Nr. 229 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche vezucirpreife: Mari, 5.50 einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 6.50 einschließlich Bestellgeld. Fern sprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sießen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. U686. Erstes Blatt M. Jahrgang Freitag, 50. September 1921 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger sm Oberhessen Druck unö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei K Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Taqesnuinmer dir zum Nachmittag vorher oknejede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigeno 34mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180Ps Bei Platz- Vorschrift 20 Aufschlag. Haupischriftleiter: *21 uq. Goetz Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil i V.: Aug. Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen. Südlich hat uns die Entente durch den Mund der französischen Regierung die amtliche Mitteilung gemacht, daß mit dem 30. September die wirtschaftlichen Sanktionen aufgehoben werden. Allerdings hat die Sache noch einen großen Haken. Die deutsche Regierung ist gleichzeitig auf. gefordert worden, Vertreter für eine Besprechung zu bezeichnen, wobei Sachverständige aller beteiligten Regierungen die Formen festsehen sollen, in denen Einfuhrgenehmigungen geprüft und aufgestellt werden. So weit klingt das, als ob die deutsche Regierung tatsächlich als gleichberechtigt bei Verhandlungen über die Frage der Ein- und Ausfuhrkontrolle herangezogen werden soll, was selbstverständlich als ein großer Fortschritt zu be- grüßen sein würde. Leider liegt die Sache etwas anders. 3n der amtlichen Mitteilung der französischen Regierung heißt es weiter, daß die Bestimmungen über die Einfuhrgenehmigungen geprüft und aufgestellt werden sollen in Heber» einstimmung mit der Entscheidung des Obersten Rates vom 13. Aug. 1921. Das bedeutet, daß überdie grundsätzliche Frage die deutsche Regierung nicht weiter gehört wird. Darüber ist die Entscheidung bereits vom Obersten Rat selbständig getroffen und die deutsche Regierung hat sich ihr gefügt. Wenn jetzt Besprechungen stattfinden, dann handelt es sich nur darum, die äußere Form für die Ausführung eines Diktates der Entente zu vereinbaren. Aus dieser Darstellung ist erstchtlich, daß gar kein Grund dafür vorhanden ist, in Jubel auszubrechen, ob einer angeblichen Schwenkung und versöhnlicheren Haltung der Entente. An sich ist ja zum mindesten das Fallen der Zollgrenze am Rhein eine große Erleichterung für Industrie und Handel Deutschlands. Aber wir wollen doch zweierlei nicht vergessen. Erstens war die Auferlegung der wirtschaftlichen und militärischen Sanktionen ein unzweideuttger Bruch des durch den FnedenSvertrag von Versailles geschaffenen RechtszustandeS. Zweitens mußten nach der eigenen Erklärung der Entente die gesamten Sanktionen sofort nach Annahme deS Londoner Ultimatums fallen. Es war ja das gerade einer der Hauptgründe, die von den Befürwortern der Unterzeichnung ins Feld geführt wurden. Die fünfmonatige Fortdauer der 6anftionen bedeutete also die Verlängerung eines rechtlosen Zustandes und zugleich eine Verschärfung desselben, da sogar die an sich nicht zu rechtferttgenden Voraussetzungen hinfällig geworden waren. Hierzu kommt, daß ttoh allem die militärischen Sankttonen nicht aufgehoben werden, ob- wohl nicht die leiseste Rechtfertigung für die Fortdauer der willkürlichen Besetzung von Düsseldorf, Du'sburg und Ruhrort vorhanden ist. Die schon an sich ungeheure Belastung Deutschlands durch den Unterhalt der Besatzung Struppen wird also noch weiter in willkürlichster und schärfster Weise erhöht. Die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen hat aber, wie bereits oben angedeutet, noch eine sehr ernste und schwere Einschränkung er- fahren durch die Einsetzung einer Kontrollkommission, die den gesamten deutschen Gin- und Ausfuhrhandel an der Westgrenze überwachen soll. Bekanntlich beschwert stch die französische Regierung darüber, daß von deutscher Seite der Ein- ftrhr gewisser französtscher Jndustrieerzeugnisse dauernd Schwierigkeiten berettet werden, und sie »erlangt Aufhebung dieses angeblichen Boykotts. Es ist richtig, daß stch im Interesse der deutschen Wirtschaft die deutsche Regierung gegen die Ueber- schwemmung Deutschlands mit französtschen Luxus- roarcn zu wehren sucht. Dieser volkswirischaftlich durchaus notwendigen Maßregel soll eben durch die Einsetzung einer Kontrollkommission ein Riegel vorgeschoben werden, und damit wird wenigstens zum Teil der wirtschaftliche Ruhen aus der Aufhebung der wirffchaftlichen Santtionen wieder aufgehoben Mm so mehr muß es die Pflicht aller guten Deutschen sein, nun erst recht den Kauf ftanzöscher Luxuswaren jeder Art zu vermeiden. Gegen diesen privaten Boykott der Einzelnen mag die französtsche Regierung wohl in Roten Einspruch erheben, zu ändern vermag ste ihn nicht, und auch die deutsche Regierung kann nicht gezwungen werden, die eigenen Landsleute zu einem Vorgehen aufzufordern, das die deutsche Wirtschaft schwer schädigen würde. Gerade die Tatso ste. daß die französtsche Regierung und die französtsche Luxusindustrie bereits die Wirkungen eines privaten Boykotts französischer Waren schwer empfinden, sollte uns die Wirksamkeit dieses, lange nicht gründlich durchgeführten Boykotts nahelegen. Wir vermögen in der leider nicht uneingeschräntten Aufhebung ber wirtschaftlichen Sanktionen nur eine geringe Abschlagszahlung zu erblicken, die in keinem Verhältnis zu den bereits erzielten Leistungen Deutschlands inAusführung desHlttrnaturns steht. Berlin, 29. Sept. (Wolff.) Dem deutschen Botschafter in Paris wurde gestern folgende Rote überreicht. »Herr Botschafter! Die alliierten Regierungen nahmen Kenntnis von der Erklärung, wodurch die deutsche Regierung die durch den Beschluß des Obersten Rates vom 13. August 1921 ausgestellten Bedingungen ausdrücklich angcnom- meen hat; sie beschlossen deshalb die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen, die durch den Obersten Rat vom c. März 1921 verhängt worden waren, ab 30. September 1921. Sie laden die deutsche Regierung ein. baldmöglichst ihre Delegierten zu bezeichnen, die zusammen mit den alliierten Sachverständigen die Bedingungen feststellen sollen, wonach entsprechend den Bestimmungen des Beschlusses vom 13. August 1921 die Licenzen geprüft und ausgestellt werden sollen. Im Ramen des Obersten Slates habe ich die Ehre. Exzellenz zu bitten, Vorstehendes zur Kenntnis Ihrer Regierung zu I bringen. Genehmigen Sie. Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung, j gez. Briand." Koblenz, 29. Sept. (WTB.) Die interalliierte Rheinlandkommission hat mit Verordnung 98 die im Verfolg der Londoner Beschlüsse erlassenen Verordnungen 77 (Kontrolle der deutschen Zollverwaltung), 81 (Ordnung des Zoll- Wesens irn besetzten Gebiet in der Verfassung der Verordnung 91), 82 (Sonderregelung der Ein- und Ausfuhr für das besetzte Gebiet), 84 (Zuständigkeit der alliierten Militärgerichte und der deutschem Gerichte über die Zoll-Einfuhr- und Ausfuhr-Angelegenheiten). 