m. Jahrgang Mittwoch, 27. M 1921 Erstes Blatt Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. 5reis litt 1 mm höhe für nzeigenv 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite I80Pf Bei Platz, vorfchrift 20'/, Aufschlag. Hauptschriftieiter: Auq. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Rernhold Ienz; für den Anzeigenteü. Hans Beck, sämtlich in Dietzen. Nr. 173 Der «iefcener Anzeiger mit der Dienstogsbeilage d§p»rt-Umlchau- er. scheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche vezuaspretfe: Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernsprech.Anschlüsse: für bie Sd)riftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonti: Srowffirt a. M. 11686. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vnick nnb Verlag: Vriihl'sche Univ.-vuch- und Steintruderei H. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7. Ein vorläufiges englisch- französtsches Uebereinkommen. Konferenz am 4. Anglist in Paris. London, 26. Juli. (Reuter.) Die britische und die französische Regierung erreichten nunmehr ein Einverständnis über die Fragen prinzipieller Bedeutung, die mit Oberschle- s i en Zusammenhängen. Wie bereits mitgeteilt, erklärte sich die französische Regierung damit einverstanden, daß der O b e r st e R a t am 4. 2l u g. zusammentritt. Die britische Regierung nahm den Vorschlag an, vor dem genannten Zeitpunkt eine Sachverständigenkonferenz stattfinden zu lassen. Ilm den Wünschen Driands entgegenzukommen, stimmte sie zu, dah die Konferenz d?s Obersten Rates in Paris stattfindet. Die britischen Sachverständigen, Sir Cecil Hurst, Rechtsbeirat des Auswärtigen Amtes, Tuston, Vorstand des mitteleuropäischen Departements, und Waterlow, Mitglied des gleichen Departements. reisten abends nach Paris ab. Eine Reise Mehr Wirtschaftspolittk! „Mehr Wirtschaftspolitik, weniger Sozialpolitik", eine in solche Worte gefaßte Forderung erscheint auf den ersten Blick als außerordentlich brutal. Jeder denkt sofort an die so wichtigen sozialen Fragen, die gerade jetzt zur Lösung drängen, so z. B. die Verteilung der neuen Steuern, die Aushebung der Zwangs- wirtschaft mit der wahrscheinlich folgenden Preissteigerung, an die Frage der Sozialisierung der Kohlenbergwerke usw. Hierzu muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß nicht die Fragen der Verteilung, der Preise, Steuerprobleme usw. die soziale Frage lösen werden, sondern daß es vor allem darauf ankommt, die so außerordentlich wichtigen Fragen der Erhöhung der Produktivität zu erledigen. Keine Zwangswirtschaft, kein noch so fein ausgeklügeltes Derteilungsshstem wird z. D. den Mangel an Nahrungsmitteln beseitigen, hier kommt alles darauf an, die Erträgnisse der Landwirtschaft auf den Friedensstand und durch Intensivierung der Düngewirtschaft möglichst noch darüber hinaus zu heben. Lenin sagte einmal, der einzige Maßstab, an dem man das kommunistische System beurteilen könne und dürfe, sei die Höhe der Produktion. Damit hat Lenin das vernichtende Urteil über die kommunistische Wirtschaft gesprochen. Wohl nirgends ist das VerteilungS- fystem straffer organisiert wie in Sowjetrußland. Die Industrien sind zusammengefaßt in Zentralen, genannt z. B. Zentro-Eisen, Zen- tro-Wolle, Zentro-Papier. Auf dem Papier flehen auch die wunderbarsten sozialen Ge- etze, aber sie sind nicht durchführbar, weil die Produktion zusammengebrochen ist bis auf 5 bis 6 Prozent Friedensleistung. Wo nichts zu verteilen ist, nützen auch die schönsten Der- teilungsgesehe nichts. Wenn wir also über die Sozialisierung des Kohlenbergbaues sprechen, darf auch bei uns nur der einzige Maßstab sein: ist man sicher, dah die Kohlenerzeugung steigt, dann muß die Sozialisierung kommen. ist das Gegenteil der Fall, dann darf sie unter keinen Umständen kommen. Alles bei uns hängt davon ab, daß unsere Industrien mehr Kohlen bekommen können, daß unsere Produktionskraft gesteigert wird. Ist mehr Kohle vorhanden,T>ann werden die Industrien, die wegen Kohlenmangel ihre Betriebe stilllegen muhten, wieder anfangen zu arbeiten. Die Zahl der Arbeitslosen wird fallen, es werden neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen. Cs wäre eine außerordentlich große wirtschaftspolitische Kurzsichtigkeit, die Verbraucherinteressen ganz in den Vordergrund zu schieben. Diese haben gewih ihre außerordentlich große Berechtigung, aber eS darf ihnen nicht soweit nachgegeben werden, daß darunter die Produktionskraft leidet. Für jede Wirtschaft, sei es eine sozialistische oder kapitalistische. ist die Grundlage die Produktion. Wir müssen unsere Wirtschaft intensivieren. Dabei kommt eS aber nicht nur darauf an, Maschinen in Bewegung zu setzen, durch Organisationen und technische Neuerungen einen möglichst großen Nutzen aus unserer Wirtschaft zu schlagen, sondern man muß daran denken, daß die Arbeitenden Menschen sind. Die Sorge um daS tägliche Brot darf nicht der alleinige Inhalt unseres arbeitenden Volkes sein. Wie sagt doch Fichte? Der Mensch soll arbeiten, aber nicht wie ein Lasttier, sondern er soll auch Zeit übrig behalten, um seinen Sinn zum Höheren zu erheben. Wir stehen vor der Aufgabe, die soziale Frage unserer Zeit zu lösen. Jagen wir nicht falschen Zielen nach. Nicht ein noch so schön ausgedachtes DerteilungSsystem, sondern Erhöhung der Erzeugung ist hier die erste eiserne Forderung. Mehr Wirtschaftspolitik ist die Grundlage zu mehr Sozialpolitik. der Genannten nach Oberschlesien wird nicht erwogen. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen wurde eine viel bessere Atmosphäre geschaffen. In der Tat besteht jeder Grund zu der Annahme, dah die oberschlesische Frage sich auf dem besten Wege zur Lösung befindet. Weitere Mißverständnisse bezüglich der Entsendung von Truppen oder eines anderen Punktes können wohl noch kaum entstehen. Paris, 26. Juli. (WB.) Die „Cibert6u "teilt mit, daß sich Amerika im Ober st en Rat durch feinen Botschafter in London, Harvey, vertreten lassen wird. Lloyd George nicht zugegen? London, 26. Iuli Reuter. Amtlich. Der Oberste Rat tritt am 4. August in Paris zusammen. Lord Curzon und Balfour vertreten England auf der Konferenz. Lloyd George ist wahrscheinlich nicht zugegen. London, 27. Iuli (WTB- Reuter erfährt, zu der bevorstehenden Konferenz des Obersten Rates, dah Lloyd George wegen der Fülle der zu erledigenden Arbeiten nicht in der Lage fein werde, London zu verlas- f e n. Die Zusammenkunft des Obersten Rates toiti), wie man glaubt, nur von kurzer Dauer fein, da lediglich bie oberschlesische Frage auf der Tagesordnung steht. Die englischen Sachverständigen sind dereits nach Paris abgereist. Der Sachverständigenausschutz. Paris, 26. Zull. Die Havasagentur teilt mit: Entsprechend dem jetzt von Frankreich, England und Italien aufgenommenen Verfahren wird die Sachverständigenkommission, die die oberschlesische Frage vor dem Zusammentritt des Obersten Rates prüfen soll,. am kommenden Donnerstag in Paris zusammentreten. Die Frage der Entsendung einer französischen Division. Paris, 26. Iuli (WTB.) Das „Journal des Debats" schreibt an hervorragender Stelle, auf alle Fälle erscheine es schwierig, die für die Absendung der französischen Division nach Oberschlesien nötigen Maßnahmen bis zu dem für den Zusammentritt des Obersten Rates angesetzten Tage durchzuführen. Verschlechterung der Lage im Kreise Nybnik. Oppeln .26. Iuli. (WTB.) Die Lage im Kreise R h b n i k hat sich wiederum verschärft. Auch auf dem Lande verstärkten