Hr. 155 Erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatlich« vezuqrpreise: Mk. 22.50 und Mk. 2.50 Trägerlohn,durch diePost MK.25.— , auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Lewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: siirdieSchrift. leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. sichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. HL 11686. Erstes Blatt U2. Jahrgang Montag, 3. Zuli 1922 GicheimMzeiger General-Anzeiger für Oberhesten Drvck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-Such und Zteindruüerei U. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für! mm Höhe für Anzeigen v. 34 mm Breit« örtlich 150'Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500Ps. Bei Platz. Vorschrift20“ „Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Haus Deck, sämtlich in Gießen. Um die Krisis herum? Don unserem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben: Die Regierungskrisis, die schon vor der Ermordung des Ministers Rathenau bestand, aber durch die politische Spannung, die sich aus diesem Attentat und seinen.Begleiterscheinungen ergab, noch erheblich verschärft wurde, kann jetzt im wesentlichen als behoben gelten, vorbehaltlich etwaiger Zwischenfälle, durch welche die Lage sich wieder ^zuspitzen könnte. Genau genommen handelte es sich..um drei Krisen, die sich aus der Timlagefrage, aus der Zwangsanleihe und der Vorlage über den Schutz der Republik ergaben. Was Punkt 1 betrifft, so ist dieser Konflikt, «nachdem schon in dem Interfraktionellen Ausschuß ein.Kompromiß erzielt worden war, durch Pie Annahme des Gesetzentwurfs über die RegelungdesVerkehrsmitGe- treibe im Plenum des Reichstags endgültig beigelegt. Für das Kompromiß, das auf der Grundlage eines Preises von 6900 Mark für Roggen, 7400 Mark für Weizen, 6700 Mk. für Gerste, Md 6600 Mk. für Hafer pro Tonne zustande kam, während die Umlagemenge auf 2Vr Millionen Tonnen festgelegt wurde, haben außer den drei Koalitionsparteien,. Zentrum, Demokraten und Mehrheitssozialisten, die Unabhängigen sowie ein Teil der Bayerischen Volkspartei gestimmt, während mit den Deursch-Rationalen auch die Deutsche BolkSpartei geschlossen dagegen stimmte. ES handelt sich hier um einen vielleicht folgenschweren Vorgang. Die Koalitions parteien, die nur über 220 von den 469 ReichStagSsitzen verfügen, haben sich bisher eine Mehrheit dadurch gesichert, bah die Bayerische Volkspartei mit ihren 20 Mitgliedern Heeresfolge leistete, während abwechselnd auf der Rechten die Deutsche Vvlkspar- tet, und auf der Linken die Unabhängigen eine wohlwollende Neutralität wahrten. Im Fall der Getreideumlage hat die Regierung sich, nachdem die Verhandlungen mit ber Deutschen Volkspariei sich zerschlagen hatten, auf die Unabhängigen gestützt, und seitens der Mehrheitssvzialisten werden starke Anstrengungen gemacht, um im Anschluß daran eine Orientierung deS Kabinetts nach links durchzudrücken, wovon aber weder das Zentrum, noch die Demokraten etwas wissen wollen. Wie sich die Dinge hier weiter entwickeln werden, ist noch nicht abzusehen. Jedenfalls ist diese Abteilung der Krisis, in deren Verlauf man bereits von einer Auflösung des Reichstags und der Ausschreibung von Neuwahlen gesprochen hatte, nunmehr ausgeschaltet. Daß aber die Zwangsanleihe noch zu einem ernsthaften Konflikt führen könnte, ist nach dem Gang der Verhandlungen im Steuerausschuh des Reichstags nicht anzunehmen, und auf die parlamentarische Verabschiedung der Vorlage, voraussichtlich im Zusammenhang mit einer Novelle zwecks Anpassung der Erbschaftssteuer an die veränderten Geldverhältnisse, kann mit Sicherheit gerechnet werden. Bleibt Punkt 3, nämlich das heiß umstrittene Schutzgesetz für die Repu- b l i k, über das in der K o n f e r e n z der Ministerpräsidenten von Preußen, Bayern, Württemberg und Baden in den wesentlichen Punkten eine Einigung erzielt worden ist. Man rechnet mit Sicherheit darauf, daß sich auch im Reichstag eine Mehrheit für die Vorlage finden wird, deren Zusammensetzung möglicherweise der bei der Getreideumlage entsprechen wird. Die Ernennung der Mitglieder für den Staatsgerichtshof, die Den drei Koalitionsparteien und der Partei der Unabhängigen entnommen wurden, scheint nach dieser Richtung hin bereits einen Fingerzeig zu geben. Während so die Regierungskrisis — wenigstens die akute, denn die chronische sind wir ja seit langer Zeit nicht mehr lvsgeworden — zunächst abzuflauen scheint, und die polizeilichen Recherchen nach den Mördern Rathen aus sowie ihren Helfern und Helfershelfern erfreuliche Fortschritte 511 verzeichnen haben, sorgen die von den sozialistischen Parteien inszenierten Demonstrationen leider dafür, daß die Spannung verschärft, neuer Konfliktstoff geschaffen wird. Während der Aufruf der drei Linksparteien und ber Gewerkschaften zu „ernstem tmb würdigem Auftreten" bei den am Nachmittag des 4. Juli stattfindenden Demonstrationen auffordert, durch die „keine schädliche Störung ber öffentlichen Orbnung eintreten" solle, verbreitet die Zentrale ber Kommunistischen Partei Deutsch- lanbö, obwohl sie jenen Aufruf mit unterschrieben hat, einen Extraappell „an das deutsche Proletariat", worin es heißt: „Aber Demonstrationen genügen nicht! Die Stunde fjeb^tet Handeln", und der offen gegen Regierung und Reichstag hetzt, woraus für jeder- I mann, vor allem auch für die Arbeiter, zu ersehen ist, wie die Kommunisten darauf be-1 dacht sind, diese Demvnstrattvnen in besonderer Weise für ihre Umsturzzwecke auszubeuten. Poincarö über die Schuldsrage. Paris, 1. Iuli. (Wolff.) Havas. In einer heute abend bei einem Bankett des republikanischen Ausschusses für Handel und Industrie gehaltenen Rede sagte P o i n c a r 6, diese großartige Versammlung erwecke bei ihm Erinnerungen an Ereignisse vor zehn Jahren. „Als ich im Jahre 1912 zu einem dieser Bankette geloben wurde, war ich Ministerpräsident und Minister des Aeuhern. Das war zu der Zeit, als im Osten und im Orient die ersten Wolken auftauchten und Frankreich, das keinen anderen Wunsch hatte, pls im Frieden an der Entwicklung seines Wohl- standes arbeiten zu können, beunruhigt den Horizont betrachtete, der ftch verfinsterte. Die Stellung, die wir einnehmen, bewies klar unseren Willen, alles zu tun, was von uns abhing, um den Krieg zu vermeiden. Wir hatten selbstverständlich unser enges Zusammenarbeiten mit unseren russischen Alliierten und unseren englischen Freunden beibehalten. Wir konnten nicht die Aln= klugheit begehen, die Bande zu zerbrechen, die uns mit ihnen verbanden, aber wir waren der Meinung, Da£ der Ernst der Lage allgemein? Besprechungen erfordere und daß ganz Europa versuchen solle, sich zur Lösung der vielen verwickelten Fragen zu verständigen, die zu dieser Zeit durch die Ereignisse aus dem Balkan aufgeworfen Nurden. Wir haben uns daher in lag- liche Verbindung mit D.e u t s ch l a n d und Oesterreich gesetzt, um nicht, die Interessen einer Mächtegruppe den Interessen einer anderen Gruppe gegcnüberzustellen, und wir haben uns bemüht, bei allen Verhandlungen den Gedanken der europäischen Solidarität beizubehalten. Zwei Jahre hindurch haben alle Ministerien, die in Paris aufeinander folgten: Ministerien der republikanischen Vereinigung oder der Radikalsozialisten. in der Leitung der auswärtigen Politik die gleiche Politik der Klugheit und der gemeinsamen Zusammenarbeit befolgt. Aber im Zum 1914 zerstörte das AltentatvvnSera- j e w o das Werk der Geduld und der Kaltblütigkeit, dem wir uns so lange gewidmet 'hatten, und der Kriegsgeist, der so mühsam seit 1912 unterdrückt worden war, brach bei den Mittelmächten mit unwidersl Micher Kraft aus. Als Präsident der Republik hatte ich allerdings nicht mehr die konstitutionelle Verantwortung für die Handlungen der Regierung. Wenn ich aber auch, in dem Fahre, das bem Sturm vorausging, von Ministern umgeben war, die in der Mehrzahl meine Gegner gewesen waren, so hatte ich doch mit ihnen in Fragen der auswärtigen Politik nicht die geringste Einstimmigkeit: ich habe nie ein Wort gesprochen oder geschrieben, dem sie nicht zugestimmt hätten. Sie haben in ihren Bemühungen um ben Frieden nie anders als in vollständigem Einvernehmen mit mir gehandelt. Als uns daher der Krieg erklärt wurde, brachen sich die schon furchtsam in die Welt gesetzten deutschen Verleumdungen an der Wirklichkeit. 'Besonders in unserem Lande hätte man im August 1914 niemanden gefunden, der blind genug gewesen wäre, den deutschen Angriff zu entschuldigen und die dauernden Bestrebungen der französischen Regierung um den Frieden in Zweifel zu ziehen! Diese erhebende Einstimmigkeit ber öffentlichen Meinung genügte bamals. vor der Welt die Verantwortung für den Krieg festzustellen. Frankreich wurde angegriffen. Alle seine Kinder eilten zu seiner Hilfe herbei und scharten sich um seine Fahne. Weder die Enttäuschungen der ersten Schlachten, noch die Grausamkeiten des Einmarsches, noch die entsetzlich lange Dauer ber Feinbseligkeiten konnten den wuirderbaren Schwung des französischen Volkes verlangsanren. Es kam jedoch ein Dag, an bem bei einigen von uns der Umfang der gebrachten Opfer, die immer mehr wachsende Zahl der trauernden Familien, die anhaltende Ungewißheit des nächsten Tages, ben Geist verwirren, den Willen schwächten und eine geeignete Stimmung für alle Intrigen und für Handlungen der Entmutigung und des Verrats schufen. Wir haben jedoch Vertrauen in das Geschick Frankreichs gehabt und wir haben gesiegt. Wer von uns konnte jedoch glauben, daß unsere Aufgabe feit Unterzeichnung des Friedens beendet fei? Ieht gehebei uns wieder die Geister von 1917 um und die wieder auftauchenden Defaitisten beginnen ihren erneuten Feldzug der Verleumdung nicht mehr im Schatten, sondern am Hellen Tag. Sie versuchen das kaiserliche Deutschland von Schuld freizu sprechen und nach bem Gutdünken ihrer Phantasie die Verantwortung für den Krieg zu verteilen. Unter bem Vorwand, den Frieden zu sichern, erschüttern sie die Grundlage, auf oer die Verträge aufgebaut sind." Im weiteren Verlauf seiner Rede führte Poin- care aus: „Es scheint, daß das Einvernehmen über die Notwendigkeit, die Rechte zu gewahren, bi» uns der Friedensvertrag verliehen hat, einstimmig sein müßte. Deutschland arbeitet schon heute eifrig daran, seine industriellen und kommerziellen Kräfte wiederherzustellen. Wir werden keiner Kombination zustimmen, die ihm erlaubt, sich zu bereichern. Unsere Forderung wurde wiederholt beschnitten. Wir wollen nicht, daß unter dem'Vorwand ber 'Beendigung der gegenwärtigen Enttäuschungen man uns noch schlimmere Enttäuschungen für die Zukunft vorbereitet. Wir verlangen unser Recht und unser ganzes Recht. Dis jetzt haben wir erdrückende Lasten tragen müssen, um die Reparationen an Stelle Deutschlands zu bezahlen, und wir sind dieser Last noch nicht ledig. Angenommen, wir brechen morgen darunter zusammen, so wird der Zusammenbruch Frankreichs auf den Handel ber ganzen Welt einen entsetzlichen Rückschlag ausüben. Frankreich nimmt immerhin eine gewisse Stellung in ben wechselseitigen Beziehungen der Rationen ein; es ist nicht ohne Einfluß auf bas Gleichgewicht ber Welt. Es sind baher keine egoistischen Ziele, die es verfolgt. Es will Frankreich bleiben, d. h. eine Ration, Die im Kriege heldenmütig zu sein wußte und die im Frieden eine ber ersten Arbeiterinnen für die Zivilisation und den menschlichen Fortschritt sein will!" * Wirb nun unsere Reichsregierung, auf bicse Initiative bes französischen Staatsmannes angemuntert, endlich auch an eine grünbliche Behandlung ber gerabe im gegenwärtigen Attgenblick toicbcr so bebeutungs- vvllen Schuldsrage herantreten? Die Aufklärung des Mordes an Rathenau. Berlin, 1. Juli. (WTD.) Der Abteilung lu bcö Berliner Polizeipräsidiums ist es gelungen, die Maschinenpistole, mit der Rathenau erschossen wurde, a u f z u f i n - den. Die Waffe hing in ber Tannenhecke eines Gartengrundstückes in ber Teplitzerstrahe in Berlin-Schmargenborf. Die Pistole ist noch mit 24 Schüssen geladen. Beim Eigentümer des bekanntlich schon vor einigen Tagen von ber Berliner Polizei beschlagnahmten Mordautos, bem deutsch-völkischen Fabrikanten Johannes Küchenmeister zu Freiberg in Sachsen, förberte eine jetzt von sächsischen 'Beamten vorgenommenc Durchsuchung ein umfangreiches Waffen- unb Munitionslager zutage. Es wurden gefunden: 2 Mm en Werfer, 6 schwere Maschinengewehre, 4 leichte Maschinengewehre, 150 Gewehre, 30 Kisten Munition und eine telephonische Einrichtung. Die Waffen waren in einen Schacht eingemauert. Neue Verhaftungen in der Mordaffaire Erzberger. Berlin, 1. Juli. Rach einer Meldung des „Vorwärts" wurden in Osnabrück der Fabrikant Froenbling, der Fabritdirektvr Paul Meyer und der deutschnationale Parteisekretär Landwehr wegen Beihilfe an ber Ermordung Erzbergers verhaftet. Eine Zurechtweisung der ,,Darmstädter Zeitung" durch Minister v. Brentano. Das amtliche Organ der hessischen Regierung, die „Darmstädter Zeitung", brachte mit der sensationellen Aeberschrift „Ein reaktionäres Attentat auf den Volksfreund" folgenden Bericht: Darmstadt, 29. Juni. Heute nacht Firj nach Mitternacht erfolgte von mehreren Studenten (wie ber „Volksfreund" annimmt, von der Hochschule) ein vorbereiteter Angriff auf bas Geschäftsgebäube des „Hessischen Volksfreund". Sowohl von der Neckarstraße als auch über den Hof des Rachbargrundstückes der Dank Rauheim in der Rhein st raße suchten die Angreifer in das Gebäude einzudringen. Der geplante Anschlag war der Redaktion bekannt, weshalb für polizeiliche lieber» wachung gesorgt wurde. Diejenigen der Täter, die ihren Weg über bas Rachbargrundstück nahmen, wurden von einem Posten rechtzettig entdeckt. Auf bas Signal des Postens suchten sie zu entkommen. Die Schutzpokizei fetzte den Burschen nach. Unglücklicherweise betrat in diesem Moment der Hausmeister Kurz der Bank Rauheim mit seinem großen Wachhund das Grundstück und hetzte den Hund gegen die irrtümlicherweise für Einbrecher gehaltene Schupo. Auf wiederholte Zurufe der Schupoleute, den sie aufhaltenden Hund zurückzurufen, da Polizei hier wäre, erfolgte von dem Hausmeister keine