Erstes Blatt 172. Zayrgang Samstag, 2. Dezember 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vniS nnd Verlag: vrühl'fche UnwerfitSt§-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Hnnahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 12 Ulk, auswärts 15 Ulk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz. Vorschrift 20"Aufschlag. Hauptschriftleit«: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Gießen. Nr. 284 Erscheint täglich, «ncher Sonn* und Feiertags, mit derSomstagsbeilage: GiehenerFamilienblätler Monatliche bezuorpreile: 380 Utark und 20 Mark Trägerlohn, durch di,Poft 400 Mark,auch bei Vicht» erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech» Anschlüsse: für dieSchrift- leitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sietzen. fioftschectfonto: lurt a. M. 11688. Wochenrückblick. Den Pariser Drohungen auf Besetzung der Rheinlands und des Ruhrgebietes ist eine Stille gefolgt, die an das babylonische Rachttnal mit seinen Effekten erinnert: „Doch kaum das grause Wort verklang, DemKön.g ward's heimlich im Busen bang." Herr Poincarö läßt verkünden, daß noch keine endgültige Entscheidung getroffen fei und die Regierung ihre Entschlüsse erst nach erfolgter Aussprache mit den Verbündeten zu fassen gedenke. D.e Meldungen von einer Er- fchütteruna der Stellung Poincaräs beweisen nur soviel, daß die bevorstehende „Entscheidung" noch harte Kämpfe kosten mag und die Ankündigung von Gewaltmaßnahmen im Rheinlande wohl PoincaröS „letztes Wort", vielleicht aber nicht Frankreichs letzte Schlußfolgerung sein wird. Die Stimmung in England ist kühl, die Haltung Donar Laws vorsichtig zurückhaltend. Der englische Premier ist ganz offensichtlich kein Mann großer und lauter Worte. Das bedeutet nicht, daß er willensschwach sein müsse. Die englischen und die französischen Interessen gehen in Ost und West stark auseinander. Das Londoner Kabinett wünscht und versucht eine Einigung — aber gewiß nicht um jeden Preis. Die Urheber des Versailler Vertrages haben sich einstweilen zu der Vereinbarung einer neuen Konferenz in London durchgerungen, die in wenigen Tagen stattfinden soll und an der außer den Regierungshäuptern Englands und Frankreichs auch diejenigen Belgiens und Italiens teilnehmen werden. Pariser Stimmen verkünden, bereits zu wissen, welche Wünsche Herr Donar Law im Dusen trage. Er wolle die wichtigen Fragen in Ruhe verhandeln, den Kabinetten die erforderliche Zeit zur Lleberlegung lassen und daher ein Deutschland zu gewährendes M o - ratorium für zwei Monate Vorschlägen. Poincarä hat einen Faustschlag vollführt, die Deyensette streckt nur ein Sammetpfötchen vor. Die Geste symbolisiert nicht immer das Weltgeschehen. Herr Mussolini hat bereits kundgetan, daß er kräftig ja, aber ebenso kräftig auch nein sagen könne: auf welche Seite er sich am Ende stellen würde, wenn der französische Faustschlag wirklich die Entente zertrümmerte, das wissen die Klugen an der Seine auch noch nicht. Aus Amerika erhalten wir heute neue Derichte, die keinen Zweifel daran lassen, daß Clemenceau drüben sehr kühl ausgenommen worden ist. Vor uns liegt die Reuyorker „Staatszei- tung“ vom 19. November, die in einem frischen und anschaulichen Bericht dem Debüt des „Tigers" bescheinigt, daß es ein „Frost" gewesen sei. Seine „Manager" waren nicht gerade prominente Persönlichkeiten der heute in den Vereinigten Staaten maßgebenden Schichten: außer dem nicht sehr vorteilhaft bekannten Obersten House noch der „Hilfsstaats- sekretär" Dl h und Herr Bcmard M. Daruch. Wir lassen die „Staatszeitung" am besten mit einigen Worten selber sprechen: »Georges Clemenceau, der Hauptverfasser des Schandfriedens von Versailles und der Haupt- schuldtge an dem Weltelend, in das die Menschheit gestürzt ist, erschien gestern nachmittag während der Vorstellung von „Oncf iftofele“, im M e - trop olitan Opernhaus, um die Huldigung der Musilfreunde entgegenzunehmen und Stimmung füi das imperialistisch« Frankreich zu machen. Der zweite Akt war gerade zu Ende gegangen und die Künstler waren vor dem Vorhang erschienen, um für den Applaus zu danken, als Clemenceau in der Loge auftauchte. Das war das Signal für die Künstler, sich schleunigst zu verziehen. Chaljapin verschivand wie die Millionen, die der Zar sich in Frankreich gepumpt, der Applaus verstummte und der Monsieur aus Paris zeigte sich an der Logenbrüstung. Run versuchten die Französlinge im Publikum eine Demonstration in Szene zu setzen. Sie klatschten mit dem Mute der Verzweiflung, aber es blieb bei einem recht lläglichm Versuch. Der ,Applaus", den sie künstlich zu entfesseln tvach'eten, war so schwach, daß man den himmelweiten Tlnter- schied zwischen dem krampfhaften Klatschen der wenigen und dem dröhnenden Beifall, den erst vor wenigen Sekunden die Künstler eingeheimst hatten, so recht merket konnte. Die Französlinge machten noch ein paarmal verzweifelte Anstrengungen, das Haus mit sich zu reihen und eine Lärmdemonstration zu entfachen, aber das Publikum blieb kühl bis ans Herz hinan und lehnte die »Attraktion" in der Direktorloge frostig ab. Das Orchester intonierte nun um etwas Leben in die Bude zu bringen, die »Marseillaise' . doch auch diese löste keinen nennenswerten Beifall aus. Erst als das „Star Spangles Danner" gespielt worden war, gelangte, wie zum Protest gegen dir französische Haßprvpaganda, der amerikanische Pa- triotiSmus zum Durchbruch, und allgemeiner Beifall durch brauste das Haus. In Boston hatte eS der Bürgermeister Curley, wie Die „Staatsztg." meldet, abgelehnt, dem Franzosen einen Empfang zu berei» i ten. „Manager" House telegraph erle trotzdem, fclömenceau werde in Boston einttessen und | sich direkt nach der Eity Hall begeben. „Dem Bostoner Mayor blieb unter den Umständen nichts anderes übrig, als zu antworten, daß er Den aufdringlichen Gast empfangen werde." Daß Clemenceau in C h i c a g o gar ausaepfif- fen wurde, wie ein kurzes Telegramm berichtete, erklärt sich sehr gut durch eine heitere Tücke deS Zufalls. Während nämlich der „Tiger" großsprecherisch tönte, er werde die ganze französische Armee auflösen, sobald sein Frankreich gegen eine Invasion geschützt sei, hat bekannt!.ch in der französischen Kammer der Militarismus sein unverfälschtes Hohelied gesungen, was natürlich auch den Amerikanern nicht verborgen blieb. Die neueste Rheinland-Fanfare hat dem Tiger auch nicht eben die Friedenspalme b orange trag en. CS mag schon richtig fein, daß die Stimmung in Paris etwas abflaut. Aber wenn der Pariser Mitarbeiter deS Berl. Tagebl. dem Kabinett Cuno anrät, es möchte dem französischen Botschafter de Margerie bei feiner Dem» nächstigen Ankunft in Berlin einige entgegenkommende neue Vorschläge in der Repara- tionSfraqe machen, denn dies entspreche in der gegenwärtigen Sachlage den heimlichen Wünschen der Säbelrassler, so werden wohl selbst die Erfüllungspolitiker um Dr. Wirth mit einem bitteren Lächeln darüber hinweggehen. Das Kabinett Cuno hat jetzt auf der pathetischen Bühne gar nichts zu suchen. Der Reichskanzler hat sein Programm, das beinahe einem Schwur gleichkommt, bekanntgegeben. Er braucht jetzt keine Sensationen zu veranstalten, und das Frühstück mit Tschitscherin, dem nach Lausanne reisenden AuslandSrnmister der Sowjet-Republik, war interessant aber nicht aufregend. Die Lausanner Tagung birgt auch für Deutschland eine Saat Der Zukunft. Die Geister geraten Dort mindestens so heiß gegeneinander wie nur auf irgend einer Reparationskonserenz. Tschitscherin hat in Berlin Der schmetternden Fanfare aus dem Westen ein klingendes Spiel auf dem Schellenbaum der Länder des Ostens entgegengesetzt. Es find die vergessenen Klänge vom Völkerselbstbestimmungsrecht, vom Drang, die Ursachen der Konflikte zwischen den Staaten zu beseitigen. Von Kompromissen ist Da nicht viel Die Rede. Rußland werde niemals dulden, daß Die unbedingte Souveränität des „befreundeten" türkischen Volkes über fein Gebiet angetastet werde. „Jede Vereinbarung", so sagte Tschitscherin, „welche die Souveränitätsrechte des türkischen Volkes verletzen sollte, wird sehr bald vom türkischen Volke selbst umgestürzt werden, und zwar mit voller Unterstützung Rußlands." Sollen nun Die großen Mächte des Ostens von den Gewalthabern des Westens ebenso in die Enge getrieben werden wie Deutschland? Man versteht es, daß es Herrn Bene sch, Dem tschechischen Minister Des Auswärtigen, Darüber allmählich doch angst und bange wird. Ihm ist, wie er in Lausanne be^ kündet haben soll, sehr Darum zu tun, daß dort bald Friede geschloßen werde, „Damit man sich mit Der viel wichtigeren Deutschen Frage beschäftigen könne". Er fürchtet „Die Erregung unter oeii besiegten Völkern" und meint, „es handle sich heute Darum, das ganze System, das man geschaffen habe, nachzuprüfen und zu konsolidieren". Herr Benesch kam aus Paris, und dort herrschen in manchen Kreisen ebensolche Gefühle. Z. B. warnt