Dienstag, 5. Januar 1922 Erstes Blatt 172. Jahrgang Druck und Verlag: Vriihl'fche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Schriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7. finanziellen Derpslich t u n g e n pflegt sich im allgemeinen auf die R e zu-- ankommen. L o u ch e u r wird 24 Stunden früher dort eintreffen. Donar Law und Sir Wor- Nr. 2 Der Slrtzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn» u»i) Feiertags. Monatliche Bezugspreise: MK. 9.50 einschl. Träger» »ohn, durch die Post Mit. 10.- einichl. Bestell» gelb, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech-Anschlüsse: siirdieSchriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siesten. vostschecttonts: Frankfurt a. M. 11686. die Reparationen gelingen möge, eine gesunde Grundlage zu finden, die für Deutschland eine dauernde wirtschaftliche und politische Stabilität und für die Alliierten die Gewißheit regelmäßiger Zahlungen sicherstellt. Ist dies einmal geschehen, so ist der Weg eröffnet für die konstruktiven Ueberlegungen der anderen Staaten. Das amerikanische Volk will und wird niemals abseits bleiben, wenn es sich darum handelt, an diesen künftigen Maßnahmen teilzunehmen; aber es kann daran nicht eher mit Aussicht auf Erfolg teilneh- men, bis nicht zuvor diejenigen, die über die Reparationen zu bestimmen haben, diese grundlegende Frage derart auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis gelöst haben, daß wir mit Zuversicht auf die Zukunft Europas blicken können. Abgesehen von den Staatsfinanzen in einer Anzahl von Ländern sind die Aussichten recht ermutigend. Jeder Aeberblick über die soziale Lage in Eutopa wird ergeben, daß die Gefahr desBolschewismusvor- ü b e r ist, teils wegen der gebesserten Lebenshaltung und teils wegen der heilsamen Lehren von Rußland her. Die privaten Krediteinrichtunqen der Welt haben ihre Eignung und Fähigkeit erwiesen, den internationalen Handel und Kredit aufrecht zu erhallen, ausgenommen in genen Gebieten, wo die Demoralisation der Währung schon so weit fortgeschritten ist. Doch bestehen einige zwecklose Schranken für den ungehinderten Heilungsprvzeß des Handels in Ge- anderen Titeln des Vertrages hmzukrirn- rnen. Abgesehen von dm fortlaufenden Zahlungsverpflichtungen, die sich für das Reich aus dem Ausgleichsverfahren ergeben, kommen in erster Linie die Schadenersahsummen in Betracht, die dem Reiche für die während des Krieges gegen das feindliche Privateigentum in Deutschland getroffenen Maßnahmen abverlangt und von den verschiedenen gern schien Schieds- gerichtshöferi festgesetzt werden Die bei diesen Schiedsgerichtshösen eingeklag:en Summen gehen schon jetzt nicht etwa in die Millionen, sondern weit in die Milliarden. Dazu kommen aber neuerdings noch die von verschiedenen alliierten Ländern auf Grund einer besonderen Bestimmung des Vertrages von Versailles erhobenen Schaden- ersahforderungen für solche deutschen Maßnahmen, die in der Zeit zwischen dem 31. Zuli 1914 und dem Tage des Eintretens dieser Länder in den Krieg getroffen worden sind. Es handelt ich dabei um die Länder, die in den Weltkrieg erst später eingetreten sind. Um einen Begriff von der Höhe dieser Ansprüche zu geben, mag nur erwähnt werden, daß z. D. Portugal süc bicic Zeit einen Schadenersatz in Höhe von nicht weniger als rund 31/4 Milliarden Goldmark fordert. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Hoover über die europäische Wirtschaftslage. Sine Botschaft zur Jahreswende. (F. P. S.) In Beantwortung vieler Anfragen, die an das Handelsdepartemcnt über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Europas ergangen sind, hat H v 0- Der in seiner Eigenschaft als Handelssekretär sich wie folgt geäußert: „Die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas geht notwendigerweise langsam und schwierig vvnstatten. Jahr um Jahr seit dem Waffenstillstand gelangen die im Krieg gestandenen Staaten, einzig Rußland ausgenommen, in politischer wie sozialer Beziehung zu stabileren Verhältnissen; sie weisen große Fortschritte auf im Wiedererstarken ihres Ackerbaus, ihrer Industrien, ihres Außenhandels und ihres Verkehrs. Zusehends verschlimmern sich lediglich die Staats- finanzen; hier handelt es sich um unausgeglichene Budgets und die daraus folgernde Inflation usw. in bestimmten Ländern mit der weiteren Folge der Vernichtung des Kredits. Der ganze Welthandel leidet offenkundig recht bedenklich unter diesen Uebeln der staatlichen Finanzen, deren Wirkung sich auch über die Grenzen der hauptsächlich betroffenen Staaten hinaus fühlbar macht. Am stärksten und am gefährlichsten ist dieser Zustand der Inflation in Deutschland. Im Fall Deutschlands hängt alles ab von der Methode und dem Umsang der Reparationszahlungen. Da die Vereinigten Staaten weder an der Festsetzung noch an dem Empfang der Zahlungen beteiligt sind, verfügen wir weder über eine Stimme noch über das Recht zum Eingreifen. Auf jeden Fall ist diese Angelegenheit eine in besonderem Sinne europäische und sie muh von den interessierten Teilen geregelt werden. Cs ist aufs Ernstlichste zu hoffen, daß es in den derzeitigen Verhandlungen über stalt künstlicher Hindernisse zwischen den neuen Staaten. Im allgemeinen aber ist ein Fortschritt im Gange und die Probleme, die noch zu lösen sind, werden zunehmend weniger umfänglich und ihre Lösungen werden nehmend besser erkannt." Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer big zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm'Breite örtlich 70 Pf., auswärts 90 Pf.; für Reklame? Anzeigen oon 70 mm Breite 3 OPf. Bei Platz. Vorschrift 20 „Aufschlag. Haupischriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giehen. Die finnisch-russi sche Apanvuna. Stockholm, 2. Ian. Die schon seit Wochen bestehende Spannung in den finnisch russischen Beziehungen wegen Ostkarelien hrl sich in te.x letzten Tagen wieder erneut verschärft. Kriegsgefahr besteht aber, wie b:t:nt werben must, nach wie vor nicht. Die Svw;eiregierrng yat ihre Vertretung in Helsingfors angewiesen, die Verhandlungen wegen des Ci t r s iranischer Waren einzustellen; aubertem hat s e die russische Flüch tlingskommi l's ion in Wr° borg zurückgerufen und ii' f.nni'che Regierung ersucht, auch die sinn s he Flü^tling?- kommission in Petersburg Ynmzi b.ruse i. Mit dem Boykott finnischer Ware n tr fft bie Sowietregierung d e veiwu ndbar e St lle Finnlands Trotz, em hat es im v.rgang' r.ea Iahre immerhin für 80 Millionen finnische Mart Ware nach Rustland verkaufen können. Die finnische Regierung beeilt sich darum jetzt auch, Schritte zu unternehmen, d.e die Sowietregie.u g beschwichtigen sollen. Si> hat zwei Mitglieder der sogerann en karelischen Regierung aus H I ngforS au gewiesen und sucht auch dem Nationalist.s Yen Runnnel Zugel anzulegen. Tie Lage in Ostkarelien hat sich wenig geändert. Rach einer Uli Heilung Trotzkis ist die Murmanbahn vollständig in ien Händen der Sowrettruppen. Ihr Versuch, Iaervi z.nuck- zueroberm, ist aber laut finnländischen Gerüchten fehlgeschlagen. Moskau, 2. Ian. (Wolfs. Durch Funr- spruch.) In einer Rede auf dem 9. allrussischen Rätekvngretz sprach Trotzki über de Ci .falle Weißgardistischer Banden in Karelien, in der Ukraine und im äustersten Osten. Er sag e, oie Lage zwinge dazu, die Demobilisierung einzu st eilen und den Winter zur Hebung der Hauptfähigkeil des Heeres zu verwerten. Im Frühjahr werde Rustland jed r Eventual! ät gewachsen sein, aber die Regierung wünshe fest und aufrichtig den Frieden. Rach der Rede Trotzkis erklärte Rakowski ramerd aller föderativen Sowjetrepubliken, dast sie mit den von der russischen R g crung ergri feien Matz- nahmen zur Verteidigung des Rätesystems gegen die zahlreichen Angriffe von innen und austen einzusehen seien. Unterzeichnung^ cs Danzig-polnischen Wirtschaftsabkommens. Danzig, 1. 3an. Nachdem der Volks- tag auch in der dritten Lesung hen Rati- fizierungsbeschluß aufrechterhalten hatte, erfolgte Samstag die Unterzeichnung der Ratifizierungsurkunde des Danzig-polnischen Wirtschaftsabkommens nebst Zusatzvertrag über Zvllerleichterungen. Strittig bleibt jedoch noch die Frage des In- krafttretens des neuen Abkommens. Die polnische Regierung ist nach Zeitungsmeldungen entschlossen, mit dem 1. Januar die rm Abkommen vorgesehene Zollunion durchzufuhren. Da jedoch nach der Verfassung ein Danziger Gesetz erst durch amtliche Bekanntgabe in Kraft tritt und daS Amtsblatt erst am kommenden Samstag erscheint, kann man über den Termin verschiedener Auffassung sein. Das ist insofern bedauerlich, als die Erhebung ode; Richterhebung von Zöllen für das gesamte Wirtschaftsleben von größter Bedeutung und eine eindeutige Auffassung gerade in solchen Fällen unbedingt notwendig ist. DerDeutsch DanzigerOptionsvertrag Berlin, 2. Ian. (Wolff.) Der amtliche Preußische Pressedienst teiti mit: Wie aus vielfachen Anfragen hervorgeht, herrscht in der vej sentlichkeit immer noch keine Klarheit darüber, für welche Personen eine Option auf Grund des Deutsch-Danziger Optionsvertra- auSgearbeitet werden, das auch bie Höhe der Beteiligungen festzusetzen hat. In Aussicht genommen ist, dast Dreiviertel des Gefelchaßs- lapitals zu gleichen Teilen von England, Amerika, Frankreich und Deutschland, der Rest von Italien und Belgien und evtl, auch von Holland und der Tschechoslowakei aufgebracht werden soll. Die erste Aufgabe des Konsortiums soll die Reorganisation der Eisenbahnen, der Häfen und der Schiffahrt in den östlichen Ländern Europas fein, die die Vorbedingung ist für die Wiederingangsehung der Industrien. Die ausz.lführenden Arbeiten und die industriellen Lieferungen sollen auf die einzelnen Länder nach dem Matzstabe ihrer Beteilt u ig an dem internationalen Konsortium verteilt werden. Der Sih der Gesellschaft soll London sein. London. 2. Ian. „Daily Telegraph" betont, datz das unsch.iabare Kommunique'der alliierten Wirtschaftsleute die Prinzip e.l w.ch k.e Entscheidung enthalte, dast Deutschland und andere Fcindstaaten gemätz dem englischen Dor- chlag in das beabsichtigte Finanzkonsortium aufgenommen werben. Ferner stellt das Blatt fest, datz jede Bezifferung des projektierten Anfangskapitals vorerst berfrüLt sei;übrigens sei eine spätere Erhöhung selbstverständlich. Das Blatt glaubt, datz die Donau- ftaaten zuerst das Arb i.sseld abgeben werden. Wie die Blätter feststellen, steht die Frage, welche Währung für das Kapt al gewählt Werre, noch offen. Die Dienstrarmachung der Hälfte der deutschen Anteile für die Reparation wird be- grützt, jedoch werden D.denken g:gen eine direkte Beteiligung der deutschen Regierung geltend gemacht, weil auch die übrigen Länder nicht direkt durch ihre Regierungen Mitwirken, sondern nur durch Privalkapital beteiligt seien. thington Evans sind bereits mit Lloyd ®e-| orge und Winston Churchill in Cannes _ ■ - — — - ‘ aufgeburdeien zusammengetroffen. Die Außenmitglieder der englischen Delegation werden heute erwartet. Sie | - ■ ■ v , ,,, K japanische und belgische Delegation sind Pa rat ro ns la st en zu beschranken. ES wird für Donnerstag angesagt. Briand und Lloyd meistens vergessen, datz zu den Reparavonszah- George werben am Mittwoch und Donnerstag langen, den bekannten 132 Milliarden Goldmark Vorbesprechungen haben. Die offizielle Tagung noch ganz b e_t r achtliche_Zahlungen a"s des Obersten Rates wird am Freitag, dem! Kehraus in Washington? London, 2. Januar. Reuter meldet au.S Washington, die Konferenz nähere sich ihrem (5nde. Man erwarte, daß noch zwei Vollsitzungen abgehalten werden. Eine werde die bezüglich der Marinefrage, die andere die bezüglich des Fernen OstenS noch unerledigten Punkte regeln. Es scheine, daß der 1 4. I a n u a r, an welchem Tage Balfour und Lord Lee nach England zurückzureisen gedenken, als Datums des Schlusses der Konferenz festgehalten werde. Die Marinesachverständl- gen hofften, noch einige Einzelfragen zu erledigen. e PariS, 3. Januar. (WTB.) Rach einer Meldung des „Rew Bork Herald" aus Washington wird Senator Borah im Senat, sobald über das V i er -Mächte - Abkommen im Stillen Ozean verhandelt wird, einen Abänderungsantrag em- bringen, in dem von den Mächten die Verpflichtung verlangt wird, die Rechte und die Souveränität aller im Stillen Ozean interessierten Mächte innerhalb eines Jahres wie^ derherzustellen. Falls einer der Beteiligten gegen diese Verpflichtung verstoße, würden für die Vereinigten Staaten ihrerseits alle Verpflichtungen aus Artikel 2 des Abkommens fvrtfallen. Der Antrag Borah hat, wie das Blatt hinzufügt, zum Zwecke, Japan zu nötigen, Schantung und die anderen chinesischen Gebiete, die es augenblicklich im Besitz hat, an China wieder zurückzugeben. Das internationale Finanzkonsortium. Aus den Beschlüssen ber Pariser Wirtschasts- kvnferenz sind noch folgende Einzelheiten nach-- zutvagen: . Paris, 2. Ian. Die Beteiligung Deuts chlanbs wirb mit folgenden Sätzen begründet: „Allein auf seine Hilfsmittel angewiesen, ist