Nr. M Erscheint täglich, äusser Sonn» und Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Sezuaryreis«: Mk. 18.- und Mk. 2 — Trägerlohn,durch diePost Mk. 20.—.auch bei Nicht» erscheinen einzelnerNum- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech» Anschlüsse: flirdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11688. Erster Blatt 172. Jahrgang GiehenerAnzei Donnerstag, 4. Mai 1922 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 64 mm Breite örtlich 120 Pf. auswärts 150 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz» Vorschrift 20 °'e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. verantwortlich General-Anzetger jur Vveryeyen ess» ’ 0 Anzeigenteil. Hans Bech, Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und vruckerei: Zchulstrahe 7. sämtlich in Bietzen. sch l o f f ene Äuge gesaht. :ger oudgebeutct dieser belgischen angesehen werden würde. (Sine Beratung im französischen LenatsanHschust. Paris, 3. Mai. (Havas.) Etwa fünfzehn Mitglieder des Senatsausschusscs für auswärtige Angelegenheiten sind heute nachmittag unter dem Vorsitze von Sou* mergue zu einem Meinungsaustausch über die gegenwärtige äussere Lage zufammeirgekommen. Sie besprachen zuerst die von der belgischen Dele- gaticn in Genua eingenommene Haltung sowie die Abänderung, die diese an dem Wortlaut des Memorandums an Russland vornehmen wollte. Man war der Ansicht, dass, ohne in eine Debatte über den Wortlaut einzutreten, es unerlässlich sei, dass Frankreich sich nicht von seinen Verbündeten trenne, und daf) cs.sich mit ihm über den anzunehmenden Wortlaut verständigen nrüssc. Dann werde die Möglichkeit eines Zusammen* tritts des Obersten Rates erwogen, der entweder vor dem 31. Mai als dem Verfalltag Die zweite öffentliche Vollsitzung der Konferenz von Genua. den letzten Hahren in Russland geschaffene Lage ,abe ihr jedoch nicht die Mitwirkung in dem gewünschten Umfange ermöglicht. Die russische 5-ekgation halte fest an den Vorbehalten, die sie in der Kommission gemacht habe. Eie bestehe eindringlich auf der Rotwendigleit, dass es Russland ermöglicht werden müsse, aus der jetzigen Wirtschafts* und Finanzkrise hcrauszu- lommen, indem Handel und Verkehr mit dem Auslande wieder hergestcllt würden. Eie glaube, dass der Wiederaufbau Eurovas nicht beschleunigt werden könne, ohne dass die finanziell starken Staaten den schwachen Hilfe leisten, wozu unbedingt Kredite unter den Regierungen nötig eien. Eine Monopolisierung des Handels sollte möglichst vermieden werden. Die russische Delegation billige vollkommen die Erklärungen des italienischen Vertreters und bringe auf raschest* mögliche praktische Verwirklichung der gefassten Beschlüsse, damit sie zur wirtschaftlichen und finanziellen G sundu ig der ganzen Welt führen. Russland mühe sich ledoch volle und ganze Aklionsfreiheit gegenüber den Beschlüssen Vorbehalten, die irgend ein Band zwischen der Fi- nanzkommission und dem Völkerbund und seinen Organen Herstellen. Am Schlüsse seiner Rede agte Tschitscherin: Ich muss hinzufügen, dass die russische Regierung dadurch in eine schwierige Lage geraten pyb, dass die genauere Prüfung und die Ausführung gewisser Kommissionsbe* chlüsse den technischen Organen des Völkerbundes anrertraut wurde, dem R u bland nicht angehört, und den es nicht anerkennt, was die russischen Vertreter in den Kommissionen wiederholt betont haben. Rur mit diesen Vorbehalten stimmt Russland den CBc- schlassen der zweiten Kommission zu und macht dieselben Vorbehalte für die vierte Kommission. Rach ihm sprach der deutsche Delegierte, Reichsminister Dr. Rathenau. Paris. 3. Mai. (WTD) Die Havas* agentur veröffentlicht einen halbamtlichen Kommentar zu dem gestrigen ersten in Anwesenheit des französischen Delegierten in Genua, Barth ou, abgehaltenrn K a b i n e t t s r a t. Die Beratung hasse ausschliesslich dem Zwischenfall gegolten, den der belgische Minister des Aeussern wegen der Rückerstattung des privaten Eigentums in Russland hervorgerufen habe. Darthou habe dem Ministerrat die einzelnen Phasen der Verhandlungen llar gelegt. Ministerpräsident P o i n- car e habe Auskunft über die in Paris ringe- gangenen Rachrichten gegeben, die dem französischen Delegierten in Genua nicht zur Kenntnis gekommen seien. Tatsächlich soll nach gewissen Gerüchten in Genua verhandelt worden fein, an britische oder andere Gesellschaften Konzessionen zu übertragen, die vor der Revolution durch belgische oder französische Staatsbürger ausgebeutet wuichen Die Vertreter dieser belgischen ober französischen Interessen hätten sich also über die Leichtfertigkeit erregt, mit bet man auf Grund des Artikels 7 _ des Memo* randums diesen Besitzwechsel hätte vollziehen lassen wollen zum Schaden der eigentlichen Besitzer. Der belgische Ministerrat habe unter diesen Umständen die Haltung Haspars gebilligt und ihm wiederum die Instruktion erteilt, das Memorandum nicht zu zeichnen. In Anbetracht dieser neuen Barthou bis jetzt unbekannten Tatsachen, habe der französische Kabinettsrat einstimmig beschloßen seine Haltung derjenigen Belgiens an- zupassen Er sei tatsächlich der Ansicht, dass man in wirtschaftlichen und in sozialen Organlsations- fragen die Einheit mit Belgien Herstellen müsse. Die augcr.blichliche Regierung, die am Tage nach ter Konferenz von Genua ihre Sympathie dem belgischen Delegierten dadurch zum Ausdruck gebracht habe, dass sie gegen ihre eigenen Interessen die belgische Priorität in der Reparations- fragc verteidigt habe, hätte in Genua die Anerkennung der belgischen Interessen unterstützen müssen die im übrigen mit den französischen Interessen übereinstimmten. Die halbamtliche Rote fährt fort: Heute vormittag wird der Kabinettsrat eine neue Sitzung halten und über den Vorentwurf eines Paktes. I durch den sich die Staaten verpflichten sollen einander nicht anzugreifen, so* swie über die demselben rin-ufügenden Gar ander deutschen Verbindlichfrittn zusammentreten solle oder später. Auch hier war die Mehrheit der Ansicht, dass, wenn auxb immer diese Zusammenkunft stattfinden möge, es unzulässlich sei. dass sie in der Rähe der gegenwärtigen Konferenz tage. Falls eine weitere Sanktion von den Alliierten ober von Frankreich allein beschlossen werben sollte, so stehe es äusser Zweifel, dass die in Erwägung gezogene Operation mit den Mitteln durchgeführt werden könnte, über bic man gegenwärtig verfüge, unb bass man nicht zu besonderen Massnahmen zu schreiten brauche. Wenn auch die Haltung Cer Alliierten gegenüber dieser Möglichkeit n o ch ungewiss ist, sprachen sich doch Die anwesenden Mitglieder fast einmütig für eine entschlossene Politik aus. Eine weitere offiziöse Sitzung wurde für nächsten Mittwoch ins Genua, 3. Mai. (Spezialbericht des WTD.) i In der fortgesetzten Vollsitzung der intrr- I alliierten Wirtschaftskonferenz begründete , Worth'mgton EvanS seinen Antrag auf Annahme der Anträge j der Finanzkommission damit, dass die Kommissionsbeschlüsse für die heutige Wüt kaum i weniger bedeutsam wären, als es die Institutionen Instrnians für die Welt waren. Genua and besonders der Palazzo von San Giorgio, wo die ; erste internationale Dank gegründet und die mv- . deinen Finanzmethoden Crjurtben worden seien, seien der beste Ort für die Verkündigung der , Grundrechte zur WiederhersteUang des earo- päischen Kredits und des freien Weltverkehrs. Das Haupthindernis auf dem Wege zur Wüh* ; rungsstabilisierung sei die unbegrenzte Vermehrung der Zahlungsmittel. Daher müsse zunächst der Rotenpresse eine Beschränkung auserlegt wer- den und das Budget eines zeden Staates durch . die Besteuerung au g-glichen we.den. Das wahre Heilmittel sei, die Staaisausgaben so weit herabzudrucken, dass sie auS der Einkommensteuer 5c.iar.lt werden könnten. Wenn das Verfahren zunächst nicht ganz 7'urchgerüyrt werren könne, lasse 5er 'Genueser 'Finanzbericht auswärtige Anlrihien als zeitweilige Ausnahme offen Die Währungsstabilisierung beruhe ledoch durchaus nicht auf bestimmter Marlparität. In manchen Ländern könnte die Stabilität zwar durch die Festsetzung der Vorkriegsparität, in anderen durch die Festsetzung einer dem gegenwärtigen Wechselkurs der Münzeinheit mehr angenäherten Parität erreicht werden. Falsch sei es. an^unehnien, dass die R ü ck k e h r zum G r u n d st a n*D a r b bic Lösung aller Schwierigkeiten bebaute. Der Redner ging dann zu dem Problem der Wechselkurse über und stellte fest, dass die Stabilität in den Wechselku sen die unmittelbare Folge der Stabilität in den Währungen sein würde. Die Haupt- leitsähe in den Genueser Beschlüssen wiederholten unb vertieften die Brüsseler Leitsätze gegen die • künstliche Kontrolle von Dalutaoperationen. Der letzte Teil der Genueser Leitsätze handelt vom Kredit, und zwar werde nach Ansicht des Redners das Jnvestltionskapital nach der Stabilisierung der Währung und Wechselkurse reichlich aus den Ländern mit Lieberfluss an Leihkraft in die Länder fliessen, die Hilfe von aussen brauchen. Hierauf ergriff das Mitglied der französischen ScUgation, Picard das Wort. Er führte aus-: Die Ihnen unterbreiteten Empfehlungen bedeuten zweierlei: Einige haben bauernden Wert unb sind die Zusammenfassung der grossen Grundsätze, auf denen bas Finanzsystem ber Staaten aufgebaut fein sollte, bic anderen handeln von vorübergehenden Schritten. welche durch den gegenwärtigen Zustand Europas und der ganzen Welt gerechtfertigt sind. Einige Personen lächelten über die Zusammenfassung der Währungs- und Finanzgrundsähe. Sie sagten, dass es sich hier nicht darum handle, Moralitätskurse zu beginnen, sondern praktische Lösungen vorzuschlagen. Die Kommission hat sich nicht mit diesen theoretischen Diskussionen belieben, sondern die Kommission hat denen Hilfe an- geboten. die Hilfe verlangt haben. Die französiiche Delegation hat sich an den praktischen Massnahmen beteiligt. Das Programm, welches der Versammlung ber Banken vorgelegt wirb, ist sehr gross unb enthält für diese keine vorherige Festlegung auf ein besonderes System. Das Programm stellt den Entwurf des praktischen Studiums bar, welches bic technischen Sachverstän* bigen ber Emissionsbanken mit aller Unabhängig- feit zum Abschluss brachten. Ich zweifle nicht daran, dass bieses Stubium zu nützlichen Reformen führen wirb. Wir haben auch dem Plan eines internationalen Konsortiums zugestimmt. Hierauf ergriff ber italienische Minister des Aeussern, Schanzer bas Wort und führte aus, bass bic Gesamtheit ber Resolutionen der Finanzkommission ein vollständiges und logisches System im Hinblick auf bic Heilung ber finanziellen Lage in Europa bar- steile. Die Aufgabe der Staatsmänner ist es, bic nottoenbigen Anfticngungcn zu machen, um Europa zu retten, ilnferc Ausgabe ist, bic unentbehrliche Energie und Willenskraft zu ze-gen. um die Ratschläge ber Sachverständigen praktisch an;u- tDcnben. Wir müssen die uns vorgelegte fruchware Arbeit als Einleitung eines Werkes betrachten, das wir auf politischem Gebiete auftühren müssen. Die Augen der ganzen Welt sind aus uns ge- richtet, um zu sehen, wie wir erfüllen. Ich mochte mit den Worten eines aufrichtigen Optimismus schliessen. Wir, bic wir feit einigen ‘Soeben pur versammelt sinb, haben schon erhebliche politi che Schwierigkeiten übertounben. Es wird den Beginn eines neuen Zeitabschnittes im europäischen voliti- schen Lebens kennzeichnen, eines Abschnittes würdiger vertrauensvoller Zusammenarbeit für da-, Wohl der Völker unb den Fortschritt ber gesamten Menschheit. Rach weiteren zustimmenben Erklärungen des holländischen Delegierten van Karnebeek und des schwei eriichen Delegierten Bundesrat Schult- Hess ergriff der russische Delegierte Tschitscherin das Wort. Er betonte, bic russische Delegation habe alle Anstrengungen gemacht, um mit bestem Willen an ben Kommissionsarbeiten mitzuwirken. Die in einen grossen Teil ber so erworbenen Devisen ihren Gläubigern übergeben. Trotz intensiver Arbeit nimmt Der Wert ihres Geldes ab. Die Kaufkraft sinkt und der Weltmarkt schrumpft mit ber Abnahme der Kaufkraft weiter zusammen. Um bic Märkte zu schützen, stemmen sich bic ©läubigcrlänbcn gegen den Import ihrer Schuldner durch Sin- suhrverbote unb hohe andere Zölle. Folglich sind die Schuldner, die sich trotz alledem Zahlangs- mittel verschaffen müssen, in verschärfter Rotlage. Das zwingt sie, noch weiter den ©egentoerf der Verkäufe im Auslande zu drücken, um nur überhaupt Devisen zu erhalten. Das führt zu einer neuen Da isse des Wechselkurses der Schuldner, zu neuer Arbeitslosigkeit bei den Gläubigem, zu neuen Verschärfungen des internationalen Wirischaftskampses. Das ist ber bedenkliche circulus vitiosus. Es verwanbelt sich bic Last der internationalen Verschuldung in eine Verschärfung der Krisis. Das wird nicht aufhören, solange die Völker Europas einer Gruppe von Männern gleichen, die, gewaltsam im engen Rauni eingeschlossen, sich gegenseitig an ber Gurgel fassen, anstatt gemeinsam eine Befreiung zu erzwingen. 