86 (Pflicht n gewisser deutscher Verwaltung b h rden in Zo.längs legen- heiten), 87 lSchuh der Inhaber von Ein- und Ausfuhrbewilligungen, die von den alliier len Behörden ausgestellt worden sind), 83 (Befugnisse der alliierten Zollbeamten), 89 (Regelung des Alkvholverkehrs im besetzten G biet) mit Wirkung vvm 30. September abends 12 Hbr unter Vorbehalten aufgehoben, die im wesentlichen f o I- genden Inhalt haben: Hnbrrührt bleibt die Gültigkeit der auf Grund der aufgehobenen Verordnung n betätigten Akte, erworbenen Rechte, übernommenen Verbindlichkeiten und verhängten Strafen. Die strafgerichtliche Zuständigkeit nach Verordnung 84 gilt noch für die vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung liegenden Handlungen. Die von den alliierten Stellen im besetzten Gebiet erteilten Ein- ’inb Ausfuhrbwilligungen bleiben gültig, ebenso die von ihnen aufgestellten Freilisten für die Dauer von 3 Monaten. Ferner bleibt die Freiheit des Verkehrs mit Postpaketen bis zu 5 Kilo über die West grenze der besetzten Gebiete für 1 Monat bestehen. Irgendwelche Abfassungs- oder Befchlagmaßnahmen gegen die auf Grund alliierter Bewilligungen eingc führten Waren sind untersagt, ebenso jede behördliche Maßnahme gegen diejenigen Personen, welche auf Grund der Sanktionsforderungen Geschäfte getätigt haben und diejenigen Personen, welche an der Durchführung der Sanktionen dienstlich teilgenommen haben. Eingehende Verfahrensvorschriften sichern die Durchführung ti s.r Be'limmu gen F ir d e «3tDecfe der Ab echnung der fü~ d n Repa at ons- ausschuß von der Rheinlandkomm s Ion und tr r n Organen vereinnahmten deutschen Zvlleinkünfte bleiben die zuständigen deutsch n Behörden den betreftenden Organen der Rheinlandkommission unterstellt. Die bei der Durchführung der Sanktionen der deutschen Verwaltung entflanbenen Kosten fallen dem Deutschen Reiche zur Last. Die Suspension der deutschen Gesetze und Verordnungen. welche von der Rheinlandkvmmission auf Grund der Sanktionsverordnungen ausgesprochen wurde, wird auf gehoben. B s zum Inkrafttreten des' interalliierten Zollausichu'ses setzt das Emser Ein - und Ausfuhr amt seine Tätigkeit fort, soweit es sich um den Warenverkehr über die Auslandsgrenze des besetzten Gebietes handelt. fpd. Frankfurt a. M., 29. Sept. Die in der Rächt zum Samstag zur Durchführung kommende Aufhebung der „Sanktionen" zeigt bereits ihre Auswirkung. An allen Zollstationen wird bereits mit dem Abbruch bzw. der Abrüstung begonnen. Bedauerlich ist, daß bei den ersten Privatmeldungen über die Aufhebungen der deutsche Dementierapparat erst in Bewegung gesetzt werden rfiufote, während die französischen Handelsfirmen schon 35 Stunden vorher von der amtlichen Ankündigung unterrichtet waren und dementsprechend handeln konnten. London, 30. Sept. (WTB.) Laut „Daily Telegraph" ist die weitverbrettete Ansicht, daß das Ende der wirtschaftlichen Santtionen auch das Ende der alliierten militärischen Besetzung der Ruhrhäfen bedeute grundlos. Paris, 29. Sept. (Wolff.) Die demokratische „EreRouvelle" sagt zur Aufhebung der Sanktionen: .Ohne Zweifel würden die nationalistischen Gegner des Reichska-'z'ers, die ihm feit zwei Monaten so lebhafte Vorwürfe wegen feiner Richterreichung der Beseitigung der toirt- fchaftlichsr Sanktionen machten, künftig nur darauf bestehen, welche Demütigung die Einrichtung eines interalliierten Organs zur Heber- wachung der deutschen Zollverwallung für Deutschland darstelle, aber schließlich werde die Mehrheit des Reichstages gewiß weniger ungerecht sein. Das seit einiger Zeit ein wenig geschwächte Prestige des Kanzlers werde feinen Klanz wieder gewinnen. Gustave Thsry schreibt im .Oeuvre", wenn das deutsche Voll alle Tage ein wenig mehr einsehe, daß die französische Friedenspolitik sich bemühe, Opfer zu bringen und der deutschen Republik alle Zugeständniffe mache, die sie dem Kaiserreiche verweigerte, so würde ein großer Schritt wieder getan sein, der zu den Vereinigten Staaten Europas führe. Die deutschen Demokraten könnten unD müßten die Verbündeten Frankreichs gegen den Krieg werden; um so schlimmer wäre es für sie, wenn sie die französischen Demokraten nicht verständen, wie dieses Richtverstehen ebenso schlimm für die Demokra en Frankreichs sowie für die ganze Menschheit sein. Der Minister Dr. Strecker zu den Sozialdemokraten übergegangen. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Einer der Führer der hessischen Demokratie, Kultusminister Dr. S t r e ck e r, hat seinen Austritt aus der Demokratischen Partei erflärt und sich der Sozialdemokratie angeschlossen. 3n einem Schreiben an Finanz- miniftcr Henrich erklärte er, daß er sich mit bem Gedanken schon längere Zeit trage und daß dieser bei feinem letzten längeren Aufenthalt in der Schweiz zum Entschlüsse gereift fei. Gleich- zeitig legt Dr. Strecker in einem Schreiben an »en Landtagspräsidcnten Adelung sein L a n d- t«Kgsmandat nieder. Die demokratische Fraktion des hessischen Landtages ist telc graphisch zu einer Sitzung einberufen, um zur Gesamtlage Stellung zu nehmen. Falls sie darauf besteht, wird Dr. Strecker auf feine Mitgliedschaft im Ministerium verzichten muffen Es ist das aber wohl kaum anzunehmen, da das Verhällnis zwischen Demokraten und Sozialdemokraten hierzulande ein sehr enges ist. Da Ende Rovember Die Landtagswahlen doch stattfinden müssen, wird man Dr. Strecker wohl noch im Amte lasten, um die Rovelle zum Volksfchulgefetz zu verabschieden Bei den Reuwahlen Dürfte Dr Strecker für die Sozialdemokratie kandidieren und wohl die Hoffnung hegen, mit ihrer Hilfe auch zukünftig in Der Regierung zu bleiben. Dor einiger Zeit war er von Der Demokratischen Partei Rheinhesseirs an sicherer Stelle zum Landtag aufgestellt worden. Man hatte sich nicht wenig darüber gewundert, daß die Partei ausgerechnet im national gefährde ten Rheinhessen den crflärten Pazifisten und Internationalisten Strecker ihren Wählern empfahl. Jetzt ist diese Kandidatur selbstverständlich erledigt. •Untere Zeit ist ja an mancherlei gewöhnt, aber doch kaum Daran, Daß ein im Amte sich befinden- Der Parteiminister feine Front wechselt. Bei Dr. Strecker ist Das aber nicht tragisch zu nehmen. Innerlich haben ihn seine Gegner von rechts schon stets als Sozialdemokraten betrachtet, unD diese selbst traten im Landtag oder in der Ocf- fentlichkeit für Strecker entschiedener ein, als für irgend einen ihrer eigenen Minister. Merkwürdig empfand man es nur, daß die »bürgerliche" Partei der Demokratie — nach außen wenigstens — sich so entschieden für diesen Mann ins Zeug legte, dem jedes Rationalgefühl ohne weiteres als ..Chauvinismus" galt und als Greuel verdächtig war. Dor wenrgen Monaten noch trat er öffentlich als Redner bei Der „roten Jugend" auf, vor einigen Wochen erst erschien im „Vorwärts" ein aus Genf Datierter, mit seinen Initialen gezeichneter Artikel. Wenn nun Dr. Strecker auch äußerlich Die klare Linie zieht und zur Sozialdemokratie übergeht, so diskreditiert er damit seine eigene Partei aufs schwerste. Denn s i e war es, Die seine ärgsten Entgleisungen stets ftiH- schweigenD geduldet oder womöglich öffentlich gedeckt Hai. Wir möchten noch nicht einmal glauben, daß damit der Weg des radikalen Ideologen nach links seine letzte Station erreicht hat. Jedenfalls aber scheidet aus der Demokratischen Partei Hessens eine Persönlichkeit aus, die ihre ganze Kraft dafür eingesetzt bat, den Gedanken Der deutschen Demokratie zu diskreditieren. Manchen mag er mit nach links ziehen. Der Mehrheit feiner früheren Anhänger aber wirb Der Weg des Herrn Dr. Strecker zu Denken geben. Cme Erklärung der demokratischen Landtags- sraktion. sw. Darmstadt, 29. Sept. Die Landtagsfraktion der Demokratischen Partei gibt folgende Mitteilung bekannt: Dr. Strecker, der Präsident des Hess. Landesamis für das Bildungswesen, hat in einem Schreiben an den Staatspräsidenten Ulrich und an den Vorstand der Demokratischen Partei seinen Heber» tritt zur Sozialdemokratie erklärt. Herr Dr. Strecker^ der seit Monaten Den Partei- heran Haltungen ferngeblieben ift. bat diesen Schritt offenbar schon seit längerer Zeit bei sich erwogen und hat ihn, wie er schreibt, zuletzt noch unter den starken Eindrücken eines mehrwöchentlichen Studienaufenthaltes in der Schweiz ausgeführt. Damit scheidet er naturgemäß auch aus den Dertrauensämtern aus, die ihm die demokratische Partei im Landtag