sich die Insurgenten auffallend schnell und zwar hauptsächlich durch Zuzug aus Kongrehpolen. Der polnische Kreisbeirat in Rhbnik hält nach wie vor die Gewalt in den Händen und schickt sogar Fragebogen an die einzelnen Gutsvorstände, welche die Anzahl der Bewohner, die Menge des Getreides, die Anzahl des Viehs, Übersichten über die Gröhe der einzelnen Gutsbezirke usw. betreffen. In Emmagrube wurde vor einigen Tagen eine Delegschaftsversammlung abgehalten, in der die Polen beschlossen, sämtliche deutschen Beamten hinauszuwerfen. Die Donnersmarckgrube wird von bewaffneten Insurgenten beseht gehalten. In Rybnik tauchte neuerdings der bekannte Polenführer Ro- funski auf, der bis zum Beginn des letzten Aufstandes polnischer Plebiszitkommissar in Rhbnik war. Alle Fäden der polnischen Kampforganisationen laufen augenblicklich nach N e u - deck östlich von Tarnowih an der polnischen Grenze. Rund 80 deutsche Familien haben die Stadt Loslau verlassen. In Rhbnik ist die Zahl noch höher. Rach Dzierkowih wurde aus Befehl des italienischen Obersten Sal- vioni in Ratibor eine Kompagnie Italiener gelegt In Räuden ist ein Zug französischer Husaren eingetroffen. Aus Beuthen. Beuthen, 26. Ouli. (Wolff.) In der «eitrigen Stadtverordnetenversammlung wurde ein Schreiben verlesen, das der Magistrat wegen Ausweisung des Ober- bürgermetsters Dr. Stephan aus dem oberschlesischen Gebiet an die Interalliierte Kommission richtete. In dem Schreiben wird besonders betont dah Dr. Stephan geborener Ober- fchlesier ist und aus diesem Grunde feine Ausweisung eine außergewöhnliche Maßnahme fei Das Schreiben schließt mit dem Ersuchen, die Ausweisung aufzuheben. Der Antrag des Magistrats, die Stadtverordneten möchten dem Schreiben zustimmen, wurde angenommen. Weiter wurde mitgeteilt, dah die Interalliierte Kommission die Erlaubnis, dem Oberbürgermeister Dr. Stephan seine am 9. März 1921 datierte Ernennung zum Oberbürgermeister auszuhändigen, bisher nicht erteilte. Amerika und die Abrüstung. Paris, 26. Iuli. (Wolff.) Die Havas- Agentur berichtet aus Washington, Senator Borah beantragte im Senat, daß die Zahlung der Schulden der Alliierten bis nach der geplanten Abrüstung skonferenz aufgeschoben werde. Wenn die auswärtigen Regierungen nicht in der Lage seien, sich mit den Vereinigten Staaten über das Abrüstungspro- gramm zu einigen, werde das der amerikanischen Regierung das Recht geben, auf der pünktlichen Bezahlung ihrer Schulden und Zinsen zu bestehen. Wenn die Regierungen fortführen, erhebliche Summen für Rüstungen aus^ugeben, würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich eine andere Politik einschlagen. Frankreich fei gegenwärtig bie am meisten militaristische Nation, seine Armee von 800 000 Mann sei übermäßig stark, auch England gebe ungeheure Summen für Armee und Marine aus. London, 26. Ouli. (Wolff.) Nach einer „Exchange"-Meldung aus Washington verlautet dort, daß nach Auffassung des Staatssekretärs Hughes das britische Reich auf der Abrüstungskonferenz nur eine Stimme haben soll, auch wenn Vertreter der Dominions zur britischen Delegation gehören. Ratifikation des Friedens mit Ungarn. Wien, 26. Iuli. (WTB.) Heute wurden in Paris die Ratifikationsurkunden des Friedensvertrages von Trianon zwischen den Verbündeten und Ungarn ausgetauscht. Der Vertrag tritt sofort in Kraft. Eine Folge der In- trafttretung des Vertrages von Trianon ist die Uebergabe West Ungarns an Oesterreich und des Kohlengebietes von Fünfkirchen von Jugoslawien an Ungarn. Der Prozeß der Uebergabe Westungarns an Oesterreich wird einige Wochen zu seiner Durchführung brauchen. Die Botschafterkrnserenz setzte den 27. August als Endtermin für die Uebergabe fest. Die Offiziersdetachements der Ententemächte, die mit der Überwachung der Uebergabe betraut sind, werden verstärkt. Die Sozialisten und das hungernde Rntzland. Berlin, 26. Juli. (Priv.-Tel.) Die Zentrale der K. P. D. richtete an die Sozialdemokratische Partei ein Schreiben, worin sie eine gemeinsame Aktion der Gewerkschaften, der Sozialdemokraten, Unabhängigen, Kommunisten und Kommunistischen Arbeiterpartei zu Gunsten des hungernden Sowjetruß- lands anregt. Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei erklärte sich mit einer allgemeinen Hilfsaktion einverstanden. Die Spanier in Marokko. Madrid, 26. Iuli- (Havas.) Amtlich wird berichtet: Die ganze Linie bei Mellila wurde befestigt, so dah jede Gefahr eines neuen Angriffs als beseitigt gelten kann. Mehrere alleinstehende spanische Truppenabteilungen verteidigen sich weiterhin heldenmütig gegen den überlegenen Feind. Man glaubt, ihnen in Kürze Verstärkungen senden zu können. Von anderen Abteilungen fehlt noch fede Nachricht. General Be- ringuier hat die Truppen, welche Sidi-Driß beseht halten, von der Verpflichtung entbunden, sich weiter zu verteidigen, angesichts der Unmög- lichtrit, ihnen Verstärkungen zu "schicken. Bei Gurgi ist alles ruhig. Ein Ministerrat beschloß, alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Vorgehen des spanischen Oberkommissars in Marokko zu unterstützen. Es werden aber feine weiteren Truppen mehr dorthin gesandt werden. Alle Zeitungsberichte über "die Lage in Marokko unterliegen in Zukunft der Zensur. Amtliche Berichte an die Presse werden ausgegeben. Einer Havas-Meldung zufolge erklärte der Kriegsminister Pressevertretern gegenüber, daß der befestigte Platz und das Lager von M e l l i l a keine Verbindung mit den äußern Stellungen mehr habe. Die Erhebung der feindlichen Stämme fei allgemein. Bisher könne man noch nicht sagen, wie viel Abteilungen überhaupt jemals wiederkehren würden. Kanone"donner aus der Richtung Datem lasse dort noch die Anwes en- tzeu spanncher Truppen vermuten. Die Spanier hätten ihr gesamtes Flugmatericu Zerstört, damit auch nicht ein einziges Flugzeug in die Hände der Feinde fallen könne. Staatssekretär a. D. Trimborn f. Bonn 26. Iuli. (Wolff.) Staatssekretär a. D. Geheimrat Trimborn, Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Reichstags und der deutschen Zentrumspartei ist gestern abend hier an den Folgen einer Operation gestorben. Trimborn gehörte seit 1896 der Zentrumsfraktion des Reichstages und bis zum Iahre 1918 auch der des Preußischen Landtags an; auch in der verfassunggebenden Nationalversammlung vertrat er als Mitglied des Zentrums seine rheinische Heimat. Seit (Januar 1920 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der deutschen Zentrumspartei und ebenso war er im Reichstag der Führer der Fraktion. Berlin, 26. Iuli. (WTB.) Anläßlich des Ablebens des Vorsitzenden der Zentrumsfraktion des Reichstags, Trimborn, richtete der Reichskanzler an die Z e n t r u m s f r a kti o n bei Reichstags folgendes Beileidstelegramm: Der Fraktion des Zentrums spreche ich zu dem schweren Verlust, den sie durch den Heimgang ihres Vorsitzenden des Staatssekretärs a. D. Trimborn, erlitt*meine und der Reichsregierung aufrichtige Tellnahme aus. Weit über feine Fraktion und Partei hinaus wird fein Heimgang beklagt Seine staatsmännische Klugheit, die Lauterkeit seines Wesens, sein warmes menschliches Empfinden und sein sprühender Geist sichern ihm in allen politischen Kreisen, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, ein dankbares und ehrenvolles Andenken zu. Der Reichskanzler richtete an die Tochter des verstorbenen Abg. Trimborn folgendes Beileidstelegramm: Ich erfahre soeben den Heimgang dbred von mir hochverehrten Vaters, Staatssekretärs