Nr. M Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSomstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche vezuarpreise: Mk. 16.- und Mk. 1.50 Trägerlohn,durch diePost Mk. 17.50, auch bei Nlcht- erscheinen rinzelner Nurn- mern infolge höherer Gewalt. — Fernsprech. Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. \U. Jahrgang Montag, Mai (922 enerA General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag.- vruhl'sche Univ.-Buch- und Steinöruderei H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Drudcrei: Zchulstraste 7. Annahn». »on Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher o!,uejcde Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breit« örtlich 120 Pf.auswärts 150 ‘Pf.; für Reklame- Anzeigen van 70 mm Breite 450‘Pf. Bei Platz. Vorschrift20 „Aufschlag. Hauptschriftleitcr: Ang. Uiocti. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: sturl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen DieKonferenzvonVenua. Genua, 29. April. (WTB. Spezialberichi des Vertreters des WTD.) 3n der heutigen Vollsitzung der F i nan z ko m m i s s ion wurde eine Resolution angenommen, welche die Beschlüsse der drei Tlnterkommissionen der Fi- nanzkommission zusammenfaht und -um Dcschluß der Finanzkommission erhebt. Die Resolution wird der Gesamtkonferenz vorgelegt werden. Der französische Delegierte B a r t h o u ist heute nach Paris abgereist. In der russischen Frage wurden heute die Besprechungen in der Tlnterkommisfion des ersten Ausschusses fortgesetzt. Eine Einigung wurde bisher über einzelne Artikel des an die Russen zu richtenden Memorandums erzielt. Das Memorandum ist bisher den Russen noch nicht übergeben worden. (Sin Borschlag Lloyd (tzeorges. Paris, 1. Mat. (WTB.) Einer der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" in Genua meldet, auf der am Samstag stattgehabten zweistündigen Unterredung zwischen Bart Hou und Lloyd George habe letzterer angekündigt, wenn die Konferenz ohne den Abschluß eines allgemeinen Vertrages mit Rußland zu Ende gehe, sei es klar, daß gewisse Staaten, die augenblicklich an den Beratungen teilnehmen, sich für berechtigt halten würden, mit Moskau ein besonderes Abkommen zu treffen. Des Ferneren habe Lloyd George Bar- thou gegenüber wiederum die Notwendigkeit einer Zusammenberufung der Signatarmächte des Vertrages von Versailles vor dem 31. Mai betont, damtt über die Maßnahmen gesprochen werden könnte für den Z^all, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Lloyd George habe erklärt, nur die alliierten Regierungschefs' könnten die ernsten Fragen, die man in Paris durch die Botschafterkonferenz oder die Reparattvnskvmmission erledigen lassen wolle, behandeln. Lloyd George habe als Ort der Zusammenkunft eine kleine Stadt in der italienischen Riviera, die nicht weiter wie San Remo von Genua entfernt gelegen sei, vvrgeschlagen. Die letztere Nachricht hat auch der „Corriere della Sera" und der Sonderberichterstatter des „Echo des Paris" mitgeteilt. Barthou habe sich gestern geweigert, sich über diese Nachricht auszusprechen. Paris, 30. April. (Wolff.) Dem „Neu- hork Herald" wird aus Genua berichtet, Lloyd George habe den Vorschlag gemacht, man solle einen Schiedsrichter anrufen, den der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu ernennen hätte, um den Betrag Der Herabsetzung der russischen Kriegsschulden und der russischen Gegenforderungen zu bestimmen. Man habe auch vorgeschlagen, sich an eine Kommission zu wenden, die der Völkerbund bestimmen sollte. Die ganze Frage sei schließlich an Die französischen, englischen, italienischen und japanischen Sachverständigen zurückverwiesen worden, die nun einen Entwurf ausarbeiten sollen. Man erwarte, daß die amerikanische Regierung durch Vermittlung deö Botschafters Child direkt von Den Sachverständigen fonDiert werde. Ein energisches Verlangen der Russen. Genua, 29. April. (WTD.) Speziasbericht des Vertreters des Wolfsbureaus. Die ru ss i s ch e Delegation hat heute an Den Präsidenten Der Konferenz, Fae t a, lolgendes Schreiben gesandt: Fünf Sage sind vorbei- gegnngen, seitdem den Sachverständigen der Kommission Die russischen Vorschläge vorgelegt wurden, Die Den Inhalt meines Briefes vom 20. 4. an den britischen Premierminister in gedrängter Darstellung wiedergeben. Die russische Delegation würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie ihr Den GrunD Der Richteinberufung Der ersten 'Kommission unD Der politischen Tlnterkommission sowie das Datum, an Dem diese Kommissionen zusammenberufen werden sollen, mitteilen könnten. Die Gerüchte, denen zufolge eine dieser Kommissionen bereits emberufen worden sein soll, ohne die Teilnahme Rußlands, können offenbar nicht der Wahrheit entsprechen, da Rußland doch auf dem Fuße Der Gleichberechtigung in Dieser Kommission steht. Die Einberufung Der ersten Kommission ist um so wünschenswerter, als Die bisher von Der Konferenz 'm Der russischen Frage beobachtete Methode nicht geeignet ist, zu einem guten Ergebnis zu führen unD Der Resolution von Cannes nicht entspricht. Die Die positiven Ziele des Wiederaufbaues und der finanziellen Hilfeleistung für die schwachen Länder an erster Stelle seht. Ich dedaare tief, bet dieser Gelegenheit erwähnen zu müssen, daß keine positive Antwort bei der rassischen Delegation bezüglich des Betrages der Kredite eingeladfen ist. Die zum Wiederaufbau Rußlands notwendig sind und deren Zuweisung von Der russischen Delegation als Vorbedingung unD als absolut unentbehrlich für das Abkommen bezeichnet wurde, dessen Plan in meinem Briese vom 24. 4. an Den britischen Premierminister skizziert war. Denn das Ausbleiben Der Antwort über Diesen Gegenstand würde Die Unterbrechung Der Arbeiten der Konferenz bedeuten und daß die einladen-1 den Mächte ihre Annahme meines Briefes vom 20. 4. an Den britischen Premierminister Die | Grundlage Der Diskussion zurückziehen, obgleich gewisse gtundlcgende Gedanken dieses Brieses in den Vorschlägen Der russischen Sachverständigen vom letzten Montag präzisiert wurden. In diesem Falle würde die russische Delegation an meinen Dries vom 2 0. 4. nicht mehr gebunden fein. Sie würde zu ihrer im russischen Memorandum ausgesprochenen Haltung zurückkommen, die ihre ursprüngliche Haltung war und die Der Ausdruck Der Grundsätze bleibt, die die russische Delegation für gerecht hält, obgleich sie aus versöhnlichem Geist Die in meinem Brief vom 20. 4. erwähnten Zugeständnisse gemacht hat, und zwar unter gewissen Bedingungen, ohne welche diese Zugeständnisse nicht in Kraft treten können. Im Hinblick auf diese Eventualität erlaube ich mir, der Konferenz das russische Memorandum vorzulegen, dessen Kopien gleichzeitig an das Generalsekrelariat geschickt werden. Ein Bries Tschitscherins an Barthou? Paris, 1. Mai. (WTD.) Wie der Sonderberichterstatter des „Matin" zu wissen glaubt, hat Tschitscherin gestern abend an Barthou einen Brief entworfen, in dem er etwa folgendes sagt: Das Abkommen, das feit einigen Monaten in Berlin zwischen Deutschland und Rußland ausgearbeitet und das in Rapallo unterzeichnet wurde, ist als ein gegen die französischen Interessen gerichteter Alt angesehen worden. Wiederholt ist ausgesprochen worden, daß dieser Vertrag Geheimklauseln militärischer oder politischer Art enthalte, die Angriffsabsichten Rußlands gegenüber Frankreich und feinen Verbündeten verbergen. Trotz Der wieDerholten halbamtlichen Dementis Der deutschen und russischen Delegation, trotz der Erklärungen des Reichskanzlers in Der Presse erhält sich Der Argwohn in gewissem Sinne aufrecht unD beunruhigt die öffentliche Meinung unD Die Regierungskreise in Frankreich. Die