Erstes Blatt 1?1- Jahrgang Montag, 29. August 1921 leit könne Deutschland noch vor einem bladen Mord skrupellos zu einer bah beutfcfcniitrnik Kreise nur die rückhaltloseste Verurteil Partei bürgerlichen Mittelparteien dazu bereit seien", so mühte die Reichsregierung bestrebt fein, kühles Vlut sich zu bewahren und in ihren Kundgebungen alles zu vermeiden, was die innerpolitischen Gefahren verschärfen könnte. Bewegung wollten. ' Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Preis für I mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.: für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite I80Pj Bei Platz. Vorschrift 20 „Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Dießen. Die Einsegnung der Leiche. Oppenau, 28. Aug. (Wolff.) Zu der für heute vormittag anberaumten Einsegnung der Leiche Erzbergers in der Kirche in Oppenau fanden sich u. a. ein: Der badische Staatspräsident Trunk Reichsposuninister Gies- berts. die Mitglieder der badischen Regierung, fast alle OlbgeD ebneten der Zentrumssraktion des lunq der GrieSbacher Schandtat. Die „Ratio- nallibcrale Korr." schreibt u. a.: „Darüber wollen wir uns ferner Täuschung hing den, bah der tiefste Grund für die Ausschreitungen politischen Hasses in der Verrohung der politischen Sitten liegt. Wenn man unausgesetzt von der äuhersten Linken bis tief in die Reihen der Sozialdemokraten die hemmungslose- ffen Hetzreden und Hetzartikel zu vernehmen bekommt, wenn in kommunistischen Ausständen mit Menschenleben umgegangen wird, als wenn es Spielsachen aus Holz wären, wenn die Jugend hinab bis in das Kindesalter mißbraucht wird für die Führung des Klaff enkarnptes, für die Verspottung und -V'rhöhnung jeber Autorität und Obrigkeit, bann wird man si»h «nicht tounbern, das) auch auf der äuhersten Gegenseite Kräfte entfesselt werben, bie sonst im Zaum gehalten worden wären. Es ist eine unsagbare Heuchelei, mir von der Ausartung einer verwilderten Zugend und verwildeter politischer Sitten auf der einen Seite zu sprechen, wenn gerade diejenigen, die am lautesten schreien, eben für die Verrohung der politischen Sitten und besonders der Zugend am meisten verantwortlich sind?' Wenn der „Vorwärts" wörtlich erklärt jjuir durch brutale Rücksichtslosig- Der Katholikentag inFrankfurt. Frankfurt a. M., 27. Aug. Durch feierliches Glockengeläate von allen katholischen Kirchen der Stadt wurde heute abend der erste Katholikentag seit dem Kriege eröffnet Der grobe Saal des Palmengartens vermochte die Erschienenen nicht zu fasten, so baß auch der anschließende Garten dicht gefüllt war Bereits am Rachmittag hatte der Augustinus- herein eine Versammlung abgehalten, zu der auch Reichskanzler Dr. Wirth erschienen war. Die Eröffnungsversammlun^ im Palmen» garten sand eine würdige Einleitung durch den Chorgesang „Die Himmel rühmen", an den sich ein von Mathieu Pfeil vom Schausvielhause meisterhaft vorgetragener Prolog und Schuberts Allmacht schloffen, gelungen von Emma Holi von der Frankfurter Oper. Hieraus wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden des Lokalkomitees, Landgerichtsrat Dr. Servatius, begrübt Mit dem altehrwürdigen katholischen Gruh »Gelobt sei Zesus Christus!" erinnerte der Redner, daran, daß seit der Generalversammlung in M?y nach achtjähriger Pause die Kathollten Deui.>-o' Den Beweis für Hetze aus. den Mord unmittelbar anstifteten, träten die Verleumder nicht einmal an Die Wirkung muffe Aufreizung zu neuen Verbrechen sein. Schon *- Zwischenfall in Zeih habe bie ganze Wut der Sozialdemokraten gegen bie immer mehr anschwel- lenbc nationale Bewegung gezeigt, aber bie national gesinnten Männer und Zunglinge würben mit starkem Willen ihre Rechte Derteibigen. Auch bie »Deutsche Tageszeitung" wendet sich gegen bie Bürgerkrieghehe unb sagt: Die Linksparteien täuschten sich über bie Situation. Heute wolle sich bas beutle Bürgertum eine Pöbelherrschaft nid) tmehr gefallen lassen, selbst wenn sie mit stillschweigender Billigung einer sogenannten Regierung errichtet würde. Die Linksparteien sollten sich hüten, zu Taten zu schreiten, die sich nachher ganz anders ausnähmen als vorher. Auch bie Organe der Deutschen Volks- Nr. 231 6ic,ener Anzeiger mit der Dienstagsbeilage ,5por1-Umschau" erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche vezuarpreise: Mark 5.- eiiischlietzlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drutztnach« richten: Anzeiger Kiehen. Postscheckkonto: Sranffiirt o. M. 11686. ungeheuerlichen der nationalen Stotz versetzen die Behauptung, gur Ermordung Erzbergers. Freiburg, 27. Aug. (Wolff.) Die von anderer Seite verbreitete Meldung, dah der eine der Mörder des Abgeordneten Erzberger bereits verhaftet worden sei, trifft, wie wir zuverlässig Horen, n i ch t zu. Auch ist es nicht richtig, dah die Leiche des Abg. Erzberger zu Tal geführt und aufgebahrt worden ist. Die Leiche ist vielmehr am Orte der Tat bie Rächt über verblieben, ba sie vor der Lieberführung burch ben Gerichtschemiker Dr. Popp- Frankfurt a. M., besichtigt werden muh. Dieser ist heute früh in Oberkirch cingetroffen und hat sich mit den Gerichtsbehörden sofort an ben Tatort begeben. Ob die Sektion der Leiche heute noch ftattfinbet, ist nicht bekannt. Griesbach, 27. Aug. Bisher fehlt von ben Mördern Erzbergers jede Spur. Fsst steht nur, datz sie ben beiben Herren folgten, sie überholten unb, als bie Herren Kehrt machten, plötzlich wieder vor ihnen auftauchten unb zuerst auf ben Abg Dietz schaffen. An der Leiche Erz- bergers fehlt ein Ring, ein Geschenk Des Papstes, doch ist anzunehmen, dah Erzberger ihn beim Sprung ober beim Abrollen von ber Böschung verlor. Erzberger war schon bei seinem Aufenthalt in Beuron Belästigungen ausgesetzt, bie bie Gendarmerie zu Rachforschungen veranlaßte. Erzberger glaubte in dem stilleren unb abgelcgeneren Griesbach sicher zu sein. Er war seit acht Tagen dort unb hatte bie Absicht, heute nach Frankfurt abzureisen, um am K a - tholikentag teilzunehmen. Heute nachmittag wurde die Leiche, bie auf Anorbnung ber Gerichts- kommiffion im Walbe liegen bleiben mutzte, m bas Krankenhaus zu Oppenau übergeführt. 1OO OOO Mark für die Ergreifung der Mörder ausgesetzt! Berlin, 29. Aug. (WTB.) Für bie Ergreifung der Mörder Erzbergers hat neben den 1 0 0 0 0 0 Mark, die bie Reichsregierund ausgesetzt hat, auch das badische Zustizministerrum eine Belohnung von 20 000 Mark ausgesetzt. Der Tatort war am Sonntag von tausenden besucht. 3n Peterstal bei Griesbach wurde gestern abend ein wichtiger Zeuge ermittelt. Die Erhitzung der Gemüter. Berlin, 29. Aug. (WTB.) Der „Montagspost" zufolge findet heute vormittag ein Minist e r r a t statt, ber sich mit ber innerpolitis ch e n Lage des Reiches beschäftigen wird. Die Gewerkschaften und bie beiden sozialistischen Parteien werden dem Reichskanzler eine Abordnung senden um auf die Reichsregierung einzuwirken, datz Maßnahmen gegen die Reaktion unternommen werden. Sozialistische Massen de mostration en. Berlin, 28. Aug. (Priv.-Tel.) Der Vorstand ter Sozialdemokratischen Partei Dei.lschlands fordert im „Vorwärts" für Mittwoch den 31. August, nachmittags 5 llhr, zuMassende mon st rativnen in allen Orten gegen den politischen Mord und für bie Republik auf. Ebenso ruft das Z-n ral o^i ce ter Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in ber .Freiheit" zu einer Massenaktion am gleichen Tage gegen das System des konterrevolutionären Meuchelmordes unb gegen die kapitalistische Ausbeutung und Volksausplüitberung auf. Berlin, 28. Aug. Dem „Berl. Tagebl." zufolge begibt sich der Reichstagspräsident Lobe nach Frankfurt a. M., um mit dem Reichskanzler Wirth über mehrere wichtige, im Zusammenhang mit ber Ermordung Erzbergers stehende Fragen Rücksprache zu nehmen. Kundgebungen zu dem Morde. Berlin. ?7. Aug. (Wolff.) Der.Vorwärts" erfährt, dah Verhandlungen im Gange sind, um einen einheitlichen Schritt sämtlicher gewerkschaftlicher Organisationen bei der Regierung zu erwirken, damit sie alle staatlichen Mittel anwendet, um der rechtsbolschewistischen Hetze den Boden zu entziehen, woraus die politischen Morde ber jüngsten Zeit und auch die Ermordung Erzbergers enffproffen seien. Einen ähnlichen gemeinsamen Schritt werden dem Blatte zufolge auch die beiden sozialdemokratischen Parteien unternehmen. Weiter kündigt bas Blatt eine groherepublika- nische Kundgebung an, bie in der nächsten Woche durch ganz Deutschland veranstaltet werden soll. Wie der „Vorwärts" mitteilt, treffen sich die Mitglieder des Bezirk svorstandes Der- l i n der S. P. D. am Montag im Bezirkssekretariat. um zu ber durch die Ermordung Erzbergers geschaffenen politischen Lage Stellung zu nehmen. I Badischen Landtags. 3n feierlichem Zuge unb unter großem Vorantritt wurde ber Sarg vom I Krankenhaus in die Kirche überaefübrt Eine un- Demokraten nutzten vor ausreichender Klärung des Sachverhalts * mit der sie einen tödlich n Ein Strafantrag. Berlin, 27. Aug. (WTB.) Laut „Lokal- anzeiger" machte bie Parteileitung ber Deutschnatiorralen Volke Partei gegen die Schristleitung ber „Freiheit" ein Strafverfahren anhängig wegen der Behauptung, baß in ber Leitung ber Deutschnationalen Bolkspartei bie A nftif ter des Mordes an Erzberger säßen Der frühere Fähnrich v. Hirschseld Berlin, 27. Aug. (WTB.) Bor 14 Tagen ist ber frühere Fähnrich v.Pirjch- feld, ber während des Erzberger Prozessen ein Attentat auf Erzberger machte, aus dem Gefängnis entlassen worben unb mehrere Zeitungen haben darauf auf merksam gemacht. Die Polizei hat denn auch Ermittlungen über ben jetzigen Aufenthalt bes jungen Mannes angestellt, bie aber bisher erfolglos geblieben sind. • B Ä - ’S 3*1“ fann. treib*" Dcijn ■IW JteiS«1 5^ .WlN, W' W* pcizei^ unb Abell entwarf. Rach der Kirchenfeier wurde der Sarg vor die Kirche getragen. Dort hielten Staatspräsident Trunk, Reichsminister Giesberts, Geistlicher Rat Schvser, der Führer der badischen Zentrumspartei, und zahlreiche andere Trauergäste warme Rachrufe, die das Leben und Wirken des Dahingegangenen würdigten. Alsdann wurde die Leiche wieder im Oppenauer Krankenhause aufgebahrt, von wo sie in die Heimat des Ermordeten, nach Biberach in Württemberg, übergeführt wird. Der Leichenbefund. Freiburg i. Br., 28. Aug. (Wolff.) Bei der gestern nachmittag erfolgten Obduktion der Leiche Erzbergers wurden im Körper sechs Geschosse gefunden und zwar im Kopf, im Hals, in der Brust und im llnterleib. Zwei haben den Körper ganz unb gar durchschlagen. Freiburg, 27. Aug. (WTB.) 3m Amtsgericht Oberkirch hat heute vormittag eine eingehende Beratung der in Frage kommenden gerichtlichen und polizeilichen Behörden stattgefun- den. Heute nachmittag wird die Sektion der Leiche des Ermordeten im Krankenhaus Oppenau vorgenvmmen werden. Rach den gerichtlichen Feststellungen wurde Erzberger zuerst durch einen Schutz in bie Stirn verwundet. Die Täter glaubten, da der Abgeordnete Diez bewutztlos zusammenbrach, ihn • tödlich getroffen zu haben, ba sie nur den schwerverletzten E rz - berget verfolgten. Die Mörder folgten Erzberger eine Böschung hinunter unb fanden ihn unter einer Rottanne wieder. Dort haben sie dem Schwerverletzten offenbar zwei f o genannt e Fangschüss e beigebracht. Die AuS schußstellen haben große Löcher in den Hinterkopf des Ermordeten gerissen, aus denen das Gehirn herauShängt. Die beiden Patronenhülsen wurden l1/, Meter davon aufgefunden. Die Leiche ist unberührt geblieben. 3n Offenburg wurden zwei 3nbivibuen verhaftet, die dem Abgeord- ueten gegenübergestellt wurden. Sie haben jedoch mit ber Tat nichts zu tun. Der Abgeordnete Diez ist gestern abend in seine Heimat abgereift. ßiell Arnohttt dl MisesAnE i Munt Wilson UJ von 5700 8u! Sirettor des Loser >r zugleich ts§S -sSS* ! i« »Ä» -nrvhr WS lch^,.der Himmel»' mten. g2J>pp£ lieft waren- Kommuniftische Rohheiten in Potsdam. Potsdam, 28. Aug. (WB.) Der Zuge n b b u n b ber Deutschnationalen Volkspartei hatte für heute in Potsdam eine .Erinnerungsfeier an die Schlacht von Tannenberg unter freiem Himmel geplant Da die „Rote Fahne" ihre Parteigenossen zu einer Gegenkundgebung auf gerufen hatte, waren vom Potsdamer Polizeipräs dei-ten Versammlungen unter freiem Himmel verboten worden. Dte Deutschnationalen hielten deshalb ihre Tannenbergfeier in zwei geschlossenen Räumen ab; sie verlies ungestört. Dem Rufe der kommunistischen Parteileitung waren ungefähr 12 000 Kommunisten, namentlich aus Potsdam und Lichtenberg, gefolgt, die in verschiedenen Lokalen Versammlungen abhielten. Aus dem Wege dorthin belästigten sie zwer Reichswehrsoldaten. Ein Wachtmeister, der diesen beisprang, wurde geschlagen und griff in ber Rotwehr zur Waffe. Dabei wurden zwei Arbeiter aus Berlin bzw. Steglitz getötet unb eine Person verwundet Berlin 29. Aug. (WTB.) Die Berliner „Montagspost" bringt Einzelheiten über die Zusammenstöße der nationalistischen unb kommuni fischen Demonstranten, bie sich gestern tn Potsdam ereigneten. Rach dieser Darstellung fielen bie Kommunisten, die sich am Bahnhof Charlottenburg zum Rückzug nach Pots- bam sammelten, über einen Trupp von 20 jungem Männern und Frauen her, bie mit schwarz-wcitzM roten Zupfgeigenbändern, unter Führung eine® Reichswehroffiziers von einer Versammlung i" der Luftschiffhalle heimkehrten. Die Kommunisten verprügelten bie jungen Leute und schlugen dem Offizier bie Fahne über ben Kops, die einer der jungen Leute in einem schwarzen Lederfutteral trug. Die -Ueberfallenen trugen schwere Verletzungen am Kopf und an den Armen davon. Auf dem Wege nach dem Potsdamer Lustgarten mißhandelten bie Kommunisten Passanten mit schwarz- weiß-roten Abzeichen, hielten die Straßenbahnwagen an unb zerrten die Fahrgäste heraus, von ben sie annahmen, daß sie zur Sannenbergfeter nach der Luftschiffhalle wollten. Ein Teil 'des Zuges, der durch Gerüchte, daß Polizeibeamte mit Maschinengewehren auf ben Zug geschossen hätten, erregt war, stieß auf einige Schutzpolizisten unb zwei Solbaten ber Reichswehr Als bie Solbaten flüchteten, .glaubte bie Menge, daß sie Hilfe holen wollten unb stürmte ihnen nach. Runmehr stellten sich|ibr bie Wachtmeister 3 toa n unb Wolf von brr Schutzpolizei entgegen. Die Menge umringte 3wan unb mihhanbelte ihn, währenb es Wolf gelang, in den Oberrechnungshof zu flüchten, wo auch die beiden Soldaten Zuflucht gesucht hatten. Als dann einige Männer auch dort eindrangen und bie Beamten auf ben Kopf schlugen, gaben biese fünf Schüsse ab, burch bie bie beiben ersten Angreifer getötet würben. Runmehr schlugen mehrere Angreifer auf Wolf ein, der mit zerrissenem Unterliefet unb schweren Wurden bewußtlos zusammenbrach. Die Menge drang dann noch auf einen Reichswehrs olbaten ein, indem sie auf ihn einschlug, bis polizelliche Hllfe eintrat unb bie Bebrängten befreite. Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Rach einer Meldung der „D. Z. a. M." verfolgte die Berliner Kriminalpolizei bereits seit Anfang Juli einen jungen Mann, der im Gespräch mit einer Berliner Persönlichkeit geäußert hatte, er werde Erzberger aufsuchen und ihn über den Haufen schießen. Erzberger war auf diese Aeuherung hinvonder Kriminalpolizei gewarnt und ihm geraten worden, bei Spaziergängen niemals ohne Begleitung menschenleere Gegenden aufzusuchen. Zur Ermordung Erzbergers machte Reichstagspräsident L ö b e einem Berichterstatter der „D. Z." eine Mitteilung, er habe gestern am Aushang eines Extrablattes Unter den Linden einen Herrn polizeilich feststellen lassen, der beim Lesen des Extrablattes laut bemerkte: „Der wird fein Unheil mehr anrichten!" Die ebenfalls polizeilich festgestellte Begleiterin des Herrn, der sich als pensionierten Gerichtsasseffor aus Köln auswies, habe geäußert: „So muh es allen Revolutionären ergehen I" Weiter äußerte Lobe, die Ermordung werde unberechenbare inner- und außerparlamentarische Folgen haben. Es sei zu erwarten gewesen, daß Erzberger sich im Herbst wieder an den Arbeiten des Reichstags beteiligen würde, da die Gründe, die ihn fenthielten, teilweise weggefallen waren und die Frage der Aufbringung der Reparationsschulden ein Gebiet war, das ben ehemaligen Finanzminister besonders interessierte. Die Wurzel des Attentats sei unzweifelhaft in den maßlosen Anfeindungen zu suchen, denen Erzberger wegen seiner Desitzbesteuerung und wegen des Abschlusses des Waffenstlllstandes ausgesetzt war. Attentate dieser Art würden aber noch angeregt durch die überaus milde Beurteilung, welche die Schmähung deutscher Regierungsmänner und Politiker der Linken durch die Gerichte gefunden hätten sowie dadurch, dah frühere Mordtaten überhaupt nicht gesühnt oder überaus milde beurteilt wurden, wie die des Prinzen Arco in München und die des Studenten Hirschfeld, der seinerzeit ebenfalls einen Schuh auf Erzberger abgab. Staatsminister a. D. Hergt, ber Führer der Deutschnationalen Dolkspartei, erflärte. für eine so feige unb grauenhafte Mordtat gäbe es nur Verdammung unb Verachtung. Seien es politische Motive gewesen, dann Wehe über ben Wahnsinn, der glaube, durch eine so frevelhafte Tat dem Daterlande dienen zu können. Die Anstrengungen zur Auffindung der Mörder. Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Der Polizeipräsident hat den Auftrag erhalten, mit allen kriminalistischen Hilfsmitteln ausgerüstete Beamte nach Griesbach zu entsenden. Karlsruhe, 27. Aug. (Wolff.) Wie die „Karlsruher Ztg." meldet, hat die Reichsregierung in Sachen der Ermordung des Abg. Erzberger im .Einblick auf die Wahr- fchernlichkeit, daß es sich um einen politischen Mord handelt, für die Feststellung der Täterschaft eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt. Mir die Ber-! Leitung dieser Belohnung ist die badische Landespolizei zuMudig. Gespannte innerpolitische Lage. Der gewaltsame Tod ErzbergerS hat die politische Atmosphäre im Reiche, die ohnedies schon recht gespannt war, aufs äußerste erhitzt. Wir haben bereits dargetan, dah die entsetzliche Tat in Griesbach aufs schärfste zu verdammen ist, und daß ein „politischer" Mord gerade in der heutigen schwierigen Zeit als doppelt schmählich angesehen werden muh, weil die daraus sich ergebenden Folgen in jeder Weise nur verhängnisvoll sein können. ES ist jedoch beklagenswert und zum Teil auch gewissenlos, wenn jetzt der Mord an Erz- berger, dessen Einzelheiten noch nicht aufgehellt sind, zum Anlah genommen wird, Die Gegensätze planmäßig zu erweitern und zu vertiefen. ES ist nichts dagegen einzuwenden, dah von der leitenden Stelle in Berlin eine1 Mahnung ins Volks geschickt wird, abzulassen von Taten und Kundgebungen des Hasse S und Verderbens. Die Art, wie vom Reichskanzler Dr. Wirth die politische Klärung versucht und eingeleitet werden soll, ist jedoch nicht ohne Bedenken. Waren die Reden deS Kanzlers bei dem Frankfurter Katholikentag noch einigermahen vorsichtig und mahvoll — er durfte mit Recht seinen Gefühlen deS Entsetzens und der Besorgnis Ausdruck geben —i so ist docb manches unternommen worden, was die Gemüter nur aufs neue aufpeitscht. Die MontagSauSgabe der „Frankfurter Zeitung" bringt an ihrer Spitze Aeuherungen, die Herr Dr. Wirth ihr gegenüber bei seinem Frank- surter Aufenthalt gemacht habe. Das Blatt schreibt wörtlich: „Der Herr Reichskanzler betrachte! die Lage als sehr ernst. Die Republik sei in Gefahr. Es sei die Aufgabe derjenigen, die vor allen unseren Staat zu schützen berufen sind, ber zersetzenden Demagogie mit der größten Entschiedenheit entgegenzutreten. Das werde alsbald geschehen." Das scheint denn doch fast wie eine sensationelle Ausnutzung des grauenvollen Ereignisses von Griesbach zu sein. Wenn die MchrheitSsozialisten und die Anabhängigen nunmehr, wie heute gemeldet wird, zu Kundgebungen gegen die Reaktion im Reiche rüsten, so gießt der Reichskanzler damit nur Oel ins Feuer. Bei solcher Sachlage ist es notwendig, sich danach umzusehen, wie der Mord an Erzberger in der politischen Welt Deutschlands ausgenommen worden ist und welches Echo er sonst erweckt hat. Von Berliner Stimmen sind folgende bemer- lenewert: Graf Westarp lagt in ber inncr- po'.ililchen Wochenschau ber „Kreuz-Zeitung": Die Mordtat an E„ gleichviel aus welchen Motiven bedangen, fei ein schweres Verbrechen, das strengste Sühne fordere. Die politischen Folgen der Tat icicn unabsehbar. Sozialdemokraten, Zentrum und ietzenerAnMer General-Anzeiger für Oberhessen Dmd und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7. M Ä Na SfÄ mgegend bA c£nen von einer ? vtt chr ^nehmen •fiff 9toau. M am Ctianbe sucht diese fobe- Hetzen. Durch d'e guten Ferien, lchl«hten btümpft °n.den sieben L - >ch bei meinem Mol vor Zluga muMiebende- »chrend ber Musil- Wh bas Sprechen, n der Sitze vr>r dem 'dermädchen tabtttn * ifl Perboten.' beschäftigten sich mit Pon Stühlen, mit dem dem gortoerfen von Dill man in einem vtuh man sich einem rtoerfen wie bei uni Man dar/ nur in ber Anstalt baten u nb ngen, die für .DLr- ien" bestimmt sind, t bat, bann üdnM iem HadmMrr unb Mg in einem Auch »artet gegenzeichnet n ein Kästchen getan, mein Cßabeaiyug beisset selbst toirb man e mit einer Pseife bett die durch ein Seil laM hinaudschtvimmt, sen. Benäht man seine iten, so toirb man bon len zur Aede aesteL. en Dädem toirb man, chtoimmt, durch einen ctoamt 3n ßnglanb jen so todl ins Leer nut noch ati schwarze MtzL, während ber und der Franzose hn er rastlose Engländer ad nimmt auch er ben it gesellschaftliche > tigen Bürgerkrieg bewahrt werden und die unter großem Vorantritt wurde der Sarg vom Sozialdemokratie müsse Klarheit haben, ob die ' Krankenhaus in die Kirche übergeführt Eine un- — - ..... übersehbare Menge von Kränzen bedeckte den Sarg unb füllte bie Kirchenräume. Die Einseg- nungszeremonie nahm Domkapitular Weber vor ber dem Verblichenen einen herzlichen Rachruf widmete unu ein Lebensbild des Verstorbenen tartyS zum ersten Male sich wieder zu ihrer Herr- schau zusammengesunden halten. Er gedachte mit Wehmut der verstorbenen hervorragenden Mitstreiter. wie Münzenderger, von Dvdmann, Haff- ner. Heinrich. Lieder. Wirrdthorsi usw., die an den und Süd. ein Gegenstand, zu dem Redakteur Fischer vom „Grazer VoWblatt" gleich die praktische Anwendung machte. An die Referate schloß sich eine Debatte, an der sich fast alle anwesenden Parlamentarier beteiligten. zu den warnen und beschworen unser gesamtes Doll: führungen über die römische Frage. Tausende strömten am Aachmittag groben Die Stadt hat zu Ehren der zahllosen Gäste reichen Flaggenschmuck angelegt. Don s o z i a - listischer Seite war gegen die Anwesenheit der ungarischen Dertreter eine Demonstration veranstaltet worden, die zu gleicher Zeit, als die Versammlungen tagten, am Dismarckdenk- mal stattfand und die in einem Zug, an dem etwa 20 000 bis 25 000 Menschen teilnahmen, durch die Hauptstraben der Stadt endete. Zu Zwischenfällen kam es an keiner Stelle. Die Polizei hatte gegen etwaige Ausschreitungen die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen. Ein Aufruf. 3m Anschluß an den Katholikentag fand Sonntag nachmittag eine Sondersitzung der in Frankfurt anwesenden Vorstände der Deutschen Zentrumspartei und der Reichstagsfraktion statt, in welcher ein Aufruf beschlossen wurde, in dem es heibt: Mitglieder der Zentrum spar teil Der Abgeordnete Grzbergcr ist einem ruchlosen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Tieferschüttert steht die Zentrumspartei an seiner Bahre. War doch sein ganzes Leben, seine Iugendkraft, wie sein Mannesalter, dem Dienste der Partei gewidmet. Wenige haben so rastlos und hingebend gearbeitet im öffentlichen Leben wie er. Wir verurteilen jegliche Gewalt im Kampf der politischen Meinungen, komme sie von rechts rder links. Wir verdämmernden politischen Mord. Wir Inzwischen hatte infolge des andauernden Andranges eine zweite Versammlung im Garten abgehalten werden müssen, die durch meisterhafte Darbietungen des katholischen Männergesang- vcreins erfreut wurde. 3m Damen der Stadt Frankfurt begrüßte Oberbürgermeister Dvigt die Erschienenen. Die Geueralversammlung des Augnftinusvereins. die am Samstag nachmittag im Börsenrestaurant stattfand, bildete einen kräftigen Auftakt zum Katholikentag. Der Vorsitzende konnte über 100 Presseleute und Politiker aus allen Gauen Deutschlands und sogar Oesterreichs begrüßen, darunter Reichskanzler Dr. Wirth, den preußischen Minis! erpräsidenten Stegerwald. ReichSarbeits- minister Dr. Brauns, Minister G i e s b e r t s. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: Tics erschüttert steht die heutige Generalversammlung des Augustinusvereins unter dem Eindruck der fluchwürdigen Mordtat, welcher der Reichstagsabgevrdnete Erzberger zum Opfer gefallen ist. Der Vorstand des Augustinusvereins hat der Familie des Hingemordeten die herzlichste Teilnahme zum Aalsdruck gebracht. Die schreckliche Mordtat nimmt die Generalversammlung des Augustinus-Vereins zum Anlaß, erfreut die ernste Mahnung zu erheben, den politischen Kampf allezeit nach Wahrheit und Gerechtigkeit ohne persönliche Verunglimpfung des Gegners und ohne Auspeitschung der Leidenschaften zu führen. Jede, die Massen aufpeitschende und aufhctzende Kampfes- weise hat unter allen Umständen zu unterbleiben. Das politische Referat sollte eigentlich Abg. Herold halten: auf seine Ditte übernahm jedoch Reichskanzler Dr. Wirth 'diese Ausgabe und gab in anderthalbstündiger Rede ein Bild über'die heutige Lage, die unbedingt überwunden werden müsse, wenn auch die Last noch so schwer set: denn das Vaterland sei in Gefahr. Als Süddeutscher referierte Chefredakteur ®. R. Der Sonntag brachte nach einem feierlichen Pontifikalamt im Dom Im Volksbildungs- Heim die erste geschlossene Versammlung. Sie wurde vom Vorsitzenden des Lokalkomitees, Dr. Servatius, eröffnet, der in herzlichen Worten auf die Bedeutung der Tagung hinwies und ein Degrüßungstelegramm des Papstes bekannt gab. Den Rechenschaftsbericht d^ Zentralkomitees erstattete Fürst zu Löwenstein. Geh. Dr. P o r s ch - Breslau sprach in längeren Aus- Metz e r - Karlsruhe und mahnte zur Einigkeit, warnen und beschwören unser gesamtes Doll: einträchtiger Zusammenarbeit zwischen Rord, Laßt ab von aller politischen Leidenschaft, von früheren Tagungen in Frankfurt 1863 und 1882 teilgenommen haben. Vieles habe sich seitdem geändert: aber geblieben seien die alten Dürger- chigenden der Stadt und vor allem der glaubensstarke, treue und opferwillige Geist, der schon zu Zeiten der früheren Generalversammlungen die katholische Bevölkerung Frankfurts ausgezeichnet habe. (Beifall.) Der Redner sprach allen denen seinen Dank aus, die an der Vorbereitung dieser glänzenden Tagung mitgewirkt hätten. Rettung und Wiederaufbau unseres Vaterlandes und Gesundung des Volles seien nur durch Christentum mit seiner Gotteskraft möglich. Wenn Gott nicht das Haus baue, so arbeiteten die Bauleute vergeblich. 3m Laufe des Begrüßungsabend nahm auch der Reichskanzler Dr. Wirth das Wort zu einer längeren Ansprache, in welcher er unter Hinweis auf den Sonnenschein, der über den Fluren unseres ßanfce« lagere und auf die gute Ernte dieses Jahres bedauerte, daß die Menschenherzen in diesem wunderbaren Gvttes- garten den Segen dieser schönen Erde nicht zu würdigen wissen. Er müsse schon morgen wieder nach Berlin zurück, da die Regierung dort die Augen offen halten müsse, daß aus den Ereignissen der letzten Tage nicht neues älnheil unserem Lande erwachse. Der politische Kämpfer müsse aus dem Staub der Riederungen heraus Don Zeit zu Zeil, um inmitten einer Welt, die noch das Bindende über das Trennende stelle, Trost, Ermunterung und Kraft zu finden in der ließet- zeugung, daß über uns allen ein Göttliches schwebe. (Beifall.) Die deutschen Katholiken haben nie nach einer politischen Machtstellung gegeizt, sie wollen nur stets dabei sein, das Rettungswerk des Vaterlandes zu vollenden. (Beifall.) Dabei reichen sie auch Andersgesinnten die Hand. ,Das deutsche Volk darf nicht zugrunde gehen, nur müssen die großen moralischen und religiösen Kräfte in den Dienst des Vaterlandes gestellt werden. Die Kathvlllen widmen ihre Arbeit dem Vaterlande auch unter der neuen Staatsform. Das werktätige Volk wird vom Geiste des Hasses, der Zwietracht und der Ausbeutung auf» gepeitscht. Deshalb bedarf es fester staatlicher Autorität. Weil das deutsche Volk den Willen geyigt hat, auch dem Feinde beim Wiederaufbau zu helfen, wie in Wiesbaden verhandelt wird, hat es auch Anspruch auf einen ordentlichen Platz im Reiche der Voller. Der Reichskanzler sandte sodann die herzlichsten Grüße den Brüdern im besetzten rheinischen Gebiet und in Oberschlesien und ermahnte sie zum Festhalten am deutschen Vaterlande. Wenn nicht nach dem Recht und der Selbstbestimmung der Völker entschieden werde, gehe Europa einem Zerfall seiner Zivilisation entgegen, denn die vberschlesische Frage sei zu einer Weltfrage geworden. Der Völkerbund habe jetzt Gelegenheit, dem Selbstbestimmungsrecht zum Triumph zu verhelfen. Wenn die Grenzen des Vaterlandes festliegen, könne das Vaterland innerlich gerecht und in christlich-sozialem Geiste aufgebaut werden. Die Katholiken müßten ein Beispiel geben die politischen Meinungsverschiedenheiten in christlicher Liebe auszufechten. (Beifall.) Beschwörend müssen wir, fuhr der Kanzler fort, die Hände erheben, wenn in den politischen Kämpfen die blanke Waffe aufblitzt und der Mord eingreift. (Stürmisches Pfui aus der ganzen Versammlung.) Wir stehen schaudernd ‘Sor den Ereignissen der letzten Tage. Der Reichskanzler gedachte dann mit Wehmut der verstorbenen Abgeordneten Gröber, Trimborn und Durlage. Als Finanzminister wolle er heute nicht sprechen, sondern nur als Kanzler, wenn auch gerade aus Frankfurt noch etwas für den Finanzminister herauszuholen wäre. (Heiterkeit.) Er wünschte der Versammlung schließlich den besten Erfolg und betonte, daß über allen Gegensätzen der ©emein* schaftsgedanke stehen müsse unter dem schützenden Dach des einigen und des christlichen deutschen Vaterlandes. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Zum Präsidenten des Katholikentages wurde Geheimrat Dr. H e l d , ein Sohn der Frankfurter Diözese, jetzt in Regensburg, gewählt. Er ist bekanntlich Vorsitzender der bayerischen Vollspartei. Zum Ehrenpräsidenten wählte man den 90jährigen Führer Graf Droste von Dischering, zum Präsidenten der Parallelversammlungen einen Vertreter Oberschlesiens, den Grafen Henkel von Donnersmark. öffentlichen Versammlungen in das Schurnanntheater und das Hippodrom. An diesen gewaltigen Kundgebungen katholischen Glaubenslebens nahmen auch zahlreiche hohe kirchliche Würdenträger teil, darunter auch der päpstliche Runzius P a c e 111 3n beiden Versammlungen wurden von den verschiedensten Rednern die Themen: .Deutschlands Rot und die deutschen Katholiken" und „der Gemeinschaftsgeist, unsere Rettung im inneren Zusammenbruch," behandelt. Reichskanzler Dr. Wirth ging dabei auf die Schlußworte des R u n t i u s ein, die Versammlung möge nicht geschlossen werden, ohne ein Wort des Friedens in die Welt hinauszurufen. Dein kommen wir, sagte er, gern nach. Das katholische Deutschland habe den Gedanken des Friedens nie aufgegeben, schon weil es, obwohl es treu an seinem Vaterland und Volk hing, Jahre des Kampfes habe durchkämpfen müssen, bis für uns katholische Kirche der Tag der Freiheit gekommen ist. (Beifall.) Der Reichskanzler ging sodann auf die Friedensmahnungen des Papstes während des Krieges ein, so wolle Deutschland auch den letzten Groschen ßergeben, die Ruinen in der Welt wieder aufzubauen, ebenso sehr müssen wir betonen, das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf Gerechtigkeit für unser liebes deutsches Vaterland. (Großer Beifall.) Die deutschen Kathollken versagen nicht, wenn wir auf wichtige Posten berufen werden. Wir wurden aber gerafuen, als es zu spät war. Mit der Weimarer Verfassung haben wir gemeinsam mit solchen, von denen uns große Weltanschauungsfragen trennen, dies Voll zu retten gesucht, um es auf dornigen Bahnen wieder eines Tages der Freiheit und neuer Wohlfahrt entgeaenzuführen. Persönliche Angriffe berühren mich nicht. Wehren müssen wir uns aber dagegen mit alllen Mitteln der Staatsgewalt daß in Deutschland die großen politischen Fragen nicht mit geistigen Waffen, sondern mit Dolch und Revolver ausgefochten werden. Der> neue Staat fällt nicht aus den Wolken: wir müssen aufbauen, und dazu ist die große moralische Kraft und der Opfergeist des Katholizismus nicht zu entbehren. Wir wollen in den nächsten Tagen in Biberach, wenn der vielurn- flrittcne Mann zu Grabe getragen wird, den verdienten Lorbeer niederlegen, dann aber wollen wir aufwärts schauen zu Gott und den alten ewigen Sternen, dann wollen wir vorwärts schauen und den Wiederaufbau besorgen. (Beifall.) niemals dürfen wir die Worte der divina comoedia über unser politisches und religiöses Leben sehen: „Laßt alle Hoffnung fahren!" 3ch scheide heute abend noch aus ihrer Mitte, weil mich dringende Pflicht zurückruft. Es geht ein Gären durch unser Voll: die Arbeiterwelt, Beamten und Angestellte sind aufgebracht, und die Erregung ist gesteigert durch den politischen Mord der letzten Tage. Es rast der Wucher und die Aushungerung durch unser Volk. Die großen Zentren der Erregung müssen sorgfälltig beachtet werden, wenn wir nicht in ein neues Zeitalter revolutionärer Bewegung hineinkommen sollen. Wir retten den Staat, die menschliche Gesellschaft, das deutsche Vaterland nur durch unfern Opfergeist. Wenn ich morgen die erste Ministersitzung eröffne, dann darf ich in Ihrem Ramen wohl sagen, da>s die Reichsregierung auf das Vertrauen des katholischen Volkes bauen darf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen unsere Kräfte ernfetzen, komme was da wolle, fein Preis ist zu hoch, wenn es gilt, ein Volk und Land, wie das deutsche, zu retten, wenn man diesem LBvlke den Weg zur Freiheit öffnen kann aber die Freiheit will verdient sein und sie toiro verdient, wenn man in diesem katholischen Geiste diese Versammlung schließt, x Ich glaube, in 3hrem Ramen allen, besonders denen, die aus dem Auslande gekommen sind, aufrichtigen Herzens unseren Willen gezeigt zu haben. Wir wollen arbeiten und zu Gott beten um Rettung nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt. (Lebhafter Beifall.) Lassen Sie den Mut nicht sinken, wer mutig ist und vorwärts schaut, dem wird auch der Segen des Himmels nicht fehlen. (Brausender Beifall.) Rach einigen Dankeswvrten des Präsidenten und Hochrufen auf den Reichskanzler Dr. Wirth wurde £ie Versammlung geschlossen. aller persönlichen Verhetzung, bannt den Geist, der solche Früchte zeitigt. Wer es gut mit unserem Volke meint, der bewahre es vor inneren Erschütterungen, der trete ehrlich auf den Boden der Verfassung, die das deutsche Doll und alle seine Stämme in freier Selbstbestimmung sich gegeben. Für Dersassungskämpfe ist heute weniger Raum denn je. Aufbauende Arbeit sei der Wahlspruch. Der Wiederherstellungsentrvurf in den Wiesbadener Beratungen. Paris, 27. Aug. (WTB.) Der „Temps" bringt heute einen ausführlichen Bericht über den Abkommensentwurf, der bei den Wiesbadener Beratungen besprochen wird und der seit der letzten Zusammenkunft zwischen Rathenau und Lvucheur im Juni von Sachverständigen Frankreichs und Deutschlands ausgearbeitet ist. Der Entwurf besteht aus zwei Teilen: 1. aus einer Reihe von Vertragsentwürfen und 2. aus einer Reihe von Entwürfen über Schaffung von Forfaits. Der Vertragsentwurf setzt die Modalitäten der Reparationen in natura für je 6 Kategorien fest. Materiallieferung, Kohlenlieferung. die anzuwendenden Preise, die Kompensationen, der französische Flußschiffverlust und die deutsche Viehlieferung. Der erste Teil regelt die Einfuhr französischer Erzeugnisse nach Deutschland und die Kon- tinentierung dieser Ausfuhr, der zweite Tell über die Schaffung von Forfaits umfasse Industrie- material, rollendes Eisenbahnmaterial und Viehlieferungen. Lieferungen in natura: Es wird eine deutsche Privatgesellschaft für diese Lieferungen gegründet, die sich verpflichtet, vom 1. Oktober 1921 an alle von den Bewohnern der verwüsteten Gebiete verlangten Siefeningen durchzuführen, soweit diese mit den Möglichkeiten der deutschen Produktion vereinbar sind. Diese Lieferungen dürfen für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis zum 1. Mai 1925 7 Milliarden Goldmark nicht überschreiten. Für die Bezahlungen der Lieferungen bietet Deutschland Frankreich Kredite an und Frankreich zahlt jährlich nur eine Milliarde Goldmarl zurück, ganz gleich, tote groß die deutschen Lieferungen sind. Zur Regelung der Streitigkeiten betreffend Festsetzung der Preise wird eine besondere Kommission eingesetzt, die aus einem deutschen und französischen Delegierten, die von den betreffenden Regierungen auf Vorschlag der Bewohner der verwüsteten Gebiete und der deutschen Privatgesellschaften ernannt werden und einem dritten Delegierten bestehen, über den sich beide Regierungen gemeinschaftlich einigen. Kommt eine Einigung nicht zustande, so wird dieser Delegierte durch die Reparationskommission ernannt werden. Die Kosten dieser Kommission bezahlt die deutsche Gesellschaft, sie werden aber zur Hnlf e ten f argo i chen Ter än^ei ztf Last gelegt. 3nbuftriemateriaL Der Preis des in Betracht kommenden Materials wird von der Kommission bestimmt, die zur Zeit den Gegenwert des französischen Preises in Goldmark feft'eht. Am Ende von je 3 Monaten wird dann ein Faktor f ft- geseht, der nach der Art und der Qualität der Erzeugnisse berechnet wird. Die Preise für Spezialmaterial-Maschinen oder industrielle Einrichtungen wird von den beiden Pärteien direkt vereinbart. Kohlenlieferungen. Es werden Spe- zialdispositivnen über die ür er jeden nichtdeutschen Hafen durchzu'ührenden Kohlen lief erun gen getroffen. Die Preise sind die, wie sie die deutschen En- grvsverbraucher bezahlen. Deutschland kann jedes Quantum Kohlen ausführen. Es kann auch alle in dem Programm der Reparationskommission stehenden Kohlenguanten exportieren, auf die das Land, dem die Kohle zusteht, etwa verzichten wird. Deutschland zahlt der Reparationskommission den Gegenwert der exportierten Kohle, berechnet nach dem deutschen Inlandspreis ab Grube. Die Alliierten benutzen die gelieferten Kohlen nur für ihre eigenen Bedürfnisse. Viehlieferungen. Deutschland ist Frankreich noch ungefähr 35 000 Pferde schuldig. Rach dem Entwurf liefert es nur noch 12 500 Pferde und 500 Stuten. Die 1920 von Deutschland überschüssig gelieferten 17 130 Tiere gleichen sich mit den noch zu liefernden 5 575 Zuchthengsten aus. Einfuhr nach Deutschland. Deutschland läßt Rohmaterialien und Halbfabrikate, die in einer besonderen Lifte aufgezählt werden, zur freien Einfuhr zu. In einer anderen Liste werden von Deutschllmd für gewisse Erzeugnisse beliebiger Herkunft gewisse Kontingente festgesetzt. Auf einer dritten Liste verzeichnet Deutschland einen Prozentsatz von verbotenen Erzeugnissen französischer Herkunft, der nach Deutschland eingeführt werden darf. Die Forfait-Abmachungen sind folgende: Industriematerial: Unter Vorbehalt der Zustimmung der Reparationskommission wird gesagt, daß zwei Monate nach Unterzeichnung des Abkommens die Rückerstattung im 3nbjftriemate- rial aufhört. Rach Ablauf dieser Frist bleibt Deutschland Besitzer des Materials, das sich auf seinem Gebiete befindet. Statt dessen liefert Deutschland in den nächsten 8 Monaten 120 000 Tonnen Industriematerial, das sich Frankreich aus den Beständen der deutschen Regierung aussucht. Deutschland erkennt an, daß es Frankreich 153 Millionen Gvldrnark, die mit 5 Prozent verzinst werden, schuldig ist. Diese Summe benutzt Frankreich zu Bestellungen, die vor dem 1. Dezember 1925 beendet fein müssen. Rollendes Eisenbahnmaterial. Deutschland erstattet an Frankreich 3000 Kippwagen, 2500 Plattformwagen und 500 flache Waggon. Dafür verzichtet Frankreich auf eine Kompensation für die nicht zurückerstatteten Lokomotiven. ,,, v Vieherstattung. Vieh, das Deutschland aus den zerstörten Gebieten genommen hat, wird von Frankreich nicht mehr verlangt. Dafür liefert Deutschland als Forfalt 62 000 Pferde, 25 OOO Rin- der, 25 000 Schafe und 20 000 Bienenstöcke. Diese Zahlen entsprechen genau der Lieferungsverpslich- tung Deutschlands aus dem Wiederherstellungsparagraphen. Paris, 29. Aug. (WTB.) Savas zufolge ist in Wiesbaden über die Bezahlung der d eutschen Sachleistungen mit Zinseszinsen folgende Regelung getroffen worden: Für die jährlichen Zahlungen hat Frankreich nur einfache Zinsen W 5 Prozent zu zahlen. Erft von 1937 ab sind durch die Regelung des Soldes Zinseszinsen vorgesehen Die Deckung dieser Schuldsorderung werde durch die künftigen Annuitäten Deutschlands er- svlgen CSitte Reise Fochs nach Amerika. Paris, 27. Aug. (Wolfs.) Der .Matin" meldet: Marschall F o ch reift am 22. Oktober nach Amerika. Belgischer Pöbel. Brüssel, 28. Aug. (Wolf5) Der .Sorr» meldet: In _ Eineh kam es zu lebhaften Zwischenfällen, als der frühere Ches der deutschen Kommandantur in C i n e y, namens LI l st r u n ck, der eine Dame au« Ciney heiratete, dorthin Zurückkehrte. Ulflrund wurde erkannt und geschlagen; mit butüberströmtemGesicht konnte er in das Bureau der Bahnhofswache flüchten, wo er von der Gendarmerie oefreit wurde. Seine Frau wurde gleichfalls m i V h-a n d e l t. Die Menge nahm weiter eine drohende Haltung ein, |o daß die Gendarmerie ein Automobil herbei- holen mußte, worin der deutsche Offizier unter dem Schutz der Gendarmen mit unbekanntem Ziel davonfuhr. Zusammenstöße zwischen österreichischen u. ungarischen Truppen. Wiener-Re uftadt, 29.Aug. (WTB.) Nach einer Meldung des Wiener Korr.-Bu- reaus ist es beim Einmarsch der österreichischen Truppen in das Burgenland zu mehreren Zusammenstößen gekommen. Die Hauptabteilung wurde zwei Kilometer vor Oedenburg von ungarischen Abtellungen unter Feuer genommen, das von österreichischer Seite erwidert werden mußte. B u d a p e st, 28. Aug. (WTB.) Wie daS Ungarische Korr.-Bureau von zuständiger Seite erfährt, ist die militärische Räumung West Ungarns mit dem heutigen Tage beendet. Die Zurückziehung der Gendarmerie und der Zollwachen außer aus zwei kleineren Zonen werde jedoch vorläufig in der Schwebe gehalten. Die ungarische Regierung sei wohl zur Durchführung der Bestimmungen des Trianonvertrages fest entschlossen, indessen biete der am 27. d. Mts. gefaßte Beschluß des österreichischen Ausschusses, keinerlei Bürgschaft hinsichtlich der Berücksichtigung der von ungarischer Seite erhobenen Forderungen. Er verbürge namentlich nicht die Erfüllung mehrerer wesentlicher Forderungen materieller Ratur, welche den österreichischen Staat infolge der Räumung unzweifelhaft belasten würden. 3m übrigen könne festgestelll werden, daß auch die Räumung LeS von den Serben besetzt gehaltenen Gebietes noch nicht vollständig beendet sei. Russische Sowjet-Deserteure. Paris, 27. Aug. (Wolff.) Rach einer HavaSmeldung aus Bukarest desertierte eine Abteilung von Sowjettruppen. Sie überschritt die rumän sche Grenze. Tschitscherin verlangte, daß die rumänische Regierung die Deserteure auszuliefern habe. Aus dem Reiche. Eine verbotene Tannenbergfeier. Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Den Blättern zufolge ist die für morgen geplante Tannenbergfeier in Potsdam von der Regierung verboten worden. Der deuffch- nationale Iugendbund legte gegen das Verbot beim Reichspräsidenten Beschwerde ein. Die „Rote Fahne" fordert unter der Aeber- schrift „Massen heraus" zu Gegendemonstrationen gegen die Tannenbergfeier auf. Die kommunistische Arbeiterschaft Groh-Ber- linS solle gemeinsam mit den Anhängern der S. P. D. und ü. S. P. D. eine Kundgebung ja Potsdam veranstalten. Schlichtungsausschust der Provinz Oberhessen. Sitzung vorn 24. August 1921. Die Firma Oberhessische Kall- und Stell»- industrie hatte den Arbeitern ihres DasaltwerkeS Queckbvm in der Zeit vor dem 15. Mai 1921 eine .Mehrleistungszulage" von 30 Pf. die Stunde bezahlt. Rachdem vom 15. Mai an ein anderer Tariflohn in Kraft getreten war, hielt sie die Weiterzahlung dieser Sonderzulage nicht mehr für angebracht Der Schlichtungsausfchuß machte den Parteien ehren Berständigungsvorschlag in der Richtung einer entsprechenden anbertoetten Gestaltung der Akkordentlohnung. Sie vereinbar ten darauf eine vorläufige Weiterzahlung der bisherigen Zulage vom 1. Aug. 21 an biS zu einer bemnäcbfügen neuen Tariflohnregelung. Durch die Abwesenheit des Infanterie-Regi- mentes 15 während einer siebenwöchigen Hebunai- zeit lln Lager Ohrdruf hatten einige bei Der Küchenverwaltung des 1. Bataillon« in Gießen mit Kartoffelschälen, Gemüsepuhen usw. beschäftigte Frauen mit ihrer Arbeit auSsehen müffen. Eine der Beteiligten wünschte wie in früheren Jahren während des Manövers dafür entschädigt zu werden. Der SchlichwngSausschuß konnte dem Antrag nicht stattgeben.sprach jedoch der Antragstellerin das Recht auf Vergütung des im Tarifvertrag vorgesehenen zweiwöchigen Urlaub« zu, den sie nicht mehr erhalten kann, weil sie toeaen Einschränkung der Arbeiten au« dem Dienst Der Küchenverwaltung ausscheidet. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. Aug. 1921. Eiue Warnung der Preisprüfuugsstelle. Die Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen sieht sich in Gemeinschaft mit den KreiS- und städtischen Preis- Prüfungsstellen der Provinz genötigt, folgende Warnung zu erlassen: Jeglicher Grohhan- del mit Lebens- und Futtermitteln ist mir nach ausdrücklicher Zulassung durch das zuständige Kreisamt — in der Stadt Sie- 1 ßen durch den Oberbürgermeister — Leltattel. mrtUfibcrfDt zeige gebE Zlngem Vie die ^erlaubter h ertrieben. 'M frirb auibrüdl hr brotigen 2 karlosteln suchte Preu jtM Vm > art Unkosten,u spame von höc AltiMckcmftP sMne überfd tiatePrei Hie Pol 'Augenmerk c " Sin« jtrttiauil «tttag 9y< Ut. Mides mit f ttfldung der k Irtti a. d. Lda. «Ende rechne foraung der D Mäscher Ene Hausen. sS-i Sw* S'Kl! *ss> - Tag OsvaldSgarie Ärieg-belchäd verg, ,6llav< Geheimnis d Lichtspielhaus rin Todestag jJMe Thilos t -nachen «Führer Ikittr t M dSs ! eäS nSL» Stift -X- Sto Sastbaus De Dettrauorsmä bunbe# aug riranal sich nrtl dk kmmtnbtn nationalen Pn der Vorsitzende WW Redner a Teil kr Jersa dnf Trennung Wtenalen aWer Dr y 5J*rfantntü Statten ebl Darvkl« t*L 5) a r । llhr tüui °uf sei» Ader Tech« icr 29. 8. Schweizer Franken Fl. * 181. - Fr. = 45.70 ß. 100 Fr. 100 Är. 100 L. 98,75 5,40 97,4) ander- orzt Ruhrerkrankungen festgeftclll worden. DaS Stück des Abends wurde von 100 100 jener oT, gk. $ Kr. 100 100 100 100 100 1 100 29.8. 6,72 3,72 6.85 6.75 0.70 6.95 6,35 M3 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm. Wien.... London . . pari, . . . Neuyork. . gezahlt: 26.8. 6,87 3,74 Opfer noch 2L74 25.15 44.50 1.50 590— 3 30 7.05 Wfc. =» Ät. = Är. = Marknotierungen. Für 100 deutsche Wart wurden Doller wurde von Richard Hellborn überzeugend wtedergegeben. Seine schöne und leichtsinnige Frau war Else Äooj). Sophiens Vater, der so überaus neugierig« Wirt wurde von Karl V o l ck gespielt und vornehmer und gelanter Attest war Wladimir Dranü eS. jet-Deserteore. . (Wolfs.) Dach ein« ifareft desertierte lojettruppen.bie 'che Grenze. Tschit« bie rumänische Aegie- iiiliefetn pade Verde Stücke, vor allem .Der Dür wurden von den leider nicht sehr Zuschauern lebhaft belacht und beklat der bewährten Hand Aböls Telekhs geleitet, der besonders wirkungsvoll den Mittelalt mit seinen nächtlichen Begegnungen und Zwischenfällen gestaltete. Der verlumpte Troddel von .Aassauem", die sich zwar unsere Darbietungen sehr aufmerksam anhörten, aber spurlos verschwunden waren, wenn — der Hut herurnging.^ Wechsel auf Holland....... Deutschland • • • • . Wien........ Prag........ pari« ...... London ....... Italien ....... Brüssel....... Budapest ...... Neuyork....... Agram. ....... Bukarest...... Vermischtes. Eisenbahnunglück in Italien. PariS, 28. Aug. (WB.- Der ,3nhxm- sigeant" berichtet Einzelheiten über etn Eisen- bahnunglück in der Röhe von Rom. Darnach fuhr der überfüllte Personenzug infolge falscher Weichenstellung mit einem auS entgegen- gesehter Richtung kommenden Gülerzug gu - I ain men und zwar an einer Stelle, die an einer 'Sette eine Schlucht aufweist. Acht Personen des Personenzuges stürzten in die Schlucht, obgleich der Lokomotivführer alle Bremsen gezogen und Gegendampf gegeben hatte. Es spielten sich schreckliche tSzenen ab. Bisher hat man 37 Tote und 15 0 Verletzte geborgen. •4d)t machen. Heyen-Nassau. 184.25 6.70 0.675 6.90 45 60 21.75 25.10 44.90 1.475 590^0 3.25 6.95 fb. Vad Salzschlirf, 27. Aug. Die Äur- Elfte hat auch in diesem Jahr Mitt« August die Zahl 5000 überschritten. In der letzten Aumm> Handel. Die Leipziger Messe. Leipzig, 28. 2lug. (WB.) Die offiziellen Mes severanstaltungen begannen Samstag abend mit der Tagung der deutschen weltwirtschaftlichen Gesellschaft in der Leipziger Handelskammer, worauf der Kölner älniversitätsprvsessor Dr. Prior II e b e I über die betriebswirtschaftliche Valutafrage berichtete. Bis Samstag mittag, also vor Metzbeginn, waren bereits 70 000 Melleabzeichen und Ausweise abgegeben. Da er- fahrungsgemäh der Zuspruch zur Mesle erst am Sonntag und Montag seine Höhe erreicht, ist mit einer ausserordentlich hohen Besucherzahl zu rechnen. Aach allgemeinem Urteil ist ein gutes Metz- geschäft zu erwarten. Frankfvrt a. M., 29. Augnst. (In einem TeU der Auflage wiederholt.) Bezeichnende französische Pressestimmen zur Ermordung Erzbergers. Paris, 27. Aug. (WT2.) Heber die Ermordung Srzbergers schreibt Jean V a i n- ville in der .Action Francaife": Erzberger hat sich in den Augen der deutschen Patrioten insofern schuldig gemacht, als er der erste Unterzeichner der deutschen Niederlage gewesen ist und weil er Deutschland den Verzicht anempfohlen hat. Erzberger stellte den Politiker "ber Ausführung dar, der Politik des ReichskanzlerS Wirth. Er war ein Freund des Reichskanzlers. Ja, es wird sogar behauptet, daß er sein Ratgeber gewesen ist. OB eder 16schreibt im ,@c Tair**: Srzberger stellte eine Reserve Deutschlands dar, das gegenwärtig so arm an wertvollen Männern ist. Sein Verschwinden wird hauptsächlich von denen bedauert. die hoffen, dah das deutsche Reich den Weg der Demokratie einschlagen werde. Sein Hn. Biedenkopf, 27. Aug. Wie «tS, so sind auch im Kreise "Bidenkopf vom Kreis' — Straßenmusikanten im Auto. Das Elend der Schauspieler ist in England noch größer als bei uns, und die Zahl der engagementS- losen Bühnenkünstler ist riesengroß. Da sind ein paar Findige auf einen glücklichen Einfall gekommen, um sich über die schlechte Zeit htnwegzu helfen und doch ihren Beruf nicht aanz aufgeben zu müllen. Sie haben sich als Straßenmusikanten aufgetan, aber in einer ganz modernen .gehobenen" Form. Man trifft jetzt in den Londoner Straften hie und da richtige Lastautos, auf denen etn Klavier fieftt, und dieses zunächst in rasendem Galopp durch die Straften lausende Gel ährt, macht plötzllch larmenbergfrin. z. (DM) Den d norgen geplante Ton- ZotSdain von der Av )* Ser deA legte gegen bajjfc» nten DeschverSe ela. eit unter der Mr- zuDegendemon- U den Anhängern !« z) eine Kundgebung t» Züricher Devisenmarkt. 27. 8. •• Sine öffentliche Sitzung deS lltreiSausschusseS findet am Mittwoch vor- wittag 9V< Uhr im Sitzungssaal des RegierungS- MebäudeS mit folgender Tagesordnung ftatt: Reu- Regelung der Vergütung deS Bürgermeisters zu Äoets a. d. Lda.; Qleuregelung der Besoldung deS Gemeinde rechn ers Faber *u Grohen-Linden - Ver- forgung der Gemeinden des Kreises Gteften mit entblüht/ Unb paftt das Wort QEär- toö: »Es ist doch kurios, baft jetzt bie schlimmsten Leute immer in die Höhe kommen;“ EHt auch auf unsere Zeit? Ober wenn Märten auf die Frage, wo diese Exempel (heute sagt man öAerimente) hinaus wollen, vom Bürgergeneral Kr. 117,88 1225,50 sh. -- zeigt haben, sind die Siweiftstvffe der "Rahrung in höchst komplizierter Weise, gewissermaßen aus "Baus!einen, den Aminosäuren, aufgebaut. Zwei dieser Säuren, das Lysin und Tryptophan, sind von besonderer Wichtigkeit, denn eine Rührung, in der diese Stoffe fehlen, läftt fein normales "Wachstum zu. Die Milcheiweiftstvffc aber enthalten diese beiden lebenswichtigen Stoffe in reichem Mabe und find also vollwertige Eiweißftoffe. Doch selbst vollwertiges Eiweift in der Qlahrung genügt noch nicht für die Entwicklung des menschlichen Organismus. Es gibt nämlich Substanzen, die in ganz geringer Menge wirksam sind, deren Fehlen in der Rahrung aber Siechtum und Tod herbeiführt: daS sind Die sog. Lebensstoffe oder Vitamine. Man hat nun in jüngster Zeit festgestellt, baft drei verschiedene Arten solcher Vitamine zu unterscheiden sind. Sin fetllösliches Vitamin. das aufier im Lebertran sich besonder- reichlich im Milchfett und in der Butter findet, verhindert das Eintreten der sog. Rachitis. Diese Kinderkrankheit kann also durch ausreichende Ernährung mit Vollmilch erfolgreich bekämpft werden. Ein anderer Ledensstvff, der sich ebenfalls in ausreichender Menge in der Milch und zwar im Milchserum findet, ist das antineuritische Vitamin, das für die Gesundheit des Rervensystems notwendig ist. Ein drittes Vitamin, das ebenfalls in der Milch vorhanden ist, aber durch Kochen zerstört wird, wirst besonders gegen den Skorbut. Weiterhin ist der Milchzucker der Milch von besonders günsttgem Einfluß auf die Batterienwelt des Darmes und kann auch durch anderen Zucker nicht erseht werden. Von den Mineralbestandteilen der Milch ist der Kalk für den Aufbau des jugendlichen Knochengerüstes überaus notwendig und findet sich in keinem anderen Nahrungsmittel so reichlich. Ludwig Thoma f München ,27. Aug lPrd-Tel.) Ludwig Thoma ist am Freitag ab end gegen 10 Uhr auf seinem Landsitz in Rottach am Tegernsee an den Folgen einer "MagenOperation gestorben. Ludwig Thoma war 54 Jahre alt. Mit ihm geht der bedeutendste und für feine Heimat charakteristischste bayerische Erzähler dahin. Als satirischer Politiker trat Thoma als Peter Schlemihl im .Simplizissimus" hervor und hat von dort aus eine starke Wirkung gehabt. Bornotizen. — TageSkalender für Montag: OswaldSgarten, Volksfest deS Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. — Astvrialichttpiele, Selterswerg, .Sklaven deS 20. Jahrhunderts" und .Das Geheimnis der Spielhölle von Sebastopol". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, .Der Tempeltänze- ein TodeStanz" und .Richtet nicht". Krciö Büdingen. -)(- Stockheim, 27. Aug. Heute tagte hn SasthauS Weitzel eine grobe Berfammlung der Vertrauensmänner des Hessischen Bauernbundes auS dem Kreis Büdingen, die noch einmal sich mit der Trennung des Bundes für die kommenden Landtagswahlen von der deutsch- nationalen Partei beschäftigte. SS sprachen u. a Bei- Vorsitzende des Bundes, Dr. H e l m o l t auS Sriebberg, und Dr. Hohmann aus Gießen, au herbem noch in der Aussprache eine ganze Anzahl Redner aus bäuerlichen Kreisen. Ein grober -dl der Versammlung war ganz entschieden gegen k^ne Trennung, zumal auf der Liste der deutsch- nati analen Partei an erster Stelle der bewährte Führer Dr. Werner stehen wirb, und man erreichte es, dah in einer demnächst einzu berufen- Ben Versammlung aller Vertrauensmänner in Frankfurt nochmals eine Abstimmung des Bundes Oder chie Frage fterbeigtfüftrt wird. Starkenburg und Rheinhessen. Din Warokkanerubersall tm neutralen Gebiet. Ft 125,13 15,12 I 23,83 1,17 ""h Ätzers vlff.j -7^'ka. Äst cuv 22*^8* köbel * Ar :!S7,Vr «IS'Ä ®Ä*8 M dtt »“*» vor k» S ^e8tunbt ilsJrr'- s-ss'-" SÄS» siebenw°H§. &ei W beM »SÄ '-MgütunS "ZrlaML «r scheid Halt. Das Klavier wird auf gemacht,' eine hinge Dame frfjt sich daran und bearbeitet die Tastatur aus Leibeskräften, und dann tritt etn Herr vor, der eine dramatische Arie singt, ober eine junge Dame, die den neuesten Operettenschlager vorträgt. Das sind engagementslose Bühnenkünstler, die sich auf diese Weise ihr Brot verdienen. Wie einer dieser .Straßensänger tm Auto" tn der .Daily Mail" erzählt, ist es durchaus kein faules Leben, das sie führen. .Wir fahren jeden Tag um 2 Uhr mittags loi,u schreibt er, .unb geben etwa 10-Mi- nuten-Konzerte, bevor wir um 5 Uhr nach Hause fahren. Darm beginnen wir um 6 Hftr die zweite Tour und tragen nun unser Programm noch etwa fünfzehnmal vor, bevor wir um 10 Uhr abends unser Tagewerk vollendet haben. DaS bedeutet, daft man fünfundzwanziamal dasselbe Lied, dieselbe Arie fingen, daS gleiche Touplel vortragen, dieselben Witze machen muh. und das dürfte immerhin für Schauspieler etn Rekord sein Unsere Erträge sind nicht grob; bei jeder Vorführung wird durchschnittlich eine halbe Krone eingenommen. Wenn man die Kosten für das Auto und die anderen kleinen Ausgaben abzieht, so bleibt für jeden der vier Teilnehmer ein wöchentliches Gehalt von noch nicht 4 Pfund. Das ist nicht viel. Aber man muft zufrieden sein in diesen Zetten — wenn- nur nicht allzu sehr regnet! Wir haben gar viele Abenteuer schon auf unseren täglichen Fahrten durch die Straften Londons erlebt unb wird die Zahl 5018 erreicht. — Der frühere König von Bulgarien wellt augenblicklich in Bad Salzschlirf. Er besuchte am Mittwoch morgen den Aeiherrn Riedesel in Sisenbach. !*** 'SSW SS wird vayer rwcksmals darauf hingewiesen, daß Händler, Handelsmakler, Handelsagenten, Kommissionäre. Aufkäufer, die ohne die erforderliche Genehmigung Großhandel betreiben, nicht nur bestraft werden, eS wird auch die Beschlagnahme der gehandelten Gegenstände vorgenommen. Die Preisprüfungsstelle der Provinz Oberhessen macht erneut darauf aufmerksam, baft dteUeberschrettungderausgedruck- ten Kleinverkauf Spretse aufgrund der Verordnung übet die äußere Kennzeichnung von Waren vom 18. Mai 1916 (RGBl. S. 380) verboten ist. DaS gleiche gilt auch für Waren (KekS, Schokolade, Zigaretten usw.) die auf Vergnügungsstätten (Kirchweihen Festen) und sonstigen mit erhöhten Linkosten arbeitenden Betrieben feilgehalten werden. Die Ansicht, daß eine Lleberschreitung der aufflebrudten Kleinverkaufspreise in solchen Fällen gestattet sei. ist irrig und werden Preisüberforderungen unnachsichtlich zur Anzeige gebracht. Angemessene Kartoffelpreise. Wie bie PreiSprüfungsstolle der Provinz Oberhessen festgestellt hat, wird zur Zeit besonders unerlaubter Handel mit Kartoffeln unb Getreide getrieben. Bezüglich des Handels mit Kartoffeln vird ausdrücklich bemerkt, daft nach dem Stande ber heutigen Marktnotierungen ein Preis von höchstens? 0—7 5 Mb proZentnerFrüh- fartoffeln angebracht erscheint und dah alle Preisangebote, bk diese Höhe überschreiten, als »ersuchte Preissteigerung zur Anzeige gebracht .Derben. Dem Zwischenhandel ist einschließlich feiler Unkosten unb seines Verdienstes eine Preisspanne von höchstens 20 Prozent zugebilligt. Alle xleinverkaufSpresse, die diese Zwischenhandels- spanne überschreiten, werden als unberechtigte Preistreiberei unb als Wucher verfolgt. Die Dolizeiorgane find angewiesen, ihr di. Darm fta d t, 28. Aug. Gestern abend 1 *10 Uhr wurde auf deS Griesheimer Chaussee «n auf seinem Rad fahrender Werkmeister cm der Technischen Hochschule Darmstadt von Marokkanern überfallen unb brutal mißhandelt. Er erlitt einen schweren doppelseitigen Schädelbruch durch scbläge mit dem Gewehr oder Seitengewehr unb wurde in schwer verletztem Zustande bewußtlos ins Krankenhaus gebracht. Näbere Ängaben formte das bedauernswerte r^anAös is ch-rnarokfomischer Destialttat Verschwinden bedeutet für die Rattvnalisten ete Xittrmbb. .Libre Parole" lchreibt: Harden fühlt sich nicht mehr sicher. Er stellt bie Herausgabe der .Zukunft" Hn unb begibt sich nach Amerika unter bem Vorwand, dort Vorträge zu hatten. Erzberger totrb ermordet. Das ist der gegentDärtlgt Zustand tn Deutschland, zu dem unS Lloyd Georg« rät, Vertrauen zu haben, dem wir soeben biß wirtschaftlichen Sankttonen erlassen haben und dem wir jedenfalls morgen gezwungen werden, die milltärischen Sankttonen zu erlaßen. Der .M a t i n" schreibt: DaS ist der 115 politische Mord, den die geheime Mllttärvrganisativn seit bem Waffenstillstand begangen bat Die Methode richtet die Männer. Die deutsche Militärorganisation blldet keine Partei, sondern eine Mörderzentrale. DaS .Journal" schreibt: Wir werden Erz« berger nicht beweinen, denn er ist in büftern Stunden zu sehr unser Feind gewesen, alS bah wir jemals Sympathie für ihn hegen Bunten. Wir bedauern eS nur für Deutschland, daft auf solche Weise wieder einer feiner bebeutenbfien Staatsmänner verschwunden ist, der sich bemüht hat, Deutschland auf dem Dege zum Frieden zu lenken. Eine solche Tat hat ihre Hart Bedeutung. Wir kennen diese Bedeutung in Frankreich. Hossen wir, daft sie auch in London, Rom unb Washington erkannt wird. »Petit Parisien" schreibt: Dieses neue politische Verbrechen scheint eine Etappe der nationalistischen Reaktion zu sein, die jenseits deS Rheins droht. Eine Besprechung mit den Parteiführern' Berlin, 27. Aug. Gestern nachmittag versammelten sich die Parteiführer beim Reichskanzler zu einer Bes prechung über den Zusammentritt deS Reichstags, über die oberschlesische Frage, die Qteuerfrage und den deutsch-amerikanischen Friedensvertrag. Bei Eröffnung der Besprechungen ergriff Reichstags- präsideM L ö b e das Wort zu einer Ansprache, in der er seiner Entrüstung über den fei- genMordan Grzberger Ausdruck gab unb den Fraktionsfreunden des Ermordeten die herzlichste Teilnahme auSsprach. 