Nr. 152 Erscheint täglich, auher Sonn« und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: BießenerFamilienbläcker rNonallichrSezugsprelse: Mk. 22.50 und W. 2.50 Trägerlohn,durch diePost MK.25.-, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech« Anschlüsse: fürdieSchrift« Teilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gieße«. Postscheckkonto: Srmrfftitt c. M. 11686. Erster Blatt 172. zahrgang Samstag, Juli 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen vruck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und SLeindruckerei R. Lange. Schnftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen o 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 5OO Pf. Bei Platz« vorfchrist2O „Ausschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gieße«. Wvchenrückrblick. Die tiefe Tragödie dieser Woche verschlinget noch „des Tages lieblichen Schein". Das Dunkel um die Mörder Rathe- nauS hat sich schnell gelichtet; wir empfinden mit einer gewissen Erlösung das Nahen der Sühne. Volle Aufklärung der Tat bis in ihre Letzten Ursprünge ist die erste Voraussetzung für die Beilegung des politischen Sturmes, der uns noch umbraust. Hat man die Mörder und ihre Mitschuldigen erst ersaht, dann wird das erregte Volk mit Ruhe und Geduld abwarten, was sich aus der Untersuchung ergibt. Auch die erhitzten Parlamente 'werden dann hoffentlich keine überstürz« ten Beschlüsse fassen und die neu zu schaffenden Sicherungsverordnungen den Umständen airpassen, unter denen so Gräßliches aufwuchern konnte. Die ersten und notwendigsten Folgerungen liegen schon greifbar vor und. Die drei Mörder sind jugendliche Personen, ausgewachsen und irregeleitet in den Leidenschaften einer ungezügelten politischen Agitation. Der und was treibt sein Spiel in jenen verderblichen Geheimorganisationen, denen man erfreulicherweise jetzt gründlich auf die Spuren gekommen zu sein scheint? Das sind in der Tat politisch entartete Menschen, denen Staat und Gesellschaft das Handwerk gründlich legen müssen. Ihre -Grsinnungsverwandtschaft mit der am ^weitesten rechts stehenden Partei? — Man muß sie doch erst einmal vor den Schranken haben, um aufzuhellen, woher sie kommen und wes Geistes Kinder sie sind. Der Reichskanzler hat in seiner letzten großen Reichstagsrede manchen guten Satz ausgesprochen, den man unterschreiben lann. Darunter sagte er auch: „Ziel und Richtung unserer Politik ist die Rettung der deutschen Ration. Die Methode, meine Damen und Herren, die ist strittig." — Run wohl, vielleicht haben die jungen Mörder in Ziel unu Lichtung ihrer „Pvlitkk" manche Reberemstimmung gehabt mit der deutsch- nationalen Partei; ihre verbrecherische Methode und verirrte Sinnesart jedoch mag geboren sein in den psychischen Wirrnissen, die der Krieg geschaffen, in der Verzweiflung und den Enttäuschungen, die der Kanzler selber so beredt und treffend herleitete aus der Gewaltpolitik der alliierten Staatsmänner. Diese grauenhafte Methode dsr Gewalt muh zweifellos fortan, wo man sie auch findet, nicht nur durch neue gesetzliche Verordnungen, sondern Mch durch eine rege Aufklärung scharf bekämpft werden. Denn sie ist, wie wir mit Schrecken sehen, gefährlich vorgeschritten. Es genügt nicht, bloß den Trennungsstrich zu Ziehen, wie es die Deuischnativnale Dolkspartei wiederholt tut — in den Jugendorganisationen dieser Partei wird ein besonnener und wachsamer Geist ein- kehren müssen, der es beizeiten verhindert, dah die Aufwachsenden auf falsche Dahn geraten. Es darf kein oberflächlicher nationaler HurrahpatriotiSmuS großgezüchtet werden. Die Probleme sind zu ernst und zu schwierig, als daß man alles Anheil der Zeit kurzerhand der heute herrschenden Republik auf die Schultern werfen könnte. Anmaßender An- reife zu begegnen, ist immer unerfreulich; wb sich'S dabei um Jünger der Monarchie, oder nm Schildknappen der Republik handelt, ist gleich, älrid nicht Parteifanatiker tun dem neuen Deutschland not, sondern Träger des Gedankens einer gesunden und notwendigen Volksgemeinschaft. Wir haben aber beklagenswert« Dinge in den letzten Tagen erlebt, die das Ziel einer Volkseinigung fast wieder ganz verschüttet haben. Wäre mehr Zurückhaltung geübr worden, so hätten jetzt die von der Polizei auf- gedeckten Latumstände ganz tn>n selbst und mit unabweisbarer Gewalt die Herzen und die Geister auf das, was not tut, hingelenkt. Der Mord fordert volle Sühne; alle daran direkt oder indirekt Beteiligten, denen das Gericht Schuld nachweisen kann, trifft unbarmherzige Strafe. Bei der großen Zahl der dafür anscheinend Ermittelten haben wir ein Tribunal vor einer ungeheuer tragischen Verwicklung zu erwarten. Daran werden sich die Wogen einer unsinnigen Volksleidenschaft brechen, man wird über Schuld und Sühne die Konsequenzen, finden und halbwegs zu Duldung und Verständigung kommen. Aber der Reichskanzler Dr. Wirth hatte am Schluß seiner Rede ganz unvermtttclt und allgemein erklärt: „Der Feind steht rechts!" Das war ein Kampfruf, der nichts Gutes wirken, nichts Schlimmes verhindern konnte, aber die Atmosphäre verschlechtern mußte. Wenn heute die Berliner Polizei mitteilt, daß dieselbe Mörderorgani- satton weitere bestimmte Schreckenstaten geplant habe, so werden diese wohl durch die Wachsamkeit der Behörden, nicht jedoch durch Aufpeitschung der Leidenschaften verhindert werden. Inzwischen hat der in der Twfe drohende Vulkan, von dem der Reichskanzler gesprochen hat, vielfach Verderben aus- gesp'ieen, und es scheint fast, als hätte gar manche Volkskundgebung im Reiche das prophetische Wort des Herrn Wirth recht handgreiflich erfüllen wollen. Was in den Parlamenten vorausging, war schon nicht vielversprechend. 3m Grunde konnte man das Lin- vermeidliche kommen sehen. Der Feind steht rechts? — Also den Finger drauf, da schlagen wir ihn — und so kam es bei den Kundgebungen für die Republik, deren Ansehen dl^ch gestärkt und gefestigt werden sollte, in vielen deutschen Städten zu gräuelvollen Ausschreitungen und Gemeinheiten. Ganz besonders gibt der Aufruhr in Darmstadt zu denken. Eine Szene von so mittelalterlicher Roheit, wie sie der Abgeordnete Dingeldey erleben mußte, als unmittelbare Folge einer edel gedachten demokratischen „Aufklärung"? Herr Dr. Strecker ist ein großer Schönredner^, aber er kann uns ganz gewiß nichts Schönes daraus aufbauen, dah nach seiner Rede auf öffentlichem Markt eine Schar seiner Zuhörer die Wohnung seines alten Gegners stürmte, um diesen aufzuhängen. Vielleicht wollte er eine so weitgehende Wirrung gar-nicht — aber sie stellte sich doch ein, und der Faden des Zusammenhangs ist hier doch mit Händen zu greifen. Die „Frankfurter Zeitung" bringt heute einen Artikel von Dr. Sttecker über die Ausschreitungen in Darmstadt, die er „bedauerlich" nennt, zugleich aber als „psychologisch verständlich" bezeichnet, weil die rechtsstehende .Presse jahrelang gegen die Mitglieder der republikanischen Regierung gehetzt hätte. Die Wirkung feiner‘eignen zündenden Rede will Dr. Strecker offenbar diesmal nicht hoch einschätzen, älns scheint, daß die einfachen sozialdenrokrattschen Arbeiter, von denen der Abgeordnete Dingeldey berichtet, daß sie ihn mit eigner Lebensgefahr gegen den Pöbel zu decken versucht hätten, mehr Edelmut und mehr pvlittscheu Gerechttgkeits- sinn gezeigt haben, als der einstmalige Präsident des Landesbildungsamtes. Der „Vorwärts" findet, wie torr heute lesen, bessere und eindringlichere Worte, um vor so brutalen, die Snteressen der Republik schädigenden Ausschreitungen zu warnen als Dr. Strek- ker und die „Franks. Ztg.", die die Darmstädter Vorgänge mit einem unverkennbaren Gefühl der Genugtuung behandeln . . ♦ Der hessische Minister des 3nnern, von Brentano erklärte, wie wir berichtet haben, in einem Aufruf an die stürmisch erregte Darmstädter Bevölkerung, daß gegen die Täter Sttafverfolgung fm Gange sei. Wir hoffen, daß die Behörden das Attentat gegen Dingeldey nicht anders behandeln werden als das gegen Scheidemann und daß auch hier Belohnungen ausgesetzt werden für die Ergreifung der Schuldigen. Freilich, eine nicht un- erhebttche Mitschuld scheint auch die Regierung selbst zu treffen, denn sie ließ die stundenlangen Gewaltszenen geschehen, ohne in wirksamer Weise Polizeikräfte dagegen einzusetzen. Die Darmstädter Vorfälle werden auch im Reichstag eine eingehende Behandlung erfahren, und dabei muß es sich klären, wie weit die neuen Rowerordnungen nicht nur für rechts, sondern auch für links in Geltung treten. Die vom bayrischen Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld bereits nachdrücklich vorgebrachten Bedenken müssen mit gutem Willen und leidenschaftslos geprüft-und berücksichtigt werden. CS ist der Sinn der Weimarer Verfassung, dah die Länder mitzuwirken haben, wenn die Grundlagen der Reichspolittk verändert werden sollen. Wir wollen eine innere Politik friedlicher Verständig ü n g auf dem Boden der auf lange Zeit hinaus unantastbaren, höchstens einmal durch demokratischen Mehrheitsbeschluß zu ändernden Verfassung, und darum sind wir der Meinung, daß der Reichskanzler recht bald auch mit der Rechten, zu der ja nicht nur die Dcutschnativnalen gehören, seinen Frieden machen sollte, indem er ihren Zielen und ihrer Richtung die gleiche Achtung und Duldung einräumt, die er für seine eigene Politik in Anspruch nimmt. Emberufurrg des hessischen Landtags. Darmstadt, 30. Zum. Der Zusam- menttitt deS Landtags wird nunmehr am Dienstag, den 11. Juli, stattfinden. 