Dmd nirt Verlag: vrShl'sche U«iv.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Zchriftlettnng, Geschäftsstelle und vruckerei: Zchuisttaße 7. neuen Erkenntnis; seine führenden Männer Eine Eine Kanzlerrede fer besteigt, alle wilde Kriegsmalerei aus dem Gesicht, und er tut sich viel zugute darauf, daß „französische Beharrlichkeit" den Frieden zu sichern wisse. Herr Wirth, oder besser noch ein Anderer auf dem Kanzlersiy, hätte eS verstehen müssen, ohne die Entsendung wirtschaftlicher Anterhändler unter allen Amständen zu versagen, dem Be- Rede des Grafen Lerchenfeld. teil auS dem können. der der Fahne Wirths ««: aus^Ume- ^nTausenten Wuftttn «u brtafltn. mienA brauchen ichbe, de nichts einzubllden. Frsthollensocrl sprach Rerchskanzler Vr -wrri9 , Die bewußte „nackte Tatsache" hätte wirklich! Über die Reichspotttrk, wobei er besonders die' fordern mehr und mehr eine Umkehr in der bisherigen Reparationspolitik. Wir brauchen eine Regierung, die ebenfalls diesem Ziele lebendig und kräftig zusttebt. Die Forderung nach einer größeren Koalition wird nicht verstummen. Ohre Verwirklichung erfordert Mäßigung und Entgegenkommen von allen Parteien. Der beste Prüfstein für eine innerpvli- tische Läuterung wäre eS, wenn jede Partei sich die Frage vorlegen würde: Wie würde sich unser Schicksal gestalten, wenn alle Parteien aus Anlaß der oberschlesischen Krisis die Hier ist der Brennpunkt der unseres Erachtens un-mlänafichen deutschen Auslands- Politik. Mi« der Bekundung ..tiefer Ent- tSuschuna" hat das alte Kabinett keinerlei Itecnaufichwung aennmmcn. Herr Dr. Wirth blieb bei ferner .,Erfülluna«volitik". Die Grenzen der Ettüllung und LeistungSfähiakeit sind, wie er erklär« seht freilich enger gezogen, aber die Entente spürt nur Worte, die sie nicht ernst nimmt — wie BriandS neueste Rede beweist - nicht den leisesten Anfang zu einer Tat Mochte eS viesteicht richtig sein, daß das Pariser Diktat nicht rundweg Mirfia- gewieten wurde und unter Vorbehalt deutsche Unterhändler nach Oterschlesien geben — auf aHe Fälle gab es Mittel und Wege, Herrn Briand die Selbstzufriedenheit, die er W empfindet, gründlich zu verderben. Die Deutsche Volkspartei suchte einen solchen Den zu eröffnen, wobei, wie in jcbem Kampfe, ein Waanis nicht zu scheuen war. und ste hatte Recht daß ste. nachdem sie ihre Llbsicht vereitelt saß. die Mehrbelt des Reichstags für die Annahme de<* Distats nicht sinnlos verstärkte. Auch der Beschluß ter Demokratien Partei, dem Kabinett Wirth keine Minister zu stesten. ist in diesem Sinne zu loben. Herr Dr. Wirth hat eS erfahren müssen, daß manche seiner unentwegten Schildhalter plötzlich den erfiillunaspvlitischen Geduldsfaden verloren. So knirschte das ..Berliner Tageblatt" über die „Niederträchtigkeit" des Pariser Diktats und schrieb: ..Die Politik der Verständigung und der Srfüstung ist an dem brutalen Macht- wisten der Entente gescheitert: um diese ncc'te Tatsache kommt man nicht herum." Wirklich? — So schrieb das ..Berl. Tageblatt", bevor in Berlin die Würfel gefaste,,'waren. ..Wessen das Gefäß ist gefüllt, davon es sprudelt und überguistt." Heute ist der nationale Zorn des Blattes, der sogar riet, nicht dazu beizuttagen. den von Deutschland gbget'enntem Teil des oberschlesischen Industriegebietes im Interesse des französisch . polnischen Industrieimperialismus lebensfähig zu erhalten, wie ein Sttvhfeuerchen wieder verraucht. Das Blatt folgt brav wie- der der Fahne Wirths. Aber auf Konse- Wochenrückblick. Herr Rathenau. her nich« mehr Mi- n.fttr ist weil er. «roh innerlicher ileber- leumina non der Richtigkeit der neuesten Wirths, die Parole seiner Demokratischen Pgr«ei achten und befolgen wvstte. hat In seiner Mannheimer Rede die Oeffentlichkeit mit einer Art Zuversicht und Glauben erwärmen wosten. die uns nicht qesästt. Ein großes Volk, wandernd im finsteren Tale, von Unglück über Unglück heimgesucht, findet göttlichen Trost nicht so leicht wie der einzelne Mensch. Za. wenn wir eins sein könnten im Bewußtsein. daS Richtige beschlossen und getan zu haben! Wenn wir im leitenden Minister gleichsam den Stecken und Stab des Herrn zu erkennen vermöchten! Aber da drängt sich uns bittere Er- kennmis auf. Vor der Entscheidung hat Herr 5)r Wirth vor aller Welt erklärt, er stehe und faste mi« Oberschlesien. Wir wosten ihn nicht in Bausch und Bönen verdammen, daß er nun, trotz hc-i Genfer Spruchs, wieder aufgestanden ist. aber er hätte bei seiner neuen De- rufunq den alten, abgetragenen Rock der Er- lüstung nicht mehr mitbrinaen sollen. Zuge- qeben er hat stramme Rechtsverwahrungen aeaen die Entente ausaesvrvchen. aber sie hatten keine Wirkung. Schon heißt eS heute in Pnrster Blättern, die Botschafterkvnfe- renz habe beschlossen, die Rechtsverwahrun- gen ausdrücklich für null und nichtig zu erklären. Um bei dem schönen Psalm zu bleiben und Herrn Dr. WitthS Kanzlerschaft an Göttlichem zu messen — er bereitete unS keinen Tisch im Angesicht unterer Feinde. Das Ende seiner ersten Kanzlerschaft hätte uns aste mit ihm versöhnen können, wenn er uns und dem Auslande wirklich voll einge- fchenh hätte. Wir lasen in einem Berliner Berich,. daß er eS war. der mit seinem Einspruch gegen die von den Rechtsparteien im Reichstag vorg-schlagene Entschließung deren Annahme verhinderte. Von den früheren Koalitionsparteien stimmten nur die Demokraten für diese scharfe Nichtigkeitserklärung, worin die Genfer und Pariser Entscheidung für aste Zukunft als rechtsungültig bezeichnet wurde. ES wurden 15? Stimmen dafür. 213 dagegen abaeaeben-. die Herrn Dr. Wirth folgende Mehrheit wünschte keine solche Her- ausfordenmg der Geaner. obgleich dem AuS- sgnde der von der Botschafterkonferenz erneut in die Walt gesetzte Unfriede nur auf diese Weste wirksam nor Augen zu führen war. Und der hohe Pariser Rat würde fich'S überlegt haben, an dieser Entschließung deS Reichstags die voste Ausführung deS Genfer Spruches scheitern zu lassen. aste einseitige Folgerichtigkeit der alten Ge- duldösttmmung umwerfen müssen. Es wäre durchaus keine Katastrophen- polittk gewesen, wenn der Unwille und die drohende Entschlossenheit des deutschen Volkes so weitgehend zum Ausdruck gekommen wären, daß die Feinde sich hätten fragen müssen, ob sie die angedrvhten Maßnahmen ausführen wollten oder nicht. Sie hätten eS sich sicher reiflich überlegt. Denn die Äoffcr für die Reise nach Washington standen ja schon bereit, und das kriegerisch erhitzte, oberschlesische Präludium für die Abrüstungskonferenz hätte Herrn Harding wahrscheinlich viel au denken gegeben. Herr Briand will um dessen DundeSgenossenschaft werben. Die Wirthsche Antwortnote hat den Franzosen v'cht aufgeregt. Tugendhaft wischt sich Herr Briand. bevor er den bereitstehenden Damp- »on ffi&Ä «sä i ssaäÄ« London. 28. Oft (WTB.) Reuter. Ruf die Anregung eineS Abgcordnel:n im Anterhsus. die Alliierten sollten im Hinblick ixf bte von Deutschland geltend gemachte Schwierig - keiten, dieReparativnszahlu n g e n zu leisten der deutschen Rrgierung Vorschlägen, deutsche Kur. st schätze zu verkaufen, Die Abrüstungspolitik. Paris, 28. Oft (Dolch) In » w terung auf die Ausführungen tes Sei.alors de Oou- venel über die Wafdingtoner Konferenz lagt Briand in seiner Rede im Senat, er habe sich entschlossen, persönlich nach Da|hi> gion zu gehen, um dem amerikanischen Dolle den Amt bei französischen Ration für die Unterstützung wahrend des Deltkriege» zu bezeigen. 9r doste, dal) bereits am ersten Tage die wich'»genvfragen zur Derhandlunz kommen und die al’g m inen Rich:- (inten feugelegt werden würden Denn da» geschehen sei. werde er zurückkehren! die anderen ranzösischen Dertreter und Vachverständigen uxir- >en dann die 2lufgabe haben, die Einzelheilen zu regeln Im einzelnen führte Briand aus. die Interessen Frankreichs bed >g ich der Paz.fl- fd^n und Abrüstungsfrage tmiricn nicht v-. rnach- (ässigt werden. Auverdein wurden die französischen Dertreter viesteicht nützliche Dienste beim Dertreiben von Gcwi tcrlocl ei und Rrtelwolkcn leisten können. Endlich würden sich auf der Konferenz die Staatsmänner miteinander persönlich in Derbindung setzen. Besprechungen würden an- gebahnt werden, und dies werde zur Beleiligung zahlreicher Schwierigkeilen führen. InStelvntere würde eS vielleicht gut lein, wenn die Franzosen ihren eigenen Egoismus mit dem der Engländer in Derbindung brächten. Damit auf beiden Seiten die vorspringenden Ecken und Staaten abgeschliffen würden, werde man dazu gelangen, die betöerleitigen Inte,essen in Ucbcreinfttmmung zu bringen. In ter Ab- rustungsfrage werde er in Washington erklären. Frankreich sei bereit, alles zu unterschreiben. waS dazu führen könne, die Rüstung-m einzuschränken und die auf den Döstern ruhenden Lasten zu erleichtern Dor allem müsse Frankreich auf seine Sicherheit bedacht sein. DaS sei eine Lebensfrage, die nicht vernachlässigt werten könne, ohne das; die ganze Wett in Gefahr komme. Am Ende des Krieges konnte das siegreiche Frankreich mit vollem Rechte von seiner Stärke Gebrauch machen. um den Schuh seiner Grenze besser zu sichern. Ts bäte die« nicht getan auf die von England und Amerika abgegebene Zusicherung einer Allianz Frankreich hat jetzt wieder eine sichere Grenze nach einem Vertrage. „Uniert Alliierten werden, ich bin dessen sicher." Io schloß Briand, „begreifen, dal) Frankreich, das auf dieser Linie seiner Illu- ficnen verlustig gegangen ist, sich seht genötigt sieht, die Waffen, die allein seine Sicherheit gewährleisten können, fester in bte Hand zu nehmen." Washington. 28. Oft. (WTB.) Präsident Harding hat sich tn seiner gestrigen Rede über le ne Stellung zur A b r ü st u n g s s r a ge ausgesprochen. Gr ermahnte die amerikanische Ration zur Einigkeit und zu einer Haltung, die dauernde freundschaftliche Beziehungen zwischen allen Völkern möglich mache. Wenn die Beratungen über die Herabsetzung der Rüstungen sctet- tem sollten, so werde die Verantwortung dafür nicht auf Amerika fallen. Der Friede sei wohl vereinbar mit einer angemessenen Verteidigung Amerikas. ES liege aus der Hand, daß die Menschheit geneigt sei, es mit diesem Experiment zu versuchen. Amerika wolle den Völkern beim Betreten teS neuen WegeS helfen. Die entgegenkommende Annahme Der amerikanischen Ein- labung zur Konferenz lasse die Annahme zu, daß man zu guten Ergebnissen gelangen werte. Amerika habe in ter Frage ter Abrüstung sowohl vom nationalen alS vom internationalen Standpunkt gelernt und dürfe hoffen, daß die ganze Welt, belehrt durch die letzte ungeheure Tragödie, zur gleichen Einsicht kommen werte. Harding betonte zum Schluß, er werte die nationale Unabhängigkeit Amerikas in keinen Punkt opfern. Amerika werte zunächst für Amerika fein, aber eS werte nie ein egoistisches Amerika sein, das sich einbilde, seinen Vor- Unglüd ter anderen ziehen zu Nr. 254 Der titaener Mwjtijer erscheint täglich, au her Sonn, und Feiertag,. Monastichetzrzugrpre.se: 3JIk 5.50 einschl- Trager- lohn, durch d,e Post Mk 6 50 einlchl Bestellgeld, auch de.Mchterschet- neu einzelner Dummem infolge höherer Gewalt. Ferntprech-Anschlüsse: für dieSchristlestung 112; für Druckerei, Verlag und Ge chaslrstelle 51. Anschrift für Druhtnach- richten Anzeiger Oietze». peWAedfonto: Vonhurt a. M. UM*. Stcgerwald für die große Koalition- Berlin, 28. Oft. (Wrstf.) Der Chesredab teur ter Zeitung „Der Deutsche" hat heute mit dem Ministerpräsidenten Stegerwald eine 'Unterredung gehabt, in deren Verlauf der Ministerpräsident u. a. sagte: Der oberschlesische Gewaltspruch ist ein furchtbares Unglück für das deutsche Volk und ein kaum mindergroßes für Europa. In Preußen ist durch die Vorgänge im Reiche die bisherige politische Regierungsbasis er- schüttert Die Einbeziehung der Sozial- idemokratie in die preußische Regierung ist jetzt sowohl ein Gebot des politischen Anstandes als auch der Staatsnotwendigkeiten. Der Sozialdemokratie kann nicht zugemutet werten, im Reich in allen entscheidenden Stunden in die Dresche zu springen und in dem größten Bundesstaat dagegen von der unmittelbaren Mitwirkung an den Staatsgeschäften ausgeschaltet zu bleiben. Wir stehen zudem vor einem sehr schlimmen Winter und vielleicht vor einem noch schlimmeren Frühsommer. Unter diesen Umständen wird die Einbeziehung der Sozialdemokratie in die preußische Regierung bald erfolgen müssen. D i e große Koalition kommt weil ste kommen muß. Wenn man zu wählen hat zwischen ter Koalitionsverbreiterung um zwei Parteien, die einander weniger freundlich sind, und der Verelendung eines großen Teiles des deutschen Volkes, dann kann keinem wahren Vaterlands- und VclkSfreund die Wahl schwer fallen. So steht es aber um das deutsche Volk. Diese harten Tatsachen zwingen den Reichstag zu einer festen Steuerarbeitsgemeinschaft. KcinePar- tei geht aber in ter Steueraufbringung auf allen Gebieten bis zur alleräußersten Grenze, wenn ihr nicht ein entsprechender Einfluß auf die Führung ter Reichspolitik eingeräumt wird Auch in Preußen ist die Inangriffnahme der großen Derwal- tunasreform solange unmöglich, als nicht eine große Koalition besteht. Darum muß die große Koalition kommen, trotz ter jammervollen Zerrissenheit ter letzten Tage. Die große Koalition ist eine deutsche Lebensfrage Verknus der deutschen Kunstschätze? München. 