Nr. 286 Erscheint tügllch, außer Sonn» und Feiertags, mit derSamstagsbeilaye: GietzenerFamilienbiätter Monatliche Betugsprcilt: 380 Marn und 20 Mark Trägerlohn,durch dieDost 400 Mark,auch bei Nicht» erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fern sprech» Lnschlüsse: für dieSchrist- leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. 172. Zahrgang Dienstag, 5. vezemder 1922 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche UniverfifSts-vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Sdfriftkihing und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnumrner bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 12 Mk, auswärts 15 Mk.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz» Vorschrift 20 "/„ Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Lausanner Konferenz. Eine russische Protestnote. Lausanne, 4 Dez. (Wolff.) Die russische Abordnung stellte heute dem Präsidenten der Konferenz folgende Hole zu: 3n Ihrer Antwort vom 27. November, die der russischen Delegation am 29. November überreicht worden ist. bestätigen di^ Vertreter der drei einladenden Mächte, ohne ein einziges der in der russischen Note vom 27. November ange» . führten Argumente zu entkräften, ihren Entschluß, Rußland . n u r zur Beteiligung an der Debatte über die Meerengenfrage zuzulassen. Die russische Abordnung sieht in diesem hartnäckigen Bestreben, Rußland und feinen Der- bündeten die Beteiligung an der Regelung der Fragen, die ihre beirachbarten oder nahestehenden Staaten und Völker betreffen, vorzuenthalten und sie vor vollendete Tatsachen und Entscheidungen zu stellen, einen ernsten Angriff gegen ihre Lebensinteressen. Die russische Delegation spricht ihr tiefstes Erstaunen darüber aus, daß die einladenden Mächte unter dem Borwand, daß der Kriegszustand zwischen Rußland und der Türkei beendet ist, es ablehnen, die Teilnahme Rußlands an der Gesamth?it der Konferenzarbeiten als unentbehrlich anzuerkennen. Indem sie die Beteiligung Rußlands auf die Debatte über die Meerengensrage beschränken, stellen die einladenden Mächte die Angelegenheit der Meerengen als eine von den anderen Fragen unabhängige Frage hin und teilen damit das Problem der Wiederherstellung des Friedens im nahen Osten in mehrere Abschnitte. Seitdem im Jahre 1840 und 1841 die Meerengenfrage zum ersten Male als ein internationales Problem gelöst worden ist, hat man niemals an der besonderen Bedeutung gezweifelt, die sür Rußland ein stabiler Friede im nahen Osten hat, wie man auch nie an dem Rechte Rußlands zweifelte, an einem Werk der allgemeinen Pazifizierung teilzuncl-men, die im europäischen Interesse unentbehrlich ist. Noch deutlicher war in dieser Beziehung die Haltung Englands am Vorabend der Einberufung des Berliner Kongresses im 3ahre 1878. Obgleich England sich seit langen fahren mit der Türkei in einem Friedenszustand befand, hielt es England nicht nur für unumgänglich, an dem Kongreß mitzuwirken, sondern es stellte auch als conditio sine qua non eine Revision des Vertrages von San Stefano zur Debatte, nicht notwendigerweise zum Zwecke der Annahme, aber zu dem Zwecke, daß man erwägen möge, welche Artikel die Annahme oder die Mitwirkung der verschiedenen Mächte notwendig machen und welche nicht. Die Mächte haben also stets das Problem des nahen Ostens als ein unteilbares Ganzes betrachtet. Nichtsdestoweniger fcT>en wir, wie Sie heute auf unverantwortliche Weise mit dieser hundertjährigen Tradition brechen und zu dem Schlüsse gelangen, daß ein dauerhafter Friede im nahen Osten ohne Mitwirkung Rußlands und seiner Verbündeten, der lltrame und Georgien, verwirklicht werden könne und daß die Meer- engcnfrage als ein unabhängiges Problem behandelt werden kann, das außerhalb des großen Komplexes der Probleme des nahen Ostens zu lösen wäre. Die russische Delegation sieht sich daher gezwungen, nochmals Einspruch zu erheben und zu erllären, daß Rußland und seine Der- bündcten sich durch keine Entscheidungen, die in ihrer Abwesenheit getroffen werden, gebunden erachtet und gleichzeitig jede Verantwortung für den anormalen Zustand, ablehnt, der sich hieraus ergibt. Andererseits wird die russische Delegation, um eine älnzuträglichkeit zu verhindern, die das völlige Fernbleiben Rußlands von der Konferenz unvermeidlicherweise schaffen würde, an den Arbeiten für eine Meer- engenfrage teilnehmen. Die Beratung der Meerengensrage. Lausanne, 4. Dez. (WTD.) Heute . or- tnlttag sand die erste Sitzung der Kommission über die Meerengenfrage statt. Zu Beginn der Sitzung ließ sich Curzon Tschitscherin L-orfteUen mit dem er sich einige M.- iraten unterhielt. Hierauf erteilte er den Vertretern der -Uferftaaten des Schwarzen Meeres das Wort. Als Erster sprach Ismet Pascha, der nur eine kurze Erklärung abgab, in der er an die wesentlichen Bestimmungen des nationalen Paktes von Angora erinnerte. Darauf re.las T s chi t scher in seine Rede über die grundsätzliche Haltung Rußlands und seiner Verbünd »'en in der Meerengensrage. Ismet Pascha schloß sich den Ausführungen Tschitscherins an. Der rumänische ‘Vertreter sprach sich für Die Durchfahrt sowohl von Handels- als Kriegsschiffen und für der Entmilitarislerung der M.er- engen aus. Die bulgarische Delegation forderte nur freie Durchfahrt der Handelsschiffe, ohne die Kriegsschiffahrt zu erwähnen. Sie griechische Abordnung hat keine Erklärung abgegeben. Lord Curzon erklärte, die russtsche Erklärung habe den Anschein erweckt, als wenn Rußland nicht nur Georgien und die llfruinc, sondern auch die Türkei vertrete. Tschitscherin verlangte, daß nunmehr auch die Alliierten Aufschluß über- ihre Auffassung geben, da cB gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung verstoße wenn sie sich ihre Stellungnahme vorbehalten. Lord Curzon antwortete, daß die Alliierten sich heute ahend schlüssig werden würden. Tschitscherin zur Meerengensrage. Lausanne, 4. Dez. (WTB.) In der heutigen Sitzung der Konferenz gab Tschitscherin zur Meerengensrage eine Erklärung ab, worin es heißt: Die Abordnungen Rußlands, der IHraine, Georgiens werden sich bemühen, in den Fragen, an deren Lösung sie teilnehmen, folgende beiden grundlegenden Gedanken zu verwirilichen: 1. Gleichheit der Stellung und Rechte Rußlands und seiner Verbündeten mit der Stellung und den Rechten der anderen Mächte. 2. Wahrung des Friedens und Sicherheit im Gebiete Rußlands und der verbündeten Republiken sowie ihrer freien wirtschaftlichen Beziehungen zu allen anderen Ländern. Die russische, ukrainische und georgisch» Delegation behalten sich vor, der Konferenz später detaillierte Pläne über bie Lösung der Meerengenfrage und der damit verwandten Probleme zu unterbreiten. Die ständige Freiheit der Handels- schiffahrt und des friedlichen Seeverkehrs im Bosporus und Schwarzen Meer und in den Dardanellen muß ohne Einschränkung gesichert werden. Die Dardanellen und der Bosporus müssen in Friedens- wie in Kriegszeiten ständig für Kriegsschiffe und bewaffnete Schiffe sowie für militärische Flugzeuge aller Länder außer der Türkei geschlossen werden. Die russische Regierung und ihre Verbündeten fordern die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Rechte des türkischen Volkes auf fein Gebiet und seine Gewässer in vollem Umfange. Ebenso stellen sie die Tatsache fest, daß die türkische Regierung zu einer wirksamen Verteidigung der Meerengen und des Marmarameeres gegen irgendeinen Angriff nur dann befähigt sein wird, wenn