der reaktionäre „GauloiS", wie wir in Der „Köln. Ztg." lesen, Die französische Regierung, sie möge in Der Angelegenheit, Die sie am Montag eingeleitet habe, „recht vorsichtig" sein. Die große DeDeutung aber, Die Der nunmehr nackt enthüllte Annexionsplan Poincares für Die gesamte europäische Politik Der nächsten Wochen besitzt, kann Durch nichts abgeschwächt werden. Er leuchtet in Vergangenheit und Zukunft und wird in erster Linie hoffentlich das deutsche Volk auf Den Weg Der Einigkeit und Besonnenheit führen! Der neue Reichsernährungs- nrinister. ®Tfen (Ruhr), 1. Dez. (WTB.) Wie in Der heutigen Stadwerordnetenfitzung bekanntgegeben worden ist, ist Oberbürgermeister Dr. Luther zum ReichSernäh- rungSminister berufen worden. Die verunglückte Propagaudareife C'emenceaus^ Rach einer Meldung Der „Deutschen All- gem. Ztg." aus Reuyork hat Die amerikanische Regierung ClsmenceauS Vorhaben. vor den Seekadetten in Annapolis eine Rebe zu halten, untersagt. Wie das Blatt weiter schreibt. Dürften weitere Absagen aus Washington Clomenceaus Entschluß, fein amerikanisches Gastspiel erheblich abzukürzen, herbeigeführt haben. Eine neue brutale Sühne- forberung von Deutschland. Berlin, 2. Dez. (WTB.) Eine dem deutschen Botschafter in Paris überreichte Rote Der Botfchafterkonserenz Hal folgenden Wortlaut: Herr Botschafter! Die alliierten Regierungen hatten Oie deutsche Regierung durch ihre Rote vom 13 .Rovember ausgeforbert, brr mlüärifdiefi Kontrollkommission ihre Entschuldigungen wegen der Haltung ihr-r Staatsangehörigen ge;en Die Mitglieder dieser Kommission bei den Vorfällen in Stettin und Passau auszusprechen. Diese Entschuldigungen sollten bis spätestens zum 29. Rovember an die interalliierte militärische Kontrollkommission gerichtet werden, und an demselben Tage sollten schon die von der genannten* Kommission bei den alliierten Regierunien wegen dieser beiden Dorsälle geforderten Wiedergutmachungen und Sühnehandlungen bewilligt sein. Was den ersten Purkt betrifft, so hat die deutsche Regieru,rg, anstatt durch ihr Schreiben vom 16. Rovember der interalliierten militärischen Kontrollkommission ihre Entschuldigung auszusprechen, sich damit begnügt, derselben ihr De dauern auszucrücken, was nicht als hinreichend er-schrinen kann, da die deutschen Beamten für diese Vorfälle eine unmittelbar? Verantwortung tragen. In dieser Hinsicht müssen die alliierten Regierungen feststellen, daß sie keine Genugtuung erhalten haben. Wegen des Vorfalles in S t e 11 i n hat die deutsche Reg.erung sich durch ihre Rote vom 16. Rovember verpflichtet, der interalliierten Kontrolllommission D'e von den alliierten Regierungen für die Ausübung dieser Maßnahmen geforderte Gunugtuun; zu geben. Die interalliierte militärische Kontrolltommislion wird Der deutschen Regierung einerseits die Form bekanntgeben, worin die Entschuldigungen des Polizeipräsidenten von Stettin zu erfolgen haben, und andererseits die von der deutschen Regierung der interalliierten: Kontrollkommission zu leistenden Bürgschaften für Die beiden anderen Sübnehandlungen. Hinsichtlich deS Vorfalles von Passau hat sich der Bürgermeister dieser Stadt Damit begnügt, dem DistriltS- ausschuß in München fein Cö«Dauern auSzu- drücken, während die alliierten Regierungei unter 'Serufjng auf das Schreiben des Generals Rollet vom 30. Oktober Entschuldigung verlangt haben mit Dem Vorbehalt, daß Die Form und das Datum sowie die Bedingungen, unter Denen d ese Entschuldigungen in der Preise zu veröffentlichen feien, später bestimmt würden. In dieser Hinsicht ist die Erklärung der alliierten Regierung vom 13. Rovember keine Genugtuung geleistet, lleber- dies hat die deutsche Regierung durch ihr Schreiben vom 23. Rovember b.kanntgegeben, daß, wenn sie auch den Dataillonskommandeur abfleoit hätte, sie dagegen der Forderung nach Abberufung der Polizeibeamteu noch nicht entsprochen habe. Andererseits hat sich am 22. Rovember ein neuer Zwischenfall in Ingolstadt ereignet Die beiden alliiertem Offiziere, die schon das Opfer der Ausschreitungen in Passau hxiren, sind aufs neue von der Bevölkerung beschimpft und tätlich angegriffen sowie bei der Ausübung ihrer Aufträge behindert worden. Angesichts Der unzureichendem Genugtuung seitens der de Elchen Regierung wegen der Vorfälle in Stettin una Pas au, wie auch des neuen Falles in Ingolstadt und angesichts der unerläßlichen Rotwendigkeit, dem Wider-a id Der deutschem Behörden gegen Die Ausführung der militärischen Vertrag?brstimmungen e'n Ende zu machen, wie auch Die Mitglieder der i-tteralliie.ttn militärischem Komtrollko.nmis ion in der QIu .ücu g ihrer Tätigkeit zu stützen, haben die alliierten Regie ungen bestimmt, daß vor dem 10. Dezember 1922 1. von der deutschen Regierung die noch nicht gegebenen und oben in Erinnerung gebrachtem Genugtuungen auszuführen sind, 2. daß die betreffs des Vorfalles in Ingolstadt von der deutschem Regierung und von der interalliierten militärischen Kontrollkommission an ubietenden Wiedergutmachumgen und Sükneband umeen au!- Zufuhren sind, 3. daß der bayerische Ministerpräsident Der interailiier en militärischen Kontrollkommission schriftlich seine Entschuldigung für die Dor äl.'e i i Passau und Ingobst Stockheim, Durchfahren ber direkten Züge zwischen granffurt und Vilbel. 5. Bessere Verbindu. g nach Friedberg, schon mit Rücksicht auf die vielen Kriegsbeschädigtei'., die an das Versorgungsamt müssen. 6. Spätere tägliche Verbindung aus Gießen. Die Behörden, HandelZ- kaMmem, die Landtags- und ReichstagLabgeorb- neten, die Gemeinden und Bügermeister, unb die Vertreter beim Eisenbahnrat werden gebeten, die berechtigten Wünsche ber Bevölkerung energisch zu vertreten, damit auch die Bewopner des Landes und die Anlieger der Nebenbahnen za ihrem Recht kommen. Landkreis Gießen. gbg. ©rünberg, 1. Dez. Eine am Donnerstag abend Im unteren Rathaussaal abgehaltene Mieterversammlung, die aus allen DevölkerungSschichten zahlreich besucht war, nahm Stellung gegen die vom Gemeinderat getroffene Regelung der „gesetzlichen Mieten". Man war allgemein brr Ansllht, daß das K r e i s a m t als Aufsichtsbehörde dem Gemeinderatsbeschluß wegen Verstoße gegen das Leichsmietengesetz die Genehmigung versagen werde, beantragte aber doch noch einmal einen besonderen Ausschuß mit Einteguna eines Einspruchs beim Kreisamt. 3n der Aussprache wurde u. a. die unzulängliche Art unb Weise der Wohnungsbeschilagnahme einer scharfen Kritik unterzogen. Weiter soll eine gerechtere Verteilung des Wafsergeldes angeftrebt werden. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim, 1. Dez. Bis zum 30. November betrug der Gesamtbesuch 40 348 Personen. Winter-Notstandshilse von Reich, Staat und Gemeinde. Die bisherigen Leistungen der Stadt (Niesten. An alle, die in unseres Wirtschaftslebens totltten Schwankungen noch nickt unter die Räder gekommen sind, ergeht heute der Ruf, denen z u helfen, die ein weniger glückliches Los gezogen haben, unb burch freiwillig gebrachte Opfer die Fürsorge von Reich, Staat unb Stadt für die am schwersten gletroffencfi Opfer der Bevölkerungsumschichtung zu ergänzen! Es wird in dieser Stunde vielfach ber Wunsch bestehen, zu wissen, was Reich, Staat unb Gemeinde bereits getan haben. Die Stadt Gießen hat aus eigenen Mitteln 815 000 Mk. bewilligt. Hiervon sind 135 000 Mark für Zwecke der Sonderfürsorge für Kapital- unb Sozialrentner abgezweigt worden. Der Rest von 680000 Mark hat zur allgemeinen Fürsorge für alle übrigen Minderbemittelten gedient. 1700 Personen haben je 400 Mark erhalten. Bei Familien wurde jedes Familienmitglied als besondere Person gerechnet. Grundsätzlich wurden diese Beträge als Darlehen gegeben, das in monatlichen Raten bis zum 1. Mai 1923 zurüchuzahlen ist. Die bedurs- ttgen Schwerkriegsbeschädigten und Kriegerhinter- bllebenen, zusammen 870 Personen, haben den Betrag aber unter Verzicht auf Rückerstattung erhallen. Es sind 332 000 Mark mit und 348 000 Mark ohne Rückerstattungspslickt ausgegeben worden. Ferner hatte die Stadt Gießen es übernommen, die Bevölkerung in großem Umfange mit billigem Holz zu beliefern. Rach den Bestimmungen des Hessischen Ministeriums für Arbeit unb Wirtschaft vom 1. November 1921 ist die Stadt Gießen bei 1280 Hektar Wakbbesih verpflichtet, 640 Festmeter = 1050 Raamm'-e.' Brennholz an d'.e wirtschaftlich schwache Bevölkerung zu ermäßigtem Preise abzugeben. Die Stadt hat aber rund 31 000 Ztr., also bas Dreifache, dem stäbtischen Brennstoffamt zu diesem Zwecke überwiesen. Das von ber Stadt hierbei gebrachte geldliche Opfer beträgt mehr als eine Million Mark. Der Abgabepreis betrug bis 1. August 1922 für geschnittenes Hartholz 20 Mk. für den Zentneu und für geschnittenes Weichhvlz 18 Mk. für den Zentner. Ausgegeben wurden von Mitte 3anu ir bis 1. August 1922 rund 41 000 Zentner. Das Holz wurde in kleineren Mengen bis zur Höchstmenge von 20 Zentner an die Verbraucher