28. Oft. (WTB) Auf ter Landesversannnlung der Bayrischen Do l k S - Partei führte Ministerpräsident Graf Lachen- seid über daS Verhältnis Bayern« zum Reich in einer längeren Rete unter anderem au«: Ich erklärte vor kurzem, daß ich gewillt bin. auf dem Boten der maßgebenden Parteibeschlüsse eine Vereinbarung mit Berlin zu treffen. Ich tat dies, und es zeigte sich, daß durch die getroffene Regelung ter Angelegenheit Beruhigung eintrat Wenn mich nicht alle Anzeichen täuschen, so glaube ich daß wir aus der Gefahr, welche durch die damaligen Schritte der Reichsregierung entstanden sind, und deren schließliche Regelung eine heilsame Wirkung für die Zukunft ergeben wird, heraus sind. Wir sind aber auch gewillt, mit Entschiedenheit die Rechte der Länder zu wahren und darüber zu wachen, daß unsere Selbständigkeit und unser staatliches Eigenleben keine Beeinträchtigung erfahre. Ich glaube aber, daß ein gesunder Föderalismus nicht nur im Interesse Bayern«, sondern deS ganzen Reiche- liegt Wir müssen trachten, daß unser Ver- fafTung«Icben sich organisch entwickelt und, soweit die Weimarer Verfassung Fehler aufweist, diese auf verfassungsmäßigem Wege beseitigt werden; wir müssen in dieser Beziehung nicht nur trachten, für Bayern allein vorzugehen, sondern für dielen unseren Standpunkt auch Bundesgenossen für untere Aufgabe zu gewinnen trachten. Wir wollen deshalb in enger Verbindung mit den anderen Ländern bleiben. Dies gilt sowohl sur Preußen wie namenllich auch für unsere süddeutschen Nachbarländer. obcrschlesische Frage berührte. Der Reichskanzler sagte dabei u. a.: Richt nur die Oberfchlesier. sondern da« gesamte deutsche Volk hätte da« Gefühl, daß Oberschlesien verschachert ' worden sei. Trotzdem dürfe man jetzt keine Poli- , tik einer etwaigen wirtschaftlichen Verelendung in Oberschleslen betreiben. Aber die Wegnahme dieser wichtigen deutschen ProduktionSstättcn. die als Raub vor aller Welt gekennzeichnet werten müsse, bedrohe auf« empfindlichste die deutsche Prrduklionssähigkeit. Die deutsch^ Leistungsfähigkeit für die Reparationen sei dadurch wesentlich geschmälert. Der Kanzler nannte den Versailler Vertrag den Hexenhammer der europäischen Zerstörungspolitik, aber er enthalte einen Paragraphen, ter Deutschland das Recht gebe, seine Leistungsfähigkeit von Zeit zu Zeit nachprüfen zu lassen. Dieser Fall sei hier gegeben. Der Kanzler verlas vor der Versammlung die bekannte Rechtsverwahrung, die die deutsche Regierung an die Botschafterkonferenz gerichtet habe, und fügte hinzu, dieses historische Dokument müsse Gemeingut des deutsch m Volke« werden. Am Schluß ter durch stürmischen Beifall wiederholt unterbrochenen Rede besprach der Kanzler die durch die Gewaltpolitik der Entente ! herbeigeführte Weltwirtschaftskrise sowie die Entwertung ter Mark durch die Reparationszahlungen und erllärte, es fei unmöglich, ein 60-Millio- nen-Volk als Käufer auf dem Weltmarkt aus- such »«»gamtoen Hahns M Datei Samunb feiner Wiederbegegnung mit den englischen ©taatcn habet selbst zugrunde gehen. Der Kanzler Wortführern eine gewisse Rote der B e * f$lofj mit einem Appell zur inneren Einigkeit. Hemmung zu verleihen. CS war ganz _ . . c • schön, daß der sozialdemokratische Reichstags- Aus der demokratischen Partei. Präsident Löbe den deutschen Oberschlesiern Berlin, 28. Okt. Wie „Der demokratische jenseits der neuen Grenze noch einmal die Zeitungsdienst" schreibt hat d'e temo raNsche Hand auf bi« Schütter I«gt« unt, Mju Tr^ue umJEreue man muß sich d^bei aber ^^chz^nzlers ihr Mitglied Geßler gebeten, auch etwas Rechtes denken können. Die Pro- ton neuen Kabinett als Wehrminister paganda für Pazifismus wird unS das Ver- ,Ur Verfügung zu stellen. Die Fraktion wollte mit lorene nicht wiederbringen ... dieser Ausnahmeerlaubnis zugleich zum Aus- , , I druck bringen, daß sie grundsätzlich der Ansicht * sei. ter Reichswehrminister müsse zwar dem Par- DaS neue Reichskabinett wird keinen lan- lament verantwortlich fein, dürfe ater im Ingen Bestand haben. Ihm fehlt, trotz deS mit tereffe ter Stetigkeit ter Entpotttisterung der 230 gegen 132 Stimmen ihm erteilten Ver- Reichswehr nickN in ,ete p°U"sche Knsrs em- trauensvotums, iede parlamentarische Grund- ^°F?aktton^unZst au? tem Standpunkt, daß läge. Riesengroße Aufgaben liegen schon tn er ReichSminister vom Reichspräsidenten ohne allernächster Zeit auf seinem Wege, ilncr- Mitwirkung ter Fraktion berufen und in feinen füllbare Finanz- und Entschädigungsfragen neuerlichen Entschließungen frei sei. Rachtem werden unS nötigen, die AuSeinandersetzun- aber Rathenau von sich selbst aus erklärt hatte, gen mit dem Ausland in andere Bahnen zu daß er gleich nach ter Uebernabme de« Ministerlenken, als Herr Dr. Wirth sie bisher wan- postens Verbindung mit der Fraktion gesucht und b«tt«. England ist auf halbem WeL, einer | Nch Politik gegenüber gebunden erachte, erstreckte die Fraktion die Ditte an ihre Mitglieder, nicht wieder in. ein neues Kabinett Wirth einzutreten, auch auf Rathenau. Dabei hat die Fraktion noch ausdrücklich Gelegenheit genommen, die von Rathenau im früheren Kabinett Wirth betriebene Politik dankend gutzuheißen. 65 'Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm »reite 250«Pf. Bel «Platz- Dor|*nfi 20 Auf chlag. Haupischriftle'ker: Aug. Goetz Verantwortlich für 'Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil i «H : Aug. Goetz; für den Anzeigenteil: hon» Beck, sämtlich in Gießen. gleiche Haltung wie wir annehmen würden? Könnten z. D. die Mehrheitssozialisten dies wünschen? DaS Ausland würde staunen und lachen über einen solchen Mangel an Tatkraft gegenüber der Fremdherrschaft. Aber auch die Deutschnationalen könnten, wenn sie ganz gewissenhaft sind, nicht wünschen, daß der Reichstag einstimmig die geforderte Anbahnung von Wirtschaftsverhandlungen verweigerte. Wir brauchen eine auf den gegebenen Tatsachen fußende Dorwärtsentwicklung und müssen aus Erfahrungen lernen. Zeigt uns das neueste Verhalten unserer Gegner nicht gar zu deutlich, daß für lange Zeit hinaus Macht die Parole der internationalen Politik ist? Herr Briand hat in seiner neuesten Rede gesagt. bei der Washingtoner Konferenz gelte eS, den Egoismus Englands und Frankreichs in Einklang zu bringen. Also wird auch diese | Washingtoner Tagung beherrscht werden nicht von Rechtsgedanken, sondern von ttiebhaften Zwecksetzungen bestimmter Mächtegruppen. WaS für ein Schausviel bot uns die französische Kammer? Alles war im gemeinsamen vaterländischen Interesse wohl einstudiert. Herr Briand brauchte seine Oppvsitton. um außerhalb deS Landes Eindruck zu machen. Er ist aus anderem Holz geschnitzt als Dr. Wirth: nicht nur glühenderer, temperamentvollerer Patttot, sondern auch ein klügerer Realvolitiker. Worauf eS ankommt, ist: Geist und Willen deS Volles zur Tatkraft zu spornen sein Ehrgefühl und den Wettetfer mit anderen Völkern nicht erlahmen zu lassen mit weltbürgettichen Theorien. And wer jetzt m unserer traurigen Lage den Blick offenhält, der muß die gegenseittge Duldung und Achtung der Patteien, 'die DollSversöhnung, fordern. Erster vlatt M. Jahrgang Samstag, 29. (Dftobcr 1021 VIUM ' ' v ‘ Ä Annahme »•* anjtletn EW Jiy ä .yhu V VT Aßr für die Tageanummer dir GietzenerAnzelgerss General-Anzeiger für Oberhessen Liebesgaben ans Südwcstafri?a. Leipzig. 28 Ott (Wolff.) Sn den ersten Rovembertagen trifft, wie wir h^ren. mit dem Dampfer „Tlrunbi" eine Sendung' Liebesgaben für die deutsche i Kinder aus büdwestafrika in Hamburg ein Cs ist dies die erste Sammlung von Er?,'' nissen deutscher Farmer Südwestafrikas. welch- die Farmwirt- schaftsgesellschaft in Windhuk veranstaltete Es wurden in Südwestafrika auch bereits 360 Milchkühe als Geschenk für die deutschen Kinder zu- fammengebracht: der Ueb<-rsührung nach Deutschland stellten sich jedoch noch Schwierigkeiten entgegen. Schwere Znfanimrnftöfie in Böhmen. Plauen. 28. Ott (Wolfs ) Wie hierher berichtet wird, ist es gestern, dem Mobilmachungslage der Tschechoslowakei, in G r a s l i tz zu d l u- tigen Zusammenstößen gekommen. Die deutschen ^lilitärpilichtigen haten sich geweigert, bdem Einderusnngsbefehl zu folgen, und es war deutscherseits auch der Generalstreik als Protest gegen die Einberufung proklamiert worden Sämtliche Betriebe, auch die $?ä>en. wurden geschlossen. "Gegen 5 Uhr nad>mittagd trafen aus Eger etwa •40 tschechische Legionäre mit Maschinengewehren unter Führung einiger Offiziere zur Verstärkung der schivachen tschechischen Besatzung ein Bala daraus kam es aus dem Marktplatz zu schweren Zusammenslöten zwischen D monstrant-'n und tschechischem Militär, das lebhastes Feuer auf die Deutschböhmen eröffnete. Bon letzteren wurden der .Teilen Bogtländischsn Zeitung" zufolge sechs getötet und etwa zwanzig verwundet, auf tschechischer Veite gab es einen Teten und mehrere Verwundete Das tschechisch« Militär trieb schließlich die Deutschböhmen gewaltsam auseinander Deutsches Bier in Belgien? Schreckliches ist geschehen, und der „©tolle Dclge" muß sich am 3. Oktober selbstverständlich dagegen wehren: Die Deutschen beginnen schon wieder. Belgien zu erobern. Deutsches Bier wird nämlich von einigen Cafes wieder anaevriesen. Freilich konstatiert die belgische Faszistenseele mit Genugtuung, dah diese Cafös auch leer seien. DaS belgische Volk )J sich bewußt, daß die vielen Millionen. die eS vor den^ Kriege für deutsches Bier ausgegeben habe/zur Vorbereitung des brutalsten uff. Angriffs gegep das unschuldige Belgien benutzt worden seien. Das belgische Volk wisse, daß jetzt belgisches Bier von gutt.n Geschmack hergestellt werde. Also seien die Tische in den bewußten Eaf6-Lvkalen icer und die wenigen Gäste, die s'(h hineinwagten, tränken nur belgisches Bier. Selbst- iverständlich. Die belgische Volksseele wär? rasch zum Kochen gebracht, wenn eS anders wäre, und die Gäste, die es wagten, das .feindliche Bier zu trinken, könnten rasch ihr pLestament machen. Aeberschrift: Der Friede U Wahlen in Norwegen. * Kristiania, 28. Oft. (Wolff.) Das vor- Tfiufige Ergebnis der vtortingwahlen in Torwegen ist folgendes: Recht.'Parteien 296 000, Linksparteien 185 000 Kommunisten 175 000, Bauernbund 117 000, Sozialdemokraten 84 000, A» Mterbemotraten 23 000 Stimmen. Man berechnet danach die Stärke der Parteien im Storting folgende rmaten: Rechtsparteien 56 Abgeordnete (50), L'mke 37 (51), Kommunisten 29 (9), Bauernbund 8 (3), Sozialdemokraten 8 (9), Arbeiter- fdemokraten 2 (3). Mehrere Abgeordnete des Bauernbundes gehören zu den Aechtsparteien. Das Teuerung b'att .Dagbladet" schreibt: l Die je' ige Linksregierung wird jedenfalls dlei- chen, bis der neue S'.orting im Januar z^sammen- iF (tritt. Wenn eine Partei eine neue Regierung wünscht, müh dec neue Storting die Initiative ' Dazu ergreifen. Aus dem Neichswirlschastsrat. Berlin. 28. Oft (Wolff.) Der vorläufige Aeichswirtjchaftsrat nahm das Börsen- umsahsteuergeseh nach den Vorschlägen des Meparatioirsausschusses an. Der Antrag auf Festsetzung terHrnsatzsteuerauf zwei Prozent wurde ebenfalls angenommen, ferner die Anträge auf Freilassung der auS dem Meere eingebrachten Fisct>e und auf Milderung der LuxuSsteuer für Erzeugnisse der bildenden Kunst. Der Bericht über daS Körperschaft-st euergesetz wurde genehmigt Der Schuh im Blut. Roman von Horst Dodemer. 24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Ja du! Dem Henner hast du mit ihr das Rückgrat gebrochen. Da war keiner, der dich abhielt I Vor meinen Kindern aber stehe ich!" „Hnb die hören hier zu!" »Das ist deine Schuld! Die sollen wissen, zu wem sie gehören!" Hetzt ging dem Alten der Atem schwer. „Also — wohl nicht zu — mir?