kein Land heute imstande, sich wirtschaftlich zu erholen. Es ist deshalb notwendig, datz alle Rationen und alle sozialen Kl ass en ohne Vorbehalt an dem gemeinsamen Wert teil- nehmen. Auch Deutschland mutz herangezogen werden; denn m ZentLLleuropa stellt es einen Faktor von allererster Bedeutung sowohl in finanzieller wie in industrieller and -.orn- merzieller Hinsicht dar. Seine Kenntniße und Erfahrungen lassen es für ein Wert dieser Art besonders geeignet erscheinen." Das Organisationsstatut des z ar wirtschaftlichen Sanierung Rußlands vor- gefehenen internationalen Konsortiums soll von einem englisch-französischen Komitee Zahlungen zu erleichtern. Paris, 3. Ian. (WTB.) Wie der „Matin" mittcilt, sind de^ b e l g i s ch e M i n i st e r pr as r- bent Theunis und der belgische Außenminister Iasper heute in Paris angekommen, wo sie mit dem Ministerpräsidenten Briand vor seiner Abreise nach Cannes eine Besprechung haben werden. Sie werden ihm mit 24 Stunden Abstand folgen. Der „Mat in" knüpft an diese Rachricht eine nochmalige Auseinandersetzung über die belgische Stellungnahme zu dem angeblichen Vorschläge Lloyd Georges, während des Iahres Goldmark festzusehen und diese 500 Millionen 1922 die deutschen Zahlungen auf 500 Millionen zusammen mit ber im 3uni gezahlten Milliarde so zu verteilen, daß auf Belgien 750 Millionen entfielen. Es liegt darin, so sagt das Blatt, eine Schwierigkeit, an ber bie Debatten von Cannes, soweit bas Zahlungsproblem für 1922 in Betracht kommt, zu scheitern brohen. Allerdings handle es sich dabei um ein Kapitel bei der allgemeinen Regelung ber Reparationen, die man ins Auge fassen will. Die Beteiligung Deutschlands an dem europäischen Konsortium, die Zahlung eines Teiles der Entschädigungen in deutschen Industriewerten und die Möglichkeit einer internationalen Anleihe, das sind bie neuen Elemente. bie den Standpunkt jedes der Alliierten bezüglich der nächstfälligen Zahlungen ändern könnten. Milttarden-Hystcrie. Halbamtlich wird mitgeteilt: Die Erörterung Deutschland durch den Vertrag von Versailles D r ü s s e l, 3. Ian. (WB. ) Der „Soir“ schreibt: D.e b elgischen Delegierten haben auf der Konferenz von Industriellen und Finanzleuten in Paris am Samstag eine ausführliche Rote überreicht, in der in deutlicher Weise die Fragen angeg- ben werden, die nach ihrer Auffassung gelöst werden müßten. Die Belgier haben besonders b tont, datz die „frühere Situation" respektiert werden müßte. Es handle sich im vorliegenden Falle vor allem darum, b*b die besondere Lage, die Belgien sich .n Rutz- lanb geschaffen, und wo es seine Interessen aufrechterhalten habe, geachtet werde. Der „Temps" klagt. Paris, 2. Ian. (WTB.) Der „Temps" bringt heute eine außerordentlich pessimistisch gehaltene Betrachtung zur Iah- reswende. Das neue Iahr, in bas Frankreich eintrete, sei auherorbentlich schwierig. Der außenpolitische Horitzvnt Frankreichs sei mit dunklen Wolken verhangen. In England, in Deutschland und in Moskau denke man an eine neue Entente, 6. Ianuar, eröffnet werben. Paris, 2. Ian. (WTB.) Der „Intransige- ant“ schreibt, der französische Premierminister erklärte von der Kammertribüne: „Frankreich wird in Cannes keine einzige der Garantien aufgeben, die es in Deutschland besitzt." Da man andererseits selbst in Frankreich neue Ideen kommen spüre, frage man sich neugierig, wie bie französischen Delegierten sich zu den Aenderun- gen, bie zweifellos am Londoner Abkommen vorgenommen werden mühten und den Erklärungen Briands vor dem Parlament stellen könnten. Die Tleberraschung sei um so großer, als schon jetzt mit Ausnahme Belgiens bie vier beteiligten Länder sich grundsätzlich darauf eingestellt hätten, daß Deutschland im Iahre 1 922 nur eine halbe Milliarde Goldmark an Stelle ber vorgesehenen zwei Milliarden bezahlen werde. Auch sei bekannt, baß L 0 ucheuv, in London den Finanzplan auseinandergeseht habe, indem die genannte halbe Milliarde mit der von der Reparationskommission schon zugesprochenen deutschen Zahlung vom Iuli vergangenen Iahres zusammengelegt würde. So stehe man vor Auslegungsschwierigkeiten nicht nur in bezug auf den Versailler Vertrag, sondern auch auf bie Abkommen von Spaa und von London. Kurz man gehe einer Art Abwicklung ber Tlebernahmen oder vorgesehenen Verpflichtungen entgegen, die mit den neuen großen Ideen ein wenig im Widerspruch zu stehen scheinen. Eine von diesen neuen Ideen bestehe darin, Dr. Rath en au bie Möglichkeit zu erleichtern, in Cannes persönlich seinen großen Plan des rascheren Wiederaufbaues alles Zerstörten vorzulegen und auf diese Weise auch die Erledigung der deutschen Verpflichtungen burch Sachlieferungen, dagegen nicht mehr durch Bar- beren Kosten Frankreich tragen solle. Die tiefere Tlrsache der außenpolitischen Schwierigkeiten Frankreichs liege in den englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten. Die an die Eröffnung ber Washingtoner Konferenz geknüpften Illusionen, daß die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Frankreich unabhängig von deren Politik gegenüber England sei, seien sehr bald in sich zusammengebrochen. Die gegenwärtige Regierung der Vereinigten Staaten habe offenbar keinerlei Absicht, sich allzuweit in die 'europäischen Angelegenheiten einzulassen und von Washington aus sehe man bie Schornsteine von Manchester eher, als die eingestürzten Essen von St. Quentin. Eine Aenderung ber außenpolitischen Lage Frankreichs könne nur durch eine Wandlung in den Beziehungen zwischen England und Frankreich herbeigeführt werden, und diese sei abhängig von der Lösung der Streitfragen der älnterfeeboote und des Reparationsproblems. Rachdem Frankreich die Resolution Root über die Verwendung der Mnterfeeboote angenommen habe, seien es nur noch- Fragen technischer Rajur, über "tne- man sich zu einigen habe. Das sei aber schlechterdings unmöglich, solange man über die zukünftige Taktik des Seekrieges völlig im äln= gewissen schwebe und solange man nicht wisse, welche Rolle den Flugzeugen im Seekampf zufallen würde. Wie könnte es endlich möglich sein, daß Frankreich und England in einer Frage so heikler Ratur zur gleichen Anschauung kämen, solange die politischen Beziehungen noch sehr im Fluß seien und niemand wissen könne, ob sie, wie ihre vitalen Interessen es erforderten, entschlossen seien, ihr Bündnis enger zu gestalten und ihre Zusammenarbeit in dem Maße zu entwickeln wie die Gefahren wüchsen, die sie beide bedrohten. Zur Lösung des Reparationsproblems bedürfe es in erster Linie umfangreicher Kreditoperationen nicht nur, um die deutschen Zahlungen zu ermöglichen, sondern auch um Deutschland und Oesterreich in den Stand zu sehen, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Die Frage sei, ob England gewillt sei, solche Kredit- Operationen zu unterstützen und dadurch ihr Gelingen sicherzustellen. Sie Kreditfrage, aber nicht die eines Moratoriums sei es, die das Repara- tivnsprvblem beherrsche. Dor der Abreise nach Cannes. P a r i s, 2. Ian. (WTB.) Wie der „Temps" mitteilt, wird 'der zugeteille Direktor für poli- > tische Angelegenheiten im Ministerium des Aus- ; toärtigen Laroche Briand nach Cannes begleiten. Phris, 2. Ian. (WTB.) Wie der „Temps" ' mitteilt, wird Briand morgen Paris verlassen : und am Mittwochvormittag mit den Sachver- : ständigen der französischen Delegation in Cannes aes irr Tttrad)t kommt. Es wird deshalb daraui hingewiesen. daß d e eiligen deutschen Reichöange- 6öLigen, Mo am 10. Januar 1920 ih en Wohnsitz im Gebiete der jetigen Freien S:adt - Tanz g hatten, mit die em Lage die Reichsangehörigkeit verloren und die Danziger Staalsangehörigreit erworben haben, gleichviel, wann sie sich in diesem Gebiet niedecgelas en haben. Unter d.esen Dvc- aussetzungen ha.en auei) die am 10. Januar 1920 dort wohnhaften Beamten die deutsche Reichsangehörigkeit verloren und die Staatsangehör.g eit de F e en Stadt Danzig er- worben. P rsonen, die danach die deutsche ReichZ- angehörig eit verloren, und die Dan-iger Staais- angehörig.eit erworben haben, können, vom Falle dec Wiedereinl ürgerung abgesehen, die deutsche Reichsangehö igksit dadurch wieder erwerben, daß sie bis zum 10. Januar 1922 für die deutsche Reichsangehörigkeit optieien. Zuständig für die Entgegennahme der CptionSerfiä unarn auf Grund des Deutsch^Danziger Optionsvertrages sind in den Stadtkreisen öie Ortspolizeibehörde und in den Landkreisen der Landrat. Ueber die nähe en D Stimmungen ha en die ermähnten Behörden Auskunft zu erteilen. Die für Deutschland vptivi's e ech ig'et Danziger Staatsangehörigen werden lei ihrer Entschließung in Betracht zu ziehen haben, dah sie innerhalb von zwölf Monaten nach Abgabe der Oplions- erklärung ihren Wohnsitz nach Deutschland verlegen müssen. Die deutsch-polnischen Wi rtschaftSvcrha n dl trugen. D e u t h e n, 2. Ian. (WTB.) Die Delegierten für diedeutsch-pvlnischenWirtschafts- verhandlungen mit Dr. Lewald an der Spitze treffen heute abend und morgen früh in Oberschlesien wieder ein. Die Verhandlungen werden Im Laufe des morgigen Tages wieder aufgenommen. Calondec wird in der Rächt zum 4. Januar in Oberschlesien erwartet. Schiffer wird voraussichtlich in Breslau mit ihm zusammentreffen und in seinem Sonderruge die Fahrt nach Oberschlesien fortsehen. Calonder nimmt auf Schloß Reudeck bei Tamowih Wohnung. Der südslawisch-italienische Zwischenfall von Sebenico. Belgrad. 2. Ian. (Wolff.) Bei dem Statthalter von Dalmatien, Metlitschitsch. sprach der it^llienische Konsul vor und unterbreitete ihm schriftlich folgende italienische Forderungen: 1. Die Zivilbehörden sprechen der italienischen Regierung ihr Bedauern über die Ereignisse in Sebenico aus. 2. Alle Schuldigen werden streng bestraft. 3. Die südslawischen Truppen leisten der italienischen Fahne die Ehrenbezeigung 4. Die südstawische Regierung erläßt eine Kundgebung an das Volk, worin sie öffentlich ihr Bedauern über die Ereignisse in Sebenico kundgibt. Die Forderungen wurden von der Regierung abgelehnt. Belgrad. 2. Ian. (Wolff.) In Beantwortung mehrerer Anfragen erklärte Ministerpräsident Paschitsch in dec Skuptschina, es sei gegprstandslos, den von einzelnen Leuten im italienischen Parlament unternommenen Versuch, die Montenegrinische Frage aufzuwerfen, zur Erörterung zu stellen, da das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen von der ganzen Welt anerkannt werde. Uebcigens fänden diese Versuche auch bei der italienischen Regierung keine Beachtung. Wegen Triest hat die Regierung Vorstellungen in Rom erhoben und die Mrsiche- runa erhalten, daß ähnliche Vorfälle zukünftig verhindert würden. Die schwebenden wirtschaftlichen Fragen mit Italien könnten erst nach Erfüllung des Rapallo-Vertrages durch Italien per- handelt werden. Ebenso könnten die Beziehungen zum Freistaat Fiume erst nach Festsetzung von dessen Grenzen geregelt werden. Was gewisse Herausforderungen der Faszisten anlange, habe öie Regierung in Rom deswegen Einspruch erhoben. Wenn dec Schritt erfolglos sei, mühten andere Maßnahmen getroffen werden. Die Uebernahme Dodenburgs durch Ungarn. Budapest, 2. Jan. (WTB.) Am Reu- lahrstage ist die feierliche Uebernahme Oe- denburgs durchUngarn erfolgt. Dor der Uebergabe richtete d e Generalkommisjion an die Bevölkerung einen Aufruf, worin sie ihr für die Gastfreundschaft und tadellose Haltung ihren Dank ausdrückt. In sämtlichen Kirchen wurden Festgottesdienste abgehalten. Anläßlich der Unterzeichnung der Übergabeprotokolle betonte der ungarische Bevollmäch'igte, General Guil- l o u m e Ungarn wolle mit allen Rachbarn in gutem Einvernehmen leben und alles aufbieten damit das soeben besiegelte Friedenswerk mit Oesterreich auch cr .Sauer sei. Kein einziger Staatsbürger werVe wegen seines Verhaltens bei dec Volksabstimmung auch nur der geringsten Unannehmlichkeit ausgesetzt werden. —......——— ■ D*e Beilegung des Eisendahnerstreikes. Der erweiterte Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes hat über den AuSstand der ©ifenbabner einen Beschluß gefaßt in dem es heißt, daß der erweiterte Vorstand der am 31. Dezember zustande gekommenen Vereinbarung unter der Voraussetzung zu - stimmt, daß sowohl die Ergänzungsverhandlungen zu der Vereinbarung als auch die am 5. Januar beginnenden allgemeinen Verhandlungen eine durchgreifende Regelung der Lohn- und Gehaltsverhältnisse für alle Orte bringen Der Vorstand erwartet, dah die Mitglieder des DerbandeS in allen Ortsgruppen Disziplin üben und den Dienst sofort aufnehmen, soweit es nicht schon geschehen sein sollte. Wie der »Vorwärts" mitteilt, hat die Anweisung des HauptvorstandeS des Deutschen Eisenbahnerverbandes an die Bezirksorganisatio- nen, für die schnellste Wiederaufnahme der Arbeit einzutreten, den erwünschten Erfolg gehabt Im westlichen Streikgebiet ist ein großer Teil der Eisenbahner wieder zur Arbeit erschienen. Heute glaubt man, den regelmäßigen Verkehr wieder aufnehmen zu können. Wie das „Verl. Tagebl." meldet, sind in Dortmund, Hamm, Elberfeld und Köln bereits sämtliche Eisenbahner wieder zur Arbeit erschienen. In Essen erwartet man die Wiederaufnahme der Arbeit für heute in dollem Umfange. Auch in Koblenz sind die Eisenbahner wieder ausnahmslos zur Arbeit zurückgekehrt. * Berlin, 2. Jan (WTB.) Rach einer Mitteilung der Eisenbahndirektion besserte sich die Betriebslage im Laufe des Rachmittags durchweg. Seit 2 Uhr nachmittags wurde fast überall d i e Arbeit wieder a u f genommen. Der Fernpersonenverkehr wird planmäßig durchgeführt. Dec Stadt- und Ringbahn-- verkehr ist noch unregelmäßig, besserte sich aber gegen Abend. Der Guterzugverkehc f ndet wieder in planmäßigem Umfange statt. Arbeitswillige wurden in diesen Tagen vielfach von den Streikenden an der Arbeit verhindert. Zu erheblicheren Ausschreitungen ist es nur vereinzelt gekommen. Don Dienstag an darf wieder überall mit regelmäßigem Zugverkehr gerechnet werden. K ö l n, 2. Ian. (Wolff.) Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist im Gisenbahndirektions- bezirk Köln die Arbeit heute morgen verab- redungsgemäß wieder aufgenommen worden. Die Technische Nothilfe im (.? isendnh »erstreik. Berlin, 2. Ian. Ueber die Tätigkeit der Technischen Rothilfe bei dem Eisenbahnerstreik wird bekannt, daß in den Direktionsbezirken Dortmund, Elberfeld und Essen insgesamt über 500 Rothelfer eingesetzt waren. .Alarmbereit war eine große Zahl von Ortsgruppen. Die Arbeiten bestanden zumeist darin, an Stelle der Streikenden die Lokomotiven zur Uebergabe an die Beamten fahrbereit und notwendige Rangierdienste zu machen. — Am heutigen Dormittag wurde die Rothilfe zum größten Teile wieder zurückgezogen, da die Arbeit wieder ausgenommen wird. Im Direktionsbezirk Breslau wurde der Einsatz der Technischen Rothilfe heute morgen angefordert, da hier der Streik erneut auSgebrochen ist. Am ReujahrStage wurde auch in Görlitz die Nothilfe zur Beheizung von Lokomotiven für lebenswichtige Züge eingesetzt, doch erklärten sich die Streikenden zur Ueber- nähme dieser Arbeit bereit. Im Berliner Bezirk wurde ein Einsatz der Technischen Nothilfe nicht angefordert, da der lebenswichtige Betrieb aufrechterhalten blieb. Gegen die schwarze Schmach. In der „Sunday Times", die Llohd George nahesteht, veröffentlicht der konservative englische Abgeordnete Hauptmann B a g l e h einen langen, eigener Erfahrung entspringenden Artikel gegen die schwarze Schmach. Er schildert die Verelendung der deutschen Kurorte und das unverschämte Verhalten der Farbigen, deren maßloses Treiben er am eigenen Leibe verspürte. Dey Hauptmann greift alsdann auf die sexuellen Ausschreitungen der farbigen Truppen über und fordert zum Schluß seine Landsleute auf, „gegen die'en Schandfleck am Rhein und gegen die Zivilisation der Alliierten" zu protestieren. • Auch in den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die gegen die schwarze Schmach am Rhein protestieren. So liegt in dec „Reuhorker Staatszeitung" eine Protest- Adresse vor, die B r i a n d und F o ch während ihres dortigen Aufenthalts übergeben wurde, und die in folgenden Sähen endet: „Sollten Sie unsere Ufer verlassen, ohne Ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht zu haben, die schleunigste Zurückziehung der unzivilisierten Truppen vom Rheine zu veranlassen, so werden Tausende und Abertausende von Männern und Frauen die logischen Schlußfolgerungen ziehen müssen. Kein dauerndes Fceundschaftsband zwischen Ihrem Lande und dem unseren ist möglich, wenn Sie darauf bestehen sollten, durch fortgesetzte Anwesenheit unzivilisierter farbiger Truppen Im Rheinland die weihe Raffe zu degradieren und die Weiblichkeit zu schänden. • 2lm schärfsten spricht sich ein a u st r a l i f ch e r Offizier unter der Überschrift „Ein barbarischer Schandfleck" in der in Sydney erscheinenden Tageszeitung der „Australian Wörter" aus. Er sagt u. a.: »Ich habe die von Franzosen besetzten Gebiete Deutschlands besucht und muh gestehen, dah ich die feste Ueberzeugung gewonnen habe, dah die deutschen Veröffentlichungen über die von schwarzen französischen Truppen an weihen Frauen und Kindern verübten ©reueltaten in keiner Weife übertrieben, sondern wahr sind. Und welchem Australier würde das Blut nicht kochen, wenn er hort, dah ein farbiger Offizier über Weihe verfügt und aburteilt! Die deutschen wehrlosen Einwohner werden von den Franzosen aus ihren Häusern vertrieben, um Wohnungen für die Mätressen und Kokotten der französischen Offiziere und für Prostituierte zum Gebrauch für französische Neger frei zu machen." Aus dem Reiche. Der Abschied der Marine von der alten Flagge. Am 1. Januar 1922, mittags 12 Uhr, wurde auf der deutschen Kriegsmarine die ruhmbedeckte schwarz-weiß-rote Flagge niedergeholt. Der Chef der Martnelcitung, Admiral B e h n ck e. macht der Marine davon Mitteilung in folgendem Erlaß: An die Reichsmarine! Das Jahr 1921 liegt hinter uns. Wir ind in ihm vorwärts gekommen auf allen Gebieten der Marine. Allen Marineängehöri- gen Dank für ihre pflichttreue Arbeit und zugleich meine besten Wünsche zum Jahreswechsel! Der Abschied vom Jahre 1921 gewinnt für uns besondere Bedeutung: wir nehmen mit ihm zugleich Abschied von unserer alten ruhmreichen Flagge! Ueber unvergeßlichen Taten in Krieg und Frieden auf allen Meeren und allen Küsten hat sie geweht. Tausende von braven Seeleuten und Soldaten sind unter ihr den Heldentod gestorben. Keiner unter uns, der nicht voll Stolz zu ihr aufblickte als zu dem Wahrzeichen einstiger deutscher Macht und Seegeltung. Was wir empfinden, wenn diese Flagge sinkt, verschließen wir in unserem Herzen. Unsere ganze Tatkraft aber gehört nach wie vor unserem Voll und Vaterlande. Und wenn von heute an dessen neues Hoheitszeichen über uns weht, soll es uns bereit finden zu unveränderter Hingabe und Treue. Unerschütterlich fest im Glauben an Deutschlands bessere Zukunft wollen wir der neuen Flagge auf allen Meeren dasselbe Ansehen schaffen wie der alten. gez. Dehncke. Admiral und Chef der Marineleitung. Auflösung von Kriegsgesellschaften. Berlin, 1. Jan. Laut Bekanntmachung des Reichsschatzministers gehen vom 31. Dezember 1921 an die Aktiven und Passiven folgender Gesellschaften auf das Reich über: Deutsche Transportzentrale G. m. b. H. i. Liqu. in Berlin; Branntweinsicherungs-G. m. b. H. i. Liqu.» Berlin; Deutsche Tabakhandelsgesell- schaft von 1916 m. b. H. L Liqu., Bremen; Spinnsloff-Einfuhr-Gesellschaft m. b. H., Bremen. Mit der Abwicklung der Geschäfte dieser Gesellschaften wird die Reichs-Kredit- und Kontrollstelle, G. m. b. H., Berlin 9, Eichhornstraße 9, beauftragt. Der Rhein—Main—Donau-Kanal. München, 2. Ian. (WTB.) Zur Finanzierung der Rhein—Main—Donau-A.-G. erfahren die „Münch. Reuest. Nachr.", daß von den auszugebenden 300 Millionen Mark Vorzugsaktien 42 Millionen von den Städten übernommen werden, während die bei der Gründung mitwirkenden Banken die restlichen 258 Millionen Mark namens des zu bildenden Konsortiums fest zu übernehmen haben. Die fünf Banken sind die Deutsche Bank, die Bayerische Staatsbank, die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, die Bayerische Vereinsbank und die Rheinische Creditbank. Die Gernerndewahlen in Lippe. Detmold, 1. Ian. (WTB.) Die heutigen Gemeindewahlen im Freistaate Lippe vollzogen sich in vollkommener Ruhe und unter großer Wahlbeteiligung. Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen starken Stimmen- rückgang der sozialistischen Parteien und ebenso der kommunistischen Partei. Sach f sch-thüringischer Geb'etsaustausch. Berlin, 2. Ian. Wie der „Lokalanzeiger" aus Dresden meldet, teilte dec sächsische Ministerpräsident Buck mit, daß Verhandlungen eingeleitet n orden sind über den Austausch von Enllaven zwischen Sachsen und Thüringen und über Grenzberichtigungen. Die Militäranwärter Groß-DerlinS an Reichstag und die Oeffentlichkeit. Am 8. Dezember 1921 tagte im Lehrervereinshaus in Berlin eine Versammlung ter Berliner Orts-, Bezirks- und Fachgruppen des R. d. B, von dec folgende, für d.n Reichstag and vie Oeffentlichkeit bestimmte Entjchllehung gefaßt wurde: „Rach der Staats Umwälzung sind infolge Heeresvermindecung und D.ttentediktat 50 20a big 60 000 ziv'.lversorgungsberecht'gte Personen ans dem Heeresdienst entlaßen worden. Rachhern im ersten Jahre nach Kriegsende noch ©inberufan- gen in die den Zidilverforgungsberechtigten vor- bebdtenen Stellen stattgesunden hatten, rnhten bei der Reichseisenbahn- und Postverwaltung seit Jahresfrist die Einberufungen vollständig. D e Zahl ter unversorgten Zw.lvcrsrrgnngsberechitig» ten wächst durch Hi izukommen der Schwerbeschädigten mit Deamtenscheinen und durch Abgang der Versorgungsbececht gten aus Re.chswe'ir, Schutzpolizei und Wasjerschuh dauernd. Die Sperre Bei den obengenannten Verwaltungen besteht trotz m-ehchacher Versiehe u" g, daß f e aufgehoben würde, w itec. D.e G. tlohnuig der 3i- vilve sorgungsbe eck.itagten als Ausheber, Hllf?- arbeiter oder D.amtenanwärtec ist eine du chuus ungenügende; so d^,letzt z. D. ein informatorisch beschäst gter Militäcanwärter mit Familie nach dec letzten Gehaltsregelung von Anfang Dezember monatlich etwa 1202 Mark; ein erwerbsloser Militäranwärier mit einem Kind täglich 21 Mark, während ein anderer Erwerbsloser mit einem Kind täglich 28 Mart bezieht. Entlassungen von versorgrngsberechtigten Personen sind in letzter Zeit mehrfach ausgesprochen worden. Im Bereich der Reicysfinanzverwaltu rg sind die deii Militäranwürtem Verb halt.nen Stelle, zum Teil für die Militäranwärter gesperrt, und es werden in diese Stellen junge unverheiratete Leute im Alter von 18—20 Jahren eimberufen, trotzdem der Deamtencausschaß des Deutschen R ihstag-^s beschlossen hat, der R^gieru.g aufo/ierlegcn, zunächst Li e Beamt^nanwirter elnjub.rujen. Die Militäranwärter le ten nochmals ausdrücklich die Aufmerksamkeit b?r Öffentlichkeit a d des D ätschen Reichstages aus d.e dem Deutschen Reichstag vom R. d. B. im September eingereichte Denkschrift über den Stand der Zivilversorgung und bitten nochmals, sich für die in der $ent- schnft erhobenen Forderungen mit allen Mitteln ein setzen zu wollen. Diese Forderungen sind im wesentlichen folgende: 1. Ausladung dec verfügten E'nberufnngsspe-ce für Zvilversorgungsberecht gte bei allen Behörden. 2. Ei'tfas u' gen vm Ziv'lversorgungsbercch'ig- ten im A g st l'fen-, HI s rbeitecverhättn.s dürfen unter feinen Umständen erfolgen. 3. Tte Hinterbtievenenvers orgung der 2e- amtenantoärlec muß sich cg j.cjl werden. 4. Die Entlohnung der Beamt enamvärtec hat in einer der Teuerung angepassten Weife zu erfolgen. 5. Tie nach dem Kapitulanstenentschädrgangs- gcsetz zahlbaren Beträge und die Zeitgrenzen in diesem Gesetz müssen schleun.gst r-^ibiert werden." Aus Hessen. Minister von Brentano und der Evangelische Bund. Vom Hessischen Hauptverein des Evangelischen Vundes wird geschrieben: Herr Minister von Brentano hat in einer Erklärung zu einer Kundgebung der Rheinhessi- schen ProvinzialabgeordNetenversammlung des Evangelischen Bundes den Evangelischen Bund bezeichnet als „eine Gesellschaft, die den Zweck verfolgt, in ödem Kathvlikenhaß die konfessionelle Zersplitterung Deutschlands zu verewigen". Der Vorstand des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes überläßt es der Rheinhessischen Provinzialabgeordnetenversammlung, sich mit der Erklärung des Herrn von Brentano auseinanderzusehen. Schärfste Verwahrung muß er jedoch gegen die Beschuldigung einlegen, als ob der Evangelische Bund von ödem Katholikenhah erfüllt sei und den konfessionellen Frieden zu stören bezwecke. Wir verweisen dazu auf folgende Sähe seines erst im vorigen Jahr beschlossenen Wartburgprogramms: „Rachdem deutsche evangelische und katholische Volksgenossen im Weltkrieg ihr Blut gemeinsam für das Vaterland vergossen haben, betonen wir um so nachdrücklicher, daß sie miteinander durch das Band des Christentums und des Volkstums verbunden sind und erstreben friedliches Einvernehmen und Zusammenarbeiten auf den Gebieten des sittlichen und nationalen Lebens. Wir sind bereit, mit unseren katholischen Volksgenossen in allen Fragen zusammen- zustehen, in denen gegenüber einer glaubenslosen und unchristlichen Weltanschauung und Lebensäußerung, die zwischen den christlichen Bekenntnissen vorhandene Gemeinbürgschaft sich geltend macht. Wir betonen und betätigen, gegenüber den Versuchen, durch engherzigen Konfessionalismus ein Volk im Volk zu bilden, die Pflicht evangelischer Weitherzigkeit und nationaler Gemeinbürgschaft." Unbeirrt durch alle Angriffe haben wir, sv viel an uns liegt, dieses Programm zu Schutz und Trutz des Deutschtums und des Evangeliums durchgeführt und werden es weiter durchführen. Begrüßen würden wir es, wenn Herr von Brentano und feine Gesinnungsgenossen sich in demselben Geist betätigen würden. Das Urteil über seine, von ganz anderem Geist erfüllte, den fon- seisionellen Frieden schwer beeinträchtigende Aeußecung überlassen wir ruhig der Oeffent- lichleist. Demokratischer Parteitag. Darmstadt, 2. Ian. Der Prvvlnzial- verein Rheinhessen der Deutschen Demokratischen Partei Hessens hält am Sonntag den 8. Januar einen Parteitag in Oberingelheim ab. Bilderstürmer. Bensheim, 2. Ian. Der Antrag der sozialdemokratischen Partei, die Büste des Großherzogs aus dem Stadtverordnetensaal zu entfernen, wurde nach erregter Aussprache von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. ■ |>||.