abgegeben, rund 21000 Zentner an die allgemeine Bevölkerung ohne Prüfung der Bedürftigkeit, rund 2000 Zentner an das Wohlfahrtsamt für Stadtarme, rund 7700 Zentner an Schwerkriegsbeschädigte, rund 4300 Zentner an Kriegerhinterbliebene. Darüber hinaus sind in letzter Zeit noch 5000 Zentner für 140 Mk. an die allgemeine Bevölkerung ausgegeben worden. Die Schwerkriegsbeilyaotgren urift Kriegerhinterbliebenen haben an bet Holzverteilung im Laufe des Sommers teilgenom- men, so daß sie sich einen Wintervorrat sichern konnten. Hede Familie hat ebenfalls 20 Zentner erhalten. Aus den Mitteln der sozialen Fürsorge, die zu 8/ip vom Reich, zu Vio vom Staat und zu Via von der Stadt aufgebracht werden, erhalten' die Bedürftigen unter den Kriegsopfern auf besonderes Gesuch in dringenden Fällen Winter- beihilfen. Die hierfür zu Gebote stehenden Mittel betragen jedoch nur 170 000 Mk., so daß nur 150 Mark auf den Kopf entfallen sind und ein großes Gewicht auf diese Hilfeleistung leider nicht gelegt werden kann, überdies formen die Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen Vorschüsse auf ihre Teuerungszulagen erhalten. Man rechnet von feiten des Reiches darauf, daß bei der fortdauernden Erhöhung bei1 Bezüge und den häufigen Nach'.ahlungen die schließliche Abgeltung dieser Vorschüsse nicht besonders schwer fallen kann. Städtischerseits wird diese Versorgung als ungenügend angesehen. Aus diesem ©runbe-bat man oie Kriegsopfer bei der städtischen Winterhilfe durch den erwähnten Derzichtauf Rück- erftattung bevorrechtet. Ferner wurden von feiten der Stadt verbilligte Braunkohlen- Briketts zur Verfügung gestellt. Es erhält jede Familie etwa 4 Ztr. zum Preise von je 325 Mk. Für die Rentner der Sozialversicherung hatte das Reich zur Winterhilfe eine Milliarde zur Verfügung gestellt, unter bet Bedingung, daß Länder oder ©emeinben oder beide zusammen Vs aus ihren eigenen Mitteln beifteuern. Für die Stadt Gießen beträgt das vom Reich Geleistete hiernach 505 566 Mk. Hierzu kommen Äs Anteil des Staates 50 557 Mk. und der Stadt Gießen 50 536 Mk. Es standen somll 606 679 Mk. zur Verfügung. Hieraus erhält jeder, der sich in lec k< f- nden Fürsorge fuiSozialrentner bei der Stadt befindet, zur Beschaffung von Winterbedarf für sich und für jede zu seinem Haushall unverbürgte P-epvn einen Gutschein über 400 Mk., den er bei hiesigen Geschäften in Zahlung geben kann. Der Rest der Mittel wird an die Änterstützu -gäempfä ger als Zusatz'mterfiützung in bar ausgezaylt. E-: wurden ferner an jeden Empfänger der Sozialrentnerfürsorge 14 Zentner Brennholz unentgeltlich ausgegeben. Dieses Holz (insgesamt 2700 Zentner) stammt aus auswärtigen Waldungen und ist in den oben aufgeführten 41000 Zentnern nicht enthalten. Außerdem hat jeder noch im Oktober zwei Zentner Braunkohlen- Briketts unentgeltlich erhalten. Für die Kapitalkleinrentner hatte das Reich auf die Zeit vom 1. April bis 30. September 1922 450 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Diese Mittel wurden unter der Bedingung gegeben, daß die Länder sich mit Vs un5 die Gemeinden mit 1 6 an den Kosten beteiligten. Auf Gießen ftab folgende Beträge entfallen: Aus Reichsmitteln 253 680 Mk. Aus Landesmitteln 169 120 Mk. Aus städtischen Mitteln 84 560 Mk. Zusammen 507 360 Mk. Diese erst nach Ablauf der Zeit, für die sie bestimmt war, ausgeschüttete Summe wurde zur Winterhilfe bestimmt. Den Äler.trentnern, die sich in saufender Fürsorge bei ber Stadt befinden, wurde tm Oktober ber fünffache Betrag einer Monatszuwendung, und am 1. November nochmals der einfache Betrag einer Mo» natszuwevdung über diese hinaus gezahlt. Diese leh'grncmnte Maßnahme wiederholt sich am 1. Dezember und am 1. Januar. Diese Winterbeihilfen werden im Gegensatz zu den lausenden Beihilfen, die als Darlehen gegeben werden, unter Verzicht auf Rückgewähr aus dem bereinftigen Nachlaß des Rentners gezahlt. 3m August 1922 konnten an 210 Kleinrentner, also nicht nur an die, die sich in kmfenbe Fürsorge begehen: haben — es sind dies zur Zell etwa 35 —. je 10 Zentner Brennholz zum Preise von je 37 Mk. ausgegeben werden. Ferner wurden im November 156 Kleinrentner mit: je 4 Zentner Kohlen bedacht. Der Preis betrug für Braunkohlen-Briketts 20 Mark, für Eifvom-DrikettZ 33 Mark und für Anthrazit-Kohlen 40 Mk. der Zentner. Die Hölz- und Kohlenlieserung wurde o h n e R e i ch s- unö Landesmittel durchzeführt. Die Eindickung der Kleinrentner mit Lebensmitteln wurde dadurch erleichtert, daß man sich die Forderung der Lebensmittelverkaufsstelle angelegen sein lieb, die die hiesige Ortsgrupve des Deutschen Rentner- bunbed selbständig gesch. f'en hat. Man Hai ihr aus Mitteln der Rentnerfürsorge bisher insgesamt 60 000 Mk. als unverzinsliches Darlehen gewährt. Mit 10 000 Mk. wurde in gleicher Weise die Abteilung ^Bienenkorb" des Alice-Frauenvereins unterstützt, die Bedürftigen, insbesondere auch Rentnerinnen, weiblich-e Handarbeiten vermittelt und ihnen dadurch einen angemessenen Verdienst vevscheftt. Daß endlich in der [tefigen Gastwirtschaft „Zum Haberkasten" nachmittags und abends ein Raum ohne Verzehrzwang aus Mitteln der Rentnerfürsorge dauernd geheizt unb beleuchtet erhalten wird, war kürzlich in den Zeitungen zu lesen. Die Kriegsopfer und die Sozial- unb Kapital« fieinrentner stellen heute diejenigen Gesellschaftsschichten dar, die vorzugsweise der Hilfe bedürfen. Indessen gibt es noch eine ganze große AnzahS Angehörige des früheren Mittelstandes, die heute völlig mittellos sind. Sie zählen nicht zu den Kriegsopfern im engeren Sinne. Sie sind nicht in der Sozialversicherung gewesen, sie besitzen keinerlei Vermögen und können deshalb auch nicht zu den Kapitalllein- rentnern gezählt werden. Entweder haben sie ihre kleinen Ersparnifse in den Zeiten der Kriegsnot aufgebraucht ober sie sind bisher durch Die Fürsorge o^n Angehörigen erhalten worden, eine Fürsorge, zu ber diese jetzt vielfach nicht mehr imstande sind. Es sind Familien und Einzelpersönlichkeiten, deren Lage unb Schicksal dem ber Kleinrentner durchaus gleicht, die aber nach den vvnl Reiche ausgegebenen Richtlinien nicht dazu gerechnet werden können. Für sie können infolgedessen die Mittel des Reichs und des ßanbed nicht verwendet werden. Es ist das Bestreben des städtischen Wohlfahrtsamtes, auch diese Kreise nicht der öffentlichen Armenfür- sorge anheimfallen zu lassen und ihnen solange als irgend möglich Mit geeigneter vorbeugender Hilfe zur Seite zu stehen. Was die Winterhilfe insbesondere anlangt, so sind sie in die eingangs erwähnte Darlehenshilfe tin- Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 8100, Frankfurt a. M. 8100—82ofc geipgen ©ürten. Ttan totrb ihnen die ‘Xttd- Gablung de - Darlehen« gegebeoensollS erlassen. Ferner bat man an 200 Personen dieser Kreise im Oktober und Rvvemter 5—8 Ar. Brennholz Mr je 45 Ttt abgegeben. Für die der össentlichen Armen- fürsorae unterstehenden Personen wird In der schon früher üblichen Weise gesorgt. Für sie Hal sich daS städtisch« Wohlfahrtsamt selbst mit Kohlen und Kartoffeln eingete.fi. 5« gibt hiervon In kleinen Mengen nach Mahgate de- Be- darfs au3 Derrn unter den sogenannten »Stadt« armen" sind leider viele, denen man gröbere Dorräte nicht in die Hände geben kann, ohne Gefahr z ulaufen, datz sie die Vorräte verlausen und da« G«ld für Zigaretten oder daS Kino verwenden. All diese Wahnahmen in ihrer Gesamtheit bedeuten eine starke Kräfteanspannung der öffentlichen Körperschaften, Reich. Staat und Gemeinde. Ganj besonder« sind es die Gemeinden, deren Finanzlage e« täglich schwieriger macht, den Wohliahrisau'gaten zu genügen, die jedermann gerade von ihnen zuerst ermattet. Aber die wesentliche Steu?rqu lle, die selbständige Einkommensteuer, ist den Gemeinden cibgeschniNen, die Leistungen de« Reich? au3 der Reichseinkommensteuer fliehen spärlich und langsam. und jede Verzögerung der Ueberweisunz lägt die überwiesenen Getdoeträge allmählich la nichts ^rinnen Troy dieser Lutersten Anspannung der Kräfte stehl da« Geleistete in keinem Verhältnis ru der tatsächlich herrschenden Rot. Die großen Zahlen verlieren ihren Rimbus, wenn man sich die Preise auch nur für ein Pfund Margarine oder Speisefett vergegenwärtigt. Dringend not tut daher die Hilfe eine« i eben Einzelnen, der noch Helsen tarnt, sei eS auch unter Opfern. Aus dem Amtsverkündigunststlatt. •• DaS Amtsverkündigungsblatt Rr. 120 vom 1. Dezember enthält: Verordnung, die Dampfkessel betreffend. — Mietei ni- gungsämter. — Einkommensteuer vom Arbeits- ^hn, hier: Ausstellung von Steuerbüchern. — Rothilfe Hessen: hier: Schulsammlung. — Ausstellung von Pässen und von Ausweisen zum Verkehr mit dem besehlen Gebiet. — Festsetzung des Wertes der Sachbezüge. — ßaufente Teue- '.ungSzuschüsse. — Tanzbelustigungen. — Hundesteuer. — Die staatliche Vetriebskranlenknsse für den Dvlksstaat Hessen. — Dienstnachrichlen. — Gefunden, verloren. Kirchliche Nachrichten. Edcmgel'sch« Gemeinden. Sieben. Sonntag, 3. Dez. (I Advent), ©tobt» klrche. 