“ Sn erster Linie, nach Naturgesetz, zu mir vnd ihrem Vater! Treib d i ne Ee.b lherrlichttit nicht zu weit! Muß mein Mann unter ihr seufzen, so bleibt mir nichts anderes übrig, als sie mit ihm zu ertragen. Wenn du sie aber über unsere Kinder aus üben willst mit deiner Strenge, so setzeir wir uns sehr entschieden zur Wehr, Kommt Kinder!" _ Auf seinen Schreibtischsessel lief) sich Christoph Wärhahn fallen, stemmte den Kopf in leine breiten Fäuste, die Rkundwinkel zuckten. Also das mutzte er sich sagen lassen! Vicht einmal gefragt wurde er, was Hänschen denn b gangen hatte. Er, der diese Frau alS armes Mädchen mit offenen Armen aufgenommen und ihr keinen Wunsch versagt hatte! . . . Hetzt — jetzt half nich s. er mutzte in den Hainbuchengang Die Wände brüd- ten die ruhige Heber leg ung tot und sein Herz schlug wie toll! Da war er auch schon zum Zimmer, zum Hause hinaus. Oie Mamsell hatte den Zank gehört. Also so weit war's nun gekommen, datz man sich an- schrie! IInb natürlich wegen der Ktnd.r! Ha, „tev Srlnih km Blute"! Der berbarb gute-, hcs» fi|d)c8 Banermblut. der An «ich, war sic- von allem iSUddng an gewesen. And 2»^ doch Aus dem Reiche. Veugest. lttng des -Besoldungsgesetze-. Berlin, 28. Ott (WTB.) Von beteiligter Seite wird zu den Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den Beamtenverbänden mitgeteill: 3m Reichsfinanzministerium haben am 26. und 27. Oktober Verhandlungen über die nötig gewordenen Gehaltsverbesserungen für die Beamten stattgefunden. Vach Auffassung des Reichsfinanzministeriums handelt es sich dieses Mal nicht ausschließlich um eine Teue- rungsaktion, sondern um eine Neugestaltung des Besoldungsgesetzes. Den Vorschlägen der Beamtengewerkschaften stehen die Vorschläge des Reichsfinanzministeriums gegenüber. Die Verhandlungen dauerten am Donnerstag dis nachts 1 Uhr und führten noch zu keiner Einigung. An der Bewegung sind fünf Spitzenverbände beteiligt, die eine 2Oglieteriqe Verhandlungskommission ent- sandlet. Hierzu steilen der A lgem ine Deutsche Gewerkschaftsbund und die Afa 8, der Deutsche Deamtenbund und der Deutsche Gewerk- schaftSbund je 5 und der Gewerkschaftsring 2 Vertreter. ES ist geplant, zuerst über die Beamtenforderungen und anschließend daran über die Angestellten- und Arbeiterforderungen zu verhandeln. Die Verhandlungen sollen mit größter Beschleunigung zu Ende geführt werden. Wohnungsbau m Heidelberg. Heidelberg, 28. Oft. (WTB.) Der Magistrat der Stadt Heidelberg hat beschlossen, einen Betrag von 30 Millionen Mark zur Forderung von Wohnungsbauten im Jahre 1922 vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtvewrdnetenversammlung bereitzustellen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. Ott 1921. Die Hungersnot in Rußland. Heber dieses Thema sprach gestern abend im Cafe Leib in einer gut besuchten Versammlung 3nacnieur Ertel im Auftrage der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur, die damit die Reihe ihrer für den Winter vorgesehenen Vorträge eröffnete. 3n kurzen einleitenden Worten wies Dr. Rennert als Leiter der Landesgruppe Hessen-Nassau und Westfalen auf die parteipolitische Veutralität der Liga hin, sowie auf ihre Aufgabe, die Parteigege s itze nach Möglichkeit zu überbrücken. Sodann ergriff Eisenhütteningenieur Ertel das Wort. Herr Ertel war bereits vor Kriegsausbruch in Rußland tätig, war dann während des Krieges an der sibirischen Grenze interniert, die Revolution gab ihm endlich die Freiheit. Unter der Bolschewist en Herrschaft war er zuletzt In hoher leitender Stellung tätig, bis ihm zu Beginn dieses Jahres die Erlaubnis zur Rückkehr nach Deutschland erteilt wurde. Herr Eickel sprach kurz über die Verhältnisse vor und während des Krieges, um dann in schlichten einfachen Worten das zu erzählen, was er selbst geschaut und erlebt hatte. Und so zog denn vor den Augen der gesparmt Zuhörenden das Bild jener schrecklichen Hungerkatastrophe vorüber, von der sich doch nur der ein Bild machen kann, der dies alles selbst miterlebt hat. Die Schuld aber für diese grausigen Zustände sieht der Redner einzig und allein in dem bolschewistischen Stzstem. Lebhaftes Beifall wurde dem Redner zuteil. AlS erster Diskussionsredner ergriff Herr Stephan das Wort und stimmte im allgemeinen den Ausführungen des Redners bei, nur will er die Schuld in dem bolschewistischen System nicht allein erblicken, sondern vor allem in dem Weltkrieg. 3m Gegensatz zu den ruhigen Ausführungen des Herrn Stephan standen die weniger sachlichen Ausführungen des Herrn Haupt von der V. K. P. D., der in einer halbstündigen Rede nichts neues brachte. 3n seinem Schlußwort ging' Herr Ertel scharf mit den bolschewistischen und kommunistischen Führern zu Gericht und zeigte, wie wenig die wirklichen Zustande in Rußland mit Freiheit und Gleichheit zu tun hätten. Am Schluß seiner Ausführungen wurde Herr Ertel durch immer größere Unruhe der K. P. D - Hünglinge, die zuletzt in lauten Lärm und Gebrüll überging, gestört, so dah seine letzten Worte kaum noch verständlich waren. Auch hier zeigte es sich wieder, daß diese Gernegroße gar nicht imstande sind, auf ihre Gegner sachlich einzu- auf den Knien gedankt, wenn ihre Ansicht saficb gewesen wäre. Als sie ihren alten Herrn schnell die Treppen herunterkommen hörte, schlich ftc nach ihrem Zimmer im Gttbelstock, baS ging nach dem Garten hinaus. Rur jetzt nicht die Frau sehen, sonst gab es womöglich einen harten Zusammenstoß . . . Aufgeregt ging sie in ihrem Zimmer auf und ab, ein paar Tränen rannen ihr die Wangen herab, die Fäuste ballte sie. 3hrcm Herrn, der fein Lebtag nichts anderes gekannt hatte als arbeiten von Soirnenaufgang bis zur hereinbrechenden Rächt, ter immer nur an |ttn Land — und seinen Sohn gedacht, sollte der Lebensabend verbittert werden. Verbittert werden von einer Frau, die nichts anderes kannte als die Händchen zu schonen und Musik zu machen! Eine Frau, die nur milgebracht hatte in die Ehe, was sie auf dem Leibe trug! Da sollte ein tatkräftiger Mensch nicht wütend werten! Und der Hemier tanzte, wie seine Frau pfiff! 3hr Henner! Zum Teufel auch, es war doch gut, dah aus festen Bauernjungen keine gesch i g' l en Herren zu machen waren! Daß ihr kluger Herr daS nicht begriff . . . Sie trat an's of ene Fenster, auch Tic bedrückten die Wände. Und schob jäh den Kops vor, klammerte die Hände um's Fensterkreuz. 3m Hainbuchengang ging ihr Herr auf und ab. Gebeugt, den Hut im Genick. Lind nicht ruhig wie sonst, wenn ihn die Sorgen auch noch so bedrückt hatten, hastig lief er aus uitd ab. Da setzte sich die Mamsell, legte den Kopf auf die verschränkten Arme und weinte bitterlich. Und fuhr plötzlich auf. 3hr Gehör war scharf. Der Henner war im Hause, sprach mit seiner Frau . . . Da lies sie die Treppe hinunter, trat ohne weiteres in das Zimmer, packte den Henner am Arme. „Komm mit! Schnell komm mitV* Er ging mit, wollte sich frei machen. Aber die Duste ttambftc die Hand noch fester in seinen gehen, sondern lieber von dem Mund Debrauch machen als von dem Geist. Ein Au-nohmetarif für frische Kartoffeln bei Aufgabe als Frachtstückgut. Rach einer Mitteilung des Hessischen Lan- deS-Emährungsamtes hat der RerchsverkehrS- minifter die Cisenbahndtrektionen beauftragt, mit größter Beschleunigung einen Auönahme- tarif für frische Kartoffeln bei Aufgabe als Frachtstückgut eißzuführen, dem für die Zeit vom 6. bis Ende Oktober d. Zs. die Sätze der Klasse A für das volle Gewicht, vom 1. Ro- vember d. 3- bis auf Widerruf, spätestens bis zum 15 Mai 1922, die vom 1. November 1921 ab gültigen Frachtsätze der Stückgutklasse II für das halbe Gewicht der Sendungen zugrunde zu legen sind. Die Aenderung der Frachtberechnung vom 1. November ds. Is. ist durch die zu diesem Zeitpunkt eintretende allgemeine Erhöhung der Gütertarife verursacht. Don einer Einschränkung der Ermäßigung auf Kartoffeln, die im Onlante verwendet werden, hat der ReichS- derkehrSminister im Einverständnis mit dem Reichsernährungsminister abgesehen. » • Oberhessischer Kunst verein. Wegen des außergewöhnlich regen Besuches der Ausstellung von Werken hessischer Künstler bleibt auch noch nächste Woche, bis einschließlich Donnerstag, die Ausstellung täglich von 11—1 ilffr geöffnet. Am Freitag wird eine teilweise Aenderung der Ausstellung vorgenommen. • • Vorlesung über Dante. Die von Professor Dr. A. Franz für Hörer aller Fakultäten angekundigte Vorlesung über Dante mußte verlegt werden. Sie findet statt Montags von 5—6 Ahr (im Hörsaal 13, Beginn 7. November). " Einbruchsdieb stahl. 3n der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurden aus einer Veranda einer Villa der Liebig- straße verschiedene silberne und andere Eßbestecke und Geräte sowie Tischdecken und Servietten entwendet. Dor Ankauf wird gewarnt. ** Eine unglaubliche Roheit leistete sich ein Herr in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag an einem Geschäftshaus auf dem Marktplatz, indem er eine Türfüllung und ein Fenster e i n s ch l u g. Die Tat tourte von Herrn Strack, Mitinhaber des Wach- unb Schließinstituts, entdeckt, und es gelang ihm mit Hilfe einer Pvlizeipatroullle, ten Täter zu ermitteln. *• D ie Vorschriften der Meldeordnung toerden vielfach nicht beachtet. Das Polizeiamt bringt deshalb die in Betracht kommenden Bestimmungen in Erinnerung. Die Po» lizeibeamten sind angewiesen, die meltepflichtigen Veränderungen streng zu überwachen und etwaige Verfehlungen gegen die Melbevvrschriften zur Anzeige zu bringen. An- und Abmeldungen bei Zu-, Am- und Wegzug sind zu erstatten im I. (III.) Polizeirevier beim Meldeamt (Weiden- gasfe 5. Zimmer 7). im II. Polizeirevier bei der Me d stelle te3 R vttrs (Lieb gstraß: 18). Meldeamt und Meldestelle sind wähceno ter Winter» monate für das Pub ilum geöffnet von 8 bis 12'/, Ahr vormittags unb von 2 bis 4'/, Ahr nach^ mittags: Samstags von 8 dis l1/, Ahr. Hausbesitzerverein. 3n dem gestrigen Versammlungsbericht ist ein sinn- störenter Druckfehler unterlaufen. Es ist richtig zu lesen: .... Stadtbaurat Diefenbach, der übrigens nicht Hausbesitzer sei . . . Vornotrzen. — Tageskalender für Samstag: Hotel Grvßherzog, 11 Ahr vorm., Parteitag, 8 Ahr abends im Kath. Dereinshaus: Parteiversammlung ter Deutschnationalen Volkspartei. — Großer Hörsaal des Vorlesungsgebäudes, 384 Ahr nachm.: Generalversammlung des Akade- mikerbuntes Oberhcs ens — Stadttheater. 71/, Ahr Turnerisch e Kunst abend. — Astoria-Licht- spiele, heute und morgen: „Sato Aß" und »City Dank", ab Montag: „Cherchez la femme". — Tageskalender für Sonntag: Stadttheater, 10 Ahr dotm.: Wiederholung des Kunstturnens, 3’/, Ahr nachm.: „Die Postmeisterin". 7 Ahr: „tz§°Koller". — Hotel Grohherzog, 11 Ahr vorm.: Beratungen: 331 Ahr nachm., im Hotel Einhorn: Oesfe^tliche Versammlung ter Deutschnationalen Volkspartei. — Reue Aula, 5 Ahr: 2. Konzert des Gießener Konzcrtvereins. Arm. Aus seine Frage anttoottete sie nicht. Zog ihn in ihre Giebelstube ans Fenster, zeigte nach dem Hainbuchengang. „Sieh dir das an! . . . Sieh dir das an!... And nun geh runter und red mit deiner Frau weiter!" 