Nr. 285 Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertag», mit derSamstagsbeilage: GiebenerFarniliendlLtter Monatliche öezugspreife: 880 Mark und 26 Mark Trögerlohn.durchdiePost 460 Mark,auch bei erscheinen einzelner Num» ment infolge höherer Gewalt.- Fernsprech» Anschlüsse- fürdieSchrift» Teilung 112; für Verlag und iLeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sietzen. postschecklonto: granffurt a. M. 11686. Erster Blatt 172. Jahrgang Montag, Dezember 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrttck und Verlag: vrükl'sche UniverfllStz-vuch- und Steinörucferei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Vachmirtag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen, 27 mm Breite örtlich 12 Mk., auswärts 15 Ulh.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz» Vorschrift 20' Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: 21ug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Bietzen. Eine Rede des Berlin, 4. Dez. (WTB ) Der Verein Berliner Presse cevanftallete li brn Räu men des Rrichswgs einen Empfang, zu dem au5er dem R ich.prüf d nten Gbe t, dr i Reich - kanzler Dr. Cuno und bcn meisten ÄaDinett8e Mitgliedern auch die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Präsidenten der Tara- mente sowie eine grobe Anzahl namhafter Parlamentarier und Mitglieder der Gesellschaft erschienen waren. Der Vorsitzende des Vereins, Georo Bernhard, betrübte zunächst drnReichs- präsibenlen, den Reichskanzler und die übrigen Gäste und führte dann in einer Ansprache Wei er au3: Seine Anschauungen auS ehrlicher subjektiver Lleberzeugu ng mit der ganzen Kraft seines Temperaments zu äubern, ist nicht nur daS Recht, sondern die p o l i t i s ch e Pflicht des Iournalisten Auf der Erkenntnis dieser politischen Pflicht deS Journalisten bernrht die Achtung, die jeder Kollege dem Kollegen im gegnerischen Lager entgegenbringt, beruht aber auch die Achtung, bie der Journalist für sich selbst von ziHen Regierungen fordert, aus welchen Parteien die Regierung sich auch jeweils zu- fammensetzen mag. Die Meinung des Gegners müsse bekämpft, aber sie darf nicht gefälscht werden Die Ri.gie.ung ist im parlamentarischen System nicht mehr Obrigkeit, sondern ein Teil des Volkes s lbst, der von der parlamentarischem Mehrheit mit der Fahrung betraut und mit der Verantwortung belastet wird. Die Presse, die neben der Regierung und dem Parlament ein selbständiger politischer Faktor in e nem freien Volke ist. entnimmt aus ihrer Mitverantwortung das Recht und die Pflicht, jede Regierung nach ihrer besonderen Anschauung zu werten Aber die es Gefühl der Mitverantwortung gebietet der Pres e, gleichzeitig der Uebermittlung von Kundgebungen der regierenden Männer an das deutsche Volk und an das Ausland zu dienen. Zum Schlub sprach Bernhard im Hinblick auf die politische Lage die Hoffnung aus, dab die Erkenntnis der Gemeinsamkeit des europäischen SchickalS sowie die weitere Erkenntnis immer mehr Raum gewinnen, dab die Welt sich selbst helfe, wenn sie Deutsch- lanb helfe. Die Rede Cunos. Rach bet Rede Georg Bernhards nahm der Reichskanzler Cuno das Wort. Er führte aus, das festliche Beisammensein von Presse und Regierung im Hause des Parlaments sei die Folge von drei Faktoren, die für die Zukunft des deutschen Volkes bestimmend sein wurden. Die Zusammenarbeit von Presse, Parlament und Regierung müsse zusammenklingen zu einem Akkord der gemeinsamen Arbeit, dem einen Ziel entgegen: dem Wohle und der Wtederaufrichtung des deutschen Volkes. Die Presse sei freier: der Abgeordnete sei nicht so frei und der verantwortliche Leiter der Regierung sei am wenigsten frei in seinen Säuberungen, Aber wenn Sprachen, Wege und Ausgangspunkte auf dasselbe Ziel gerichtet seien, dann werde das gegenseitige Verstehen einen lebendigen Gedankenaustausch und gegenseitiges Geben und Rehmen bedeuten. Die Presse solle geben. Sie solle der Regierung ein zuverlässiges und genaues Bild der Gedanken und Stimmungen im Volke geben, das hinter ihr steht, denn das Parlament und die Regierung könnten nur bestehen, wenn sie sich mit der groben Mehrheit dsS Volkes in Uebereinftlmmung befinden. Ferner soll die Presse nehmen. Sie solle von der Regierung die Erklärungen entgegennehmen und sie dem Volke wahrheitsgetreu und objektiv übermitteln. So werde die Presse zwischen wechselseitigem Geben und Rehmen zum eigentlichen Bindeglied zwischen Volk, Parlament und Regierung. Gewib werde die Presse wie die Mitglieder dieses Hauses sich von Gegensätzen nicht frei halten formen und dürfen. Aber ihr Kampf solle nicht um des Kampfes willen, sondern um die Errichtung des gemeinschaftlichen Zieles zum Besten unseres Lawes und unseres Volkes geführt werden. Er begrübe es, dab ihm heute Gelegenheit gegeben werde, dem Zusammenwirken zwischen Presse und Regierung Ausdruck zu verleihen, indem er den Vorzug habe, ein Wort über die Arbeit der Regierung zu sagen. An den Richtlinien des neuen Kabinetts in der äufreren und inneren Politik, die vor genau neun Tagen von demselben Platz auS,gesprochen worden seien, habe sich nichts geändert. Er werde deshalb heute nur ganz allgemein sprechen. Er werde auch nicht so sehr als Leiter des neuen Kabinetts, sondern vielmehr von Person zu Person, von Mensch zu Mensch sprechen. Seit dem Bestehen des neuen Kabinetts habe die öffentliche Meinung begonnen, das Kabinett nach den verschiedenen Methoden wissenschaftlicher Forschung zu sezieren. Man habe die Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder genau durchforscht. Man habe sich gefragt: Wie stehen diese Männer zum Parlament und wie zur Weimarer Verfassung? Wie stellt sich das neue Kabinett zu iXti tzrvben Problemen, die uns im Innern und nach auben hin täglich mit Sorge erfüllen? Ha, man habe sogar schon Meinungsverschiedenheiten zwischen Mit- aliebein des neuen Kabinetts herausgefunden und sich über die Lebensdauer der neuen Regierung ernste Gedanken gemacht. Die Mitglieder des Kabinetts aber hätten sofort ihre sachliche Arbeit, entsprechend dem im Reichstag verkündeten Arbeitsplan, auf genommen. Ricmals sei im Kabinett von irgendeinem auch nur der leiseste Zweifel daran geäubert worden, dab dieses Kabinett auf dem Boden der Verfassung stehe, auf die alle Mitglieder vereidigt seien, älnd sie seien gewohnt, ihren Aid zu halten. Auch von Meinungsverschiedenheiten Reichskanzlers. innerhalb Des Kabinetts habe er bisher nichts erfahren. Die Beziehungen zu den Ländern seien sofort aufgenommen worden in der Tleberzeugung, dab nur eine von dem Vertrauen der Länder getragene ReichZregierung in der Lage sei, die Einheit nach innen und auben zur Geltung zu bringen, die wir — vielleicht schon bald— bitter nötig haben würden. Was die Sorge anbetreffe. wie lange diese Regierung wohl Regierung bleiben werde, so antwortete er darauf: Solange wir von dem Vertrauen des Volkes und des Parlaments getragen sind, solange werden wir unsere Pflicht bis zum letzten Rest unserer Kraft tun. Aber auch nicht länger. Damit komme er zu dem Punkt, dec seines Erachtens von ausschlaggebender Bedeutung fei Es fehle an Vertrauen. An Vertrauen zwischen den einzelnen Volksgenossen, zwischen den verschiedenen Klassen und Berufs- schichten. Cs könne jedoch nur eine Arbeit, die von allen Volksschichten getragen werde, die sich der Rot der arbeitenden Klasse ebenso wenig vec- sch'.iehe wie der des Mittelstandes oder des Tlntetnehmertums, in der heutigen Zeit im Innern Früchte bringen. Dieses Vertrauen müsse aber auf eine feste Grundlage von Moral und Autorität gegründet sein. Die ,Umschichtung aller Volksschichten und auch der VermögensNasse sei so grundsätzlich, dab die ReichensichzwarderRechte abernicht cher Pflichten des Reichtums bemüht seien. Spiel und Tanz spielten eine ausschlaggebende Rolle, während auf der anderen Seite viele Tausende von Volksgenossen in bitterer Rot verkümmerten. Das sei nicht das rechte Vertrauen, die richtige Hilfsbereitschaft. Selbst wenn die Regierung mit freigebiger Hand gebe, so sei dies nur ein Tropfen, der das Elend zu verhüten nicht hinreiche. Er appell.ers desh lb an die private Hi fe des einzelnen. Der deutsche Volkstörper fei trank und müsse pfleglich behandelt werden. Es könne nicht alles umgestaltet werden, sondern es müsse auf der Grundlage unserer Verfassung weiter- gebaut und versucht werden, den Volkskörper gesund zu machen. Der Geist des Vertrauens im Innern müsse in die Welt hinausdringen und dort Vertrauen zu uns auslösen. Auch der Welt fehle das Vertrauen, und das sei der Grundstock allen Tiebels. Die Welt müsse wissen, day wir, ein Volk in tiefer Rot. ehrlich bestrebt sind, eine Losung der aubenpolitifchen Fragen zu finden, eine Lösung. die uns Arbeit und Existenz unter Erfüllung der vereinbarten Verpflichtungen ermöglicht. Solches Streben heibt, das Vertrauen der Welt wieder Herstellen. Das tut not; denn solange di e Völker einander mit Mibtrauen gegenüberstehen. kann keine gedeihliche Mitarbeit erfolgen. Man hat namentlich in französischen Kreisen gefunden, dab meine Erklärungen zur Reparationsfrage ent- täuschen, und dab man den Willen vermisse, auch nur in dem Tlmfapg zu leisten, in dem es damals abgegrenzi war. Das ist irrig. Der Grundsatz, dab wir nicht mehr als im Rahmen der Rota vom 13. Aovember leisten können, kann den Verständigen. der die deutsche Wirtschaft kennt, nicht enttäuschen. Eine andere, weitergehende Erklärung hätte nur einen Tlnverständigen, der die deutsche Wirtschaft nicht kennt, täuschen können. Hal jemals die völlige Vernichtung des Schuldners oder gar sein Selbstmord dem Gläubiger verhvlfen. seine Forderungen erfüllt zu halten? Oder ist es nicht richtiger, dab die beiden zusammentreten und mit ganz offenen Karten miteinander zu verhandeln? Auch geschäftlich ist es klug und notwendig, die Grenzen des Haushalts nicht zu überschreiten. Diese Wahrhaftigkeit, ohne die die Lösung nicht gefunden werden kann, nehme ich für mich in Anspruch. Ich stehe seit längeren Jahren in der internationalen Arbeit und habe eine Reihe von Verträgen und Abmachungen abgeschlossen, die dem Geist und dem Wort nach erfüllt worden sind. Allerdings, das Vertrauen von einem zum andern wird nur geschaffen werden können, wenn man in offenen Verhandlungen von Mann zu Mann einander gegenübersteht. Ich werde, wie ich es meinen Geschäftsfreunden gegenüber getan habe auch zu politischen Vertragsparteien sprechen und mich in keiner Weise Frankreich gegenüber anders als irgendeinem andern Partner der Welt gegenüber benehmen; denn wir müssen mit Frankreich in Orbnung kommen, wo immer die Möglichkeit von Verhandlungen geboten wird. Rur durch solche Terljand- lungcn können die Grenzen des Möglichen, innerhalb deren wir leisten können, abgesteckt werden, nicht nur Ultimaten und Etnrna^jchdroHungen. Hinsichtlich der Lö'ung der Reparationsfrage werden die Mitglieder des neuen Kabinetts n ^ch t die Hände in den Schob legen und einfach warten, auch nicht auf das Mitleid anderer Aoer noch fehlt es am Glauben an die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit unserer Worte, den wir beanspruchen dürfen. Immer erneut erleben wir. wie der Friede, den das deutsche Volk sucht, und dem es ehrlich dient, a u f der anderen Seite noch nicht waltet. Die Verkennung der von uns abgegebenen Erklärungen, Geist undWortlautder n.ue- st en Rote aus Passau und Ingolstadt roie die zum Teil Wiede.' dementierten Wsich'.en und Stimmen, die aus den 'Beratungen t m Elyföe-Palast zu Paris herücerdrange t — das alles klingt nicht danach, als ob überiH wahrer Friede und förderndes Verständnis für eine Zusammenarbeit der Völker schon ein» gezogen märe. (Sehr richtig!) Was der Rote gegenüber zu sagen tft, das wird von der Regierung im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung geprüft werden. Die Tatsachen werden festgestellt und wo tatsächlich Tlnrecht ge'chehcn ist. wird das älnrecht wieder gut gemacht werden Den Cinmarschdrohungen gegenüber aber, die im Rheinland beunruhigen, m einem La.rde. wo jeder Stein von deutschem Wesen spricht, allen diesen Drohungen gegenüber wollen wir mit einem Wort nur erflären, daß das Rheinland fest zu Deutschland gehört und Deutschland fest zum Rheinland steht. (Stürmischer Beifall und Händellatschen.