|» ll Mf«mim-.«MUMM . < Aus Stobt und Land. Gießen, den 3. Ian. 1922. •• Vorsicht im Dciefverkehr mit dem besetzten rheinischen Gebiet. Die Interalliierte Rheinland-Kommst ton in Koblenz hat sich im Artikel 11 ihrer auf Grund des 'Abkommens über die militärische Besetzung der Rheinlande erlassenen Verordnung Rr. 3 vorn 10. Januar 1920 das Recht zu gesprochen jederzeit die Aushändigung von Briefen und Postsendungen von den deutschen Behörden fordern zu können. Die Interalliierte Kommission kann sonach die Ueberwachung des Postverkehcs jederzeit und an jedem beliebigen Orte des besetzten rheinischen Gebiets ohne weiteres ausüben lassen. Sie verfährt auch dementsprechend und richtet auf bestimmte ober unbestimmte Zeit bald in diesem, bald in jenem Orte des besetzten Gebiets Post- überwachungsstLllen ein. Da die Anordnungen über Ort und Zeit derartiger Postüberwachungen gänzlich von dem jeweiligen Belieben der obersten Besahungsbehörde abhängen, lassen sich nähere Angaben darüber nicht machen. Es ist aber dringend erwünscht, daß die Absender- von Driesen usw. nach Orten in den besetzten rheinischen Gebieten sich dieser Sachlage immer bewußt bleiben und ihren Mitteilungen alles vermeiden, was im Falle einer Durchsicht ihrer Sendungen ihnen selbst und insbesondere auch den Empfängern zum Rachteil gereichen könnte. •* Raffinierte Schwindler. In Darmstadt, Wiesbaden und auch in Frankfurt haben in den letzten Tagen nach Meldungen auswärtiger Zeitungen mehrere überaus raffinierte Schwindler in zahlreichen Geschäften sich Waren in beträchtlichem Umfang zu verschaffen gewußt. Es wurde dabei n^ch folgender Methode gearbeitet: In den Geschäften erschien ein besser gekleideter Herr und suchte sich unter Angabe seines Ramens Waren heraus und ließ sich eine Preisliste geben. Er gab dann an, daß er die Waren in den nächsten Tagen untey Zahlung des Betrages holen lassen werde. Am anderen Tage wurden die Waren von einem jungen Mann, der einen Arbeiter bei sich hatte, abverlangt unter Vorlage eines Briefe 5 des Käufers, worin dieser um Uebergabe der Waren bat und einen Posteinlieferungsschein beifügte, nach dem das Geld für die Ware bereits am Lage torber bei der Postanstalt am Wohnort des Warenbestellecs eingezahlt worden sein sollte. Durch die Einliefecungsscheine haben sich die Geschäftsleute täuschen lassen und die Waren ausgehändigt. Die Postanweisungen, über die die Einlieferungsscheine lauten, sind niemals eingezahlt worden, und die Warenbeziehec an ihren angeblichen Wohnorten selbst unbekannt. Die Aufgabestempel dec Einlieferungsscheine sind ge- fälscht. Dor den Schwindlern wird nachdrücklichst gewarnt. tm. tm. Holzsrrbmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll folgendes Holz aus dem Submissionswege verkauft werden: Los 1 Abt. 1, Fichtenstämme 2. Kl. 1 StA. 0,^8 F Los 2 Abt. 1, Fich enstämme 3. Kl. 1 StA. 0,96 F Los 3 Abt. 1, Fichtenstämme 3. Kl. 3 StA. 4,48 F tm. Los 4, Abt. 1,2 * u. 2b, Fichtenstämme 4. Kl. 28 StA. Los b^AbU?, Fichtenst. 5a Kl. 42 StA. 26,35 Fstm., Roh Nr. 1 -108. Lor 6 Abt. 1, Fichtenst. 5a Kl. 33 StA. 20,28 Fstm., Roh Nr. 111 204. Los 7 Abt 2a u. 2b, Fichtenstämme ba Kl. 36 StA. Los 8,2Wj! Fichtenstämme 5 b Kl. 87 StA 29,98Fstm. Los 9 Abt. 2a, Fichtenstämme 5b Kl. 107 StA. Cos SL 117 SU. Los 12, Abt. 1, Weihtannenst. 5a M 3 StA. 1,79 5 tm. Los 13, Abt.l, Weißtannenst. 5 b Kl. 13 StA. 5,55 Fstm. Los 14, Abt. 2i u 2b, Fichtenderbstangen 1. Kl. 145 StA 20,92 Fstm., 9-12 cm Durchmesser <»os 15, Abt. 2a u. 2b, Fichtenderbstangen 2. RL 96 StA. 3,73 Fstm., 7-8 cm Durchmesser Los 16, Abt. 2.', Fichten-Reltzstang 70 StA. 1,67 Fstm. Dar Holz ist mit der Ninde gemessen, der Kaufpreis ist pro Fstm. anzugeben. Die Gebote sind nach Lose und Klassen getrennt zu halten, da keine Zu- sammenrechnunq stattfindet; weg- n der Güte des Holzes ist vorherige Besichtigung erwünscht, da spätere Em- spräche nicht berücksichtigt werden. Die Kaufbedingungen können vorher auf unter» zeichneter Bürgermeisterei eingeschen werden, auch werden dieselben vor der Eröffnung bekanntgegeben. Die Offerten sind verschloffen mit paffender Auf- chrift bis zum 5. Januar 1922 nachmittags 2 Uhr auf der Bürgermeisterei Annerod einzureichen, wo tn Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet. Annerod, den 28. Dezember 1921. Hess. Bürgermeisterei Annerod. _______ Horn. ________44D Wit Rücksicht auf die große Ausdehnung der Grippe-Epidemie in Gießen und Umgegenb wird auf Anordnung des Kreisgesundheitsamts der Beginn des Unterrichrs für bte höheren Schulen Gießens vorläufig auf Donnerstag den 12. Oa- rtuar, Dorrn. VrS Uhr, festgesetzt. Dreßen, 3. Januar 1922. 140V 3. QI.: Vr. Baur, Direktor des Landgraf-Ludwigs-GhmnasiumS. Für den Buch- und Betriebsprüfungsdienst sollen geeignete Personen (vereidigte Bücherrevisoren, Dipl.- Geprüste einer Handelshochschule u. ähnl) eingestellt weiden. Schriftliche Meldungen mit Gehaltsforde- rungen an unterzeichnetes Finanzamt. Mündliche Bewerbungen zwecklos. Dietzen, den 2. Januar 1922. Finanzamt.137B NW.8kktzMkiI gibt bekannt, daß bei nach V2IO Uhr bestellten Besuchen aus Erledigung an demselben Tage nicht mehr gerechnet werden kann. 1420 Transmissionen:: Lederriemen Holzbearbeitungs-u.Werkzeugmaschinen neu und gebraucht. Stets Gelegenhettskäuse. Ss Süßkind, Frankfurt a. Gutleut.trake 95,3 Miu. vom Hauvtbabnbos Telephon Hanta 4314 und 1399. M Eiiitzebüllg oon IlellilmrsglSMöiisW aingen für die Kleinkinderbewahranstalt noch weitere Gaben ein von Wetahändler Küchel unö Frau, Wagenmeister Kliffmull^ u. 2 . stallationsmeister Rödiger u. Frau, Geh. Prof. Dr. Raumann, Gemeindehelfer Engels, ^rndgerichisrat Schudt, Kaufmann Adolf Fischer und Frau, Apotheker Echwieder u. Frau, Sabn- kant Georgi und Frau, Frau Kommerzienrat Georgi, Fräulein Elisabeth Georgi, HallenmeMer Maltarnesms u. Frau, Kaufmann Rudvlf W^l und Frau, Geschwister Helfenbom. Muller geb Helfenbein, Bäckermeister Schornb^ u. Frau Kaufmann Karl Keil, Mehgermeister ^kel und Frau, Weißbindermeister Schmal! und Frau, Spenglermeister Dahmer K. u. F. Klrnkel. Auch diesen Gebern saae ich im Ramen des Borstandes herzlichen Dank. 1,34 u Gießen, den 2. Januar 1922. Dechtolsheimer._________ I Louis Rothenberger | | Gießen Frankfurt a. M., West = = Neuenweg 22 Adalbertstraße 26 = = 1 elephon*176/2124 Telephon: Taunus 4904 = 1 Alteisen Metalle • Lumpen • Papier | = sowie sämtliche Rohprodukte | Antiquitäten, son i g.KiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiillUiiiiin e: Sehördliche Anzeigen spielverein 6:1, Ring—Halle 96 0:0, vpietve einigung—Turn» u. Balls pe! verein 4:2. Hall Borussia—Fortuna Magdeburg 9:1. Magdeburg: triefet Viktoria—Sport-Club 98 Halle 4:1. Dessau: Germania Halberstadt — Sport-- verein 05 1:0, Dessau 98 gegen Olympia Leipzig- Schleußig 1:0. Köthen. Sportfreunde Leippzig —Germania 5:0. Gotha: Sportrerein 01— Sport-Club Weimar 2:2. - Ostdeutsch» land: In Breslau fand ein Pokal-Entschei- Vermischtes. Mittionen-Diebinnen. Berlin. 1. Jan. Als gewerbsmäßige Ladendiebinnen, die anscheinend seit Jahren die gesamten Berliner Luxus» und Spezialgeschäfte geplündert haben, wurde eine An, zahl Frauen verhaftet, darunter die zweier Direktoren der Reichstreuhandgesellschaft, Morowics und Röbel; die Frauen der letzteren sind Mutter und Tochter. Der Wert der in den Wohnungen der Diebinnen beschlagnahmten Waren belief sich auf rund eine Million Mark. Außerdem wurde ein Bankkonto von über 150 000 Mark beschlagnahmt. Es besteht jedoch die Vermutung, daß erhebliche Geldbeträge bei ausländischen Banken unter- gebracht sind. In die Angelegenheit sind auch mehrere Beamte einer Großberliner Polizei verwickelt, die nach Angaben der Verhafteten 25 000 Mark Schweigegelder genommen haben sollen. Sturmflut auf Westerland. sehr groß. Festnahme einer Diebesbande« Wie der „Lokalanz." ans Wilhelmshaven bevlchtet, wurde dort eine Diebesbande verhaftet, die von der ReichSwerft für 200000 Mark Metall gestohlen hatte. Verschollener Dampfer. Rach einer Blättermeldung aus Oldenburg ist der Dampfer „Raule" mit 15 Personen Besatzung verschollen. Untergang deS Dampfers „Fehmarn"? Laut „Lokalanz." ist der Schleppdampfer „Herkules" aus der Nordsee nach Cuxhaven zurückgekehrt, ohne eine Spur des in Seenot befindlichen Dampfers „Fehmarn" gefunden zu haben. Er hatte noch einen dringenden Hilferuf des Dampfers aufgefangen. Während deS Krieges im deutschen Heeresdienst tätig und wirkt jetzt am zoologischen Institut der Universität Gießen. Kürzlich ist er zum korrespondierenden Mitglied der Akademie Upfala in Schweden ernannt worden. — Der Deutsche Fußballmeister I. FC. Nürnberg traf im Gesellschaftsspiel in Stuttgart aus die dortigen Kickers, die er knapp mit 2: 1 schlagen konnte. — Fußball im Reiche. (Cig. Drahtber.) Norddeutschland: In fast al.cn Gebieten des norddeutschen Verband.ge ietes ruhten am WeNlmsliW Sieles NimckM Ä'Ä'S« Ofen anzubringen, geschmackvoll anssehend, erspart ganz gewaltige Kohlenmengen und erzielt trotzdem höheren Heizeffekt. Verblüffend praktisch Heber 60" . Drennstoffer parnis! Heizwirkung über 250"/.. Die Anschaffung bildet eine zwingende Notwendigkeit. Ausführliche Prospekte auf Wunsch zur Verfügung durch den alleinigen Fabrikanten: Theodor Finke, Dortmund 271, Evingerstratze 43,45. 141A Tüchtige Vertreter an allen Orten gesucht. Hochschulnachrichten. • Professor Dr. Lvoß, dessen Promotion zum Dr. med. h. c. wir gestern melkten, ist 1851 in Leipzig geboren. Er war zuerst Schüler des berühmten Parasilologen Ceucfart dann war er jahrzehntelang als Professor in Kairo tätig. Als durch den Dau des Gotthardtunnels die Wurmkrankheit der Bergarbeiter ins Ruhrgebiet übertragen wurde und dort verheerend hauste, gelang es ihm, durch dreimalige freiwillige Selbstinfektion, die Mittel zur Bekämpfung der Krankheit zu finden. Bon den Engländern zu Beginn des Krieges seiner Stellung enthoben, war er Büchcrtisch< — D i e M u s i k w e l t. Monatshefte für Oper und Konzert. Verlag Joh. Aug. Böhme, Hcun- bürg 11 — Aus dem reichhaltigen Inhalt deS 4 (Januar-) H ftes seien besonders hervorgehoben die Aufsätze von Dr. Fleischmann, Wien über Franeesko Malipieno, einen der ersten Künstler der jungitalienischen Musik, und von Prof. Haits Schorn über „Wege und Ziele der modernen 'mU^— Ql u f Wanders chaft. Kleines Skizzenbuch von Karl ©firner. Verlag Eugen Salzer, Heilbronn. — Zwanzig der lustigsten und anmutigsten schwarzen und farbigen Zeichnungen aus des Künstlers Skizzenbüchern sind hier zusammengetragen. Eine Reihe von Prosaskizzen des Malers begleiten bte Bilder. Mit der Treu Herzigkeit eines kindhaften Gemu:es erzählt Sttr ner von dem Auf und Ab seines Jugend- und Wanderlebens. , <_ — Gottfried Doehler: Spatzen und Schwalben. Geschichten und Scher/e aus Dorf und Stadt. Verlag F. A. ^thel Leipzig. - Diese kurzen, seiselnden, lebensprühenden und humorvollen Geschichten sind aus tiefster Kenning des Volkstums geschöpft und. gerade , m unseren unruhevollen Tagen tote geschaffen für Stunden stiller Erquickung und Erhebung. — Was toir tn englischer Kriegs- gefangenschaft er lebten und erlitten Gesammelt und herausgegeben von A Eckh ardt und K Maul. H. L. Brönners Druckerei und Verlag, Frankfurt a. Olt. — Das Buch, für daS der Stoff im Durchgangslager gesammelt und das also noch frisch unter den Umdrucken des Er lebten geschrieben ist, ist nicht nur Anklageschrift sondern auch ein Buch der Erinnerung für btt Heimkehrer, ihre Angehörigen und Freunde. _ Aus dem Amtsverkündigungsblatt. Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 1 vom 2. Januar enthält: Hegezeit für männliches Rehwild und Hasen. — Karnevalistische Veranstaltungen. — Wahl der Vertrauensmann _r und Ersatzmänner für die Angestellten-Verstche- rung. — Dienstnachrichten. — Feldbereinigungen Lumda, Ober-Bessingen und Klein-Linden. Hegezeit für männliches Re h- wildundHasen. Auf Grund des Artikels 29 des Jagdstrafgesehes vom 19. Juli 1858 wird hiermit verordnet: § 1. Der § 2 der Verordnung, die Ausführung des Jagdstrafge etzes insbesondere Anordnungen wegen der Hegezeit betreffend, vom 29. April 1914 (Regierungsblatt S. 218) wird wie folgt geändert: 1. Die Ziffer 2 erhalt folgende Fassung: „Die Hegezeit für männliches Rehwild beginnt mit dem 15. Dezember und endigt mit dem 15. Wai." 2. Die Ziffer 4 erhalt folgende Fassung: „Die Hegezeit für Hasen beginnt mit dem 16. Januar und endigt nut dem 30. September." § 2. Die gegenwärtige Verordnung tritt mit dem Tage ihres Erscheinens im Regierungsblatt in Kraft. w Der Beginn des Unterrichts wird für die höheren Schulen Gießens mit Rücksicht auf die große Ausdehnung der Grippeepidemie auf Anordnung des Kreis- gesundhettsamts auf Donnerstag, 12. Januar, vormittags V^llßr, festgesetzt. •• Auslandsporto niedriger als nach dem Inland. Die neuen Postgebühren bringen u a. die Merkwürdigkeit, daß Sendungen nach dem Ausland z.T. billiger sind als nach dem Inland So kosten Postanweisungen nach dem Ausland bis 50 Mk. nur 50 Pf., dis 100 Mt. 1 Mk Nach dem Inland kostet dagegen die kleinste Postanweisung bis 100 Mk. 2 Mk. Bei den Auslandsgebühren ist die Post an ihre Verträge gebunden, im Inland nur an den Willen des Reichstages. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Hotel Hopseld. i/28 Uhr, Angestelltenversammlung. Landkreis Gieszen. * Reiskirchen, 2. Jan. Am Silvesterabend veranstaltete die Burschenschaft Fidelio eine wohlgelungene Abendunterhaltung. Nach kurzer Begrüßungsansprache durch den Präsidenten L. Balser wechselten "Heater, Couplets und Vorträge der Kapelle Ni o b u s in bunter Reihenfolge miteinander ab. Die Spieler boten durchweg Gutes, und verdienten ten ungeteilten Beifall der den Saal bis aus den letzten Platz füllenden Besucher. Hervor- zuheben ist nock) die packende Ansprache des Herrn ? 1) r i st der leider nur noch wenige Wochen in unserem Dorfe toeilt. — Auf vielseitigen Wunsch l urbe das hübsche Programm am Sonntagabend wiederholt. ri. Riederbessingen. 3. Jcm. Als Oie Glocken das neue Jahr etnläuteten, zog Lehrer Graulich mit dem für die Weihnachtsfeier gebildeten gemischten Chor und den Schulkindern an das Backhaus, den Mittel- und Treffpunkt unseres Dorfes. Don wurden einige Chöre gesungen und von Kindern passende Verse aufgesagt. Damit ist hier eine alte Dorfsitte neu belebt worden, die sonst fast überall verschwunden ist. — In diesem Jahre soll der Plan der Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen der Verwirklichung entgegengeführt werden. Die Platzfrage ist noch nicht entschieden. Kreis Büdingen. nd. Michelnau b. Nidda, 31. Dez. Hier wurden kürzlich bei einer Güterverpachtung für einen halben Morgen Ackerland 700 M. jährliche Pacht geboten. Kreis Schotten. entfernte, ohne seine Absicht der Beraubung auszuführen. Bis jetzt konnte der Bursche nicht ermittelt werden. In. Alzey, 31. Dez. Erfolge he s - isch er Landwirtschaft. Einen besonderen Erfolg mit seinen Originalzüchtungen hat wieder das Oekvnvmierat Schickertsche Mustergut Schniftenbergerhos zu verzeichnen. Nach den letzten statistischen Berichten der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft steht unter den vön der D.L.G. auf dem Versuchsfelde der Agrikultur-botanischen Anstalt zu München an zehn erlesenen deutschen Sorten mehrere Jahre hindurch angestellten 'Versuchen Original-SchickertS-Pfälzer-Roggen an erster Stelle. Die nach den Schickertschen wissenschaftlichen Untersuchungen und Verfahren ausgeführte Bodenbehandlung zeigte in diesem Jahre eine ganz auffällige Wirkung auf die Rübenernte. Trotz des völligen Mangels an Niederschlägen förderten selbst humusarme Böden des Besitzes solche Ergebnisse, daß die einzelnen Rübenexemplare 14 und 15 Pfund wogen. • Mainz. 2. Jan. Messerstecherei. 3n einer Wirtschaft an der Rheinstraste kam es am Silvesterabend, dem „Mainz. Anz." zufolge, zwisckten dem Wirt und einem Gast zu Auseinandersetzungen. wobei der letztere durch einen Messerstich in den Unterleib lebensgesährlich verletzt wurde. Der Gestochene wurde ins Krankenhaus verbracht, wo sofort eine Operation vorgenommen werden mußte. Es ist noch fraglich, ob der l Mann mit dem Leben davonkvmmen wird. Der Wirt bestreitet, von einem Messer Gebrauch ge° | macht zu haben. Hessen-Nassau. mc. Frankfurt a. M, 2. Jan. Infolge der starken Zunahme der Grippe-Erkrankungen hat das Provinzialschulkollegium genehmigt, baß der Schulb egi n n in Frankfurt bis 11. Januar yrnausges choben toiro. Durch diese Maßnahme soll eine weitere Verbreitung der Grippe verhütet werden. Während des gestrigen Sonntags wurden die Krankenhäuser -abermals auf das Aeußerste in Anspruch genommen, so daß es schwer hielt, selbst Schwer- kranke unterzubringen. Auffällig ist diesmal, daß die Grippe namentlich unter alten Leuten erschreckend aufräumt, denn täglich sind mehrere Todesfälle zu verzeichnen, wo Leute in ganz kurzer Zeit hingerafft wurden. e S ch v 11 e n, 3. Jan. Als der Verein „2 e h- , erheim Vogelsberg" vor etwa zwei fahren sich entschloß, das auf dem Altenburgskopf bei Schotten gelegene Lehrerheim zu verkaufen, da es den Zwecken des Vereins nicht mehr entsprach, bestand die Absicht, den Verein als solchen weiter bestehen zu lassen, um zu gegebener Zeit, ein neues Lehrerheim zu gründen. Diese wohlgemeinte Absicht läßt sich leider nicht durchführen, da die eingehenden Beiträge kaum genügen, um die in dieser Zeit der Teuerung entstehenden Vereinsunkosten zu decken. So hat man sich denn ent- schlossen, den Verein aufzulosen, und zu diesem Zwecke wurde von dem Vorstand eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die am 1 4 Januar. 10 Uhr vormittags, im „ötor- ball» Hub 59—Ballspiel-Club Leipzig 1:2. — Süddeutsch land: Stuttgart: 1. F. C. Nüm- berg-Kickers 2:1. Fürth: Spielre einigung-- ©Ionia Prag 4:0. München: Deutscher Fußball-Club Prag—München 186) 1:0. Berlin: Vorwärts—2. S. V. 92 3:2. — Fußball im Auslande. In 25iln und in Budapest fanden am Neujahrstaye keine Fußballspiele statt. In Prag fand ein Kampf Prag gegen Nordböhmen statt, den die Prager Mannschaft mit 6:1 (1:0) zu ihren Gunsten entschied. Vorher fand ein Städtekampf Smichow — gegen Weinberge statt, den Die erstere Mannschaft mit 2:1 gewann. - In Genua weilte der Wiener Sport Club, der gegen den dortigen Sport Club Spes mit 5:1 siegreich blieb. — (Sin neuer englischer Schwimm- rekord. Miß Hilda James, eine der besten europäischen Schwimmerinnen, die Inhaberin von vier Vöe trcko ds ist. unterbot d:n englischen Rekord im 200-Vard-Schwimmen mit 2:29. !! Horridoh! !! Rauchlose Troisdorfer , JagdvalronenMrke,Tiger 9 9 ragende unübertroffene Patrone, desgl. Marke.Eiche!', ^empfiehlt zu Original-Fabrikpreisen C 21 uouft ttilbinger Turnen, Sport und Spiel. — Svielvereinigung Fürth schlagt Slavia Prag 4:0 (2:0). Nach dem guten Abschneiden der Fürther gegen den Ungarischen Meister M.T.K. Budapest sah man dem Spiel der Spielvereinigung gegen den tschechischen Verein Slavia Prag mit erhöhtem Interesse entgegen Wie uns ein eigener Drahtbericht meldet, erwiesen sich die Fürther ihrem Gegner durchweg überlegen und lagen schon bei der Pause nut 2:0 in Führung. Das erste Tor fiel in der 25. Minute durch Sill, der durch Verletzung m der 29. Minute ausscheiden mußte, so daß Die Spielvereinigung bis zur Pause mit 10 Mann spielen mußte. Trotzdem konnte Franz nach guter Einzelleistung ein zweites Tor buchen. Nach der «fiel in der 36. und 42. Minute ebmfalls Franz das dritte und vierte Tor. Slavia spielte unter seiner sonstigen Form. j Ist das beste Nähr- und Kräftigungsmittel Ur Glv gerade gut genug. Unübertroffen ist das nach lieben Kleinen wissenschaftlichen Verfahren hergestellte * Westerland auf Shlt, 31. Dez. Der mit unverminderter Stärke tobende Sturm und die einsehende Springflut vollenden jetzt das Zerstörungswerk am Strande. Heute mittag gab die I Strandmauer auf zirka dreißig Meter nach und stürzte ins Meer. Die ungehindert Einlaß finden- I den Fluten haben in den Nachmittagsstunden die Ullstein-Lesehallen zum Einsturz gebracht. Da auch bereits die Fundamente der nördlichen Lesehalle freigelegt sind, so ist auch mit der Zerstörung dieser Baulichkeit zu rechnen. Die vorn Stadtbauamt getroffenen Sicherheitsmaßnahmen haben sich als unwirksam erwiesen. Die mit Steinblöcken und Eisenschienen beschwerten Packungen sind von der Dee hinweggespült worden. Stark gefährdet ist auch das Strandkasino, da die Wassermassen die Böschung unterspülen, die das Gebäude stützt. Auf dem südlichen Teile der Promenade hat die See eine neue Cinbruchstelle gebildet, — Die Bergungsarbeiten mußten wegen Lebensgefahr eingestellt werden. Die Wogen schlagen bis auf die Dächer der Gebäude am Strand. : Da die Springflut wieder verstärkt eingesetzt hat, 1 ist mit der Zerstörung aller Anlagen am Strande zu rechnen. Der bisher angerichtete Schaden ist Junge, ’/< Oiibt nltc, rein-1 rassige Schäfcrhündin • -n verkamen. (055 Geheimer Justizrat Friedrich Görz Wieset den 3. Januar 1922. [159 zu verkaufen 040 im 74. Jahre seines bis zuletzt tätiget} Lebens. Mainz und Gießen, 2. Januar 1922. 151D Wieseck, den 3. Januar 1922. 158 [Bost Mücke). 125 gesucht. 061 Strickjacke TrauermU zu verkaufen 016859 gesucht. Reil | Kaufgasuche < amen 016876 über ncsiicht. 037 kaufen gesucht. Mehrere tüchtige 145 5ss Babnbosstratze 51 j r. Bureau zu Ostern 67V Emer erbeten an 131V zu verkaufen. 035 wird gesucht 161 für leichte Arbeiten sucht für tagsüber gesucht. 0431 Oberbessischcö Samen- Koch, Gr. Steinweg 12.1 hauS, Lindenplatz. Sonnenstrahe 29 „Zum Andres". Solider nüchtern. Pferde» psleger sucht Stellung, nimmt auch andere Arbeit an. Schr. Angebote um. an den G. Anz. erb. 2 Kinder - Mäntel für Mädchen von 5 u. 10 I., Bieühnrnionifn zu verk. ‘“hWeiziarer Weg 43 II. Heddy Schön-Görz Lotte Schön Fritz Schön Hans Schön. 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Die glückliche Geburt eines zweiten Jungen zeigen hocherfteut an Karl Sinning und Frau Käthe geb. Mueller. Gut Helmshausen (Post Gensungen), 1. Jan. 1922. Statt Karten Für die uns anläßlich unsrer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Gewerbslehrer Karl Becker u. Frau Gießen, 2. Januar 1922. Stahldrabtmatraven für fcbc Bettstelle nach Man, an Jedermann. Katalog frei. 21A Elaenmöballabr. Suhl LTJl EMsWAsteii. Bfliramiiie u. kaufen am vorteilhaftesten Rotklee la M' Luzerne prov. seidefrei, und Dickwurzsam. im 052 ööeröeff Sflmenöflns Linden platz *W1 Preise auf Anfrage. [Verschiedenes! ZmlMrsteigtrung. Mittwoch, den 4. Januar 1922, nachmitt. 2 Uhr, versteigere ich Nenenweg 28 dahier iLöwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Kassenschrank, 1 Vertiko, 1 Sofa, 2 Kleiaer- schränke, 1 Waschtisch, 1 Kückenanrichte, einen Küchenfchrank, 1 Nivv- lisch, 1 Rauchtisch, eine Waschkommode, 1 vollst. 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Januar 1922, vormittags 9 Ubr, wird am hiesigen Amtsgericht, Zimmer Nr. 14, das dem Heinrich Neurath in Gießen zu- geschriebene Grundstück Flur I Nr- 1397 = 80 qm Hosreite, Walltorstr. 45 versteigert. Die ortsgerichtlicheVer- sügiing ist zur Einsicht an der Ortstafel Bergstr. 20 öffentlich auSgehängt. Gießen, den 8. Nov. 1921. Hessisches Ortsgericht. 161) Leo.__________ 15-20000 Marl gegen Sicherheit aus ein yabr für Ende dS. MtS. au leihen gesucht. Dchr. Ang. u. 049 an d. G. An». Die Witwe des Weih- bindermeisterö Philipp Bernhardt zu Fellings- bauien läßt am 033 IfUaiiimr, DÄal in ihrer Wohnung voll- ttänd. Weitzbinderrütt- zeng, sowie 1 zweirädr. Karren, 1 Weitzbinder- waaen und 1 eiserne Sveispsanne öffentlich freiwillig versteigern. Sämtliche Sachen sind fast neu. Suche für meine Tochter, 15 Jahre ult, Ausnahme in einem guten flläötMeiM ab März aus die Dauer eineS Jahres. Offert, unt. F. P. V. 72.9 a. Rad. Blosse, Frankfurt a. BL 144sa Für Schüler ber Ober- Realschule, Kl. lila, wird enetgüdiEr, grünöliHet Hai36iifpuniertij)t in Französisch, Englisch unb Mathemaiik gesucht. Schristl. Angeb. unt. 058 an b. Gießener Anzeiger. Schneiderin nimmt noch Kundschaft an. 030) Marktplatz 11 III. m. LebenSm. in bester Lage sof. zu verpachten. 048 Näh. Baer, Ost-Anl. 29. Wwe., 40 I., 2 St., schönes Heim, etro. Barverm, m. sich ro. mit folibeni Beamten ob. Geschäftsmann verheiraten. Schristl. Angebote unter 041 an den Gieß. Anz, Die Beleidigung gegen Karl Schneider, Barben- telch. nehme ich mit Bedauern zurück. Heinrich Hammel, 025 Garbenteich. Herrenloser Deutscher Schäferbund ii. Drabl- baar - Dackelbund beim Polizeiamt eingel. Gegen Erstattungd.Einrückungs- gebühren dort abzuholen. | Vereine | JBflRerfDonoerelii »051920(0.) Mittwoch, den 4. Jan. abends 8 Ahr Mitgliederversammlung bei Mitgl. Kobel, Liebig. straße. Erscheinen aller Mitglieder dringend er- wünscht. [157 Der Vorstand» Stadttheater Leitnng: H. Stalngoatter. Mittwoch, 4. Januar, 12.Mittwoch-Abon.