und in der Regierung übertragen hatt. Wen die demokratische Partei für den Lest der Landtagsperiode an Streckers Stelle in die Regierung entsendet, ist noch nicht cn.schieden. Jeden a ls wird der Wechsel in der Person des Amtsinhabers keinen Wechsel in der bisherigen Schulpolitik der Partei und ihrer Vertreter bedeuten. • rm. Darmstadt, 29. Sept. Die heute früh bei der demokratischen Parteileitung eingegangene Rachricht des Austritts des Präsidenten deS Landesamtes für das Bildungswesen Dr. Strecker aus der Demokratischen Partei und dessen Hebertritt zur Sozialdemokratischen Partei gerade zu der jetzigen Zeit brachte für viele, wenn auch nicht für alle, eine große Ueberraschung und wurde in den Ausschüssen mit verschiedenen Gefühlen und Meinungen aufgenommen. Don mancher Seite wird behauptet, daß er sich ein Landtagsmandat habe sichern wollen, da dies in der Demokratischen Partei unsicher sei, wieder andere sind der Auffassung, daß der Hebertritt aus Idealismus erfolgt sei. Die demokratische Fraktion trat heute früh zu einer Beratung zusammen, um zu der Frage Stellung zu nehmen. Da Dr. Strecker mit dem Hebertritt nicht nur sein Landtagsmandat verliert, sondern auch sein Amt als D i ldu n g s p r ä s i d en t niederlegen muß. da er dieses Amt nur als Angehöriger der Demokratischen Partei erhalten hat, beschloß die Fraktion, für die Zeit bis zu den Wahlen einen Stellvertreter für Dr. Strecker zu bestimmen. Hierüber sollen noch Beratungen statt- finden. Darmstadt, 29. Sept. (Wolff.) Der Prä- fiDent des Hessischen Landesamtes für das Dil- dungswefen, Dr. Strecker, hat in einem Schreiben an pen Staatspräsidenten Hlrich und an Den Vorstand Der Demokratischen Partei feinen Austritt aus Der Demokratischen Partei und seinen HebertrittzurSozialdcmokratie milgeteilt. Zugleich hat er Dem Landtagspräfidenien Adelung mitgctcilt, daß er sein QRanDat niedergelegt habe. Ein interessanter Gegensatz in der Dölkerdundsversammiung. Genf. 29. Sept. (WB) Die heutige Qui8- sprache in der Dölkerbu-ndsverfamm- l u n g über Den bereits gestern verte feie i Bericht zur Bekämpfung des Madchen-unDKinder- hanDels, führte zu einer au'-erorDenUit leo- haften und zum Teil erregten Debatte, die schließlich zu einerAu-^einander etzung Der fiaa- zöfifcheii Delegation m.t Der von Der englischen Delegation geführten Mehrheit Der Dersammlung auswuchs und über das zur De. Handlung stehende Thema hirausgehend, Das gesamte P.oblein Der Arbeitsfähigkeit und internatioi a'e.i Kompetenzen DeS Völkerbundes auittxirf. Die Anträge der 5. Kommission zielten Darauf hin, Die Anregungen Der jürgflen G.'nfer Ko rferenz über Mädchen- und Kindei handel in einen formellen Abkcmmensentwurf ab^uändern. Den die Da u bereits bevollmächtigten DI.gierten unte.zrichnen können, während Die nicht b.vollmäch Igtcn Delegierten später die Hnterzeichnung vornehmen könnten. Dieser Antrag war vor allem auf daS Betreiben Der eng'dfchen Delegation z istande gekommen und bedeutete einen Versuch, in einer rein Humanitären und unprittischen <5rage die üb ichen Gepflogenheiten DerD lkerbund< Versammlung, Die sich im all icmeinen nur auf üie Formulierung von Wünschen beschränkt, aufzngeben unD selbstänDig ein internationales Abkommen vorzubereiten. Gegen diesen von Der Mehrheit mit großem RrchDruck unterstützten P'an protestierte der französtsche Delegierte in Der entschiedensten Wet'fe, |o daß zunächst Der Eindruck entstand, als ob die französische Delegation aus Rücklicht auf ihre So» Ion ialbevölkerung die Grund ätze des Abkommens abschwächen wolle. Di fer Ei druck erwies sich als falsch, wie von allen Delegierten anerkannt wurde. Ebenso ging auS Den Erklärun- gen Hanotaux' hervor, Daß es ihm nicht auf ein Ivßes Derschleppungsmanöver ankäme, als er eine Frist von 4 Monaten unD eine etwaige neue Konferenz verlangte oder airegfe, daß erst nach späterer Zustimmung von zwei Dritteln Der Mitgliedsstaaten das Protokoll eröffnet werden sollte. Tatfächllch fand sich Hanotaux in dieser Frage zu Konzessionen bereit Sein Protest galt, wie er selbst erklärte, der Aeußerung, Daß Der Völkerbund, bevor die Regierungen selbst Stellung genommen haben, ii, Abkommen en Wersen und Darüber Beschlüsse fassen Dürfe. Sein Standpunkt ging klar aus folgender Erklärung hervor: Wir halten es nicht für klug, wenn wir einen P r äzedenzf a ll scha'fen, Der in allen Fällen übereilte und vielleicht ungenügend überlegte Abstimmungen Hervorrufen la in. Vergeblich bemühten sich Ader (Schweiz), de: Berichterstatter Murray (Südafrika) und Lafontaine (Schweiz), vor allem aber Balfour (Eng- Ia*D), mit Schärfe die Einwande Hanotaux zu ei.Ti'äften, Balfour rtr*. ohne Die französische Delegation überzeugen zu Tonnen, die Versammlung zu stürmischem Beifall hin, als er sagte: Wenn wir nicht unsere heutige Aufgabe ausführen können, so frage ich mich, was wir überhaupt hier wollen und wozu Der Völkerbund d.ent. Den wahren Sachverhall und das eigentliche Problem, das zu diesen Meinungsverschiedenheiten führte, deckte Motta auf, als er fragte: Wollen wir, die wir Der Völkerbund sind, uns dazu verurteilen, immer nur eine Versammlung zu fein, Die Wünsche aussprichl, ober wollen wir. wenn wir es können, wenn das Material hinreichend geprüft und vorbereitet ist, eine Versammlung werden, die handelt? Rach einer längeren Debatte, in der sich der juaoflaw'.sche Derttcter Aovamowttsch dem französischen Standpunkt anschließt und der holländische Delegierte von Swinderen zu vermitteln sucht, lehnte die Versammlung einen Vermittlungsantrag des Delegierten von Panama ab, tote auch die gemilderten Gegenvorschläge Hanotaux und nahm mit 29 Stimmen bei 22 Stimmenthaltungen, worunter sich Frankreich. Polen und Die Staaten Der kleinen Entente befanden, die Anträge Der Kommission an. Die Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie. München, 29. Sept, (WTB) Der Reichs» Der ba nD Der Deutschen Industrie trat in die Erörterungen der gestrigen Ausführungen des Wiederaufbauministers Rathenau ein. Der Reich?kommisfar für den Wiederaufbau von Da- tocki bemerkte u. a.: Die Sachleistungen mühten nach einheitlichen Gesichtspunkten im Sinne höchster Wirtschaftlichkeit geordnet werden. Er Der- breitete sich Dann über die üblen Erscheinungen der Verschwendungssucht und des übermäßigen ausländischen Verbrauchs und meinte, wir müßten unsere Lebenshaltung auf das bescheidene Maß der Zett vor etwa 40 Jahren Zurückschrau- ben. Wenn der Massenkonsum und Der Massenluxus nicht eingeDämmt toürDen, Dann würden uns alle unsere Sachleistungen nichts nützen. Wrr seien in den Augen des Auslandes leichtfertige Bankerotteure, die schnell noch chre letzten Besitztümer verprassen. Ein Voll> ,w^e wrr, müßte sich wenigstens- vorübergehend Einschränkungen auferlegen können. Hnsere Sachleistungen müßten möglichst schnell und prompt Durchgeführt nimmt daS Theater einen Teil davon dadurch, daß die Mietpreise für diese beiden Serien niedriger angesetzt sind als für die Voll- mieten. Die dritte Reihe Fremdenmieten, hauptsächlich den näher liegenden und leichter erreichbaren Orten zugedacht, ist auf die Sonntage gelegt und läuft in den normalen Abendvorstel- lungen. — Gemäldeversteigerung ausGie- ßener Besitz. Bei der AuSb'e'.ung des Rachlasses von Frau Geh-Rat Netto .(Dietzen) und fürstlichem Besitz durch Rudolf 'Bangel in Frankfurt a. W. am 20. September wurden u. a. die folgenden Preise erzielt: A. Achenbach, Gebirgslandschaft, 8200 Mk., Herrn. Bai'ch. Kuh. 14 000 Mk., (Zakvb Becker. Hefsenmädchen, 7000 Mark, Du gen Bracht. Feldwacht, 10 000 Mk., H. BürkLl, Rückkehr von der Alm. 11000 Mk., F. v. Defregger, Bauernmädchen. 13 000 Mk., derf, Schulaufgabe. 9000 Mk.. Jak. F. Dielmann Hej- sischer Bauernhof, 14 000 Md, Max Gainer, Trompeter. 