Antwort, wodurch ein durch den Hund direkt bedrohter Polizeibeamter sich zu einem Schuß gegen ben Hunb veranlaßt sah, der auch angeschossen wurde. Das Geschoß spritzte auf einem Stein ab und drang als Querschläger dem Hausmeister Kurz in die Brust. Die Verletzung war augenblicklich tödlich. Es handelt sich um einen recht bedauerlichen Tlnglückssall, an dem wieder mal das verhetzende Treiben der Deutschnationalen die alleinige Schuld trägt. Es gelang der Schutzpolizei, vier Studenten, die sich an dem Ueberfall beteiligten und die Scheiben ber Redaktion einwarfen, zu verhaften. Daraus erläßt nun der Minister des Innern, v. Brentano, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, folgende Feststellung: „Zu dem Artikel vom 29. Juni 1922 der „Darmstädter Zeitung" mit der Aufschrift: „Ein reaktionäres Attentat auf den Volksfreund" wird folgendes festgestellt: Cs ist keinesfalls erwiesen, daß der „Angriff auf das Haus des Hessischen Dolksfreurrd" von einem ober einzelnen Studenten verübt wurde. Es i£ sbMjowenig jeltgestellt. oder mir glaubhaft gemacht, daß Studenten beteiligt waren. Es steht nur f e ft, daß zwei Fensterscheiben von bis jetzt vollkommen unbekannten Tätern ein geworfen wurden. Es ist unzutreffend, daß „mehrere Studenten" in „bas Gebäude des Vollsfreundes" einzudringen versuchten. Es ist deshalb auch unrichtig, daß es der Polizei „gelang, vier Studenten, die sich an dem Ueberfall beteiligten und die Scheiben einwarfen" zu verhaften. Darmstadt, 30. Juni 1922. < Das Ministerium des Innern: v. Brentano. Das ist eine weit durch das Hessenland schallende Ohrfeige für die Darmstädter Zeitung, deren Methoden.offenbar auch dem Mi-I nifter v. Brentano allmählich stark auf die Nerven gefallen sind. Nun wartet die Oeffent- lichkeit aber noch mit Spannung darauf, wie das hessische Kabinett mit den ungeheuer-, lichen Pöbelausschreitungen und ihren Wirkungen sich abzufinden gedenkt. Zu den Aufruhrszenen erfuhr unser Mit- arbeiter noch von autentischer Stelle, daß am letzten Dienstag in höchster Not zur Beschwichtigung der Massen von Amtswegen die Hilfe der Feuerwehr angerufen worden sei, damit diese die tobende Menge voi^ der weiteren Demolierung der Häuser durch eine Dampf spritze abhalte. Nach einer Beratung durch den Betriebsrat gab aber die Feuerwehr die Erklärung ab, daß sie nur bet einem Brand auSrücke, und versagte die Hilfe. Die hessische Regierung gegen die „Frankfurter Nachrichten". Dor inst abt, 1. Juli (DTB.) Wie bis „Darmstädter Zeitung" erfährt, hat die hessische Regiel-ung gegen die „Frankfurter Rach - richte n" wegen eines in deren heutiger Ausgabe veröffentlichten Artikels „Die Darmstädter Vorgänge; die Schuld der hessischen Regierung nach,gewiesen" Maßnahmen, gegen das Blatt ergreifen lassen. Vom deutschen Stäbtetag. Königsberg, 2. Iuli lWTD.) In ders Freitagssitzung des HauptauSschusses drS deutschen Städte lag es tDjrbe die (Stellung der Städte zam Hitfswerk der deutschen Landwirtschaft besprochen und es waien Leitsätze über ein Zusammenarbeiten der Städte mit der Landwirtschaft zur Sicherung der Volksernährung beschlossen; in den Leitsätzen wtrd' zum Schl.iß der Erwartung Aasdruck gegeben, daß Die landwirtschaftlichen Organisationen mit" allen ihnen . zu Gebote stehenden Mitteln dew (Sintoiifung a.if ihre Mitglieder willkürliche, nlcyt. durch Die Sttiger.lng der Erzeug ingökosten ge- rechtscltigte Preiserhöhungen für sand-. Wirtschastttche Erzeugnisse hmtanhallen würden. In der Sitzung vom Samstag nahm der« Hauptausschuß des Städtetages 3 int Landes- steuergesetz Stellung und druckte ftine lebhafte Besorgnis darüber aus, daß die Reichs-, rcgicrung den Entwurf des Gesetzes nun doch nicht mehr vor den Parlamentsferien vorlegen werde.' Die Städte könnten diese fortgesetzte Verzögerung der Regelung ihrer Finanzverhältnisse nicht länger ertragen Die Gemeinden würden in kurzer Frist mit Naturnotwendigkeit an den Punkt gelangen, wo sie infolge der Haltung des Reiches nicht mehr in der Lage wären, Die Gehaltsund Lohnzahlungen aufrecht za erhalten. Es werde ihnen daher nichts anderes übrig bleiben, als die Ausführung bestimmter ihnen ohne De- leitftcllung der vollen Deckungsmittel übettragener Reichs- und Staatsaufgaben e i n z u st e l l c n. Der Hauptausschuß des Deutschen Städtetag?s müsse unter diesen UmftänDcn aufs nachdrücklichste an! Reichsregierung, Reichsrat und Reichstag dies Forderung richten, die schleunige Fertigstellung und Verabschiedung des Land ssteuerges.tzes zu betreiben. Zum Gesetz selber forderten die Städte vor allem, daß ihnen erhöhte Anteile an der Einkommen- und der Körperscha'tssteuer mit' Wirkung vom 1. 2p?ril 1920 und ferner, da dies nicht entfernt genüge, wesentlich erhöhte Anteile an Der erhöhten Ümsahsteuer sowie die ganze Grunderwerbssteuer eingeräumt würden. Daneben fei grundsätzlich an der Forderung der Wiederherstellung des Rechtes Der Gemeinden festzuhalten, Zuschläge zur Einkommensteuer zu er-' heben. Ferner sei erforderlich. Da"; die auf "Der Würzburger Konferenz verheißenen Reichszu- fchüsse zu Den Beamtenbesoldungen und Arbeiter- löhnen beschleunigt vorw?g geregelt würden. Die Gewährung dieser Zuschüsse Dürfe jedoch unter feinen Tlmständen zu einer Einschränkung der Selb st Verwaltung der (San rn'e.i und zur Einführung einer- neuen Reichskontrolle benutzt' werden. Allerseits wurde einmütig festgesteklt, daß es allerhöchste Zeit sei, Maßnahmen zur Verhütung einer Katastrophe zu treffen. Ebens0 wurde einmütig ausgesprochen, daß das ganze Elend der deutschen Städte vom Versailler Friedensvertrag her rühre und daß es Pflicht sei, Der Entente Die Folgen den Friedensvertrages auf Dem Gebiete Der Gemeindeverwaltung vorzuführen. Rach einstimmiger Annahme Der obe.t bezeichneten Leitsätze wurde Die Sitzung von, Oberbürgermeister Boeß (Berlin) geschlossen. Die Unruhen in Oberschlesten< G leiwitz. 1.1'llr. (WTB.) Schon heute I früh machte sich hier unter Der Bevölkerung infolge Der Ablieferung Der Waffen seitens der Apo an Die französischen Besatzungstruppen tfne größere .Aufregung bquisrtlrar. Der Schröterstraße, dem Standort der 2Lpo, und nm katholischen Verein 5 Haus tarn es 31 Zu- If am me t ft ö - en zwischen Zivilisten et nb französischen Truppen, th gegen Abend einen groben Umfang a: nahmen. Wie verlautet, sind 15 Personen, darunter ein Franzose, getötet und gegen 25 Personen verwundet. 43m' Saufe des Vach mittags fuhren französische Panzerwagen durch rie Strafen. Gegen 10 Uhr abends war noch Gewehrfeuer zu hören, lieber Gleiwih Wurde der verschärfte Velagerungs- zustand verhängt. Gleiwih, 2. Juli (WB). Ueber die gestrigen Vorgänge in Gleiwih ist noch zu berichten, daß । sich die Zahl der Toten auf höchstens^ sieben beziffert. Unter den Toten befindet sich ein französischer Offizier. Die Zahl der Verwundeten dürste etwa 15 betragen. Heute ist eine bedeutende Beruhigung eingetreten, zumal die Franzosen im Laufe des heutigen Tages die Stadt verlassen, nachdem die Italiener bereits abgerückt waren. Mehrere Hundertschaften Schutzpolizei sind in Gleiwih eingetroffen. Die Franzosen fahren noch mit Tanks und Automaschinengewehren durch die ©traben und mustern die Passanten mit angelegten Gewehren. Die ftanzösischen Mafchinengewehre, die gestern die Straßen der Stadt zierten, sind im übrigen heute wieder verschwunden. Der über Beuthen verhängte Belagerungszustand erreicht morgen früh sein Ende. Der Fahnenwechsel erfolgt ^sowohl in Hindenburg als auch in Gleiwih und Beuthen morgen vormittag. Mehrere Kommandos der Schuh- polizei trafen bereits in Beuthen ein. In Hindenburg übernahm die Schutzpolizei schon heute den Strahenschutz, Beuthen, 2. Juli. WB. Ein mit Waffen beladenes Lastauto, das von Beuthen nach Gleiwih unterwegs war, ist bei Kars von bewaffneten Banditen überfallen und zum Teil ausgeraubt worden. Desgleichen wurden zwei nach Gleiwih fahrende Automobile, die Gewehre, Munition und Kleidungsstücke der aufgelösten Gemeinde- wachen mit sich führten, das eine hinter Langendorf, das andere bei Laband, von Banditen überfallen und teilweise ausgeraubt. Mit Maschinengewehren und Handgranaten ausgestattete Banditen versuchten in der Rächt zum Samstag bei den Docrugwerken in Hindenburg die polnisch-deutsche Grenze zu überschreiten, wobei es zu einem Feuergefecht kam, das bis zum frühen Morgen andauerte. Der Versuch wurde vereitelt. Der Belagerungszustand über Ratibor. Ratibor, l.Iuli. (Wolff.) Vach der „Oft- deutschen Morgenpost" wurde gestern abend ein französischer Offizier von Zivilisten angegriffen. Eine italiemsche Patrouille griff ein: dabei fielen Schufte, durch die zwei Italiener schwer verletzt wurden. Von welcher Seite die Schüsse fielen, konnte noch nicht sestgestetlt werden. Die Erregung der Massen wird darauf zurückgeführt, dah im Laufe des gestrigen Vachmittags einige französische Autos hier eintrafcn, um die Waffen der in der Auflösung begriffenen Apo abzutransportieren. Daraufhin bildeten sich grobe Menschenan- fam’mlungen, die gegen den Abtransport der Waffen demonstrierten. Die Stadtverordnetenversammlung wurde in Anbetracht des Zwischenfalls a ikf■ g e 15 ft und dabei bekanntgegeben, dah der Kommandant der Desatzungstruppen aufforderte, aufi die Massen beruhigend zu wirken. Wenn nicht btrmen einer halben Stunde die Strahen von den Massen geräumt werden, würde er das Feuer eröffnen. Die Garnison wurde alarmiert und schritt mit schuhbereiten Waffen gegen die Massen. Im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall verschärfte man den Belagerungszustand über Ratibor. Der Bürgerkrieg in Irland. London, 1. Juli. (Wolff.) Die Dubliner Rebellen haben sich jetzt in der Sackville-Street, der Hauptstrahe der Stadt, verschanzt und zwar in einem Gebäudeblock von 200 Meter Front- breite, wozu einige große Hotels gehören, die von den Gästen geräumt werden mußten. Die Rebellen sind eifrig damit beschäftigt, diese Gebäude zu befestigen und einen Tunnel zwischen ihnen zu graben. Man glaubt, dah de Dalera dort das Kommando führt. Die Freistaatler halten die gegenüberliegende Strahenseite besetzt. Während nachts der Kampf rußt, wurde die Ruhe heute früh durch den Eingriff eines Panzerautomobils auf die Freistaat-Truppen unterbrochen. Diese erwiderten das Feuer heftig. Darauf explodierte eine Mine unter der Straße in der Vähe des Automobils, ohne jedoch diesem Schaden zuzufügen. — Der Stabschef der Freistaatler lieh bekannt machen, daß Plünderer sofort erschossen würden. Heute früh ergäben sich 50 Rebellen in der Vähe „Fouc Courts". Bei den gestrigen Kämpfen in Dublin gab es zwölf Tote und über hundert Verwundete. In Drogheda wurde gestern heftig gekämpft, wobei die Eisenbahnbrücke gesprengt und damit die Verbindung Dublins mit dem Vörden abgeschnitten wurde. Auch aus verschiedenen Orten der südwestlichen Grafschaften werden Angriffe der Rebellen auf die Freistaatler gemeldet. Das inscheParlament hat sich bis zum 15. Juli vertagt. Italien und Rußland. Paris, 2. Iuli. (WTD.) Havas. Auf ein Interview des Haager Berichterstatters des „Petit Parisien" dementiert der Führer der italienischen Abordnung, Baron Avez - z a n 0, in aller Form das Gerücht, nach dem Italien wieder Verhandlungen mit den Sowjets begonnen hätte über die Ratifizierung des italienisch-russischen Abkommens, dessen Billigung Moskau abgelehnt hat. Desgleichen dementiert Avazzanv, daß ® ian in i, der Vertreter Italiens bei dem Privatbesih-Aussch^h, mit der Absicht nach Rom gereift fei, Fühlung mit Borowski zu nehmen. „Italien“ — so fügte er hinzu - „hat im Haag keine besondere These zu verteidigen. Es stimmt vollkommen mit den anderen Mächten in der Linie überein, auf der die Verhandlungen mit Moskau geführt werden." Bei der Besprechung der Haltung der Bolschewisten erklärte Avezzano: „Die Russen machen alles von den Krediten abhängig, die sie erhalten. Sie müssen sich doch vorstellen, dah der Wiederaufbau Rußlands ein langwieriges Werk ist: sie müssen verstehen, dah sie sich den guten Willen Europas zu Ruhen machen müssen, um das Werk zu beginnen. Wir betrachten noch immer die Wiederaufnahme der Verbindungen mit Rußland als interessant, tragen aber auch dem Rechnung, daß die Moskauer Regierung, von allen Seiten bedrängt, ihren Weg noch nicht finden kann. Wir lassen sie gewähren und warten. Wir sind nicht hierher gekommen, um in fieberhafter Hast zu verhandeln. Ein vollkommener Verständigungsgeist herrscht unter den alliierten Abordnungen." Dies erscheint dem Baron Avezzano als ein glänzendes Vorzeichen. Heimstätten für die Juden in Palästina. Washington, 1. Juli. (WB). Reuter. Das Repräsentantenhaus hat, bevor es sich bis 15. Ro- vember vertagte, eine Enffchliehung angenommen, die jetzt dem Senat überwiesen und in welcher er- klärt wird, dah die Vereinigten Staaten sich zugunsten von Heimstätten für die Juden in Palästina aussprechen, vorausgesetzt, dah nichts zum Vachteil der bürgerlichen und religiösen Rechte der christlichen und anderer nicht jüdischen Gemeinschaften in Palästina getan wird. Weiter wird vorausgesetzt, dah die heiligen Stätten angemessen beschützt werden. Der Senat tagt weiter, um die Tarifgesehe zu beraten. Aus dem Reiche. Die Untersuchung gegen Dr. HermeS. Berlin, 1. Juli. (Wolfs.) Der Reichstag s a u s s ch u ß zur Untersuchung gegen den Reichsminister Hermes hielt eine vertraulich? Sitzung ab, über die der Vorsitzende Abg. Fischer-Köln mitteilt: Der aus fieben Mitgliedern bestehende 26. Ausschuß zur .Untersuchung gegen Hermes sprach sich mit sechs Stimmen dahin ans, daß er auf Grund der von ihm angestellten Untersuchungen feine Veranlassung gegeben sieht, dem Reichstag zu empfehlen, gegen Hermes v orzu g e hen. Der Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei beteiligte ftch. an dieser Beschlußfassung nicht, weil er sein Votum erst nach der endgültigen Vorlage des Berichtes glaubt abgeben zu können. Ein Aufruf deö Deutschen Gewerkschafts- bundes. Berlin, 2. Juli. (WTD) Der Deutsche G ew er ks chafts bun d richtet an seine Mitglieder folgenden Aufruf: Die sozialdemokratischen Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten und die drei sozialistischen