2lll das ist in der Theorie sehr flat erkannt worden, teils nicht erst seit heute. Was uns bisher fehlte, ist die Praxis, Unsere Sachverständigen sagen uns, die Krise kann durch eine Kombination von finanziellen unb wirtschaftlichen Massnahmen geheilt werben. Dir Wiederherstellung der Wechselkurse ist erste Bedingung. Die Wiederherstellung der Freiheit der Handelsmärkte muh gleichzeitig erfolgen. Zeder Stärkere muh dem Schwachen helfen. Die Stabilität ihrer Wechselkurse ist bic Bcbingung zur Wiederherstellung ihrer Kaufkraft unb zur Wiederherstellung des Weltmarktes, die unentbehrlichen Voraussetzungen des Fortschritts der Wirtschaft, der Technik und damit schliesslich ber gesamten Zivilisation. Es ist bringend nötig, bic finanziellen unb wirtschaftlichen Mittel eng miteinander zu kombinieren. Am allerwichtigsten wird es sein, sie so schnell wie möglich nutzbar zu machen und sie endlich zu verwirklichen. Don dieser Konferenz in Genua erwartet bic Welt nicht nur Thesen und Theorien. Wir geben bic Hoffnung nicht auf, bah bie Vertreter der grossen Rationen gegenüber den unerbittlichen Tatsachen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens den Willen zu einer energischen und schleunigen Zusammenarbeit finden werden. , Die Ausführungen des deutschen delegierten wurden mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt. Hierauf wurden die Beschlüsse der Finanzkomrnission nach den entsprechenden Artikeln verlesen. Da ein Einspruch gegen diese Beschlüsse nicht erhoben wurde, erklärte Präsident Facta sie als angenommen. Daraufhin wurde in die Verhandlung der Beschlüsse ber Transporllommission cingetreten. Der belgische Vorsitzende ber Kommission erstattete ausführlichen Bericht. Daraus wurden sämtliche Artikel ohne Widerspruch angenommen unb bie Sitzung geschlossen. Der widerspenstige französische Kabinellsral. Er führte aus: Hebermann wird anerkennen müssen, dass die Kommissionen, deren Resultat soeben vorgetragen wurde, eine ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit geleistet haben. Eie haben zur Losung der ernsten finanziellen und wirtschaftlichen Fragen Formeln gefunden, deren Tragweite alle Erwartungen übertrifft. Die Finanzkommission hat dabei mit gutem Grund Bezug auf gleichwertige Thesen genommen, welche verschiedene Regierungen schon 1920 vorgeschlagen haben. Diese klaren Thesen wurden allo schon seit zwei Iahren provagiert. Unglücklicherweise hat, man diesen Th:scn keine Folge geleistet. Seit zwei Jahren ist der Weltmarkt in beklagenswerter Weise gefährdet. Der Umfang des Welthandels, der noch 1920 fast dieselbe Grösse wie vor dem Kriege hatte, hat sich 1921 unaufhörlich D erringe r t. Er ist wenigstens auf ein Drittel, wenn nicht gar auf die Hälfte seiner Grosse, im letzten Vvrkricgsiah.e zusammengeschrumpst. Dieser Rückgang des internationalen Handels ist bas bedenklichste Zeichen einer dauernden Verminderung der Kaufkraft, bie in grossen Teilen der Welt verhängnisvolle Arbeitslosigkeit von ausserordentlicher Ausdehnung unb Dauer mit sich brachte. In ber Unterkommission für Arbeiterfragen wurden beinahe 10 Millionen Arbeitslose in der Welt scstgestellt. Wenn man die Familien mitzählt, bedeutet das ein ungeheuer grosses Volk, dessen Angehörige, von dem festen Willen und dem heissen Wunsch zur Arbeit beseell, arbeitswillig und arbeitsfähig sind, doch ihre Arbeitskraft unver- wertet lassen müssen. Die Gründe der höchst be- ifagenstoerten Situation wurden in äusserst klarer Cffirifc durch die in Genua versammelten besten Sachverständigen ber Welt bargelegt. Vor allem sind es bie riesigen Lasten, bie sich aus ben Verpflichtungen unb Folgen bes Krieges ergeben. Diese Lasten haben wirtschaftliche Schwierigkeiten verursacht, bie sich burch aewisse wirllchaftspoli* tische Massnahmen ber Rachkriegspolltik noch verschlimmert haben. Die Sachverständigen sagen: Wenn ein Land Verpflichtungen zu Gunsten des Auslandes hat, müssen die Verpflichtungen durch den Umsatz von Waren geregelt werden können. Hm diese Verbrauche zu ermöglichen, sind Märkte mit sehr entwickelter Kaufkraft notig. Run hat ber Weltmarkt bei weitem nicht die Ausdehnung, bie zur Abtragung ber Schulden ber Staaten in ber Welt erforderlich ist. Wir haben eine Rechnung aufgestellt, bie auf Schätzungen beruht, aber von ber Wirklichkeit sicher nicht weit entfernt ist. Rach dieser Berechnung müsste der Gesamtbetrag der Wcltausfuhr verdoppelt werden, wenn bie Zinsen und eine kleine Arnortisativnskraft der Kriegsschulden aufgebracht werden sollen. Weit davon entfernt, sich verdoppelt zu haben, ist der Weltmarkt, wie erwähnt, gegenwärtig auf Zwei- brittcl des Hmfangcs vor dem Kriege zurück- gegangen, wenn nicht gar auf die Hälfte. Dies zog bri:auerliche finanzielle Folgen nach sich, bie unsere Finanzkvmmission in klarer Weise bargelegt bat. Die riesigen Lasten, unter denen bie europäischen Rationen seufzen, führen einerseits zu schweren Störungen der Märkte in den ®läu- bigedäübern, andererseits zu einer ständigen Ent- teertung des Geldes in den Echuldnerländem und damit im Endergebnis zu einer ständigen Verminderung ber Kaufkraft in allen Ländern. Denn so sicht ber circulus vitiosus aus. Die Schulbner- länbcr die gelungen sind, sich Auslandsdevisen durch ' die Ausfuhr ihrer Waren zu verschallen treffen sich in scharfem Wett- beiretb mit ihren Gläubigern auf dem gleichen Markte. Die Schuldnerlänber sind im schärfsten Derraufszwang.aber Rotverläufe machen (Siu Beschluß, sich nicht von Belgien zu trennen. Paris, 3. Mat. (WB.) Kurz nach'6 Hhe abends gibt Havas folgendes offizielle Eom- m u n i g wL aas: Der Ministcrrat ist am 2' ? Hhr im Minis^rium für auswärtige Ange'egenhftten zusammengetreten. Im Kamen sämtlichrr Minister dankte Ministerpräsident $oincar> 'Dar- thou für das Talen tunb die Autorität, die er in Genua entfaltet habe, um die Arbeiten ber Konferenz zu erleichtern und gleichzeitig die französischen Interessen zu verteidigen. Der Kabinettsrat nahm von den aus Genua und Brüssel erhaltenen Rachrichten Keiintnis. Rach Prüfung der Cage hat die Regierung einstimmig beschlossen, bah sich Frankreich nicht von De l- gien trennen werde. — Darthou wird Freitag nach Genua zurückreisen. Tie Franc der (Einberufung des Obersten Nates. Paris, 4. Mai. (WTD.) Rach einer Meldung des „Echo be Paris" soll bereits in ber Hnterrebung Darthous unb Lloyb Georges vor seiner Abreise aus Genua ber letztere von dem Stanbpunkte Poincares in ber öragc ber Einberufung bes Obersten Rates unterrichtet worden fein Lloyd George habe erklärt, bann werbe er ben Verfalltag vom 31. Mai abwarten. Rach ber gleichen Rachricht soll weder dem französischen Vertreter in 'Berlin noch in Genua bas Reckt 8ufteben, bie Frage zu biSfutieren, bie ausschliesslich unb vollkommen ber Kompetenz der Reparationskommission Vorbehalten bleiben müsse. Rach anderen Dlättermeldungen soll Lloyd George er- klärt haben, im Monat Zuni sei er nicht frei. Die an Rußland gerichtete Denkschrift. Genua, 3.QRai. (WTD.) In dem Memorandum, das von den Mächten Russland heute übergeben worden ist, heisst es in Artikel 2, der einer ber wichtigsten ist, bah bie Svwjetregierung alle Schulden der kaiserlichen, provisorischen und ber Sowjetregierung anerkennt. Doch wollen bie Gläubigermächte für ben Augenblick weder bie Bezahlung ber Kapitale noch ber diesbezüglichen Zinsen verlangen. Für die Schäden unb . Russlands während der Revolution und nach bem Kriege bie Verantwortung zu übernehmen, lehnen die Mächte ab. Rach bem Abschluss der Abkommen über ihre gegenseitigen Schulden werden bu interalliierten Mächte ihren Parlamenten Massnahmen Vorschlägen, auch ben Betrag ber von ber ©otojet» regicrung geschuldeten Summen ju ermäßigen oder zu regeln. In Artikel o erfennt bie russische Sowjetregierung ihre Derpftichtung an^ chre und ihrer Vorgänger finanzielle Verpflicht die Länder nicht wohlhabend und geben ihnen! t ien beraten. Am Rachmittag finbet abäbann feine Kaufkraft zur Befriedigung ihrer eigenen eine letzte Zusammenkunst mit Darthou statt. Die Dedürfnisse, denn bie Schuldncrlänber müssen j Minister werben bic Wirtschaft!. Ziagen brüten. bic in Genua aufgeworfen werden müssten. Man könne jedoch als sicher annehmen, dass Poincarö die Tagung des Obersten Rates vor dem 3 1. Mai nicht annehmen werde. Staatssekretär Bergmann fei übrigens nach Paris zurückgekehrt, unb man erwarte, bass er ber Rcparationskommission namens der deutschen Regierung Vorichläge unterbreite. Es wäre also eine schlechte Methode, zwei parallele Diskussionen über ben gleichen Gegenstand im Obersten Rate und in ber Reparationskommission, bic normal zustänbig sei, nebeneinander herlaufen zu lassen. Es scheine auch, dass aus demselben Grunde die Diskussion über irgendeinen Plan einer internationalen Anleihe oder über bic Annullierung ber interalliierten Schulbcn in Paris als verfrüht 'hingen fremden Staatsangehörigen gegenüber zu erfüllen. Sie erkennt auch die von russischen Lokal- und Prvvtnzialbehörden ,'fremden Staatsangehörigen gegenüber eiagegange- nen finanziellen Verpflichtungen an. In Artikel 6 verpflichtet sich die russische Sowjetregierung, innerhalb 12 Monaten nach Inkrafttreten des gegenwärtigen Artikels mit den Vertretern der Inhaber von Mitteln oder Obligationen, die von der russischen Sowjetregierung oder ihren Vorgängern ausgegeben oder garantiert wurden, ein Liebereinkommen zu schließen, um die Wiederaufnahme des Zinsendienstes dieser Schulden und die Zahlung der Verpflichtungen zu sichern. Wenn ein Liebereinkommen nicht erreicht werden kann, verpflichtet sich die russische Regierung, die Entscheidung einer Schiedsgerichtskommission anzuneh- men, bestehend aus einem von den auslänoischen Inhabern ernannten Mitglied, ferner aus zwei Mitgliedern und einem Präsidenten, der vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten oder statt seiner von dem Rate des Völkerbundes öder von dem Präsidenten des ernannten internationalen Gerichtshofes im Haag ernannt wird. Laut Artikel 7 verpflichtet sich die russische Regierung, alle ausländischen Interessen an Verlusten oder Schäden, bewirkt durch Konfiszierung oder Sequester von Eigentum, za- rückzugeden, wieder herzustellen oder zu entschädigen. Im Falle des Richtzustandekommens einer Einigung zwischen den früheren Vesihern und der Sowjetregierung entscheidet em gemischtes Schiedsgericht. Wo die russische Sowjetregieiung das Eigentum selbst nicht zurückgeben kann, wird sie nicht das Recht haben, es später anderen Konzessionären zu übertragen. Will sie dies, so mutz sie den vorherigen Vesihern ein Vorzugsrecht einrcrumen. Wird das Eigentum einer allgemeinen Wirlschaftsg uppe einverleibt, so hat der vorhergehende Besitzer das Recht, an dieser Gruppe nach Matzgabe seiner alten Rechte Teil zu haben. Dort, wo das Eigentum Schäden La- vongetragen und wo sie dem Vorgehen oder Lilnterlassen der ru si chen S'wictrrgierung zuzuschreiben sind, wird nach Artikel 7 von einem gemischten Schiedsgericht die Entscheidung festgesetzt. Ein neuer Protest Tschitscherins. Genua, 3. