Freitag, 3. November 1922 172. Zahrgang Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und SteindruSerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Nr. 259 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstaysbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche vezuarpreife: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePost Mk 200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.— Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift« Teilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Stehen. postschecttonto: Frankfurt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen d.27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite2800Ps. Bei Platz- Vorschrift 20u 0 Aufschlag. Hauptschristleiter: Aua. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug, Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Sm ü n- ohne t;Vn 'Sk? ’ kein Ä wjj kÄM SietzenerAnMer General-Anzeiger für Oberhessen Der Reichskanzler über die Mitwirkung der internationalen Sachverständigen. Berlin, 2. Dvv. (WTB.) Der Reichs- kanzler hat heute vormittag die i n t e r n a t i o° nalen Sachverständigen, die inzwischen vollzählig in Berlin eingetroffen sind, empfangen. Es waren erschienen die Herren: Vissering, Cassel, Brand, Keynes, Dubois und I e n k s. Der Reichskanzler begrüßte die Herren mit einer Ansprache, in der er nach den einleitenden Degrüßungsworten folgendes ausführte: Die Tatsache, daß alle Herren, an die wir die Einladung gerichtet haben, zugesagt und bereitwillig ihre Dienste zur Verfügung gestellt haben, bestätigt uns, daß der Entschluß der Reichsregie- rung, die FragederMarkstabilisierung dem Gutachten ausländischer Sachverständiger zu unterbreiten, richtig war, und wir sehen darin zugleich einen Beweis dafür, wie groß das Interesse an dieser Frage auch im Auslande ist und daß die Frage der Stabllisierung der Währungen nicht nur eine spezifische Angelegenheit der von dem Währungsverfall betroffenen Länder, sondern eine gesamte europäische Angelegenheit, ja sogar eine Angelegenheit der ganzen Weltwirtschaft ist. Die Möglichkeit, die Mark zu stabilisieren, ist natürlich auch bei uns hier in Deutschland von den dazu berufenen Persönlichkeiten und den Ministern seit langem auf das eingehendste geprüft worden und um so intensiver, je mehr die Entwertung der Mark fortgeschritten und je verhängnisvoller die Folgen dieser Entwertung für die deutsche Vollswirtschaft, aber auch für die Wirtschaft der Länder geworden sind, mit denen Deutschland Handel treibt und Handel treiben muh. Die eine Meinung über dieses Problem ist die, Last der Versuch der Stabilisierung der Mark verfrüht ist und keinen dauernden Erfolg gewährleistet, solange nicht zwei Voraus» fehungen erfüllt sind oder ihre Erfüllung w-eniH- fteng in nahe Aussicht gerückt ist, nämlich die Bilanzierung des Budgets und die Dalanzierung der Zahlungsbilanz, solange die Wareneinfuhr die Warenausfuhr so stark übersteigt, wie in der letzten Zeit. Das Defizit der Ausfuhr muh leider noch als sehr viel größer angenommen rreröen, als bischer die veröffentlichten Zohlen erkennen lassen, solange zu dieser Passivität der Handelsbilanz aus verschiedenen Gründen noch weitere passive Faktoren dazu kommen, die das Defizit in unserer Zahlungsbilanz noch vergrößern. Tlnglücklicherweise hängt ober die Erfüllung dieser beiden Voraussetzungen selbst zu einem sehr großen Teile von der Stabilisierung der Mark 'selbst ab. So gehen die Ursachen und Folgeerscheinungen ineinander über und diese Situation führt die andere Meinung zu der Forderung, diesen circulus vitiosus zu durchhauen und die Mark zunächst einmal auf irgend eine Basis festzulegen, wenn auch nicht endgültig, so doch provisorisch, um auf jeden Fall das weitere Abgleiten der Währung zu verhindern, und dies schnell und mit Entschlossenheit, denn lange kann bei dem jetzigen Rückgänge der Mark nicht mehr gewartet werden, wenn die deutsche Wirtschaft nicht vollständig zusammenbrechen soll. In dieser ungeklärten Situation hat die Reichsregierung das Bedürfnis gehabt, zu Horen, wie man dieses Problem vom Aus lande aus ansieht und aus diesem Bedürfnis heraus die Einladungen an die Sachverständigen gerichtet. Die Konferenz von Genua und insbesondere das Sachverständigcnkomitee hat sich mit dieser Frage schon eingehend beschäftigt und ein bedeutsames Gutachten darüber erstattet, aus dem nun ein Sah in Erinnerung zurückgerufen werden soll. Das Sachverständigenkomitee hat damals m seinem Gutachten gesagt: Wenn die äußere Schuldenlast des Landes seine Zahlungssähigkeit übersteigt, und wenn dieses Land nicht durch äußere Anleihen Hllfe erhalten kann, so müssen Anstrengungen, diese Verpflichtungen zu erfüllen, notwendig zur Folge haben, daß einmal die Märkte in den anderen Ländern gestört werden daß weiter eine fortgesetzte Entwertung der Währung des Schuldnerlandes eintritt, die das Schuldnerland vollständig hindert, irgend einen Anlauf in der Richtung der Stabilisierung der Währung zü nehmen. Dieses Gutachten ist damals allgemein und ohne Beziehung auf ein bestimmtes, einzelnes Land abgegeben worden. Jetzt handelt es sich darum, und das ist die Ditte, die an die Sachverständigen gerichtet wird, diese Frage besonders im Hinblick auf die deutsche Währung tzu prüfen und uns ein Gutachten darüber abzugeben: 1. Ist unter den gegenwärtigen Amständen eine Stabilisierung der Mark möglich? 2. Wenn nein: welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um eine Stabilisierung zu ermöglichen? 3. Welche Maßnahmen müssen zur Stabilisierung getroffen werden, sobald die Voraussetzungen vorlie- g e n? Das sind Fragen, die die ReichsregieruTTg beantwortet haben mochte. Die Sachverständigen haben völlige Freiheit, ihre Arbeiten und Beratungen ganz nach ihrem Ermessen einzuleiten und durchzuführen. Sie können dabei vollständig unter sich bleiben, sie können aber auch wenn sie über eine Heihe von Gegenständen, über das deutsche Budget, über die deutsche Handels- und Dezahlungsbilanz und anderes besonders unterrichtet werden wollen, um eine sichere Basis für ihr Urteil zu gewinnen, Fragen an die deutschen Ministerien oder an deutsche Sachverständige der Wissenschaft und Praxis richten. Die Antwort der Sachverständigen auf diese Fragen wird sicher im Inlande und Auslände mit Spannung erwartet und tiefe Beachtung finden. Berlin, 2. Rov. Das „B. T." hört, daß in den Kreisen der Reparationskommissivn keine Rei- gung bestehe, die zur Zeit in Berlin anwesenden ausländischen Währungssachverständigen zu offiziellen Verhandlungen mit der deutschen Regierung hinzuzuziehen. Ernige Vorstände klinischer und naturwissenschaftlicher Institute Derlrns seien eingeladen worden, der Reparationskommission morgen über die R o t l a g e der wissen- schaftlichen Institute Deutschlands ausführlich Lüiskunft zu erteilen. Die Verhandlungen mit der Reparationskommission. Schriftliche Vorschläge der Rcichsregierung. Berlin, 2. Avv. Die Reparationskommission