-Vors^ Sie lantgtöfln. Anfang 6'/„ Ende 9'/, UhL Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 5. Januar $922 M.2 Zweites Blatt 50 Jahre Deutscher Lehrerverein Hessen, Oldenburg, Vraun- 1. an Bord einer der (in der Reihenfolge der Einwohnerzahl) Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, schweig, Anhalt, Bremen, Lippe, Lübeck, Meck- lenburg-Strelitz, Schaumburg-Lippe — darf seine Sitzungen, die die Reichsregierung (Reichsministerium des Innern) anberaumt, heben. Der Einspruch muh innerhalb zwei Wochen nach Ablauf der Einspruchsfrist mit. Gründen versehen und der Reichsregierung; mitgeteilt werden. Hat der Reichstag gegen den Einspruch des Reichsrats eine Berfas-. sungSänderung beschlossen, so wird der Reichs-- rat binnen zwei Wochen beschließen, ob er Bvlksentscheid verlangt. Es bestehen 11 ständige Ausschüsse von je 9Mitgliedern, und zwar für auswärtige Angelegen- heiten, Volkswirtschaft, innere Verwaltung, Verkehrswesen, Haushalt- und Rechnungswesen, Steuer- und Zvllwesen, Rechtspflege, Verfassung und Geschäftsordnung, Reichs- wehrangelegenheitest, Seewesen, Durchführung des Ftiederisvertrages. Ein mehreren Ausschüssen überwiesener Gegenstand ist «in gemeinschaftlicher Beratung und Abstimmung zu erlangen. Cs kann bestimmt werden, das; einzelne Ausschüsse sich regelmäßig in bestimmten Zeiträumen zu bestimmter Zeit versammeln. Die Ausschüsse sind nur beschlußfähig, wenn mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder anwesend sind. Aeber die Mitteilungen der Reichsregierung (siehe oben) muh auf Verlangen von i/3 der vertretenen Stimmen in eine Erörterung in einer Voll- oder'in einer Ausschuhsitzung eingetreten werdew Reichstages werden durch das Reichsministerium des Innern dem Reichsrat in seiner nächsten Sitzung vorgelegt. Größere Vorlagen sollen frühestens drei Wochen, die der Ausschußberatung bedürftigen frühestens .zehn Tage nach der Verteilung in Berlin aus die Tagesordnung der Voll- oder Ausschußsitzungen gesetzt werden. Die Vollsitzungen sind öffentlich; die vom Reichsrat gefaßten Beschlüsse werden nach jeder Vollsitzung dem Reichsministerium des Innern zur Veröffentlichung übergeben. Die Ausschußsitzungen sind nicht öffentlich. Drucksachen dürfen vor ihrer Erörterung in einer Vollsitzung nickt veröffentlicht werden. Die Öffentlichkeit kann in den Vollsitzungen ausgeschlossen werden. In den Vollsitzungen werden nach den einleitenden Geschäften (Feststellung der Rie- Was ist und wie arbeitet der Neichsrat? Der R e i ch S r a t — Vertretung der Län Aus Stadt und Land. Gießen, den 3. Inn. 1922. Reue Schlafwagenpreise. Am Baden, Thüringen, Mecklenburg-Schwerin, Februar 1922 treten folgende neue Bettkartenpreise bei der Reichsbahn in Kraft: 1. Klasse 200, 2. Klasse 100, 3. Klasse (Liegewagen) 60 Mk. Die Dormerkgebühren werden erhöht auf 20 Mk. für die 1. Klasse, 10 Mk. für die 2. Klasse und 6Mk. für die ri. L i ch, 3. Ian. Die hiesige israelitisch« Gemeinde Hal die Absicht, eine neue Synagoge zu bauen. Wer die kleine 1810 cingeweihte, an der allen Stadtmauer stehende Synagoge kennt, wird den Wunsch der Gemeinde nach einem würdigen Bethaus begreiflich finden. Das alle kleine Gotteshaus ist nicht nur sehr baufällig, sondern reicht auch für die Zahl der Besucher nicht einmal an den gewöhnlichen Sabbattagen aus. D'.e Gemeinde hat einen Aufruf erlassen, auf den schon manche Liebesgaben eingegangen sind. Auch ist sie bereits vorläufig mit der Stadt wegen eines Bauplatzes in Verbindung getreten: als solcher kommt ein Platz an dec Butzbacher Straße gegenüber dem Evangelischen Tereinsyaus in Frage. Kreis Friedberg. X Dad-Rauheim, 1. Zanuar. In den Klang dec Kirchenglocken, die zum Siloestergottes- dienst einluden, mischte fick gestern abend F e u c r l ä r m. In der am allen Friedhof an der Ecke von Mittelstraße und Ernst-Ludwig?- Ring gelegenen Hofreite des Landwirts Wilhelm Morler, einem der größten Bauernhöfe der Altstadt, war ein G r o ß f e u e r ausgebrochen, damit nicht einhallbarer Gewalt um sich griff und die gefüllte Scheune, wtallungen und Dorratsräume in Asche legte. Die Tätigkeit der rasch herbeigeeilten und umsichtig eingreifenden Feuerwehr mußte sich in der Hauptsache barauf beschränken, das Feuer von dem stark gefährdeten Wohnhaus, das als eines der ältesten Gebäude der Stadt unter Denkmalschutz steht, sowie von gelegenen Dorf, berufen. Es war ein Ort, in dem alte sagenhafte älcberlieferungen noch lebendig ortlebten: ein Raubritter hatte hier gehaust, und Geister gingen um, Hünengräber und zer- ällenes Gemäuer barg verlorene Schatze Dies alles verschmolz sich in dem allen Eindrücken offenen Gemüt des Kindes mit den Geschachten von Herkulanum und Pompeji und von den Helden Homers, die ihm der Vater erzählte. Ein aus der Phantasie'.geschöpftes Bild des brennenden Troias, das er in einem Buche fand, hat er nie wieder vergessen, und die Stadt des Prramos aus dem Schutt wieder ans Licht zu fördern, blieb von da ab der Leitstern seines Lebens. Dazu gesellte sich eine schwärmerische Kinderliebe, deren Gegenstand ihm das Leben bald entrückte; wenn er die Geliebte einst gewinnen wollte, p mußte er reich und selbständig werden, genau so wie wenn er Horners Welt wieder zum Leben zu erwecken dachte. Träume, wie sie in Kuider- lahren wachsen, aber nur das Gemüt eines Kindes konnte sie ein Leben hindurch hegen, nur eine seltene männliche Energie sie zur Verwirklichung führen Das Leben schien seinen Segen dazu nicht geben zu wollen. Dem Vater Schliemanns war das Glück abhold; aus Mangel an Mitteln mußte der Sohn die Studien aufgeben. 5^ Zahre hat er in dem mecklenburgischen Städtchen Fürsten- berg in einem Krämerladen gedient, hat Heringe und Branntwein verkauft, die Kartoffeln für d.e Brennerei gemahlen und den Laden ausgefegt, das bißchen, was er gelernt hatte, im Drang der Arbeit vergessen, und der große Augenblick in jener Zeit ist es, als ein vertrunkener Müller- gesell der einst das Gymnasium besucht hatte, vor dem Ladentisch Verse aus Homer rezitiert. Eine Verletzung bei der Arbeit, die eine Schwache der Bimst nach sich zog, beendete dieses Leben; 3. Klasse. ** Eine Zwölferkommission der oberhesfischen Beamten tagte in Gießen, die eine Denkschrift an Reichs- und Landesbehörden. Reichstags- und Landtagsabgeordnete ausai beitete, in der nachgewiesen ist, daß alle oberhessischen Orte ein Teuerungsgebiet sind mit den gleichen Teuerungsverhältnissen wie die großen Städte des Reiches, die man in Ortsklasse A eingestuft hat. Da die von der Reichsregierung vorgesehene Rachprüfung der Ortsklafseneinstu- fung zu keiner vollständigen Beseitigung des Ortsklassenshstems, die allein Ruhe und Frieden in die Beamtenschaft bringen kann, führen wird, so fordert die obechessische Beamtenschaft: Einstufung aller oberhestischen Orte in die Ortsklasse A. — Sobald die Vertreter der Kreise das Einverständnis oder etwaige Abänderungsvorschläge ihrer Ortskartelle zu der Denkschrift entgegengenommen .haben, findet die Schlußsitzung der Kommission statt. Die redigierte Denkschrift wird bann nach entsprechender Vervielfältigung den maßgebenden Stellen zugestellt werden. ** Sein 25jähriges Arbeits- jubiläum bei der Firma H. Schaffstaedt konnte gestern Dreher Wilhelm Lotz aus Wieseck feiern. Dem Jubilar wurden von feiten dec Direktion, der Angestellten und Arbeiter Glückwünsche und reiche Geschenke dargebracht. Landkreis Gießen. ri L i ch, 2. Zan. Die neue Kirchen- Heizung ist seit Weihnachten in Betrieb und funktioniert ausgezeichnet. Es ist eine Heißluft» schach Heizung (System Musgrave) und wurde ausgeführt von der Firma Esch L Co. in Mannheim Die Mauerarbeiten wurden von hiesigen Meistern ausgeführt. Die Kosten sind auf 40 000 Mk. veranschlagt. — Im vergangenen Zähre wurden in der evangelischen G erneinde 46 (57) Kinder getauft, 72 (59) konfirmiert, darunter 15 (12) Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses und 5 (6) Kinder aus Kloster Arnsburg. Es fanden 17 (30) Trauungen statt und 27 (35) Beerdigungen. In dem vom hiesigen zweiten Pfarrer pastorierten Riederbessingen fanden 3 (10) Taufen statt, 2 (3) Trauungen, 6 (4) Beerdigungen und 5 (5) Kinder wurden konfirmiert. Die Zahlen in Klammern sind die des Vorjahres. _______ Ergriffenheit aller Festteilnehmer vollzog sich der Anschluß desOesterreichischen Lehrer- Hundes mit 13 000 Mitgliedern. „Lehrer des Deutschen Reiches, seid gegrüßt! Der Geist Zahns schwebt über dieser Versammlung. Mit Gewalt sucht man den politischen Anschluß Deu-sch-Oester- reichs ans Reich zu hintertreiben. Wir Lehrer Deutsch-Oesterreichs aber haben heute den Wen zum großen deutschen Daterlande gesunden und nichts soll uns in Zukunft von unseren Brudern trennen. Zur deutschen Mutter sind wir heimgekehrt! Ewige und unverbrüchliche Treue geloben wir Lehrer Deutsch-Oesterreichs dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterlande. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, m keiner Rot uns trennen und Gefahr!" Mit diesem Gelöbnis des Vorsitzenden des Deutsch-Oester- reichischen Lehrerbundes, des Lehrers Matthias Strebl aus Wien, traten Deutsch-Oesterreichs Lehrer unter freudiger Aufgabe ihres feitherigen Rechts der vollen Selbständigkeit in die Rechen des Deutschen Lehrecvereins ein. Die Vertreter der österreichischen Landesvereine von Ober- und Rieder-Oesterreich, aus der grünen Steiermark, aus Kärnten und Tirol waren herbeigeeilt, um Zeugen und Bekenner des deutschen Einigungs- gedankens zu fein. — Auch die deutschen Bruder aus Polen hatten Vertreter entsandt. Dort haben sich die Lehrer aller Schulen zusammengeschloßen und um das Panier deutscher Kultur geschart. geliebte anhalten, um zu erfahren, daß sie ein paar Tage vorher die Frau eines anderen geworden war. Erst in reiferem Alter war Schliemann an der Seite einer Griechin, die ihn bei seinen Arbeiten unterstützte, das Glück der Ehe beschie- den. Seine Tatkraft wurde jetzt nur für kurze Zeit gelähmt. Er ging nach Amerika, einen verschollenen Bruder zu suchen, den er jedoch nicht mehr am Leben fand; er dehnte seine Geschäfte mit dem größten Glück weiter aus. Der Hauptteil seines Vermögens schien beim Brand von Memel untergegangen; er wollte sich, kaum niedergedruckt, neuer Arbeit' zuwenden, als er erfuhr, daß feine Güter fast als die einzigen, gerettet waren. Unb nun, wohlhabend geworden, begann er, ohne feine praktische Tätigkeit zu vernachlässigen, mit der Verwirklichung dessen, was er immer vor Augen gesehen hatte: er lernte zunächst Griechisch unb drang in das Studium der Alten ein. Er wünschte sich nun gänzlich von den Geschäften zurück- zuziehen; ein Prozeß, der ihn daran zu verhindern drohte, hielt ihn zwar lang auf, endete aber glücklich unb von ba ab konnte Schliemann sich, soweit ihn nicht bie kluge Verwaltung seines großen Vermögens in Anspruch nahm, ganz seinen Idealen toibmen. Eine Reise um bie Welt leitete die neue Periode seines Lebens ein. Schliemann war 47 Zahre alt, als er auf Ithaka mit ein paar Arbeitern die ersten Spatenstiche tat. Es hat etwas unsagbar Rührendes, in seiner eigenen Erzählung mitzuerleben, wie er die ersten kleinen Urnen in der Hand hielt, in denen seine Phantasie sich die Asche des Odysseus unb der Penelope träumte. Damit beginnt Schliemanns Ausgrabungstätigkeit; sie gehört der Geschichte der Archäologie an, in der sie eines der ruhmreichsten Blätter bildet. In wiederholten Angriffen während der Zahre 1871/73, 1878 79, 1882 unD 1890 wurden die Reste Trojas blohgelegt, dessen wahre Stätte Schliemann Im Anschluß an ben amerikanischen Konfus Frank Gabxrt gegeimber den Ansichten, die es an anderer Stelle suchten, von Anfang an erkannt hat. Eine Schicht nach ber anderen wurde ans Licht gehoben, reiche Zeugnisse der Vergangenen gesunden, Schliemanns Phantasie und Verehrung der griechischen Vorzmt beflügelte seinen Scharfsinn, unb wenn auch erst nach seinem Tobe aufgehellt worden ist, in welcher Schicht man das eigentliche Troia des Priamos ui sehen hat, so hat doch fein von einer starken sittlichen Leidenschaft getragener ®Iaube an die Treue des schwärmerisch geliebten Dichters ihn allen Schwierigkeiten, allen Anfeindungen und einige Verhaftungen vorgenommen. Heffcn-Naffan. fpb. Frankfurt a. M, 2. Zan. Trotz ein dringlicher Warnung betrat ün Elektrizitätsweri Dockenheim ein junger Arbeiter den Pcufraum und kam hier der Hochspannung zu nahe Er wurde dabei so schwer verletzt, baß er nach kurzer Zell an Herzlähmung verstarb. "altem Spott zum Trotz in wesentlichem das Richtige erkennen taffen. Von fast noch größerer Bedeutung waren bann die Ausgrabungen tm alten Mykene; Arbeiten auf Ithaka, in Tiryns und Orchomenos gingen nebenher. Schliemann ellte von einer Aufgabe zur anderen; wurde eine durch alltt- tei Hemmungen, besonders auch durch behördliche Schikanen, verzögert, so nahm er eine andere m Angriff. Er war in der Welt, deren geläufigste Sprachen er beherrschte, bekannt und gerühmt geworden; zu seinen Helfern und Kratern, unter denen Virchow unb Wilhelm Dorpfeld, der Mll- arbeiter feinet letzten Zahre, hervorragen, gehörten Gelehrte aller- Kulturnationen. Seme Bucher gingen in alle Länder. Sein gastfreies Haus in Athen, im Angesicht der Akropolis, sah Gaste aus allen Zonen. Der Weltbürger, der durch seine zufällige Anwesenheit in Kalifornien S? der Zell a^ bieses zum Staat erhoben wurde, auch das Bürgerrecht ber Union besaß, ber seine Tagebücher fron* zösisch und englisch schrieb hat den größten Tell der von ihm gefundenen Schätze doch seinem cllten Vaterland zugeführt. In den