ar. 257 Erscheint täglich, anher Sonn» und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Vezvg,preise: Md. 185.- u. Mk. 15.- Trügerlohn,durch dieDost MK.200. - .auchbeiNlcht» erscheinen einzelner Num» mem infolge höherer Gewalt. - Fernsprech« Anschlüsse: für dieSchrist- leihing 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach» richten: Anzeiger Otetzen. poftfcheatonto: Zrantfnn a. M. 11686. Erstes Blatt Mittwoch, Novemver 1922 172. Jahrgang SietzenerAineiger General-Anzeiger für Oberhesfen Dmcf und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sletzen. Zchriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 600 Pf, auswärts 800 'Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Dreite2800Ps. Bei Platz» Vorschrift 20 , Aufschlag. Sauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil- Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen Gegen die Kapitalflucht. Der finanzpolitische Ausschuh des Reichs- wirtschastSrates stimmte in seiner Sitzung vom 20. Oftober einem Gesetzentwurf zu, der eine Der- längeruna deS Gesetzes gegen die Kapitalflucht bis zum 31. Dezember 1924 vorsieht. Sn der Erkenntnis, dah die bisherigen Maßnahmen gegen die Kapitalflucht, die auf die Besserung der deutschen WährungSverhältniste hinzielen, in ihrer Wirk- famtett bei weitem nicht ausreichen hat sich ein Ausbau der bestehenden Vorschriften und eine Verschärfung der Strafbestimmungen als notwendig erwiesen. Aach den bisher geltenden Dorschriften müssen sämtliche Vorgänge, durch die bewegliches Kapital in das Ausland gelangt, zur Kenntnis der Steuerbehörde gebracht werden. Der neue Gesetzentwurf sieht demgegenüber die vorherig« Genehmigung des Finanzamtes für die Ausfuhr von Kapital vor. Aach § 1 des Entwurfes dürfen Danken Aufträge, wie sie im § 2, Abs. 1 des Gesetzes gegen die Kapitalflucht näher bezeichnet sind, nur auSführcn, wenn die von dem Auftraggeber einzureich..cde Erklärung mit einem Genehmigungsvermerk des für den Auftraggeber zuständigen Finanzamts versehen ist. Ausgenommen >on diesem Gcnehmigungszwang sind Aufträge von wichen Personen und Personenvereinigungen, denen die zuständige Handelskammer eine Bescheinigung darüber ausgestellt hat, dah ihr Gewerbebetrieb r^elmähig Geschäfte mit sich bringt, zu deren Abwicklung Zahlungen nach dem Auslande notwendig sind. Der neue Gesehentwirrf bedroht eine Umgebung der Bestimmungen mit harten Strafen. Bei Zuwiderhandlungen gegen § 1 des Entwurfs sind Gefängnis bis zu 2 Jahren, Geldstrafen bis zu 2 Millionen Marl, Verlust der bürgerlichen Ehreirrechte sowie Beschlagnahme der verschobenen Vermögenswerte vorgesehen. Inhaber, Vertreter und Bevollmäch igte von Bankgeschäften, die gesetzwidrige Transaktionen vornehmen. sollen mit Geldstrafen bis zu 100 000 Mark bestraft werden. Don besonderer Bedeutung sind die Mah- nahmen zur Bekämpfung der indirekten Kapitalflucht, d. h. wenn der Gegenwert der exportierten Ware absichtlich und ohne wirtschaftliche Aotwendtgkeit im Ausland belassen wird. Es wird nicht immer leicht sein, zwischen der volkswirtfchaftlichen Aotwendigkeit, Guthaben im Auslande zu unterhalten, und zwischen der Absicht der Steuerhinterziehurrg zu unterscheiden. Die Reichsfinanzverwaltung geht in ihr«m Entwurf von dem Grünhsa-tz aus, dah afle volkswirtschaftlich gerechtfertigten Transaktionen von allen ein- engenden Vorschriften verschont bleiben sollen, dah aber überall dort cingeschritten werden must, wo die Absicht der Kapitalflucht besteht, d.h. wo der Gegenwert einer ausgeführten Ware in der Absicht. in der deutschen Volkswirtschaft vvrzuentbal- ten, zum Schaden der deutsche,, Wirtschaft ganz oder teilweise im Ausland belasten wird. In solchen Fäflen soll die zuständige Behörde dem Ausführenden die weitere Warenausfuhr mit der Wirkung untersagen, dah er Ne weitere Ausfuhr auch solcher Waren, die einem astge- mcinen Ausfuhrverbot nicht unterliegen, nur mit besonderer Genehmigung vornehmen darf. Bei Zuwiderhandlungen sind Geldstrafen in Aussicht genommen, deren Höhe sich nach dem Werte der Waren bemessen soll, auf die sich die Umgebung der gesetzlichen Vorschriften bezog. Dem De-, trosfenen soll die Beschwerde vor dem Reichs- Wirtschaftsgericht offenstehen. Der Gesetzentwurf soll am 1. Januar 1923 bi Kraft gesetzt werden. Berlin, 31. Oft. Die zweite Verordnung zur Ausfüyrrrng der Devisenverordnung vom 12 Oktober 1922 wurde nunmehr im Reichsgeseh- blatt veröffentlicht. Sie bringt insbesondere Erleichterungen für die Zahlung in ausländischen Devisen im Inlandsver- k e h r, indem sie für diese grundsätzlich verbotene Inlandszahlungen gewisse Ausnahmen zulästt. Ferner wird die Frage der Gültigkeit laufender Verträge, wobei effektive Devisenzahlungen ausbedungen wurde, geregelt. Die Verhandlungen mit der Reparationskommission. Eine Begrüßungsansprache des Reichskanzlers. Berlin, 31. Oft (WTB.) Die Repa- rationskommisfion, die gestern in Berlin angekvmmen ist, wurde heute mittag 12 Tlhr vorn Reichskanzler in Gegenwart der an den kommenden Verhandlungen beteiligten Staats- feftetäre empfangen. Der Reichskanzler begrühte die Reparationskommission, insbesondere den neu ernannten Vorsitzenden Louis Barthou, dem es vergönnt sein möge, sein Amt erfolgreich für die in der Reparationskommission vertretenen Völler und für Deutschland zu führen und Voraussetzungen zu schaffen, die für jede künftige ökonomische und kulturelle Zusammenarbeit der europäischen Völker und damit auch der ‘Nationen der Welt_ notwendig sind. Er begrüste die Initiative, Gläubiger und Schuldner zusammenzuführen, um einen Ausweg zu finden. Er und seine Mitarbeiter stellten sich mit voller Offenheit und Aufrichtigkeit der Aus- spräche zur Verfügung. Der Reichskanzler wies sodann auf die Veränderungen hin, die in der Lage Deutschlands seit dem letzten Besuch des Garantiekomitees inj Juli eingetreten sind, uftb belegte diese Aenderung mit vergleichenden Daten der deutschen Währung und der deutschen Großhandelspreise. Das deutsche Volk, dem eS an den notwendigsten Aah- rungsmilteln und Kohlen fehle, stehe vor einem furchtbaren Winter desHun- gers und der Kälte Die bisherigen Versuche, aus der kranken deutschen Wirtschaft möglichst groste Leistungen herauszuholen, befriedigten weder die Gläubiger noch die Schuldner. Der richtige Weg sei, erst die kranke Wirtschaft zu heilen. Aur dann bestehe Aussicht, Leistungen auszubringen. Deshalb sei die Stabilisierung der Währung das Kernproblem der Ausgabe. Die Stabilisierung der Währung werde von selbst das Gleichgewicht in den deutschen Staatssincrnzen herbeiführen. Er begrühe die Mit- teihmg der Reparationstommission, dah der Gegenstand der Berliner Verhandlungen die Stabilisierung der Mark und der Ausgleich des Budgets sein soll. Die Hauptaufgabe fei, schnell zu praktischen Vorschlägen zu kommen und sie mit raschem Entschluß durchzusühren. Aur eine schnelle Aktion könne die Lage retten und die Leistungsfähigkeit Deutschlands wieder Herstellen. Auf die Aussprache des Reichskanzlers legte der Vorsitzende der Reparationskommission, Barth o u die Gründe dar, die die Reparationskom- missivn veranlaht haben, sofort mit der deutschen Regierung in Verbindung zu treten. In den Worten des Reichskanzlers liege ein Zeugnis und ein Programm. Die Reparationskommission schätze beide um so höher, als sie von der durch ihre amtliche Stellung am meisten qualifizierten Persönlichkeit herrührten. Was das Zeugnis anlange, das der Reichskanzler über die Lage Deutschlands ablege, so nehme die Reparationskommission es zur Kenntnis, ohne es für den Augenblick zu erörtern. Es werde das erste Blatt der Aktenstücke sein, das sie zusammenstellen werde. Was das Programm anlange, so habe der Reichskanzler eher Fragen aufgeworfen als Lösungen gewiesen. Diese Fragen seien indessen durchaus diejenigen, die in das Arbeitsgebiet der Reparationskommission fielen. Die Stabilisierung der Mark sei die erste Frage, deren Verbindung mit dem Gleichgewicht des Budgets niemand bestreite. Die Reparationskommission danke dem Kanzler für das Versprechen, an den Verhandlungen mit völliger Offenheit und Ehrlichkeit mitzuarbeiten. Es handle sich darum, möglichst schnell das Ziel au erreichen, das gemeinsam ins Auge gefaxt wurde. Die Reparationskommis- sivn hoffe, m allen Dienststellen, die an den Der- hqndlungen teilnehmen werden, jenen guten Willen anzutresfen, von dem der Kanzler sprach. Die Reparationskommission sei hierher gekommen, um einen kranken Körper zu behandeln, um einen Ausdruck des Kanzlers zu gebrauchen. Es sei daher notwendig, dah sie die ganze Ausdehnung und alle Anzeichen der Krankheit kennen lernten. Der Augenblick sei gekommen, ohne Umschweife zu sprechen und an die Arbeit zu gehen. An diesem Rachmittag heihe daher die Parole: arbeiten wir! Es wurde beschlossen, die Verhandlungen sofort zu beginnen. Die erste Sitzung der Reparationskommission mit den beteiligten deutschen Ressorts hat heute nachmittag im Reichssinanz- miniftcrium stattgefunden. Berlin, 1. Aov. Wie die Blätter mitteilcn, nahmen an den gestrigen Aachmittagsverhand- ürngen mit der Reparationskommission! im Reichsfinorizminisk:rium auf deutscher Seite der Reichsfinanzminister Dr. Hermes, die Staatssekretäre Schröder und Fischer und der Staatssekretär a. D. Bergmann teil. Wie das Derl. Tageblatt mitteilt, war die Sitzung fast vollständig ausgefüllt mit eingehenden Darlegungen von Dr. Hermes uird von Staatssekretär Schröder über die Lage des deutschen Budgets. Die Beratungen, die etwa lu Stunden dauerten, werden heute nachmittag fortgesetzt werden. Laut Berliner Tageblatt traten die Delegierten der Reparationskvnrmrfflon gestern zu einer internen Beratung zusammen, in deren Verlauf das Projekt Delocroix besprochen wurde. Das Blatt schreibt, in gut unterrichteten Kreisen werde der Standpunkt vertreten, dahdie Aussichten für einen Ausgleich des deutschen Programms mit den Vorschlägen der Reparationskommission diesmal günstiger feien als je, da auf beiden Seiten dem grohen Emst der Finanz- und Wirttchaftslage Deutschlands Rechnung getragen werde und ärs Bestreben obwatte, die beiderseitigen Wünsche und Forderungen mit möglichster Genauigkeit festzustellen. London, 31. Oft. (Wolff.) Der Berliner Berichterstatter der „Moming Post" schreibt, utenr den augenblicklichen Tlmttzänden sei es fast unmöglich, einzusehen, wie die Reparationskommission ein bzngfristiges Moratorium für Deutschland ablehnen könnte. Die wichtigsten Meinungsverschiedenheiten werden nach Ansicht des Berichterstatters in der Frage der Sicherheiten entstehen. Eine Protestnote des Generals Nollet. Paris, l.Avv. (WTB.) Aach einer Havas- meldung aus Berlin hat General A o l l e t an die deutsche Regierung eine Protestnote gerichtet wegen der Beleidigungen und Tätlichkeiten, denen die Kontrolloffiziere der Entente in Passau ausgesetzt gewesen seien. Die neue Politik Italiens. Paris, 31. Oft. (WTB.) Das .Journal des Debats" schreibt zur Regierungsbildung in Italien, es werde im Augenblick vielerflärt, Mussolini sei ein Freund Frankreichs und sein Programm sehe eine kraftvolle Verteidigung gegen die deutsche Politik vor. Daran sei etwas Wahres. Die Faszisten scheinen entschlossen zu sein, in Berlin eine deutliche Sprache zu führen Wer sie verständen die Freundschaft mit Frankreich nach der Art von Reffen, die auf die Erbschaft ihrer alten Tante spekulierten. Schon gestern habe Mussolini einem französischen Journalisten erklärt, seine erste Sorge, was Frankreich anlange, würde die Regelung der Frage von Tunis fein. Dann tarne eine zweite Frage, die der Diktator nicht gleich äuhem au sollen glaubte. Derartige Freundschaftsbekun- bungen seien besorgniserregend. Darum dürfe man sich nicht wundern, wenn Graf Sforza seine Demission als Pariser Botschafter gegeben habe. Graf Sforza, der ein echter Edelmann und ein Staatsmann sei, habe seinen Entschluß in Ausdrücken befanntgegeben, die dec Regierung seines ßanbed so wenig wie möglich hinderlich würden. Aber er könne einmal nicht verstehen, eine aus dem Aufruhr hervorgegangene Regierung zu vertreten und in Paris für Forderungen eiitzutreten, die mit der Aufrechterhaltung der italienifch-französischen Freundschaft unvereinbar wären. Der .T e rn p s" schreibt, das Ministerium Mussolini sei von nun ab die Regierung, die Italien sich gegeben habe. Es werde naturgemäß Schwierigkeiten zu überwinden haben. Zunächst besiehe die paradoxe Schwierigkeit, dah das Kabinett keinen Feind mehr habe. Der Sieg des Faszisrnus fei so vollständig, dah