und Reichsfinanzminister Dr. Hermes, der von mehreren Staatssekretären unterstützt wurde, hielten heute drei Besprechungen ab, in deren Verlauf die Vertreter der deutschen Regierung die den Haushall für 1922 und 1923 betreffenden Fragen sowie die Fragen der Stabilisierung der Mark und der schwebenden Schuld darlegten. Es wurde vereinbart unter Zurückstellung einer Anzahl Fragen zur späteren Erörterung, daß Hermes in der Äachmittags- sitzung vom 3. Rovember eine schriftliche Darlegung der von der Reichsregierung vorgesehenen Lösungen verlegen werde. Die weitere Erörterung werde auf der Grundlage dieser offiziellen Mitteilung geführt werden. D e r lin, 3- Rod. Das Programm der deutschen Regierung ist in vorbereitenden Beratungen der an dem Reparationsproblem unmittelbar interessierten Ressorts in großen Am- rissen bereits fest gelegt worden. In einer Beratung, die heute vormittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers stattfinden soll, werden die Vorschläge unter Berücksichtigung der bisherigen Verhandlungen mit der Reparationskommissivn ihre endgültige Form erhalten. Rach dem „Verl. Tageblatt" haben die a u s - ländischen Sachverständig en, soweit ihre Ansichten bisher zur Kenntnis bet amtlichen deutschen Stellen gelangt sind, der üleberzeugung Ausdruck gegeben, daß einzig und allein die Goldanleih'e im Auslande zu dem besonderen Zweck, eine Aktion zur ülnterstühung der deutschen Währung in die Wege zu leiten, Hilfe bringen könne Wie das Blatt hört, haben sich in den letzten Tagen hierfür ganz b e« stimmte Auss ichten eröffnet. Bisher könne nur so viel gesagt werden, daß die Möglichkeit besieht, durch Vermittlung eines sich, über verschiedene Staaten erstreckenden Konsortiums eine solche Anleihe zu erhalten. Reichsfinanzminister Dr. Hermes wird die deutschen Vorschläge der Re- parationskommission in Form einer ausführlichen Denkschrift vvrlegen. Diese Denkschrift wird neben den positiven Vorschlägen zur Frage der Markstabilisierung auch eine ausführliche Darlegung der Entwicklung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands enthalten. London, 2. Rov. (Wolff.) Reuter meldet aus Berlin zu den Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der Reparu- tionskommission, es herrsche die einmütige Ansicht vor, daß die beiden dringendsten Fragen des Augenblicks die Stabilisierung der Mari und die Ausgleichung des Budgets seien. Die Mitglieder der Kommission feien Der Ansicht, daß Deutschland wirklich den Wrnsch habe, mit der Kommission zufammenz iwirken. Die deutsche Regierung scheine volllommen gewillt zu fein, alle erforderlichen Informationen zu geben. Es herrsche tatsächlich eine viel bessere Atmosphäre als bei irgendeiner a.ideren Gelegenheit. Das Defizit der Postverwaltung. Enormer Rückgang des Briefverkehrs. Berlin, 2. Rov. (WTD.) Zur Vorlage betreffend dre neue Erhöhung der Post-, Fernsprech- und Telegraphengebühren er klärte der Berichterstatter, braunschweigischer Gesandter Boden, heute im Reichs- rat, trotz aller Erhöhungen der Gebühren sehe sich die Postverwalturig herte wieder einem Defizit von 60 Milliarden infolge der Erhöhung der Gehälter und der Steigerung der sachlichen Ausgaben gegenüber. Er sagte, eine Sanierung könne bei der Reichspost nur herbeigeführt werden darch eine Verminderung der Pers onalau s ga ben, die drei Viertel aller Ausgaben darstellten und durch eine Vereinfachung der Verwaltung. Im großen und ganzen seien die neuen Erhöhungen auf dem Prinzip der Verdoppelung der Gebühren aufgebaut worden. Bei den Zeitungsgebühren sei im Hrrrblick auf die große R o t l a g e derPresse von einer Erhöhung abgesehen worden. Die Post wolle sich dadurch schadlos halten, daß das Z e i t u n g s b e st e l l g e l d wieder eingeführt werde. Gegenüber den Bedenken der bayerischen Regierung, die Ministerialdirektor v. Ra hm er zur Sprache brachte, bemerkte der Vertreter der Postverwaltung, fcafe die Vertreter der Presse im Derkehrsbeirat sich mit der Wiedereinführung des Bestellgeldes einverstanden er» klärt hätten. Reichspostminister G i e s b e r t s wies darauf hin, daß die gestrigen Beschlüsse wegen der Erhöhung der Deamtengehälter wieder Bata strophal auf die Verkehrsverwaltungen wirkten. Die Sache wird so kommen, sagte er u. a., daß war für 1922 ein Defizit von 50 Milliarden und für 1923 von 120—150 Milliarden haben werden Errechnen läßt sich heute überhaupt nichts mehr Im Fernsprechverkehr liegen heute mehr Anmeldungen als Abmell» ungen vor. Der Driefverkehr geht dagegen ganz enorm zurück. Rach dieser Achöhrng wird er noch mehr zurückgehen. Der Minister ersuchte die Vertreter der eh^elnen Länder, sich schon jetzt darauf vorzubereiten. Die sozialen Einrichtungen, insbesondere die Versicherungsorgani sationen, würden ungeheuer belastet. Es Werder gewisse Kulturinteressen und Menschenkreise da von betroffen, die ofjnefjin einen schweren Kampf ums Dasein führen. Darum müssen wir überlegen ob künftig die Forderung einer rein Wirtschaft lichen Balanzrerung des Etats aufrecht zu er halten ist oder nicht. Eie Vorlage wurde unverändert angenommen, ebenso der Gesetzentwurf, der das Gesetz zur De kämpfung der Kapitalflucht teilweise verschärft irti> teilweise mildert. Die Verschärfungen entsprechen den ForLer rngen der Reparationskorn miissivn. Die persönliche Mitnahme von Geld ins Ausland wurde auf 20 000 Mark erhöht. Zurückziehung der interalliierten Militär- Kontrollkommission. Berlin, 2. Rov. (WTB.) Die Regierungen von Frankreich, England, Italien, Belgien und Japan sind auf ihren der Reichsregierung im April gemachten Vorschlag zurückgekommen, die gegenwärtig zur Aeber- wachung der Durchführung der befristeten mjlitärft schen Bestimmungen des Vertrages von Versailles bestehende interalliierte Militär-Kontrollkommission zurückzuziehen und durch ein bedeutend weniger zahlreiches militärisches Garantie komitee zu ersehen, dessen Kosten die genannten Regierungen tragen wollen. Eine Vorbedingung für die Verwirklichung des Vorschlages ist, daß die endgültige Durchführung mehrerer die Entwaffnung Deutschlands betreffender Fragen sichergestellt ist. Die Reichsregierung erllärte sich bereit, über diesen Vorschlag in Verhandlungen einzutreten unter der Voraussetzung, daß durch die Verhandlungen eine Beschränkung der Ucßer- wachung Deutschlands auf die im Friedensvertrag dem Rate des Völkerbundes eingeräumten Deftug- nisse vorbereitet wird. Der Standpunkt des Präsidenten Harding. London, 2. Rov. (WTB.) Einer Meldung der „Times" aus Washington zufolge äußerte ein Wortführer der amerikanischen Regierung sich über den StandpunktHardings in der $ rage de.