3m wetteren Verlauf der Besprechungen kündigte der Reichskanzler eine Kundgebung der Regierung zu dem Mord an, sobald genauere Einzelheiten über die Tat vorliegen. Die Mörder Erzbergers. Freiburg, 27. Aug. (WTB.) Heber die b e i d e n T ä t e r, die den Mordanschlag auf Erz- berger verübt haben, erfahren wir noch, daft der eine grob und blond, der andere llein und schwarz ist. Sie erweckten das Mifttrauen Srzberger S durch ihr auffälliges Benehmen. Er konnte jedoch mit bem Abgeordneten Diez dem Anschlag nicht mehr auSweichen. Der grobe blonde Mörder ist der Kriminalpolizei in Berlin bereits aufgefallen, wo er sich bet der letzten Abreise Grube r g e r 8 am Anhalter Bahnhof verdächtig gemacht hatte. Gr tauchte bann Wiede? in Beuron auf, wo sich Erzberger längere Zeit aufhielt. Es hat den Anschein, alS ob der Mörder sein Opfer systematisch verfolgt hat. Arbeitslose in Frankreich. P a r i«, 26. Aug. (Wolff.) Aach einer HavaS- Meldung aus A a n t e s veranstal'eten dort gestern ungefähr 1500arbeitSlose Arbeiter und Arbeiterinnen einen Umzug, wobei sie die Internattonale fangen und Arbttt verlangten. Sie begaben sich zur Präfektur und entsandten eine Abordnung zum Präfekten, die Arbeit verlangte. Der Präfekt versprach, ihr Gesuch an den Minister des Innern und den Arbeitsminister weiterzuleiten. Eine ähnliche Kundgebung von etwa 500 Arbeitslosen fand In 61. Lazaire statt. Die japanische Antwort an Harding. Washington, 26. Aug. (Wvlsf./ Die am 23. August von bem japanischen Minister des Auswärtigen bem amerikanischen ®e- s chäs tsträger in Tokio überreichte A o t e "spricht in herzlichen Worten bie Annahme der Einladung des Präsidenten Harding zur Konferenz über bie Abrüstung und die Frage bes fernen Ostens aus. In der Aote heiftt eS weiter: Der Friede unb die Wohlfahrt der Well feien lange der Gegenstand treuer Sorge für die.japanische Regierung und das japanische Volt gewesen. Die japanische Regierung habe herzliche Sympathie mit in bem in der "Rote des Präsidenten enthaltenen Satze von der erdrückenden Last und Ber Bedrohung, die die modernen Rüstungen für die Zivilisation darstellen. Ketnerler Anstrengungen formten zu grob sein, um jene Bedrohung zu vermindern. Die japanische Regierung mache die höchsten Bemühungerr, um den bauemben Frieden im ktillen Ozean sich^zuflellen. Deshalb sei es ihr höchster Wunsch, datz auf der Konferenz eine Verständigung erzielt werde, um ein für allemal in diesen Regionen den Frieden auf der bauernden Grundlage zu sichern. • Asbest-Minen. Die Asbest-Industrie hat in den letzten Jahrzehnten immer gröbere Fortschritte gemach^ unb doch steht die Verwertung dieses merkwürdigen Minerals das sich weben läftt immer noch am Anfang, ©eine Wichtigkeit für Die Automobilfabrikation, für den Dau von Schiffen usw. wird durch feine Unnerbrenn- liebfeit bedingt. So ist Asbest etn uns allen bekannter Stoff geworden, aber tote eS gewonnen wird, woher eS kommt, darüber wissen wohl nur wenige Auskunft zu geben. Während früher Nordamerika, Sibirien und Australien die Hauptasbestlieferanten der Welt waren, bringt nun Südafrika immer größere Mengen dieses Stoffes auf den Marit. Besonders in Rhodesien befinden sich wichtige Asbestmtnen, deren Mtttelpuntt der Ort Schab an t ist. Die Anlagen sind erst sechs Jahre alt, liefern aber bereits etwa 1000 Tonnen 2lsbest tm Monat und werden ständig ertoeitcrt »Die Asbestmtnen von Schabani", so erzählt Edwin Adeler tn einer Schilderung dieses "^rgwerks, .sind in die Seite eines Hügels hinetngeschnilten' und der Stoff, der hier gewonnen wird, sieht auS wie Grashalme, die fest zusammengedrehl sind. Man farm den Asbest mit der Hand von dem Felsen ablösen, kann die einzelnen Fäden in unendlich viele Teile zerlegen, kann sie zwischen den Fingern reiben, bis sie weich und seidig werden, aber man kann sie nicht brechen. Sie sind zäher alS eine Darmseite. Man kann bekanntlich auS diesem Material alle möglichen Gewebe Herstellen: aber damit ist seine Verwendungsfähigkeit keineswegs erschöpft. Die Dächer der Hütten tn dem Eingebvrenendorf, das den Minen benachbart ist und dessen Bewohner hier arbeiten, bestehen aus Albest, und auch sonst wird es zu allem Erdenklichem verwandt. Seine Zukunft aber liegt tn seinem Außen für die Wettindustrie. Der tiefe Hauptetnschnitt, der tn bie Felsen von Schabani gemacht ist, geht etwa 20 Fuft herunter. Da sieht man eine FelSschtcht unregelmäßig, bald einige Zoll, bann wieder einige Fuß breit, und dann kommt eine Schicht Asbest, die etwa drei Zoll dick ist, dann wieder Felsen und dann wieder Asbest. Dersuchswetse Grabungen haben gezeigt, daft der ganze grobe Hügel dieselbe Formation enthält. Die Asbestfäden liegen hier in einer verschiedenen Länge von 1—3 Zoll senkrecht zwischen den Felsen in großer Regelmäftigkeit. Die Aatur hat sie hier aufgespeicherl, ganz handlich für die Ausbeutung. Freilich ist der Schabani-Asbest ziemlich teuer, beim man zahlt hohe Löhne und die Werkzeuge für den BergwerlSbetrieb sind kostspielig. Aber die Asbest-Industrie ist in Südafrika erst im (s-tstehen, unb sie wird noch grafte Fortschritte machen. • AeueS vom Nährwert der Milch. .Keine größere Grausamkeit gibt eS einem Volle gegenüber, als ihm feinen Bestand an Milchvieh zu rauben", hat der Amerikaner Hoover gesagt, als wir durch den Friedensvertrag auch in dieser Hinsicht schwer geschädigt wurden, und die Amerikaner haben auch versucht, durch Einfuhr von MUchkühen uns zu helfen. Gerade sie wußten am besten, wie unersetzlich dies AahrungSmittel ist, beim von ihnen sind in den letzten (Jahren Versuche an Tieren gemacht worden, die ergaben, daß zum Wachstum und Gedeihen des jugendlichen Körpers Milch unb wieder Milch erforderlich ist. Diesen einzigartigen Wert der Mllch für bie Ernährung hat die moderne Forschung immer mehr erkannt, wie Dr. I. Grvßfeld tn der .älmschau" ausführt. Die Milch enthält nicht nur erhebliche Mengen an Siweißstvffen, Fett, Milchzucker und Mtneralstvffen, sondern auch in einer leicht verdaulichen und gut auSnutz baren Form. Doch ist das Dorhandenfetn solcher Eiweiß stosse tn der Dahrung noch keineswegs genügend, um daS Geben zu erhalten. Versuche an Tieren haben ergeben, daß trotz reicherer Zufuhr der Hauptnähr- stvffe Wachstumshemmungen Siechtum unb Krank- fteit auftraten. Wie die deutschen Chemtter ge- bie Antwort erhält: .Unsere Grundsätze heißt man daS bie ich aus breiten soll." Werm nur die Grundsätze (heute find's die Ideen) leben, mag sonst alles zum Teufel gehen! Die Aufführung wahrte alle Derbheit unb Urwüchsigkeit des Stückes, ohne ins Possenhafte htnüberzugleiten. Karl B v l ck, der auch als Spielwari zeichnete, spielte die Titelrolle unb war gleich gut als Schwadroneur und winselnder Hasenfuß. Die Rolle des gutmütigen und leichtgläubigen alten Märten lag bei Harry QI o e b er t tn besten Händen: der begabte Künstler, der für den Winter nach QEünfier verpflichtet warb, verabschiedete sich hiermit vom Gießener Publikum. Karla Keller und Georg H e b i n g bildeten ein sympathisches Iungbauempaar. In den kleineren Rollen des Edelmannes unb des Richters zeigten sich Karl Juhnke und Heinz B e ch st e i n. QIach dem so erguiefenb frischen .Dürger- gcneral“ fielen .Die Mitschu 1 digen" etwas ab. Goethe nahm sich für den inneren wie äußeren Aufbau dieses tn gereimten Alexandrinern geschriebenen Stückes bewußt französische DorbiDer. Daher mag es kommen, baft bie Verkettung der -Sjanblung und die Eharakterführung der einzelnen Personen etwas geLnstelt erscheinen. In scharfer Selbstkritik hat Goethe später ja selbst von allen Personen deS Spieles gesagt, daft sie Has ästhetische und moralische Gefühl verletzen. 1.7.11. . . Fr. 125,0 . . Fl. 59,21 . . Ür. 88,81 . . Är. 117,33 . . Är. 83,8) 1 .fischen rische» Truppe«. (Drr.) ,ar ? J« öfter. 1 ln das Dui. ■n Zusammen. “ Hauptabteilung Oepenhurg von un. Teuer genommen, erwidert meiden S.(DTD.)DtedaS f.dvn zuständiger lltarijche Ääu. » M dem heutigen uMung der Sen- achen anbei aus M edoch voiläusig in der ungarische Regierung der Bestimmungen fest entschlossen, tn» b- Mts. gefaßte De» i Ausschusses, keiner« der Derücksichtigung e erhobenen Forde« entlich nicht die 6r- sicher Forderungen : den österreichisch« unMiselhch de« gen tonne sestgeW .üumung deS von den Itenen Gebietes noch t sei. Pension Brandl B""." = 8a» möbLZtmurm. Verpfl. Möbl. Zimmer mit voller Pens, zu verin. 9:«2 Rieaelvsad 25. Elea. möbl. Schlafzim- mer (2 Betten) an bessere HerrenlEhep. auögeschl.)z. vm. Haaarir. 14,1. r. »„«, Gr. möbl. Zimmer z. vm. Rodbeimer Str. 47 II. 8. q. mttbl.ZLna. m.v-Pens. 1.9. z. v. Watxlarsr Wi| 17. Sohin., gröl. mlbLBalkon- ilnuner vor d. Korridor z. vm. B«rd»AalaflS 81II. OI|T<4 Gut möbl. Zimmer 3. Stock, elekrr. 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Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei demHinscheiden unserer lieben Mutter, für alle Liebe und Güte, die ihr während ihres langen Krankenlagers von so vielen Seiten erwiesen wurden, sagen wir unseren herzlichsten Dank. "388 Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig vechthold und Hinter. Gietzen lWetzsteingasie 18), 29. Aug. 1921. BolWWt Heimatkunst: Sonntag, 4. Ceptbr. Ausflug «rf nach Friedberg. Abfahrt 0.45 norm. 4. Kl. nach Bad Naubeim. Dr. Meyerhoff verreist am 31. August 1921 5u kaufen gesucht _ ein gut erhaltener mittlere Figur. Schristl. Angeo. unt. 9378 an den Giek Anzeiger. Nach meiner Tätigkeit als Assistenzarzt an Krankenhaus u. Sanatorium habe ich mich in Gießen, Stephanstr. 16, als prakt. Arzt niedergelassen. Sprechstunden: 8—9 Uhr vormittags 4—5 Uhr nachmittags (vormittags für Lungenkranke) Dr. med. E. Leib. | Klubmöbel I Divans Suche z. 15.9. ein Mädch. a. guter Fam. zur Erlern, des HauSh. u. der Küche ohne gegens. Bergüiung. Muh alle im Haus vor- komm. 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Do quittierte alles mit höfllchem Dank. Aber sie trug Hertha nie einen Gruß an Waldemar Ruhland auf. stellte die Blumen in des Fürsten Stube und servierte ihm die Früchte als Dessert. Auch vermied sie jedes Gespräch über Waldemar -so geflissentlich, daß Hertha schließlich ärgerlich darüber ward und ihre Besuche im Krankenzimmer immer mehr abkürzte. Draußen hatte der Herbst mit Sturm und Regen seinen rauhen Einzug gehalten. Man muhte früher als sonst mit dem Heizen beginnen und konnte wochenlang nicht vor die Tür. Rur Rüdiger war fast immer unterwegs. Bald oben in den Wäldern, wo fleißig geschlä- gert wurde, bald am Mühlenwerk, wo die neue Fabrik sich immer mehr der Vollendung näherte. Wenn er dann spät abends trotz Lodenmantel und Wasserstiefel oft ganz durchnäht nach Hause kam. hatte er keine Lust, erst extra Toilette zu machen und den Damen Gesellschaft zu keiften. Er lieh sich also das Abendbrot aus sein Zimmer kommen, zog bequeme Hauskleider an unb ging dann zum Fürsten hinüber, um noch ein falbes Stündchen mit ihm zu verplaudern, ehe er todmüde ins Bett sank und sofort in ttaumlosen Schlaf verfiel. Wehr aE einmal ruhte dann des Vaters Blick besorgt auf seinem bleichen Gesicht. „Du überanstrengst dich entschieden. Rüdiger!" sagte er eines Tages. „Ich dachte es mir ja gleich, als du Weivert enlliehest. Run hast du dir noch diese Fabrikgeschichte aufgeladen, und ich fürchte, eines Tages wird'du einfach zu- sammenbrechen. Kein Tagelöhner würde solch ein Leben auf die Dauer aushallen!" Aber Rüdiger wehrte lächelnd ab. „Das gerade ist mir recht. Habe keine Sorge, Papa. Wir Rothersteins sind zäh und ausdauernd. Die Hauptsache ift, dah wir dabei vorwärts kommen 3m Januar, wenn ich die erste Rate von der Exportgesellschast ausgezahlt be- Die Rothersteins. Roman von Grich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner & Eomp., Berlin W 30. 40. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Rein, das war vorüber. Er hatte weder ein Recht, noch Lust, Freundschaft zu verlangen, wo er, wie ihm leider klar genug geworden war. ganz etwas anderes zu finden gehofft hatte Er chatte kein Glück mit seinen . Träumen.' Mochte es denn so bleiben zwischen ihnen. „Du hast recht." sagte er mit einer Verbeugung förmlich. „3d> habe lein Recht, dir zu befehlen. Berzeihe, dah ich es aus Sorge für dich einen Augenblick vergast." Bon diesem Tage an wichen sie einander aus. Do blieb unsichtbar, wenn Rüdiger seine täglichen Besuche im Krankenzimmer machte, und er vermied es ängstlich, den Wirtschafts Hof zu betreten, wenn er sie dort beschäftigt wustte. Die Genesung des Fürsten machte viel langsamere Fortschritte, als cr selbst gehofft hatte. Es gab alle Mlgenblicke etwas, das ihn wieder zurückwarf und nicht recht zu Kräften kommen liest. Einmal eine 3nfllienza. die sich wochenlang hinzog, dann wiederholte Rlagen- verstimmungen, die er auf die neue Diät schob, und Gichtanfälle, die mit dem feuchten Herbst- Wetter zusammenhingen. Do kam tagelang nicht aus dem Krankenzimmer, auster frühmorgens und nach Tisch m den Wirtschafts Hof. Hertha nahm ihr dies sehr übel. Anfangs war auch sie tägllch für längere Zeit im Krankenzimmer erschienen und wollte Do durcharcs ablösen. „Denn du muht an die 2uft! Du siehst jetzt schon ganz bläh und elend aus!" sagte sie. Hnb jedesmal, wenn sie kam, war ihr Erstes, Waldemar zu erwähnen. „Er läht dich grüßen. Der arme Kerl sehnt sich so danach, wieder einmal mit dir zu plau- dem! Er ist ganz desperat, dah du noch nicht mit mir im Atelier bei ihm warst, sein Bild an« zufehen! Denn stell dir nur vor: er hat sich in den Kopf gesetzt, das Bild muht du zuerst 'ehen und begutachten — eher darf es nicht aus die Ausstellung!" Nr. 201 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Montag, 29. August 192s Eine neue deutsche Note au Frankreich. Berlin, 27. Aug (Wvl'f ) Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Botschaftsrat von H ö s ch Hal dem französischen Ministerpräsidenten Briand als Borsitzenden des Obersten Rates am 26. August folgende Rote übergeben Euer Exzellenz teilten mir mit Schreiben vom 14 August im Ra men der im Obersten Rat bet- ii.