keinerlei Gegner mehr wage, sich sehen zu lassen. Die Faszisten mühten also mitten im Schwünge halt machen, und ihre Organisation könne mit der ganzen Energie im Aufbau einsetzen, die sie vorher für den Kampf verwendeten. Trotz der Anspielung Mussolinis auf die Frage von Tunis seien aber hoffentlich Schwierigkeiten zwischen Frankreich uird Italien nicht zu erwarten. Wahrhaft auf die Probe gestellt werde die italienische Diplomatie auf der O r i en t f r iede n s- konferenz, bei der Adriafrage, in der Frage des österreichischen Wieveraufbaus und in der Frage der interalliierten Schulden. Rom, 31. Oft. (Wolff.) Der König hat die ihm von Mussolini unterbreitete Liste des neuen Kabinetts angenommen. Danach gehören von den neuen Ministern vier zur Partei der Faszisten (Mussolini, Obiglie, di ©tefani, Giu- risti), zwei zu den Populäres (Cavazzoni und Tangerra), drei zu den Demokraten (Camazza, di Cesaro, Rossj), einer ist Liberaler (di Capitan), einer Rationalist (Fedarzoni) und iyrei sind parteilos (Diaz, Thaon de Revel und Gentile). Rom, 31. Oft. (WTB.) Stefan i. Das neue Kab ine11 legte heute den Eid ab. Mussolini sandte an alle Präfekten ein Rundschreioen, in dem er erklärt, dah er, durch das Vertrauen des Königs berufen, die Regierung übernehme. Er verlange, dah alle Beamten, vom ersten bis zum letzten, ihre Pflicht zum Wohle des Vaterlandes mit Klugheit und voller Selbstverleugnung erfüllen. Er selbst werde mit gutem Beispiel vorangehen. Rom, 31. Oft. (Wolff) Bei dem Empfange von Pressevertretern im Laufe des gestrigen Aach- mittags erklärte Mussolini, dah die auswärtige Politik des neuen Kabinetts fest und ohne Schwanken und von den Empfindungen aufrichtiger Freundschaft gegen die Alliierten geleitet fein werde. Rücktritt des Grafen Lforza vom Pariser Botschafterposten. Paris, 31. Oft (WTB.t Wie Havas mit» teilt, bat der italienische Botschafter in Paris Graf Sforza bei dem neuen Ministerpräsidenten Mussolini seine Demission eingereicht In einem Telegramm Graf Sforzas an die italienische Regierung, das die Agentur gleichfalls veröffentlicht, erklärt der Botsch^rftrr, er hege die freundschaftlichsten Gefühle für die neue Regierung, aber in einer Außenpolitik, dir eine Politik und nicht einfach eine Summe von Gefühlen und Empfindlichkeiten sei, hab» alles feinen Zusammenhang. Er halte sich bereit, entweder sofort ab- Anreisen oder, wenn die Regierung es vorziehe, die Ankunft des neuen Botschafters abzuwarten. Die Konferenz von Lausanne. Konstantinopel, 31. Oft. (WTB.) Reuter. Der Vertreter derRegierungvon Angora händigte den Oberkommissaren zwei Roten aus. Die erste erklärt sich mit Lausanne als Ort der Tagung der Konferenz einverstanden, und die zweite protestiert gegen die Einbeziehung der Konstantinopeler Regierung in die Einladung, die sie als eine Verletzung des Geistes des Mudania- Abkommens bezeichnet Die Rote bemerkt, dies werde vielleicht den Angoravertreter zwingen, von der Teilnahme an der Konferenz Abstand zu nehmen. Paris, 1. Rov. (WTB.) Rach einer HavaSmeldung aus Konstantinopel verlautet aus Angora, dah die kemalistische Delegation unter dem Vorsitz ISmid Paschas, des Kommissars für auswärtige Angelegenheiten, und Rizza Raurrhs, des Kommissars für das Gesundheitswesen, am 6. Rovember von Angora über Smyrna nach Lausanne reisen werden. Die Ankunft in Lausanne sei für den 11. November vorgesehen. In Abwesenheit von ISmid Pascha werde das Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten von Genir^l tabSchef General Fewsh Pascha wahrgenommen werden. Paris, 1. Rov. (WTB.> Rach einer HavaSmeldung aus Tokio werden der japanische Botschafter in London Baron Hayashs und der Vertreter Japans in der Tschecho- Slowakei Ragaska an der Orientfriedenskonferenz afs japanische Delegierte teilnehmen. Eine amerikanifche Note über die Wünsche der amerikanischen Regierung. Paris, 31. Oft. (Wolff.) Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Paris, H e r • r i ck, hatte gestern eine Unterredung mit Poincare. 'Bei dieser Gelegenheit hatte er dem französ s en Ministerpräsidenten eine Rote übergeben, in der die amerikanische Regierung zu denFriedenSbestim- mungenfürdenOrient Stellung nimmt. Die Rote erinnert daran, dah die Vereinigten Staaten nicht mit der Türkei im Kriege gestanden hätten und daher nicht qualifiziert seien, an den Friedensverhandlungen teilzu- nehmen. Sie zählt dann die Punkte auf, welche die amerikanische Regierung in Erwägung zu ziehen wünsche: 1. Schutz der philanthropischen, religiösen und Erziehungs-Institute unter geeigneten Garantien; 2. Zusagen betreffend die Handelsfreiheit der Vereinigten Staaten, durch die jedoch Sonderprivilegien für Handelszwecke nicht prajudiziert werden sollen; 3. Ausreichende Garantien für den Minderheitenschutz; 4. Zusicherungen betreffend die Freiheit der Meerengen; 5. Angemessene Erleichterungen für archäologische Forschungen und Studien. Die Regierung der Vereinigten Staater erklärt sich bereit, mit Zustimmung der beteiligten Mächte Beobachter zu der geplanten Konferenz zu entsenden, um die oben erwähnten Interessen wahrzunehmen und den Meinungsaustausch zu erleichtern. Teilnahme Belgiens? Paris, l.Rov. (WTB.) Rach einer HavaS- mefbung aus London hat Belgien die Staaten, die die Einladung zur Orientsciedenskonferenz abgeschickt haben, ersucht, an der Konferenz teilnehmen zu können, um seine Rechte im Rahmen der Kapitulationen im nahen Osten wahrzunehmen. Ein Ghrenfäbel für Kemal Pascha. Budapest, 31. Oft (WTB.) Korrbureaü. In der gestrigen Versammlung der hiesigen Stadtvertretung wurde' .ein Antrag, Kemal Pascha anlählich seiner Erfolge zu beglückwünschen und ihm aus öffentlichen, freiwilligen Beiträgen einen Ehrensäbelzu überreichen, mit lebhafter Zustimmung ausgenommen. Die mcmelsändische Deputation auf der Reife nach Paris. Tilsit, 31.'Oft. (WTB.) In der Til- fiter Bevölkerung wurde bekannt,"dah die Delegation des Memellandes, die nach Paris reist, nachmittags den hiesigen Bahnhof passieren werde. Eine große VollSmenge begab sich zum Empfang nach dem Bahnhof. Als der Zug einlief, ermahnte der Schmiede-Obermeister Endrejat die Delegation, nicht zu vergessen, dah sie deutsch seien und dah das Memelland wieder nach Deutschland zurück müsse. Die frühere ost- preußische Reichstagsabgeordnete Frau Drön- ner-Höpfner gab der Delegatton gleichfalls ernste Mahnworte mit auf die Reise. Auch in Insterburg fanden sich zum Empfang der memelländischen Abordnung tausende von Männern und Frauen vor dem Bahnhof und auf dem Bahnsteig ein. Der Vorsitzende des Deutsch-Litauischen Memellandbundes Insterburg, Konrektor PlauSktnat, sagte in einer Ansprache: Wir geborenen Memelländer verlangen die Rückgabe des Memellandes an Deutschland. Sollte das nicht möglich fern, verlangen wir das gleiche Recht, das unseren deutschen Volksgenossen in den Masuren, Schleswig-Holstein und Schlesien gewährt wurde: freie VolkSabsttmmung über das Schicksal unseres Heimatlandes! Der Rücktritt Lord Hardings. Paris, 1. Rov. (WTB.) Rach einer Havas Meldung bestätigt ein ©ornmanique, dah Lord Harding seiner Regierung mitgeteilt habe, dah er die Absicht habe, fein Amt Ende dieses Jahres zu verlästert. Die Nachricht fügt hinzu, dah der Entschluß einzig and allein aus persönlichen Rück- stchten erfolge, and dah die englische Regierung großes Bedauern darüber empfinde. Die Rückerstattung des deutschen Eigentums in Amerika. Reu York, 31. Oft (WTB.) Funkspruch. Die .Rewyork Times" meldet aus Washington: Der Verwalter des ehemals feindlichen Eigentums teilte nach Rücksprache mit Harding mit die Regierung mache energische 2Inftrengun©>n, damit das Gesetz, wonach das im Gewahrsam der Regierung befindlicye deutsche Eigentum, soweit es einen Wert von 100 000 Dollar nicht ■üferftetgt, zurückerflLttet werden soll, SaDigst In petner Sondersitzung des Kongresses verabschie- -et werde.-- Die Wahlen in England. London. 31. Ott. (Wolff.) Mach einer vor- fäutigert Qljtftellimg bewerben sich am die 615 Sitze im Linier Haus 435 Arrronisten, 160 National-Liberale, etwa 300 unabhängige Liberale und mehr als 400 Arbeiterkandidaten. Die end- jg-ültige Aufstellrng der Kandidaten erfolgt am 4. November. Das Verhältnis der einzelnen Parteien zu einander ist noch unklar, abgesehen vom Gegensatz zwischen der Arbeiterpartei und den übrigen Parteien. 3rt einigen Teilen des Landes erhalten die National-Liberalen allgemein die Ain- »erstützung darch die Libevalen, wahrend in anderen Teilen die National-Liberalen durch die KL>nservativen unterstützt werden, für den Fall, daß sie sich verpflichten, die allgemeine.Politik •Sonor Laws zu unterstützen. Wahrscheinlich werde das für Schottland und einige Teile Englands geschlossene Wahlabkommen noch. weiter ausgedehnt werden. Das genaue Verhältnis zwischen den Koalitronskoniservativen und Sonar Law ?,|ft trricht ganz klar. 3n einigen politischen Kreisen heißt es, die Veden Hornes und Birkenheads in Glasgow schien darauf hinSttveisen, daß sie sich bis zu einem gewissen Grade abseits halten, würden. Die Hochzeit Wilhelms II. Ne uhork, 28. Oft. Amerikanischen Blättern werden folgende Einzelheiten über die bevorstehende Hochzeit des ehemaligen Kaisers gekabelt: Die Zahl der Gäste, die an dem nach der Trauung stattfindenden Frühstück teilnehmen werden, beläuft sich auf etwa 40. Sie werden am 4. November in Doorn eintreffxn. Am Abend -kommt die Prinzessin Schonaich-Carolath an mit ihrer jüngsten Tochter, der Prinzessin Henriette. Zwei andere Kinder der Prinzessin Schönaich- Garvlath, Prinzessin (Sarno und Prinz Ferdinand gehen später auch nach Doorn. Die drei Kinder werden gesondert in dem Haus am Eingang des Parkes wohnen. Am Morgen des 5. (November wird zunächst der Heiratskontrakt zwischen dem Kaiser und seiner Sraut unterzeichnet. Dieses Dokument wird u. a. auch Bestimmungen über das beiderseitige Vermögen enthalten. Es ist strenge Gütertrennung zwischen dem Brautpaar vereinbart worden. Der standesamtlichen Trauung, die .von dem Bürgermeister von Doorn vollzogen wird, werden als Zeugen beiwohnen: Graf Carlos Sen» ting^Zehlesieen, ein Srüder des Grafen Senting von firner engen; Graf. Lhnden, ein Adjutant der Königin der Niederlande; Exzellenz Kan; Sykrr v. Jlsemann; General Graf Goltz aus Arnheim und der Sürgermeifter von Ameron- gen van dem Bösche. Die kirchliche Trauung wird der Hofprediger Dr. Heinrich Vogel leiten. Der Bibelspruch ist auf Wunsch des Kaisers derselbe, der auch bei feiner Trauung mit der verstorbenen Kaiserin mrgewandt wurde, nämlich Cvrinther I, 13, 13: „Sun aber bleiben diese drei, Glaube, Liebe, Hoffnung, aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Am Frühstuck nach der Trauung nehmen u. a. teil: der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz und Prinzessin Adalbert, Prinz Heinrich, Prinzessin Margarete von Hessen, Sie Lieblingsschwester des Kaisers, urrd Fürst «Prstenberg; von Verwandten der Braut: Fürst Stolberg-Rohla, der Gatte der jüngsten Schwester r Staut, und Fürst Heinrich XXVII. von Reich jüngerer Linie. 5 Meldungen über eine „Privatkrönung" der künftigen Gemahlin Wilhelms II. sowie über eine angebliche Steinach- oder Voronoff-Operation des Kaisers werden demintiert. Eine Meldung des „Vorwärts", wonach das Hochzeitsgeschenk des früheren Kaisers an die Prinzessin Hermine in der Hauptsache aus einem Brillantdiadem mit 700 Srillantsteinen im Werte von 800 Millionen Mark bestehen werde, ist vielleicht auch nur politische Tendenz- mache. Man muh jedenfalls zuverlässigere Mitteilung abwarten. Aus dem Reiche Sperre der Einfuhr von Auslandszucker. Serlin, 31. Oft (WTS.) Die Einfuhr von Auslandszucker ist vom 16. Novem-- ber ab nur noch auf Grund deyordlicher Etn- fuhrbewilligung zulässig. Die Sperre der Einfuhr von Auslandszucker konnte vorgenommen werden, da damit gerechnet werden kann, daß der Mundbedarf der Bevölkerung aus der inländischen Ernte hinlänglich befriedigt werden kann. Die erste Verteilung von Zucker .neuer Ernte erfolgt im Laufe des Monats November. Gegen übermäßigen Alkoholgenuß. Berlin, 1. Nov. Um dem übermäßigen Alkoholgenuh zu steuern, ist vom Danziger Polizeipräsidium eine Verfügung ergangen, wonach die Offenhaltung der Likörstuben nur noch an drei Tagen der Woche und dann nur auf einige Stunden gestattet wird. Aach einer Meldung des Derl. £ofaU anzeigers aus Breslau haben dort gestern sämtliche Gastwirtschaften von 3 bis 7 Ahr zum Protest gegen die Vervtdnung des Oberpräsidenten geschlossen, wonach für die Provinz Niederschlesien der Ausschank von Branntwein in der Zeit von 9 Ahr abends bis 8 Ahr früh verboten ist. Gleichzeitig fand eine Protestversammlung der Gastwirte statt, in der erklärt wurde, falls der Oberpräsident seine Verordnung nicht zurückziehe, würden alle Lokale geschlossen und das Personal entlassen werden. Ein Nachspiel zum Frankfurter Duchdruckerstreik. Berlin, 31. Oft (Wolff.) 