- auZwärt gen Schulden. Harting g au je nicht, daß eine Erörterung über ute Streichung oder den Zahlungsaufschub irgendeines Teiles der europäischen Schuld stattfinden könne oder dürfe, bevor Europa sein Haus in Ordnung gebracht habe, bevor die Tatsachen bezüglich der Wirtschaftspolitik der europäischen Rationen zurälnter- suchung verfügbar seien. Harding. gehe soweit, zuzugeben, daß die Vereinigten Staaten an einer internationalem Konferenz teilnehmen sollten, die die tatsächliche Lage der Dinge enthüllen und Heilmittel für die anerkannten Üebel des Budgetsystems der europäischen Rationen Vorschlägen würde. Harding brtnge jedoch zum Ausdruck, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in einer solchen internationalen Konferenz nicht teilnehmen könnte, wenn die alliierten Schulden an die Vereinigten Staaten zum Hauvt- gegenstand dieser Konferenz gemacht werden sollten. Mit anderen Worten, die Konferenz müsse, wenn Amerika teilnehmen wollte, z u e r st sich mit den Ar fach en befassen und dann erst mit den Heilmitteln. Amerika sei bereit, durch die amerikanische Schuldenkommission in Verhandlungen einzutreten. Eine Rede des neuen englischen Schatzkanzlers. London, 2. Rov. (Wolff.) Der neue Schatzkanzler Stanley Baldwin erklärte in einer Rede in Cardiff, England brauche vor allem Frieden in der Heimat und auswärts. Es sei wesentlich für England, zur Sicherung des Friedens von neuem In engerer Aeberein- stimmung mit Frankreich und Italien zu handeln. Die Beziehungen Englands zu diesen Ländern seien nicht so, wie sie sein sollten. Der Fehler liege nicht nur auf seiten Englands. Wenn England, Frankreich und Italien am gleichen Strange zögen, dann könne alles erreicht werden. Das andere große Problem sei das der Reparationen und Schulden. Die Regierung werde ihr Bestes tun, um eine Lösung zu finden, denn wenn keine Lösung gefunden werden könne, so werde auch keine Stetigkeit im Handel Europas erzielt werden.' Baldwin sagte dann weiter: England werde, soweit es könye, Hand in Hand mit Amerika arbeiten. ES könne sein, daß eine seiner ersten Pflichten der Versuch sein werde, auf einer befriedigenden Grundlage die e n g - lische Schuld an die Vereinigten Staaten zu regeln. Diese Schuld werde für England eine große Last bedeuten. Eng- Ntninqsrat. ßn.'W- kreiion r g°n» trlrt »e.ft V d,er« KkM if Lager Trltvbon m M.Ä M *>sA ,IBitekrtog 4101Sertog to”' mctjte Siti wie auch SackluMkn en, kaust hWiaft st- jniii^yöW® abendS8M'Itt': ha MW WH P-silell"- M MH Hing! Idsgarten“. äff Petersen, Marktp.J Raubtierschau k große Probe, Reparationskommisfion und Reichsregierung. ilnfer Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Es ist. als ob in diesen trostlosen Zeitläuften alle Schritte der deutschen Regierung zur Rettung der Lage unter einem ganz besonders ungünstigen Stern ständen. Mit größter Spannung erwartet, kommt die Reparations- kommission nach Berlin. Man empfängt sie vernünftigerweise offiziell am Bahnhof nicht. Denn es ist ja ein unerbetener Besuch. Als aber am nächsten Vormittag der Empfang beim Reichskanzler stattfindet, stellt sich heraus, daß der Hauptringer in dem geistigen und moralischen Kampfspiel, das nun anheben soll, der Reichsfinanzminister Hermes, zu gleicher Stunde einen — Gerichtstermin wahrzunehmen hat. Zwar als Kläger. Aber es handelt sich doch um den bekannten Vorwurf der ministeriellen Bestechlichkeit bei Weinlieferun- gen. Der Vorsitzende des Prozesses begründet seinen Versöhnungsversuch mit dem Hinweis auf die heutige schwere Zeit, die zum AuStrag derartiger Streitigkeiten wenig geeignet sei. Aber warum hat man es bejm zu diesem peinlichen Zusammentreffen kommen lassen? Warum wurde die Verhandlung nicht sofort vertagt? Der hohe Besuch aus „En- tentien" wird mit Schmunzeln Notiz davon ge- nommen haben, daß der Beklagte dieses Skandalprozesses, der ehemalige Redakteur der unabhängigen „Freiheit", sich damit verteidigt, er kämpfe gegen die — Korruption, genau wie seinerzeit Dr. Helfferich gegen Erzberger. Welches Schauspiel für die fremden Gäste! Aber auch sonst hapert es sehr in der Regie des Empfanges. Dr. Wirth steht eigenllich ganz allein gegenüber einem gründlich vorbereiteten Aeberfall von 34 Gläubigervertretern. Er ist seit Tagen und Wochen mit innerpolitischen Sorgen überlastet. Er hat die ausländischen Finanzsachverständigen zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Allein schon der Empfang und die richtige Behandlung dieses erbetenen Besuches erfordert die ganze Nervenkrast des leitenden Staatsmannes. Die Staatssekretäre Schröder und Bergmann, die sozusagen der zweite und dritte Regisseur des Films sind, tun ihr Bestes. Aber sie sind doch nicht die Verantworllichen. An die erste Stelle des großen diplomatischen An- ternehmenS, das jetzt begonnen hat, hätte unbedingt ein neuer Außenmini st er gesetzt werden müssen, der die internationale Linie RathenauS fortsetzt und den Faden von Genua aufnimmt. Was ist denn überhaupt auf deutscher Seite zur Vorbereitung dieser schicksalsschweren Woche geschehen? Es heißt, in den Vorberatungen des Reichskanzlers und des Reichsfinanzministers mit deutschen Finanzsachverständigen sei ein eigenes, großzügiges Programm ausgearbeitet worden, ein gewaltiger Gegenplan, mit dem man die Reparationskommission überraschen werde. Anseres Wissens ist dies leider nicht der Fall. Man hat lediglich gewisse Richtpunkte für die Verhandlungen mit Barchou aufgestellt. Bekannte Vorschläge über die Stabilisierung der Mark wurden zu Papier gebracht. Im übrigen mußten die verschiedenen Ressorts, wie bisher üblich, „Material" liefern, Berichte und Ansichten, meist in ledernem Amtsdeutsch gehalten, die den einzelnen Mitgliedern des Wiederherstellungsausschusses als „Denkschriften" vorgelegt, von diesen aber wahrscheinlich als verdächtige Propaganda wenig beachtet werden. Fußt aber die deutsche Partei weiter auf diesen Denkschriften, so kommt es zu zersplitterten Einzelberatungen mit isolierten Mitgliedern, und der Zweck der Aktion, das Problem endlich an der Wurzel zu fassen, ist verfehlt. Die der deutschen Politik günstiger gesinnten Angehörigen der Kommission werden die deutschen Berichte in ihren Aktentaschen nach Hause bringen, ohne es zu einer Entscheidung in Berlin kommen zu lassen. Die Entscheidung aber, die vielleicht Barthou mit seinem od^r dem neuesten belgischen Plan herbeizuführen trachtet, wird eine Wendung zum Schlimmen bedeuten. Von diesen Gefahren hat die deutsche Oeffentlichkeit bisher nicht die geringste Kenntnis erhalten. Die amtlichen Stellen hüllen sich, wie immer, in tiefftes Stillschweigen, hinter dem sich so oft nichts anderes verborgen hat, als Ratlosigkeit und innere Aneinigkeit. Am es gerade herauszusagen: Für das letzte Verzweiflungsringen mit der Reparationskommission war unbedingt ein h v - mogenesKabinett nötig. Es ist nicht zusammengebracht worden. Die sozialdemokratische Reichstagsftaktion, also die parlamentarische Vertretung einer bisherigen Regierungspartei, enthält sich jeden Beschlusses und tagt erst wieder in der nächsten Woche. Sie läßt die Dinge laufen und spielt bereits Opposition. Böse Vorzeichen! And derweilen treibt die Währungsnot und das Elend des deutschen Volkes immer weiter dem Abgrund entgegen. IZnM! SffL'wl iNMtm A. tt.202 an ienftein & | 'ÄlarbiM^ I { Vereine Kind erkenne Ne jedoch an und werde die Last auf sich nahmen. Es habe Amerika gesagt, daß es bis zum letzten Pennh verantwortlich sei und daß es bis zum letzten Pennh bezahlen werde. Der Prozeß des Reichsfinanzministers. Berlin. 