- Wir können und werden nicht z-t- lasfen. dab die Rhein lande, die Rheinprovinz, die Pfalz. Rhein- Helfen und das Saar gebiet jemals preisgegeben, ihre Befreiung gefährdet oder hinausgeschoben weede. Darauf können sich unsere Brüder und Schwestern am Rhein fest verlassen. (Wiederholt, (türm. Brifall und Händeklatschen.) Weriei die Hemmnisse endlich überwanden, die einer sachltchenRege- lung der Reparationsftage -entgegenstrh»en. d imt wird endlich auch der feste Punkt ge.unben fein, die Wirtschasts - und Pre is fragen mit sicherem Erfolg der Gesundung entgegenzuführen. Entschlossen, schon vorher keinen Blick von diesem Problem zu lassen und alles zu tun, was nötig ist, erhebe ich den Appell an die Welt, es endlich zuzulassen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dab wir unser Volk aus diesem Wirbel und dem sprunghaften Steigen aller Preise dwch die Stabilisierung Der Mark end.ich retten können. Mehr a l s irgend ein anderer 'Beruf leidet b i e Presse. Aus Hunderitausenden von Haushalten schwinden Zeitung und Buch. Soll wirklich zur materiellen Veratmung die geistige Verkümmerung kommen? ,?Tiag die Welt ein armes Deutschland sehen, ein seelisch armes Deutschland, ein Deutschland, das weniger geistig und weniger deutsch ist als das Deutschland voriger Zeiten, soll sie nicht sehen! (Bravo!) Ehre und Würde kann niemand von auben geben und nehmen. Unser Volk selbst hält sie unv wird sie halten und mehren. Alle die ernsten Sorgen, die uns hier erfüllen, schliebe ich ein in das Gelöb.ris: Dem deutschen ßanbe, das unser aller Mutterland ist, das jetzt niedergedrückt, beherrscht und besetzt, aus tau'end Wunden blutet, dem deutschen Volle, das vier Jahre, nachdem die Waffen ruhen,' noch heute daS schwerste Schicksal eines Volles zu ertragen und die Tlngewibheit auf seinen Schultern lasten hat, diesem deutschen Lande und Volke gelte unsere gemeinsame Arbeit! (Anhaltender stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Eine bayerische Darstellung der Vorkommnisse in Passau und Ingolstadt. München. 2. Dez. (WTB.) Zu den *Borte m m n i ff en in Passau und Ingolstadt wird amtlich gemeldet: Gelegentlich ter Kontrolle der hiesigen verbandsstaatlichen Distriktskommis- fion wurden am 24. Oktober in Passau und am 22. Rovcmber in Ingolstadt die Mitglieder dieser Kommission von Teilen der Bevölkerung schwer beleidigt und teilweise mit Steinen betoo/fevt. Diese Vorkommnisse wurden von den zuständigen Staatsbehörden sogleich eingehend unte s ch' und dabei festgestellt, dab den Polizeibehörden keinerlei Schuld beizumessen ist. schon deswegen nicht, weil sie über das Eintreffen der ter» bandsstaatlichen Kommission nicht unterrichtet waren und Daher rechtzeitig polizeiliche Mahnah- men nicht treffen konnten. Die staatsanwaltschaft- liche Untersuch ung gegen die Täter ist noch im Gange. Die Städte Passau und Ingolstadt richteten an die hies.ge Kowrollkommis ion wegen der Vorkommnisse besondere Entschuldigungsschreiben. Darüber hinaus war es der Regierung auf Grund der Sachlage jedoch unmöglich, die von der interalliierten Militärkontroll» fommiffion noch weiterhin verlangten Strafmab- nabmen (Versetzung des verantwortlichen Poll ei- chefs) vorzunehmen. Trotzdem machen nun die Ter- bandsstaat.m die örtlichen Polizeibehörden feierlich verantwortlich und verlangen von ihnen und von den beiden Städten die Erfüllung drückendster Verpflichtungen und aubervrdentlich hohe Geldbuben und Strafversetzungen und stellen bei Richterfüllung bis zum tO Dezember schärfste Sanktionen in Aussicht. Das Verhalten der Bevölkerung und ihre zunehmende Entrüstung über die dauernde demütigende Kontrolle ist für jeden national empfindenden Deutschen verständliche dennoch verlangt das Gebot der Stunde kluge Zurückhaltung und Beherrschung der inneren Gefühle. ES mutz den DerbandSstaaten auch der Schein des Rechtes genommen werden, uns immer wieder drückend« und gänzlich unberechtigte Opfer aufzuerlegen. Wegen der Fälle in Passau und Ingolstadt ist Bie bayrische Regierung mit der Reichs- reg ieru n g in Verbindung getreten. München, 2. Dez (Wo.ff.) Wie die Korrespondenz Hoffmann meldet, reift der bayrische Ministerpräsident Dr. v. K n i l l i n g am nächsten Montag nach Berlin, wohin der Reichsianzler die Ministerpräsidenten der Länder für den 6. Dezember zu einer Aussprache eingeladen hat. Der Ministerpräsident wird am Dienstag die Angelegenheit der Sühneforderungen der interaHiierten militärischen Kontrollkommission mit den zuständigen Reichsstellen besprechen, nachdem er hier die notwendige Fühlung mit dem Landtag bereits genommen hat. Die Entscheidung der bayrischen Regierung wird sofort nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten getroffen und der Ceffent» lichkeit mitgeteilt werden. Die französische Pfänderpolitik. P a r i S, 4. Dez. (WTB.) Der „TernpS" schreibt, nichts hindere die amerikanischen Finanzleute, eine grobe Kreditoperation zugunsten der Reparationen vorzuschlagen. Wenn beiartige Angebote den alliierten Regierungen in präziser Form, mit geeigneten Garantien unterstützt, gemacht würden, müsse man f;e selbstverständlich Prüfen. Frankreich könne aber 1 e in Moratorium ohne Pfänder bewilligen. Man müsse sich erst damit beschäftigen, Pfänder zu nehmen, um sie im Interesse der Alliierten auSzubeuten; denn jetzt sei kein Platz mehr für grobe theoretische Programme, deren Anwendung die Wirklichkeit nicht gestatte. Kein kurzfristiges Moratorium? Paris, 4. Dez. (WTB.) Die Havas- a g e n t u r beschäftigt fick) mit der Frage, ob daS britische Kabinett beabsichtige, den Vorschlag zu machen, Deutschland em kurzes provisorisches Moratorium von höchstens zwei Monaten zu gewähren. ES scheine sich hier um Verhandlungen zwischen den Kabinetten von London und Paris zu handeln. Damals habe Donar Law die Ansicht ausgesprochen, es scheine ihm schwierig, die Reparationsfrage vor dem 31. Dezember zu regeln, weshalb man vielleicht ein Moratorium von ein oder zwei Monaten Dauer erwägen müsse. Donar Law werde vielleicht leinen festen Vorschlag machen, sondern nur Poin- care befragen. Der französische Ministerpräsident habe sich aber gegen den Gedanken eines Moratoriums gewendet, und sich, da Donar Law nicht nach Paris gehen tihne, entschlossen, nach London zu reisen, um jede Verzögerung zu vermeiden, die die Regelung der Frage vor dem 1. Januar behindern könnte. Hierdurch sei der Vorschlag der britischenRe- gierung f>inf ällig geworden. Sparsamkeit in der französische» Wiederanfbaupolitik? Parts, 2. Dez. (WTD.) „IournHe industrielle" weist darauf hin, dab auf die Initiative der Regierung das Dudget des Ministeriums für die befreiten Gebiete für 1923 u m fast 140OMillion. FrankSherabge- s e y t werden soll. Das Dlatt zieht daraus Schlüsse auf eine gewisse Reuorientierung der französischen Reparationspolitik. Die bisherige Auffassung ist von dem Grundsätze ausgegangen, Deutschland würde bezahlen. Daher machte man Ausgaben über Ausgaben, ohne zu rechnen. Künftig werde der Wiederaufbau unbedingt abhängig sein von der Energie, womit Frankreich als Gläubiger gegenüber dem deutschen Schuldner vorgehe und tatsächliche Zahlungen erziele. Die Finanzierung des Wiederaufbaus beherrsche jetzt die ganze Aubenpolitlk Poin- careS. Die Bezüge der Mitglieder der interalliierten Kontrollkommission. Derlin, 2. Dez. (Priv.-Tel.) Wie die Dlätter mitteilen, sind die Dezüoe der Mitglieder der interalliierten militärischen Kontrollkommissionen wieder einmal erhöht worden. DiS 1. September erhielten neben den Heimatbezügen und freier Wohnung: der Vorsitzende General Rollet 310 800 Mark, die Generale 229 425 Mk., die Obersten und Oberstleutnants 163 875 Mk., die Majvre 147 525 Mk., die Hauptleute und Leutnants 139 275 Mk., die Anterofiziere 75 750 Mk., Gemeine 45 900 Mark monatlich. Die Dotschafterkonferenz be- schlotz nun, dab diese Dezüqe mit Rückwirkung vom 1. Oktober zu verdreifachen sind. Lord d'2lberuorr in London. London, 2. Dez. (WTD.) Reuter. Der englische Dotschafter in Derlin, Lord d'Abernon, ist hier eingetroffen und hat sofort das Foreign Office aufgesucht, wo, wie verlautet, die Reparationsfrage durchgesprochen wurde. (Sine Meihnariitssammfnng der Nenhorker „Staatszeitung". Derlin, 2. Dez. (WTD.) Die Reu» Yorker „Staatszeitung" hat zur Linderung der Rot in Deutschland eine Weihnachtssammlung eingeleitet, der sich die mit ihr verbundenen deutschen Dlätter angeschlossen haben. Der Reichspräsident hat sich auf Wunsch der „Staatszeitung", die sich mit 1000 Dollar an die Spitze der Sammlung stellte, gern bereit erklärt, den Ertrag der Spende entgegenzunehmen und für zweck- mäbige Verteilung zu sorgen. Als vorläufiges Ergebnis der Sammlung Überreichte nun dieser Tage der hiesige Vertreter der „Staatszeitung" dem Reichspräsidenten 1 2 000 Dollar. Der Reichspräsident lieb der „Staatszeitung" und allen Spendern für die tatkräftige HUfe herzlichsten Dank üüermtt* fein. Wegen 'her Verwendung der Spende hat er den Reichsarbeitsmimster gebeten, schnellstens einen Plan vorzulegen. Die nach diesem Plan festgelegte Verteilung beabsichtigt der Reichspräsident dem Reichsarbeitsministerium zu übertragen. Der neue Rcichseruährungsminister. Dr. Hans Luther ist als Sohn des verstorbenen Kaufmanns, Handelsrichters und Aelte- sten der Kaufmannschaft von Berlin, Luther, am 10. März 1879 geboren. Aach dem Studium der Rechte in Genf, Kiel und Berlin bestand er die Referendar- und Llssessorprüfung. Don 1907 bis 1912 war er Stadtrat in Magdeburg, und von 1912 bis 1918 Geschäftsführer des Preußischen und des Deutschen Städtelags in Berlin. Wähnend des