a. D. Trimbern. Schmerzbewegt beeile ich mich, Ihnen innigstes Beileid auszudrücken. Was der Verstorbene Ihnen und Ihrer Familie war, können nur Sie In vollem Umfange ermessen. Mich bewegt In erster Linie der Verlust den das Vaterland und auch die Zentrumspartei durch seinen Heimgang erleidet Für Familie, Vaterland und Partei starb Ihr Vater allzufrüh. Das Vaterland brauchte in seiner großen Not seiner dringend, brauchte feine staatspolitische Gesinnung, sein sicheres Urteil, seine zum Ausgleich geschaffene gütige Persönlichkeit und die rastoste Schaffenskraft seines Führeriums, Eigenschaften, toomit er auch die Zentrumspariei durch die politischen Erschütterungen der Zeit sicher leitete. Den Schmerz um sein Fehlen überwiegt die Bewunderung über feine dem Dienste der Allgemeinheit und des Reiches gewidmete glänzende Lebensarbeit Mit der Reichsregierung trauert das deutsche Volk am Sarge dieses Mannes, dessen hervorragende Charaktereigenschaften ihm Freunde In allen Schichten des Volkes und bei allen Parteien schufen. Möge Ihnen und Ihrer Familie diese innige Mittrauer ein Trost bei dem schweren Schlage sein, der Sie getroffen hat Aus dem Reiche. Eine Krise im sächsischen Landtag. Berlin, 27. Juli. Blättermeldungen aus Dresden zufolge sind die Grund - und Gewerbe st euern in den Ausschüssen des sächsischen Landtags mit den Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartei, der Demokraten und der Kommunisten abgelehnt worden. Finanzminister Heidt erklärte darauf, daß, wenn auch das Plenum die Vorlage ablehnen sollte, die Regierungzurücktreten und der Landtag auf- gelöst werden würde. Wahlen zum deutschen Metallarbeiterverband. Frankfurt a. M., 26. Juli. Bei den Wahlen der Abgeordneten für den DerbandS- tag des Deutschen Metallarbeiterverbandes entfielen auf die Liste der Mehrheitssozial i st e n 4627, die Liste der Unabhängigen 3795, und die Liste der Kommutt i st e n etwa 900 Stimmen. Don 30 000 Mitgliedern machten etwa 9000 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Der „Vorwärts" teilt mit, daß die endgültigen Ergebnisse der DelegiertenwaHl für den Ienaer Verbandstag des Metallarbeiterverban- des jetzt vorliegt In Berlin wurden 54 668 Stimmen abgegeben, davon erhielt die Liste A (Amsterdam) 31 841 Stimmen, die Liste B (Moskau) 22 827 Stimmen. Wie das Blatt weiter mitteilt, erlitten, nach den aus dem Reiche vorliegenden Nachrichten, die Kommunisten überall Niederlagen. Zimmererstreik in Berlin. Berl in. 27. Iult Die Berli ne r Zimmerleute sind wegen Lohnstreitigkeiten heute in den Streik getreten. Das Berliner Baugewerbe ist dadurch stillgelegt In den Streik eingeschlossen sind auch die Zimmerleute, die bei der Hoch- und Grundbahn, den Metall-, Textil-, Beton-, Film-, chemischen Betrieben usw. tätig sind. Aus dem besetzten Gebiet. Wie die Franzosen an der Versöhnung arbeiten. Saarbrücken, 25. Iult Am ftanzösischen Nationalfeiertag wurde an die französischen Truppen im Saargebiet, die vor dem Völkerbund als sogenannte SicherheitS- oder Polizeitruppe gelten, obwohl sie, wie die zahlreichen von ihnen verübten Raubüberfälle auf friedliche Bewohner beweisen, in keiner Weise dazu geeignet sind, eine Vronzemedaille verteilt. Diese Medaille trägt auf der einen Seite die Figur der Freiheit mit der Umschrift ..Gloire ä tous pollus". Auf der anderen Seite enthalt sie das Bild des ehemaligen deutschen Kaisers, der einen Maulkorb und einen eisernen Halskragen mit einer dünnen Kette um den Hals trägt, dazu die Umschrift „Guilleaume dernier". Die Saarbevölkerung ist über die Verteilung dieser Medaille sehr empört. Aber sie wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und wird das Urteil über diese Mekmille ruhig der zivilisierten Welt überlassen. Don Desatzungstruppen erschlagen. fpd. B e n S h e i m a. d. 26. Juli. Wie das „Bergfträher Anzeigeblatt" erfährt, ist der Sohn des Sanitätsrats Wiegand von hier, der als Chemiker bei einer Firma in Andernach tätig war, gestern abend von den Defatzungsmannschaften erschlagen worden. Nähere Angaben hierüber stehen noch aus. Ern Pfadfindertag in Aachen. Aachen, 25. (Juli (Wollt - Anlähstch ieurer Fahnenweihe hatte das Pfadfinderkorps in Aachen einen besonders aus dem Rheinlande stark beschickten Pfadfindertag berufen, zu dem Abordnungen aus England und der Schweiz und besonders zahlreich aus Holland erschienen waren. Die Hauptfeier brachte die Ausführung der Rütli-Szene aus Schillers „W i l h e l m Teil" durch Aachener Pfadfinder. Nach dem Weiheakt sprachen die Eng- länber und Holländer die besten Wünsche aus Den Abschluß bildete eine Feier auf dem Ehren- friedhof für die dort ruhenden und fürs Vaterland gefallenen Pfadfinder. AM 'th 8er Erinnerung *2er Menschen und dlte Thro z Vermletu Si Sinnt! * 17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) von 't^or und Hugo, die bei' ßünde umliammert. toäh- auf die '» V. ■r-Y 0o schwirrten die drei Kinderstimmen aufgeregt durcheinander. Lothar und Hugo, die bei- den alteren, hielten Dos Hunde umtiammetl. während "sich die kleine fünfjährige 0hbille m die zur Vereinigung Hess. Wohnungsämter. 14. Rückzahlung der an die zur Entlassung kommenden Arbeiter gezahlten Vorschüsse. 15. Niederschlagung der an die außerplanmäßigen (Beamten bis zur Einstufung in die neue VesoldungSordnung geradezu (Bedürfnis." „Das tut nichts. Solche Dinge bin ich Großpapa her schon gewöhnt." Sine halbe Stunde später machte sich Do den Weg nach den Gemächern deS Fürsten, am Ende des linken Flügels lagen. fei trag oes xunuyrstorrrers Dr. iBorrtng. Professor an der Donner Hochschule, hin. Wilhelm Worringers Gedanken über moderne Kunst werden immer und immer wieder zittert. Unter- slützt durch vorzügliche Lichtbildaufnahmen wird SW _Dr*iui tauermli Jeserraume «I n. drubo! S «1 mitten Jbbtlmcr r Die Rothersteins. Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner & Eomp., Berlin W 30. Generalversammlung Harmonie-Gemütlichkeit. — Lichtspiele, Hyänen auf dem Schlachtfeld des Lebens. — Lichtspielhaus wie gestern. ^bessere, WG r Falten ihres Kleides drückte. „(Himm mich! Nimm mich!" bettelten sie schmeichelnd. Do umarmte alle drei in überströmender Zärtlichkeit. .Za, (BUla, du sollst neben mir sitzen und Lothar auf der anderen Seite — weil er der Netteste ist! Hugo erzähle ich dafür nachher ein Wärchen, , », das heißt," fügte sie mit einem Aus Stadt und Land. ©leben, den 27. Zuli 1921. Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkig, Gewitterneigung, warm, Süd- bis fvüdwestwinde. Das Tief, welches Aussicht auf stärkeren Land- jregen brachte, hat sich nordostwärts bcrlaaert und dem im Süden liegenden Hoch die Herrschaft ^überlasten, so daß lediglich mit örtlichen Gewittern zu rechnen ist. . *• Die gegenwärtige Hitzeperiode erinnert uns an die heißen Wochen des S o m - ,m er 6 191 1. der für Deutschland und üborhaupt Märchen zu erzählen, sagte Hertha zu ihr: „Ich teilt nun einen Sprung zu Papa machen, um zu sehen, tote es ihm geht, und mich dann für ein Stündchen niederlegen." „3ft dir nicht Wohl?" unterbrach sie Do erschrocken und sah besorgt in ihr blasses, matte# Gesicht. »Der Spaziergang wird dir doch nicht geschadet haben?' .Ach nein. Ich bin nur müde. DaS kommt auch sonst oft Plötzlich über mich, und wenn ich mich dann ein Weilchen hinlege, ist es wieder vorbei. Hm halb Vier komme ich "dich hier abholen. Dann gehen wir nach Fürstenhaus zurück." Sie entfernte sich, kehrte aber nach einer Viertelstunde noch einmal zurück. „Ich soll dir auSrichten, daß Papa dich zu sehen wünscht. Gehe also dann, wenn du dein Märchen erzählt hast, für einen Sprung zu ihm. Aber mach dir nicht# daraus, wenn er dich an- schnauzt. Er ist wirklich schlechter Laune und ich glaube, Krieg mit aller Welt ist ihm heute ge- Schon von weitem vernahm sie lautstreitende Stimmen und unterschied, nährrkommend. tte des Fürsten und die vor Aufregung förmlich kreischende der Mamsell. Dazwischen halb jammernd, halb vorwurfsvoll Hampes Stimme: .Aber wenn Durchlaucht sich doch nicht so aufregen wollten! Wir können ja noch einmal . . .Halt er'S Maul, Hampel Sem Geiammer nlten erzählen uns. bah der heißeste Sommer der Ses Hakires 1540 gewesen Ist, dem ein säst ebenso heißer Sommer unmittelbar vorhergegangen war Der dürrste Sommer aber soll der von 1473 gewesen fein, in dem es in der Zeit vom März Dis zum September fast nirgends Renen gegeben Haben soll, so das) umfangreiche Waldbrände cntflanben und ungeheuren Schaden anrichteten. Lange und heiße Sommer des lehtveraangenen <5abrljunbert# waren die der Jahre 1807, 1811, 1819. 18?6. dann 1857. 1859. 1865, 1868 und 1874. schließlich 1895 und 1900. Diesen sind noch Bei- K;en die Sommer 1901 und 1911, der sehr Sommer 1917 und schließlich der Sommer 1921. •* Die Temperaturen der letzten Tage. Am Sonntag betrug das Maximum inGießen 29" Celsius, das Mini- murn 14", in Lauterbach das Maximum 29°. das Minimum 11°. in Darmstadt das Maximum 30". das Minimum 18". Der Montag brachte bereit# ein Ansteigen der Temperaturen. Gießen wie# im Maximum 31" auf, im Minimum 15°, Lauterbach im Maximum 31", im Minimum 12", Darm -- stadt im Maximum 32", im Minimum 19". Die höchsten Tag- und Nachttemveraturen zeigte für Gießen der gestrige. Dienstag: Maximum 34", Minimum 17". Lauterbach: Maximum 35", Minimum 17". Von Darmstadt liegen die Meldungen noch nicht vor. —- Der heutige Tag scheint allerdings noch heißer zu werden. Auch oben im ersten Stockwerk gab es verdrossene Gesichter. Harnpe, der eS immer am schwersten hatte, wenn der Fürst Schmerzen litt, schlich tote eine geknickte Lilie an den beiden Mädchen vorüber. 3m Eßzimmer wurde erst gedeckt, obwohl die Speisestunde bereits vorüber war. Dafür stürmten plötzlich die Kinder herein, die sonst stets mit der Französin Im Kinderzimmer separat atzen. „Tante Do! Liebe Tante Do!" 'Jubelnd umringten Rainers Kinder und Karolas Sprötzllnge die geliebte neue Tante. .Wie hübsch, Daß du da bist!" — »Darf ich neben dir sitzen bei Tisch?" — .Nein ich!" „(Bitte, bitte, liebe Tante Do! — Wir dürfen nämlich Heute auch mitessen!" — Verein Gießener Kun st freunde. Wir weisen noch einmal auf den morgigen Vortrag des Kunsthistorikers Dr. Worringer, 'z ' f Sy ® Er- Uh £ 'M Kräumi Sjp ,üc Sie eine Iw® ßner Mi Irt, wie e iähntzer ® HMhnw gfgbiud ai M 1L g j Stria. » oüeitiM V.U.1 fr.*; M- fragenden Blick auf die hinter den Kindern stehende Französin hinzu, .wenn Mademoiselle damit einverstanden ist?" Mademoiselle war sehr einverstanden. Sie nickte gnädig und war im stillen froh, die drei „Rangen" wieder einmal für ein Weilchen los zu sein. 3n diesem Augenblick traten Anneliese und ihre Schwägerin, gefolgt von Rainer, ein. Als Anneliese Do erblickte, runzelte sie ärgerlich die Stirn und sagte gleich nach der Begrüßung: „Wie kommst denn du nach Drafenegg, Dorothea? 3ch dachte, Hertha wolle dir im Fürstenhaus Gesellschaft leisten?" Ehe die bestürzte Do antworten konnte, sagte Hertha spöttisch: .Du entschuldigst, aber Papa hat mir ausdrücklich aufgetragen, Do zu Tisch mit- zubringen. Gr wünscht überhaupt, datz sie während Magelones Abwesenheit mittags hier speist!" .So'« 'Nun, meinetwegen. Wünscht er vielleicht auch, datz sie nachmittags mit uns die Honneur# hier macht, wenn Ebenreichens und Katz- bachs kommen?" .Nein. Und ich glaube, Do reißt sich so wenig darum, bet euren Gästen fünftes Wagenrad zu spielen — wie ich! Du kannst beruhigt fein, wir werden rechtzeitig verschwinden." Die Gräfin machte dem unbehaglichen Gespräch ein Ende, indem sie mitteiltb<. Fürst bereits auf seinem Zimmer gespeist habe. Man brauche also nicht auf ihn zu warten, und sie habe deshalb auch den Kindern ausnahmsweise erlaubt, mitzuessen. Damit gab sie das Zeichen zum Servieren. 9. Kapitel. Nach Tisch, ehe Do sich mit den Kindern auf die Terrasse begab, um das versprochene Kirche und Schule, Heimatkundliche Studienfahrt deutscher Lehret durch Hessen. = Dießen, 26. Juli Der zweite Tag wurde stimmungsvoll eingeleitet durch einen Vortrag des älniversitätsprofe'sors Dr. Rauch über hessische und mittelrheinische Kunst. Der Vortragende wies darauf hin. wie gerade hier auf zweitausendjähngem Kulturboden eine Kunst sich entwickeln konnte, die von eindringenden fremden Elementen hin und wieder beeinflußt, sich aber doch zuletzt als deutsche Kunst durchsetzte. Zum Beweise dafür führte er in sehr schönen Lichtbildern, die die einzelnen Perioden künstlerischen Schaffens kennzeichnenden Werke der Baukunst und Plastik vor. wie sie sich in Ober- Hessen und am Rheine vorfinden. so die Dome zu Speyer. Worms, Mainz, Limburg, die Marienkirche zu Gelnhausen, die Sllsabetbenkirche zu Marburg, da# Kloster ArnSburg und andere. Gin Besuch Der Oberhessischen und Gälischen Sammlungen und des Museums für Völkerkunde mit ihren reichen, wertvollen Fundstücken bewies, mit welchem Eifer und welchen Opfern an Zeit und Mühe dafür gesorgt wird, die AltertumSfunde zu einem Anschauungsmaterial von hohem Werte zusarnmenzustellen. Die Herren Dr. Kramer und N Mi SS. 7. Veränderung an der Turmuhr im Schlachthof. 8. Verbesserung der Akustik im Stadtverordneten- Saal. 9. Bewilligung eines Kredits für bauliche Herstellungen und für Einrichtung einer Sonntagswache des Roten Kreuzes im Haufe Sonnenstraße 2. 10. Erhöhung des älnterhaltungs- Kredits für die Schulhäuser in der West-Anlage und Schillerstratze. 11. Bewilligung eines Kredits für die Herrichtung von Kellern für die Mieter der Alten Klinik. 12. Beschaffung einer Pumpe zur Ausbeutung des auf dem Bichlerschen Gelände gelegenen Brunnens. 13. Beitritt der Stadt WorringerS Geist helle Schlaglichter auf das Wesen der so problemreichen Dilderkunst in alter und neuer Zeit werfen. Der Vortrag findet im Physikalischen Institut der Universität statt. Landkreis Gietzen. P. L i ch, 25. Oull 3n Steins Saalbau tagte am Sonntagnachmittag eine Versammlung aller Gemeinde-, Kreis-, Reichs- und Staatsbeamten sowie Lehrer des Amtsgerichtsbezirks Lich und Umgegenb zur Gründung eines Orts kartells des Deutschen Beamtenbundes. Vorsteher Wahl-Lich eröffnete die Versammlung und erteilte dem (Referenten Detr 6 e - Gießen das Wort. Dieser, besprach die Entstehung von Beamtenorganisationen vor, in und seit dem Kriege. Bürgermeister D ö l k e r - Lich erklärte in der Dis» kuskston, daß die Beamtenorganisationen kein Prodult der Revolution seien, sondern datz die Bewegung in Friedberg schon im Winter 1917/18 bestanden habe, folglich ein Zusammenschluß damals schon eine Notwendigkeit war. Das Beamtenrecht, das in vielen Gesetzen zerstreut läge, müßte in einem festgelegt werden. Herr Schön - Lich, der in der Folge sprach, bekam von Herrn Detree geantwortet. Die Gründung eines Ortskartells wurde beschlossen. 