Parteien fordern erneut zur Arbeitsruhe für Dienstag, den 4. Juli auf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnt eine Beteiligung an dieser abermaligen La h mlegung des Wirtschaftslebens mit Entschiedenheit ab. Ein solcher sinnloser Mißbrauch der gewerkschaftlichen Machtmittel schädigt das Volk, er vergrößert nur unsere schreiende Rot und den Schutz der Verfassung und der Sicherung des allgemeinen Rechts wird damit nicht gedient. Christliche Arbeiter, Angestellte und Beamte erweist euch erneut als ein Ordnungsblock der deutschen Volksgemein- fdjaft. Deutscher Gewerkschaftsbund. gez. Steger- wald. Die Ausführung der neuen Reichsverordnung in Hamburg. Hamburg, 2. Juli. (WTB.) Laut Mitteilung der Polizeibehörde Hamburg sind auf Grund der Verordnung zum Schuhe der Republik zwanzig nationalistische Vereine und Vereinigungen verboten und aufgelöst worden. Aus Stabt und Land. ® ießen, den 3. Juli 1922. ** Wechsel in der Redaktion. Herr Redakteur Walther ist am 1. Iuli aus unserer Redaktioü ausgeschieden, um eine Stelle in Annaberg zu übernehmen. An seine Stelle ist heute Herr Ernst Blum schein getreten, der bisher in Höchst a. M. tätig war. Wettervoraussage Wolkig, warm, verstärkte Gewitterneigung. Das Tiefdruckgebiet über Schottland hat starke Luftdruckstörungen in Deutschland hervorgerufen, daß wir mit unbeständiger Witterung und Gewitterneigung rechnen müssen. Der 43. Stcnographentag des Verbandes Gabelsbergerschcr ~ Stenographen vom Hessisch - Nassauischen (Main-Rheingan) Verband gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für die Stenographie. Vachdern am Samstag der geschäftliche Teil erledigt worden war, fand am Sonntag Vormittag ein Wettschreiben in der Universität und int Realgymnasium statt, an welchem sich fast tausend Wettschreiber beteiligten. Als der Sonderzug von Frankfurt eintraf, herrschte die reinste Völkerwanderung nach der Ludwigstrahe. Es wurde in den Abteilungen von 100—320 Silben geschrieben. Für einzelne Abteilungen mußte infolge des starken Andranges nachträglich noch mehrere Säle requiriert werden. Die Fe st Versammlung in der dicht besetzten Reuen Aula der Universität wurde durch einen Vortrag des Gesangsvereins „Heiterkeit" eingeleitet. Darauf eröffnete der 1. Verbands- vorsihende Georg Schopp mit einigen Begrüßungsworten die eigentliche Feier. Ihm folgten als Vertreter der Universität Geh. Rat Prof. D. Dr. Krüger, der Stadtverwaltung Bürgermeister K r e n z i e n, der Provinz Provinzialdirektor Staatsrat M a 11 h i a s, derIustizLandgerichtspräsident Dr. Gänger ich, als Vertreter derHandelskammerBank- direktor G r i e s b a u e r, die ebenfalls die zahlreich erschienenen Stenographen willkommen hießen und die Bedeutung der Stenographie in verschiedenartiger Beziehung beleuchteten. Uebereinftimmenb betonten die Redner die Unentbehrlichkeit der stenographischen Kunst für unsere heutige Kultur. Der Vorsitzende der Stenographen-Gesellschaft, Dalken, begrüßte die Gäste, die an gleichzeitig stattsindender Feier des 25 jährigen Destehens der Stenographen-Gesellschaft teilnehmen. Derbands- vorsihender Schöpp dankte den Rednern für die hohe Würdigung der Stenographie und erteilte nunmehr dem Regierungsrat Dr.W ilhelmMüller das Wort. Dr. Müller ließ in warmen Worten tiefes Verständnis empsinden für das große Werk des Vaters der deutschen Stenographie, des Kanzlisten Baver Gabelsberger. Er entwickelte die einzelnen Stadien, die die Stenographie zurück- legen mußte, um zu ihrer heutigen Form zu gelangen. Durch Gegenüberstellung der Gabelsberger- schen Stenographie mit anderen Systemen suchte er den Beweis für die Überlegenheit der ersteren zu erbringen. Daher dürfe man auch erwarten, daß die zu erhoffende deutsche Einheitsstenographie auf der Grundlage der Gabelsbergerschen Stenographie auf gebaut werde. — Rachdem dann Ver- bandsvorsihender Georg Schöpp, dessen verdienstvoller Tätigkeit der Vorredner ganz besonders gedacht hatte, noch einige Mitteilungen über das Wachstum des Main-Rheingau-Verbandes gemacht und die Bitte an alle einstigen Stengraphen- schüler gerichtet hatte, für die Gabelsbergersche Stenographie zu werben und sie zu unterstützen, gab ein Chor des Gesangvereins „Heiterkeit" der fast zweistündigen Feier einen würdigen Abschluß. Rachmittags fand ein Festessen im Hotel Schütz statt und am Abend wurde das 25jährige Bestehen der Stenographengesellschaft und Damenabteilung in der Turnhalle und im Kaufmännischen Derelnshaus festlich begangen. Wir möchten der Tagung vor allem den Erfolg wünschen, daß sie dazu beitragen möge, die Frage der Einheitsstenographie baldigst zu lösen. Wie Regierungsrat Dr. Müller mitteilte, finden in 14 Tagen Besprechungen im Reichsministerium statt, die hoffentlich als Resultat die Einheits- stenographie zeitigen werden, womit erst die volle Ausnutzung der stenographischen > Kunst erreicht werden wird. * ** Der gestrige Sonntag ist den Erwartungen der breitesten Vollsmasse wohl in weitgehendem Maße gerecht geworden. Schon am Vormittag lockte strahlender Sonnenschein zu Spaziergängen hinaus und auch die Rach- mittagsstunden waren trotz der starken Hitze geeignet, die Freude an dem schönen Sommertage zu erhalten. Die starke Sonnenwirkung führte am Spätnachmittag zu Gewitterbildungen, „ die ihren ersten Vorläufer gegen 6 Uhr abends über unsere Stadt entsandten. Die im Freien arrangierten gesellschaftlichen Veranstaltungen des 4 3. Derbandstages der Gabelsberger Stenographen erfuhren durch den einstweilen nur leichten Regen alllerdings eine gelinde Störung, welche die Festteilnehmer zum schnelleren Versammeln in den Festlokalen im Innern der Stadt veranlaßte. Der Abschied der zahlreichen auswärtigen Besucher von unserer schönen Gartenstadt vollzog sich bedauerlicher- | weife in strömendem Regen, den die starken Abendgewitter in reichem Maße mit sich brachten. Wenn aber auch die Stenographen mit dem Wetterabschluß ihres Festtages nicht so recht zufrieden sein werden, so wird dafür der Land« mann trotz des Durchweichens der Heumengen, die man am Samstag nachmittag und gestern noch mehrfach im Felde liegen sah, den guten Regen doch mit frohen Augen anseh en, denn für die Hackfruchternte, namentlich aber für die Kartoffeln, kamen diese ergiebigen Regenfälle zu außerordentlich günstiger Zeit. Die Hoffnungen auf eine gute Kartoffelernte sind durch die gestrigen Riederschläge jedenfalls stark gewachsen. Als weitere willlommene Wirkung der gestrigen atmosphärischen Entladungen verzeichnen wir eine sehr wohltuende Abkühlung der Temperatur. ** Amtliche Perfonalnachrich-- t e n. 3n den Ruhestand versetzt wurden am 29. Juni: der Rektor an der Volksschule zu Reichelsheim i. O. Peter Bormuth; der Lehrer an der Volksschule zu Klein-Steinheim im Kreise Offenbach Heinrich Burk; der Rektor an der Volksschule zu Heuchelheim im Kreise Gießen Konrad Dietz; der Rektor an der Volksschule zu W i e s e d im Kreise^Gie- ßen Heinrich D ö l l; der Rektor an der DollS- schule zu Erbach im Kreise Erbach Heinrich Escher; der Lehrer an der Volksschule zu Steinbach im Kreise Erbach Philipp Hoffart; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Konrad Jockel; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Alfred Kessel; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Heinrich Lanz; der Lehrer an der Volksschule zu W i e s e ck im Kreise Gießen Friedrich Müller; der Lehrer an der Volksschule zu Klein-Steinheim im Kreise Offenbach Jakob Schlitt; der Rektor an der Volksschule zu Lollar im Kreise Gießen Georg Karl Sehrt; der Lehrer an der Volksschule zu Offenbach Friedrich Weingärtner; der^ Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Heinrich Zimmer — auf ihr Rach- suchen unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten Dienste vom l.Iuli 1922 an. " Di e Grundlöhne und die entsprechen» den Beiträge für Krankenkasse und I n - Validenversicherung werten in einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils ver- öfsentlicht. ** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 3. bis 10. Iuli zum Preise von 1500 Mark für ein Zwanzigmarkstück, 750 Mark für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. — Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbarck und Post erfolgt vom 3. bis 10. Juli d. Is. bis auf weiteres zum 35fachen Betrag des Nennwertes. < Das übliche Hohervdskopsfest, das alljährlich am ersten Sonntag im Juli gefeiert wird, fand am gefhigen Sonntag statt. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, hatten sich dort oben über 2000 Wanderer aus der näheren unb weiteren Umgebung eingesunden. Besonders stark waren die Zweigvereine Fulda mit 180 Wanderern, Lauterbach mit 120, Schotten, Ridda. Büdingen u. a. vertreten. Vom jungen Zweigverein Mainz waren sogar 25 Wanderlustige an* wesend Lehrer Link (Rudingshain) hielt die Festrede, in der er zum Schluß zur Einigkett und zum inneren Wiederaufbau des einzelnen Menschen mahnt. Verkaufsstände und ein Tanzboden sorgten für weitere -Unterhaltung. Die Räume waren zur Ausnahme der vielen Menschen natürlich zu klein, deshalb lagerte der größte Teil im Freien. Die Anhöhe sah von Weitem wie ein großes Feldläger aus, in dem gesungen und gescherzt und sogar abgekocht wurde. Abends setzte ein Gewitter ein, von dem die meisten Vereine verschont blieben, da fie ftch schon zu Hause oder auf der Heimfahrt befanden. ** Richtig frankieren! Am 1. Juli ist der neue, sehr wesentlich erhöhte Portotarif in Kraft getreten. An diese einschneidende postalische Veränderung heute noch einmal erinnert zu werden, dürste der Geschäftswelt und den Privattreisen erwünscht sein, denn die Strafportoauflage ist angesichts der neuen, hohenSätze jetzt noch weniger angenehm denn früher. Der „Gießener Anzeiger" hat die neuen Gebührensätze in seiner Rümmer 148 vom vorigen Dienstag zum Abdruck gebracht. Die wichtigsten Sätze des neuen Tarifs seien hier noch einmal kurz wiederholt: es kostet jetzt ein Brief bis 20 Gr. im Ortsverkehr 1 Mk.. im Fernverkehr 3 Mk., von 20—100 Gramm 2 Mk. bzw. 4 Mk., über 100—250 Gramm 3 Mk. bzw. 5 Mk., Postkarten kosten im Orte 75 Pf., nach auswärts 1.50 Mk., Drucksachen bis 20 Gramm 50 Pf., von 20—50 Gramm 75 Pf., von 50—100 Gramm 1.50 Mk., von 100—250 Gramm 3 Mk., von 250—500 Gr. 4 Mk., von 500—1000 Gramm 5 Mk. Die weiteren Aenderungen sind aus der obengenannten Rümmer unseres Blattes zu ersehen. " Metallfiegelverschluß bei Postpaketen. Als Derschlußmittel für Wertpakete von mehr als 500 bis 3000 Mark werden vom 1. Iuli an neben den bisher vor- geschriebenen Lacksiegeln auch Bleisiegel und Stahlblech siegel versuchsweise zu gelassen. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. — Etwas zum Nachdenken. Kaum hat in den Gärten die Reise der Stachel- und Johannisbeeren begonnen und schon setzt wieder die Schießerei nach den Vögeln ein. Früh morgens und bis in den späten Abend hort man das Knallen der Teschings und Floberts. Wie viele Schützen erklären, gilt ihre Jagd nur ben Sper- FerrMeton. Escheberg. Im allen Künstlerfreistaat. Aus Kassel wird uns geschrieben: Es war einmal ein armer Hauslehrer und ein Poet dazu. Dem ging's gar übel. And wie Richard Wagner erlöst aufatmete, als ihn im Schwabenlande des Dahernkönigs Rus erreiä'te, so war's auch Emanuel Geibel zumute, da ihm Einladung wurde zum Baron von der Malsburg in Escheberg im Hessenlande! Er ging auf die Reise und aus überfprudeln- dem Herzen dichtete er unterwegs das Lied, das heute Gemeingut des deutschen Volkes geworden ist: Der OHai ist gekommen...! Daran mußte ich auf froher Wanderfahrt ins schöne Tal der .Wärme gedenken, als die Kirschen reiften und die Sonne beste Laune hatte. Ein trotziger Derg- fegei springt aus den Wäldern empor: die Malsburg! Seit dem 17. Jahrhundert ist sie im Verfallen. Der Wald stieg allmählich bis zu den Ruinen empor und noch unlängst hielt ich Ausschau von dort ins Land der Hessen und der Riedersachfen. Jetzt wehrt ein Stacheldraht jeden Wanderer ab. Man sagt, es fei zu viel Unfug in eben Ruinen verübt worden ... > Und weiter geht die Fahrt auf eines Dichters Spuren. Dypt, wo das Tal am Fuße des grünen Eschebergs am engsten wird, nur steil zur Straße fällt, die nach Zierenberg und von dort nach Kaftel und nach Westfalen führt, dort liegt das Gut, das einstmals Geibel aufnahm in einen Kreis der kunstsinnigsten Männer seiner Zeit. Baron von der Malsberg, der Söhn des Calbervn-Uebersetzers, versammelte in dem reizvollen Schloß die Brüder Grimm, die Märchen- farnmler, Freiligrath, den Musiker Spohr und viele andere. Heute noch duften im Park die seltsamsten Blüten unter riesigen Bäumen und der Rachen schaukelt auf einem verträumten See und heute noch zeigt man das „Poetenstübchen", in dem Geibel wohnte, bis in den hohen Tag hinein» schlief, dieweil er ein Langschläfer war und wenn er dann zur Mittagszeit die grünen Fensterläden auf fließ, trenn er hinaussah auf die grünen Berge ringsum dann muß es geschehen fein, daß er das Lieo erdachte: Wer recht in Freuden wandern will, Der geht der Sonn entgegen .... Ausgerechnet dieser Langschläfer! Auch Dichtungen haben oft merkwürdige Vorgeschichten. Ein kostbares Fremdenbuch wird heute als Schatz gehütet. Drinn stehen die Ramen aller Größen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert, die hier, wie Paul Heidelbach, einer der besten Chronisten des Hessenlandes einmal geschrieben hat, einen Künstlerfreistaat bildeten, wie er romantischer wohl nirgends bestanden hat. Escheberg war an die Stelle Weimars getreten, nachdem Altmeister Goethe die Strahlenaugen geschlossen hatte. Escheberg ist ein ragender Denkstein im Reiche der deutschen Literatur und Künste. Qhif einem Berge, der dem Escheberg vorlagert. steht der Rest eines alten Pavillons, ein Schutz Häuschen heute und von dort geht ein wundersamer Blick zum gigantischen Dörnberg, zum zweibuckligen Gudensberge und zum Falkenstein, dem der todesmutige Verteidiger Magdeburg entstammte. Hier faß Geibel oft und gern, hier schuf er feine schönsten Lieder und die Rachwelt hält die Erinnerung fest, indem sie dieses Daumstammhüttchen den Geibeltempel nennt. Rudolf Hehnemann. 