Krieges war er Mitglied vieler wichtiger Kriegsorganisationen. Am 5. Juli 1918 wurde er als Oberbürgermeister von Essen eingeführt als Aachfolger des Oberbürgermeisters Holle, der jetzt Oberverwaltungsgerichtsrat in Berlin ist. An der Spitze der Stadt Essen, die fast eine halbe Million Einwohner zählt, erwies Dr. Luther sich, so rühmt ihm die „Äöln. Ztg." nach, als kluger, weitblickender und verständnisvoller Leiter eines großen Gemeinwesens. Wie ec sich als Geschäftsführer des Städtetages überall großer Wertschätzung erfreute, so besah er auch in Essen das Vertrauen der gesamten Bürgerschaft. Er ist keine draufgängerische Kampfnatur, sondern sucht mit dem Mittel überzeugender Beweisführung auch den Gegner zu gewinnen. Politisch verschrieb er sich bisher keiner Partei: nach seiner ganzen bisherigen Haltung darf man ihn als einen auf allen Gebieten liberalen und fortschrittlichen Mann bezeichnen. Als Oberbürgermeister vertrat er den Standpunkt, daß eine unpolitische Verwaltung das einzig Richtige sei, und da in der Nachkriegszeit alles parteipolitisch aufgezogen wurde, wollte er im April 1921 im Interesse der Stadt Essen einem politischen Par- teimann freiwllgit Platz machen und als Aachfolger Schückings als ordentlicher Professor für Staatsrecht und Staatslehre an die Universität Marburg gehen. Eine einstimmige Dertcauenskundgebung der Stadtverordneten bewog Dr. Luther, weiter in seinem Amt zu bleiben. Der ganze Ruhrbezirk hat ihm viel zu Landen. Das zeigte sich besonders dann, wenn es galt, den Ruhrbeziick kulturell zu heben entsprechend dem von ihm geprägten Satz: „Wo die wirtschaftlichen Werte geschaffen werden, da müssen dem Menschen auch die Güter der Kultur zuteil werden." Da die Ernährungsfrage gerade für das dichtbevölkerte Industriegebiet eine Hauptrolle für die Beruhigung der Arbeitermassen und damit für die Gesundung unfers ganzen wirtschaftlichen und politischen Lebens spielt, darf man von der neuen Tätigkeit Dr. Luthers, die er jetzt als Reichs- ernährungsminister beginnt wohl hoffen, daß sie von Segen für das ganze deutsche Volk begleitet fern wird. Eine Debatte über Elsah-Lothringen in der französischen Kammer. Paris, 2. Dez. (WTD.) Die Kam- kn er setzte heute die Beratung des Budgets für Elsah-Lothringen fort. Der Sozialist Ahry kritisierte die Verwaltung und sagte, daß eine ganze Reihe hervorragender Persönlichkeiten die Einrichtung des G e n e - -alkommissariatS verurteile. Er wendet sich dagegen, daß man der französischen Dstbahn durch Aeberlassung der Dahnen von Elsah-Lothringen ein Geschenk von 130 Millionen machen wolle. Elsaß und Lothringen gehörten in das politische System Frankreichs. Es kommt hierauf zwischen dem Redner und dem Abg. Werther zu einem lärmenden Zwischenfall, als älhrh einen Brief des bekannten Zeichners Zislin (Hansi) verliest. Als Mrh von dem Abg. Walther sagt, er habe während des Krieges im deutschen Heere gedient, ereignen sich neue Zwischenfälle. Beleidigungen fliegen hin und her, so daß der Präsident genötigt ist, die Sitzung zu schließen. Paris, 3. Dez. (WTB.) 3n der gestrigen Aachmittagssitzung in der Kammer erklärte der Abgeordnete äl h r h, er nehme die vormittags gegen den elsässischen Abgeordneten Walther erhobene Beschuldigung, dieser habe während des Krieges im deutschen Heere gedient, zurück. Er habe den Volksschullehrer Walther mit dem Abgeordneten Professor Walter verwechselt. Hierauf ergriff der Elsässer Altorffer das Wort und erklärte, daß durch den Unterricht in französischer Sprache der Unterricht in der deutschen Sprache nicht behindert werde. Wetterlö verlangte in einer Zwischenbemerkung, daß die Hauptsprache die französische sein müsse und die deutsche Sprache erst in zweiter Linie gelehrt werden solle. Die Kammer vertagte alsdann die Wei- terberatung des Budgets für Elsah-Lothrin- gen auf Montag. Volksabstimmung über eine Vermögensabgabe in der Schweiz. Bern, 3. (WTB.) Heute findet in der Schweiz eine Volksabstimmung über die Erhebung einer einmaligen Vermögensabgabe statt. Diese Abstimmmig wurde durch die von der Sozialdemokratische Partei eingeleitete Volksinitiative veranlaßt, welche die älnter- stützung von 87 503 Schweizer Bürgern fand. Die Abgabe soll nach dieser Vorlage den Zweck haben, der Eidgenossenschaft, den Kantonen und den Gemeinden die Erfüllung der sozialen Aufgaben zu ermöglichen. Der Ertrag der Vermögensabgabe ist auf 1 250 000 000 Franken geschäht worden. Zürich 3. Dez. Die A b st i m m u n g über die einmalige Vermögensabgabe in der Schweiz ergab Ablehnung mit 7 10304 gegen 1 0 5 2 6 5 Stimmen. Die Initiative wurde in keinem einzigen Kanton angenommen. 3n dem stark sozialdemokratischen Zürich erreichten die Annehmenden eine Ziffer von 19 847, die Ablehnenden dagegen eine solche von mehr als 100 000. Es scheint, daß ein großer Teil der Sozialdemokraten selber zu den Gegnern übergegangen ist. (Frkf. Ztg.) Vcrurteilnng des Prinzen Andreas von Griechenland zur Degradation und Verbannung. Athen, 3. Dez. (Wolff.) Gestern begann vor dem außerordentlichen Kriegsgericht der Prozeß gegen den Prinzen Andreas, der angeklagt ist, sich als Führer des 2. Armeekorps in Kleinasien geweigert zu haben, den Angriffsbefehl des Oberkommandierenden auszuführen. Prinz Andreas antwortete dem Vorsitzenden des Gerichts, der Angriffsbefehl habe die Weisung enthalten, Benachrichtigung durch das 3. Korps abzuwarten: eine solche sei aber nicht eingegangen. Aach General Papulas, der mehrere Einzelheiten schilderte, faßte der stellvertretende Generalstabschef Sariiannis aus, der Oberkommandierende habe dem 2. Korps befohlen, energisch anzugreifen. Das Korps aber habe, statt den Befehl auszuführen, geantwortet, der Angriff sei in Anbetracht der starken Befestigungen des Feindes unmöglich und könne im übrigen auch nicht viel nützen. Der Zeuge erklärte ebenso wie nach ihm General Papulas, daß Prinz Andreas nur deshalb nicht abberufen worden sei, weil er ein Bruder des Königs war. Reuter meldet auS Athen: Prinz Andreus wurde zur Degradation unddauernden Verbannung verurteilt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 4. Dezember 1922. Nothilfe Hessen im Landkreise Gießen. Während die Winter-Aothilfe ) ür Klein- und Sozialrentner, KriogsbesHädigte, KriegerHinterblieLene und verschämte Arme in der Stadt Gießen gut vorwärts geht — Ha ü)el. Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft haben bereits söhr große Mengen von Gaben aller gu- sammengebracht und lassen sie gegenwärtig durch Ausschüsse verteilen, während Geldsammlungen innerhalb der Vereine usw. noch im Gange sind — soll jetzt das Liebeswerk derAothilfeHessen auch im Landkreise Gießen zur not- lindernden Tat werden. Wie in den Städten, gibt es auch draußen auf dem Lande, in den kleinst Städtchen sowohl wie in den Dörfern, zahlreiche alte, nicht mehr erwerbsfähige Leute, Kriegsbeschädigte. Kriegen- Hinterbliebene und kinderreiche Familien mit geringem Verdienst, die alle unter der ungeheuren Aot der Zeit bitter zu leidet 'haben. Im Ringen um des nackten Lebens Aotwerdigkeiten müssen diese Bedauernswerten, bie vielfach in kacken Stuben 'Hausen und sich nicht einmal sattessen können unweigerlich zugrunde gehen, wenn ihnen nicht von allen, die trotz der Schwere des eigenen Lebenskampfes noch besser dran sind, schnelle und ausreichende Hilfe gebracht wird. Zu dieser Hilfe ruft jetzt das K r e i s a m t auf. Es wird nicht verkannt, daß auch die schaffende Landbevölkerung heute in starker Weise unter dem Drucke der allgemeinen Wirtschafts- not steht, aber gewiß ist doch, daß die Möglichkeiten zur Hilfeleistung für den notleidenden Aäch- sten auf dem Lande immer noch größer sind als in den Städten. Und gewiß ist vor allem, daß das bäuerliche Landvolk, das in der letzten Zeit wieder so herzerquickende Proben echter christlicher Nächstenliebe gegenüber den bedräng- testen Städtern gegeben hat, nicht zögern wird, auch bei dieser Aothilfe-Sammlung zu Gunsten der Aermsten auf dem Lande zu zeigen, daß es bei Aot gegenüber das Herz auf dem rechten Fleck hat. Auf den viel bewährten Opfersinn der bäuerliche Bevölkerung rechnet die Aothilse Hessen im Landkreise Gießen in ganz besonderem Maße. Die Organisation der Aothilfe Hessen für den Landkreis Gießen ist so gedacht, daß möglichst in allen Gemeinden Hilfsausschüsse gebildet werden, die Sammlungen von Geld oder von Aaturalien in die Wege leiten, um ohne Rücksicht auf die politische, wirtschaftliche, soziale oder religiöse Stellung des einzelnen möglichst wirksame Hilfe zu bringen. Das in jeder Gemeinde Gesammelte soll in erster Linie in der betreffenden Gemeinde verbleiben, um die Aot der ortsansässigen Bedürftigen wirksam bekämpfen zu können. Erft wenn dort alle erforderliche Hilfe in ausreichendem Maße sichergestelll ist, soll ein etwaiger lleberfchaß zur Linderung der Aot in anderen Orten Verwendung finden. Auf die rege Mitarbeit recht vieler freiwilliger Helfer aus allen Bevölkerungsschichten wird besonderes Gewicht gelegt. Zur Ingangsetzung beä Liebeswerkes werden im Laufe dieser und nächster Woche in ® i e- ßen, L i ch, Hungen und G r ü n b e r g Besprechungen mit maßgebenden Personen aller Berufe aus diesen Gegenden stattfinden. In diesen Versammlungen wird der zuständige Dezernent des Kreisamtes eingehende Erläuterungen zur Durchführung der Sammlungen geben. Aus dem Gefühl der deutschen Volksgemeinschaft hwaus muß auch dieses Werk der Aächstenliebe allenthalben nach bestem Können unterstützt werden. Möge es in allen Orten unseres Kreises alle, die imstande sind, noch etwas herzugeben für ihre bedrängten Dvüder und Schwestern, begciser.i zu schneller und umfassender Opsertat damit den Bedrängten ein frohes Weihnachtsfest mit dem Ausblick auf gemilderten Lebenskampf im Laufe der Wintermonate bereitet werden kannl v ** Die Gebühren der Verrnef- sungsämter. Mit Wirkung vom 1. Dezember ab -ist der Teuerungszuschlag zu den Gebühren für die Arbeiten der Vermessungsämter von 1700 v. H. auf 2600 v. H. erhöht worden. ♦♦ C i n wohlgelungener Familienabend vereinigte gestern abend im Saale der Tunhalle, Oswa d garten, außerordentlich zahlreiche Familien der M a 11 h ä u s g e m e i n d e. Bei guten Reden aus berufenem Munde, sie sehr beherzigenswert sind, musikali'chen und Sprech- vvrlrägen der verschieden ten Art, Aufführungen, Gesangsoorträgen, bei gutem Kaffee und Kuchen verlebte man einige recht genußreiche Stunden. Eine Verlosung von allerlei nützlichen Gegenständen gab Anlaß zu manch freudiger ileber- vaschung. Die Veranstaltung legte eindringlich Zeugnis ab von dem schönen Bewußtsein der religiösen Zusammengehörigkeit, das die Gemeinde erfreulicherweise in dieser schweren Zeit als ein einigendes Band umschlingt. Als ein Ausfluß dieses Gefühls des Derbundenseins kann auch die Tatsache angesehen werden, daß viele Ge- meindemckglieber/ die Geschäfte haben, die Veranstaltung durch Stiftung von Gaben für die Bewirtung