2. Rov. (WTD.) 3m weiteren Rerttmf der Sitzung wies der zweite Verteidiger ??.? e 1 m„ deu Vorwurf zuruck, daß die „Frei- yett ohne nähere Prüfung gegen den Minister vocgegangen sei. Rechtsanwalt Alsberg fragte, warum denn die Verteidigung gegen die Vereidigung des Zeugen Faust keinen Einspruch erhoben habe. Das Reichsgericht habe es lediglich oerpöM, Geschenke mit der ausgesprochenen Absicht zu geben, jemanden zu einer pflichtwidrigen Handlung zu bewegen. Geschenke, die aus Liebenswürdigkeit gegeben würden, fielen nicht darunter. Der Preis von 3Mark gegenüber den Produktionskostenvon78 Pfennig für die Flasche müsse als durchaus angemessen betrachtet werden. — Der Reben- Häger Minister Hermes erklärte, er habe auf Beschleunigung des Verfahrens gedrängt und habe von vornherein in der gerichtlichen Aus- itagung der Sache ein Radikalmittel gesehen. Die gestrigen ,Zeugenaussagen hätten bewiesen, daß nur rein sachliche Motive für die Aenderung des Verteilungsmodus maßgebend waren. Er habe ausgekostet, mit welcher Schärfe dieser politische Kamps geführt wurde, und wolle dazu beitragen, mitzuhelfen, daß der politisch: Kampf wieder zu anständigen Formen gelange. Rur so könne unser Volk wieder zum Aufbau und zur Erholung kommen. Der Abschluß der Verhandlung and die Urteilsverkündung wurden auf Samstag 10 Ülhr festgesetzt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Redakteur Hensel drei Monate Gefängnis. Er betonte, daß die Beweisaufnahme durchaus zugunsten des Ministers Hermes ausgefallen sei. Der Verteidiger Hensels, Rechtsanwalt Levi, beantragte Freisprechung. Der Rücktritt Lerchenselds. München, 3. Rov. (WTD.) Wie die Blätter melden, hat Ministerpräsident Lerchenfeld gestern an den Landtag ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Absicht, zurückzutreten, bekanntgibt und begründet. Der Rücktritt i ft damit vollzogen. Der Termin des Zusammentritts des Landtags steht noch nicht fest. Er hängt davon ab, toanni sich die Bayerische Volkspartei über die Person des Rachfolgers Lerchenfelds schlüssig geworden ist. Die französische Rheinlands- Politik. London, 3. Rov. (WTD.) Der „Man» chest er Guardia n“, der den auch in deutschen Blättern veröffentlichten Geheimbericht des Vorsitzenden der Finanzkommission der französischen De Pu t ie r t en k am - m e r über das Rheinland in vollem Wortlaut wiedergibt, schreibt dazu in einem Leitartikel, man könne dieses Dokument nur mit tiefer Besorgnis lesen. Der Bericht sei eine offene brüt iTe ^Bloßlegung der Politik, die zum mindesten von einem großen Teil der Franzosen, möglicherweise Luch von der französischen Regierung, verfolgt werde. Es sei eine Politik, die sich auf 'die physische Gewalt verlasse, um rein materielle Ziele zu erreichen. Keine britische Regierung werde eine Politik unterstützen können, die in so flagrantem Widerspruch zum Frieden und zur Wohlfahrt Europas iehe. Glücklicherweise bestehe augenblicklich kein Grund zu der Befürchtung, daß irgendeine französische Regierung dem rücksichtslosen Rate Porn- ares folgen werde. Die deutschen Kriegergräber in Frankreich. Paris, 2. Rov. (Wolff.) Wie schon in den Vorjahren auf den Pariser Friedhöfen B a a n e u x jirtb 3vrh fand heute auf dem Friedhof Pantin eine eindrucksvolle Feier zu Ehren der in französischer Erderu- henden deutschen Krieger statt, welcher die in Paris wohnenden deutschen Beamten und Angestellten sowie die Vertreter der deutschen Presse mit Angehörigen beiwohnten. Die deutschen Kriegergräber sämtlicher Pariser Friedhöfe trugen Blumenschmuck. Bei der Einweihung des Gedenksteins hielt Botschafter Dr. Mayer eine Ansprache, worin er aller in französischer Erde ruhenden deutschen Krieger gedachte. Die Rot der Heimat sei groß und fordere täglich neue Opfer. Aber keine noch so bittere Rot werde jemals aus dem Herzen des deutschen Volkes die Gefühle der Dankbarkeit und Bewunderung für unsere Tapferen auslöschen. — Die Frau des Botschafters Dr. Mayer legte für die deutschen Mütter und Frauen einen Kranz nieder. Die Ergebnisse der Gemeindewahlen in England. London, 2. Rov. (Wolff.) Gestern haben n ganz ®nglanb und Wales die Gemeinde- 'atswahlen stattgefunden, deren Ergebnis, vie die Blätter hervorheben, angesichts der nn- nittelbar bevorsteheirden Reuwahlen von besonderem Interesse ist. Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen eine sehr schwere Riederlage der Arbeiterkandidaten und einen Erfolg der konservativen. Es wird besonders betont, )aß die Industriestädte im Rorden gegen die Arbeiterkandidaten aestimmt hätten. Der „Times" »ufolge haben nach den bisher bekanntgewordenen Ergebnissen der Wahlen in der Provmz die Konservativen 101 Sitze gewonnen und 12 der- toren, die Liberalen 33 gewonnen und 11 verloren üe Arbeiter fünf gewonnen und 168 verloren, /ie Ülnabhängigen 37 gewonnen und 19 verloren London, 3. Rov. (WTD.) Die neuesten Meldungen über die Ergebnisse der neind ewahlen besagen, daß die Arbeiterpartei in Lyndon eine schwer - Liederlage erlitt. Sie habe dort 200 Sitze verloren. Auch in den anderen Teilen des Landes hatte sie mehrere Verluste. Reuter fügt hrnzu^ daß, dieses Ergebnis noch keinerlei Rückschlüsse auf den Ausfall der Parlamentswahlen gestatte. Lloyd George. London, 3. Rov. (WTD.) Laut den Blättern geht es Lloyd George viel besser. Er beabsichtige, seine für nächsten Sonntag in London angesagte Rede zu halten. Der italienische Botschafterwechsel in Berlin. Paris, 2. Rov. (WTD.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Rom bestätigt man die Ernennung des Darons Romano Arenzzana zum italienischen Dotschafter in Derlin. Der Zwiespalt in der Türkei. Paris, 2. Rov. (WTD.) Das „Journal des Debats" schreibt über die Lage im nahen Orient: E shandelt sich zunächst um die ausgesprochene Feindschaft zwischen der Regierung von Angora und der Regierung von Konstantinopel. Die Alliierten haben bekanntlich gleichlautende Einladungen ergehen lassen. Angora aber lehnt es ab, in Lausanne neben den Delegierten der Pforte zu jitzen. Es liegt ^iber auf der Hand, daß die Alliierten in einem solchen Falle nicht Partei ergreifen können. Die Krisis scheint akut z uwerden. Es heißt sogar, die Rationalversammlung von Angora hätte die Absetzung des Sultans proklamiert und sich Vorbehalten, zu seinem Rachfolger einen Staatschef mit dynastischen Rechten zu ernennen. Andererseits ist man seit einigen Tagen in Paris wie in London sehr besorgt wegen gewisser militärischer Dewegungen der Türkei in Konstantinopel und in Thrazien. Hilfsmaßnahmen gegen die Wintersnot. rm. Darmstadt, 2. Rov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags trat heute wieder unter dem Vorsitz des Abg. Delp zur Erledigung seiner umfangreichen Tagesordnung zusammen. Den