russische Delegation hält es Daher im Interesse der Wahrheit und um jedes Mißverständnis, das gegen Die friedliche Politik Rußlands aufkommen lönnte, zu beseitigen, für nötig, diesen Brief an Sie zu richten, da es nicht in Der Absicht Der russischen Regierung liegt, weitere besondere Abkommen zu schließen, die Das alte Abkommen vervollständigten, das Die Mächte gegenwärtig beraten. Dieses Abkommen Tonnte erst Die Grundlage für den Weltfrieden werden: und, was besonders Frankreich anbetrifft, sei die russische Regierung der Ansicht, daß es viele Berührungspunkte zwischen Den beiDen Ländern gebe. Die ein Aebereinkommen über alle schwebenden Fragen erleichtern. Rach dieser Richtung habe sich die Politik Rußlands trotz der feindseligen Haltung, die Frankreich geglaubt habe, gegen es seit mehr als 4 Jahren einnehmen zu müssen, nicht gewandelt. Die russische Delegation könne nicht verheimlichen, daß diePolitikFrankreichs in der öjfcnt- lichenMeinung Den lel haftestenWiderhall gesunden. Es gebe außer Dieser feindseligen Politik keinen Grund, Der die Wiederherstellung friedlicher Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich und seinen Alliierten verhindern könne. Die russische Regierung sei Davon überzeugt, daß eine AenDevung in dieser Haltung für Die Interessen Frankreichs unD Rußlands, für Die Bevölkerung Osteuropas unD für Die wirtschaftliche Wiederherstellung Der Welt ebenso notwendig wie nützlich fei. Der Brief schließt mit Der Versicherung, er sei von Dem Wunsche Diktiert, jedes Mißverständnis und jede Zweideutigkeit zu beseitigen, Die Den normalen Verlaus der Arbeiten der Konferenz b:hindcrn könnten. Ein Friedensbries des Papstes. Rom, 29. April. (Wolff.) Der Papst richtete an den Kardinal-Staatssekretär Gaspari ein Schreiben, in dem er den lebhaftesten Wunsch ausdrückt, in der ganzen Welt einen wahren und dauerhaften Frieden wiederhergestellt zu sehen, der in der Versöhnung Der Geister und nicht bloß in einem Verzicht auf Feindseligkeiten bestehe. Er könne nicht seine innigste Genugtuung Darüber verbergen. Dank Dem guten Willen aller ötarfen. Die Hindernisse beseitigt zu sehen. Die anfänglich Die Möglichkeit eines allgemeinen Einverständnisses aus.zuschliehen schienen. Die Rückkehr der menschlichen Gesellschaft zu einem normalen Zustand, der im wesentlichen mit Den Gesetzen Der Vernunft über- einftimmc unD Der sicherlich eine göttliche Ordnung sei, würde außerordentlich vorteilhaft für alle sein, für Sieger und Besiegte, besonders für Die armen Völkerschaften am äußersten Ende Europas. Das Schreiben schließt: „"Sei Der universellen Mission der R äch st en l ie be, D.^ dem Papste vorn Heiland anvertraut ist, mögen sich alle von neuem mit Dem christlichen Geist wechselseitigen Wohlwollens vereinigen in Dem Bestreben, für das gemeinsame Wohl zu sorgen, das endlich auch jeder einzelnen Ration die besten und dauerhaftesten Vorteile wiedergo- währen würde." Rom, 29. April. ($aoa3j Der Papst sandte an den Kardinal-Staatssekretär ein Schreiben, in Dem er der Befürchtung Ausdruck verleiht, mit der Der Heilige Stuhl Die Arbeiten Der Konferenz von Genua verfolgt. Der Papst wünscht lebhaft einen Erfolg Der Konferenz für das Wohl der Welt und den Weltfrieden. Er seht t-idflU. man könne nicht ohne Zittern an das ilnglüc? Denken, das aus einem Mißerfolg Der Konferenz entstehen Snn:. Genua, 30. April. < Spezialbericht des Vertreters des WTD.) Eine offizielle Erklärung Lloyd Georges besagt: Der Premierminister ist sehr erfreut über den Brief des Papstes und bewundert feinen Inhalt. Der Papst spricht mit vollster Kenntnis über Die Zustande, Die in I Osteuropa herrschen. Der Premierminister glaubt, | Daß eine so klare unD bestimmte Kundgebung j des Heiligen Stuhles zugunsten des Friedens mit Rußland eine große Ermutigung für alle christlichen Mächte Europas bildet. Eine Vollsitzung des Wirtschaftsausschusses. Genua, 29. April. (Spezialbericht des Vertreters'des WTB.) Dec Vollsitzung Der Wirtschaftskommission am gestrigen Tage lagen Die bisher fertiggestellten Leitsätze der beiden Ilnterkommissionen des Wirtschaftsausschusses zur Deschlußsassung vor. Aus dem Arbeitsbereich der ersten Unterkommission handelte es sich Dabei um die Bestimmungen. die sich mit einer möglichsten Verringerung der Hindernisse des Außenhandels, sowie mit Der Publilationssorm und Der Geltungsdauer der Zolltarife Befassen. Ferner war über die künftige Gestaltung Der Aus- unD Einfuhrverbote Beschluß zu fassen. Die zweite Kommission. die ihre Arbeiten schon abgeschlossen hat, hatte Bestimmungen über die gleichmäßige Besteuerung der Ausländer, über die Reuregelung Des Paßwesens und über den Schutz des industriellen, literarischen und künstlerischen Eigentums vorgelegt. Die Beschlüsse der Llnterausschüsse fanden, von einigen formalen Aenderungen abgesehen, Die Billigung der Hauptkommission. Von England und Japan wurde eine zusätzliche Bestimmung vor- geschlagen. Die sich auf Die Stellung Der außereuropäischen Länder zu Den Beschlüssen Der Genueser Konferenz bezieht. Sie lautet: „Die von Der Wirtschaftskommission unterbreiteten Vorschläge werden von Den einladenden Staaten, so weit sie Europa angehören, ihren Regierungen unterbreitet. Davon ausgehend, daß die von der Genueser Konferenz beschlossenen Grundsätze eine Bürgschaft nicht allein für den europäischen Wiederaufbau, sondern auch für die gleichmäßige Behandlung des Handels in der ganzen Welt sind, würde die Wirtschaftskommission in voller Anerkennung der besonderen Bedingungen in den überseeischen Ländern den größten Wert Darauf legen, daß die Delegierten Der außereuropäischen Staaten, soweit sie cingelaben sind, ihren Regierungen Die zum Beschluß erhobenen GrunDsähe zur Erwägung unterbieten. Die Wirtschaftskommission spricht ferner den Wunsch aus, daß alle übrigen außereuropäischen Länder gleichfalls Diese Beschlüsse in Erwägung ziehen." Ausdrücklich wurde festgestellt, daß diese letztere Bemerkung sich auch auf die Kolonien und Schutzgebiete bezieht. Die vom Wirtschaftsausschuß angenommenen Beschlüsse werden voraussichtiia) am 3. Mai der Vollversammlung Der Konferenz zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt. Genua, 29. April. (WTD.) Unter dem Vorsitz des französischen Delegierten Serruys hat Die erste -Slrrtcrlommiffion des Wirtschaftsausschusses gestern Die Beratung des Londoner Memorandums fortgesetzt. Zur Debatte stand Artikel 45 dieses Memorandums, der möglichste Freiheit Der Rohstoffausfuhr von Abgaben vorsieht und bestimmt, daß jeDe unterschiedliche Behandlung zwischen den Bestimmungsländern bei Der Ausfuhr vermieden werden soll. Zu diesem Artikel lag von der italienischen Delegation ein Zusatzantrag vor, Der Die völlige Freiheit der Rohstosfaussuhr von jeder Art Gebühren oder anderen Abgaben bezweckt und Dem Ausfuhrlande unterlagen will, auf Dem inneren Markte niedrigere Preise als auf Dem Auslandsmärkte zft nehmen. Nachdem zunächst Der englische Vertreter gegen Diesen weitergehenden Antrag Bedenken geäußert hatte, spi.ich sich Staatssekretär Hirsch ebenfalls sehr lebhaft gegen ihn aus und erklärte, Deutschland sei aus Drei ®rünDen außerstande, Diesem Anträge zuzustim- men. Einmal sei es Durch die Beschlüsse Der Re- parationskommission verpflichtet, auf gewisse Ausfuhrartikel Abgaben zu erheben. Diese seien zuDem Der Reparationskommission in ihrer Gesamtheit verpfändet. Aber auch wenn dieser Zwang nicht vorliege, würde die Finanzlage Deutschlands Dazu zwingen, eine Differenz zwischen Den Inland- und Auslandspreisen für fiskalische Zwecke nutzbar zu machen. Schließlich seien bei Der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschland und bei der sinkenden Wärung solche Abgaben notwendig, um einen übermäßigen Abfluß Der Rohstoffe nach Dem Ausland und eine allzu schnelle Anpassung des inneren Preis- neveaus an Daß äußere zu verhinDern. Hirsch brachte im übrigen Die Zustimmung Der Deutschen Delegation zu Der ursprünglichen Fassung des Artikels 45 zum Ausdruck. Der fianzösissche Delegiere glaubte, daß eine genaue Ausarbeitung des Artikels 45 nottoenbig sei. Soweit Die Ausfuhrzölle einen rein fiskalischen Zweck hätten, könne nichts gegen sie eingewendet werden. Es seien aber Fälle bekannt, in denen solche Aus- sithrzölle dazu benutzt würden, andere Ander in der internationalen Konferenz schlechter zu stellen. Eine solche unterschiedliche Behandlung in Der Produktion Der einzelnen Länder müsse verhindert werden. Die Debatte wird heute vormittag fortgesetzt toerben. Es wird ein Kompro- mißantrag üoer Die Rohstofftage erwartet. Die für DeutschlanD entscheidende und wichtige Ans- cinanDcrfet'ung über die Frage Der Meistbegünstigung Dürfte vor Montag nicht zu erwarten fein. Genua. 