3m Finanzausschuß deS Landtags war von einem Vertreter der sozialdemokratischen Partei der Antrag auf sofortigen Zusammentritt des Plenums zu einer politischen Aussprache gestellt worden. SäMlliche Vertteter der übrigen Parteien sprachen sich gegen den.alsbaldigen Zusammentritt aus. Auch die Deutsche Volkspartei, welche an der Besprechung nicht teilnahm, hat in einer Erklärung auf die s o - fertige Einberufung verzichtet. Die Ernennung der Mitglieder des LLaaLsgerLchlshoses. Berlin, 30. Zuni. (WTB.) Der Reichspräsident hat zu Mitgliedern des Staatsgerichts Hofes zum Schuhe der Republik ernannt: Den Senatspräsiüenten beim Reichsgericht Dr. Hagens als Vorsitzenden, den württembergischen Gesandten in Berlin, Hil- denbrand, den Reichstagsabgeordneten und Ver- bandsvorsihenden Haeckel in Derlin-Grünau, den Schriftleiter Erkelenz in Derlin-Baumschulenweg, Reichskanzler a. D. Fehrenbach, sowie die Reichsgerichtsräte Sonn und Dr. Baumgarten. Als Stellvertreter wurden ernannt: Der Senatspräsident beim Reichsgericht Dr. Schmidt, der Reichstagsabgeordnete Reichsminister a. D. W i s s e l l, Verbandsvorsitzender Brandes in Stuttgart, Schriftleiter Zoes aus München- Gladbach, sowie Reichsgerichtsrat Zeiler. Ferner sind als stellvertretende Mitglieder in Aussicht genommen: älniversitätsprvsessor van Bakker und Reicbsgerichtsrat R i e d n a r. Bon Beiden ging jedoch eine Aeußerung, ob sie das Amt annehmen, noch nicht ein. Graf Lerchenfeld beim Reichspräsidenten. Berlin. 30. Juni. lWLB.) Der Reichspräsident hat den Grafen Lerchenfeld empfangen und mit ihm eine Unterredung über die schwebenden politischen Fragen gehabt. . Eine an den Reichskanzler gerichtete BorfteÜung. Der Hessische Landesverband der Deutschnationalen Volkspartei hat an den Reichskanzler Dr. Wirth em langes schreiben gerietet, indem die Darmstädter Schandtaten eingehend geschildert werden und in dem es u, a. h ritzt; „Die polizeilichen Dispositionen" gingen, wie uns bekannt ist. vom gesamten Minrsterrate aus und lauteten entgegen den Vorstellungen des Polizeidezernenten, der angesichts der Lage das Einsetzen starker Polizeikräfte für unumgänglich notwendig erachtete, dahin dah nur das allecnotwendigste, d. h. das "Mindestaufgebot' von 120 Mann blauer und 100 Mann grüner Polizei in Bereitschaft gehalten werden sollte. Diese Zahl war auch nach Ansicht der verantwortlichen P olizeideze rnan- ten in Anbetracht der arvtzen Erregung der aufgehetzten Massen durchaus ungenügend, zumal die „Bereitschaft" der Polizei von dem Minister,abgelehnt wurde, der im Gegensatz zu den ihm gemachten Vorschlägen bestimmte, dah alle über die genannte Zähl '.hrnausgehenden Polizeibeamten zu beurlauben seien, um in Zivil an den DemonstrationLn teilnehmen zu können. Das hessische Ministerium hat also trotz ausdrücklicher vorheriger Warnung und entgegen dem dringenden Rat des verantwortlichen Polizeidezernenten und von Polizeibeamten es versäumt, die erforderlichen Maßnahmen gegen die drohenden Rnrühen zu treffen, und wir fragen an, was die Reichsregierung zu tun gedenkt, um den Mitgliedern der hessischen rechtsstehenden Parteien den Schuh für Leben und Eigentum zu sichern, auf den sie nach der Verfassung Anspruch haben. Wir weisen aber weiter daraus hin, daß, wie Beobachter bekunden, immer wieder innerhalb der Massen Besorgnisse vor der Polizei durch Hinweise niedergehalten wurden, wie: „Die dürfen ja gar Tftd>t schieben!", „Die haben jii blind geladen!" oder „Rns kann nichts geschehen!" Bis zu welcher Verwirrung der Begriffe diese und der Kampfruf der Reichsregierung „Der Feind, steht rechts!" geführt hat, zeigt die Aeußerung von sozialdemokratischer Seite in der heutigen Sitzung des Finanzausschusses des hessischen Landtages, die die Darmstädter Schändlich- keiten damit zu erklären oder zu eickschuldigen sucht, daß die Zerstörer, Plünderer und Mordbuben auf Grund der Berichte über die Vorgänge im Reichstag geglaubt hätten, eine patriotische Tat zu begehen." Äußerungen des Reichskanzlers. Berlin, 30.3unt (Wolfs.) Sn einer dem hiesigen Vertreter der deutschen „La Plata-Zeitung" in Buenos Aires gewährten älnter- r e d u n g äußerte sich der Reichskanzler über das Attentat gegen Rathenau und richtete dabei Mahnungen an die Ausländsdeutschen. Der Reichskanzler erklärte: Es läßt sich nicht leugnen, daß die Untat das Ergebnis jener Atmosphäre von unsinnigem Haß, planmäßiger Verdächtigung und persönlicher Verunglimpfung ist, wovon sich die Männer, die ihr Bestes hergeben, um Deutschland wieder aufbauen zu helfen, umgeben und in ihrer Tätigkeit gehindert sehen. Die Gedanken und Vorstellungen, die jener Atmosphäre ent- stannnen, fanden leider auch in wecken einflußreichen Kreisen der Lleberseedeutschen Eingang. Das erfüllt mich mit schwerer Sorge, denn gerade auf das Verständnis und die Mitarbeit der von einem warmen vaterländischen Gefühl erftillten Ausländsdeutschen muß die jungeRepublll rechnen können, wenn sie in den Ländern, die für unseren Wiederaufstieg von größter Bedeutung sind, eine erfolgreiche Politck treiben soll. Eine rohe Ausschreitung in Neustadt a. d. H. Reustadt a. d. H., 30. 3uni. (Priv.-Tel.) Heute nacht um 2 Ufjr erschien vor der T r i ko t- warenfabrik Helfferich in Reustadt eine Rotte von »üxmaiß bis dreißig Burschen und verlangte Einlaß, angeblich um eine Depesche an den Reichstagsabgeordneten Karl Helfferich abzugeben. Als man ihnen bedeutete, dah der Abgeordnete nicht anwesend fei, zertrümmerten die Burschen das Haustor und die Haustür zu der Wohnung des Fabrikanten Phil. Helfferich, des Bruders des Abgeordneten, drangen in die Wohnung ein, bedrohten, wie der „Pfälz. Kurier" meldet, den Fabrikanten Helfferich mit Totschlägen und durchsuchten die Wohnung nach dem Abgeordneten Dr. Kaft Helfferich, gegen den sie ebenfalls Totschlags- drohungen ausstiehen. Die Burschen schlugen dann Spiegel und Bilder entzwei und verschvVnden wieder, noch ehe die Reustädter Polizei, die man telephonisch herbeirief, ein« getroffen war. Berlin, 30. Juni. (Wolff.) Zu der Mitteilung des „Vorwärts", daß der deutsch- nationale Abgeordnete H e l s f e r i ch am Donnerstag nachmittag, nachdem die Verhaftung Günthers bekannt wurde, Berlin plötzlich lassen habe, geht der „B. Z." eine Zuschrift der Deutschnationalen Volkspartei zu, wonach Obecregierungsrat Weih am Donnerstag vom Polizeipräsidium aus dent im Reichstag an- wesenden Grafen Westarp mitte ilte, es sei dringend anzurcften, dah Helfferich bis auf wetteres Berlin verlasse, da sein Rame im Zusammenhang mit der Nachricht über die Mittäter des Mordes an Rathenau genannt werde und die Polizei sich für den Schutz HelfferichS nicht vollkommen verbürgen könne. Auf Wunsch der deutschnationalen Fraktion verreiste Helfferich vorübergehend. Heute nimmt er sowohl an den Verhandlungen deS Steuerausschusses wie an denen des Reichstagsplenums teil. Ein Kompromiß in der GetreideuMLcrgesrQge. Berlin, 30. Juni. (Wolff.) Die inter- fraktionellen Besprechungen im Reichstage über die Getreideumlage führten l)eute kurz vor Beginn der Plenarsitzung zu einem Kompromiß, und zwar auf der Grundlage eines Roggenpreises von b9OO Mark. Dieser Preis soll nur für die erstell vier Monate deS Wirtschaftsjahres gelten; für die übrigen acht Monate soll der Preis von einem besonders dafür eingesetzten Ausschuß bestimmt werden. Dieser Ausschuß ist aber an die Grundlage von 6900 Mark gebunden und hat nur die inzwischen eingettetenen Veränderungen der Lage zu berücksichtigen. 3m übrigen bleibt es bei einer Amlagemenge von 2'/j Millionen Tonnen gemäß der Regierungsvorlage. Für dieses Kompromiß siebt die Zusttmmung des Zentrums noch aus. ES gilt aber für wahrscheinlich, dah eine Mehrheit im Plenum für die so geänderte Vorlage gefunden wird. Die Mörder Rathenaus. Berlin, 30. Juni. (Priv.-Tel.) Die Mörder Rathenaus-Techow. Fischer, auch Vogel genannt, und Knauer sind, wie die Deutschnativ- nale Dolkspartei, Landesverband Berlin, mit* teilt, nicht Mitglieder der Deutschnationalen Bolkspartei. 3n der Partei sind ihre Ramen nicht verzeichnet. Rach einer Mitteilung bei „Deutschen Tageszeitung" ist der verhaftete Student Günther bereits im Februar 1921 aus1 der Deutschnativnalen Volkspartei auOgeschlossen worden. Berlin. 