letzten Zähren seines Lebens ließ eine Fahrt nach Geschichte den Enthusiasten berauschte, wieder neue Probleme auftauchen. Eine schwere Operation, die durch ein Ohrenleiden notwendig geworden war^ konnte den ^Rastlosen auf feinem Flug Europa, von Museum zu Mutzum, von Defpr^- ung zu Besprechung, kaum aufyalten-Zufolgeter Vernachlässigung des Leidens fltiff aufs Gehirn über. Schliemann lag m Reapel bewußtlos unb starb dort am 27. ®C3e!J^®r Man könnte von dieser Geschichte einen Aben teuerroman schreiben, der jede Hintertreppe er obecn müßte, und einen D.lbungsroman^ wie sie nad). Art des „Wilhelm Meister und-te-®ru nen Heinrichs in unserer erzählenden Literatur leben^Man könnte sie als und die Kinos würden voll. Vielleicht ater NE die Wirkung doch am gwbto> unb am twfftau wenn man sie m ber Einfach hei t l Heinrich Schliemann, mit ruhiger SW-Werstan» lÄktit und doch selber über fein Schicksal Na nenb, in seiner Autobiographie erz^lt, zu Ta^ senden unseren Heranwachsenden in bfe sjanöe aäb^ Sie würden daraus ersehen daß auch fn unserer Welt Kintermärchm noch 'Wahrheit werden daß es noch Männer gibt, bie die Schatze b^ben und die Prinzessinnen freien, von denen sie in ihrer Zugend geträumt haben, wenn es nur die rechten Männer sind. ber Brust nach sich zva, beendet« Schliemann ging als Schiffsjunge Brigg, die nach Venezuela beftimmt tyar ©in Sturm warf das Schiss in Holland an die Küste, aus dem fremben Lande, in das ihn wer Zufall gebracht hatte, wollte der Iunglmg nicht nadji Hause, eine wohltätige Hand aus der Heimat ebnete ihm die ersten Schritte, unb es beginnt eine Laufbahn, die dem unermüdlich Arbeitenden der sich kaum ein paar ©tunten Rachtschlaf gönnt, und mittels einer selbsterdachten Methode auf Grund genialer Begabung fich eine europäische Sprache nach der anderen aneignet, P^ßi Laufburschen zum Handelsvertreter unb schließlich zum selbständigen Grohkaufmann in Rußland enchor- trug. Als Schliemann so weit war, lieh er durch einen Fremid um die nie vergessene Zugend- Heinrich Schliemanns Lebensroman. Dem großen Entdecker zur 10 0. W iederke h r seines Geburtstags. Don Tr. Christian R o d e g g Heinrich Schliemann steht am D?g'.nn der modernen, systematischen Ausgcabungstätigkell. Er hat Trosa ausgedeckt unb uns die mykenische Periode der griechischen Vorzeit erschloßen. Die Geschichte feiner Entdeckungen ist ein glänzendes Beispiel menschlichen Scharfsinns, menschlicher Cneige und A. f. pfcrun^ssie.idigkcll. Mit dem, was er geleistet hat, steht er in der ersten Reihe der Männer, die sich um die 'Aufhellung der menschlchen Ve.gangenheit verdient g macht haben. Immerhin, was ihm da gelungen ist, es hätte auch irgendeinem tüchtigen Mann der gelehrten Zukunft glücken können, wenn auch nicht zu übersehen ist, wie der Kampf mit dem praktischen Leben Schliemann für s ine Aufgabe gestählt hat, und wie der Reichtum, den er erworben hatte, und der ihm unbeschränkt für .eine 'Zwecke zur Verfügung stand, ihm ein ganz anderes, ungehemmtes A bellen e.mcglichte, als wenn' er von irgendwelchen öffentlichen Mitteln abhängig gewesen wäre. Das Wesentliche aber, das Erhebende in Heinrich Schliemanns Erben- qang liegt nicht ober doch nicht allein in bem Lebensabschnitt, den seine erfolgreiche Entdeckertätigkeit ausfüllt. Cs enthüllt sich erst aas ver Kenntnis seines ganzen Lebens, lener Erfolge aus- regendster Gchchehniße, deren i-des von dem emen Ziel, das ihrem Helden von Anfang vorschwebtz 2>zulenken scheint, und von denen jedes doch wie die einzige Möglichkeit aussieht, um zu olesem Ziel hinzufühten. Eine Gefchch e, so bunt daß wir die Phantasie des Erzählers bewundern müßten ber sie erfunben hätte, und doch eine Illustration von eherner Folgcr.chf g eil: 3u ton Wort: „Wie sich Verdienst und Gluck verketten, das fällt dem Tore niemals ein." Das Verblüffende, das den Erlebniften Schliemanns innewohnt, tritt klar berP°r toeun man sie auch nur in ihrer nackten T-lliachllchk-ll an einanderreiht. Vor hundert Zähren wurde der Entdecker Troias als Sohn eines Predigers m dem Städtchen Reu-Buckow in Mecklenburg Schwerin geboren. Als der Knabe ern Jahr alt war wurde fein Vater auf die Pfarre von Anketzshagen, einem »wissen Waren und Prenzlin den Rachbargebäuden fernzuhalten. Dank ber herrschenden Windstille ist das in eifrigem De- mühen auch gelungen. Bei einem Sturmwettech wie wir es hier an den Tagen zuvor gehabt wäre sicherlich ein unübersehbarer Schaden entstanden, denn in bem von Mittelstraße, Hauptstraße, Riesstraße unb Ernst-Ludwig-Ring um* grenzten Viertel Alt-Bad-Rauheims reihen sich Haus an Haus, Scheune an Scheune eng aneinander So wurden Mohngebäude zum Glück nicht unbrauchbar. Rur ber Flügel des Wohnhauses, in bem ber Vater des Besitzers, tjn 85jähriger Greis, seinen Altensih hat, wurde durch Wasser stark beschädigt, ebenso das ursprünglich sehr stark gefährdete benachbarte Heine Anwesen des Arbeiters Wagner, das sich dieser durch redlichen Fleiß erst vor kurzem als Eigen- tum erworben hat. Der dem Landwirt Morler gewordene Schaden ist trotz Versicherung bei den heutigen Verhältnissen äußerst groß. Wenn auch das Vieh aerettet worden ist, so wurden mit den den Flammen zum Opfer gefallenen Gebäuden aber bie gesamten Vorräte vernichtet. In anerkennenswerter Weise hat bas Hilfswerk ber hiesigen Landwirte heute gleich eingesetzt. Dem Schwergeschädigten wird mit Stroh, Futter usw über die erste Rot hinweggeholfen, lieber bie Ursache bes Schabenfeuers kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Kurzschluß in ber elektrischen Lichtanlage, was man zuerst annahm, kann nicht zutreffen, ba nach Ausbruch des Feuers die elektrischen Lampen in Scheuer unb Stallungen noch gebrannt haben. Man glaubt daher, daß Brand st iftung vorliegt, entweder durch unvorsichtigen Umgang mit Feuerwerkskorpern entstanden ober durch einen ruchlosen Racheakt . veranlaßt. Sollte bas letztere der Fall sein, so würde bas von ber Allgemeinheit um so mehr ■ bedauert unb scharf verurteilt, weil der Betroffene ein äußerst gerechter Lanbwirt ist, der >! wegen seiner stets großen Hilfsbereitschaft in ■ allen Bevölkerungskreisen äußerst beliebt ist. ®e- i richt unb Polizei finb eifrig auf ber Suche nach ' den Tätern. Wie verlautet, wurden heute schon landes. Das preußische Kultusministerium war durch Kultusminister B o e 1 i h vertreten, ber bem Deutschen Lehrerverein zu seinem Zubelfest bie Glückwünsche des Kultusministeriums überbringt: Der Herr Minister hält es für eine Selbstverständlichkeit, daß er diese Pflicht persönlich erfüllt, weih doch das preußische Kultusministerium genau, was es ber Energie des Deutschen Lehrer- Vereins zu verdanken hat, welche starken Impulse von diesem Verein ausgehen, gerietet auf philosophisch-pädagogische und sonstige wissenschaftliche Weiterbildung und Vervollkommnung der Lehrerpersönlichkeit. Reue Probleme hat die Verfassung für das Erziehungswesen gebracht. Allein Jcpon ber „Witte ber Erziehungsberechtigten" bedeutet eine gewaltige Problematik der Zukunft für alle Beteiligten. Ze dunkler die Zukunft erscheint, desto fester muh der Zusammenschluß und bie Zusammenarbeit sein. „Rur Hand in Hand mit Lehrern unb Erziehern können wir bie großen Aufgaben lösen. Siehen Sie bei uns unb wir werden bei Ihnen stehen!", Der 1. Vorsitzende des Deutschen Lehrer- Vereins, Lehrer Röhl, Berlin, unb der 2. Vorsitzende, Kreisschulrat Günther, Berlin, legten in treffenden Ausführungen das Werben unb Wollen bes Deutschen Lehrervereins bar Eine erhebende Feier in der Philharmonie unter Mitwirkung des Ber'iner Lehrergesang-- vereins unb des Philharmon schen Orchesters beschloß das Geburtstagsfest des Deut chen Lehrer- Vereins. Die 3.' Strophe des Rieberländischen Dankgebetes würbe gemeinsam gelungen. Die Rot der Zeit lieh ben Schluhvers zu einem gewaltigen unb tiefergreifenben Gebete werben: Dein Rame fei gelobet, o Herr, mach' uns frei! nicht ohne deren Zustimmung unterbrechen. Die Stimmenzcthl der Länder (tm Reichsrat selbst auf 1 Million Ein- Bolksjugenb an eine bessere Zukunft glauben unb tooFmer 1 Stimme, in den Ausschüssen jedes in diesem Gedanken ihre Lebensarbeit geftalten Land je 1 Stimme) wird nach jeder allge- sollen, war die Subti^m: gc $ • . , « meinen Volkszählung neu festgesetzt. Die Beschlüsse und Entschließungen des Am 28. Dezember 1871, im gleichen Zahre also, in dem sich bie politische Einigung Deutschlands vollzogen hatte, wurde in Berlin der Deutsche Lehrerverein gegründet. Trotz aller Gegenströmungen entwickelte er sich im Hamburg, Laufe eines halben Zahrhunderts zu einem statt- ; lichen Dau. Llrsprünglich ungefähr 3—4000 Mitglieder zählend, umfaht er heute 150 000 deutsche Lehrer. Am 27. und 23. Dezember d. Z. feierte der Verein in ben Räumen des Berliner Lehrer- Vereinshauses sein 50. Geburtstagsfest. Richt rau-, schende Festlichkeiten versammelten Deut.chlanbs Lehrer in den Zeiten tiefster Rot des Vaterlandes: Als ein Zeichen, bah bie Erzieher ber beutschen derschnften, Entgegennahme von Mitteilungen der Reichsregierung, die den Reichsrat über die Führung der Reichögeschäste auf dem laufenden halten, Aeberweisungen an Ausschüsse usw.), die auf der • Tagesordnung stehenden Vorlagen behandelt. Gegen ein vom UHV _______ _________ _. . . Reichstag beschlossenes G e s e tz Die Lehrer Hollands, ber Schweiz und Schwedens kann der Reichsrat Einspruch er-ischickten ihre Grütze. Für bas Reichsministerium des Innern sprach Staatssekretär Schulz: Im Gründungsjahr des Deutschen Lehrervereins stanb Deutsch Laub als stnmhlenber Sieger ba. Besiegt, gebemütigt, nieber- getreten ist "heute unser armes Q3aterlanb. -Ungeheure Lasten würben uns auferlegt, an benen Kinder unb Kindeskinber zu tragen haben. Milliarden fliehen in bie Taschen der Sieger, während toir das Rotwendigste entbehren müssen. Deutschlands Lehrer aber sind die Führer zu einer besseren Zukunft. Im festen Glauben daran dürfen sie in ihrer Arbeit nicht nachlassen, nicht locker lassen. Richt mit ber Beschaulichkeit des alten Mannes darf der Deutsche Lehrerverein rückwärts schauen, vorwärts mutz seine Losung sein. Im Rarnen des Reichsministers des Innern gibt der Staatssekretär die Zu sicherung des ehrlichsten Willens dieser Behörde zur ertgften Zusammenarbeit /wischen Behörde und Berufsvereinigung zum Besten der Volksschule, ihrer Lehrer, zum Besten des deutschen Volkes und des deutschen Vater» Kirche und Schule. nd. Hnter-6cbmlttcn, 2. Ian. Der bisherige Verwalter der hiesigen 2. Schulstelle. Schulamtsanwärter Karl Reih, wurde als s e st- vngestellter Lehrer nach Kefenrod verseht. Zu seinem Rachfolger ist Schulverwalter Schnie r l e von Dodenrod ernannt worden. — Die WanderhaushaltungSschule deS Kreises Düdingen hält hier gegenwärtig im Saale des Gastwirts Köchling unter Leitung der Haus» haltungslehrerin Friedmann aus Lauterbach einen Kursus ab, an dem 12 Mädchen und junge Frauen von hier teilnehmen. ni>. Ridda, 2. Jan. 3n dem verflossenen Jahre wurden in unserem evangelischen Kirchspiel 77 Kinder getauft, 55 konfirmiert und 36 Personen beerdigt. Der Kirchenbesuch betrug bei den Erwachsenen nur 17 Prozent, bei den Kindern 21 Prozent. Erfreulicherweise hat er aber im letzten Vierteljahr etwas zugenvmmen. An der Feier des heiligen Abendmahls nahmen 49 Prozent teil. Seit dem Weihnachtsfeste besitzt unsere evangelische Kirche elektrische Lichtanlage, die zum ersten Male bei der Weihnachtsfeier in Gebrauch genommen wurde und vollauf befriedigte. An Kollekten und sonstigen Spenden für kirchliche Zwecke und wohltätige Einrichtungen gingen im Jahre 1921 etwa 2000 Mark im Kirchspiel ein. Ln. Darmstadt, 31. Dez. Die Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums hatte ihre zahlreichen Mitglieder zu einer Aussprache eingeladen. Präsident S ü f - f e r t erstattete den Jahresbericht, anknüpfend an den in aller Erinnerung stehenden Vortrag des Kreisdrrektors Dr. W ö r n e r über .Heraklit" und den beifällig aufgenommenen Vortragsabend ..Aus griechischen und römischen Dichtern", und führte sodann aus: Auf eine Eingabe der Vereinigung bei dem Landesamt für das Dildungs- wesen ist ihr in Aussicht gestellt worden, bei der Schulabteilung zur Mitarbeit herangezogen zu werden: hoffentlich wird dies bei den künftig zu lösenden gymnasialen Fragen recht oft in Erscheinung treten. Der Mitgliederbestand ist wieder erfreulichgewachsen: durch erneute unter den Freunden des humanistischen Ideals einsehende Werbearbeit wird sie weiter ft eigen. Aus der vielseitigen Vorstandsarbeit wird erwähnt, daß eine Aufführung des in Sieben mit großem Erfolg aufgeführten Hippolytos von Euripides durch die rührige Siebener humanistische Vereinigung auf der hiesigen Landestheaterbühne beabsichtigt gewesen ist. die Inszenierung läßt sich nur auf einer groben Vühne ermöglichen. Die Aufführung hat sich aber aus zeitlichen und finanziellen Schwierigkeiten noch nicht verwirklichen lassen. Vorzüglich entschädigten dafür die auch als schauspielerische Leistungen vortrefflich gelungenen wiederholten Aufführungen von Aristophanes' Vögeln durch das Ludwig- Georgs-Gymnasium. 