selbst ganz undurchsichtige schmutzige Rohdtamanten werden durch diese« Zaubermittel zum Erglänzen gebracht. Das Leuchten beruht auf einem Fluoreszenzvorgang, indem der Stein die unsichtbaren 2ladiumstrahlen verschluckt und bann als leuchtende Strahlen wieder von sich gibt. Bei dieser „Transformation" kurzwelliger unsichtbarer Strahlen in langwellige sichtbare geht eine Veränderung de« Gefüges der Steine vor sich, die allerdings nur in Färbungen besteht. Rach den bereits verschiedenllich und nunmehr von Axmann von neuem vorgenommenen Versuchen über die verschiedenen Färbungen der Edelsteine durch Radium steht fest, daß farblose Steine die Verfärbungen unter Radiumstrahlen schneller und deutlicher annehmen als dunkelfarbige. Doch verändern sich manche Hellen Steine auch nicht. Während z. B. ein farbloser Diamant von Borneo nach vierzehntägiger Bestrahlung ein leuchtendes Zitronengelb aufweist, wird ein gleicher Stein brasilianischer Herlltnft gar nicht beeinflußt. Hellblauer Saphir au« Ceylon wird schon nach zwei Stunden grün und geht dann allmählich in ein tiefes Goldgelb mit rötlichem Strich über. Der Stein ließ sich auch durch Erhitzen und Ausbleichen nicht wieder in den früheren Zustand zurückführen, sondern behielt schließlich eine unveränderliche goldgelbe Farbe, älnverändert bleiben unter dem Einfluß des Radiums bunfle Saphire verschiedener Art, sowie Rubinen aus Birma. Dunkelgrüner Smaragd aus Kolumbia wird nach einigen Tagen heller bis zum Hellgrün, rosa Topas aus Rußland erreicht nach zwei Tagen ein leuchtendes tiefes Orange. Beim Turmalin lassen sich nur farblose Sorten beeinflussen. 3m allgemeinen lassen sich durch Radiumstrahlen die schönsten Diamanten ihres weihen Glanzes berauben. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Mon'ag, 6. Febr.: Mignon. Dienstag, 7.: Oberon. Mittwoch, 8.: Rachm. 3V- älhr: Epulezwirnchen, das Sonntagskind. Abends 7 älfjr: Der letzte Walzer. Donnerstag, 9.: Der Graf von Luxemburg. Freitag, 10.: Griseldis. SamStag, 11.: Martha. Sonntag. 12.: Siegfried. Montag, 13.: Der fliegende Holländer. Dienstag, 14.: Die Boheme. Mittwoch, 15.: Oberon. — Schauspielhaus. Montag. 6. Febr.: Bakchos Dionysos. Dienstag, 7.: Penthesilea. Mittwoch, 8.: Die lustigen Vagabunden. Donnerstag, 9.: Bakchos Dionysos. Freitag, 10.: Robert und Bertram. SamStag, 11.: Egmont. Sonntag, 12.: Dorrn. 11 älhr: 4. Morgenfeier. Das germanische Epos. Rachm. 3 Llhr: Rathan der We.se. Abends? älhr: Die lustigen Vagabunden. Montag, 13.: Santon« Tod. Dienstag. 14.: Bakchos Dionysos. Mittwoch, 15.: DakchoS Dionysos. Handel. Frankfurt a. M., 6. Februar, Markuotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 8.2. 4.2. Zürich Fr. 125 40 2,50 2,52 Amsterdam Fl. 59.20 1,31 1,33 Kopenhagen Kr. 88 80 2,44 2,47 Prag ....«••••• Kr. 117 80 — — Stockholm ...... Kr. 88.80 1,93 1,95 Wien Kr. 117.80 3984,50 London. ....... Sh. 97.80 8,81 8 71 Paris Fr. 125.40 5,82 5.88 Aeuyork $ 23.80 -.4» -,49 Züricher Devisenmarkt. 4.2. 6.2. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 130.- 190.