und für die Verlosung unterstützten. Der Gießener Konzertverein. Gießen, 3. Dez. Rebner-Quartett: Mozart, Tesar Franck, Schumann. Das Rebner-Quartett in seiner derzeitigen Zusammensetzung vereinigt in seltener CEBeife gegenseitige Verschmelzung mit solistischer Freiheit des Einzelnen. Das rührt daher: Zwei große künstlerische Persönlichleiten fügen ihr eminentes Können willig ineinander. Wir meinen den Führer Adolf Redner, dec mit dem berückenden Glanz seines Tones und der blendenden Abgeschliffenheit seiner Technik unter die ersten Geiger der Gegenwart tritt, und den Cellisten Paul Ludwig, einen in Kraft und Zartheit, in Sicherheit und Kultur hervorragenden Meister seines Instruments. Diesen beiden Größen schließen sich als ebenfalls vollendete Künstler Hermann Kraut und Ludwig Keißer an So ergeben sich Leistungen ersten Ranges in einer Reinheit der Ausführung, deren nicht ganz vollkommene ^öne <>a zählen sind: in liebevoller Ausgestaltung der ger ngsten musikalischen Einzelheiten, in lächelnder Bewältigung jeglicher rhythmischen Ausgaben. Möchte das Zusammenwirken dieser großartigen Fertigkeiten, die sich glücklich schätzen müssen, einander begegnet zu sein, Bestand haben. Von Dieser Bratsche und diesem Cello wünschten wir wohl das Doorzaksche ll-Dur- Quartett erneut zu vernehmen, dem andere hier im Februar 1919 manches schuldig geblieben sind. Das Mo^artsche ^-Dur-Quartett wurde mit ungeahnter Tiefe und Gewall erfüllt. Mochte auch einer oder dec andere die Grenzen Mozartscher Tonsprache als überschritten empfinden, so laben eben unsere Künstler mehr aus der Schöpfung herausgeholt, als fein Schöpfer hineingelegt hatte: ein Beweis für dessen Eigenleben. Die überwältigende Wiedergabe des Andante darf als der ragende Höhepunkt des Abends bezeichnet werden. Das O-Duc-Quarkett von Cäsar Franck gehört Iu dem besten, was der romanische Geist an Musik zu bieten vermag. Geflissentliche Wagnisse auf dem Gebiete der Klanaschö.rheit liegen diesem guten Modernen fern. Bei starkem Interesse für das Formale ist ihm doch ein klar gestalteter Inhalt unerläßliches Ewundersordernis des Schaffens. Das Schrrzo stellt sich den sommer- nächtlichen Glfentänzen eines Mendelssohn ober Sckuimann an die ©eit«. Der langsame Satz weist edlen Dau wtb vornehmes Empfinde i auf. Wenn dennoch, zumal in den Außensätzen und wie in der berühmt gewordei en Violins^nate der musikalische Inhalt seinerseits an einer gewessen formalen Linienhaftigfeit der Zeichnung leibet und der letzten Einwirkung auf das Gemüt entbehrt, so dürfte hier die nationale Eigenart die Erklärung liefern. Es ist doch etwas am deutschen Wesen, was Jene niemals erreichen. Ferner darf immerhin angesichts alles dessen, was Schöpfungen unserer Großen neuerdings als Erfchöpsungs- erscheinung ausgelegl wird, die A-thäasung von fragenden Dominantseptaktorden unter kärglicher Beantwortung, und von Reizmitteln, wie die Wiedererweckung der Themen vorangLgangrner Sätze, nicht unerwähnt bleiben. Desgleichen nicht die irdische Länge der meisten Sätze, der gegenüber es Wunder nehmen muß, baß dir „himm- llsche' Länge Schubertscher Werke noch immer hie und da unwirsch vermerkt wird. Aach äleberwindung der ungeheueren Schwierigkeiten des Franckfchen Riesencprartetts waren die Künstler nicht mchr imstande, ihre gesteigerte Gestaltungskraft auch dem Schwmannschm ^-Moll-Quartett tuiut- kommen zu lassen. Das herrliche Werk tolrfte Eel untadeliger Wiedergabe durch sich selbst. Den Beifall der sichtlich ebenfalls ermüdeten Zuhörer hätten wir uns gegenüber der gewaltigen Leistung dieser glänzenden Quartet toereinigung noch ^herzlicher gewüns-chtt. , A.H. Kirchenkonzert. Adolf Wieder (Halle a. d. S.), OrgeL Elso Wilhelmi (Berlin), Sopran. Gießen, 2. Dez. Der in ganz Deutschland bekannte, ausgezeichnete Konzertorganist AdolfWieber hacke am Vorabend des ersten Advents eine andächtige musikalische Gemeinde zu einer Stunde tiefer Verinnerlichung in der Iohanneskirche versammelt. Unterstützt durch den kräftigen, sehr tragfähigen Sopran von Frl. E l s a W i l h e l m i, der in seiner etwas herben Schönheit für das Oratorium ganz besonders berufen erscheint, diesmal aber in den beiden Liedern („Hirten" und „Simeon") aus P. Cornelius' Wn'hnachtslledern und in keZ alten I. 2P. Franck „Auf. auf zu Gottes Lob" trotz einiger kleinen Zufälligkeiten wirkungsvoller und glücklicher war als in Gefangen von I. S. Bach, brachte er Orgelwerke zum Vortrag, welche die Zeitspanne von der Periode vor Bach bis zur Gegenwart umfaßte. G. Muffats Passacaglio konnte ich leider noch nicht hören. Um so unmittelbarer, aber auch gegensätzlicher nach den beiden Gesängen von I. S. Bach wirkte auf mich das majestätische Orgelkonzert Händels in 8-Dur. Die Bearbeitung dieser Konzerte, die der Meister für Orgel und Orchester komponiert hat. wird immer eine Angelegenheit subjektiver Auffassung bleiben. Wieders Bearbeitung für Orgel allein zeugt nicht nur von einer außerordentlichen Versenkung in den Stil Händels, sondern auch — vor allem wenn sie so meisterhaft dargebvten wird — von einer geradezu spielend leichten liebettoinbung der riesengroßen Schwierigkeiten, welche die ileber- tragung und Ausgestaltung dieser ad libitum gehaltenen und oft nur skizzierten Sähe bietet. Auf Einzelheiten kann ich mich an dieser Stelle nicht etnlaffen, ebensowenig die Frage der Pedalbehand- lung in den Allegrosähen bei Händel hier anschneiden. Von Herzen mochte ich jedoch wünschen, daß Wieders Ausgabe bald im Druck vorliegt. Siefferts gelehrte Verdienste um die Wiedererweckung der Händelschen Tradition, die chvrisch besetzte Holzbläser und Cembalo neben der Orgel aufstelll, in Ehren feine Ausgestaltung der Orgelst imme 'hat Händels Stil, Gla.iz, Pracht und Leuchtkraft abgestreift. Lind wir stehen im Zeichen der Händelrenaiffance. Außer dem Dorspiä über «Es ist ein Reis" von I. Brahms, das dem Orgelst il ziemlich entrückt und dem gereif testen Klaoier- stll .des Meisters genähert zu sein scheint, und einer sehr wirkuntzssicheren, um Innerlichteit ringenden Introduktion und Fuge von I. HaaS, schöne Llbend. der die Teilnehmer in reichem Maße befriedigte, wird ein guter Werber für weitere Veranstaltungen dieser Art sein. Bornotizen. — Tageskalen der für Montag. EewerbShaus, Kirchstraße, 8 Llhr: Vortrag über „Säureschuh". — Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Die Aacht der tausend Deelen", „Der Fall Pa- liser" und „Scholitz muß zum Rendezvous". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Weib des Pharao". — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Derg- Eyvind und fein Weib" und „Er oder Gr". — Aus dem Stadttheaterbureau. Am .Mittwoch findet die Erstaufführung eines neuen Lustspiels von Ludwig Fulda „Der Vulkan" 'statt. Den Hauptdarstellern und Darstellerinnen, den Herren Heding, Feigel und den Damen Franke. Keller, Rammel ist Gelegenheit geboten, sich in dankbaren Rollen zu betätigen: Die Spielleitung führt Herr T e l e k h. — Die Gießener Theaterge- meinde des Dühnenvolksbundes, die es sich zur Aufgabe gemacht, hat, ihren Mitgliedern den Besuch hochwertiger Theatervorstellungen zu ganz erheblich verbilligten Preisen zu ermöglichen, eröffnet den Reigen ihrer Wintervorstellungen mit „Wallensteins Lager" und „Die Piccolo- mint" am 7. Dezember, und „W allenst e i n S Tod" am 18. Dezember. — lieber „Landschastsbilder aus Deu t s ch - S ü dweft a s r i ka" spricht am Mittwoch abend Pros. Dr. Hans Schneiderhöhn in der Reuen Aula. (Aäheres siehe Anzeige.) — Iugendgruppe der Deutschen Volkspartei. Der Arbeitsabend am nächsten Donnerstag fällt aus, dafür Aikolausfeter im Schützenhause. (Siehe Anzeige.) Mettervoraussage fürDienStag: Wolkig und dunstig, nur geringe Niederschläge, kühl, nördliche Winde. Die Wetterlage zeigt keine Aussicht auf Beständigkeit. Landkreis Gießen. * Wieseck, 4. Dez. In einer gestern nachmittag im Dierauschen Saale stattgefundeneo Mieterversammlung sprach ReallehrHD Hebermehl - Gießen über das Reichsmieten- geseh. Im Anschluß daran wurde ein Mieterverein gegründet, dem sofort 70 Mitglieder beitraten. Die Einrichtung einer Beratungsstelle wurde vorgesehen. * Lich, 4. Dez. Bei der gestern erfolgten Wahl des Beigeordneten unserer Stadt wurde Altbürgermeister Ludw. Dörrn e r mit 772 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, der von der Arbeiterpartei aufgestellte Schreinermeister Menges, erhielt 332 Stimmen. Etwa 65 Prozent der Wahlberechtigten nahmen an der Abstimmung teil. is. Steinbach, 2. Dez. Der bei einer Firma in Lich beschäftigte Chauffeur Keßler von hier verunglückte beim Anzünden einer Automobillaterne. Diese explodierte und K. erlitt erhebliche Bra ndwunden im Gesicht und an den Händen. tt. Treis a. d. Lda.. 2. Dtz. Bei der Sammlung des hiesigen Bauernbundes für die Gießener Rentnerhilfe find 103 Zentner Spellekartoffeln eingegangen. Für das Elsaß-Lothringer Hifswerk wurden 5790 Mk. zusammen» gebracht. Hessen-Naffau. spd. Frankfurt a. M., 3. Dez. In einer Wohnung der Kuhgasse überraschte die Krimi- nalpoli.zei den 25jä'hrigen polnischen Staatsangehörigen Luser Goldmann dabei, als er eine große Anzahl den t s cher Silbermün- $ea einschmelzen wolt>. Einen Darren von Drei Kilo Silber hatte er bereits fertiggestellt. Ferner wurde in der Wohnung nach em mit deutschem Silbergeld gefüllter Sack aufgefunden. Der Bursche wurde festgenommen. — Samstag vcrmittag gegen 11 Uhr hing ein Hausmädchen zwei kostbare Perserteppiche auf den Balkon eines Hauses in der Zeppllinallee, um sie Heutiger Stand des Dollars 10 Ahr vormittags: Berlin 8100, Frankfurt a. 1 8125. statt deren ich mir eines der unsterblichen Werke seines Lehrers, Reger, gewünscht hätte — von Haas habe ich auf andern Gebieten bedeutend tiefere Eindrücke empfangen —, wurde von Herrn Wieder eines der eigenartigsten Erzeugnisse der Orgelliteratur. Bachs Kanzona, jenes romantische Kind Italiens mit der deutschen Seele, in wahrhaft mystische Derllärung getaucht und erschütternd nachgebetet. Allein wegen der Kanzona wird mir diese Eonnabendabendstunde unvergeßlich fein. In diesem streng bierftimmigen Satz im typischen Kanzonenrhythmus, in dem ein chromatisches zweites Thema dem ersten gegenübertritt und, nach der Durchführung und einem Halbschluh im Viervierteltakt, der Wechsel des Rhythmus einen neuen Teil im Dreizweiteltakt und ein neues höchst geniales Thema bringt, das aus dem ersten Gedanken entsprungen ist, erscheint wie vom Rebel verchüttt F> escobaldis bedeutsame Gestalt mit ihrem außerordentlichen Einfluß auf die Entwicklung des fugterten Spieles. Aber Dachs harmonische Tiefe und kühne Stimmsühi'ung leuchtet schon in verheißungsvollem Glanz. Herr Adolf Wieder ist heute einer der aller- dedLutendsten unserer jüngeren Organisten, auf welche wir unsere Hoffnungen für einen konzert- mäßigen Gebrauch der Orgel und damit für die Entwicklung der modermen Musik überhaupt setzen. Seine hemmungslose, bis zur höchsten Stufe gestiegene Technik ersche'ntt im Dienste einer zu den Urgründen hinabdrrngenden Musikalttät. Eine gesunde reiche Phantasie, die in einer vornehmen Improvisation eigener Erfindung einen kühnen Ausdruck fand, gestattet ihm, gesichert und gebändigt durch ein starkes Stilempfinden, überraschende Kombinationen und eine Kunst der Registrierung mit weiten Perspektiven. Schade, daß die schöne Walckerorgel, die für mein Empfind«^ allerdings von jeher einen etwa- schwffen, herben Charakter hatte, manche Wünsche (in Hinblick auf Intonation und Stimmung usw.) offen lleh und daher nicht allen Intentionen des Künstlers gerecht werden konnte. Man denkt bei dem Ramen Dalcker gar leicht an die Orgel ter Renioldokirche in Dortmund oder gerate jetjt an die Prätoriusorgel in Freiburg. Dr. H. R. Ärb Sin junger Eine Fcau von «rin eine alte P «wer anderen Kau titpichen geschenkt. slaW mit Rücksicht Doche Gesäugt tert mangels Reto, Hehlerei fteigesproch Sommes etrojj j Tanz elngela^ fo 2jwen ® "VN I öerS« iti im ®ntl I Siumtr geW ze,-nS»ls »n 18. MM roher ®if)b ' ST Ä? > ,i«Miurteitt i SamlO. Ottob ÄÄis ZMmackMck gnck -auf der W J nriillen diese * l beigebmcht . fcfe Mer begründ das Kind bei feine schreien und zu wiinn lobe er sich geärger Kesmal erhall wr ßcase von acht j uziehung wird für «mgeleitet werden. «rank f„ r t>t>€ 1 Sa.ub'sauerv E a. I 12- 6. 