Nr. 180 Erscheint ILgllch, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monatltchevezugrpreife: Mk. 29. - und MK.3.- Trägerlohn,durch dieDost Mk. 32.—, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrist- Teilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Erstes Blatt tZ2. Jahrgang Donnerstag, 3. August 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und vtrlag: vriihl'sch« Unio.-Vuch- und Stclndruckerei N. Lange. Schristleitnng, Seschästrstelle ufiö Druckerei: Lchulstratze Z. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500 Ps. Bei Platz Vorschrift 20 »/.Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil: Hans ’ßeck sämtlich in Bietzen Die englische Note an die Schuldner-Nationen. London, 1. Aug. (WTB.) Heule abend wurde der Wortlaut der von Balfour unterzeichneten Bote veröffentlicht, die dem französischen und italienischen Botschafter sowie den Gesandten von Jugoslawien, Rumänien, Portugal und Griechenland übermittelt worden ist. Auch der amerikanische Botschafter erhielt aus Gründen der Höflichkeit eine Abschrift. Wie das Reutersche Bureau meldet, ist die Rote von Balfour abgefaßt und von der Gesamtheit der Kabinettsmitglieder gebilligt worden. Die Rote besagt u. a.: . Die Frage der französischen (italienischen usw.) Schulden an England sei bisher noch nicht Gegenstand einer formellen Mitteilung zwischen den beiden Regierungen gewesen und die britische Regierung habe nicht den Wunsch gehabt, sie im gegenwärtigen Augenblick aufzuweffen. Mit Rüchicht auf die neuen Ereignisse indessen fühle sich die britische Regierung genötigt, ihre Auffassung gewisser Seiten der durch den gegenwärtigen Stand der internationalen Derschul- dung geschaffenen Lage darzulegen. Die Schulden an Grohbritannien betrügen gegen- toärtig 3400 Millionen Pfund Sterling, näiÄich 1450 Millionen Pfund seitens Deutschlands, 650 Millionen seitens Rußlands und 1300 Millionen von den Alliierten. Andererseits schuld« Großbritannien den Vereinigten Staaten etwa ein Viertel dieser Summe, etwa 850 Millionen Pfd. Eine internationale Besprechung dieser Lage habe bisher nicht ftättgefunben, und bis zu ihrer Regelung, die an die Wurzeln des Problems gehen werde, habe die britische Regierung stillschweigend davon Abstand genommen, irgendwelche Forderungen an die Alliierten wegen der Zinszahlung oder der Amortrsation zu stellen. Diese Haltung sei nicht zurückzuführen auf eine Unterstützung der aus diesem Zustand sich ergebenden Tlebel, auch nicht aus der Abneigung, S.-vße Opfer zu ihrer Beseitigung zu bringen. m Gegenteil sei Großbritannien bereit, alle ihm von den Alliierten geschuldeten Anleihen mid die ihm von Deutschland geschuldeten Reparationen zu annullieren, wenn eine solche Politik den Teil einer befriedigenden internationalen Regelung bilden würde. Die neuerdings eingetretenen Ereignisse machten indessen die Verwirklichung einer solchen Politik schwierig. Die amerikanische Regierung habe England aufgefordert, die seit 1919 rück ständigen Zinsen feiner Schulden an Amerika zu bezahlen, die Schulden zu fundieren und binnen 25 Jahren zurückzuzahlen. Die britische Regierung erkenne die Berechtigung dieser mit großer Heftigkeit gestellten Forderungen an, sie sei bereit, ihre Verpflichtung zu erfüllen, aber sie könne dies nicht tun ohne das Verfahren, das sie unter anderen Umständen zu befolgen beabsichtigt hätte, von Grund auf abzuändern. Sie könne die amerikanische Anleihe an England nicht als einen isolierten Teil betrachten. Die Anleihe bilde nur einen Teil eines zusammengehörigen Systems von finanziellen Transaktionen. Wenn die unzweifelhafte Verpflichtung Großbritanniens als Schuldner durchgeseht werden solle, könnten seine un° zweifelhaften Rechte als Gläubiger nicht völlig bei Seite gelaffen werden. Die britische Regierung unternehme diese Aenderung in ihrer Poli- nur ungern, denn die Alliierten seien die ^ellnshmer an dem größten internationalen Äampf für die Sache der Freiheit geliefert. 3f>tc Qlnleuje seien für eine gemeinsame Sache ausgenommen worden. Zu den zahlreichen Wirt- schaftsubeln unter denen die Welt leide gehöre die internationale Verschuldung und deren verhängnisvolle Rückwirkung aus die Kredite und Wechselkurse, auf die internationale Produktion und den internationalen Handel. Die Volker aller Länder sehnten sich nach einer schleunigen Rückkehr zu einer normalen Lage, aber wie konnte eine solche Lage erreicht werden, solange derartige anormale Zustände herrschten. Wie könnten diese Zustände beseitigt werden durch solche Heilmittel, mit deren Anwendung man im Augenblick rechnen forme? Die bisher von England befolgte Politik sei nur erträglich. solange sie allgemein befolgt werde. Es sei nicht gerecht, daß ein Teilhaber der gemeinsamen Unternehmung alle; erhalten solle, toaS er ausgeliehen haoe, und ein anderer Teilnehmer nichts erhalte und gleichzeitig alle seine Schulden befahlen solle. Ein solches Verfahren wäre ungerecht. Wenn die auf dem britischen Steuerzahler liegende Last noch vermehrt würde, würde er sicher fragen, warum die anderen feinen Anteil daran haben sollten. Während aber die britische Regierung zu ihrem Bedauern gezwungen ist. die französische (italienische usw.) Aeg.errng zu ersuchen, Vorkehrungen zu treffen, um nach ihrem besten Ver- nrbgen hinsichtlich ihrer Schulden an Großbritannien zu handeln, wünsche sie zu erklären, daß der Betrag der Zinsen und der Amortisatirn. mn den sie erfid)t, nicht so sehr v>n dem hängt. was Frankreich unb tie anderen. Alliierten ©Loßbiltannten schulden, als vielmehr v>n dem. was Großbritannien an Arne- rita zu zahlen t> a t. Wie bereits bemerkt, geht die von der britisch«, Regierung begünstigte Politik dahin, au*) ben britischen Anteil an den deutschen Reparationen z r verzichten and durch eine gleiche Transaktion die Gesamtheit der internationalen Schulden abzuschreiben. Wenn dies sich indessen als unmöglich erweisen sollte, müssen wir erklären, daß wir keines- I falls wünschen, aus irgendeiner weniger befriedigenden Heberemfunft Vorteile zu ziehen. Unter keinen Am ständen beabsichtigen wir, mehr von unseren Schuldnern zu verlangen als notwendig ist, um unsere ©laubiger S u bezahlen. Mehr verlangen wir nicht; aber feder wird zugeben, daß wir uns mit weniger schwerlich begnügen können, denn es soll nicht vergessen werden, obgleich es zeitwellig geschieht, daß wir unsere Verpflichtungen um anderer und nicht um unser selbst willen eingegangen sind. Die britischen Kriegsausgaben und die Hälfte der Anleiheri an die Alliierten wurden nicht durch auswärtige Anleihen, sondern durch innere Anleihen und Steuern aufgebracht, da andere Staaten leider ein gleiches Verfahren nicht einschlagen konnten, mußte Großbritannien bei den Vereinigten Staaten Bürgschaft für sie leisten. Der Schluß der Rote lautet: Weiter oben wurde dargelegt, daß das Pro- blem der internationalen Schulden nicht nur die Alliierten untereinander angebt; die vormals feindlichen Länder sind auch darin verwickelt. Der größte internationale Schuldner ist Deutschland. Run schlägt die britische Regierung nicht vor, daß aus Gründen der Gerechtigkeit oder Zweckmäßigkeit Deutschland seiner Verbindlichkeiten gegenüber den anderen Alliierten enthoben werden soll. Großbritannien begnügt sich damit, nochmals zu erklären, daß es von den wirtschaftlichen Schäden, die der Welt durch den gegenwärtigen Stand der Dinge zugefügt werden, so tief überzeugt ist, daß England (unter Vorbehalt der gerechten Ansprüche anderer Telle des Reiches) bereit sein würde, jedes Anrecht auf die deutschen Reparationen und alle Forderungen auf Rückzahlung durch die Alliierten aufzugeben, vorausgesetzt, daß dieser Verzicht einen Teil eines allgemeinen Planes bildet, unter dem dieses große Problem als Ganzes behandelt würde und eine befriedigende Lösung finden könnte. Die allgemeine Regelung würde nach Ansicht der brlli- schen Regierung von größerem Wert für die Menschheit fein als irgendwelche Vorteile, die aus einer noch so erfolgreichen Eintreibung recht- mäßiger Verbindlichleiten erfolgen könnten. Der neue ReparationsvorschLag PoinearLs. Paris 3. Aug (WTB.) Der „Petit Pa- tifien" berichtet über den französif chen Re- parationsplan. den Poincarö nächste Woche in London entwickeln wolle. Ob zwar das Blatt nichts genaues wisse, sagt es, es ser nicht schwer, diesen Plan zu erkennen. Dieser Plan enthalte zwei Teile. Der erste beschäftigte sich mit der Festsetzung der definitiven deutschen Schuld und der zweite befasse sich miLben Kontrollmaß- nahmen. D ie deutsche Sichuld. wie fte am 5. Mai festgesetzt worden sei, werde nach diesem Plan in 2 Teile geteilt. Der erste Teil "bestehe aus dem Betrag der Obligationen der Serien A und B and betrage also 50 Milliarden Goldmark. Dec zweite Teil bestehe aus dem Betrage der Obligationen der Serie C und erreiche also die Summe von 70—85 Milliarden Goldmark. Der erste Teil der deutschen Schulden soll für realisierbar erklärt werden. Unter dem zweiten Tüll sollten je raßdem, wie die Maß- nahmen durchgeführt werden könnten. Beträge gestrichen werden. Der erste Teil der deutschen Schulden in Höhe von 50 Milliarden Goldmark müßte1 dann aber ausschließlich für die Reparationen verwendet werden. Sie Mobilisierung soll erfolgen durch internationale Anleihen, und es soll gleich im ersten Stadium der Zahlungen feflgelegt werden, daß die Sachlieferungen nur 31 Proz. des Gesamtbetrages der Schulden ausmachen können. Als Kontroll° maß nahmen feien vorgeschlagen eine Währungsreform, also eine Stabilisierung der deutschen Mark und ferner eine Kontrolle der Zoll- einnahmen, damit diese direkt dem Garantieausschuß übermittelt werden könnten, und endlich eine Abgabe vom Kapital, beispielsweise derart, daß 25 Proz. vom Kapital der deutschen In- durstiegesellschaften vom Reiche eingezogen würden. Das seien einige der Initiativen, die es gestatten würden, mit Hilfe der alliierten Regierungen die Finanzvormunr^aft über Deutschland aufzurichten, um den Tag abzuwarten, an dem Deutschland in der Lage sein werde, im Ausland Geld aufzunehmen, wodurch diese Bevormundung der Alliierten fallen und auf die Inhaber der deutschen Schulden übergehen werde. Wichtige Besprechungen in ernster Stunde. Berlin, 2. August. (WTB.) Amtlich. In der Reichskanzlei fand heute eine Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern der Koalitionsparteien, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Volkspartei und der Unabhängigen über die politisch? Lage statt. In der Aussprache stimmten die Parteiführer mit der Regierung darin völlig überein, daß die gespannte innere und auswärtige Lage des Reiches die ruhige Entschlossenheit der Regierung und des ganzen Volkes erfordert. Berlin, 3. Aug. Nach einer Korre- spondenzmeldung des „Vorwärts" trat die Regierung in den ersten Rachmittagsstunden zu einer Besprechung der Rote und im Zusammenhang hiermit zu einer Besprechung der Gesamtsituativn zusammen. Das Ka-i binett war übereinstimmend der Auffassung, daß nach wie vor ein Grund zur Aenderung! der Auffassung, die in der letzten Rote an die französische Regierung zum Ausdruck gebracht wurde, nicht bestehe und insofern eine Begleichung der französischen Forderungen nicht in Frage kommen kann. Poincarss „Ausgleichsmaßnahmen". Paris. 