15 000 Mk.. ders. Gelehrter, 6200 Mk., Ed. v. Grutzner, Dierprobe, 40 COO Mk.. H. von Habermann, Damenbildnis, 17 000 Mk.. F. A. v. Kaulbach, Damenbildnis. 16 500 M'., A. von Keller. Weiblicher Akt, 14 000 Mk., derf., 3n- dische Tänzerin, 10 500 Mk., derl., Halbakt, 7000 Mark, Mar Liebermann. Landschaft mit Staffage, 30 000 Mk.. W. Löwith. 'Raucher, 10 000 QUatf, G. v. Mar, Irrlicht, 18 000 Mk., Leo Putz, Akt, 10 000 Mk.. WUH. Schreuer, Kaffeegesellschaft, 15 000 Mk. Toni Stadler, lZondschaft, 20 000 Mk. Insgesamt erbrachten die Bilder laut „Frist. Ztg." ungefähr 900 000 Mk. — Humperdinck b e i Richard Wagner. Wie Humperdinck Richard Wagner kennen lernte und wie sich freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Meister und ihm entwickelten, hat der Künstler selbst einmal ausführlich erzählt. Er war im Winter 1879 80 mit einem Berliner Reisestipendium zu seiner weiteren Ausbildung nach Italien gekommen. Als er in Reapel in der Billa Angri nach Richard Wagner fragte, erhielt er den Bescheid: „Der gnädige Herr ist für niemand zu sprechen." Darauf schickte er seine Karte, auf der er hinzufügte: „Mitglied des Ordens vom Gral". Kaum war er wenige Schritte fortgegangen, als ihm ein Diener eilig nachkam: „Der gnädige Herr läßt Sie bitten." Bald stand er nun in einem halb verdunkelten Gemach, „in dessen Dämmerschein," so schreibt Humperdinck selbst, „zwei große ernste Augen auf mir ruhten." Wagner empfing den iungen Musiker mit der Frage: „Was machen Sie denn hier in Reapel, Sie Gralsritter," gab ihm Ratschläge für seine weitere Reise und lud ihn ein, bei feiner Rückkehr ihn wieder zu besuchen, um „etwas ganz Reues" kennen zu lernen. Am 67. Geburtstag Wagners sollte zum erstenmal die Liebes- mahtszene aus dem Parsifal aufgeführt werden, und auch Humperdinck war hierzu eingeladen. Rubinstein und der Dalladensänger Plüddemann hatten die Leitung übernommen. In einem grotzen Kreise satz Wagner, vor sich auf einem Pult die Skizze des Parkifal, aus der er fang und dirigierte. „Mit Hn<*r md>t nrr^en. abe- klangvollen und umfangreichen Stimme, der alle Register zu Gebote standen, wußte er alle einzelnen Vorgänge in eindrucksvollster Weise wiederzugeben. Alles schwieg in lautloser Entrücktheit, als hätte eine unerhörte Offenbarung aus einer höheren Welt sich soeben verkündigt, dann löste der Dann der Ergriffenheit sich in spontaner, nicht endenwvllender Begeisterung auf." „Ra, Kinder, Ihr dürft mit mir zufrieden sein." lächelte vergnügt der Meister, „ich war nicht auf den Kopf gefallen, als ich dies schrieb. Run aber hinaus tn4 Freie, wir brauchen frische Luft!" Als Humperdinck spät Abschied nehmen wollte, bedachte sich Wagner einen Augenblick und sagte dann: „Junger Freund, hätten Sie nicht Lust, nach Bayreuth zu tommen ? Es gibt dort allerlei zu tun, was Ihnen vielleicht Spatz machen wurde.' Ein Lieblingstraum Humperdincks ging damit in Erfüllung. Er sollte eine Abschrift der Partitur für den Handgebrauch anfertigen, außer» dem bei Vorbereitungen zu den Aufführungen des Weihespiels behilflich sein. „(Ja, mein Lieber," sagte Wagner, „die alten großen Meister der Malerei haben auch erst Farben reiben müssen, ehe sie anfangen durften, selbständig zu arbeiten." „Gut," erwiderte Humperdinck, Jo komme ich als Farbenreiber." Als Humperdinck mit Plüddemann und Rubinstein dann fvrtging. hörten sie eine tiefe wohlbekannte Stimme durch die Rächt herabllin» gen: „Drei Knäblein, jung, schön, hold und weise, begleiten Euch auf Eurer Reise." So sandte Wagner ihnen noch einen Gruß nach. D. L u - ;; ■ werden. Wir müßten dafür sorgen, dah alles im Rahmen unseres Wirtschaftslebens getan, werde. Vor allem sei es notwendig, die vielen bisherigen Stellen mit ihrer Unübersichtlichkeit zu beseitigen. An Stelle des bureaukratischen Betriebes mühte möglichst eine freie Selbstverwaltung der beteiligten Wirtschaftszweige treten. Auch die vielen Reibungen innerhalb der einzelnen Wirtschaftskreise müßten verschwinden, ebenso die Rivalität zwischen den Landern bei der Erledigung der Reichsausträge. Unsere Sachleistungen mühten so erledigt werden, dah unsere Stellung auf dem freien Markte möglichst gestärkt wird. Dies werde nur durch gute Sachleistungen erreicht. Bei einer mangelhaften Erledigung würde unser Ansehen verloren gehen, Aeberflüssige Reparationsgewinne müßten vermieden werden, ebenso der unnötige Druck weiteren Papiergeldes. An der weiteren Aussprache beteiligten sich dann noch Direktor Dr. Peters vom Leistungsverband der landwirtschaftlichen Industrie, Reichstagsabgeordneter Dr. F i ck und Reichstagsabgeordneter Dr. Reichert. Schliehlich wurde eine Entschliehung betreffend die Durchführung der Sachleistungen angenommen. Im Verlaufe der heutigen Schlutzsthung hat der Reichsverband der deutschen Industrie eine Entschließung angenommen, derzufolge Präsidium und Vorstand des Verbandes der Reichsregierung folgendes erflären: Die Industrie ist zu Verhandlungen darüber bereit, wie unter Ausnützung des Kredits, welchen sie im Auslande genießt, Der Reichsregierung Gold oder Devisen zur Verfügung gestellt werden Ginnen. Die Voraussetzung dabei ist, daß die übrigen Kreise der Wirtschaft, Landwirtschaft. Hand l Banken und Bankiers, in gleicher Weise sich betätigen und dah unverzüglich wirksame Maßnahmen durchgeführt werden, die die jetzige Finanzmißwirtschaft, die den Kredit des Reiches und der privaten Wirtschaft untergräbt, beseitigen. Die Antwort Lloyd Georges an de Valero. London, 29. Sept. (Wolff.) Die heute nachmittag veröffentlichte Antwort Lloyd Georges an de Valero besagt: Die Regierung Seiner Majestät hat dem Briefwechsel, der zwischen uns stattgefunden hat, seitdem die Regierung Sie eingeladen hat, Delegierte zu einer Konferenz in Inverneh zu entsenden, eingehende und ernste Erwägung zugewendet. Trotz des aufrichtigen Wunsches der britischen Regierung nach Frieden und trotz des versöhnlichen Tones Ihrer letzten Mittellung kann die Regierung auf der Grundlage dieses Briefwechsels nicht auf eine Konferenz eingehen. Trotz Ihrer versöhnlichen gegenteiligen Versicherung, die von der Regierung sehr geschäht wird, könnte in Zukunft gefolgert werden, dah die Annahme einer Konferenz auf dieser Grundlage die Regierung zu einer Anerkennung verbunden habe, die keine britische Regierung gewähren könne. In diesem Punkte muh sie sich vor jedem möglichen Zweifel sichern. Mit einem weiteren Austausch von Erklärungen und beweisenden Mittellungen in dieser Frage ist keinem Zwecke gedient. Die von der Regierung Seiner Majestät eingenommene Haltung ist grundlegend für den Bestand des btttis-Hen Reiches und kann von ihr nicht geändert werden. Meine Kollegen und ich stnd jedoch weiter ernstlich bedacht, im Zusammenwirken mit Ihren Delegierten einen neuen Versuch z u unternehmen, jede Möglichkeit einer Regelung durch persönliche Erörterungen zu erforschen. Die bereits von uns gemachten Vorschläge sind von der gesamten Well als Beweis dafür ge- nenpnen worden, dah unsere Bemühungen zur Versöhnung und Regelung nicht leere Worte sind Wir sind der Ansicht, daß eine Konferenz und nicht eine Korrespondenz der praktischste und aus- siHtsreichste Weg, den wir gern zu erreichen wünschen, ist. Wir senden Ihnen daher hiermit eihe neue Einladung zu einer Konferenz in London am 11. Oktober, wo tour Ihre Delegierten sprechen können als Wortführer des Volles, das <3ie vertreten, um zu bestimmen, tbie die Association Irlands mit der als Britisches Reich bekannten Gemeinschaft von Rationen am besten mit den irischen nationalen Bestrebungen versöhnt werden tann. Die demokratische Opposition in Amerika. Washington, 30. Sept. (WTB.) Die demokratischen Senatoren beschlossen in einer Konferenz, auf einer vernünftigen Prüfung des FriedensvertrageS zu bestehen, bevor