12. Den alten Wärhahn hatte noch niemand von einer gründlich durchdachten Meinung abgebracht. Er blleo des Glaubens, „ter Schutz im Blute" werde im Lause ter Zeit doch noch vorteilhaft zur Geltung kommen. Ein guter Wein schäumte eben tüchtig als Most. Es kam auf die richtige Behandlung an! Heber die hatte er im Hainbuchengang anstrengend nachgedacht, nachdem er sich erst die Erregung aus dem Leibe gelaufen. Himmelkreuz^ onnerweller, er war di.ch aus zähem Dauernstamm! And BeharrlichteU führte zum Ziel! Das Rötigße war, daß die Ellern, vor allem Maria, einfahen: so konnte es nicht weiter gehen. Bis das ater eintrat, mußte es wohl noch schlimmer kommen. Da war es freilich nötig, daß Gott ihn am Leben ließ, bis er seine Aufgabe erfüllt hatte, sonst stimmte seine Rechnung nicht. Al)o vorläufig d:e Karre lauten gelassen. And das tat Christoph Wärhahn. R.cht einmal die Schulzeugnisse lieh er sich zeigen — und da man sie ihm nicht brachte, würden sie nicht gut ausgefallen fein. Mit den Enkelkindern war er immer gleichmäßig freundlich, das Ver- traiten zu ihm durften sie nicht verlieren. Marias Augen aber blitzten mitunter schadenfroh. vor allem, wenn sie mit ihrem Manne in Meinung^ Verschiedenheiten geriet. ^3ch werte mit Grossvater fertig, das stehst du ja. 3n die Kintererziehung redet er mir nicht mehr hinein! And wenn du kräftig den Tickkcpf aufietzen würdest, torfd)riebe er dir den Besitz!" Das war eigentlich immer der Punkt, um den Gölhs ®arten Kaninchen, anv Gefwgelau-ff^- lung. " Aus tem Stadttheaterbureau Auf die beiden morgigen Dorstellungen ses nochmals ganz besonders hingewiesen. Die reizende Operette „Die Post meifterin“ die am Donnerstag auch in Bad-RauHerrn ganz außerordentlich gefallen hat, wird am Rachmitlag gegeben bei einem Dorstellungs- beginn von 31/, Ahr. — Am Abend geht ter neue lustige Schwank „§ § - Kvller", in Szene unter Spielleitung von Rudolf Goll, für den das Stück auch eine Paradervlle enthält. — Waldbühne. An ihren in nächster Woche beginnenden literarisch -musikalischen Abenden wirt» sich die Waldbühne, abgesehen von kleineren Dichterwerken, mit Tasso, Preciosa und einer griechischer Tragödie teschäftigen, — alles Stücke, di« zum Teil für Waldaufführungen im Sommer 1922 vorgesehen sind. — Gleichzeitig wird das Ein- studieren eines Weihnachtsmärchens und von Hänsel und Gretel (nach Humperdinck) eifrig fortgesetzt, so dah man beide 'Dichtungen noch im Laufe tes Winters — das eim vor. das andere bald nach dem Fest — auf einer geeigneten 3nnenbühnen herauszubringen hofft. Mit ten Vorbereitungen für „Hänsek und Gretel" wurde schon im Spätsommer begonnen# — Handwerkerbund und VezirkS- verband der Ortsgewerdcvereine laten alle Handwerker und (te-rerbetreibente .jj einer Versammlung für Dienstag, 1. Rov., 10 Ahr vormittags ins Gewertehaus. Es handelt stch darum, irrten Beschluß herbeizuführen, ob die Errichtung einer Ve/W. l u gshelle ter Kranken- und Stertekaffe für selbständ.ge Handwcr.er und Gewerbetreibente, Sih Frankfurt a. M., oder eine andere Regelung der Kassenfrage erwünscht ifi. Weiter )oU die Frage ter Bildung einer Arbeitsgemeinschaft besprochen werten, die als Ziel die Stellungnahme zur neuen Steuergefergebung hat. Die Wichtigkeit beiter Fragen sollte jeden Handwe.-ker und fclb'iä gm GXtocib tttttenten veranlassen, unbedingt zur Versammlung zu geben. — Von der Deutschnationalen Volkspartei. Auf die heule abend im Katholischen Vereinshaus siattfindenten To.träge wird nochmal- besonders hingetoiesen. Pfarrer D r. Ritter ist leider verhindert. Für ihn hat sich in liebenswürdiger Weise G- Heimrat Dr D r tz- ander-Derlin zur Verfügung gestellt, ter über „Politik und Weltanschauung" sprechen wird. Prof. Dr. Werner spricht über das Thema „Das Reich muh uns doch bleiben". Äe Oeffentliche Versammlung am Sonntag im Hotel Ein Horn, in ter Staatsminister a. D. Erz. Herg» sprechen wird, beginnt um 4 Ahr nachm. (Siehe Anzeige.) — Turneriseher Kunst abend Für die morgen, Sonntag, vormittag 10 Ahr statt- findende Wiederholung des Äunfttumenfl sind noch Karten an der Kasse des Stodttheatert zu erhalten. Wettervoraussage für Sonntag: Vorwiegend wolkig, vereinzelt leichte Niederschläge, Temperatur nicht verändert, Winde aus Nordwesten. Das gestern über ter östlichen Ostfee gelegene Tief hat sich westwärts verlagert Dadurch ist eine stärkere Bewölkung eingetreten Für morgen sind leichte Niederschläge zu erwarten. Landkreis Giesten- k. Allen d orf a. d. Lda., 23. Ott (31n hiesiger Handelsmann war gestern zum Heu», einkauf noch Kirchhain gefahren. Dort bestieg er ten Heuboden und stürzte jo unglücklich durch ein Loch in die Tenne, dah er einen ge jährlichen Beinbruch davvntrug und mit dem Auto hierher zurückg:bracht werten muhte. M. M u s ch e n h e i m, 27. Okt. Die Sammlung für die Geschädigten in Oppau ergab 420 Mk. — Für das Gefallenendenkmal tourten bis jetzt gesammelt über 10 000 Mk.. die Sammlung ist aber noch nicht abgeschlossen, und man hofft. 15 000 Mk. zu erreichen. Hebet di« Plahfrage ist man sich noch nicht ganz einig, man erwartet deshalb in ten nächsten Tagen einen Sachverständigen, der sein Gutachten über die in Frage kommenden Plätze abgeben soll. die ernstlichen Aiseinanderfeyungen zwischen Mann und Frau sich drehten. „Da gibt er nicht nach! Versuch du dein Heil, dann wirst du's rasch einsehen!" Maria hütete sich. Den Trumpf wollte fre in Händen behalten. Sie selbst glaubte nicht daran „ten Alten" dazu bringen zu können Aber es fiel ihr nicht- ein, dies einzugestehen. „Meine Recht« weiß ich zu erkämpfen, — wenn es sein muh, — erkämpf du dir die teinen, ba$ kann deine Frau von dir wohl verlangen!" Ater über ein paar schwache Versuche wat ter Henner nie hinausgt.kommen. Der Vater schnitt ihm dann immer kurz das Wort ab. „Was willst du derm e g entlieh? Bist mein einziges Kind, was mir gchö t. g hört doch auch dir! Hab ich mich jemals gegen eine Geldsor- terung von deiner Seite geftemmtV 3ch w^h e nicht! Hnd dah ich meine in langen fahren eitoortenen landwirtschaftlichen Kenntnisse in einer öde verslauten lasse, das zu verlangen, ein solcher Narr wirst du nicht sein!" Das „du" betonte er. „Hnd wenn ich nur dein Berater Hiebe, was käm dabei heraus? Nichts wie Siank. und für den danke ich bestens, das hab’ ich wohl bewies en. ES gibt Dinge, da muh man sich fügen. Henner, selbst wenn man fic-ht, waS da g-m.rcht to.rd, irt verkehrt! Recht ater muh Recht bleiben. 3ch achte die Rechte anderer, achte du die meinen! Mir gehört das Gut! Hnd danke Go't, dah ich für mein Alter noch recht grate aus den Beinen stehe!" Getreulich berichtete der Henner feinet Frau seine Mißerfolge. „Da antworte du drauf, wenn du kannst!' Sie zuckte mir die Achseln. Weil sie keine Antwort wußte — und sah ihren Mona spöp- tisch an. (Fortsetzung foIflQ Für Kontor uni Auftenlager tüchtiger junger Mann gesucht. Schr.Angebote mit Zeugnissen und (He« halisanspr. unter 11416 an den Gießener Anzeiger erbeten. Zum nlBbolblgen Eintritt rotrb tüchtiger Chauffeur der auch kleine Steva« raluren auCfübren kann gesucht. Schriftliche Angebote unter 014317 an d. Gietz. Anzeiger erbeten. TScht.Hosen n.Wetten» mnrtier sofort gesucht. V drift. ^leikchmaun, 014249 Kaiter-Allee^lO.__ Tlicht. Schribmachcr» erbitte sofort ncfuclH. , 28. CT'.cbT. Der Okfrtrc her Kraslwagen-Perivnenposi der lünie Buy' dach -Wetzlar wird in nächster Zett ervss- nct werden. • Vilbel. 28 Olt In der Dilbeler Gemeindeversammlung tc Ile der Bürgermeister mit. fccf) sich di« Kosten für die diesjahrtge Mäuse- d e r g i f t u n a aus mindesten? 10000 Mk belaufen werdet die die Gemetndckasse aufbringen mühte. Dem Ersuchen und Doranschlag wurde ttattgca ben unter der Bedingung, bafj das er- forderstche Detreid« von den Landwirten gestellt wird. Hessen-Nassau. Prämien für Ferimachu-g von Wohnungen. mc. Frankfurt a. M. 28. Ott. Der Magistrat hat beschlossen, gleich dem Vor- bild anderer Stäbtc für d i e I r e i ma ch u n g von Wohnungen durch Zusammenziehen mehrerer Familien Prämien zu verteilen. Die Prämien sollen für die Freimachung einet Woynung von acht und mehr Zimmern nebst Küche, Mansarden und Kellern 8000 Mk. und je nach Gröhe der Wohnung absteigend 7000. 6000, 5000, 4000, 3000. 1750 Mk. betragen. Der letztere Sah gilt für Freimachung eines Zimmers mij, Küche und Mansarde. Dor- russeyung für die Bewilligung der Prämie st die Llnterschreibung eines Vertrages, in dem sich der Abgefundene verpflichtet, inner- )alb fünf Jahren in Frankfurt keine Woh- ninfl zu verlangen. mc. Frankfurt a. M.. 28. Okt. Der Magistrat legt nunmehr die Sähe der 6 ch a u- 'fensterbesteuerung vor. Danach kosten Scheiben unter 6 Quadratmeter 10 Mk. pro Quadratmeter, weniger als 12 Quadratmeter 20 Mk., weniger aU 24 Quadratmeter 30 Mark, bei größeren Scheiben 50 Mk. pro Quadratmeter. _____ mc. Frankfurt a. M.. 28. Okt. Der neue kaufmännische und technische Tarif, den wir anfangs der Woche mitteil- ten, ist sowohl von Arbeitgebern, wie Arbeit- inehmern angenommen worden. Damit ist jede Streikgefahr der kaufmännischen und technischen Angestellten beseitigt. 'SchlichtungäauSschntz der Provinz Oberhcsscn. Verhandlung t?om 27. Oktober 1921 Die Webereien, die dem Arbeitgeberverband • für die Kreise Aisfeld und Lauterbach angehören. sollen von der laufenden Lohnperiode an ihre Löhne, die im Auaust 1921 vereinbart wurden, den Arbeitern und Arbeiterinnen über 20 Zähren Die ^aurttaritdmtei deS Hoch- und Tiefbau- gewerbes und daä Darifamt Frankfurt a. M haben entschieden, dah den 'Bauarbeitern noch in der Bauzeit des Jahres 1921 unter bestimmten Voraussetzungen einige Lage Serien gewährt werden sollen. Die ÄrbeitgebervrganisaNon erklärte diese Entscheidungen für ungültig, weil die Haupttarifämter dabei nicht ordnungSmähig besetzt gewesen seien, erhob hierüber Feststellungsklage beim Landgericht II ui Berlin und stellte die llrioubsgcwährung für dieses 3abr dadurch in Frage Der Obmann des Baudele- ?Wertenausschulses der Firma Martin Adermann n Giehen ordncde nun zur Durchführung der Entscheidungen selbständig die Beurlaubung von Arbeitern an und wurde deshalb fristlos entlasten. Seinem Einspruch hiergegen wurde stattgegeben. In seinem Vorgehen kann eine lieber- schreitung seiner Befugnisse als BetriebSvertre- tung liegen, die u. 1L ein Verfahr« aus § 39 des Betriebsrätegeseyes veranlassen könnte, aber eS besteht kein Grund zur fristlosen Entlassung gemäf) § 123 der Gewerbeordnung. Vach § 96 des BetriebSrätegesetzes gilt die Kündigung für zurückgenommen. Die Entscheidung ist ungültig. — Ob die Entlassung des stellvertretenden Obmannes gerechtfertigt war, soll auf dem ordentlichen Rechtsweg festgestellt werden. Die DetriebSratswahl in der Zigarrenfabrik Haubach L Eo. in Drünberg vom 4 Oktober 1921 wurde wegen wefentlicher Derftötze gegen die Vorschriften über das Wahloerfahren für ungültig erklärt. Der SchlichtungSauSschuh entschied hier an Stelle eine« DezirkswirtschaftSrates endgültig nach § 93 Ziffer 5 des Betriebsräte- gefetzes. Aus dem Amtsvertündigungöblatl. ** DaS ArntSverkündiaungsblatt Vr. 153 vom 28 Oktober eMhält: Beleuchtung der Fuhrwerke, Fahrräder, Automobile ufw. nach Einbruch der Dunkelheit. — Reinhaltung der Ortsdurchfahrten. — Schweine- und Ferkelmarkt in Giehen. — Dienstnachrichten. — Feldbereinigung Klein-Linden. — Melde wesen. Landwirt Johannes Tröller von Lumda wurde zum Wiegemeister der Gemeinde Lumda ernannt und verpflichtet. Heinrich Zimmer V. von Villin gen wurde zum Wiegemeister der Gemeinde Villingen ernannt und verpflichtet. ©eridftsTaoI. MC. Frankfurts. M^ 28. Okt. Der bei der Polizei als Hilfskriminalbeamter beschäftigte Friedrich Krug hat vor zwei Jahren ohne eigentlichen Grund außer Dienst einen Mann nieder geschossen, der mit feiner Frau nach einem Schlüssel suchte. Vunmehr stand die Sache vor der Strafkammer zur Verhandlung, die Krug zu 2 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilte. Er wurde sofort verhaftet. Straferschwerend kam in Betracht, dah Krug schon einmal wegen Körperverletzung im Gefängnis gesessen hat. Aus dem besetzten Gebiet. Die Einschränkung der DesatzungSkosten. Paris. 27. Okt. (Havas.) Die Kommission der militärischen Sachverständigen. die vom Obersten Rat beauftragt worden ist. feste Vorschläge für die Hera b- seyung der Kosten der militärischen Besetzung vorzulcgen. bat ihre Sitzungen heute nachmittag im Quai d'Orsay wieder ausgenommen. Gestern sind die militäri- chen Sachverständigen zusammengekommen, die aus Köln und Koblenz zurückgekehrt waren. wo sie an Ort und Stelle dei der briti- chen und amerikanischen Armee die Frage der Kosten geprüft hatten, die unmittelbar von Deutschland geregelt werden, wie Wohnungen von Offizieren und Unteroffizieren und deren Familien, für Heizung, Beleuchtung. Transporte usw. Heute nachmittag überreichte der Ausschuß der Finanzsachverständigen der Kommission den ersten Bericht über die Beschränkung der Kosten der militärischen Besetzung. die von den Alliierten voraestrcckl werden und von Deutschland mit absoluter Priorität zurücizuzahlen sind. Die Kommission wird ihre Arbeiten noch vor dem 1. November, dem vom Obersten Rat festgesetzten Termine, beendet haben. Saarbrücken. 