30. Juni. (Wolff.) Die Dundes- leitung des Deutschen Offiziersbundes bittet uns um Aufnahme folgender Feststellung: Der in die Mvrdsache Rathenau verwickelte angebliche Leutnant der Reserve a. D. Willy Günther ist, wie sich jetzt heranstselll, niemals deutscher Offizier gewesen. Trotzdem verstand er 3$, unter der wahrheckswidrigen Angabe, deutscher Reserveoffizier gewesen zu sein, sich die Mitgliedschaft in unserem Bund? au erschleichen. Don Rechts wegen ist er deshalb niemals Mitglied gewesen. Wie uns die Ortsgruppe des Deutschen Offiziersbundes mitteilt ist der canb. jur. Willy Günther, der sich den Titel eines Oberleutnants der Reserve erschwindelte, wegen Betrugs und Unterschlagung aus dem Deutschen Offizier stund bereits ausgeschlossen worden. Weitere Verhaftungen. Berlin, 30. Juni. (Wolfs.) Amtlich. Der Eigentümer des bei der Ermordung Rathenaus benutzten Kraftwagens, der in Freiberg in Sachsen wohnhafte Fabrikbesitzer 3vhs. Küchen- nie ist er, tourte heute morgen in Oetz in Tirol verhaftet Die österreichischen Behörden sehen ten: Auslieferungsanttag entgegen. Küchenmel« ster ist Mitglied des deu t sch-völki. scheu Schutz - und Trutzbundes. Zu den neuerdings festgenommenen Mitwissern bzw. Teilnehmern an ter Mordtat gehört auch der von der Stettiner Polizei ergriffene Kaufmann Werner Boß, der sich am Tage nach dem Morte nach Ahlbeck begeben hatte und heute nach Bersin gebracht toirb. Er ist von 'Beruf Seemann und gehört ebenso^ wie Küchenmeister den rechtsradikalen Kreisen an, . Der russische Wiederaufbauplan. Haag, 30. Juni. (WTB.) Haager Korr.-- Bureau. 3n der heutigen Sitzung der Anter- kommission für Kredite hat Litwinow den Plan der Svwjetregierung zum Wieberauftau Rußlands entwicielt. Nach diesem Plan braucht Rußland Kredite in einem Betrage von 3 2 2 4 000 000 G old - rubel, nämlich 1050 Millionen für Transportkredite, 924 Millionen für landwirtschaftliche Kredite, 750 Millionen für Ondustrie- kredite und 500 Millionen für Handels- unb Bankkredite. In seiner Motivierung sagte Litwinow, daß der Plan nur den drinArchsten Bedürfnissen Rußlands entspreche, und dies während einer dreijährigen Periode vom Januar 1923 bis zum Januar 1926. Der französische, belgische und englische Sachverständige haben daraufhin weitere Auskünfte und die Mitteilung von Einzelheiten verlangt. Die Krankheit Lenins. Paris, 30. Juni. (Wolff.) Die „Times" meldet aus Riga, daß der deutsche Spezialist Dr. Förster die Krankheit Lenins als Tabes dorsualis festgestellt hat. Der Berliner Zeitrurgsstreik. Berlin, l.Iuli. Ein großer Teil der Berliner Mvrgenzeitungen ist wegen eines Streiks der Rotativnsmaschinenmei- ster nicht erschienen. Wie der „Vorwärts" mitteilt, werden heute die Buchdrucker zu dem Streik Stellung nehmen. eurer Meldung veZ „"Vorwärts" wurden tn Osnabrück der Fabrikant Froenbling, Der Fabrikbirektor Paul Meyer und der Deutschnationale .Parteisekretär Landwehr wegen Beihilfe cm der Ermordung Erzbergers verhaftet. B e rlin, 30. Zuni. (WTB.) Amtlich. Außer nach anderen deutschen Städten haben die Ermittelungen der Berliner politischen Polizei auch nach Schwerin geführt. Dort ist durch Berliner Beamte der Sekretär des Deutschvolli fchen Schuh- und Trutzbundes vom Bezirk Mecklenburg, Erich Bade, sowie der ebenfalls im Sekretariat des Deutschvölkischen Schuh- und Trutzbundes tätige Angestellte Christian Ilse- mann, ein früherer Seekadett, festgenommen worden. Bade unb Ilsemann wurden am Tage vor der Mordtat von den Mördern, die zu einer angeblichen „Probefahrt" von Berlin nach Schwerin gefahren waren, besucht. Bei diesem „Besuch" hat Ilsemann den Mördern die Maschinen- bistvle übergeben, die am Tage darauf zur Ermordung des Ministers Rathenau benutzt wurde. Paris, 1. Juli. (WTB.) HavaS meldet aus Aeuyork durch Funkspruch, die Regierung in Berlin von der amerikanischen Polizei verlangt, sie möge den etnlaufenden Schiffen große Aufmerksamkeit schenken, um die Mitschuldigen an der Verschwörung, die zu dem Mord an Rathenau geführt hat, für den Fall zu verhaften, daß sie sich nach den Bereinigten Staaten begeben würden. Die Reuhorker Sicherheitspolizei habe auf dem Passagierdampfer „Präsident Tast" einen gewissen Max Petersen verhaft eck, der an Bord des Schiffes gekommen sei, ohne daß der Kapitän davon gewußt hätte Die Offiziere des Schiffes hätten erklärt, Petersen habe ihnen nicht verheimlicht, daß er der Brigade Ehrhardt an'gehore und über alles unterrichtet fei, was den Mord an Rathenau betreffe. Er fürchte sich, nach Deutschland zurückzukehren, weil er dann zum Tode verurteilt würde. „ Eine Schietzerei zwischen Deutschen und Franzosen in Hindenburg. Oppeln, 30. Juni. (WTB.) 3n Hindenburg fanden gestern abend innerhalb der Stadt zwischen 6 und 8 cklhr heftige Schießereien zwischen Franzosen und Deutschen statt. Rach den bisherigen Meldungen sind auf deutscher Seite 17 Tote, darunter auch Frauen und Kinder, zu verzeichnen, außerdem 17 Verwundete, darunter einige sehr schwer. Unter den Verwundeten befinden sich zwei'deutsche Krankenschwestern, die den Versuch machten, den Verletzten zu helfen. Rqch den vorliegenden Meldungen schossen die französischen Truppen blindlings in die Menge hinein. Soweft bisher bekannt ist, hat es auf französischer Seite einen Toten und drei Verwundete gegeben. Aus den deutsch bleibenden Teilen Oberschlesiens, die zurzeit noch der Regierungsgewalt der interalliierten Kommission unterstehen, insbesondere aus Rieborowitz, werden Vorstöße und .Alkgriffe polnischer Banden gemeldet, die aus von den Polen besetzten Gebiet gekommen Deutsche Fragen im englischen Unterhaus. London, 29. Juni. (Wolff.) 3m Unter» HauS erklärte Stanley auf eine Anfrage, 'Deutschland dürfe gewiß gemäß der Dou- fcmgner Rote vom Juni 1920 eine Polizei- nn a ch t von insgesamt 150 000 Mann unterhalten. Die interalliierte Kontrollkommission habe nicht gemeldet, dalh diese 32EXX» Blumenkohl ieckter Operation .empfiehlt Md tittrtnerel Dünge . Alle Aufträge über Maler-. Lackierer u. Wcitzbinverarbt.ite» werden bei mäßiger Be- rechnuna prompt und gut ausgeführt. 06600 Heinrich Konrad. Maler-. Lackierer- und Weibbindergeschäft. Neustadt 77. Keine Berufsstörung l Naturgemäße, schmerzlose Behandlung von Iieistenbruch Schenkelhrnch Nabelbruch Bauchbruch usw. besonders Wasserbruch. Spezial-Arzt Dr. med. Bäumges hält Sprechstunden von 9—1 Uhr am Donnerstag, dem 6. Juli Gießen, Liebigstraße 9 (Hotel Kobel) 624385 -nicht anwesend war. Heffen-Nastau. inc. F r a n k f u r t a. M., 30. Juni. Auf dem heutigen Wochemnarkt, der ganz außerordentliche Mengen von Gemüsen aller Art auswies, traten die Käufer in Streik, da ihnen der Preis für Kohlrabi von 1.50—3 Mk. das Stück zu hoch erschien. Eine Folge dieses Streiks war das sofortige Sinken det Preise 50Pf. bis 1 Mk. pro Stück. 3m weiteren Verlauf des Marktes trat dann infolge Lieberangebots eine abermalige Preissenkung ein. • Bad-Aauheim, 30. 3uni Vis zum 29. 6. 1922 betrug der Tesamtbesuch 17585 Personen. Starkenburg und Rheinhessen. Keine Deseitigvng der Oberpostdirektion Darmstadt. * Darmstadt, 30. Juni. Wie die .Darrn» fltoter Zeitung" mitteilt, denkt man im Rei-chs- pvstMinisterium gegenwärtig nicht an eine A u f- Hebung der Overpv st direktivnDar rn- stad t. • Shielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 2. Juli: Tristan unb Isolde. Montags.: Der Freischütz. Drens« tatr 4.: Boccaccio. Mittwoch, 5.: Das schein- gold. Donnerstag, 6.: Die verkaufte Braut. Freitag, 7.: Hoffmanns GrzÄhlungen. Samstag, 3.: Die Wallküre. Sonntag, 9.: Der Troubadour. Montag, 10.: Siegfried. Dienstag, 11.: Die blaue Mazur. Mittwoch, 12.: Götterdämmerung. Donnertag, 13.: Die verkaufte Braut. Freitag, 14.: Barock, Tänze von Rämeau, hierauf: Don Pasquale. Samstag, 15.: Die Meistersinger von Aürnberg. Sonntag, 16.: Die blaue Mazur. Schauspielyaus. Sonntag, 2. Juli: Das weite Land. Montag, 3.: Das weite Land. Dienstag, 4.: Das weite Land. Mittwoch, 5.: Eine Frau vhne Bedeutung. Donnerstag, 6.: Eine Fra uochne Bedeutung. Freitag, 7. : Eine Frau ohne Bedeutung. Samstag, 8.: Eine Frau ohne Bedeutung. Sonntag, 9.: ©ine Frau ohne Bedeutung. Montag, 10.: Ladh Windermeres Fächer. Dienstag, 11.: Lady Windermeres Fächer. Mittwoch, 12.: Ladh Windermeres Fächer. Der Harne „Heitmann" und die Schutzmarke „Kuchskovf im Ster«" sind allen praktischen Hausfrauen als Kennzeichen der beiten warben zum Selbstfärben von Kleidern, Blusen, Gardinen, Strümpfen usw. längst bekannt. - 6073ss Privat- Tanzunterricht erteilt zu jeder Tageszeit Carl Schmidt 24 Tanzlehrer Wetzsteingasse 31. st e r n bei Heuchelheim und Hüttenberg bet Leihgestern miteinander einzutreten. Falls dabei keine Einigung zu erzielen ist, wird am 6. Juli vor dem Schlichtungsausschuh weiter verhandelt und nötigenfalls der Tarifvertrag durch Schiedsspruch festgesetzt.' Der Arbeitgeberverband war grundsätzlich zum Vertragsabschluß bereit, lehnte aber die vom Fabrikarbeiterverband geforderte wörtliche Uebcmabme des Bezirkstarisvertrags ab. In einer Kündigungssache verständigten sich die Parteien. Berichtigung. 