3n einer kleinen Anfrage wurde darauf hingewiesen, daß während des Buchdrucker st reiks in Frankfurt a. M. die streikenden Buchdrucker den Verkauf auswärtiger Zeitungen, die sonst neben den Frankfurter Blättern verkauft wurden, durch Androhung von Gewalt verhindert haben. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, beantwortete der Minister des 3nnem die Anfrage folgendermaßen: Die Zusendung auswärtiger Zeitungen während des bo rügen Suchdruckerstreiks wurde durch die Organisation der Buchdrucker schon am Ort der Absendung verhindert, so daß nur ein verschwindend kleiner Teil auf Amwegen nach '^ranffurt a. M. gelangte. 3n fünf Fällen wurde ein Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet. Das wird erforderlichen Falles auch künftig geschehen. Aus Stabt unb Laub. Gießen, den 1. November 1922. Die neuen Gisenbahnfahrpreise. Heute tritt die vor einiger Zeit schon ange» kündigte Eisenbahnfahrpreiserhöhung um 100 Prozent in Kraft. Unter den zahlreichen Tarifsteigerungen, die wir seit der Aufhebung des Normaltarifs erfahren haben, ist das die zweite mit einer Verdoppeln ng der Fahrpreise. Der Einheitssatz für den Kilometer beträgt nunmehr 405, 213, 135 und 90 Pf. In den vier Klassen, gegen 7, 4,5, 3 und 2 Pf. beim ehemaligen Normaltarif. Die Schnellzugzuschläge sind gleichfalls erhöht worden, zugleich sind besondere Sä^ für foldye 1. Klasse vorgesehen Für Strecken über 150 Kilometer betragen die Zuschläge 270 Mark in der 1. Klasse, 180 Mark in der 2. Klasse unb 90 Mark in der 3. Klasse. Dennoch ist das FahrgÄd noch immer nicht das teuerste unter den Lasten des Wirtschaftslebens. Denn die Erhöhungsquote beträgt nunmehr erst das 45 - bis 50fachederFrie» densprelse. Die Auslandsfremden reifen noch immer fabelhaft billig bei uns, während das Sahnfahren für einen großen Teil der Deutschen trotz des noch erträglichen Teuerungsfaktors ein nicht unbedingt lebensnötiger Luxus geworden ist. Ebenfalls mit Wirkung von heute ab tritt eine 50pr ozentige Erhöhung her Eifenbahngütertarife ein. Dem „Tag" zufolge wird zum 1. Dezember höchstwahrscheinlich eine weitere enorme Erhöhung der Tarife vor- genonunen werden, und zwar soll dann eine Verdo p pe lung der zu dieser Zeit geltenden Sätze eintreten. Vornotizen. — Tageskalender fürMittwoch. Stadttheater, 7 Ahr: „Die Trösterin". — Großer Hörsaal der Anwersität, 8V4 Ahr: Lichr- bildervorttag der Gesellschaft für Erd-' und Völkerkunde. — Astoria-Lichtspiele: „Die Pantherin" und „Virginia, die Heldin von Pantomac". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn die £iebe nicht wär'!" und „Baby Peggy". — Palast-Lichtspiele: „Iwan, der Schreckliche" und „Der unheimliche Fahrgast". — Aus dem Stadttheater- Bureau. Wegen Grippe-Erkrankung von Fräulein Lu Wander kann in der 5. Frei- tag-Abvnnements-Vorstellung amFreitag, den 3. November, die Operette „Verliebte Leute" nicht gegeben werden. ES gelangt dafür zur Ausführung Gerhart Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz", die ursprünglich für einige Tage später geplant war. Die Ausführung des „Biberpelz" ist von der Bühnenleitung für diesen Monat vorgesehen worden, da Gerhart Hauptmann im November seinen 60. Geburtstag begeht. — DieLigazumSchutzederdeut- schen Kultur eröffnet die Reihe ihrer Wintervorträge am Donnerstag, den 2. November, mit einem Lichtbildervortrag des Herrn Franz Bergmann-Wetzlar über: „Die deutsche Heimat". Die schönsten und wichtigsten Gegenden unseres Vaterlandes werden hier an Hand von über 120 interessanten Lichtbildern, meist eigene Aufnahmen des Vortragenden, geschlldert und im Bild vorgeführt. Vor kurzem fand der Vortrag in Wetzlar den ungeteilten Beifall der zahlreichen Zuhörer. Der Saal ist geheizt. Näheres ist aus dem Anzeigenteil ersichtlich. — Die Sattler Vereinigung Gießen lädt im heutigen Anzeigenteil die Sattlermeister aus dem Kreise Gießen zu einer Besprechung zwecks Zusammenschluß am Freitag nachmittag ins Hotel Kobel ein. ÄeLtervorausfage für Donnerstag: Erneute Trübung und Regenfälle, starke südliche Winde, wärmer. Die Depression ist endgültig abgezogen, und hoher Drück hat sich hinter ihr aufgewölbt. Aeber der Nordsee und England liegen Tiefdruckwirbel, die sich mit großer Geschwindigkeit nähern. **ZurückgenommeneCrnennung. Durch Entschließung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 20. Oktober ist die Ernennung des Landwirtschaftsrats an der Landwirtschaftlichen Schule zu Alzey, Otto Becker, zum Landwirtschaftsrat an der Landwirtschaftlichen Schule zu Grünberg zurückgenommen worden. ** Die Vorbereitungen zuden Gemeinderatswahlen haben in einer Reihe von Gemeinden unseres Kreises recht eigenartige Tatsachen gezeitigt. Mehrfach sind Wahlvorschläge eingereicht worden, auf denen weniger Bewerber um die Gemeinderatssitze verzeichnet sind, als das betreffende Gemeindeparlament Sitze zählt, und in einer Reihe von Gemeinden ist überhaupt kein einziger Wahlvorschlag abgegeben worden. Beide Möglichkeiten sind im Wahlgesetz nicht berücksichtigt worden. Das Ministerium ist, wie wir hören, um Entscheidung in diesen Fällen ersucht worden. ** Der Gaspreis wird nach einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil vom 1. November ab auf 35 Mark für den Kubikmeter erhöht. • Die Pässe ehemals polnischer Staatsangehöriger, welche durch Einbürgerung oder Option (Frauen auch durch Eheschließung) die deutsche Reichsangehörigkeit erworben haben, sollen von den Bürgermeistereien eingezogen und dem Kreisamt bis zum 15. No- oember übersandt werden. ** Vom Theaterverein wird uns geschrieben: Wie aus der Anzeige in der gestrigen Nummer ersichtlich, werden von heute an bis zum Samstag die Mitgliedskarten für 1922/23 ausgegeben, zum Preise von 55 Mk. für die einzelne AvholesteHen des Gießener Anzeigers: 1. Am Riegelpfad,Ecke Ludwig- strahe 2. Bahnhofstraße 33 3. Bahnhofstraße 45 4. Bahnhofstraße 64 5. Crednerstraße, Ecke strahe 6. Dammstrahe 34 7. Frankfurter Straße 9 12. Kreuzplatz 11 13. Krofdorf er Straße 10 14. Liebigstrahe 71 15. Lindenplatz 5 16. Ludwigsplatz 4 Friedr. Gikmeier, Zigarrengefchäft Luise Joost, Zigarrengeschäft 3. Hermes, Papierwarengesch. Jakob Danh, Friseur Klinik- E. Merlau Nchf., Buchhandlung Philipp Gans, Kolonialwaren Th. Schlierbach, Kolonialwaren, Jakob Maternus, Kolonialwaren E. Banse Heinrich Weber. Zigarrengefchäft Christian Kuhn. Kolonialwaren Filiale Petersen, Zigarrenhaus I. Reinhardt, Kolonialwaren Heinr. Kalbfleisch, Kolonialwaren Peter Singel, Schreibwaren R.SchlabachNchf., Kolonialwaren Filiale Petersen, H. Treppinger Frau Jakob Filiale W.Moeser Karl Wetzel Nchf., Zigarrengefchäft Theo Schäfer Heinrich Driesch Otto Nachtigall, Kolonialwaren Ernst Balke, Kolonialwaren Eonrad Bender ll., Kolonialwaren Ehr. Schöirhals, Kolonialwaren Justus Woelke, Buchbinderei Konrad Männche, Kolonialwaren Johann Bohl, Kolonialwaren 17. Ludwigstrahe.EckeBiSmarck- strahe 18. MarburgerStraße 29 (Laden) 19. Marktstrabe 7/9 20. Neuenweg 38 21. Neustadt 41 22. Seltersweg 70 23. Steinstrahe 65 24. Stephanstraße 42, Ecke Bleichstrahe 25. Wallwrstraße 14 26. Weserstrahe 1 27. Wilhelmstraße 48 28. Wilsonstraße 15 29. Wolfstrahe 7. Ecke Kaiser- allee 8. Frankfurter Str., Ecke Klinik- strahe 9. Frankfurter Strahe 76 10. Friedrichstrahe 3 11. Kaiserallee 18, gegenüber Moltkestrahe Karte. Dieser Preis setzt sich zusammen aus dem Mitgliedsbeitvag von 15 Mk. und zwei Gutscheinen za je 20 Mk., die bei der' Loftvng der Eintrittskarten für zwei Opernausführungen in Zahlung genommen werden und verfallen, toerm die auf den Stammplatz des Mitgliedes ausgestellte Eintrittskarte nicht abgehoben wird. Diese Einrichtung soll der Wiederholung eines Mißstandes vorbeugen, der sich im letzten Winter zeigte: es waren da zahlreiche Stammplätze zwar belegt, Über die Eintrittskarten in einer sehr großen Zahl von Fällen nicht eingelost worden, und da im Publikum die QHeinung vorherrschte, daß weitaus die meisten Plätze abonniert und daher für Nichtmitglieder nicht erhältlich seien, so blieben immer viele Plätze leer, und die Kaste des Vereins wurde dadurch schwer geschädigt Die Einführung von Gutscheinen wird hoffentlich di« Mitglieder veranlassen, ihre Plätze, falls sie diese nicht selbst benutzen können, bei Bekannten unterzubringen. Es sind vorläufig für jedes Abonnement zwei Opern in Aussicht genommen, also im ganzen vier Opern. Wiederholung einer Oper findet grundsätzlich nicht mehr statt. Das Landes- tbeäter hat u. a. zur Wahl gestellt: „Ariadne aus Naxos" (Stvauh), „Don Juan" und „Die Entführung" (Mozart), „Maskenball" (Verdi), „Wildschütz" (Lortzing). Wahrscheinlich wird mit „Don Juan" begonnen werden. Bis Sonntag nicht bc zahlte Stammplätze werden am Mon ^ag an andere Mitglieder und vomDienstagabanNeueintretend. vergeben. Heutiger Stand des Dollars 10 Ahr vormittags: Berlin 4575, Frankfurt a. M. 4600. Der Elfenbeiner. *> Nun liegt et vor mir: Der Elfenbeiner, Alfred Bocks neuester Roman, den Eingeweihte freudig erwarteten und Freunde froh begrüßten, der jetzt zur Allgemeinheit kommt und — das wissen wir — nicht nur unter hessischen Christbäumen als willkommene Gabe in feiner vornehmen Bescheidenheit Weihnachtsabend und mit seinem Inneren Werte Mußestunden der langen Winterabende verschönern wird. Denn, dies sei festgestellt, kein nervenpeitschendes Kinosujet gebietet dem Gang der Handlung. Stille, unsagbar traurige Menschenwege führt uns das Buch; und die Entwicklung der Gestalten, das tragische Fort- schreiten der Handlung folgt mit logischer und psychologischer Notwendigkeit aus den Charakteren, den Seelen der Personen des Romarts. Von Alfred Bocks „Elfenbeiner" gilt nicht, was Goethe einmal aussprach: „Der Roman ist eine subjektive Gpopee, in welcher der Verfasser sich die Erlaubnis ausbittet, die Welt nach seiner Weise zu behandeln. Cs fragt sich also nur, ob er eine Weise habe: das andere wird sich schort finden." ____ Edle Seelen tiefen, dunkle und dunkelste Falten irrender menschlicher Herzen lernen wir kennen. Aber nicht nur dem Psychologen und Philosophen ist Bocks neuestes Werk verständlich und ein Ge- rtuft; offenbart sich doch gerade im „Elfenbeiner" die Große des Schriftstellers, des Dichters Bock: er bietet auch heute wieder, eben in seinem „Elfenbeiner", echteste, beste Volksliteratur. „Eigentlichster Wert der sogenannten Volkslieder ist der, daß ihhe Motive unmittelbar von der Natur genommen sind. Dieses Vorteils aber könnte der gebildete Dichter sich auch bedienen, wenn er es verstünde." Diese Goethesche Mahnung vermochte Alfred Bock zu befolgen und wahrzumachen. And nochmals weiß uns Goethe etwas in diesem Zusammenhänge zu sagen — das Thema des „Glfendeiners", die Charakterisierung des Titel- und Buchhelden: „Es ist traurig anzusehen, wie etn außerordentlicher Mensch sich gar oft mit sich selbst, feinen Amständen, feiner Zeit herum- •) Roman von Alf red Bock. Leipzig, Verlagsbuchhandlung J.J. Weber 1922. würgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen." (Aus „Kunst und Altertum".) In feinem „Elfenbeiner" nämlich schildert Alfred Bock den Lebens- und Leidensweg eines Elfenbeinschnitzers, der künstlerisch erhaben über eine kleinliche Umgebung, an dieser, insbesondere an der Che mit einer ihm wesensfremden, weil wesensarmen, oberflächlichen und seelenlosen Frau zerbricht. Der öde Alltag einer äußerlich und innerlich kleinen Stadt tut sich vor uns auf, des Dichters Mikroskop aber zeigt die buntschillernden Lebewesen, Menschen geheißen, in erbarmungslosester, aber naturgetreuester Schärfe. Die bösen Nachbarn, der treue Freund, die Schönheit des Taunus, eine traute Weihnachtsstube. Aeberall und immer fesselt uns pulsierendes Leben, wahrste Wirklichkeit. And die hochdramatische Schürzung des Knotens, der Höhepunkt, die Ruhepause, der Abklang, das Ende, dies alles atmet reinste Künstlerschaft. Die Sprache des Werkes paart künstlerische Feinheit mit erfrischender Volkstümlichkeit. Einzelne Genrebildchen, die nicht selten am Eingänge eines neuen Kapitels geboten werden, erinnern, wenn wir sie uns in Farben denken, an Spitzweg- sche Kunst. Ich weise hier z. B. auf das neunte Kapitel hin. Der Beginn des siebenten Kapitels