3n den Vorstand wurden die Herren Ritter, Wahl, Vater, Herrmann, Schäfer und Schön in Lich gewählt. Hede Gemeinde bestimmt einen Beisitzer. -L Kl. - Linden, 26. Zull. Ein Sängertag fand am Sonntag im Saale der „Deutschen Eiche" unter Leitung des Dirigenten Nikolai- Großen-Buseck statt. Es beteiligten sich daran die Männerchöre Eintracht-Alten-Bufeck, Poly- hymnia-Beuem, Eintracht-Gießen, Germania- Grohen-Buseck, Sängerkranz-Grünberg. Arion- Klein-Linden, Konkordia-Rödgen und der Frauenchor der Eintracht-Gießen. Es wurden Einzel- und Masfenchöre zum Vortrag gebracht. Sie zeugten sämtlich von guter Schulung und ernteten lebhaften Beifall, dies galt besonders auch von den Liedern des Frauenchors Eintracht-Gießen. Erfreulich war, daß unter den Chören sich zahlreiche Volkslieder befanden. Kreis Büdingen. 25 weiße Störche. f. Laubach, 23. Juli. Ein herrliches Anblick bot sich vorige Woche dem Naturfreund beim Passieren der Landstraße zwischen Ober- und Nieder-Bessingen. Hier ist infolge einer großangelegten Bewässerung fast das ganze Tal sumpfortig von dem Wasser durchdrungen. Diese Sumpflandschaft bietet eine sehr gute Aahrungserwerbsmöglichkeit für allerhand Sumpfvögel, ilnö so kam es, daß man vorige Woche etwa 25weißeStörche dort beobachten konnte. Der Storch ist heute schon in Deutschland zu einem Naturdenkmal geworden. Diese Störche müssen eine zweifellos große Strecke hierher geflogen sein, denn es gibt in Hessen nur noch wenige Horste des weihen Storches. Das ist ein Beweis dafür, daß diesen Tieren durch die moderne Land- und Forstwirtschaft das ßeben unmöglich gemacht wird und daß sie ganz von selbst aus Deutschland abwandern müssen. Kreis Lauterbach. O Lauterbach. 26. Juli. An dem B e- z i r k s k r i e g e r f e st des Hassiab^irks Lauterbach-Schlitz in Lauterbach, dem ersten gröberen Kriegersest in Hessen nach dem Kriege, beteiligten sich 52 Vereine. Das Fest dauerte drei Tage. Der Kavallerie-Verein Gießen Hetz dem Lauterbacher Kriegerverein, der mit dem Feste die Weihe einer Fahne verbunden hatte, einen Fahnen nagel überreichen. Kreis Schotten. Np. Ulrich stein, 25. Juli. Das Post, autv der Linie Alrich st ein—Mücke zeigt jetzt ein anderes Bild wie vor drei Wochen in der Heuernte. Fast zu jeder Fahrt ist das Auto dicht besetzt. Um den Verkehr zu dem Iakobimarkt zu bewältigen, fahren zwei Autos zu jeder Fahrt. Der Dogelsberg bewährt wieder seine alte Anziehungskraft. Kreis Friedberg. --- Friedberg. 26. 3uIL Die Verbände Hessen und Hessen-Nassau der Bienenzüchter beranflalten vom 30. Juli bis 1. August in Friedberg eine Wanderdersammlung, mit der eine größere Ausstellung verbunden ist. zu einem kommunalen Arbeitgeberverband. 18. Ferien der Stadtverordneten-Verfammlung. 19. Festsetzung der Vergütung für die Nahrungsmittelkontrolle. 20. Erhebung einer Fremdenabgabe bei vorübergehendem Aufenthalt in der Stadt Dietzen. 21. Einführung der völligen Lernmittelfreiheit an den Volksschulen. 22. Darlehen an Turn- und Sportvereine: a) Männerturnverein. b) Sportklub 1900, c) Ruderklub Hassia. 23. Herstellung von 2 Tennisplätzen auf städtischem Gelände (ehern. Ossi iers-Erholungsgarten bei der neuen Kaserne). 24. Festsetzung der Vergütung für die Beisitzer des Mieteinigungsamts. '25. Neudruck der Zinsscheinbogen für das Anlehen von 1896. 26. Gesuch der Historischen Kommission für Hessen um Erhöhung des Jahresbeitrags. 27. Voranschlag der Plockschen Stiftung für das Rechnungsjahr 1921. 28. Verordnung über die Beendigung der wirtschaftlichen Demobilmachung; hier: Geschäftsführung für den Landkreis Gießen. 29. Vergebung der Zinsen aus der Heichelheim-Stiftung für Kriegspatenschaften. 30. Erhöhung der Pflegegeldsätze für die von der Armenverwaltung eingewiesenen Kranken in den Universitätskliniken. 31. Bewilligung eines Jahresbeitrags für den Hesl. Fürsorgeverein für Krüppel in Darmstadt. 32. Erhöhung des Jahresbeitrags für den Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege (Vergütung für freie. Station der Iji Jigen Diakon issensiation). 33. Gesuche um Erlaubnis zum (Betriebe einer Schaniwirtschaft usw_: a) des Hrch. Dippel zum (Betriebe einer Schankwirtschaft für West-Anlage 64, b) desgleichen des Ernst Dunk^c für Plockstratze 5 (Ülniversiläts-Eafo), c) desgleichen des Jakob Gerhard für Kaiser-Allee 21 (Zum Krokodil), d) des Kan'Schuchardt zum Betriebe einer Gastwirtschaft für Bahnhofstr. 91/93 (Hotel Lenz), e) des Georg Erhard zum Betriebe eines KaffeeauSschankes für Marburger Straße 31 lfrüher Wellhöfer), f) des Friedrich Ruppec um Erteilung der Erlaubnis zur Veranstaltung von Singspielen, gemäß tz 33 a der Gewerbeordnung, im Hause Walltorstraße 36 ((Safe Leid). 34. Festsetzung der Gebühren für Benutzung des Sterilisator« tm städtischen Schlachthos. '* Straßensperre. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Leih- gefterner Weg zwischen Rodthohl und Lud- wigstrahe für jeglichen Fuhr-, Radfahr- und Fußgängerverkehr bis auf weiteres gesperrt. '*Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterie. Die Lose der 2. Klasse müssen bis zum 30. Juli abends 6 iühr unter Vorlegung oes Vorklassenloses bei dem zuständigen Einnehmer zur Einlösung gelangen. Auch müssen bis zu diesem Termin die Gewinnlose gegen Entnahme der Ersahlose abgegeben werden. ** Die Ortsgruppe Gießen des ReichsverbandeSwetblicherHaus- angestellten (angeschlossen an die christlichen Gewerkschaften) konnte vorgestern auf ihr zweijähriges Bestehen zurückblicken. Auch im verflossenen Jahre hat die Ortsgruppe sich auf das erfreulichste weiterentwickelt. Ihr Ziel ist, die weiblichen Hausangestellten zu edler Gemeinschaft und zugleich zu gegenseitiger Unterstützung und Wahrung berechtigter Stan, desinterejsen ohne die leider heute fast allgemein herrschende Klassenverhetzung zu sammeln und zu vereinen. Immer stärker bricht sich auch in Hessen der große Gedanke einer Angestelltenbewegung auf christlicher Grundlage Dahn. So bot denn auch die am Sonntagnachmittag im Garten des Pfarrhauses der Io- hannesgemeinbe abgehaltcne Feier bei Kaffee und Kuchen ein getreues Spiegelbild der Bewegung. Das gemütliche Zusammensein wurde auf das angenehmste durch Gesang, Rezitationen und eine kleine Aufführung unterbrochen. Die Ansprache hielt Pfarrer A u s f e l d. Vörrwtizen. Tageskalender für Mittwoch. Großer Hörsaal. 8V3 illjr, Vortrag der Gießener Hochschulgesellschaft — Zum Löwen, 81,3 Ahr, □artig ihreg rMW w futoc in de: W b? laten-iM naj wib fr jujtnö unDi rinan Zag ü ich als 7ft |d bflf) auch •• Amtliche Personalnachrichten. Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu H e i st e r S, Kreis Lauterbach. Mit der Stelle war seither Organistendienst verbunden. ♦* Von der Landesuniversität. Altern Brauche gemäß hat die medizinische Fakultät eingedenk des Tages, an dem sic vor fünfzig Hahren Herrn Generaloberarzt Wilhelm W i n t h e r zum Doktor der Medizin ernannt hat, das Diplom erneuert. Milchausgabe. Bon Donnerstag den 28. Juli 1921 an erfolgt die MUchausgabe an die bezugsberechtigte Bevölkerung durch sämtliche Beickaufsstellen des Konsumvereins Gießen und Llmgegend (im Hauptgeschäft Schanzenstraße 16, in den Zweiggeschäften Neuen Baue 11, Asterweg 6. Bleichstrahe 16a, Frankfurter Straße Ecke Klinikstrahe) sowie im Stadtbaus Gartenstraße 2 (Nebengebäude). Die Milch kann dort von vormittags 7 Ahr an in Empfang genommen werben. Milchausweis ist mitzubringen. Beliefert werden alle Bezugsberechtigten der Gruppe 1. Milchpreis 3Mk. für den Liter. Die Bevöllerung wird gebeten, ihre Milch in der ihr am nächsten gelegenen Verkaufsstelle zu holen. " Die nächste Sitzung her © ab t - berorbneten-(Ber|ammlun^ ist auf Freitag den 29. Qult 1921 nachmittags 5 Ubr in das Stadthaus, Dergstr. 