2. Aug. (WTB.) Aach dem „Intransigeant" soll Poincarö im Zusammenhang mit seiner Rote zu der Frage der Ausgleichszahlungen an die Beschlagnahme des Besitzes einiger deutscher Großindustrieller denken, deren Eigentum oder Bureaus im besetzten Rheinlande liegen oder auch sogar an die Beschlagnahme des Besitzes deutscher Staatsangehöriger, die gegenwärtig im Elsaß und in Lothringen wohnen. Hierzu könnten polizeiliche Desetzungsmaßnahmen im Ruhrgebiet kommen. Die neue londoner Konferenz. London, 2. Aug. (WTB.) Reuter erfährt, daß die italienische Regierung heute morgen offiziell mttgeteilt hat, daß der italienische Außen- mmiftcr Schanzer am Montag in London ein treffen werde, um an ber Konferenz teilzu- nehrnen. London, 2. Aug. (WTB.) Reuter erfährt, daß die englische Regierung arnllich unterrichtet worden ist, daß Poincaröarn nächsten Montag in London eintreffen werde. Belgien werde durch Ministerialpräsident T h e u n i s und Außenminister Ja spar vertreten sein, Italien durch den italienischen Botschafter in London, Dr. Giannini. Es wird für sehr wahrscheinlich gehalten, daß der Minister des Aeuhern Scha n- zer und Finanzminister Carators Italien vertreten werden. Das Kabinett Facta. Rom, 2. Aug. (Wolff.) Stefani. Der Charakter der Politik des neuen Kabinetts de Facta hat sich nicht geändert. Das Kabinett besteht auch fernerhin aus Demokraten, Reformisten und Vertretern der katholischen Vvlkspartei und der Rechten. Ausgeschlossen sind, wie im vorigen Kabinett, Fascisten und Sozialisten. Die neuen Minister und Deputierten Paratore, Alessio, Luciani und Saleri gehören den demokratischen Gruppen an. Die Ernennung des Senators Taddei, des Präfekten von Turin, zum Minister des Innern bekundet die Absicht der Regierung, eine 'Beruhigung des Landes herbeizuführen. Eine englische Verteidigungsluftflotte? London, 2. Aug. (WTB.) Dem „Daily Chronicle" zufolge verlautet von zuverlässiger Seite, die Regierung beabsichtige, eine Verteidigungsflotte von insgesamt 400—5OOFlugzeugen zu schaffen. Die Frage der Luftverteidigung Englands hatte in den letzten Wochen die Londoner Presse aufs lebhafteste beschäftigt. Der Konflikt im Nahen Orient. Paris, 2. August. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Konstantinopel ist dort trotz des energischen Eingreifens der Verbündeten die Erregung im Wachsen begriffen. Die ganze Bevölkerung des europäischen Ufers möchte nach der asiatischen Küste hinüber, so daß die Interalliierte Polizei die Qkrbmbung zwischen beiden Ufern habe sperren müssen. Den letzten Rachrichten aus Tschataldscha zufolge fanden mehrere Scharmützel zwischen türkischen Gendarmen und griechischen Posten statt. Trotzdem die Al- liiierten es verboten hätten, wandere die Bevölkerung der ümgegenb nach Konstantinopel aus. Die bayrische Antwort. München. 2. Aug. (WTB.) Die Antwort, die Graf Lerch en selb im Rainen der bcchri- schen Staatsregierung auf den Brief des Reichspräsidenten zu geben gedenkt, ist im Einvernehmen mit den Regierungsparteien heute fertiggestellt worden -und toteb morgen dem Reichspräsidenten überreicht werden. Wie die „Voss. Ztg." aus München erfährt, hat der Vorsitzende der Bayerischen Mittelpartei, Hilbert, nachdem die vom Kabinett vorgeschlagene Fassung der Antwort an den Reichspräsidenten bereits genehmigt war, festgestellt, daß der Schlußsatz, in dem in versöhnlichem Sinne daraus hingewiesen wird, daß durch die bayrische Verordnung die materiellen Bestimmungen zum Schnitze der Republik in Bayern zur Durchführung gelangten, zu Bedenken Anlaß gebe. Die Erweiterung der bayerischen Koalition. München, 2. Aug. (WTB.) Die Verhandlungen über die Erweiterung der Koalition in Bayern durch Hereinnahme der Mittelpartei erfuhren heute insoiveit eine Klärung, als der bayrische Bauernbund entgegen dem gestrigen Beschlüsse sich heute damit einverstanden erklärte, daß auch die Mittelpartei noch vor dem Landtags- schlusse in die Regierung eintritt Die Verhandlungen mit der Mittelparter schweben zur Zeit noch. Ueberstcht über die Lage des Handels in den Vereinigten Staaten am Ende des Fiskaljahres.. (F. P. S.) Ein beträchtliches Maß von Tätigkeit und ein ausgesprochener Optimismus charakterisieren die Handels- und industrielle Lage um die Wende des Fiskaljahres. Cs ist nicht zu leugnen, daß die immer stärkere Abnahme der Kohlenvorräte und die Aussicht auf große Streiks in der Folge des am 1. Juli (wenigstens teilweise) begonnen Streiks der Eisenbahnwerkstättenarbeiter Anlaß zu einiger Besorgnis gegeben haben, aber trotz alledem scheint die Allgemeinstimmuna durchaus hofnungsvoll. Man glaubt, daß ernstere Gefahren in der Folge des Eisenbahnarbeiterstreiks zu vermeiden sein werden; wenn man freilich Ende Juni noch glaubte, daß die Regierung einen Ausweg aus den Schwierigkeiten des Bergarbeiterstreiks finden würde und daß die Eisenbahner nicht wagen würden, mit Ihrer Streikdrohung ernst zu machen, so dürfte diese Hoffnung sich nicht als berechtigt erwiesen haben. Dazu, daß auch fernerhin der Handel recht aktiv geblieben ist, haben am meisten bei- getragen die Vorferiennachftage nach Saison- artikeln: die besseren Rachrichten über der Stand der Baumwollfelder infolge des wärmeren Wetters, das fortgesetzte Eintreffen von guten Berichten .über die Aussichten für die Getteideernten, mit Ausnahme des Hafers« dessen Stand sich weiter verschlechtert hat, die beispiellose lebhafte Bautätigkeit im Baugewerbe mit ihrer Rach frage nach Baumaterialien, die Befestigung der Preise für Stahl und verwandte Erzeugnisse mit Preissteigerungen für Fertigstahl, Alteisen, Kohle und Koks, endlich die sich häufenden Berichte au? allen Teilen der Staaten über eine zuneh- mende Knappheit an Arbeitskräften, gelernten so gut wie ungelernten. Der Weizenexport im Juni war der größte seit Dezember 1921. Im Ganzen genommen scheint ein vorsichtiger Optimismus die hervorstechendste Rote zu sein, und dies trotz der Lohnkämpfe und der Aussicht auf eine ziemlich lebhafte politische Kampagne noch vor dem Herbst. Wie seit einiger Zeit schon konnnen die günstigsten Berichte über den Handel aus den Getreide-LIeberschuh-Bezirken des Westens, wo die Geneigtheit zu stärkeren Einkäufen unterstützt wird durch den durchgehends günstigen Tenor der Saatenstands- und Crnte- berichte, ungeachtet der Durch das heiße Wetter verursachten Schäden am Winterweizen und des durch unregelmäßig verteilte Riederschläge nicht ganz gleichmäßigen Standes der Felder. Roggen und Sommerweizen stehen gut, und.an Heu ist eine Rekordernte unter Dach gebracht worden. Auch die Berichte über den Handel in der Südstaaten lauten erheblich gebessert, veranlaßt offenbar durch die Besserung der Aussichten für die Baumwollernte und durch die Befestigung der Preise infolge des anaemeldeten weitgehenden Bedarfs der Welt an Rohbaumwolle für das kommende Jahr und der gemeldeten Verrin gerung der Weltbaumwollvorräte. Auch die Berichte von der Pazifischen Küste über Ernte und Ernteaussichten lauten durchaus ermutigend. Von allen Industrien stehen die Zement- und die Automobilindustrie vornean, die beide von einem Rekordabsatz und einer Höchsterzeugung berichten können; im ersteren Falle ist das Riesenbauprogramm für öffenlliche Straßen und Plätze im Gesamtumfang von 40 Millionen Quadratyards ein großes Std mulans gewesen, das noch durch die aktive Rachfrage seitens des privaten Baugewerbes verstärkt worden ist. Für den Textmenmarkt ist die Festigung der Preise das Kennzeichnende. In den Neuenglandstaaten haben die meisten Spinnereien den Betrieb wieder ausgenommen, wenngleich die streikenden Textil- . arbeitet nur langsam zur Arbeit zurückkehren; / die Minderproduktion, infolge der dortigen I Streiks wird auf 250 Millionen Vards geschätzt. Der Seidenhandel berichtet bestens über neue Käufe. Die Rachfrage nach Strümp« fen und anderen Strickwaren ist weiterhin rege, noch lebhafter die nach Woll- und Kammgarn- Erzeugnissen. In der Stahlindustrie ist von höheren Kosten sowohl für Brennmaterial wie für Arbeitskräfte zu berichten, was beides als die Gründe für die geforderten höheren Preise für Fertigerzeugnisse angegeben werden. Drahtstäbe, Stahlbarren und Kesselplatien notieren höher. Die Eisenbahnen treten wieder in grö- )erem Umfange als Käufer von Schienen und rollendem Material auf. Die Kohlenförderung in der letzten Zuniwoche wird mit 5 500 000 Tons angegeben gegen 3 600 000 Tons in der ersten Streikwoche im Aprll; in gewissen Distrikten von West-Virginia sinh' 2Iugen, ttxmote mühsam den Kopf uni> fragte mit erstickter Stimme: „Werden wir Silly noch retten können?" Dann verlieh ihn seine Konst und er sank zurück in tiefe Dcjwrhtloslgkeit. Achtes Kapitel. Auch Perzelius war von der Müdigkeit übermannt worden. Loch erwachte er bald wieder und trachtete vor allem, sich und seinen Gefährten vor etwaigen Aachfletlungen in Sicherheit zu bringen. Die Macht hatte sich sch)n herabgesenkt und über daL schwarze Meer des Himmels schwamm glitzernd die schmale Barle des zunehmenden Mondes. Perzelius zog seinen immer noch bewrtzt-- losen Freund am Strande empor gegen die Wüstenberge hin, wo er unter einem Felsen Schutz und Obdach fand. Dann galt es zu erwägen, wie die verlorene Zeit h^reinzubringm und die beinahe schon aursichtslose Sach: vielleicht di ch noch zu einem grten Ende zu führen wäre. Er glaubte ja selbst kaum mehr an eine Artung der Baronesse, trotzdem wollte er nichts unversucht las'en was in Idrten Kräften stand. 2t rr muhte mit höchster Eile vorgegangen werden. Er machte sich daran, vorerst einmal die Umgebung 51 L urchforschen und sich zu unterrichten, wo er sich eig-mtlich bffa Das Gelände hatte infolge bei Liebe 'schwemmung cii völlig verände tes Au sehen gewonnen rnd d s ganze 2?Utal glich einem schmalen, langgezogLnen Meer. Er überzeugte sich noch einmal, daß Ediard in gutem Verstecke log und watete dann darch den Schlamm nilaufwärts. 2Dasser und Sand war das einzige, was er um sich erblickte, und aus dieser einförmigen Fläche ar fragend die gelblichen Felsen. Wer als er noch keine Stunde gewandert war, erblickte er zu seinem größten Erstaunen oben aif dem zackigen Gestern die ihm bekannten Ruinen vom Omdos, die er in jener verhängnisvollen Rächt vom LIfer aus schon wahr- genommen hatte. Hier in der Rühe also mußte der Eingang zu den Katakomben liegen und jetzt kam es Perzelius erst richtig zu B'.wrhtsein, wie tief und gewrnden diese Gange das dauere des Gebirges durchziehen mißten, wenn man zu der kürzen Strecke, die zwischen Eingang rnd Ausgang lag, fast zwei Lage brauchte. Dennoch gelang es dem Doktor nicht, in der arge. 6 i i.iß g b t nm Schnelligkeit dir Eingangspforte wiederzufinden, denn eine LInzahl von Höhlungen und Rissen durchfurchten die Felsen. Schätzungsweise jedoch konnte er den Ort feststellen, wo die Llferhütte gestanden haben mußte, doch war dort alles vom Wasser überflutet. Wahrscheinlich hatten also die beiden Juden ihre Totengräberware irgendwo anders in Sicherheit gebracht. Rach diesem kurzen Erkundung?gang kehrte der Doktor zu Eduard zurück. Differ war soeben aus seinem ohnmachtähnlichen Schlaf erwacht, 'und seine frühere Spannk.aft kehtte wi dm: zurück. Dec Doktor wies ihn in kurzem an, nach der nächstliegendem Station zu gehen und ein Telegramm cm Len Baron auszug:ben, um diesen über das Rötigste zu unterdchten. Auch sollte er nach Möglichkeit Leb:nSmi.tel m tbringen. Perzelius selbst wollte inzwifchen noch weitere Rachforschun- gen halten. Es waren die Ruinen des Tempels _ fron Ombvs, deren genaue Durchsuchung die nächste Aufgabe darstellte. So stieg der Doktor h-inan zu dem Trümmerfeld versunkener Größe. Er drückte sich hart an die Felsen und spähte umher, denn falls die beiden Huden noch in der Rähe waren, tonnten sie ihn erkennen und fernen ganzen Plan vereiteln. Bald hatte er die steinigen Höhen erklommen und sah unter sich, In unendliche Fernen sich deh- nend, das übeffchwemmte Tal, fror sich aber in riesenhaften Formen auf Tagend die y?r brodelten Säulen d^ Htt igtums. Manche der gewaltigen Schäfte waren umgestürzt, andre standen noch aufrecht, aber zernagt von der Zeit. 3n dem Blattwerr der Kapitelle nisteten Böget, unL Löcher und Schrunden in den Quadern der Wändr deuteten cm. daß hier der Mensch im Wettstred mit den Elementen gearbeitet hatte, um die Denk' mäler einer grauen Bvrzeit langsam der 23ernid>- tung entgcgenz^f.hren. Leise trat der Doktor in die schweigende Hallen. Der Vorhof war fast völlig zerstört, der mittlere und rückwärttge Dell des gigantischen Bauwerkes hatte jedoch im größeren Umfange der Zerstörung getrotzt. Wohl lagen auch dort zerbrochene Säulentrommeln und herabgestürzte Trag stücke des Gebälles. aber hu ganzen konnte man sich noch ein gutes Bild der ehemaligen Anlage machen. Der aufgewühlte Sand, welcher in tiefer Schicht Len Boden bedeckte, verriet dem Doktor, daß chier noch vor kurzem viele Menschen gegangen waren ilm so mehr spannte er seine Aufmerksamkeit, (Fortsetzung folgt) nen L5. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) die Zwecke des Instituts und rechtfertigt der zu erwartende Erfolg eine Millionenausgabe dort oben? Und sind denn m der Umgebung Gießens nicht noch geeignetere Plätze, die ohne so ungeheure Kosten eine Zuchtviehstation aufnehmen könnten? Die Schuhfabriken in den Weststaaten berichten in optimistischem Sinne, die der Reu- englandstaaten wenigstens von einer Wieder - aufnahme der Beschäftigung, wobei sie durch die Herabsetzung der Löhne sich eher in die £agc versetzt seben, mit ersteren zu kondrrie- ren, als chnen bas vor einem Jahre möglich -gewesen war. Gummi ist befestigt auf Berichte hin, daß die Erzeugung auf den Plantagen im Fernen Osten einer Einschränkung unterworfen worden ist. Valentin Müller. Stadtverordneter und Vorsitzercher des Bürger Vereins Gießen. Die Druckströmungen der beiden Depressio- haben nachgelassen. Wir kommen wieder unter den Einfluß hohen Drucks. Zeit zu Zeit, wenn die Aufregungen, die Müh- j1 sale, Sorgen und Aergernisse des Alltags ihm wirkte _ „ , an die Rerven gehen, durch unsere schönen Wäl- | balancierendes schrnales Brett bestiegen und 8U ihm hinauf wandert um dort oben am I sich nach Ätnberart schaukelten. Doch das leuchtenden 2lkorgen oder tn der Stille des herauf-1 waren nicht die eiN/äaen tounberbnren (9t$ Janimemben Abends die Anmut und Schönheit ^r^Dreffuren" wunderbaren Erder Umnoßunn beruhinonh imh ffärfonX m.f iPtS? ,cer. ^reftUteN. M Stowen ms Mk Roman von Ernst Scheitel. der Umgebung beruhigend und stärkend auf Rerven. auf Herz und Gemüt wirken zu lassen. Gr hat das feit vielen, vielen Jahren stets mit Erfolg getan, und Laufenden wird es ebenso gegangen sein und jetzt noch gehen- sie alle — dessen bin ich gewiß — sind mit mir in dem oben ausgesprochenen Wunsche einig! * * Zum Schutz des Stadtwaldes weist eine Bekanntmachung im heuttgen Anzeigenteil auf die Strafbarkeit des unbefugten Weidens von Bieh und des Ablagerns von Schutt und dergleichen hin. * * Zum Fahrraddiebstahl in der Roonsttaße ist noch zu erwähnen, daß das Tvrpedorab die Fabrttnummer 818 880 trägt. Für die Wiederbeschaffung der beiden Räder und die Ermittelung der Täter werden 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. * * 3m Zirkus Heppenheimer fand gestern abend die Eröffnungsvorstel- lung statt. Das reichhaltige Programm unterhielt die vielen Schaulustigen, die sich eingefunden hatten, mehrere Stunden in ab- wechflungSvoller Weife. Man bekam erstaunliche Pferdedressuren und hervorragende Rei- terkunststücke zu sehen. Geradezu verblüffend wirkte es, als zwei zierliche Pferdchen ein Nus dem Reiche. Die Einführung des russischen Botschafters beim Reichspräsidenten. Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Der Reichspräsident hat heute mittag den befrollmäch- tigten Vertreter und Botschafter der russischen Regierung Krestinski, zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Bei dem Empfang war Reichskanzler Dr. Wirth als Leiter des Auswärtigen Amtes zugegen. Botschafter Krestinski führte in feiner 21n» ksprachs unter Hinweis auf den Ver trag von Rapallo aus, daß die Wiederherstellung der früheren regen Handelsbeziehungen im Interesse des wirtschaftlichen Wiederaufbaues beider Länder notwendig erscheine. 2lls ein weiterer Schritt auf dem Wege der Förderung der beiderseitigen wirtschaftlichen Interessen wäre der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland und den mit ihm verbündeten Republiken wünschenswert. Der Botschafter schloß seine AusfüHcungen mit einem Wunsche für das Gedeihen der deutschen Republik und das Wohlergehen des deutschen Dolles. Der Reichspräsident betonte tn feiner Erwiderung das aufrichtige Bestreben der beut» fchrn Regierung, den wirtschaftlichen Aufbau der beiden Länder nach Kräften zu fördern. Der Vertrag von Rapallo, der nur friedlichen Zwecken diene, entspringe dem gleichen Willen. In seinen Bestrebungen, die beiderseitigen wrrtschafllichen Beziehungen zu festigen, könne 2hißlanb der Unterstützung der deutschen Regierung versichert sein. Es .sei aber notwendig, hierbei die in Deutschland herrschenden Wirtschaftsverhältnisse zu berücksichtigen. Mit einem Dank für die Wünsche Krestinskis schloß der Reichspräsident seine Rede. Um den Schiffenberg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Zu den Ausführungen des Herrn Professor Krämer in einer der letzten Rümmer des „Gieß. Anz." mögen nachfolgende kurze Bemerkungen gestattet sein: Wir wollen die guten Absichten des Herrn -Prof. Krämer nicht in Zweifel ziehen. Aber sobald die Pläne der Errichtung einer Zuchtviehstation auf dem Schiffenberg verwirklicht werden, bürste auch er nicht mehr Herr über die Verhältnisse und Ereignisse sein. Der neue Betrieb will und kann doch nicht in den Anfängen, sozusagen in den Kinderschuhen, stehen und stecken bleiben. Welcher gesunde Betrieb kann und darf denn das? Riernand aber kann zwei Herren ^dienen, auch die Domäne Schiffenberg nicht bei fhrem verhältnismäßig kleinen Umfang. And ft toirb mit dem Tag der Errichtung der Zucht- Liehstation dort oben ein dauernder Kleinkrieg Zwischen wissenschaftlichem Institut und Ausflugs- «iunft ausbrechen, der naturgemäß mit dem Siege ioes ersteren enden wird. Zuerst wird da eine 'Beschränkung des Zutritts, dort eine anfangs vorübergehende" Sperrung eintreten, es wird Iba ein Raum weiter für Forschungszwecke be- ffHlagnahmt, dort ein Zimmer für Beratungen Ifur Lehrzwecke usw. abgeschlossen werden müssen, ünb was wird geschehen, wenn sich eine unserer leider zu regelmäßigen Gästen gewordenen Seuchen in der Umgegenb ein findet? Diese Frage braucht nur gestellt zu werden. Das Ende des Kleinkrieges wrrd (ein, baß der Schiffenberg in absehbarer Zeit vor den Qlugen der Gießener Bürgerschaft Idaliegt wie das gelobte Land vor den sehnenden 'Augen des Moses: „. . . . aber du sollst nicht Ihinemaehen." Die vielen Tausende von erholung- 'suchenden Wanderer in unseren herrlichen Waldungen um den Schiffenberg aber können ihr mitgebrachtes Brot im staubigen Chausseegraben, auf dem feuchten Wegrand oder dem Steinhaufen verzehren. Vielleicht wird es bann Herrn Prof. Krämer selbst leid sein, sich so in Widerspruch mit der gesamten Gießener Bürgerschaft gesetzt zu haben: denn daß er hier eine auch nur einigermaßen nennenswerte Anzahl von Anhängern seiner Pläne finden wird, dürfte billig bezweifelt werden. .ilttb nun noch zwei Fragen, die vor der Verwirklichung der Pläne des Herrn Professor Vorrwtizen. — Tageskalender für DonnerS- tag. Astoria-Lichtspiele, ab heule: „Der stumme Simson". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „ Frauenopfer" und „Rettung aus dem Eis". —/Heber die Folgen des Alk 0 -- hvlverbots in Amerika spricht am nächsten Samstag rm Cafe Leib der nord- amerikanische Pfarrer Gey mann. (Siehe Anzeige.) Kreis Lauterbach. rr. Schl ih, 1. Aug. Dir 5 0 j ädrigenintp» rer Stadl feierten am Samstag durch ein geselliges Zusarnmens.in mit ihren Ang hörigen im Habev- mehlschen SE die Halbjahrhundertfeier ihres Das.ins. Die Veranstaltung war start besucht, auch Allersgmessen der Frankfurter Schlitzer-Verciirigung nahmen daran teil. Reklvr Adolph hielt die zu Herzen gehende tief empfundene Festansprache, woraus machtvoll das Schützer Rattonallied: „3m weiten deu schen Reiche, da liegt ein Slädtlein klein" durch den Saal braufte. Bei den Klängen einer Musikkapelle, einem fron Fabrikant Habermehl, Achi ek! Karn und den Frls. Berta und Sophie S i p p e I flott gespielten kleinen Theater stück, bei versch'edener Ansprachen und mancherlei Darbietungen bet frohen. Gesängen und schließlich einem kleinen Tänzchen, nahm die Feier einen alle Anwesenden vollauf befriedigenden Verlauf. Am Sonntagnachmittag fand bann noch als Rachfeier ein Ausflug in die Kahl statt, der, fron hellem Sonnenschein begünstig!, der Fünfzigerseier einen schönen Abschluß brachte. Starkenburg und Rheinhessen. nn. D a r m st a d t, 2. Aug. Der Film „Fridericus Rex" wurde am Montag einer Reihe von Vertretern der Behörden, des Landtages, der Gewerkschaften, wie der Presse vorgeführt. Fast als einsttmmiges Urteil konnte die Anschauung festgestellt werden, daß von einer staatsgefährlichen Tendenz nicht die Rede sein kann. tob. Mainz, 2. Aug. Aach einer fron bet Interalliierten Rhemlandkommissivn für das besetzte deutsche Gebiet genehmigten Reichsvervrd- nung ist den auf dem Rhein und Main frerkeh- renben Fahrzeugen das Führenderdeutsch- r^publikanischen schwarz-weiß-roten Handels- und Schiffahrtsflagge gestattet, d. h. die schwarz-weiß-roten Fahnen müssen in der inneren oberen Ecke die Farben schtoarz-rot- gold zeigen. Gelegentlich einer am 18. Juni in Worms abgehaltenen Regatta hatte die dortige Rudergesellschaft vom zuständigen Kreisdelegierten die Erlaubnis erhalten, das -Ufer und die Zuschauerfahrzeuge festlich zu flaggen, jedoch nicht mit den alten Reichsfarben schwarz-weiß-rot. Diesem Verbot zuwider führte ein mtt Festteilnehmern besetzter, im Rhein verankerter Dampfer aus L rdwigshasen am Heck die schwarz -tocif> rote Fahne ohne die republikanischen Farben. Der verantwortliche Schiffsführer wurde deshalb wegen Vergehens gegen Art. 3 der Rheinlands- vervidnung Rr. 30 zu 3000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Hessen-Nassau. Streik der kaufmännischen Angestellten. fpd. Frankfurt a. M., 2. Aug. Eine von rund 20 000 kaufmännischen Angestellten beschickte Versammlung im Hippodrom beschloß heute abend wegen Richtbewilligung ihrer Gehaltsforderungen den Streik, der bereits Donnerstag früh eintteten soll. An die Versammlung schloß sich ein Riesendemonstrationszug der Streikenden durch die Stadt. . _ Sogar ein stürriger Büffelochse mußte ähnliche Künste wie die Pferdchen zeigen. Auch das drollige Hündchen „Fips" hatte brav gelernt. Große Hetterkett erregten die komischen Akrobaten mit ihrem Wunderesel Max, der allerlei Neckereien an seinen