Verhandlungen wohnten der Staatspräsident, die übrigen Minister sowie zahlreich« Regierungsvertreter bei. Vor Beginn der Deratungen lenkte der Vorsitzende die Aufmerksamkeit auf die durch die ungeheuere Teuerung hervorstehende Rot und gab der Hoffnung Ausdruck, daß geeignete Vorkehrungen getroffen werden, um eine Katastrophe zu verhüten. In der folgenden Aussprache wurde die Rotwendigkeit der geeigneten Schritte allseitig anerkannt, und die Regierung erklärte sich bereit, in entsprechendem Rahmen unter Mitwirkung der Gemeinden und Kreise eine Hilfsaktion in die Wege zu leiten und entsprechende Mittel bereitzustellen. Es wirt) aber dabei vorausgesetzt, daß vor allem die Gemeinden und Kreise durch Selbsthilfe ebenfalls entsprechende Opfer bringen. Es wird beschlossen, für den kommenden Montag in Darmstadt eine gemeinsame Aussprache herbeizuführen, zu der die Vertreter der verschiedenen Parteien, der Landwirtschaft, des Handels, der Industrie, der Kirchen, der Schulen, der Genossen schäften, der größeren Städte Einladung durch die Regierung erhalten sollen. Es sollen alsbald Ausschüsse und älnterausschüsse gewählt und pflegung beanspruchen, 18 000 Mk., 4. für außer- hessische Schülerinnen 2000 Mk. mehr, je nach der Derpflegungsllasse, also 17 000 bzw. 20 000 Ml Ermäßigung dieser Sähe um monatlich 90 Mk., wenn die Schülerin außerhalb der Anstalt zu wohnen gezwungen ist. — b) Für Wochenpflege-Schülerinnen gelten vom 1. März 1923 ab folgende Sähe: 1. für Schülerinnen mit Verpflegung 3. Klasse 8500 Mk., 2. für Schülerinnen mit Verpflegung 2. Klasse 10 000 Mk. Ermäßigung dieser Sätze um monatlich 90 Mk., wenn die Schülerin außerhalb der Anstatt zu wohnen gezwungen ist. — Die Kosten für Lehrbuch und Dienstanweisung sind von tgc Schülerin zu ersetzen. Das Lehrgeld ist für die ganze Lehrdauer im voraus zu entrichten. ** Opernvorstellungen. Im heutigen Anzeigenteil wird an bte Einlösung ber Mitgliederkarten für die Opernvvrstellungen erinnert, was spätestens bis morgen Samstag zu erfolgen hat, da sonst über die nicht abgeholten Stammplätze anderweitig verfügt werden muß. △ Der V or trag der Gesellschaft für Erd- und Dö lker kunde wurde so rege besucht, daß der große Hörsaal der Uniöerfttät die Gäste mcht alle zu fassen vermochte. Viele standen noch am den Wänden, viele mußten um- teuren. Der Vorsitzende teilte mit, daß im Laufe des Wrnters noch fünf bis sechs 03Erträge veranstaltet würden. Er empfahl den Besuch der elsaß-lothrmgischen Woche, zu der die Mitglieder eingeladen worden seien. Major a. D. Dr. H. Dehner sprach bann über das Thema ,W ä h- renbber Kriegsjahreunter den Kannibalen des unerforschten Innern von Oieugritnea“. Im Februar 1914 war ihm der Auftrag geworden, das Innere der Insel zu erforschen und strittige Grenzgebiete festzulegeN. Am 3. Juni konnte der Marsch nach Nordwesten über die Hochgebirge angetreten werden. Der gold- reiche Wariafluß wurde überschritten. Mit Stämmen, bte noch dem Kannibalismus huldigten, mit Völkerschaften, deren Gebiet noch keines Weißen Fuß betreten hatte, kam seine Truppe in Berührung. Besonders dicht besiedelt fand er das Mittel- gebirgsland südlich vom Dismarcksgebirge. In- zanschen war der Krieg ausgebrochen und eine englische Kolonne suchte die schwa'che deutsche Ab- teilung abzufangen, aber sie zog sich in die Gebirgslandschaft Saruwaged im Südosten zurück. Die deutsche Truppe fand eine treue Stühe ht den Eingeborenen, die sie bis zum Waffenstillstand begleiteten. Höchst anschaulich schilderte der Redner die Raturschönhetten, den Reichtum, die Pflanzenwelt, den Kokvswußbau, die ausgezeichneten Häfen der Insel und vor allem bte treue Anhänglichkeit der Papuas, und sprach die Hoffnung aus, daß dem deutschen “Bolte wieder seine Kolonien zurückgegeben werden möchten. Der 03ortrag wurde illustriert und belebt durch eine größere Anzahl von Lichtbildern. Lebhafter und anhaltender Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen. *• Der Zirkus Henny, der seine Zelte zu einer Gastrolle in Gießen auf Oswaldsgarten errichtet hat, gab gestern abend vor einer außerordentlich starten Besucherzahl (das große Zelt war nabegu völlig beseht) seine Eröffnungsvorstellung. Es ist ein großer Apparat an Menschen. Tieren und Gegenständen der verschiedensten Art, der da in Bewegung ist, um den Besuchern die Vielseitigkeit der Zirzensischen Kunst zu zeigen. Neben den üblichen Darbietungen der Zirkusarbeit, wie Dressuren, Reitkunst, humoristische Alle der Clowns usw., zeigt der Zirkus Henny noch einige besonders eindrucksvoll wirkende Schlager. In erster Linie ist da der „lebende Hydrant" Hans Röhrl zu nennen, der gestern abend vor den Augen des Publikums 20 Gläser Wasser in einem Zuge hintereinander trank und danach die verschiedenartigsten Sprihproben aus feinem Magen heraus folgen ließ. Röhrl bemerkte, seine Fähigkeit zu diesen Experimenten beruhe auf einer ganz ungewöhnlichen Beschaffenheit seines Magens. Die H o 11 v ck s als „beste Kunstschützen und Messerwerfer der Welt" zeigten in beiden Arten ihrer Tätigkeit, namentlich aber im Schießen, eine Fertigkett, bte staunenswert ist. Boghi ß I o r E'8 Darbietung ist schließlich noch als etwas Besonderes zu registrieren Die Därendressuren des Dompteurs H e n r i ck s, die ausgezeichnete Reitkunst der Frau Direktor Gleich, die famose Abrichtung der Pferde und der Hunde und all die zahlreichen weiteren Darbietungen zur Ausfüllung des Besuchsabends in diesem Zirkus müssen sich bei unseren beschränkten Raumverhaltnissen mit einer lobenden Gesamterwähnung begnügen. Das Tier- material ist gut gepflegt und ausgezeichnet bei ferner Arbeit. Ein Besuch des ülnternehmens ist wirllich empfehlenswert: er wird jedermann einige angenehm-unterhaltsame Stunden bereiten. ** Die W ohnungsnot macht sich in ihrer ganzen Schärfe allerorts immer stärker bemerkbar. Welche Schwierigkeiten durch den Mangel an Räumlichkeiten entstehen und wie groß die Bedürfnisse nach Wohnraum sind, läßt sich auch aus dem Umftanb ermessen, daß in letzter Zeil verschiedentlich ganz enorme Summen für die Heberlaffung einer Wohnung an- geboten werden. So teilen Anzeigen in einem Frankfurter Blatt mit, daß ein Wohnungssuchender für eine beschlag na hmef reie 2—3-Zimmer- Wohnung 250 000—300 000 Mark aussetzt. In einem anderen Falle ist man gewillt, für eine beschlagnahmefreie 5—6-Zimmerwohnung sogar 500 000 Mark zu entrichten. Für eine Wohnung mit Laden ober nur 4—5-ZimmerWohnung im Zentrum bietet ein anderer Inserent, der eine 4-Zimmerwohnung in einem anderen Stadtteile einKUtauschen beabsichtigt, bis zu 200 000 Mark Prämie. Für den Eintausch einer 3-Zimmerwoh- nung gegen eine 6°ZimmerWohnung im Westend Frankfurts werden sodann wieder 200 000 Mark versprochen.