ihr ausdrücklich das Recht zuerkannt wird, ihre Küsten zu befestigen und zu bewaffnen, eine Kriegsflotte zu besitzen und für die Verteidigung der Meereuigen und des Marmarameeres alle Hilfsmittel der modernen Kriegführung anzuschaffen. Die russische Republik und ihre Verbündeten haben keinerlei aggressive kriegerische und militaristische Absichten und keinerlei Pläne, die der Freihrll anderer Völler Ahbuch tun können. Ihr ständiges Ziel ist es, über die Interessen der arbeitenden Massen zu wachen und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Welt beizutragen. Als Sowjetruhland ohne irgendeine Entschädigung alle Verträge über die Abtretung Konstantinopels an Rußland annullierte und al e Staaten des Mittelmeeres von der Drohung des zaristischen Ehrgeizes befreite, hatte es keineswegs die Absicht, damit zuzulassen, daß nunmehr die Meerengenfrag; in einer Weise gelöst würde, die sich unmittelbar gegen Rußlands Interesse richtete. Aber nicht nur die Interessen Rußlands und seiner Alliierten, sondern auch die Interessen des türkischen Volkes stehen auf dem Spiele. Die Haltung der Türken. Lausanne, 5. Dez. (WTD.) D'e türkische Delegation veröffentlicht eine Note, in der sie betont, daß die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen in dem Gebiete gelegen seien, über bas die Türkei uneingeschränkte Herrschaft besitze. Die Türkei wolle jedoch die Vorschläge der Alliierten hören und prüfen. Die Abrüstungskonferenz in Moskau. Moskau, 4. Dez. (WTB.) Russische Tel.- Agentur. Die Abrüstungskonferenz wurde gestern eröffnet. Auf Antrag der polnischen Delegation wuiLe Qi t toi n of f einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Litwi.wff verlas eine Erklärung der Sowjetregierung, worin diese sich bereit erklärt, das russische Heer in einem Zeitraum von I1/2 bis 2 Jahren auf ein Viertel seines jetzigen Bestandes, das heißt au f 200000 Mann herabzusehen unter der Bedingung, daß die Heere der vertragschließenden Länder in demselben Maße terringert werden. Vorgeschlagen wird ferner eine entsprechende radikale Herabsetzung der Heeresaus» gaben und allseitige Auflösung der bestehenden irregulären militärische Formationen. Die Grenzgebiete sollen gegenseitig für neutral erklärt toei den. Hinsichtlich der S e e r ü st u n gen sieht die russische Regierung von Vorschlägen ab, da sie ihre Kriegsflotte gegenüber dem Stand» des Jahres 1917 bereits um 3st verringert hat. Der von Litwinoff vorgeschlage Verhandlungsord- nun.g wurde allseitig zugestimmt Es wurde beschlossen, drei Kommrssionen zu bilden, uni zwar für die Frage der Abrüstung, die Frage der Heeresausgabe und die Grenzfrage. Die bevorstehenden Londoner Vorbesprechungen. Paris, 5. Dez. (WTB.) Die Havrsagentur veröffentlicht folgende Note: Man kündigt an. daß Mussolini die Einladung, sich nach London zu begeben, angenommen habe. Der italienisch: Ministerpräsident wird sich nicht in Paris aushalten, um vorher mit Poincare zu beraten, er begibt sich auf direktem Wege nach London. Poincare wird wahrscheinlich am Freitag morgen mit dem Finanzminister d e L a st e y r i e abreifen. Nach Ansicht der französischen Kreise wird die Zusammenkunft in London niefjt den Charakter einer wirklichen interalliierten Konferenz haben. Es forme sich nur um einen einfachen offiziellen Meinungsaustausch handeln, und diese private Unterredung müßte zum ersten Ziel haben, nach einem gemeinsamen lieberem*- kommen die Modalitäten der Brüsseler Konferenz festzustellen, beten Einberufung man in Paris fortgesetzt für notwendig halte. Es scheine unter diesen Umftänben nicht, daß Poincare in London einen umfassenden Zahlungsplan für die Reparationen noch auch ein bestimmtes Projekt einer Regelung der interalliierten Schulden zur Sprache bringen und entwickeln werde. Die Erörterung dieses Programmes solle der Brüsseler Konferenz Vorbehalten bleiben, wo neben den Großmächten der Sieger floaten auch die Vertreter der Kleinen Entente anwesend sein würden. So erkläre es sich daß der Ministerpräsident und der Finanzminister jeder nur von einem einzigen Sachverständigen begleitet sein werde, nämlich Poincare von dem Direktor im Ministerium für auswärtige Angelegenbeiten Peretti de la Rocca und de Lasteyrie von dem Finanzinspektor Tannery. In Paris nimmt man an,-daß die Londoner Verhandlungen nicht über den bereits mitgeteilten Zeitraum von zwei Tagen hinausdauern würden. Bouar Law über Deutschland und Russland. London, 4. Dez. (WTD.) Donar Law erwiderte im Unterhaus auf eine Anfrage Sir Henry D r i t t a i n s, er habe keinerlei Kenntnis von einem Militär- abkommen zwischen der deutschen Regierung und der Sowjetregierung. Gegen die französischen Rheinlandpläne. Köln, 4. Dez. (WTB.) Die Vereinigte sozialdemokratische Partei, die Zentrumspartei, die Deutsche Demokratisch: Partei, die DeutscheVolks- partei, die Deutschnationale Volksvartei erlassen einem Auüfruf, worin sie gegen die Rheinlandpläne Frankreichs protestieren. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß die p 0 l i t i s ch e n P a r- feien desRheinlandes in den letzten Jahren wiederholt klar und unzweideutig ihre unerschütterliche Willensmeinung, treu und u n» entwegtamdeutschen Vaterlande fest- zuhalten, öffentlich zum Ausdruck gebraut haben. Anläßlich der neuerlichen Pariser Meldungen, die auf eine wertere Beschlagnahme des besetzten Rheinlands und der Ausdehnung der Besetzung auf das Ruhrkohlengebiet hinauslaufen, erneuern die Parteien das Bekenntnis der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich? und heben hervor, daß von den Franzosen nicht bewiesen werden könne, daß Deutschland sich seinen Wiederherstellungsverpflichtungen absichtlich entziehe. Die Parteien protestieren .ferner gegen jeglichen Eingriff in die deutsche Rechtsprechung und die deutsche Verwaltung und berufen sich auf das von den Gegnern so oft im Weltkriege proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker. Reich und Rhein feim unzertrennbar. miteinander kulturell, historisch und wirtschaftlich verbunden. Die Verhandlungen über Elsah-Lothringen in der französischen Kammer. P a r i s, 4. Dez. (WTB.) Die Kammer setzte heute die Beratung über das Budget für Elsaß- Lothringen fort. Der- Abg. Schumann erflärte, bie Elsaß-Lothringer verlangten nicht mehr, als vom Jahre 1923 ab in das übrige Frankreich eingegliedert zu werden. Aber vielleicht würden die Elsaß-Lothringer mehr als die anderen französischen Staatsbürger die Notwendigkeit empfinden, die öffentliche Verwaltung von ganz Frankreich gründlich zu reformieren. *— Iustizrnmister C 0 lrat gibt nach einer weiteren Debatte die Erllärung ab, daß er in drei oder vier Monaten eine Erklärung vorlegen werde, der den Zeitpunkt für die Aushebung des Generalkommissariats be- stimmen werde. — Abg. Oberkirch meint, Deutschland cifinbe sich mitten in einer politischen Umwälzung. Es sei sicher, daß Deutschland es nicht auf geben werde, die Hand toieber auf die beiden Provinzen zu legen. Die Volksabstimmung in der Schweiz. Bern, 4. Dez. (Wolff.) Die Schweizerische Depeschenagnrtur teilt zu der gestrigen Volksabstimmung mit: Die s ziali tisch-kommunistische Derfassungsinrtiative über die einmalige Vermögensabgabe wurde mit 175 000 gegen 110 000 Volksstimmen und der sämtlichen Kantonsstimme.r verworfen. Dre Gegner der Vorlage, die bürgerlichen Parteien, die Behörden, Danken, der Handel und die Industrie, das Gewerbe und die Landwirtschaft, sowie