eine Abstimmung vorgenommen wird. Anterwood erklärte, dies bedeute einen Widerstand gegen den republikanischen Vorschlag, Nachsitzungen abzuhalten, sobald die Debatte sich erschöpfte. Augenscheinlich ist die Hälfte der demokratischen Senatoren gegen die Ratifikation. Die Frage der Vorbehalte wurdL erörtert, aber es ist noch keine Einigkeit erzielt worden. Ei» Abkommen über Albanien. Rom, 29. Sept. (Wolff.) Stefani meldet: Zwischen den Kabinetten in London und R o m ist ein älebereinkommen über Albanien zustande gekommen. Frankreich hat bereits zugestimmt. Der „Messaggero" schreibt zum Abkommen über Albanien: England erkennt die volle Anabhängigkeit Albaniens innerhalb der 1913 festgesetzten Grenzen an. Die Disttikte von Ka- niza und Argyrokastro werden als zu Albanien gehörig bettachtet. Da der Völkerbund die albanische Anabhängigkeit nicht genug schützen könne, wollen, wie das Blatt erklärt, Italien und England mit Zustimmung Frankreichs beantragen, dah der Völkerbund Italien diese Mission in seinem Namen übertrage. Vom türkisch-griechischen Kriegsschauplatz. Konstantinopel, 29. Sept. Von der Front wird gemeldet, dah die ungünstige Zahreszeit in Anatolien eingesetzt hat. Auf den Hochplateaus beginnt Schnee zu fallen. Größeren Operationen ist daher Einhalt geboten, und es herrscht verhältnismähige Ruhe. In griechischen Kreisen ist man der Meinung, daß ein Win- terfeldzug unvermeidlich ist. Der Streik in Nordsrankreich. Paris, 30. Sept. (WTB.) Nach einer Meldung des „Matin" aus Lille haben in Tourcoing die Aufständischen Zwischenfälle hervorgerufen dadurch, dah sie in eine Metallfabrik einzudringen versuchten. Nachdem sie das erstemal von dem Personal der Fabrik zurückgewlesen worden waren, kamen sie mit Verstärkung zurück und griffen zwei Nachtwachen an, von denen sie den einen zu Boden warfen, während der andere entkam. Ein Chauffeur wurde verletzt. Das Frauenstimmrecht in Belgien. Brüssel, 29. Sept. Die Kammer hat den vom Senat angenommenen Gesetzentwurf, worin den Frauen das Stimmrecht bei den Piwvin- zialwahlen verliehen wird, abgelehnt. Der Konflikt zwischen den beiden Häusern dauert somit an. Maxim Gorki in Deutschland. D e r l i n, 29. Sept. Wie die „Voss. Ztg." hört, wird Maxim Gorki in zwei Tagen in Berlin eintreffen. Gorki will in Bad- Nauheim längeren Kuraufenthalt nehmen. Ans dem Reiche. Beratungen über die Umbildung des Reichskabinetts. Berlin, 29. Sept. (Wolff.) Die Beratungen über dieAmbildungdeSReichS- k a b i n e t t S im Sinne der Erweiterung der Regiernngskoalitton nahmen heute ihren Anfang. Die Vertreter der KvalittonSparteien und der Deutschen Volkspaxtei folgten gestern abend einer Einladung des Reichskanzlers zu einer gemeinsamen Aussprache. Die Aussprache hatte den Charakter einer Vorbesprechung, wozu auch der Reichs- Präsident und der preußische Ministerpräsident erschienen waren. In mehrstündigen Verhandlungen, an denen die Vertreter aller beteiligten Parteien teilnahmen, wurden u. a. die innerpolitische Lage, die außenpolitischen Richtlinien, die Steuerfragen und die Form der eventuellen Ambildung des Kabinetts erörtert. Die Verhandlungen werden in den nächsten Tagen wettergeführt. Die Tabaksteuer. Berlin, 29. Sept. (Wolff.) Das Reichskabinett befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage der Besteuerung des Tabaks. Es wurde beschlossen, dah die Verordnung pom 4. Iuli 1921 über Besteuerung der Tabakfabrikate ab 1. Oktober 1921 in Kraft treten soll: doch wurde in Aussicht genommen, bei den Zöllen für R«oh- tabafe Erleichterungen zu schaffen. Aus Hessen. AuS dem Finanzausschuß. rm. Darmstadt, 29. Sept. Der Finanz- ausfchuß des Landtags beriet heute über die Vorst cllung der Fabrikarbeiter betr. Förderung des Wohnungsbaues. Da nach der Regierungserklärung die Frage reichsgesehlich geregelt und alles was möglich, geschehen ist, wird die Vorstellung für erledigt erklärt. Die Vorstellung des Lehrerinnenvereins betr. Berufung einer zweiten Referentin in die Schulabteilung geht den gleichen Weg, da die Regierung die Berufung einer weiteren weiblichen Kraft nicht für so nötig erachtet. Die Vorstellung des HilssschulverbandeS Rhein-Main-Gau betr. Ersah für die jetzt weggefallene Zulage für den Anterricht der Q2Zincerbegabten wird der Regierung empfohlen. Die Vorstellung des Hessischen Reallehrervereins Offenbach zur (Benmlenbeföl- öung wird für erledigt erklärt. Eine Regierungsvorlage zur Abänderung des Gemeindeumlagen- gesehes wird mit einem Zusatz zu Artikel 4 angenommen. Hierauf wird in die Beratung des Gesetzentwurfes über die Abgabe zur Forderung der Wohnungsnot eingetreten, die am Freitag fortgesetzt werden soll- Aus Stabt und Land. Gießen, den 30. Sept. 1921. Reichsuotopser und Schenkungen. Vorn Finanzamt wird uns geschrieben: Erleichterungen bei Zahlungen des Reichsnotopfers durch Hingabe von Kriegsanleihe stücken sind in Schenkungsfällen geschaffen worden. Rach den Bestimmungen des ReichSnvtopfergesehes werden Schenkungen dem Zu wen den den zunächst zugerechnet, also bei diesem veranlagt. Die auf die Zuwendung entfallende Steuerschuld wurde jedoch von dem Bedachten angefordert. Nunmehr ist zugelassen, dah der Schenker die Zahlung leisten kann durch Hingabe selbst gezeichneter Kriegsanleihestücke zum Vorzugskurse, lieber die Bereitwilligkeit der Schenker, die Steuerschuld der Bedachten zu übernehmen, muh ersterer eine entsprechende Erklärung bei dem zuständigen Finanzamt abgeben, auf Grund derer ihm eine Bescheinigung erteilt wird, durch welche die Sinan?,taffe zur Annahme von Anleihestücken ermächtigt wird. Die Anträge sind binnen einem Monat nach Zustellung des einstweiligen Steuerbescheids zu stellen. Schmückung deutscher Kriegergräber iit Feindesland. Der Vvlksbund Deutsche Kriegergräberfürsorge ist in der Lage, auf einer Anzahl von Friedhöfen in Frankreich, Belgien, England. Estland, Lettland, Polen einschließlich Galizien und Rumänien die Schmückung bestimmter Graber auf Wunsch der Angehörigen zu Allerseelen und zum Totensonntag zu vermitteln. Die Liste edr in Frage kommenden Friedhöfe und der für den Schmuck geforderten Preise befindet sich in Heft 9 der Zeitschrift „Kriegsgräberfürsorge", die bei jeder Postanstalt zum Preise von zur Zeit 4 Mk. für das Vierteljahr abonniert werden kann. Die Zettschrift kann auch bei der Geschäftsstelle der hiesigen Ortsgruppe, Gartenstrahe 2, Obergeschoß, Zimmer Nr. 17, eingesehen werden. Anträge für den yräberschmuck zu Allerseelen wolle man bis zum 7. Oktober, zum Totensonntag bis zum 28. Oktober bei der genannten Stelle einreichen. Mettervorairssage für Samstag: Frühnebel, vorwiegend heiter und trocken, nachts noch kühl, tags milde, Winde aus südlichen Richtungen. Das mttteleuropäifche Tief hat sich heute über der Nordsee zufamrnengezogen. Da an der Westküste ein starkes Fallen des Barometers eingetreten ist, werden wir unter dem Einfluß der von dort herannahenden Depressionen morgen mit südlichen Winden, milden und trockenem Wetter rechnen können. Heute Nacht wird infolge der nördlichen Luftströmung noch stärkere Abkühlung eintreten. e ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 22. September der Lehramtsassessor Dr. Ernst Widmann aus Büdingen zum Oberlehrer an der Viktoriaschule in Darmstadt. Ernannt wurde am 23. September 1921 der Gefangenaufseher Peter Kardaun in Gießen zum Strafanstaltswachtmeister am Landgerichtsgefängnis in Gießen. Ernannt wurden am 2 September die vortragenden Räte im Ministerium des Innern, Oberregierungsräte Dr. Viktor Reitz und Paul Emmerling, beide zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. Oktober 1921. zu Ministerialräten bei dem Ministerium des Innern. Am 22. September 1921 wurden die vor* tragenden Räte bei dem Ministerium der Finanzen, Oberfinanzrat Hermann Hesse, Oberfinanzrat Dr. Franz S ch r o d und Oberfinanzrat Erich Doerr, sämtlich zu Darmstadt, vom 1. Oktober d. 3 ab zu Ministerialräte n bei diesem Ministerium ernannt. ** Großer Diebstahl im O-Zug. AuS einem Abteil erster Klasse des Schnellzuges Frankfurt a. M. --Gießen — Hamburg wurden am Dienstag einem ausländischen Ehepaar, während es sich im Speisewagen befand, sämtliche Reifeeffekten, sogar Hut und Mantel, gestohlen. Es wurden u. a. auch Goldwaren und Schmucksachen im Werte von 63 000 Mk .aus einem braunen Handkoffer gestohlen. Der Täter ist vermutlich in Marburg mit dem Diebsgut ausgestiegen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dah er mit Helfershelfern in Verbindung stand. * Fahrraddiebstahl. Vorgestern wurde hier ein Fahrrad „Marke Weil" (unleserlich) Fabr.