29. April. (WTD.) In Der ersten ilntcrtommiffion Des Wirtschaftsausschusses tourDc unter Dem Vorsitz des französischen Delegierten Serruys heute in der Erörterung Der Rohstossrage sortgesahrew Staatssekretär Hirsch führte namens der dentis ch e n Delegation au5: Die Bedenken Deutsch« | lands, Die sich au s Dem Stande seiner i Währung ergeben, sind hoffentlich vorübergehend. Es zeigt sich aber auch bei dieser Frage, daß Die wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst werden können, solange das internationale Finanz- und W ihrungZproblem noch naht gelöst ist. Am Beispiel be» Kohlen- Preises legte Hirsch Dar, welch ungeheuren Ausfall Die deutsche Wirtlaxist erleidet, wenn ihr Die Möglichkeit Der Rob'lvobelaslung genommen ist. Während Der Lohlenp eis pro Tonne vor Dem Kriege runD 13 Mark betrug, belief sich Der Weltmarktpreis Der deutschen Kohle in Italien Ende 1921 auf etwa 4 Mark, während Die englische Kohle mehr als 20 Mark kostete. So verliert infolge des Standes seiner Währung Deutschland wenn eS zum Inlandspreis verkauft, 75 bis 80 Prozent des GoldU'ertes, während es doch für seine Einfuhr den vollen Weltmarktpreis bezahlen muh. Die von Italien soeben borge- schlagene Höchstbelastung von 10 bis 15 Prozent genügt nickt, um Die Spannung zum Weltmarktpreis für Deutschland auch nur einigermaßen auszugleichen. Darüber hinaus ist Deutschland schon deshalb nicht in Der Lage, diesem Vorschläge zuzustimmen, weil Die Reparationskommissivn für die Kohle einen Steuerzuschlag von 40 Prozent gewünscht hat. Auf Vorschlag der deutschen Delegation wurde schließlich eine Expertenkommission zur Vorlegung einer endgültigen Fassung des Artikels 45 eingesetzt die 1>?utc nachmittag zusommen- tieten und ihr Ergebnis Der Gesamtlommission morgen unterorciten soll. Der Sachverständigenkommission gehören Vertreter Der einladenden Mächte, Deutschlands und Der Schweiz an. Ein javanisches Dementi. Paris, 29. April. (WTD.) Rach einer Agenturnachricht, Die das „Journal des Drbats" veröffentlicht, Dementiert das japanische Außenministerium offiziell unD in aller Form Die von französischen Blättern gebrachte Rachricht,zwischen Japan, RußlanD und DeutschlanD sei eine Entente abgeschlossen worden. Ein KommnniftenzwischenfaN in Paris. Paris, 1. Mai. (WTD.) Gestern nachmittag haben Die französischen Gewerkschaften Moskauer Richtung in St. Quen, einer Vorstadt von Paris, eine Kundgebung veranstaltet, ilm 5 älhr nachmittags wurde der Rückmarsch angetreten, wobei sich ein Zwischenfall ereignete. In der Avenue St. Quen hatte sich eine Gruppe gebildet, die ein Kommissar mit etwa 30 Polizisten am Weitermarsche hindern wollte. Plötzlich fiel ein Schuh, und es sollen zwei Polizisten im Rücken leicht verwundet sein. Der Attentäter soll verhaftet worden sei i. Außer lebhaften Kundgebungen gegen d i e Wiederaufnahme des Krieges sollen sich keine weiteren Zwischenfälle ereignet haben. Eine Nede Lord Cecils. L v n d v n, 29. April. (WTB.) Lord R v - bert Cecil erklärte in einer Rede, der Fehlschlag der Genueser Konferenz würde ein sehr ernstes Ereignis sein. Lloyd George sei zum großen Teil verantwortlich für den vor drei Jahren geschlossenen Versailler Vertrag. Das Zusammenwirken zwischen England und Frankreich sei von grundlegender Bedeutung für den Frieden Europas. Jede wirklich ernste und dauernde Entfremdung zwischen Großbritannien und Frankreich würde verhängnisvoll sein nicht nur für England und Frankreich, sondern für ganz Europa. Cecil sagte, er sehe vollkommen em, daß em hoher Preis für das wettere Zusammenwirken zwischen Frankreich und England gezahlt werden müßte und könnte. Aber eine Erneuerung der feindseligen Operationen würde ein zu hoher Preis dafür sein. England wolle vor allem Frieden, und es bestehe daraus, daß die britische Regierung und die Regierung eines Landes, mit dem er zusammenwirke, sich von einer Politik leiten lasse, die friedlichen Zielen mit friedlichen Mitteln entgegenstrebe. Lord Robert Cecil gab seinem Bedauern Ausdruck, daß zur Regelung mancher Fragen der Völte rbund nicht herangezogen werde. Wenn die Genueser Zusammenkunft von ihm selbst einberufen worden wäre, so würde die Atmosphäre auf der Konferenz eine bessere sein. — Zu dem deutsch-ritsfischen Heber- einkommen erklärte Cecil, er könne nicht umhin, zu glauben, daß das Hebereinkvmmen Der erste Schritt sein könne zur Rückkehr zur internationalen Politik vor dem Kriege und zu einer Gruppierung einer Reihe von Mächten, getrennt voneinander. Llody George habe mit Recht gesagt, daß dies unvermeidlich fe*. trenn gewisse Mächte auf eine bestimmte Art behandelt würden. Cecil bedauerte, daß mai Deutschland und Rußland noch nicht in Den Völkerbund aufgenommen habe. Der deutsch-russische Derttag zeigt deutlich, daß es unklug sei, irgend eine zivilisierte Nation außerhalb des Völkerbundes zu halten. Deutschland müsse sobald wie möglich in den Völkerbund ausgenommen werden. Die Türkei und der Friede. Paris, 30. April. (WTB.) Aach einer HavaSmeldung aus Konstantinopel hat der Minister für Auswärtige Angelegenheiten gestern den Oberkommissaren der Alliierten die Antwort der Pforte aus den Verrnitt-- lungövorschlag der Alliierten überbracht. Die ^Bedingungen der Alliierten werden in ihrer 'Gesamtheit angenommen. Jedoch behält sich jdie Pforte das Recht vor, über gewisse beson-- idere Fragen zu verhandeln. Nachdem die «Note auf die Notwendigkeit einer raschen Räu- iiming der besetzten Gebiete hingewiesen hat, verklärt sie, es sei leicht zu beweisen, daß die lAbtretung eines Teiles von Ostthrazien iim Widerspruch stehe zu den Grundsätzen, die chie alliierten Mächte angenommen hätten. ^Die Note verlangt ein gerechtes Regiment für die Muselmanen und die Aufrechterhaltung der religiösen jahrhundertealten Autorität !Les Sultans. Sie protestiert gegen die Zu- ierfennung einer Entschädigung an Griechen- lland wegen der den Alliierten geleisteten iDienste, besonders wenn eine solche Entschädigung auf Kosten der territorialen Integri- ität der Türkei erfolgen sollte. Was den Schutz Iber Minderheiten anbetrifft, so verpflichtet isich die Pforte, alle Rechte und die Gewissensfreiheit derselben zu achten. Jedoch dürfe dies nicht in eine Tyrannei gegen die Mehrheit ausarten. Endlich wird gegen den :Plan einer Aeberwachung der Meerengen durch eine interalliierte Kommission nach einer Entmilitarisierung Widerspruch erhoben und allen Staaten Freiheit der Schifffahrt auf dem Fuße vollkommener Gleichheit versprochen. Eine deutsche Industrie-Ausstellung in Sowjetruftland. Moskau, 29. April. (WTB.) Zu