viele Angestellte und Arbeiter begrüßten das Ergebnis als einen großen Sieg des privatwirtschaftlichen Systems gegenüber dem Versuch einer äckeberleitung in einen kommunistischen Betrieb und als Abwendung einer schweren Gefahr für die Volkswirtschaft. Die Beteiligung an der Abstimmung betrug 85 Prozent. Mit der wuchtigen Zurückweisung des kommunistischen Svziali- sierungsversuches gab das Schweizer Volk den festen Willen kund, an seiner demokratischen Rechtsordnung, welch? die Grundlage frinet Volkswirtschaft bildet, nicht rütteln ?u lassen. Man erwarte zuversichtlich, daß dank des unzweideutigen Volksentscheides auch das Vertrauen des Auslandes zur Schweiz und chrer Volkswirtschaft gehoben und gefestigt wird. 1 Der Anschlag auf Scbeidemanr vor dem Staatsgerichtshos. Leipzig, 4. Dcz (WTB.) In dein vor dem Staatsgerichtsh of unter dem Vorsitz des Senatspräfidentcn Dr.Schmidt begonnenen ^ozeß gegen den Ve rüber des Attentats auf Scheidemann lautet die Anklage auf versuchten Mord und unbefugten Waffenbesitz Der Angeklagte H u st e r t gibt im Laufe ter Vernehmung an, er habe Oelschläger beim schlesischen Grenzschutz kennen gelernt. Ende Oktober sei dieser nach Elberfeld gekommen. Weihnachten hätten sie darüber gesprochen, daß einige der politischen Führer beseitigt werden mühten, doch sei von Mordabsichten nicht die Rede gewesen. Oel- schläger sei im April 1922 nach Köln gekommen und dort sei nach Gesprächen über Politik beschlossen worden, Scheidemann zu beseitigen. Als Begründung für das Vorhaben gibt dec Angeklagte an, daß er in Scheidemann denjenigen Mann gesehen habe, der vor 1918 die Resolution vorbereitet und die Marinedivision aufgehetzt und sich später in Sicherheit zurückgezogen habe. Man habe verabredet, daß Oelschläger die Tat ausführen und daß er, Angeklagter, ihn und feine Flucht in jeder Weise decken sollte. Der Angeklagte gibt weiter an, daß Oelschläger ihm die Flüssigkeit gegeben und gesagt habe, daß deren tödliche Wirksamkeit nur sechs Tage anhalte. Woher die Spritze gekommen sei, wisse er nicht. Der Angeklagte Oelschläger sagte aus, er habe seit Ausbruch der Revolution den Plan gefaßt, Scheidemann zu erschießen; die nötigen Mittel habe er aber erst im Frühjahr 1922 beisammen gehabt. Die Spritze habe er von einem Ungarn erhalten, den er in Budapest kennen Selemt habe. Dieser habe erklärt, mit diesem Instrument in Budapest schon manchen Juden beseitigt zu haben. Als Grund für die Tat gab der Angeklagte an, Scheidemann habe als sog. kaiserlicher Staatssekretär den Kaiser netraten und als Oberbürgermeister in Wilhelmshöhe feine Möbel gestohlen. Auf die Frage, wer ihm das Amt gegeben habe, als Richter aufzutreten, antwortete der Angeklagte: Gott. (Große Bewegung.) Auf die Frage, ob ihm nicht aufgefallen fei, daß die Schachtel aus München stammte, antwortete der Angeklagte, dies sei ihm nicht ausgefallen. ?ierauf gab Kriminalkommissar ©ropen« er (Kassel) eine eingehende Darstellung der Verfolgung und Verhaftung der Täter. Die An- gefiagten hätten zunächst hartnäckig geleugnet. Schließlich habe Hustert gestanden, worauf auch Oehlschläger die Tat zugab. Scheidemann gab als Zeuge eine Darstellung des Verlaufs des Attentats. s»Die Täter hätten ihm zweimal eine Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt. Rach dem ersten Spritzer habe er auf Zuruf feiner Tochter zwei Revolverschüsse abgegeben, jedoch schon beim zweiten Schuh das Bewußtsein verloren. Lo u i s e Scheidemann sagte aus, daß Hustert mehrere Male gespritzt habe. Nach der Vernehmung der Sachverständigen, welche bekundeten, daß es sich um Blausäure gehandelt habe und daß der Anschlag sehr leicht den Tod Sch-eidemanns, zum mindesten aber schweren, gesundheitlichen Schaden hätte herbeiführen können, bekundet Geheimrat v. T e 11 a u, daß die Täter sich nach dem Attentat unbefugterweise während feiner Abwesenheit in seiner Kasseler Wohnung mehrere Tage aufgehalten hätten Irgendwelche Beziehungen zu den Attentätern, namentlich politischer Art, habe er nicht gehabt In welchen Beziehungen seine Wirtschafterin zu den Attentätern stand, sei ihm unbekannt. Der Rechtsbeistand des Nebenklägers Scheidemann, Iustizrat Werthauer, beantragt, die Wirtschafterin und die Personen, die in Oberschlesien den Attentätern zur Beschäftigung als Forstarbeiter Verholfen haben, vorzuladen, damit sie bekunden, daß hinter den Tätern eine Zentralorganisation stehe. Der Vorsitzende bittet. von freiem Antrag ab- zusehen, da die Wahrscheinlichkeit dieser Behauptung flar auf der Hand liege, für die in Frage stehende Tat aber nicht in Betracht komme. Dir Oberreichsanwalt erklärt ebenfalls, daß die Ladung dieser Zeugen nicht nötig sei, da ein Verfahren gegen die Teilnehmer und Mitwisser d s Attentats schwebe. In Ergänzung seiner Aussage erklärte Schridemann weiter, daß ein gewisser Br üdi- g a m acht Tage nach dem Attentat bei ihm erschienen fei und ihm Einzelheiten darüber r» zählt habe, die aus dem Rathenau-Prv-zeß bekannt seien. Heber die Ladung Drüdigams und Tillessens als Zeugen wird morgen entschieden werden. Aus dem Reiche. Ein Empfang beim Reichskanzler. Berlin, 5. Dez. Nach einer Meldung des „D.T." wird Reichskanzler Dr. Cuno heute abend die Führer der Reichstagsfraktionen und andere hervorragende politische Persönlichkeiten zu einem parlamentarischen Abend empfangen. Neue Gehaltsforderungen der Beamten. Berlin, 5. Dez. Die Spitzenorganisationen der Beamten haben gestern beschlossen, heute vormittag eine Kommission in das Reichsfinanzministerium zu schicken, die die Regierung ersuchen soll, mit den Organisationen über eine Erhöhung der Beamten- und Staatsarbeitcreinkommen zu verhandeln. Deutscher Reichstag. 275. ©ißung. 2 HHr. Berlin. 4. Dez. 1922. -StaÄ Suu8 erledigt zunächst eine 'Itex'ge. kleiner Borlagen durch Hefevtoeifung an dir zuständigen Ausschüsse und nimmt den sechsten Aachtvagsetat zum AeichShaushalt über die Erhöhung der Beamtengehälter in allen drei Lesungen an. Sodann wird die Beratung der neuen Geschäftsordnung des Reichstages beim Paragraphen 87 über die Teschränku ig ,tec Redezeit auf SA Stunden fortgesetzt. Die Demokraten und die Bvlkspartei beantragen eine weitere Herabsetzung auf 1/2 Stunde, die Kommunisten dagegen unbegrenzte Redezeit. 2Tbg. Geher (60z.) tritt für einftxLibige R^>ezeit ein, Abg. Schmidt - Sachten (Soz.) dagegen gemüf; den Ausschustbeschlüssen für eine ’A Künftige Redezeit. Die Abstimmung wird zuruckgestellt. Die Paragraphen 91 und 92 geben dem Präsidenten die Ermächtigung, Abgeordnete, welche die Ordnung 'gröblich verletzen, aus einer Sitzung auszuschliehen. Fügt sich der ausgeschlossene Abgeordnete den Anordnungen des Präsidenten nicht, so kann der Ausschluß auf acht und bei 'ariedebholter Weigerung auf 20 Sitzungstage ausgedehnt werden. Abg. Eichhorn sKomrn.) sieht in diesen Bestimmungen eine Versassungsverlehung und fordert Streichung der beiden Paragraphen. Abg. Karl (D. Vpt) ist gegen jede Milderung oder Aufhebung dieser Ordnungsbestimmungen. Reichstag und Präsident mühten gegen Terror und Unarten einzelner Mitglieder geschützt werden. In anderen Ländern, auch in England, seien weit schärfere Mahregeln gegen Orbnungehöret zulässig Selbst der verstorbene Sozialisten - führer Paul Singer habe erklärt, dah er für eine Erweiterung der Rechte des Parlaments gern eine verschärfte Geschäftsordnung in den Kauf nehme. Der Redner hält auch die Forderung der Abgeordneten Pfeiffer (3.) und