-Numm. unbekannt, mtt schwarzem Rahmenbau, ebensolchen Felgen, Frellauf mit Rücktritt- und Dvrderbremse. gelber, eingedruckter, dreieckiger Werkzeugtasche, am Hinterrad zwei Aufstiege rechts und links, und Schelle mit der Aufschrift „Mees Saarbrücken" tgeftohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. ** Ein- und Ausfuhrbewilligungen für das besetzte Gebiet. Zu der Frage der Verlängerung der Ein- und Ausfuhrbewilligungen im besetzten Gebiet hat die <3 i n - unb Ausfuhr st eile in Bad Ems eine neue En tscheidun g getroffen und teilt darüber mit: Da jeder Bewilligung ein tatsächliches Geschäft zugrunde liegen soll, hat der Emser Anterausschuh der Interalliierten Rheinland- kommifsion bestimmt, daß nur solche Bewilligungen verlängert werden, auf die wenigstens ein Teil der beantragten Ware ein- oder ausgeführt worden ist. Für völlig unbenutzt gebliebene Bewilligungen wird eine Verlängerung im allgemeinen nicht erteilt. Bewilligungen, die nach Verfall zur Verlängerung in Ems eingereicht werden, müssen unberücksichtigt bleiben. Die Einreichung eines entsprechenden neuen Antrags steht nichts im Wege. * Heizungszuschlag für Winterreisende. Im Organ des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen wird der Vorschlag gemacht, dah der Reisende im Winter zur Bezahlung für die Beheizung seines Wagens heranaezogen werden soll, und zwar in der Weise, daß er auf dön jewelligen Fahrpreis einen Aufschlag von 10 Pro» zent zu zahlen hat. Mit der Verwirklichung dieses Vorschlags würde also außer der bevorstehenden Eisenbahntariferhöhung eine neuerliche Verteuerung der Bahnfahrten ein* treten, die den Reisenden aufs schwerste belasten würde. Zur Begründung wird die Haftpflicht angeführt, die der Eisenbahn für durch unterlassene Heizung erwachsenen Schaden an Gesundheit dem reisenden Publikum gegenüber erwächst. Das neue Vorgehen der Eisenbahnverwaltungen würde zu dem höchst ungerecht wirkenden Ergebnis führen, daß der Winterreisende wegen Aufbringung der Heizkvsten gegenüber dem Sommerreisenden äußerst benachteiligt wäre. •* Trinkhäuschen sind keine Wirtschaften. Die Frankfurter Polizei hat den Inhabern von etwa 60 Trinkhäusch«* eine scharfe Verwarnung zugehen lassen, weil sie neben alkoholfreien Getränken auch einen u m- fangreichen Handel mit Rauchwaren betrieben haben. — Zu dieser Frage fällte daS Schöffengericht Offenbach eine grundsätzlich wichtige Entscheidung. Es verurteilte mehrere Besitzer von Trinkhäuschen zu je 50 Mark Geldstrafe, wett sie Zigarren verkauft hatten. ** Die Hauptgewinne der Gießener Pferdemarkt-Lotterie fielen wie folgt: 6000 Mk. auf Nr. 26 634, 3000 Mark auf Dr. 19 207, 1000 Mk. auf Nr. 6233, 27 983. 500 Ml. auf Nr. 10904, 17 423, 20 073, 20 165. ** Das Wohltätigkeitskonzert im Eaf 6 Astvria zugunsten der Verunglückten in Oppau hatte einen Reinertrag von 640.30 Mk., der an die Darmstädter Dank abgeführt wurde. Bornotizen. — Tageskalenber für Freitag: Gewerbehaus, 6 llhr, Sitzung der Frauenyruvpe der Deutschen Volkspartei. Hotel Einhorn, 8 tthr, öffentlicher Vortrag des Naturheilver- einS über den Wert der Wärme. — Oswalds- garten, Schaumesse. — Sin Familienabend wird am Sonntag abend 8 tthr vom Evangelischen Bund, dem Evangelischen Arbeiter- und dem Wartbuvg-Der- etn in der Stadtkirche veranstaltet, wobei Mis» sionsdirektor D. Dr Witte aus Berlin einen Vortrag hält über das Thema „Was ich in China und Japan erlebt habe". Der Redner hat selbst als Missionar des Allgemeinen protestantischem Missionsvereins im fernen Osten gearbeitet und gilt als ein vorzüglicher Kenner chinesischer und japanischer Kultur. Der Besuch des Vortrags steht allen Gemeindegliedern frei. S. Anzeige! — Konzert des Gesangvereins Heiterkeit. Wie aus dem Anzeigentell ersichtlich, veranstaltet der Gesangverein Heiterkeit am 16. Oktober nachmittags 4Va ^Ihr lein diesjähriges Konzert in der neuen Aula. Als Solisten sind gewonnen Herr Adolf Müller aus Frankfurt a. W., der wett über seine Vaterstadt hinaus bekannte, beliebte Bariton, sowie Frau Annie Schmidt-Müller. Sopran. Außerdem der hiesige Pianist Herr IuliuS Hahn. JfeuHIeton. Ausstellung hessischer Keramik. fd. F r a n t f u r t a. M, 29. Sept. Im Kunst- gewerbe-Museum wurde eine Ausstelluna neu- zeitiger hessischer Keramik eröffnet. In ungemein reicher Auswahl wird die über ganz Hessen verbreitete und noch in alten üeberliefe- rungen arbeitende Bauerntöpferei sowie die im Kannebeckerländchen im Westerwald seit Jahrhunderten heimische Steinguterzeugung gezeigt. Neben diesen Erzeugnissen hat auch die Wächtersbacher ctcingutfabrif eine große Auswahl neuerer Arbeiten ausgestellt. « Das Landestheater für das Land. Die Erfahrungen der vorigen Spielzeit, in der die Fremden mieten als eine Neuerung eingesühtt wurden, wurden jetzt zum weiteren Ausbau dieses Systems nutzbar gemacht. An Stelle einer einzigen Serie treten in diesem Jahre drei Reihen Fremdenmieten zu je 12 Vorstellungen, die jede den besonderen Verhältnissen der einzelnen Ortschaften Rechnung trägt Zwei dieser Reihen liegen wieder, wie im vorigen Jahre, auf den Samstagnachmittage.-.. Diese Vorstellungen sind in erster Linie den entfernter liegenden Ortschaften zuHedacht. Ihr Beginn (und demnach Schluß) ist bei der einen Reihe früher, bei der anderen etwas später und damit den Bahnverbindungen für Her- und Rückfahrt angepaht. Da der Fahrpreis bei der vielfach großen Entfernung nicht überheblich ist, über- Sä so* .;rwjC d-V bei tritt »f i naher S? Jim 2I"lt WS, M gelegt JE anuooltet o 77.nbeteinT nur «Mal' ff*** Lat x Linder tag mrdr hier \ im Wer Don ' 'Jerewan folg Wer W aen sind, toeti nebeneinander )( Main die hiesige Ärar Ljähriges Dien kreis gehören i L taufenberg um A Qit Äartoff 08. Alsse! dorsianbssitzung Kartofteive MstslvnmiW heil bereits brsc über und beme Kartoffelernte i dah sich im fester Prei mit einem höhe den müsse, Bei stand mit der minderbem feier ßtabt aud 6m Dom &ie!ig< geiier Antrag n memberat erlernt -artoffelversorgr die Stabt an. aröheren Di fotaung ihr tvsseur bzw. bis selbst in di und es wird < tunysbetriebe, ü Weise verfahren .Morgenden N jähren. Leber b lende Verfahren Aussprache, an i rotsviitglieder b Hauptsache daru iähriae Tersahi dem oirdte M «folgt, unb ob i brauche: Unter! ßnden soll. Da * Derneue Fernsprechzähler Sui« vielgelesene 'Berliner Zeitung bei kürzlich mit- geteilt, daß in ihrem Lteserkreis der Glaube an den »neuen unfehlbaren Gesprächszähler' der Reichspost sehr gering >ei.'Latz vielmehr die Ansicht bestünde, bei jedem Anjas,en LeS HörerS würde die cafHung der Einzelg sp ächsg b-hr von 25 Pf. fällig. Diese Besorgnis i: unb g ünbri. Bon der Pvstverwaltung wird uns mitgeteilt, daß der Gesprächszähler nicht erst vom 1 Oktober ab bei den Fernsprechämtern in Tätigkeit tritt, sondern datz er dort schon seit Znhr urch Tag in weitem Umfange benutzt wird. Schon jetzt sind nahezu die Hälfte aller Femsprech- teUnehmer GrundgLbührenzahiec. H