9'/,: Pfr Mahr,(hl.Abendm.) 117.: Kindert.d. Matthäusg.. 5: Psarrass. Becker. — Iohanneskirche. ü'7: Pfr. Bechtolsheimer (hl. Abendm.), 111 ,: Sun» derkirche d. Lukasg., 5: Pir Ausfeld. — Kirchberg. Dorm. 10, 11: hl. Abendm. f. Ruttershau'en. — Mainzlar. 17.. — Staufenberg. 17,. — Wtefeck. 10Gottesdienst, 77,: Adventsandacht. Katholische Gemeinden. Gießen. Eamst., 2. Dez. 5u. 8: Beicht. Sonnt. 3. Dez. 1. AdventSsonnt. 6‘ ,: Deicht. 7: Messe. Kom. d. Männer. 8: Kom. 9: Hochamt m.Pr. 11: Messe m. Pr. 2: Jüngl.-Kongregation. 57, :Christenl. u. And. Hungen. Sonnt. 8. — Laubach. 10. — Lichk.Gottesd. tottt DienSUrg. 12.: DeS Sfett Schalk«. ANLkovch. 13. Rachm. 4: Marchennachmittag für Kinder Abends 7*/,: Das Postamt. Der Engländer. vermischtes. Mord und Selbstmord. Berlin. 1. Dez. (Wolfs.) Rach der .Reuen Berliner Miltagszeituntz" tötete in einem Hotel in der Güten st ratze ein Bräutigam zuerst seine Braut und bann s! ch durch einen Re- volversc^ih. Die Polizei stellte fest, bah das An unsere Postbezieher. Der Bezugspreis im Dezember ist für den (Siebener Anzeiger auf 400 Mark festgesetzt worden. Die Post hat aber nur 125 Mark Bei freibleibendem Bezugspreis erhoben. ES str.d deshalb sowohl von den Beziehern des Giehener Anzeigers für den Monat Dezember als für daS 4. Vierteljahr 275 Martz nachzuzahlen. Wir bitten unsere sämtlichen Postbe-ieher rnn sofortige Einsendung dieses Mehrbetrages mittelst der heute beigefugten Zählkarte. Wird derRachzahinngSpflicht nicht rechtzeitig genügt, so stellt die Post die weitere Zustellung sp-testens cm 10. Dezember ein. Ellnxe Postbe-ieher^die die Rach- zahlung von 75 Mack für Rovember noch nicht gemistet haben, erhaben die Zeitung vom 5. Dezember ab nicht mehr. Verlag des (Siebener Anzeigers. —> " " ■ 1 1 Brautpaar, daS kurz vorher in dem Hotel ab- gefltegen toai, aus Bielefeld stammt. Lieder die ^lrsachr der Tal ist nichts beton nt. Ss hanoelt sich um bcn TcfchalrSr B 8 tnek ürtb die gletch^- altrige Braut Hartmann. Erne große Metollschiebrrno. Berlin, 1. Dez. (Wolfs 1 Rach der »Reuen Berliner Mittagszcitung" verschob in einem der bekanntesten deutschen Hüttenwerke in Duisburg ein mit her Braus ft ctzliguag Ars Metast- lagcrs betrauter Meister gemeinsam mit einem Klempner meist er den gesamten Metall - Vorrat des Werkes im Werte von rund sieben Millionen Mark. 3n die Angelegenheit sind mehrere angesehene Bürger Duisburg-, t>er- wickell. Aus der Fremdenlegion entkommen. Hamburg, 1. Lzz (WP) Mit dem Dampfer „(SuterfeLb" sind drei deutsche Fremdenkögi onä r e, die nach dreijähriger Dienstzeit von Algier nach Indvchina verseht werden sollten, hier ei.igetrofsen. 3m Suezkanal sprangen die drei über Bord des französischen Tiansportdamplers und wanderten nach Port Said, wo fte auf den Dampfer „Datenfeld" gelangten, der sie mit zur Heimat nahm. Spielplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 3. Dez.: Die Frau ohne Schatten. Montag. 4.: Königskinder. DienStag, 5 : Die Zauberslöte. Mittwoch, 6.: Doris Godunow. Donnerstag. 7.: Der Freischütz. Freitag, 8.: Der Barbier von Sevilla. Samstag, 9.: Kö- ntgskinder. Sonntag. 10.: Der Troubadour Montag, 11.: DoriS Godunow Dienstag 12.: Die Frau ohne Schatten. Mittwoch, 13.: Anelia ober Gin Ma-kenball- — Schauspielhaus. Sonntag, 3. Dez.: Rachm. 3XL. Ast-Heidelberg Abends 7’/2: Mohrenwäsche. Montag 4 : Die Weber. Dienstag, 5.: Heber unsere Kraft. Mittwoch 6.: Mohrenwäsche. Donnerstag. 7.: Des Gse s Schatten Freitag, 8.: Das Postamt. Der Engländer. Samstag. 9.: Mohrenwäsche. Sonntag. 10.; Rachm. 4: Märchennachmittag für Kinder Abends 7*/2: Der Geschlagene. Montag, 11.: Emilia Ga- Sanbel. Eine Anleihe der Provinz Oberbesfen. Gin DonkenkOnsorliunr bestehend ous der Darmstädter und Rativnatban: KoimnandUgrscll- schat t auf Aktien, der Handels- und Gewerbebank, Dietzen, der Dresdne' Bank m Frankfurt a. 'M, sowie den Firmen Ferdinand Hauck. Otto Hirlch u. Eo. und L u. E. W.'rlheimber, Fran^.lrf a. M., fcat eine Anleihr der Provinz Ober- Hessen ra Höhe von 30 000 CO. Ml. mit dem Aechte der Option auf weitere 70 000 000 Mar? übernommen. Die Anicihe i'f ?prozentig. zu 103 Prozent rückzahlbar und kömmt zum Kurse von 98 Prozent an den Mar 7: sie geniefn im ganzen Debtete des Deutschen Reiche? Mündetsicherheit. Der G^genwtrt der Anleihe bient zum Ausbau der Aeberlandanlage der Provinz ■ ■ l 1 10477D ein of. fetirrreigiveri > fl Smtebote u. 0109B9 an den Dietz. Auz. Für die Hinterbliebenen: Marie Peter geb. Belloff. Gießen (Gabelsbergerstraße 1), den 30. Nov. 1922. Die Beerdigung findet Montag, 4. Dezember, nachm. 37, Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs ans statt. Gärtnerei Dönges Maxtzttröer Str. 67. -Gärtner Gikmauu ftöVilrftBe 20 HL Gestern abend entschlief plötzlich und unerwartet unser herzensgutes Annchen hn zarten Alter von 14 Monaten. In tiefer Trauer: Fritz Adam und Frau Sophie geb. Janz nebst allen Angehörigen. Gießen, den 2. Dezember 1922. 010981 Die Beerdigung findet Montag nachmittag IV, Uhr statt Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Karl Peter,Schreiner im 59 Lebensjahr nach kurzem, aber schwerem, mit Eroßer Geduld ertragenem Leiden in ein besseres eben abzurufen. vllschrosen U. B-erenobst- »;-« MW Ms. Lochstämme sträncher z als Darlehen gegen . . , rietenkfidr. Sorten Sure Stcherhetl and hat abzngebcn oi.en ^mof. fedrnreisiver: Zinsen. ®d>r. Heule abend 7 Uhr verschied nach langem, schwerem, mit Geduld etttti teueiit Leiden meine liebe itrnu, unsere treusoraende Mittler, Sdjroi?nernmt:er, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante 1 «*D geb. Vanmanu im nahezu uoQcnbeien46.8c6end' ’°^r‘ Jru Namen der trauernden HinterbUebenen: Karl Horst und Kinder. (Sief;en (Hainmstr. 9), Bersrod, den 30. November 1922. Tic Beerdiaung findet Montag, den 4. Dezember, nachm. 2 Uhr. auf dem Neuen Krtedbos statt. Bekannt,nachnng, betr. Aenderung der Ortsfatzung über die Siebener Zabrmärkte vom 28. 2U>rik 1875. 2tuf Beschluh der Stadtverordnetem- Versammlung vom 15. September 1922, nacb CSnberuTi3 des Kreis ausschuffes und mti Genehmigung des Hess. Ministeriums 'ur Arbeit und Wirtschaft im Sinver- nehmen mit dem Ministerium des Günern vom 23. Oktober 1922 zu Rr. M. A. W. 24058 wird auf, Grund deS § 103 der hessischen Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung inVerbindungmitArt.15 und 199, der Städteordming die Ortssatzung über die Giehener Jahrmärkte vom 28. April 1875 wie folgt geändert: § 1. Der in dem Rachtraa zur Marktordnung für die Giehener Zahrmärkte vom 1. September 1921 festgesetzte Tarif für die Erhebung deS Standgeldes wird wie folgt geändert: Das Standgeld beträgt: a) auf den Krämermärtten. 1. für einen Stand bis zu 3 m Länge 10 Jt 2. , „ , über 3. e 20 . für jede weiteren angefangenen 25 Kilo 2 JH § 2. Das Standgeld betragt: a) für jeden Tag und jeden in Benutzung genommenen laufenden Meter Platz 5 , b) für den Verhaus von Markt- ?iegenftanben vom Wagen aus: Gr jeden Handwagen und jeden bespannten Wagen von weniger als 2 Meter Länge 10 „ für jeden bespannten Wagen von mehr als 2 Meter Länge . . 20 „ . § 8- . . . Diese Gebührenerhöhung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft. Dietzen, den 25. November 1922. ,6474B Der Oberbürgermeister. I. D.: Klingspor. Bekanntmachung. Zufolge Erhöhung der Kommunal- veibandSpreise für Mehl und der gestiegenen Unkosten Im Bäckereigewerbe werden unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 18. August 1922 folgende Höchstpreise für auf Brotmarken abzugebende Backwaren gemäh Beschluh der städtischen LebenSmitteldeputation vom 1. Dezember 1922 mir Wirkung vom 4. Dezember 1922 festgesetzt: Brot . . . . Mk. 242.—f.1900 Gramm Brötchen ...» 9.—. 50 „ Weizenbrotmehl „ 80 —n 500 Roggenbrvtmehl „ 76.—. 500 Beim Kauf von Mehl sind Düten oder Defätze mitzubringen, andernfalls der Verkäufer für Stellen von Düten einen Zuschlag von 5g/e für jedes Pfund berechnen darf. Die Brotmarken Rr. 48 können noch bis einschlietzlich DierrStag, den 5. Dezember 1922 zum alten Preis von den Bäckereien beliefert werden. Die Bäcker haben die eingegangenen Marken Mittwoch, den 6. Dezember 1922, vormittags, an daS Lebensmittelamt ab- zullefern. 10482B Gießen, den 1. Dezember 1922. Der Oberbürgermeister (LebenSmittelamt). 3. 03.: Dr. Seid. Srenfi! h. mifm erhalten uncutgeltL M B. ÜDSlBüft In ReofatinnBeleian- helten im alten Nathans Httktirtetx 14 Mittwoch nachm. 0. 61/!—8 Uhr. *,sc Dame Dr. uhII. ektmAiiSläiidkN -knA.Uuttrrilhl Zchr. Ang. u. 010900 an den Äietz. An». Wachstuche Bettvorlagen Tischdecken In aanz besonders großer Auswahl zu mäßigen Preisen. VMzm Saionron, OleBen, Seholstr. Asthma f. l.enoo lö Doch. 05» bkiltw.Lvrech't.d.n. mein. Serfnbr. lachl. geb.Ar^k.in (Sictzcu, vabnbofSbot.Lenz jed.Montag 0.10—l Ubr. Dr.®et.Alberti Berlin SW 11, Spei.