aber fei im Wortlaute gebracht: „Der Sommer zog sich früh zurück. An feiner Statt erschien der Herbst und brachte Sturm und Regen. Im Schloßgarten ächzten und stöhnten die Säume, als ob ihr Stündlein gekommen sei. Am dir Freitafel bang, versammelte sich auf dem Adolssturm mit lautem Gekrächze ein Schwarm von Krähen. Drunten in der Wetterau breiteten Nebelfrauen ihr Gespinst." Nicht zuletzt zeigt sich auch im Beschluß deS Romans der Wert des Dichters und des Werkes. Aus der Seelenafche des unvollendet dahinsterbenden Elfenbeiners erwächst seine prachtvolle Tochter: in ihr werden die guten Gedanken and Fähigkeiten des Vaters toelterleben und sich den Mitmenschen kundtun. Auch wir wissen, legen wir das Buch aus der Hand, „daß unbesiegbarer Wille ihr Leben formte, daß die Kraft ihrer Seele sie höhwärts trug". Dem Lobe, das der „Kunstwart" vor einigen Jahren dem Dichter, unserem Mitbürger, spendete, schließen wir uns aufrichtigen Herzens dankbar und freudig an: es sei aufs innigste zu wünschen, daß die Bücher Alfred Bocks recht tief ins Volk eindrängen. Friedrich List. * * * Eine Kampswoche gegen die Schundliteratur. Aus Frankfurt q. M. wird uns geschrieben : Frankfurt hat sich gerüstet zum Kampfe gegen die Schundliteratur, die ja noch nie so üppig gedeihen konnte, wie gerade jetzt. Die Jugendlichen verdienen gut, und die Großstadt bietet genügend schmutzige Verlockungen feil. Wie groß das Schuldkonto der Schundliteratur ist, davon tonnen Jugendgerichtshöfe und Erziehungsanstalten traurige Beispiele erzählen. Die Jungen, Anerfahrenen, Abenteuerlustigen, die das Leben nicht kennen, lassen sich nur zu leicht verführen, schwärmen für die Helden der grellbunten Heftchen, wünschen es ihnen gleich zu tun, finden willig Kumpane, und das Ende ist Polizeigewahrsam oder Besserungsanstalt. Beides wird nicht viel mehr helfen, wenn der ®cTt verseucht, die jugendliche Seele durch das eile Gift verdorben ist. Seit Jahren schon führen Schulen, Jugendverbänds und Jugendamt den Kampf gegen diesen Feind der Jugend, der sich in tausenderlei Gestalten verbirgt, der hundert Schlupfwinkel und Helfershelfer hat, und der kaum zu fassen ist. Nun haben die verschiedenen Vereinigungen unter Führung des städtischen Jugendamtes einen planmäßigen Feldzug organisiert, eine Kampfwoche gegen die Schundliteratur, bei der mitzuwirken jeder Gutgesinnte und um das seelische Wohl unserer Jugend Besorgte aufgefordert wird. Man hat sich zuerst an die Vereinigung der Papier- und Schreibwarenhändler der Stadt gewandt, damit diese den Handel mit minderwertigen Schriften bei ihren Mitgliedern kräftig unterbrächt und Sorge trägt, daß nur gute, ge- - haltvvlle Lektüre an Jugendliche verkauft wird. Die Bereinigung hat sofort ihre Zusage und das Versprechen gegeben, mit allen Mitteln den geistigen Schund und Schmutz zu unterdrücken Durch Ausschreibung eines Schaufensterwettbewerbes hat man sie besonders zu interessieren gewußt, und die Jugend wird staunen, wenn sie die Fülle der guten Bücher, die noch dazu preiswert sind, in den Buch- und Papier- läden mit aufmerksamen Blicken betrachtet. Mit bestem Beispiel ist das .Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor borangegangen. Es hat eine große, jedermann zugängige Ausstellung guter Jugendschriften eröffnet, die vom Bilderbuch für die Kleinsten bis zum belehrenden Buch für die schon im Beruf Stehenden, alles zusammenfaßt, was nur auf dem Gebiete der Jugendliteratur zu frühen ist. And nicht nur die Jugend sollte diese Ausstellung besuchen, mehr noch die Eltern, Lehrherrn, Meister, wie überhaupt alle, welche Jugendliche beschäftigen. Am nun aber die Geschäfte, welche trotz gütlicher Vorstellungen nach wie vor den Handel mit Schundliteratur betreiben, zu kennzeichnen und um gleichzeitig die Jugend vor diesen Gewissen losen zu warnen, sollen ihre Namen öffentlich bekanntgegeben werden. Auch für die Jugendbüchereien plant man eine großzügige Aktion, man will die Bibliotheken der bestehenden Jugmdvererne za einer großen Zentralbücherei zusammenfaffen, dir noch ergänzt werden soll an belehrenden Schriften und Büchern. Diese Zentralbücherei soll dann die einzelnen Jugend vereine mit gediegenem Lesestoff versorgen. Nun aber fordert die Einrichtung einer solchen Bücherei größere Geldmittel, die vorläufig noch nicht vorhanden sind. Man hofft auf Zuschüsse von Staat und Stadt, und die Jugend selbst geht Gaben heischend mit Sammelbüchsen durch die Straßen der Stadt, um für ihre 'Bücherei zu werben. And Frankfurts Bürger sind freigebig, besonders, toerm es sich um die Fürsorge für ihre Jugend handelt. Aber aud> gegenseitig wollen die Jungen sich aufklären u-rib den Unerfahrenen die furchtbare Gefahr vor Augen halten, die ihnepr droht. In der alten Nikvlaikrrche am Römerberg führen Mitglieder von Juge-ndverernen das Spiel „Gevatter Tod" auf, andere ziehen hinaus aufs Land, um dort den Kampf gegen die Schundliteratur zu führen. asflBBa SUNLICKT SEIFE Hill Hill ----*111111 HIHI IIIIIIH u; inmen aus dm uid zwei ®ut» der Afmz der u'sührungen in verfallen, wem Hitgliebei aus- )den wird. Diese ng eines Mih- kehlen Dinier LiMplähe zwar in einer sehr ingelöst tooibcn, ng vorherrsch!«. abonniert unb tr&ältlid) feien, unb die Kalle geichädrgt. Die > hollenikich bu >e, falls sie diese ßctoten unter- t jedes Abonne nommen, also m ung einer Oper itt. Das Landes- It: „Ariadne au' und.Die 6nt- 'fLerdi)..Dild- wird mit .Don onntog nicht b mrlag an an derr nAeuemtretcnd.' Stifc KL f»r * aätes 5 Dollars 8: Vuntcrbrüdm SchausensleNveU' ^«s *X»i= ®s 1x141 ovr ^jjunb w Slla'- diesenSgich Mmen oll H ^gers; ?S}*» s?S* ?Äbs Ä Dans. »^^bach. NmalvL s^Qtemui Ä" LS°"- y^albficija) «ÄS Kolonialwarrr. E Petersen. 4-Treppinger rau 3ato5 ilialeD.Aoeiei d'gmengeschäft iieo Echüfer tinrich Driesch to 'MtiflaH, Koloniailoaren "st Dalle, ÄDlonialtixntn mabDenbrrii., Aviomakwar« ir.bchvnhalr, Kolonialtoattn ustus Avclle, Ducbbindaei innah Mnnche, Äoloniatoaren Johann Bohl, Äolonialvaren Berlin, 31. Oft Wie der berichtet 24 bei solchergestalt vor baä Publikum zu it. die Zahl der Opfer der Grubenexplosion auf der Zeche Druchstraße auf sechs Tote und Verletzte gestiegen. Durch glühende- Elsen verbrannt. Berlin, 31. Oft. Aus dem Marlinswerk Königshütte in Oberschlesien stürzte eine Hochschulnacheichten. fpd. Frankfurt a. M, 31. Okt. Die evangelischen Pfarrer Lic Greiner und Lic Schwa rzlose sind vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung beauftragt worden, von diesem Studienhalbjahr ab an der Universität Vorlesungen über Theologie zu halten. Berlin, 31. Okt. Wie die Blätter hören, hat das preußische Kultusmini ft erium aus Langendreer Boss. Ztg." wird, ist Vermischtes. Millionen-Diebstahl in Berlin. Berlin, 31. Okt. (Wolff.) Um Werte von 50 Millionen Mark bestohlen wurde gestern nachmittag ein in einer Charlottenburger Pension wohnhafter Peruaner. Der Dieb hatte das Zimmer des Ausländer« mit den an der Tür hängenden Schlüsseln ge- öffnet. Gestohlen wurden u. a.: Fünf Kreditbriefe auf je hundert Pfund, 528 Dollars. 1200 französische grauten und eine Anzahl sehr wertvoller Schmucksachen. Auf die Wiederbeschaffung ist eine Belohnung von drei MtlltonenMark ausgesetzt. 6 Tote, 24 Verletzte. Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen. Verhandlung vom 31. Oktober. Für die «Däckrgehilfen i»i Dießen und, Bad-Bau heim setzte der Schlicht ungsausschuß folgende Mindeftwochenlöhne fest: Schießer ab 30. Oktober 1922 4000 Mk., und ab 20. November 1922 4800 Mk., Teigmacher 3700 und 4500 Mk. und Lehtgehilfen 3400 und 4200 Mk. Für die Gewährung von Kost und Wohnung können die Arbeitgeber von diesen Sätzen wöchentlich 1800 Mk. bzw. ab 20. November 1922 2200 Mk. abziehen. Der Schiedsspruch ist für Bad-Nauheim bindend. Für Gießen erkannten beide Parteien ihn an. Die Lacksabrik Megerle in Friedberg soll vom 30. Oktober 1922 an. ihren Detriebsarbritern über 21 Zähren 90 Ml. Stundenlohn zahlen und die übrigen Löhne rrach der Abstufung in den früheren Schiedssprüchen entsprechend erhöhen. Seit dem 23. Oktober zahlte sie den Arbeitern über 23 Jahre 72 Mk. Der Fabrikarbeiterverband hatte die Durchführung des Dezrrkslohnabkommens der chemiichen Industrie für den Oktober gefordert, den Antrag aber erst am 25. Oktober beim Schlich- tungsausschuß gestellt. Der Schuheinlagenfabrik Konrad Birkenstock in Friedberg gab der Schlichtungsausschuß unter Nüctsichtnahme auf ihre besonderen Derhält- nrsse ab 30. Oktober 1922 Stundenlöhne auf von 25 Mk. für Arbeiter und 20 Mk. für Arbeiterinnen über 14 Zähren bis zu 75 Mk. für Arbeiter und 55 Mk. für Arbeiterinnen über 21 Zähren und 80 Mk. für einen verheirateten Arbeiter. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 31. Okt. Drr Magistrat sttmmte der Erhöhung de« Gas preise« von 36 auf 52 Mark für das Kubikmeter zu. Die Gasgesellschaft hatte 55 Mark beantragt. — Der Magistrat lehnte den Antrag des Tiefbauamtes auf Umbenen- nung des Paulsplatze« in „Platz der Republik" ab. Auch der Umläufe des HohenzollernplatzeS in „Platz der Republik“ stimmte er nicht zu. — Die Löhneder st ad- tisch en Arbeiter sind durch SchiedS- gerichtsspruch auf 105 Mark für die Arbeitsstunde festgesetzt worden. Die hierdurch erforderlichen Mehraufwendungen in Höhe von 87 Millionen Mark sollen, soweit sie nicht durch Tariferhöhungen zu decken sind, aus besonderen Mitteln entnommen werden, worüber der Magistrat Dor- lage machen soll. fpd. Fr ankfurt a. M., 31. Okt. Die Wucherpolizei beschlagnahmte bei verschiedenen Händlern größere Mengen von Kartoffeln, da der von den Händlern geforderte Preis von 800bis850Markfür den Zentner Kartoffeln mit Rücksicht auf die reiche Ernte zu hoch ist und auch nicht den amtlichen Notierungen entspricht. Aus dem Frankfurter Stadtgebiet dürfen keine K a r - toffeln mehr ausgeführt werden. Auf die den Kartoffelversand und auch die PreiS- den Bahnhöfen sind jetzt Beamte anwesend, Prüfung überwachen. — Der bei dem Lleber- fall im V-Zug Amsterdam—Basel zwischen Niederlahnstein und Frankfurt schwerverletzte amerikanische Major James Sauer- to e in liegt im städtischen Krankenhaus noch schwer darnieder und war bis zur Stunde noch nicht vernehmungsfähig. Die Nachforschungen nach den Tätern werden mit größtem Nachdruck von allen beteiligten Behörden betrieben, doch sind, wie wir hören, vorläufig noch keine Anhaltspunkte vorhanden, die in eine bestimmte Richtung weisen. Auf die Ermittlung der Täter hat bie amerikanische Behörde eine sehr hohe Belohnung ausgesetzt. — Aus dem Optikergeschäft von Karl Müller, Dieber- gasse 5, wurden in den Tagen zwischen dem 28. und 30. Oktober Optikerwaren im Werte von 360 000 Mark durch Einbruch gestohlen. Zugleich nahmen die Einbrecher ein Motorrad, „Torpedo" Nr. 2048, mit. Auf die Wiedererlangung der gestohlenen Gegenstände hat man eine Belohnung von 20 000 Mark ausgesetzt. den ihm unterltellten 2r)Dd>1d)iiLcn Anweisung gegeben, big zur Klärung des Streites zwischen ber beiden zur Zeil in Göttingen und Berlin-Thar- (Ottenburg amtierenden Dors itzenden bei deutschen Studentenschaft an keinen der beiden Vorstände mehr Za hlungen zu leisten. wo ich älter geworden bin. ist mir dieser Mut abhanden g kommen." Ucbiigenä war Herr Backhaus sehr befriedigt von der Nachricht, daß es nach Ablau i dieses Zahres den Deutschen wieder gestattet ist. sich in London niederzulassen. Er selbst betrachtet, wie er sagte, England als seine zweite Heimat. — Seine Gießener Verehrer werden. toeim ihnen auch sonst diese Art englischer Berichterstattung nicht zusagen dürfte, gewiß über das mannhafte Bekenntnis Backhaus' zum Deutschtum erfreut sein. *♦ Heber „DeutscheNot" sprach gestern abend der Schriftsteller Karl Grube- Berlin in einer Versammlung, zu der der Alldeutsche Verband, Ortsgruppe Gießen, ins Hotel Hirwenburg eingeladen hatte. Zu Veginn seiner Ausführungen beleuchtete der Redner den außerordentlichen Ernst der Gegenwart. Eins könne unser fast mit Sicherheit dem Untergange zutreibendes Volk noch litten- Die Einigkeit aller, die deutschen Blutes sind. Es dürfe nur eine Scheidung geben, nämlich in deutsch und undeutfch. Dieses Ziel habe sich der Alldmitfche Verband als heiligste Aufgabe gestellt. Er wolle das deutsche Gewissen sein, das unser Volk aus seiner entsetzlichen Krankheit des Pazifismus erretten müsse In diesem Zusammenhänge entwickelte der Referent die Ursachen, die rA Zähre 1918 zur Katastrophe führten. Als Belege für die Selbstvernichtting des deutschen Volkes zitterte er mehrere Erklärungen aus einer