Braun (S.), für den Fall, dah ein gemaßregelter Abgeordneter sich zu Be- ainn der nächsten Sitzung entschuldigt, eine Milderung der Ausschlu-p. esiimmungen eintreten zu lassen, für nicht angebracht. Abg. Hol lein (5t) protestiert gegen den Versuch- mit solchen Haustnechtsparagraphen die Opposition gegen doZ in der Reparationsnote auf das Proletariat verübte Attentat zu unterdrücken. Aber seine Partei werde sich auch in Zukunft durch nichts hindern lassen, in dieser Schwahbude von Reichstag in ihrer Art für das Proletariat zu lämpsen. Aachdem Abg. Kopsch sich nochmals gegen die Milderungsan träge gewandt hat, wird die Abstimmung über diese Punkte ebenfalls vertagt, ebenso diejenige über einen Antrag Kahl (D. Bpt.). welcher fordert, dah bei Beschlüssen, welche eine Verfassungsänderung betreffen, der Präsident regelmäßig festzustellen hat, dah bei dem Beschluß Zweidrittel der QKitgneber des Hauses gestimmt haben und dah der Beschluh mit Zweidrittelmehrheit zustande gekommen ist. .In der Abstimnumg wird schliehlich die Beschränkung der Redezeit gemäß einem sozialdemokratischen Dermittlungsvorschlag a u f eine’ Stunde festgesetzt. Die Ordnungsbestimmungen der Paragraphen 91 und 92 werden in ter Ausschuhfassung angenommen unter 21b- leMung sämtlicher Milderungsvorschläge. Angenommen totrb ferner der Antrag Kahl wegen ausdrücklicher Feststellung der Zweidrittelmehrheit zum Paragraphen 93. Auf Vorschlag des Präsidenten soll eine zweite Lesung der Geschäftsordnung stattfinden. Hm 3, >6 Hhr vertagt sich das Haus auf morgen nachmittag 2 Uhr. (7. Aachtragsetat und Ruhegehalt des Reichspräsidenten.) Aus dem besetzten Gebiet. fpd. Wiesbaden, 4. Dez. Der politische Dezernent bei der hiesigen Regierung, Assessor Dr. Prange, der erst vor einigen Wochen von den Franzosen verhaftet worden war, dann aber wieder freigelassen wurde, ist am SamStag nachmittag abermals feft- genommen worden. Heber die Beweggründe, die zu der erneuten Verhaftung geführt haben, verlautet nichts Bestimmtes. Aus Stadt und Land. Gießen, den 5. Dezember 1922. Schutz vor Frostschäden. Bon führender Hausbesiherseite wird uns geschrieben: 3m vorigen Winter 'hat der Frost in Gebäuden in Gießen einen Schaden von über 250 000 Mark verursacht. Wenn sich diese Schäden in diesem Winter im gleichen Mähe wiederholen, würde sich bei den jetzigen Preisen eine Schadenssumme vom me'frr als ,10 Mill. Mark ergeben. Diese Zahlen sollten jeden Wohnungs- Inhaber zur doppel teil Vorsicht mahnen. Hm sich vor Schaden zü schützest, sind nach- stehende Ver^lltungsma siegeln zu beachten. Bei eintretenöem Frostwetter sind sofort alle Fenster in den Räumen zu schließen, in denen sich Wasserleitungsrohre befinkea. Weiter hat der Wohnungsinhaber, in dessen Kel.ec sich bie Ab- stellvorrichtung wib der EntleerungsHahn befinden, die Abstellung des Wassers und die (Snt- leerung der Steigrohre zu besorgen. Zur vollständigen Entleerung der Ro , e ist erforderlich, daß in irgendeinem Stocklverk das Zapfventil leicht auf geb reibt wird, da sich r?ur hierdurch eine vollständige Entleerung der Rohre bis in den Keller ermöglichen läßt. Bei flaifem Frost ist das Wasser nur sdundenweise aufzu Zellen und nachher gleich wieder zu entleeren. Werden btefe VorsichtÖmaßnahmen von dem zur 'Abstellung dos Wassers Verpflichteten befolgt, dann kann ihn keine Schadenersatzpflicht treffen, da die übrigen Bewohner für ihren Teil, als zur Wohnung ge'horig^ selbst haftbar sind. Jeder Woh^'Ungsinhabar muß besorgt s in, daß der Spülkasten das Klosetts vollständig entleert wird. — Bei ftarfer Kälte muß, um das Einfrieren der Klosettschüs'el zu verhüten, jeden Abend starkes Salzwasser in die Schussel geschüttet werden, evtl, muh mah auch eine alte wollene Decke, oder ein altes Kleidungsstück üb->r die Schüssel hängen. Bei sehr kalt gelagerten Klosetts, die beispielsweise ouhe^hakb bet geschlossenen Wo'h-nung liegen ist le andere Vorsicht am Platze. Hier muß bei starkem Frost das Wasser vpllständig abgest-M, oder nur auf einige (Shinften in Betrieb bleiben; das Salzwasser und das Zühängen der Schüssel darr nie außer Acht gelassen werden. Wer aber ganz sicher gehen will, sehe einen Holzkasten um die Schüssel und fülle den Hohllxmm mit Säge- späncn aus. Der Glaube mancher Wohnungsinhaber, lediglich der Hausbesitzer sei der Grsahpslicht.ge, ist irrig. Jeder ist für das ihm anvertraute Gut haftbar und ist verpflichtet, dieses vor der Zerstörung zu schützen, gerade so gut, wie jedermann seine eigener Sachen vor der Zerstörung zu schützen sucht. Deshalb der Mahnruf an alle: Schuh gegen Frostschaden! Zur Aufklärung über ft’c Hobe der heutigen Tagespreise für die bei Frostschäden beso.iders in Betracht kommenden Mn richtungsgeo,erstände diene folgende Auszählung: 1 Klosettschüsfel kostet 12 000 Mk. J Spülkasten kost« KOO Mk., 1 Metw Wasserleitungsrobr kostet 2000 Mk., 1 Zapfventll tostet 1200 Mk. Hierzu kommen dann noch die nicht unwesentlichen Arbeitslöhne. Diese Zahlen dürsten wähl mehr als Worte zur Vorsicht mahnen. Neuer Milchpreis. Mit Wirkung von heute. 5. Dezember, ab tritt ein neuer M i lchp reis In Kraft. Danach kostet jetzt das Liter 140Mark. Näheres ist aus der amtlichen Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ersichtlich. Die Erhebung einer 5. Schnlgeldrate in Höhe einer BlerteljahrSzahlung ist jetzt vom Landesamt für das BilftungS- wesen den Direktionen der höheren Lehranstalten und den Kuratorien der Höheren Mädchenschulen und Höheren Bürgerschulen zur Pflicht gemacht worden. Die Einziehung dieser Rate kann zusammen mit der Erhebung der Nachzahlungen auf Grund der endgültigen Schulgeldfestsehung erfolgen. ♦ L.H. Bon der Landesuniversi- t ä t. Der neuernannte Lektor für Spanisch, Dr. Ruppert h Hjaravi, wird in dieser Woche seine Hebungen aufnehmen. Diese sind unentgeltlich und auch Nichtstudierenden zugänglich. — Dr. Phil. E. R e u n i n g, Assistent am Mineralpetrographischen Institut, der sich für das Fach der Mineralogie zu habilitieren wünscht, wird morgen, Mittwoch nachmittag 6 Hhr, im Hörsaal des Minerawglfcy- pettographischen Institutes seine öffentliche Probevorlesung über „Die Konzentration der Schwermetalle und seltenen Elemente in den leichtflüssigen Bestandteilen des Magmas und ihre lagerftättenkundliche Bedeutung- Halten. t _ * Die Denkmalpflege. Du ch Entschließung des Lande, amis für teS Dlldungsweien ist das durch den Tod des Professors Dr. Atthes erledigte Amt des D.nkmalfflezers für dis Ai er- tümer sowie des Vorstands des Denkmalarchivs mit Wirkung vorn 1. Dezember ab wie folgt besetzt worden: 1/ Durch nebenamtliche Hebertragung der Amtlobliegenheiten des Denkmalpflegers für die Altertümer in den Provinzen R b e indessen und Starkenburg an das Römisch- Germanische Zentralmufeum in Mainz, 2. durch nebenamtliche Bestellung des Studienrats Professor Dr. Helmke zu Gieße.» zum Denkmalpfleger für die Altertümer in der Provinz Oberhessen, 3. durch nebenamtliche Bestellung des Kustos am Landesmuseum Dr. ' Feigel zu Darmstadt zum Vorstand des Denkmalarchivs. ** Regierungsbauten in Ob ?r- Hessen. In Regierungsvorlagen an den Landtag werden, für den Neubau von Dienst- und Wohngebäuden für die Vermessungsämter Gießen, Grünberg und Lauterbach 20 Millionen Mark zur Materialbeschaffung an- gefolgert. Zur Begründung wird angeführt: Dabei stellt die Stadt Lauterbach Dau ü ah und Bausteine aus cigei-em Bruch zu Selbstkosten- preisen zur Verfügung, und auch die von den Städten Grünberg und Lauterbach zugefagten Hnterftütjungea find ganz erheblich Nur h erdarch ist es möglich, die vorgesehenen Neubauten für den veranschlagten Betrag von 31 150 000 Mark auszuführen. Von der Stadt Grünberg werden neben dem Bauplatz beispielsweise 100 Fest- meter Nutzholz yur Verfügung gestellt die allein einen Wert von vier Millionen Mark darftellen. In Grünberg sind die Amtsräume völlig ungenügend. Dort steht dem Vermessungsamt als Dienst raum nur ein Ehemaliger Bäckerladen zur Verfügung. Das Vermessungspersonal hat keine geeigneten Arleitsplätze und die Akten können nicht sachgemäß aufbewahrt werden. Die in dortiger Gegend uu3§ufü'ören6en vielfachen Kataster- vrrmessungsarbeiten müssen von Gießen aus erledigt werden, was um so verteuernder wirkt, je mehr die Feldlersinigungen und mit ihnen die Katasteiwermessungen nach dem Vogelsberg zu fortschreiton. ** Schülerferienkarten für die Weihnachtsferien. Studierende erhalten Sck.