3un: P? -Irlohnung Degen einer - . Dachtell ihrer Herr ^möchen erhielten zl Nadendach und ®k Srasen ton 2 Ä ZMonalen 14 2 Snaeflaate, die sich Lachen hatte schenke | einer Woche S | Degen unerfajß ntö ünlerWgung v d® vchühe des hie 1 3 Hd naien irstraft Ein Metallarb mer unbescholtener habe es mit eine; Segen dieser schwe Mer Geldstrase j Degen Delcidic M eine Geldslic bekannt. I WZ v-Zr ^ogs 3 Ub?' 7 N'iiifi; 15 ^eftineter 6 • 13 " 4 : Stntetb? ^ltmetrr ie ringe Meöw Aussicht auf tu t fltftem statlgefunder.v» uh ReallchrE 1 ^eii&Smicten* ein Mieter- >ri ZO Mitglle- einer Dera- jeftern erfolg- eien unserer Llldlv. 5>ot» . Lein Degen- rpartei aufae» geS, echielk t der DchlLe- mmima teil. Der oel einer isfeur Kehler Inzünden einer »irrte und K. nden im De- Sei der Samm- ideS für die nd W Denver M Sls^-Lolh- Ml. zusammen- M ? M bä teyi sulda 5? a m m e [[J etT lel.t? eaterg», ^bundez Ä 'ören iet Theater- ^rbillig^ 9? ??gen SQlI Dollars . K 8125. terblichen DA hätte - Uten rurde DonW Erzeugnisse °« enet romantW Seele in * .S^kä inoona 3#Ö S-MmW Seinen neuen AenS^ Debet it ihrem ** . |<^n m eW^ xÄlS* K*« o iS»» dl-1» IcleroE ODünfi* ite- ble ZM | «aMuNopfen. IBtnige Tltnuten später fuhr etn SaRdfrrer vorbei, langte sich Me Teppiche her- \ unter and radelte mit ihnen in flottestem Ternp) T davon fpd. Frankfurt a. 1, 3. Dez. Des i 2a u b Mordversuchs an dem amerikanischen I Major Haue rtoebn Im V-Zua Koblenz— I Frankfurt a. M dringend verdächtig er- 1, scheinen der Friseur Smll 2 e i n b o t h. geb 12 Iuli 1996 in Äaflet, unb der Landwirt Alois 2 u b, geb. 6. 3uni 1892 in Arzheim. Der Aufenthalt der derben Personen ist zur Zeit nicht bekannt. - Die Belohnung für die Ermittlung der Täter ist tnzlvischen auf 500 000 Mark erhöht tvorden. Schöffengericht. (Sieben, 28 Dov. Sine Witwe mm hier hatte im vergangenen Sommer etwa 10 junge Mädchrn zu Sang und Tanz eingeladen. Aach deren Weggang schimpfte und lärmte sie noch etwa eine Stunde lang, so bab die übrigen Hausbewohner nicht schlafen ck konnten. Wegen Ruhestöruna erhielt sie eine ^Geldstrafe von 50 M k. Gin junger Arbeiter von hier, der zur Zell in der Zellenstrafanstalt in Butzbach Strafe Derbübt, hat im Winter 1921 einen seinem Hauseigentümer gehörigen auf dem Boden stehenden Ofen gestohlen und wird deshalb mit 4 Wochen Gefängnis bestraft. Am 18. August wurde ein Dreher von hier wegen roher Mißhandlung seine- noch nicht ein Hahr alten KtndrS zu 4 Monaten Gefäng - n i S verurteilt. Die Strafe hielt ihn nicht ab, daS Kind am 10. Oktober wiederum derartig zu mib- handeln, bab eine Zeugin durch die geschlossene Türe hindurch daS Klatschen der Schläge und das schreckliche Kammern und Wimmern des Kindes hörte. Wie der Kreisarzt bei seiner Untersuchung vier Tage später feststellte, hatte daS arme Wesen unterhalb des linken Auges eine etwa tote ein Zweimarkstück grobe Wundstelle und eine gleiche auf der Wange. Aach der Ansicht deS Arztes müssen diese Wunden mit der Faust ober dem Knöchel bei ged rächt worden fein. Der unmenschlich? Dater begründet seine Roheit damit, bab das Kind bei seiner Annäherung jedeSmal zu schreien und zu wimmern begonnen habe. Hierüber habe er sich geärgert und es deshalb geschlagen. Diesmal erhält der älnhold eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Die Fürsorgeerziehung wird für das bebaaerndtoertc Kind etngeleitei werden. Eine Frau von hier hatte einer Mitbewohnerin eine alte Pferdedecke gestohlen unb sie einer anderen 5frau zur Herstellung von Wickel- \ teppichen geschenkt. Erstere wurde wegen Diebstahls mit Rücksicht- auf ihre Vorstrafe zu einer Woche Gefängnis verurteilt, während letztere mangels Beweises von der Anklage der Hehlerei freigesprochen wurde. Wegen einer Reihe von Diebstählen zum Rächtet! ihrer Herrschaften unb anberer Dienst- | madchen erhielten zwei junge Dienstmädchen von Gladenbach unb (Sieben G e s a m t ge f ä n g n isst r a f e n von 2 Monaten 14 Tagen Ento. 3 Monaten 14 Tagen, während eine dritte Anaeklaate, die sich einen Teil der gestohlenen Sachen hatte schenken lassen, wegen Hehlerei mit einer Woche Gefängnis bestraft wurde. Wegen unerlaubter Entfernung über 7 Tage unb Unterschlagung von Dlenstgegenständen wurde etn Schütze des hiesigen Infanterie-Regiments mit 3 Mo naten 14 Tagen Gefängnis bestraft. Gin Metallarbeiter von Lang-Göns batte einer unbescholtenen Frau von da nachgesagt, ' sie habe es mit einem verheirateten Mann zu tun. Degen dieser schweren Beleidigung wird er zu einer Geldstrafe von 6000 M k. verurteilt. Wegen Beleidigung erhielt eine Frau von I hier eine Geldstrafe von 500 Mk. Vermischtes. Aorweglsche Lebenemtttelspenden für Berlin und Dien. Berlin 3. Dez AuS Kristiania ist gestern ein Sxttazug mit 15 Waggons Lebensmitteln und Kleider nach Berlin unb Wien abgegangen. Weitere Züge folgen demnächst. In Berlin werden die ßiexSgaben durch das deutsche Rote Kreuz, in Wien durch ein norwegisches Hilfskomitee verteilt. Eine gefährliche Explosion. Berlin, 3. Dez. Auf dem Bahnhof Baalbergein Anhalt explodierte nach dem „Lvkalanzeiger" ein Güterwagen mit Chlorsäure. Die giftigen Gase verpesteten die Luft, so dah die Reisend-.'n nur unter großen Beschwerden den Bahnhof verlassen konnten. * ileberschwemmung In der Wüste. Daß die Wüste Saharä, deren Trockenheit sprichwörtlich geworden ist, von einer aleberschwcm- muixg heimgesucht wird, ist gewiß ein nicht alltäglicher Fall. Wie ein Berich', aus Konstantine in Algier meldet, ist dies aber tatsächlich ter Fall Die Grenzgebiete der Sa>arr sind toi so schwerem Regen betroffen worden, bab bie Giscn- bahnlin ie von Bisera nach Tuzgurt an fünf Stellen durchbrochen wurde. Gin Zug, der auf dieser Linie fuhr, b?fan) sich Plötz ih in der Mute eines groben Sees, und das Wasser stand an vielen Stellen einen Fuß hoch über den Schienen. Die Bahnstation von Tuggurt muffte toejen der üleberschwemmung von den Bewohnern verlassen werden. Diese gewaltigen Aiederschlä^e stehen in der Geschichte der Sahara gan; einzig bi. An zwei Orten, wo seit den Hahr? 1917 überhaupt kein Regen gefa.len war, wurden vie e Wvhruigen fortgeschwemmt, und die Beduinen sind über d e e ihnen ganz unbekannte Aaturerscheinung eben o erstaunt wie entsetzt. Die Wiedereröffnung der Diamantselder von Lüderitzbucht. Einst waren die Dlamantfurrde in Lüderitzbucht ein Stolz unserer jungen Kvlonial- herrlichkeit. Jetzt sind unS auch diese wertvollen Schätze mit dem Raub unserer Kolonien verloren gegangen. In einem Bericht aus Lüderitzbucht, der in einem englischen Blatt veröffentlicht ist, wird nun mitgeteilt, dah die Diamantfelder, die seit 1914 geschlossen waren, nunmehr eröffnet werden. Wir erfahren dabei zugleich einiges darüber, wie es in dieser schönen Stadt, die deutsche Tatkraft an der Lüderitzbucht ins Leben rief, unter englischem Mandat aussteht. „Die Diamantstadt im Sand ist eine stattliche Ansiedlung, die die Deutschen an dieser unfruchtbaren Küste errichteten", heißt es da. „Lüderitzbucht hat elektrisches Licht, prachtvolle Regierungsgebäude und ein Lichtspieltheater. Die Läden sind mit Waren angefüllt, die direkt von Deutschland kommen. Die Preise sind viel billiger als in der benachbarten südafrikanischen Union, und man kann, was man braucht, taufen — natürlich mit englischem Geld. Die Mark ist auch hier nichts wert. Kein Grashalm und kein Baum wächst in einem Umkreis von 100 Kilometern um diese Stadt. Jeder Tropfen frisches Wasser muh destilliert werden, aber die Bewohner ttinken nicht viel Wasser; sie haben vortreffliches Bier. Die braunen Sandhügel um die Bucht von Lüde- ritz sind reich an Diamanten. Erst kürzlich sand eine Frau einen wertvollen Edelstein vor ihrem Hause in der Hauptstraße in der Stadt; ie war gesetzlich verpflichtet, ihn abzulie- ern. Gleich vor den Toren der Stadt liegen >le Diamantfelder, „verbotenes Gebiet", wie die Warnungstafeln überall anzeigen. Hier werden bald wieder Tausende von Eingeborenen an der Arbeit sein, um die Erdoberfläche aufzuschürfen. Gröhe Schwierigkeiten sind dabei nicht zu überwinden, denn die Diamanten werden hier ohne diel Graben gefunden. Droschken gibt es nicht in den sandigen Stra- ßen von Lüderitzbucht. In dem tiefen Sande würden die Wagen schlecht vorwärtSkommen. Lleberall wird der Verkehr durch kleine Waggons aufrechterhalten, die auf enggleifigen Schienen laufen und von Mauleseln gezogen werden. Jedes Haus hat feine eigene „Eisenbahnverbindung", bis in den Hof hinein. Staubstürme wirbeln jeden Morgen durch die Stadt; sonst ist das Klima sehr gesund und angenehm. Lüderitz ist auch ein Badeort, und die Deutschen nannten ihn das afrikanische Ostende. Ein Haufen von Badehütten an der Küste, und der unvermeidliche Bierausschank — das ist aber alles in diesem Modebad. Die Bucht selbst ist einer der schönsten Hafen, die eS an der Westküste von Afrika gibt." Handel. Megum A. G. Butzbach. In der am Sam Stig ftattgebabten 22. ordentlichen ©en.rikerlamm uni der Meguin A G., Butzbach, wurden die Vorschläge b:r Verwaltung einstimmig genehmigt. Hiernach werden für daS am 30. Juni 1922 abgelaufene Geschäftsjahr .eine Dividende von 40 Pro^ auf die Stammaktien im Betrage von nom. 21 000 000 Mk. und 6 Prvz. auf die Vorzugsaktien im Betrage von 1500 000 Mk. verteilt. Ferner wurde die Verwaltung ermächtigt zur Ausgabe bis zu 14 000 000 Mark neuer Stammaktien und 1 500 000 Mk neuer Dorzugsakt en, deren sechsfaches Stimmrecht jedrch auf die bekannten Fälle, Satzungsänderungen. Aussichtsratswahlen und Auflösung der Gesellschaft. beschränkt ist. Die Festsetzung des Termins der Ausgabe und der Ausgabebedingungen der 14 000 000 Mk. Stammaktien, von denen ein Teil den alten Aktionären zum Bezug? angeboten werden soll, bleibt der Verwaltung Vorbehalten. — Herr Eduard Röchling, Saarbrücken, scheidet aus dem Aufsichtsrat aus. An seine Stelle wurde Herr Bankdirektor Schmidtborn vom H.ruse Röchling neu in den AuffichtSrat gewählt. Frankfurt (L TEL, 2. Dez. Börsen- stimmungsblld. Auf dem Devisenmarkt trat in den ersten Morgenstunden auf die neuen Drohungen der Repressalien seitens Frankreichs wieder eine stärkere Befestigung ein. Der Dollar begann im freien Verkehr mit 8200—8300 und stieg vorübergehend auf 8400, um dann mit 8100—8200 gehandelt zu werden. Die Wertpapierbörse blieb geschlossen. Von Bureau zu Bureau blieb die Gesamthaltung fest. Der neue Monat hat sich ganz gut an- gelassen, und die gestern wesentlich erhöhten Äachbörsenkurse konnten sich behaupten, vielfach weiter befestigen. Bevorzugt waren Mon- tanaktien. Laurahütte, Oberbedarf, Deutsch- Luxemburg, bei denen man Aufkäufe für das Ausland beobachten wollte, lagen fest. Lebhafte Nachfrage herrschte für Elektrizitätspapiere unter Bevorzugung von A. E. G. und Schlickert. Sehr gesucht sind ferner chemische Werte, Theodor Goldschmidt und Höchster Werke. Maschinen- und Metallwerte fanden Beachtung. Größere Kaufaufttäge lagen wieder für Industrieaktien vor. Valutapapiere fanden zu besseren Kursen Aufnahme. Die bisher aus Publikumskreisen vorliegenden Kauf- ordres find ziemlich groß. Bncherlisch. — 3. 