20, Zimmer Nr. 7, anberaumt. Auf der öffentl. TagcSordnung stehen: •1. Gesuch des SchreinermstrS. K. Hahn um ‘Befreiung von der Vorschrift deS § 80 deS OrtSbau- ftanitS und deS § 70 der Ausführungsverordnung zur Allgemeinen Bauordnung. 2. Genehmigung einer Einfriedigung in Hvlz für das Grundstück Gutenbergstraße 29. 3. Gesuch 7>es Gitßener Cisvereins um Gewährung eine- Zuschuffes für Instandhaltung des GebäudeS an der Moltkestraße. 4. Geluch der Gießener Ruder-Gefelllchaft von 1877 e. V. um Gewährung eines Zuschusses in Höhe von 2000 Mk. zur Befestigung deS Lahnufers. 5. Vergütung an die Daugenosfenschaft 1894 für auSgeführte StrayenaufFüllung im Siedlungsgebiet der Genossenschaft an der Licher Straße. 6. Vergebung der Oefen- und Herdlieferung für die Neubauten ah der Kaifer-Allee. Startenburg und Rheinhessen. sw. Darmstadt 26. Zull. Die Hitze ist heute fast unerträglich gestiegen. Ein Gewitter brachte am Nachmittag etwas Feuchtigkeit. die aber auf dem heißen Boden nicht viel ausrichten konnte. Die Tiere im Felde haben furchtbar zu leiden. Die Mäuse fressen buchstäblich alle Gelbrüben und sonstigen Wurzel- - erxeugniffe, um etwas Feuchtigkeit zu erlangen. Die Landwirte sind daher mit dem Einbringen der Gelbrüben usw. eiligst beschäftigt. rm. Darmstadt, 25. Juli. Der 23. Hess. Landesfeuerwehrtag fand am Sonntag bei großartiger Betelligung in Bensheim a. d. B. statt. Auf dem Delegiertentag waren 60 Wehren aus Starkenburg^.56 aus Rheinhessen, und 20 aus Oberhessen mit zu. sammen 250 Delegierten vertreten. Der Geschäftsbericht wird genehmigt. Aus der Aussprache ist der Beschluß hervorzuheben: „Die Feuerwehrübungen gehen vor dem Sport Wer hierbei fehlt, wird bestraft." Der Landes- euerwehrtag soll jetzt wieder alle drei Iahrc tattfinden. SS schlossen sich Borträge über taktische Feuerlöschgeräte, Wagen usw. unt deren Vorführung an. Ärri» Wetzlar. K. Wetzlar, 2S. QuIL Am Samstag stattete der OrtSverein Siegen vom Bund Deutscher Ingenieure unserer altertümlichen Stadt einen De such ab. 3n erster Linie galt der Besuch den wellberühmten Optischen Werken von Leitz. Dr. Lettz hatte selber die große Liebenswürdigkeit, an der Hand von Lichtbildern den heutigen Stand der Optik darzulegen, namentlich in |einem Werk, dessen Entstehung auf das Jahr 1849 zurückgehc: aus kleinen Anfängen entstanden, beschäftige es heute über 1000 Arbeiter und (Beamte. 3nter- eßant waren die Ausführungen des Ehcfs bet Firma über die soziale Fürsorge im Werf Herr Dr. Mentzel auS Siegen sprach Herrn Dr. Leid den Dank der Zuhörer aus. Eine Besichtigung bet zahlreichen Arbeitsräume schloß sich an. Man bekam einen tiefen Eindrua davon, wie deutsche Wissenschaft und deutsche Arbeit der Firma E. Leih einen Weltruf verschafft haben. Hessen-Nassau. Nutosturz in den Rhein. fpd. Boppard, 26. Juli Gegenüber von Salzig stürzte infolge eines Reifenschadens ein schwerer Kraftwagen die meterhohe Rheinmauer hinab in den Rhein. Von den sechs Insassen, vier Herren und zwei Damen, wurden die Herren schwer verletz«. Eine Dame trug eine Gehirnerschütterung davon. Die Verunglückten wurden dem hiesigen Kranicnhause zugeführt. Da« Aittv liegt zertrümmert im seichten Rheinwasser. Die Durchsuchung der Schulen nach Waffen fpd. Frankfurt a. M., 26. Juli. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung die Angelegenheit der Waffenfunde im Wöhler-Gymnasium behandelt. Es wurde beschlossen, sämtliche städtischen Schulen auf- zuforbern, nach genauer Prüfung und Durchsuchung der Schulräume innerhalb kurzer Frist zu berichten, daß keinerlei Waffen und Munition in den Schulräumen untcrgebracht sind. Ferner wurde eine Kommission von drei Stadträten niedergesetzt, die die tm Zusammenhang mit der Sache genannten beamteten Personen eingehend vernehmen und über das Ergebnis dem Magistrat berichten soll. macht einen ja gerade so verrückt wie da- iln» geschick dieser albernen Person." ZedeS Wort hallte deutlich im Korridor wider Do büeb unschlüssig por der halb offen stehenden Tür stehen und wußte nicht, sollte fle em treten oder wieder fortgehen?" Drinnen flogen die KraftauSdrücke nur so von deS Fürsten Lippen, und jeder rief einen entrüsteten Wortschwall bei Mamsell Miller wach. Zuletzt wurde ihr wegen .ülnbotmäßlgkeit" und „Frechheit" gekündigt. „ülnd zwar," schrie der Fürst, „haben Sie das Haus sofort zu verlassen!" .Oho.'" „Dar nichts oho! Harnpe meine Börse!" Do sah, wie der alte Kammerdiener fernem Herrn zitternd die Brieftasche reichte und wie bei Fürst, blaurot im Gesicht, zwischen den 'Bantnoten berumfingerte. Sein rechtes Bein lag, nur mit einem Wollstrumpf bekleidet, auf einem Stuhl der ungeschickt an den Lehnsessel angerückt war. Auf einem Tisch daneben stand em Kaffeegeschirr, ein Aschenbecher und des Fürsten kurze, eng- lische Pfeife. Dem Fürsten gerade gegenüber, mit beit Guttat gegen die Tür gewandt, stand Fräulein Miller tambfberelt wie eine Furie und schnappte ordentlich nach Lust. Do war zitternd tm Korridor stehen geblieben. Niemand hatte sie noch bemerkt. WaS sollte sie tun? älmkehren? Sic hatte eine wahre Todesangst, einzutreten und dadurch vielleicht dem alten Herrn Gelegenheit zu geben, sein Mütchen an einem neuen Opfer zu Ahlen. 1 Fortsetzung folgt). (Bon Do bie MllchE rang durch Kreins ®iefi Schayechotz Säwll, 8f Sksht j frage 2 (fleb. Die Milch an in Cmpfanc Bttjubringen. tüten bei ®n £ütt. Die Br -er ihr am nä ffiitfjen, l Ter Lbe Sil ä für ganz Mitteleuropa eine Flut von ©onnen- Jdjetn unb an bau em ben S) ö dj fttembera» - - =- iuren brachte, wie sie feit Jahrzehnten nicht I erlebt worden sind. 'H-iß-> Sommer bleiben lange h ^17 * ‘th 7t»r Rrinn»ninn»r nnK fiTbrn. flucksentwäfserung betr. 17. (Beitritt der Stadt -Metfor Kunkel batten in dankenswerter Weise die Führung übernommen, wofür ihnen auch an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt sei. Professor Dr. R S S ch e n - Laudach machte sodann die Teilnehmer in eingehendster Weise mit der Geschichte der Stadl Giefteu bekannt. Sin Spa-ieigang am Rachmittag auf die Burg Gleiberg. womit ein Dortrag über die Entstehung und Geschichte dieser Durganlage verbunden war, bot des Interessanten und Wissen-werten in Fülle Trotz des ermüdenden Marsches in tropischer Hitze lieft sich die frische Jugend in den geräumigen, altehrwürdigen Rittersälen ein Tün-chen nicht nehmen. Den Schluft diese- Tages nwchle eine Sitzung deS Oberhesfischen Vereins für Völkerkunde Metropolitan D o e 11 c - Marburg schilderte hierbei den hessischen Dauern in seiner zwar derben, aber doch auch aemütStiefen Art, wie er ihn in seiner Eigenschaft al- langjähriger Dvrfpsarrer kennen gelernt hat Seine Ausführungen hinterließen sichtlich einen tiefen •tafcnut auf die gespannt lauschenden Zuhörer. Hessische Schulen auf der Wartburg. # Schlitz. 26. 