dem Plan einer deutschen Industrieaus- stellung in Svwjetruhland wird mitgeteilt: Mit der Organisation der Ausstellung wurden das Volkskommissariat für Außenhandel und der oberste Volkswirtschaftsrat betraut. Die Ausstellung soll vom 1. bis 15. Juli dauern. Es sollen nicht nur einzelne Maschinen, sondern ganze Komplexe und ganze Einrichtungen ausgestellt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird den Maschinen der Großindustrie gewidmet sein. Ebenso sorgsam wird die Abteilung für wirtschaftliche Maschinen, für Elektrotechnik und die Einrichtung von Fabriken usw. bedacht sein. Die Organisatoren des Planes beabsichtigen, insbesondere Erzeugnisse der deutschen Industrie vorzuführen, die durch ihre letzte Vervollkommnung Waren, die früher aus anderen Ländern nach Rußland eingeführt wurden, ersetzen könnten. Es werden auch alle Surrogate der technischen Industrie der letzten Zeit vertreten sein. Eine große Zahl von informierten bevollmächtigten Vertretern der deutschen Industrie wird eintreffen, weshalb die Möglich- ^keit zu Verhandlungen und Vertragsabschlüs- ^sen bestehen wird. , Der Münchener Fälschungsprozeh. München, 29. April. (Prozeß F e ch e n° bach.) In der heutigen Fortsetzung der Verhandlung folgte die nochmalige Vernehmung des Grafen M o n t g e l a s, der die neuerdings in Entenrekreilen vertretene Behauptung, Oesterreich habe am 31. 7. den vollkommenen Rückzug angetreten, sei aber wider Willen von Deutschland zum Kriege gezwungen worden, als vollständig unwahr hinstellt. Er wies dabei auf das Telegramm des Kaisers Franz Iosef vom 31. 7. hin, das zu einer Zeit abgegangen sei, als in Deutschland gerade der Zustand der drohenden Kriegsgefahr erklärt wurde, was in Wien nicht bekannt fein konnte. Der Inhalt dieses Telegramms stellt die Antwort auf das Telegramm Kaiser Wilhelms dar, das den letzten Versuch enthält, Oesterreich zur Annahme der Greyschen Vorschläge zu bestimmen. Das Telegramm des österreichischen Kaisers hob auch bereits hervor, daß Oesterreich unmittelbar, nachdem es die Greyschen Vorschläge !und auch den Bericht empfangen habe, daß Rußland an der österreichischen Grenze mobil gemacht habe. Beide Telegramme sind in der Darstellung der Entente unterschlagen. Darauf wird der Landtagsabgeordnete Girr als Sachverständiger vernommen, dec sich in längeren Ausführungen über die Ergebnisse der von ihm im Auftrage des Landtages vorgenommenen DieSakeKmentshex. Roman von Marie Kerschen st einer. 3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Die Wcrldsackerin hatte sich zwar nicht za beklagen über die Fügsamkeit, mit der sich das Pfarrmädel den Anforderungen des Bauernlebens unterzog. Aber es lätymie trotzdem die Freudigkeit ihrer- barmherzigen Lat, bah Lene, statt sich übel die Aufnahme im Waldsacker beglückt zu zeigen, wie in einem bösen Traum umherging. Es war ein ihr unerklärliches Mittun an dem Kind, so, als ob es nur- körperlich zugegen sei. Dreimal mußte sie ost dasselbe sagen, bis das Mädel verstand, und sie sprach doch, weiß. Gott, nicht polnisch! So recht von Herzen zu schaffen, was die W-aldsackerin darunter verstand konnte das Psarrmädel ebenfalls nicht, plnd doch wurde es von Tag zu Tag blässer, und machte einen müden Eindruck. Im Torfe mochten sie wohl meinen, sie habe alle Arbeit auf die Schultern des Kindes abgeladen. Das verdroß. Was wußte die schlichte Wa dsackerin davon, wrevirl Kraft verhaltene Sehnsucht zu erschöpfen'vermag, wie ruhlos die Seele des Kindes die Stätten seines zerstörten Glückes suchen ging? Sie sah nur, daß die Hände allzu ost in den Schoß sanken, die der Herrgott zu nützlicher Arbeit geschaffen hatte, daß kein Dabeisein war bei allem Tun. Doch ließ sie den Mut nicht sinken, betete fleißig um die straft der Beherrschung und zog im übrigen die Zügel noch straffer. Sie wußte gor nicht, wie all ihr Wohlmeinen so ganz der Liebe bar war. Untersuchung ergeht. E:s habe sich bei dieser Untersuchung niemals darum gehandelt, irgend etwas zu verschweigen, sondern nur darum, die wirkliche Sachlage genau festzustellen. Hinsichtlich der doppelten Buchführung sei er wie die airderen Zeugen der Ansicht, daß eine solche niemals bestanden habe. Erst nach dem Ausbruch der Revolution habe ein vollständiger Geheimdienst eingesetzt, der erst auf ausdrückliches Verlangen des Arbeiter- und Ovldatenrates etwas gemildert wurde. Bezüglich der Eisnerfchen Publikation stellt sicy der Sachverständige auf den Standpunkt, daß die Hervorhebung einzelner Bruchstücke nur dem Zweck dienen sollte, die Schuld Deutschlands am Kriege zu beweisen. Dieser Beweis sei v o l l ko m - men mißlungen. Besonders die Stellen, die von .Lokalisierungsabsichten der deutschen Regierung handeln, dürften auf keinen Fall in der Publikation fortgelassen werden, oder es hätte zum mindesten diese Auslassung charakterisiert werden müssen. Der Sachverständige Dr. Girr kommt dann auf die F ä l f ch u n g e i n e s Ferngesprächs der daher. Gesandtschaft in Berlin am 31. 7. 1914 zu sprechen. Er bezeichnete ,die Veröffentlichung als völlige Irreführung der öffentlichen Meinung. Während in dem Ferngespräch von einer Demarche Englands und Deutschlands die Rede war, spricht Eisner in ferner Veröffentlichung nur von den redlichen Bemühungen Greys. Diese Irreführung scheine mit voller Absicht bezweckt worden zu sein. In der c.'kchmittagssitzung wurde Professor Hans Delbrück, Herausgeber der Preußischen Jahrbücher, vernommen. Er erklärte, es sei kein wahres Wort daran, daß Deutschland Oesterreich in den Krieg treiben wollte. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vormittag 9 Uhr vertagt. Aus bf-m Reiche. Der Reichstag. D e r l i n, 29. April. (Wolff.) Der Ael- te st en rat des Reichstages beriet heute unter Teilnahme des Vizekanzlers Bauer über den Wiederzufarnmentritt des Reichstages, der ursprünglich für den 2. Mai in Aussicht genommen worden war. Der Aeltesten- rat beschloß, von diesem Termin Abstand zu nehmen und erst die Klärung der auf der Konferenz von Genua angeschnittenen Fragen ab- zuwarten. Er will dann Ende nächster Woche wieder zusammentreten, um den Termin für die nächste Plenarsitzung zu bestimmen. Ueber diesen Termin soll inzwischen mit dem Reichskanzler eine Vereinbarung erzielt werden. In der Zwischenzeit soll der Hauptausschuß die Etatsberatungen beendigen, auch der Rechts- auöschuß, der Soziale Ausschuß und der Be° völkerungsausschuß werden ihre Arbeiten alsbald wieder aufnehmen. Es ist auch wahrscheinlich, daß der Auswärtige Ausschuß zu der Beratung im Anschluß an die deutsch-polnischen Vereinbarungen über Oberschlesien zusammentreten wird. Der Tag hierfür ist auch noch nicht bestimmt. Berlin am 1. Mai. Berlin, 30. April. (WTB.) Die Berliner Zeitungen erscheinen infolge des Beschlusses der Berliner Buchdrucker, wegen der Maifeier eine vierundzwanzigstündige vollständige Arbeitsruhe eintreten zu lassen, erst wieder am Abend des 2. Mai. Neue Erhöhung der Gütertarife? Berlin, 29. April. Das Reichsverkehrsministerium hat eine neue Tariferhöhung vom 1. Juli ab ins Auge gefaßt. Es ist beabsichtigt, die Gütertarife abermals um etwa 20 Prozent zu erhöhen. Die davon erwarteten Mehreinnahmen sollen einen Ausgleich schaffen für die bevorstehende Erhöhung der Deamtengehäckter und Arbeiterlöhne. Die Personentarife werden in bisheriger Höhe beibehalten. (Frks. Ztg.) Die Erhöhung der Veamtengehälter. Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Die Spihenorganisationen der Gewerkschaften haben ihre Vorschläge für die Erhöhung der Deamtengehälter und der A r b e i t e r- löhne dem Reichsfinanzministerium überreicht. Die Vorschläge verlangen keine Erhöhung der Grundgehälter, sondern nur die Heraufsetzung beider Arten Teuerungszu- schläge, und zwar für Beamte, Diätare und Pensionäre, die Erhöhung des allgemeinen Teuerungszuschlages zum Grundgehalt auf 60 Prozent. Die bisherige Sonderzulage auf bie ersten 10 000 Mark ist in der Weise zu verändern, daß auf die. ersten 15 000 Mark ebenfalls 60 Prozent gewährt werden. Für die Lenes Herz, das der Liebe nachgehen mußte, wandte sich deshalb von ihr ab. Leise tastend streckte es seine Fühler nach dem Herzen des Bauern aus. Ter hatte Mitleid mit dem verstörten Kind, und wenn es in seine Nähe kam, dann strich er ihm freundlich übers Haar hin, oder sagte ein kurzes aufmunterndes Wort, das wie Himmelstcru aus Lenes dürstendes Gemüt fiel. Mit den Dörflern verhielt es sich so: Trafen sie in Gegenwart der Waldsackersleute mit Lene zusammen, dann nahmen sie sich in acht. Aber- Lenes Pflichten führten sie oft allein ins Dorf, und diese Gelegenheit benützten sie dann, ihre stichelnde Bosheit an dem Kind auszulassen. Lene wußte nicht, warum Iungfer Kolath, der sie allabendlich die frischgemolkene Milch, der Walds- ackerin Geschenk, ins Haus brachte, jedesmal einen Hokuspokus über den Tops machte, bevor sie ihn aus ihrer Hand nahm. Einmal traf es sich, daß vor einer Hütte, an der Lene vorbeiging, ein Wägelchen stand mit einem strampelnden Wiegenkind. Sie hatte noch nie ein so winziges Menschenkind gesehen und blieb in hellem Entzücken vor dem Wagen stehen, um es zu betrachten. Im selben Augenblick schoß die Mutter zum Haus heraus und warf sich über das Kind, denn sie fürchtete, Lene würde es mit dem „bösen Blick" verderben. Solch? Auftritte häuften sich, ohne daß Lene ihre Ursache hätte ergründen lönnen. Aber die l i rterhä'.tische Schadenlust der Tauern tat sich dabei nicht genug. Allmählich kam es auch Tätlichkeiten, mancher Stein und manch gastliches Wort flogen dem Pfarr- mädel hintennach. Boshni mit Bosheit zu Der* gelten, brachte Len? nicht zaw g. Dir Bosheit lag ihr nicht. Ader noch weniger war sie still Angestellten sind diese Erhöhungen entsprechend anzuwenden. Für die Arbeiter wird eine Erhöhung der Stundenlöhne um 5 Mk. gefordert. Obige Erhöhungen sind mit Wirkung vom 1. Mai an in Kraft zu setzen. Die Verhandlungen über diese Forderungen werden am 1. Mai beginnen. Die Lohnverhandlungen der Buchdrucker. Berlin, 29. April. (WTB.) Nachdem die Lohnverhandlungen im Tarif ausschuß der Buchdrucker ergebnislos verlaufen waren, ist gestern in später Nachtstunde im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt worden, der den Buchdruckergehilfen und dem Hilfspersonal eine weitere Lohnerhöhung in den gleichen Ausmaßen, wie sie für April vereinbart war, zuspricht. Aus Hessen. Tagung des Demokratischen Landesausschusses. rm. Darmstcrdt, 30. April. Der Landes- auSschuß der Deutschen Demokratischen Partei Hessens hielt heute in Frankfurt a. M. eine Tagung ab, die aus allen Teilen des Landes gut besucht war. In bezug auf die Parteiorganisation wurde nach einem Referat des Landes Parteisekretärs Kuhlmann beschlossen, zur Sicherung des Landesparteisekretariats und zur Erinöglichung einer intensiveren Agitation den Beitrag der Ortsvereine an den Landesverein auf 10 Maik pro Jahr für das einzelne angemeldete Mitglied zu erhöhen. Die Besprechung der hessischen Politik leitete Finanzminister Henrich durch einen kurzen U.eberblick über die Stellung der demokratischen Fraktion in der Koalition und durch eine Beleuchtung der verschiedenen „Fälle" der jüngsten Zeit ein. Die Aussprach.' ergab, daß die überwiegende Mehrheit der Versammlung einzelne Vorgänge zwar als sachlich bedenklich und politisch unklug verurteilt, ihnen aber nicht die Bedeutung zuerkannte, daß sie auf den Bestand der Regierungskoalition entscheidenden Einfluß haben könne. Im Zusammenhang mit der Lage der Koalition wurde zugleich die Frage der Verbreiterung derselben besprochen, ohne dazu durch einen Beschluß Stellung zu nehmen, ■lieber- die Reichspolitik referierte ReichStagsabg. K o r e l l in anschaulicher und packender Weise. Die Arbeiten des Reichstages in den letzten Monaten kurz streifend, leitete er auf die gegenwärtigen schweren politischen Fragen über, die er im Sinne der Verantwortlichkeit des Volkes und seiner Führer für den deutschen Gedanken in überzeugender Weise beleuchtete. Eine angeregte Diskussion schloß sich an. — Der Parteitag soll im Frühherbst, vermutlich in Oberhessen, stattfinden. Aus LtQdt und Lsnd. Gießen, den 1. Mai 1922. Maien. Nun ist er gekommen, der Wonnemonat Mai, der eigentlichste herrliche Frühlingsmonat. And wir setzen in diesem Zähre, wo uns der Lenz bisher, von wenigen Sonnentagen abgesehen, nur trübes, unfreundliches Regenwetter brachte, ganz besonders unsere Hoffnung darauf, daß er seinem alten Ruf Ehre macht und uns wirklich den Frühling bringt. Dann aber hinaus in die Natur, um fern den kahlen, dumpfen Häusern das Herz weit werden zu lassen. Beim Anblick der schaffenden Natur vergessen wir alle zerstörenden und häßlichen Neigungen wie Haß, Neid, Selbstsucht. In seinem lebendigen jungen Grün ist der Mai das echte Bild der Hoffnung, die auch in dem Menschen neuen Lebensmut weckt, wie Uhland singt: „Nun armes Herz sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden." Lind nicht minder dringt in unsre Herzen Lenaus schöne Frühlings-Ode: Die hochgeschwellten Bäche fallen Durch Blumen hin mit trunknem Lallen. Sein bräutlich Lied der Vogel singt, Die Knosp' in Wonne still zerspringt. Darüber goldner Wolken Flug, Die Liebe ist in vollem Zug. An jeder Stelle möcht ich liegen! Mit jedem Vogel möcht ich fliegen! Es fesselt mich und will mich treiben! Ich möchte fort und möchte bleiben! Dem Herzen wird so wohl, so bang, Umglüht, umrauscht vom Frühlingsdrang. * *• Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt in der Woche vom 1. bis 7. Mai d. Zs. unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 1200 Mk. für em Zwanzigmarkstück, 600 Mk. für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichs- silbermünzen durch die Reichsbank und Post findet unverändert Kum 21fachen Betrage des Nennwertes statt. Bpvnotizen. — Tageskalender für Montag: Ctadktheater, VI? Uhr: Gastspiel des großrussischen Valalaikcr-Örchesters. — Astoria-Ltchtspiele, ab heute: „Die Geheimnisse von London" und „Der langsame Tod". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Die Prinzessin von Toskana" und „Das zweite Leben". — Aus dem Stadttheaterbureau. Das großrussische Balalaika-Orchester, das gestern einen großen Erfolg erzielt hat, gibt heute abend 8 Uhr ein zweites, unwiderruflich letztes Gastspiel mit vollständig neuem Programm-, in dem auch die russischen Tänzer wieder auftreten. — Cs sei nochmals daraus hingewiesen, daß di- für Dienstag und Mittwoch angesetzten Gastspiele der Musikalischen Kamme r- spiele Berlin nicht 'stattfinden können. — Die Volkshochschule bittet uns, nochmals daraus hinzuweisen, daß das neue Semester von heute Montag, 1. Mai, abbeginnt. Näheres über die einzelnen Kurse wird von heute an jeweils am Tage vorher im Anzeigenteil be- kanntgemacht. Kreis Friedberg. ss. Friedberg, 28. April. Der hiesige Volksbildungsverein feiert in diesem Zähre sein bOjähriges Bestehen: aus diesem Anlasse hatte er gestern abend seine Mitglieder und Freunde zu einer schlichten Feier in den Festsaal der Augustinerschule eingeladen. Der Vorsitzende des Vereins, Professor Gebhard, hielt die Festrede, in der er einleitend einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins warf, um sich dann über den Wert und das Wesen der Volksbildung zu ergehen. Aus der Geschichte des Vereins ist zu bemerken, daß die drei ersten Vorsitzenden lReallehrer B l i ck h a h n, Professor Wiese- h a h n, Professor Walz) jeder 16 Zahre seines Amtes gewaltet haben, der jetzige Vorsitzende hat vorher schon 16 Zahre das Amt als'Schriftführer innegehabt. Der Bürgermeister der Stadt, Dr. <3 et) b, brachte dem Vereine im Namen der Stadt seine Grüße und Glückwünsche und teilte mit, daß die Stadt für die Zubiläumsspeude dem Verein 2000 Mark bewilligt habe: auch aus den Kreisen der Bürgerschaft sind bereits namhafte Beträge für diese Spende, die hauptsächlich zur Erweiterung der Bücherei dienen soll, gezeichnet worden. Frau Professor Schaum verschönte den Abend durch Vortrag einiger Lieder von Schumann: die hiesige Quartettvereinigung eröffnete und schloß durch Vortrag einiger Sätze aus den Quartetten von Haydn. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 30. April. Der am Samstag früh kurz vor 5 Uhr erfolgte Mord an dem Polizeiwachtmeister Fr. Günther hier hat die Staatsanwaltschaft, wie die Kriminalpolizei zu fieberhafter Tätigkeit auf derSuche n a ch dem Mörder angespornt, ohne daß man bis jetzt zu einem bestimmten Resultat gelangt wäre. Es steht fest, daß der Getötete auf seinem Frühpatrouillengange, den er gegen die Vorschrift ohne den vorgesehenen Begleiter von der grünen Polizei allein unternahm, die Elisabethenstrahe herunterging und Ecke der Zimmerstrahe mit zwei Personen zusammenstieh, die kurz vorher aus der Elisabethenstraße in die Zimmerstrahe geeilt waren. Von dort sind ohne vorausgegan- genen Wortwechsel drei Schüsse gefallen, von denen einer Herz und Lunge verletzte und tödlich war. Sofort an dem Tatort erschienene Personen konnten nur den Tod Günthers sest- stellen. Eine wegen dringenden Verdachtes, die Tat begangen zu haben, festgenommene Persönlichkeit mußte nach eingehenden Ermittelungen wieder freigelassen werden, da iHv Alibi erwiesen ist. Der Verdacht liegt nahe, daß die Tat mit dem Einbruch in der Zentralgenossenschaft, der in der gleichen Nacht begangen wurde und den Tätern den Betrag von etwa 15 000 Mk. in die Finger spielte, zusammenhängt, da die beiden Tatorte nicht weit auseinander liegen. Wahrscheinlich hatten die Mörder des G., der ihnen unerwartet gegenüberstand, die Polizei zu fürchten. Nicht unwahrscheinlich ist nun. dah man eS mit dem raffinierten Einbrecher PH. Riedel aus Darmstadt zu tun hat, der vor kurzem aus der Strafanstalt Butzbach ausgebrochen ist (der bekannte Löffelschlucker). Jedenfalls wird die Staatsanwaltschaft ein entsprechendes Ausschreiben mit Zusicherung einer größeren Belohnung erlassen. — G. steht etwa 14 Zahre im Polizeidienst. Er stammt aus Eich in Rheinhessen. Er galt als tüchtiger Beamter. Es ist nicht ausgeschlossen, dah cr auch einem Racheakt zum Opfer fiel. za dulden geschaffen. Sie fing an, sich gegen die Angriffe der Dörfler za wehren. Sie konnte nicht anders! Und als die Schlupsline einmal vor ihr nassPie, schlug sie ihr den Eierkorb aus der Hand, daß fein ganzer Inhalt verloren war. Die Schlupsline kam in den Waldsacker und forderte Schadenersatz. Es gab ein Verhör, in dem Lene den kürzeren zog. Denn die Schlupsline verschwieg den Grand, der das Kind zur Wehr veranlaßt hatte, and Lene litt unter einer Hemmung, die es ihr unmöglich machte, sich zu rechtfertigen. Sie mußte ihr Vergehen zugeben, ohne Cclj sie raffiniert genug gewesen wäre, der Schlnpf- line Taktik zu durchblicken. Sie hatte immer nur den Eindruck, daß ihre Peiniger die merkwürdige Kunst verstanden, das Unrecht, das sie ihr zu- sügten, hinterher so darzustellen, daß es wie Recht vussah! Sie aber fühlte, daß es lein Recht war. und wenn die Waldsacker in bei solcher Gelegenheit von ihr verlangte, Abbitte za tun, dann weigerte sie sich, and keine Veranstaltung half, ihren Trotz za brechen. Das alles schürte der Waldsackerin Unzufriedenheit und trug nicht dazu bei, die Gegensätze zu überbrücken. Im Winter, wo man mehr auf das Haus angewiesen war, wurde es besser. Für den kranken Waldsackerbuben war der Wintckr immer eine harte Zeit. Meist mußte cr das Bett hüten, und Lene lag die Pflicht ob, ihn zu pflegen. Das tat sie mit Hingabe und einer kindlich eifrigen Mütterlichkeit. Wie niemand anders verstand sie es, dem unglücklichen Kind die träge dahinschleichenden Stunden zu verkürzen. Das gewann ihr einen Teil des guten Willens der Waldsackerin zurück. Wenn Lene allein an Romans 'Bett botenen S i:le der Pfarrburg wieder auf, unH Lene erzählte ihre Geschichten, die jetzt um so glühender oas ihrem phantastischen Kopf stiegen, je unerbittlicher sie inzwischen niedergczwungen worden waren. Da gab es wieder Stunden langentbehrten Glücks für Lene und für den Bub Glorreich war der Mai in die Heide g^* kommen! Es war ein Schwellen, Blühen, Drangen in der Natur, ein Blust rind eine Sastfulle, wie sie in dem öden Erdenwrnkel seit Menschen- gedenken nicht erlebt worden waren. Gerade als wollte der Lenz den Dörflern zeigen, das selbst das large Heideland seiner Werbung nicht widerstand, rvenn er einmal Lust hatte, sie daran zu vergeuden. Auch die Menschen waren von den Frühlingsgeistern ergriffen und emporgehoben. Es war ihnen friedlicher und wärmer ums Herz als sonst wohl. Ein jeder bestellte sein bißchen Feld und war zu voll von Erwartung aus Ernte und Lohn, um in andrer Leute Töpfe zu gacken. Kurz, es schien, daß die Friedfertigkeit bet den Heidedörslern einmal zu Gast sitzen wollte. Auch Lene war es zumute, als ob der Frühling sie aus einem Gefängnis befreit hätte! Denn jetzt fing die Zeit an, wo die Kinder täglich mit den Ziegen hinaus mußten, wo sie wieder in hohem Gras liegen and den hundertfältigen Stimmen lauschen durften, mit denen die Natur z r ihnen sprach. Niemand störte sie, keine andre Pflicht lag ihnen ob als dre, die Tiere am Abend heil ins Haus zurückzubringen. Zeht fingen sie erst rech: an, was ihnen geraubt worden war. wieder aufzubauen. saß, dann griffen sie in aller Heimlichkeit du / (Fortsetzung folgt.). tob. Offenbach, 29. 2U>ttL Gin 7 7- jähriger Mann wurde tot in der Küche seiner Wohnung ausgefun den. Der gebrechliche alte Mmm harte wohl nicht bemerki, daß die Hähne deS GaSvfenL ■offen ftanben. Er hatte sich so eine G a S v c r - gif tung zugezogen. • Neu-Isenburg. 30. April. 3n einem unbeaufsichtigten Augenblick inurben einem Fuhrmann b i c beiden Pferde samt dem W a gen gestohlen 2Ute Nachforschungen nach dem Gefährt blieben bisher erfolglos. • Michelstadt, 30. April. Mm de: Stadt ein freundliches Aussehen zu geben und zur Hebung des Fremdenverkehrs beantragen, hat der Gemein berat nach dem Vorbild an- derer Städte beschlossen, einen Blumen - Wettbewerb zu veranstalten. Die Einwohner Michelstadts werden gebeten, nach Möglichkeit ihre Fenster mit Blumen zu schmücken. Zur geeigneten Zeit wird eine Kommission zu- fammentreten und an die Besitzer der schönsten Blumenfenster namhafte Geldpreise verteilen. wd. Worms, 30. April. Der TranS» porlarbeiterstreik dauert noch an. Der SchlichwngSauSschuh hat eine Vermittlung abgelehnt, solange die Arbeit nicht wieder aufgenommen worden ist. Hessen-Nassau. Der „Wunderdoktor" von Homburg gestorben fpd. Bab Homburg v. d. H., 30. April , Die Welt ist um ein Original ärmer. An den Folgen einer Blascnvperation verstarb im Hvrr- burger Krankenhaus der weithin bekannte „Wun- derovklor" Gustav Adolf Müller-Czerny. Der Mann kam vor einigen Zähren auf die 3bee, jtianfc durch Desundbeten und Handauflegen zu heilen Die Idee schlug ein. Durch eine geschickte Reklame gelang es ihm, Tausende und Abertausende anzulocken, die bei ihm Heilung suchten. Glänzenbe Einnahmen hatte Müller, und flläiuenbc Einnahmen hatten dadurch