- Arit tfir Asthrnletä. Korsetten Ein Posten In verschied. einzelnen Weiten. [lCB46c Stück 500 Mk i MsdehaBS Salomon I Bl;8e» Sehulstr. Oberhesfen. Wir verweisen auf die heuttge Anzeige. ♦ Frankfurt a. M.. 1. Dez. Börsen- stimmungSbild. Dollarkur« 7600, 7400. 7200. Am Devisenmarkt machte sich eine schwächere Haltung bemerkbar. ÄuSlanbrenten lagen ruhig. Am öffeftemnartt vollzog sich die Kursbewegung recht unregelmähiy. da sich verschiedentlich Ab- gaoeneigung etirflclltc. Fest lagen wieder verschiedene Spezia (werte 5eS Kassa-Jndustriemark- tcS Am Montanmarkt war das Geschäft ruhiger. Tine bemerkenswerte Schwäche zeigten Oberbedarf, WanncSmann und Gelsenkirchener. Maschinen- und Metallwerte unterlagen Schwankungen. Lhe» mische Alkien waren behaupte:. Zuckeraktiea »eft. Der Dollar wurde gegen 1 lllhr 7300 genannt. Börsenkurse. f^rnnffurt a. M. Berlin Schluß- S hluh* Schlutz» Änr» Äurt Run Rur« Datum: 29 11. 1.12. 29.11. 1.12. 07° Disch stketchsanlethe 7^50 78.50 80.75 80.75 47° Tctalcidjcn 350,- 301- 58\- .880,- 87,7° 1-ergldcben SW,- 280,— 26 .- 200.- 3 . 4 crqk’idjcii 870,- 900,- «MX- U’W - Ttf'd.Toar-'krdm.-Anl. 150. - 170 — KM.— 160,— t , Prennil'chc Kotisol« HO - 141- 14150 137,- 4°-., Hellen 90,- 00 - 3'/,7, Hessen 95.- 120,- -,— -,- S»/. Hessen......... 114 75 101- 1M.- <7, Zolllürken..... 61"A- 575a-5’.tti,- 80872W °7o Goldmerikaner 94500.-MOO L-94100 -8N"V.- Sertiner Hondelsgel . 11500,- 14001- 1250Q,- 12601- GoihinerA: it. Piivotdk 204 21,— 1650,— 1675,— Cciierr. liTcbimnünU 1J30.— IHM — 1250,— 1261— Bochumer Guy .... 15300,- 15*150,-1 f^75,— Buderus (5700.- 6670,- (itvQ, - 71tk'-,- (5nro Sfm- 8R2fl,- - M00. - Detttsch-Lnrembttra. . 15500,-17250,-16000,—l6-X50. — G-clfevkt rchencr Bergw225uü—L2^un —220en 72->»— 7.SOO,— 7301,— 74^0 - Calimer?Reifere,iehi 50a-17201—ITtriTl—I72y\- J'ioetnimgl........V, 000, -1 f? > >0,—14^(Y), -17500, - »ticberf l'ionlnn . . . 2^)000. —33.501—30000,-32250,— TcUuS Bergbau. . . . 3500,— 3935,— —,— —,— '•?umü;‘ii:enl>oerkHeidelderg 4700,— 5000,— —,— — Ptziitvo Holmtanu . . . 5475— —.T’OO,— 5.850.— ^nnff’-eont.-mnärto. . . 1150st-E'0,-i:M4),-1 .Ml— Badische Slniliu 8750,— 9000.— 8800.— f)2TO,— L>,— Ocnltnrnflacbt......3 0).- MO — — Meauin 4300 - 40JO,- 3900,- 46(KX- SW»la4tqe». Tjrtenffnrt. 14300, -140t*0. — —, — —>— Stiuhiabrl? Her,. . 1030 - 1«JÜ- Bichel 3473 — 3290,- -,- cOitoff Vakübof . . 10500,-lO'XM,- 10309, 10500,- c?erfabv.TIrn.ifcti'b .f6290 — 6703,— — ZnckermbrikWaa .auleltttOO,- 7200,- -,- Derl'mer PrsdnktenmarkL Berlin, 1. Dez. Weizen, märtischen 14 800 biS 15 000 Mk. (still). Roggen, märkischen 13 300 bis 13000 Mk. inbaetchwäch!). Sommergerste 13000 bis 12 000 Mk. (ruhig), Hafer, märkifchen 14000 bts 13 830 Mk. (abgeschwächl), Mais, La Plata, loco Brrlin 15 500—15 200 Mk. (ruhig). Weizenmehl (100 Kg.) 39 000- 43 000 Mk. (unverändert). Rogg:nmehl (100 Kg.) 34000—37 000 Mk. (unverändert), Weizentleie 7400-760-0 Mk. (kaum be- f-auptetl, RoggcTckleie 7400—7600 Mk. (kaum behauptet). Raps 24 000-25 000 Mk. (behauptet). Leinsaat 26 000—27 003 Mk., Biktorinerbsen 23 000 bis 24000 Mk., Futtererbsen 17 000-18 000 Mk., Peluschken 15 000—16 003 Mk., Ackerbohnen 19 003 3. „ „ überbauten Stand bis zu 3 m Länge 15 4. , „ überbauten Stand über 3 m Länge 30 „ 5. „ „ Sack Zwiebeln, eine Last Leinentuch u. dergleichen 3 w 6. w Karussells, Panoramen und dergleichen für den kfd. Mtr. 20 „ b) auf den Diehmärkten. 1. für ein Pserd 25 Jl 2. , „ Sohlen 10 H 3. „ einen Ochsen, eine Kuh oder ein Rind 15 „ 4. „ ein Schwein IO w 5. „ „ Kalb 8 „ 6. „ , Ferkel 5 w § 2 (104738 Dieser Rachtrag tritt mit dem auf seine Verkündigung folgenden Tag in Kraft. Giehen, den 24."Rovember 1922. Der Oberbürgermeister. S.B Klingspor. Bekanntmachung, betr. Aenderung der Ortssatzung über den Markttarif der Stadt Grehen vom 8. Februar 1921. Auf Beschluß der Stadtverordneten' Versammlung vom 15. September 1922 nach Anhörung des Kreisausschusfes und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums für.3rbdt und Wirtschaft im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern vom 23 Oktober 1922 zu Nr. M. A. W. 24059 wird auf Grund des § 103 der hessischen Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung in Verbindung mit Artikel 15 und 199 der Städteordnung die Ortssatzung über den Markttarif der Stadt Giehen vom 8. Februar 1921 hinsichtlich der Gebühren- sätze tote folgt, geändert: 8 i- A. Für das Verwiegen von Butter: für je 5 Kilo 2 J( B. Für bas Verwiegen von Kartoffeln, Obst u.sonstigenMarhtgegenstänben: a) für Kartoffeln in Mengen bis p 25 Kilo 2 M rede weiteren an gefangenen 2SKilo 1 , b) für Obst und sonstige Marktgeaen. stände in Mengen bis zu 25 Kilo 5 , bis 21 000 TBL. Lupinen, Mau 16 000—17 000 ML. ttdb 17 000-18000 ML. Serabella, alt 30 000 M* 36 000 ML. Rapskuchen 9000—9300 ML. Trocken- schnitzel 6200—6300 ML, Kartoffeln, weihe 450 bis 470 ML, gelbe 550 Mk Rauhfutter: Weizen- und Roggenstroh. drahtgeb. 5600 -530? ML. Hascr- strvh. drahtgeprehl 5600—5803 ML. Skroh, strvh- seilaebündelt 5600—5800 ML, Diesen Heu gut, gesund und trocken, Bormahd 3900—4000 ML, Rachmahd 3500—360? ML (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg ) Mainzer Produklen-Dörse. Mainz, 1. Dez. Bei fester Tendenz notier» ten auf der heutigen Börse im Grobhandel per 100 Kilo loco Mainz: Weizen 28 503—30 000. Roggen 23 500—25 500, tnl. Hafer 27000 - 30 030* audl Hafer 33 750—35 000, Braugerste 23 500 $5 500. Weizenmehl 0 48 000—52 000. Roggenmchl 39 000 bis 42 000, La-Plata-Mais 33 COO-36 000, Wei- zenkleie und Roggenkleie 14 000—15 000, W«zen- futtermchl 18 500—20 OOO alte ital. Luzerne 160000 bis 200 000, neue ital. Luzerne 250 000—300000, ital. Rotklee 300030—370 OOO, Ssparsetie 80 000 bis 100 000 Kartoffeln (GrohhandelseinstandSpreiö) 1350—1400, weihe Bohnen 47 000 -49 000, Linsen 60 000—65 000, Hafe^flocken 56 000, Graupen 49000. Mark. (In einem Teil der Auslage wiederholt.) Französische Dorbetrachttingen zn den Londoner Derattmgen. Paris, 1. Dez. (WTD.) Der Londoner Berichterstatter deS „Petil Parisien" schreibt über die bevorstehenden Londoner Beratungen zur Regelung der ReparattonSfrage: Sonar Law sei bekanntlich ein entsprossener Gegner improvisierter Lösungen. Gs würde deshalb nicht über- laschend fein, wenn er ein Moratorium von kurzer Dauer vorfchla^eir würde, damit die alliierten Sachverständigen in ehr neues Studium der Reparationssraaen etntreten und ihren Regierungen die Grunolage für eine solide (Erörterung liefern könnten, bevor eine endgültige Gnt- sch.-rdung getroffen werden könnte. Wenn der Beiid)'.erstatter ähnlichen Gnthilllungen, die er von autorisierten Kreisen erhalten hat, Glauben schenken kann, so hat das britische Kabinett an ein Moratorium von 2Monaten gedacht. Paris, 1. «Sex. (WTB.) Der Staird der interalliierten Politik in der Reparationsfrage unmittelbar vor dem Beginn der Londoner Vorberatungen zur Brüsseler Konjerenz wird von dem „Goumee Industrielle" wie folgt beurteilt: Die Haltung ter englis che n Regierung gegenüber ter Reparationssrage und dem franzöNfchen Plan, ter den alliierten Ministern unterorettet werden soll, föntet sich in rech! einfacher Form an: Ausgesprochener Wunsch, sich solidarisch zu Verbinden, aber Feststellung umsonst gewährter Giotzmut. Unter diesen Lim ständen wird Frankreich vor den gleichen Hindernissen stehen wie vorher. Was die Streichung der Schuld den anbelrifft, so wird England ihm noch einmal antworten: ,.3a. aber unter ter Bedingung, dah die Vereiniaten Staaten meine Schulten befd* ttgen." In ter Anleibefrage wirb Gngland gleichfalls sagen: „3a, aber unter ter Bedingung «roch einmal, dah die Vereinigten Staaten meinen Hauptanteil auf ihre Kappe nehmen " Was dasselbe heisten wolle, als ob man Frankreich sage: „3d) bin nicht in ter Lage, großmütige Ge- schmke zu machen, aber tvaS ich mit Durer Hilfe b. i Amerika getoinne, daS will ich auf ter teut- fchrn Seite wieder erstatten." Können uns 'Belgien und Italien aus dieser Sackgasse herauS- brifen? Belgien kann nur daS Zünglein an ter Wage fein. Italien wird sich vielleicht mit uns solidarisch erklären. Ater feiner von betten kann uns zweckentsprechende Llnterstützung leisten, um die Gin>elheiten einer Regelung festzusetzen. Sie haben bette nicht die Möglichkeit, die Frage an sich zu lösen, die eine Geldfrage, eine Frage finanzieller Solidarität ist. Immer daran denken must die praktische Hausfrau, bas; es znm ftchben von Klctbern, Blusen, Gardinen uhö. nichts BesiereS nibt, als die welibe- rühmten „Heitmanu'S rarben", Marke ^^uchSkopf im Tteru". ß 73bs 77„ig« reichsmündelsichere Anleihe der Provinz Oberhessen vom Jahre 1922 rückzahlbar zu 103% in 12 Jahren ab 1. Dezember 1925. Die Provinz Oberhessen hat durch die hessische Regierung die Ermächtigung erhalten, zum vollständigen Ausbau ihrer elektrischen Ueberlandanlage und zur Nutzbarmachung der in der Provinz vorhandenen Wasserkräfte eine Anleihe von 100 Millionen Mark aufzunehmen durch Ausgabe von auf den Inhaber lautenden Teilschuldverschreibungen, die in Stücken von Mk. 50000.