3m Verhandlungsbericht vom 27. Juni ist im zweiten Absatz Zeile 5 zu lesen, „die Kontrolluhr vor oder nach dem Anlegen der Arbeitskleidung stechen sollten . ..". zu unliebsamen Vorkommnissen. Ein Teil zog vor die Wohnungen der Herren, deren 'Hamen iijt Verlauf der Versammlung genannt worden waren, und liest sich Handlungen verleiten. a. bi Wohnung des Deutschntl. Kammer» abgeorbneten Dr. Wem er, der aber Gießener Strafkammer. Gießen, 27. Juni 1922. In der Aacht des 24.7.21 war aus dem Bahnhof ein von Bad-Aauheim kommender Güterzug auf einen auf Gleis 20 haltenden Zug aufgefahren: es entstand grober Materialschaden und ein Eisenbahnschnsfner verstarb kurze Zett später an den Folgen seinen Verlehungeit. Aach der Bahnhossfahrverordrnlng hätte der Zug auf Gleis 19 einfahren müssen. Da der Stellwerksmsistcr W. aber von Stellwerk 5 aus dem Fahrdienstleiter Gleis 20 als frei meldete, liest dieser den Zug auf diesem Gleis einfahren. Wegen dieser Eisenbahntransportgefährdung wurde gegen W. und Sy ein Strafbefehl erlassen, den ersterer auch rechtskräftig werden liest. H. wurde auf seinen Einspruch hin vom Schöffengericht Friedberg freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft verfolgte gegen dieses Urteil Berufung, und die Strafkammer gelangte nach umfangreicher Beweisaufnahme zu einer Verurteilung des H. (1000 Mk. Geldstrafe evtl. 1 Monat Gefängnis). Sie stellte fest, dast der Angeklagte entgegen der Bestimmung in § 31 der Fahrdienstordnung die beteiligten Beamten von der Abweichung bon dem Fahrplan (Einlaufen auf Gleis 20 statt — wie vorgeschrieben — auf Gleis 19) nicht verständigt hatte, obwohl er es hätte tun können, und nahm als erwiesen an, dast dann das Unglück vermieden worden wäre. Seine Einwendung, in etwa 80 Prozent aller Fälle würde von dem Bahnhofsfahrchlan abgewichen, ohne dast eineDer- ständigung der anderen Beamten erfolge, konnte ihn ständiger Rechtsprechung entsprechend nicht entlüften. 3n der Aacht vom 13. auf den 14.4.22 wurden dem Pächter des Warthofs bei Grünberg zwei Pferde mit Wagen gestohlen. Man konnte feststellen, dast die Diebe — um Geräusch zu vermeiden — den Wagen aus dem gepflasterten Hof auf einen Feldweg getragen hatten und von hier aus weiter gefahren waren. Auch die Pferde hatten sie nicht über den Hof geführt, sondern aus der Stallwand ein Stück Mauer herausgebrochen und durch btefe Öeffnung btc Pferde unmittelbar auf das Feld gebracht. Am nächsten 'Atorgen wurden Pferde und Wagen in Friedberg-Fauerbach von drei Personen m einem Ausspann eingestellt. Einer von ihnen konnte nicht ermittelt werden. Die beiden anderen, der Kunstmaler Jean H. von Munster (Elsah) und der Kaufmann Paul S. von Babenhausen, wurden festgenommen und trotz ihres Leugnens von dem Schöffengericht Grünberg verurteilt. Ihre Berufung hatte keinen Erfolg. Auch die Strafkammer schenkte ihren offensichtlichen Ausreden, bei denen sie sich noch öfters widersprachen, keinen Glauben. Strafe: je VAÖubre Gefängnis. Die übrigen Sachen waren ohne besonderes Interesse für die Allgemeinheit. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zu dem „Eingesandt" über die Fortbildungsschule für Mädchen (Ar. 148 des G. A. 2. Bl.) mögen folgende Bemerkungen gestattet sein: Aufgabe der Fortbildungsschule ist die Vermittlung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten, die die Volksschule und ihre Schwesteranstalten noch nicht bieten konnten, die aber bei der heutigen Gestaltung unseres Lebens geradezu unerlästlich sind. Diese Aufgabe kann die Schule nur erfüllen, wenn der ilnterridjtf zu. einer Zeit liegt, in der die Schüler und Schülerinnen noch arbeits« und aufnahmefähig sind. Es wäre eine unverantwortliche Verschwendung t>on Staats- und Gemeindegeldern, wollte man sich damit begnügen, „Stunden halten" zu taffen mit Schülerinnen und Schülern, die den größten Teil eines arbeitsreichen Tages hinter sich haben und dann in der Schule einschlafen oder wenigstens mit dem Schlafe kämpfen. Daher wurde auch bei der neu eingerichteten Mlichtsortbildungsschule für Mädchen ein Teil des Unterrichts auf den Vormittag gelegt — es waren dabei auch noch andere Grunde maßgebend — und man ist damit dem Beispiel anderer Städte (Wetzlar u. a.) gefolgt, wo diese Einrichtung schon feit vielen Jahren besteht und die besten Erfolge gezeitigt hat. Aatür- lich nimmt die Schule, so wett es ihr nur irgend möglich ist, Rücksicht auf die häuslichen Verhältnisse der Schülerinnen, auf berechtigte Wünsche der Lehrherren usw. So wurde beispielsweise der Freitagnachmittag und der ganze Samstag frei- gehalten, da an ihnen die Mädchen sowohl im Haushalt, wie auch in Geschäften, besonders israelitischer Inhaber, am nötigsten sein dürften. Aber alle Wünsche zu berücksichtigen, dürfte der Schule unmöglich sein, dazu ist sie eben auch nur eine menschliche Einrichtung und sind die Wünsche zu vielgestalttg. Aun noch ein kurzes Wort zu den Bemerkungen des Herrn Einsenders über die Besprechung mit dem Lehrerrat am 15. d. M.: Laut amtlicher Bekanntmachung waren die Eltern dLr Schülerinnen zu dieser Besprechung eingeladen, weil die Schulleitung ihnen Gelegenheit zurAeuhe- rung ihrer Wünsche, zur Aufklärung über dies und jenes geben wollte. Es war Herrn auch eine recht stattliche Anzahl Erwachsener erschienen und zu sachlicher Aussprache bereit. Als sich aber aus weil er im Unterricht daS Hakenkreuz habe zeichnen lassen, habhaft zu werden: da man ihn aber in seiner Wohnung nicht antraf, lieh man sich zu Mißhandlungen des Hauseigentümers, der der erregten Menge den Zutritt verwehren wolllte, hinreißen. Wie der Lehrer in einer Erklärung in der „Butzbacher Zeitung' sachlich ausemanderseyt, muh der Redner, der die Sache mit dem Hakenkreuz der Versammlung erzählte, falsch informiert gewesen sein, denn das Hakenkreuz wurde nicht als vom Lehrer gestellte Aufgabe an die Tafel gezeichnet, sondern ein Schüler hat bei Zeichnung des im Lehrplan vor geschriebenen Wimpels aus eigenem Antrieb ein Hakenkreuz erngezeichnet, und der 'Lehrer hat mit pädagogischem Takt Fragen der Schüler, die sich daran anknüpften, kurz beantwortet, dann die Sache aber als nicht in die Schule gehörig ohne ein Für oder Wider abgeschnitten. Schlichtungsausschutz -er Provinz Oberhessen. Sitzung vom 3 0. Iuni 19 2 2. In der Lohn st reit ig leit des Bauarbeiterverbandes mit 16 Maurermeistern im Westteile des Kreises Alsfeld erging folgender Schiedsspruch: „Mit Wirkung vom 3. Juli 1922 sind die in der Vereinbarung zwischen dem Mitteldeutschen Arbeitgeberverband und dem Dauarbeiterverband usw. am 7. 6.1922 für Lohngruppe 4 und 5 feftgelegten Stundenlöhne zu zahlen,. jedoch in den Orten Kestrich, Zeilbach, Windhausen, Ruppertenrod, Ermenrod, Ober-Ohmen, Groh-Felde mit einem Abschlag von 3 Mk. in der Spitze bei Maurern und Bauhilfsarbeitern^ im übrigen entsprechend abgestuft. Wenn aber Arbeiter aus diesen urten im anderen Bezirk beschäftigt werden, ist ein Abschlag nicht zulässig. Diese Lohnregelung gilt für den Monat Juli. Etwaige neue Lohnverhandlungen sind derart zu beschleunigen, daß eine Rückwirkung vermieden wird. Wenn daher bis zum 20. Juli die Verhandlungen keine Aussicht auf Erfolg haben, ist dis betreibende Partei verpflichtet, bis zum 25.7. die zuständige Schlichtungsinstanz ohne weiteres anzurufen." Die Maurer sollen hiernach 25,50 bzw. 22,50 Mk. und die Dauhillsarbeiter 24,20 bzw. 21,20 Mk. Stundenlohn erhalten. Der bisherige Maurerlohn betrug zwischen 13 Mk. und Für die Arbeiter der Büdinger städtischen Feldbrandziegelei wurden 20 Mk. statt bisher 15 Mk. Stundenlohn festgesetzt. Der Schiedsspruch wurde beiderseits anerkannt. Dem Fabrikarbeiterverband und dem Arbeitgeberverband der Industrie in Oberhessen wurde aufgegeben, unverzüglich auf der Grundlage des Tarifvertrages für die Ziegeleien, Tonwaren- und Dachziegelfabriken für die Provinz Hessen-Aassau, Freistaat Hessen und Waldeck vom 4. April 1922 in Verhandlungen zwecks Abschlusses eines neuen Tarifvertrages für die G a i l s ch e n T o n w e r k e in Gießen und die Tonwerke Abend- rnt Eberstadt, 30. Juni. Heute mittag sand unter se'hr großer Beteiligung auf dem hiesigen Friedhöfe die Beis ehu n g des durch 6580 an den Gieß. Anz. VohnnHgstaufch. Biete schöne 4-3immer- Woburn,g mit Loggia gegen schöne 5-3immer- LBoOnung. Schrtf l. Angeb. unter 6171 an den Gieß. Anz. MM Miel M zu verkaufen. Anzusehen von 10—1 Uhr. 6279h Polstervcrkaufsstelle Wagengafse. wirklich tüchtige ÄilirtH die selbständig arbeiten können, in Dauerstellung für sofort gesucht. (Meise- fvesen werden vergütet). Matz-Atelier Nfint SflDima Bad - Nauheim Luisenstraße 9. 6107V Für meinen kleinen Haushalt (3 crw. Person j ein ehrliches, orbentL, lücht Mädchen gegen hohen Lohn per sofort ges. Ludw. Lazarn» 6198 Afterweg 53. Kaiserallee 45 Tel. 1248 Herd ;u rerksufen. uo j Bahnhofstraße 66. 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Wie unbeteiligte Zeugen versichert haben, war der Zustand der Fahne durchaus nicht so, das) er zu Beanstandungen Anlab gegeben hatte. - Gleichzeitig wurde Herrn Mogk betontet, daß an eine Verteidigung der Fahne, die von dem Dienstgebäude aus zu erreichen war, nicht ge- dacht werde, dab jedoch die Privatwohnung, durch die allein ein Zugang zu dem Wappen möglich ist, unter allen ilmftänton verteidigt würde. — Roch während der Verhandlungen mit Mogk erschienen einige der Demonstranten, halbwüchsige Burschen, und wiederholten in unwürdigem Ton ihr Verlangen, das nicht mehr beantwortet wurde. Die beiden Richter mit dem Amtsgecichtsdiener zogen sich daraufhin in die Privatwohnung zurück, die vom Hof aus und nach tont Gerichtsgebäude zugeschlossen wurde. Daraufhin drang eine Rotte, deren Anzahl man auf 20—25 schätzte, und unter der sich auch Frauen befanden, in das Dienstzimmer tos Amtsgerichtsdirektors ein, entfernten und zerschnitten die Fahne, nahmen den Flaggenschmuck weg, zerbrachen ihn und nahmen die einzelnen Teile mit. Die Fahne befindet sich als Beweisstück in Verwahrung des Gerichts. — 2lus dem Hausen heraus wurden in demonstrativer Weise Schilder gegen das Amtsgericht hochgehalten, von tonen das eine die Aufschrift trug: „Mörder- zentrale". Es handelt sich hiernach um einen Landfriedensbruch, der sein gerichtliches Rachspiel haben wird. Eine Erklärung der Zentrumspartei Darmstadt. Darmstadt, 30. Juni, Die Zentrumspartei Darmstadt veröffentlicht im „Darm- täbter Tagblatt" folgende Erklärung: 2>c r m ft ab t, 30. Juni. Die Demokratisch« Partei (gez. Heitodvoek) erklärt, daß chr Jlame unter vui -euijTUi „Motuunachung lhc Wissen und Zutun gesetzt wurde. Ae MMe» m tote Roman von Ernst Schertel. Deutscher Reichstag. 