^ Diese ungewöhnlichen Angebote sind nicht etwa über eine größere Zeitspanne verteilt, sondern alle indenlehtenTagen veröffentlicht worden. Es handelt sich also nicht um einen Ginzelfall, sondern die Mißstände haben sich all- Seuttger Stand des Dollars 10 ülhr vormittags: Berlin 5950, Frankfurt a. M. 5950—59Z5 sfe» < mH dem A# T kosten 1-7 S’SÄ? tsier- offe"£n uni) der 2 ^nl-vier SSL 1 fLr Darteraume den geboten ers-M Mr- und Uebernac! foMreiten^n Acksichtnchme. Die Miesen worden, Mchtbetttebes 'n d sen; es soll jedoch! & D°HM ni Änt; neben eme. Mr soll namM «Mschanks oder d-e Schankbettiebs bch Verbindern. Lavdkrt ri Litz.! ,D> Krankenhaus, das söge Ecke der Giehener Sw Jetriebsmiiteln elM bMht mrde. x)0>cd übernehmen, und sie 1 den drei hiesigen Ar, des Betriebs sorgen. ri. Jiederbes! nung, dah der gemein aller Interessen, ach dir Gemeinderat muhen würde, ha! fb wiesen, da die Sozia einen eigenen Mhlvo Kreis { * Dad-Aauhe trug der Sesamibesuch ch. lünjenbe: fatb hier eine musi feftfeier m unserer schön geschmückten Kir mit der Duybacher Äti tung von Studienrat Zangert,Tutzlachic bmgert, Sichen (Sin ring, guanlsurt a. D versammelte Jem rinde medtamleit den rv fcet chehrrch d Schlchtvvrt den Mtz Bedeutung b’.efer Ernt an Eintrittsgeldern i ganzen 3778,<5 Mk der Wen oesKriegerdenk eine besondere Zeder, oie Gemeinde euch t tttamal die 8 Zche - ^Kngemeindeve irische Lichtanlage zur , Kreis e , 7’ Aus dem 5 Mei WZ Mr D-e Jj< 5lne rechtsrh, Nien langtr stellt siel lit ■‘=0 lÄL'L ?etC k Rt 3 l-1 tot qui > r L'««Z X, ft ' $* 'i™ *■ mR o L Z«.. r'»Ä5r$ 6nÄ*X «WZ SaS?9®1 ertnn-- &ä. ttbentnub. ."x^Elellscha!, MfbttoUrk l° NA ^lder Untoerg en dennoch,^ M 2 im Öajfr WL$)rträ* Da- btr Rajot a. $.« W Them jm ""ter den-an, ,'chten Onnttn fruffl 1914 bar ifa Ere der 3*1 n Web^ ftfo liegen. TO nach AvrdwestM en werden. Der g)L, IchrrUen. M Otto, isms Mblgten, mit noch lmes Delhi« >e Truppe tn Dench- llfanderdasAittel- lsmarcksgebirge. 3n- sgebrvchen uü> eine schlmche deitfche L ■ zog sich in die im öüdoslen z M eine treue Süye h zum Mfleastillsllnd h schilderte der Red- Reichtum, die Pflau- die cmsge^ichneta in die treue Anhang- ch die HoffMng aii. «der seine Kolonien Der Dvrtrog wurde ine größere Anzahl ■b anbaltenber Set* [eine intetefjmtm t), drr M W DLMMgartm xb vvr emer auticr- hl (baß grvhe Zell eine ErvsftmgSvor- ^parat an Menschen, r verschiedensten Art, n den Besuchern die >n Kunst zu zeigen urigen der Zickusar- st, huinorillisch- Zirkus Hemiy noch I wirkende Schlager ende Hydrant" Hm tern abend vor oe« ifer Wasser in einen S danach bietet ; aus seinem W Merkte, seine M «ruhe aus einer M eit seines Jg in 2^ L n Lchiehen. eine tfy M ei»»« W*£ ÄJKSEtf .x au oie tri . rxu ^f^^Äun- rhaltnM ä sÄS irtf lnM^ den W' ?«s*- :8*"$ $S"S \?S?S5, ff W JÄti bis iU ZdMkZ t) ein"31 ®«K Ängeb^.A ÄltiS s*ta* am 13. April 1840 aus der gesamten Strecke von Frankfurt nach Wiesbaden der (Verkehr eröffnet Im Iahre 1872 ging die Taunusbahn in den Besitz des preu- fsischen Staates über, der auch zugleich die Verbindungsbahn zwischen Höchst und Bad Soden mit übernahm. fpd. Bad Homberg v. d. H., 2. 2lov. In der Nähe der Saalburg wurde vor fünf Iahren der Forstmeister Dirkenauer aus Ufingen von bisher nicht ermittelten Tätern erschossen. Der „Verein hirschgerechter Taunus- jager" errichtete jetzt in der Nahe des Tatortes aus Quarz st einen des Taunus ein schlichtes Denkmal und axißte dieses heute in Gegenwart vieler Freunde des Ernrordeten ein. Die Forstbehörde war durch Oberforstmeister von Hammer st ein - Wiesbaden vertreten, der auch die Gedächtnisrede hielt wd. Wiesbaden, 2. Nov. In der Weber- gaffe fand am Samstag eine hiesige Angestellte einen Briefumschlag, in dem sich 140 000 Mart und ein Scheck über 15 englische Pfund (ca. 300000 Mk.) befanden. Sie lieferte das Geld an die Verliererin, eine englische Dame, ab und erhielt als Lohn für ihre Ehrlichkeit 40 000 Mark Finderlohn. Handel. Dörsenfeiertag« in (Berlin. Berlin, 2 Nov. (WTB.) Der Dörsen- vorstand hat beschlossen, auch in der nächsten Woche am .Dienstag, Donnerstag und Samstag keine Wertpapierbörse stattsinden zu lassen. Ts werden an diesen Tagen nur Devisen gehandelt. • Berlin, 2. Nov. Börsenstimmungs- bild. Am Devisenmärkte gerieten heute bu Kurse in scharf steigende Bewegung. Am frühen Vormittag setzte Neuyorl mit 4600 und London mit 20 300 ein und zog bann vor der amtlichen Festsetzung bis auf 4900 bzw. 22 000 an. In entsprechendem Ausmaße folgten die Notierungen für die anderen Plätze. Die amtliche Fest.ehuug erfolgte zu den höchsten Tageskursen, und zwar zum Mittelkurs von 4937 bzw. 22 000. Die wieder erwachende Nachfrage, der kein nennenswertes Angebot gegenüberstand und die daher so preis- steigend wirkte, ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß man in Börsenkreisen über das Ergebnis der Verhandlungen mit der Repa- rationstommission bei dem schon so weit vorgeschrittenen Währungsverfall nach den bisherigen Erfahrungen recht skeptisch denkt. In gleicher Weise wirkten auch die Ausführungen des Reichsbankpräsidenten in der Zentralaus- fchußsitzüng über die deutschen Wirtschaftsverhältnisse und die deutsche Zahlungsbilanz ungünstig. Sin Verkehr tn Noten und Effekten hat wieder nicht stattgefunden. In Bankkreisen rechnet man wegen der Devisenpreisfleigerung und des anhaltenden Einganges von Kaufaufträgen seitens des Publlkums mit einem Anhalten der festen Tendenz. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Notierungen. Datum: 1. Woocmber 2. November Geld Brief Geld Brief Antw.-Brüssel . 2'7.- 298.50 310,20 317,10 Holland...... 1785,50 1794,50 1916,20 1924,80 London...... 203,24 204.25 219,45 220,55 Paris....... 322.15 323.85 346.60 348,40 Schweiz...... 822.90 827,10 903,75 908,25 Svanien..... 692,25 695,75 753,- 757,— Italien...... 192,- 193,- 199,40 200,60 Lissabon-Oporto —,— — Dänemark .... 914,20 919,80 987,50 992.50 Noriveaen .... 817,95 822.05 902,70 907,30 Schweden .... 1201,95 1208,05 1321,65 1328,35 Heliinafors. ... — Neunork...... 455140 4573,90 4975,- 5000,- Deuisch-Oesterr. 5,73 5.77 6.22 6,28 Budapest..... 179,90 1*0.10 197,30 197,70 Vraa........ 143,22 144,02 156,10 156,90 Sofia....... Märkte. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 2. Nov. Im Einklang mit den scharf anziehenden Devisenpreisen erhöhten sich auch die Forderungen für Getreide im Produkten- veriehr. Die Käufer verhalten sich bei der ge« (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Darthou über die Rufgaben der Reparationt- kommission in Berlin. Paris. 