—, Mk. 20000.—, Mk. 10000.—, Mk. 5000.—, Mk. 2000 — und Mk 1000 — ausgestellt und mit Iuni/Dezember-ginsscheinen versehen sind, deren erster am 1. Juni 1923 fällig wird. Die Provinz Oberhessen hat die Derpflichtuno übernommen, allenfallsigen späteren Anleihen keine besseren Rechte als der gegenwärtigen Anleihe einzuräumen. Die elektrische Ueberlandanlage der Provinz Oberhessen bezieht ihren Strom vorzugsweise aus dem staatlichen Kraftwerk Wölfersheim; sie besitzt eine Monopolstellung insofern, als das staatliche Kraftwerk Strom nur an die Provinz abgeben darf. Zur Ergänzung und als Reserve baut die Provin, zur Zeit in einem eigenen Wasserkraftwerk die Wasserkräfte der Nidder und des Hillersbaches aus. Das Derforgungsgebiet der Provinzial-Ueberlandanlage umfaßt die ganze Provinz Oberhessen; angeschlossen sind bis jetzt 280 Städte und Land, gemeinden; etwa 70 Gemeinden sind noch anzuschließen. Mit 52 großen und größeren industriellen Betrieben sind besondere Lieferungsverträge abgeschlossen Die Provinz besitzt hinsichtlich der Festsetzung des Strompreises unbedingte Tarifhoheit, so daß die Rentabilität der Anlage und planmäßige Tilgung der Anleihe gesichert sind. Kraft des Provinzialverwaltungsgesetzes ist die Provinz außerdem befugt, Fehlbeträge im Umlageoerfahren auszuschlagen. Die Anleihe erstreckt sich zunächst auf einen Betrag von Mk. 30 000 000.— und kann bis zu einer Höhe von Mk. 100 000 000.- ausgegeben werden. Der Verkaufspreis beträgt 98 Prozent Zuzüglich Schlußnotenstempel und Stückzinsen vom 1. Dezember 1922. Zwischenscheine sind nicht vorgesehen, beschleunigt werden. 1 Die Fertigstellung der Stücke wird tunlichst Gießen, den 1. Dezember 1922. 10468D mieten 10483h Licbigstr. 64 v., r. Eiserne (010971 taufen 010963 Eine otöentnue Adolf Beat Katharinen lasse 14. Erich Beyer Juwelier, Gießen, Bahnhofstraße l. »i«d Haus Mi kaufen gesucht. 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Stenographie. Wir beginnen am Dienstag, d.b.Dez. d. I.» abds. 8 Uhr, in der BezirkSfchule an der Weitanlage einen Anfänger- Unterricht für Damen und Herren. DaS NnterrichtS- geld beträgt 500 Mk. auoschliehlich Lernmittel. lv,,JV Anmeldungen au Beginn des Unter- rich'S ober an den L'^orütjenbenycrrn Stadtoberlekretär KarlRettz.g/orb* anlage 19, erbeten. Der Vorstand des Stenvgraphen- DereinS „Stol-e- Schretz- e. D. Bncheu- Bohlen sowie Rnndholz aller Art tauft O. Faber 22 Mühlftrafee 22 T le vH. 1090. Ankauf von ornai ollem @oio ooo Siioet zn Tagespreisen Karl Weller Uhrmacher, tileßen, Nitteraaffe 11. m. 284 Zweites Blatt Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 1. Dez. > Das 6tabfParlament fand heute nach seiner langen Siyungspause ein außerordentlich reiches Arbeitspensum vor. Die öffentliche Tagesordnung wies allein 34 Beratung-- punkte auf. Meist handelte es sich dabei allerdings um Vorlagen, die schnell erledigt werden konnten, deren finanzieller Effekt aber keineswegs von untergeordneter Bedeutung ist. Don besonderer Wichtigkeit waren die ersten Beschlüste zur Ausführung des Reichsmietengesetzes, die Zustimmung zu einer neuen Anlage im Gas - und Wasserwerk und die sozialen Dorla g e n. 3n der Reichsmietengesetzausführung folgte die Mehrheit des Hauses erfreulicherweise dem Dorschlage der Derwaltung. der auf die größtmöglichste Ersparnis abzielt. Man kann diesem Beschluß nur beipflichten, denn eS ist wirklich nicht, nötig, immer gleich einen Apparat au schaffen, dessen Kosten ins Ungemessene gehen. Daß man für die sozialen Aufgaben wieder eine offene Hand gehabt hat. wird man in der Bürgerschaft allenthalben mit Genugtuung aufnehmen. Aber über diese Fürsorge der Derwaltung hinaus muß sich auch weiterhin die private Gebe- f r e u d l g k e i t kräftig regen, denn die Rot vieler Mitbürger ist groß und sie wächst mit jedem Tage. Hier ist Opfern Pflicht! Möge die Derwaltung auf dem guten Wege der umfassendsten Sozialfürsorge rüstig fort- schreltenl Eine „WeihnachtSfreude". die man in weiten Kreisen der Bürgerschaft wohl mit gemischten Gefühlen aufnehmen wirb, st »ll.e der Oberbürgermeister für die nächste StZüng in Gestalt neuer Steuervorlagen in Aussicht. Wie die Vorschläge im einzelnen aussehen werden, entzieht sich 6*3 zur Stunde unserer Kenntnis, aber gewiß ist. daß recht ansehnliche Summen aufgebracht werden müssen. Daß der Oberbürgermeister seiner An-> kündigung der Reubelastungen gleich die Auf- sorderung zur strengsten Ausgabenbeschränkung beifügte, bringt einen freundlichen Klang in die herbe Steuermusik. Angenehm berührte es jedenfalls, daß heute schon bei Wünschen, die Reuausgaben verursacht hätten, die vom Sparsamkeitswillen diktierte Opposition des Stadtoberhauptes zum Ausdruck kam und eiu warmes Echo im Kollegium auslöste. Hoffen wir. daß diese Opposition an- hält und sich überall, wo es nötig ist, recht stark geltend macht. Damit die trockene Beratungsarbeil mal durch einen anderen Ton gefärbt werde, spielte der Stadw. Mann ein wenig auf der politischen Fiedel und sang ein Loblied auf die gänzlich unpolitische, keiner Partei dienende „Darmstädter Zeitung" dazu! Das im sozialistischen Fahrwasser schwimmende Darmstädter Regierungsblatt unpolitisch und überparteilich? Aber, aber! Wie wird man sich in der Redaktion der „Darmstädter" über diese Gießener Entdeckung — wundern! SitzungSverlauf. Anwesend sind Oberbürgermeister Keller, Bürgermeister K r e n z i e n. die Beigeordneten Dr. Seid. Dr. Frey. Dc. Rosenberg, K l i n g s p o r und 27 Stadtverordnete. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellt Stadw. Mann den Antrag, zwei Vorlagen der nichtöffentlichen Sitzung öffentlich zu verhandeln. Zur Devatung dieses Antrages schließt der Vorsitzende für kurze Zeit die Oeffentlichkeit aus. Der Antrag hat offensichtlich nicht den vom Antragsteller gewünschten Erfolg gehabt, denn die öffentliche Tagesordnung wird in unveränderter Form erledigt. Rach Wiederherstelluna der Oeffentlichkeit geht das Haus an die reichhaltige Tagesordnung. Stadtv. Aug. Schwan wird vom Vorsitzenden in das Amt emgeführt und in üblicher Weise verpflichtet Die Herrveghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von L t e s b e t Dill. 51. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) „Warum haben Sie sich denn über die Verwendung Ihres Geldes nicht mit Herrn von Herwegh selbst verständigt?" fragte die ruhige Stimme des Vorsitzenden. Die Augen der Witwe begannen zu funkeln. „Weil er nie da war!" rief sie. „Wenn man ihn mal zu fassen kriegte, hatte er schon den Reisemantel an und den Fuß auf dem Trittbrett vom Wagen. Einmal hatte ich ihn im Hausflur erwischt, aber er hatte kaum zugehöN. „Das be- fpicdym Sie ebensogut mit Herrn Gimpel." Ja. Prost. Der ließ einen antichambrieren, der Hund durste nicht mal mit herein. Einmal hatte ihm jemand auf den Fuß getreten, daß er lange lahm ging — ich meine den Hund, well ich ihn braufien anbinden muhte. Der hatte ja gar keine Manieren, aber Herr Herwegh war immer höflich, er war freundlich gegen Mensch und Tier, und der Hund durste aufs Sofa. Er war auch gegen die Vivisektion." Der Vorsitzende durchblätterte ein Aktenstück, das ihm der zweite Vorsitzende hinreichte. „6ie haben also Herrn Gimpel Vorwürfe gemacht, daß er Ihr Geld nicht sicher genug anlegte, und ihn beauftragt, rheinische Industrie- Papiere zu nehmen. Warum sollten es denn keine Eppcnhausener sein?" „Aber die hat er doch nur mir zum Tort genommen," sagte die Witwe, der es unbegreiflich schien, daß ein* Richter das nicht verstehen konnte. „Diese ganzen Machinationen waren nur ein Gaunerstück von Gimpel. Er hat mich Somit hcreinlegen wollen, das ist doch klar, denn die Fabrik stand damals fdjon wacklig, und als ich es hörte, fuhr ich gleich aus Schlangenbad hierher." Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Wohnhauskolonie der Baugenossenschaft. Der Umwandlung der Baukostenvorschüsse für die DohnhauZkolonie der Baugenossenschaft an der Licher Straße in eine hypothekarisch zu sichernde Anleihe stimmt die Versammlung glatt zu. Es handelt sich dabei um eine Summe von rund 2 050 000 QEL Der Beitrag zu den Kosten her Forst- derwa(t u ng für das Jahr 1921, den die Stadt als Gehalts- anteil für die Fvrstwarie zu zahlen hat, beläuft sich auf 20 322 Mk. Don der gesrisiich möglichen Abwälzung eines Seil betrage» auf in Betracht kommende Privatbesitzer wird abge'ehen, da es sich bei diesem Teilbetrag nur um 20,50 Mk. handelt. Höhere Mädchenschule. Gemäß Verfügung deZ Lan e.'blldun^samtes ist der Voranschlag der Höheren Mädchenschule für 1923 im Juli dieses Jahres auf- gestellt worden Die Berechnung gilt für die Zell vom 1. April 1923 bis 1. April 1924 Die Ausgaben, die nur die persönlichen, aber nicht auch die sächlichen Kosten umfassen, belaufen sich nach dem Voranschlag auf 2 03Z 645 Mk.. die Einnahmen aus Schulgeld auf 242 243 Mk. Das Defizit macht also 1 790 397 Mk. aus. Davon entfällt die Hnlfte auf die Stadt, also 895198,50 Mk. Durch die m t le toe le e ngetretene starke Geldentwertu igsind diese Ziffern längst überholt, man könne, toic Beigeordneter Dr. Seid sagt, an jede Ziffer, mit Ausnahme der Einnahmen, ruhig eine Rull anhängen. Der Voranschlag werde, nachdem das Haus jetzt Kenntnis genommen, weitergegeben, es werde aber darauf aufmerksam gemacht werden. daß die Ziffern mittlertoeile weit überholt sind. Schulhaus Reu st ad t. Bauliche Herstellungen im Schulhaus Reustadt bezwecken die Herrichtung eines Aufenthaltsrau- mes für den Lehrer der dort zur Zeil untergebrachten Knaben-Fortbildungsschule. Die Arbeiten such schon in der Ausführung begriffen. Die Kosten sind auf 100000 Mark berechnet. Das Kollegium stimmt zu. Auf eine Frage des Stadtv. Kling, ob nicht das Militärlazarett in absehbarer Zeit für Schulz wecke in Aussicht genommen werden könne, sagt Oberbürgermeister Keller eingehende Prüfung dieser Angelegenheit durch Die Verwaltung zu. ZweiKonfirrnandensäleimHause Kirch st raße 9 sind zur Benutzung durch die Mädchenschule gemietet worden. Für Miete, Reinigung und Bedienung der Heizung ist ein Betrag von 5000 Mk. vereinbart worden. Wird genehmigt. Vertrag mit der Müllerschen Badeanstalt. Im Sommer ist ein Vertrag mit der Müllerschen Badeanstalt abgeschlossen worden, nach dem auch den oberen Klassen der Mädchenschule die Mögsichkell gegeben ist. die Anstalt zu benutzen. Don dieser Vergünstigung ist Gebrauch gemacht worden. Die Kosten belaufen sich auf 1500 Ma ick. Auf die Anregung, diese Vergünstigung im nächsten Sommer auch der Höheren Mädchenschule durch entsprechende Abmachungen zu verschaffen, weiden von Oberbürgermeister Keller neue kommunale Steuern angekündigt. Er weist darauf hin, daß die finanzielle Lage des Reiches sich allmählich doch recht kritisch gestaltet habe. Die hessischen Städte hätten sich fd>on mit RachtragSvoranschlägen beschäf igt. In Offenbach solle die Gewerbesteuer auf 15 Mark erhöht werden Darmstadt plane, die Haus- und Grundsteuer auf 18 Mark zu erhöhen. Auch in Gießen werde man noch In diesem Monat neue Einnahmen In hohem Maße zu beschließen haben. In der nächsten Sitzung würden entsprechende Vorschläge gemacht werden. Da sei es dringend nötig, die Ausgaben einzuschränken, wo es nur gehe, man dürfe mit den Ausgaben nicht aufbaum, sondern es müsse abgebaut werden. Anträge, die eine finanzielle Belastung der Stadt zur Folge hätten, könnten keineswegs verwirklicht werden. Stadtv. Dr. Krausmüller schließt sich dem Standpunkt des Oberbürgermeisters an, bittet aber, nicht bei den Dingen abxubauen, die der Doltogesundheit bienen; sonst könne energisch abgebaut werden. Hierauf wird der Antrag der Verwaltung angenommen. Gewerbliche Fortbildungsschule. Die Knaben-Fortbildungsschule mußte in der kaufmännischen und gewerblichen Abteilung wesentlich erweitert werden. Die gewerbliche Ab- Itcihmg bedarf zu ihrer Ausstattung verschiedener Möbel, für die ein Kredit von 140 (XX) Mack antragsgemäß bewilligt wird. Stadtv. Vetters bemängelt bei dieser Gelegenheit einen Beschluß der Schuldeputatton, nach dem die beiden hie» llgen Zeitungen und die .Darmstädter Zeitung" nicht mehr im Lchrerkonferenzzimmer aufgelegt werden sollen Er ersucht um Beschlußfassung, daß diese Zeitungen auch wellerhin aufgelegt werden, weil die Lehrer aus ihnen mancherlei für den ilnterridjt entnehmen könnten. Im Verlaufe der Debatte wird von dem Stadtv. Müller erklärt, politische Zeitungen gehörten nicht in eine Schule. Aus den beiden hiesigen Zeitungen werde nur der heimatliche Teil zu ttnterrichtszwecken heran- gezogen. Für die in der „DarmstÄ>ter Zeitung" enthaltenen Bekanntmachungen habe man doch das Amtsverkündigungsblatt. Daraus wird von den Stadtv Mann und Simon dem Beschluß eine politische Deutung gegeben; er richte sich gegen die .Darmstädter Zeitung", die wie Stadtverordneter Mann erklärt, das Organ der Regierung sei. und da werbe doch feine Parteipolitik gemacht; wenn ein amtliches Organ herausgegeben werde, könne man nicht von einer politischen Zeitung sprechen; die .Darmstädter Zeitung" tonne nicht der einen oder der andern Partei untertänta fein. Die Stadw. Dr. Krausmüller und Kling weisen die Unterstellung einer Beschlußfassung aus politischen Gründen zurück. Die Schuldeputation habe sich bei ihrer Beschlußfassung lediglich von Sparsamkeitsrücksichten leiten lassen; den .Gießener Anzeiger" halte doch wohl jeder und auch die .Oberhessische Volkszeitung" sei ja erreichbar. Da sei es doch nicht nötig, der Stadt noch einmal 15 000 Mark für ZeitungSabonne- ments auszuladen, heute werde dieser Betrag übrigens noch höher sein. Die .Darmstädter Zeitung" sei ja früher auch RegierungSorgan gewesen und doch habe keine Stelle die Verpflichtung gehabt, sie zu halten. Der Beschluß richte sich in keiner Weise gegen die ..Darmstädter Zeitung", er verfolge lediglich die Sparsamkeit. Ausführung des Reichsmietengesehes. Beigeordneter Dr. Seid erläutert die Vorlage und schlägt vor, der Einrichtung von Haus- konten zuzustimmen, dabei jedoch Häuser mit weniger als drei Mietwohnungen von der Konten- einrichtung zu befreien. Dieser Vorschlag geht i*on der Erwägung aus, die Arbeit soweit wie möglich zu beschränken, damit Kosten gespart werden. Stadtv. Mann beantragt, die Freistellung von der Konteneinrich'ung nur auf Häuser mit weniger als zwei Mietwohnungen zu gewähren Rach längerer AuZsprachr klärt sich die Situation dahin, daß man vorläufig dem Vorschläge der Verwaltung (also keine Hauskonten bei Häusern mit weniger als drei Mietwohnungen) entsprechen will, eS aber für später sich vorbehält, dem vom Stadw. Mann vertretenen Standpunkt auch noch Rechnung zu tragen. Demgemäß wird gegen die Vertreten der Linken beschlossene Die Hau Konten werden bei der Stadtkasse eingerichtet. HauZtonten sind, wie Beigeordneter Dr. Selb auf Anfrage deÄ Stadtv. W i n n erklärt, nur für die Häuser zu führen, in denen gesetzliche THiete gezahlt wird, nicht aber für die Häuser, wo die Miete auf freier Vereinbarung beruht; wird in einem Hause der letztgenannten Art aber auch nur eine gesetzliche Mietregelung getroffen, dann ist die Hauskonteneinrichiung erforderlich. Eine OriS- sayung über die Hauskonten einrichtung wird gleichfalls genehmigt. Sine AbhitzungSverwertungsanlage Im GaS- und Wasserwerk wird genehmigt. Die Anlage soll dazu dienen, den Dampf des GaswerkkesselS für die verschiedenen Leistungen des Kessels auSzunuhen. Die Derlin-Anhaller Mafch.-Gef. soll die Anlage errichten. Kostenpunkt 2‘/4 Millionen Mark Davon sollen l3/< Millionen aus den Betriebseinnahmen und 1 Million aus dem Erneuerungsstock des Gaswerks gedeckt werden. Für die W in terbei hilf en werden zu den Im September schon bewilligten 500 000 Mark weitere 315 000 Mark genehmigt, da eine solche Fülle von älnterstühungsanträgen eingegangen ist, daß die halbe Million vom September nrcht ausreicht. Dem Verein für Innere Mission wird zur Beschaffung von Winterkartoffeln für die Herberge zur Heimat ein Darlehen von 60 000 Mark gegeben. (Der Schluß des Berichts folgt in unserer Montag-Ausgabe. D. Schriflltg.) Samstag, 2. Dezember (922 Aus Stabt unb Land. Gießen, den 2. Dez 1922 Der Wert der Sachbezüge ist für die Landgelsteinden des Kreises Gießen mit Wirkung vom 1. Juli an wie folgt festgesetzt worden: Bolle Tageskost für männliche und weibliche Personen 80 Mk.; Iah- reskost mit Wohnung. Brand und Licht für männliche und weibliche Personen 18 000 Mk. Ferner auf das Jahr berechnet, a) Einzelzimmer 400 Mk-: b) Familienwohnung (2 Zimmer mit Zubehör) 800 Mk.; c) Heizung: für Einzelpersonen 1000 Mk^ für eine Familie 3000 Mk.; d) Beleuchtung, für Einzelpersonen 250 Mk-, für eine Familie 500 Mk. Der Wert anderer Sachbezüge wird von Fall zu Fall festgesetzt. Abweichungen von obigen Festsetzungen in besonderen Fällen bleiben Vorbehalten. •• Keine Tanzbelustigungen während der AdventSzett. Das KreiSamt gibt bekannt: Am Borabend des ersten AdverrtS. sowie während der ganzen AdventSzeit werden wir Erlaubnis zu öffentlichen Tanzvergnügen, mit Ausnahme der in dieselbe fallenden Werktage, nicht erteilen. Nur bei geschlossenen Gesellschaften werden wir unter umständen hiervon abwcichen. ** Der Höch st betrag für Post» auf träge zur Geldeinziehung. Postprv testaufträge und Nachnahme,endungen wird vom 1. Dezember an von 30 000 Mk. auf 150 000 erhöht. *• Vom Finanzamt wird ums geschrieben: Rach hierher gelangten Mitteilungen sollen In Einzclfällen beim Steuerabzugsversahren die kürzlich in verschiedenen Zeitungen veröffentlichten erhöhten Sätze der steuerfreien Teile in Anwendung gebracht worden sein Es sei deshalb darauf hingcwiesen, daß es sich bei den veröffentlichten Zahlen