menschlichen Gefährten verübte. Der kluge Hans hat sicherlich manchen der Anwesenden durch sein unfehlbares Dechentalent beschämt. Den höcksten Grad erreichte die Verwunderung bei dem spanischen Balkenspiel, das in äußerst geschicktem Jonglieren mit den Füßen besteht. Dationallänze und — nicht zu vergessen — die zahlreichen Spässe des „Augusts", der besonders berrr Exerzieren gefiel, ergänzten das Programm, so daß der Abend zu allgemeiner Zufrieden- hett verlief. Rach dem lebhaften Beifall zu urteilen, hat sich dec Zirkus Heppenheimer gestern gut eingeführt beim Gießener Publikum. Einsender dieses ist kein Fachmann, aber er kann sich nicht denken, baß die erste der gestellten Fragen zu bejahen fei; dazu haben die Leute, denen einige Fachkenntnis zugebilligt werben muß, sie entschieden verneint. Wer wie ich sett nahezu vierzig Jahren den Schiffenberg besucht^ weiß, daß der wundeste Punkt im Betrieb dort oben stets Wasser und Beleuchtung waren und sind. Man wird also bei Errichtung der Station vor allem diesen beiden Dingen sein Qlugenmerf zuwenden müssen, ilnb was es unter den heutigen Verhältnissen bejn Staat kosten wirb, auf den trockenen Kippel Wasser in der für ein solches Institut genügenden Menge, sowie Strom für Beleuchtung und Betrieb zu leiten, davon kann sich heute fogar der Laie einigermaßen einen Begriff machen. Man wird sich aber in weitesten Kreisen unseres Landes fragen: Ist es denn unbedingt nötig, daß man in Zeiten, wo wir immer mehr österreichischen bzw. russischen Zuständen entgegengehen, dem hessischen Steuerzahler auch noch ein solches MillionenoHekt auflädt, dessen Rentabilität sehr fraglich erscheint? Unb weiter: M. S. gehören doch zu einem solchen Unterneß» men ausgedehnte Weiden für das Vieh. Wo soll man denn die dort oben hernehmen? Denn baß die paar Wiesen am Abhang des Schiffen- berges auf die Dauer nicht ausreichen, bürfte doch auf der Hand liegen. Soll dann etwa, wenn der Betrieb sich ausdehnt, die Ackerwirtschaft und Viehhaltung des Pächters beschnitten werden? Das zu verhindern, liegt im berechtigten Interesse der Besucher des Schiffenbergs, die nicht nur auf Spirituosen und mitgebrachte Brote allein angewiesen und beschränkt sein wollen. Ober soll vielleicht von unserem herrlichen Schiffenberger Wald noch mehr gerodet werden, als schon geschehen? Da sei Gott vor! Wenn in der Umgebung fron Gießen eine Zuchtdiehstation errichtet werden soll, dann dürfte es doch m. E. noch andere Plätze geben, die sich besser für diese Zwecke eignen und berichten lassen, als der Schiffenberg. Das natürlichste dürste doch sein, daß eine solche Station nicht eine Stunde ober mehr fron den anderen landwirtschaftlichen Instituten entfernt als Insel im Walde liegt, sondern möglichst nahe an jene herangerückt wird. Es ist doch bekannt, daß zwischen dem Phllosophenwald und der Marburger Sttaße ausgedehnte Versuchs- unb Betriebsfelder des landwirtschaftlichen Instituts liegen, und dort, im Wiesecktale, dürste doch wohl ein geeigneterer, ja wohl der geeignetste Platz für eine Zuchtviehstation sein Dort hat m. W. der Staat ausgedehnten Besitz an Wiesen, die dem Institut zu Weidezwecken usw. überlassen oder gegen etwa geeignetere aus getauscht werden konnten; und dort würde die Beschaffung von Wasser und Strom keine Millionen ver- chlingen wie oben auf dem Schiffenberg. Wenn man das alles bedenkt, dann fragt man sich nicht ohne gerechtfertigten Unwillen: Warum will man denn gerade den Schiffenberg für solche Zwecke nehmen und Herrichten? Warum will man gerade den beliebtesten und schönsten Punkt unserer Umgebung allmählichaus dem Volksleben unserer Stadt und Umgebung herausreißen, einen Punkt, ohne den man sich Gießen eigentlich gar nicht denken kann, und der weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannt und beliebt ist, einen Ausflugsort, der jährlich Tausende in seinen zauberischen Dann zieht? Den Schiffenberg aus unserem Volks- unb Studentenleben herausreißen, wäre etwa gleichbedeutend für Gießen" wie der Plan, Heidelberg sein Schloß, Marburg Schloß und Spiegelslust wegzunehmen Gießen braucht Verkehr fron außen her, und als Anziehungspunkt für ihn ist außer dem im heißen Sommer fast 1 unzugänglichen Gleiberg fast Allein der Schissen- < berg geblieben. Wegen unserer Straßen unb ' Plätze, ja sogar wegen unserer herrlichen An- < tagen in der Stadt wird wohl kaum ein hundert Fremder jährlich hierherkommen. Wer aber be° < enft, wieviele Tausende jährlich als einzelne Wan- . derer in Gruppen, in Schulen unb Vereinen dort ! oben Einkehr halten, wievie e sich zusammenfinben ; zu berechtigtem geselligen Frohsinn, zum Raturge- ; miß ober zu Andachten, wer weiß, was von ■ jeher der Schiffenberg für das Stubentenleben unserer Hochschule bedeutet hat und bedeuten - wird, der kann nur von Herzen wünschen: Laßt 1 uns unseren Schissenberg wie er ist j — up ewig ungedeelt; er verträgt keine , Zweiteilung. — Einsender dieses hat an dem Schiffenberg , kein anderes Interesse als das, daß er von ‘ Er schwamm den Kanal zurück bis za dem Brunnenschacht, tn welchem er sich fest stemmte ’anb Eduard rief. Eine schwache Stimme antwortete ihm und gleich davaas hörte er an dem lauteren Klang, daß sich Eduard über die Oeffnung tn der Höhe beugte. Der Doktor wies ihn an, so nasch wie möglich herunter-cklettern, und bann verging eine längere Zeit, während welcher kleine Steinchen, die hnxrbfielen, sowie ein Kratzen und Schaben verkündeten, daß Eduard arf dem Weg in die Tiefe war. Es gelang den beiden Männern noch mit knapper Rot, den schon fast gefüllten Kanal zu durchschwimmen mb endlich das Licht zu begrüßen. Aber sie hatten noch Line Minute die Wellen verlassen, als breite h-eranschäumenbe Wogen über die Ufer spülten und wett hineinleckten in das Fruchtland, so baß die Oeffnmg des Kanales spurlos in ih em Schaße versank. Eine Loop sche Wärme umströmte die beiden durch gemei sam bestandene Gefahr z ifanunen* gefetteten Genossen: die Sonne hatte ihren höchsten Stand schon überschritten unb neigte sich dem westlichen Horizonte zu. and in einem tiefen, stillen Atem rußte die Ratar. Rrr der brai- benbe Strom gemahnte noch an die zerstörerischen Kräfte, chie hier g wunden lagen und die jeden verschlangen, der ihnen zu naße kam. Eduard lag wie tot neben dem Doktor. Sein Gesicht war weiß und sein Herz schien nur wenig mehr LU pochen Plötzlich aber öffnete er die, Aus Stabt und Land. Gießen, den 3. Aag 1922. Die neuen Bestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn, werden in einer Bekanntmachung des heuttgen Anzeigenteils veröffentlicht. Zur Erläuterung der Verordnung mögen folgende Beispiele dienen: 1. Anverheirateter Arbeitnehmer mit 3500 Mark Monatsarbettslohn. Ab 1. August 1922 sind von dem für den Monat August und für die folgenden Monate gezahlten Arbeitslohn mvnattich einzubehalten: 350.— Mk. (d. i. 10 v. H. von 3500.— Mk.) — (40 4- 90 =) 130.— Mark = 220.— Mk. 2. Verheirateter Arbeitnehmer ohne Kinder, dem vom Finanzamt eine Erhöhung des Werbungskostenpauschsatzes von 540.— Mk. auf 780.— Mk. jährlich zugelassen worden ist, mit einem MvnatSarbeitSlohn von 2700.— Mark. Mvnattich ab 1. August einzubehalten: 270.— Mk. — (40 4- 90 + 40 =) 170.— Mk. = 100.— Mk. 3. Verheirateter Arbeitnehmer mit zwei minderjährigen Kindern. Wochenlohn 1200.— Mark. Ab 1. August 1922 wöchentlich ein- zubehalten: 120.— Mk. (9.60 + 21.60 + 19.20 + 19.20 ---) 79.20 Mk. = 40.80 Mk. = abgerundet auf 40.— Mk. 4. Verheirateter Arbeitnehmer mit drei minderjährigen Kindern und zwei vom Finanzamt zur Berücksichtigung zugelassenen mtttellosen Angehöttgen: Tageslohn 210.— Mark. Ab 1. August 1922 kein Steuerabzug mehr, da die Ermäßigungen zu (1.60 + 3.60 + 1.60 + [5 X 3.20 =]) 22.80 Mk. den an sich einzubehaltenden Betrag von 21.— Mk. (d. i. 10 v. H. von 210.— Mk.) übersteigen. Neue Schornsteiufcgergebühren. Infolge der Wetter fortschreitenden Teuerung und der damit verbundenen erneuten Erhöhung der Gesellenlöhne im Schornstein- fegergewerbe ist eine weitere Erhöhung der Leuerungszuschlüge zu Len Feggebühren der Schornsteinfeger erforderlich geworden, linier Aufhebung der seither zugebilligten Teuerungszuschläge werden daher mit Wirkung vom 1. 21 u g u ft 1922 bis auf weiteres die Teuerungszuschläge auf die Grundgebühren wie folgt festgesetzt: 1. für die Kehr- bezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 620 vom Hunder-t; 2. für die übrigen Kehrbezirke des Landes auf 750 vom Hundert. Im übrigen bleiben die bisherigen Bestimmungen in Kraft. Wettervoraussage für Freitag. Vorwiegend heiter, warm und trocken. bisher unerhörte Mengen an Kohle gefördert I Krämer gründlich erörtert werden müßten: Geworden. Die Kokspreise sind doppelt so hoch "et sich denn der Schiffenberg auch so sehr für als vor einem Jahr. 11 3 ~ r ” ' Siar.e für ungült g D^r Pc-x i z ola^fch^ß in Gieren dagegen hob Den Kreuaugfd)b.i)3bi4d)l it3 Kurs Kurs 114,76 113 75 5000 Mk. wurde verworfen. mit 6, Sh. 97.80 3. 8 Schweizer Franken ja 100 Kr. Reich -,16 1,87 222, 79. r Sr. 803, 1580- 865, 793, 799, 890, 2.8. -.67 -.33 -.63 -.53 . 100 . 100 . 100 . 100 . 100 schuf! e aus dem Ausgleichs stock und vom für Beamten desoldungea in Aussicht. Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Gef. . . Felten L Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke...... Daimler....... 4° 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dlsche. Vereinsbank 100 SL. 100 Mk. 100 Kr. 100 Kr. 100 Fr. 1 £ Kurs 2.8. 77,80 Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. 768,- 768,- 855,- 7»1,- 495,- 454,— 74,10 850,- 180.- 494,- 448, - 74,50 860,- 203.15 0.64 0.01 12.80 43.05 23.39 23.90 40.65 0.175 526.12 1.65 0,08 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm . Wien.... Prag.... London. e . Reuhork . . Paris. . . . Kurs 1.8. 77,50 1.7.14. 125.40 59.20 88.80 88.80 117.80 117.80 485,- 389,- 283,- 235,- 271,- 1450, - 770,- 1310,- 1410,- 2910,- 980,- 830,- 1570,- 865,- 784,- 778,- 899,- 810,- 500,- 460,- 70,- 835,- 203.65 0.74 0.01 13.- 42.95 23.38 23.775 40.65 0.24 526.- 1.625 0,085 340,- 281,56 267,50 450,- 388,- 284,- 235,50 269,50 1362,- 760,- 1270,- 1376,- 2950,- 981,— 785,- 1484,- 843,- 760,- 774,- 856,- 797,- .,12 1,62 1.8 77,53 114, - 212,- 79,-» 480.- 340,- 278,- 266,- 485,- 386,- 286,- 235, - 266.- vrm 1 Jahr und zum Berkust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren verurteilt worden. 2.8. 77.50 112,50 225 - 74,- 600,- 358,- 280,- 266,- 495,- 386,- 283,- 232.- 266,- 1420 - 790 - 1340 — 1440 - Wechsel auf Holland....... Deutschland . . . . Wien........ Prag........ Paris........ London ....... Italien....... Brüssel....... Budapest...... Aeuyork....... Agram....... Warschau..... immer die Gemeinde zur Zahlung verurteilt: dieses Berwaltungsstreitversahren funktioniert aber leider nur sehr sehr langsam. Die landläufige Ausrede, „die Gemeinden hätten kein Geld", ist nicht stichhaltig, denn eine größere Anzahl Gemeinden haben durch ihre Waldungen viel GÄd und erledigen die Dösoldungen ihrer Gerneindebeamten und Bediensteten doch nicht. Aber auch die anderen Gemeinden müssen sich darüber klar sein, daß sie ja doch zur Zahlung verurteilt werden und die Kosten des Streitverfahrens noch obendrein tragen müssen. Wenn diese Gemeinden ihre Steuergiellen voll ausgenüht haben, stehen ja aid) ihnen Zi- (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Neugestaltung der bayrischen Koalition? Berlin, 2. Aug. (Priv.