240. Sitzung, mittags 1 IBjfr. Berlin, 30. Juni 1922. Auf der Tagesordnung stehen kleine Anfragen. ~ , . Abg Kuhnt (UDP.) beschwert sich in einer Anfrage darüber, dab der im Kapp-Putsch vielgenannte Kapitän zur See von LöwenfeW zum Kommandanten tos kleinen Kreuzers ,,BerM berufen worden sei, obwohl er vielfacher Sol- datenmihhandlungen schuldig sei, in Schlesien und Westfalen mit seiner Marrnebrigade bestialische Morde begangen und im Münster- und Sennelager vandalisch gchaust und gestohlen habe. Kapitän zur See Putzer anttoortet, die Bestrafung wegen Soldatenmibhandlung liege 20 Jahre zurück Die gerichtliche Untersuchung über bte Vorgänge in Schlesien habe keinen Schuldbeweis gegen ihn oder seine Offiziere ergeben. 3nt Ruhrrevier habe er im Auftrage der Regierung gegen die Rote Armee gekämpft. Die plnregelmätzcgkeiten bei tot Auflösung seines Freikorps konnten ihm nicht zur Last gelegt werden. Er habe die Regw- rung in loyalster Weise unterstützt, so daß zu einer Mahregelung keine Veranlassung Vorlage. „Glauben Sie das nichts" sagte der Doktor Perzelius leise unb sah sich nn, ob nicht zufällig jemand zuhöre. „man merkt an Ihrer Der- tvauensseligkcit, dab Sie noch f emd sind hier. Die Gewalt der Regierung ist j-nsetts tor Mauern der groben Städte äuherst gering. Dazu kommt noch die Anzahl von gesetzgebenden und ausübenden Körperschaften, bte hier zusammen- treffen. Jede Klosse von Untertanen hat sozusagen ihren eigenen Gerichtshof und ihr eigenes überkommenes Recht. ilnb darum labt sich atch ix-rerft gar nichts ändern. Aber all dtese Gründe bedingen den hohen Grad von llnsrch^rhert, tn dem wir uns hier befinden, und die Siros- lvsigieit mtt der die meisten Verbrecher tovou- konnnen. So wurde zum DKsPiel vor etntgrr Zeit dicht bet Assuan ein Kind tot und verstümmelt ausgefunton, ohne dah sich auch nur em: Hand zur Verfolgung tos Täters rührte. Degen Ritualverbrechen — und das stnd ja dtese Vorfälle meist - fehlt fast jeto gesetzlich ^^ube. 3etor Richter und jeder Kadi wtrd stch htu)"ann als von einer „Räumung" der oberen Stockwerke! — Die Leute, die sich in sittlicher Entrüstung über ton Mord an Rathenau heute gegenseitig überbieten, tragen die unmittelbare, narc Verantwortung für die Schandtaten in Darmstadt und das Blut, das hier geflossen ist!" Schwere Ausschreitungen gegen das Amlsgerichtsgebiiude in Offenbach- Gelegentlich tor Trauerdemonstration am Beisetzungstage tos Ministers Dr. Rathenau kam es in Offenbach a. M. zu schweren Arlsschrei- tungen vor dem Amtsgerichtsgebäude. Ein Augenzeuge berichtet hierüber dem D. T. A.: Rach einer fdürfen Hetzrede gegen die Justiz, in der unter anderem erwählt! wurde, daß Amtsgerichts rat Heckler und der damalige Staatsanwalt Landmann einen Arbeiter, tot aus Hunger einen Hafen „weggenvmmen" habe, zu 6 Monaten Gefängnis verurteill hätten, während etwa ein halbes Jahr später ein Fabrikant freigesprochen worton sei, und man auf diese Weise die nötige Stimmung gegen die Justiz wieder einmal erzeugt hatte, begab sich eine ganze Anzahl tor Teilnehmer an einer Kundgebung auf dem Wilhelmsplatz direkt nach dem Amtsgericht, wo sie sich nach offensichtlich vor- bereitetgm Plan ungefähr 10—15 Rotten tie dem Amtsgericht gegenüber in tor Kaiserstraße aufstelllttzn. Bemcwkenswert ist hierbei, toh in vorderstes Reihe ungefähr 30—40 uniformierte Schutzleute standen. Zunächst verhielt sich die Zusammenrottung ruhig? bis nach einiger Zett tor Krinfinalkommissar Mogk vom Hofe' aus bei der Privatwohnung des dienstaufsichtfiihrenden Richters Geheimrat Landmamr anklingelte, worauf sich dieser mit Amtsgerichtsrat ßanbmann in den Hof begab. Hier sagte Mogk, die Menge verlange, toh die auf Anordnung des hessischen Gesamtministeriums auf Halbmast herausgehangte Fahne und tos alte hessische Staatswappen sofort entfernt würden. Dieses Ansinnen wurde mit tor Begründung abgelehnt, dah man damit gegen die Weisung des Gesamtministeriums ver- stohe und toh außerdem unter Zwang nichts braucht. , Es folgt nunmehr die zweite Beratung tos Gesetzes über die ©etreitoumlage. Im interfraktionellen Ausschuß ist ein Kompromiß vereinbart worton auf tor Grundlage eines Roggenpreises von 6900 Mk. für die ersten vier Monate tos Wirtschaftsjahres, während in ton übrigen acht Monaten die inzwischen eingetretenen Veränderungen berücksichtigt werden sollen. Abg. Schiele (Dnll.) bedauert, toh die für unser Wirtschaftsleben so wichtige Frage zu einer Parteisache gemacht worton sei, und sucht nach- zuweisen, toh die Umlage zu einer Hemmung der landwirtschaftlichen Produttion führen müsse, ohne daß auf diesem Wege eine dauernde Verbilligung des Brotes erreicht werden kann. Das Volk, tos über die hohen Drotpreise empört sei, möge betonten, toh nur ein geringer Bruchteil! derselben ton Landwirten Zufließe. Rur bei wrct- schaftlicher.Freiheit könne die Landwirtschaft ihre hohe Aufgabe der DoNsernährung erfüllen. Abg. Runkel (D.Dp.): Die Sicherung tot Volksernährung ist unser aller Ziel. Wir unterscheiden uns nur tn den Mitteln zur Erreichung desselben. Mir vertrauen tor Landwirtschaft, dah sie daS notige Getreide freiwillig abliefert, ohne polizeiliche Eingriffe. Pflichtgefühl und Verantwortung gedeihen nur auf dem Boden der Freiheit. Abg. Krätzig (Soz.) wendet fich gegen dis Agitation tos Landbundes, der geradezu zum Aufruhr gegen die Regierung aufgerufen habe, wenn sie die Umlage einfortom wolle. Die Arbeiterklasse müsse erwerbsfähig erhalten werben, sonst gehe tos deutsche Doll einfach zu Grunde heil besitzt, tote Aegypten, auf mysteriöse DeiH brechen stoßen, dann dürfen wir sicher Inn, daß diese in irgendeiner Beziehung stehen zum ältesten Gottesdienst — kurz, dah es Rttralverbrachur Doktor Perzelius tat einige kräftige Zügr an ferner zu Ende gehenden Zigarre, tonn zerdrückte er ton Stummel im Aschenbecher und zündete eine neue an. Eduard von Wulften füllte eine fremde Wett von Begriffen und Vorstellungen in feinem Gehirn entstehen und er war minutenlang kttnes Wortes mächtig. „®ie Vergangenheit lebt greifbar nahe tun, uns," sagte endlich Perzelius langsam und leise. „Seltsa-m," murmelte Eduard, „toh alles Vergangene so böse ist." . „Jegliche Geschichte ist mit Blut geschrieben und an jeder historischen Stätte haftet die Er» tnne-rung an Leiden und Tod", entgegnete Perzelius nod) leiser. Eduard fühlte ein immer tieferes Grauen, je mehr er die neu gewonnenen Erkenntnisse überdachte. Er versank in Schweigen, das auch Doktor Perzelfils nicht mehr unterbrach. Endlich erhob sich Eduard und bemerkte dabei daß er die vor ihm stehenden Speisen Baum berührt hätte. Er wollte noch etwas Luft schöpfen und verabschiedete sich deshalb von dem Gelehrten. Dann betrat er ton Fahrstuhl und IteD sich nach tor Dachterrasse tos Hotels befördern. Er atmete tief auf, als er hinaus tn bte nächtliche Kühle trat. (Fortsetzung folgt.) „Der Aufruf „Mobilmachung' in Rr. 146 tos „Hessischen Vollsfreuntos" und der am Dienstag, den 27. Juni, in tor „Darmstädter Zeitung" und dem „Darmstädter Tagblatt" erschienene Aufruf zur Trauer- und Protestkundgebung anläßlich der Ermordung Dr. Rathenaus, gezeichnet von den drei Koalitionsparteien, Taffen auch die Zentrumspartei zur Demonstration auf dem Marktplatz auffordern. Wir ertlären hierzu, daß wir der Demokratischen tßartei nur unsere Beteiligung an der Trauerkundgebung im Saalbau zugesagt hatten, dagegen die Beteiligung an einer Straßen- Demonstration ausdrücklich abge- lehnt hatten, wett wir grundsätzlich Gegner von volttischen Strahenkundgebungen si^d, die wir auch schon bei tor Ermordung Erzbergers abgelehnt haben. Der Demokratischen Partei, wie der Redaktion tos Vollsfreundes toar dieser Standpunkt mit aller Entschiedenheit mitgeteiU worden. Die Veranlasser des Aufrufs waren also in feiner Weise berechtigt, unsere Unterschrift unter ton Aufruf für die Strahendemonstration zu setzen oder auch nur uns zu nennen, wie es in dem Aufruf tos Vollsfieundes gescheben ist. Die Zentrumspartei hat daher weder mtt der Demon- stvation am Dienstag noch mit ihren Folgen etwas zu tun.