Versammlung zahlr-eicher AuLland^dmtfcher aus allen Ländern unb Erdteilen, die kürzlich statt- fanb und auf der scharfe Kritik an den Taten der seit der Revolution verantwortlichen Männer geübt wurde. Diese Deutschen, die mir das Motiv der selbstlosen Vaterlandsliebe zusammengeführt habe, hätten es einmütig ausgesprochen, daß sich das deutsche Volk von den fremden und undeutschen Einflüssen befreien müsse, wenn wieder ein deutscher Morgen anbrechen solle. Der Pazifismus bleibe auf Deutschland beschränkt, wo der internationale Marxismus als Todfeind deutschen Wesens die unheilvollsten Verwirrungen und Der- Wüstungen angerkbtet habe. Der 31. Oktober fei ein Gedenktag des deutschen Dekennermutes, der heute leider so selten zu finden sei. Mit der ernsten Mahnung, den furchtbaren Möglichkeiten der nahen Zukunft durch Zusammenschluß aller wahrhaft deutsch Gesinnten zu begegnen, schloß der Redner seinen Vortrag, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. •• Der Evang Arbeiterverein veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle zum Besten der Elisabe H-Klelnkindersc^ile einen gut besuchten Volksunterhaltungsabend, bei welchem das Drama in 5 Akten .Der Wilderer" von Friedrich Gerstäcker von Mitgliedern des Vereins aulgeführt wurde. Der Verein hatte sich auch diesmal wieder eine dankbare Aufgabe gestellt, die in bester Weife gelöst wurde. Die einzelnen Mitwirkenden fanden sich gut in ihre teilweise sehr schwierigen Rollen ein und boten unter Berücksichtigung des Umstandes, daß eS sich um eine Dilettantena ufführung handelte. meist reibt anerkennenswerte Leistungen. Auch die einzelnen Dekorationen, die zum Teil Eigentum des Vereins sind, verfehlten ihre Wirkung nicht. DaS Publikum verfolgte die Darbietungen bis zum Schluß mit gespannter Aufmerksamkeit und spendete reichen, wohlverdienten Beifall. Landkreis Gießen. x Wie leck, 31. Oft Der Schulvorstand beschloß die Anstellung einer besonderen Lehrkraft für die Fortbildungsschule: auch soll der Rathaussaal dem Unterricht der Fort- bi dnngs'chule zur Der ügung gestellt werden. — Die Liga »um S chu y e der deutschen Kultur ließ ihren neuen Wander-Kino hier mit zwei Filmabenden und einer Ausführung für die Schule feine Reise antreten. Man sah Rothenburg o. d. T. und Volksleben in Fläming, die Industries Urne Kohle. Eisen, die Bereitung von Porzellan. Zn die Welt de« Kleinsten führte »Leben im Wassertropfen": das Luftfpiel „3000 Mark Pelohnung" mit prächtigen Naturaufnahmen von Bad Elfter lieh auch die heitere Seite zu ihrem Rechte kommen. s. Trohe, 29. Okt. Gestern fand unter starker Beteiligung der Gemeinde im hiesigen Schulsaal die Einweihung eines Gedenk- blaltes für die 6 GefallenenauS unserem Dorf statt Ein zweistimmiger Schüler- chvr leitete die Feier ein. Das Blatt selbst ist das Werk des hiesigen Schülers W. Drück. Es stellt ein Kriegergrab dar, an dem ein lediges Reitpferd traurig fchnuppert. Als Sinnbilder des Krieges zieren den Hintergrund einige Trauerweiden und eine Ruine. Darüber sind die Bilder der Gefallenen mit Ort und Datum ihres Todestages und eine Widmung der Schule an- acb An die schlichte Feier schloß sich ein glönrtCiiber Vortrag des Lehrers Michel aus Ettingshausen über „Erziehung der schulentlassenen Zugend" an. Die Ausführungen des Redners fanden hoffentlich starken Widerhall in den Herzen der Zuhörer. — Eine Sammlung er- Sab die Summe von 1629 Mk., von denen das invaljmeu des Bildes bezahlt wird unb noch ein Rest von 199 Mk. für die Volksbücherei verbleibt * M ü n st e r, 31. Okt QIu5 dem Garten eines hiesigen Einwohners wurden in der Nacht vom Samstag zum Sonntag Wäschestücke im Werte von 20 000 Mk. gestohlen. Zn einem Nachbargarten wurden Säckeim Werte von 1200 Mk. entwendet Damit begnügte sich jedvch das Diebsgesindel nicht sondern stattete auch noch der Scheune eines dritten Einwohners einen Besuch ab, wo ihnen eine neue Fahrradbereifung für etwa 5000 Mk. in die Hände fiel. Der Borfall diene zur Warnung, daß man die Wäsche nach Möglichkeit nachts nicht draußen hängen lasse und ferner keine Wertgegenstände in unverschließbaren Räumen aufbcwahre. Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 31. Okt. Gewerbeschulvorstand Schindel von der hiesigen Gewerbeschule kann Anfang November auf eine 25- jährige Tätigkeit als Leiter der Anstalt zurückblicken. Lieber diese Aufgabe hinaus hat der Jubilar in dieser Zeit in zahlreichen Körperschaften und in enger 'Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt zum llyohle des hessischen Gewerbe« gewirkt. Kreis Büdingen. tz. Orten berg, 31. Oft. Am zweiten Tage des „Kalten Marktes" fand Rindvieh-, Schweine» und Pferdemarkt statt. Die Preise für Schweine zogen bei geringem Angebot bald sehr stark an. Ferkel kosteten prv Kopf 8—9000 Mk., Läufer 14—18 000 Mark. Auf dem Rindvieh markt enttoicfelte sich ebenfalls ein lebhaftes Treiben. Cs waren etwa 150 Kühe unb Rinder abgetrieben. Bezahlt wurden für erstere 140—200 C00 Mk., während Rinder mit 70—100 000 Mk gehandelt wurden. Der Pferde markt zeigte nicht den guten Bestand wie im verflossenen Zahle Fohlen kosteten 65—170 000 Mk., wählend 2 3jährige mit 200 000 Mark, gute Pferde besten unb schwersten Schlages mit 300— 500 000 Mk. verkauft wurden. — Der Krämermarkt zeigte ebenfalls ein lebhaftes Dilb.dgi die Landwirte nunmehr ihre Feldarbeiten bis auf wenige Reste beendet haben. Zedoch erlitt ber Krämermarkt eine starke Einbuße, als gegen 2 Llhr ein leichtes Regenwetter clnsetzte, dem später sogar ein Schneegestöber folgte. Deshalb zog es ein großer Teil des Publikums vor, in den nahe! izegen den Gasthäusern vor den LInbilden der Witterung Schah zu suchen. Diesem älmfto.rb dürften es die Wirte zu verdanken Huben, daß fie ebenfalls auf ihre Rechnung tarnen. Starkenburg und Nheinhessen. * Darmstadt, 31. Okt. Den Bemühungen des Großherzogs, der bekanntlich feit Jahren daran arbeitet, Darmstadt auch zu einem buchgewerblichen Mittelpunkt zu machen, ist es gelungen, für unsere Stadt ein ne u e s g r o - ßes Verlagsunternehmen zu gewinnen. Durch mancherlei Entgegenkommen, vor allem durch mietweise Lleberlassung dec Ro- senhöhe, gelang es, den aus Hagen i. Wests, scheidenden Folkwang-Derlag hier anzusiedeln. Der Folkwang-Derlag ist bekanntlich ein im Anschluß an Karl Ernst OsthauS' herrliches Folkwang-Museum gegründetes Unternehmen, das sich zur Aufgabe gestellt hat, die Kulturen der Welt in mustergültigen Werken zu vermitteln. Pfarme mit glühendem Eisen um und verbrannte fünf Arbeiter. Ein Arbeiter ist an den erlittenen Brandwunden bereits gestorben. Der Hallorenschatz bleibt in Deutschland Ha l l e a. S.» 30. Okt. Die Halloren haben, wie von der Salzwirker-Drüderschaft mitgeieilt wird, beschlossen, das Angebot eines Amerikaners, den sogenannten Hallorenschatz, der aus 40 bis 50 kunstvoll gearbeiteten sUbeimen und goldenen Bechern besteht, für e i n e M l l l ion Dollars zu verkaufen, a b g e l e h n t und er klärt, den Schatz unter keinen Lim ständen aus Deutschland entfernen zu lasten Kafsen-Zahnärztestreik hx Koblenz. tob. Koblenz, 31. Okt. Die für die K o - blenzer Ortskrankenkasse bisher tätig gewesenen Kassenzahnärzte haben die Behandlung der Kassenmitglieder und deren Familien angehörigen für Rechnung ber Ortskrankenkasse seit dem 19. Oktober eingestellt. Als Grund wird angegeben, daß die Ortskrankenkasse die Forderungen ber Zahnärzte für die geleistete Arbeit im drittel Vierteljahr unberücksichtigt gelassen hat. Erstaunliche Schnelligkeitsrrkord«. Zn Southampton sind vor kurzem erstaunliche Schnelligkeitsleistungen erreicht worden bei ber Kvhlenaufnahmc und Instandsetzung von Schiffen für die Abfahrt. So wurde daS Riesenschiff „Ma jeftic“ tn 30 Arbeitsstunden zu seiner Fahrt nach Neuhork fertig gemacht. Aehnliche Glanzleistungen find auch auf anderen Gebieten in früherer Zelt erreicht worden. So erinnert eine englische Zeitschrift an die Wette eines Darons, ber 100 Guineen zu bezahlen versprach, toerm er nicht um 7 Llhr abends in einem Anzug sich zu Tisch setzen wurde, dessen Wolle an demselben Tage einem Schafe abgeschoren fei. Die Vorbereitungen zu dieser Schnettarbeit wurden um 5 Llhr morgen« des fraglichen Tages begonnen. Rasch war das Tier geschoren und die Wotte gewaschen. Aus der Spinnerei, in die das Material dann sofort kam, kehrte es als Tuch am Nachmittag zurück, aber noch früh genug, daß ein Schneider, der mit seinen Gesellen bereits wartete, aus diesem Stoff bis um 7 Llhr einen eleganten Anzug berfleilte, und so konnte sich der Daron in diesem Kostüm um Punkt 7 Llhr an die Abendtafel setzen. Die Great Castern Railway Company brachte es feiiia, eine moderne Lokomotive mit Kohlenwagen in 9 Stunden 47 Minuten zu bauen Auch auf Werften und in anderen Maschinen^ fabrifen find solche Rekordleistungen vollbracht worden. Am meisten aber haben sich die Papierfabriken ausgezeichnet, die innerhalb weniger Stunden den Weg der Verarbeitung des Daumes im Walde zu gedruckten Zeitungen zu- rücklegten. Kürzlich wurde von einem foldjen Rekord einer deutschen Papierfabrik berichtet. Aber auch amerikanische Fabriken haben darin Erstaunliches vollsührt So wurden dort einmal drei Bäume um 7.35 Llhr abends gefällt, sofort in einzelne Stücke geschnitten und bann in die Papiermühle gebracht. Das erste fertige Papier würbe schon um 9.34 Llbr geliefert, also weniger als zwei Stunden, nachdem der erste Daum abgehauen war. Das Papier kam in eine 3 Kilometer entfernt gelegene Druckerei, und bereits um 10 Llhr abends konnten die ersten Exemplare der von dem Holzpapier gedruckten Zeitung abgegeben werden. Die Schuhfabrikanten haben auch in dieser Hinsicht ihren Ehrgeiz. So wurden in Amerika Schuhe innerhalb von 16 Minuten angefertigt, und bei einer Ausstellung in Islington Dauerte die Herstellung eines Paares Schuhe, bei der das Leder durch 53 von 63 Personen bediente Maschinen ging, 35 Minuten. Die Wollspinnereien haben schon früh ähnliche Rekorde aufgeflellt. So wurde 1837 in den Ettrick Milla innerhalb von 16 Stunden die Wolle eines Schafes In ein Zackett und eine Weste verarbeitet, und eine kanadische Firma vollbrachte diese Leistung sogar tn 91/1 Stunden. t e GeVührenfürDampfkesfel- Genehmlgungsgesuche und technische Tlntersuchungen der Dampskessel sind mit Wirkung vom 1. Oktober ab um 7900 v. H. erhöht worden. •• Neue Maßregeln gegen die E i n» ffchleppung der Maul- und Klauenseuche nach Hessen werden im neuesten Amt«verkündigungSblatl im Wortlaut zur Kenntnis der Znleresfem^n gebracht- Die Ausmerisam- tett dieser Kreise sei hiermit auf diese Dekannt- rnachung gelenkt. Die wichtigsten Neuerungen haben wir in unserer Nummer 251 vom 25. Oktober schon berichtet. - Anlagekonzert findet DoxmerS- tag, den 2. November, mittags 12 Llhr, am Liebig-Denkmal durch die Kapelle des 1. (Hessischen) Bataillons Znf.