3uIL Nachdem die ersten Ferien, die sich hierzulande hauptsächlich nach der Heuernte und der Heidelbcerernte richten, allenthalben bereits beendet sind, machen die Schulen deS SchlitzerlandeS, teilweise unter De- gleltunq der Angehörigen der Schulkinder, gegenwärtig ihre gröberen Tagesausflüge Hohe- rodskopt im Vogelsberg, Milsenburg und Wasser- fupvc in der Rhön werden alS Reiseziele besondere bevorzugt. Einige Schulen des hessischen Fuldagrundes, so Hellershaufen und Huhdorf, unter nahmen ihren TageSauSslug sogar nach Eisenach und der Wartburg, womit sie der Zugcnd unvergeftliche Eindrücke bieten. Dank vorzüglicher Zuanerbindung über Hersfeld läht sich dieser AuSflug nach den Lutherstätten in einem Tag auSführen: eS steht am Reiseziel ein mehr als Zftünhiger Ausenthalt zur Verfügung, so haft auch Hohe Sonne und Drachenschlucht beeilt 355 [uem besucht werden konnten. — 3n der Pfarrei kreutzerSgrund gingen für die Kinderhilfe Gießener Strafkammer. Gieften, 19. Juli 1921. Ein Schmiedemeister von Sieben war von dem hiesigen Schöffengericht mit 10 Mk. Geldstrafe belegt worden, weil er in der Rächt vom 24. auf 25. Juni 1921 auf öffentlicher Strafte vor feiner Schmiede zwei Wagen unbeleuchtet hatte stehen lassen. Auf seine De- rufung hin wurde er frei gesprochen, da, wie in anderen Fällen auch hier die Möglichkeit bestand, haft die Wagen von den Fuhrleuten ohne sein Wissen vor seine Schmiede (seine Wohnung liegt in einem anderen Stadtteil) gestellt tooiben waren. Die ledige D. K. von Ober-AoSbach hatte anfangs 1921 verschiedene Schreiben mit der Unterschrift deS Vormundes ihrer Mutter gefälscht und durch deren Vorlage den Pächter der ihrer Mutter gehörigen Grundstücke zur Auszahlung von insgesamt 850 Mk. Pachtgeld ver- anlaftt Strafe: 6 Wochen Gefängnis. Der Händler St Ä. von Ober-Mörlen hatte im Herbst 1920 11 000 Zigaretten in Köln gekauft und diese mit gefälschten Steuerbanderolen zugeschickt bekommen. Dor dem Schöffengericht Dad-Rauheim wurde er wegen Einfuhr der Zigaretten ohne Genehmigung zu einer Woche Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe verurteilt und im übrigen freigesprochen, da nicht nachzuweisen sei, dab er die Banderolen als gefälscht erkannt habe. 3n der Berufungsinstanz wurde das angefochtene Urteil bestätigt. Ein Müllerssohn und zwek Einwohner von Pfordt waren von dem Schöffengericht Schlitz von der Anklage freigesprochen worden, es unternommen zu haben, zweiRevisionSbeamte der Reichsgetreidestelle durch Drohungen zur Unterbrechung einer Amtshandlung genötigt zu haben. Auf Grund der Beweisaufnahme gelangte das Gericht zur Ueherzeugung, dab die Ange- tagten die Beamten nicht bedroht, dab diese vielmehr freiwillia die Revision abgebrochen hätten. und verwarf Die Berufung der Staatsanwaltschaft 3n einer weiteren Hache (Geschlechtsverkehr zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn) erging Haftbefehl gegen den nicht erschienenen Angeklagten. Vermischtes. Reue Waldbrände. tpd. Kaiserslautern, 26. Zull. Durch Funlenauswurf einer vorübersahrenden Lokomotive entstand bei der Eselsmühle cm DbschungSbrand, der in wenigen Augenblicken auf ein grobes Wiesengelände Übergriff und dann in die nahen Waldungen sprang. Die Feuerwehren von zahlreichen Orten und die französischen Besatzungstruppen hatten mit der Bekämpfung deS Brande- länger als einen Tag zu tun. Der Schaden beträgt mehr als 1 Milt. Mk. fpd. Weiter st abt <26. 3uIL Hier würbe am Samstagnachmittag die Dreschhalle der hiesigen Dreschgesellschaft samt der Maschine und 18 Wagen Getreide durch einen Brand vernichtet. Die Bedienungsmannschaften konnten mit knapper Rot ihr Leben retten. fpd. Aus dem Taunus. 26. 3uli- 3n der Rahe deS Sandplacken richtete ein Wal b- brand nicht unbeträchtlichen Schaden an. 6ine Sprengstoffabrik in die Luft geflogen. * Oppeln. 26. Juli. (WTB.) 3n der Sprengstoffabrik inKrtewald (Kreis Ryb- nif) ereignete sich heute vormittag ein folgenschweres Explosionsunglück beim Ausladen von Explosivstoffen. Die ganze Sprengstofffabrik in Lignose ist in die Luft geflogen. Elf Arbeiter wurden sofort getötet, drei starben auf dem Transport ins Krankenhaus. Fünf Arbeiter sollen noch unter den Trümmern liegen. Die Gesamtzahl der Schwerverletzten wird auf über 20 geschätzt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Die Entstehungsursache der Explosion ist bisher nicht bekannt. Der Betrieb wird für längere Zeit stillgelegt werden müssen. Auf der Fabrik waren etwa 550 Mann beschäftigt. * Berlin, 26. Juli. (Privattelegr.) Prinz Eitel Friedrich hatte nach dem Selbstmord des P r i n z e n I o a ch i m dessen kleinen Sohn Karl Franz Joseph zu sich genommen und der Witwe die Herausgabe des Kindes verweigert. Das L a n d a e richt in Potsdam hat jetzt entschieden, baft Prinz Eitel Friedrich den Sohn binnen vier Wochen der Mutter herausgeben must 3n der Urteilsbegründung wird erklärt, dast die HauSgeseye der Hohenzollern nicht mehr Anwendung finden. 3nnsbruck,26. Juli. (WTB.) Wie das „Alpenland" meldet, wurde in einem nördlich vom Wöral gelegenen Gebirgszuge ein bis in eine Tiefe von 600 Meter fuhren- des Entwickelungsnetz von Höhlen entdeckt. Die Befahrung eines der fünf Cinsteigeschächte führte dieser Tage zur Entdeckung eines gro- sten E i S d o r f e s mit einem E i S s e e. Die Forschungen werden fortgesetzt. Hühneraugen tlornhauf Schwielen u. Warten de* 4r*H*n rmit-ont^ed' bewehrt« J Sch. M.3. -. Io Apotheken a. Drogerien erhiltllch. Drogerie Stoll, Bnhnhofetraße 51. Bekanntmachung. von Donnerstag, den 28. Juli 1921 an erfolgt die Milchausgabe an die bezugsberechtigte Beoolke- rung durch sämtliche Verkaufsstellen des Konsum. Vereins Kiesten und Umgegend (im Hauptgeschäft Schanzenstraste 16, in den Zweiggeschäften Neuen Baue 11. Asterwea 6, Dleichstr. 16a , Frankfurter Strafte Q-dtc Klinikftr) sowie im Stadthaus Karten- strafte 2 (Nebengebäude). Die Milch kann dortselbst von vormittags 7 Uhr an in Empfang genommen werden. Milchausweis ist mitzubringen Beliefert werden alle Bezugsberech- tigten der Kruppe I. Milchpreis Mk. 3.— für den £iter. Die Bevölkerung wird gebeten, ihre Milch an tkr ihr am nächsten gelegenen Verkaufsstelle zu holen. (Rieften, den 27. Juli 1921. Ter Lberdürgermeilver (Xebm3mitttiamt). Achtling! Btlmn gnflnHerte Achtung! Wenootlt Pfund Mk. 9.—. Eeleosmltteltos M W Marttstrake 14. 8241 MlluiW Wobmina flCfl. eine 2-,4-Wobn. ein? Swriftl.Angeb.unt.010388 nndenGiest.Anieig.erbet. [Vermietungen | Ä Mim i- Verl». 610402 Steinttrafte IS l. Lagerräume. Pferde- stall u. Heuboden foiort aii vermieten '0*372 Rodbeimer Strafte 41. SföftLBimmer au oerm. 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Juli 1921. 010324 Dreschmaschinen Breit- und Stiftendrescher, sowie Strotzvreffen mit und ohne automatische ^elbübindung, autzerdem Jr«s-Mühlen für Landwirte und Kundenmüllereien liefert äutzerü vorteilhaft und sofort 8246 öerfaufsbüro d. 3. Schweröl m ^Frankfurt-Rödelheim, Tel. Taunus 4276. Bestchugen Sie ohne Verbindlichkeit mein reich- haltige- Lager Eschborner Landstraße 26. Ausarbeiten von Matratzen und «746 Sofas C. Leisler, Möbellager, 23 Neuenweg 23. Schellfische Mittwoch u. Donnerstag eintreffend P.Pfd. Mk.2.20 u. 1.20 Ä- fiolao 0.00, 18.00 und 16.00 öela-Iee per Pfd. 28.00, 24.00 und 22.00 öeis-Mee per Pfd. 28.00, 24.00 und 20.00 Wei-Reis Pfd. 4.80. 3.80 il 3.00 BÜÖ6I Kaltschlaa, Ltr. 14.00 Iafel-9el v. Ltr. 20.00 il 17.00 Für die überaus vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben, unvergeßlichen Mannes sage ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Llise Wagner geb. Übrig. Gießen (Krofdorfer Str. 39), 27. Juli 1921. 010862 Statt jeder besonderen Anzeige. In tiefem Schmerze allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, unsern geliebten, für das Wohl seiner Kinder und Enkel unermüdlich tätigen Vater und Großvater, unsern treuen Bruder, Schwager, Paten, Onkel und Neffen Herrn Wilhelm Meißinger II. Gastwirt und Kaufmann heute nachmittag J/26 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 55 Jahren durch einen sanften Tod von uns zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen. EtoMWei Klö ppel-Spita imiL sMeMei Stickerei eingetroff'en. Heute u. morgen erhalte frische J Seefische August Wallenfels 17 Marktplatz 17 la Kabeljau ohne Stopf, la Kabeljau im Ausschnitt, la Seehecht heute in frischester Qualität zu äußeret günstigen Preisen eingetroffen. ’ L.G. Minheim Babnbofstr. 