«lenen alliierten Mächte den Beschluh deS Obersten Ralc^ vom 13. August über die teilweise Aushebung der Sanktionen ab 15. September mit 3m Ramen meiner Regierung beehre ich mich. Eurer Erzellenz als Vorsitzenden des Obersten Rates während seiner letzten Tagung, hierauf folgende- zu erwidern: Die deutsche Regierung legte seinerzeit gegen die Verhängung der Sanktionen als eine mit dem Vertrag von Versailles und dem Völker» iecht unvereinbare Mahnahme Verwahrung ein Rochdem deutscherseits das Ultimatum angenommen war und alle bisherigen Zahlunas- fristen pünktlich eingehallen wurden glaubte sich die deutsche Regierung zu der bestimmten Erwartung berechtigt, dah die Sanktionen alsbald r e st l o s aufgehoben würden. Sie bedauert aufs tiefste, dah sich die alliierten Regierungen hierzu nicht haben entschliehen können. Die deutsche Regierung sieht sich genötigt, den ihr gemachten V o r w u r f zurückzuweisen, dah sie bei der Handhabung des deutschen E i n - und Ausfuhrsystems unter Verstoß gegen die Vorschriften der Artikel 264 bis 267 des Vertrages von Versailles Angehörige oder Waren irgend einer der alliierten Mächte schlechter behandelt habe als diejenigen eines anderen Landes. Dieser Behauptung können nur gelegentliche Mißgriffe nachgevrdneter Stellen zu Grunde liegen. Die deutsche Regierung ist durchaus entschlossen, die in den Artikeln 264 bis 267 übernommenen Verpflichtungen sowohl im besetzten wie im unbesetzten Gebiet Deutschlands zu erfüllen. Sie sieht sich aber genötigt, darauf hin- zuweisen, dah weder der Vertrag von Versailles noch das Rheinlandabkommen den alliierten Mächten oder den an der Besetzung des Rheinlandes beteiligten Staaten ein Kontrollrecht über die Einhaltung dieser Bestimmungen in Bezug auf das besetzte Gebiet gibt. Hm indessen den alliierten Regierungen die Heberzeugung von der loyalen Handhabung der deutschen Ein- und Ausfuhrbestimmungen zu verschaffen, will sich die deutsche Regierung mit der Schaffung der unter Ziffer 2 a in der Rote Eurer Exzellenz vorgesehenen Organe einverstanden erklären. Sie knüpft aber dieses Zugeständnis an die Voraussetzung. dah das alliierte Organ sich bei seiner auf das besetzte Gebiet beschränkten Tätigkeit jeder Einmischung in die deutsche Exekutive enthalten wird. Die deutsche Regierung glaubt, dah die Frage nur in der Form einer wechselseitige n Verständigung zwischen der deutschen Regierung und den Regierungen der beteiligten alliierten Mächte geregelt werden kann. Demnach würde also auch die Einführung der zu vereinbarenden Regelung im besetzten Gebiet der deutschen Regierung zufallen, so dah die Verordnung der interalliierten Rheinlandkommission nicht in Frage käme. Die interalliierte Rhein- landkommission wäre hierzu auch nicht befugt, da ihr das Derordnungsrecht gemäh Artikel 3 des Rheinlandsabkommens nur zusteht, soweit dies für die Gewährleistung deS Unterhalts, der Sicherheit und der Dedürfnisfe der Stteitkräfte der alliierten und assoziierten Mächte nötig ist. Eine Erweiterung dieser Befugnisse durch einseitigen 'Beschluh des Obersten Rates ist weder im Rhein- landkommissivn noch im Friedensvertrag vorgesehen. Die deutsche Regierung sieht die wesentliche Aufgabe des interalliierten Organs darin, die Beschwerden der Angehörigen der Alliierten über die Handhabung der Gin- und Ausfuhrgenehmigung durch die deutschen Behörden in Bezug auf das besetzte Gebiet möglichst schnell aufklären bzw. beilegen zu können, und gibt sich der Hoffnung hin, dah es den beiderseitigen Bevollmächtigten bei den in Aussicht stehenden Verhandlungen in Koblenz gelingen wird, für das alliierte Organ eine Form zu finden, die annehmbar ist. Die deutsche Reaieruna könnte lick leichter mit her in Aussicht genommenen Einrichtung abfinden, wenn deren Tätigkeit von vornherein ein festes, zeitiges Ziel gesetzt werden würde, unter grundsätzlicher Wahrung ihres Standpunktes über die rechtliche H n z u l ä s s i g k e i t der Sanktionen. lleberhaupt will die deutsche Regierung gegen die Gültigkeit aller Handlungen, die während der Dauer der Sanktionen nach Maßgabe der von der interalliierten Rheinlandkommission in Ausführung der Beschlüsse der Londoner Konferenz vom März 1921 erlassenen Verordnungen vorgenommen worden sind, keine Einwendungen erheben und auch von allen gerichtlichen und verwaltungstechnischen Mahnahmen gegen die Urheber solcher Handlungen absehen. Sie erwartet ober dah in der H e be r g a n g s z e i t bis zum 15. September keine das augenblickliche Bedürf' nis der besetzten Gebiete überschreitenden Ein- und Ausfuhrbewilligungen für das Ausland erteilt werden und dah auch bei Erlab der in Ziffer 3 der Rote Eurer Exzellenz vorgesehenen UcbergangSbeftimmungen auf den Schuh des deutschen Wirtschaftslebens und der deutschen Finanzen die größtmöglichste Rücksicht genommen wird, womit die alliierten Mächte zugleich der Reparationsfähigkeit Deutschlands und damit ihren eigenen Interessen dienen würden. Indem die deutsche Regierung die Ehre hat, mitzuteilen, dah mit der Führung der Verhandlungen auf deutscher Seite der Gesandte von M u t i u s beauftragt ist, spricht sie nochmals die feste Erwartung aus, dah auch die militärischen Sanktionen alsbald aufgehoben und die neu befetten. Gebelle von der drückenden Last der Besetzung befreit werden. Die deutsche Bürde. Auf eine Anfrage im englischen Parlament über die deutschen Reparationszahlungen hat am II. August der englische Schatzsekretär John Butcher folgende Aufstellung gegeben, deren erschreckende Ziffern dieBürde, unter der Deutschland stöhnt, grell beleuchten und zeigen, wie Deutschland von den Alliierten auSgesaugt wird. Die englischen Ziffern sind ohne Zweifel zuverlässig. Der englische Schatzsekretär stellt fest, dah bis zum 30. April 1921 die deutschen Zahlungen die Gesamthöhe von rund 284 Millionen Pfund Sterling betrugen. Bei einem Durchschnittskurs von 300 Mk. für das Pfund Sterling sind das 85 200 Millionen Mark. Die Aufstellung besagt: Rach Mitteilungen der Reparattonskom- mission hat Deutschland vom 11. November 1918 bis zum 30. April 1921 folgende Zahlungen geleistet: Zahlungen Betrag in Goldmark Englischer Anteil in bar 99 334 000 — Schiffe 270 33 1 000 190 816 000 Kohlen 437 100 000 — Farben Unbewegliches Ligen- 36 823 000 8 421 000 tum und noch nicht realisierte Werte 2 754104 000 450 000 Andere Werte 937 040 000 6 210 000 Zusammen: 4 554 792 000 205 897 000 In Pfund Sterling 284 500 000 13000 000 Don dieser Summe von 13 Millionen Pfund Sterling schreibt, wie der englische Staatssekretär ausführt, England nahezu 7 Millionen Pfund als Kosten für die englische Desatzungsarmee ab. — Don Interesse ist der verhältnismäßig geringe Anteil Englands an den deutschen Zahlungen, denn er beträgt weniger als 5 Prozent. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. Aug. 1921. Der Krieg und die Eheschließungen in Hessen. Die Gleichgewichtsstörungen, die allent- fpiegelt auch die Statistik der Ehefchlie- hungenwider. Zunächst brachte der Ausbruch des Krieges eine erhebliche Vermehrung der Eheschließungen. Die plötzliche Einberufung vieler Männer zum Heer hatte zur Folge, dah einerfells zwar viele geplante Ehen teils verzögert, teils überhaupt verhindert wurden, andererseits aber auch beschleunigt und ihr Abschluh auf wenige Tage aufammengedrängt wurde. Im IuN 19 14 betrug die Zahl der Eheschliehungen in Hessen 6 5 5, im August 1 757. Dieses Ernporschnellen ist besonders stark in den gröberen Städten. In Darmstadt stieg die Zahl in den beiden Monaten von 47 aus 234, in Mainz von 59 auf 258. Danach aber trat ein plötzliches Sinken der Ehehäufigkeit ein. Der September wies für Hessen nur noch 345 Eheschließungen auf gegenüber 684 im Vorjahr. Im ganzen Jahr 1914 wurden dementsprechend nur 8952 Eheschließungen gezählt gegenüber 9621 des Vorjahres. In den folgenden Jahren kommen die Einwirkungen des Krieges deutlicher zum Vorschein. Die Zahl der Gheschlie- fjungen sinkt 1915 auf 5235, 1916 gar auf 4987, von da an steigt sie wieder allmählich, wenn auch ganz langsam. Es beginnen die sogenannten Kriegstrauungen. 1917 zählt 5727. 1918 wieder 6740 Eheschließungen. Rach Beendigung des Krieges und nachdem die ersten Schrecken der Revolution vorüber sind, sind alle Hemmungen überwunden und eS entsteht eine wahre Heiratsepidemie. Die Zahl der Eheschliehungen betrug (in Klammern sind die entsprechenden Zahlen des Vorjahres beigefügt) im Dezember 1918: 675 (724), Januar 1919 : 602 (459). Februar 938 (460), Juni 1504 (581), Dezember 2139 (675), im ganzen Jahr 1919: 16 945 (6740). Das Jahr 1920 bringt eine noch gröbere Flut. 19 315, das ist mehr als das Doppelte der normalen Friedensjahre. Diese beiden Jahre haben bereits ausgereicht, um den ganzen Kriegsausfall an Eheschliehungen zu beseitigen. Denn 1911 bis 1913 betrug die durchschnittliche Zahl der Eheschliehungen 9636, 1914 bis 1920 jährlich 9700. Es ist also alles wieder wettgemacht. Das ist deshalb merkwürdig, weil man doch erwarten sollte, dah der Tod so vieler heiratsfähiger Männer während des Krieges feinen Einfluh geltend machen würde. Im Rovember 1920 beginnt aber bereits wieder der Hmschwung. Im Oktober wurden 1730 Ehen gegen 1673 des Vorjahres geschloffen, im Rovember 1737 gegen 2^83. im Dezember 1952 gegen 2139, im ersten Vierteljahr 1921 3685 gegen 4060, im zweiten Vierteljahr 3926 ge.'en 5764 des Vorjahres. Immerhin sind diese Zahlen noch sehr hoch gegen die Friedensjahre. 3m Jahre 1914 betrugen die entsprechenden Zahlen 1889 und 2856. Auch im Heiratsalter und Familienstand der Eheschliehenden hat der Krieg erhebliche Verschiebungen hervorgerufen. Die mittleren Altersstufen, bei den Männern die Jahre 30 bis 40, bei den Frauen 25 bis 35, traten stärker hervor, ebenso hat sich der Anteil der Verwitweten besonders unter den eheschliehenden Frauen stark vermehrt. * Personalien. Dem bisherigen Stabsarzt der Reserve Professor Dr. Heinrich Walther, während der Kriegszeit Chefarzt des Res -Laz. I, wurde der Charakter als O b erst a b s a r z t mit Erlaubnis zum Tragen der Hnt- form der Sanitätsoffiziere des Beurlaubtenstandes verliehen. •• Sklaven des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieser Film, der am Samstag vor geladenen Gästen abgerollt wurde und von Deute ab in den Astorialichtspielen, SelterSweg öffentlich gezeigt wird, ist als Propagandafilm für bic Avignon-Gcfangenen gedacht und erscheint unter dem Protektorat der Reichsveretni- gung ehemaliger Kriegsgefangener. Als Ganzes gesehen, ist er nicht schlechter, aber auch nicht besser als jeder Durchschnittsfilm und repräsentiert mit seiner raffiniert konstruierten, aber innerlich hohlen Handlung, mit feinen Effekten und Heberraschun- gen echtes Kino. DaS Schluhbild zum Beispiel zeigt eine ganz unmotivierte Verbrüderunasszene zwischen einem sterbenden Deutschen und zwei Franzosen, die sich eben noch auf Tod und Leben bekämpft "hatten, wobei ein Franzose und der aus dem Lager geflohene Deutsche getötet wurden. Was den Film aber des Ansehens wert macht, das sind die ganz vorzüglichen Aufnahmen auS den groben Kämpfen im Westen, die sicherlich seinerzeit an der Front selbst ausgenommen wurden. Die Ausschnitte aus her Arras-Schlicht ziehen so eindringlich und bildhaft vorüber, bah man sich mitten drin in diesen furchtbaren Kämpfen glaubt, dab man fast das Tosen und Krachen des Trommelfeuers im Ohr spürt, das unheimliche Zischen der Flammenwerfer, das wuchtige Heran- stapfen der Tanks. Hnd wie erschütternd sind die Bilder aus dem eingetrommelten Unterstand, in dem sich die dem Wahnsinn nahen Soldaten gegenseitig aus ihrem Leben erzählen, um N'.>5 der Erinnerung Kraft zu schöpfen zum Festhalten am entgleitenden Mut zum Leden Ergreifend wirken auch die Bilder aus dem französischen Gefangenenlager mit all seinem Fron and Jammer, seiner Verzweiflung und Trostlosigkeit, die sich steigern, als sich die unbarmherzigen Stacheldrähte auch nach Kriegsende nicht offnen wollen Landkreis Gieren. 0 Gründe rw 26. Aug. Der Plan zur Ehrung unserer Gefallenen beginnt jetzt greifbare Gestalt anzunehmen. Nachdem in ^cr notigen Woche Professor Walde- Darwindt hier zur Besichtigung weilte, hat er nächst . ende» Vorschlag gemacht. In der Kirche sollen luf zwei groben Tafeln die Ramen der Gefallenen verewigt werden, während auf der Höfetränksbrnctt in der Mauer eine Rische errichtet werden soll, die einen einfachen Gedenkstein auf nimmt Der Blick auf die dahinter liegenden Baumgruppen und weiterhin bis nach dem benachbarten Lehn- heim würde diesen Platz wirkungsvoll umrahmen. Der Ausschub für die Errichtung eines Denkmale hat nun diesen Plan in seiner letzten Sitzung gut- geheiben, jedoch soll vor der endgültigen De- schluhfassung noch eine Burgerversammlnng Stellung dazu nehmen. Dis jetzt sind durch Haussammlungen ungefähr 11000 Mark aufgebracht man hofft diese Summe noch etwas erhöhen zu können. x W i e f e d, 27. Aug. In der gestrigen G c - meinderatssihung wurden Iahresbeträge der Gemeinde bewilligt für den Landesverband zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten: 100 Mark, für die Krüppelfürsorge 75 Mark. Zur weiteren Abhilfe bei der noch immer großen Wohnungsnot soll eine Kommission auS dem Bürgermeister und den Gemeinderäten Luh und Kümmel, die noch zu vermietenden Wohnungen aufnehmen und dann dem Gemeinderat Vorlage machen. Dem Gesuch einer Giebener Firma um Freimachung einer Wohnung für ihren Werkmeister konnte nicht entsprochen werden. Der Stenographen-Vereinigung Gabelsberger wurden jür ihr im Herbst stattfindendes Wettschreiben zwei Schulsäle überlassen und 50 Mart für Stiftung eines Ehrenpreises betoilligt Der Firma Cohn wurde zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes Gelände an der Bade n b u r g, etwa 7000 Quadratmeter verkauft, der Quadratmeter zu 6 Mark. Die Anschassung einer Schreibmaschine wurde nachträglich genehmigt. Die Hmpslasterung der ‘Srunnengaffe und Qlbleilung der zu walzenden Strahen soll In zwei Losen auf dem Submissionswege vergeben werden. Für die Mehlversorgung wird ein Ausschuß gebildet aus dem Bürgermeister und den Cemeinderäten Wacker und Laudon. Den Schluß der bis Mitternacht währenden Sitzung bildeten Mitteilungen deS Bürgermeisters über den angefertigten Bauplan tarn SchühenhauS bet der Badenburg. Hessen-Nassau. Frankfurta. M., 27. Aug. (WTD.) 3n einer Versammlung des Verbandes mitteldeutscher Industriellen und des Mittelrheinischen Fabrikantenvereins wurde nach einem. Referat des Fi- nanzministerS a.D. Dr. Decker-Lärmst aot eine Entschließung zu dem Steuerprv- gramm des Reichskabinetts angenommen. Die Versammlung begrüßt, daß sowohl direkte wie indirekte Steuern vorgesehen sind; sie tritt für die Beseitigung der Hmsaysteuer in ihrem jetzigen Hmfange ein, weil diese vor allem die Qualitätserzeugung trifft. Für dringend nötig wird die Festlegung der Bewertungssätze der laufenden Vermögenssteuer im Gesetz ange° lornrne, tilge ich das Darlehen auf den Erbrsicher Forst, unb Im Februar hoffe ich die Fabrik'in ■Betrieb stellen zu können. Dann habe ich Luft und kann mir auch wieder ein bißchen Ruhe gönnen." „Ra, hoffentlich widmest du dich dann auch wieder ein bißchen mehr der Familie und Geselligkeit. Die Damen klagen schon bitter, daß du dich ihnen ganz entfremdest." „So? Das tut mir leid. Run, im Frühjahr wird es wohl bester werden, und ich werde trachten, meine Fehler gut zu machen." Do faß im Rebenzimmer und horte jedes Wort. Die letzte Bemerkung Rüdigers ließ ihr Herz Plötzlich stürmisch schlagen. Im Frühjahr! War das vielleicht der Termin, den er sich gesetzt hatte, um Magelone Heun- zuführen? Von Tag zu Tag wartete sie unruhig, daß es geschehen würde. Ihr düntte, alles würde dann leichter und bester werden auch für sie . . . 