28. Okt. (WTB.) Durch eine Verordnung der Regierungokommission wird die Ausfuhr von allem im Saar- gebiet befindlichen Vieh, Schlachtvieh, Nutzvieh und Zuchtvieh sowie von sämtllä)em im Saargebiet befindlichen Lebens- und Futtermitteln verboten. Zuwiderhandlungen wer- den nach der Verordnung zur 'Bekämpfung des Wuchers bestraft. Turnen, Sport und Spiel. — Sportkurse für jedermann. Die neu eingerichteten Volls':vchschulkurse an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen haben erfreulichen Anklang gesunden. Zu den ersten 20 Kursen haben sich bereits tausend Teilnehmer gefunden. Dieser Andrang erklärt sich dadurch, dah die Gebühren sehr niedrig sind, die Kurse in den Abendstunden und Sonntags liegen und die besten Lehrkräfte sich in den Dienst der guten Sache gestellt haben. — Turnenund Sport. In Berlin haben in letzter Zeit vorbereitende Sitzungen stattgesunden, die bezwecken, die unter sportlicher und unter turnerischer Aufsicht ausgetragenen Handballrunden unter einen Hut zu vereinen. Die bisherigen Verhandlungen lassen ein günstiges Ergebnis erwarten. 11. a. wird zur Gründung eines neuen Handballverbandes geschritten werden. unter dessen Leitung dann sämtliche Spiele ausgetragen werden. In Frage kommen die Runden des Kreises lllb der Deutschen Turnerschaft und des Verbände- Brandenburgischer Athletik- Vereine. — D i e Deutsche Rodelmei st cr- schast 1 922 im Har^. Wie uns der Deutsche Rodelbund mitteilt, hat dessen Hauptvvrstand be schlossen, die sechste deutsche Rodelmeisterschast am 28. und 29. Januar 1922 in Braunlage im Oberharz auf der dortigen Wurmberg bahr zur Entscheidung zu bringen. Veranstalter ist bei Wintersportverband Hannover-Barsirghausen v Gemeinschaft mit dem Winterfporlvercin von 1891 Braunlage. Die Bahnlänge beträgt 2000 Meter. Me *M*i MW eitet etm neue Kurvenansage, sowie Tribünen. Sie gilt al« schnellste fische Rodelbahn (auf ihr hat bekanntlich der jei Iktriel am 28 Februar 1921 die bisher nicht überladene Höchstleistung mit 1 Min. 28 <-«. für 1900 Meter erhielt). Die Goldene Sr-plakette des Deutschen Rodelbundes, die mit dem Mci- sterschaitslitel verbunden in, bat W Adolph. Schrei der Pau zu tvtleünyn, der auch diesmal am Start erscheinen wird -- Hottet) Pfllchtrunde des Lahn- gaucS Die Vervandepftichtrunde nimmt am lvmmenden Sonntag ihren Anfang, und zwar flehen sich auf dem D. st B. - S p o r t p l a st Trieb die ersten Mannschaften des G ebener SporiclubS v. 1900 und des Vereins für 'Bewegungsspiele gegenüber liehen) 1900 verfügt über eine gut eingespielte Gif, die au! Grund größerer Weits Piclersahrung gegen d.e eifrigen V. f B.er das Tressen gettnnnen durste. Au, jeden Fall wird dem Spcrlfreund ein Uxinnenbe# Spiel geboten werden. (Siche Inserat.) Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Scnntag. 30. Oktober. 23. nach Trinitatis In der Stadtkirche. Dorrn. 9 V» 11 be. Ordination d. Pfarrasfist. PaulVetter 11: Kinder- ttrche f d. Martusgem.: "Mr Becker. 2lbdS. 6: Pfr Mahr. — Montag. 31. Ott, abdS. 8: Vereinigung d konf. weibl. 3ugenb d. Mariusicm — Dienstag, 1. Nov., nachm. 4 FoauenmifsionS- verein. AbdS. 8: Helserver'ammlung d Ollänner- u Fraucnvereinigung d. Mattiäusgem. — Donnerstag. 3. Oiov., -abdS 8: oufarnmentunft d. FrauenvereinS d. MartuSgem. — In der I v - hanneSkirche. Dorrn. 9Mt Uhr Pfr. Aus- seid 11: Kmderkirche s. d Iobannesgem.: Dir. Ausfeld. Adds. 6: Pstr. BechtolSdeimer. ZV?: Vereinigung d. konf männl. Jugend Monta-i, 31. Oft.. abdS. 71/,; 3ugenbty.Tcinigung d. Lukasgem. (männl. Abtg.). 30. Ott Wies eck. Dorrn. 9: Deichte. 9',: Gottesdienst: im Anschtuh Feier d. hl. Abendmahls. — Donnerstag, 3. Nov, abds. 8: Mädchenabend — Sonntag. 33. Ott., barm. 10: Kirchberg — Hl. Abendmahl f. Staufenberg. — Nachm. ly2: Ma in z la r. Hl. Abendmahl s- d alten Gerneiadeglieder. Katholische Gemeinde. Samstag, 29. Okt., nachm. 5 u. abds. 8 3.1 he; Gelogenh. z. hl. Beichte. — Sonntag, 30. Oft. 24. Sonntag nach Pfingsten. Dorrn. 6>/,: legenbeit z. hl. Beichte. 7: Hl. Wesse. 8: Austeilung d bl. Kommunion. 9: Hochamt m Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Nachm. 3 Christenlehre: Darauf Rolentranzandacht m. Segen. Kathol. Gottesdienst. 30. Ott. Sich, berm i/A nachm. Vi3. — Hungen, vorm. 1/40 Uhr. gegenüblen M t Chlorodont Besser als bittere Mandeln u Zitronen DrReppitf^cköle'" .Bitte rmin^el, ZH-eneJeew.______________ um 15 Prozent, unter 20 Jahren um 10 Prozent erhöhen und den FarnUienemährem auherdem 20 Pfennig Stundenlohnzulage zahlen Shcfelbe Lohnerhöhung um 15 und 10 Prozent feilen die Dail schien Tonwerse A.-G. in Giehen und die Tonwerke Abendstem zahlen. In einer wetteren Lohnstreitfache ((Siebener Steinmetzmeister) einigten sich die Parteien. MAG6P FleischbrOh ■ zum Trinken, Kochen von Fleischbrüh- Suppen, Soßen, Ragouts, Gemüsen usw. Natürlicher, feiner Fleischbrühgeschmack ist ihr greller Vorzug. 11453c Geb. jung Herr stich» 1 Wie 2 |«l a#WL Zkmtr, möflL et. Vicht, in nurbess. Haufe. PretS Siebenfache. Schr. Ang. u. 014246 n. b. ®. »n*. StriilicRiartr Sana zur (tmfieQunn eines VaüautoS gesucht. Schr. Kneebote mit Vreisan^ mrer 014259 an d. Gieß. Anzeiger erbeten. Behördliche Anzeigen Stüöt. £eben$mittdamt. Warenausgabe für die Woche vom 31. Oktober bis 6. November 1921. Dicht rechtzeitig abgeholte Ware verfällt. 1. Brot: Wochenmenge 1850 Gramm Brot oder 1370 Gramm Mehl. 2. Sonderausgabe des Lebensmittelamts: Trockenmilchpulver 90 Gramm 4.60 Mk. Stabt. Vrennstofsamt. Verkauf von Brennholz: Abgabe tn Mengen von V, Zentner an vorn Lager in der Gabelsb.rgerftrahe. Bezugscheine werden im Brennstossaml ausg g b n Pre.se: Hartbolz geschnitten 15 Mk für den Zentner. Wcichholz 13 Mk. für den Zentner. Kleingehacktes Holz 1 50 Mk. für den Zentner mehr. Bei Abnahme von mindestens 50 Zentner wird ein Preisnachlaß von 1 Mk. für den Zentner gewahrst Qieften, den 27. Oktober 1921. 114728 Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt und Brennstoffamst) Bekanntmachung. Di« Abhaltung von Sd}n>tinem6rfiten ist vom Kreisamt Bietzen Mieder genehmigst Der erste Markt findet am Mittwoch den 2. November 1921 auf dem Viebmarktplatz am Büterbahnhof statt. Viehhändler und Landwirte werden hiermit auf-, gefordert, die hiesigen Märkte zu befchicken und können hier, nach den früheren Erfahrungen, eines guten Ab. fatzes sicher fein. 115068 Eietzen, den 28. Oktober 1921. Der Oberbürgermeister. I.V.: Klingfpor. Bekanntmachung 155-112 1 1 SraktzweLe S"»cia: n. Modismetfe rafibenicbe nach Dovveltarit 350 Ps. 175-150 , 100 . Die S ronivreife ertahren ab 1. November 1921 eine Erhöhung Eä kokten: 1 K,o -Ll. für Belenchtungdzwecke Die Zählerableser werden beim iin "'mnlia i' Ab lesen die neuen -«ach träge zu den streailicic- tunav-tiebiniiunflcn Aitr Bertettnna brtniicu Friedberg i. \X. den 28. Cfobcv 1161. 11I90D Eleklr. llebcrland Aninse der Prov. Cbetbeffm , Die Direktion: von Vtadler. Für Dortmunder Daufirma werden für Dortmund uub Umgegend sowie nach Holland gesucht: 30-40 Zementierer, 30-40 Maurer, 20 - 25 Eifenfiechter und Cifenbieger 20 Putzer, 30 - 40 Bauhilfsarbeiter (Dauerarb eit). Giehen, den 28. Oktober 1921. 11607B Städtisches Arbeitsamt Gießen.__________ Bekanntmachung. Für das Adlefen der Zähler und Einkassieren der Sttomgelder in den Gemeinden Krofdorf-Gleiberg, Heuchelheim, Klein-Linden und Allendors sLahn) wird eine geeignete Person nebenamtlich gef. Meldungen werden Zimmer Nr. 4 entgegengenommen, woselbst auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind. Direktion der El ktrizitätswerke und Sttahenbahn der Stadt Giehen. St ölte. 114968 5 4 A f C a für Anzüge und Paletots I | * hübsche, moderne Muster CT a für Damen, reine Wolle tn verschiedenen Farben (Thontnfd tflr ^"«ben, Schulanzüye und Sport, kräftige Ware versendet In bekannter Güte wieder zu billigsten Preisen direkt ob Fadriklager, Muster kostenlos. Beter Moens, Moten Viedricher Strotze 17. 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Gießen (Wilhelmstr. 47III), Haiger, Coblenz. den 29. Oktober 192L Die Beerdigung findet am Montag, dem 3L Oktober 1921. nachmittags 2*7» Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt- 014233 Ein Mrad Ä“m 014268 fiiauzleibcrg 7. 600 m gebrauchtes FMahsglkis und 10 Muldenkipper zn hänfen renucht. Sch ifil Angebote unter 11454D an den Gieh. Anz. nach fast zwölfjähriger, schwerer mit großer Geduld ertragener Krankheit, im Alter von nahezu 71 Jahren, von seinem qualvollen Leiden durch den Tod erlöst. Um stilles Beileid bitten: standeS unb Wahl der Rechnungsprüfer, 5) Auslosung von Anteil' scheinen, 6) Antrag auf Abänderung deS § 15 der Satzungen, 7) Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet ll376v der Vorltand. lüv Sport-Club !. 1Ä !. I. Hallentraining IlirolMeStotzMlliveMllle QsroolOsgarten: MontagS 7.30—9 Uhr abends Tamen-Abtei- luiia: ab 9 Uhr Leichtathletik u. Schwimm- Abteilung. Mittwochs 3-6 Uhr nachmittags Jugend- Abteilung. 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Küchenfachleule und Aerzte treten für feine Verwendung ein at, dürften sich die Diehmärkte, deren man in diesem Jahre noch vier abzuhalten hofft, >ald wieder zu ihrer früheren Rotte im Wirtschaftsleben unserer Stadt erheben. Der Dritte Landesparteitag her Deutschnationalen Volkspartei in Gietzen. Sieben, 28 Oktober 1921 Die durch die Tagespreise angelünbigt. findet eu Beginn W 28 Oktober der dritte LandeS- parteitag d. r hessischen (deutschnationalen) Votts- partc. in Sieben statt und wird noch Samstag u»d Sonntag dauern. Fü>. (Ziehen gewinnt Der Parteitag besondere Bedeutung dadurch, dah eS der erste dieser Art ist. der innerhalb seiner Mauern stattftndet. Eröffnet wurde die Tagung durch die Cit- eunq d s Erweiterten Frauen . Ausschuss^. der um 4 LH- ein' zahlreich besuchte Frauenversamm- lung im Gröftherzog folgte. Mit herzlichen Worten begruhte die Bor- sitzende dr-S irauen-AuSschusseS, Zrau Klara Äiti, fr>or-0,fenbach. die erschienen Frauen. Sie erinnerte daran, dah *um edlen Male auf der Tagesordnung der Bericht über die Aufgaben be3 La d Frauenausschusses stehe Zum ersten Male ist legenheit, wichtige Frauenfragen zu erörtern. Es gilt nun Fäden zu spinnen von Ort zu Cd, Tertrauen zu suchen in hei her Liebe zu Dvlk und Vaterland. Wenn anfangs, nach Gründung deS Frauenausschusses im Rovember p 3., die Aufgaben noch mehr oder minder unklar ttxiren. man nur tastend Vorgehen tonnte, ist nunmehr ein fest umrittenes Programm vorhanden SS gilt vor allem, mit allen Frauenfragen angehenden Ges tz sentwürsen bekannt und vertrau« zu werden, um Stellung dazu nehmen und die A g ord etei der Körperschaften über Wünsche und Anstände der Frauen unterrichten zu können. Daneben steht alS weitere, wichtige Aufgabe die Kleinarbeit in der Partei, daS ständige Werben, Araber hinein. Dewitz, die sozialen Degen'ähe fallen überbrückt werden Ader man suche sich nicht die ersten vier Schuljahre dazu auS. Mehr alS seither ist zu erstreben, dah der Aufstieg in eine höhere Schule erreicht würde durch erleichterten Eintritt und Scha sung von mehr Freistellen Insgesamt genommen füllt sich die Einheitsschule und Beschränkung der Prira schulen alS ein Gewaltakt ge^en die (Mtcrn dar, eine Pro- (etarifierung der Atnber, die aufs schärfste tu be- daS ständige Tätigsein. I lieber Ideen zur politischen Erziehung der deutschen Frau" sprach Frl. Rennert - Diesten Die Beschäftigung der Frau ist in den letzten sieben Zähren eine viel weitgehendere geworden. Vie darf nicht in den TageSfragon, die die ganze Welt und unser Vaterland berühren, vorüber- gehen Mil eisernem Willen muh sie sich mit Politik vertraut machen, eisernen Willen in der Durchfüh-ung der für richtig erkannten Ziele haben Gemeinschaftsgefühl ist notwendiger denn j Gerade dies ist eine Hauptaufgabe der Frau, mit starkem Willen da- zu fördern Es mutz aufhören, bäh eS d'itzt: politisch ’2v'" -in garstig Lied. Sie must a.7l'Ümpfen Leg« -cmütigen, frivolen Lebensgenutz, pecen das sinnlose Rach- jagen nach materiellen Gütern. Dem Geldprinzip de« modernen City - Menschen ist das Kreuz des Christentum« entgegenzustellen. Aur so kann unS die Zukunft von der jetzigen Lage erlösen. Als nächster Rednerin sprach Frl. Haumann- Darmstadt über .Schulfragen". 