-Tel.) Die Morgen» blatter berichten aus München über die Re u - gestaltung der bayrischen Koalition, daß zunächst für die Erweiterung die Bayrische Mittelpartei in Frage komme. Der Dauern-- bund wird heute zrm Hinzatritt der Mittelpariei zur Koalition Stellung nehmen. Bel Der Bayrischen Bolkspartei herrscht die einmütige Auffassung, daß der Weg für den Eintritt der Mittelpartei offen stehe. Englische Dlätterstimmen zur Note an die Schuldnernationen. London, 2. Aug. (WTD.) Zu der Note der englischen Regierung über die Schulden der Alliierten liegen bereits einige Blätterstimmen vor. Die „Times" befürchtet, dah die Aussicht 800,- 514,- 465, — 74,- 890,- 183,- st. Darmstadt, 2. Aug. Der Verwalt uigs- gcrichtshof beschäftigte sich gestern mit einer Klage des Gemeinderechners Albach von Osten-- hevir bei Friedberg. Albach hatte das Amt 21 Zähre lang versehen, die Anstellung war jedoch widerruflich und es Wirde ihn rach der Wahl eines Kii.^gsbstchädigten zum Ab'auf des Diertel- jrh es g k .n.ig'. Dr Kra. 2. Aug. 3m An- ichluh ,an den hier abgehaltenen DerbandS- tag der deutschen Drvschkenbesiyer fand heute «hend eine viel beachtete Protestlund- »ebung der Droschkenkutscher statt. Dekanntlich plant man hier und auch anderwärts im Deich, das gesamte Droschkenwesen »n kommunalisieren. 3n endloser Reihe fuhren Lrn die Frankfurter Droschkenkutscher mit Dren Gespannen durch die Straßen der Stadt. 3n jeder Droschke sahen mehrere Tagunas- leilnehmer, die weithin leuchtende Schilder Mit sich führten, deren Inschrift sich gegen die Absichten der Behörden richtete. Dem Drosch- kenzuge hatten sich auch zahlreiche Kraftdroschken angeschlossen. Züricher Devisenmarkt. 2. 8. Gerichtssaal. Ei» bestechlicher Stadlrat. Berlin, 2. 21110. (WTD.) Der frühere Stabtrat in Derlln-Weißensee Andree ist wegen Bestechlichkeit, die er sich als Leiter des dortigen Wohnungsamts hatte zuschulden kommen lassen, zu einer Gefängnisstrafe auf etnt allgemeine Reglung der Wiederherstellungsfrage und der Fxrge der interalliierten Schulden durch die Note nicht gefördert worden sei. Nicht ohne Besorgnis könne man auf das Echo warten, das die Note m Frankreich finden werde. 3m übrigen könnten nur die Ereignisse zeigen, ob der von der Regierung eingeschlagene W^ der richtige gewesen sei. Das Blatt bedauert, dah in der Note davon gesprochen wird, G r o h b r i ta n n i e n wolle auf seinen Anspruch auf die deutsche Wiederherstellung verzichten. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, dah dem Entschluh, die Balfoumote an die Schuldnernationen Lausenden, zahlreiche Llussprachen innerhalb des Kabinetts borangegangen sind. Während der letzten zwei Wochen sei die Angelegenheit nicht weniger als zweimal im Ministerrat erörtert worden. Der gegenwärtige Deschluh sei erst von der Mehrheit des Kabinetts gebilligt, dann wieder auf* gegeben und schließlich am Montag neuerdings bestätigt worden. Eirrer der Hauptgründe der englischen Regierung sei die Rücksicht auf di« englischen Steuerzahler gewesen. DaS neue polnische Kabinett. Warschau, 1. August. (Wolff.) Gestern abend ist die Liste des neuen Kabinetts belanntgegeben worden: Ministerpräsident: No- wak, Rektor der jagellonischen Universität Krakau: Minister des 3tmern: Karnienski, Minister des Aeuhern: Narutowicz, Kriegsminister: Seni- kowsti, Eisenbahnminister: Zagerny-Morynowsii, Turnen, Sport und Spiel. — Giehener Rudergesell s chaft 1 877. Ihren in Ems errungenen Erfolgen konnte die Junior-Mannschaft der Giehener Ruder-Gesellschaft 1877 am vergangenen Sonntag auf der Regatta zu Weilburg einen weiteren Sieg hmzufügen. Sie siegte in einem Feld von 14 Booten im Zunior-Dierer nach scharfem Rennen gegen Vereine aus Frankfurt. Neuwied, Limburg, Wetzlar und Giehen. — I. Bundesturnfest des „Südwest » d e u t s ch e n T u r n e r b u n d e s". Am 29., 30. und 31. Jull fand in Rüsselsheim a. M. das I. Bundesturnfest des Südwestdeut- schenTurnerbundes statt. Zum ersten Male konnten die Turner des Main-Rodgau, Zahn- Starkenburg-Gau, Wetterau-Gau und des Lahn- Dünsberg-Turnerbundes, vom schönsten Wetter begünfligt, zum friedlichen Wettkampf antreten. Es wurde ein Zwölfkampf ausgetragen. Nachstehend seien einige der ersten Sieger des Turnerbundes Lahn-Dünsberg genannt: Oberstufe: K. Agel (Lollar) 2. Rang mit 189 P., 21. Best (Waldgirmes) 3. Rang mit 188 P., W. Hofmann (Lollar) 5. Rang mit 184 P., 21. Schmidt ((Waldgirmes) 8. Rang mit 177 P. — Unterstufe: Wilh. Kraft (Waldgirmes) 2. Rang mit 207 P., Fr. Decker (Ahbach) 4. Rang mit 204 P., G. Keller (Rodheim) 5. Rang mit 197 P., R. Hörr (Launs- bach) 6. Rang mit 196 P., H. Rohrbach (Lollar) 8. Rang mit 191 P. — Deutsche Fußballmeisterschaft. Der noch in aller Erinnerung stehende Entschei- dungskrmpf um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1921/22, der die beiden Meisterschaftsan Wärter 1. F. C. lllümberg und Hamburger Sportverein am 18. Juni im Deutschen Stadion nach über dreistündiger Spielzeit unentschieden 2:2 trennte, wird am kommenden Sonntag auf dem neuen D. f. B.-Platz in Leipzig fortgesetzt. Beide Mannschaften werden voraussichtlich in der gleichen Aufstellung antreten wie im ersten Spiel, denn Kalb ist noch nicht so weit hergestellt, dah er in einem großen Kampf mit Erfolg tätig sein kann. Das Interesse an diesem Spiel ist noch größer als in Berlin Leiter des Post- und Telegraphenministeriums: Noszcynski, Leiter des Ministeriums für öffentliche Arbeiten: Rvbczhnski, Minister für soziale Fürsorge: Derowstt, Minister für öffentliche Gesundheitspflege: Dr. Chodzko. Warschau, 1. Aug. (Wolff.) Der Verlauf der Kabinettskrise hat in der Parteiengruppierung des Sejm eine gewisse Umgruppierung hervorgerufen, und zwar hat sich eine der größten parlamentarischen Gruppen, die Partei Skulskis, die fast zwei Jahre gemeinsam mit der Zentrumspartei vorgegangen war, dem radikalen Flügel der Rechten angeschlossen und gemeinsam mit dieser einen Rechtsblock gebildet. Auf der anderen Seite sind auch auf der Linken 2Ienbe- rungen äu verzeichnen. Im großen und ganzen zerfällt der <5ejm jetzt in zwei große Hälften, in deren Mitte sich ein ganz kleines Zentrum, bestehend aus dem Versassungsllub und einer weiteren bürgerlichen Partei, befindet. Einige 2lb- geordnete der Nationalen Arbeiterpartei sind aus der Partei ausgetreten und haben ein6n Separatklub unter dem Namen „Partei der nationalen Arbeit" gegründet. Der Generalstreik in Italien. Rom, 1. Aug. (WB.) Stesani. Nach den bisher vorliegenden ersten Meldungen über den Generalstreik wird in Rom der öffentliche Verkehr aufrechterhallen. Der Tram dah nbetried wird in verringertem Umfange von nationalifh- fchem Personal wellergeführt. Der Eisenbahnverkehr ist ebenfalls eiligeschräntt: er wird von Militär und Faszisten aafrechterhallen. Die Zeitungen sind n icht er sch ienen. In Florenz wnrde der Generalstreit nicht cröärL Alle öffentlichen Betriebe sind in Tätigkeit. 3n Turin fanden sich die Arbeiter fast vollzählig zur Arbeit ein. Die Eifenbahnzüge verkehren planmäßig. In Genua ratzt die Arbeit im Hafen. Im übrigen sink dort alle Betriebe in Tätigkeit. In Mailand verkehren die Eisenbahnzüge fast regelmäßig. Die Zeitungen sind erschienen. In Bologna, Ancono und Neapel sind die öffentlichen Betriebe tr Tätigkit. Aus Venedig wird der Zusammen* brach des Streiks gemeldet. WWttt! tafien Sie 36r INgl- NMe» nut ans Der groben Ulaggl-MA nMMn. Hälfte aller Gemeindebeamten und Dedienste- ten im Genüsse der den Staatsbeamten schon seit dem 1. 10. 1921 zustehenden Aufbesserungen. Die meisten Gemeinderäte lasten in dieser Hinsicht jede foziÄe Gerechtigkeit vermissen. Es wäre hier am Platze, dah die politischen Parteien ihre Mll- glieder in den Gemcind-.wLrtr^tu-ngen über ihre sozialen Pflichten ausklären würden. Im VerwallungLstreitverfahren wird Beamtenbesoldungen. Don der Gewerkschaft hessischer Gemeinde beam t en , Kreisgruppe Giehen, wird uns geschrieben: Der in Nr. 177 des Gießener Anzeigers unter dieser Überschrift erschienene Artikel be° handelt, wie der Einsender selber anführt, eine Ausnahme bei den Staatsbeamten. Bei wem es sich aber um keine Ausnahme handelt, das sink» die Gcm2i:ä>Boamten. In dem Landkreis Gießen ist noch nicht einmal die KRAEMERt FLAM MER. HEILBRONN A.N. Mi: la Wette ran er große 07368 Früh-Kartoffeln Tel.2091 C-Sehunck Bahnhofstr.76 Die Geburt eines gesunden Sohnes, Karl Adolf, zeigen hocherfreut an Adolf Poths und Frau Hertha, geb. Iann. Speyer a.Rh., Ludwigshof, 3. August 1922. ........... r................................................... □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□CD WM leJÄ wen Oie Btüölläe Unio.-BnilereL H. cana?. ^lejea □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□a Für die bei unserer Vermählung in so reichlichem Mähe zugegangenen Glückwünsche sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus Heinrich Schäfer und Frau Luise geb. Roderchausen Wieseck Frankfurt ut erhaltener I Puppenwagen An fattfen gesucht. Schrift- i^eppenyer, l.che Sinnebote unt. 07491 Heppenheimer ®sroal»$garfeit. nn den Gies;. An/,, erb. NWßlZK vergütet. 7224 billigst bei 07440 7223 D a. d. Gieß. Anz. mjiirniMUMWuaJ 07474 E. RÜbsaMkN. Astoria-üchtspiele zu 07242 an d.Gieß. Anz. erb. HM k Die unterzeichneten Schuhwarenhändler haben beschlossen, ihre Geschäfte vom 3. Anglist-1922 ab Reiß Süß Waldschmidt Wolff. in Vertrauensstellung. 2)eiuerbiinn5fd)retbett mit Veben§(nuf, Zeugnisab- schriften. 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Widmann 61* unseres Staats Aemiensvertes «J1 leipolitisch emgestmte, sind infolge der EigM mg bisher m * einaerüdt Du haben des Innern AMmei eine Umformung unser tungslhstems vvrgenomi haben Trennung der LelbstverwalMg vorges amtentum ist nicht der Wg. Singeldetz vor dem Kriege ein b bemühtes Beamtentum noch. Jas Derufsbeamlei des demokratischen Stau hüten, den Derussbea politischen zu ersetzen, daß in Erbach eine ' dortigen Kreisdirekwr |l Lesolution die Abberui diretlvrs verlangt wir! des Innern dem aik hoffen, dah die Aegier und toirb. Minister des 3nm diesem Gerücht ist nich das bestimmteste, dast Herrn meines Aefforts lutlon etnxK bekannt ist, Witt svlchen ‘KtWion Der 'Dire-räsideni t ans Mittwoch 81/r W < Führende Firma der Markenartikelbranche sucht zum Ausbau für bestehende Touren einige gewandte Reisende welche schon erfolgreich tätig waren.' 