19. Kapitel. Aus den regnerischen Herbst folgte ein milder, schneearmer Winter. Rüdiger war sehr froh darüber. Denn nun konnte die Arbeit ruf den Holzschlägen ungehindert fortgesetzt werden. Desto weniger entzückt waren Magelone und Anneliese davon. Welch ein öder, langweiliger Winter! Richt einmal Wintersport konnte man betreiben! Hnd die meisten Bekannten aus der Rachbarschaft hatten ihre Güter verlassen, um die Saison in Wien mitzumachen. Auch Edith Ruhland war fort. Sie hatte sich ganz plötzlich entschlossen, mll ihrer Tante, der Baronin Sester, den Winter in Kairo zu verbringen, nachdem Mr. Parker ihr geschrieben, daß seine Mutter und Schwester gleichfalls dahin gingen und sich freuen würden, ihre Bekanntschaft zu machen. Auch er selbst würde trachten, um Weihnachten herum ein paar Wochen dort za verbringen. „Hm dieses langwelligen Menschen willen willst du mich nun allein hier lassen?" klagte Magelone vorwurfsvoll. Edith errötete. „Was fällt dir ein: Ich gehe doch nutzt Parkers wegen hin! Hebrigens: komme doch mit: Es kostet btxß kein Vermögen und wäre so nett!" Magelone schüttelte den Kopf. „Ausgeschlosten, Liebste! Mein Schwager hat uns ja sogar den Fasching in Wien heuer gestrichen — aus Sparsamkeitsgründen! Hnd überhaupt . . .“ Sie dachte an die heilige Rot, die es ihr schon immer machte, jeden Monat die hohen Zinsen für Markus Lob cmfzubringen. Das Darlehen selbst — elende fünftausend Kronen — war ihr wie Butter in der Sonne unter den Händen zerronnen. Ein paar Tolletten in Wien damals, ein neuer Teppich in ihr Boudoir, Handschuhe, ein paar Garnituren entzückender Halb» schuhe mit den dazu passenden Strümpfen und ein paar Sendungen Konfitüren, für die sie schwärmte — und weg war alles gewesen. Rur die fünfzehn Prozent Zinsen blieben als Daumenschrauben und das Schwert der Rückzahlung über ihrem Haupte Wenn es ihr nicht gelang, Rüdiger vorher zu einer Erklärung zu bringen und dann auf rasche Heirat hinzuarbeiten, so mußte es im Sommer einen Eklat geben, den sie um keinen Preis erleben wollte. Denn Markus Löb toanete nicht, das wußte sie. „Hein, nein, ich muß schon aushalten hier,' schloß sie fleinlaut. Hm sich ein bißchen zu zerstreuen, fuhr Magelone nach Ediths Abreise dann häufig in bic Buchau spazieren und interessierte sich lebhaft für die Herstellung von Stacheldraht und Eisenblech. Sie nahm dazu meist ihren Ressen Lothar mit, der ganz glücklich darüber war, wenn „Onfei Eugen" ihnen alles eingehend erklärte. „Mein Gott, es ist ja so wenig, sich von Eugen Ruhland anschmachten zu lassen!" dachte Magelone ost. „Aber es ist doch etwas!" Mit Rüdiger ließ sich nun einmal nichts machen, |o lange er den Kops ausschließlich mit Arbeit angefüllt hatte . Auch Wendloh war wie verschollen. Jm Herbst hatte er noch ein paar Karten von den Manövern geschrieben und seinen baldigen Besuch in Aussicht gestellt. Run war es bald Weihnachten, aber gekommen war er nicht. (Fortsetzung folgt) seyen; die beabsichtigte „Erfassung der Gvld- tperte“ wird verworfen, weil die Verwirklichung dieses Gedankens die deutsche Wirtschaft teils in die Gefahr des Erliegens bringen, teils dem Ausland in die Hände liefern würde. Aus Hessen. NN. D a r m st a d t, 28. Aug. Der Schul- Au S s ch u h des Landtags setzte am Samstag seine Beratungen über die Volksschulnovelle bei Art. 42 fort. Hier wird festgelegt, daß an den als Konfessionsschulen zugelafse- nen öffentlichen Volksschulen von einer Vernehmung des Gemeindevorstandes bei Besetzung der Lehrerstelle abzusehen ist. Art. 43 bestimmt, daß hauptamtliche Lehrerinnen sÄr den Unterricht in weiblichen Handarbeiten nach den Vorschriften des Art. 41 angestellt werden. Lehrerinnen im Nebenamt werden von dem Kreisschulamt angenommen und verwendet. Die Vergütung bestimmt das LandeS- bildungSamt. Nach Art. 44 können Lehrer oder Lehrerinnen jederzeit unter Belassung ihres Gehalws und mit Gewährung der vorschrifts- mähigeü ^lmzugskosten auf eine andere Stelle verseht werden. Art. 45 setzt fest, daß die näheren Bestimmungen über die Einweisung der Lehrer und Lehrerinnen in ihren Dienst, ihre Verpflichtung und etwaige Abrechnung mit dem Vorgänger durch das LandeSbildungs- amt getroffen werden. Diese Artikel finden Annahme. Art. 46 u. folg, handeln von den Dienstpflichten der Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen und der Disziplinargewalt über dieselben. Der Artikel wird in folgender Fassung einstimmig angenommen: Die Lehrer an den Volksschulen sind Staatsbeamte und haben deren Rechte und Pflichten. Sie haben Die Pflicht zu erfüllen, die ihnen ihr Amt auferlegt und durch ihr Verhalten in und außer dem Amt sich der Achtung und des Vertrauens würdig zu zeigen, die ihr Beruf von ihnen verlangt. — Nächste Sitzung Montag. Darmstädter Zeitung. Wir erbal- ten folgende Zuschrift: Es ist hanebüchen, was dies früher so gut gelenkte Blatt setzt seinen Pflichtlesern Ku bieten wagt. Zum mindesten sollten die Kirchenvorstände, die es gar nicyt brauchen, es abschaffen. Wenn! das Ministerium bte Kirchengemeinden -um Halten noch zu zwingen versucht, so soll man tafy nur nicht einschuchtern lassen. Denn dieser Zwang ist nicht aufrecht ^u erhalten, da er unberechtigt und sinnwidrig ist. Der Kirchenvorstand AU Queckbarn hat das seinerzeit, als die Regierungszeitung ansing, ungenieß-, bar Au werden, dem Minisherium ganz offen geschrieben: „In der Zeit des freien Bolks- staats Hessen und der Trennung von Kirche und Staat bsaNtragen wir, vom Hakten der „Darmst. Zeitung" .befreityi werden. Diese Zeitung atmet A. Z. einen Geist, der ungefähr das Gegenteil von dem bedeutet, was eine evangelrsche Kirchengemeinde als ihr Heiligstes zu pflegen berufen ist. Es wräe also eine Vergewaltigung sondergleichen, wenn man uns Aum Halten dieses Blattes zwingen wollte." Unser Antrag wurde genehmigt, wie sich das von selbst verstarü), denn andernfalls hätte die Regieruna ja gezeigt, daß ihtr jeder Sinn für dre einfachsten Forderungen des Anstandes und der Gerechtigkeit abhanden gekommen sei. Ich kann den Kirchenvorstehern nur raten, in deutlicher unv ungeschminkter Weise das Blatt, das ja inzwischen in seinem Inhalt und seiner Form noch weiter gesunken zu sein scheint, abzulehnen. Die Forderung, daß das Ministerium diese Ablehnung Au genehmigen habe, ist völlig ungereimt und steht denen schlecht Au Gesicht, die immer mit vollen Backen behaupte::, uns die Freiheit gebracht Ku haben. Ergebenst Schick, Pfarrer. Queckborn, 26. August 1921. Aus dem besetzten Gebiet. Don der Grenze des besetzten Gebiets. hl. Darmstadt, 27. Aug. Der nachttäglich bekannt gewordene Ueberfall einer erholungsbedürftigen Frau durch zwei Marokkaner auf unbesetztem Darmstädter Gebiet in der Nähe des Waldfriedhofes zeigt, daß die Grenze gegen das besetzte Gebiet immer noch nicht genügend bewacht wird. Es känn- ten sonst kerne Besatzungstruppen am Hellen Tage sich auf dem unbesetzten Gebiet aufhalten. Das sicherste Mittel, die Besatzungstruppen vom unbesetzten Gebiet fern zu halten, wäre, dieselben auf dem unbesetzten Gebiet einfach festzunehmen und die Kommandantur des Barackenlagers zu benachrichtigen. Man muß hier einmal mit der irrigen Meinung brechen, daß die deutschen Behörden machtlos seien. Ein Konflikt mit den FranNosen ist dabei nicht zu befürchten. Im besetzten Mainz nimmt laut ,7Hess. Lt^tg." die Polizei Besatzungstruppen, welche sich eines Vergehens schuldig machen, ohne weiteres fest und liefert sie an die französischen Behörden ab. Ein einfaches Zurückweisung über die Grenze hat keinen Zweck, auch die Feststellung des Namens nicht. Die Truppen afrikanischer Herkunft führen meist den Sammelnamen „Mohamed ben Achmed" oder ähnlich und es wäre unmöglich, unter den vielen Namensvettern den besuchten zu finden. | Hochschulnachrichten- Hk. Darmstadt, 28. Aug. Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu Darmstadt haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Maschinenbau dem Ingenieur Fritz Opel, Mitinhaber der Firma Adam Opel in Rüf - s e l s h e i m, anläßlich keines 25jährigen Fubi- läums als Mitarbeiter der Firma, in Anerkennung seiner unermüdlichen Tätigkeit für die Entwicklung der Automobil-Industrie, insbesondere die konstruktive Durcharbeitung der Ilutornobil- motoren unh ihre fabrikationsmähige Herstellung die Würde eines Doktor-Ingenieurs Ehren.halber verliehen. Vermischtes. Verheerendes Anwetter in der Pfalz. Kaiserslautern, 28. Aug. Die Pfalz wurde am Donnerstag abend von einem Unwetter heimgesucht, das überall bedeutenden Sachschaden anrichtete und auch verschiedene Menschenleben forderte. Neustadt an der Hardt stand in seinen unteren Stadtteilen stundenlang unter Wasser, das in riesigen Sturz- bachen von den Höhen herabtoste. In Geinsheim erschlug der Blitz die Eheftau des Land- witts Johannes Hoffmann, im Walde bei Pfeffelbach den 45jährigen Arbeiter Friedrich Schanz aus Konken, bei Schauernheim die Ehefrau des Schmiedemeisters Geisdörfer, bei Nordborchen den Knecht Jürgens. Mehrere Personen wurden gelähmt. An verschiedenen Orten wurden durch Blitzschläge Brände verursacht. Am Polterabend verunglückt. Nürnberg, 28. Aug. Beim Ausbügeln ihres Brautlleides explodierte einer Telephonistin das Spiritusbügeleisen. 3m Nu stand das Kleid in Flammen. Dabei erlltt die junge Braut derart schwere Verletzungen, daß sie nach wenigen Stunden verstarb. Wie der Schmuggel der Dolkswittfchaft schadet. Aachen, 28. Aug. Die Schädigungen Les Schmuggels an der Bolkswittschaft und den Staatsfinanzen beweist die Tatsache, daß in einer Zollstelle bei Aachen im Jahre 1920 allein über 4 Millionen Zigaretten, 10 000 Kilogramm Kaffee, annähernd 85 Zentner Tabak, 10 Zentner Seife, über 200 000 Pfd. Margarine, ungefähr 5 Ztr Kakao usw. beschlagnahmt wurden. Es ist erwiesen, daß in einem Geschäft an der Grenze täglich eine Million Zigaretten umgeseht werden. Der Mord im Spessart aufgeklärt? Aschaffenburg, 28. Aug. Unter dieser Spitzmarke meldet der „Beobachter": Der Zigarrenhändler Gunzenheimer in der äußeren Glasbacher Sttaße wurde wegen dringenden Verdachtes, vor ungefähr zwei Jahren bei Rothe- buch den Feldwebel Meixner ermordet zu haben, festgenommen. Der Mord scheint politischem Ehrgeiz entsprungen zu sein. Meixner, Gunzenheimer und noch ein anberer waren zusammen hl der BollsaufklärungLstelle tätig. Einer von diese» dreien hatte Aussicht, in die Regierung berufen zu werden, in erster Linie war dafür Meixner ausersehen. Aus diesem Grunde wäre beim der Mord erfolgt. — Man wird gut tun, daß Ergebnis der amtlichen Untersuchung abzuwarten. » ♦ Neue Affen im Zoologischen Garten Frankfurt. Gelegentlich des großen mit der Firma Ruhe in Alfeld abgeschlossenen Tauschgeschäftes konnten erfreulicherweise wieder einige neue Prachtstücke für die Aftensammlong erworben werden. Das Glanzstück ist ein aus Sumatto stammender männlicher S ch w e i n s a f f e (Neme* atrinus nemestrinus L.) von imponierender Größe und Kraft, wundervollem Haarkleid und einem wahren Raubtiergebiß, eine der achtunggebietendsten Affengestolten und. wie nicht anders zu erwarten, ein bösartiger Geselle. Sehr viel zugänglicher und possierlicher ist das nun etwa halbwüchsige Schweinsaffenpürchen. Diese zu den Makaken gehörenden und doch gewisse Pavianmerkmale zeigenden Affen verdanken ihren Namen dem kurzen, dünnbehaarten, eigentümlich geringe!- ten Schwänzchen. Zur Gesellschaft für die beiden in einer Abteilung des Freikäfigs lebenden S u • matra-Makakenmännchen wurden zwei jüngere Weibchen der gleichen Att (Pithecus fas- cicularis Raffl.) erworben. Mit diesen neuer Sumatranern kam ein begehrter Westafrikaner, nämlich ein reizend zahmer, gut halbwüchsiger, männlicher Drill (Maimon leucophaeus F. cur.; an. Durch die Bereinigung dieses schwar^gesich- tigen Burschen mit dem schon seit vielen Safirer hier lebenden buntgesichtigen Mandrill-Weibchen sind wieder beide Typen der abweichendsten und eigentümlichsten Paviangattung vertreten. Dies» sog. Dackenfurchenpaviane sind unstreitig die Inter- essantesten und ausfallendsten Schaustücke, die ein» Aftensammlung zu bieten vermag. Aus den alten Beständen verdient neben der Herde der spaßhaften, jungen Rhesusaffen imFreikäsig das p.äch tige alte Rhefuspaar und die hübsche, zierliche Preuh-Meerkatze, das einzige bisher lebend gezeigte Exemplar seiner Att, besondere Erwähnung * Phantastische Preise im bolschewistischen Rußland. Nach einer Moskauer Meldung ist die freie Bettendung von Postsachen im bolschewistischen Rußland jetzt aufgehoben: dafür sind phantastisch hohe Postgebühren ein geführt worden. Eine Postkarte oder ein Stadtbrief kostet z. D. 100 Rubel, ein Brief nach außerhalb 250 Rubel, ein Einschreibebrief 1000 Rubel, Stadttelegramme kosten 100 Rubel das Wort, Telegramme nach auswärts 500 Rubel und Eiltelegramme 1000 Rubel das Wort. Auch die Erhöhung der Eisen- bahntarife nimmt geradezu groteske Formen an. Ein Billett von Petersburg nach Moskau kostet 140 000 Rubel, hinzukommen jedoch verschiedene Extra-Ausgaben für Platzkarte Eilzuschlag usw., so daß nur die Fahrt-Ausgabe für die Strecke von ca. 600 Kilometern 250 000 bis 300 000 Rudel -beträgt. Leinölfirnis, Terpentinöl, streiohfertige Oe'farben, Bemstein- fuflboden- lackfarben sowie alle Lacke für Handel u. Industrie billigst liefert* in einwandfreien Qualitäten toWtaWe Farin- iinl tatoteS Filiale GieBen. 2288V PlockstraBe 10. rrrrrrir rr r r :: iri r rrrrrr:rrrrr | Was Ihnen fehlt I an la Offenbacher Lederwaren f 1 wie Damentaschen, Brieftaschen, Geldschein- S J laschen, Portemonnaies, Aktenmappen, Zigarren- B und Zigaretten-Etuis, kaufen Sie | am vorteilhaftesten | im Etagegeschäft | Offenbacher Lederwarenhaus I | Gießen, Kirchenpiatz 8,1. Stock | denn nur hier kommt Ihnen die vollständige Ersparnis der Personal- il Ladenspesen zugute 93860 W | Kein Laden. 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August, vormittags 11 Uhr, wird im Hofe Rodhetmer Sttaße 42 eine braune Stute, 3jährig zugsest ein- und zwcifpLnnig, kinderftomm, unter voller Garantie auf Rechnung besten, den es angeht, öffentlich meistbietend versteigett. Besichtigung bei und vor der Versteigerung, die pünktlich stattfindet. L. Mthoff, Walltorfttaße 16, gerichtlich beeidigter Taxator, Sachverständiger und Auktionator. 