ülerferienkarten außer zum Beginn und zum Schluß der Semester nunmehr auch zu den Weihnachtsferien. "DasGewerbeblattfürHessen hat sein Erscheinen eingestellt. Die Nummer vorn letzten Mittwoch bringt an der Spitze folgende Notiz: „Wegen mangelnder Mittel ist ein weiteres Erscheinen des Gewerbeblattes nicht zu erwarten." Das Gewerbeblatt, die Zeitschrift des hessischen Landesgewerbevereins, das Amtsblatt der Zentrale für die Gewerbe und der Handelskammer zu Darmstadt, diente 85 Jahre hindurch den Interessen des Gewerbestandes. * * Oberhes-sischer Kun st verein. Die Ausstellung ist morgen, Mittwoch, außer von 11—1 Hhr mittags auch am Nachmittag von 3—5 Hhr geöffnet. Donnerstag und Freitag bleibt die Ausstellung wegen teilweiser Aenderung geschlossen. Es kommt u. a. eine Kollektion Aquarelle von PrvfessorP.Woltze- Weimar zur Ausstellung. ** Anlagcnmusik findet morgen, Mittwoch mittags 12 Hhr, am Liebig-Denkmal durch die Kapelle des 1. (Hessischen) Bataillons des 15. Infanterie-Regiments nur bei günstiger Witterung statt. Die Musikfolge ist: 1. Barataria- Maisch nach Motiven der Operette „Die Gondoliere", A. Sulliwan: 2. Vorspiel zur Märchenoper „Hänsel und Gretel", E. Humperdinck: 3. Ouvertüre zur Oper „Der König von Vvetot" A. Adam: 4. 'Walzer aus Gounvds Oper „Faust" (Margarethe), Frz. v. Liszt, 5. Marsch a. d. Oper „Garmen", G. Diset. ** D i e Iugendgruppe der Deut- s ch e n Volkspartei hat seit einigen Wochen Arbeitsabende im Gewerbehaus in der Kirche strafte eingerichtet, an denen für die bedürftigen Kinder der Stadt Gießen Weihnachtsgeschenke angefertigt werden. Aus Kisten und Kasten, Keller und Voden werden Abfälle der verschiedensten Materialien mitgebracht, aus denen in interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsstunden ansehnliche Spielzeuge und GebrauchsDie Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 53. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Sie sollen," nahm der Präsident das Wort, „Ihr kaufmännisches Hrteil über die Führung der Ziegeleien abgeben, die Sie früher geleitet haben. Damals schien es doch zu gehen, ohne daß man unaufhörlich Geld hiaeinsteckte, und es wurden jedes Frühjahr Prozente gezahlt, wenn auch niedrige. Wie kommt denn das?" „Damals und heute, das kann man gar nicht vergleiche, Herr Präsident. Damals waren die Löhne halb so hoch und die Arbeiter in Eppenhausen waren auch ohne elektrisches Licht und Vadewanven selig. Die Lebensmittel waren billiger — “ „Nur die Ziegel nicht," warf der Staatsanwalt ein. „Die Eppenhaufener Ziegelei stand von jeher mit ihren Preisen konkurrenzlos da." WlnterichZ Kops wurde bunfelrot. Er haßte die Durren samt und sonders, daß sich aber ein Staatsanwalt Geschäftskenntnisse anmahen wollte, das ging ihm doch über die Hutschnur. Er würdigte den smarten Herrn gar keiner Antwort, sondern fuhr gegen die Richter gewandt hustend und dellend fort: „Die hohen Preise haben die Ziegelei schließlich ruiniert. Hnd das war es, was ich voraussah und weshalb ich mein Amt nieterlegte. Ich habe oft genug Herrn von Herwegh gewarnt, aber er hat nicht hören wollen. Del uns haben nur die Arbeiter etwas verdient. Aber sonst hat jeder, der nur an Eppen- fcdufen roch, Geld verloren.' Herwegh hatte sicher im besten Glauben an die Fabrik das Geld seiner Klienten hineingesteckt, und er, Winterlch. behaupte heute noch, trotz der Gegenmeinungen, daß dieses Geld nicht verloren fei, sondern daß man erst einmal die neue Anlage in Schwung bringen müsse, dann würde alles noch gut werden, und die Leute bekämen Ihr Geld zurück. Damit setzte sich Herr Winterich, und andere Zeugen traten auf. Herbert entging kein Wort, keine Bewegung, kein Vorgang, und er behielt dabei seinen Bruder im Auge, ter sich im Gegensatz zu dem unruhigen Kommen und Gehen im Saal, dem Rascheln, Fußscharren, Verbeugen unb Sehen, Ausstehen und Reden ter anderen unbeweglich verhielt. Auf sein feines, ruhevolles Profil, das einer Statue anzugehören schien, siel das Licht und lieh es hell wie Marmor leuchten, und die Sonne wob um fein blondes Haar eine flimmernde Aureole. Wahrscheinlich bereitete er feine Rete vor. Diese Rete, auf die die ganze Mainzer Straße wartete! Nur ruhig Blut, Emst! dachte Herbert. Wenn nur die entsetzliche Hitze nicht gewesen wäre im Saal. Herbert machte sich etwas Luft, indem er die kleine Frau mit dem wippenden Feder Hut vor ihm nach ter Heizung drückte, woraus sich diese zurückwandte und den schwiven- ten Bademeister neben ihm beschuldigte, er habe sie gestoben. Der schnaubte los: „Was, ich Sie geftoben? Da Horts doch uff! Den ganzen Morgen hab' ich mich noch nicht gerührt, weil man sich einfch nicht rühren kann. Haben Sie Worte?" wandte er sich an Herbert. Sie band erregt ihren Kapotth-ut fest. „Neh- mben Sie sich gefälligst in acht, Sie stoßen einem ja den Hut vom Kopf." „Dann nehmen Sie Ihren Deckel doch ab," sagte der Lümmel, „ich hab' ja meinen auch in der Hand." Darüber tourte die kleine Frau fuchsteufelswild, wie alle Frauenzimmer, wenn man an ihre Hüte rührte, und er überhörte die Einführung Ser nächsten Zeugin Es war die blonde KapitänleutnantSwitwe, die schöne Edeltraud Die lajrnte er ganz genau. Er hatte mehr als einen Brief von ihr vom Hauptpostamt abgeholl unter »Nixe 102". -3a- wohl . . . Grüne Augen unb immer in Trauer und seidenen Strümpfen. Der junge Erler hatte sie einst heiß verehrt, und nach ihm Lutz. Aber sie waren nicht die einzigen gewesen. Der Ruf der Dame hatte ziemlich gelitten. Seitdem befand sie sich meist außerhalb. Sie sprach so leise, daß die Richter angestrengt lauschten, die Rumpf hielt sich die Hör- trompete ans Ohr und die schwarzen Augen Kollins begannen zu glitzern. Die schöne Witwe hatte offenbar kein Interesse daran, ihre internen Angelegenheiten der ganzen Stadt bekarmtzu- machen. Sie erklärte sich für befriedigt, wenn man Ihr Geld, das in Ziegclciaktien angelegt war, herauszog, aber es eilte ihr nicht damit. Sie ift bei Kasse, dachte Herbert. Denn zu solchen Papieren, die man auf keinem Kurszettel fand, hatte sie kein Zutrauen. Es wurde ihr erklärt, daß das mit allen Aktien, die frei gehantelt würden, der Fall sei, und die Witwe senkte den Kopf. Das war kein Gebiet, das sie beherrschte . . . „Es wäre mir allerdings lieber, wenn ich vorher noch einmal mit Herrn von Herwegh darüber sprechen könnte," fügte sie unsicher hinzu, mit einem sanften Blick nach dein Angeklagten. „Ich habe Immer 'Vertrauen zu ihm gehabt. Gr hat mich sonst stets gut beraten . . ." Sonst hatte sie nichts BeMstentes auszusagen und schritt erleichtert auf ihren Platz zurück, um einem Postbeamten Platz zu machen Dieser war ft elfer: und schilderte unter vernehmlichem Räuspern sein ausgezeichnetes Verhältnis zu dem Herrn RechtSanwall und daß er persönlich nur das Beste über ihn sagen könne. „Sie beklagten sich damals, daß Ihnen der Angeklagte versprochen habe," unterbrach ihn ter Richter, „die ErbschastSsumme Ihrer Fvau sicher anzulegen, und sie bann in Eppenhaufener Aktien gesteckt hat. Waren Sie denn damit einverstanden, daß Ihr Geld überhaupt in Industriepapieren angelegt wurde?" gegenstände hergestellt werten. Dieses schöne Beispiel tatfroher Fürsorge ter Jugend sei zur Nachahmung empfohlen. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag Stadttheater, 7 Hhr: „Wallensteins Lager" und „Die Piccolomini". — Astoria-Lichtspiele: „Die Nacht ter tausend Seelen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Weib des Pharao". — Gießener Hausfrauen-Verein. Morgen, Mittwoch, nachmittags 4 Hhr, finden im Saale des Hotel Schütz praktische Back- und Koch-Dorführungen mit Hefe statt. Veranstalter ter Vorführungen ist der Hefeverband. Die Dack- und Kochproben werten in einem Grudeherd zu- bereitet, den die Firma Emil Pister Rachf. zur Verfügung gestellt hat. (Siehe Anzeige.) - I n der Vortrags-Vereinigung wird am Donnerstag Odwmrat Professor Dr Schmid-Burgk aus Aachen einen Vortrag halten über: Alt-RümbergsVlütetage. Der Vortragende wird sein an und für s-lch schon fesselndes T'henra an Hand von zahlreichen farbigen Lichtbildern noch besonders anschaulich machen. (Sieche heutige Airzeige.) Kreis Büdingen. nb. Nidda, 2. Dez. Gestern waren 25 Iahre verflossen, seitdem Sparkafsenrech:rer L Ringshausen hier sein Rechreramt beEIeb tet. Dem Iubilar tourten vom Vorstand der Kasse und aus allen Schichten der hiesigen Ein toohnerschaft und Yon vielen Detovhnern des Sparkassenbezirks die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Einer feiner Freunde in Frankfurt, ein geborener Nidoaer, übersandte ihm 10 000 . Mark, die Herr Ringshausen zur Hälfte für die neuen Glocken und zur Hälfte für den Fonds teS Kriegerdenkmals bestimmte. Starkenburg und Rheinhessen. * Darin stadt, 3. Dez. Ein g roßet Silberdieb st ahl wurde hier verübt. Die Diebe entwendeten: 2 Brotkörbchen, oval, glatt, am Rand leicht verziert; 2 Konfektkörbchen, oval, tief, am Rand ourchbrochen; 1 Gar- diniere, oval, ohne Boden, ganz durchbrochen; 8 Salzfähchen, oval, ohne Boden, ganz ziseliert; 3 Tabletts; 2 Milchkännchen; 1 Zuckerdose; 24 Mokkalöffel; 12 Eislöffel; 12 Obstmesser; 12 Obstgabeln; 29 Kaffeelöffel; 28 große Messer; 12 Obstmesser mit Perlmuttgriffen; 28 große Gabeln; 22 kleine Gabeln; 22 kleine Messer; 41 große Löffel; 6 Fischgabeln; 6 Fischmesser urtf) verschiedene andere Bestecke; 1 Zigarettenetui. Ferner 1 grünlich- blaue Tischdecke, innen gelb gefüttert, und eine braune Rindsledec-Aktenmappe. Fast alle Gegenstände sind Stil „Louis XV.“ und S. T. verschlungen gezeichnet. Auf die Wiederbe- schaffung der Gegenstände ist eine Belohnung von 250 000 Mark ausgesetzt worden. Hesien-Rassau. fpd. Frankfurt a. M^ 4. Dez. Die Gasgesellschaft ist an den Magistrat mit dem Ersuchen um Erhöhung teS Preises für ba<= Leuchtg aS von 85 auf 1 53Mark pro Kubikmeter herangetreten. — Die Kriminal^ Polizei hatte sich im Monat November mit 3001 Fällen zu befassen, und zwar dreimal wegen Mordes, viermal wegen Tvt- schlagsversuches, zehnmal wegen Raubes; ferner in folgenden Fällen: 457 einfache Diebstähle, 301 Einbruchsdiebstähle, 914 kleinere EigentumSvergehrn, 164 Betrügereien, 145 Hnterschlagungen, 80 Sittlichkeitsverbrechen, 295 Wucherfälle, 201 Schleichhandelsfülle, 52 Nahrungsmittelfälschungen. Insgesamt wurden 772Personen fest genommen, darunter 50 steckbrieflich Gesuchte. — Die von der Stadtverordneten - Versammlung eingesetzte Kommission zur Auffindung eines geeigneten Platzes für den Namen „Platz der Republik" hat sich nunmehr für die Hmbenennung des HohenzollernplatzeS in „Re- publikplatz“ entschieden. Der Magistrat hat sich diesem Vorschlag angeschlossen. *Frankfurta. M., 2. Dez. Im Gebiet der Frankfurter Messe st a d t wird zur Zeit ein besonderer Güterbahnhof errich- Heutiger Stand des Dollars 10 Hhr vormittags: Berlin 8150, Frankfurt a. HL 8250. »Doch, im allgemeinen wohl, denn die machten schöne Zinsen," erwiderte ter Postbeamte, „und bie hat er mir auch immer pünktlich ausbezahlt. Als ich einmal in Verlegenheit war, hat er sie mir schon am fünfzehnten gegeben und mir dafür nichts berechnet. Hnd es ist nicht wahr, dah ich je gesagt haben soll, er wäre ein Betrüger." „Es steht aber In den Vernehmungsakten —" Der Richter schlug eine Seite auf. „Sie heißen Erkelenz. Hier . . . Sie haben damals das Gericht beschuldigt, es zögere viel zu lange mit der Verurteilung Herweghs. „Man wird diesen Schurken sicher noch entweichen lassen. QUit den Reichen macht man Hmftänte, mit uns keine. In einem demokratischen Staat hätten sie Herwegh schon längst eingelocht und so weiter." Im Publikum entstand Hnruhe. „Herr Präsident, wenn ich das gesagt haben soll, so ist das in der ersten Hitze geschehen!" sagte ter Veamte sichtlich terlegen, „und ich nehme es hiermit zurück. Ich hatte damals nur Angst um mein Geld." „Hnd Hie glauben jetzt, daß Sie es wieder- bekommen?" „Idne. Lebendgewi 4* , He sie n...... 8 V/. Hessen..... B*/ Hessen...... 4"/, Aolliürken . . . 6*/0 Golduicrtknner Dullen 20 000—30 0Ö0 AU.. 26 000—34 000 Mk. für beste 27 000 Mk. für geringe FS 78.50 m- 2>a- m- ws.- ra- 119,- 118.- IÄ- 1LWX-11700-130 *) -15000- 16VXX -22303. -17.^0-220( K). - 1'00),-1'1001-17500-21.300.- 2 KM) 1 -40001-32250,-37500, - 8500- 400'),- -.— 4.12. 8075 381— 201- 96 b- 130.- 136- 99.60 900,- 170,- 141- 130- 120,- 11*76 7850 ffiz 970- H>1- 137,- lärfen und Kühe särsen, 15 000 bl« en; Kälber beste Wir verkaufen nur gute Qualitäten! Wir Kausen große Quantitäten! Wir begnügen uns mit bescheidenem Nutzen! Wir verkaufen um Tausende billiger! Wir haben deshalb den größten Zulauf! Vermischtes. Elektrischer Bahnbetrieb Leipzig— Magdeburg. Magdeburg, 4. Dez. (Wolff.) 2lm Dezember werden die Fahrleitungen der Cberbcbntf ...... DliSnir 'Hernbau. . .. Miüciuiiabl........ Riebeck '.Woutnit . . . TeUuS Bergbau . . . 8*/ie/e Deraleichen 3*o Ternlrtcbcn Difch-Svar Zrnin.'-lNl. i i Vreuhische Sonfoll Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. HL, 4. Dez (Antlich ) Markt- Verlauf: 3n allen Vielgattungen le Hafter Handel. Droh' und Klcmvieb ausverkaust. Schweine hinter' lassen etwa« lleberstand, und beste Ware wurde übte Holt» bezahlt. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 1879 Rinder, dar- 'unter 320 Ochsen, 45 Dullen und 1514 Färsen und Mübc. Ferner 225 Kälber. 270 Schafe und 930 Datum: L 12. S*/,Dlsch. RelchSanleche .#8,50 «•/» TernlebOen elektrischen Zugförderungsanlage auf Drücken» adschnut Dessau—Magdeburg unter Spannung gesetzt. Damit ist die ganze Dahn Leiv- zig — Magdeburg elektrisiert. Es handelt sich um die größte elektrische Dollbahn Deutschlands. Danden-Einbruch in Ostpreußen. Königsberg i. Pr., 4. Dez. 3n dem etwa 7 Kilometer entfernten Dorfe Mandeln verübte Sonntag nacht nach Aussaae der Dorfbewohner eine etwa 20 Mann starke Dande einen Einbruch in die dortige Muhle und raubte 80 b iS 90 Zentner Getre ide und Mehl. Mit dem Raub fuhren die Einbrecher, die mit Personen- und Lastkraftwagen versehen waren, in der Richtung Königsberg davon. Banditenstreiche in Mexiko. P a r t S, 4. Dez. (DTD.