25 Jahre Goethehaus. me. Frankfurt a. M, 2. Juli. Am 20. Juni dieses Jahres waren 25 Jahre verflossen, fett das Frankfurter Goethehaus den Besuchern seine Pforten öffnete. Dies war Anlaß zu einer Geben!feier, die das freie deutsche Hochstift, als Eigentümerin, im großen Staatszimmer des Goethehauses am gestrigen Sonntag veranstaltete. Iustizrat Dr. Reumann begrüßte im Ramen des Hochstifts die Gäste und wies in feiner Ansprache darauf hin, daß durch zahlreiche Spenden aus dem In- und Ausland es möglich gewesen fei, das dem Verfall preisgegebene Goethehaus zu renovieren. Trotzdem sei man aber über die finanzielle Krise nicht hinweg, da die zunehmende Teuerung ungeheure Summen verschlinge. Der Direktor des Frankfurter Gvethemuseums Professor Dr. Heuer gab bann in längerem Vortrag ein Bild der Geschichte des Geburtshauses unseres größten Dichters, namentlich aber der Entwicklung in den letzten 25 Jahren. Interessant ist z. B. die.Tatsache, daß die umfangreiche Evethebibliothek. die im Jahre 1897 20 000 Bände zählte, heute deren 50 000 umfaßte. Professor Heuer gedachte auch in dankbaren Worten all der Wohltäter des Goethehauses und schilderte ausführlich die Dorkriegsbestrebungen des Oberbürgermeisters Ad ickes, ein würdiges, neues Goethemuseum zu schaffen, was die Kriegswirren und die Folgen der Revolution und des Zu- sammsnbruchs Wohl auf Jahrzehnte unmöglich gemacht haben. An den Festalt schloß sich eine Besichtigung des Hauses, das sich im neuen Gewand außerordentlich hübsch präsentierte. behördliche Anzeigen Bekam,Kmachttng. In unser Handelsregister Abt. B. wurde heute bezüglich der Firma Vereinigte Weinbrennerei und Likörfabriken, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen eingetragen: Durch Beschluß der Gesellschafteroersammlung vom 10. Juni 1922 ist die Satzung dahin geändert, daß die Dauer der Gesellschaft auf unbestimmte Zeit festgesetzt wird. Gießen, den 29. Juni 1922. 6295B Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung- In unser Handelsregister Abt. A wurde heute bezüglich der Firma Fr. Heimer & Co. in Gießen eingetragen. Den Kaufleuten Cmil Otbert und Oskar Heimer, beide in Gießen ist Gesaintprokura erteilt. 6294B Gießen, den 28. Juni 1922. Hessisches Amtsgericht, Ttngen, aber wie Schreiber bieseS schon wiederholt beobachtet hat, muh dabei „aus Versehen" mancher Singvogel, der einmal ein Beerchen nascht, sein Leben lassen und das in einer -Zeit, wo er sicher ein Gelege oder ein Rest mit Jungen hat, die dann ebenfalls elend umkommen. Die Schützen überlegen nicht, daß die Vögel ihr bißchen Väschen von einigen Beeren wieder tausendfach gut machen durch die Vertilgung der vielerlei Schädlinge in Feld und Garten. Würden die Vögel nicht so fleißige Arbeit verrichten dann wären vielleicht an manchem Strauch keine Blätter und keine Beeren ?,u sehen. Durch die immer mehr um sich greifende Beseitigung der Hecken und Sträucher im Feld wird unseren Singvögeln die Vistgelegenheit von Hahr zu Jahr mehr genommen und es ist bereits eine große Verniinde- rung vieler Vogelarten, die früher bei uns sehr häufig waren, zu beobachten. Deshalb sollte man nicht so gedankenlos wegen ein Paar Beeren — die Vögel leben ja nicht speziell davon — die armen Tierchen, die uns so unschätzbare Dienste erweisen, wegknallen, sonst könnte einmal eine Zeit kommen, wo diese Schützen auf Raupen und deren Brut Jagd machen müssen, um nur einige Beeren vor deren Gefräßigkeit zu retten. Auch die Behörde sollte hieraus ihr Augenmerk richten und vor allen Dingen die Schuhen aufWaffen-- pässe kontrollieren, denn bei dieser Schießerei können auch sehr leicht in der Nähe weilende oder vorübergehende Personen zu Schaden kommen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Restauration Sauer, 8 Uhr: Oesfentliche Versammlung deö Einheilsverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener. - Asto- ria-Lichtspiele, ab heule: „Die entfesselte Menschheit" und „Clain 36“. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Hanneles Himmelfahrt". — 3 m Lichtspielhaus wird heute zum letzten Male „Hanneles H i m m e l f a h r t", und zwar bei gewöhnlichen Preisen, gegeben. Landkreis Gießen. eil. Beuern, 1. Juli. Die hiesige Post° agentur, die seit 27 Jahren besteht, sollte durch die Oberpvstdirektion aufgehoben werden zum Suaden der zahlreichen Geschäftsleute. Dun haben diese in einer gemeinsamen Eingabe gegen die Aufhebung protestiert mit dem Erfolg, daß die Postagentur nicht aufgehoben wird. Kreis Alsfeld. Ein Wilderer gefaßt. fpd. Alsfeld, 2. Juli. Ein hiesiger Wildhändler, ein recht begüterter Mann, wurde in der vergangenen Dacht dabei abgefaßt, als er ein weibliches Reh schoß. — Die Wilddieberei nimmt in den hiesiigen Revieren wieder größeren Umfang an. Kreis Friedberg. sf. F r i e d b e v g. 2. Juli. Am Freitagabend trafen die Mitglieder des 1. Stemm- und Vingklubs, oie sich an den Deutschen Kampfesspielen in Berlin beteiligt hatten, hier ein. Sämtliche Beteiligten konnten, trotz großer und scharfer Konlürrenz, mit ehrenvollen Preisen bedacht, in die Heimat zurückkehren, und so ließen es sich die Friedberger Sportvereine nicht nehmen, ihnen einen festlichen Empftrng zu bereiten. Mit Musik wurden die Sieger am Bahnhose abgeholt, nach dem Empfang maffchierten die Vereine in geschlossenem Zuge nach dem Kriegerdenkmal. Hier hielt Herr Lehrer Stumpf eine Ansprache, welche mit der Ditte an die Stadtverwaltung schloß, den Sportbestrebungen mehr als seither durch üleberlassung geeigneter Spielplätze entgegenzukommen. Eine festliche Vereinigung im Saalbau bildete den Schluß des Abends. sf. Friedberg, 2. Juli. Am 1. Juli waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Stadtpfarrer K l e» ber g er hier in vorbildlicher und segensreicher Weise feines Amte- waltete. Die allgemeine Liebe und Verehrung, der sich der Jubilar erfreut, gab sich durch zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen, die ihm von Vereinen und Mitgliedern der Kirchengemeinde dargebracht wurden, kund. Besonders auch auf das musikalische Leben Friedbergs hat Pfarrer Kleberger befruchtend eingewirkt, so besonders durch Gründung und Leitung des evangelischen Kirchengesangvereins, der es sich auch nicht nehmen ließ, seinen langjährigen Dirigenten durch ein Ständchen zu erfreuen. fpd. Bad-Rauheim, 2. Juli. Bor einigen Tagen wurde einem Kurgast aus seinem Hotelzimmer eine goldene Ahr mit goldener Kette im Gesamtwert von etwa 50 000 Mark gestohlen. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. Starkenburg und Rheinhessen. Die steigende Teuerung. Mainz, 1. Juli. (MTB.) Die vom statistischen Amt der Stadt Mainz berechnete Indexziffer für die Preise von 50 wichtigen Lebensbedürfnissen (die Preise für Kleider, Wäsche und Schuhe sind nicht berücksichtigt) stieg von 403 am 1. Juni auf 459 am 1. Jitli 1922. Die Steigerung betrug also 56 Punkte. Die Teuerung nahm im Laufe des Monats Juni weiter ununterbrochen zu. Die Bieh- und Fleischpreise haben jetzt eine solche Höhe erreicht, daß der größte Teil der städtischen Bevölkerung auf den Fleisch genuß fast völlig verzichten muh. Die Preise' für Brot, Gas und Kohlen, sowie die Straßenbahntarife wurden wiederum erhöht. Zritungsverbot. fpd. A l z e h, 2. Juli. Der „FreieHes- s i s ch e B a u e r", das Organ der Bereinigten Freien Rheinischen Bauernschaft, ist vom hiesigen Kreisamt verboten worden. Hessen-Nassau. Abermals Arbeitsuche. mc. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die freien Gewerkschaften und der Afa-Bund rufen ihre Mitglieder erneut zu einer Demonstration am kommenden Dienstag. Mittags 12 Ahr soll jegliche Arbeit eingestellt werden. Die christlichen Gewerkschaften und der Gewerkschaftsbund der Angestellten lehnen die Beteiligung an diesem neuen Streik ab. Ein Verbot des Konsistoriums. fpd. Frankfurt a. M.» 2. Juli. Das evangelische .Konsistorium Frankfurt a. M. verbot auf eine Mitteilung des Regierungspräsidenten hin der evangelischen Geistlichkeit, bei den Taufen zu den bei der standesamtlichen Beurkundung angegebenen Bornamen noch andere Vornamen hinzuzufügen. Sämtliche dahingehende Anträge der Eltern sind abzulehnen. Homburger Festspiele. mc. Bad Hornburg, 2. Juli. Die von der Kurverwaltung veranstalteten Fest- spiele wurden gestern bei herrlichstemWetter auf der Saalburg mit der Aufführung von Goethes Menschheitsdrama „Iphigenie" eröffnet. Die zahlreichen Zuschauer folgten mit tiefster Ergriffenheit der Handlung, zumal man in Ada Mahr (Iphigenie), Eduard Heß (Thoas), Kurt Gerd (Orest), Carl Wohlfromm (PyladeS) und Kurt Böhme (Arkas) treffliche Jnterpretenten unter Arnold Neuweilers Spielleitung gefunden hatte. Frankfurter Bevölkerungsziffern. fpd. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die BevölkerungsMer der Stadt beläuft sich ge- genwärttg auf rund 476 006, d. t. ein Anwachsen seit Beginn des Krieges um rund 30 000 Menschen in beinahe acht Jahren. In der Borkriegszeit konnte jährlich mit einem Bevölkerungszuwachs von 7—8000 Menschen gerechnet werden. Die Zahl der Eheschließungen ist auch jetzt noch größer als in der Vorkriegszeit und beträgt, auf ein Jahr gerechnet, gegenwärtig 6000 gegen früher 4200. Die Sterblichkeit ist wieder normal. Die Säuglingssterblichkeit hat sich gebessert. Zweimilliarden-Haushaltsplan in Frankfurt. fpd. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die endgültigen Abschluhziffern des städtischen Haushaltsplans für 1922/23 sind wie folgt estgesetzt: Allgemeine Berwaltung im Or- binarium 1211316 700 Mk., im Extraordi- narium 21946 800 Mk.; Betriebsverwaltungen Ordinarium 715118 600 Mk., Extravrdi- narium 29 698 500 Mk. Die Gesamtziffer ergibt danach 1 978 071 600 Mark, also fast zwei Milliarden. Frankfurter Wohnungsbauten. fpd. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die Stadt läßt eine neue Wohnhausgruppe von acht Häusern mit 42 Wohnungen für insgesamt (nach dem jetzigen Voranschlag) Mark 14 300 000 erbauen. Die Druttvkosten einer Wohnung bettagen demnach Mark 340 000. Hilfe gegen den deutschen Ausverkauf. mc. Frankfurt«. M., 2. Juli. In vielen Läden Frankfurts kann man in den letzten Tagen bei den Auslagen Preisauszeichnungen sehen, die den Vermerk tragen: „Nur für deutsche Käufer", oder „Wird nicht anAusländer abgegeben"; eine Maßnahme, die sich aus dem durchaus richtigen Grundsatz ableitet, daß halbwegs billige Ware für das deutsche Publikum bereitgehalten werden muh. Die Ausländer sollen gemäß ihrer Valuta die Waren einhandeln, die den Deutschen ohnehin ob ihres Preises unerreichbar sind. Katholischer Schulstreik in Höchst. fpd. Höchst a. M., 2. Juli. Die Regierung hat die Forderung der katholischen Eltern der Vor- und Nachbarorte Sindlingen, Zeilsheim und Nied auf Versetzung der drei vom Limburger Bischof exkommunizierten Lehrer Diefenbach, Schmidt und F i ck an eine andere Schule nicht erfüllt. Infolgedessen beschlossen dieKatholikenvvn G r o h - H ö ch st einstimmig, vom 3. Juli ab den bereits seit mehreren Wochen in den genannten Orten währenden Schulstreik der katholischen Eltern durch einen allgemeinen Schulstreik aller Katholiken in Groh- Höchst solange zu unterstützen, bis die Aufsichtsbehörden die Forderungen erfüllt haben. Die Katholiken verlangen, daß an die Stelle der drei Lehrer gläubige katholische Lehrer kommen. Gießener Strafkammer. Gießen, 30. Juni 1922. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte die Strafkammer gegen den 29jährigen A. M. von Rommelshausen, der angeklagt war, in der Zeit vom Sommer 1921 bis März 1922 mit fünf kleinen Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Die Verhandlung dauerte mehrere Stunden, da eine umfangreiche Beweisaufnahme über die Glaubwürdigkeit der Mädchen und deren Eltern stattfand. Aus der öffentlich erfolgten Arteilsverkün düng ging hervor, daß der Angeklagte die Beschuldigung leugnete, immerhin aber die Möglichkeit einer unzüchtigen Handlung in einem Fall zugab. Es erfolgte Verurteilung in vier Fällen, in einem Fall wurde der Angeklagte freigesprochen, da die Aussage des kleinsten der Kinder entfernte Zweifel möglich machte, die zugunsten des Angeklagten gewertet wurden. Unter Annahme mildernder Umstände, die in der bisherigen Unbescholtenheit des Angeklagten gefunden wurden, wurde eine Gesamtgefängnisstrafe von zwei Jahren verhängt, aus die zwölf Wachen der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet wurden. Ein Friedberger Metzger verfolgt« Berufung gegen ein Urteil desSchoffen» gerichts Friedberg, durch das er wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 500 Mk. verurteilt worden war. Er hatte den Erfolg, daß er nicht wegen Betrugs, sondern wegen Beihilfe dazu verurteilt wurde; die zu milde Strafe aber wurde auf 1000 M k. erhöht. Ein hiesiger Gelegenheitsarbeiter, der vom Schöffengericht zu vier Wochen Haft verurteilt worden war, weil er feine Familie nicht unterstützte, erreichte mit seiner Berufung, daß die Strafe auf eine Woche herabgesetzt wurde. Gerichlssaal. Ein Frauenmörder. Berlin, 1. Juli. Heute begann die Schwurgerichtsverhandlung • gegen den 58 Jahre alten Händler Karl Großmann, welcher im August 1921 drei Frauen in seiner Wohnung ermordete und ihre zerstückelten Leichen teils verbrannte, teils in den Kanal warf. Großmann ist der Sohn eines Trunkenboldes und wegen Sittlichkeits- Verbrechen schon mehrfach, zuletzt mit fünfzehn Jahren Zuchthaus, bestraft. Während der Dauer des Prozesses ist die Oeffentlichkeit. mit Ausnahme der Gerichtsberichterstattung, ausgeschlossen. Der Kriegsbeschuldigtenprozeß Michelsohn. Leipzig, 1. Juli. (WTB.) Kriegsbeschuldigtenprvzeß Mi- chelsvhn beantragte der Reichsanwalt gegen Michelsohn in zwei Fällen unter Versagung mildernder Umstände acht bzw. drei Monate Gefängnis, in zwei weiteren Fällen wegen Mrßhatwlung je einen Monat Gefängnis, zusammenfassend eine Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis. Die Urteilsverkündung findet am Montag mittag 12 Uhr statt. Vermischtes. Eisenbahnunglück. Lennep, 2. Juli. (WTB.) Gestern nachmittag 6.40 Uhr ist auf der Fahrt von Hückeswagen nach Wipperfürth ein Güterzug entgleist. Die Lokomottve stürzte die etwa vier Meter hohe Böschung hinab und riß sechs Wagen mit aus dem Geleise. Der Zugführer wurde getötet. Don dem Übrigen Personal ist der Heizer und zwei Schaffner leichtverletzt. Die Ursache des Unglücks ist noch ungeklärt. fpd. Landau, 2. Juli. Der Diakanenrat der Amerikan Hvmes hat es unternommen, auf die Dauer von zehn Jahren jährlich 500 pfälzischen Kindern zu einem Verpflegungssatz von je 20 Mark für den Tag einen Erholungsaufenthalt in zwei Pfälzer Kinderheimen zu erwttken. Der Betrieb wurde bereits aufgenvmmen. 