9390 W. «les MlmWeo (Wintersamen) empfiehlt 9945c SiilseWus DeinrlU SM, GleW Bahnhofstraße, Ecke Wolkcngafie. Telephon 1403. MM bekommen Sie Beltöaman Betttattane Bettösröjent MMIkineii öemöentnd) yeMellflMlle B Meinen SMenslnsse KleiüersWe Solkoelonl W bdö Oanötmö- zenge fertige HJelB- nnö Irftotmareii nirgends aber zu enorm billigen Preisen Kaufen Sie am allersichersten bei t. IM, Daminftrahe 25 p. Torfstreu 22 Mk. per Ballen, und Torfmull 28 Mk. ver Ballen, frei Waggon Emviang'tation. Otto Scheel, Mühlstratze 24, TeL 218L Bekanntmachung. Am SamStag, dem 3. September 1921, tw mittaaS UV« 11 br, findet in GieKen, oberer Saal des Hotels „Grohberzoa von veffee* die öteHehnfe orSenfMe Oanptoeclammlnng des Aulda-Labu-KaualvereinS statt. 8996D Tagesordnung: L Bericht über die BereinStätigkeit tm Jahre 1990. 2. Rechnungsnblage für 1920 und Entlastung des Borstandeö. 3. Wabl von 2 Rechnungsprüfern »tn Prüfung der JahreSrechnung 1921. 4. Ergän^ungSwablen zum Ausschuß. 5. Neuwahl des Vorstandes. 8. Satzungsänderungen. 7. Wahl des Orteö der nächsten HaurNverfammluag. 8. Vortrag des Herrn Direktors C Bania-Lim bürg: „Die Contagsche Studie über den Ausbau einer Labn-s>uida-Wasterstrahe". 9. Sonstiges «Anregungen, Anfragen, kleine oe» schäflitche Mitteilungen usw.). Alle Mitglieder und frrcunbe de» sfulda-La-n» KanalprojekteS werden ergebenst hierzu eingeiaden. Geschäftsstelle Wetzlar, den 16. August 1ML Fulda-Lahn-Kanalverein E. V. Der Borfitzende: Groebler, Bergrat. Bekanntmachung. Donnerstag, den 15. September 1921, nach mittags 3 Uhr, findet auf dem Rathause zu Großen. Linden die Mt SmioloellmMg des Spar- und DorschnßoeretTls, AKttengesellschast zu Großen.Ltnben, für da» Geschäftrjahr 1920 statt. Tagesordnung: 1. AbhSr der Rechnung pro 1920, 2. Ergänzungswahl der Aufstchtsrots, 3. Ueberschretbung von Aktien, 4. Verschiedene». Großen-Linden, den 27. August 1921. SM- b. vMMemll, untengefeOIHoh Der Vorstand. 93730 uininiuiiiiiiHiiiiiiiiiniMiiiiiiiiiiiiiiiiHimimiiiminiiiiiiuiiiiiumiitHc |Louis Rothenberger| = Gießen Frankfurt a. M.,West = Neuen weg 22 Adalbertetraße 20 = Telephon 176/2124 Telephoni Taunus 4904 | Alteisen Metalle • Lumpen Papier sowie sämtliche Rohprodukte Antiquitäten. I(Id| nimiHimniimiiiiiiiHiiiiiiiimiiiiiiimiiiuiiiiiiriiiimiiiinmnHiiimnir Gnfnrf öcrnlflt un,et Garantie fnmi Vrut Cnfnrf DufUll und dlifien .Qo»f«, Kleider und tiiit !'Ä,K.aü?s? wonien für Wunden unschädL Verkauf nur bei Han»«ötz,Iriseur,«tterweg 1. —» Achtung! Viehzüchter! 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Dies, Aeitig die Inter WÄ die eint 4 den allen der H emsig dar „Wche. zierliche bisher lebend ge Adere Erwähnung fe im kölsche« ) einer Aoikauer !g Von Postsacher^ ‘ ausgehoben,- da- rühren eingefühn Stadtbries lostet ) auherhalb 250 Rubel, Stadttele» wrl, Telegramme ltelegramme l«D >dhung der Ww- tcile Formen an. ach Röslau loste! .edoch verschiedeue > Cilzuschlag uto., für die Streck von 300000 Xubd'be- jung. tmber 19tl,Nr Kem oberer Saal W*" die WWM »statt. MVV ng: Mta.S^rrM mb Entlastung deS a-ar MM »er 'M kr° h 'st -mwwerscwmiE T.Bansa-Liwbnrr den ÄuSbou einer ftssge 16. «ugust M ’ereta ^ser^SeML-- chm'll- . ang: MO 1M MtstML ,bergjr ,rt Y- pgplCt »titel»- AmtzverlündigungrbIM für die provinzialdireMon Gberhefien und für das Kreisamt Gietzen. natb 'Bedarf: Montag, Dienste*, Donnerstag und Freitag. Nur durch die Post zu beziehen gegen Ml. 2.60 oierteljLkrltch Nrl 12»__29. Auqust___19«! 3nbalt$ Ueberfidit; Meldepflicht der Ausländer. - Walzarbeiten. - Warnung der Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen. - Viehseuchen. — Dienstnachrichten. Verordnung betreffend die Meldepflicht der Ausländer. Auf Grund des Artikels 9 der hessischen Verfassung vom 12. Dezember 1919 wird angeordnet: £ 1. Jeder über 15 Jahre alte Ausländer ist verpflichtet, sich binnen 48 Stunden nach der Ankunft bei der Ortspolizeibehörde des Ankunftsortes anzumelden. Die Meldepflicht greift nicht Platz, wenn der Aufenthalt im Bezirk einer und derselben Ortspolizeibehörde nicht länger als 48 Stunden dauert. § 2 Die Anmeldung hat persönlich unter Vorlegung des Passes oder eines Ausweises zu erfolgen, der als ausreichender Ersatz für den Patz durch den Reichsminister des Innern oder das hessische Staatsministerium anerkannt ist. Sie wird von der Ortspolizeibehörde in dem Pah oder dem als Pahersatz dienenden Ausweis bescheinigt. Die Bescheinigung ist mit dem Stempel der Behörde und der Unterschrift des die Meldung entgegennehmenden Beamten zu versehen. Bei der Anmeldung ist ein Lichtbild des sich Meldenden zu übergeben: ist er nicht im Besitze eines gültigen Passes oder Pah- ersatzes, so sind zwei Lichtbilder zu übergeben. Ein Lichtbild braucht nicht übergeben zu werden, wenn die Anmeldung bei einer Polizeibehörde wiederholt wird. Der Ausländer hat bei der Anmeldung auf Befragen über seine persönlichen undd wirtschaftlichen Verhältnisse erschöpfende und wahrheitsgemähe Auskunft zu erteilen. Kranke und Gebrechliche können unter Beibringung <*iner ärztlichen Bescheinigung schriftliche Voranmeldung einreichen. Die Voranmeldung mutz binnen 48 Stunden nach der Ankunft bei der Ortspolizeibehörde eingehen. Die Ortspolizeibehörde kann nachträglich persönliche Anmeldung fordern. Die Absätze 2 und 3 finden Anwendung. § 3. Jeder über 15 Jahre alte Ausländer hat seinen Pah oder Pahersah jederzeit bei sich zu führen und auf Anfordern den Polizei- und Sicherheitsbeamten vorzuzeigen. § 4. Wer einem Ausländer entgeltlich oder unentgeltlich Wohnung oder Tlnterkunft gewährt, ist verpflichtet, sich über die erfolgte polizeiliche Anmeldung des Beherbergten binnen 48 Stunden nach der Aufnahme zu vergewissern. Wird ihm die Anmeldung nicht nachgewiesen, so hat er der Ortspolizeibehörde schriftlich oder mündlich binnen 24 Stunden Anzeige zu erstatten. Gibt der Ausländer die Wohnung oder Unterkunft auf, so Hal der Wohnungsgeber dies binnen 24 Stunden schriftlich oder mündlich der Ortspolizeibehörde anzuzeigen, sofern nicht der Ausländer sich bereits selber abgemeldet und dies unter Vorlegung des abgcstempelten Abmeldescheins dem Wohnungsgeber nachgewiesen hat. § 5. Alle über 15 (Zähre alten Ausländer, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung sich bereits länger als 48 Stunden innerhalb des hessischen Staatsgebietes aufgehalten haben, ohne dah sie sich bisher bei der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes angemeldet hatten, sind verpflichtet, die Anmeldung binnen einer Woche nach Inkrafttreten dieser Verordnung bei der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes nach Maßgabe der §§ 1 und 2 nachzuholen, und zwar auch dann, wenn sie sich im Besitze eines gültigen Passes oder Pahersahes befinden. Die in Absatz 1 genannten Ausländer haben, auch wenn sie sich bereits bei der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes angcmeldct haben, binnen einer Woche nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes ein Lichtbild ihrer selbst zu übergeben. § 6. Ausländer, die ihrer Meldepflicht gemäß §§ 1, 2 und 5 nicht genügen, werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark bestraft. Eine nicht beizutreibende Geldstrafe ist nach den Vorschriften des Reichsslrafgesehbuches in Haft umzuwandeln. Gleiche Strafe trifft, wer die ihm nach § 4 obliegende Meldepflicht unterläßt. Reben der Geldstrafe haben Ausländer Festnahme bis zur Aufklärung ihres Personenstandes und Ausweisung aas dem hessischen Staatsgebiet zu gewärtigen. § 7. Die Vorschriften dieser Verordnung gelten auch für Personen, die keine Staatsangehörigkeit besitzen. § 8. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Hessischen Regierungsblatt in Kraft. Darmstadt, den 12. August 1921. Hessisches Gesamtministerium. Ulrich Henrich. Dr. Strecker. Hebet. Betr.: Wie oben. An die Ortspolizeibehörden und die (tzkndarmcriestationcn des Kreises. Wir beauftragen Sie, der Durchführung vorstehender Verordnung Ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Gießen, den 25. August 1921. Kreisamt Gießen. _____________________________Dr. TIsinger.______________________________ Bekanntmachung. Betr.: Walzarbeiten auf der Kreisstraße Bahnhof Schiffenberg— Watzenborn. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Kreisstraße von Bahnhof Schiffenberg—Watzenborn für den Fuhrwerksverkehr bis auf weiteres gesperrt. Gießen, den 27. August 1921. Kreisamt Gießen. _____________________________Dr. TIsinger.______________________________ Warnung. Die Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen sieht sich in Gemeinschaft mit den Kreis- und städtischen Preisprüfungsstellen der Provinz genötigt, folgende Warnung zu erlassen: Jeglicher Großhandel mit Lebens- und Futtermitteln ist nur nach ausdrücklicher Zulassung durch das zuständige Kreisamt — in der Stadt Gießen durch den Oberbürgermeister gestattet. Es wird, daher nochmals darauf hingewiefen, dah Händler, Handelsmakler, Handelsagenten, Kommissionäre, Aufkäufer, die ohne die erforderliche Genehmigung Großhandel betreiben, nicht nur bestraft werden, es wird auch die Beschlagnahme der gehandelten Gegenstände vorgenommen. Wie die Preisprüfungsstelle der Provinz Oberhessen festgestellt hat, wird zur Zeit besonders unerlaubter Handel mit Kartoffeln undd Getreide getrieben. Bezüglich des Handels mit Kartoffeln wird ausdrücklich bemerkt, dah nach dem Stand der heutigen Marktnotierungen ein Preis von höchstens 70—75 Mark pro Zentner Frühkartoffeln angebracht erscheint und dah alle Preisangebote, die diese Höhe überschreiten, als versuchte Preissteigerung zur Anzeige gebracht werden. Dem Zwischenhandel ist einschließlich seiner Unkosten und seines Verdienstes eine Preisspanne von höchstens 20 Prozent zugebilligt. Alle Kleinverkaufspreise, die diese Zwischenhandelsspanne überschreiten, werden als unberechtigte Preistreiberei und als Wucher verfolgt. Die Gendermariestationen werden angewiesen, ihr Augenmerk auf diese Verhältnisse zu richten und jede Verfehlung zur Anzeige zu bringen. Gießen, den 24. August 1921. ___________Kreisamt Gießen. I. V.: H e m m e r d e.___________ Bekanntmachung. Betr.: Pferderäude in Beuern. Die bei einem Pferde des Karl Edelmuth in Beuern ausgebrochene Räude ist erloschen. Die angeordneten Sperrmaß- nahmen werden hiermit aufgehoben. Gießen, den 23. August 1921. ____________Kreisamt Gießen. I. V.: H e m m e r d e.____________ Bekanntmachung. Betr.: Pferderäude in Ettingshausen. Die bei einem Pferde des Schlossermeisters H e u h in E t - tingshausen ausgebrochene Pferderäude ist erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln werden hiermit aufgehoben. Gießen, den 23. August 1921. ___________Kreisamt Gießen. I. V.: H e m m e r d e.___________ Dicnstnachrichtcn des Kreisamtes. Dem Reichsbund der Kriegsteilnehmer-Verbände deutscher Hochschulen, München, hat das Ministerium des Innern auf Grund der Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 (Reichs-Gesetzblatt Seite 143) die Erlaubnis zur Werbung von Mitgliedern durch Werbeschreiben im Gebiet des Volksstaates Hessen bis zum 1. Januar 1922 erteilt. Druck der Brühl'schen Unin-rfitäts-fBvd)» und Steinbrudicret R Lauge. (Biegen. Dienstag, 30. August 1921 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer oi« zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis iür l mm Höhe für Anzeigen v 34 nun Breite örtlich 40 Pf., auswärt, 50 «Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180Pj Bei Platz- Vorschrift20 „Aufschlag. Haupischriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil i V : Aug.Goeh: für den Anzeigenteil: Hans Beck, i: Zchulstrahe 7. sämtlich in Biehen. Berlin, 29. Aug. (Wolfs.) Da damit ge- inet werden muß, daß die Spuren deS gegen z b e r g e r ausgeführten Attentats n a ch B e r- i führen, ordnete der Polizeipräsident von Beran, daß auch die hiesige Polizei Ermittlungen teilt. Diese von ihr an erster Stelle verfolgte ur betrifft eine Person, die in der ersten lfte des Juli bei einer Berliner Zei- ngsredaltion die Aeußerung tat, Grz- rger müsse als Schädling des Rei« s erledigt werden. Er müsse auf alle lle unschädlich gemacht werden. Es handelt sich einen Mann, auf den im allgemeinen die Beeidung zutrifft, die von einem der in Gries- h aufgetretenen Meuchelmörder gegeben wird i- Mann scheint seinem Benehmen nach c bell t g e r Offizier und jetziger Stu- n t zu sein. Amerikanische Kindcrspeifung in Deutschland. Berlin, 29. Aug. (Wolff.) Das Central lief Comitee bereitet gemeinsam mit Amerika* n deutscher Abstammung und Quäkern einen sich mrr nicht einschüchtern lassen. Denn d ser Zwang ist nicht aufrecht ^u erhalten, er unberechtigt und sinnwidrrg ist. Der K chenvorstand zu Queckborn hat das seinerze als die Regierung^eitmrg anfmg, ungenie bar zu werden, dem Minisherium ganz off geschrieben: „In der Zeit des freien Bost staats Hessen und der Trennung von Kir< I Waslhnei an la Offenbacher Lei f wie Damentaschen, Brieftascl I laschen, Portemonnaies, Aktenr und Zigaretten-Etuis, k | am vorteilha1 im Etagegeschä I Offenbacher Leden == | Gießen, Kirchenplatz ö, 1. block j denn nur hier kommt Ihnen die vollständige Ersparnis der Personal- u. Ladenspesen zugute 93660 § ~ — | Kein Laden. Beachten Sie genau die Adresse | Leinölfirnis, Terpentinöl, streiohfertige Ölfarben, Bernsteinfußbodenlackfarben sowie alle Lacke für Handel u. Industrie liefert' in einwandfreien Qualitäten billigst MnltaMe Farin- rni Moteie Filiale GieBen. 228SD PlockstraBe 10. cm der Margarethenhütte, in der Nähe des ©fiter« bahnhofs Gießen, an den Meistbietenden gegen Bar« zahlnng öffentlich versteigert. ________Veichsverpstegungsamt Gießen. *mD GefsenUich meistbietender Verlauf von 6 Pferden (Warmblüter) findet am Freitag, den 2. September 1921, nachmittags 2 Uhr, im ReithauS des Landgestüts Dillenburg gegen Barzahlung statt. Fehlerlisten können nicht versandt werden. «Tse GestütrdirrMon Villenburg. Pserd-Verfteigerung. Dienstag den 30. August, vormittags 11 Uhr, wird im Hofe NodHeimer Straße 42 eine braune Stute, 3jährig zugfest ein- und zweispSnnig, kinderfromm, unter voller Garantte auf Rechnung besten, den es angeht, öffentlich meistbietend eerfteigert. Besichtigung bei und vor der Versteigerung, die pünktlich stattfindet. L. Mthoff, Walltorstratze 16, gerichtlich beeidigter Taxator, Sachverständiger __und Auktionator.____________9390 ölls. «les MlmWen (Wintersamen) empfiehlt 9945c SMllhW 9elntl6 hsh», Siktzes Bahnhofstraße, Ecke Wvlkcngasse. Telephon 1403. I Motman Betttottnne Betwar®ent Bettndjleiaeii ßemöentnUi OemöeafianeOe 5 flolelnen SHOnenftoffe ßleiöerftnffe fiotfneloat llllv' onö öanötn®- Zkllge Mse DM- sllv Iritotroaren nirgends aber zu enorm billigen Preisen kaufen Sie am allersichersten bei k. leidet, Dammftrahe 25 p. (kein rotten). Torfftreu 22 Mk. per Ballen, und Torfmull 28 Mk. per Ballen, frei Waggon Lmpfang'tation. ** Otto Scheel, Mühlstratze 24, XeL 218L Wlllicoiuy, Utl< ia. 1