erbet w.r. en die einzelnen Gespräche beim Amte gezihlt und dem Teilnehmer in Rechnung gestellt. Mit diesem Verfahren wurde schon vor 23 Zähren der Anfang gemacht Die Reicht telegraptzenveiwaltung betritt deshalb mit der allgemeinen Einführung deS Gesprächszählers vorn 1 Oktober ab in keiner Weife Reuland. Dir Zählung der Gefpiäche erfolgt beim Ami in dem Augenblick, wo die beiden bisher sprechenden Teilnehmer den Fernsprecher wieder angehängt oder auf die Dabei gelegt haben und demzufolge aus dem Amt in beiden Teilnehmerleitunqen das Schluß-eichen durch Auslnrchten der Schltll lüw.pchen erscheint. "Bleibt es aus, weil 'der gewünschte Teilnehmer nicht antwortet oder anderweit spricht, oder weil die zu seinem Amte führende Verbindungsleitung besetzt ist. so tritt auch der Zähler nicht in Tätigkeit. Er kann vielmehr immer nur nach beendetem Gespräch bewegt werden, und zwar nur einmal, so das) auch die doppelte Zahlung einer Verbindung ausgeschlossen ist. Landkreis Gtctzen. Lindenstruth, 30. Sept. Am Sonntag wurde hier der Vanbtoirt Christian Sche p p im Aller von Z0 Zähren zu Grabe getragen. Bereits am folgenden Tage starb seine im gleichen Alter stehende Ehefrau. Die Eheleute, die fast 45 Zahre miteinander durchs Leben gegangen sind, werden nun auch auf dem Friedhof nebeneinander ruhen. )( Mainzlar. 30. Sept. Morgen feiert die hiesige Krankenschwester Elisabeth G r ö l z. ihr 25jährigeS Dienstjub lium. Zu ihrem Wirkungskreis gehören die Orte Mainzlar, Daubringen, Staufenberg und Ruttershausen. Kreis Alsfeld. Die Kartoffeldersorgung der Minderbemittelten. oz. Alsfeld, 29. Sept. Die letzte Dtadt- vorstandssitzung beschäftigte sich u. a. auch mit der Kartoffelversorgung Die Landwiri- schaftSkommifsion hatte sich mit dieser Angelegenheit bereits befaßt. Der Vorsitzende berichtete hierüber und bemerkt, baß der dürftige Ausfall der Kartoffelernte in unserem Bezirk und der Umstand, das) sich im freien Handel noch kein fester Preis herausgebildet, daß aber mit einem höheren Preis als bisher gerechnet werden müsse, Veranlassung gebe, sich im Stadtvorstand mit der Frage der Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung unserer Stadt auch in diesem Zahre zu beschäftigen. Ein vom hiesigen Gewerkschaftskartell eingegangener Antrag regt dies ebenfalls an. Der Gemeinderat erkennt einmütig die Rotwendigkeit der Kartoffelversorgung der Minderbemittelten durch die Stadt an. Es wird festgestellt, das) d t e gröberen Betriebe am Platze die Versorgung ihrer Arbeiterschaft mit Äat- toffeui bhw. die Unterstützung derselben hierbei selbst in die Hand genommen haben, und es wird angenommen, daß auch Verwaltungsbetriebe, wie die Dahn, Post usw. in dieser Werse verfahren. Dadurch wird der Kreis der zu .Versorgenden wesenllich enger als in den Vorjahren. lieber das bei der Versorgung zu wählende Verfahren entfbann sich eine ausgedehnte Aussprache, an der sich fast sämtliche Gerneinde- ratSmitglteder beteiligten Sie drehte sich in der Hauptsache darum, in welchem Umfange das vorjährige Verfahren Anwendung finden soll, bei dem direkte Belieferung in kleinen Bedarfsmengen erfolgt, und ob daneben ein anderer Teil der 2>er- bräucher Unterstützung durch ein Kreditverfähren finden soll Das Ergebnis der Aussprache sand seinen Riederschlag in folgendem einstimmigem "Beschluß. Zur Beschaffung der erforderlichen Unterlagen soll eine öffentliche Aufforderung erlassen werden, wer von den Minderbemittelten noch Kartoffeln durch Vermittlung der Stadt zu beziehen wünscht. Es sollen sofort zwei Waggons Kartoffeln von der Stadt angekauft werden. Kreis Büdingen. — O r t e n b e r g, 29. Sept. Unser Kirchengesangverein ist neben der Einübung von pallenden Chorälen und Liedern für Erntedank- feft, Reformations- und Totenfest zur Zeit mit der Einübung eine- gröberen Wertes, deS 95. . für Thor. Solostimmen und Orchester, in Musik gesetzt von .Felix Mendelssohn-Bartholdys beschäftigt. DaS Werk soll im Spätherbst aus geführt werden. — Kirchenvorstand und Gemeindevertretung befchlosfen, zur Ehrung der Gefallenen in unserer Kirche eine grobe Tafel anzubringen. Die Tafel erhebt sich auf einem Sockel, die Ausführung ist dem Kirchen- maler Delte in Riederramstaot übertragen worben. Wenn irgend möglich, soll die Tafel bis zum Totensonntag enthüllt werden. Eine Ehrung aus dem Friedhof ober sonst einem geeigneten öffentlichen Platze bleibt dem Stadtvorstand überlassen. Auch hierfür liegt bereite ein Entwurf des Denkmalpflegers. Geh. Daurat Professor W a l b e aus Darmstadt vor. Kreis Lauterbach. DiebSfrcchheit. rr. Schlitz. 29. Sept. Zm nahen Berns- Hausen brach am Hellen Mittag, als fast sämtliche Einwohner beim KartosfelauSmachen auf dem Felde waren, ein Einbrecher, der mit einem Rad ungefähren kam, in der Wohnung des dortigen Rechners der landwirtschafllichen Einkaufsgenossenschaft ein, indem er mit einem Beil durch eine Hintertür sich Eingang verschaffte Zn der Wohnstube zerschlug er ein Pult und stahl daraus einige Hundert Mark, die sich darin befanden. Durch Kinder gestört, fuhr er dann unbelästigt davon, um im Rachbardorf Rieder-Stoll gleichfalls einen Einbruchsversuch in der Gastwirtschaft von Lips zu machen, wo er sogar von der Strahe her die geschlossene Haustüre zu öffnen suchte. Von Vorübergehenden gestört, gelang es ihm, in der Richtung nach Bad-Salzschlirf zu entkommen. Vielleicht ist es derselbe, der in der Rächt vorher in der hiesigen Eisenhandlung von Zungblut einbrach und einem ihn dabei störenden Gehilfen deS Besitzers eine Kugel durch die Hand schob. Kreis Schotten. ld. Eichelsdorf, 30. Sept. Dem Landwirr L. Rau wurden, während er mit feiner Familie im Backhaus war, 1100 Mark gestohlen. Er hatte den Schlüssel in der verschlossenen Hauötüre stecken lallen, obgleich das Haus ziemlich abseits liegt. Id. Eichelsdorf, 30. Sept. Bei der Verpachtung des Pfarrgutes (23 Morgen Aecker und Wiesen) wurden 10 390 Mk. erzielt, das 1 4 s a ch e des letzten PachtergednilleS. Eine Wiese, die bisher 46 Mari einbrachte, wurde, um geringeren Leuten Grabland zu verschaffen, in sieben je 550 am grobe Telle geteilt, für die 1300 Mark Pacht entgehen. Ein 265 qm grober Grabgarten brachte es auf 212 Mark. Hesicn-Nassau. DaS Ergebnis der Frankfurter Kirchenwahlen. fd. Frankfurt a. M., 29. Sept. 3n das Frankfurter Kirchenparlament wurden, wie nunmehr feststehl, gewählt: Positive Gruppe 6 Geistliche und 6 weltliche Abgeordnete, Mittelgruppe 3 Geistliche und 2 weltliche Abgeordnete, Liberale 6 weltliche, 6 geistliche. Reformierte 3 geistliche, 4 weltliche Abgeordnete, insgesamt 36 Abgeord- nete. Writere 18 Abgeordnete wählt die Kirchen - versammlnng selbst aus den kirchlichen Gemeinde- korper schäften. Eingehende Zeitung. mc. Frankfurt a. M., 29. Sept. Die Zeitung der kommunistischen Arbeiterpartei „Ser Kommunist" stellt am 30. September ihr Erscheinen ein. Zufolge der ins Ungeheuerliche gesteigerten Preise für Materialien und der abermaligen Erhöhung der Duchdruckerlöhne kann sie ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen. Wieder zwei junge Mädchen verschwunden. fd. K a s s e l, 29. Sept. Hier hielt sich bei Verwandten leit einiger Zeit die 18jährige Martha Darr aus Mühlhausen i T) zu Besuch auf. Das junge Mädchen, das elegant gekleidet war und als geradezu aullallende Schönheit geschildert wird, ist feü mehreren Tagen verschwunden. Die Kriminalpolizei vermutet, cab das etwas romantisch veranlagte junge Mädchen einen jungen Mann kennen gelernt hat. der der Polizei als Mäd - chenhändler signalisiert war. Dermullich ist die Darr mit dem jungen Mann, in dellen Begleitung sie öfter gesehen wurde, verschwunden. Der Vater des Mädchens, ein wohlhabender Landwirt, gibt an. baf) seine Tochter aite Hang zum Luxus und zum Wohlleben wohl einem Mädchenhändler ins Garn gegangen sein könne ♦ Hochelheim. 