um einen Gesetz«nttourf handelt, der zur Zeit dem Steuerausschuß des Reichstags zur Beratung vorliegt. Nach wie vor sind daher die seitherigen Sähe in Anwendung zu bringen. Sobald der vorliegende Entwurf Gesetzeskraft erlangt, erfolgt Bekanntmachung in den Tageszeitungen. •* Qteue ErhöhungderMargarine Preise. Der QHargarincterbanb hat mit Wirkung von baute seine P leise für sämtliche Mar- garineforten um 170 Mk. Pro Psund, die für Pflanzenfett um 185 Mk. pro Pfund erhöht. Kreis Büdingen. X Stockheim, 30. Nov. Gestern nachmittag fand hier eine außerordentliche Hauptversammlung des Ob ft» und GartenV'vuvereins für den Kreis Büdingen statt. Die Berfammlung beschäftigte sich in eingehender Aussprache mit der Frage des Weiterbestehens des Ber- einS, seiner Zeitschrift und der Erhöhung seiner Mitgliederbeiträge. Die Aussprache ergab den einstimmigen Beschluß, den Derein unter allen Umständen zu erhalten, den Beitraa für 1923 auf 50 Mk. au erhöhen und die Zeitschrift jeder einzelnen Ortsgruppe in einem oder mehreren E/emplaren dafür zu liefern. Starkenburg und Rheinhessen. Mainz, l.Dez. (Wolfs.) Laut bischöflicher Verordnung wird am kommenden Sonntag in den Gottesdiensten eine Donifatius-Gedenk- feier abgehalten zur Erinnerung daran, daß Bonifatius vor 1200 Jahren in Rom den Dischofshut empfing und seinen Sih In Mainz nahm. Weihnachts-Angebote in eilen Abteilungen. Samt-, PIGsdi- und Pelz-MMnlel, pelzbesefrte Münte’ und Kostüme, seidene Kleider und Blusen, Kostüm- Rödte, wolj. 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Dein, erlauben Sie, daß ich auch mal etwas sage, denn ich muß das tagen," setzte sie, krebsrot vor Zorn, hinzu, da ihr der Vorsitzende abtotntte. „Dieser Mensch hat einfach über mein Geld verfügen wollen, tote es ihm paßte, um seine dunklen Geschäfte damit zu machen. Lind er hat nicht allein mich betrogen, sondern auch den armen Herrn Pvn Herwegh. Er tat ja, als wenn er ein Königreich au verwalten hätte. Dun, dann stoß ich sie ab," sagte er und dabei versetzte er dem Hund einen Tritt, und das Tier konnte doch nichts dafür." Ihre Stimme brach. »Sie bestanden also auf sofortiger Auszahlung, weil Sie fein Vertrauen mehr zu der Her- weghschen Verwaltung hatten." „215er Herr von Herwegh hat doch mit der ganzen Sache nichts zu tun!“ rief Frau Rumpf »Der hatte den Kopf voll und tonnte auch nicht alles alleine machen. Es ist nur der Gimpel, von dem hier die Rede ist." „Weshalb wollten Sie denn Ihr Geld so Plötzlich wieder haben, nachdem Sie es jahrelang bei Herwegh liegen liehen?" Die Witwe warf den turbangeschmückten Kopf zurück, daß die Federn zitterten. Sie sah aus wie eine Mohrenkönigin, ihre Augen blitzten. „Ich wollte dem Gimpel einen Tori antun,“ sagte sie. „Er hatte mich hereingelegt, und da wollt' ich ihm auch einmal ein Bein stellen, über das er stolpern sollte. Gegen Herrn von Herwegh hab' ich nichts" suhr sie fort, „und wenn ich geahnt hätte, daß meine Qlrueige diese ganze Geschichte nach sich ziehen würde, ich hätt' mir lieber die Zunge abgebissen, denn ich bin ihm viel Dank schuldig." .Unb sie begann laut zu weinen. Das fängt ja gut an, dachte der Lümmel. Da ihn das Weib vor ihm sehr beengte, hals er sich dadurch daß er ihr die Spitze seines Regenschirms auf hie Hacken setzte. Darm sagte sie jedesmal: „Au, drücken Sie doch nicht so." Frau Rumpf wurde von dem Gerichtsdiener auf ihren Platz zurückgeführt, ihr Schluchzen füllte den Saal, während die nächte Zeugin vereidigt wurde. Es war eine hagere, brünette Witwe in Trauer. Sie trug über ihrem nußbraunen Scheitel ein hochgetürmtes Gebäude von Kreep, das ihr vor Aufregung nach hinten gerutscht war und ihr das Aussehen einer Löwenbändigerin verlieh. Die Bierbrauereibesiherswitwe Schnabel klärte zunächt den Irrtum auf, den chre erste Vernehmung erweckt hatte. Herwegh hatte ihr zwar versprochen, ihr Gell» in Hypotheken anzulegen, und zwar solche zu sechs Prozent und dabei sicheren. Auf meinem Ackerland krieg' ich kaum viel und man hat ewig den Aerger, daß die Leute den Zins nicht zahlen, und auf der Sparkasse geben sie nur drei und sind außerdem noch grob. Ab' r Herwegh war immer nett und tonnte einem alles so gut erklären mit den Aktien. Ich verstehe nämlich nichts von Papieren," sagte die Witwe Schnabel, „und habe oft meine eigenen Coupons vergessen abzutrennen, und einmal hab' ich auch die Ecken mit abgeschnitten, so daß sie nachher ungültig waren." „Warum gaben Sie das Geld nicht lieb« einem Bankier?" fragte der Vorsitzende. „Das wollle ich nicht, ein offenes Konto war mir nicht geheuer, und mit einem Safe ist man verraten und verkauft" Da war ihr das ja paniert mit den abgeschnittenen Ecken. So war sie beruhigt nach Italien gereist, nachdem sie Herwegh Ihr Geld übergeben hatte Unb sie hatte die Zinsen Immer bekommen, bis die Unregelmäßigkeiten einseh ten. „Warm war das?" „Die beiden letzten Jahre hauptsächlich." „Wieviel haben Sie beim im ganzen ein« gebüßt?" „Ich habe eigentlich gar nichts eingebüßt" sagte die Witwe Schnabel. „Ich hab' bas Geld nur unregelmäßig klommen, und in Neapel ist es ganz ausgeblieben, aber das lag nur an der Pension, die war noch neu, unb die Zimmer hatten noch keine Nummern, unb der Mann verstand kein Deutsch." Der Richter blickte in die Akten. „Sie haben aber das erstemal hier ganz anders ausgesagt, damals sprachen Sie von dem Angeklagten als einem Gauner." Di« Witwe warf einen entsetzten Blick auf ben Angeikigten. der starr unb gleichgültig vor sich hinblickte, als sei er taub. „Herr Präsibent ich toar aufgeregt, weil ich bachte. es sei alles verloren. Natürlich wäre es mir lieber geaxefen, man hätte mir das Gelb auf eine sichere Hypothek gelegt, als es in diese Ziegelei zu stecken, ohme daß ich es wußte." Der Verteidiger bat, etwas sagen zu dürfen „Das ist nicht richtig, was Sie 5a behaupten,' fuhr er, gegen die Dame in Traue- gewandt, fori, .„daß man Ihnen von der Verwandlung Ihres fluffigen Geldes in Eppenhänfener 21 ftten nichts geschrieben haben soll. Es liegt eine Kopie eines solchen Briefes bei den Akten. Das Geld sollte in der Fabrik untergebracht werden, wenn Sie nichts dagegen hätten. Auf diesen Dries traf keine Antwort ein, unb es wurde also gemacht" (Fortsetzung folgt) Biuiiiiiiiiiiiiiuiiiuiwiiiuiiiiiiiiiiiiiiiioiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiia in aiter bewährter Güte! v Persil >Persil ■ t>ielcb»i und desinfiziert geeignet für alle Arten von Wäsche. In Originalpackung! ■ I Alleinige Herrsteller: HENKEL A CIE.. 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AufftihriHBgMzeiten: Bannt, ab‘/»S U hr, wochent. 4,6,8. Iß Uhr | Die Verlobung meiner Tochter Ilse mit Herrn Icand. agr. Carl Lohof, Leutnant b. Ä. L D., gebe ich bekannt. r Frau Dr. Druck. LGießen (Ostanlage 39), im Dezember 1922. ........................................»•**» .................................................u. Statt Karten Rudolf Rüspeler Marie Rüspeler geb. Theih DermShlte Weitershain Londorf 3. Dezember 1922. ,ri.T|||,..r.T........|Tr...... _ J................... «0471 D MMMWmrÄMW Mittwoch, den 13. Dezember 1922, abend« 8 Ahr, in der großen Aula der Llaiversität: Konzert. Arie und Lieder von A. Wagner, Fr. tzchubert, H. Wolf; LrioS von Aeißiger und Mendelssohn- Bartholdy. Ausführende: Frau Prof. Petersen, Gießen (Sopran), die Herren: Paul Walter Andrea«. Bad Krmznach (Violine), Fritz Schliephake, Gießen (Cello). Eberhard Delp, Darmstadt (KlavieH. Karten ad S. Dezember bei Challier. 10421V Mia*fc ff gelingen immer! 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L, des Buiab, die biestgen van- u. r^mestimgübeamren die Lebrer und Schüler der Gewerbe, und Maschinenbauschule Glehen und die Mitglieder deS Vereins werden nm vollzähligen Besuch gebeten. Eintritt frei. Der Dofflonö Oes technischen Vereins Gießen. Einladung zur General-Versammlung auf Wontag, den 4. Dezember, nachnr. 4Hhr. im Kath.DereinShauS lGmporej Kassenbericht, Jahresbericht, wichtige Besprechungen. Qlefj Fr. E. Bier- mann, Fr. Dr Feulgen. Erscheinen der Mitglieder dringend erwünscht. ,..„v Der Dorstand Große Mehlklöße. Xv taten; 250 g Metel, K Plrtcteee Dr. Oetker*» Bsttrpuhe» „Beeidis“. % Päckchen Dr. Oetker*» MJIck - EJweJBputver, Sek end Mild:. ZnbereH»»g: Dar »it dem „Bscti*- wd dem Mrt<*-invtt8p«fw gesiebte »nd gemischte Meht verarbeite mit Milch ni einem feste» Teig. Dann forme mit einem tiefen Eßlöffel, der vorher ip kochendes Wasser eingetancht ist, runde Klöße, die nacheinander in schwach kochendes Säte- wasser gelegt werden und 20 Minuten kochen müssen Die Klöße müsse» langsam »ufgehe», deshalb muß das Wasser mit dm Klößen ■» der Seite des Herdes langsam wieder ?uip Kochen komme» und solange, etwa 5 Minute», «gedeckt werden Kocht das Wasser dann wieder, nimm den Deckel vom Topfe und drehe die Klöße einigemale mp. Die leUte ' Viertelstunde müsftn |ie im offenen Topfe kochen. L Mr. «. ,