3. Rousseau- Julie ober Die neue Heloise ist soeben in einer xtoctbänbl- gen, geschmackvoll au-gestatteten Aufgabe Im Propyläen-Verlag in Berlin erschienen, der neben anderen wertvollen Erscheinungen mit Vorliebe, die Aeuausgabe von Werken der Wellliieratur pflegt. Briefe zweier Liebenden aus einer kleinen Stadt nennt Roussoau diesen In Briefform geschriebenen Liebesroman Wenn das Werk auch wegen seiner Weitschweifigkeit und seiner Ueber- laftung mit langatmigen, dem elgentllchenRoman- inhalt fcmllegenben Abhandlungen der heutigen Geschmacks- und Geistesrichtung kaum mehr zusagt, so ist eS doch als eines der dich.eriswen Hauptwerke Rousseaus zu bewerten und tultur- und literaturgeschichtlich von hoher Bedeutung. Die Formenschönheit der Sprach), die tiefe Leidenschaft und daS starke Aaturgefühl, das sie offenbaren, machen die Lektüxe dieser Briefe, in die Rousseaus persönliche Empfindungen und Erfah- rungen stark hineinspielen, auch heute noch zu einem Genuß. Die Ausgab-e ist nach einer älteren Liebersetzung von Th. Hell bearbeitet und mit zahlreichen Holzschnitten nach Tony Hohannet, ®. Wattier, G. Lepoiteoin und anderen illustriert. — Albin Zollinger: „'S) i e verlorene Krone". (Verlag Drethlein u. To., Leipzig.) — (Sin Weihnachtsbuch für kleine und große Kinder. Wie ebn Erlebnis nimmt man die Bilder auf die Lebensreise und hält sie geheim, bis Aalur sie auSlbst und auS dem Spiel des Geistes die Blüte der Aatur erglühen läßt. Unb Karl Seiferts Bild durst folgt in feinster Weise den Wegen des Gefühls und des HumorS, auf denen Zollinger sich verträumte. — Die Zauberweide, ein Märchen von Lothar Scheid. Mit Zeichnungen von Willibald Ära in. (Deutsche V:rlagsanstalt, Stuttgart.) — Der Korbflechterjunge Tobias erlebt ganz merkwürdige Lehr- unu Wanderjahrr, nachdem sich ihm im Land der Königin Mailinde der zaubernde Geselle Franz angeschlv'sen hatte. Poesie und muntere Laune geben das Geleit durch oic unterhaltfamen Wanderfahrten hinter dem verherten Goldstück her. Die köstliche Frische der Aalur und des bäuerlichen Lebens halten durch bis zum Schluss« des Buches, das fteilich In den Anfängen fein Bestes gibt und von seinem künstlerischen Wert nichts verloren hätte, wenn die Erlebnisse des Korbflechters etwas vereinfacht, nicht zu weit austzesponnen worden wären. — Der liebe Augustin, die Geschichte eines leichten Lebens von Horst Wolfram Geißler. sBerlag Parcus & Co, München.) — Eine lustig-sentimentale Dagantengefchichte mit historischem Hintergrund In der Landschaft des poetisch verklärten DodenfeeS uid der nächsten Alpenberge. Die vergnüglichen Liebesabenteuer des Helden münden zuletzt in eine stimmungsvoll versöhnende Eheszene. — H 3- Chr. v. Grim melshausen: Das wunderbarliche Vogelnest. Reu berauSgegeben von Prof. Dr. H. H. Dorcherdt, mit Bildern von Georg Ort, Aürnberg. Verlag „Der Bund", Aürnberg. — Wie der berühmte „SimplizifsimuS" ist auch daS .Vogelnest" ein Stück Zeitgeschichte aus den Tagen des Raubkrieges Ludwigs XIV. gegen Holland. Reale Ver hältnisse spiegeln sich in fern abenteuerliche Roman, und hinter den sich darin häufende» heiteren Episoden und Verirrungen verbirgt sich eine pessimistische Weltanschauung. DaS .Vogel^ nest" ist auch heute noch ein lehrreiches und anregendes Buch. IYQ Bekanntmachung. AuS nachttäglich im Hangelstein an- JefaHenem Fichtendeckreistg sind noch etwa 00 Wellen, die auf dem städtischen Lagerplatz Steinstraße lagern, abzugeben. Dori abgeholt beträgt der Preis 50 Mk. je Welle. Die Wellen stnd auf Zimmer 19 deS Stadthauses Bergstraße zu bezahlen. Gegen Vorlage des darüber ausgestellten Ausweises erfolgt die Abgabe auf dem obengenannten Lagerplatz. 1104968 Gießen, den 1. Dezember 1922. Der Oberbürgermeister. I. D.: l)r. Rosenberg. Holzsnbmission. Donnerstag, den 7. Dezember, nach, mittags 3 Uhr, soll aus den Waldungen der Gemeinde Rüddingshausen nachstehendes Holz durch schriftliches Angebot verkauft werden. Fich*ens1amme: 4 Festmeter 2. Klasse 15 , 3. , 6 „ 4. , 13 5a 12 , 5b , 50 Festmeter. Bemerkt wird, daß bas Holz noch nicht gefällt (was aber in Kürze geschieht! und mit der Rinde gemessen ist. Zahlungsbedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben, bezw. sind durch die Bürgermeisterei zu erfahren. Rüddingshausen, 2. Dezember 1922. Bürgermeisterei Rüddingshausen (Dost Londorf). Müssig. (10508D Nutz- nutz JmmhchnMiMW. Freitag, den 8. Dezember werden auf dem Gelände des Ritterschaftl. Äaufunger Stiftsonds in Gießen, hinter der Schuh- lerschen Bleiche ander Lahn, versteigert: 4 Pappelstämme von 55 bis 64 Ztm. m. Durchmesser mit 13,5 Festmeter; 1 Lin ben-Gtammabs chnitt von 95 Ztm. m. Durchmesser mit 2 Festmeter; Pappel- und Linden-Brennholz (gegen Barzahlung»: 6 Rm. Rundscheiter und 11 Rm. Reisig. Zusammenkunft ‘/310 Uhr auf der Lahnbrücke in Gießen. 104990 Dießen, den 1. Dezember 1922. _______Oberförsterei Gießen._______ Dett Feldbereinigung Münzenberg. AckitS- iinS WmiiiWMbW. Donnerstag, den 7. Dezember 1922, vormittags 9 Uhr sollen im Rathause zu Münzen- berg die nachoerzeichneten arbeiten und Lieferungen vergeben werden: Los 1: Planierung der neuen Voranschlag Gewannwege nördlich der Mk. Kreissttatze Rockenberg- Wohnbach......... 846 000. - Los2: desgl.südlichd.Kreisstt. Rockenberg-Wohnbach . 694 000.- Die Verdingungsunterlagen liegen bei uns und bei der Hess. Bürgermeisterei Münzenberg zur Einsicht offen. Angebote in Prozenten des Voranschlages find bis zum obigen Termin verschlossen und mit der Aufschrift: .Angebot Feldbereinrgung Münzenberg" versehen, der Hess. Bürger- meisterei Münzenberg einzureichen. Friedberg, den 29. November 1922. Hess. Kulturbauamt. 10492 D Arbeitsvergebung. Unter Hinweis auf den Ministerial- erlah vom 16. Juni 1893 und dessen ®r- gänzung vom 24. Februar 1911 sollen nachstehende Arbeiten des inneren Ausbaus bei den Reubauten der Baugesell- schaft Gemeinwohl In Dab-DauHeirn öffentlich vergeben werden. 1. Elektrische Licht- u. Klingelanlagen in 6 Losen: Los 1 u. 3 je 114Drennstellen u. 72 m Leitung „ 2 „ 4 „ 100 „ .97. . . 5 80 . .72, . „ 6 58 US. , 2. Schreinerarbeiten in 8 Losen: Los 1.2 u. 3 je 68 Türen 670 qm Fußboden „ 4 ,34 „ 335 „ . 5 ,133 . 1434 . , 6 .92 „ 956 „ ,7 ,76 „ 566 . . 8 . 39 . 450 , 3. Treppenarbeiten in 9 Losen: LoSl,2u.3je8Stockw.-Trepp.56mSeländ. . 4 ,4 , 28 „ . » 5und6.8 . 48 , . 7 ,4 . 24. . .8 ,6 , 35, , . 9 .2 . 12, . DaS Material wird zum größten Teil bauseitig geliefert Angebot-Unterlagen werden vom Zweigbureau in Bad-Rau- heim, Zandersttahe 9, gegen die Selbstkosten abgegeben, wo auch die Pläne und Unterlagen während der Dienststunden zur Einsicht offen liegen. Die Angebote stnd bis Montag, den 11. Dezbr. 1922, vormittag- 11* 4 Albt, bei genanntem Zweigbureau mit entsprechender Aufschrift einzureichen, wo sie im Beisein erschienener Dieter eröffnet werden. 10527D Friedberg, den 30. Rovember 1922. Der Regierungsbaurctt bet der Kreisverwaltung. 3. G.: H a ag. Bullenverkauf. Die Gemeinde Rüddingshausen beabsichtigt wegen Inzucht einen kräftigen, gut genährten Vogelsberger Dullen auf lern Wege des schriftlichen Angebots zu verkaufen. Diesbezügliche Offerten sind bis Donnerstag, den 7. Dezember, nachmittags 3 Mbr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen. Derkaufs- beöingunaen werden bei der Eröffnung bzw. vorher bekanntgegeben. Rüddingshausen, 2. Dezember 1922. Bürgermeisterei Rüddingshausen. Müssig. 10507V Lastauto oder Wagen als Transportgelegenheit Zranffurt- Giehen gesucht 2g Mitnahme einer Bronzefignr. Schr. Ana. u. 10479c an den Gieß. Snz. Bienenhonig anront. rein, vrimri ÖimUtät, gibt In Postdosen ab 9WD Großimsterel Edersdach, Sachs. IIIIIIIIIIIIIUUUIIIIIIIIIIIIIIIII I Wer Stoff Für Herren'Anzüge im Besitz bat der wende sich zum An- fertigen nach Maß an K. Bender vcchnhofstr. 29 IIL uiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiijiiii Dunkelnaturrote WoW MersWU fleroonagenöes !MeMesMrM. WWklSM WWklHW 9oH- nnO MWgrMMlung. IIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Wntchck verkaufe zu äukerst vorteil- haften Preisen Damenhüte, Flügel usw. 8. Mandler Gictzeu '""D Gr. Steinweg 15. 'Million. Suche mich sstst oder tätig zu beieiligen. Offerten u. 262t an Herso, M. A -E-, Piockstrasie 5. IW“b Repetitor fürs Physikum gesucht. Schr. Anneke u. 010989 an t). 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Dez., 87, Uhr abends, Hotel Stadt Main? außerordentliche ®$nerol- MWMW. Lagrsordnung: 1 l'.iieilungen, 2. Ersatzwahlen, ÄuSschus; New wählen d.Tennis' u. Hokeyabteilg.^ 3. BeitragSerhöhg. 4. Verschiedenes. Erscheinen fämtL Mitglieder dringend erforderlich. 10Su8r Der Vorstand Elsaß- Lothringer. Achtung! Monats- Versammlung am 10519v Dienstag, 5. Dez., nickt nm Mittwoch. Ort: Aguarinm. 0. V. P. Jugend gruppe. Donnerstag, 7. Des., ab abends 8 Ohr MM im Schützenhauö Gälte können ein« geführt werden. Stadttheater Dienstag, r>. Dez. 8.Dlellslag-M.-voril MenfieiM fuget Hierauf Die pKrolomlni. Ans.7.Endel0^Uhr Schnitthölzer lllHIHWf MIIWHII IIi eil NMMWWSWM5-- -^.1'-slNlUHiiii IUI II.WW— aller Art und jeden Quantums zu kaufengesucht Emil Bresclus G.m.b.H. 10530V Neu-Isenburg. Sitzung 1 s4t bU,® Ä &rid Lx Die aus^ sollen &U i» SÄ-»* rÄj Dird genehmig Für Lohne sind bis 3l - Ala U Swnd trägt zur Zell gestmunl. Dld des die auf 10 3 bei ri'ierObiest. 