3n Hessen ist das neue Vo'.ksschalgesetz angenommen worden, mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt. Als Grundlage ist zu fordern, dah Politik aus der Schule zu bleiben hat und Religion hinein. Das vierte Gebot zu predigen ist nötiger beim je. Dann eine nationale Grundlage Liede zum Vaterland und seiner groben Geschichte. Erzählen von denen, die Deutsch'and grob und mächtig machten. An vt' seitherige Klasse. Ferner hat man bte Mittelschulen aufgehoben. Ihre segensreichen Wirkungen wird man nicht mehr verspüren. Gerade die Kinder werden sie sehr vermissen. Die erste Schule ist die Grundschule. Da müssen alle Selbst- in Gobelin gefertigte UlvUI 123 Fantaste u. Dlüsch Matratzen empfiehlt zu billigsten Preisen U4W Stockung in der Gasabgabe eintrete. — Bürgermeister Krenzien unterstützt die Ausführungen deS Vorredners. — Stadtverordneter Mann erklärt den schlechten Gasdruck mit unrationeller Ausnutzung der Kohlen. Das Gaswerk müsse den technischen Fortschritten entsprechend ausgestaltet werden. — Stadtverordneter Kraus- m ü 11 e r hätte gewünscht, dah die Aeutzerungen des Vorredners unterblieben wären. Er bedauert, dah der Leiter des Gaswerkes nicht bei dieser Verhandlung zugegen fei, um Auskunft zu geben. — Stadtverordneter Mann meint, die Befürchtungen Krausmüllers, dah seine Darlegungen dem Interesse der Stadt schädlich sein könnten, seien unbegründet. — Bürgermeister Krenzien schlägt vor, den Punkt, der mit aller Diskretion behandelt werden müsse, fallen zu lassen. Die Einfriedigung des Grundstückes Bahn- hv'str., dir Baugesuche des Schütze.'Vereins und der 5irma Heyligenstaedt & Co. werden bewilligt, die Errichtung eines 2ag€rfd?m>b€ia cu dem Lagerplatz der Firma Abermann von Bedingungen abhängig gemacht. Geaen die Anbringung von Fenstern in der Brandmauer des Hauses .Ost-An- läge 16 erhebt sich fein Widerspruch. Die Teilung der Hofreite Franks. Str. 33 wird unter gewissen Bedingung-n genehmigt. Ohne Gegenrede werden die Errichtung eines Pförtnerhauses auf dem 'Borgartengclänbe unb Erneuerung b r Cinfriebv gung des Grundstücke« der Firma Pr ppc u. Co., die Errichtung eines Anbaucs am ®a c.cigcbauLO auf dem Grundstück der Gefell chaft für Beton und öifenbeton, die Baugc uche des Prof. Brüning und de« Herrn Schlüter genehmigt. — Die Firmenschilder an den Häusern Frankfurter Strafte 69 unb Brandgasse 5 werben belassen. Für die Errichtung von vier R o t in o b • nungen im Landsturmlager wird ein Kredit von 145 000, für bauliche Herstellungen im Barackenbau der Alten Klinik em Kredit von 2000 Mark bewilligt. Die Heber nähme der Kosten für Weiftb Inder» arbeiten in der Wohnung deS D e icr« des Vers - Amtes im Barackenlager der Allen Klinik wird abgelehnt. Sie Preise für die BegräbniSplätzt auf dem den Israeliten übe lass ne-n Seil des Friedhofes am Rvbberg we.ben so erhöht, daft für das Grab eines Erwachsenen 375, für das eines Kindes von 3—10 Jahren 202 und das eines Kinde« unter 3 Zähren 225 Mk zu entrichten find. Die Beschlülse des Ferien-AuSfchus- 7 e 6 vom 1., 22 und 26. August werden bestätigt. Der Hessische Staat hat sich zur Erbauung von Beamtenwohn un.ien unter der Bedingung bereit erklärt, datz die Stadt Gieften ihren 'Beitrag dazu entrichtet. Es wird beschlossen, bat; dieser inoglichst in Fvnn von Gelände unb Materiallieserungen abgetragen werden soll. dttheater ."flbonntmtni flS sB.- irss ) WA xft? ÄK E a^st^svbr.- 6 IL“|» Ä ,Y dfiht . Sitzung der Stadtverordneten. G letzen, 29. Oft. 1921. Die Dauer der gestrigen Stadwerord- netenversammlung stand im umgekehrten Verhältnis zum Umfang der Tagesordnung. Da es sich bei den meisten Punkten um formale Angelegenheiten handelte, dauerte die Sitzung nicht übermätzig lang. Vielleicht wurden auch längere Debatten durch die immer noch sehr schlechte Akustik des Sitzungssaales verhindert. ES wurde übrigens in Aussicht gestellt, datz in der nächsten Sitzung diesem chronischen Hebel durch die bewährte Wandbetteidung nach Möglichkeit abgeholfen werden soll. Längere Zeit verweilte die Versammlung bei dem Bericht des Gaswerkes; handelte eS sich doch hier um eine Angelegenheit, die allgemein Anlatz zu Klagen gegeben hatte. Die schlechte Beschaffenheit deS Gases wird unstreitig durch die mangelhafte Belieferung GiehenS mit Kohlen bedingt. ES wurde beschlossen, bei den Reichs- und Landesbehörden Verwahrung gegen diese Zurücksetzung gegenüber anderen Städten einzulegen. — Die Vertagung des Bauprogramms trug zweifellos wesentlich zur Abkürzung der Sitzung bei. Bei der Wichtigkeit dieser Angelegenheit, die gegenwärtig noch eine besondere Bedeutung durch die Verwendung des ehemaligen Gefangenenlagers erhält, hätte sich vermutlich kämpfen ist. Das nächste Referat hielt Frl. Dr. iur. De- aen-Osfenbach über .Frauen al« Schöffen unb Gescküvorene". Der Vortrag, ber in mustergültiger Weise gehalten würbe, bildete wohl den attuellsten Teil ber ganzen Reibe unb wurde mit grobem Interesse, wenn, c« mub gesagt werden, auch nicht immer mit Zustimmung ausgenommen. Datz aber die Anregungen, die gegeben wurden, nicht unbeachtet blieben, beweist, datz man abends noch eifrig für unb wider debattierte. Frl. Dr. Degen führte au«: Heister Kamps ist entbrannt ob die Versprechungen, die im Artikel 109 unb 128 durch die Weimarer Verfassung gemacht sind, die Gleichstellung ber Frau dem Mann, eingehalten bald eing halten w.rden. Das Richtertum ist ein nationales Gut, da« sehr geschont werden muh Frauen unb Männer müssen sich richten lasten. Doch nur der Mann rieftet Wo bleibt die Gleichstellung? Die weiblifte Psyche ist von ber männlichen so verschieden, doch ist ber männliche Richter psychologisch nur wenig oder gar nicht vvrgcbildet Durch die Reform soll die Strafkammer in ihrem jetzigen Bestand beseitigt unb dafür ein gemischtes Gericht, ein gröberes Schöffen- gerieftt mit 2 gelehrten und 3 Laienrichtern, geschaffen werden. Die Frau soll zugezvgen werden wenn eine Frau ober ein Zugenblicher ungefragt ist. allein oder mit Erwachsenen. 2lls- >aim sitzt im Schöffengericht eine Frau, in der Straffammer zwei, im Schwurgericht fünf Frauen. Die Frauen also überall in bei Minderzahl. Eine Verurteilung ober einen Freispruch kann sie nicht berbeifüftren, allein im Schwurgericht, wenn alle fünf Frauen wirklich einmal einer Ansicht sein sollen, ist ein Freispruch burch sie möglich. Diese Befreiung der Frau vom Laienrichter- amt ist ihr leicht gemacht. Doch ist au fordern, da stkeine Frau, wenn es irgend geht, ablehnt, damit nicht nur sensationslüsterne Weiber zum Schaden der Rechtspflege richten. Zu fordern ist, bab bei allen SitllichkeitsdeliLen bie Frau mitsitzt. Als letzte Rednerin sprach nochmals in überaus warmen zu Herzen gehenden Worten Frau Klara Klingspor über bie „Äanbibatenfrage“. Der Degrübungsabend, ber im .Einhorn" um 8 Hhr seinen Anfang nahm, vereinte eine unerwartet grobe Zahl von Freunden, so datz ber grobe Saal zu Nein wurde. Gesangsvorträge, von Frau Elsbeth Blank, bie mit Recht groben (Beifall ernteten, Rezitationen von Frau Mendelsohn Bartholdy, ebenfalls mit reichem Beifall »edacht. Musckstücke. Prolog brachten reichhaltige Abwechslung. Ramens ber Siebener Ortsgruppe begrübte beten Dorsitzenber. Herr Oberpostinspek- tor Kohlhaase. BilligeKleider und Blusen erhalten Sie durch Se)h*tfttrbcn wie neu mit Wiki-Haushaltfarben Waschechtes Schwarz auf wollene Strümpfe. Schönste Gard inen fnrben. Herrliche Eierfarben. 40jährige eigene Fach kenn’nise der Hersteller. Beste Güte. Verlangen Sie nur »Wiki“ und Sie werden zufrieden sein. Die Einteilung der Stadt Gietten in Wahlbezirke für die La ndta gS- wahl am 27. Rovemb?r 1921. Bürgermeister Krenzien crLä.t, ba t alle Wü sche naiüvlbft nicht erfüllt worden fonn.cn Man habe sich bei der Reueinteilung der Wahlbezirte an da» Prinzip gehalten, je 2500 Einwohner in einen Bezirk zu vereinigen So seien 18 Wahlbezirke vorgesehen. — Stabtv. Wachte! wünscht, datz den Kranken, die nicht in ber Lage feien, da« Wahllokal aufzusuchen. ® ?Ieicnbcit g qe" en werde, ihr Wahlrecht bei einem „fltcgenuc.i“ Wahllokal auszuüben. — Stabtv Frau Raumann meint, datz dies gesetzlich zulässig sei, was aber Bei- geordneter Dr. Leib bestreitet. — Stadtv. Vetters weist daraus hin, datz ber vorn Stadtv Wachtel angeregte Vorschlag vor allem für die Insassen der Kliniken in Frage käme, falls sich dort eine gröbere Zahl Wähler chiigtei auf halten sollte. — Stadtv G oer tz hat nod) einiges au«- zusehen an der Einteilung der Wahlbezirke. Das Darlehen an den oberhefsifchen VereinfürinnereMission wird in Höhe von 15 000 Mark mit 2peozentiger Rückzahlung genehmigt. Die Polizeiverordnung zur Erhaltung der Sicherheit unb Orbnung in unb vor dem Stadttheater wurde genehmigt. DieHergabedes OSwaldSgarten« für Veranstaltungen wirb m Zukunft an bie Bedingung geknüpft werden, datz um 10 Uftr abend« jegliche Musik einzustellen ist. Für die Herrichtung desViehmarkt- Platzes am Güterbahnhof werden 50000 Mark bewilligt Roch in biefem Jahre sollen, wenn möglich vier Viehmärkte abgehalten w.rden. und zwar zwei Rindvieh- und zwei Sd)weinemärkte. Für 1922 sind 22 Schweine- unb 22 Rindermärkte geplant. Die sportliche Benutzung deS Viehmarkte« soll zunächst nicht eingeschräntt werden. Das Gesuch des Heinrich Rusch II. um Erweiterung feines Wirtschaftsbetriebes Kanzlei- berg 5 wird abgelehnt, dagegen das Gesuch der Peter Sommer Ehefrau um (Xrlaubnic zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Steinstratze 23 angenommen. Hm 63/4 Hhr wird die öffenlliche Sitzung geschloffen. I M| si- WWij Jitnßbcni iMmni * ■Ile Hautuoreinlgkeilen u.HauUustcbllge w.Mitester, Finnen, Pickel, uiw.xu vertreib., besL in Ugl.Weschungen m. d. echten □axluwxAQrd - ^jersdxroebzL - von Bergmann t Co., RadAeuL überall erhlltlicb. Stimmen ans dem Publikum: „Ihr PALATOL habe ich ni wirkunaSvoll nuftorobiert bei erhnuvicu unb «h ivve. Scbnupien kenne ich nicht mehr. Ein GrioveanfaU, auevit tu beiden Beinen, dann im Cbertöroer imö vnlfc wurde durch lägliche (finreibimn von Wrint,Jftuaeti und Beinen in 2 Tonen behoben, bin Mrivvc« an fall meiner »rau war in 1 Tagen tuen.' Palatal zu haben in Anoiheken, Drogerien und Resorinhansern. Flasche 12.—. 11 Anwefend sind Bürgermeister Krenzien, die Beigeordneten und 30 Stadtverordnete. Dem Gesuch der Freiwilligen Sanität S k o l o n n e vom Roten Kreuz um Gewährung eines Jahres beitrage« wird gemätz dem Antrag des Finanzausschüsse« in der Höhe von jährlich 5000 Mark entsprochen. Ohne Widerrede werden 10 000 Mark für die Hng lücklichen von Oppau genehmigt. Trotz der priiyipiellen Dedenlen. bie dem Gesuch der Hniverfität um einen jährlichen Zu- schuh für das Institut für Körperkultur entgegenstehen, ba der Staat hierfür zuständig ei, werden doch in Anbetracht der hohen Bedeutung, die dieses als erstes von ber Universität Gietzen ins Leben gerufene Institut in der heutigen Zeit hat, für die Dauer von drei Jahren jährlich 1000 Mark bewilligt. Die Beitragserhöhung an den Verein für Gesundheitspflege wird, ba eS sich nur um 34 Mark im Jahre handelt, widerspruchslos bewilligt. Ebenso wird die Erhöhung des an den Verband Hessischer De r k e h r s ve r e i n e zu zahlenden Betrags von 50 auf 75 Mark angenommen. Es wirb beschlossen, 5 Freitische beim (Siebener Studentenheim zu gewähren, wofür bie jährlichen Ausgaben auf 5000 Mark veranschlagt werden. Die Gesuche des Kaninchenzuchtvereins und des Vereins Kanaria um Stiftung von Ehrenpreisen werden abgelehnt. Der Bericht des Gaswerkes wendet sich gegen den Vorwurf, datz das Gas in Gietzen autzergewöhnlich schlecht sei, den Stadtverordneter Fourier in der Sitzung vorn 23. September erhoben habe. — Stadtverordneter S i - mon meint, dah dieser Vorwurf doch wohl eine gewisse Berechtigung habe: es müsse fest- gestellt werdetr, woran es liege, datz ber Gasdruck so gering sei. Der Grund sei darin zu sehen, dah daS Gaswerk zu schlecht mit Kohlen beliefert werde. Hierin müsse eine Aende- rung eintreten, so datz bie Kohlenbelieferung mit der wachsenden Gasabgabe Schrttt halte. Redner bittet, eine Eingabe an den Reichskohlenkommissar und die hessische Regierung zu richten, dah Giehen besser mit Kohlen versehen werde: es könne sonst passieren, dah eine völlige USD■ Motorräder neueste Typen 3 PS neuestes Modell sofort lieferbar IUI7C Auto-Schneider Marburger Str. 68 Telephon 2057 Hotel Schütz Morgen Sonntag: Große* Familienkonzen Anfang '/,8 Chr abend* W < M 8.W irre/efl ,4 mm llo' Continental U‘"c Fernsprecher: Diehen 1587. Bad Homburg, Promenade 18 8627h o i# Giehen Walltorsttahe 46 Grohen-Linden Ludwiystrahe 28 Frankfurt a. M.,West Adelbcrtitraße 26 Goethestraße 32 Abend-Kurse in Buchführung Stenographie Maschinenschreiben Beginn 1. Novbr. Stachel- und Joharrnisbeer- Hochstämme Auto-Bereifung alle Größen und Profile sofort lieferbar t'MilKGhWt in orrlcbteb. AuSlilhrunw (idlrium=üarbiö In allen Sörnunnen He* fett iolori ad Kauer Carl tiaorlho, Wetzlar. Badndot'iruste. 