auch die Straßenbahnen, die an den Heiltagen überfüllt waren von solchen, die nicht alle werden. Alle Versuche ernsthafter Personen und ungezählte Zeitungsnotizen, die Heilungheischenden von der Reise nach Homburg abzuhalten, waren vergeblich. Der Aberglaube ist eben nicht tvtzukric- gen. Müller nahm auch „Fernheilungen" vor. Die Folge war, dah ihm täglich Hunderte von Einschreibbriefen mit Geld in das Haus flogen. Man schätzte die Tageseinnahmen Müllers auf etwa 12—15 000 Mlark Die Annahme scheint richtig gewesen zu sein. Denn unmittelbar nach seinem Tode (am letzten Freitag» wurde das Besitztum beschlagnahmt und von einer Kommission bis ins entlegenste Winlelchen durchsucht. Unb was fand man? In allen möglichen und unmöglichen Verstecken wimmelte es buchstäblich von Geldscheinen. Bisher wurden nicht weniger als 5 6 8 4 9 2 QK'u r l aufgefunden. Bei Müllers Haushälterin beschlagnahmte man eine Tasche, die 120 000 Mart bar. Lind schließlich flieh man auf ungezählte Einschreibbriefe, die der Wunderdoktor seit Monaten überhaupt nicht geöffnet batte und die ebenfalls Geld in Hülle und Fülle enthielten, Geld, das die „Fernheilungsuchenden" gelchickt hatten. Das hinterlassene Vermögen Müllers schätzt man auf mehr al eine Million Mark. Wer mag sich zu seinem Nachfolger ernennen? Denn 'Patienten werden sich schon wieder einfinden. ilnb das Geschäft lohnt seinen Mann. * Fulda. 30. April. Eisenbahn - d i c b st ä h l e. Ein Jugendlicher, der angibt, 20 Zahre alt zu sein, Karl Schneider zu heißen und aus Lwowek, Kreis Puck in Polen zu stammen, wurde am Freitag morgen gegen 5 Uhr auf dem Güterbahnhof in Bad Salzschlirf durch Eisenbahnpolizeibeamte festgenommen, als er zwei schwere, mit allem möglichen Diebesgut gefüllte Säcke aus der Güterabfertigung herausschaffen wollte. Der Langsinger hatte es besonders auf Zigarren abgesehen. Da seine Beschreibung auf einen Menschen paßte, der in letzter Zeit die Güterbahnhöfe von Grün berg, Alsfeld. Niederaula, Malsfeld u. a. bestahl, wurde der Festgenommene zunächst nach Fulda in Polizeigewahrsam gebracht, während Eisen- bal)ntrimina[beamtc weitere Ermittelungen in der angebeuteten Richtung anstellten. Der Verdacht gegen den angeblichen Schn., auch die Diebstähle auf den vorgenannten Bahnhöfen ausgeführt zu haben, hat sich nunmehr so sehr verstärkt, daß er dem hiesigen Ge- richtsgefängniS zugeführt werden konnte. wd. Wiesbaden, 29. April. Ein Be - trüget hatte eine hiesige Bank um 65 000 Mark betrogen. Ein Geschäft in Frankfurt hatte an eine dortige Bank ein Schreiben gerichtet, worin es bat, einen Postscheck telephonisch an eine bestimmte Person in Wiesbaden zu überweisen. Die Frankfurter Bank gab einer hiesigen Dank den Aufttag zur Auszahlung. Diese fragte in Frankfurt noch einmal telephonisch an, und als die betreffende Person sich dann erkundigte, ob die Zahlungsanweisung vorliege, wurde ihr der Betrag anstandslos ausgezahlt. Später stellte sich heraus, daß der Brief der Firma gefälscht war. Gießener Stadttheater. Gastspiel / des Großrussischen Dalalaika-Orchesters. Gießen, 1. Mai 1922. Die Balalaika, das mandolinenähnlich? .-ussische Nationalinstrurnent, behauptete gestern abend in unserem Stadttheater das Feld. Die ostländischen Gäste zeigte.i. daß sie einmal über eine virtuosenhafte Technik verfugen und dah sie es auch verstanden haben, sich in den Geist der von ihnen gebrachten Tondichter so einzuleben, daß ihnen Griegs Pcer-Gynt-Musi! ebenso gelang wie Schuberts graziöse Schöpfung „Moment musikal". der Höhepuntt des Abends, und ihres Landsmanns Glinkas Weisen. Es war ein eigenartiger Abend und auch ein genuh- leichrr. wenn man sich auch wohl nicht verhehlen darf, daß die Balalailamufik. wenn man sie öfters hören würde, ein chenig gar zu eintönig wirken mühte. Sie ist nun einmal ein Volkslnstrument, und es will uns - bei aller Anerkennung de Leistungen der Gäste — doch bebünfen, als wenn es letzten Endes mehr außer der hochernzufchähen- ken Technik der Vortragenden die Fremdartigkeit des Gebotenen war, die den Hauptreiz des Konzertes ausmachte. Zu loben ist die umsichtige und sichere Leitung des Orchesters durch den Dirigenten A Michailowsk y. Bei den in die VortragSfolge eingefügten Nu ssis chen Volkstänzen bekam man gute Leistungen des Trios Natalia Michailowa Michail O r l o f f und Sergey Dmitriewsky zu feben: besonders anerkennend zu nennen ist hier O r t d f f d Tscherkeffentanz. Zweckentsprechender wäre es wohl gewesen, den zweiten Teil vor den ersten zu stellen, da vor der 'Prüfe entschieden der wertvollere Teil des Abends geboten wurde. — r. Kirche und Schule. B. Kaulstos, 28. 2lpril. Welche Folgen der Krieg für die Schule hat, zeigte sich beim Beginn des neuen Schuljahres in unserer etwas über 200 Seelen zählenden Gemeinde. Neuaufnahmen von Kindern konnten überhaupt nicht vorgenommen werden, ein Vorkommnis, dessen man sich in der Gemeinde seit Menschengedenlen nicht entsinnen kann. Sf. Friedberg, 29. April. Heute fand in der Festhalle der Augustinerschule eine Kreislehrerkonferenz statt, an der etwa 300 Lehrer des Kreises teilnahmen und in welcher der an Stelle des in den Ruhesland tretenden Schulrats Süß hierher versetzte Schulrat Feuerbach sein Amt in Friedberg übernahm. Kreisdirettvr Gräf hieß ihn in seinem neuen Wirkungskreis willkommen, Schulrat Feuerbach gab in seiner Erwiederung der Hoffnung Ausdruck, dah es ihm in dem gleichen Maße wie seinem AmtSvorgän- ger gelingen möge, sich die Liebe und das Vertrauen der Lehrerschaft zu erwerben. 3m Namen der Lehrerschaft entbot Rektor Koch - Friedberg feinen Willkommen. Bei der darauf erfolgenden Wahl dreier Vertreter der Lehrerschaft in die Kreisschullvmmission wurden gewählt die Herren Neuß- Rieder- Wöllstadt, S p i e l m a n n -Heldenbergen, und Mayer- Friedberg. ss. Friedberg-Fauerbach, 28. April. Die während der Kriegszeit abgelieferte Glocke ist nunmehr durch eine neue erseht worden und gleic^eitig noch eine neue dazu ange- fchasft worden, so dah die Gemeinde nunmehr ein volles Geläute besitzt: die ©loden sind von der Firma Rinker in Sinn gegossen worben. Am letzten Sonntag wurden die neuen Glocken unter Teilnahme der ganzen Gemeinde durch einen Festgottesbienst, bei dem ber Ortsgeistliche, Pfarrer Z o h m a n n, die Einweihungsrebe hielt, zum ersten Male in Benutzung genommen unb ihnen bie Namen Detglocke, Fr lebensg locke unb ©ebächtnisglocke verliehen. rm. Darmstadt, 30. April. Die Darmstädter Drogistenfachschule tm Zägertor wurde am Samstag bei Beteiligung von Vertretern der Stadt, der Hochschule, der 3n» dustrie und benachbarten Verbänden durch eine Ansprache des Mitgliedes der Schul- kommissivn, Apotheker L o g e l eröffnet. Der Leiter der Fachschule Dr. Dietrich gab em geschichtliches Bild über den Drogenhandel, wie über den Lehrplan. Für die Stadt sprach Prof. Pfaff, für die Rachbarverbändc Fachlehrer Braun- Frankfurt. Wegen starker Anmeldung kann die Eröffnung erft nächste Woche erfolgen. Landwirtschaft. Reue Fohlenmärkte. mc. Frankfurt a. M., 30. April. Der Verband nassauischer Pferdezüchter hat beschlossen in Verbindung mit dem hiesigen Landwirtschaftlichen Verein alljährlich mehrere Fohlenmärkte abzuhalten. Keine Landwirtfchaftsschule in Frankfurt? mc. Frankfurt a. M., 30. April. Da die Landwirtschaftskammer keinerlei Zuschüsse geben will, werden sich die Bestrebungen auf die Errichtung einer Landwirtschaftsschule in Frankfurt a. M. voraussichtlich zerschlagen, da das Fachschulantt nicht in der Lage ist, die Kosten allem zu tragen. * * Da u e rn i eg.e l n im M a i. Auch der Wonnemonat soll scucht sein, lieber kühl unb nah, als heiß unb staubig. Da bi? Vegetation schon einigermaßen vorgeschritten ist, können Nachtfröste jetzt ben empfinblichsten Schaden bringen. Die Eismänner sind gefürchtet! „Maifröste sinb unnütze Gäste." Darum heißt es auch weiter: Pankratius unb Servatius machen bem Gärtner manchen Verdruß. Pankraz und Servaz sieht kein Gärtner gern, Denn beide lind sehr gestrenge Herrn. Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bis daß herein Servatius bricht. Nach Servaz findet der Frost keinen Platz. Pankraz unb Servaz, die stehlen wie ein Spatz. Pankraz unb Urban ohne Regen bringt bem Weine großen Segen. Wenn Urban kein gut Wetter hält, das Weinfaß in die Pfütze fällt. Hat Urban gut Wetter und Vit starken Regen, bann bringt» ben Bauern großen Segen. Urban gibt den Rest, wenn Servaz noch etwas übrig läßt. Am Urbanstag Regen, für den Winzer keinen Segen Dagegen: 3ft am Urbanstag das Wetter schön, so wird man volle Weinstock sehn. Wenn an Philippi grünt ber Wald. Jakobi der Schnitter Lied erschallt. Weiter beißt es vom Mai: Maiküferjahr bringt gutes bar. Kühler Mai. das ist 'ne alte Regel. beschert viel Arbeit für Keller unb Flegel. Kühler Mai unb naß dabei, gibt viel unb gutes Heu. Mai kühl unb naß, füllt Scheuer und Faß. 3ni Mai ein warmer Regen bedeutet Früchtesegen. Florian noch einen Schrieehuk sehen kann. Maienregen auf *bic Saaten, bann regnet cs Duraten. Auf nahen Mai kommt trochier Zuni herbei. Viel (Sc-ritter im Mai, schreit der Bauer Juchhei? Weht im Mai der Wind aus Süden, ist uns Regen bald beschieden Wenn die Kröten fleißig lauter, wollen sie bald Regen saufen. Bienen- schwärmercr im Mai bringt viel Heu. Naffe Pfingsten, fette Weihnachten. Turnen, Sport und Spiel. furt" uoci 2*5 Kilometer statt Die Cdausse:n befanden sich in einem derart schlechten Zustande, baß viele ber aussichtsreichsten Fabrer vor Beendigung ber Fatzi t den Kampf aufgaben, viele andere schieden durch Stürze aus. '21 Jd) der erwartete Endkamp, fand unter diesen Umstände.i nicht statt und die Fahrer, die endlich nach Ueberwindung der ungeheueren Schwierigkelle-i das Rennen beenden lomitcn, kamen in große.« Abständen durch das Ziel. Bon den gestarteten 100 Amateuren und ca. 30 Berufsfahrern konnten nur wenige mehr als 20 in der vorgrschrie- denen Zeit das 'Rainen beenden. DaS Resultat ist für Berufsfahrer: 1. Schenkel- Leipzig 9 Stunden 29 Minuten. 2. Fischer- Köln 9 Std. 37 Min. 3. Straßer- Schweins.irth 9 Std 48 Min. 4 Aberger - Berlin 9 Std. 55 Min. 5. Adolf Huschte- Berlin. 10 Std 18 Min. Richard Haschke, der Bruder des fünften Siegers befindet sich auch unter den durch Sturz Ausgefchieoer.en. Für Amateure ist das Ergebnis folgendes: 1. Willy Stroh- Frankfurt a. M < F. R.-D. „Germania" Frankfurt o. M.) 10 Std. 27 Min. 2. Schneidewind- Schweinfurth 10 Std. 41 Min. * -o- Turngau Hessen. Gestern hielt der 2. Bezirk (Gießen-Wenlar) im Anschluß an feine 4. Vorturnerstunde nachmittags hier einen BeziriS- t um tag ab. Die Verhandlungen leitete der 1. Be- zirksturnwart Paul Schüler- Wetzlar Bei ber Neuorganisation der Gauverwaltung ist die Selb- ständigteit der sechs Bezirke erweitert worben, nicht um zu zersplittern, sondern um bei ihrer bewährten Gautreue die Zusammenarbeit in bem großen Hcssengau, der im Mittelrheinkreis nach Zahl, unb Leistung an hervorragenber Stelle steht, noch Icbenbigev unb fruchtbarer zu gestalten. Den Bezirlsturnwarten wurden deshalb noch drei Verwaltungskräfte beigcgcben zum 1. Dezirksvcrlreter wurde Universitäts-Oberinipektor C r t e Gieß.;n, zum Schriftwart Kaufmann Karl Lang- Gießen und zum Dezirlspreffewart Rektor Bach-Gr.» Linden einstimmig gewählt. Das diesjährige volkstümliche Wetturnen im Bezirk (Weithochfprunq, Weitsprung, Kugelstoßen, Laufen unb eine Freiübung) findet am 16. und 17. Juli in Gr -Linden statt, dessen Turnverein die Feier seines dreißigjährigen Stiftungsfestes damit verbindet. Süddeutscher Ruberverba nd. In der letzten zahlreich besuchten Dorstanbssitzung begrüßte zunächst ber Vorsitzende die Vertreter der beiden neu beigetretenen Deteine Mainzer R.-Kl. 1903 und Gießener R. -D. „Hella s", zugleich wünschend, baß biese zur gedeihlichen Weiterentwicklung des S. R. D. beitragen möchten. Die genauen Daten für bie in diesem Hahr flattfinbenben fünf Regatten würben wie folgt festgesetzt: Mannheim 10.—11. Juni, Frankfurt a. M. 1.—2. Juli, Gießen 15. 16. Juli, Flörsheim 29.- 30. Juli, Main) 12.-13. August. Die Ausfahrt bes Derbanbs-Stä bie- Achtes wurde dem Regattaausschuß der vier Frankfurter Vereine übertragen. Der Termin wirb in der nächsten Vorstandssihung bestimmt. Die Wett- fahrtbcstimmungen, bie unter Zugrunbelegung ber gesammelten Erfahrungen von einer eingelegten Kommission unb bereit Unter kommissionen bei Jetztzeit entsprechend neu gefaßt wurden, erhielten nach reiflicher Durchfprechung ihre Genehmigung. Neu eingeführt wurde die Bildung eines technischen Ausschusses, dem Gg. Henze, F. Heß und L. Wenner-Frankfurt, Mohr jr.= Ludwigshafen, A. Bender-Mainz, H. 3 ö b t - Gießen, sowie Delang jr.-Mannheim angeboren. Dem seinen Vorsitzenden aus seiner Mitte wählenden Ausschuß, dessen endgültige Bestätigung auf dem diesjährigen Rubertag erfolgt, find vor jeder Regatta bie Aichterämicr namhaft zu macken 3n seiner Befugnis liegt es, anzunehmen ober abzulehnen. 3m Einvernehmen mit bem Vorstanb würbe dem Ausschuß, ber seine Tätigkeit schon auf ben biesjährigen Regatten beginnt, bie Schlichtung ber evtl, zutage tretenben Meinungsverschiedenheiten übertragen. — D i e Deutsche Hochschule für Leibesübungen verlegt ihr Bureau vom l.Mai ab nach bem Deutschen Stabion Derlin- Grunewalb. (Telephon Westenb 550.) — Mclbungen z u ben D e u t s ch cn Kampfs pielen haben nur Gültigkeit, wenn sie auf ben vom Deutschen Reichsausschuß für Leibes- Übungen. Berlin, Kurfürstenstraße 48 anzufordernden Melbevorbruck abgegeben werben. Bei An- forberungen, benen Freiumschlag beizufügen ist, ist bie betreffenbe Art der Uebungen anzugcben. — Skirennen imMai. Der Skiklub Arlberg bringt auch in biefem Zahre seine alljährlichen MaiMrennen in St. Christoph am Arlberg zur Entscheidung. Die Deranstaltung geht am Sonntag, 7. Mai, vor sich, unb sieht Lang- unb Sprungläufe für Alters- unb Jugendklassen vor. Handel. Frankfurt a M., 1. Mai. Marknotterungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 28.4. 29.4. Zürich Fr. 125.40 1,81 1,81 Amsterdam Fl. 59.20 0,90 0,92 Kopenhagen Kr. 88.80 1,69 1,69 Stockholm Kr. 88.80 1,38 1,38 Wien Kr. 117.80 2830,- Prag Kr. 117.80 18,37 London. ....... Sh. 97.80 1,25 1,25 Aeuyork $ 23.80 0,35 -.35 Paris Fr. 125.40 3,81 3,81 Züricher Devisenmarkt. 28. 4. 1.5. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Ft. = 196.50 196.80 Deutschland 100 TRL = 1.79 1.625 Wien 100 Rr. — 0.06 0.06 Prag 100 Kr. — 9.925 9.95 Paris 100 Fr. -- 47.- 47.30 London \ £ — 22.76 22.80 Italien ICO 2. -- 27 - 27.50 Vrüfsel 100 Fr. — 43.05 43.42 Budapest ...... 100 Kr. — 0.67 0-67 Aeuyork 100 V = 514.24 514.75 Agram 100 Kr. — L70 1.77 Warschau 100 Kr. -- 0,12 0,12 Vermischtes. Fünf Kmder durch Gas vergiftet. Berlin. 29. Avril. 3m Schlafsaal des städtischen Kinderheims in Neumünster imb in ber vergangenen Nacht fünf Kinber durch Gas vergiftet worben. Ein sechstes Kind schwebt noch in Lebensgefahr. BücherLisch. gen Rund um Frankfurt. Frankfurt a. M 30. Ap.il. (WB.) Unter ußerordcn lich ungünüinen Littcru.gsbrbmg in- >rord?n'lick ung^n!ugen jxiuccjngau. Slrahenbabn. Oss. unt. 2258 an Herio, 9». A.-E., Plockslraae 5. Irägci gjiM- -O-il mtrn, in Mainz an der Entbindungsanstalt von Medizinalrat Dr. Kupferberg als praktischer Arzt hier niedergelassen. Dr. med. 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