35111 P' FürdieDe tn Ser SreSners ein fcebtt von S Teil der Licht Ist, angelchc Sem Dezirl dem die Stadt ai un 100 Prozent echält zur Deck verblauchs ein« für das Iah' werden 160500 Gehallskosten fü währl. Das Ä Desty der Stadt Sine zum § rms Anlah der Antrag der S Deuenhagen erst noch einmal Die Befreit Schanzenftrahe 1 erteilt, die ßrri Heimer Strahe 23 Dauvorschriftm f. scha/t (3^rinflftra geseyl, da neue 'j sinder schon ob versagt. Der tzrhüh ^oonftrafx 6 unc dtrd zugestimmt. wll die jctoeiligi und danach eine 1 Zriedensloert feste beantragt die Ei, M Beerdigunaen. ausfchuh und der *un9 übergeben. soziale . Dem Landesve dn Deschlech-Lkcani tz. Darf be ^?.^°rgeverei § lahrllch 300 n d'e Ausstellung» Ittnkheiten wird < bewilligt. 1 ®^aufiet ""b dem Anlra-i S^igeheitzen Erlaub W dem ÄQt( 5 ei1, *wineif>er Farbe und als Oberfleibing einen Anzug aus dunkelblauem kleinkariertem Stoss und eine dunkelgraue Stvsfmütze mit einem Knopf von ebensolchem Stoss in der Mitte des Kopfes (Sch:itelj getragen. Der Kragen war ein ^ummi-Stehkragen mit umgebogenen Ecken, Weite 42 Zentimeter. Die Fußbekleidung fehlte. Am Tatort fanden sich außerdem eine leere Weinflasche, leere Kognakflasche. Eierschalen, Reste einer Streichholzschachtel, die Backentelle eines blauen Tintenstiftes und ein sestbstgeschut- ♦onet krummer Stock, wie ihn Handwerks burschen zu tragen pflegen. Allem Anschein nach hat vor der Tat an diesem Platz ein Zechgelage stattgefunden Die Person des Toten und Diejenige des Täters ist nicht bekannt. Alle Personen, die irgendwelche Wahrnehmungen gemacht haben, die mit der Tat in Verbindu-ig stehen könnet, werden dringend gebe et, der Staatsanwaltschaft in Gießen, oder bei ih.em Bürgermeister, oder der Gendarmerie in Lauterbach ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. ' Bermutshain. 2. Dez. Dieser Tage wurde von den Erben des Heinrich Bopp Wwe. ein Acker mit Wiesenplah (insgesamt 1 1/2 Morgen) öffentlich versteigert. Das Höchstgebot, zu dem der Zuschlag erteilt wurde, gab der Schreinermeister Andr. Komp von hier mit 883000 Mark ab. rr. Schlitz, 1. Dez. Bei einer Treibjagd, die gestern im nahen Walddistrikt Rimbach vorgenommen wurde, traf man ein Rudel von acht Wildschweinen an. Davon brachte Forstmeister Seeger zivei und Forstgehtlse Kluge ein Stück zur Strecke. Mreid Büdingen. • Nidda, 2. Dez. Die Versteigerung des Massegeländes der Feldbereinigung Geiß -Nidda ergab eine Einnahme von rund 40 Millionen Mark. Trotz hvher Linkosten verbleibt noch ein Aeberschuß von etwa 5 Millionen Mark. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 1. Dez. Am Schluffe der gestrigen Stadtverordnetensitzung kam es bei Punkt 14, „Anfrage betreffend die Stellungnahme des Beigeordneten Leuchtgens zu den letzten Stadtverordnetenwahlen"zu einer langen und scharfen Auseinandersetzung mit genanntem Herrn. Vor den Stadtverordnetenwahlen "erschienen seitens der hiesigen Deutschnationalen Partei einige Flugblätter, die in überaus scharfer und tellweise persönlicher Weise die anderen Parteien und einzelne Mitglieder derselben mit Nennung des Namens angriffen. Es wurde in diesen Flugblättern u. a. der Vorwurf erhoben, daß die genannten Parteien schuld an dem finanziellen Zusammenbruch der Stadt seien, eine Behauptung, welche nach den Mlltellungen des Bürgermeisters in keiner Weise zutreffend ist. Die Demokratische Partei, von der der obenerwähnte Punkt der Tagesordnung ausging, lieh durch ihren Wortführer. Rektor Koch, eine Erklärung verlesen, tn weichst ffie sich in schärfster Form gegen das Verhalten des Herrn Leuchtgens aussprach. Der Führer der Deutschen Volks Partei, Beigeordneter und Geh. Iustizrat Windecker, der in den betreffenden Flugblättern persönlich als „würdeloser Liebediener nach links" bezeichnet war, verlas eine längere, schriftliche Erklärung seiner Fraktion, in weiche die Art des Kampfes des Herrn Leuchtgens als unpassend zurückgewiesen wurde. Beigeordneter Leuchtgens bemerkte hierauf, daß stch die Versammlung auf ben Boden einer Volksversammlung gestellt habe, und er muffe gegen die ganze Art und Weise, wie diese Sach? behandelt werde, schärfsten Protest einlegen. Es tourte darauf gegen die Stimmen des Beigeordneten Leuchtgens und seines Fraktionsgenossen Kurz in eine Besprechung der Angelegenheit eingetreten; die beiden genannten Herren verließen vorher den Saal. In der Besprechung verurteilten die Vertreter sämtlicher Parteien (mit Ausnahme der Deutschnationalen) das Vorgehen des Herrn Leuchtgens. Ein von Stadtv. Raute beantragtes Mißtrauensvotum kam nicht zur Abstimmung, dagegen ermatten die Parteien, daß Herr L aus der einmütigen Stellungnahme des Skidtpariameitts die entsprechende Konseguenz ziehen wird Man ist allseitig gespannt daraus, welche Entwicklung diese Angelegenheit nehmen wird * Bad-Nauheim, 2 Dez AuS einem diesigen Geschäft wurde em großer Posten Zigaretten, etwa 8000-10 000 Stück, g e - noblen. Es handelt sich um die Marke .Srei* Herr von Kesselstein', die schon feit Monaten, nicht mehr im Handel ist. Dieses Merkmal dürfte, für die Ermittlung deS Diebes von Bedeutung sein, wenn irgendwo der Raub zum Stauf an geboten wird Kreis Wetzlar. fr. Krofdorf, 2. Dez. Einen Vortrag über .arbeitsschumähigen G e angunter- richt in de r D 0 lksspu 1 e' hielt am 30. November in der neuen Schule Hierselbst vor Mitgliedern des Deutschen LebrervereinS Lehrer Rühl- Brau:rfels. Aus der Tiefe feines eigenen künstlerischen Stonnens herau Z zeigte' der Dortia- genbe an praktischen Beispielen, wie bei ben Kindern iurch Selbsttätigkeil im Gesangun:erricht Freude am Singen erweckt und die Sangessreudig- kett auch über die Schulzeit hinaus aufrecht- erhallen werden kann Die AuZführungen wurden mit reichem Beifall au'genommen — Zum Konrektor an dec bieftgen siebenklassigen Volksschule wurde mit Wirkung vom 1. Dezember d. I ab Lehrer Dechthold ernannt Kirche und Schule. * Kirchliche Dienstnachrichten Uebertragen wurden: am 22. November die zweite evangelische Pfarrstelle zu Nidda dem Pfarrer Wilhelm Köhler zu DernSburg, die evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Rosbach dem Pfarrer Karl De icke zu Rendel, die evangelische Pfarrstelle zu Reichelsheim < Dekanat Friedberg) dem Pfarrer Karl R ü h l zu Wingershausen, die evangelische Pfarrstelle zu Engelrod dem Pfarrassistentcn Hans Letzing zu Rüsselsheim: am 29. November die evangelische Pfarrstelle zu Sandbach L O. dem Pfarrassistenten Karl Römheld zu Neustadt L O. Schlichtungsausschutz der Provinz Obcrheffen. Verhandlung vom 30. November. Die Laute r da che r Viechwarenfabrik soll den Arbeitern über 25 Jahre folgende Novemberstundenlöhne zahlen: Den gelernten ab 1. 11. 115 Mk. und ab 16. 11. 125 Mk., den angelernten 110 und 120 Mk., den Hilfsarbeitern 105 und 115 Mk. Die Löhne dec übrigen Altersstufen soll sie um 50 und 60 v. H. der Oktoberlöhne erhöhen; die Familien- und sonstigen Zulagen sollen In der bisherigen Höhe bestehen bleiben. In den Stundenlohnsätzen ent- spricht der Schiedsspruch dem vorläufigen Der- handlunnse^g bntS zwischen Metalla rbeiterverba nd und Arbeitgeberverband, das aus die Absatz- fmefuna Rücksicht nahm. Heber die Dezember- löhne sollen die Parteien zunächst noch mitein- ander verhandeln. Der Betriebsrat der DuderuS'schen Eisenwerke in Hirzenhain beantragte eine Neuregelung der sogenannten Feuerzulage der Arbeiter des Gmaillierwerkes. Bei den Verhandlungen über die Oktober- und November- tohne der Metallindustrie war diese Angelegenheit nicht zur Sprache gekommen. Der Schlichtungsausschuh gab den Streitteilen aus, sie zunächst zur Verhandlung zwischen Arbeitgeber- und Ai.b itnehm^-v^rband zu bringen. Sin Hilfsarbeiter hatte mit der M e g u i n A. G. in -üuybach einen Arbettsvertvag auf 4 Wochen zur Probe abgeschlossen. Mit dem Ablauf dieser Zett entließ ihn die Firma. Seinem Einspruch hiergegen nach §§ 84 ff. des Detriebs- rätegesehes gab der Schlichtungsausschuß nicht statt, denn die §§ 84 ff. geben den Arbeitnehmern und Gruppenraten kein Recht des Einspruchs gegen den Ablauf eines Arbeitsverhältnisses auf bestimmte Zett. Ein Arbeiter der Haarhutfabrik R. u. M. Wegener in Blihenrod rief nach § 84 des Detriebsrätegeseyes gegen Kündigung den Arbetterrat an. Dieser versuchte vom 6. bis zum 20. 11. 1922 nach § 86 Verständigungs- Verhandlungen mit dem Arbeitgeber herbeizu- fühien. Am 20. 11. erhielt er den Bescheid, daß der Arbeitgeber die Kündigung aufrechterhalte. Darauf rief am 26. 11. bet Arbeiter den Schlichtungsausschuß an. Dieser erflärte den Einspruch gegen die Kündigung für unzulässig, denn die Wochenfrist des § 86. innerhalb der der Gruppenoder Betriebsrat die Verständigung mit dem Arbeitgeber versuchen sott, war überschritten. In drei toetteren Einzelstreitigketten verständigten sich die Parteien vor der Verhandlung. Äa föorf-Äria ÄgarM A KUSCHE. n y VA 52. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) f Man verlange ausdrücklich IMAGGI® Würze Achtung auf unversehrten Plombenverschluß. 10464c Suhftoff-Preise tm Dezember Erhältlich in Kolonialwaren-, Droaenhandlunaen und Apotheken. 9734d Mittags- IDIKSMMÜ -um Zwecke der 2 dah man ertoäaen verlangt zu eurem Nutzen zum Sh'efel putzen Fahrrad- und Motorradteilen ufw 10533D WAWMM«,L AüLöLMvg mirein n. Dreisrom Sie Vkühl Ilde llrno.-vmaerei. H. Longe. Gietzes. SdMffr. 7. Ästoria-Lichtspiele iou»c L D Lustspiel In 8 Akten mals an der brfc die für Rußland Neue Hendelskurse. Stenogr., Mascha, Schönschreiben, Buchführung. engen als eine von svä nahen Osten in me Seiltem hn Jo Priv. - Handelssch. HERMES Bahnhofstraße 60. TeL 1097. Prosp.Jr. Die Herweghs Cine rechtsrheinische Geschichte von LieSbet Dill. allgemeinen Pazifi europäischen 3nten lichrr war in diesei lands am Doraden nicht nut iüt unumc -uwirken, sondern OHL 53.- 105.- 253.- zmn Süden von Kaffee, Tee «sw P.P. Einem verehrlichen Publikum von Gießen und Umgegend zur gefälligen Kenntnisnahme, daß ich seit dem 1. Dezember 1922 Sonnenstratze 3 ein der Neuzeit entsprechendes nicht vorliegen. AIMs kckm-ü Wetzlar. Tabletten haben die Sühkrast von je 1'/, Würfel Zucker Schachteln mÜ 100 200 500 ,ie vor Mengte ,u stellen, einen e ihreLebensin SSÄ dah der Kriegszusl« Türkei tarntet ist. Dustlands an ter G ten als ummttetel die ^Beteiligung Ät Barg-Eyvind und sein Weib Das Schicksal zweier Manschen in 7 Akten. Jede Szene, jedes Bild dieses auf Island spielenden Filme zeuzt von der «roßen Kunst der in dem Film mitwirkenden schwedischen Filmschauspieler. Die wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die Charaktere, die bis in die winzigsten Nebensächlichkeiten auscearbeiteten Saenen sind unübertrefflich. Außerdem; 1 Fi-Packung — Sützkraft von reich!. 1 Pfund Zucker Mk. 36.- Borzüglich zum Kochen, Backen «sw. Kann mitgekocht werden. Eine rüst Lausanne, ,a» Abordnu & d« 3n Ihrer A derruMtznDel M! worden llt. der msstllhen , führten Argumen! ' Luhlmd.nur z Debatte über - ffl. 286 5°Xt5on'6ta?6b ®it6entr^ SSO^Lburd) 5SS# rS.r Slnlchl««irS DerFall Paliser^ Großes Künatlerdrama. 