3n allernächster Zeit wird der Historiker der Frankfurter Universität. ord. Professor Dr. Matthias G e l z e r, seinen fesselnden Vortrag über „Das Römerlum als Kulturmacht" halten. Andere auf ihren Gebieten führende Persönlichkeiten sind für die kommenden Monate zu Reden über bedeutsame Fragen gewonnen worden, so dah wir besonderen Ereignissen entgegensehen. Alch nächste Ziele erstrebt die Vereinigung neue Zusammenschlüsse in anderen hessischen Städten r^nd die Gründung eines Landesverbandes zwecks reger Arbeitsgemeinschaft, die auch auf den Frankfurter Verband ausgedehnt werden soll. — Rach der Rechenschaftsablage des Schatzmeisters, Stu- Kenrctts Dem, erstattete sodann Studienrat Dr. H i n r i ch s einen gut unterrichtenden Bericht zur Einführung m die zur Zeit wieder stärker erörterte FragedesReformghmnasiums. 3n der außerordentlich lebhaften Aussprache, die sich an die anregenden Ausführungen der Herren Süffert und Hinrichs anschloh, und an der sich beteiligten 'Kreisdirektor Dr. Wörner. Hochschulprorektor Gehetmrat Walbe, Pfarrer Wagner. Ober- chulrat Ritsert, Konrektor Pöpperling Professor Lic. Matthes, Professor Kehler' irofessor Dr.D ü ch n e r, Direktor Dr.D uchhold und Studienrat Dr. L i ft m a n n. wurde insbeson- dere dre Frage des Reformghmnasiums von den ' rrschiedensten Seiten aus beleuchtet. Ohye einzelne Stimmen aus Ghmnafialkreisen übersehen zu wol- en, die aus gewissen Opportunitätsgründen die gelegentliche Verknüpfung eines Reformzuges mit dem seitherigen System nicht ganz von der Hand gewiesen haben mochten, steht die Versammlung grundsätzlich, besonders in Anbetracht der entscheidenden pädagogischen Vorzüge auf dem ©tanbtmnfte der Förderung des alten humani- strschen Gymnasiums. Zu dem bisherigen Vorstand - traten bei der Reuwahl hinzu Hochschulprorektor Geheimrat Walbe, Geheimrat Dr Buch hold und Studienrat Dr. L i ft m a n n. Spuren im Schnee. Roman von Sven Elve st ad. Ermächtigte Aeberseyung. 28. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Run erinnerte sich der Kapitän an däs, was ihm der Apotheker Fcykmann während dcs Ganges vorn Bahnhof bis zur Apotheke erzählt hatte — von dem geheimnisvollen Wesen. das den Abend vorher den Deriuch gemacht hatte, in die Apotheke einzubrecttn und das zu diesem Zweck anflefangen hätte, Löcher rund um das Schloß der Autzentüre zu bohren. Als der Detektiv das horte, nickte er zu- rieden. »Da haben wir es," sagte er. .Das müssen ie beiden gewesen sein." „Aber- das stimmt nicht mit meiner Annahme," wandte der Kapitän ein und erzählte von den beunruhigenden Lauten, den schleichenden Schritten und den tastenden Händen, die der Apotheker Rächt für Rächt vor der Apotheke gehört hatte. T. lauschte gespannt auf diesen Bericht, hier und da warf er dem Kapitän einen forschenden Blick zu, und jedesmal war es, als ob der Kapitän diesen Blick mit einem gewissen Mißbehagen wahrnähme und tiefer in die dunkle Ecke der Stube zurückweichen wollte. Aber als nun die Erzählung des Kapitäns weiter fortschritt, fing der Detektiv an, einige Bemerkungen auf ein vor ihm liegendes Papier zu schreiben. ($r schrieb noch eine Weile weiter, nachdem der Kapitän seinen Bericht geschlossen hatte. Plötzlich hielt T. trnie mit Schreiben, schaute auf und sagte Vermischtes. * Medizinisches von der Oppauer Katastrophe, lieber die durch die Katastrophe von Oppau hervorgerufenen Gesundheitsschädigungen hielt 3. Löwy im Prager Verein Deutscher. Aerzte einen Vortrag, bei dem er sich auf die per°> sönlichen Berichte des Oppauer Fabrikarztes Dr. Hagen stützte. Die Katastrophe ist ohne nennenswerte Dergiftungserscheinungen bei den Verunglückten verlaufen. Rur zahlreiche Reizungen der Bronchien tarnen wohl als Ausdruck einer örtlichen Reizwirkung in ganz Oppau vor. Auster zahlreichen chirurgischen Verletzungen und Zerreißungen des Trommelfells erzeugte die Explosion Angstzustände. So weigerten sich Kinder, dieselbe Beschäftigung, die sie am Tage des Unfalls gehabt hatten, an den folgenden Tagen wieder auf- zunehmen. Bei Frauen stellten sich die Angst» zustände bei einbrechender Dämmerung ein, bei Männern entwickelten sich maniakalische Zustände. Die Zahl von inneren Erkrankungen war im Verhältnis zu dem groben Umfang der Katastrophe gering. • Die Gans mit den goldenen Eiern. Die Gans oder Henne, die goldene Eier logt, ist uns nur aus dem Märchen bekannt. Aus Antiochia in Syrien erzählt aber nun Stuart T. Dvne in einem Londoner Blatt eine Geschichte von einer wirklichen Gans, die — beinahe golden» Eier gelegt hätte. Aus dem Amanus-Gebirge wurde ihm eine Gans gebracht, der er den schönen Ramen Augustus beilegte und die er eifrig stupfte, um sie zum Weihnachtsfeste zu schlachten. Als aber nun ihrem edlen Leben ein Ziel gesdht worden war, da fand der Koch — nicht minder erstaunt, als seinerzeit jener drs Polykrates — im Magen des Federviehes einige Flocken eines gelben Metalls, und es stellte sich heraus, dah Augustus 20 solcher Flocken von reinem Sold in seinem 3nnern beherbergte. Warum hätte Augustus, wenn sie noch weiter gelebt hätte, nicht goldene Eier hervorbringen können, da sie den Stoff in ihrem 3nnern beherbergte? Mit dieser melancholischen Betrachtung wollte der Besitzer des allzu früh gemordeten Goldtieres über den Fall zur Tagesordnung übergehen, aber in der Umgegend hatte sich unterdessen bereits die Rachricht von der Wundergans verbreitet. Man brachte .einige von den Goldstückchen nach dem Basar der Stadt: der Goldschmied Isländer untersuchte sie und fällte sein Urteil: „Bei Allah, dem Allmächtigen, es ist wirllich Gold." Bald war die Kunde von der Gans mit den goldenen Eiern überall verbreitet und gehörig aufgeputzt. Man vermutete in dem Besitzer einen Zauberer, so dah er sich nun die natürliche Erklärung des Vorganges angelegen sein lassen muhte. Diese war ganz einfach. Die Gans flammt aus einem Dorfe, das an einem kleinen Gebirgsfluh, dem Rahr ei Kassarat, liegt, der wieder in den Orontes strömt. Der Fluh ist in seinem unteren Laus goldhaltig, und es wurde hier früher Gold gekoaschen. So hoch oben, wie das Dorf liegt, hatte man aber bisher noch keine Goldspuren im Fluh gesunden, und so wurde denn Augustus zum Entdecker einer neuen Goldguelle, die freilich für goldene Gänseeier nicht ausreichen dürfte. * E i n Pariser Tugendpreis. Eine reiche alte Hungler in Paris, ein Fräulein Huot. hat der französischen Akademie eine eigenartige Aufgabe zugedacht, indem sie ihr in ihrem Testament die Vergebung eines Tugendpreises überlieh. Rach ihrer letztwilligen Verfügung soll eine stattliche Geldsumme alljährlich einem schönen jungen Mädchen ausgezahlt werden, die, „einen auf unehrenhafte Weise erworbenen Luxus verachtend, es vvrzieht. in bescheidenen Verhältnissen von ihrer eigenen Hände Arbeit zu leben Die Empsängerin des Preises muh schön und ärm fein, nachdem sie vorher die Doi^üge des Reichtums gekostet hat. Eie muh nachweisen, dah sie Armut und Unschuld einem Leben in Ueppigkeit vvrgezogen hat, das sie durch ein Opfer ihres guten Rufes hätte gewinnen können." Landet. Berlin, 2. Han. Der Devifenhan- d e l spielte sich heute in sehr ruhigen Formen ab. ES zeigte sich keinerlei Unternehmungslust. Allgemein beobachtete man Zurückhalbung wegen der bevorstehenden Entscheidung der interalliierten Finanzkonferenz. Die wenigen Umsätze wurden zu etwas erhöhten Kursen gegen Samstag abgeschlossen. 3n den Kreisen der Effektenhändler schien gleichfalls eher eine feste Tendenz ' vorzuwiegen, Kurse wurden kaum ausgesprochen. Als begehrt wurden Westeregeln und Benz-Aktien bezeichnet. Märkte. Frankfurter Schlachtviehmärkt. Frankfurt, 2. Jan. (Amtlich.) Am Rinder- und Schweinemarkt langsames, am Klein- „Warum stecken Sie denn die Lampe nicht an?" „Entschuldigen Sie!" rief der Kapitän und stand sofort auf. „3d} . . .“ Aber der andere machte eine abwehrende Handbewegung. „Es ist noch nicht nötig," sagte er. „3ch sehe gut noch eine Weile. Und außerdem ist es doch recht uribehaglich, wenn einem das uicht so grell in die Augen scheint." Er beobachtete dabei verstohlen den Kapitän. Dieser lieh sich erleichtert gleich wieder in den Stuhl zurücksinken. Als der Detektiv mit feiner Riederschrift fertig geworden war, trat er ans Fenster und las das Geschriebene vor. Er hatte alles In eine Reihe von Punkten zusammeng faßt. „ Punkt 1. Es sind unzweifelhaft die beiden Männer gewesen, die in der Rächt zum ersten Dezember den Versuch machten, in die Apotheke einzubrechen und zu diesem Zweck Löcher um das Türschloß bohrten. Rach ihrer Verhaftung sind sie über die Apotheke ausgefragt worden, und da sie aus den Fragen entnehmen konnten, das) man auf falscher Fährte war, hat sich "her eine von ihnen allmählich in Aussagen hineintreiben lassen, die als ein volles Geständnis aufgefaßt toovix'n Hnö. Er war in seinem beschränkten und kindlichen Verstand der Meinung, so lange die Polizei dem nachforsche, waS er nicht getan habe, komme lic nicht auf die Spir dessen, was er wirklich begangen hatte, nämlich des EinbruchZv?rUchö. Punkt 2 3n den ersten Tagen nach Doktor Flodlns Selbstmord war der Apotheker schr nervös und aifgeregt. Wenn die Geräusche, die er vvr der Apotheke gehört hat, nicht blotz seinem erregten Gehirn entstammten ober auf reinem Zufall beruhten, steht man hier augenscheinlich vor vkehmarkt lebhaftes Geschäft; nur Schweine hinterließen geringen Ueberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Auf getrieben waren 1524 Stück Großvieh, davon 412 Ochsen, 58 Dullen, 1054 Färsen und Kühe; ferner 312 Kälber, 279 Schafe und 1353 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: für Ochsen 600—1100 Mk., für Bullen 600—950 Mk., für Färsen und Kühe 450—1075 Mk. für beste Färsen und bis 950 Mark für beste Kühe ferner für Kälber 900 bis 1300 Mk., für Hämmel 550—775 Mk., für Schweine, unter 80 Kilogramm Lebendgewicht 1500—1700 Mk., für Schweine, SO—100 Kg., 1700—1900 Mk., für Schweine, 100—120 Kg., 1700—1900 Mk., für Schweine, 120—150 Kg., 1700—1900 Mk., Fettschweine, über 150 Kg., 1700—1900 Mk., Sauen und Eber 1400 bis 1700 Mk. Die Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schlichen. ©etreibemarft Frankfurt a. M., 2. Jan. Das Geschäft am ersten Dörsentag war ruhig. Die Haltung des Marktes war zur Befestigung behauptet. Für Gerste besteht Rachftage, auch Hafer ist begehrter. Hülsenfrüchte kaum beachtet. 3n Futterartikel fanden Abschlüsse zu festeren Preisen statt. Heu und Stroh lag fest. Frankfurt a. M.. 3. Januar. Berliner Devisenmarkt. Datum: Geld Brief Geld Bries Il.D-z. 2. 3an. 343,65 344,35 814,15 815,85 789,20 790,80 186,56 186,94 2767,20 2772,80 2772,202777,80 6,72 276,70 30,71 62,90 132,85 . 2947,05 2952,95 . 3661,10 3668,70 .4610,35 4618 65 . 342,65 343*35 . 809,15 810,85 . 770,20 771,80 6868,106881,90 144-,55 1446,45 2997, - 3003, - 3761,20 3768,80 4695,30 4704,70 6,82 277,30 30,79 63,10 13M5 6,83 6,87 271,20 271,80 30,46 30,54 61,40 61,60 Amsterdam-Rotterd. 6743,25 6756,75 Brüssel-Antwerpen. 1418,55 1421,45 Christiania . 1508,451511,55 3521,35 3628,65 353^,85 3641,15 Kopenhagen. . Stockholm . . . Helstn gfvrs . . Italien London . . . . Reuyork . . . . Paris Schweiz . , . . Spanien . . . . Wien (altes) . Deuksch-Oesterr. Prag Budapest. . . . Buenos Aires Bulgarien. . . Konstantinopel 183,81 184,19 1491,- 1494,- Datum: 31.12. 2.1. 1.7.14. Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . . 1.7.14. . Fr. 125.40 . Fl. 59.20 . ÄT. 88.80 . Kr. 117.80 . Kr. 88.80 . Kr. 117.80 . Sh. 97.80 . Fr. 125.40 . $ 23.80 2,82 2,75 1,47 1,45 2,80 2 80 36,62 2,20 2,20 3172,50 7 69 6,75 - ,55 — Züricher Devisenmarkt. 2. 1. 3. 1. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. - 18J. - 189.50 Deutschland 100 Mk. = 2J75 2.75 Wien 100 Kr. - 0.19 0.16 Prag 100 Kr. — 7.25 7.70 Paris 100 Fr. ----- 41.60 41.40 London 1 £ =■ 21.60 21.64 Italien 100 L. --- 2Z.56 22. - Brüssel 100 Fr. = 39.30 39.60 Budapest 100 Kr. — 0.82 0.85 Reuyork 100 r = 512.- 515.- Hgram 100 Kr. — 1.90 1.90 Warschau 100 fit. = 0,17 017 (3n einem Teil der Auslage wlederhvtl.) Deutschlands Anteil am finanziellen Wiederaufbau. Tannes und die Reparationen. Berlin, 31. Dez. 3n diplomatischen Kreisen steht man, wie die „Aat.-Ztg." berichtet, der bevorstehenden Konferenz in Cannes nicht mit sonderlich hochgeschraubten Erwartungen entgegen. Wenn auch Englaird anscheinend die Absicht hat, die gesamten Reparationsprobleme aufzurollen, so muh doch befürchtet werden, dah Frankreich weder In der Reparationsfrage. noch hinsichtlich des Wiederaufbaues RuhlanbS jenes Entgegenkommen zeigen werde, das man in London erwartet. Rach Ansicht diplomatischer Kreise habe sich Briand nach seiner Rückkehr auS London in der Kammer viel zu sehr fef,ie[egt. Es sei aber mög ich, baß man sch in Cannes ha'In einigen werde, Deut > cyland einen