6296A Gießen, den 29. Juni 1922. Hessisches Amtsgericht. Der Plan über die Herstellung einer oberirdischen Telegraphenlinie im alten Weg in Garben- teich liegt bei dem Postamt in Lich (Oberh.) von heute ab 4 Wochen aus. 6317V Gießen, den 1. Juli 1922. Telegraphen-Bauamt. Beuern, den 3. Juli 1922. Bürgermeisterei Beuern. Walther. Der Plan über die Herstellung einer oberirdischen Telegraphenlinie am Winneroderweg in Lindenstruth liegt bei dem Postamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus. 6313V Gießen, den 3. Juli 1922. Telegraphen-Bauamt. Bekmmtmachurrg. In unser Genostenschaftsregister wurde heute bezüglich des Landwittfchastlichen Konsumvereins, eingetragenen Genostenschast mit unbeschränkter Haftpflicht, in Steinbach eingetragen: Die Genostenschast ist in eine solche mit beschränkter Haftpflicht um» gewandelt worden. Die Haftsumme beträgt 1000 Mark. Höchstzahl der Geschäftsanteile: eins. Das Statut ist hinsichtlich der §§ 1, 14, 16, 21, 28, 37 und 45 geändert. Aus dem Vorstand sind ausgeschieden: Heinrich Haas XIII., Landwirt, Heinrich Fink, Maurer, Georg Schäfer, Schuhmacher, alle in Steinbach, An deren Stelle sind zu Vorstandsmitgliedern bestellt: Georg Philipp Balser, Schuh, machermeister, Ludwig Walb, Landwirt, Johannes Fink, Weißbinder, alle in Steinbach. Mrschenverfteigmmg. Mittwoch, den 5. Juli, nachru. 5 Uhr sollen auf dem Busch zirka 70 Bäume schöne Herzkirschen versteigert werden. 6305 V Treis a. d. Lda.» am 3. Juli 1922. Bürgermeisterei. Benner. Bullen. Sin fetter, zirka 18 Zentner schwerer Simmentaler Bulle der Gemeinde Beuern muß wegen Dienstuntauglichkeil abgeseht werden. Reflektanten wollen diesbez. Offerten mit p. Zentner Lebend» gewicht bis zum 7. Juli ds. Js., nachmittags 7 Llhr, an unterzeichneter Stelle einreichen. Vergebung von Bauarbeiten. Für die (Erbauung eines zweigeschossigen De- amtemvohnhauses in Gießen (Erdgeschoß: 10 mal 13 Meter Grundfläche) sollen die nachstehenden Rohbauarbeiten und Lieferungen aus Grund desMinisterial- erlastes vom 16. Juni 1893 und dessen Ergänzungsbestimmungen, vorbehaltlich der ministeriellen Geneh. migung, im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden: 1. Erd» und Maurerarbeit; 2. Steinhauerarbeit, 3. Zimmerarbeit; 4. Grobschlosserarbeit; 5. Dachdeckerarbeit; 6. Spenglerarbeit. Angebotsunterlagen auf dem Bureau, Stephan- straße 18 I. einzusehen, daselbst Angebotsvordrucke zu den Selbstkosten. Eröffnung der mit besonderer Auflchrist einzu- reichenden Angebote: Montag, den 17. Juli 1922. vormittags 11 Uhr, Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 3. Juli 1922. 6322V Hessisches Hochbauamt. I. 2l.: ® eibel, Regierungsbaumeister. Gleichzeitig sucht die Gemeinde einen schönen sprungfähigen Simmentaler Bullen. Verkäufer solcher Tiere belieben Offerte mit Preisangabe ebenfalls bis zum 7. ds. Mts. an uns abzugeben. 6326V Vereine M N L M v-: . e U H i t l 5 2*8®btagif, ö« ift km M 2 S hörenden y 2uni in ber fe,Bit ’W Landes und der he! und Dörfern Aus dem Ernste der $ M) aus eine würdi, Mei zu beschranke Ichlrehung niÄergelk und Schian vurd gterung Wun Aeihe von Ford Erfüllung die2orc arbeit der Par l'eht eine öffentlich in der sie die Tale Wgung der Täv spricht. Ferner t über gefordert, wer wn Leben und @jg. M$ie6ung der ' Wortlaut: ick-n'^^schaW T ^Wpartei, m 8- Sortfeöung. scharfer D Ran die bre^ WS?te 8l«»t ««Sta»?4 bfoj m v, „ e Deut •’w S'K'k mens der j^i W<6en K>nr stadtZL^." 2^01 tQnn lt^ £*£?” der^ Men ssen, den Weg i den Wgeordnelen z versprachen trotz a nach kurzer Erhvlw sein, vorausgesetzt, i Gießen (Bahnhofstraße 30), den 3. Juli 1922. 6301V Die Einäscherung findet in der Stille statt, die Beisetzung am Dienstag dem 4. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus’ Statt besonderer Anzeige. Am 1. Juli, seinem 70. Geburtstage, schied unser treuer Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager, Vetter und Onkel Friedrich Krogmann Kassenschrankfabrikant aus einem arbeitsreichen Leben. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Marie Schmidt, geb. Krogmann Paula Burg, geb. Krogmann Otto Schmidt, Regierungsrat Hans Burg, Architekt. Bekanntmachung. Durch Ausschußbeschlüsse unserer Kassen sind vorbehaltlich der Iusttmmniltz der Aufsichtsbehörde ab 3. Iult 1922 folgende Grundlöhne, Lohnklassen und Beiträge gültig: 6293c Bei einem täglichen Wochenbeitrag Lohnstufe Arbeitsverdienst: Grundlohn Krankenkasse Inval.°Ders. A bis einschließlich 6.66 Mk. 6 Mk. 2.88 Mk. 3.30 Mk. B von 6.67 Mk. b. 10.- Mk. 10 4.80 4.50 „ C „ 10.01 „ „ 16.66 16 7.68 5.50 „ D „ 16.67 „ „ 23.33 ff 22 ff 10.56 6.50 „ E „ 23.34 „ „ 30.- ff 30 ff 14.40 7.50 „ F „ 30.01 , „ 40.- ff 40 ff 19.20 9.- „ G „ 40.01 „ „ 50.- ff 50 ee 24.- ff 10.50 „ H „ 50.01 „ „ 60.- ff 60 28.80 12.- „ I 60.01 „ „ 80.- ff 80 ff 38.40 12.- „ K „ 80.01 „ „100.- ae 100 48.- 12.- w L über 100.- V 120 57.60 II 12.- w Die für unsere Kassen in Frage kommenden Arbeitgeber werden ersucht, alle über 60 Mark verdienenden Versicherten der zuständigen DrtsJteHc alsbald unter Angabe der am 3. Juli 1322 tatsächlich gezahlten Lohne, Gehalte usw. zu melden. Es wird gebeten, diese Angaben raschestens und einwandfrei zu machen, damit die richtige Zuteilung vorgenommen, auch das etwa anfallende Krankengeld einwandfrei berechnet werden kann. Gießen, den 30. Juni 1922. 6293c Allgemeine Ortskrankenkasse Landkrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Gießen. | Gießener Hochschulgesellschaft zu dem Vortrag freien Zutritt. 6298v M Auf der Hauptversammlung unserer Gesellschaft § Sonntag, 9. Juli 1922, hält Prof. Dr. Jesionek A einen Vortrag über: | Die wissenschaftlichen I Grundlagen der Hautpflege. jg Der Vortrag findet statt vormittags um 11 Uhr pünkt- & lieh im großen Hörsaal der Universität. Gäste haben Gießen, den 3. Juli 1922. 06635 zahlreiche Beteiligung. Treffpunkt: 2 Uhr im Hess. Hof. Der Vorstand. -,.-V Am Samstag, dem 1. Juli, verschied nach längerem Leiden Herr Fabrikant Friedrich Krogmann Wir alle verlieren an ihm einen gerechten Chef und Berater. Die Arbeiter der Firma Krogmann. Gießener Radfahrer-Verein 1885 E.V. — ■ Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Tode unseres Ehrenmitgliedes Herrn Friedrich Krogmann in Kenntnis zu setzen. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen treuen Anhänger unsres Sportes, dem wir ein ehrendes Andenken bewahren werden. Die Beisetzung findet am Dienstag, den 4. Juli, nachmittags 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt und bitten wir um recht dort abzuholen. 6307 '«F Astoria-Uchtspiele [ Oie entfesselte Menselitieii Claim 36 fo« 1 Ab heute bis einechl. Mittwoch der große authentische Film: Bestellungen auf Heidelbeeren werden angenommen 06624 Goetbestr. 55 II. Jagdhündin 1 mit Stahlhalsband entlaufen. Abzugeben gegen Belohnung Bahnhofetr^L Schauspiel in 5 Akten. 6319c evtl, ohne Bereifung, zu kaufen gesucht. Schrift- Angebote mit Preis unter 06621 an den Gieß. Anz. Gigantisches Filmwerk in 7 Akten. Ferner: Gut bürgerlicher rMttagstlsch für ein Fräulein gesucht. Schriftl. 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Zuli 1922 men Gegen das Gesetz stimmten die Kommu- klage emes Abgeordneten, der sich deutschnatronal nisten, die bayerische Volkspartei und die beiden nannte, um Preußen sei deshalb wenig angebracht Rechtsparteien. __________________' gewesen.__ und Topfpflanzen hindurch an eleganten und I sich einen Whisky mit Soda zu besteNen. als verwöhnt aussehenden Menschen vorbei. ihm der Rame jenes merkwürdigen Gelehrten (Rachdruck verboten.) 8. Fortsetzung. Eine dieser weltmännischen Gestalten winkte ihm zu und Eduard erwiderte erfreut den Gruß. Es war Daron Hallam, ein sehr reicher Grundbesitzer, dessen VÄanntschaft Eduard schon wahrend der Reise auf dem Schiff gemacht hatte. Daron Hallam befand sich mit seiner einzigen Tochter und deren Erzieherin auf einer Vergnügungsreise durch den Orient, wo er nebenbei auch einige geschäftliche Dinge zu erledigen hoffte, denn er war dort im Besitze ausgedehnter aus dem Munde des Barons entgegentönte. Er fuhr fast erschrocken zusammen und fragte mit allen Zeichen der Heberraschung: „Wie, Sie kennen diesen Mann auch? — 3d) bin soeben über eine Stunde mit ihm zusammengesessen." sehen?" Eduard hatte selbst schon den Plan gefaßt, in den nächsten Tagen einen Ausflug nach den Pyramiden zu unternehmen und ging mit Freuden auf das Anerbieten des Darvns ein. „Es wird ein größerer Ausflug werden", fuhr der Daron fort, „denn wir wollen bis Abusir und Scckkara. Ich habe vor kurzem hier einen mir bekannten sehr unterrichteten Herrn getroffen, welcher Doktor Perzelius heißt. Dieser Herr hat yllch aufgefordert, ihn zu begleiten, und da er gestattet hat, daß meine Tochter und Miß Mason mitkommen, werden wir eine ganze Heine Gesellschaft sein. Es ist mir natürlich sehr interessant, eine derartige Sache unter so kundiger Führung zu unternehmen." Eduard von Wulfsen war soeben im Begriff, Deutscher Reichstag. 241. Sitzung, vormittags 11 iUjr. Berlin, 1. Juli 1922. Die Annahme des Getreideumlagegesetzes. In dec dritten Lesung der Getteideumlage- Vorlage gibt Abg. Becker-Hessen (D. Dpt.) eine Erklärung ab, daß seine Fraktion den Gesetzentwurf nicht als geeignet ansehe, die Bevölkerung ausreichend zu angemessenen Preisen mit Brot zu versorgen. Sie stimme daher der Vorlage nicht zu, werde aber, wenn sie Gesetz werden sollte, mit allen Kräften an der Durchführung Mitwirken. Abg. Koen en (K.) nimmt den Antrag auf Erhöhung dec Getreideumlage auf 4V2 Millionen Tonnen wieder auf und bedauert, daß die Mehrheitssozialisten mit den bürgerlichen Parteien zusammengehen, statt den Gedanken der Reichstagsauflösung bis zu Ende zu verfolgen. Es folgt eine längere Auseinandersetzung zwischen den unabhängigen Abgeordneten Dr. Hertz und Crispien einerseits und dem Ab- geocbneten Koenen andererseits. Die beiden ersten werfen den Kommunisten vor, die Einheitsfront der Arbeiter zerschlagen zu haben. Dies sei bei der Rotlage der Arbeiterschaft eine Versündigung an derselben. Abg. Koen en gibt den Vorwurf der Zerstörung der Einheitsfront der Arbeiter an die Unabhängigen zurück und fordert für die Festsetzung des Drotpreises die Einsetzung eines Ausschusses, der aus den Arbeiterorganisationen gebildet werden solle. Rach einem Antrag Erkelenz (D.) und Diez (Z.) soll die Freigrenze zwei Hektar dec Getreideanbaufläche und für Betriebe 10 Hektar betragen. Dieser Antrag wird gegen den Einspruch des Reichsernährungsministers Fehr angenommen. Ferner wird ein Antrag der sozialdemokratischen Partei angenommen, wonach die Der- socgungsberechtigung auf Antrag ein tritt. Im übrigen wird das Gesetz darauf nach den Beschlüssen der zweiten Lesung mit 217 gegen 187 Stimmen. Gegen das Gesetz st Pflanzungen. Seine Erscheinung war groß und gepflegt und von einer lässigen, gediegenen Eleganz. Als er Eduards ansichtig wurde, nahm er das Monokel aus seinem Auge und rückte einen der bequemen Stühle zurecht, während er Wulffen einlud, sich hineinzusetzen. Eduard war froh, auf den seltsamen und etwas unappetitlichen Gelehrten hin nun die Geselllschaft eines so kultivierten Menschen teilen zu können, der aus einem Lebenskreis stammte, der auch für ihn Daseinsbedingung war. Er ließ sich an der Seite des Barons nieder und dieser ergriff sogleich das Wort: „Wollen Sie mitkommen morgen, wir gehen die Pycamrden an- M 8«(awra m Mts. Roman von Ernst Scheitel. Ein scharfer Wind wehte vom Meere her und stieß am die brennenden Papierlaternen, so daß sie in zartem Tanze schaukelten. Der Mond war breit und leuchtend hinter den Palmen des Rils emporgetaucht und seine Strahlen rieselten gleich einer silbernen Flüssigkeit über die schlafende, geisterhafte Stadt. Wie aus blauen Rebeln gewirtt, erhob sich die Zitadelle auf den Höhen des Mokattam und ihre dunkeln Zinnen stachen seltsam ab von dem schimmernden Alabaster der Moschee Mehemed Alis, deren Minaretts tote Fontänen einer leuchtenden Milch zum Himmel stiegen. Und dar Mer lag die Stadt wie tn eurer tiefen Bezauberung, eingehüllt in die Düfte, die aus ihren Gärten strömten und wie betäubt von der Glut des Lebens. ' das stebernd und pochend durch ih e Adern 'rann. Stumm und gewaltig thronten die Kuppeln der Tempel und Paläste über den flachen Dächern unb der Dunkelheit dec Straßen. Die Moschee Hassans, die Ruinen der Tulun- moschee, El 2Izhar und El Mojed bauten sich auf tn verschleiertem Unreif) wie eine Fata Mor- gana, die von Feenhänden über den Himmel gezogen, Und weiter drüben, an den Ufern des Rils, wo Fostat nut seinen engen, krummen Gaffen und verfallenden Hütten schlief, schien sich das Licht des Mondes tn breiteu Bächen zu sammeln und auf den gehelligten Fluten stromabwärts zu treiben. Dort verlor es sich m dem Wald von Masten und Wimpeln, die aus dem schlammigen Wasser des Hafens wuchsen. Eduard von Wulfsen beugte sich über das Gitter der Terrasse und sah an dem fünfstöckigen „Jawohl, und trotz seiner Manieren schätze ich ihn", entgegnete der Baron und Hemmte sein Monokel wieder in das Auge. „Und dieser Wann wird mit uns gehend fragte Eduard weiter. . „Ja. und ich glaube auf diese Weise tiefere Einblicke zu gewinnen, als es sonst inöglich wäre. Auch für meine Tochter verspreche ich mir viel davon", sagte der Baron, während der Kellner das Getränk für Eduard brachte. Durch die Erwähnung der Tochter des Barons fühlte sich Eduard wieder entschädigt für den Schrecken, daß Doktor Perzelius mittam. Sein Gesicht hellte sich auf und er hörte mit Interesse zu, als der Daron weitersprach: „Wir wollen etwa acht Tage ausbleiben. Doktor