-Regt. Rr. 15 statt. (Nur bei günsttger Witterung.) Die Musik- folge ist: 1. Zaragoza-Marsch, F. Burald; 2. „Das LiebeSmahl der Apostel" (eine biblische Szene). R. Wagner; 3. Ouvertüre aus benx Zyklus: „1813-1815“, K. M. v. Weber; 4. Fragmente ÜuS der Oper: „Romeo und Julie“, Ehr. Gounod: a) Ouvertüre, d) Juliens Traunx, c) Dlumenwalzer, d) Marsch; 5. Mein Oesterreich! Marsch, Z. Preis. •* Wilhelm Backhaus Man teilt uns mit: Drr in weitesten Kreisen Gießens bekannte und beliebte Pianist Wilhelm Backhaus hat in den letzten Zähren in den Vereinigten Staaten, in Mittel- unb in Südamerika konzertiert und dort durch feine Kunst ber deutschen Musik zu neuen Siegen verholfen. Nach Europa Aurückgekehrt. hält er sich augenblicklich in London auf. Dort ist er, nach englischem Brauche, von einer Reihe von Berichteiftattem befragt tovcden Den Zahatt einer solchen Hnterrebung jab eine angesehene englische Tageszeitung kurz- ich wie folgt wieder: „Za wohl, ich bin Deut - d) e r und brauche mich deshalb nicht zu ent- chuldigen," sagte Backhaus, als ich ihm gestern nach mchr de m 8jähiiger AbwZmheit von London hier begrüßte. „Während des Krieges diente ich tm deutschen Heere. Auch das bedarf keiner ll^rteidigung. Zch genügte damit meiner Pflicht als deutscher Bürger unb habe es durch Hingabe an den Dienst sogar zu dem hohen Range eines Gesrciten gebracht." Zu ber Verwunderung seiner Freunde darüber, daß er das Haar jetzt kurz trüge, bemerkte Backhaus: „Wenn ich frühere Bilder von mir mit dem langen Haar sehe, tami ich nicht verstehen, wie ich damals den Mut fand, Ans dem AmtsverkündigungSblatt. * Das Amt s v erkün digu ngs bla t k Nr. 111 vom 31. Oktober enthalt: Rechnung ber Provinzialkafse für 1918. - Verordnung, die Abänderung der Verordnung über die Dampskeftel betreffend. — Pässe ehemals polnischer Staatsangehöriger. -- Dienstftuurden des Kreisschulamts. — Maßregeln gegen die Einschleppung ber Maul- unb Klauenseuche Heute nacht entschlief sanft nach langem Leiden unsere gute Mutter, Großmutter und Schwester Frau Ottilie Rudolph geb. Roß. Im Namen der Hinterbliebenen: Lydia Balke, geb. Rudolph. Gießen, den 31. Oktober 1922. wj) Die Beerdigung findet in der Stille statt I Todes-Anzeige. Heute mittag 12 Uhr entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit unser liebes, herzensgutes Kind und Schwesterchen Elisabeth im Alter von 3 Jahren. Die tieftrauernden Eltern und Geschwister: Familie Rochlitz. Gieften (Krofdorser Strafte 6), den 31. Oktober 1922. [9701 Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 21/, Uhr auf dem Neuen Jrtedhos statt. Die MmA W öem greis Wen werden ersucht, zwecks SiimtifiliB Steiino, öen 3. liooemöer, no®m. 4 Hör im SoleiSoöel in (Biegen, EleöigfttnBeS zu erscheinen. oioosö IieSMervereilliWgSietze» Versteigerung. Donnerstag, den 2. Nov., von "2 Uhr ab versteigere ick Brandgasse 3: 1 Ecksofa, 1 Tekc, 1 Nasiersessel.lTrumeau-Untersatz, Igroft. Spiegel, IKronleucht.. IBervielfältigungs- avuarat, 1 5koviervresse, 4 Iensterlttden, 2 Tische, 1 Blumentisch, 2 Bügelösen, 1 Gasherd, 1 Nechenmaschine, Parlieren, 1 Tisch- mangel, 1 Krokeitspiel, 2 Waschbülten, 1 Kinderbadew., 1 Sportwagen, neue Hand» laschen, 1 Peiroleumdruckuumve, 1 Paient- Tllrdriicker, 1 Teppich. Für Sattler; Bügel, Nickelschildchen usw. 1 paar tlltckelschlittsch., Herren-, Damen- und des. schöne Kinderkleider, HauShaliungssarhen u. and. mehr. H. Benner II., Auktionator und Tarator, Krofdorser Strafte 9. Annahme von Gegenständen all. Art, auch einzeln. Stücke. NB. In Privat zu verk.: 1 Brüssel. 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De sr Das s deuts^ ginslrabe sich wer« schastigl zusammen nennt, mentenm' n6in So summen^ beginn ' Zaren suhrung Pelcrsbm 20. 2 >6 [üjenM .711111^- i>i|cher ebenso täligung c i'alliancci Dann nicht als ' liums, sm Akademn. mit Heere unter „ äo richtige - stelle vei Aus und In J Tätigkeit geschildert rare als die Seschö er als K eine geger vor. Er dem Etrei nichts, um wahrend d Poincare bereits de Ibnnen ur Ärndesger zurückichre« Aepllblit heimliche Leo lölu rctia" gcnc Er sandte | Delcassk den 2au drüäen zu immer urge zu verstrich ietoo verüoi bürg, und ■ '.immenspie ötile eines die letzte »erzieh lich die fd mstürmken, ein furcht! Order bei er dahin t den begim der europ ausdehner unumschrä billc mit täuschte er Heutschlani der britisck Eingreifen hängniruoll Erfolg, b 19M nahm lind all Ein Eckreil Hier le-en \ den höchst W vm stil den äutzrrsl sra^k derh-alirn ■ snmzi)sisch< ™ ffrohem Widliin Sememe fleht diese mals^r Demü LOtodon zi Streitfra^ Di di, 'I»VI unan^^i ^Tvrlsehu fiAttc Magen LMu S Q[ abiv £tnl hast denke 1* ä? Mivr s,." *äl; fltifiru rQbD Nr. 257 Zweites Blatt Der entlarvte Präsident des Weltkrieges. Neuentdeekte «kbeimnften. 5>aß fr-eben erschienene OktobeiHeft bei .<5 üb* deulschm Monatehefte" (Verlag München. Äöni- ginstraße 103) bildet wiederum einen oufjerorbent- lich wertvollen Beitrag zur Schuldsrage. Es be- schäftigl sich wiederum mit Poincari-, den es zusammenfassend den Präsidenten des Weltkrieges nennt Aus dem umsangreichen neuen Doku- mentenmata ial, das in dem Hefte unter dem Titel .Ein Dolumentbrcvier für Herrn Poincarri' zu- laminengcstellt ist, hebt der Derfasser gleich zu Beginn einen Brief Poincarns an den Zaren Ailolaus II. hervor, der zur Ein- füb jng des Herrn Sekaffe als Botschafter in Petersburg geschrieben wurde Gr lautet: 20. März 1913. „M. Sekaffe wird mit E. M. und der Kaiserlichen Regierung über diese wichtigen Fragen lrussisch H.ercsverslärkung und Anlegung strategischer Bahnen an der deutsch n Grenze) sprechen, ebenso wie über alle diejenigen, welche die 'Betätigung des Bündnisses (le sonclionnement de i'alliancc) betreffen." Sann fährt er fort: „Wir fragen Sie hier nicht als Präsidenten des sranzösiscken Ministeriums, sondern als Mitglied der französischen Alademic Was versteht man im Zusammenhang mit Heeresverstärkung und strategischen Dahnen unter „ Fonctionnement de l'alliance" ? Durch eine richiige Interpretation dieser schwierigen Tert- stelle werde Poincare seinem wisfenschastlichen Rus und der Akademie neuen Glanz verleihen. 3n dem ersten Abschnitt wird Poincarös Tätigkeit als Präsident der Republik geschildert Als der Lothringer Raymond Poin- care als Ministerpräsident und Außenminister die Geschicke Frankreichs in die Hand nahm, fand er als Folge der Agadlrkrise im eigenen Land eine gegen Deutschland ausgebrachte Stimmung vor Er tat, obwohl Frankreich siegreich aus dem Streit um Marokko hervorgegangen war, nichts, um diese Stimmung zu beruhigen. Schon wahrend der Ballankrisis im Herbst 1912 glaubte Poincare am Ziele zu fein. Gr hoffte damals bereits den europäischen Brand vorbereiten z i können und war „bestürzt", als der russische Bundesgenosse zu jener Zeit vor dem äußersten zurückichreckte- Zum Präsidenten der franz^I^^chen Republik erwählt, setzte er seine unheimliche Tätigkeit, die der Franzose 2ei Blum „Sie Totengräber von Europa' genannt hat. mit verdoppelter Energie fort. Er sandte seinen Freund und Gesinnungsgenossen Soli affe nach Petersburg, um durch ihn dort den Bau von strategischen Eisenbahnen durch» aru.len zu lassen. Zugleich wußte er England immer tnger in das Retz der Kriegsvorbereituugens zu verstricken. Rachdem das Attentat von Sera- ictoo verüot war, reifte er bekanntlich nach Petersburg, und es gelang ihm dort im geschickten Za- 'itmenspiel mit den russischen Kriegshetzern vom mik eines Rikolai Rikalaijewitsch beim Zaren die letzten Bedenken gegen da s Blut- '»er gießen zu beseitigen, llnb bann, als ür') die schwersten Gewitterwolken am Horizont ■ruf türmten, frönte er sein Werk, indem er durch tu furchtbar geschmeidiges Spiel auf Mil- alieber deS englischen Kabinetts einwirkte und es dahin brachte, daß auch das englische Volk in den beginnenden Kampf verwickelt wurde und so der europäische Brand sich zu einem Weltbrand ausdehnen konnte. Während er Rußland durch '.inumsch'-änkte Zusage der französischen Waffen- hilfc mit höchstem Eifer zum Handeln antrieb, täuschte er nglanb seine Friedensliebe vor, um so Deutschland als den Angreifer hinzuftellen und der britifd)en Regierung die *Formeln für das Eingreifen in die Hand zu spielen. Seine verhängnisvolle Tatkraft erzielte den gewünschten Ersolg, die Weltkatastrophe vom Au;ust 1914 nahm ihren Anfang. Die Tatsachen find alte durch So! umente belegt. Ein Schreiben Iswolskis läßt sich deutlich ais. Hier (een wir nämlich, daß PoincarSs Wahl auf den höchsten Posten der Republik für R ißland sehr rci killxtft sei. Seine Wahl sei ein Sieg über den äußersten Radikalismus, der sich Rußland und dem fianzöfifchc-russischen Bündnis stets feindlich verhaftai hat. Weiter unten heißt eß dann, die französische Regierung werde ihre Dündnispslicht in grobem Umfange erfüllen. Sie fei sich dessen bewußt, daß das Endergebnis der augenblicklichen Bcrtc-ii'(ungern eine Teilnahme Frankreichs an dem ollgemmncn Kriege notwendig machen werde und fiel;* tiefer Möglichkeit kaltblütig entgegen. Damals war bekanntlich nach dem Balkankriege durch das Bemühen der Großmächte eine Konferenz in London zustande gekommen, die die bestehenden Streitfragen auf friedlichem Wege schlichtete Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Poincare behielt aber den Krieg ununterbrochen toi 2luge .Damit aber Frankreich," so schreibt Iswolski weiter, „jede Minute Rußland im weitesten Blaße seine Freundes- _:nb Dundesgenossen- Hilfe erweisen kann, bittet uns die französtsche Regierung inständigst, keinerlei Einzelhandlangen ohne vorausgegangenen Gedankenaustausch mit dem verbündeten Frankreich zu rnternehmen. denn nur unter dieser Bedingung kann die Regier mg die französische öffentliche Meinung erfolgreich a if die Rotwenbigkeit einer Teilnahme an dem Kriege vorbereiten Welch ein unerschrockener Zynism is Wenn dir ilnterrcbungen zwischen Iswolski unb dem Präsidenten streng geheim waren, fo fehlte es doch nicht an Männern in der politischen Welt, die damals Unheil ahnten und ihre warnende Stimme erhoben. Besonders der belgische Gesandte in Paris. Baron S j i 11 a t m c weist in seinen Berichten, die in dem Hefte gleichfalls vorlivgen, o 4 Poii ;ar<5 als Friedensstörer hin. Wie eine Bombe schlag nach dem Urteil des oben erwähnter« belgrschen Diplomaten dann bk Ernenn ing Dekas lös zam französtschetr Boilchafter tu Petersb lrg ein. Der seitherige irai’öfiia ’ Buschas irr. Georges Louis, war der Anhänge einer maßvollen Friedenspolitik und c. muß ? i? S:?i(b gestürzt werden. Gin vertrauliches Schreibeir Iswolskis on Ssasonow Inf t er le neu. welch : Pflichten Sekoffc alle zu erfüllen batte Sarin heißt es. daß Sekaffe ganz speziell der Auftrag erteilt worden fei, die russische Militärvei «valtang von dec Rotwendigkeit neuer strategischer Wege zu überzeugen un dadurch das Zasammenziehsn der russischen Armee an der Westg > e it z . ; i beschleunigen. Sie hierzu ersorde,stch > Heilmittel sollte der neue Botschafter zur B i fitgung stellen. Das Sckiffc mit der Vorbereitung des Krieges zusammenfrängenbe Aufträge zu erledigen hatte, beweist auch ein Schreiben, das Poincare eigenhändig an den Zaren richtete. Ser 5?ift. der unter dem Präfidertten Poincare in Paris herrschte, erregte immer mehr die Befürchtungen ausrnerk- famer Beobachter. So auch des russischen Botschafters in London. Denckendorsf, ler am Schlüsse eines Schreibe rs sagt, daß von alleni Mächten Frankreich die einzige ist. die den Krieg doch ohne gioßes Bedauern sehen würde. Jedenfalls habe nichts gezeigt, daß Frankreich aktiv dazu beiträgt, in dem Sinne eines Kompromisses zu arbeiten. Wenige Wochen später wurde die Einfüi ung res G?.tzes über die dreijährige Sienstze i in Frankreich aktuell. Im Juni 1913 fährt Poincare mit Picho.r nach London. Damals begatn ganz .ielbewu, t Die Arbeit in London. Im Oktober 1913 kommt Sjasonow nach Paris und dort wir. der erste G.u Vo -gelegt zur Verständigung Englands und Rußlands. ^Poincare halte hauptsächlich die Vennitfterrolle übernommen. liun folgte Pomcarös zweiter Besuch in 'Rußland. Er fährt vom 20. vis 23. Juli 1914, also kurz nach der Ermordung des D|terreij;i]d)en Thronfolgerpaares. Europa sieht ängstlich und bang den kommenden Ereignissen entgegen. Ser Besuch ist in allen Einzelheiten geschildert, man schwelgt in Petersburg über da? vollständige Einverständnis und bat alle Vorbereitungen getroffen, die der ganz bestimmt in Aufsicht genommene Krieg erforderte. Sie Großfürstinnen Anastasia und Melitza. die beiden Montenegri» nerinnnen, machen aus ihrem Herzen leineMörder- grübe. Das Lehrreichste bleibt das Telegramm des König Rikolaus, von dem die Grohsür tin spricht, und das schon am 22. Juli mit Sicherheit den Krieg voraussagte, obwohl damals Oesterreichs Ultimatum an Serbien noch nicht überreicht und noch nich bekannt war W-e gut Poinxtrs d e kämpfe fr.ubige Stimmung uu^u nützen wußte, bewein sein Adschieostoaft am 23. Juli, der in den San austlang: „Sie beide". Länder haben das gleiche Id ml ?ine^ Friedens in Kraft, Ehre und Wär e " und der französische Botschafter, P e l p o I o g u e, füg' ein u „die leö- ten Worte, die zu hören man wirtlich nötig batte, entfesselten einen Sturm des Beifalls. Ser Großfürst Rikolai Rikolajewitsch de Grohsü.stin Anastasia, der Großfür l Rikolai Michailowil.ch warfen mir flammende Blicke zu' Poi'cars wurde von den Anhängern des Krieges als Ge- finnungsgenoffe verstanden Den Zar zu beeinflussen und mutig zu machen, war zweifellos eine Hauptaufgabe fein?3 Besuches, der iich der Präsident bis zur letzten Minute widmete. Es ist in der Zwischenzeit unwiderleglich festgestellt worden, daß der Befehl zur russischen Mobilmachung am 30. Juli erging Am 31. Juli wird Pvincares Werben um England immer stürmischer. Gr sendet einen eigenen Boten mit einem Brief an den König von England. In London verstand man. was Poincare wollte, denn die Antwort des Königs Georg fiel zunächst ausweichend aus. Es galt also vorsichtig zu fein, um womöglich England doch zum Handeln zu bewegen. In dieser Hinsicht ist eine kürzlich zum erstenmal vollständig mitgeteilte Depesche Iswolskis an Ssasonow vom 1. August höchst lehrreich Darnach erklärte der Präsident Poincare in der