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Ich must bitten, die Erledigung die,er Angelegenheit m i r zu überlassen. Zur Zeit bin ich noch nicht imstande, bestimmte Angaben über die Zukunft der „Darrn- fiäbki Zeitung" zu machen. Sollte es sich, was im Augenblick noch nicht zu überfein ist, als notwendig erweisen, eine Einschränkung oder Aufhebung des redaktionellen Teils der „Darmstädter Zeitung" vorzunehmen, so wird das Staatsministerium diese Frage ernsthaft und eingehend prüfen. Ich kann und will aber im Augenblick nichts bestimmtes versprechen und behalte mir in dieser Frage freie Hand vor. — In der Kriegsschuldfrage ist die Reichs- regierung bemüht, die Oeffnung sämtlicher Archive zu beweist eiligen. Rur so kann die Legende von der Alleinschuld Deutschlands, die eine boshafte Legende ist. zerstört werden. Unsere Leidenszeit scheint noch nicht vorbei zu sein. Vach den Meldungen, die mir aus dem besetzten Gebiet zugegangen sind, fßnnen wir uns noch auf härtere Prüfungen gefaßt machen. — In der Abstimmung werden sämtliche Anträge Dingeldey und Osann abgelehnt. Der Antrag .auf Verdoppelung der Aufwandsentschädigungen der Minister und des Staatspräsidenten wird angenommen Die Aus» schustanträge werden angenommen Cs folgt Kap. 19 (Ministerium des Innern). Abg. Widmann (Soz.) In der inneren Struktur unseres Staatsgetriebes ist bisher nichts Aennenswertes an älmwandlung geschehen. Parteipolitisch eingestellte, überzeugte Republikaner sind infolge der Eigenart unserer Selbstverwaltung bisher in gehobenen Stellen noch nicht eingerückt. Wir haben daher dem Ministerium des Innern Richtlinien vorgelegt, nach denen eine Umformung unseres bisherigen Verwaltungssystems vorgenommen werden kann. Wir haben Trennung der Staatsaufsicht von der Selbstverwaltung vorgeschlagen. Das Verufsbe- amtentum ist nicht der Weisheit letzter Schluß. Abg. Dingeldey (D. Vpt.): Wir hatten vor dem Kriege ein berufsstolzes und pflichtbewußtes Beamtentum und wir haben es heute noch. Das Derufsbeamtentum ist ein Bollwerk auch des demokratischen Staates' man muß sich davor hüten, den Derufsbeamten durch den partei- pvlitischen zu ersehen. Es gehen Gerüchte um, daß in Erbach eine Demonstration gegen den dortigen Kreisdirektor stattgefunden, daß in einer Resolution die Abberuufng des Erbacher Kreis- direktors verlangt wird und daß der Minister des Innern dem auch entsprechen will. Wir hoffen, daß die Regierung das widerlegen kann und wird. Minister des Innern v. Brentano: Von diesem Gerücht ist nichts wahr. Ich erkläre auf das bestimmteste, daß weder mir noch einem Herrn meines Ressorts von einer solchen Resolution etwas bekannt ist, und daß ich niemals vor einer solchen Resolution zarückweichrn werde. Der Vizepräsident beraumt die nächste Sitz ung auf Mittwoch Sy2 Mr an. Schluß gegen Ve2 Uhr. e 2 6. Sitzung. St. Darmstadt, 2. Aug. Am Regierungstisch: Staatspräsident U l - r i ch Iustizminifter von Brentano. F nanz- minifcer Henrich. Wictfchastsminister Raab. Vizepräsident So Herr eröffnet die Sitzung um 8.40 Uhr. Das Haus setzt die Debatte über den Voranschlag bei Kapitel 19. Ministerium des Innern, fort. Abg. Dr. Werner (Dkschntl.) tritt den Ausführungen des Abg. Widmann zr der Denkschrift des Vereins höherer Beamten entgegen. Herr Widmann habe die Denkschrift verurteilt, ohne auf ihren Kern einzugehen rnd ohne sre ihrem inneren Wesen nach zu kennen. Es kann auch von der sozialdemokratischen Fraktion nicht geleugnet werden, daß es einem großen Teil des deutschen Volkes durch« as nicht sympathisch ist. von sozialdemokratischen Beamten regiert zu werden. Mit vollem Recht hält die Denkschrift an dem Grundsatz des Derufhbeamtentums fest. Es sind unter allen Umständen durchgebildele Beamte den politischen Parteifunktionären vorzaziehen. Wir sind dem Herrn Kollegen von der Svzral- Demokratie dankbar für seine Offenheit, mit der er gestern erklärt hat, daß das Reichs beamten- tum nicht der Weisheit letzter Schluß bedeute. Das Beamtentum weiß das jetzt und wird sich danach zu richten wissen. Wir sind immer für eine klare Grenze gewesen. Bisher war sie etwas verwischt. Wenn Sie, meine Herren von der Sozialdemokratie, immer das alte System verurteilen und den alten Staat als Unterdrücker hinstellen, so möchten wir doch darauf Hinweisen, daß die jetzt in Berlin geschaffenen Gesetze und die hier eingebrachten Anträge Kaul i. Gen. die aller- schlimmste Bevormundung darstellen. lSehr richtig! rechts.) Eine Bevormundung, wie sie in keinem Gesetz des alten Staates zu finden ist. Dieses Metternich-System wird einst auf Sie selbst zurückfallen. (Widersprüche. .Unruhe.) Aach Ihre Vorwürfe gegen die Studentei Schaft sind höchst ungerech fertigt und bebürfen der Zurückweisung. Die Studentenschaft ist immer da gewesen, wenn das Vaterland, auch Ihr Vaterland (zur Linken- Schuh bra ichte. und sie wird wieder da sein, trenn man sie ruft. (Zwischenrufe.) Auch dre Vorwürfe gegen die Justiz, besonders in Offenbach, und deren agitatorische Ausschlacht rng müssen wrr zu- rückweisen. Wir hoffen, daß der Fall des Kreisdirektors in Alsfeld genauestens untersucht wird. (Zwischenrufe.) Abg. Hoffmann-Alzey (Z.) nimmt ebenfalls die Beamtenschaft gegen die sozialdemo- tratif eben Vorwürfe in Schutz rund tritt für dre Beibehaltung des Berufsbeamtentums ein. Ein Beamter jedoch, der sich nicht auf den Boden der Verfassung stellen kann, sollte die Konsequenzen ziehen. Andererseits sollte man nicht zu empfindlich sein und jede, vielleicht unbedachte Aeuherung politisch wichtig nehmen. Besonders in den Verwaltungsstellen sollte man in Hessen an der Bestellung hochqualifizierter berufsständig vorgebildeter Beamten festhalten. Abg. Kindt (Dnt.): Der Herr Staatspräsident hat gestern unseren Ton beanstandet. Wir werden uns gern bemühen, leidenschaftslos zu bleiben, doch werden wir uns nicht das Recht nehmen lassen, wenn die Herren von links ihre sozialistische Weltanschauung hier stets und ener- gischst vertreten, auch unsererseits unsere Ideale zu verteidigen und zu begründen. Ich freue mich, daß das Zentrum heute zur Frage des Berufsbcamtentums fest zu bleiben scheint und nicht umsällt, wie gestern bei dem Antrag zur Umgestaltung der Darmstädter Zeitung. Wir wollen fein Beamtentum züchten, das notwendig der Korruption verfallen muß. Man muß endlich mit dem unberechtigten Schlagwort aufräu- men, daß man am 9. Äor-enrber sehr milde mit den Beamten verfahren sei. Es kann doch kein Mensch bestreiten, daß das vorzügliche Berufsbeamtentum am 9. Vovember offenfreudig seine Pflicht getan, und daß das Chaos gekommen wäre, wenn die Beamten das nicht getan hätten. Daß Herr Widmann den Geist der deutschen Studentenschaft haßt, kann ich verstehen. Er versteht diesen Geist eben nicht, der kurz in die Formel zu bringen ift: Alles, baS ganze Leben für das Vaterland. (Zwischenrufe.) Abg. Reiber (Dem.) tritt für Beschleunigung der Derwaltungsreform ein. Im allgemeinen könne man der Beamtenschaft Dank und Anerkennung aussprechen. Vorwürfe der Pflichtverletzung im allgemeinen sind unberechtigt. Einzelverfehlungen sollte aber stets energisch entgegen^ getreten werden. Im Grunde stehe auch ich auf dem Boden des Berufsbeamtentums, aber die Verhältnisse bedingten doch eine Aenderung. Wir weisen es zurück, daß es immer so dargestellt wird, als seien Beamte, die von links kommen, unfähig. (Zustimmung links.) Was sind unpolitische Beamte! Darüber werden wir uns nie einigen. Wer früher die Politik der Regierung vertrat, war unpolitisch. Wir verlangen heute das gleiche. Sie (zur Rechten) nennen aber unpolitisch die Beamten, die die Politik der alten Regierung t>ertreten. Wir sind ausgesprochene Anhänger der Demokratisierung der Verwaltung. Abg. Dr. Schian (Dtsch. Vpt.) Der Abg. Widmann hat gestern auch von de i .Universitäten gesprochen, deren Geist bekämpft werden müsse, weil dort gelehrt würde, die Republik sei mit dem Staatsrecht nicht vereinbar. Das ist falsch, wie leider vieles falsch ist, was über die Universitäten geredet und geschrieben wurde. Das z. B. die Darmstädter Zeitung über die Universität bringt, ist stets falsch, mit einziger Ausnahme der amtlichen Personalnachrichten. Es muß einmal rund heraus gesagt werden, daß die Charakterisierung ter Universitäten grundfalsch ist (Hort. hört!) Kaum ein Professor tritt politisch hervor und jeder beschränkt sich, seine Wissenschaft zu lehren, ganz unpolitisch (Abg. Dr. Büchner: Wenn's nur so wäre! - Abg. Schian: Es ist so, und ich muh diese bedingte Unterstellung der falschen Darstellung zurückweisen. - Sehr richtig! Widerspruch. Unruhe.) Ich erwarte den Gegenbeweis meiner Darlegungen. (Bravo! rechts.) Das die Studentenschaft betrifft und den Geist, der sie beseelt, so sind die Studenten selbständige, freie Menschen. Wenn Sie diesen Geist bekämpfen wollen, so werden Sie das nur durch Unterdrückung erreichen. Es gibt vielleicht einen Weg moralischer Eroberung, der zum Ziele führt. (Sehr richtig! rechts.) Das heutige System ist allerdings nicht geeignet, moralische Eroberungen za machen. Man lasse die Bekämpfungen und Beschimpfungen. Man verlange von keinem Menschen mehr als er leisten kann. Wer seinen Eid geleistet hat, der muß und wird ihn halten. Mehr verlange man nicht. Es kann niemand gezwungen werden, feine ganze Ueberzeugang an einem Tage zr wandeln. (Sehr richtig!) Man bringe dem Beamten nicht mehr Mißtrauen entgegen, als er verdient. Ich warne dringend vor einem System der Bespitzelung. (Lebh. Bravo! rechts.) Abg. Schaub (USP.) Wcnn Herr Dingeldey das Berufsbeamtentum verteidigt, so beweist das uns, daß wir auf dem rechten Wege sind. Wir fordern schnellste Durchführung der Derwaltungsreform. Minister des Innern von Brentano: Bei keinem Ressort macht sich der Erbfeind des Deutschen die innere Zerrissenheit und Zwietracht, mehr bemerkbar, als in dem meinen. Eine Koalition kann sich nur aufbauen auf einer gleichartigen Beurteilung der Staatsfvrm, auf einer Zurückstellung der eigenen Wünsche hinter das Gesamtwv'hl. Mein Ressort wird angegriffen in Organen, denen schon der Takt gebieten sollte, das nicht zu tun. Man sprach und spricht so viel von Rathenau. Man hätte diesen Mann besser geehrt, wenn man sich des Ausklanges seiner Gemiarede erinnert hätte, der Friede. Friede, Friede lautete. Rur dieser kann ans helfen and bergen. Gegenseitiges Vertrauen sollte gepflegt werden. Man muß sich doch endlich zu der tteberzeugung durchringen, daß jeder von ans auf seine Art das Beste des Vaterlandes will und nur in der Wahl seiner Mittel sich nach Ansicht politischer Herzen manchmal vergreift. Ich freue mich, feststellen zu können, daß in meinen Ressort sachlich? Kritik geübt wurde. Was die Verwaltungsreform betrifft, so hat das Ministerium des Innern sein Wort eingelöst. Heute noch wird dem Hause eine Vorlage zugehen. Was die allgemeine Politik betrifft, so bin ich der Meinung, daß die Frage, ob Republik oder Monarchie eine Frage ausschließlich der Vollsme'hrheit ist, daß aber niemand, der die Ueberzeugung der Volksmehrheit nicht teilt, sozial oder gesellschaftlich geschädigt werden darf. (Sehr richtig!) Gewaltsamer Umsturz muß bekämpft werden gegen jeden, ob rechts oder links. Für mich gilt nach wie vor das Wort: „Freie Bahn dem Tüchtigen" Selbstverständlich erfordern die höhe: en Verwaltungsposten eine bestimmte Vorbildung, aber die Ansicht, daß nur der akademisch abgeftempelte Beamte berufen werden kann, ist irrig und unhaltbar. Wichtig ist nur, daß der Beamte seinen Platz voll ausfüllt. Ich gebe zu, daß die amerikanischen Verhältnisse nicht der Weishett letzter Schluß sind. Pflicht des Staates ist es. seine Angehörigen so zu erziehen, daß jeder Einzelne arbeiten muh, daß er aber auch Recht auf Leben hat. Ich bin überzeugt, daß die Beamten meines Ressorts ihre Schuldigkeit voll getan haben und schließe mich dem Dank, den Kollege Reiber den Beamten aussprach in aller Form an. Die Forderung, daß eventuelle Verstöße Einzelner sofort eingehender untersucht werden, wird stets von mir entsprochen werden, es sollten aber die verallgemeinernden Angriffe unterbleiben. Ob die von manchen Kollegen gewünschte Wahl der Kreisdirektoren in allen Fällen von Vorteil ist, muh stark bezweifelt werden. Wahlen hängen oft von Zufallsmehrheiten ab. Das mühte eine Regierung in einheitlichem Geist unmöglich machen, kann noch zu erheblicher finanzieller Belastung führen. Was die Reichs- gesetze zum Schuhe der Republik betrifft, so muß ich sagen, sie waren leider notwendig. Sie müssen selbstverständlich zum Schutze der Republik dienen gegen alle, die sich vermessen, diese anzutasten, nicht gegen eine Gruppe. Was die wtudenten betrifft, so sehe ich als alter Student diesen sicher gerne sehr viel nach. Manchmal aber gehen sie doch über das Maß des Erlaubten hinaus. Man muh sich doch daran erinnern, dah es früher jahrelang unmöglich war. sich zu behaupten. wenn man nicht in gewisser Richtung abgestempelt war. (Sehr richtig! links. Widerspruch rechts.