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Wer bie im Schotten beS Dreibundes fröhlich qcbeiöcrtbe Irredentist en hetze von ehedem kennt, wirb Dir Begleiterscheinungen bei amtlichen unb nichtamtlichen Danteseste deS Königneichs Italien hon heute gelassen hinnehmen. Ich weitz Wohl, mancher Deutsche ist ber Meinung, batz das Ber- halten ber Italiener unS zum Derzicht aus öf- seiitlichc Huldigungen vor dem groben Dichter Italiens hätte veranlassen- müssen. Ader warum sollte ber italienische Mitzvrauch mit Dem Ra- men Dantes bie beutsche Einschätzung Dantes berühren Y Etwas anbereS toärc es. wenn Dante ^ebiglich Den Italienern angehörte, wenn bas deutsche Dantegedenken gleichsam nur mit italienischem Atem leben könnte Aber ber beutsche Geist hat sich längst tn einem besonders tiefen Sinne bem Dichter zu eigen gemacht. Unb überbieS: Tante, bem „Italien" ein GefühlSbesiy war, wollte bl« serva Italia, daS geknechtete Lanb von ben inneren Röten befreit, nicht aber zur Herrin über andere erhoben wissen. Er träumte nicht von Dem auf sich selbst gestellten Italien, er reDcte sich nicht in Den bequemen Fremdenhatz hinein, wie ihn einige Jahrzehnte spater Petrarca tn volltönenden Dersen au Erhebung ♦ Belehrung Aus der Entstehungsgeschichte des Völkerbundes. Zur Charakteristik des dem Versailler Vertrage einverleibten Völkerbundspakies hat Wohl niemand so interessante Beiträge veröffentlicht als der Staatssekretär des Auswärtigen im Kabinett Wilsons, Herr Robert Lansing. Sein Buch, „Die Versailler Friedensverhandlun qe n" (Verlag von Reimer Hvbbtng, Berlin), in dem er seine persönlichen Erinnerungen an das Pariser Zusammenwirken mit Wilson niederlegt, wird gerade setzt wieder aktuell, da vieles, was dieser praktische Staatsmann gegen die verdrehten Wilsvnschen Theorien vvrbrachte, Amerikas Halmng aufter bevorstehenden Washingtoner Konferenz nachhaltig beeinflussen dürfte. Die Völkerbundsfragen sind der Hauptinhalt des Lansingschen Buches, und wir geben daraus, um die neueste Genfer Entscheidung zu illustrieren, einige denkwürdige Abschnitte hier wieder: Der Völkerbunds Pakt sollte nach Absicht seiner Stifter der größte internationale Pakt sein, der jemals in der Weltgeschichte zu Papier gebracht worden war. Gr sollte die Maxima Charta der Menschheit sein, die den Völkern ihre Rechte und Freiheiten garantierte und sie zur Wahrung des Weltfriedens miteinander verband. Es mußte aber von vornherein ein unmögliches Unternehmen sein, in elf Tagen eine solche Weltcharta großen Stils und ewiger Dauer produzieren und gleichzeitig die widerstrebenden Meinungen der verschiedenen Kommissionsmitglieder, deren weit auseinandergehende Ansichten nur allzu gut bekannt waren, miteinander in Einklang bringen zu wollen. Wie wahr diese meine Behauptung ist, beweist das schließlich zustande gekommene Dokument zur Genüge. Um einen voll ausgearbeiten Volkerbunds- plan in so kurzer Zeit durchzudrücken, bedurfte es einer überragend starken Persönlichkeit in der Kommission. Eine solche Persönlichkeit war Wilson. Indem er sich zum Fürsprecher einer Oligarchie der Großmächte machte, brachte er die gefährliche Opposition der französischen und britischen Ausschußmitglieder zum Schweigen, so daß diese bereitwilligst kleinere Mängel des Planes unter der Voraussetzung übersahen, daß dieses Konzert der Mächte, der F ü n f b u n d, in den Pakt mit ausgenommen wurde. Vermutlich fanden auch die Japaner und Iteliener aus dem gleichen Grunde den Wilsvnschen Plan durchaus annehmbar. Wilson trug einen großen persönlichen Triumph davon, jedoch nur durch die Preisgabe des fundamentalen Prinzips von der Gleichheit der Rationen. In seinem eifrigen Bestreben nach der „Sicherung der Welt für die Demokratie" opferte er die internationale Demokratie und machte sich zum Fürsprecher der internationalen Autokratie." Am 6. Mai, also am Tage vor der Ueber- reichung des Friedensvertrages an die deutschen Bevollmächtigten, fühlte ich mich durch die Frie- densbedingunqen veranlaßt, eine Aufzeichnung zu machen, die ich überschrieb: „Der größte Kriegsverlust", womit ich den für die Menschheit im allgemeinen verlorengegangenen Idealismus meinte In dieser Aufzeichnung schrieb ich über den Völkerbund folgendes: „An Stelle des gewissen Quantums von Ide- ' alismuS, mit dem ter Völkerbund zuerst durchtränkt war, ist durch den Einfluß und die Intri- gen ehrgeiziger Staatsmänner ter alten Welt die offene Anerkennung des Grundsatzes getreten, daß Gewalt unb Selbstsucht die maßgebenden Faktoren ter internationalen Zusammenarbeit sind. Diesem Rückfall in den zynischen Materialismus ist der Völkerbund erlegen. Er ist kein Geschöpf des Idealismus mehr. Seine ursprünglichen Quellen sind vertrocknet, die ursprünglichen Grünte für seine Aufrichtung hat man so gut wie vergessen. Es besteht die Gefahr, daß der Völkerbund ein Bollwerk _ ter alten Weltordnunq und ein Hindernis auf dem Wege wird, die Menschheit wieder unter den Einfluß derjenigen Kräfte zu bringen, die ihr verlorengegangen sind." Die Mutter einer ganzen Stadt. Von Bruno Frank*). Wie Frau Cornelius selbst noch bestimmt hatte, wurde nach ter Rede des Geistlichen mein Trauergefang für gemischten Chor op. 23zzu Gehör gebracht, damit war die Feier beendet. Meine Töne klangen mir im Ohr nach, und ich stand noch eine Weile am Grab, während um mich her scharrende und patschende Schritte sich entfernten. Eine Hand legte sich auf meine Schulter. „Wollen Sie mit mir in die Stadt zurückfahren, Drvtersen?" Ich blickte auf. „Oh," sagte ich verwirrt. „Gewiß. Gerne. Danke vielmals, Hevr Medizinalrat." Er faßte mich leicht am Arme und wir stiegen draußen in den Doktorwagen. Meine Gedanken wenteten sich auf die alte Dame, von deren Bestattung wir heimfuhren, und ich empfand, daß sie mir fehlen würde. Freilich war die Zeit schon lange vorüber, da ich mir jcte Woche oder jede zweite Woche von ihr hatte aus der Verlegenheit helfen lassen. Aber mit wem würde ich je so gut vierhändig spielen wie mit dieser siebzigjährigen Frau! Und wie traurig, ihr schönes altes Gesicht nun nie wieder zu sehen .. Wirklich, ich wußte, was ich verlor. „Die Leute wissen ja nicht, was sie verlieren," sagte der Medizinalrat plötzlich aus seiner Ecke. „Haben Sie gezählt, Brotersen, wie viele da waren? Es können noch nicht zwei Dutzend gewesen sein." „Ja," entgegnete ich. „Es ist ein sonderbares Schicksal für eine Mutter, wenn ihre vielen, vielen Kinder sie alle verleugnen, Brotersen." *) Bruno Frank, ter bekannte Dramatiker, dessen wertvolles Schauspiel „Die Schwestern und die Fremde" wie anderwärts auch auf ter Gießener Bühne so tiefe Wirkung auslöste, hat im Musarion-Verlag, München, eine Rovcllen- famnüung „Gesichter" erscheinen lassen, in ter sich Frank als Dichter und Psycholog gleich groß erweist, und der wir die vorstehende feine Probe entnehmen Ich erschrak und sagte in sanftem Ton: „Sprechen Sie von Frau Cornelius, Herr Medizinalrat?" „In ter Tat, mein Lieber" — er blickte mich an und hatte die Stirn gefaltet — „von ihr und ihren Kindern. Geschickten Kindern, klugen, starken, oh! Run, kein Wunder bei einer solchen Mutter." „In ter Tat," wiederholte ich betreten. Frau Cornelius war vierzig Zähre lang Witwe gewesen und kinderlos gestorben. Wir fuhren eine schnurgerade Landstraße, immer den Gleisen der elektrischen Bahn entlang. Vor fünf oder sechs Jahren hatte die Stadt den neuesten Prinzipien gemäß ihre Friedhöfe weit hinaus verlegt. Unser Wagen kam jetzt an ten ersten Baulichkeiten vorüber, Lagerhallen zumeist und roten Fabriken. „Wissen Sie zufällig, Brvtersen, wem die Zellulosefabrik da gehört, ja, das Etablissement mit den riesigen Holzstapeln? Dem jungen Moorberg, nicht wahr? Sehen Sie, das ist so ein Kind. Alles, was hier bei uns im letzten Jahrzehnt in die Höhe gekommen ist, mit Clan in die Höhe gekommen meine ich, nicht so auf die alte, filzige, verhockte Art, das sind lauter Kinder von Frau Cornelius. Run, sagen Sie etwas!" Ich schwieg in Verwirrung. Er kehrte sich mir ganz zu und sah mich gütig an. „Wissen Sie wohl, Brvtersen, daß Ihre alte Freundin seinerzeit die schönste Frau war, die . . . nun also: die schönste Frau. Aber Sie können es ja nicht wissen. Wahrscheinlich haben Sie nie ein Zugendbild von ihr zu Gesicht bekommend' „Rein, allerdings . . ." „Sie liebte ihre Schönheit nicht, Droderscn. Sie hatte nicht viel Gutes davon gehabt!" „Die Ehe war wohl nicht glücklich gewesen?" fragte ich zaghaft. „Ganz recht, nicht glücklich. Sie hatte völlig die Lust verloren an diesen Dingen. Und überhaupt war sie vielleicht nur darum in unsere Stadt gezogen, weil wir berühmt waren für unsere Krähwinkelei, weil sie sicher sein konnte, bei uns keine eleganten und geistreichen Männer zu finden, nichts Gefährliches, wissen Sie, Broder- sen, keine Löwen! Sie hatte genug." Er rief jetzt: „Meistens sah sie zu Hause und spielte ihren Dach, und fast niemand hatte die Gelegenheit, sich ihr zu nähern, aber alle dachten doch an sie — das ja! Man sah sie wohl einmal ausfahren in ihrer Equipage, es war die erste Equipage bei uns, damals. Und mitunter sah man sie auch gehen, selten freilich, doch es kam vor . . ." „Ach, ihr Gang!" sagte er nach einer Weile mit wiederum veränderter Stimme. „Und immer hatte sie schwarze Kleider zu ihren blonden Haaren. Aber was die Leute vollends toll machte, Brvtersen: sie trug den Hals bloß, immer bloß, obgleich es gegen die Mote war. Riemand konnte diese Biegung vom Kinn gegen die Brust hin ansehen, ohne zu zittern. Da war ein junger Kerl, irgendein Student oder Kandidat, oder was er vorstellte: er kommt eilfertig aus einem Haustor heraus und fällt buchstäblich gegen die Mauer, mit offenem Mund und plötzlich ausgehöhlten Wangen! Ich habe es selbst gesehen." Mir in meiner Wagenecke lief ein Schauer über ten Rücken, denn es war mir zu QKute, als hörte ich ein Gespenst von einem zweiten schwärmen. Der alte Herr machte eine Geste zu mir herüber, doch ohne mich anzublicken. „Die Stadt war ein Rest damals, ein Provinzschlupf, rein gar nichts. Die Leute träge und stumpf an Geist; Pack. Gleichgültig, aus Gewohnheit, brachte eine Generation die andere hervor. Da floh diese Frau zu uns her und verbesserte die ganze matte Rasse. Sie ging vorüber, und die Männer blieben stehen auf dem Weg zu ihren Geschäften: sie fetzten ten Weg rascher fort und dachten nicht mehr so ganz ausschließlich an ihre Geschäfte. Sie hatten eine fördernde Unruhe im Blute, sie saßen ein bißchen weniger ängstlich auf ihren Drehstühlen, reckten die Arme, lachten, verspürten leichtsinnige Gefühle von ter Herrlichkeit des Daseins und Freute am Risiko, und schlossen ein Geschäft ab, bei dem es gleich einmal um ein paar Tausente ging. Aber das war das wenigste, nicht wahr? Man begegnete ihr ja auch sonst. Sie kehrte vielleicht an einem Sommerabend von ihrer Spazierfahrt zurück, und man sah sie aufrecht im Wagen sitzen, mit leuchtenden grauen Augen und ganz ungebeugt unter ter Last ihrer goldenen Krone. Alle aber, die sie so erblickten, wurden ja zu derselben Stunde irgendwo erwartet: die Bürger zu Hause von ihren Frauen und die jungen Leute da und dort. Und alle setzten wiederum ihren Weg rascher fort, mit entzündetem Blut und verändertem Herzen. Die Frauen daheim waren an diesem Abend nicht weniger häßlich als sonst, und die jungen Mädchen so gewöhnlich wie immer, aber sie mochten sich verwundern . . , Rur hätten sie alle miteinander Unrecht gehabt, stolz zu fein, man trug ein Feuer zu ihnen, das sich anderswo entfacht hatte. Richt s t e wurden umarmt, nicht fiel Doch was sonst aus langer Weile entstanden war, das entstand jetzt in frischen Impulsen, gesegnet von ihr!" „Sehen Sie hin," sagte er beinahe heftig zu mir und wies auf die städtischen Gebäude und und Anlagen, an denen wir vvrbeirollten, „sehen Sie, was da alles steht! Kurbad, Kurpark, Großes Kasino, Reues Schauspielhaus. Seit wann ist das alles da? Cs sind ihre Kinder, die es hingestellt haben." Er hielt einen Augenblick inne. „Ich weih ganz gut, Brvtersen," sagte er dann mit einer Art von Lachen, „daß Sie mir jetzt den Ruf ruinieren können. Wenn Sie es wollen, bin ich in ein paar Stunden erstens ein Rarr und zweitens ein . Aber sehen Sie, was ist in meinen Zähren ter gute Ruf! Die Würmer nehmen sogar ten, ter aus gewissen Grünten ohne Kopf bei ihnen ankommt. Und übrigens, ich glaube, Sie sind gar nicht so." Ich entgegnete