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Mexiko ist am 30. November ein b r i t i s ch e r Kontrolleur der Petroleumanlagen in Deracruz durch Dan- diten vom Betriebögelände entführt worden. Für seine Freigabe wird ein L ö s e g e l d von 5000 Pesos gefordert. Am 1. Dezember sind in demselben Betrieb zwei Amerikaner von Danditen getötet worden. Neue Besen kehren gut! Vt Alf f Kaum ein Jahr besteht unser Schuhverkauf. Was andern in Jahrzehnten ll- IIIIV HvU« nicht gelungen, gelang uns in ganz kurzer Zeit. Wir hgben es erreicht, daß wir den größten Umsatz erzielten. Sie fragen nach Gründen? Die alleinige und einzige Ursache ist: aenmehl Mk. Roggenkleie Mk. 14 500, Erbsen für Speise zwecke Mk. 48 000-55 000. Tendenz: fest. 575a- 6250,— A5a- <5050- 9400 X- -8SkXk-95oO X- Börfenknrfe. Frankfurt a. M. Berlin so-ub- Btiufc. Schkch. s»n* Aurs Aur» Aun Aun 3800 m. (Öottxü kein anbere« Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg.) Frankfurter Detreibemarkt. • Frankfurt a. M^ 4. Dez. Der heutige Detreibemarkt lag ruhig bei festen Preisen. Der Hauptgrund der abwartenden Hal- tuna, welche noch immer vorherrscht, lag wiederum in der unsicheren Haltung der Devisen und auhenpolitischen Lage. Für Weizen wurden die letzten Rotierungen bewilligt. Roggen schien gesuchter, auch Hafer und Derste finden Deachtung. Mals liegt ruhig. Hülsenfrüchte sehr fest. Für Oelsaaien zeigte sich De- gehr. Futtermittel bei lebhafter Rachfrage anziehend. Getreide. Hülsenfrüchte und Diertre- ber ohne Sack. Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Preis je 100 Kilogramm. Parität Frankfurt a. M. Alsbaldige Lieferung. Weizen Mk. 31 000—31 500, Roggen Mk. 29 000, Sommergerste für Brauzwecke Mk. 26 000—27 000, Hafer inländischer Mk. 26 000 bis 27 000, ausländischer Mk. 33 500—34 500, Mais, La Plata undMixed Mk.29 500-30 500, Schlichtungsausschuf; der Provinz Lbcrhesten. Derhandluag vom 1. Dezember Mit den DauritgewinnungSunter-nehmungen, die in der Bauxit-AGin Gietzen zu- sammengeschlossen sind, und der Vereinigung Hessischer Bauritgruben hat der Ver- band der Dergarbecter anfangs Rovember 57 v. H. Lohnerhöhung für den Monat Rovember vereinbart. Der Durchschnittsgedingelohn je Schicht betrug hiernach 670 Mk. Die Firmen Mühleise & Co.. Oberhessische Grubengesellschaft und Gewerkschaft Rabenau patzten ihre Löhne dieser Dereinbarung an. Der Fortschritt der Teuerung veranlahte die Arbeiter von sämllichen 'Betrüben, 80 Proz Lohnerhöhung für die zweite Halste des Rovember zu fordern Der SchlichlungSausschntz schlug nrch Schiedsspruch eine Wirtschastsbeihilfe vor, und zwar auf jede Schicht, die der einzelne Arbeiter vom 16. bis 30. Rovember 1922 verfahren hat, beim DurchschnittSlohn 300 Mk., bei den Löhnen der unteren AlterSllasfen einen entsprechenden Betrag. Gin Drittel der Beihilfe gilt als Dorschuh auf die Dttemberentlohnung, falls die Streitteile nichts anderes vereinbaren, lieber die Dezemberlöhne sollen diese alsbald miteinander verhandeln. 3n der Lohnstreitsache deS Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Gafeangestellten und deS Verbandes der D a d-R auheimerHotel- in du st r i e und verwandter Betriebe erging folgender Schiedsspruch: Gemätz dem Deschlutz der Arbeitgebervereinigung (den einige Mitglieder nicht ausgesuhrt hatten) sind die im Tarifvertrag für das Hotel- und Gaslwirtsqewerbe usw. in Bad-Rauheim vom 1. 5. 1922 festgesetzten Gehaltssätze der Festbesoldeten (d. h. die Barentlohnungen der Hotelbeamten und deS Front-, Kuchen-, Fach- unb HUfSpersonals) sowie Garantielöhne des Bedienungspersonals (Prozenteempfänger) für den Oktober um 100 Proz. zu erhöhen. Für den Rovember 1922 sind dio Gehaltssätze und Garantielöhne des TarifeS vom 1. 5. 1922 um 150 Proz. zu erhöhen (entsprechend dem Arbeitgeberangebot) und ab 1. 12. 1922 biS auf weiteres um 200 Proz. In diesen beiden Gesamtstreitigkeiten erhielten die Htreitteile eine Woche Frist zur Erklärung übet Annahme oder Ablehnung deS Schiedsspruches. Der Betriebsrat der Buhbach-Licher Eisenbahn-Aktiengesellschaft beanspruchte daS Recht, nach dem bekannten Gesetz Mitglieder in den AussichtSrat der Gesellschaft zu entsenden. Der Auflichtsrat bestritt ihm dieses Recht. Den Bet leb führt die Firma Lenz & Ev., die eine G. m. b. H. ohne AufsichtSro- ist. Die Dienstverträge der Angestellten der Bahn sind aber auf "Verlangen der Aufsichtsbehörde mit der Bleag abgeschlossen. Tatsächlich stellt jedoch die Firma Lenz & Go. laut "Vertrag mit der Bleag die Arbeitnehmer ein, führt sie in der Drtriebskranken- kasse und entlädt sie und verseht Beamte von anderen Bahnen, die sie betreibt, zur Bleag und umgekehrt. Der EchlichtungSauSschutz als vorläufiger Dezirkswirtschaftsrat gab daher dem Antrag deS Betriebsrates der Bleag nicht statt, sondern entschied, dah als betriebsführende Unternehmung im Sinn deS § 70 deS BetriebSrätegesehes die Firma Lenz & Co. zu erachten ist. Die Entscheidung ist endgültig nach §§ 93 Ziffer 3 und 94 des Betriebsrätegesetzes. * Handel. Berlin, 4. Dez. Börsen st immungS- bild. Die am Schlutz der vorigen Woche entstandene pessimistischr Auffassung der politischen Lage wirkte sich heute wiederum in gewaltigen Kaufaufträgen für alle Arten Industriewerte aus. Hieran waren neben dem Privatpublikum hauptsächlich das Ausland beteiligt. Die Kurse erfuhren teilweise Erhöhungen von mehreren tausend Prozent, namentlich die schweren Montan- werte und einzelne chemische, elektrische Werte, Maschinenfabriken und Waggonaktien. Bevorzugt waren Deutsch-Luxemburg, Bochumer Gutz, Getsenkirchrn, Phönix, Ricbeck-Montan, Schief. Zink, Westeregeln, Anglo Guano, Chemisch? Hey- len, Obrrschlesi'ch? Kotswerke, Berlin-Karlsruher Maschinen, Adlerwerke, Deutschrr Eisenhandel, Basalt, Siemens u. HalSke und Elsktr. Licht und Kraft. Auch für nur zu Einheitskurfen gehandelte Papiere lagen sehr bedeutende Kauforders vor. SchifsahrtSaktien und Dankenwerte schlossen sich der Auswartsbewegung an. Hamburger Paketsahr t gewannen 18)0. Hamburg-Südamerika 2000, Berliner Handelsgesellschaft 5000 Prozent. Valutapapierc waren ruhiger und nicht gleich- mätzig. Deutsch? Anleihen waren im allgemeinen wenig verändert. Zu einem höheren Kurse stark gesucht war Deutsche Schuhgebietsanleihe Arn Devisenmarkt herrsche auf den beruhigenden Eindruck der gestrigen Rede des Reichskanzlers vormittags "Äetgung zur Abschwächung. An der Rachmittagsbörse trat eine Befestigung ein Der Dollar stieg von 8000 auf etwa 8300. Die Kursfeststellung am Effektenmarkt erfolgt voraussichtlich wieder autzerordentlich spät. Frankfurt a. M.. 4. Dez. Börsen- stimmungSbild. Dollar 8100—8000. Am Devisenmarkt machte sich heute nach festerem Beginn eher eine Abschwächung bemerkbar. Am Effektenmarkt überwogen heute w eder die Kursaufbesserungen, da bei den Banken große Kaufordres vorlagen. Mon.anaktien lagen sehr fest. Maschinen- und Metallaktien zeigten vorwiegend festere Haltung bei großer Rachfrage. Elektrizitätswerte wiesen z. T. lebhafteres Geschäft auf. Anilinwerte zogen an. Sehr gesucht sind Zuckeraktien. Der Einheitsmarkt zeigte ein sehr festes Aussehen. Dalutapapiere zogen an. Der Dollar wurde um 1 Ahr 8000 genannt. ttt, der wohl als her erste Mesfe-DÜter- bahnhvf der Welt anzusehen ist. Für die Aussteller der Frankfurter Messe bedeuten die neuen Anlagen nicht nur eine Annehmlichkeit, sondern vor allem Ersparnis an Kosten. Die hohen Rvllgeldgebühren und die in vielen Vollen entstehenden Lagerkosten fallen in Qranlfurt in Zukunft fort. Das Messegut wird von der Dahn bis zum Messe-Düterbahnhöf, «also in unmittelbare Rähe der Metzhüuser, geliefert und dort and) wieder in Empfang genommen. Waggons mit Maschinen und sonstigem schweren Ausstellungsgut werden auf den mehrere Kilometer langen Gleisanlagen der Messestadt bis unmittelbar unter die Kräne Im Haus der Technik gefühtt, die sie nicht nur auf den Stand befördern, sondern ihnen dort auch gleich die gewünschte Stellung und Lage gehen. Berliner Handelsnes . 