Perzelius hat. glaube ich, ein altes Grab entdeckt, in welchem sich noch Mumien befinden. Vielleicht gelingt es mir, eine davon zu erwerben. Er hat mir auch seine Theorien über das Ganze entwickelt, wirklich sehr interessant. Er wlll zum Beispiel Zusammenhänge mit dem antiken Orn- bos entdeckt haben, dem heutigen Kom Ombo." Beim Klang dieses Wortes durchschauerte es Eduard mit einer settsamen. geheimen Angst, die er sich selbst nicht zu erflären vermochte. Er sah wieder den braunen Knaben vor sich der wie entseelt zu seinen Füßen gelegen hatte, und er füylte wieder die glänzenden dunkeln Augen dieses jungen Eingeborenen auf sich gerichtet, während dasselbe Wort mit fremdartigem Akzent von den negerhaften Lippen kam. „Einen Zusammenhang mit Ombos?" wiederholte" Wulfsen geistesabwesend, „was ist Ombos?" „Ja, da müssen Sie Doktor Perzelius selbst. fragen“, gab der Baron zurück, „Genaueres weiß | Hotel hinab in die leeren Straßen, die wie schmale, schwarze Bänder zwischen den mondhellen Häusern lagen. Dann richtete er sich auf und schritt zerstreut zwischen den Korbstühlen l Kohlennot und Vrotversorgung. Die Ursachen der Kohlennvt ir Deutschland, unter der wir ja alle schwer leiden, liegt klar vor aller Augen. Im vergangenen Jahr gingen an die Entente allein 18 Millionen Tonnen,' ferner gingen über die Grenze des Reichs 81/., Millionen Tonnen, von denen noch 6 Millionen entsprechend dem Versailler Vertrag abzuliefern waren. Es bleiben im gangen 21/? Millionen Tonnen, die man als ausgeführt betrachten konn, die aber für Einfuhrwerte kompensiert werden mußten. Inwieweit die Verkürzung der Arbeitszeit tn den Bergwerken ebenfalls hemmend auf Die Kvhlenproduktion wirkt sei hier nicht untersucht. Da also die deutsche Forderung nicht ausreicht, muß Deutschland für sein stark entwertetes Geld vom Auslande Kohlen einsüh- ren. So sind allein z. D. im Mai 796 000 Tonnen Kohlen eingeführt worden und wenn sich die Einfuhr weiter so steigert, hat Deutschland für Kohle mit einer Ausgabe von 16 Milliarden Mark an die Entente im Jahre zu rechnen. Diese Einfuhr ist aber insofern vorläufig nötig, damit nicht deutsche Arbeiter, die so wenigstens in der Industrie beschäftigt werden können, brotlos werden. Unter dem Mangel der Kohlenproduktion leidet in Deuffchland besonders schwer die Land- Der Arbeitsplan des Reichstags. D e r l i n, 30. Juni. (Wolffs Der A e l t e ft e n- rat des Reichstages bestimmte in feiner heutigen Sitzung am späten Abend, daß die Gesetzentwürfe über den Schuh der Republik und über die Amnestie am nächsten Mittwoch im Plenum zur ersten Lesung gelangen sollen, da zunächst am Montag diese Gesetzentwürfe im Reichsrat behandelt werden müssen und Dienstag die einzelnen Fraktionen darüber Beratungen pflegen werden nachdem am Dienstag die Vorlagen dem Reichstag zugegangen sein werden. Der Montag bleibt von einer Sitzung des Plenums frei. Am Dienstag wird die Beratung des Arbettsnachweis- gesetzes fortgesetzt. Außerdem beschäftigte sich der Olelteftenrat mit dem Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über die Frage, ob der Reichstag verpflichtet sei, auf Anforderungen des Gerichts seine Akten auszuliefern. Diese Frage wurde ver- neint; der Reichstag ist nicht verpflichtet zur Auslieferung von Akten: er hat in jedem Falle selbst das Recht, zu prüfen, ob er solchen Aufforderungen nachkommen will. Diese Frage ist dadurch spruchreif geworden, daß die Staatsanwallschaft für den Prozeß des Ministers Hermes gegen die „Freiheit" die Akten des Untersuchungsausschusses des Reichstages in Sachen Hermes erbeten hat. Ueber diesen Spezialfall wird morgen der Untersuchungsausschuß selbst Beschluß fassen. ich auch nicht. Ich hörte durch ihn zum erstenmal davon." „Es ist settsam, daß Sie auch diesen Doktor Perzelius kennen", fuhr Eduard fort, „dec wie ein Gespenst zwischen den Menschen herumgeht mit feinen unheimlichen Ideen. Wenn er spricht, ist es, als hebe er verwitterte Grabsteine auf. unter denen das Leben einer dunkeln Vergangenheit modert. Er hat mir lange von seinen Gedanken und Plänen erzähll, ohne jedoch jenen geheimnisvollen Aarnen zu erwähnen." „Sie kennen ihn wahrscheinlich noch nicht lange genug“, erwiderte der Bacon, „Dvttor Perzelius ist sehr vorsichtig, wie §s einem Kriminalisten geziemt. Er erzähll sehr viel, um einen für seine Ziele zu erwärmen, und man meint dann man wüßte alles. Aber das Beste behäll er für sich. — Ich habe ihn seinerzett in Konstantinopel kennen gelernt, als meiner seligen Frau ihr Halsband gestohlen worden war, ein Erbstück ihrer Großtante. Und er hat es wiedergefunden, aber nicht in Konstantinopel, sondern in San Franzisko. — Ich habe ihn gleich erkannt, als ich ihn hier im Hotel traf.“ Bei diesen Worten des Barons schob sich gerade der brüchige Körper des Doktors zur Lifttüre heraus und wankte vornüber gebeugt in seinen viel zu wetten Kleidern auf Wulffen und den Baron zu. Doktor Perzelius grüßte die beiden mit einer linkischen Handbewegung und rückte einen der Korbstühle heran. Dann Hopste er seine Pfeife über einem der Lorbeertöpfe aus und knickte unbehoffen in dem Stuhl zusammen. „Ah, Doktor!" rief dec Baron, als er des Gelehrten ansichtig wurde, „schön, daß Sie auch noch kommen. Es ist ein herrlicher Abend." Auch Eduard begrüßte den Gelehrten und sagte: „Daron Hallam war so liebenswürdig, mich einzuladen, an dem interessanten Ausflug teilzunehmen, den er in Ihrer Gesellschaft unternehmen wird. Ich schließe mich natürlich mit Vergnügen an." (Fortsetzung folgt.) Die Deutsche Dolkspurtei Hessens zur Lage. Darmstadt, 1. Juli. Der Geschäfts- sührende Ausschuß und die Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei waren gestern vollzählig versammelt Die Stt- zung muhte in der Wohnung des Herrn Abg. Dingeldey stattfinden. Der stellvertretende Vorsitzende der Landespartei, Herr Abg. Kohle r - Worms eröffnete die Sitzung und gab namens der Anhänger im Lande dem Gefühle der Empörung Ausdruck über das, was in Darmstadt geschehen konnte. Er versichert die betroffenen Führer des vollen Vertrauens der Partei, des tiefsten Mitgefühls und gab der Versicherung Ausdruck, daß die Partei nicht ruhen wird, bis ben beiden Kollegen volle Genugtuung zuteil geworden ist. Richt sie allein sind getroffen, sondern die ganze Partei im Lande. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren der Abgg. Dingeldey und Osann von den Sitzen. Abg. Dr. Osann berichtete nun über die Borgänge in seinem Hause, über die vandalischen Plünderungen und Zerstörungen. Als er erwähnte, daß diese Zerstörung fast eine Stunde währen konnte, ohne, daß trotz dringender 'Bitten eine Polizeimacht erschien, ging helle Empörung durch die Versammlung. Es machte einen unvergeßlichen und tief ergreifenden Eindruck, wie der alte Führer schilderte, wie alles, was er in langer Lebensarbeit erworben hat, kurz und Hein geschlagen sei und wie er gezwungen war, teure Familienbriefe und Andenken von seinem für das Vaterland gestorbenen Sohn im Rinnstein zusammenzusuchen. Abg Dingeldey gab einen Bericht über seine Erlebnisse, die ja durch die Presse zum größten Teil bekannt sind. Mit Verachtung und Pfuirufen wurde von einem Artikel des „Volks- freund“ Kenntnis genommen, der mit schmutzigem Hohn die Behandlung des Abg. Dingeldey glossierte. Als mitgeteilt wurde, daß an dem mangelnden Einsatz der Polizei der Minister Raab schuw ist, der im Ramen des Gesamtministeriums Befehl gab, 400 Mann zu beurlauben, wurden neue Rufe der Empörung laut. Herr Raab hätte sich dabei gegenüber den Polizeiorganen darauf berufen, daß er im Ramen des Gesamtministeriums den Befehl gibt. Tatsächlich habe gar keine Sitzung des Gesamtministeriums in dieser Sache statt- gesunden. Rur durch ein Wunder ist der Führer der Partei mit dem Leben davongekommen. Wie jetzt feststeht, war es ein Darmstädter Stadtverordneter und Parteifreund, der in dem letzten Augenblick auf die Wache lief und an das Ehrgefühl der dortigen P v l iz e i b ed m t e n appellierte, so daß sich einige blaue Schutzleute entschlossen, den Weg durch die Menge zu bahnen und den Abgeordneten zu befreien. Die beiden Führer versprachen ttoh aller seelischen Rach Wirkungen nach kurzer Erholung wieder auf dem Posten zu fein, vorausgesetzt, daß die Ehre der Partei wieder hergestellt ist. In der Aussprache gaben alle Redner in bewegten Worten den Gefühlen des Lindes und der Hellen Empörung tn allen Städten und Dörfern Ausdruck. Es wurde beschlossen, dem Ernste der Zett Rechnung zu tragen und sich auf eine würdige Verwahrung der Landespartei zu beschränken, die in nachstehender Entschließung niedergelegt ist. Die 2Ibgg. Köhler und Schian wurden beauftragt, mit der Regierung Fühlung aufzunehmen und eine Reihe von Forderungen vorzulegen, deren Erfüllung die V o r a u s s e tz u ng f ü r b i e Mitarbeit der Partei darstellt. An der Spitze steht eine öffentliche ErHärung der Regierung, in der sie die Taten verurteilt und d>. schärfste Verfolgung der Täter und intellektuellen Urheber verspricht. Ferner wird eine Untersuchung darüber gefordert, wer an dem Mangel an Schutz von Leben und Eigentum verantwortlich ist. Die Entschließung der Versammlung hat folgenden Wortlaut: „Der Geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Vollspartei, mit der Landtagsfraktion vereinigt, hat zu den letzten Vorgängen wie folgt Stellung genommen: Es ist fein Wort der Abscheu scharf genug, um die empörenden Vorfälle zu geißeln, die sich am 27. Juni in der Landeshauptstadt abgespielt haben. Wir kennen und' teilen die nur allzu berechtigte Erregung unserer Anhänger in Stadt und Land. Die Deutsche Vollspartei Hessens und ihre Landtagsfraktion haben Regierung und eines neuen Paragraphen 8a, wonach den Stimmberechtigten, die einen Zulassungsantrag eingereicht haben, gegen die Entscheidung des Ministeriums Beratung an den Staatsgerichtshof zu- stehen soll. Staatssekretär v. Welser: Die Reichsregierung muß, sobald ein entsprechender Wunsch hervortritt, der sich mit der Frage der Reubildung des Reiches befaßt, prüfen, wie dec Wille der Bevölkerung ist. Ist der Wille klar erkennbar, so wird nicht erst zur Absttmmung zu schreiten sein. Die Reichsregierung denkt nicht daran, an jedem Tage und tn jedem Gebiete eine Abstimmung vorzunehmen. Abg. Koch- Weser (Dem.) wendet sich gegen das Mißtrauen gegen das Reich, das aus den heutigen Ausführungen deutlich hervortrete. Die Reugliederung sei bei Koburg und Bayern ohne das Eingreifen des Reiches gegangen. Bei der Hamburger Hafenfrage liege die Sache schon anders. Es handle sich nicht darum, Preußen zu zerschlagen, sondern zwingende ©rünbe führten zu diesem Gesetz. Die unglückliche Zerstückelung des Reiches werde ohne dieses Gesetz niemals aufhören. Ein Reichskriminalgesetz hätten wir schon fett Jahren haben müssen, um politischen Verschwörungen begegnen zu können: leider habe Preußen bei diesen Bestrebungen immer Widerstand geleistet. Freiherr v. Steins Worte gelten auch noch heute: Wir kennen nur ein Vaterland, das heißt Deutschland. Abg. Beyer le (Bahr. Vpt.) spricht als Vertteter einer kleinen föderalistischen Partei seine Befriedigung über die Arbeiten des Ausschusses aus. Abg. Dc. Dreitscheid (11. Q.): Hier handelt es sich um eine Reichssache, nicht um eine Sache dec Länder. Darum muh auch das Reich das Vorrecht der Initiative haben. Die Toten- Rachdem Abg. Schulz- Bromberg (Dntl.) nochmals betont hat, daß sich der Gesetzentwurf in erster Linie gegen Preußen richte unb es verdammte Pflicht unb Schuldigkeit eines jeden guten Preußen fei, für fern altes Vaterland elnzutceten, schließt die allgemeine Aussprache. Unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge wird das Gesetz nunmehr in zweiter Lesung in der Ausschuhfassung an - genommen. Die sosoctige Vornahme der dritten Lesung scheiterten an dem Wioerspruch der Rechten. Das Gesetz zur weiteren Entlastung der Gerichte wird in zweiter und dritter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Lesung des Reichsgesetzes über die Schutzpolizei der Länder. — Nachdem die Kommunisten und Unabhängigen stch gegen die Vorlage ausgesprochen haben, wird diese bei sehr schwach besetztem Hause gegen die Stimmen dieser beiden Parteien in zweiter Lesung angenommen. Bei der dritten Lesung bezweifelt Abg. H ö l - lein (Komm.) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Vizepräsident Riehec beruft die neue Sitzung auf 10 Minuten später, also 61/2 Uhr ein. In der neuen Sitzung wird der Staatsverttag über den Uebergang der Staatseisenbah' n en auf das Reich dem Haushaltsausschuß überwiesen. Darm wird ohne Debatte das Schutzpolizeigesetz in dritter Lesung angenommen. Rächste Sitzung Dienstag mittag 1 Uhr: Ra« pallovectrag, Arbeitsnachweisgesetz. Schluß nach 6l/2 Uhr. Das Personenschädengeseh, welches I einen Ersah der durch den Krieg und durch | die Besetzung deutschen Reichsgebietes verursachten Personenschäden bestimmt, wird daraus in dritter Lesung unverändert angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Zulassung der Frau zu Remtern und Berufen der Rechtspflege, verbunden rntt einem von den drei sozialdemo- kcatischm Parteien beantragten Gesetzentwurf über die Gleichstellung der Frau in der Justiz. Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung angenommen und der Antrag der Linksparteien für erledigt erklärt. Hierauf iplrb eine Reihe kleinerer Anfragen debattclos erledigt, ebenso das Gesetz, welches bestimmt, daß in der Tatsache dec unehelichen Mutterschaft kein Grund zur Einleitung disziplinarischer Maßnahmen gegen eine Beamtin liegt. Es folgt hierauf die 'Beratung des Gesetzentwurfes zur Prüfung des Artikels 18 der Reichsverfasjung über die Reugliederung des Reiches. Abg. S ch u l z - Dromberg (Dnll.) führt aus, daß das Gesetz der Verfassung widerspricht und drückt sein Bedauern darüber aus, daß nach den Erfahrungen fett Weimar die staatsrechtlichen Phantasten, die sich anmahten, das alte Preußen mit dem Lcneal aufzuteilen, noch nicht von dieser hirnverbrannten Idee abgekommen seien. Preußen verlange nicht nach fremden Früchten, wolle sich aber auch die eigenen nicht nehmen lassen. Abg. S o 11 m a n n (Soz.) erblickt tn dem Initiativrecht des Reiches, Abstimmungen vorzunehmen, keine Verfassungsänderung. Wenn es Preußen nicht gelungen fei, die Gebietsteile von 1864 und 1866 für sich zu gewinnen, sei der Grund die konservattve Regierung gewesen. Abg. Lauscher (Z.): Das deutsche Voll hat augenblicklich wichtigeres zu tun, als einen Umbau des Reichshauses vorzunehmen. Wenn Preußen die in sein Gebiet eingesprengten kleinen Staatstelle sich angliedert, sollte es sich auch nicht so kurz ablehnend wie im Hamburger Fall zu jedem Versuch einer Verständigung über die Gebietsabtretungen stellen. Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) fordert Ausdehnung der Sperrfrist für die Wiederholung eines abgelehnten Antrages auf Gebietsänderung auf 30 statt auf 10 Jahre und beantragt Einführung Parteien gegenüber alle gebotenen Schritte eingeleitet, um Genugtuung, Gerechtigkeit und Zusicherungen für die Zukunft zu erlangen. Wir wissen, daß unsere Reichstagsfraktion in Berlin ähnliche Schritte unternehmen wird. Unseren Anhängern gegenüber erübrigt sich die Mahnung zur Ruhe und Besonnenheit. Die Stellung dec Deutschen Volkspartei zur Verfassung, zum Staate und zum inneren Frieden ist über jeden Zweifel unb über jede Verleumdung erhaben. Wir erwarten aber auch von den übrigen Teilen des Hessischen Volles, gleichgültig welcher politischen Richtung, das gleiche Maß der Verantwortung, um alles zu vermeiden, was zu weiteren Erschütterungen führen könnte. Unseren verehrten Führern Dingeldey und Dr. Osann sprechen wir tiefbewegten Herzens den Dank aus für ihre treue und hingebende Arbeit im Dienste des Vaterlandes unb der Partei, sowie für ihr mannhaftes Verhalten in schwerer Stunde. Alle Gewalt und alles schreiende Unrecht, das an ihnen verübt wurde, verbindet Führer und Partei nur um so fester." Der Zustand des Herrn Abg. Dingeldey hat sich so gebessert, daß eine ernstliche Gefahr nicht mehr vorhanden ist. Er hat aber auf dringenden Rat der Aerzte heute eine Erholungsreise angetreten. Er veröffentlicht in der Presse folgende Rotiz: Anläßlich des feigen, wohl vorbereiteten Ueberfalles sind mir aus allen Kreisen der Stadt Darmstadt, aus dem ganzen Hessenlande, aus dem übrigen Deutschen Reiche in überwältigender Zähl Kundgebungen des Mitgefühls zugegangen. Ich bin tief ergriffen von diesem Beweis treuen Zusammenhaltens. Da ich augenblicklich noch nicht die Kraft in mir fühle, allen Änzelnen zu danken, sei mir gestattet, diesen Dank auf diesem Wege einstweilen zur Kenntnis zu bringen. Ich danke auch den wenigen Arbeitern, die mit Einsatz ihres Leibes die blutige Schandtat abzuwehren suchten. Gott gebe, daß auch dieses Erlebnis unserem Volke die Augen öffne, ehe es zu spät ist. Wirtschaft, denn die Herstellung und Zuführung i D ü ck i n g. T.V. 1846 Gießen und Adolf Rinn, «frühen Morgenstunde eines Samstag:-, t.n Oaljrc der notwendigsten Produktionsmittel für den land- I T. D. Heuchelheim: 18. W. Ch. Decker, L. V. Treis ! 1909, als diese wunderliche Gestalt im Lauf- Berliner Devisenmarkt. wirtschaftlichen Betrieb beruht-- in der Hauptsache a. d. Lda. und Wilh. Loh, T. D. 1846 Gießen Brüssel-Antw. 6137.30 1.7, Schweizer Franken 100 Kr. 100 100 100 100 100 100 100 100 100 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm . Wien.... Prag.... London. . . Reuhork . . Paris. . . . 100 Fr. 1 £ l F L. Fr. Kr. $ Kr. r Q' r t r 134,07 247,66 17«,50 5118,- 22,11 1,65 -,26 3,20 Fl. Mk. Kr. Kr. 29. 6. 1,33 1.7.14 125.40 59.20 88.80 88.80 117.80 117.80 97.80 23.80 125.40 1,20 1, * 4925,- 1667,10 874,97 3128,95 7108,90 6o 17,30 1,99 716,90 36^5 134,42 248,35 180,50 6182,- 9 Q (5 3 D> a s Q v y l u t * 2,’5 764,- 36,85 144,55 268,65 194,50 5568,- 20.6. 1,41 — ,69 1,27 1,08 Christiania. . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelsingforS. . . Italien London Reuhork Paris Schweiz Spanien Deutsch. Oesterr, Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro 1897,60 1767,75 40149 3395,. 5 7740,30 634.3,05 1 «02,40 1772,25 402,51 3404,25 7v5d,?Ü 6357,95 2,19 766,- 36^6 144,95 269,35 19 ,50 5582,— v | ti ü 1 n € (Wolff.) Börsenbericht. 2lm Devisenmärkte kam es heute zu einer katastrophalen Steigerung der Kurse. Unter höchster Erregung machte sich allseittger Kaufandrang geltend, der seinen Grund teil» weise in der notwendigen Beschaffung auswärtiger Lebensmittel und in dem bisher zurückgehaltenen Bedarf der Industrie an Rohstoffen, sowie nicht in letzter Linie in spekulativen Anschaffungen hatte. Die Furcht vor Verschärfung der innerpvlittschen Wirren durch Streiks, Reichstagsauflösung usw. trug zu diesen unerfreulichen Verhältnissen bei. Der Dollar stteg über 400. Die Effektenkurse gingen nicht mit, weil die Geldknappheit Käufe hinderte und die Bankiers sich weigerten, auf Kredit Effekten zu kaufen. Rur türkische Zvll- anleihe und Ungar. Goldrente wurden häufiger als begehrt genannt. Für rein valutarische Papiere, insbesondere Kolonialpapiere, wurden stark erhöhte Kursschätzungen laut. Im allgemeinen aber blieb der Effektenmarkt umsatzlos. Der Dollar stieg bis auf etwa 407. — 202.75 — 1.395 = 0.027 = 16.10 — 44.15 — 23.27 = 24.70 — 41.75 --- 0.51 — 527.25 •— 1.65 --- 0,115 1.79 -,25 3,17 Wechsel auf Holland Deutschland . . . . Wien Prag Paris London Italien Brüssel Budapest Reuhork Agram Warschau Die Voi W liegt im Mchreitimger vollen, um an vergessens taten an W Beleuchtung u Bssen auch / Damstadt. die Verhältnissen: tonnten, nach ! beurteilt werbt Md der De Brentano. W i gestattet hick ■ eHe^r guten/ B die Devoltt Sprache der schwächt Werder sichen Dehandli Moden blohc tisches Leben Di ttachtung verdie der „Frankfurt- Damstädter Gc Dr. Osan Frankfurts richtigung gesan! .In der Du Sie über die Dor des Demonstratil Qlbg. Dr. Osann daß dieser gcf unrichtig: DZ etngedrungenen Möbel in Mi Schränke, Tische, den Garten uni ebenso Tettzeug, stört wurden. ' Driefe, Doten, hinausgMeude zerbrochen und e: fier Zinausgewor We, Silber- un geraubt, sWsie brutal^ Zerstörr mung“ nernien. - var in dem Haus entgegen, ohne Q wordm, niemand dann in ein Zim schenmenge dank mcht etnfaang; meine Tochter un eine Stunde [an mehr als dreißig gebauten Lebens! Frankfurt a. (HL, S. Juli. Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: 1 ft st st 203.10 1.31 0.027 10.10 44.275 23.32 2*775 41.10 0.50 526.84 1.675 I 6,11 1 Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. Sh. r Fr. Züricher Devisenmarkt. 29. 6. - Das ist in g oachvechalt. Ans war, b «laut dieser y Tagen zug< Mn würde, i ganten ih M die ihr tnWet De am« nA '■ chi • T gMrt i, &•> Sm-, K & geg ebenso leine tonn an den" Ut8 DD die rün ''ch de geldeng ^.r9cn( 'SÄ 1 Öt1 W "sann« k : Jtit "S Fälle S ^le D lC Höchst? Dermischles. * Wie Gefangene ausreihen. In Rom ist es dieser Tage einem alten Zuchthäusler gelungen, nur durch eine Brille in seinem Aussehen verändert, aus dem Zuchthaus zu entfliehen. Er gab sich als sein Rechtsanwalt aus und verließ mit würdigen Schritten die Gefängnismauern, ohne aufgehalten zu werden. Aeynliche kühne Ausbrüche aus Gefängnissen werden aus diesem Anlaß in einem englischen Blatt mitgeteilt. So verließ vor einigen Jahren ein Verbrecher in Glasgow das Gefängnis, nur mit seinen Llnterbeinkleidern angetan. Es war in der schritt die Duke-Street in Glasgow entlang lief, und die Milchkutscher oder Polizisten, die ihn auf der menschenleeren Straße erblickten, hielten ihn für einen Warathonläufer. der die Morgenstunde zu einem ausgiebigen Training benutze. Rur ein Zunge, dem die Sache verdächtig schien, zog die Klingel an dem Gefängnis in der Duke- Street und rief dem Portier zu: „Einer von Ihren Gefangenen ist draußen und läuft die Straße entlang!“ Statt des Dankes Tür diese wertvolle Mitteilung erhielt er ein oaar Flüche und Drohungen wegen des „schlechten Witzes" Aber bald stellte sich heraus, daß es Ernst gewesen war. und es dauerte nun 14 Tage, bis man den Ausreißer wieder hatte. — Einige Minuten vor 12 erschien an einem Tage im Januar 1914 ein gut gekleideter Herr bei dem Torwächter des Zuchthauses von Chelmsford und sagte: „Ich gehe jetzt fort Ich habe die Orgel repariert. Mein Rame ist Griffin." Der Wächter blickte Aur Vorsicht in sein Desuchsbuch und fand dort den Ramen Griffin nicht. Obwohl er wußte, daß die Orgel ausgebessert werden sollte, ging er doch ans Telephon und hörte nun. daß Mr. Griffin tatsächlich im Gefängnis gewesen sei. Er wollte nun den Herrn anstandslos herauslafsen. Aber die kurze Verzögerung brachte den kühnen Ausreiherplan zum Scheitern, denn ein vorübergehender Wärter erkannte zufällig in dem angeblichen Griffin einen seiner Gefangenen. Einen verwegenen Ausbruch aus dem Exeter-Zuchthaus vollbrachte ein Verbrecher, ter als der ,König der Juwelendiebe" bekannt war. Er machte ein Loch in der Wand seiner Zelle und gelangte so auf das Dach der Wohnung des Zuchthausdirektors,' durch die Dacbluke stteg er ins Haus und stahl den Mantel und den Hut des Direktors, worauf er in den Sachen dieses würdigen Herrn ruhig forlfpazierte... EL» mem Turnen, Sport und Spiel. 49. Gauturnfest des Gaues Hessen in Wetzlar. -o- D e r T u r n g a u H e s s e n (D. T.) beging gestern sein 4 9. Gauturnfest in Wetzlar. Die Heimatstadt des derzeitigen 1. Gauvertreters • Arthur Pfeiffer hatte das Fest vorzüglich vorbereitet, zumal es auch feit Jahren wieder das erste größeren Stiles war. Eine erhebende Feierstunde auf dem Domplah leitete das Fest am Samstag Abend ein. Bürgermeister Dr. Kühn begrüßte die Turner namens der Stadt, Turner Allmen- r ö d e r vom T.V. Wetzlar übergab das Fest an die Gauleitung. Der 1. Gauvertreter Pfeiffer sprach markige Worte über die Bedeutung des Turnens, und der 2. Gauvertreter Schneider (Butzbach) erstattete den Dank der Gäste. Ein Chor von 450 Sängern schloß unter Musikbegleitung mit dem Riederländischen Dankgebet. Gastgeber und * Gäste füllten den historischen Platz zu Lausenden und die Abendsonne goß ihre goldenen Strahlen über das Ganze; ein erhebendes Bild! — Sonntag früh 6 älhr begann das Wetturnen, an dem rund 350 Turner teilnahmen. Rachdem am Rachmittag ein gewaltiger Festzug die gastliche Stadt passiert hatte, bildeten die allgemeinen Freiübungen in vorzüglicher Ausführung von mehr als 500 Turnern und Turnerinnen unter Leitung des Gau- oberturnwactes Wilh. Will (Gießen) den Höhepunkt des Tages. Ein Wettbewerb von 40 Muster- riegen schloß den ersten Tag. — Die Ergebnisse des Wetturnens sind folgende: Oberstufe: 24 (Betreiber. 3m 12-Kampf sind Ehrensieger: Anton Ries, Tv. Ridda, 208 P. und Karl Schmidt, T. u. Sp. V. Marburg, 236$. Den 1. Steg erringt Wilh. Siebert, T. u. Sp. V. Marburg, 191 P.. den 2. Bernhard Bühner, T. u. Sp. V. Marburg, 187 P., den 3. Albert Rohrbach, T. u. Sp. V. Marburg, 183 P., den 5 Wilh. Hof- mann, T.V. Krofdorf. — 3m 9-Kampf sind Ehrensieger: Anton Ries, T.V Ridda, 172 P. und Karl Schmidt, T. u. Sp. V. Marburg, 162 P. Den 1. Sieg erringt Richard BurkhoDt, T. u. Sp. V. Marburg, 153 P., den 2. Bernhard Bühner. T. u. Sp. V. Marburg, und Fritz Knoke, T. u. Sp. V. Marburg, 152 P., den 3. Heinrich Gieß- ler, T. V. 1860 Bad-Rauheim und Wilh. Siebert, T.u. Sp.-V. Marburg, 151 P„ den 9. Albert (Rinn, T. V. Heuchelheim, 135 P., den 10. Wilh. Hofmann, T. V. Krofdorf, 132 P., den 11. Hermann Ulrich, T. V. Hungen, 131 P. Mittelstufe: 50 Bewerber. 1. Sieger wird Karl Reuter, T. V. 1846 Gießen, 227 P., 2. P. Gerhardt Hermann. T. V. Ridda. 203 P., 3. Heinrich Keller. T.V. Burgsolms, 202 P., 6. Wilh. Magnus, T. V. Großen-Li'den, 199 P.. 7. Wilhelm Weih, T. V. Großen-Li ate r, 19 8P-, 8. Heinrich Drechsler. T.V. 1846 Gießen und Fan; Sauer, T.V. 1846 Gießen, 197 P., 10. Hch. Rabenau, T. V. Treis a. d. Lumda, 195 P., 11. Karl Müller, T.V. 1846 Gießen, 192 P., 13. Karl Kehr, T. V. Treis a. d. Lda., 190 P., 21. Wilh. Keßler, T.V. Lang-Göns, 178 P., 27. Deinh. Spieß. T. V. Lang-Göns, 170 P., 29. Wilh. Stoll, T. V. Lang-Göns, 168 P. sinter stufe: 272 Bewerber. 1. Sieget wurde Heinrich Leineweber. T. D. Treis a. d. Lda., 214 P.; 2. Rudolf Gilbert, T.V. Heuchelheim. 213 P.; 3. Adolf Ratschlag, T. V. Ridda, 207 P.; 6. Willi Gartenschläger, M. T. V. Gießen. 203 P.; 7. Arthur Heichelheim, T. D. 1846 Gießen, 201 P.; 9. Ernst Freitag. T. V. 1846 Gießen. 197 P.; 10. Karl Keßler, T. V. Großen- Linden. 196 P.; 12. Johs. Amend und Kurt Walter, T. V. Treis a. d. Lda., 194 P; 13. Will). Euler. T. V. Grüningen, 193 P.; 14. Georg Hofmann. M. T. D. Gießen. 191 P.; 15. Karl — Großer Erfolg eines Gießener Leichtathleten. Paulus, vorn Gießener Sport-Club 1900, hat bei den gestrigen Schluh- kämpfen der deutschen Kampfspiele in Berlin im 110-Meter-Hürdenlauf den 3. Preis errungen. (Siehe heutige Anzeige des S.-C. 1900.) — Hungen, 3. Juli. Bei dem gestrigen Radfahrer bundesfest in Steinheim wurde dem hiesigen Verein „Germania" im Korsofahren wiederum der Ehrenpreis in Klasse A zuerkannt. — Steinheim. 3. Juli. Begünstigt von herrlichem Wetter veranstaltete der hiesige Radfahrerverein „Wanderlust" gestern ein Radler- sport- und Dundesfest, verbunden mit Banner- Weihe Von 5Vs älhr früh an fand das Renn- fahren für Klasse A (85 Kilom.) und Klasse B (65 Kilom.) statt, hieran schloß sich von 9—10 älhr Preis-Langsamfahren. Zu dem Feste hatten sich etwa 25 Vereine von auswärts eingefunden. Um 2 älhr bewegte sich ein stattlicher Festzug im Preiskorsofahren durch den Ort nach dem Festplatz. Rach Ansprachen des Bundespräsidenten und des Vorsitzenden des hiesigen Vereins wurde das Danner enthüllt und überreicht. Mit einer Ansprache wurde von einer Dame die dem Verein gestiftete Fahnenschleise übergeben. Don 4 älhr ab gaben Tanz und Dollsbelusttgungen dem Fest das übliche volkstümliche Gepräge. Heute findet noch eine lokale Rachfeier statt. — Fußballkampf Südschweden — (Bremen. Die repräsentative südschwedische Fußballelf traf nach ihrer Riederlage durch die Rvrddcutsche Derbandsmannschajt auf eine ausgewählte (Bremer Mannschaft. Der Kampf, der auf beiden Seiten keine besonderen Leistungen aufwies, sah die Schweden mit 3:2 (1:1) als Sieger. , — Deutsche Kampf spiele. (Bei den (Boxkämpfen, die im Rahmen der Deutschen Kampfspiele in der Sportausstellung am Kaiserdamm ausgetragen werden, gab es am Freitag die ersten Entscheidungen. 