« Redner- bespricht dann Spezialfälle, die gestern vom Abg. Widmann angeschnitten wurden. bleibt aber auf den Tribünen unverständlich. Abg. Dr. Werne r (D.-R.), anfangs wegen dauenrder Zwischenrufe unverständlich, möchte den Grundsatz aussteklen, dah Beamte nicht im Dienst einer Partei stehen, sondern im Dienst des ganzen Volkes. Wenn Herr Reiber unter Demokratisierung Beseitigung des Bureaukratismus versteht, wrrd er uns an seiner Seite finden. Wir können uns aber nicht damit einverstanden erklären, dah unfähige Parteileute in Beamtenstellen gesetzt werden. Die sie nur im Verlaß auf ihre Hilfsbeamten ausfüllen können. Daß tüchtige Beamte auch ohne akademische Vorbildung in hohe Stellen berufen wurden, kam auch im alten Regime schon vor, es muh aber Ausnahme bleiben, nicht Regel werden. Abg. Reiber (Dem.) polemisiert scharf gegen den Vorredner, der aus Prinzip alles besser wissen wolle und durch unerhörte Verdrehungen die Dinge immer auf den Kopf stelle. Damit schließt die Debatte. Artikel 19 wird angenommen. Rach der Pause teilt Präsident Adelung mit, dah heute Rachmi11ag Sitzung ftatt» findet. Ohne Debatte erledigt werden die Kapitel bis 24. Das Kapitel 25, Polizei, wird zurück- gestellt. Das Kapitel 26 wird genehmigt Zu Kap. 21, Landeswaisenan statt, wünscht Abg. Frau Steinhäuser (Scz.) die Enmögllchung, daß Frauen als stimmberechtigte Mitglieder in den Wasenrat aufg.n^mr.e t werden. — Das Kapitel wird genehmigt. — Zu Kapitel 28. Privat-Ertziehungs- nrd Büsserungs- anstalten, wü>s.ht Abg. Knoll baldigst Auszahlung der erhöhten Züsch ußsamnre. — Mi-Lte- riahat Emmerling erörtert das Reichsjugend-- wohlfahrtsgeseh und die Art, wie dieses in Verbindung mit d.efem Kapitel zur Anwendung gelangen soll. Es muß zugegeben teer b en, daß auch der erhöhte Betrag von 150 000 QHarf noch nicht ausreicht. Die Auszahl rng wird noch in dieser Woche erfolgen. Abg. Frau Birnbaum (D. Vp.) tritt, wie Frau StAnhä user, dafür ein, daß die Erziehung der Waisenkinder nicht gemeinschaftlich mit der Zwangserziehung erfolgt. Abg. Frau Hat temer (Ztr.) spricht sich in gleichem Sinne aus, soweit es sich um Kinder handelt, die aus hässlichen Gründen m Fürsorgeerziehung gegeben werden. — Das Kapitel wird genehmigt. Zu Kap. 29. Zentralstelle für dre Landes statistik, beantragt Abg. Schild- bach (Soz.), die erforderlichen Mittel zur Herars- gabe des „Statistischen Handbuches", das jetzt 13 Jahre alt ist, zu bewilligen. — Der Antrag wird angenommen. Cb.ns) das Kapitel. Zum Kap. 30. Kirchen, beanstandet Abg. Ebner (K.P.D.) die Höhe der Summe die be- willigt werden soll. Die Kirche sei der Hort aller Reaktionäre (große ilnrufre), sie habe den Krieg gesegnet und verlängert. (Erneute älnruhe,Heiterkeit.) Er beantragt Erleichterung des Kirchenaustrittes. Er lehnt das Kapitel ab. (Präsident Adelung: Ich bitte, den Redner nicht durch Zwischenrufe zu reizen.) (Große Heiterkeit.) — Das Kapitel wird genehmigt. Kapitel 31 und 32, Aerztlicher Dienst und tierärztlicher Dienst, werde i gemeinsam beraten. Abg. Storck (Soz.) kritisiert die Einstufung der beamteten Aerzte, besonders der Kreisärzte, für deren Besserstellung er eintritt. — Abg. Knoll (Ztr.) spricht in gleichem Sinne, besonders für die Kreisärzte der größeren Städte. Er verlangt, dah die Kreisärzte ihr» Amtsräume im KrAsamtsgebäude erhalten. - Abg. Reiber (Dem.) schließt sich den Vorrednern an. Abg. Dr. Osann (D. Dp.): Wemr zu jedem Punkt Redner aller Parteien sprechen, müssen wir. um nicht tn falschem Licht zu erscheinen, auch das Wort ergreifen. Wir teilen selbstverständlich die Sympathien für die genannten Beamten. - Abg. D. Dr. Diehl (Dntl.) verweist auf die Abmachung. Besoldungsfragen gesondert zu be= handeln. Wenn diese Abmachung nicht gehalten wird, habe auch seine Partei eine Menge Wünsche. -- Das Kapttel wird genehmigt Zu Kapitel 34, Landes-Heil- und Pflegeanstalten, regt Abg. Reumann eine Erhöhung der Pflegesätze an und wünscht die Verlegung der Räume für nervöse Kranke aus den Heilanstalten heraus. Die nervös Kranken wehren sich gegen die Gemeinschaft mit den Irren. E-ch. Obermedizinalrat Dr. Balser: Die Erhöhung der Pflegesähe ist bereits in die Wege geleitet. Wir müssen da aber zurückhalten, sonst treiben wir die Selbstzahler 3. Klasse in die Armenverbände Das aber ist nicht erwünscht. Die Behandlung der Kranken ist in allen Klassen gleich Daß das Zusammenlegen der Heilstätte für nervös Kranke mit den Pflegeanstalten Mißstände zeitigt, ist nicht zu bestreiten. Wir werden die Frage uer Trennung im Auge bemalten. Abg. D. Schian (D.Vvt.): Die Organi- sat on deZ Pflegepersonals sollte einer Rächest hing unterzogen werven. Anregungen möge die Regierung wohlwollend prüfen. Gas Kapitel wird genehmigt. Zu Kapitel 36, Volksgesundheits- pf ege werden beantragt: Erhöhung der Staats- -uschüsse zur Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge von 420 000 auf 630 000 Mk., zur Epileptiker-Anstalt Rieder-Ramstadt auf SCO 000 Mark — Abg. Reumann (Soz.) beantragt Erhöhung der Zuschüsse für die Bekämpfung der Tuberkulose der Geschle htskrankh.iten, der Lupus- Heilstätte die sonst auf den Staat übernommen werden muß, usw. — Das Kapitel wird genehmigt. Ebenso ohne Debatte die Kapitel bis 43. Rachttäglich tritt Abg. Birnbaum (D. Vpt.) für einen Antrag ein, dem Verein Hessisches Lehrerinnenheim einen Zuschuß von 20 000 Mk. zu bewilligen. Staatsrat Dr. Reitz bittet, diesen Antrag der Regierung als Material zu überweisen, da sie die Verhältnisse erst prüfen müsse. Abg. Delp (Soz.) stimmt dem zu. Er wolle aber feststellen, daß die Rechte gegen den Abg. Reumann stimmte, daß sie aber hier für den Antrag stimmt, weil es sich um Leute aus ihren Kreisen handelt. Abg. Dingeldey (D. Vpt.) protestiert auf das allerschärfste gegen diese demagogische Unterstellung. (Präsident Adelung rügt die.en Ausdruck.) Wir haben auf Grund der Erklärung des Abg. Delp als Vorsitzenden des Finanzausschusses mit diesem selbst für den Ausschuhantrag zu den Anträgen Reumann geftimmt. Abg. Kindt (Dntl.) schließt sich dem an. Abg. Kaul (Soz.) möchte doch die unterschiedliche Behandlung von Anträgen, die von rechts und von links kommen, unterstreichen. Herr Delp habe Recht mit seiner Feststellung. Abg. Dr. Werner (D.-R.): Für den Ausschuhantrag hat die große Mehrheit des Hauses gestimmt, weil der Abg. Delp ihn befürwortet hat. Sie provozieren uns (zur Linken), indem Sie uns fälschlich unterstellen, als hätten wir gegen die Aermsten der Armen gestimmt. (Beifall rechts.) Abg. Dingeldey (D. Vpt.): Die Unter- stellung des Abg. Delp in einem Augenblick ausgesprochen, da ihm noch gar nicht bekannt ist wie wir abstimmen werden, wird dadurch nicht berechtigter, daß der Abg. Kaul sitz wiederholt. Wir protestieren wiederholt gegen diese Unterstellung. Der Ausschußantrag wird angenommen. Rächste Sitzung nachmittags 3 ülhr. — Schluß 1 älhr. Richtigstellung. Der gestrige Bericht ist dahingehend zu berichtigen, dah zum Kapitel „Ge- famtmmifierium" der Antrag des Abg. Dr. Osann (D. Vpt.), das Budget in Zukunft recht- zeitigzuml. Aprilfertigzu st eilen, angenommen wurde (Nachmittagssitzung.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 10 Minuten Zum Kapitel 45 Landesaml für das Dildungswefen, macht Abg. Kaul (Soz.) längere Ausführungen allgemeiner Ratur. Wenn die 'Republik moralische Erobeinngen machen soll, wie heute vormittag von der Rechten gefordert wurde, bann muß man bei der Erziehung der Jugend, der Schule, anfangen. Wir verlangen, vom Schulministerium mit allen Mitteln zu erreichen, daß die Schulen restlos in den Dienst der Demokratie, der Republik, der Dollsgemeinschaften gestellt werden. Das wäre Erziehung zu nationaler Gesinnung. Die Reichsgesetze, die Verfassung, geben uns die Richtlinien, wie der Unter» richt aufgebaut werden soll mit dem Ziele „Volksgemeinschaft und Völkergemeinschaft". Dazu aber ist in erster Linie die Umstellung unb Reinigung der Lehrmittel erforderlich. Dah in einem Lesebuch aus dem Jahre 1919, also nach dem Zusammenbruch, noch ein Bild vorhanden, ist, das den ehemaligen Kaiser verherrlicht, ist! unentschuldbar. Ich frage die Regierung, ov und was die zugesagte Kommission bisher ge* leistet hat, die diese Dinge prüfen sollte. Was ist geschehen, um die Schülerbibliotheken zu reinigen von dem nationalen Wust, der den Krieg verherrlicht. Wir wollen durchaus feine em- feitige Erziehung. Aber eins müssen wir verlangen, dah die Erziehung nicht mehr dem Ziele dient, ein gehorsamer Diener der Monarchie zu fein. Wir beantragen, dah im nächsten Etat Mittel für höhere Bürgerschulen nicht wieder eingestellt werden. Wir halten fest an der Einheitsschule, an der Gemeinschaf tsschule. In der obersten Schulbchörde müssen Männer sitzen, die vollauf im Geiste der Republik wirken, von dem muh auch die Lehrerschaft erfüllt sein. Ich frage abermals, teas tzvt die Regierung getan, um ÖL Lehrer, besonders tn Offenbach, anzuhalten, die Kinder im Sinne der Republik zu erziehen? Was hat sie getan dem Schulinspektor des Kreises Dieburg gegenüber, der höhnisch über Demokratie und sozialdemokratische Wirtschaft sprach, daß er einmal sagte: „Ich habe die sozialdemokratische Wirtschaft nun endlich satt"? (Zwischenrufe.) Ich frage, ob ■ der Regierung bekannt ist. in welcher Weise die Rathenaufeier an der Höheren Mädchenschule in Offenbach vor sich gegangen ist und an der Oberrealschale in Offenbach? Die Krone allerdings hat der Herr Direktor Schnell der Oberrealschule in Gießen mit seiner Rathenaufeier .mb Beflaggung, in dessen Schul« noch die Jugend antisemitische Verei-rsabzeichen (Hakenkreuz) tragen darf, in dessen Schule Bild« hingen die den Reichspräsidenten und die Republik verhöhnten u. dgl. mehr. Auch Herr Professor Dr. Fritz Limmer in Darmstadt wird der Regierung bekannt sein, der tn seiner Antrittsrede sagte er müsse dagegen ankämpfen, daß jein« Studenten verächtliche itternationale Schwarm«- werden, und Herr Professor Wöh4er, der bei chemischen' Versuchen und Experimenten die schwor-- rot-goldenen Farben verhehtte; Herr Profestov Schian schließlich selbst, dessen Gefalleren-Gedächt- nisrede noch in Erinnerung ist. Wir verlange« von der Regierung, daß sie diesen Geist bekämpft mit allen Mitteln Dazu maß das Schulgesetz dienen das wir fordern. Wir werden alles daransehen, die Schulen der Reaktion za entreißen und der Vclksgemctnschast dienstbar #a machen. (Bravo! links.) Abg. D. Schian (D. Vpt.): Wir stehen auf dem Standpunkt, daß nicht Vergewaltigung eines Volksteils, sondern Verständigung das Grsttebens- teerte ist. lieber die Dolksschulnovelle war im Vorjahre eine Verständigung zustande gekommen. Run kündigt Herr Kaul wieder eine Bekämpfung der christlichen Simultanschule an. Das ist ein Bruch der Verständigung, der