etwas. „Eben, Drvtersen, eben. Und da werten Sie vielleicht auch begreifen, warum ich das alles erzähle. Ich habe mich geärgert, es war doch recht niederschlagend da draußen. Fast kein Mensch außer ten Lieferanten." I„Das ist wahr." „Ich meine übrigens auch, man könnte einverstanden mit mir sein. Woher stammt denn die so unermeßlich erhöhte Detriebsamkeit in diesen letzten Zähren, das Verlassen aller kleinlichen Traditionen im Gewerbe und im Handel, ter Zug ins Weltbürgerliche? Etwa vorn allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung? Aber das ist ja das Seltsame, daß die Stadt nie teilgenommen hatte an ter allgemeinen Entwicklung, daß sie vor fünfzehn Zähren noch ein Stiefkind war, beinahe lächerlich. Und heute — sie ist beinahe eine Metropolis. Wo anders als bei uns entsprangen zum Deispiel die Kanalpläne, die für die ganze Provinz und für halb Rorddeutschland von so ungeheurem Rutzen zu sein versprechen! Cs ist nicht der Zug ter Zett, es sind die Kinder von Frau Cornelius, die nun erwachsen sind." Er lächelte mich an. „Das ist nicht alles, Drvtersen. Hat man je davon gehört, daß diese Stadt einen ,Geist' hervorgebracht hätte, einen selbständigen Gelehrten meine ich, einen Künstler, einen Autor von Ruf? Za, Eberhard Hengstenberg war hier ansässig, ter alte Silhoueitenschneiter. Run, ich habe nichts von ihm gesehen. Und dann hat ein schwindsüchtiger Schulmeister bei uns gelebt, mit Rainen Krummholz, ter Anno 1747, als das Sterben war, ein Carmen auf die Pest verfaßte, fünfundneunzig lateinische Strophen. Das waren unsere großen Söhne. Und jetzt, seit ein paar Zähren I Da haben wir den jungen Tieffenbach. Er ist noch keine dreißig, aber seinen Dichtungen gesteht man heute schon den höchsten Rang zu, überall. Ich will ja nicht tun, als verstünde ich etwas von diesen Dingen, ater er hat Liebeslieder, die wahrhaftig etwas vollkommen Reues sagen. Und dann Hugo Steinhart, ter Seemaler, das ist doch ein Genie, nicht wahr, ich denke, Sie müssen mir beistimmen? Ah, wir sind vor Ihrem Hause — Franz!!" Der Wagen hielt. Ich öffnete den Schlag und schickte mich an zu danken. „Ditte, gar keine Ursache. Uebrigens, daß ich es nicht vergesse: Ihr Trauerchor draußen hat mir Eindruck gemacht. Wirklich stimmungsvoll, wirklich feierlich. Wie alt sind Sie jetzt, Drvtersen? Reunundzwanzig? Ah, Auf Wiedersehen also, und empfehlen Sie mich bestens Ihrem Herrn Vater!" Die Igelei/) Von Toni Rothmund. gelacht worden. So kicherte nur Malchen ein wenig hinter ihren Stacheln. Der Fuchs wischte sich mit feinem Schwanz das Dlut vom Gesicht und fuhr fort, mit einer liebenswürdigen Stimme zu reden: „Soviel ich gehört habe, wollen die Mäuse ja heute Hochzeit halten: es sind dreißig Glühwürmer bestellt, und die sämtlichen Grillen sind aufgeboten, um zum Tanz aufzuspielen. Frau Irmels älteste Tochter oll sich mit einem altadeligen Mausbock vermählen. Die weihen Mäuse haben ihr Erscheinen eben- alls zugesagt. Ich fing neulich eine, die schmeckte ausgezeichnet. Man merkte, daß sie mit Zuckerbrot und Weizen fett gemacht worden war. Und dabei sind sie leicht zu kriegen, weil sie ein bißchen dumm sind." Der Fuchs wartete die Wirkung einer Worte ab und beobachtete die Igel aufmerksam. Vater Troll seufzte, als er so von Mäusen reden hörte, daS Wasser lief ihm im Munde zusammen, aber er wickelte sich nicht auf. „Uns hat man natürlich nicht eingelaten zum Fest," fuhr der Fuchs fort. „Und wir brauchen uns das eigentlich gar nicht gefallen zu lassen. Ich hörte schon, dah sich auch Amalie, die-F.edcrmaus, beklagt hat, daß sie keine Einladung bekommen habe. Ich habe nun eine Schrift aufgesetzt, in ter ich mich beim Mausekönig gant entschieden über diese Richtachtung beschwert habe. Ich sammele Unterschriften, und möchte auch um Ihren werten Namen bitten. Vielleicht darf ich Ihnen die Schrift einmal vorlesen?" Der Igel grunzte etwas, was „meinetwegen" heißen konnte, und ter Fuchs begann. Ein Papier hatte er aber gar nicht, er sagte alles auswendig. „Und hier käme dann Ihre Unterschrift hin: Troll, der Igel," schloß der Fuchs. Der Igel rührte sich nicht. Heide guckte. „O weh, o weh, o weh, Herr Troll ist ohnmächtig geworden!" rief nun der Fuchs mit geheucheltem Mitleid. „Ich dachte es mir gleich, dah es ungesund sei, wenn man sich bei diesem warmen Wetter so fest zusammenrollt. Zum Glück habe ich die erste Hilfe bei Unglücksfällen gelernt. Ohnmächtige müssen mit kaltem Wasser begossen werten. Leider ist keines hier, ich werde daher den Kranken vorsichtig in den Dach rollen." Der Igel rührte sich noch immer nicht. Der Fuchs aber begann nun wirklich, ihn fortzurollen, und Heide stand auf und schlich hinter den beiden her, gefolgt ten fünf Igelchen, die in ihrer Unschuld meinten, Papa fei es wirklich schlecht geworden, und ter Fuchs wolle ihn wieder gesund machen. Sie waren eben noch sehr dumm. So Die Rächt war schwül. Die kleine Hette hatte sich schon lange im Dett herumgewvrfen, jetzt stand sie auf, öffnete die Tür und trat vor das Haus. Es war eine weihe Rächt und so still, dah man das leise Rascheln der Insetten hören konnte. Die Dlumen und die Gräser, der Ginster und das Brombeergeranke waren nah vorn Tau. Heide ging zu ihrem großen Stein in ter Mitte ter Halde und streckte die Glieder auf die kühle Platte. Sie lieh sich ganz vom Mondschein überrieseln und durchleuchten. Ueter ihr prangten die vielen glitzernden Sterne, unter ihr in ter Ebene glänzten die Lichter von Dörfern und Städten. Auf einmal hörte sie neben sich ein kleines Husten, und gleich darauf sagte jemand: „Seid ihr alle da?" „Za!" schrien mehrere Stimmen. Heide beugte sich vorsichtig über den Rand des Steines und sah Herrn Troll, ten Igel, mit seinen fünf Zungen im Mondschein spazieren gehen. Gerade etwas unterhalb des Steines machten sie halt, und Herr Troll sagte: „Wo blieben wir das letztemal stehen?" „Deim Fuchs!" schrien die fünf Igelchen. Sie hatten sonderbar schrille Stimmen, und was sie sagten, Hang wie ein scharfes Pfeifen. „Ganz recht, beim Fuchs!" wiederholte Herr Troll. „Also, ich sagte euch, daß er an ter Spitze unsrer Feinde steht. Wie retten wir uns vor dem Fuchs, Malchen?" „Indem wir, intern wir —" stotterte Malchen und blieb stecken, denn sie war ein etwas leichtfertiges Igelchen und hatte das letztemal nicht ordentlich aufgepaht. Dafür wurde sie nun von ihrem Vater mit einem Stachel in die Schnauze gepickt und schrie: „Autsch!" Herr Troll aber sagte: „Das geschieht dir ganz recht. — Hans, mein Igel, antworte du!" „Indem wir uns zusammenrollen und die Stacheln sträuben," sagte Hans. „Richtig!" lobte Vater Troll. „UeberHaupt sind wir allen Geschöpfen gegenüber im Vorteil, denn wir haben Stacheln. Richt mal ter Mensch hat Stacheln: er hat nur Haare, die ihm nichts nützen, denn er kann sie nicht sträuben und nicht damit stechen." In diesem Augenblick sagte eine höfliche Stimme: „Ci, guten Abend, meine Herrschaften! Sieh da, sieh da, welche Freude! Die ganze Igelei auf einem Haufen!" Es war der Fuchs, ter so sprach, und Heide schob sich bäuchlings vorwärts, so daß sie mit dem Kopf über den Rand des Steines fortgucken konnte, stützte das Kinn in die Hände und schaute zu. Troll stteh einen Pfiff aus, und sogleich rollten sich alle Igel zu runden, von Ganzen starrenden Knäueln zusammen. Der Fuchs fetzte sich zu ihnen Hin, denn solange sie nicht aufgerollt waren, konnten sie ihm auch nicht davonlaufen. „Schöner Abend heute!" sagte ter Fuchs und schielte die sechs Stachelkugeln nach ter Reihe an. „Recht so ein Igelwetter zum Spazierengehen. Die Luft so angenehm, ter Mond so hell, und alle Schnecken und Würmer unterwegs. Wenn mich nicht alles täuscht, sehe ich gerate dort eine allerliebste, saftige Schnecke in einem knusperigen .gelbgeringel- ten Häuschen." Hier konnte sich das vorwitzige Malchen nicht länger bezähmen, es rollte sich ein klein wenig auf uni) blinzelte unter seinem Stachelwald hervor und hielt nach der Schnecke Ausschau. Darauf hatte ter Fuchs nur gewartet, er sprang wie ter Dlitz auf Malchen zu, so daß sie knapp noch Zeit hatte, die Schnauze einzuziehen. Der Fuchs ater biß auf Stacheln und bekam Rasenbluten. Gr tat aber, als ob nichts geschehen sei, denn wenn die andern Igel etwas gemerkt hätten, wäre er auskam der Fuchs an den Dach, der von den (Bergen kommend neben ter Halde hersprang und sich weiter unten in das Tal stürzte. Der Fuchs redete die ganze Zeit tröstend auf den Igel ein. „Cs wird Ihnen jetzt vielleicht etwas schwindelig fein. Herr Troll: das kommt aber nur vom Herumgekugelt- toerten, und es gibt sich im Wasser, wenn Sie erst den Kopf unter dieser ungesunden Decke heraus- strecken und wieder Luft schnappen können. Sic verstehen doch zu schwimmen? Za? Dann ist di« Sache für Sie ja ganz ungefährlich. Hoppla!" Cs plumpste was: Troll fiel ins Wasser Was vorauszusehen war, geschah: jetzt muhte ter Igel mit feinem Kopf und seinen Füßen heraus- kornmen, um zu schwimmen, wenn er nicht ertrinken wollte. Daraus hatte ter Fuchs nur gewartet. Wie ein Pfeil schoß er auf ten armen Troll los und — hätte ihn gewiß erschnappt, wenn er nicht im selben Augenblick hinten am Schwänze feftge- halten worden wäre. Wütend fuhr er herum und schaute in Heides funkelnde Augen. „Schämen Sie sich, Sie alter Lügenbold!" rief Heide entrüstet. „Sie haben gar keine Schrift gehabt, es war alles Schwindel, ich habe es wohl gesehen! llnb nun wollen Sie den armen Troll fressen und seine Kinder zu Waisen machen!" „Lassen Sie mich los oder ich beiße Sie!" fauchte der Fuchs. Troll war mittlerweile wieder ans Land gekrochen und hatte sich eilig davongetrvllt, gefolgt von den fünf kleinen, dummen Igelchen. Als die tapfere Heide sah, daß sie in Sicherheit waren, ließ sie den Schwanz los, und toeil, es etwas plötzlich geschah, fiel der Fuchs auf feine Olafe und Heide setzte sich etwas gewaltsam ins GraS, und ter Fuchs bekam zum zweitenmal an diesem Abend Rasenbluten. „Sie haben mich um meinen Sonntagsbraten gebracht. Sie unverschämte Person!" bellte er wütend. „Run müssen meine armen Kleinen verhungern." „Den Igel hätten sie doch nicht vertragen können," erwiderte Heide, „ter hätte ihnen nur den Magen zerstochen mit seinen spitzen Stacheln!" „Die Stacheln ißt man nicht mit, Sie einfältiges Ding! Man dreht ten Igel herum und ißt ihn wie ten Ruhkern aus der Schale. Igelbraten ist etwas Köstliches, und selbst ihr Menschen verschmäht ihn nicht. Was wollen Sie, man will doch leben! Ich habe sagen hören, daß Sie einem immer in die Quere kommen, wenn man auf die Zagd geht. Wir sind nun einmal Zäger, und wir leben von ter Zagd. Sollen wir vielleicht ver- hungern, ist das Ihre Absicht?" „Ach," sagte Heide traurig, „es ist so entsetzlich, "daß immer ein Geschöpf vom andern leben muh I“ „Das ist nun einmal so. Wollen Sie die Welt anders machend „Rein, nein, aber ich kann nicht anders: wo ich ein Geschöpf in Rot sehe, weil ein Größeres, Stärkeres es fressen wlll, da muh ich dem Bedrängten beistehen. Wenn Sie einmal in Rot sind, dann würde ich Ihnen ebenso helfen." „Es wäre mir lieber, Sie liehen mich meiner Wege gehen, dann komme ich nicht in Rot. Was soll ich nun meinen Kleinen zu essen bringen?" „Ich will Ihnen ein Stück Brot holen," erbot sich Heide schüchtern. „Brot fressen sie nicht," raunzte ter Fuchs „Wenn Sie nicht unter dem Schutz ter Perle stünden, die sie um ten Hals tragen, dann würde ich mich an Ihnen selbst schadlos halten. So ist es leider unmöglich. Sie haben eben Glück!" Mit diesen Worten lief der Fuchs eingezogenen Schwanzes davon. Langsam ging Heide durch das taufeuchte Gestrüpp und tes weihe, rieselnde Mondlicht zu dem Stein zurück und streckte sich daraus nieder, ein Liedlein vor sich hinsummend: „Was soll ich Glück bellhen? Bin nur ein Findelkind! Mein Dett ist Moos und Heide, Mein (Brüter ift der Wind — “ *) Rachstehente Dichtung ist teb soeben im Verlage von Levy & Müller in (Stuttgart erschienenen Märchenerzählung „D ie Dernstein- perle" von Toni Rothmund entnommen. Prachtausgabe in 4"- Format mit acht farbigen Vollbildern und zahlreichen Tertillustrationen von Ernst Kutzer. Das Duch zählt zum Vesten auf dem Gebiete ter neueren ZugendliLeratur. Still lag sie da, mit dem Kopf auf dem zurück- gebogenen Arm. und schaute in ten Himmel bin- Iauf, bis ein Schlaf herunterfiel und sie zudeckte. Lind die Sternlein hielten mit hunderttaufend Augen über ihr Wache.