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Tschitscherin hat an den Präsidenten der Konferenz, Facta, folgenden Bries gerichtet: Die WirtschaftSkom- missivn hat ein besonderes Komitee für Arbeiterfragen gebildet. Der Präsident der Kommission hat selbst aus eigenem Antrieb die Rationen bezeichnet, die in diesem Komitee vertreten sein sollen. Rußland wurde dabei nicht berücksichtigt, obgleich es der erste Staat ist, dessen Verfassung und Politik aus den Interessen der Arbeiterschaft gegründet ist. Im Ramen der russischen Delegation sehe ich mich genötigt, gegen diese sonderbare Methode der Ernennung von Mitgliedern in das Komitee und gegen den Ausschluß Rußlands zu protestieren. Cin Essen zu Ehren FactaS. Genua, 3. Mai. (WTB.) Gestern abend rfand im Edenhotel ein Essen zu Ehren des italienischen Ministerpräsidenten de Facta Hind des italienischen Ministers des Aeußern ;Schanzer statt. An dem Essen nahm auch die deutsche Delegation, an der Spitze Reichskanzler Dr. Wirth und ReichSminister Dr. Rat Henau, teil. Konferenz der deutschen Finanz- und Iustizminifter. Berlin, 3. Mai. (WTB.) Auf Einladung Und unter Vorsitz des Reichsfinanzministers am 28. und 29. April d. I. in Würzburg stattgefundene Konferenz der Finanzminister und Iustizminister aller deutschen Länder nahm allseitig befriedigenden Verlauf. Die Konferenz führte zu Ergebnissen, die den berechtigten Wünschen der Länder und Gemeinden insoweit Rechnung tragen, als es die Finanzlage des Reiches irgendwie gestattet. Ohne die Rotwendig- feit sparsamster Wirtschaftsführung zu verkennen, war die Versammlung bemüht, den Finanzausgleich mit dem Reiche in der Weise auszugestalten, die der Selbständigkeit und der Selbstverant- wortung der Ländergemeinden in höherem Maße Rechnung trägt, als das nach den geltenden Vorschriften des Landessteuergesehes der Fall ist. Dabei wurde auch der dringende Wunsch aus- ickt, es möchten in Zukunft reichsgesehliche nahmen vermieden werden, die den Aufgabenkreis der Länder und Gemeinden erweitern, ohne gleichzeitig für Bereitstellung der erforderlichen Mittel Sorge zu tragen. Die außerordentlichen Vor- uno Zuschüsse des Reiches anläßlich der Erhöhung der Beamten-- geh älter sollen in feste Zuschüsse umgewandelt werden, deren Bemessung den Mehreinnahmen der Ländergemeinden aus dem Ertrage der Einkommensteuer infolge Desoldungserhöhung Rechnung tragen und gleichzeitig Anreiz zu Ersparnissen auf dem Gebiete der Deamtenbesoldung geben soll. Zu den Beschlüssen der Konferenz werden nunmehr noch die verfassungsmäßig berufenen Stellen des Reichs und der Länder Stellung zu nehmen haben. Aus dem Steicbc. Der Angriff auf das Berliner Rathaus. Berlin, 3. Mai. (Wolff.) . Lieber die gestrigen Vorgänge am Rathause wurde vom Polizeipräsidenten eine Untersuchung eingeleitet. Rach den bisherigen Ergebnissen kann schon jetzt festgestellt werden, daß der Anlaß zum Gebrauch der Waffe durch Angriffe aus der Menge auf einzelne Polizeibeamte gegeben wurde. Auch berittene Beamte sind tätlich angegriffen worden. Der Gebrauch der blanken Waffe erfolgte instruktionsgemäß zur Vermeidung der Anwendung der gefährlicheren Schußwaffe' und vollzog sich in schonendster Weise. Rach einer Umfrage bei allen Krankenhäusern und Rettungsstellen ist nirgendwo eine Bauchverletzung vorgekommen. Lote sind überhaupt nicht zu beklagen. Der Polizeipräsident,der auf die restlose Aufklärung der Vorfälle den größten Wert legt, empfing heute vormittag bereits eine Abordnung der Gewerkschaften. Der l in, 3. Mai. (WLV.) Auf Grund eines Beschlusses der Obleute der städtischen Arbeiterschaft Berlins ist ein 24 stündiger Protest- streik ab morgen früh 5 Uhr proklamiert worden, und zwar wegen der ungenügenden Erklärungen des Polizeipräsidenten über die gestrigen Vorgänge vor dem Rathause. Wie wir erfahren, wird die Technische Rot Hilfe eingreifen, so daß Wasser, Gas und Elektrizität geliefert werden. Rur die Straßenbahn wird morgen nicht verkehren. Keine Auflösung des sächsischen Landtages. Dresden. 3. Mai. (WTB.) Die Staatskanzlei teilt amtlich mit: Der von den Organisationen der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Vvllspartei gestellte Antrag, ein Volksbegehren auf Auflösung des Landtages zuzulassen, wurde von dem Gesamtministerium in der gestrigen Sitzung zurück gewiesen. Das Gesetz schreibe vor, daß ein solcher Antrag entweder von tausend Stimmberechtigten unterschrieben oder aber glaubhaft gemacht werden muß, daß der Antrag von mehr als 20 000 stimmberechtigten Mitgliedern der Organisationen unterstützt wird. Den beiden Voraussetzungen genügten die Antragsteller nicht. Aus Stadt und Land. Gießen, den 4. Mai 1922. ** Amtliche Persvnalnachrichten. Dem Vorsteher des Hauptzollamtes Worms, Regierungsrat Serth, wurde vom 1. Mai d. I. ab die Stelle eines Referenten bei der Zoll- abteiUmg des Landesfinanzamts Thüringen in Rudolstadt übertragen. — Ernannt wurden: am 22. April die Polizeiwachtrneister auf Probe Ernst Dreher aus Pr.-Holland, am 24. April Willi Bau er auS Zell a. d. Mosel, Franz Fr ohne aus Soest in Westfalen, Hermann Praß aus Dingen, Wilhelm R o t h e r m e l aus Diebesheim, sämtlich mit Wirkung vom 1. Mai 1922, zu Polizeiwachtmeistern. — Ernannt wurde am 22. April 1922 der Militäranwärter Georg Schmidt zu Hungen zum Amtsgehilfen bei dem .Amtsgericht Hungen. — Ernannt wurde am 29. April der Privatdozent an der Universität Königsberg Dr. Hans Falckenberg mit Wirkung vorn 1. April 1922 ab zum etatsmäßigen außerordentlichen Professor für Mathematik an der Landesuniversität. — In den Ruhestand verseht wurde am 27. April der Lehrer an der Volksschule zu Michelstadt im Kreise Erbach Heinrich Keidel auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Juni 1922 an. *• Fe st genommen wurde ein Flüchilings- ehepaar, das aus Mitleid von einer Familie in die Wohnung ausgenommen worden war, and als Dank den ©aftgebern einen großen Teil Bett» lväsche stahl. Außerdem entwendete die Frau für mehrere Tausend Mart Bettwäsche aus einem Hotel, wo sie 8 Tage als Wäscherin tätig war. Das Ehepaar verkaufte die Wäsche an hiesige Althändler. — Gestohlen wurde aus einem unverschlossenen Zimmer eine rotbraune Rindlederhandtasche mit folgendem Inhalt: Eine Vorsteck- nadel aus einem 10 Dollarstück in Gold, zwei silberne Vorstecknadeln und 2 Manschrttenknöpfe aus Silber-Dollarstücken, eine lange Halskette aus Steinperlen, 2 Paar Stoss- und 1 Paar Wildleder-Damenhandschuhe und ein Portemonnaie. Vor Ankauf wird gewarnt. ** Ansprüche auf Erstattung von Eisenbahnfahrgeld werden wegen der erhöhten Fahrpreise setzt in erhöhtem Maße geltend gemacht. Es herrscht bei den Reisenden aber Unkenntnis darüber, welche Voraussetzungen für derartige Anträge vorliegen müssen, wenn sie Erfolg haben sollen. Es sei deshalb auf folgendes hingewiesen: Die Anträge müssen den ordnungsmäßigen Rachweis der Richt- oder nur Teilbenuhung der Fahrkarten enthalten. Das ist nur der Fall, wenn eine Bescheinigung darüber von einem Stationsbeamten beigebracht ist. Karten, die überhaupt nicht benutzt und somit noch nicht gelocht sind, müssen ebenfalls von einem Stationsbeamten bescheinigt sein. Die Richtlochung einer Fahrkarte gilt nicht als Beweis für die Richtbenutzung. Zuständig ist der Stationsbeamte der Station, bis zu welcher die Karte nur benutzt ist, oder bei überhaupt nicht benutzten Karten die Lösungsstation. Hat der Reisende einen anderen Weg benutzt als den» über den seine Karte lautet, so wird ihm auf der ersten Karte die Richtausmihung bescheinigt. Diese und die neu gelösten muß er dann seinem Erstattungsantrage beifügen. Bescheinigungen hierfür erteilt der Stationsbeamte des Aozwei- gungsbahnhofs oder die Zugbegleitbeamten. Auf 3eitfarten (Monats- oder Wochenkarten) wird Fahrgeld im allgemeinen, es sei denn, daß Sonderermächtigungen, wie z. B. anläßlich des Eifenbahnerstreiks im Monat Februar erteilt sind, nicht zurückerstattet. Derartige Anträge sind daher zwecklos. Die Anträge auf Rückerstattung von Fahrgeld sind bei dem Verkehrsamt, in dessen Bezitt die Fahrkarte gelöst ist, unter Darlegung der Umstände möglichst umgehend zu stellen. Völlig unbenutzte Karten können auch, aber nur bei Vorlegung noch am Lösungstage, wenn, wie oben bargelegt bescheinigt, am Fahrkartenschalter des Lösungsortes zurückgegeben werden. Liegen keine rechtlichen Gründe für die Erstattung des Fahrgeldes vor, so wird je nach Hohe des Betrages eine Schreibgebühr von 1 oder 2 Mark erhoben. Die Lieberweisung des Geldes erfolgt unter Kürzung der Postgebühren durch die Post. ** Der Steuerpflichtige muh nicht unbedingt vor dem Finanzamt erscheinen. Die Verpflichtung der Steuerpflichtigen, vor dem Finanzamt zu erscheinen, ist nicht unbedingt. Diese wichtige Entscheidung hat der Reichsfinanzhof neuerdings in einem Urteil getroffen. Ein Steuerpflichtiger hatte gebeten, ihn von dem persönlichen Erscheinen zu entbinden, da er schlecht aus seinem Betriebe heraus könne und es ihm an Vertretung fehle. Er wolle aber alles nötige einreichen (uni) füge zwei notarielle Urkunden, über sein Grundvermögen und seine Schulden bei. Das Finanzamt setzte für das Richter'schei- nen eine Strafe von 300 Mark fest und drohte eine weitere von 500 Mark an. Auch das Landesfinanzamt schloß sich dem an. Der Reichsfinanzhof hob aber die Entscheidung auf. Der Steuerpflichtige brauche nur dann vor dem Finanzamt zu erscheinen, wenn er nicht durch triftige Gründe daran verhindert ist. Er hatte seine Wirtschaft aber nicht ohne Aufsicht, sein Vieh nicht ungefüttert, seine krank zu Bett liegende Ehefrau nicht ohne Pflege zurück- lassen können. ES mochte allerdings, sagt der Finanzhvf, für das Finanzamt bequemer sein, den Steuerpflichtigen eine oder mehrere Reisen machen zu lassen, als schriftlich bestimmte und genaue Fragen zu formulieren. Das Finanzamt hätte wenigstens zuerst versuchen müssen, schriftlich Auskunft zu erhalten. -Wettervoraussage für Freitag. Wolkig, Riederschläge, kühler, stärkere westliche Winde. Von Island her naht ein neuer Tiefdruckwirbel. Kräftigere westliche Luftströmungen werden uns wieder Regen und Abllihlung bringen. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Kath. VereinShauS, 8Llhr: Oeffentliche Versammlung d^S Mietervereins. — Astoria- Lichtspiele, ab heute: „Die Abenteuerin von Monte Carlo", 3. Teil: „Der Mordprvzeß Stanley" und „Zwangsverlobung". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Des Meeres und der Liebe Wellen" und „Der Herr Impressario". — König Oidipus. Aut die am Samstag und Sonntag zum Besten der Gedächtnis- spende der ©cfcllenen der Landesuniversität strtt- finbenben Ausführungen des Königs Oidipus sei nochmals hingewiesen. Der Kartenverkauf hat heute begonnen. (©. Anz.) — Konzertverein. Die Aufführung der Brucknerschen Stoßen Messe Rr. 3 in b-moh als letztes Abonnements-Konzert findet nun, wie bereits gestern durch Anzeige bekannt gegeben, am Donnerstag, den 11. Mai, abends 7>,'i Llhr in der Stadtlirche statt, die Hauptprobe Lazu am Mittwoch, Len 10. Mai, beginnt bereits um 7 Llhr. Der Konzertverein bittet, darauf hrnzuweisen, daß die allerdings nur für Gießen nicht gewohnten hohen Eintrittspreise, durch die großen Kost rn, welche eine derartige Ausführung heatz.ttage erfordert, bedingt sind, selbst wenn alles aus- verkauft ist, hat der Konzertverein immer noch einen recht beträchtlichen Teil der Kosten zu tragen. Die Mitglieder werden gebeten, die Abon- nementskarten unter Zuzahl mg der gestern an» gekündigten Beträge rechtzeitig bis 8. Mai umzu- tcuschen, damit sie nicht Las Anrecht auf ihren Adonnementsplatz verlieren. — Der Qlliccfrauenbercin veranstaltet einen Samariterkursus. Frauen und Jungfrauen (nicht unter 17 Jahren) werden aufgefordert, daran teilzunehmen. Der Lehrgang beginnt am Montag, 8. Mai, abends 8 Llhr, und findet im Versammlungsraum der Sanitätskolonne, Sonnenstraße 2, statt. Er umfaßt 10 li/2ftiinbige Llnterrichtsstunden, die regelmäßig Montag und Donnerstag stattfinden. Zur Deckung der Kosten wird ein Beitrag von 10 Mark erhoben. (Siehe Anzeige.) — Die Deutsche Volkspartei veranstaltet am kommenden Samstag (8 L.lhr abends) im Hotel Grohherzog ein geselliges Beisammensein, um die auswärtigen Parteifreunde zu begrüßen, die anläßlich des 4. hessischen Parteitages nach hier kommen. Finanzminister a. D. Dr. Becker, M. d. R., sowie die Mitglieder der Landtagsfraktion haben ihr Erscheinen zugesagt. Gesangliche, musikalische sowie deklamatorische Vorträge Gießener Parteifreunde werden helfen, den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten. (Räheres s. Anzeige.) Landkreis Gietzen. O ® rünberg, 3.Mai. Am Sonntag fand hier mit der Llrberreichung der Gesellenbriefe die diesjährige Gesellenprüfung ihren Abschluß. Beteiligt waren 25 Lehrlinge: 10 Schlosser, 1 Schmied, 2 Spengler, 1 Zimmerer, 3 Schreiner, 5 Wagner, 2 Weißbinder und 1 Friseur. Sämtliche 25 Prüflinge konnten auf Grund der gefertigten Gesellenstücke als bestanden erllärt werden, 22 erhielten die Rote „Gut bestanden" und 3 die Rote „Bestanden". Mit einer Ansprache an die Junggesellen überreichte der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Lehrer Wenzel. die Gesellenbriefe. — Vergangene Woche besuchte die Hessische Landes-Wanderbühne wiederum unsere Stadt. Zur Ausführung gelangten diesmal Goethes „Sau ft“ und am folgenden Abend das vieraktige Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter" von Kotzebue. am. Oden Hausen, 2. Mai. Am Samstag wurde ein Veteran von 1 8 7 0 7 1, Heinrich Balling, Gast- und ßanbaürt, dahier beerdigt. Der Kriegerverein erwies ihm die letzte Ehre am Grabe. — Am Sonntag hielt Landgerichtsrat T r ü m per t von Gießen im hiesigen Kriegerverein einen Vortrag über die Schuld am Kriege. Für seine Haren Auslegungen wurde ihm am Schlüsse reicher Beifall gezollt. Der Tezirksvorsitzende Roth von Grünberg sprach noch über Zwecke und Ziele der Kriegervereine und deren Wohlfahrtsbestrebungen. — Der Gesangverein fang drei sehr schöne Vaterlandslieder. Am Schlüsse der Versammlung dankte der Vereinsvorsiyende allen Mitwirkenden und Zuhörern und bat die jungen Krieger, die bis jetzt noch dem Verein fernfleben, beizutreten, um auch durch ihren Beitrag die Tränen der Witwen und Waisen füllen zu Helsen. Eine Sammlung für die Kriegsbeschädigten ergab den Betrag von 136 Mk. Kreis Alsfeld. § Ober-Ohmen, 3. Mai. Zur Prüfung unserer Kirchenorgel weilte in voriger Woche hier Musikdirektor Müller vom Lehrerseminar zu Friedberg i. H. Man hatte den Sachverständigen kommen lassen, weil die Prvspektpseifen der Orgel erneuert werden sollten und weil man erst erfahren wollte, ob die alte Orgel des neuen Kleides noch wert sei. Das Urteil des Musikdirektors lautete dahin, daß jeder Pfennig, der an die alte Orgel gehängt werde, hinausgcworfenes Geld sei. Man möge sie spielen, so lange es ginge und dann eine neue Orgel anschasfen. Das hätte schon vor 30 bis 20 Jahren geschehen müssen. § Kirlchgarten, 3. Mai. G r o b e r LI n- f u g oder Wahrheit? Eine hiesige Kriegerwitwe hatte 1916 ihren Mann in Rußland verloren. Beim Vorgehen in einer damaligen Schlacht sah ihn sein Hauptmann fallen. Ein an ihn gesandtes Paket kam als unbestellbar zurück. Gr zählte zu den Gefallenen. Die Witwe hatte einen Knecht angenommen, aus guter Familie, tüchtig und fleißig. Beide kamen überein, sich zu heiraten. Dieser Tage schlug der Knecht cin Brett über das Loch eines Scheuerschalters. Da ging just cin hiesiger Mann vorüber und fragte den Knecht, ob er das. Brett annageln wolle. „Ja," sagte dieser, „aber nicht für mich!" — „Warum nicht für dich?" fragte der Vorübergehende. „Ich weiß nicht," entgegnete der An- gcrebete „ich habe heute in mir so eine Ahnung, als ob der Vermißte und Totgeglaubte wieder tarne." Am Abend desselben Tages kam eine Depesche von Hohen-Limburg, worin gemeldet wurde, daß der Sotgeglau,bte noch lebe, aus Rußland zurückgekehrt sei und heimkehre. Dis jetzt hat sich diese Depesche noch nicht bewahrheitet. Die Betroffenen sind sofort an den Aufgabeort des Telegramms gereist, um den Absender ya ermitteln, da man meint, daß es sich um Personen handelt, die ein Interne daran haben, die Vermählung des Paares au verhindern. .Kreis Lauterbach. rr. Schlitz, 2. Mai. Der im Rovembe? vorigen Jahres gegründete evangelische! Männer - und Jünglingsverein veranstaltete seinen ersten Familienabend. Der große Cuntrumsche Saalbau war bis zum letzten Platz beseht. Bei einem außerordentlich reichhaltigem Programm, bei musikalischen Vorträgen und gemeinsamen Gesängen, bei turnerischen Darbietun-, gen, Ansprachen und einem von Vereinsmitgliedern sehr gut gespielten Theaterstück: „Der Schild des Glaubens", nahm die Feier einen schönen Ver°. lauf. Auch die hiesige Wandergruppe des Deutschen Handlungsgehilfenverbanoes hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt und trug durch Darstellung lebender Bilder, wie auch durch QEu= sikvorträge zum Gelingen der Veranstaltung toe- scntlich bei. — Eine Dankesfeier^die anläßlich des Goldenen Jubiläums von Schwester Elisabeth Gerbig gestern vormittag in der Kapelle des Gräflichen 'Hospitals ftattfanb, gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung und war ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung, welche die Jubilarin in ihrer langen Wirksam leit in unserer evangelischen Gemeinde gesunden hat. Rach dem Gottesdienst sprach Graf Wilhelm von Schlitz der Schwester im Rainen seines Hauses seine Glückwünsche aus und überreichte der Jubilarin ein Bild seines verstorbenen Vaters. Im Auftrage der Kirchengemeinde wurde der Schwester, die jetzt nach Darmstadt ins Mutterhaus übersiedelt, ein Bild von Schlitz übergeben. Auch aus der Bürgerschaft wurden zahlreiche Geschenke übermittelt. — An die Stelle der nunmehr scheidenden Schwester trat Schwester Marie Weigand aus Darmstadt. Kreis Schotten. hg. L! l r i ch st e i n, 2. Mai. Der hiesige Stenographenverein Gabelsberger veranstaltete nach Abschluß seiner Winterardcit am letzten Samstag einen Llnterhaltungs- abend, der einen sehr befriedigenden Verlaus nahm. Im Mittelpunkt des reichhaltigen Programms stand die Aufführung des Lustspiels von Th. Körner: „Der Vetter aus Bremen". Ferner wurde das Hans Sachs'sche Fastnachtsspiel „Das Kälberbrüten" b-fvrgebotm, das bei sehr glücklicher Besetzung der Rollen feine Wirkung nicht verfehlte. Konzert und Tanz beschlossen den Abend, der bewies, daß auch in kleineren Verhältnissen gute, volksbildende Arbeit mit ideellem und materiellem Erfolg geleistet werden kann. hg. Feldkrücken, 2. Mai. Der Landwirt und Holzhändler K. von hier stürzte am vergangenen Freitag mit seinem Motorrad zwischen Schotten und hier so unglücklich, daß er neben anderen Verletzungen einen sehr komplizierten Armbruch davontrug. Er mußte nach Hause gefahren werden und begab sich nach Anlegung eines Rotverbandes in die Klinik nach Gießen. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 3.Mai. Bedenklich^ Radauszenen entstanden gestern abend bei dem auf Veranlassung des Christlichen Vereins junger Männer veranstalteten Vortrag des Prof. Dr. Brunner -Berlin, des bekannten Kämpfers im „Reigen"°Prozeß. Rach den Ausführungen des Redners entstand trotz des lebhaften Beifalls ein wüster Skandal seitens der Opposition. Zunächst erwiderte in verhältnismäßig großer Ruhe der Schriftsteller W. Michel. Desto stärker war das Schreien und Pfeifen bei den weiteren Rednern, unter denen sich besonders ein stud. Haubach hervortat, der Kommunist sein soll und mit gemeinen Schimpsworten schon während des ganzen Abends um sich warf. Er verlas einen Protest gegen die ..dilettantischen Versuche" des Redners, der angeblich von lOThcatermitgliedern(Schramm, Schlembach, F. Cleve, G. Szell, D. Diestelmann, W. Kulisch und Baumeister) unterschrieben war. Es konnte aber festgestellt werden, daß keine dieser Personen in dem Vortrag anwesend war. Hervor- ragend beteiligt hat sich auch der frühere Stadtv. Dr.-Ing. H e y d. Die große Mehrzahl der Besucher hat diesen Streich, der sicher kein Gewinn, für das Ansehen Darmstadts ist, sehr bedauert. Hessen-Nassau. Der Kibitz — ein Raturdenkmal. fpd. Frankfurt a. M.. 2. Mai. In den letzten Jahren ist der Kibitzbestand in Deutschland derart verringert worden, daß ein AuS- sterben dieser interessanten Vvgelart zu befürchten ist. Infolgedessen haben die Minister für Landwirtschaft und für Volksbildung mit Rücksicht aus die Raturdenkmalspflege, die eine Erhaltung dieses Vogels gebietet, das Sammeln von Kibitzeiern durch Polizeiverordnung verboten. — Diese löbliche ministerielle Maßnahme kommt für dieses Jahr leider zu spät. * • Frankfurt a. M., 2.Mai. (Das Tier in der bildenden Kunst.) Unter diesem Titel veranstaltet die Direktion des Zo alogischen Gartens auch in diesem Jahre totebn: eine Ausstellung von Wetten der Malerei, Plastik, Graphit und des Kunstgetoerbes. K Marburg, 2. Mai. In derMainacht fanden in allen studentischen Vereinshäusern wieder die üblichen Maifeiern statt. Auch der historische Festakt des Korps Hasso- R a s s o v i a auf dem Marktplatz fehlte nicht. — Gestern veranstalteten die Gewerkschaften einen großen Llrnzug und anschließend OHaifzier | in den Stadtsälen. Schlichtunqsausschtts; -er Provinz Lbcrhessen. Sitzung vom 2. Mai 1922. 3ür die Arbeiter der Fabrik feuerfester Steine Scheid Hauer u Giessing 21.-®. in Mainzlar und die Arbeiter der Quarzit- b r ü ch e in Tret« a. d. Lda., Homberg a. d. Qhm und Rockenberg tourden 25 ü. H. Zulage ab l.Mai vorgcschlaaen. Die Mainzlarer Betriebs- ai beiter über 21 ^)ahre kämen hiernach im Zeitlohn auf 14,81 Mk. Stundenlohn, die verheirateten Arbeiter über 2> Zahre der Quarzltbrüche aus 11,02 Mk. Die Avrillöhne toaren Anfangs März mit einer Mark Stundenlohnzulage auf die Löhne der ersten Märzhälfte vereinbart worden. Die Regelung der sonstigen allgemeinen Arbeitsbedingungen wurde der Verhandlung der Parteien überlassen. Die Zahnfabrik Germania in Bad- Rauheim soll vom 1. Mai an die Aprillöhne um 30 v. H erhöhen. Die Arbeiterinnen über 20 Zahre erhalten hiernach 8.13 Mk. Stundenlohn. Die besonderen Zulagen und Dergünstigungen bleiben wie bisher. Dem Antrag eines schwerkriegsbeschädigten Arbeiters der Zigarrenfabrik 6. Klingspor G. m. b. H. In Giehen, seine Akkordenllohnung anders zu regeln, konnte nicht entsprochen werden, weil die Entlohnung nach dem Tarifvertrag erfolgt. Die Frage der zweckmässigen Beschäftigung und angemessenen Entlohnung eines schwerkriegsbeschädigten Arbeiters des Tonwerks Hüt 1 enberg in Leihgestern wurde zunächst noch einmal der Verhandlung der Beteiligten und der beiderseitigen Verbände überlassen. In zwei Desamtstreitigkeiten und einer Einzelstreitigkeit in Lohnsachen verständigten sich die Parteien vor der Verhandlung Gerichtssaal. Die Revision des Urteils gegen den Raub- «Srder Liefert wurde verworfen. Heidelberg, 3. Mai. Die vom Verteidiger des Raubmörders S i e f c r t, der bekanntlich in Heidelberg die beiden Bürgermeister ermordete, eingelegte Berufung gegen das Urteil des Heidelberger Schwurgerichts wurde vom Reichsgericht verworfen, wodurch das zweifache Todesurteil, das am 25. Januar gefällt worden ist, Rechtskraft erlangt. Das badische Staatsministerium wird über die Vollstreckung des Urteils weiteres zu verfügen haben, da eine Begnadigung wohl kaum in Frage kommen dürfte. j[ Marburg. 