“ Kemer wills gewesen fein! Das Attentat aus Dingeldey. ; Rach einem Bericht der Darmstädter Presse : hat tor Abgeordnete Dingeldey über das auf : ihn verübte Attentat wie folgt geäußert: Es war etwa 5 llhr, als sich vor meinem : Hause eine große lärmende Menschenmenge, die «Hi™ 3000 Köpfe zählte, anfammeUe. Rufe erschollen, wie „Dingeltoy raus!" un» ähnlich. Ich ' lieh sofort die Haustüren, verriegeln. Schon aber stürmte die Menge tos Tor und begann, es gewaltsam zu erbrechen. Ich hatte noch Zeit, um telephonisch tos Polizeiamt von dieser Tatsache zu verständigen, ura> begab mich dann in ton dritten Stock meines Hauses. Meine Mädchen wurden instruiert, die Menge dadurch zurückzuhallen, däh man ihr erklärte, ich sei nicht anwesend. Das wirkte jedoch nicht. Die Menge stürmte die Treppe und dann meine Wohnung und verlangte immer stürmischer meine Auslieferung. Als ich das hörte, trat ich ihr freiwillig auf tor Treppe meines Hauses entgegen. Einige halbwüchsige vernünftige Männer behaupteten, sie übernähmen für mich die Garantte der persönlichen Sicherheit, ich sollte nur vom Fenster aus einige Worte zu der Menge sprechen. Das versuchte ich und sagte etwa folgendes: „Fluch jeder Gewalttat gegen ton Frieden unseresVolkes, woher sie auch komme! Wir alle müssen in dieser Rot zusammenhallen! Ich verspreche, die Verfaffung treu zu achten!" Diese Worte wurden von tor Menge mit ungeheurem Wutgebrüll und mit Steinwürfen beantwortet. Immer neue wütende Scharen stürmten ins Haus und verlangten, ich solle heraus- lommen. Meine hochbetagte Mutter, die sich den Menschen entgegenzustellen und ihnen gütlich zu- zureton versuchte, totfebe gewaltsam zu Boden geworfen. Als ich tos sah, wurde mir klar, dah ich meine Familie und mein Haus nur dadurch, toh ich freiwillig den Forderungen der Menge nachkam, retten konnte. Ich ging daher freiwillig durch den dichten Menfchenknäuel die Treppe hinunter. Unten wurde ich mit Schimpfrufen und Stößen empfangen. Man zwang mir eine rote Fahne in die rechte Hand und schlug wiederholt auf mich ein. So ging es bis zur Ecke Wilhel- minen- und Annastrahe. Dort hoben mich einige, mich mit ihren Leibern deckende Arbeiter, deren ich überhaupt rühmend Erwähnung tun muh, in den ©arten tos Hauses Annastrahe 15, in der Hoffnung, mich dadurch retten zu können. Die Menge stürmte jedoch nach.und hatte mich bald wieder umringt Die Versuche einiger Redner, die Menge zu beruhigen, waren vergeblich, obwohl sie sich als Dertteter tor 11. S. P. und tor Kommunisten ausgaben. Besonders ein mit polnischem Akzent sprechender Man n verlangte immer wieder aufs neue meine Hinrichtung und hetzte die Menge auf. Diese jagte tonn mtt mir durch ton Garten meines Anwesens und durch diesen hindurch wieder auf die Heinrichsstrahe. Die Gärten bieten ein Bild wüster Zerstörung. Mutwillig wurden die Pflanzen aus dem Boden geriffen und umher geworfen. Dann ging es die Heinrichstrahe hinunter nach der Saakbaustrahe. Ich blutete bereits aus mehreren Gesichts- temnton. Ecke Heinrichs- und Saalbaustrahe war ein Aufgebot de r Schupo tn einer Stärke von 20 biS 25 Mann mit einem Lastauto aufgestellt. Vorher waren schon ein paar beherzte blaue Polizisten vorgestürmt und biS in meine Rähe vorgedrungen. DaS Aufgebot tor Schupo jedoch tat nichts zu meiner Befreiung, wich vielmehr vor der anstürmenden Menge zurück. Run ging es weiter durch die Anna- und die Saalbaustrahe zur Heidelberger Strafte. Dis dahin war ich immer noch von einigen vernünftigen Arbeitern, die mich retten wollten, umgeben, und diese versuchten nun gemeinsam mit den tn dem Menschenhaufen befindlichen blauen Polizisten, mich von der Heidelberger Strafte zur Schupokaserne zu bringen. Als tos die Menge bemerkte, unternahm sie einen Vorstoß und entriß mich ton mich umgebenden Mannern. Don nun ab kam ich tn die Hände eines Haufens wüster Rohlinge, der sich zum größten Teil aus jungen Leuten von 1Z bis 18 Jahren zusammen- setzte, in dem sich aber auch Leute mit «grauen Haaren, darunter ein Eisenbahnbeamter in voller Uniform bemerkbar machten. Die Leute schlugen von allen Setten mtt Fäusten und Steinen auf mich ein. Einige griffen nach meinem Hals, um mich würgen. Ich verlor hierdurch -einige Augenblicke tos volle Bewußtsein und kam zu '0>g. Dtegerwald (-3-) ist von der Slot* Ävendigteit durchdrungen, die Ernährung des Volkes durch die ©etreibeumlage zu sichern, bat ■aber andererseits volles Verständnis für das Streben der Landwirtschaft, aus der Zwangswirtschaft herauszukommen. Brauchbare Wege zur Sicherung der Vollsernährung hat aber die Landwirtschaft nicht gezeigt. Wenn es möglich wäre, eine Drvtreserve von zwei Millionen Tonnen Getreide zu schaffen, wäre ich der Erste gewesen, der für die freie Wirtschaft gestimmt hatte. Auch die übrigen Teile der Devöllerung müssen Opfer für die Allgemeinheit bringen. Bon der Landwirtschaft allein werden sie also nicht verlangt. Was dos Zentrum im Ausschuh erreicht hat, hat dem Gesetz eine Form gegeben, die sich vor der Landwirtschaft sehr wohl vertreten läht. Abg. Dr. Hertz (11): Das wichtigste Nahrungsmittel der freien Wirtschaft zu überlassen, wäre ein unerträglicher Zu stand und gewiß er- mahen eine Belohnung für jeden Mord aus den Bechen der Rechten. Wenn man sieht, wie die Landwirte bei ihren Vergnügungen mit den Tauscndmarkscheinen he.umwer e >, be'ommt man ein Bild davon, wie es mit der Rot der Landwirtschaft aussieht. Dem Kompromiß haben wir zugestimmt, weil wir nicht durch das Scheitern Der Umlage die Geschäfte der Rechten besorgen Lwllten. Abg. Lang (Dayr. Vp.) beäntragt Beschränkung der Umlage auf zwei Millionen Tonnen. Abg. Rauschmahr (Bayr. Bb.).lehnt die Umlage ab, weil die Interessen der kleinen Dauern nicht genügend gewahrt seien. Abg. Könen (Komm.) lehnt den Komprv- Mihantrag als eine Liebesgabe für die Großagrarier entschieden ab und erklärt, die Freunde der freien Getreidewirtschaft mühten ins Zuchthaus, mindestens aber vor den Staatsgerichts Hof gestellt werden. Ernäh.ungsminister Dr. Fehr schildert die Umnöglich4eit, angesichts des jähen Sturzes der Mart jetzt Mr freien Wirtschaft überzugehsn. Im Vorjahre habe die Regierung unter anderen Verhältnissen gegen den schärfsten Widerstand der Kontinenten begonnen, die Zwangswirtschaft ab- zubauen. Jetzt müsse sie gegen den Widerstand j Dey Produzenten an der beschränkten Zwangswirtschaft sesthalten, zumal die Ernteaussichten dies- | mal weit schlechter seien als im Vorjahre. Ich bitte dringend, die Vorlage nach dem Kompromiß- antrag auzu nehmen. Abg. Dr. Heim (Bayer. Vp.) sieht in dem Gesetz ein Unglück, will aber, wemt er auch gegen die Umlage stimme, nicht der von gewisser Seite eingelegten Agitation folgen, die Umlage zu sabotieren. In der Abstimmung wird nunmehr der Kvm- promihantrag zu Paragraph 1 gegen die Stimmen der Rechten, der Kommunisten und der Bayerischen Dollspartei angenommen. Demgemäß bleibt es bei der im Vorjahre festgesetzten Um» lagern enge von 21/? Millionen Tonnen. Zu tz 2 über die von der Umlage freibleibende Fläche beantragt Abg. Körner (Dntl.), für Gegenden mit Mißernte die Umlagefläche entsprechend herabzufetzen. .Abg. Böhm (Dem.) will die Freilassmigs- grenze auf 10 Hektar festsetzen. Nachdem Minister Fehr um Ablehnung des Antrages Böhm gebeten hatte, wird der Antrag unter Ablehnung alKr Abänderungsanträge in der Ausfchuß- fassung angenommen. Demnach bleiben Betriebe bi8 zu fünf Hektar von der Umlage frei. Die Versorgung mit billligern Brot soll nur auf Antrag eintreten, und es sollen davon diejenigen Personen ausgeschlossen sein, deren Einkommens- Verhältnisse ein Bedürfnis dazu nicht erkennen lassen. Hinsichtlich der Preisregelung wird beschlossen: Der Preis für das erste Drittel der Umlagemenge beträgt für Roggen 6 900 Mark, für Weizen 7400 Mark, für Gerste 6700 Mark, für Hafer 6600 Mark je Tonne. Für das zweite und dritte Drittel der Umlage seht die Reichs- regietung die Preise nach Anhörung eines Aus- fchrsses fest. Der Ausschuß besteht aus 20 Mitgliedern, von denen je fünf aus dem Volkswirt- schaftsausschuß des Reichsrats zu wählen sind, während fünf aus Kreisen der Landwirtschaft und fünf aus Kreisen der Verbraucher vom Reichsernährungsminister zu berufen sind. Der Rest der Vorlage wird in der Ausschuhfassung angenommen. Um 10 Uhr vertagt das Haus die dritte Beratung aus Samstag vormittag 11 Uhr. Außerdem : Kleine Vorlagen. Vermischtes. ' Ameisengefahr in London. ($tn furchtbarer Feind bedroht London, and die Zeitungen erheben drängende Warnrufe. Dieser ge- fah.'liche Gegner, d.sten Bordri -gea man fürchtet, ist die argentinische Ameise, die mit 'Sananen unh Tomaten aus Madeira eingeschleppt wurde, sich infolge des heißen vorigen Sommers udn der diesjährigen Hitze rasch vermehrt hat und mm in großen Schwärmen die Londoner Wohnungen bedroht. Die argentinische Ameise frißt alles, was ihr in den Weg fommt; sie tötet sogar Kinder, indem sie in das Ohr schlafender Säuglinge dringt, das Trommel- selll durchbeiht und so ins Gehirn gelangt. In Amerika sind bereits mehrere Kinder auf diese Weise getötet worden. Das gefräßige Tier, das aus Argentinien stammt, dann nach Mexitt, und in die Bereinigten Staaten einwanderte und auf Madeira, wo es mit Waren eingeschleppt wurde, die furchtbarsten Verwüstungen angerichtet hat, vermehrt sich In England in beängstigender Weise, und es müssen daher rasch alle Maßregeln zur Vernichtung dieser Geißel ergriffen werden, bevor unnennbarer Schaden angerichtet worden ist. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 2. Juli, 3. n. Trinitatis. .Sn der Stadtkirche. Dorrn 8 Uhr, zugl. Christenlehre f. d. Reukonfirm. aus der Markus- gemeinde: Pfarrer Becker. Vorm. 9i-'3: Pfarrer Mahr Vorm. 11: Kinderkirche für die Matthäus- gemeinde: Pfarrer Mahr. -- Montag, den 3. Juli, abends 8 Uhr: Bereinigung der konfirmierten männlichen Jugend, Dienstag, den 4. Juli aböd. 8 Uhr: Bereinigung der weibl. Jugend, jedesmal öcr Matthäusgemeinde. — Dienstag, den 4. Juli, abends 8 /o Ubr: Heljerversammlung d. Männerund ;5rauent>ereinißung der Matttzäusgemeinde. — Dienstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr: Ver° einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Donnerstag, d. 6. Juli, abends 81/3 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Iohanneskirche. Vorm. 8Uhr, zugl. Christenlehre für die Reukonfirmierten aus der Iohannesgemeinde: Pfarrassistent Müller. Vorm. 9V?: Pfarrer Bechtolsheimer. Vorm. 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 8: Bibelbesprechvng im Iohannessaal: Pfarrer Becker. W i e s e ck. Sonntag, 2. Juli, vorm. 8Vz: Christenlehre (konf. männl. Jugend). 91/9 Gottesdienst. 103/;<: Kinderkirche. Abends 8: Singabend für Frauen und Jungfrauen in der Kirche: im Anschluß Versammlung des Frauenvereins. — Mittwoch. 5. Juli, abends 8: Spielabend der Iugendvereinigung (männliche Abteilung) im Freien. — Donnerstag, 6. Juli, abends 81/2: Mädchenabend. Sonntag, den 2. Juli, vorm. 10: Kirchberg. 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend. — Aachm. P/3: Staufenberg. — Aachm. U/3: Lollar. Katholische Gemeinde. Samstag, den 1. Juli, nachm. 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Deichte. ■— Sonntag, den 2. Juli. 4. Sonntag nach Pfingsten. Vorm. 61/3; Gelegenheit zur Hb Deichte. 7: Hl. Messe. Kommunion der Manner und des Koth. Kaufmann. Vereins. 8: Austeilung der hl. Kommunion. 9: Hochamt mit Predigt. 11: Amt mit Predigt. Michmi. 2Vz: Christenlehre, darauf Andacht. Abends 8: Aloisius- andacht. — Freitag norm. 6’/8 Uhr ist Segens-- messe. Kalb. Gottesdienst. 2. Juli. Lich, vorm. 8V2 Uhr. — Hungen entfällst. — Laubach 10 Uhr norm. SanfceL Berlin, 30. Juni. Am Devisenmarkt führte die Anschauung, daß eine leichte Entspannung dep innerpolttischen Lage in Aussicht stehe, zu einer geringfügigen Abschwächung bei ruhigem Verkehr. An oct Mittagsbörse setzte sich aber eine entschieden neuerliche Aufwärts- bewegung angeblich auf den ungünstigen Eindruck der gestrigen Rede Poinearss durch.' Der Dollar stieg schon in der ersten Dörsenstunde über 3741/2. Das Geschäft war zeitweise erregt. Am Qtffeftenftiartte herrschte vollständige Lustlosigkeit. Industriewerte waren wenig und ungleichmäßig verändert. Hervorzuheben ist die Steigerung der Felten u. Guilleaume-Mien um 42 Prvz., die aber später nicht aufrecht erhalten wurde. Bankaktien waren schwach behauptet. Schiffahrtswerte waren fest gehalten. Ausländische Renten schwächten sich mäßig ab, während Deutsche Anleihen gute Haltung bekundeten. Preußische Kvnsols gewannen Bruchteile eines Prozents. Interesse bestand lediglich für Petro- leumwerte, die auf Meinungskäufe ihren Kursstand verbessern konnten. Ferner wurden Schau- iungaftien etwas hoher bezahlt in Erwartung baldiger Regelung der AbfindungsangelLgenheit. Frankfurt a. M, 30. Juni. Dörsen- stimmungsbild. Die ©trmmung art der heutigen Börse war etwas freundlicher, doch bliev die Umsatztätigteit auf allen Gebieten eng begrenzt, Auch der Devisenmarkt lag im wesentlichen ruhig. Der Dollar schwankte zwischen 365 bis" 362 bis 372. Im freien Verkehr wurden Deutsche Petroleum mit 2150 bis 2175 gehandelt, sonst hielt sich das Geschäft auf diesem Gebiet in sehr engen Grenzen. Bxmz 435. Montanaktien lagen teilweise etwas fester. Die führenden Aktien erhöhten sich »durchschnittlich .im 5 bis 25 Prozent. Elekrrizitätspapiere gaben mäßig nach. Chemische Aktien waren etwas belebter bei teilweise festeren Preisen. Zucker^ fabrikaktien lagen fest. Am Kassamarkt der Industriepapiere war der Verkehr nur in einzelnen Papieren etwas angeregter. Im Verlaufe Wirde die Haltung schwankend, blieb jedoch vorwiegend behauptet. Privatdiskont 43/* Prozent. Frankfurt a. TL, 1. Juli. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schluß- 1-Uhr- Schluß- Ans.- Kurs Kurs Kurs Kurs Datum: 29.5. 35.6. 29.6. 30.6. 5°/o Dtsch. Kriegsanl. 77,50 77,50 77,50 77,50 4"/°Dtfch. Reichsanl. 105, - 104, - 105,10 105 50 3°/„ Dtsch. Reichsanl. 149,75 ISO - 151, - 151,- 4e/0 Preuß. Konsols 81,50 81,75 82,25 83.- Hamburg-Paletf.. . 398 - 4 0.- 392,- 396,- Rorddeutscher Lloyd 296,50 293, — 290, — 288,— Eomm.u.Privatbank 292, - 29 z,— 295,» 294,- Darmstädter Bank . 2»2,-- 281,— 284,- 283, - Deutsche Bank . . . 500, — 490, — 506, 500, — Disconto-Gesellschaft 409,- 409,- 410,- 410,- Dresdner Bank. . . 306,-» 306,— 310, — 310, — Mitteld. Creditbank. 246,- 248.50 248,2a 249,50 ^lationalbank s. D.. 285.- 281,*. 283, n. Doch. Gußstahlwerke. 1075,— 1055, Bud.«Eisenw.»Akt. 555,- 555,— 535,— 525,— D.-Luxemb. Vergw. 95a,— 963,— 952,— 945,— Gelsenkirch. Bergw.. 1003, - 995,— 1005,- 995,— Harpener Bergbau. 1770,- 1780, — 1776,— 1784,— Oberschl. Eijenb815,- 840,- 814,- 829,- Oberschles. (Sifeninö. 685,- 670,- 576,- 564,- Phönir-Vergb.'A.tt. 1150,- 116?,- 1141,- 1130,- Vad.Anilin-u. Soda 720,- 725,- 718,- 724,- Höchster Farbwerke. 637,- 645,- 630,— Gt5,— Allg. Ei.ektr.-Ges. . . 648,- 639,- 633,- 624,- Felien L Guilleaume 670,- 680,- 678,- 700,- Schuckert-Werle. . 625,- 630,- 635,- 628,- Adlerwerke 439, - 425,— 410,- 425, — ! Daimler . 3j6,50 398,- 391,— 338,— i 4°»Hess. Staatsanl. 78,10 79,50 79,10 75,- : Electron Griesheim 760,- 770,- 770,- 772,» I Dtsche. Dereinsbank 18u.— 175,- *,« •,-» I Berliner Devisenmarkt. Datum: Amstd.-Rvtterd. Brüssel-Antw. . Ehristiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelfingsorS. . . Italien London Reuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr, Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro Geld Dri 29. Juni. 13982 50 14017,50 2926,30 2933/0 5907,bC 5-»22 40 7300 23 7819,80 9388,25 9411 75 820,95 828,05 1717,85 1722,15 1610,45 1614,55 3i4,03 374,97 308’ 10 3098,30 7036,16 7052,85 5732,80 5747,20 '88 1,92 702,60 704,40 36, - 36,10 131,32 131,67 235,70 236,30 177, - 17ä,- 5018,- 5032,- ?f Geld Brief 30. Juni. 14382,- >4418,» 2971,25 2978,75 6137,30 6152,70 8014,95 8035,05 9617,95 9642,05 851,90 854,10 1747,80 1752,20 1)52,50 1657,10 3? 4,03 374,97 3121,05 3128,95 7091,10 7108,90 5802,70 5ol7,30 1,95 1,99 715,10 716,90 36,25 36-35 134,07 134,12 247.65 248,35 179,50 180,50 5118,- 5132. - Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 29.6. 20.6. Zürich Fr. 125.40 1,42 1,41 Amsterdam Fl. 59.20 -.70 -,69 Kopenhagen Kr. 88.80 1,31 1,27 Stockholm Kr. 88.80 1,10 1,08 Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 22,11 London . Sh. 97.80 1,42 1,65 Reuyork $ 23.80 -.27 -,26 Paris Fr. 125.40 8.26 3.20 Züricher Devisenmarkt. 29. 6. 1. 7. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 202.10 202.75 Deutschland 100 Mk. =» 1.43 1.395 Wien 100 Är. = 0.027 0.02? Prag 100 Kr. --- 10.10 16.10 Paris 100 Fr. ---- 44.10 44.15 London 1 £ <=■ 23.27 23.27 Italien 100 2. --- 2».7O 24.70 Brüssel 100 Fr. = 41.75 41.76 Budapest 100 Kr. --- 0.51 0.51 Reuyork 100 $ --- 527.75 527.25 Agram 100 Kr. ----- 1.65 1.65 Warschau 100 Kr. --- 0,115 0.115 Märkte. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 30. Juni. Sehr gutes Angebot in Gemüse und Obst bestand auch aus dem heutigen Markt. Zu den von Erzeugern reichlich angelieferten Gelberüben, Kohlrabi Und Kopfsalat, sind in den letzten Tagen durch den Großhandel auch größere Posten Kernerbsen hinzugekommen. Ungeachtet der gut befahrenen Märkte kann man aber nur hier und da von einer merklichen Preissenkung reden. Vor allem behauptet Obst fmrtnäctig den bisherigen Preis. Es kosteten beim Großhandel Kartoffeln im Zentner 220 bis 280 Mk., italienische 800—900 Mark, holländischer Blumenkohl das Stück 28 bis 30 Mk., Zwiebeln 500—650 Mk., Rhabarber 150 bis 170 Mk., Kernerbsen 750—900 Mk., holländische Salatgurken das Stück 16—18 Mk., Rettich das Stück 1—3 Mk. Bei Erzeugern wurde bezahlt für Gelberüben das Bündel 1—1,50'Mk., Kohlrabi das Stück 1—2,50 Mk., Kernerbsen das Pfund 9—11 Mk., Römischkvhl 6—8 Mk., Kopfsalat die Staude 0,50—1,20 Mk., Sauerampfer das Pfund 4—5 Mk. und Blumenkohl das Stück 20 25 Mk. Auf dem Ob st markt wurden Kirschen der «Zentner mit 650—1100 Mk., Johannisbeeren mit 1200—1500 M., Heidelbeeren mit 1600—1700 Mk. und Himbeeren mit 30—32 Mark, Stachelbeeren mit 8—9 Mk. das Pfund bezahlt. Erdbeeren waren sehr knapp und teuer. Auf dem Fischmarkt kosteten. Flußfische das Pfund 18—25 Mk., Seefische 13—18 Mk. Butter hatte den Preis von 80 Mk., Margarine den von 39—42 Mk. Die Gier wurden mit 6,60 bis 6,75 Mk. im Hundert bezahlt. Mainzer Produktenbörse. Mainz. 