diese illusorisch macht. Auch in anderen Punkten möchte ich Verständigung anraten. Man sollte sich abgewöhnen, anderen immcR etwas zu unterstellen. Man sollte glauben unfr vertrauen. Rationalismus ist in unserem Sinn« nichts Dölkertrennendes, es sind einfach Bestrebungen zum Besten des Volles. Wir hasten fein anderes Volk, wir wünschen sehnlichst auch unter den Völkern Verständigung. Für Deutschland freilich liegt die Gefahr vor, daß es als einziges unter allen Umftänben friedliebendes Volk von den nn- isi sparsam im Gebrauch sm ALLEINIGE HERSTELLER. HENKEL » Cie«, DÜSSELDORF K-Ä ■vU? M NM MM KW ri ’W'- ■■.' ^§2 -L^s-WH rSe Dtten zervrüdl wird. 3$ He in mehret zitierten 2iede nur gesagt, gegen Gewalt muß das Volk sich mit Gewalt schützen. Wer das unter allen Um» stänben ablehnt, der steht allerdings auf anderem Standpunkte wie wir. Es ist aber falsch zu sagen, die frühere Schulerziehung war nichts anderes, als die Verherrlichung des Krieges. Wenn Herr Kaul wirklich dresen Eindruck gehabt hat, beweist er nur, Mß er auch früher schon so einseitig veranlagt war wie heute. (Sehr richtig!) Qlucß die frühere Schule war nicht nur eine Lernschule, sie war fn stärkstem Maße eine Arbeitsschule. Wenn wir nicht, wie Herr Kaul -es getan, die Anschauungen der Anderen immer absichtlich auseinanderreißen, könnten wir uns bedeutend näherkommen. Auf die angelegenen Emzelfälle möchte ich nicht näher ein» gehen. Rur das mbchte ich betonen, der Lei» ter de r Ob er rea lschule in Gießen ist mir als sehr ruhiger und sachlicher Schulleiter bekannt, der sehr wohl weiß, was einem Leiter einer solchen Schule obliegt. Ich möchte aber an eins erinnern: Es war im Jahre 1917, als bei einer Kaiser-Geburtstagsfeier an dieser Schule em Gedicht vorgetragen wurde, in dem gesagt war, je mehr andere den Kaiser schmähen, je mehr lieben wir ihn. Dieses Gedicht war von Herrn Dr. S t r e ck e r, der damals Lehrer an dieser Schule war. Sollte von diesem Geist an dieser Schule etwas übrig geblieben fein! (Sehr wahr! Heiterkeit.) Die sonst angeführten Dinge kenne ich nicht. Ich habe heute früh nur tx>n der Universität gesprochen. Zur Frage der Bürgerschulen sind wir auch anderer Ansicht tote Herr Kaul. Die Bürgerschulen haben eine kulturell erfolgreiche Vergangenheit, und sie tonnen auch in Zumnft kulturell segensreich wirken, wenn man sie leben läßt. Auch in der Demokratie wird man zugeben müssen, daß auch die Eltern Rechte an ihren Kindern haben. (Sehr richtig!) Wenn man dieses Recht beschneidet, ist daS nicht demokratisch Wenn die Sozialdemokraten sich immer darauf berufen, daß sie früher von Staatsstellen ausgeschlossen waren, so Der» gessen sie dabei zu erwähnen, daß sie nicht wie wir heute, den bamaltgen Staat bejaht haben. Zu dem Heiligsten gehört das Recht der Eltern auf ErzieArng ihrer Kinder und die Religion. Abg. Frau Birnbaum (D. Vp.) möchte im Ramen der Frauen ihrer Partei und wohl vieler deutscher Frauen das unterschreiben, was der Herr Vorredner gesagt haL Ich kann jedoch nicht unterlassen, meine Verwunderung darüber auszusprechen, wie seinerzeit Herr Kiel und heute Herr Kaul in höchst leichtfertiger Weise gegen mich den Vorwurf erhoben, ich hätte mtine Schülerinnen veranlaßt, dem ehemaligen Kaiser einen Gratulationsbrief zu senden. Ich habe bereits mehrfach diese falsche Behauptung als solche gekennzeichnet. Wir haben unsere Kinder allerdings bis zum Rvvember 1918 in monarchischer Gesinnung erzogen. Seitdem riefrtet sich die Erziehung auf das Ziel der Treue gegen das Vaterland. Rationalistischen Unterricht haben wir nie getrieben. Wir haben die Kinder erzogen in der Liebe zu allen deutschen Volksgenossen, allerdings auch in dem Sinne, daß ihnen ihr deutsches Vaterland am meisten am Herzen liegen müsse. Wenn es allerdings schwer fällt, heute den Kindern Liebe zu den ehemals feindlichen Volkern zu predigen, so ist das wohl verständlich denn diese Kinder kennen noch die Wirkung der Blockade und der bis heute zunehmenden Unter» drückung. Lassen Sie doch einmal die Völkergemeinschaft zurücktreten hinter der Volksgemeinschaft, dann wird es um vieles besser werden in unserem Vaterland. (Lebhaftes Bravo.) Abg. Dr. Werner (Dnt.): (Die Sozialdemokraten verlassen bis auf zwei den ©aal). Herr Kaul geht an diese Fragen heran und hinter ihm steht eine völlig zusammengebrochene Weltanschauung. (Sehr richtig rechts.) Man beginnt 'freute auch in den eigenen Reihen einzu- fefren, daß der Sozialismus Utopie ist. Der große Aufwand an Stimme hat den Mangel an Material bei Herrn Kaul nicht ersehen können. Ich bin überzeugt, daß alles, was Herr Kaul vorgebracht, so zusammenbricht, wie das, was er gegen Frau Birnbaum hier vorgetragen hat. die ebenso tapfer ihren Standpunkt vertrat. Herr Kaul muß eine merkwürdige Schulekmrchgemacht haben, wenn er nur chauvinistische Erziehung erhielt. Er hat mir bestätigt, ich fei im Unter» riefrt sehr vorsichtig. Das war überflüssig und unnötig. Ich bin keineswegs vorsichtig, sondern unterrichte wie jeder Lehrer, der seine Aufgabe recht erfüllt. Die Schulen werden in Zukunft den Hauptwert legen müssen auf den Unterricht im Deutschkundigen, Geschichtlichen und Erdkun- digen. Herr Kaul hat die Lesebücher abfällig kritisiert. Er scheint sie kaum richtig zu kennen. Ich behaupte, daß die Lesebücher- zu 90 Prozent noch heute durchaus brauchbar sind. Es ist in diesen Büchern uns im Unterricht nie gepredigt worden, daß die Monarchie die einzig richtige Staatsfvrrn ist. Herr Kaul soll doch auch nicht glauben, daß die Eltern so ohne werteres mit all seinen Forderungen emverstanden wären. Für den Geschichtsunterricht für höhere Schulen möchte ich doch eine Lanze brechen. Wenn man uoch so objektiv und wahr unterrichtet, wtrd man nicht an der Bedeutung der Monarchie für die Vergangenheit dorüderg hen können. In den französischen Lesebüchern kann Herr Kaul mehr Ehauvinismus finden, nichts aber von feinem Ichtemativnalisnrus. Im Auslande spielen die Patieifteunde des Herrn Kaul eine verdammt geringe Rolle. Wir bekennen uns zu unser em Bolle, das ist unser angestammter Platz und unser gutes Recht. Der IntemMtionalilmus k^mmt erst in zweiter Linie. Don den Schülerbibliotheken hat Herr Kaul gesprochen, wie der Blinde von der Farbe. Möge Herr Kaul doch einmal die Dibliotfreken daraufhin prüfen. Ich möchte übrigens auf die Schrift eines waschechten Demokraten verweisen, der an Kaiserverherrlichung mehr tut, als jemals einer von uns. Es kann auch nicht behauptet werden, daß die Gymnaftal- erziehung ohne weiteres monarchistisch ist. Bekanntlich hat Bismarck das Gymnasium verlassen als Republikaner and Atheist. Herr Kaul scheint von allen diesen Dingen wenig zu verstehen und operiert nur mit Schlagworten. Die sind nicht von Bestand. Wir sollen die Kinder zu aufrechten Brenschen erzreyen, ntcyt aber zu ©efhwingÄSre» ben. Gerade die Kinder haben ein sehr feines Gefühl dafür, daß man nicht von heute aus morgen sich innerlich ganz umstellen kann. Der Geschichtsunterricht miß wah. sein. Man wird den Kindern nie verschweigen können, daß etwa ein Friedrich der Große nicht nur Heerführer. sondern ein hervorragender Staatsmann, daß andere hervorragende Siedler waren usw. Ich bin überzeugt, daß die sämtlichen De- schwerdefälle, die Herr Kaul vvrgebracht hat, in sich zusammenfallen. Daß die Jugendorganisation Herrn Kaul nicht gefällt, begreife ich Ich Ware ihm aber dankbar, wenn er auch für Beseitigung der übrigen Jugendorganisationen eingetreten wäre. 2ch kann nicht verstehen, wie man einem Lehrer verübeln kann, von dem Tag der deutschen Freiheit zu reden. Warten wir nicht alle daraus, daß der Tag der Frecheit für uns wieder kommt, der Freiheit des deutschen Rheins, von der Besetzung, von unerfüllbaren ReparationS« lasten? Die Staatsform ist für uns eine Frage ztveiter Klasse, uns geht des Volkes Wohl über alles. Den Gedanken der Frage dvr Schulsteuer unterschreibe ich diese ist gerecht. Herr Kaul rief laut nach Völker gemeinschaft und Volksgemeinschaft. Ob die erste je kommt, kann niemand lagen. Wenn sie kommt, werden wir sie begrüßen wie Herr Kaul, die Volksgemeinschaft £ber muß kommen, wenn wir gesunder sollen. Sie kann nicht kommen wenn, wie Herr Kaul es tat, Haß gepredigt wird. (Bravo redjä.’ Rächste Sitzung Donnerstag 8V2 Mr. - Schluß 53A Ufrr. 'WM Mx Z® (7Hornhaut Schwislerfä. Warten beseitig/- 1 Bekanntmachung. 3n unser Genossenschaftsregister wurde heute bezüglich der Spar- und Leihkaffe, eingetragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu Grüningen, eingetragen: Georg Heinrich Bender I. und Peter Heinrich (Euler, beide zu Grüningen, sind aus dem Vorstande ausgeschieden, an deren Stelle sind Landwirt Karl (Euler und Kaufmann Wilhelm Arnold - beide daselbst - zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Gießen, den 29. Juli 1922. Hessisches Amtsgericht. Einige Dampfdreschmaschinen mil Lokomobilen od. Selbstfahrer sowie Strohpressen dazu sofort lieferbar <^A Gebrüder Lutz A.-G., Darmstadt 13 Gegründet 1858 Fernspr. 406 u. 407. Drahtansohr.: Lutzworke. Dr. Oefker's Einmache-Hülfe einmacht. 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Die in letzter Zeit häusig festgestellte mißbräuchliche Benutzung des Ltadtwaldes macht es erforderlich, auf die Bestimmungen der Art. 29 und 35 des Forst- ftrafgefetzes hinzuweisen, wonach das unbefugte Weiden von Vieh im Walde (auch das Auslaufen von Hühnern), ebenso das Ablagern von Steinen, Scherben, Schutt, Dünger, Unrat u. dergl. im Walde verboten und unter Strafe gestellt ist. Es wird dies mit dem Anfügen veröffentlicht, daß das Forstschutzpersonal angewiesen ist, im Falle der Ucbertretung Anzeige zu erstatten. Bekanntmachung. Betr.: Steuerabzug. Die Beträge, um die fich der von dem Arbeitslohn (Bar- und Ratural- oder Sachbezüge) einzubehaltende Betrag von 10 v. H. des Arbeitslohns . ermäßigt, betragen bei jeder nach dem 31. Juli 1922 erfolgenden Lohnzahlung von einem nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn vom 1. August 1922 ab 1. Für den Arbeitnehmer selbst monatlich M. 40.— (bisher M. 20.-), 2. für den für den Arbeitnehmer zugelaffenen Pauschfatz zur Abgeltung der nach § 13 zulässigen Abzüge (Werbungskostenpauschsatz) monatlich W. 90.— (bisher M. 45.—), 3. für die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende Eheftau monatlich M. 40.— (bisher M. 20.-), "4. für jedes zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende minderjährige Kind ohne eigenes Arbeitseinkommen bzw. nicht über 17 Jahre alte Kind mit eigenem Arbeitseinkommen oder für jeden vom Finanzamt zur Berücksichtigung zugelaffenen mittellosen Angehörigen monatlich M. 80.— (bisher M. 30.-). Die Ermäßigung in Höhe von 40, 90 und 80 M. monatlich sind bei jeder Lohnzahlung nach dem 31. Juli 1922 für einen nach diesem Zeitpunkt fällig gewordenen Arbeitslohn zu berücksichtigen. Der Arbeitgeber bleibt nach wie vor an die auf dem Steuerbuche für die Berücksichtigung ver- merfte Zahl von Familienangehörigen gebunden, er kann zum Beispiel nicht, wenn auf dem Steuer- buch die Ermäßigung für ein minderjähriges Kind vorgetragen ist, für ein inzwischen hinzugekommenes weiteres Kind, für das vom Finanzamt eine Ermäßigung nicht vorgetragen ist, noch eine Ermäßigung berücksichttgen. 71933 Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 1. August 1922. 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