2. Mai DaS Schwurgericht beschäftigte sich heute noch einmal mit dem nächtlichen U e b e r f a l l auf die sogen. Hüslenmühle bei Geismar, wobei dir Familie des Landwirts P o h l m a n n bedroht und beraubt wurde. Der Vorfall spielte sich in der Rächt vom 5. zum 6. September 1918 ab. Damals erschien bei dem Gehöfte mitten in der Rächt eine militärische Patrouille und verlangte Einlast mit dem Bemerken, dast ein Deserteur gesucht würde. Mit dvrgeholtenem Revolver wurde die Familie gezwungen, aufzustehen und in der Zauche Platz zu nehmen. Dann wurde fast drei Stunden lang das Gehöft ausgeraubt und als sich die Leute wieder entfernten, liehen sie auch noch einen Posten zurüct, der aiterdingS spater verschwand. Pohlmann lief dann auf dein schnellsten Wege nach Franken berg und benachrichtigte die Polizei. 3n Herz Haufen gelang eS dem Oder- landjäger Meyer, im Fruh>uge einige Verdächtige festzunehmen und ihnen den Rorb wieder objunebmen Vor dem Schwurgericht wurde dann im April v. IS. ein Angeklagter namens W 111 - mann und die Ehefrau Glänzer, die auch auf der Hüstenmühle wohnt, nebst deren Tochter verurteilt. Zwei weitere Beteiligte namens Witzel und Ä rüget waren nicht aufzufinden Mittlerweile ist nun Krüger feftgenommen worden und so stand er heute wegen der Suche vor Gericht. Der Anstiftung bzw. Beihilfe war ferner der Ehemann Glänzet angetlagt. Der Angeklagte Krüger, der von Beruf Metzger ist, schilderte heute schluchzend, wie er von Kassel auS von den andern mitgenommen worden sei. Bei Glänzers hätten sie sich als Militärpatrouille zurecht gemacht, er Hude dort auch Helm und Gewehr empfangen. Dann seien sie zu Pohlmanns gegangen Dort spielte sich dann die Szene, wie bereits geschildert, ob. Glänzet bestreitet )ede Mitwis'enschafl. einem Deserteur solle mm doch nicht glauben. Die Geschworenen sprachen beide schuldig und das Gericht erkannte auf je 1 Jahr Gefängnis. Deuthen (O.-Sch.), 3. Mai. (Wolff.) DaS Schwurgericht Deuthen verurteilte gestern den 24jährigen Kesselheizer Pionlek aus Birkenhain wegen Mordes zum Tode; ferner wegen versuchten Mordes zu 10 Jahren Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Pivntek wurde seinerzeit unter dem Verdacht festgenommen, an der Ermordung von 10 Männern in IvsefSthal teilgenommeA zu haben. • Kunst und Wissenschaft. Frankfurter Dhoruraufführungen. Frankfurt a.M.. 2.Mai. Der „Rühlsche Gesangverein" hat sich ein Verdienst erworben, dast er in seinem letzten Konzert dieses Winters zwei neuen Chorwerken in Deutschland den Weg bahnen half. Grillparzers begeisterter Srguh an die Tonkunst hak den in Frankfurt lebenden blinden Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen zur Vertonung angeregt. Seine Komposition, sicher auch vom eigenen Erlebnis befruchtet, hebt mit einem kurzen elegischen Orchestervorspiel an und läßt dann in voller Wucht sieghaft bejahende Chorklänge ertönen. Der Mittelteil, der wenige Textworte in fielen Wiederholungen von Chor und Soloquartett toeiter- spinnt. ist zweifellos zu breit und gleichförmig geraten, erst am Schlust findet der Komponist, bem für seine Kantate das Finale aus der 9. Sim- phonie vorgeschwebt haben mag, wieder frischere Klänge und hellere Farben. Der .Hymnus an die Tonkunst" bezeugt wiederum eine fein empfindende Künstlernatur, alS die sich Werander Friedrich von Hessen bereits in ßiebem und Kammermusikwerken bewiesen bat; die Orchester- und Chvrbehandlung ist, ohne gerade stilistisch neue Wege zu weisen, von vornehmem klanglichen Gepräge. Zur deutschen Uraufführung kam ferner das „Requiem" deS Deutsch-Engländers Frede- d er ick DeliuS. Es ist eine stille und tiefernste Dichtung, die in pantheistischen Gedankengünqen das stete Werden und Deigehen der Allnatur schildert und in einem jubelnden Grub an den Frühling und die wiedererstehende Welt gipfelt. Delius hat ihr alS feiner und sensibler Musiker die ganz seiner Art entsprechende Vertonung gegeben, und der Komponist von „Fenimere und Gerda" ist an den zarten, oftmals zerstiebenden Linien, der bunten, stimmungsmalenden Harmonik leicht wieder zu erkennen. 2lusdrucksvoll begleitet der Chor in knappen Sätzen die refig- nationserfüIlten Betrachtungen der führenden Bariton- und Sopransolostimme. Beiden Werken wurde der „Rühlsche Gesangverein", dem Herr Oskar v. Pa n de r ein sicherer und straff anfeuernder Dirigent war, durchaus befriedigend gerecht. 2luch das treffliche Opernhausorchester und die Solisten — unter ihnen besonders Adolf Permann und Frau Anna Kämpfen — hatten Anteil an dem starken und herzlichen Beifall, für den die beiden anwefenden Komponisten wiederholte Male danken konnten. Dr. Georg Schott. * Gin internationaler Kongreß für Astronomie itnb Geophysik. Rom, 3. Mai. (Wolff.) Gestern wurde hier auf dem Kapitol in Anwesenheit des Königs, deS Kronprinzen, deS Kardinals Maffi, des Llnterrichtsministers und nahezu sämtlicher Leiter der groben Sternwarten der Welt der K v n - greb der internationalen Vereine für Astronomie, Geodaesie und Geophysik eröffnet Senator Volterra, der Direktor der Pariser Sternwarte Baillard, und der italienische Unterrid?t6mrnlfter Antle dielten Begrüßungsansprachen. Vermischtes. Eisenbahnunfall. Sangerhausen, 3. Mai. (WTD.) Heute Rächt entgleiste hier die Lokomotive des Güterzuges 7855 bei der Einfahrt. 3n demselben Augenblick fuhr der Güterzug 7902 aus. Durch die entgleiste Lokomotive wurde ein Zuateil abgerissen, dessen Wagen sich ineinanderschoben. Dabei wurde ein Schaffner aus Güsten getötet, der Zugführer und die anderen Schaffner verletzt. Die Gleise waren bis heute morgen gesperrt. Der Verkehr wurde durch llnv steigen aufrechterhalten und wird jetzt eingleisig betrieben. Der Materialschaden ist erheblich^ „Drahtlose" Abendunterhalttmgen. .Radiogefellschaflen" oder wie wir befftf sagen mürben .brubtlofe" Unterhaltungen find augenblicklich die grobe Mode in den Q3creinigtcn Staaten. Zeder Mensch, der „auf der Höhe" ist. hat hier einen drahtlosen Telepbonapparat, und er braucht nichts weiter au tun. als für 8 llfor abend» ein halbes Dutzend Freunde einzuladen und genügend Stühle um den Apparat berumzustellen, dann kann er feinen Gästen Genüsse auS der ganzen Welt bieten und für ein höchst abwechslungsreiches Programm sorgen Der Chicagoer Berichterstatter eines Londoner Blattes schildert eine solche drahtlose Abendunterhaltung, die ihm ein Freund bereitete. „Was willst Du hören?" fragte er. „3weg 50. 6M)iiÄrlcl)rliii(| junget SWiinö zu verkaufen 04601 Schiffend. Weg 56 Htb. 4xd-Zint.-hau§ in guter Lage zu vk. 4386 Hausbesitzerverein. 4X3-58iinmerhaus mit kleinem Stall, Halle unb etwas Garten zu Für unsere Magazin- und Eisenlager-Der- waltung suchen wir zum balbigen (Eintritt 2 Herren aus der Eisenbranche. 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KI. 3,59 4 „ 2. „ 4,54 1 Duchen-Schnittholz 3. „ 1,09 4 I 2 4. „ 1,33 1 Eichenstamm 1. „ 2,47 1 3. „ 0,73 2 Eichenstämme 4. „ 1,01 2 Eichen-Bauholz 2. „ 1,82 12 „ 3. „ 10,19 26 18,09 5 I 30 , 5. ,, 17,18 12 „ 6. „ 4,39 15 Eichenstämme 6. „ 4,36 4 Kiefern-Schnittholz 3. „ 3,01 5 Fichlen-Schnittholz 2. „ 6,92 7 7,84 6x I 1 Hainbuche 6. „ 0,34 3 Lrlenstämme 4. „ 2,19 1 Erlenstamm 5. „ 0,25 7 Kiefern-Bauholz 3. „ 4,27 49 23,32 7* I 1 Fichten-Bauholz 5a „ 0,35 1 5b „ 0,20 21 Weißtannen-Bauholz 5b „ 4,64 8 I 123 Kiefern-Bauholz 5. „ 47,28 9 I 107 . 5. „ 43,69 10 I 102 , 5. „ 41,95 11 I 295 Fichtenbauholz 5b „ 65,21 12 I 242 m 5b „ 64,20 f 4 Eichen-Schnittholz 1. „ 6,74 13’ II 6 „ 2. „ 11,12 1 19 » 4. „ 12,94 14 II 46 3. „ 43,22 ( 4 Buchen-Schnittholz 1. „ 8,41 15’ II 5 ., 2. „ 7,24 1,96 l 3 Kiefern-Schnittholz 3. „ 1 Eichen-Bauholz 4. „ 0,69 1 . 5. „ 0,31 16 II 4 Fichten-Bauholz 3. „ 5,50 19 „ 4. „ 18,71 81 * 5a „ 44,85 17 II 219 56,42 179 Fichten-Bauholz 5b „ 45,56 1 Fichtenstamm 3. „ 0,57 J8 II 3 Fichtenstämme 4. „ 2,08 1 Kiefern-Bauholz 3. „ 0,64 3 1,83 .1 2 Eichen-Schnittholz 1. „ 0,76 H 2. „ 2,07 19 III 18 22 n 3. „ „ 4. „ 14,17 11,67 14 Kiefern-Schnittholz 3. „ 7,21 1 Weißtanne-Schnittholz 3. „ 0,97 1 Eichen-Bauholz 2. „ 1,51 2 n 3. „ 1,67 20 III 25 „ 4. „ 13,65 26 10,58 17 » 6. „ 5,92 25 Kiefern-Bauholz 3. „ 19,31 1 Erlenstamm 4. „ 0,58 1 5. „ 0,64 21 III 3 Erlenstämme 6. „ 1,12 1 Fichten-Bauholz 2. „ 2,64 13 » 3. „ 18,36 10 » 4. „ 8,81 22 III 181 Kiefern-Bauholz 4. „ 92,37 23 III 258 n 5. „ 85,85 24 III 258 77,51 25 III 211 78,84 26 III 122 Fichten-Bauholz 5a „ 75,37 27 111 156 95,05 281 24 « 5a „ 12,76 III 78 22,58 TTT 38 5a „ 22,87 29 III 85 o 5b „ 23,82 30 III 291 87,95 31 III 313 99,88 32 in 1 2 Fichten-Schnittholz 2. „ 1,16 1,35 3 Eichen-Grubenholz 4. „ 1,4 4 33 I u. 63 299 w 5. „ „ 6. „ 26,03 89,75 89 „ 4,5.u.6. „ Kiefern-Grubenholz 5. „ 30,61 34 i 362 101,28 35 n 2C 4. „ 10,82 n, in 266 5. „ 93,09 36 in 316 94,73 37 ii 186 Tichen-Schwellenholz 1. „ 126,56 (meist Stammklaffe4) ii 8k Lichen-Schwellenholz 2. „ 33,42 (meist Stammklasse 5) i, m r Eichen-Schwellenholz 38 3. (Stamm-) „ 7,07 i.ii.ii I 101 Eichen-Schwellenholz 4. (Stamm-) „ 42,63 i, in 1( Eichen-Schwellenholz 5. (Stamm«) „ 3,26 n 7 Buchen-Schwellenholz 1. „ 58,81 39 1 (aus StammhI. 2 — 4) Buchen-Schwellenholz 2. „ 7,05 (Stammklaffe 5) 40 i. ii, 15 Kiefern-Schwellenholz 3. „ 79,57 m 17 4. „ 48,91 8.'- Fichten-Derbstangen 1. „ 98,02 41 LH, 3 ) Weißlannen-Derbstang. 1. „ 3,17 29 Fichten-Derbstangen 2. „ 13,34 39l Fichten-Neisstangen 0,67 Donnerstag, 4- Mi 1922 Nr. 104 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Die Sefolbungsfragen der städtischen Beamten. 3um Artikel in *3r.99 des „Gießener 3n,y" vom 28. April 1922. betitelt .Die neuen Gehaltsforderungen der städtischen Beamten" wird unS Dom Deamten-Ausfchuß der städli - schen Beamten Gießens geschrieben: Der Emsender der Zuschrift, dec sich als „Äcrmer der städtischen Verwaltungsverhältnisse" bezeichnet, beweist durch seine Ausführungen, daß ca ihm bis jetzt doch noch nicht gelungen ist, sich mit den tatsächlichen städtischen Verwaltungs- Verhältnissen vertraut zu machen. Die städtische Beamtenschaft möchte es deshalb aus diesem Grunde schon ablehnen, zu seinen Ausführungen Stellung zu nehmen. Sie kann indessen den Ar» tilel um deswillen nicht unbeantwortet lassen, weil jenen Darlegungen immerhin ein bedenklicher Ernst anhastet, der die Existenz vieler städtischer Beamten und Angestellten eng berührt. Zunächst sei bemertt, daß es sich um „neue Gehaltssorderunaen" der städtischen Beamten durchaus nicht handelt. Aach reichsgesetz- licher Vorschrift waren die im Jahre 1920 mit Wirkung vorn 1. April 1920 geschaffenen Besol- dunasordnungen des Reichs, der Länder und der Städte nach einer gewissen Zeit einer Revision zu unterziehen. Für das Reich und den hessischen Staat ist dies im Laufe des verflossenen Jahres geschehen. Die hessischen Städte befinden sich hiermit noch im Rückstand. Hm die nach gesetzlicher Vorschrift vorzunehmende Revision der städtischen Besoldungsordnung haildelt es sich hier einzig und allein. Die Vorbereitungen zur Revision geschahen in der Weise, daß die Interessenvertretungen sämtlicher städtischer Deamten- kategorien (Verwaltungsbeamte, techiiischeDcamte, Wecdneister, Feuerwehrleute, Polizeibeamte usw.) nach langen Vorbereitungen den Stadtverwaltungen Hessens Desoldungsvorschläge unterbreiteten. 