2. Nvv. (WTD.) Der Berliner Dertreter der „Ehicagv Tribüne"meldet, daß Darthou gestern morgen ihm in einem Interview erklärt habe, die Kohlen» frage, die Frage des Ruhrgebietes und die Moratoriumsfrage werde der Brüsseler Konferenz Vorbehalten bleiben. Die (Reparation^» kommission sei nach Berlin gekommen, das deutsche Budget zu revidieren, Maßnahmen zur Stabilisierung der Mark voczuschlagen und soweit als möglich eine Finanzkontrolle einzurichten. Am da- Abkommen von Mudania. Paris, 2. Nov. (WTB.) Nach einer Havaömeldung aus London haben sich die alliierten Regierungen darüber verständigt, daß die Bestimmungen des Abkommens von Mudania respektiert werden sollen. Sie haben auf Grund von Nachrichten, die ihnen aus Konstantinopel zugegangen sind, beschlossen, bei der Regierung von Angora dieserhalb Vorstellungen zu erheben. Die Pforte wird in Lausanne durch die kemalistische Delegation vertreten. Paris, 2. Nov. (WTD.) Eine Havasrnel- bung aus London besagt, eins von den nachmittags eingegangenen Telegrammen aus Konstantinopel meldet, in offiziellen Kreisen werde erklärt, daß die Pforte feinen Vertreter zur Lausanner Konferenz entsenden werde. Dem Telegramm zufolge erkennt der Sultan die kemalistische Delegation an. Die Antwort Poincares an Mussolini. Paris, 2. Nov. (WTD.) Ministerpräsident P v i n c a r e hat an Mussolini auf dessen Telegramm von seinem Amt: antritt geantwortet: Ich danke Ihnen für Ihr liebenswürdiges Tele° ?;ramm. Ich freue mich. Ihnen versichern zu omren, daß die Regierung der Republik auch fernerhin mehr als je den Gedanken der Waffenbrüderschaft und der Aufrechterhaltung der Solidarität treu bleiben wird, welche dem Kriege eine siegreiche Wendung gegeben haben. Biickertisch. — Fröhliche Woche mit Freunden Don Dörries, Freiherrn von Münch Hausen. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) — .Fröhliche Woche mit Freunden" nennt Dor- ries. Freiherr von Münchhcvu'sen sein erstes Prosa- buch. In sieben Abschnftten, als an sieben Abenden einet Woche die von Montag bis zum Sonntag reicht, plaudert der liebenswürdige Grundherr des Wiesenschlosses mit seinen Freunden: erzählt von sich, seinem Werdeit, Erleben und Schaffen, von (Begegnungen mit Gleichstrebenden und Andersgerichteten, Dichtem, Künstlern and Vaganten, macht unS mit fernen Dr iefschätzen bekannt, berichtet von seinen Vortragsreisen, von feinen ersten Kriegscrlebnissen, von den Gästen des Wiesenschlosses. Der fröhliche Plauderen gleicht am meisten dem Lyriker Münchhausen, dem stillen, nachdenklichen Stiimnungsmensch^n und dem Dichter jener heiteren ländlichen Idyllen, die vornehmlich dem letzten VerSbuche Münchhausens »Schloß, in Wiesen" eine besondere Prägung gaben. spannten Marktlage sehr vorsichtig. Bei Weizen zwingt das knappe Angebot die Mühlen zur Dezahlung der hohen Forderungen. Dom Inlande bezieht sich das Angebot nur auf Material, da- zur Beschaffung dringender Geldbedürwisse, oder wegen Dispositionszwanges abgestoßen werden muß. Die Mehlpreise stellen sich bei kleinem Angebot und kleinen Llmsähen beträchtlich höher. Don Kleie wird böhmische Ware stärker gekauft. Frankfurter Schweine» und Kleinviehmartt. Frankfurt a. M.. 2. Rov. (Amtlich) Marktverlauf. Kleinvieh bei lebhaftem Handel ausverkauft; bet geringe Schweineauftrieb hinterläßt bei sehr langsamem Handel noch Ucberflanb. Im einzelnen ist zu bemerken. Aufgetrieben waren: 502 Kälber, 711 Schafe und 272 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten, von 18 500—20 000 Mk., mittlere von 17 000 bis 18 500 Mk., geringe von 15 000—17 000 Mk., geringste von 13 000—14 600 Mk.: Schafe hm 8600—14 500 Mk.: Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht von 30 000—35 000 Mk., von 80 bis 100 Kilo von 36 000-40 00) Mk., von 100 bis 120 Kilo von 40 000-43 000 Mk., von 120 bts 150 Kilo von 40 000—43 000 Mk.: Fettschweme über 150 Kilo von 40 000 -43 000 Mk. Außerdem wurden 87 Rinder ohne amtliche PreiSnotierang gehandelt. Die Preise liegen um soviel über ben Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn tn sich schließen. Saal. Fastnacht hatte seinen Höhepunkt erreicht — Karneval am Rhein. Arn tollsten waren die Dichtrheinlander. Die anderen schwammen tn dieser Luft behaglich und leicht dahin, wie von Schwingen getragen. Gegen vier Ußr fuhr Grete mit Den acht Schwarzbefrakten in eine Dar. Don diesem lon- fetttbeft reuten Lokal wußte sie mch^. mehr, als daß es Duhenscheiben gehabt unb Daß man Kaviar auf, kleinen Fäßchen serviert und Lutz Schnäpse gemischt hatte. (Beim Morgengrauen ftrhr ein geschlossener Landauer durch dic leere Kurhausstraße, gerade als die ersten (Bäcferjungen erschienen und die Straßenkehrer'den schmutzigen Schnee fortzuschaufeln begannen. »Liebst du mich denn wirklich, ßufo ?“ „Aber Grete, wie oft hab' ich dir das heute schon gesagt." Aber sie konnte es nicht oft genug hören. — „Wirst du mir auch immer treu bleibenT „Immer," versicherte Lutz, und die a>eiche, schlanke Gestalt, schmiegte sich fester tn feinen Arm. Sie schauten hinaus in den Aschermittwoch, der eben graute. „Ewig treu, schwör es mir, Lutz." ilnb Lutz schwor ihr dasselbe, was er allen Frauen geschworen hatte. Sie wollten das nun einmal so. • Währenddessen durchstreifte Emst das verregnete Eppenhausen. Es war Schlackerwetter ein- getreten, der Regen verwandelte die beschneiten Gassen in schwimmende Pfützen, und man mußte sich dicht an den Häusern hallen. Das Städtchen hatte weder Straßenbahn noch Droschken, und er mußte eS von einem zum anderen Ende durchqueren, um einen Magistratssekretär aufzusuchen, der ihm geschrieben hatte, daß er feine Aktien unbedingt verkaufen wolle. Als er den Marktplatz erreichte, sah er einen Herrn in einem gelben Aeberziehcr auf sich zukommen, der, eine Mappe unter dem Arm, unter seinem Schirm vorsichtig neben den Hausmauern einhertrippelte. Das muß der Magistratssekretär sein, dachte Gmst, und er ging auf ihn zu. Er war es. Unb Emst konnte gleich auf offener Straße sei Plädoyer beginnen — was tat man alles für solche verdammten Aktien! Er suchte dm mißtrauischen Mann zu überzeugen, daß er sich selber nur schade, wenn er jetzt feine- Eppenhausener mit Verlust ab stieß. Im Frühjahr gaben sie sicher hohe Prozente und hatten einen besseren Kurs, wenn er wenigstens bis dahin wartete ... Endlich hatte er den Argwöhnischen soweit. ES war einer der wilden Amateurbörfenspekulan- ten, die nach einem an Stammtischen, in der Dahn oder sonstwo aufgefangenen Wort irgendein Papier kauften, von dem man hohe Gewinne erhoffte. „Auf Ihre Verantwortung, Herr Doktor." „Die nehme ich auf mich." Emst verabschiedete sich. „Also, bis nächstes Frühjahr, nicht wahr, Herr Schmahl?" Er ging Weller, als er plötzlich dicht vvr sich die alte Kirche hellerleuchtet sah unb eine Menge Menschen bemerkte, die unter ihren Schirmen der Kirche quellten. An den Türen Derfünbeten grüne Zelle! die Aufführung der Matthäuspassion. Ohne sich zu besinnen trat er ein. (Fortsetzung folgt.) SSermtiGjiess. 