kategorischsten Weise, daß sowohl er selbst, wie auch der Ministerrat fest entschlossen seien, die Frankreich durch den Bündnisvertrag auf erlegten Verpflichtungen auf das genaueste zu erfüllen „Doch meint er. aus Rücksicht auf die Konstitution und aus Erwägungen, die hauptsächlich England betreffen, wäre es besser, wenn die Kriegserklärung nicht von feiten Frankreichs, sondern Deut sch lands erfolgte“ Wir kennen „die Erwägungen, die haupnäcylich England betreffen“, und wir sehen, wie kaltblütig Potncarö bis zuletzt an ihnen festhielt. Auch aus einer weiteren Depesche, die im russischen Orange- buch unter Rr 75 angeführt ist, geht hervor, daß Poincare längst zum Kriege entschlossen war. aber der Ausbruch mußte so arrangiert werden, daß Frankreich als der angegriffene Teil erschien Wohnungsprodnktion und Wohnungsbedarf in Giesien im Jahre 1922. Zu dem Artikel unter dieser Ueberfchrist in der Freitag-Rurnmer er haften wir folgende Zu- sch ist: „Ser „Gießener Anzeiger" bringt in feiner Rr 253 vom 27. Oktober einen Au satz über Wohnungsproduktio.i und Wohnungsbedarf im Jahre 1922 Soweit er die Gießener Verhältnisse betrifft, ist gegen das Gesagte nicht mel ein- zuwenden, obgleich auf dem Gebiete der Woh- nungsb Schaffung auch hier manches hätte anders sein können. Dagegen reizen die Schlußfolgerungen direkt zum Widerspruch und bedürfen unbedingt einer Widerlegung. Ser Verfasser ist offenbar der Ansicht, daß die vermindert? Woh- nungsprodu tion auf die Mietpreisfestsetu acr und Mietgesetzgebung zurückzuführen sei. Er läßt aber dabei außer acht, daß die Micterfchutzbestimmun- gen und das Reichsmietengesetz auf die Reubauten. die nach dem Krieg entstanden find, überhaupt leine Anwendung finden, daß also bei diesen Bauten völlig die freie Wirtschaft besteht und auch der Mictpi eisscstsetzung keine Schranken gefegt sind. Wenn sich trotzdem das private Kapital nicht an hem Wohnungsbau beteiligt, fo hat das andere Gründe. Hauptsächlich ist es das g.waltige Risiko, das der Erbauer bat, bei einem eventuellen Steigen des Markwertes, denn ein HcwS ist lein Saisonartikel, es ist für mindestens 100 'Jahre gebaut. Unb wir hoffen, daß wir im Lause dieser Zeit wieder auf einen besseren Kurs unserer Mark kommen werden. aber die Summo, die auf d?m Hause lastet, bleibt nominell die g tziche. er ährt aber eine bedeutende Lntwerlung. Schon dieser Grund allein hält bas private Kapital ab, sich am Wohnungsbau zu beteiligen. Was die Mietgefehgebung betrifft, so ist diese vom sozialen, als auch vom rein menschlichen Standpunkt aus als richtig anzuerkennen. Saß die Mietpreisbildung auf der Basis der Friedens- Werte aufgebaut ist. ist ein Gebot der Gerechtigkeit schon den Besitzern der früheren Gold- und den daraus gewordenen Papierwerten gegenüber. Unb in bezug auf baß Wohnrecht halten wir es für einen unwürdigen Zu stand, daß es der Willlür einer einzelnen Person überlassen sein soll, um die Konjunktur ausnutzen zu können Hunderte von Familien einfach auf die Straße sehen und sie dem Elend preisgeben zu können. Von einer Sozialisierung des bereits vor- ban denen Wohnrr-mes (denn nur um ri ie solche form es sich 1 unbeln) halte ich persönlich nid>t viel, sie würbe uns teuer z.u stehen kommen. Auch formen mir nicht darauf warten, bis es dem Priva'kapital 'gefällig ist, sich wieder des Woh- nungslaues anzunehmen. Helfen kann uns nur folgendes: 1. eine Besserung unseres Marckwertes, 2. eine scharfe Bekämpfung des anverschämten Da.i st off Wuchers unb eine daraus folgende Verbilligung der Baustoffe, 3. eine a.if genossenschaftlicher Grundlage basierende Förderung des Eigenbaues, bei dem weder die private Initiative noch die Hilf? des Staates und der Konununen ausgeschaltet werden darf. Alle Faktoren müssen zusamrnenwirien. Es m u ß ein Weg gefunden werden, denn das Wohnungselend ist furchtbar und wird tagtäglich schlimmer. Hebermeh l." * * * Wir geben dieser Zuschrift gerne Raum, obwohl sie sich mit brr Gießener Seite der Veröffentlichung nicht weiter befaßt. — da „gegen das Gesgg e nicht viel ein utoenben ist" —, so dein Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Li esbe t Sill. 28. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) „3a, aber verehrter Herr, Sie sind ja erst vier Wochen hier," grollte Kollins Bah, der alles übertönte, „ilnb wenn ich nach Krotoschin verschlagen würde, was Gott verhüten möge," Kollin schlug drei Kreuze, „dann würde ich erst einmal abwarten, bis ich die Leute dort kennen gelernt hätte, ehe ich über sie urteilte! Senn wenn ich denen sagte, was ich über die Preußen denke —" Sie Generalin räusperte sich, sie war bleich geworden. „Was wäre bann?“ fragte der Major kurz, während seine Hand mit bem Messerbänkchen kleine Kreise beschrieb. „Sann würde icy an die Wand gestellt und erschossen." .Gott, o Gott!" Frau Kollin hatte auch einmal etwas gesagt, aber ste schwieg, erschreckt von dem D:ick ihres Ehemannes. „Ich bin gewohnt, zu reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist," vollendete Kollin. „Bravo!' rief der General und erhob sein ^riülltes f Glas, „Ihr Sechsundachtziger Schloß- „Ihnen wäre es wohl am liebsten, wenn wir die Franzosen wieder hier hätten?" lieh sich General Kuhnt vernebmen. „Rein, das wäre mir schon eiitze ■ erwarten. Sei Herr Einsender wird diesen Kreisen manche Hoffnungen knicken. Für uns ist die Sozialisierung, auch die des künftigen WohnrauneS, jedenfalls eine Sache, die sich in Flugschr.f:cn unb gelehrten Abhanblunuen viel beste- aufnimmt. af3 in der rauhen Wirklichkeit. In den drei Schsußforderungen, deren erste wir ja auch schon auf bellten, gehen wir mit bem Herrn Einsender einig Aus Stabt und LnnD. Gießen, den 1. Rovembrr 1922. griffen des Reichsvorsorqunllsllcsctzes. Verschiedene Fristen des Gesetzes über die Versorgung ber Militärpersrinen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienstboschädigr'ng sind bereits <$b- gelaufen ihre Bei längernng ist aber im W-qc der Gesetzgebung beabsichtigt. Das RLichsarbeitsmini- sterium hat daher f. Zt. angeorbnet, die Entscheidung über solche Anträge, für welche nach dem Rcichsversorgungsgesetz die Fristen bereits abgelaufen sind, zunächst a usznfetzen. Sa die Verlängerung der cF.'isten tot Wege der Gesetzgebung bisher nicht möglich war, ist durch das Reichs- arbeitSmtoisterium nunmehr oerfrigt worden, die vorgenawrtcm Anträge so zu entscheiden, wie wenn die Fristen nicht obgelaufen wären. Sie hiernach eigch.rt.ee, Bescheide sind zwar zunächst nicht be- ru-j-rrtgrii ri.ig es ist ober die @rLeitung berufunas- fäfrigct' Bescheide nach gesetzlicher Regelung Der Fristverlängerung in Aussicht genommen. Anskinft ü>er die in Frage konrntendenf Fttsteuu ei teilen die örtlichen Bersorgungsämter. •* Kleine Münze. Für >und 35 Millionen Alumi ium-D cima kstucke sind bisher tn der Berliner unb zu f(einem Teil it der Hamburger Münze ausgeprägt worben im ganzer bis Ende Sevtember 11 639 652 Stück. Die anderen deutschen Münzen (Müntz,, n. Muldner Hü te. Stu tgart und Karlsruhe! haben feine Dreimarkstücke geprägt, sondern nur Fün szigp' eitn igstücke. deren jetzt 4^1 16b 717 in älnt!auf fein sollten, sowie Zehn- psennigstücke richsring dahier wurde tn der Rächt zum Sonntag ein Einbruch aus» geführt Die Einbrecher haben die Fenster ausgebleit und dann herausgenommen, worauf sie in hie Kirche eindrangen. Sie stahlen aus dem» von ihnen erbrochenen Tabernakel vergoldete Kelche und andere Wertsachen. Bis jetzt konnte man die Diebe nicht ermitteln. Kreis Wetzlar. * Braunfels, 30. Oft. Gin Opfer der Zeitungsnot ist auch der „Braunfelser Anzeiger" geworden. Sn seiner letzten Rümmer teilt der Verlag mit, daß am 1. Rovembec das Erscheinen des Blattes eingestellt werde. Dermikcktes. * Brennender 'Berg. Aus Kassel wird uns geschrieben: Sn dem größten Gebirge von Kurhessen, dem sogenannten König der hessischen Berge, im Meißner, in dem der Sage nach Frau Holle wohnt, bereiten sich geheimnisvolle Dinge vor. ülnweit einer der höchsten Stellen, in der Rahe des romanttschen Schwalbentals, sind riesige Felsmassen in Bewegung geraten, bröckeln und wandern, und alles b.ntet auf einen regelrechten Bergrutsch hin, der wahrschenlich mit einem unterirdischen Brande in Verbindung steht Dieses Feuer im Berge muß eine gewaltige Ausdehnung besitzen. Darauf läßt schließen, daß sich zahlreiche Erdlöcher in dem gefährdeten Gebiet gebildet haben, au; dein übelriechende Dämpfe aufsteigen. Um das Holz nicht zu schädigen hat die Forstverwaltung den alten Baumbestand dieser umfangreichen Gegend niederlegen lassen, so daß der felsige Berg mit einem Felde von Baumstümpfen einen unwirtlichen, in seinem Chaos aber großartigen Eindruck macht. Da der Berg kohlehaltig ist, kann angenommen werden, daß jahrtausendelanger Druck des Gebirges diese Kohle zur Entzündung gebracht hat. Ein unterirdisches Feuer, das wiederholt an« gebohrt worden ist, loht auch in den etwa sechs Stunden von dem Meißner entfernten Braun- kohlengruben Oberkaufungen bei Kassel. . * Der Detektiv imewigen Eise. Eine Tetektivtat im ewigen Eise des Polarkreises hat *x Sergeant der kanadischen berittenen Rordwest- polizei vollbracht, indem er nach einer Suche von 12 Monaten weit nördlich ton Daffinsland drei Eskimos verhaftete. Die Eskimgs gestanden, daß sie vor vier Jahren am Kap Crawford einen Trapper namens Robert S. Janes auf Reafund- IanJ> ermordet hatten. Janes war 1916 nach Rvrd- baff instand gegangen, um dort Pelze za erlangen. Er blieb dann za Pond's Snlet im Ronden der Dosfinsbai und begann einen Handel mit den Eingeborenen. Dort kam er ums Leben. Als die kanadische Regierung darauf aufmerksam gemacht wurde baß Janes verschollen war, schickte sie eine ÜIntersuchungstruppe nach Bafsinsland, die Sergeant Joy führte. Es war eine schwierige Aufgabe, in dem ewigen Eis die Spuren eines so Lange zurückreichenden Verbrechens zu entdecken, aber der tüchtige Detektiv führte sie zu glücklichem Ende. Gr stellte die Stätte fest, an der der Trapper beerdigt lag. grub die Leiche aus und sand sie infolge des Frostes in vortrefflicher Erhaltung. Eine Prüfung ergab zwei Löcher von Gewehrkugeln im Rücken, und auf Grund dieser Anhaltspunkte konnte Hotz die Verbrecher feststellen, die denn auch den Mord eingestanden. Der Detektiv muß den ganzen Wrnter in Pond's Snlet bleiben und feine Gefangenen bewachen. 3m Frühling wird dann so schnell wie möglich ein besonderer Gerichtshof aus Ottawa geschickt werden, um die Mörder abzuarterlen. Büchtrt-sch. — Jahrbuch der Technik (Technik und 3ndustrie). Jahrgang VIII (1921'22). SUuftriert (Stuttgart, Franckhs Technischer Verlag, Dieck L Co.) Sn einer Reihe interessanter Abhandlungen erster Autoren der betreffenden Fächer entrollt sich uns hier ein Bild der technischen Fortschritte auf allen Gebieten. — Gertrud von Brockdorff, „Der große Schlag". Geschichte eines Spekulanten. Verlag Guido Hackebeil A.-G.. Berlin S. 14. Das stilistisch flüssig geschriebene Buch führt uns die zerrissene, entwurzelte Halbheit unserer bangen Zeit vor Augen und zwingt uns, ohne pharisäische Grundstimmung zur inneren Einkehr. — Alexander Dumas' Romane s'nd frn Francths Heimat- und We t erlag. Sief u. Co., Stuttgart, Pfizerstraße ?, in bester deutscher Bearbeitung ungekürzt, zu n Teil illustriert, erschienen. Auch die interessanten .Ergänzungen" dieser spannenden Bücher, wie „Totenhand", Herr der Welt", „Millionenbraut" e.le.en in unserer aufs Abenteuerliche gerichteten Zeit wieder eine Auferstehung und werden von dem genannten Vertag in gutem Gewand herausgegeben. — Aus Großvaters Tagen. 