14050- 16000,- 12600.- 1500CL- Loiniuerä n. Brivalbk 2190.— ‘2150,— 2(»t— 2S5O.— fiirnut.n. sJ?ationalbanf 1785,— 2100,— 1*00,— 2000,— Denllche Want......öMFA— 7iKÄ- 5800.- 5750— Deuiiche Pereinsbnnk. s:0,— 900,- -,- -,- Di-conto üoimmuibit . 30 0.— 33 0 — 3100, - 320A— Vlctnllbant........8405,- 10XW,- Ml'trident. (ftrbitbnnf UKU- 11*40,— 1875,— Cefterr. (Trcöttanftalt UW - 1280.- 1200.- 13bU- Bocknmer Guh .... 15600,X) •0,-16975,-2450 (5nro........... Kim- 9"O,— 900H- 9300 — "Z,cn:frt)-Viireinbnrn. . 15500, —2AX), — 16 >00,—SiXXln, — Gclfeuk00>X—2l7nlX 26000 — 4?niDencv ^crnbait. . 56W0,—68000—6"X)IU-6iK)'J0,- Slnluucit'Jlfcücvdleben 7200. -10000- 7MX- 1050),- .Maliiunttücltevenein OJiO.—I-VmiQ — Vauralnhte....... 155'X).-22500. -1WW,-20100,- Qualitäten 32 000—34 000 Mk, mittlere 28000 bis 32 000 Mk., geringe 24 000-27 000 Mk.; Schafe 15000—27 000 Mk.: Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 45 000—53 000 Mk, 80—100 Kilo 53 000—f 8 000 Mk , 100—120 Kilo 58 000 bis 60 000 Mk., 12a -ISO Kilo 58 000—60 000 Mk., Fettschweine über 150 Kilo 58 000-60 000 Mk., Sauen und Eber 40 000 52 000 Mk. Die Preise liegen um soviel über den Sdallpreifen, als sie die nicbt unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schllehen. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Morgan geht nicht nach Brüssel. Paris, 4. Dez. (WTB.) Rach einer Blättermeldung aus Reuhork hat Morgan bei feiner gestrigen Ankunft auf amerikanischem Boden erklärt, er habe nicht die Absicht, sich zur Konferenz von Brüssel zu begeben. Ministerkrise in Belgien? Paris» 4. Dez (WTB.) Dem .Oeuvre" wird aus Brüssel gemeldet, dah di« Stellung des Ministeriums T h e u n i S erschüttert sei. Wan sehe vvrauZ. dah die Militärfrage dem Ministerium den TvdeSstotz verletzen werde DieRechte selbst wolle TheuniS ersetzen Ein elnfluhreicher Katholik hab« dem Berichterstatter erklärt, es fei der Wunsch seiner Anhänger, die Regierung noch vor der Brüsseler Konferenz zu stürzen. Man nenne Z a f p a r als Rachfvlaer von TheuniS, aber der "Versuch, ihn an die Spitze der Regierung zu stellen, werd« mit wenig Begeisterung ausgenommen. Als zweiter Kandidat werde Renkin genannt, der aber auch mächtige Gegner habe. Reu« Verwicklungen auf hem Balkan? Paris, 4. Dez. (WTB.) Rach einer Meldung Der „Chicago Tribüne" aus Sofia haben die türkischen Revolutionäre in Westthrazien die Provinz für autonom erklärt. vambuiflülniet. Votci 890ri,- H30),- 4400,- 6500- Norddcuiicher Vloub . . 2400.- 87.50,- 2526 - 3650- Zcmentivei kHetdelberg 5000,— 0400.— — Philivv Holznmnn . . . —529*— 5850— — Vlnglo-Tont -Auano. . .L3nca-2100a-1505a-202na— Badische Anilin.....9(100-1 tu 0— 9M-lh‘0a— (UulbfrOmlbt........7' 70,— 840 »,— 74(XX- 9150— ßirlcvücinier Electron 7C00,—10CWK»,— 7900.—10075,— Wochner Farbwerke . 7SiO,—116 HbuU—11000 — *k'iiUuprfoUlimrt.....fiOOf,— «2 0,— — hütftcvdiöerfe......517 k— .ssoo,— 5200,— 9500,— <" Hbennitalt......810^—10500,— — Ving. 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Don Gerste waren mir gute CBrauferten gefragt und wurden über Rott» bezahlt. Die Käferpreise konnten sich nicht voll behaupten. Mais fchoächte sich ab. DaS Mehlgeschäft hat sich kaum geändert. Oelsaaten, Hül- scnfiüchte und "Futterstoffe behaupteten ihren PielSstand. Weizen, märkifchm 15 400—15 600 Mark (fest), Roggen, märkifchrn 13 400—13 600 Mark (fest), Sommergerste 12 500-13 500 Mk. (behauptet), Hafer, märkischrn 14 0)0—14 200 Mk., pomme-rschrn 13 800—13 900 Mk. (fest). MaiS. La Plata, loco Berlin 15 400—15 700 Mk. (fest), Weizenmehl (10) Kg.) 39 000—45 0)0 Mk. (fest), Rog- genmehl (10) Kg.) 35-000-38 000 Mk. ifest). Wei- zenlleie 80)0 Ml. (fest), Roggenkleie 8000 Mk. (fest). RapS 25 0)0- 26 000 Mk (fest). Leinsaat 27 000- 29 000 Ml.. Dittoriaerbsen 24 000 25 000 Mark, Futtererbsen 17 000-18 000 Mk., Peluschken 15 000- 16 000 Ml., Ackribohnen 20 000- -21 000 Mark, Lupinen, blau 17 0)0—17 500 Mk., Sera- fctlla, alt 31 0)0-37 000 Mk.. Rapskuchen 9200 NS 9603 Mk.. Trockenschnitzel 6400—6600 Mk. Rauhfuttcr: CDeizen- und Roggenstroh, drahtgeb. 5600 5800 Mk., Haferstroh, drahtqepretzt 5600 bis 58)0 Mk.. Stroh, ftrohseilgebündelt 5500 bis 570) Mk., Wiefenheu, gut, gesund und trocken, .Dormahd 4100—4200 Mk., Olachmahd 3700 bis Vitoviun-IJottel A DjCU xeLne vnfXötdndige Kufmexel V f (PzU£v€E^OTXTL L»tlowtrk, nenAktim fc IV 'v Schuhhaus (Emcnuel 10543a 011016 — Bei der Firma 011033 Vermietungen j Westanlage 1 II. I4v durchaus perfekt in allen vorkommenden Arbeiten stellt ein 104281) D Wachstuche Bettvorlagen Tischdecken in ganz besonders großer Aus wähl zu mäßigen Preisen. M-dehaus Sa’omon, (ließen, Schnlstr. Stellengesuchej Mädchen möchte für seinen Bedarf sof. od. später öqs Hflfien erlernen. Schr. SInneb. unter 011012a. d.Meh.Anz. r isloria-Mlspiele In tiefer Trauer: Leonhard Dechert Math. Dechert Marie Dechert Joh. Schneller & Comp. Hammstrahe 14, Telephon 2081. IIMIIIIM Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unsres lieben Entschlafenen sagen wirherzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Peter Michel. Willy Dechert und Fran Ottilie geb. Schneider Marie Gehrke Wwe. und Kinder. Gießen (Kaiserallee 15), Wieseok. 4. Dezember 1922. P>® Beerdigung findet Donnerstag. 7. Dez., nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt Wee gesagt Als Arzt rate ich Ihnen- Nehmen Sie „Quieta“ statt reinen Bohnenkaffees. 6000 meiner Kollegen haben ihn geprobt und als vorzüglich und bekömmlich für Gesunde und Kranke befunden. Ich empfehle jedermann; Tränke Quieta! Gießen, 5. Dezember 1922 Nrn* noch heute u. morgen Die Nacht der tausend Seelen mit den wunderbarsten Winterlandschaftsaufnahmen Dazu das erstklassige BeipFogranun 10546c WW«- IIM) Verfett in Stenographie und Maschinenschreiben, auf hiesig. Bureau gesucht. Srffristl. Augeb. ii. 10309D au den (tfieft. Ani. AW|M billigste iVeiimtntb Ogat Barrmaan Werkzeuglrandlung. Gestern morgen verschied plötzlich und unerwartet mein herzensguter Mann, unser treusorgender Vater Herr Karl Berg, Bäcker im 54. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Janchen Berg. Gießen (Landgraf-Philipp-Platz 8). 5. Dezbr. 1922. Die Beerdigung findet am | Mittwoch, dem 6. Dezember, nachmittags um 3V2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt WeWm MMMll G. m. Ö. f) Wetzlar, Hestenstrahe 17. UNffZD AMKRSCAN UNES INC Nach NORD-, ZENTRAL- UND SÜD- AMERIKA AFRIKA, OSTASIENusw. Billige Beförderung über deutsche und ausländische Häfen. - Hervorragende III. Klasse mit Speise- und Rauchsaal. Erstklassige Salon-u. Kajütendampfer Etwa wöchentliche Abfahrten von HAMBURG nach NEW YORK Auskünfte und Drucksachen durch HAMBURG-AMEROKA LINIE HAMBURG und deren Vertreter in: GIESSEN: S. 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