40 000 Studenten auf Arbeit gegangen. Berlin, 2. Rov. 3n d-en letzten akademischen Ferien sind der „Bossischen Zeitung" zufolge von rund 90 000 Studenten 40000 auf 2lrbeit gegangen, davon 15000 in die Bergwerke. Verhaftung einer raffinierten Diebin. Mannheim, 2. Rov. (Wolff.) Die 25 Zähre alte Ehefrau Ruth Förster geb. Horn- berg aus Silberhütte, die sich in Frankfurt als Dienstmädchen verdingt hatte und kurz danach unter Mitnahme von Wertgegenständen im Werte von 900 000 QJlart verschwand, ist hier im Parkhotel verhaftet worden. Großfeuer. — 7 Menschen verbrannt. Oggersheim, 2. Rovbr. (WTD.) , die Mühle König u. Herf in Oggersheim ist in der vergangenen Rächt einem verheerenden Grobfeuer zum Opfer gefallen. Den vereinten Anstrengungen der verschiedenen Wehren ist es ge- lungen, den Brandherd auf die Mühle selbst zu beschränken. Bei dem Versuch, das im Keller lagernde Mehl zu bergen, kamen fünf Feuerwehrleute und der Obermüller Wacht- bücher ums Leben. Der Keller stürzte, als kaum drei Zentner Mehl geborgen waren, 'zusammen und begrub die sechs Menschen unter den Trümmern. Cs besteht wenig Hoffnung, die Verunglückten noch lebend zu bergen, da die glühenden Holz- und Eisenteile den Bergungsarbeiten Schwierigkeiten entgegensetzen und neue Einstürze zu befürchten sind. Der teilweise durch Versicherung gedeckte Schaden dürste sich auf weit über25MillionenMark belaufen. Bautzen, 2. Rov. (WTB.) 3n Gröditz bei Weihen berg in Sachsen brannte heute früh das der Frau General v. K r a u h gehörige, aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloß völlig nieder. Bei der Hilfeleistung wurde ein junger Wann verschüttet und verbrannte. Die Entstehung ist auf unvorsichtiges Umgehen mit einem elektrischen Plätteisen zurückzuführen._____________ Hamburg, 2. Rov. (WTB.) Wie das Hamburger Fremdenblatt" meldet, wurden dem Geheimrat Durmester, dem bekannten Geiger, gestern abend im Hotel aus seinem Koffer BalutenimWertevon 1 0 Mil- l i o n e n M a r k g e st o h l e n. Auf die Entdeckung des Täters hat Burmester eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt. Schwere Stürme auf dem Meere. Paris, 2. Rov. (Wolff.) Rach Meldungen des Rew-Bvrk Herald" aus Lissabon sind indenStürmender letzten Woche an der portugiesischen Küste über 200 Fischerboote untergegangen. Hamburg, 2. Rov. (WTD.) Rach einer hier 'eingetroffenen Radiomeldung hat der auf der Fahrt nach Mexiko begriffene Hamburger Dampfer „Elfe Stinnes 3 2 Rkann der Besatzung des untergegangenen französischen Segel- schlffes „Eorfarre' gerettet und auf der, Azoren gelandet. Masfenverhaftungeu an der „Schwarzen Börse" in Warschau. Warschau, 2. Rov. (Wolff.) Blätter- Meldungen zufolge hat die Warschauer Polizei gestern und heute massenhaft Verhaftungen an der sogenannten „Schwarzen Börse" (inoffizielle Börse) vorgenommen. Große Beträge in fremden Valuten wurden beschlagnahmt. Husten mit Auswurf müssen Sie schnellstens beseitigen. Wir raten Ihnen, aus 50 Gramm echtem Fagofot-Extrakt durch Aufkochen mit */« Pfund Zucker und 7« > Wasser eine preiswerte, prompt wirkende Hustenmedizin selbst herzustellen. Echter Fagofot-Extrakt ist sicher erhalt, lich: Universitäts-Apotheke zum goldenen Engel, Marktplatz. 9521ss wo 010130 Lollar, den 2. November 1922, Danksagung. Allen, die bei dem herben Verluste mit uns trauerten, insbesondere für den aufrichtigen Trost des Herrn Pfarrers am Grabe, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Ottilie Schwalm geb. Horn und Kinder. Todes-Anzeige. Heute nacht entschlief sanft und unerwartet mein herzensguter Mann, unser heißgeliebter, treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Gottfried Dörr Boten meister i. R. im 68. Lebensjahr. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen: Lina Dörr Wwe. Familie Heuser Familie Hamm. Gießen, Frankfurt, den 1. November 1922. Die Beerdigung findet Samstag, den 4. November, nachmittags 3 Uhr statt. 010143 W 7 rv-v 1 ■ H A w Für die vielen Beweise der Teilnahme an ihrem schweren Verluste sagt auf diesem Wege allen herzlichen Dank Zamilie Andreas. Gießen (Schulstr. 7), 3. November 1922. 9743 Bedeutende kapitalkräftige Lackfabrik sucht Interessengemeinschaft oder Beteiligung an gut eingerichteter Farbenfabrik evtl, auch Kauf einer ausdehnungsfähigen Anlage. — Schriftliche Angebote unter 9735 D an den Gießener Anzeiger erbeten. 2 Zimmer und Küche auch möbliert, von kinderlofemEhevaar sofort ob. später ge- such:. (Eigener-£>e । b vorhanden. Schrillt. Angeb. unter 010133 an den Gieß. Anz. Junger Mann sucht zwei schön möbl. Zimmer mit elektrischer Beleuchtung, Heizung unb toomöiil. auch Telephon. Sckrifil. Angeb. n. 010129 an den Gies;. Anz. erb. Zwei Ausländsdeutsche suchen gut möbliertes Zimmer gegen beste Bezahlung. Angeb. unter F. K. an 010126 Hotel Kobel. Ent möbliertes» Der Plan über die Herstellung einer oberirdischen Telegraphenlinie an demWeg „Hinterm Ehrbügel" in der Gemarkung Hungen liegt bei dem Postamt in Hungen von heute ab 4 Wochen aus. Gießen, den 4. Rovember 1922. Telegraphen-Bauamt. 9738D Bullenverkauf. Ein abständiger Simmentaler Dulle der Gemeinde Oppenrod soll im Sub- missionswege verkauft werden. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Donnerstag, den 9. Rovember I. Fs.» nachmittags 17, Uhr. an unterzeichnete Stelle einzureichen, woselbst die Derkaufs- bedingungen bekannt gegeben werden. Gleichzeitig kauft die Gemeinde einen schönen sprungfähigen Bullen derselben Raste. Angebote unter Angabe des Alters und Verkaufspreises sind bis zu demselben Termin an uns einzureichen. 9741D Oppenrod, den 2. Rovember 1922. Bürgermeisterei Oppenrod. Balser. Simmet mit elektr. Licht geg. gute Bezahlung per sofort ges. (Eigene Bettwäfie.) Schr. Angeb. unter 010124 an den Gieß Anz. Sehr solider Herr sucht 010139 mMttlts 3111«. Gest. Angebote an d. Herrn Verwalter der Gewerbeschule. Tüchtiges, ehrliches Mädchen für sofort gesucht. 010125 Scheiter, Scbulstrahe 11. Theaterverein An die Einlösung der Mitgliedskarten für die Opernvorstellungen wird hiermit erinnert, was bis morgen Samstag spätestens zu erfolgen hat, da sonst über die Stammplätze ander- weitig verfügt werden muß.9742v Warnung! Die Unterzeichneten geben bekannt, daß fioötenffiute-, Mer-, £imonaöe- unö WbeWMen uumliNW sind und jeder Mißbrauch gerichtlich verfolgt wird. Alle Personen,, die uns derartige Fälle zur Anzeige bringen, etüßlltn eine öolje Betonnung. Alle Flaschen sind nur im Pfand und müsten nach Entleerung franko zurückgeliefert werden. Fehlende Flaschen sind zum jeweiligen Tagespreise abzüglich Pfand zu ersetzen. Ebenso dürfen derartige Flaschen zu anderen Füllungen nicht verwendet werden. 010123 Gießen, 1. Rovember 1922. MMeinWeMmMM' Wlet hbö -MilKA. »782D llllllllllllllllllllllllllllllllllll wmei “ä in di vom "ande, für GeiverbZ mastige Lohn. auch vom Lande, für Täglich ununterbroch.Raub- tierschau, sowie von 10 bis 12 Uhr große Probe! "TM Tägli 8 I Vorverkauf Zig. Gesch. Petersen, Marktplatz, u. ab 10 Uhr ununter- hrochen an den Zhkus-Kassen tagsüber ob- stundenweise gesucht. 9756 Lange, Nahrungsberg 8. Stellenvermittlung Sophie Diilier, Neustadt 50. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Der europäische niitn u. Bailey Gießen, Oswatdsgarten! to lMer WWi ElelllMM für Licht- und Kraftanlagen kann sofort eintreten. Gelernter Schlosser oder Spengler bevorzugt. 9708D zns1MmSgksWJWs,sWcit. Hoher Lohn «iiWOlges VeiWnitzlsgeWen! bietet kleiner Haushalt 0101,0 tüchtigem zuverlässigen ehrt. Mädchen. Wegen Erkrankung d. fetz. Mädchens kann Antritt sofort oder später erfolgen. 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