3n gemeinsamen Verhandlungen mit sämtlichen Stadtverwaltungen wurde eine Desoldungs- ordnung mit Besoldungsplan errichtet, welche für sämtliche hessischen städtischen Beamten einheitlich gelten sollten. Dem Umfang der einzelnen Stadt- ixrtoaltungen sollte bei dem Besoldungsplan selbstverständlich Rechnung getragen werden. An den Verhandlungen nahmen seitens der Stadtver- 'valtungen lediglich Magistratsmitglieder teil. Die Hllyuziehung von Vertretern der Stadtverordnetenversammlungen unterblieb entgegen dem Antrag der Stadtverwaltung (Sieben, da es sich lediglich um Vorbereitungen einer Desol- dungsvorlage handelte, die selbstverständlich der ©tadtverordneten-Versammlung zur Genehmigung zu unterbreiten war. Jene gemeinsamen Verhandlungen wurden am 30. Januar d. 3- abgeschlossen. Die Stadtverwaltungen verpflichteten sich, bis Äum 1. März 1922 die vereinbarte Besoldungs- vrdnung den Stadtverordneten-Dersammlungen zur Beratung und Genehmigung zu unterbreiten, um alsdann die Desoldungsoronungen und die Besoldungspläne sämtlicher Städte Hessens wieder gemeinsam der Landesregierung zur Genehmigung vorzulegen, wie dies das Desoldungssperrgesetz vorschreibt. Aachdem alle anderen hessischen Stadt- nerwaltungen diesen Vereinbarungen entsprechend ihre Besoldungsordnungen den Stadtverordneten- Versammlungen vorgelegt haben, ist auch den hiefigen Stadtverordneten die Desoldungsordnung nunmehr zur Stellungnahme und Beratung zugegangen. Bei der Vorlage handelt es sich indessen lediglich um einen „Stellen plan", von der Einstufung der Beamten ist bis jetzt noch keines- iregd die Rede. Die Eingruppierung der einzelnen Beamten in diesen Stellenplan wird erst späterer ^Beschlußfassung der ©tadtverordneten-Dersamm- lung Vorbehalten bleiben. 6 o weit die tatsächliche Entwicklung der „neuen Gehaltsforderungen der städtischen Beamten". Würde sich besagter Artikel nur auf diese Tatsachen beschränkt haben, so würde die städtische Beamtenschaft die sachliche Erörterung begrübt haben, denn gerade die städtische Beamtenschaft toeib durch ihren Dienst im Interesse der Allgemeinheit, dab Offenheit die beste Politik ist. ihn so befremdender muhten die un- -mchlichen Auslassungen des Artikelschreibers wirken, und seine' Behauptung, das) die städtischen (Beamten schon 1920 in höhere Gehaltsgruppen eingestuft wurden, als die nach Tätigkeit. Verantwortung und Vorbildung ihnen entsprechenden Beamten im Dienste des Reiches und der Länder, und dab sie seitdem an allen Gehaltsaufbesserungen der Reichs- und Staatsbeamten teil» nahmen, dab sie aber trotzdem noch die Einstufung in höhere Gruppen fordern, die von den Oberbürgermeistern bzw. Bürgermeistern beantragt werden, ist bewusste Unwahrheit. Degen diese mit Vorbedacht erhobenen falschen Behauptungen verwahrt sich die gesamte städtische Beamtenschaft mit schärfstem Protest. Sie empfindet es gleichfalls als Brüskierung, dab in dem angeführten Artikel neben den aufgeführten Gehaltsgruppen gleichzeitig unverkennbar die Beamten erwähnt werden, und der Artikelschreiber nicht umhin konnte, auf die mangelnde Vorbildung einzelner, in langjährigem Dienst bewährter Beamten hinzuweisen. Die städtische Beamtenschaft glaubt mit sicherer Vermutung den geistigen Vater des in Rede stehenden Artikels zu kennen. Aur mangelnde Objektivität, Unkenntnis der tatsächlichen. Verhältnisse, Aeid und Scheelsucht können ihm die Feder zu jenem Artikel in die Hand gedrückt haben. Die Beamtenschaft ist von der zuversichtlichen Hoffnung erfüllt, dab alle übrigen Stadtverordneten mit der Sachlichkeit und Gerechtigkeit die Besoldungsvorlage beraten und prüfen, auf die die Beamtenschaft glaubt Anspruch zu haben. Die städtische Beamtenschaft wird um so mehr in dieser Hoffnung gestärkt, als die übrigen Stadtverordneten-Versammlungen die Besoldungs- Vorlagen der Stadtverwaltungen durchweg genehmigt haben, bei einzelnen Verwaltungen nur mit geringen Abänderungen. ♦ * * Zu der vorstehenden Zuschrift bemerken wir: Unserem Blatte war die geplante Besoldungsordnung nicht zugegangen, und wir vernehmen, dab sie auch den Stadtverordneten nur vertraulich mitgeteilt worden war. Auch uns muß der Wunsch leiten, eine für Staat und Volk so wichtige und folgenschwere Angelegenheit rechtzeitig der öffentlichen Beurteilung vorzulegen, und darum gaben wir jener Zuschrift Raum, die wir insbesondere gegen den Borwurf des Aeides und der Scheelsucht verteidigen müssen. Im Kern der Sache handelt es sich hier doch wohl um Grundsätze der Gerechtigkeit und Ordnung in unserem Staatswesen. Es würde eine be= rechtigte Beunruhigung bei den Beamten des Staates entstehen, wenn im Dienst der Städte und Gemeinden Einkommen und Beamtenrang nicht nach dem gleichen Maß bemessen würden wie im Reichs- und Staatsdienst. Wir erblicken in einer besseren Besoldung unserer Beamten, in einer gerechteren Würdigung ihrer Dienste und ihrer Stellung nach einer ihrer unterschiedlichen Borbildung und Leistung entsprechenden Abstufung einen wirklichen politischen Fortschritt, — nichts wäre für das Gedeihen unseres Wiederaufstiegs und unserer BolkSarbeit verderblicher als eine Gleichmacherei in den Besoldungsverhältnissen bei notorisch unterschiedlichen Anforderungen an Wissen und Können. Unerläßlich mutz man dabei, sei eS im Staats- oder Gemeindedienst oder in einer anderen Arbeitssphäre, im wohlermessenen, einheitlichen Plan und Rahmens voller Gerechtigkeit sich halten. Willkürliche oder nicht gut begründete Unterschiede etwa in der Bewertung von Staats- und Gemeindedienst würden unhaltbar sein und sich bitter rächen. Was übrigens ganz im allgemeinen wenig erfreulich erscheint, ist die überflüssige und geschmacklose Ausprägung, oder Umbildung einer großen Reihe von hvchttabenden Titeln, die einer demokratischen Republik nachgerade humoristisch zu Gesicht stehen. Es erhöht den Reiz dieser Neuheiten nicht, daß die Herren Interessenten wohl selber chre Erfinder sind. Wir wollen es nicht entscheiden, ob der in der vorstehenden Zuschrift skizzierte Weg der Borbereitung einer Neuregelung ganz zweckmäßig und richtig gewesen ist — die Nachprüfung wird sich hauptsächlich an die eben erörterten Gesichtspunkte halten müssen. Dabei wäre zu wünschen, daß man nicht zu kleinlich verfährt bei der Forderung einer bestimmten, vorschriftsmäßigen Borbildung; persönliche Tüchtigkeit und langjährige Bewährung geben ebenfalls Anspruch auf Berücksichtigung bei der Einstufung. ♦ . ♦ Wir werden um Abdruck folgender Snt» f d> I ie f) a n g gebeten, die auf dem 3. Bundestage des Deutschen Beamtenbundes gefaßt wurde: .Die Bemühungen des Re ich s- bundes der Äommunolbeamten Deutschlands, das Besoldungsfperr- geseh vom 21. Dezember 1920 zu beseitigen, bzw. die Verlängerung seiner Wirksamkeit über den 31. März 1923 hinaus zu verhindern, wird der DDB. mit allen Kräften unterstützen. Er mißbilligt aufs schärfste das vom Reichsfinanz- miniftertum eingerichtete Spitzel system unb noch mehr das nachgewiesene ungewerkfchaftliche An- gebertum in der Beamtenschaft. Der Deutsche Beamtenbund beschließt, sich für völlige Beseitigung des Besoldungsfperr- ge setz es nicht bloß gegenüber den Gemcinden, sondern auch gegenüber den Regierungen der Länder einzufeyen." Aus Hessen. Don her Deutschnationalen Volk-Partei. Am 26. April fand in F r a n k f u r t a. M. eine sehr gut besuchte Sitzung des erweiterten Vorstandes des Landesverbandes der Deulsch- nattonalen Partei statt, bei der Abg. Prof. Dr. Werner über „die Tätigkeit im Landtage" berichtete. Folgende Entschließung wurde gefaßt: Der Erweiterte Vorstand der Deutschnationalen (Hessischen) BolkSpartei erhebt schärfsten Einspruch gegen die willkürliche, im Widerspruch zu der Abstimmung im Landtag stehende Berordnung des M i - nisterpräsidentenUlrich, wonach der Schulunterricht am 1. M a i vollständig ausgesetzt werden soll. Dieser Erlaß zeigt wieder, daß dem derzeitigen Ministerpräsidenten Parteiinteressen höher stehen als das Staatswohl. Die Anordnung der Feier des Partei- Demvnsttationstages in den Schulen und für Kreise, die mit der 1.-Mai-Feier nicht das geringste zu tun haben wollen und sich im schroffsten Gegensatz befinden zu den in dieser Feier vertretenen parteipolitischen Gedanken, bedeutet eine Herausforderung aller Nichtsozialdemokraten, ist aber auch zugleich ein Zeichen dafür, wie der Herr Ministerpräsident Beschlüsse deS Landtags mißachtet, wenn sie ihm nicht passen, und wie wenig Rücksicht er auf diese Berttetung deS „DolkswMens" in solchen Fällen nimmt. Land- und forstwirtschaftliche Derufsgenossen- schäft für Hessen. In der Reichsunfallversicherung sind btc Rentenzulagen durch Gesetz vorn 28. Dezember 1921 neu geregelt worden. Die Zulage wird zu einer Verletztenrente gewichrt, wenn die Rente 50 ober- mehr vom Hundert der Vollrente beträgt. Eie wird in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung nach einem allgemein auf 8100 Mk. festgesetzten Iahresarbellsverdienst je nach dem Grad der vorliegenden Erwerbseinbuhe und zwar ohne Unterschied für männliche oder weibliche Personen gewährt. Die Dollrente beträgt 66-F Prozent dieser Summe oder 5400 Mk. jährlich. Diese Zulagen erhalten alle Rentenempfänger, wenn sie 50 oder mehr vom Hundert erwerbsunfähig sind, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt, wann der Unfall sich ereignet hat. Das Geseh hat den Vorständen die Befugnis eingeräumt, die Zulagen ganz oder tellweise zu versagen, wenn die Renten an Unternehmer ober deren Ehefrauen gewährt werden, und wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht oder nicht ganz benötigt wird. Der Vorstand der land- und forstwirtschaftlichen BerufSgenossen- schast für Hessen hat indessen von dem Recht der Nachprüfung der Zulageberechtigung keinen Gebrauch gemacht und wird trotz der damit verbundenen höheren Belastung die Zulagen ohne Unterschied gervähren. Die Nachzahlung erfolgt mit Wirkung vom 1. Januar 1922 ab. Die Rentenbescheide gehen den Berechtigten in aller Kürze zu. Kirche und Schule. > Wieseck, 3. Mai. Eine Schulvor- standssitzung, in der die neuen Mitglieder von dem Vorsitzenden, Bürgermeister Schomber, verpflichtet wurden, beschäftigte sich sehr ausführlich mit der Fortbildungsschule und besonders mit der für die in diesem Jahr aus der Schule entlassenen Mädchen; sie wird nach den Dfingstferien beginnen. Es wird mit drei Abteilungen für die Jungen und mit zweien für die Mädchen zu rechnen sein, unb es erschien mit Rücksicht auf die Beschäftigung fast aller in der Industrie Mittwoch und Donnerstag vormittag, je 4 Stunden einen Tag für jedes Geschlecht, als der geeignetste Termin. Endgültige Beschlüsse konnten nicht gefaßt werden; man war sich einig in dem Bestreben, den Arbeitgebern möglichst entgegenzukommen, und erfreut über den Wunsch aus den Reihen früher konfirmierter Mädchen, am Unterricht teilzunehmen. Nicht leicht zu lösen ist die Raumfrage, da in der „roten“ Schule ((Siebener Straße) nur vier Säle zur Verfügung DieSakramentshex. 'Roman von Marie Kerschen st einer. 11. Fortsetzung. (Nachdruckverboten.) Statt aufzusahren, stand der Hannes wie ein begossener Pudel, kratzte sich hinterm Ohr und suchte nach Worten. „Auf Ehr und Seligkeit," schwor er „ich hab' mir frei nix Bös s gedacht, tote ich ba£ Mäble vor mir seh: Vielmehr war mir'8 ganz wunderlich zumut, alrat als wär' ich wieder zwanzig all und ball' kein Gliederreißen nit unb lein' Leeren Geldsack!" ..Der Hannes is einfach behext gewest!" erklärte die Kolath. „ufs Härle wie der Pfarr damals, als er den Balg hat im Heidegras auf- gelesen!" So der Äüfter Der Weber fing von neuem das Toben an. „Und gegen so was hat unsereins kein Mittel nit! Hätl' ich ein Hexensprüchlein gewußt, daß ich es hätl' können hersagen. . . . ja^ bann hält' der Schneebruch uns nix gemacht! Bei diesen Worten fuhr em neuer Geist in die Rand. So war das gemeint! — Donner and Kell!! Wie Schuppen fiel es ihnen von den Augen. Mit einem Male war alles klar. Jeder fühlte sich getroffen. Jeder erwog den Schaden, den ertrug. Und daß da etwas Greifbares war, woran man sich schadlos halten konnte, ein ohnmächtiger Jemand, kaum zwei Ellen hoch, das wies der Leidenschaft einen neuen Weg. Selbst dem armseligsten Hasenfuß schwoll da der Kamm. Ein vierschrötiger Bauer schob sich durch die Menge. Trat vor den Weber hin, zornrot, den Knüppel fest in der Faust. „Das will heißen — ?" Er vollendete nicht. Der Hannes verstand ohnedies. Der Weber nickte nur. „Beweis' es mir,“ schnob der Bauer. „Wenn du's nicht vermagst und hetzt nur das Weibervolk auf — hernach —Er hielt ihm die Faust hm. „Sell weih ich so genau, als daß du der Tischlerandres bist," sagte der Weber. „Denn vorhin bin ich am Pfarrhof vorbei, da hab' ich den Unhold gesehen in seiner wahren Gestalt." Totenstille. „Well er vermeint hat. er fei alleinig, is der euch wie ein Hexenmensch hinter der Pfarr- burg umetnanb, so fürchtig, sag ich euch, daß ich ohne Schlottern nit dran denken kann! Oder hab' ich mein Augenlicht für die Katz? daß ich nit seh, wie er den Schnee vom Himmel reißt, wie — ich weih nit was! An seiner Freud hab' ich's gemerkt, daß der Schneebruch sein Werk i6f‘ „Da beißt keine Maus 'n Faden ab,“ vollendete die Schlupfline. „Ein Unhold ist's uno damit basta! Lang hab' ich's euch gesagt unb ihr habt mich ausgelacht. Und wei! ihr nit habt hören wollen, müßt ihr letzt fühlen!" Schweigend ging der Tischleiandres zur Tür. Als ei die Klinke in der Hand hielt, drehte er sich 7,och einmal um. „Der hat zum letztenmal im Dorf rumorr,“ sagte er und nahm den Knüppel noch fester in die Hand. „Holla, Andres, ich Helf dir!