29. Sept. Am Sonntag abend entfernte sich die 16jährige Luise Viehmann von hier. Zu Eisenbahnern, die sie am Bahnhof Grohen-Linden trafen, änderte sie, sie wolle nach Frankfurt fahren. Sie ist denn auch, wie beobachtet wurde, in den Frankfurter Zug gestiegen. Alle Rachfvrfchungen in Frankfurt und in hiesiger Gegend sind bisher erfolglos geblieben. Das Mädchen, in Hütten- bergec Tracht gekleidet, trug au6er einem Henkelkorb mit Kleidern eine kleine Handtasche ra. Hermannstein, 29. Sept. Der bisherige Beigeordnete Maurermeister und Gastwirt Heinrich Helm ist als Bürgermeister der hiesigen Gemeinde bestätigt worden. • mc Franksurta. M . 29 Sept, lieber das Schicksal der Hauptwache schwebt noch immer Dunkel. Bekanntlich hat eine Dank um deren Ermietung zu einem jährlichen Mietpreis von 150 000 Mark nachgesucht, während der jetzige Pächter nur 41 000 Mark bezahlt. Man befürchtet deshalb mit einem gewissen Recht in der Bürgerschaft. dah der Magistrat das althistorische Gebäude bei der allgemeinen schlechten Finanzlage doch noch an die Dank vermietet. ra. Diedenkopf, 29. Sept. Ruttmehr sind die Arbeiten und Lieferungen zum R e u b a u von drei Dvppelwohnhäusern für die Baugenossenschaft des Kreises Biedenkopf ausgeschrieben. — Unter überaus reger Beteiligung wurde für den Umfang deS Kreises Diedenkopf eine Maurer- und Zimmerer-Zwangsinnung gegründet. — Die Herdbuchgesellschaft für das Vogelsberger Rind hielt in Dattenberg und Gladenbach zwei L o k a l f ch a u e n ab, bie mit 67 Stück Rindvieh und einem Ziegenbock bzw. 25 Stück Rindvieh und 30 Ziegen beschickt waren. gn. AuS der Rhön, 29. Sept. Vor etwa 14 Tagen wurde in den Wäldern des Ochsenberges die 18jäbrige Anna Anacker aus Völkershausen ermordet aufgefunden. Unter dem Verdacht der Täterschaft ist )eht der Schwager der Getöteten verhaftet worden, der die- jedoch bestreitet. Man vermutet. Lab er dc.r Mord aus Habsucht begangen hat, da das Mädchen in einer Rachlaßsache als alleinige Erbin in Frage kam. Für Oppau. D e r l i n, 29. Sept. (Wolff.) DaS deutsche Rote Kreuz wurde benachrichtigt, dah die „2lew Vorker Staatszeitung" neuerdings im Auftrage des Central Relief ComtteeS einen Sammelbetrag von über einer halben Million Mark für Unterstützung der Rotleidenden in Oppau durch Kabel überwiesen habe. "Berlin, 29. Sept. (Wolff.) Der bekannte Philantrop Grobkaufmann Rathan ©traut) m Reuhork überwies an das Wolffbureau die Summe von 100 000 Mark zu Gunsten der Opfer der Oppauer Explosion mit dem Auftrag, den Betrag zur Unterstützung der Kinder zu verwenden. Das Wolffbureau gab die Spende an den Reichshilfsausschuß für Oppau weiter und erhielt die Zusicherung, dah die Summe dem Wunsche des hochherzigen Spenders entsprechend verwendet würde. D e r l i n, 29. Sept. (Wolff.) Der Reichs- bilfsausschuh für Oppau gibt bekannt, bafj außer Len bereite genannten Spenden-An- nahmestelfen sich auch die Sparkassen berett- erfiärt haben, Beträge entgegenzunehmen. Aus dem AmtSverkündigungsblatt. " Das ArntSverkündigungsblatt Rr. 139 vorn 29. September enthält: Eigentum ehemaliger rullifcher Kriegsgefangener. Er- werbslosenfürforge. — DerpflequngSkostcn für Wutfchutzpati«uen — Kreisstraßenwalzungen. — Dieh- und Krämermarkt in Lang-Göns. — Dienstnachrichten. Die Sperre der KreiSstrahe .Gießen — Reiskirchen" wird ausgehoben Das Ministerium des Innern hat dem Vorstand des Thüringer Museums in Eisenach die Erlaubnis erteilt, 25 000 Lose der 4. Reihe der I. Gruppe der zum Besten des Thüringer Museums zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalb des Volksstaates Hellen zu vertreiben Kirche und Schule. eb. Eschenrod, 30. Sept. Zm Abend» gotteSdienst des vergangenen SonntagH wurde des Unglücks von Oppau gedacht. Obgleich nicht angezeigtt brachte eine Sammlung für Oppau 112 Mark. Vermischtes. Zugentgleisung. spd. Betzdorf. 29 Sept. Am Monlagvov» mittag gegen 11 Uhr entgleisten am WestauSgang des Bahnhof- Betzdorf zwei beladene 'Wagen, die sich quer über ole Hauptgleise Richtung Köln legten. Der Kölner Schnellzug erlitt durch den Unfall eine stündige Verspätung. Weitere Störungen und Schäden sind nicht entstanden Einbruch einer Räuberbande. Braunschweig. 29. Sept. (Wolfs.) Vergangene Rächt drang eine Räub-erbande in DaS Geschäft des Landwirts Wilms in Derftadt bei Wolsenbüttel ein. Als die Ginbrecher bei Durchsuchung der Räume in das Schlaszlmmer deS Besitzers kamen, erwachte dieser und wurde von den Räubern durch mehrere Schüsse n i e berge st r e ck t. Die aus dem Rebenzimmer herbei- eilende Ehefrau wurde mit Hchüfsen empfangen und schwer verletzt. Als das Dienstmädchen die Lichtanlage einschaltete, flüchtete die Bande. Mehrere Rachbarn, durch den Lärm der Uebcrfa[Ienen alai miert, verfolgten die Einbrecher unter Rach- fenbung von Gewehrschüssen. Den neuesten Rach- richten zufolge sind Wilms und feine Ehefrau schwer verletzt In ein Krankenhaus verbracht worden: ein Täter, der verwundet wurde, ist bereite gefaßt, während die übrigen Teilnehmer der Räuberbande entkommen sind. ♦ • Berlin. 29. Sept. (Wolff.) Zu den Verfehlungen des Berliner Handwerkskammer- Präsidenten R a h a r d t melden die Blätter, daß Rahardt bereite in bad Untersuchungsgefängnis in Moabit etngeliefert wurde. Die Hohe der Un- terschleife, die er gemeinsam mit feinem Sohne als Vorsitzenden der Hauptstelle für den Einkauf gemeinsamer Handwertelieserungen begangen hat, beträgt bis jetzt 1 Million 100 000 Mark. Wie der „Lokalanzeiger" hort, wurde unter dem Verdacht der Mitbeteiligung ein 3ntenbanturtat verhaftet. Ein zweiter höherer Verwaltungsbeamter entzog sich der Festnahme durch die Flucht. Granada, 29. Sept. Zufolge eines heftigen GewittersturmeS ist Hochwasser eingetreten. Bei Alhama wurden fünf Brücken und die Eisenbahnlinie auf einer Länge von 4 Kilometer zerstört. Die Ernte hat gelitten. Handel. London, 30 Sept. (WTB.) Laut.Daily Expreß" ist die Spekulation in deutscher Mark in der City sehr groß. Ein hervorragender City-Dankier erklärte, e- sei keineswegs ausgeschlossen daß sich 10 Milliarden deutscher Mark in England befänden. Kirchliche Nachrichten. Israel.Religivnsgemeinde. Gottes» dienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, 1. Oktober. Dorabd. 5.45. Morg. 8.30. Adds. 6,10 und 6.50 Uhr. Henkdifel _■-< -h/ s?. Letzte Sendung primaPreiselbseren u. la Tomaten z. Eiurmeü per Pfund 2 Mk, eingetroffen. W. Hauke!, Neuen Baue 7 relepuou 612. 013030 BettMM ehemaliger SritWeWM SimWms Ortsgruppe Gießen. 1OI»1 Km EamStag, den 1. Cftobcr findet tm groben Saale deS CafS Leib die Zeter unseres Stiftungsfestes statt. Anfang Dünkt 8 Uhr. Ter Vorstand. Reklame-Scheinwerfer- Apparate für Schaufenster betriebsfertig (einschl. 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Stlstungzfest verbunden mit Theater und Tanz. Es ladet ergebenfl ein der Vorstand. Saalbau Cafä Leib Samstag abend 7 Uhr EröllBiog io allen Häumeo Der vordere Saal sowie Konzertsaal sind ganz der denzeit entsprechend hergeriebtet Die Konzerte einer oberbayr. bumortsl Stimmnngskapelle - finden täglich abends statt —— Es ladet ein 013021 Sans Kirelnger, Besitzer (Waliaa Br a ah aas). Statt Karten! Lina 5teinmüUer Albert Freitag Verlobte Heuchelheim Lancaster (Pennfylocmien) September 1921. ................ .H Für die anläßlich ihrer Silberhochzeit in so reichem Maße erwiesenen Ausmerksamheiten danken herzlichst Heinrich Baum und Frau. Gießen (Bleichsttaße 2), 30. September 1921. Gesangverein Heiterkeit Sonntag, den 16. Oktober 1921, nachmittag; 41/, Uhr, in der Neuen fluid der Universität: Konzert Chormeister: Herr Heinrich vlah. Mitwirkende: Srau flmrie 5chmidt-Müller (Sopran)) Zranks. 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