30. Sunt Das Geschäft an der heutigen Börse war sehr lebhaft. GS wurden große Umsätze erzielt, da infolge der Knappheit an Ware kurz vor der Ernte noch großer Bedarf herrscht. .Besonders knapp liegt jetzt Brptgetreide und Hafer, aber auch alle Futtermittel waren gesucht und höher im Preis. Ebenso sind alle Sämereien im Preise wesentlich höher. Trotzdem ist anzunehmen, daß wir die kurze Zeit bis zur Ernte noch mit unseren Vorräten durchkommen werden. — Es notierten per 100 Kilo loco Mainz: Weizen 1900, Roggen 1550, Hafer 1800, Braugerste 1925, Futtergerste 1550, ml. Weizenmehl 00 2800, inl. Weizenmehl Spez. 0 2700, Roggengenmehl 70proz. 2100, Weizenkleie ohne Sack 1175, Aoggenkleie ohne Sack 1175, Mais 1485, Maisschrot 1600, Futtermehl 1300, ital. Luzerne 9500, ital. Rotklee 9500, inl. Rotklee 9000, weihe Bohnen 1650, Viktoria-Erbsen geschalt 2250, Viktoria-Erbsen ungeschält 2100, Burma-Reis II. 2500, Auslandszucker 3925, Haferflocken 2600, Graupen 2550, Wiesenheu lose 1000, Wiesenheu gepreßt 1050, Kleeheu lose 1250, Haferstroh 375, Roggensttoh 400. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Aeber die schnelle Entwirrung deS Mordkomplotts. erfährt das „Derl. Tageblatt" u. a. folgendes: In her Rächt vom Montag zum Dienstag wurde im Berliner Westen ein Helfer der Mörder ver- haftet. Er leugnete zunächst jede Mittäterschaft ab, als man ihm dann plötzlich mehrere seiner vorher verhafteten Freunde gegenübcrstellte, wobei er sich in schwere Widersprüche verwickelte, brach der Mann zusammen und gestand alles. Durch das Geständnis wurden die Spuren der Mörder llar aufgedeckt. Den Ramen dieses Mannes gibt die politische Po- lizei aus bestimmten Gründen noch nicht bekannt. Seine Aussagen führten gestern bereits zur Wiederverhaftung des Kapitänleutnant Killinger in Prerow. Französische Pressestimmen zur Rede Poincarös. Paris, 30. x3uni. (WTD.) gefingert Rede des Ministerpräsidenten Poincar.> im Senat schreibt das .,($ d) 0 be Papis": Der Ministerpräsident hat in vielen Einzelheiten aus- einandergeseht, daß Deutschland den grabtoei.en Ruin der Mark hrrbeifühce, *um -iru< nicht zi bezahlen. Ujji di.sein Skandal und dieser Gefahr em Ende >u bereiten, müsse man es dahm bringen, ungeheure Sachlieseräugen zr leisten, dis seine Finanzen wieder aufgnichtet sind. Man muß gewisse Scrnttivneu bjr. f j(> cn, seines nut dem Beistand der Alliierten, sei e ohne ihren Beistand. Die „(5 rc Rondelle" schreibt, öte Antwort des Ministerpräsidenten Ixi natürlich die Ratschläge her Interpellanten zunichte gemacht. Wozu dient es, die Regierung zum Handeln aufz.lfordern, tecirn sie weit davon entfernt ist, den notwendigen Geist zu einer eindrucksvollen Aktion zu dciltzen, wenn btc Mentalität dH Herrn Poincare! offenbar unfähig ist. sich vor den Nationalist Ischen Methoden eines airempsoh- lenen Entgegenlommens zu beigen? Die Interpellanten wollten den Ministerpräsident in eine fruchtbare Richtung lenken, ohne daß er sich zu sehr hätte dementieren müssen. Unser Miurster- Präsident hat das nicht begriffen. Das „Oeubre“ schreibt, die Interpellanten Haden den Mi.iistekpräs deuten aujgefordert, aus dem Rahmen des Versailler Ve träges h:raus- gutreten und eine allgemeine Lig uidation zi unternehmen, die uns von dem Regime der Unmöglichkeit befreit, und sie schlugen eine Kvm-- pensattvn der interalliierten Schulden, eine internationale Anleihe und eine Organisation des europäischen Friedens vor. Poincarä hat ihnen geantwortet, so wünschenswert auch der Vorrang der verwüsteten Gebiete und der Ausgleich der interalliierten Schulden fei, man tonne sich nicht damit befassen, ohne alle Arten von Schwierigkeiten hervorzurufen. Aus der französische» Kammer. Paris, 30. Juni. (WTB.) Der Kam-» merausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hat gestern die Prüfung des Wiesbadener Abkommens And der damtt in Zusammenhang stehenden Zusatzanträgebe- gonnen. Er hat den Beschluß gefaßt, den ehemaligen Minister Lvucheur zu verhören und den Ministerpräsidenten Poincars aufzufordern, ihm sehr bald Aufklärung über die Reparationspolitik zu geben. Der Bürgerkrieg in Irland. London. 30. Juni. (WTB. ) Sine heute Rächt von Dublin abgegangene Meldung des Sonderberichterstatters des „Daily Expreß" besagt, daß die Truppen des irischen Freistaates heute morgen in die Four Courts eingedrungen sind. Einer der Hauptteile der Festung steht unter schwerem Artilleriefeuer. Der Kampf war eingestellt worden, um dem Befehlshaber eine zweite Möglichkeit zur Uebergabe zu geben. Er lehnte wiederum ab. Hierauf wurde das Artilleriefeuer wieder ausgenommen, bis eine der Befestigungsanlagen niedergelegt war und die Freistaatstruppen eindringen konnten. Ein großer Teil der Aufständigen hat sich bereits ergeben, der übrige Teil verteidigt sich jedoch noch. Es sollen viele Gefangene gemacht worden fein. Lloyd George auf einer englisch-italienische« Mazzinifeier. London, 29. Juni. (Wolff.) Lloyd G e 0 r,g e erklärte gestern in einer Rede bei einer englisch-italienischen Mazzin i-Feier, die Freiheitsbestrebungen der letzten achtzig Jahre in Europa seien durch die Lehre Mazzinis hervorgerufen worden. Die unterdrückten Völker Rußlands, der Türkei, Oesterreichs und wie er offen gesteht, auch Irlands, hatten durch die Lehre Mazzinis gewonnen. Es bestehe aber eine wirkliche Gefahr für die Rationen, die ihre Freiheit wieder getDoimen hätten, in dem Argwohn, der dem Kriege gefolgt sei. ^Glaubt mir," fuhr Lloyd George fort, „der ich fünf oder sechs Jahre auf der Warte stehe: Wenn dies so toeitcr geht, wird diesen Rationen ihre Freiheit in einem Kampf entrissen werden, der von ihnen selbst über Eurv- pa gebracht worden ist! Mazzini hat für die Gegenwart geschrieben, ivenn er sagt: Der Tag nach dem Siege ist gefährlicher, als der Tag v or der Schlacht! Italien und Großbritannien haben in Genua für das große Ziel des Friedens und der Brüderlichkeit gewirkt. Beide Rationen haben dasselbe Ziel und die gleiche.1 Ideale." — Schanzer sagte in feiner Erwiderung, Italien und England müßten weiter zusammenwirken, um ein Ergebnis zu erzielen, das für beide Länder befriedigend sei., Kundgebungen gegen den Versailler Vertrag. Innsbruck. 29. Juni. (Wolfs.) Gestern sand frier eine Massenkundgebung aller bürgerlichen Parteien gegen douFriedens- vertrag von Versailles statt. Vereine mit schwaizurnflorten Fahnen und Dannern sowie deutschnativnale und kathvlische Studenten der Universität zogen vor das Rathaus, wo vorn Balkon aus der Rektor der Untoerfttät, Professor v. Schullern, eine Ansprache hielt, die den unbeugsamen Willen des deuischsn Volkes ausdrückte." so lange gegen den Versailler Frieden und die Schuldlüge zu protestieren, bis dem deutschen Volke Gerechtigkeit werde. Der Zug bewegte sich hierauf zum Landeshause, wo der Landesfrauptmann-Stellvertreter Peer ebenfalls eine Ansprache hielt, in der er betonte, wie sehr gerade Tirol am deutschen Leid teilnedme. Die Kundgebung fand mit Der Absingung deS An- Dreas-Hvfer-LiedeS durch die Qlienge tfrr Ende. HU II« 11>II!11 (Btefcen, im Juli 1922. Statt Karten t AnvbCM Giehen, 2. Juli 1922 Srhördlicht Anzeigen !i£ <$264 i r Verlobte Gießen Müllers h 2. 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Der auf allen Abgabebescheiden angegebene Betrag stellt nur den vierten Teil der zu zahlenden Abgabe Dar. ES sind daher die angegebenen Beträge alsbald viermal an die Stadtkasse zu zahlen. Giehen, den 30. Juni 1922. 6262B Der Oberbürgermeister. 2. D.: Krenzien. "Arbeitsvergebung. Die zur Errichtung von Kleinwohnungsbauten in der Gnauthstrahe erforderlichen Weihbinder- unb Anftreicheyarbetten (9 Lose) sollen Samstag, den 8. Juli dS. IS., Dorrn. 10 Ähr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen lugen bei uns zur Einsicht offen. Angebote sind rechtzeitig abzu- geben. Zuschlagsfrist 3 Wochen. - Giehen. den 30. Juni 1922. 6261B Stadtbauamt Giehen I. V.: Aold.______ Bekanntmachung. In unser Genoffenschaftsregister wurde heute bezüglich der Gewerbebank Giehen, eingetragenen Genoffenfchaft mit beschränkter Haftpflicht in Gießen eingetragen: Die Firma ist geändert in „Handelsund Gewerbebank" eingetragene Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Giehen. Die Zahl der Geschäftsanteile ist auf 5 erhöht. Durch Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 18. Mai 1922 sind die §§ 1,4, 5, 8, 48, 50, 54, 55, Sßajfoörf » ^Istoria Hch. Schäfer. ftMarKtstr. 20o IlilUIJIUS Optpactr i.S? Vertretung: Heinrich Ivie, Leihgestern Kreis Gießen. Günstiges Angebot!! fiI Bdil Tr0tz ^ormer Preissteigerung für sämti. Manufaktur- und Konfektionswaren verkaufe ich v BH meine Sommer- Restbestände 61 ESSEN BENZIN Lager zu Tagespreisen [06548 Dwratadk Fernruf 1683. Lahnstrahe. S. Automobile geöffnet. 55890 M Gegründet 1858 6020A Fernspr. 406 u. 407. Drahtansohr.: Lutzwerke. wirrettenZhrehaarel derntchtet vervwffaw Oekonom H61n.flodenh7^»eA. öegrIBOO Achtung! Detailverkauf: 6012h Kerzen 220 Dolt 28. Mk. pro Stück gebot eaaeSS. 220 100-140 100-140 16U.25 32-50 16-25 32-50 Glasgrohhandlung Glas-Kontor G. m. b. H 29,- 26,- 27, Glühbirnenverkauf (f“z en gcos und en detail - jederzeit lieferbar. Albert wacker, Grebenhain (Gberh.), Tel. 4. 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