- Deulschland 100 MÜ = 2.50 2,55 Wien 100 Kr. =• 0.17 0.17 Prag 100 Är. = 9.90 9.295 Pari« 100 Fr. = 42.80 42.80 London \ £ — 22.04 22.05 Ztalien 100 2. = 23.80 2*35 Brüssel 100 Fr. = 40.85 40-90 Budapest 100 Kr. = 0.775 0-775 Aeuyork 100 $ — 611.50 510. Agram 100 Kr. = 165 1.70 Warschau 100 Kr. = 0,16 0,15 Büchertifch. — Douglas Webb, Roman von Reinhold Conrad M u s ch l e r. (Verlag von Fr. Will). Grünow in Leipzig.) Aus der bunten, freien Welt hohen Gelehrten- und Künstlertums entwickelt sich hier in der farbigen Orientumwelt Kairos das individuelle Lebens- und Herzensschicksal innerlich reicher, geistig hochstehender Menschen. Der Held des Romans lebt im Raumrausche und in der hehren Läuterung seiner Sternenwelt an der Sternwarte von Kairo als Astronom. Edelste 3dealität leitet seine reine Reigung zur jungen Sängerin 3na Wilde, die aus der erhabenen Weltanschauung des Gelehrten fortftrebt in die blühende Leidenschaft des jungen deutschen Musikers Stelio. Das Schicksal bringt sie durch schweren Untergang zur höchsten Läuterung, indes StmaTa« Webb tn her ruhevollen Kameradin Ruth fein Glück findet. Sie groß gesehene Fabel ist in die mondäne Gesellschaft Kairos gestellt und in eine künstlerische ©ciftigfeit von großer Schön» leit (3n einem Teil der Auftage wiederholt.) Der Rotverkehr im Frankfurter Bezirk. Frankfurt a. M. 4. Febr. (WTB.) Die Einrichtung des Rotverkehrs im Bezirk hat »rohe Fortschritte gemacht, wenn auch der Platz Frankfurt selbst besondere Schwierigkeiten bietet. Es sind gestern sechs Güterzüge gefahren worden, ferner 68 Personenzüge (gegen 29 am Vortage). Ein regelmäßiger Verkehr mit zwei Zuapaaren ist eingerichtet auf der Lahnbahn, auf der Betzdorfer Strecke, zwischen Gießen und Hungen, Gießen und Burg-Riederaemünden, Lollar— Grünberg, Herborn—Riewerwalgem und Sillen« bürg—StraheberSbach Die Rheinlandkommission und da« Streikverbot. K ö l n, 4. Febr. (WTB.) Die Rheinland- k o m m i s s i o n ließ dre Verordnung de« Reichspräsident en vom 1. Fed uar betreffend das Streikverbot der Eiseni>ahnrr für das besetzte Gebiet zu, aber unter gewißen Vorbehalten, die sich aus dem Verhältnis der Eisenbahnen zu den Besatzurg behörden ergeben, Ter Befehl des Oberbefehlshabers der alliicrien Besahungsarmee vom 31. Januar 1922, wodurch den Eisenbahnern befohlen wird, alle Befehle der Feldeisenbahnkommission und b ren Organen nach- zukvmmen, ist ausdrücklich arsrechterhalten worden. Verbrecherischer Anschlag auf einen Arbeilerzuq. Stuttgart, 3. Febr. (WTB.) Rach dem n6taat«aHdeiger für Württemberg" wurde gestern im Feuersbacher Tunnel ein verbrecherischer Anschlag auf den Arbeiterzug Rr. 1792, Stuttgart Hauptbahnhvf ab 6,15 älhr nachmittag« durch Legen von Handgranaten auf die Schienen verübt. Ser Täter, der in kauernder Stellung von dem Wächter des Tunnel« gesehen wurde, aber im Rauch de^ Lokomotive deS vor- überfahrenden Zuges noch rechtzeitia entweichen konnte, hatte die Handgranate auf die Schienen gelegt, offenbar, um diese zu sprengen. Die eine Handgranate explodierte, während die andere scharf geladen an der Schiene vorgesunden wurde. Der Anschlag hat glücklicherweise keine melieren Schäden verursacht. Sie Polizei hat Nachforschungen nach dem Täter eingeleitet. Festuahrne eine« Eisenbahnassistenten. Berlin, 3. Febr. (WTD.) Auf dem Gör- liherBahnhof in Berlin wurde ein Eisen- bahnasfistent fest genommen, der arbeitswillige Bahnbeamte zum Streik aus forderte. ♦ Ein AbrüstungSentwurs Pershing«. Paris, 4. Febr. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus WashiNj ton tat General Pershing dem Kongreß einen Gesetzentwurf unterbreitet, dmrch den d i e Zahl der Osstztcre des Heere« von 17000 auf 12 020 herabges«^ wird. .Empfang bei PoinearS. Paris, 4. Febr. (WTD.) Ministerpräsident Poincars hat geilem den Firanzminster und den Vorsitzenden der Reparationstommts^ s i v n empfangen. Diplomatische Schritte der Angoraregierung. L o n d o n, 4. Febr. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel: Don gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß der Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten der Angoraregierung 3 u s f u f K e m a l demnächst nach Rom, Paris und London fahren wird, um mit den alliierten Regierungen in einen Meinungsaustausch einzutreten. Ein russischer General in Pari«. P a r i s, 3. Febr. (WTB.) Wie der „On* transiqeant" berichtet, ist als Delegierter der russischen Svwjetgenossenschaften General 3patietv heute mitGenehmigungder französischen Regierung in Paris eingetrvffen. Er wird sich einige Zeit hier aufhalten, um mit den industriellen Gruppen in Berbindung zu treten. Der General hat sich auch einige Tage in Brüssel aufgehalten. Die Papstwahl. Rom, 3. Febr. (Europapreß.) 3n der heut« Mittag beendeten ersten Abstimmung des Konklave ist, wie zu erwarten stard, keine Wahl zustandegekommen. Der um 12.30 Uhr vom Kamin der Sixtinischen Kapelle aufftelgcnbc Helle Rauch ließ die den St. PeterLptah dicht beseht haltende Menge ti en Augenblick glauben, die Wahl sei fdpn vollzogen. Rach werngen Sekunden war der Rauch schwarz, was bestimmt auf ein negatives Srgcb.ttS schließen ließ. R)m, 3. Febr. Rachmittags 5>M Uhr flieg die zweite Rauchwolke auf Sie zeigte bu ch ihre Schwärze die Erfolglosigkeit deS Wahlganges an. (Frkf. Ztg.) Luftpostderbindungen. Berlin, 3. Febr. (WTB.) Für die nächste Zeit richtet die Pvstverwaltung zur Beförderung von Briefsendungen einen Luftpost verkehr auf den Strecken Berlin-Hamburg, Berlin—Dortmund, Berlin- Bremen, Berlin—Stettin und Berlin—Dresden ein. Die Flüge finden jeden zweiten bzw. jeden dritten Tag statt: ebenso die Rückflüge. Weitere Luftpostverbindungen sind geplant. ' Gtkfteins Gdelsoeiiment Eckstein Gold so Pfg. köstlich im Geschmack TorrerO 1OO Pfö. elegant in der Packung Traviata 120 Pfg. 2ßegen Heirat meines jetzigen Mädchens, suche v- L März bei gutem Lohn ein nichtige?, besseres Mädchen das etwas fodiett kann u. in all. Hausarb. erfahren ist. Fran Habeuicbt, vlW Weftanlage 32. Braver Zunge kann zu Ostern daS Glascrbandwcrk er* lernen. 01276 Heinr. Sillmann Wwe., Aüerweg 19. Ein ordentl. Schuljunge als Saufburfdit acsicht ine E>. Brustmetzer, wicften, Plockstraße 7 IT. Gesucht zur Aushilfe Fräulein für Schreibmaschine und gur Erledigung sonstiger Kontorarbeiten für je eütige Stunden am Tage. H. 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