5Akte. 3. Scholly muß zum Rendezvous Lustspiel in 2 Akten a la Charlie Chaplin. kestlWst für ßrb-unb Sölteihnir (Stehen. Einladung zum Dorttag de- Herr» Pros. Dr. Haas Schneiderhöhu: Landschaftsbilder aus Deutsch - Südwestattika Beobachtungen wahrend der SriegSzeit (mit Licht bildern! Mittwoch, 6. Dezember 1928, abends 81/* Udr, in der Neuen Aula der Uni- versität, Ludivigstrabe. Eintritt für Mitglieder frei, Nichtmtt- giieder 20 ML (Studenten IstMLi. 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MöbS. 33üe Palast-Llehtsplele — Idndenplat» — aloek) Ma u.Tornetnnste«Th8ater am Plates -Dann muh der Brief verloren gegangen fein,“ sagte Frau Schnabel, .ich habe ihn nie bekommen.“ .Schickt man denn solche wichtigen Briefe nicht eingeschrieben?“ Der Staatsanwalt tickte mit dem Federhalter auf den Tisch. .Oder war das nicht üblich in Herrn von Herweghs Bureau?" .Solche Mitteilungen wurden stets eingeschrieben geschickt, aber es kam auch vor, dah es die Schreiber vergaben." antwortete der Verteidiger. »Aha." .Dnü die Dame war bald in Neapel, bald tn Rom, und das Geld kam einige Male zurück, weil die Adressen immer zu spät angegeben wurden. Schließlich war es Herrn von Herwegh nicht sicher genug, das Geld in Italien Herumreisen zu lassen, und er ordnete an, dah nichts mehr geschickt werden sollte ohne genaue Adresse. Dann hatte man ein ganzes Jahr nichts mehr von der Dame gehört, und da sie auf hohe Zinsen Wert legte und im Prinzip nichts gegen In- dustriepapiere hatte, so legte man das Geld in Eppenhausener Ziegeleiaktien an, die damals für ein aussichtsreiches Papier galten." »Haben Die," wandte sich der Vorsitzende an die Witwe, »sich denn gar nichts dabei gedacht, alS das Geld nicht kam?" Die Witwe geriet in Verlegenheit. »Ich habe damals soviÄ durchgemacht," sagte sie, »erst starb mein Mann, dann wurde ich krank und sollte mich in Italien erholen, ich hatte es, vffengestanüen, auch vergessen. Ich dachte, es sei ja gut aufgehoben bei Herwegh, denn er hatte mir gesagt, ich konnte auch bei ihm bares Geld oder Schmuck liegen lassen. Das Geld brächte sechs Prozent Zinsen, und der Schmuck kostete . nid>^. Er hatte ja Safes, und meinen Schmuck habe ich vollständig zucückbetvmmen bis auf das Leinste Bröschchen." .Aber das Geld wohl nicht?" warf der Staatsanwalt ein. sprach mit rauher Stimme, oft von einem kurzen, bellenden Husten unterbrochen, so dah man ihn erst schlecht verstand. Der Vorsitzende hielt sich die Hand an das Ohr, und die Richter machten lange Gesichter, um den Mund des Staatsanwalts spielte ein Lächeln. Winterich sprach väterlich wohlwollend von Herwegh als Mensch. Er schilderte ihn als ge- wissenKlften Sohn und ausgezeichneten Schuler. Er hatte seinem Sohn Lateinstunden erteilt, der Junge schwärmte heute noch für ihn. „Verzeihen Sie," unterbrach der Richter ihn, „Sie sprechen aber jetzt ganz anders wie damals. Dem Herrn Untersuchungsrichter gegenüber haben Sie von Herwegh nur als von einem Hochstapler und von den Eppenhausen er Direktoren als Räuberbande gesprochen.“ „Gewiß, Herr Präsident, aber meine persönliche Sympathie hatte ich gefaßt, ehe ich zu Her- weah in geschäftliche Beziehung trat, unb sie erklärt das Vertrauen, oas ich in ihn setzte, als ich ihn als juristischen Leiter unserer Fabrik empfahl." »Sie haben ihm aber doch sehr bald die Hypothek entzogen." „Das ttxtr eine Torheit von mir, die ich leider nur zu spät eitrgesehen habe." Lind der cholerische weihhaarige Herr, dem die Krawatte über den Kragen gerutscht war, fuhr mit heiserer Stimme fort, wahrend er die Barriere vor dem Richtertisch umfasste: „Es tut mir leid, Herwegh damals überhaupt mit seinem Geld hereingezogen zu haben. Man hätte ihn bei seiner juristischen Tätigkeit lassen sollen. Aber mein Freund Kollin wollte feine Aktien und den Aerger über die mit Verlust arbeitende Ziegelei los sein und schenkte die Aktien dem Schwiegersohn, das heiht, er lud sie auf dessen Rücken." Herr Kollin erhob sich mit puterrotem Kopf und kollerte aufgebracht: „Ich verbitte mir derartige Beschuldigungen I Ich habe das Geld meinem Schwiegersohn geschickt! Was ich mit meinem Gelde mache, geht niemand etwas an.“ Der Richter muhte die beiden Freunde trennen, die mit erhitzten Köpfen einander anschuldigten. Lichtspielhaus Bahnhofstr. 341 Nur noch heute und morgen: ZurErst shAllelnanirahmncgelangt d. Weltproduktiongrrößt-Film i 9as Weib te Pharao' Da» gigantischste Filmprachtwerk seit Bestehen der Kinematographie in 7 gewaltigen Akten. AUnllehee hat BleBea aoeh nie Beieben! — üebertrlfn allen bisher »•gewesene an Spiel, Handlang, Bogle end Anastettnngl 10438c In den Hauptrollen Deutschlands größte, bekannteste und beste Schauspieler: Emil Janningrs als Amenea, König von Aeßvpten. Albert Bansermann als Sothis, des Königs Baumeister. Harry Uedake als Ramphis, sein Sohn. Friedrich Kühne als Ober Priester. Paul Wegener als Samlak, König von Aethiopien. Lyda Salmonova als Königstochter Makeda. Dagny frervaee als Theonis, griechische Sklavin. Regie: Ernst Lnblisch. Dazu ein auserlesenes Beiprogramm! Verstärktes erstkl. Künstler-Orchester! AaOhronmeltea: 1. 6, 8,15 Uhr. .Rein, das habe ich heute noch nicht und," setzte die Witwe ergeben hinzu, »es wird wohl verloren sein." „Warum haben Sie aber dann." erhob sich Ernsts Derteibiger. »Herrn Herwegh gleich einen Betrüger gescholten, als man Sie vernahm? Das sagt man doch nicht, wenn man nichts Sichereres weih als das, was Sie hier vorbringen." Die Richter fanden den Ton des fremden 'Verteidigers nicht angebracht, und die Witwe sagte einge- schüchtert: „Das hab' ich im ersten Zorn gesagt und nehme es hiermit zurück. In der Ferne sah alles so gefährlich auS, aber ich kann eigentlich nicht sagen, baft ich betrogen worden bin. Ich hätte mein Geld besser verwalten sollen." Die Richter sahen sich an, und unter den Zuhörern entstand ein Gemurmel. Das waren ja merkwürdige Wrkläger, die sich selbst anschuldigten. Die Frauen im Zuhörerraum in ihren Ka° potthüten uiri> Llmschlagtüchern machten enttäuschte Mienen, sie waren hergekommen mit Gefühlen andalusischer Damen bei einem Stterkampf, das gesamte Hinterhaus der Goldgasse und Koch- bcunnenstrahe stmtte sich eingefunden. Gott sei Dank, min stampfte der Schwiegervater in den Saal. Der stattliche Weinhändler, bi feinen Gehrock geknöpft, mit schwarz gewichstem Kn.belbart, trat mit knarrenden Stiefeln vor den Richtertisch und zog mit heftigem Ruck seine schwarzseidene Weste herunter, er war abgemagert, als ob er selbst tm LlntersuchungsgefLngnis gesessen habe. Die Frauen reckten die Halse. Herr Kollin wurde gefragt, ob er vielleicht als naher Anverwandter des Angellagten von seinem Rechte, seine Aussage zu verweigern, Ge- biauch machen wolle, und er lieh ein zorniges »Das wär' mir allerdings lieber" erschallen. Er wurde entlassen und nahm auf der Zeugenbank Platz, neben der Rumpf, wobei er die Arme verschränkte und seine Antwort durch Zuhscharren unterstrich. Rach ihm wurde Winterich verhört. Ein Tuscheln durchlief den Saal. Das war der reiche Rentter aus der Kurhaussttatze, Her- weghs Feind. Durch ihn war der Rechtsanwalt ja hineingekvmmen in die Eppenhausener Ge- schichte. Winterich hatte seinen Eid abgelegt und eröffnet habe. Durch vorzügliches Fachpersonal unter Verwendung des Stark-Vernickelungs-Derfahrens der allerneuesten Errungenschaft auf dem Gebiete der Vernickelung, sowie Emaillier-Werk-Einrichtung eingestellt auf die Erfahrungen erster Praktiker, setzen mich in die Lage, auf diesem Gebiete nur das Beste zu liefern und vor allen Dingen wird eine glatte, saubere und hallbare Arbeit gewährleistet. MMU M-106 MNÄ-MM Souinto® 3 Otto 6M MW WW 6 Spezialität: Vernickeln und Emaillieren von sich dann jahrelang redlich Mühe gegeben, sie zu führen und in die Höhe zu bringen," fuhr Winte- rich fort, „wenn er mehr Kapital zur Verfügung gehabt hatte, wäre es auch möglich geoefen, aber die Aktionäre bröckelten bald ab. — Unb das ist es, was ich bereue, dah ich der erste war, der dem Unternehmen das Geld entzog. Man muh mir schon erlauben," setzte er mit erhobener Stimme hinzu, »dah ich hier sage, was ich über Herrn Herwegh zu sagen habe. „Aber bitte, sagen Sie das mir." Winterich erzählte, wie er zugesehen habe, wie Herwegh sich mit allen Kräften bemühte, die Fabrik zu stützen, und sich den Kopf zerbrach, von wem er das Geld dazu erhiels. Don seinem redlichen Charakter war er überzeugt, und er begründete dies: „Das erste, was Herwegh tat. war, daß er den Arbeitern die Löhne erhöhte und ihnen freundlichere Wohnungen baute. Dom menschlichen Standpunkte aus war danatürlich sehr schön, aber vom kaufmännischen ruinös. Deshalb hatte er ja auch Immer die kleinen Leute auf seiner Sette: toemj es Streik gab, konnte nur Herwegh die Arbeiter zur Der- nun ft bringen. Gegen den ganzen Aufsichtsrat setzte er Lohnerhöhungen durch. Aber diese Wohl- fahrtsbestrebungeln kosteten Geld. Herwegh schaffte es. Wie, das war mir oft ein Rätsel. Qlber mi.i weih man ja, wie es gemacht tourbe, und es ist hier nicht meine Sache, darüber zu Gericht zu sitzen.“ Der Derteibiger wandte sich gegen Winterich. »Ich verstehe nicht, was Herr Winterich Übe, den Attienziegeleibetrieb aus sagen kann, da er doch seit sechs Jahren aus der Fabrik ausgetreten ist.“ Winterich warf den grauen Kopf zurück. „Ich bin hierher bestellt worden, um geschäftliche Dinge aufzuklären, und nicht, um sie zu vertuschen. Ich hab' viel mit ansehen müssen, ohne etwas dagegen tun zu formen,“ erhob er seine rauhe Stimme, denn der Derteibiger sprach ihm schon wieder dazwischen. (Fortsetzung folflt) CflenS als ein ur MM. NtM teute auf unteren N‘ulk gelangen 2 * Osten ofo leinet Verbündeten WW al8 ein t werden hm Ampler.es ter $tl lösen wäre. Die russische J 5^. nochmals ^.öU erklären t S d°n te r *1 IMen toiirte J °^srage t^, Die der Mi - flinn ter Crc '^ri^ ,®l^Ung l Men i^len mA”’ üj »5nt fr freie r°rd°-- Dom 7.-9. Dezember werden mit in Gießen, Hotel Viktoria anwesend sein, um MHe logen nach der Natur für die Patienten anzufertigen und emzuvassen. 8-Ad. Mütter Löhne, Wiesbaden Anstalt für künstliche Augen. >®*»a Wir kaufen lausend verdorbenen Speck und Speckseiten von eingegangenen Schweinen zu Schmierzwecken. Bedingung: Gleichzeitige Vorlage einer Bescheinigung, datz ärzUiche und polizeiliche Bedenken u 'MU »>!>I I »itMMIMkMMMkniuiMMllMimiiiiill | Louis Rothenberger | | Gießen Frankfnrl a. West 11 - Neuen weg 22 Adalbert» traße 26 = I E Tel. 176/2124. Telephon: Taunus 4904. = j | Alteisen - Metalle • Lumpen | i | Papier sowie sämtl. Rohprodukte 3 j Antiquitäten. =0D |! niiinminnnuiuiiiiHn>if»i!iiiini>iiimimittiiuiiH)uiiitn I MAGGI5 Würze praktisches Weihnachtsgeschenk! M Haute bis einsohl. Mittwoch y wieder > das ausarwählte Programm: A L |0ie Nacht der tausend Seelen L Das höchste japanische , > „Fest der tausend Seelen“ M Wk Der Aasffanpspunkt für die . |ä Katastrophe einer groß. 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