6 0 Dil - der von Theodor Hosemann. (Singeteitet von Professor Franz Weinitz. Vertag von Julius Hoffmann in Stuttgart. Kaum ein Künstler schildert mit so viel Behagen und zugleich mit so viel gutmütigem Spott die sorglosen Kinderspiele, die übermütigen Jugendstreiche und endlich das Leben und Treiben des kleinen Mannes und ehrsamen Bürgers in Großväterzeiten wie Theodor Hose- mcmn Das anspruchslose Düchelchen wird manchem Kunstfreund eine Freude machen. Handel. Der Goldbestand der Rerchsbauk. Sn der. Z e n t i a l a u s s ch u ß s i tz- u n g der Reichsbank am 28. Oktober nahm Präsident Haven st ein Stellung zu der Forderung, dm Goldbestand der Reichsbank zur Stütz ung des Markknrses zu verwenden. Er bekannte sich erneut als Gegner einer solchen Verwend ing, da man diese letzte Währungsrücklage der Volkswirtschaft für den späteren ülebergang zu einer stetigen Währung viel zu notwendig! brauche, im fie jetzt zu vermindern. Der Präsident beschäftigte sich ferner mit der Sroge der Gold- scha hscheine, deren Ausgabe er als ehren recht gefährlichen Versuch ansehe. Das Reich gehe hier eine höchst bedenkliche Valutaspekulation ein, mit der man sich nur dann praktisch einverstanden erklären könnte, wenn e3 sich um einen kleinen, jeder- zeit zu beendigenden Vers uch handle. Rar in diesem Sinne habe er sich gegenüber der Regierung auch für die Schaffung eines solchen wertbeständigen Papiers ausgesprochen. Auch dieser Auffassung stimmten die Mitglieder des Zentratausschus- ses bei. Eine Aenderu n g des R'e ichsbank- s a tz e s wurde nicht beschlossen. Berlin, 31. Oft 3m Devisenverkehr zogen am Vormittag die Rotierungen erheblich an, ohne daß aber die Umsätze wesentlich über das jetzt gewohnte beschüdene Maß hinausgingen. Bei der allgemeinen Zurückhaltung und Tlnsichrrheit über die weitere Entwicklung bewirkt die nach wie vor verhältnismäßig kleine Nachfrage ein stärkeres Anziehen der Rotizen. Bei der amtlichen Festsetzung kam seitens einer ersten Bank etwas mehr Angebot an den Markt, so daß London und Reuyori den Vormittagskurs von 20 500 bzw. 4600 nicht behaupteten. Roten und Effekten wurden entsprechend dem Verbot des Börsenvorstandes an der Börse auch im freien Verkehre nicht gehandelt Frantj» r i a. M., 31. Oft. Dorfen- st j m m u n g s b i l d. He ite fand ein Verkehr in Effekten nicht statt, und die geschäftliche Tätigkeit der Boise deschrantte ,ich aus oen Hanvel in Devisen. Es hatten sich zahlreiche Dörsenbesucher rn den Börienräumen eingef inben. Rach den vorliegenden Rachiichten ais der Provinz und den hiesigen Dörsenkreisen halt die Rachfrage nach Effekten an. Seitens des Publikums liegen Kauf- und Der- kaufsaafträge vor, so daß für morgen eine feste, aber uneinheitliche Stimmung zu erwarten ist. Der Devisenmarkt lag fest, doch blieb die Teilnahme hieran schwach. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Ttotie rangen. Datum: 30. Oktober 3L Oktober Geld Bries Geld Brie? Antw.-Brüssel . 20!),SO 271.20 2^,75 291,25 Holland...... 1613,40 1651,60 1775,55 1784,45 Vonöon...... 187,53 188,47 203,65 204,35 Paris....... 295,25 296,75 317,25 318,75 Schwei»...... 760,60 764,40 819.95 824,05 Spanien..... 638,40 641,60 692,25 695,75 Italien...... 165,60 166,40 180,55 181,45 Lissabon-Ovorto ——,— Dänemark .... 849,85 854,15 913,70 918.30 Norwegen .... 760,55 764,45 820,95 825,05 Schweden .... 1125,15 1130,^5 1211,95 1218,05 HeliinasorS. . . . —114,75 115,25 Neunork...... 4213,30 4266,70 4501,20 4523,80 Deulsch-Oesterr. 5,35 5.39 5,68 5,72 Budapest..... 159,90 16010 175,90 176,10 Prag........ 133,85 134,65 143,85 144,65 Sofia....... — Märkte. Derliner Produktenmartt. Berlin, 31. Oft. Die am Devisenmarkt eingetretene kräftige Auswärtsbewegung bewirkte auch im Produkt enderkehr eine wesentliche Erhöhung der Preise. Erzeuger und Händler halten in verstärktem Maße mit den Verläufen zurück, so daß bei der lebhaften Kauflust wesentlich höhere Preise angelegt werden mußten, dies gilt für alle Artikel, ohne daß die für Weizen, Gerste und Hafer dringliche Rachfrage durchweg befriedigt werden konnte. Weizen, märkischen 10 000 bis 10 400 Mk. (steigend), mecklenburgischen 10 300 bis 10 500 Mk., Roggen, märkischen 9000—9400 Mark (steigend), mecklenburgischen 9400 Mk., ost- preußischen 9100 Mk., Sommergerste 9800—10 000 Mark (sehr fest), Wintergerste 9200-9500 Mk., Hafer, märkischen 10 300—10 500 Mk., pommer- schen 10 000—10 300 Mk. (steigend), Mais, La Plata, loco Berlin 10 000—10 200 Mk. (steigend), frei Hamburg 9900—10 000 Mk., Weizenmehl (100 Kg.) 27 200-29 500 Mk. (steigend), Roggenmehl (100 Kg.) 24 000—26 500 Mk. (steigend), Weizenkleie 5000 Mk. (fester), Roggenkleie 5000 bis 5200 Mk (fest). Raps 13 000—15 000 Ml (fest), Viktoriaerbsen 16 000—17 000 Mk., kleine Erbsen 14 500—16 500 Mk., Peluschken 10 500 bl5 11 500 Mk., Wicken 14 600—16 C00 Mk., Lupinen, blau 7500—8000 Mi., gelb "9500—10 000 Mk., Seradella, alt 20 000—25 000 Mk., Rapskuchen 6000 Mk., Trockenschnihel 4500—4600 Mk., Kartoffeln, weiße und rote 480—510 Mk., gelbe 550 Mark. Rauhfutter: Weizen- unb Roggenstrvh, drahtgeb. 2300—2400 Mk., Haferstroh, drahtge- vreßt 2300—2400 Ml., Stroh, strohfeilgebündelt 2300—2400 Mk.. Wiesenheu. gut, gesund und trocken, Vormahd 1350—1450 Mk., Rachmahd 1300-1350 Mk. Frankfurter Pferdemarkt. spd. Frankfurt a M., 31. Oft. Der heute vom Landwirtf christlichen Verein veranstaltete Pferdemarkt war von etwa 550 Pferden beschickt, in der Hauptsache von jungen Tieren. Es wurden sehr hohe Preise angelegt, da das Material recht knapp ist. Der Besuch war mäßig, da die meisten ßanbtrnrte wegen der verspäteten Herbstbestellung und des schlechten Wetters abgehalten wurden. Die geringe Beschickung ist damit zu erklären, daß gleichzeitig in Rorddeutschland Märkte abgehalten wurden und für einige westdeutsche Kreise Ausfuhrverbote bestehen. (Sn einem Teil der Auflage wiederholt.) Arauzöfsch« Stimme« über das neue italienische Kabinett. Paris, 31. Oft. (WTB.) Bei Besprechung der Bildung des Kabinetts Mussolini bringen die Morgenblätter die äleberzeugung v)n Sem vorläufigen Charakter der zustande- gefommenen Lösung und die Befürchtung über Reibungen in der italienisch-jugoslawischen Frage sowie itn der Mrttelmeerpolitik zum Ausdruck. „Richt ohne gewisse Befürchtung," sagt der „Petit Parisien", „sieht man eine Partei zur Herrschaft gelangen, die in dem hohen Schwünge ihres Patriotismus mitunter gewisse Rachbarn Stallens beunruhigt hat. Die Rolle Mussolinis totr£> vielleicht darin bestehen müssen, nach und nach seine wilden Mitarbeiter zu besänftiaen. Wenn ihm dies gelingt, dann kann die neue Regierung eine wichtige Aera einleiten. Der „Mat in" erklärt nach Hervorhebung oben erwähnter Schattenseiten, die Faszisten hätten in allen ihren Organen in der Reparations- Politik klipp und klar für Frankreich gegen Deutschland Stellung genommen und diejenigen, die die neuen Männer und ihre Sdeen gut kennen, erklärten, Frankreich werde die Genugtuung erleben, die neue italienische Regierung un- zweideutig an ihrer Seite zu sehen. Der „ G a u l o i s" sagt, die Frage sei die, ob es den Faszisten gelingen werde, lange genig sich die Popularität zu sichern, die sie in diesem Augenblick genoisen, um die schwierige, aber schöne Aufgabe darchzuführen, die sie sich gestellt hätten. Weirn man über ihre Pläne auf dem Gebiet der inneren Politik im klaren fei, so wisse man doch wenig Bescheid über ihre Absichten in der äußeren Politik. DaS Blatt fährt fort: Es wird uns er» Härt, daß Mussolini sich zu freundlichen Gmpfin« bungen für Frankreich bekennt. Wenn es auch am Platze ist, seine Taten abzuwarten, bevor wir unsere Haltung gegenüber seiner Regierung bestimmen, müssen wir es doch verstehen, wenn er den aufrichtigen Wunsch danach verspürt, daß wir an» sere Absicht zeigen, mit ihm am Wiederaufbau der großen lateinischen Familie zu arbeiten die durch allzuhäufige Mißverständnisse in ihrer Solidarität gestört worden ist. Paris, 31. Oft Havas. (WTB.) Rach der .Chicago Trrbune" geht in Rom das Gerücht um, daß die Faszisten Rit ti fest genommen hätten. Mussolini soll sich mit der Absicht tragen, einige Persönlichkeiten des verflossenen Kabinetts zur Verantwortung zu ziehen. ivo puHOA//vy X'i'i r Behördliche Anzeigen Bekanntmachung. Die Anrechnung des auf das Neichs- notopfer überzahlten Bettags auf die von den Abgabepflichtigen zu zeichnende Iwangs- anleihe erfolgt, wenn oder soweit der Ab. gabepflichtige nicht der Anrechnung bis zum 31. März 1923 widerspricht. Der Anspruch auf Anrechnung geht auf die Erben über, wenn der Erbfall nach dem 31. Dezember 1922 eingetreten ist. Gießen, den 31. Oktober 1922. Die Finanzämter [9692B Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen. (Baspreis. Infolge weiterer Verteuerung der Kohlen vnd Betriebsmaterialien, Erhöhung der Frachten, Fuhrlöhne usw. wird vom 1. November ds. Is. ab der Gaspreis auf 35,- Mk. für den Kubikmeter erhöht. Gießen, den 31. Oktober 1922. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. _____________Stedjng.__[9698 B Zubmisfiom-veiMs Die hiesige Gemeinde beabsichtigt, einen fetten Bullen auf dem Submissionswege zu verkaufen. Bewerber wollen ihre Offerten bis zum Freitag nachmittag bei der Bürgermeisterei abgeben, wo auch die Bedingungen ein. gesehen werden können. 9693D Münster, den 30. Oktober 1922. Bürgermeisterei Münster Goutrum. Bekanntmachung. Durch Schiedsgerichtsspruch ist der Stallpreis für Vollmilch auf Mk. 50, - und die Molkereispanne auf Mk. 10, - ab 1. November 1922 festgesetzt worden. Unter Hinzurechnung der MilchausttägergebÜhr und der sonstigen Unkosten tritt auf Grund der Verordnung über den Verkehr mit Milch vom 10. April 1921 gemäß Beschluß der städtischen Lebensmitteldeputation vom 31. Oktober 1922 mit Wirkung vom 1. November 1922 ein Kleinverkaufspreis von Mk.71, - für das Liter Vollmilch in Kraft. [9691B Gießen, den 31. Oktober 1922. Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt.) Holzsubmission. Montag, den 6. November 1922, vormittags 8 Uhr sollen aus den Waldungen der Gemeinde Allendorf a. d. Lumda folgende Holzsortimente im Submissionswege vergeben werden: 1 Fichten-Stamm 2. Kl. mit 1,32 Fstm. 13 Fichten-Stämme 3 Kl. mit 19,02 Fstm. 25 Fichten-Stämme 4. Kl. mit 24,10 Fstm. 80 Fichten-Stämme 5a Kl. mit 51,93 Fstm. 165 Fichten-Stämme 5 b Kl. mit 46,86 Fstm. Das Holz ist mit Rinde gemessen und enttindet. Angebote, nach Klassen getrennt und mit Aufschrift versehen, sind bis zu obigem Termin bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen. Angebote mit zusammengezogenen Klassen oder Vermerk usw. versehen, werden nicht berücksichtigt. Es wttd empfohlen, da Käferholz darunter, vorher zu besichtigen, da spätere Reklamattonen nicht angenommen werden. Förster Franz, Allendorf a. d. Lumda, zeigt auf Wunsch das Holz vor. Allendorf a. d. Lumda, den 29. Okt. 1922. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. b. Lumda. Stein. 9668 D Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Grü- ningen für 1922 Aj. liegt vom 2. Rov. 1922 ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen, woselbst innerhalb dieser Frist Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden können. Zu der Umlage haben auch die Ausmärker beizu- tragen.' Grüningen, den 30. Oktober 1922. Bürgermeisterei Grüningen 'S f n g e l. 9674V Herr Dr. meb. A. D !« N. teITt tn bet rauhen gabreöjett Sütkm, ■ngett-anbL DaS «hem befltt ad nnb bk rifRge tzaui wurde «,ialt und roefeb. Zue NachbebandMng ist Aceva-Lreme be[onber8 ja emukehlea. Zn buben In allen tootbefen, üroienen a. Parfüm. noch su sehr gtinst. Preisen I Stores, Scheibengardinen, Gardinen am Stück, Rouleau Köper, Kanten, in unerreicht großer Auswahl im 9407a QJTödebaus Qglomon llllllllllllllllllllllllllllllllllll I—»" ....... null n«™? Einer sagt es dem andern Noch täglich bis 2. Nove mb. Aufnahme für d. neuen Handelskurse. Priv. - Handelssch. HERMES Bahnhofstraße 60. Tel. 1097. Prosp.fr MUSmiSS Noch täglich Aufnahmen für die neuen Kurse in allen Handelsfächern. Auskunft und Anmeldung bei der Hansa- 8124c ' Schule J. Kunzeimann Selters weg 73, Telephon 821, oder Handelsschule Goethestraße 32, Telephon 2064. Prospekt frei. WBlWlWMllWlMlllk Am Donnerstag, dem 2. November 1922, abends 8‘ 4 Uhr, im geheizten Saale deS „EafS Leib" Lichtbilder-Bortrag deS Herrn Fran- Bergmann: 9688V „Die deutsche Heimat" (Auf Zickzackwegen quer durch Deutschland). Eintritt Mk. 25.-, Schüler Mk. 15.—, Mitglieder frei. Schnell . 1848 in bester, sachgemäßester Ausführung Sraubach & Fischer Neuenweg 4 Seltersweg 79a a Tel. 1553 Tel. 627 Art und Große, Kleidungsstücke Felle, Teppiche, Möbelstoffe ' lägen u, färben ?.S“ rsZ -Vs Sie sich an das Jw schäft begeben,! sich über den 3 ^ten‘Finali värttgen W besteien können [er Konnnisswr sie uns einen < Schritte zur F' nimmt, können Wit. 3m deut! Streit, was ge Zahlungsaufsch fordern eine 2 rufen nad) de beide Teile gebe he Bettung au ordentlicher De dieses Stteites i notwendig ist. C einige pailamer Aisse die ßebi schen Volkes eil icksächlich neue hing beschreiten iningen allein n lei den Hmftäi üpsettvillige M Unser aegen Ausgaben des E erMen. Cs ist keinDettaufspei als Tauschmittel nnerfannt, Fabri Dollars, Sauern träge in Setteid« »ungeheuerlich mfeS, dem eine Dübersteht. D m Charakter a l(i, ®ertauffpe. leihen, so muß Mhmqe verr menge-unb M zu bringen. Do Sinfommenfteui gleichzeitigem l mangel eintrete Dies alles Sache. 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