3m Federgewicht kämpfte Roack (V. f. L. 58-Charlottenburg) drei Runden überlegen gegen Schmidt-Dremen, der sogar tn der ersten Runde zu (Boten muhte und erhielt den verdienten Punktsieg zugesprochen. Dritter wurde Peukert (Derl. Sportclub). 3m Leichtgewicht siegte ter deutsche Meister Funke (Heros 03-Derlin) in der dritten Runde durch Rieterschlag gegen Giese (Derl. Sportclub), ter bereits vorher einmal unten war. Dritter wurde hier Tscheber-Dreslau. — Der Freitag ist durch den Ausfall des Kampfspielreitturniers zum Ruhetag für die größte Anzahl ter Teilnehmer geworden. Diese sowohl wie die Letter, Starter und technischen (Beamten, die während ter ganzen Tage eine Riesenarbeit zu leisten hatten, werten diese kurze Pause ganz angenehm empfinden. — 3m Schießen wurde auf den Plätzen in Halensee und Schönholz weiter fortgefahren. — Zum Teil gab es einige bewundernswerte Leistungen. So hatten die beiden Sieger im Wurftauten- schiehen unter 100 Tauben, die recht schwierig geworfen wurde, 97 Treffer zu verzeichnen. Die nächsten zehn Bewerber standen ihnen mit 93 nicht viel nach. Die Ergebnisse: Wurftaubenschießen: 1. Sack und Kotthaus 97 Treffer. — Pistolenschießen: 1. Schiwh-Derlin 101 Ringe; 2. Max Schulz-Berlin 96 Ringe; 3. Paar-Berlin 95 Ringe. — Taschenpistolenschiehen: 1. Weihrauch-Zella Mehlis 166 Ringe; 2. Walter-Zella Mehlis 162 Ringe; 3. Gumann-Berlin 150 Ringe. — Scheibenschiehen 175 Meter auf Stand: 1. Schmidt-Suhl 453 P.; 2. Scharpe-Rümberg 449 P.; 3. Schmidt-Frankfurt a. M. 447 P. — Scheibenschiehen 300 Meter auf Feld: 1. Schih- kow-Derlin 402 P.; 2. Müncheberg-Berlin 395 P.; 3. Doetz-Suhl 393 P. Hochschulncrchxrchten. — DerHochschulringdeutscherArt Gießen hat, wie uns geschrieben wird, an Rektor und Senat folgende Entschließung gerichtet: Die durch den Hvchschulring deutscher Art vertretene Gießener Studentenschaft lehnt wie jeder anständig denkender Mensch den politischen Mord, woher er auch komme, als verabscheuungswürdiges Kampfmittel auf das entschiedenste ab. Der H. d. A. legt jedoch auf das schärfste dagegen Verwahrung ein, dah die (Regierung durch den Erlaß betr. Schließung der Llniverfität anläßlich der Ermordung des Außenministers Rathenau in die Selbstverwaltung der Hnioerfität und in die akademische Freiheit der Studierenden eingegriffen hat. Ebensowenig wie dies bei früheren Fällen (Münchener Geihelmord, Ermordung der 33 Sipoleute am Essener Wasser- turm, Ermordung des Generals Küber in Halle, Ermordung des Ministers a. D. Erzberger usw.) erfolgte, war auch in diesem Falle nach Ansicht der Studentenschaft ein derartiges Vorgehen nicht gerechtfertigt. Die Hochschule war und ist eine Stätte geistiger Schulung und kein gewerkschaftlicher Zusammenschluß organisierter Studenten, die in einen politischen Streik gedrängt werten können. Die Studentenschaft macht auf das nachdrücklichste auf die Folgen eines derartigen Vorgehens aufmerksam und verurteitt voller Abscheu die durch diesen Erlaß verursachten unerhörten Gewallakten an ter Hniberfität Heidelberg, insbesondere die Mißhandlung des verdienten Professors und Robel- preisträgers Lenard. «ebenfalls in der Kvhlenproduktion. Da diese jmangelhaft ist, so stockt vor alten Dingen die Erzeugung künstlicher Düngemittel, wie Stickstoff. (Bei den diesjährigen ungünstigen Witterungs- Verhältnissen wird das Resultat wahrschemlich eine entsprechend geringe Ernte sein und diese wird in Dcutschlano jeder, auch ter Kohlenarbeiter, zu verspüren bekommen. Die Schwierigkeiten beschleunigter intensiver landwirtschastticher Pro- duttionssteigerung werden noch vermehrt durch den Wagenmangel der Eisenbahn, ter ebenfalls auf die schlechte Kohlenversorgung der Dahn zurückzufuhren ist. Daher kommt es auch, dah große Verb rauch ergeb iete nicht rechtzeitig und genügend mit Lebensmitteln versehen werden können. Man sieht, daß ter Mangel an Kohle ein Manko nach dem andern nach sich zieht und zuletzt den Produzenten und den Ko'hlenarteiter selbst triff . Es ist hier in Produktion und Konsumtion ein Ring geschlossen, und eS wird der Kohlennot und damit der Rot ter Drvtversorgung nur abge= hvlfen werten können, wenn intenfit>er gearbeitet wird. Hiermit wurde dem inneren Frieden gedient sein, ter je gerate in diesen Tagen so schweren Erschütterungen ausgesetzt ist. Es ist Pflicht aller Schichten des Volkes, also auch ter (Bergarbeiter, mitzuhelfen, dah die Gesundung des Reiches möglichst rasch vor sich> geht. Die Landwirtschaft dürfte es dann gewih ihrerseits an ter nötigen intensiven (Bearbeitung des Bodens nicht fehlen lassen. und Hans Rinn, T. V. Krofdorf, 187 P.; 19. Konrad Klee, T. V. Holzheim, 186 P.; 20. Balthasar Amend, T. V. Treis a. d. Lda., 185 P.; 22. Heinr. Voll, T. D. Grohen-Linden, 183 P.; 25. Friedr. (jung I., T. D. Holzheim und Hch Marx, T. D. 1846 Gießen und Hch Rock. T. V. Treis a. d. Lda.. 180 P.; 26. Karl Volz, T. V. Lich 179 P.; 27. Max Kreiling, T. V. Heuchelheim. Karl Ludwig, T. V. Lich und Gustav Müller, T. V. Holzheim, 178 P.; 29. Heinrich Magnus, T. V. Grohen-Linden und Christian Volz, T. V. Lich und Hch Wagner. T. V. Krofdorf, 176 P.; 30. Hch Kehler, T. V. Grohen-Linden, Georg Schäfer, T. D. 1846 Giehen, Karl Weber, T. V. Münchholzhausen, 175 P.; 31. Wilh. Gerlach. T. D. Krofdorf, Hch. Römer, T. V. Treis a. d. Lda., August Voll, T. V. Großen - Linden und Otto Vollmann. T. V. Heuchelheim, 174 P.; 33. Hch. Hofmann. T. D. Grüningen. 172 P., 34. Hermann Freitag, T.V. Heuchelheim, Emll Geismar, T. V. 1846 Gießen, Hermann Volkmann, T. V. Heuchelheim, 171; 35. Hch Decker, T. D. Treis a. d. Lda.. 170 P.; 36. Emst Römer, T. V. Grohen-Linden und Fritz Stein, T. D. 1846 Giehen, 169 P.; 37. Ludwig Malkomesius, M. T. V. Giehen, 168 P.; 39. Karl Schmidt, T. V. Lang-Göns, 166 P.; 40. Wilhelm Engel, T. V. Grüningen, Friedr. Jung II.. T. D. Hochelheim, 165 P.; 41. August Volkmann, T. V Heuchelheim, 164 P.; 43. Karl Debus, TD. Krofdorf, Hch. Euler, T. V. Grüningen und Hch. Wagner, T. V. Holzheim, 162 P.; 44. Werner Heiser, M. T. V. Giehen und Hermann Schmidt. T. D. Hörnsheim, 161 P. Fechter: Florett: 11 Dewerber: 1. Sieger Georg Zörb, Mtv. Giehen, 29 P., 2. Hans Roll, Tv. Gießen, 27 P„ 3. Fritz Roll, Tv. Giehen, 27 ,P.. 5. Karl Rv l( Tv. Gießen, 27 P., 7. Karl Herchenröder, Tv. Giehen, 22 P., 8. Edgar Vogel, Mtv. Gießen, 20 P. — Leichte Säbel: 10 (Bewerber: 1. Sieger Hans Roll, Tv. Giehen, 22 P., 2. Hugo WÄekind. Tv. Wetzlar, 21 P.,.3. Fritz Roll, Tv. Giehen. 21 P.. 5. Karl Roll, Tv. Gießen, 19 P., 6. Karl Herchenröder, Tv. Gießen, 17 P. — Schwere Säbel: 18 (Bewerber: 1. Sieger Karl Hahn, Tv. (Bäte Rauheim, 20 P., 2. Herbert, Tv. Wetzlar, 20 P„ 3. Edgar Vogel, Mtv. Gießen, 19 P., 5. Lübecks Tv. Wetzlar, 14 P. * Diamanten in der Antarktis. Mitglieder der jetzt zurückgekehrten Shack- leton-Expedition haben sich in Kapstadt dahin geäußert, dah wahrscheinlich große Diamantfelder in antarktischen Gebieten vorhanden sind. Auf einer kleinen Insel in der Nähe von Sudgeorgien fand man Spuren von größeren Grabungen, und der Geologe der Expedition stellte fest, daß es sich hier um Boden handelt, in dem Diamanten ^gefunden werden; auch gelber Quarz wurde ausgegra- ben. DaS Loch, das man fand, rührt von einer Expedition aus Kapstadt her, die bereits vor fünf Monaten auf der Insel nach Diamanten gesucht hat. Diese Privatleute sollen bereits Diamanten gefunden haben. Es soll^ demnächst eine neue Unternehmung ausgerüstet werden, die den Wert dieser Diamantenfunde genau feststellt und auf die Möglichkeit der Ausbeutung hin untersucht. Seltsame Erscheinungen wurden auch rings um die Küsten der verlassenen Inseln und in den MeereSttefen der antarktischen Gebiete festgestellt. Die Tiefsee birgt hier noch manche Wunder und Geheimnisse. So wurden durch die Lotungen riesige Anterseewälder entdeckt unb neue, reiche Fischgründe festgestellt. Man fand, dah die Gewässer des Süd- polarkreises voll sind, von eßbaren Fischen. Die tiefsten Lotungen, die gemacht wurden, re- gisttierten eine Liefe von 2700 Faden etwa 800 Kilometer östlich von den südlichen Sand- Wich-Jnseln. Als man sich Feuerland näherte, fuhr die „Quest", Has Expedittonsschiff, eine ungewöhnlich lange Strecke durch Seegras. Die Lotungen zeigten eine Liefe von 100 Faden, und die unterseeischen Bäume, deren Gipfel über Wasser sichtbar waren, überttafen die Höhe der höchsten Landbäume um 150 Pfund. Die Fische sind in der Antarkttk so zahlreich, daß man die Angeln nicht mit Köder zu versehen brauchte. Geld (Brief Geld Brief Datum. <10. Juni. 1. Juli. Amstd.-Rotterd. 14382. - 14418 • 15330,80 15369,20 ------- 2971,25 2878,75 319b - 3204- c.o<7on b)52,72 6613,70 663□ 30 8035,05 8539,30 8560*70 9642,05 10297,10 10322,90 854,10 878,90 881,10 1752,20 1807,60 (3n einem Teil der Auflage töteberholt) Aus dem hessischen Finanzausschuß. rm. Darmstadt. 30. Juni. Der Finanzausschuß setzte heute vormittag die Beratung des Hauptvoranschlages fort. Eine zu Kap. 49, Volksschulen, von der Regierung vorgelegte 2len- derung findet Zustimmung. Kap. 50, Turn- und Zeichenunterricht, wird genehmigt. Bei Kap. 51, Taubstummenanstatten, erllärt die Regierung auf eine Anregung, dah eine (Bereinigung ter Leitung der Anstalt mit ter Leitung ter Blindenanstalt wegen ter Verschiedenheit ter Ausbildung uicht möglich sei. Ebenso wurde erllärt, daß ter Staat die älebemahme ter ganzen Kosten für die Pfleglinge anstatt ter Hälfte, wie bisher, nid^t ausfuhren könne. In Kap. 55, Kinderpflege, wird der Beitrag von 40 000 auf 100 000 Mk. erhöht. Vei Kap. 57 wird eine Vorstellung des Lehrlicht- bildvereins sowie der Volkshochschule mitberaten. Die Regierung verschließt sich nicht ter Auffassung, daß vermehrte Mittel für die Volkshochschule notwendig sind. Ausschuß und Regierung sind aber auch darin einig, daß die Volkshochschulen als Privatanstalten sich selbst erhalten müssen. Es ist deshalb nur mit vorübergehender Unterstützung des Staates und nur dann, wenn sie unerläßlich ist, zu rechnen. Der eingestellte Betrag wird auf 150 000 Mk. erhöht. Die andere Vorstellung wird für erledigt erllärt. In Kapitel 57 a, Mrderuna der Kunst, wird der für den Ankauf von Kunstwerken eingestellte Betrag von 25 000 Mk auf 100 000 Mk. erhöht. In Kapitel 58, Landes- universität, wird die Vergütung des Rektors als Kanzler auf 10 000 Mk.. die Vergütung für Dekane zusammen auf 18 000 Mk., für Seelsorge auf 6000 Mk für Prüfungsarbeiten von 9000 Mk. auf 50 000 Mk. erhöht. Die Kapitel 59, Technische Hochschule, 61 Landesmufeum, 65 Denkmalpflege 32 Tierärztlicher Dienst, 35 Anstall für Blödsinnige Alicestift in Darmstadt, werten tebattelvs angenommen. Zu Kapitel 38, Staatsunter- stützungskafle, wird ter Regierung die Ermächtigung erteilt. in Ro t geratene Reckarschisfer entsprechend zu unterstützen. 3n Kap. 41, Fonds für öffentliche und gemeinnützig« Zwecke, findet der Antrag auf Erhöhung der älnterstützung ter Prvvinzialpflegeanstalten von je 20 000 Mk. auf je 50 000 Mk. die Zustimmung ter Mitglieder. Der Fonds für das Ministerium d. I. wird von 80 000 Mk. auf 120 000 Mk. erhöht. Die weiteren Kap. 66, Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, 70, Gevl. Landesanstalt. 72, Verbesserung ter Milchversorgung. 73, Landw. älnterricht, und 74. Dotenverbesserung und Wasserversorgung, finden ohne Aussprache Erledigung. Rächste Sitzung Dienstag, den 4. Juli. Erklärung des Heidelberger UniverfltatesenatS zu einer Ausschreitung. In Heidelberg hatte am Tage terVolkS^ kundgebungen ter bekannte Rotelpreisträger Geheimrat Lenard seine Vorlesungen abhalten wollen, worauf Arbeitermaflcn gegen fein Institut stürmten. Polizei nahm ihn in Schutz haft, aber die wütende Menge hätte ihn beinahe in den Reckar geworfen. Der engere Senat ter Heidelberger Universität hat nun eine Erklärung am schwarzen (Brett anschlagen lassen, in der es heißt: ..Wir leiten an dem Mangel einer von der Dolks- gesamtheit in allen ihren Gruppen und Gliederungen einhellig und freudig in ihrer überragenden Autorität anerkannten Staatsgewall. und uns tut not die Wiederherstellung der Grundlage, auf ter allein die Rechte aller Staaten und Staatsgewalten beruhen. Wie wett wir von diesem Ziel heute noch entfernt sind, beweist mit erschreckender Deutlichkeit auf ter einen Seite das scharf zu mißbilligende Verhal- t en eines im übrigen hoch angesehenen Mitgliedes des Lehrkörpers, welches tn deutlich bekundeter Opposition gegen die derzeitige Staatsleitung deren auf den Lehrbetrieb and sein Institut bezüglichen Anordnungen zuwider gehantelt und hierdurch sowie leider auch sonst durch agitatorische Haltung, die ihm als Staatsbeamten und akademischem Lehrer obliegenden Pflichten verletzt hat. Mit allem Ernst uno Rachdruck verwahren wir uns aber auf der anderen Seite gegen das jeder Grundlage entbehrende Verhalten berufsständischer Organisationen, die in völliger Verkennung ihrer Rechte und ihrer Stellung im Staate sich für befugt gehalten habens die von ihnen proklamierte Arbeits- einftetlung auch staatlichen Behörden ynb (Beamten aufzuerlegen und diese Anordnung durch Anwendung einer nicht ihnen, sondern nur dem Staate zustehend«! Zwangsgewalt auf Grund eines angebluh eigenen, in Wahrheit aber angemafjten Rechtes in Vollzug sehen." Drohender Generalstreik der Eisenbahner in Amerika. Chicago, 30. Juni. Der für 1. Juli angesagte Eisenbahnerstreik wttd, soweit wie hier bekannt ist, tn seiner ganzen Schwere durchgeführt werten. Die Eisenbahner des ganzen Landes, ungefähr eine Million, haben zum größten Teile ihre Derettwilligkeit zu dem Streife ausgesprochen und. wenn mcht in elfter Stunde die Regierung ihn verbietet, wttd er mit seiner ungeheueren Folgenschwere stattftnden. Die Eisenbahner verlangen erstens, daß sämtliche Repa- raturarbeiten der Dahnen in den von Technikern der Eisenbahnen geleiteten Plätzen statt- finden sollen, nicht an auswärtige Firmen kvn- traktweise vergeben werden sollen, fernerhin stehen sie einer vorgenommenen Reduzierung ter Löhne im Wege. Man hält die Situation allgemein für sehr schlimm.