“ schrie einer. 3m Nu hatte die Rauflust die ganze Rotte erfaßt. Wild drängte sie zur Tür, jeher wollte der erste sein. Da warf sich die Kolath der Länge »ach über die Schwelle, daß der Andres fast über sie weg gestolpert wäre. „Alle vierzehn Nothelfer!" schrie sie, „bitt für uns! Die Händ' von die Buller, Andres, oder ihr rennt mitsammen in euer Unglück!" . Jetzt, das füllte sie, war sie an der Reihe» Jetzt sollten die Dörfler sehen, was sie tonnte» Sie lag auf den Knien vor den Mannsleuten unb schlug ein großes Lamento auf. „Ober ist einer beim Verstand," jammerte sie, „wenn er dem Elb so nah' tritt, daß der ihn mit dem bösen Blick verderben tut? Krumm unb blind könnt ihr fein, eh ihr's nur wißt! Unb einmal ist es vor gekommen, daß einer verwandelt is worden in eine Sau!" Den Bauern gerann das Blut. Selbst der Andres trat einen Schritt zurück „Hin muh er sein, sonst gibt's keine Ruh!" „Sei kein Narr, Andres und hör mich an. Was an mir liegt, will ich tun. daß keinem Dörfler nix passiert! Ich wlll eins von euch feien, dann hat nichts Unrechtes keine Gewalt über ihn. — Aber ein Weibsleut muß es fern!“ fügte sie hinzu. „Das 'Weibsleut bin ich!" erklärte die Schlupfline. „Da laß ich kein andres nit dran!" Niemand widersprach. Die Kolath machte sich an ihre Kunst. Die war nicht leicht. „Schusterpech her, Pcmkraz!" Der eilte es zu holen. „So! — Heiß gemacht und auf ein Tuch geschmiert! Jetzt der Line recht heiß um die Mitte! — Brennt's? Macht nix, is gleich Dorbei! Das gibt den auswendigen Schutz!" »Unb ein Saiz brauch ich jetzt." stehen. Nicht ausbleiben wirb die Anstellung eines Fortbildungsschullehrers im Hauptamt. Don der Notwendigkeit der Fortbildungsschule für das weibliche Geschlecht ist man hier in den weitesten Kreisen überzeugt. )( Ortenberg, 1. Mai. DaS Kirchen» k o n z e r t des Kirchengesangvereins hatte trotz schlechter Witterung eine große Anziehungskraft auSgeübt. Aus allen Nachbargemeinden waren die Besucher so zahlreich herbeigeströmt, daß nicht nur das Schiff der Kirche, sondern auch Altarraum und £tror dicht besetzt waren. — 'DaS Gebotene stand auf einer künstlerischen Höhe, die dem feit etwa einem Jahr wieder inS Leben geiuscnen Verein, besonders aber seinem unermüdlichen Dirigenten, Herrn Ackermann, alle Ehre macht. Der Vereinsvorstand batte mit der Auswahl der Solisten eine außerordentlich gute Wahl getroffen. Frau Dr. Siegerl aus Stockheim zog sofort mit der innigen Wiedergabe des lieblichen Iesuöliedes von Hildaä) und dem Bachschen „Mein gläubig Herz frohlache" aus der Pfingstkanlale und ihrer reinen, in jeder Tonlage gleich sicheren, ruhigen und anmutiger Stimme die Zuhörer in den Sann. Der Tenorist Studienral Kuhn aus Friedberg, brachte zwei geistliche Lieder von Ioh. Seb. Sadj: „Gott lebet noch" und „Jesus unser Trost unb Leben" in formvollendeter Tonsicherhell und mit wärmster Empfindung zum Vortrag. Frl. Therese Kübel aus Gießen, durch ihren vorjährigen Liederabend aufs Beste eingeführt, fang mit ihrer klaren und umfangreichen Stimme zwei machtvolle Lieder: „Die Himmel rühmen" von Beethoven und das Halle- lujah von Hummel. Der zweite und Haupttell des Konzertes brachte dann die Aufführung des 95. Psalms, op. 46 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, eines wunderbar schönen, aber für einen jungen Verein sehr schweren Werkes. Hier hallen die Solisten Gelegen hell, ihr ganzes Können zu zeigen, sie erledigten sich alle ohne Ausnahme ihrer Aufgabe in vollendetster Weise. Der Ehvr leistete, von wenigen unsicheren Einsätzen abgesehen, Erstaunliches. Er brachte die einzelnen Chöre sehr tonrein und mit bemerkenswerter Sicherheit zu Gehör Anfang und Schluß deS Konzertes bildete die meisterhafte Wiedergabe zweier Bachschen Fugen durch Herrn Delp, der auch zusammen mit Herrn Dr. © i c ge r 1 aus Stock^im die sehr gut sich anpassende Begleitung der Solisten im ersten Teil übernommen hatte. □ Laubach Ä. April. Am verslossenen Dienstag eröffnete unser Prorealgymna" fium und Realschule das neue Schuljahr (1922/23), das erste feit der Umwandlung aus dem Gymnasium. 20 Schüler wurden in die Sexta ausgenommen. Nachdem bereits im vorigen Jahre vom früheren Lehrerpersonal Studienrat Dr. Zimmermann an das Gymnasium zu Büdingen verseht worden war, wurden mit Beginn des neuen Schuljahrs noch zwei Oberlehrer des früheren Gymnasiums (beide Llltphilologen) verseht, nämlich Prof. Buxmann an das Gymnasium zu Friedberg und Prof. W e i ß b a r t an das Gymnasium zu Büdingen. Beide Herren hatten lange Jahre in Laubach gewirkt unb durch ihre treue Arbeit unb ihr allezeit bewiesenes Pflichtgefühl in hohem Maße sich die Dankbarkeit von Eltern unb Schülern erworben. Nur mit tiefem Bedauern hat man sie von hier scheiden sehen. Zur Vervollständigung deS Lehrerkollegiums des Prorealghmnafiums hat die Regierung Studien-Assesfor Dr. SchweiSgut hierher beordert. b. Schotten, 1. Mai. In der vergangenen Woche begann der erste Lehrgang an der hiesigen, neu eingerichteten, unter Leitung deS Forstmeisters Dr. Baader stehenden Forstschule, an dem sich etwa 20 Anwärter beteiligen. Die schmucken Forstleute haben in unserem Städtchen freudige Aufnahme gefunden. Der Unterricht findet »ur Zeit in den Räumen der Landwirtschaftlchen Schule statt. Mll dem Bau der neuen Forstschule ist in letzter Woche begonnen worden. Man hoff' die neuerbauten Schulräume im kommenden Herbst beziehen zu können. — Heute fand im Saal zur Krone die feierliche Ueberreichung derGe- feHenbriefe an die neugewordenen 34 Gesellen stall unter zahlreicher Beteiligung deS Handwerks. Die Stadt lieh durch ihren Bürgermeister den neuen Gesellen und Heranwachsende Handwerksmeistern die besten Glückwünsche aus- sprechen. Erne Heine Ausstellung, die Zeugnis ablegte von den Leistungen der hiesigen Hand- werkerschule, war mit der Schluhfeier verbunden. Der neue Kursus der gewerblichen Fortbildungsschule wird von über 80 Schülern besucht. lumen, Sport und Spiel. • Der Turnverein von 1846 Leitet? seine diesjährige ©ommer tätigfeit mit einem Frühjahrs-Turn- und Spieltag ein. DaS am Die Küsterin fliegt um die Ecke, derweil bi# Kolath Zaubersprüche auf ein Papier kritzelt das sie verbrennt. „Ietzuno Asche und Wasser and Salz za- einand! — Den Tee, Line, den trinkst! Der gibt den inwendigen Schatz! Schmeckt ein bissel abartig, gelt? Aber daß du mir nur keinen Tropfen nit ausspucken tust, sonst —“ „Geht dein Zeug noch lang so zu?" erkundigte sich die Line. „Sei still! Wer gefeit wirb, darf 'bas Maul nit aufmachen, sonst is alles letz." „Unb seht kommt's! Daß mich keiner nit stören tut!“ Wichtigtuerisch humpelte sie hin unb her. „Platz gemacht! Unb bie Hüt' vom Kopf, wie in ber Kirchen! Der Kreuzgang kommt irtzt dran. — Line, legst bich auf ben Doben hin, die Arm ausgestreckt, bah du wie ein Kruiz ars- sehen tust! — So, unb jetzt halt mäuslestill!" Unb die Line lag, ihrer umfangreichen Lnb- lichkeit zum Trotz, eine geschlagen: Glockenstunde lang auf dem Fußboden unb mackste nicht. Währe nb dessen trieb die Kolath in den vier Ecken der Stube einen sonderlichen Hokuspokus, inter Knicksen, Händeringen, Murmeln unb Singen. Die Schatten der Schulstube färbten sich tiefer, nur die Kerze, die die Kolath bei ihren Hantierungen in der Hand schwang, wie eine Waffe, warf einen unsicheren Schein durch den Raum. Tas gab dem Ganzen einen mystischen Ton. Den Bauern wurde unheimlich zamat. Keiner wagte die Stille zu unterbrechen. Geduldig standen sie, immer in der Erwartung von etwas Gruseligem. Aber ba8 tarn nicht. (Fortsetzung folgt.) Samstagabend veranstaltete Dühnensctzau'urnen ksvllte den Mitgliedern. Angehörigen der Schüler- abteilungen und Turnfrermden zeigen, was in Len Turnstunden getrieben, im vergangenen Winter gelehrt und gelernt wurde. Tine dichtbesetzte Halle zeugte von der groben Teilnahme, die den Bestrebungen und bei: Arbeit des Vereins entgegengebracht wird. Mit einem Musikoortrag and einem Vorspruch wurde die Veranstaltung ein- geleitet und dann folgte Dummer auf Dummer des vielseitigen und reichhaltigen Llebungsstoffes des Turnvereins. Die Stuhlpyramiden der Zöglinge boten dem Auge ein wohlgefälliges Bill». Es folgten weiter Reigen der Schülerinnen, eine Sckülerriege an zwei Pferden, Stabübungen der Schüler, Zöglinge am Barren, Fechten, aktive Turner am Pferd, Langstabübungen der Turnerinnen, unsere Jüngsten am Rech Stabübungen der Schülerinnen, Barrenturnen der Aktiven, Freiübungen, Keulenschwingen dec Turnerinnen, Kürscei- und HandgerLteübungen der Aktiven, Gewandtheitsübungen der Schüler und Reckturnen der Aktiven. — Das ungünstige Wetter am Sonntag lieh leider nicht zu, dah die Spielabtei- lung ihr Können zeigen durfte. Der angesagte Faustballkampf und der Stafettenlauf muhten ausfallen. Am Nachmittag spielte dann nur die j. Fußballmannschaft gegen die gleiche Mannschaft des Sportvereins Reiskirchen. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse konnte man eine starke Heberlegen beit der Turner feststellen. Mit 2:0 waren sie in der ersten Halbzeit siegreich. Reiskirchen konnte durch Einstellung eines guten Spielers in der zweiten Halbzeit zwei Tore aufholen. Aber bie Turner hielten, dank ihrer guten Ausdauer, das Heft in der Hand. Mit dem Resultat 2:2 trennten sich zwei faire Gegner. Sandel. * Gewerbebank zu Gießen. Am Dienstag abend fand im Hotel „Großherzvg von L-essen" die 63. ordentliche Generalversammlung statt. Dach einleitenden Worten des Vorsitzenden des AufsichtSrateS erstattete Direktor Arnold den Bericht für das Geschäftsjahr 1921, das abgesehen von den unerfreulichen Erscheinungen der Geldentwertung ein befriedigendes Ergebnis gezeittgt hctt. Alttgliederzahl und Gefchästsguchaben find ständig gewachsen, die Arnsatzziffern haben sich auf annähernd Milliarde erhöht. Die unbedingt nötige Erneuerung und Umgestaltung der Geschäftsräume konnte aus den laufenden Einnahmen vorweg besttitten werden; aus dem verbleibenden Reingewinn von 144 805.11 Mark soll in erster Linie eine ejckragssteuer- freie Dividende von 7 Prozent verteilt werden. Reu in den AufsichtSrat werden Dreher Fritz Wenzel und Amtsgerichtsrat Franz Gros gewählt. Hebet die ferner vorgeschlagenen Satzungsänderungen konnte ein Beschluß nicht herbeigeführt werden, da die erforderliche Zahl von V< aller Mitglieder nicht anwesend war. Zur Beschlußfassung wird eine in kürzester Zeit einzuberufende außerordentliche Generalversammlung nötig. Als die beiden wesentlichsten Punkte der Aenderungen • seien schon heute die Umwandlung der Firma in,^Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H." erwähnt, sowie die Ausdehnung des Geschäftsverkehrs auf Dichtmitglieder, von dem sich die Dank eine wesentliche Ausdehnung des Geschäfts verspricht. Berlin, 3. Wat. Dörsenstrmm'ungs- bild. Während sich die ©peLdation in zunehmendem Matze auf dem ausläEschen Rentenmarkt betätigt, hält am Aktienmarkt ixe Geschäfts- stille an. 3n die start spekulative Bewegung auf ersterem Gebiete wurden heute neben Öen bisher führenden türkischen Werten (jodtürton und Bagdadbahnobligationen) auch ungarische Renten 1910er Staatsrente, Kronen- und Gold» oenten, ferner österreichische Anleihm, Mazedonier und Meftbaaer, letztere besonders wegen der Devisenfleigerungen mit etnbeaogen. Das Geschäft nahm hier zeitweise groben -Umfang an, dagegen schwächten sich heimische Anleihen mäßig and tn der letzten Zeit stark herausgeseyte Schutzgebiets- anleihe erheblich ab. Die Zurückhaltung und Ge- schäftsskille auf dem Aktienmarkt erklärt man in Börsenkreisen mit der Hoffnung, datz die m Genua von Frankreich vertretene scharfe Richtung gegenüber den offensichtlichen Bemühungen Lloyd Grövges, einen Erfolg von der Konferenz beim- zubringen, schlietzlich doch unterliegen md dadurch auch für Deutschland der Weg za einer Erleichterung betreten wird. Die Kursbild mg war unregelrnätzig. Steigerungen and Rückgang r in einem Ausmatze von 10 bis 30 Prozent und vereinzelt darüber hielten sich ungefähr die Wage. Immerhin war anfangs die Grundstimmung infolge der steigenden Devisenpreise ziemlich fest, so das; Kaliwerte and eine ganze Anzahi 3n* dustriepapicre, besonders Maschtnenfabrikaktien. höher wurden. Dagegen schwächten sich ober» fchlesische Montanpapiere, vornehmlich Katto- witzer und Laurahütte, ungefähr 100 Prozent ab. Weiterhin gingen die Kurse infolge der brückenden GeschästSstille mäßig zurück; auch die Anfangsgcwinme Warden richt überall behauptet Die Devisenpreise wurden bei Schwankungen aber mäßigen Umsätzen beträchtlich höher. Frankfurt a. M., 3. Mai. Börsen- st immungs bild. Die feste Hal ring am Devisenmärkte, die hervoogeru',en wurde drrch erneute Markabgaben des Auslandes, führte in den Vormittagsstunden zu einer weiteren Befestigung der ausländischen Zahlungsmittel. Der Dollar setzte mit 302 ein und zog bis auf 305 an, nahm aber im Verlaufe eine schwankende Haltung ein, 299. Trotz aller politischen Meldungen tst die allgemeine Tendenz alö freundlich anzusprechen. Deutsche Petroleum 220u, Mansfelder K txe 25 000, Ufa 280, Benz 545—550, Rastatter Waggons 670—700. Am Montanaktienmartte waren Rheinstahl und Gelsenkirchener fester. Von Auto- toerten setzten Daimler befestigt ein. Metallwerte lagen ruhiger. Am Markte der chemischen Werte machte sich ebenfalls übertoiegenb eine festere Tendenz geltend. Elettrizitätsaktien fanden zu besseren Kursen Arfnahme. Kaufneigung bestand für Zuckerfabrikutien. Danken lagen gut behauptet. Die Dorfe schlotz bei fester Tendenz, Der Dollar zog erneut auf 306, 309, 307 an. Privatdiskont 4y2 Prozent. St an tf utt a *SL, 4. Mai. Börsenkurse. Frankfurt Derlln Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs Datum: 2. 5. 3.5. 2.5. 3.5. 5'/, Disch. Kriegsanl. ^,50 "-7,50 77,60 77,50 4°/,Dtsch. Reichsanl. 95,- 93.75 94,- 94 75 3°/<>Dtfch. ReichSanl. 138,50 137,50 138,75 136,75 4e/0 Preuß. Kvnsols 88, - 36 25 86,90 85,25 Hamburg-Pakets.. . 425.- 417,— 425,- 420,50 Norddeutscher Llohd 335,50 339, — 335,— 334,— Tomm.u.Privatbank 310,- 310,- 313,- 311,- Darmstädter Dank . 310,— 308,- 309,- 309,- Deutsche Dank . . . 695, — 597,50 600, — 600, — Dis conto-Gesellschaft 438,-» 438, — 491,— 440,— Dresdner Dank. . . 322, ~ 322,— 328,- 329,« Mitteld.Creditbank. 290,- 290,- 291,- 290,- Aationalbank f. D. . 312,- 311,- 313,- 818,- Doch. Gußstahlwerke -,- 1100,- 1097,- Bud.-Eisenw.-Akt.. 900,- 912,- 905,- 900,- D.-Luxemb. Bergw.. 1025,— 1015 — 1015, — 1010,— Gelsenllrch. Dergw.. 1065, - 1078,- 1075,- 1060,- Harpener Bergbau. 1815,- 1845 — 1810,— 1830,— Qberschl. Eisenb.-B. 994,- 980,- 685,- 978,- Oberschles. Eisenind. 794,- 775,- 785,- 775,- Phönft-Bergb.-Att. 1183,- 1200,- 1190,- 1185,- Bad.Anllin.u. Soda 760,- 762,- 766,- 765,- Höchster Farbwerke. 700,- 701,—. 700,- 691,- Allg. Glektt.-Ges. . . 715,- 710,- 713,50 714,- Felten L Guilleaume 825,- -,- 830,- 830,- Schuckert-Werke. . . 650,- 665,- 660, 653,50 Adlerwetke 539,- 530,- 530,- 530,- Daimler 482,- 493,- 481,50 475,50 4'/. Hess. Staatsmrl. 79,75 78,- 78,40 76,50 Electron Griesheim 878,- 870,- 875,- 852,- Dtfche. BereinSbank 234,- 234,- Marku oti erungeu. Datum: 1.7.14. 2.5. 3.5. Zürich Fr. 125.40 1,77 1,70 Amsterdam Fl. 59.20 0,89 0.86 Kopenhagen Kr. 88.80 1,62 1.58 Stockholm Kr. 88.80 1,38 1,80 Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 18,- 17,05 London Sh. 97.80 1,29 1,25 Reuhork $ 23.80 -.34 0,33 Paris Fr. 125.40 3,75 3,57 Züricher Devisenmarkt. 3.5. 4.5. Wechsel auf Schweizer Franken Holland........100 Fl. = 198.- 198.60 Deutschland 100 Mk. -- 1.71 1.74 Wien 100 Kr. ---- 0.06 0.06 Prag 100 Kr. — 10.92 10.05 Paris 100 Fr. -- 47.25 47.30 London U = 22,90 22.94 3talien 100 2. --- 27.42 27.55 Brüssel 100 Fr. = 43.32 43.30 Budapest 100 Kr. — (k65 0.66 Reuhork 100 $ = 516.25 516.75 Agram 100 Är. = l.d2 1.80 Warschau 100 Kr. = 0,13 0,13 Derttner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 2. Mai. 3. Mai. Amstd.-Rotterd 11035,15 11063,85 11753,3011764,70 Briiffel°Rntw 2466.90 2173 10 2546,30 2553,20 Ehrilliania . 5333,25 5396.75 5652,90 5667,10 Kopenhagen . . 6152,30 6167,70 6509,85 65.8,15 Stockholm . . 7530,55 7549 45 7885 10 7904.90 Helstngsors . 592,25 593,75 629,20 630*80 Italien . . . . 1553,05 1556,95 1602,95 1607,05 London 12^,35 1291,65 1350,80 1354,20 Reuhork 291,13 29t,78 304^1 3 4,80 Paris . . . 2686,60 2693,40 2756,55 2763,45 Schweiz 5642^90 56o?,10 5852,60 5897,40 Spanien 4724,05 4735,93 Deutsch. Qesterr. 3,48 3,52 3,65 3,69 Prag 558,30 559,70 594,25 595,75 Budapest.... 36,85 36,95 37,55 37,65 Buenos Aires . 104,85 105,16 109,60 109,90 Bulgarien . . . 210,70 211,30 222,70 223,30 Japan 137,75 138,75 Rio de Janeiro 3957,50 3967,50 4169, 4181,- (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Der Pariser Standpunkt. Paris, 3. Mai. (WTB.) Der „Petit P a r i s i e n“ glaubt in der Lage zu sein, den Standpunkt der französischen Regierung in der Frage des Zusammentritts des Obersten Rates wie folgt präzisieren zu können: 1. Wenn der Oberste Rat zusammenttete, müsse seine Tagung anderswo als in Genua abgehakten werden. Ministerpräsident Pvincars sei der Ansicht, dah er in der Dachbarschast der Deutschen nicht verhandeln könne. 2. Der Reparationskommission stehe es zu, am 31. Mai zu erklären, ob Deutschland feine Verpflichtungen vorsätzlich nicht erfüllt habe. Diese Kommission hätte volle Machtbefugnisse. Sie könne tun, was sie wolle. Sm Falle sie eine oder mehrere Verfehlungen Deutschlands feststelle, müßten die Alliierten gemäß dem Versailler Verttag miteinander verhandeln über die Sanktionen, die Deutschland gegenüber zu ergreifen seien. 3. Eine augenblickliche Zusammenberufung des Obersten Rates zur Prüfung des deutsch-russischen Abkommens sei nicht notwendig. Es erscheine zweckmäßiger, mit der Prüfung dieses Dertta- ges zu warten, bis die Konferenz von Genua zu Ende fei. Barchs« über die Möglichkeit feiner Rückkehr nach Genua. Paris, 3. Mai. (WTD.) Barthou hat vor seiner Abreise nach Paris dem Sonderberichterstatter des „Matin" erklärt, er werde nurinvollkommenemEinver- ständnis mit dem Mini st errat nach völliger Billigung seiner Haltung in der Vergangenheit und mit dem vollsten 'Vertrauen in seine zukünftige Tätigkeit nach Genua zu- rücÜehren. England und die DeparationSfrage. Loudon 3. Mai. (WTD.) 3m Unter» hause fragte Wedgewovd Den an: 1. Wann die von der Repara tivns ko m mi s sion Deutschland angebotenen Zugeständnisse aatzer Kocht treten würden, falls Deutschland die daran geknüpften Stebfcnghcngen nicht «nrehme. 2. Ob in diesem Falle das Londoner Abkommen in Wirksamkeit treten werde. 3. Ob die britische Regierung auf Gr^nd, dieses Abkommens du irgendwelchen mill'tLrischen Maßnahme n gezwungen sei. Chamberlain erwiderte, die Antwort auf die erste Frage laute: Am 31. Mai: die zweite Frage fei mit fa und die dritte mit nein zu beantworten. Französischer Spott über die päpstliche Politik. Paris. 3. Mai. (WTD.) Dach der Meldung einer Nachrichtenagentur in Rom bestätigt man in Kreisen des Vatikans das Gerücht, Tschitscherin werde demnächst rm Vatikan vom Papste und Gasparri empfangen werden. Mit letzterem werde er über die Zulassung katholischer Missionare in Rußland verhandeln. Italienisches Wirtschaftsabkommen mit der Angora-Reaierimg. London, 3. Mai. (WTD.) Die „Times" meldet: Dem Foreign Office ist vom italienischen Botschafter in Rom mttgeteitt worden, datz die italienische Regierung mit der türkischen Angora-Regierung em wir t- s chaf tliches Uebereintommen abgeschlossen habe Das foreign Office har an Dte italienische Regierung einen Protest gegen die Aktion der italienischen Regierung gerichtet, weil sie mit den Kernalisten eine Sünderaktion abgeschlossen habe zu einer Zeit, wo gemeinsame Handlungen der Alliierten nötig feien. Viel Geld! Also benutze Reifen, die große Schnelligkeit bei geringem Betriebsstoffver« brauch entwickeln. Das sind Rücktritt deS japanische» Kabinetts. Paris, 3. Mui. (WTD.) Wie der »Ma • t i n“ aus Tokio meldet, soll das Kabinett Takahashi zurückgetreten fein. Aebergabe der SchanLrmgbahn an China, Paris, 3. Mai. (WTD.) Havas berichtet aas Peking, die älebergabe der Schanüuigbah-n an die chinesische Wache durch die Japaner fei am Sonntag beendet worden. Die Untersuchung gegen Minister Dr. HermeL. Ser lin, 2. Mai. (Wolff.) Irr dem Reichstagsausschuß zur Untersuchoa der gegen den Minister Dr. Hermes erhobenen Anschnl- bigungen der heute vormittag zusammen trat, erstattete Dr. Semmler Bericht über die Weinliefe- rung des Winzerverbandes. Irgendwelche Zusammenhänge zwischen dem Weinbezug und der Zuckerlieferung seien nicht sestzustellen gewesen Auch eine Bestechung lasse sich aus den Akten nicht beweisen. Dr. Hermes erklärte, es handele sich eigentlich nur um zwei Weinsendungen im Frühjahr 1920 und 1921. Der billige Preis sei nicht besonders auffallend, weil gleichzeitig mindere Weine zu höheren Preisen geliefert worden seien. Die erste Sendung fei ihm durch Ministerialrat Heukamp angeboten worden. Das Bewußtsein, den Wein zu einem Geschenkpreis erhalten zu haben, sei ihm nicht gekommen; er weise den Dorwurf mit allem Nachdruck zurück. Es fei ihm aber bekannt, dah es des öfteren vorkvmme, daß die Produzenten unter Verzicht auf die Konjunkturpreise dann und wann abgäben. Persönlich habe er sich um diese ganze Weingeschichte kaum gekümmert. Hermes schloß, immer wieder hätten damals die Winzer Zuckerzuweisung oder Zuckereinfuhrbewilllgung beantragt. Zuletzt habe sich das Ministerium unter dem Druck der Verhältnisse entschlossen, ihnen entgegenzukommen, und zwar zunächst dem Weinbaugebiet, das am schwersten zu leiden habe Jaffe habe sich für die Zuweisung eines Postens Jnlandzuckers erklärt. Später hätten sich die Re-- ferenten der Reichszuckerftelle gegen jede Sonder- abgabe von Zucker gewehrt, da sie alles daran fetzen mühten, um mit ihrem Zuckervorrat möglichst weit zu reichen. Der Wein-Referent habe durchaus reinen grundsätzlich ablehnenden Standpmrkt em genommen. Darauf habe der Minister sich für die Sonderzuweisung entschieden, die Wnzelheiten aber dem Referenten überlassen. Der Preis des Zuckers fei zvüschen der Re ichszuckerstelle und den Winzerorganisattonen vereinbart worden. Er, der Minister, sei fest überzeugt, daß diese Regelung auch ohne seine Anweisung in sachlich vertretbarer Weise erfolgt wäre. Es fei. endlich auch nicht richtig, daß das Minksterium durch sein Entgegenkommen gegenüber den Trierer Winzern dann auch gezwungen worden sei, andern entgegenzukommen. Man habe nur diesen zierst geholfen, well sie sich in besonderer Rot befunden hätten. Der Ausfchuh trat alsdann in nicht öffentlicher Sitzung in die Beratung ein und vertagte sich später auf unbestimmte Zrit.