59. Tel. 66. miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiijiiiiiuiini; |Louis Rothenberger| i Gießen Frankfurt a. 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Rachr": 3m Jahre 1855 als Sohn eines Dorffchul- lehrers in der Oberpfalz geboren, studierte Frauendorfer die Rechte, legte hervorragende 54Mgtetten an den Tag und wandte sich in der Praxis der Verwaltung bei den Eisenbahnen zu 3n raschem Laus durchging er die unteren Stufen des Staatsdienstes, trat unter dem Ministerpräsidenten Grasen v Crailsheim, dessen Ressort die Derlehrsverwaltung damals angegliedert war. in den Ministerialdienst ein und wurde in der Verkehrsverwaltung die rechte Hand 'eines Ministers. Als dann im Jahre 1906 die Verkehrsverwaltung vom Ministerium des Aeu- hern abgetrennt wurde, übertrug ihm. dem einzigen Manne, der damals das nötige umfassende Dissen und organisatorische Talent für die Lei- ,ung des neuen Ministeriums besah, Prinzregent Luitpold das neue Ministerium. Herr v. Frauendorfer rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen nach der organisatorischen und technischen Seite glänzend. Die bayerischen Dahnen und die baye- r-ische Post, für deren Selbständigkeit v. Frauendorfer stets geschickt und kräftig eintrat, nahmen unter seiner Leitung eine erste Stelle im deutschen Verkehrswesen ein und wenn sie sich im Weltkrieg mit einer musterhaften Leistungsfähigkeit in Die Lösung der enormen Aufgabe, die dem Verkehrswesen beim Aufmarsch zugewiesen war. einfügten, so war das in allererster Linie v. Frauendorsers Verdienst: denn schließlich hätte fein Rachfolger im Amt des Verkehrsministers in den zwei Jahren seiner Tätigkeit nicht schaffen können, was die bayerischen Verlehrseinrichtungen im Jahre 1914 darstellten. Herr v. Frauendorfer gehörte der freiheitlichen Richtung an und der alte Deamtenliberalismus war ihm ein viel zu enger Rahmen. So muhte er in scharfen und immer schärfer werdenden Gegensatz zu der Landtagsmehrheit des Zentrums geraten, da er zudem beim Regenten zwar obS Fachmann, nicht aber als Politiker Vertrauen genoß, war er einem akuten Konflikt, den das Zentrum Anfangs 1912 über der Frage des Eisenbahnerreverses bezüglich des Streik- rechts der Staatsangestellten vom Zaune brach, nicht gewachsen. Mit ihm ging damals das aesamte Ministerium Podewils. v. Frauendorfer, der Arbeit und Tätigkeit nicht entbehren mochte, übernahm mit gutem Erfolg die Direktion der städtischen Straßenbahnen in München und die Aufsichtsratstätigkeit in verschiedenen groben industriellen Unternehmungen. War in der Krise von 1912 v. Frauendorfer als aufrechter und zielbewuhter Staatsmann erfunden worden, so begann sein Dild heftig zu schwanken, als die Revolution über Bayern ihre schmutzigen Wellen ergoß. Schon am zweiten Revvlutionstag konnte der Vater der bayerischen Revolution, Eisner, Herrn v. Frauendorfer als einen seiner Mitarbeiter der „provisorischen Rationalversammlung", einem chaotischen Haufen von Revolutionshelden, vorstellen und diese Versammlung begrüßte Herrn v. Frauendorfer als Verkehrsminister stürmisch. Man mag ihm bei feiner damaligen raschen Bereitwilligkeit zugute holten, dab es immerhin galt, vor den zügellosen Revolutionshaufen zu retten, was zu retten war: man mag ihm auch zugute halten, dab er, notgedrungen, auch Eisners allzuwilden Phantastereien gelegentlich entgegentrat. In der später folgenden Rätezeit jedoch hing er unter Preisgabe fast all seiner eigenen Persönlichkeit den Mantel ganz nach dem Winde, ertrug sogar einen Paulukum als „Verkehrsminister" neben sich, gab lebe Führung der in seinem Ressort beschäftigten Dassen auf und besann sich bis zur endgültigen Entscheidung gegen die „Räteregierung" über den Deg. der ihn doch sofort nach Bamberg hätte bhren sollen, wo der Landtag war. Auch später- n. bei einem neuen Wechsel der Regierung, ot er sich allzu bereitwillig an, obwohl keine Partei ihn zu übernehmen bereit war. So schwankte fein Charakterbild gerade in den Zeiten, in denen ein Mann von feiner Hohe und Bedeutung, von seiner Verantwortlichkeit vor allem gegenüber der Psychologie der Massen wie ein ragender Grundpfeiler hätte stehen sollen, wie »in Richtung gebender Leuchtturm. Als die bayerischen Staatsbahnen in den ■öeHb deS Reiches übergingen, wurde Herrn von Frauendorfer die Leitung des bayerischen Zweiges des Reichsverkehrsministeriums übertragen. Seine Derson trat in diesem Amt nicht mehr hervor: das tragische Ende, das v. Frauendorfer genommen hat, dürfte eine Erklärung für diese Erscheinung geben. Jur Gießener Ferienordnung. Zu dieser Frage, die gerade in diesem Jahre infolge der ausgedehnten Hitzeperiode wichtig erscheint. schreibt uns Rektor Fischer: Beobachtungen, die schon in den letzten Jahren, ganz besonders aber in diesen Wochen gemacht werden konnten, geben Veranlassung, einmal der Verteilung der Ferien an den Gießener Schulen einer Prüfung zu unterziehen. In der Vorkriegszeit hat es in Giehen für alle Dchulen von Pfingsten bis Weihnachten nur ttne einmalige Unterbrechung durch Ferien gegeben, eine so unglückliche Ferienordnung, dah man sich noch heute über den Gleichmut wundern mutz, mit dem Elternhaus und Schule diese Re- gelung hmgenvmmen haben. Seit wenigen Iah- i Serien In 4 Wochen Sommer- und 2 Wochen Scrbftferien geteilt, und es ist damit eine Ordnung gesunden, wie sie wohl in den meisten Städten seit Jahren besteht und wie sie auch dem Bedürfnis sehr gut entspricht. - Richt g ucklich aber erscheint die Festlegung, besonders die Lage der Sommerferien, auch heute noch lmd^soll deshalb einmal versucht werden, die -Aufmerksamkeit der Beteiligten auf diesen Punkt iu lenken und eine Aenderung herbeizuführen. Zunächst fallt auf: Die letzige Ordnung, die et ^n ganzen Juli hindurch in der Schule lest halt, ist durchaus unglücklich. Der Juli ist besonders in der zweiten Hälfte, eine sehr beiße oeu, weist oft — nicht nur in diesem Jahr — Abschnitte anhaltender Hitze auf. und es h »^halb gesundheitlich in hohem Mähe be= .Eich, unseren auch jetzt noch stark unterernährten Kindern die 2aft der Schularbeit zuzumuten ^lt, in der selbst Erwachsene an ihrer ^enissarbeit schwerer tragen als sonst. Verschärft axrö dieser ilebelftanb dadurch, daß die Iuli- wochen am Ende eines Schulabschnittes liegen und die Kinder eben ohnedies abgearbeitet und wenig leistungsfähig sind. So kann man sich nicht wundern, wenn in den letzten Wochen vor den Sommerferien immer mehr Eltern an die Schulleitungen herantreten und gestützt auf das Zeugnis des Hausarztes Antrag auf Beurlaubung ihrer schwächlichen, blutarmen u. a. Kinder bis zu den Serien stellen. Bei meiner Gruppe liegen bereits 19 Anträge vor. darunter allerdings auch einige, bei denen besondere häusliche Verhältnisse die Beurlaubung erforderlich machen. Von einer anderen Gruppe höre ich. daß dort 51 Fälle von Versagen vorliegen, und daß dort drei Lehrkräfte wegen nervöser Erschöpfung beurlaubt werden mußten. Gewiß wird zuzugeben sein, daß die außerordentliche Hihwelle der letzten Tage diesen Uebel- stand verschärft hat. aber auch in weniger heißen Sommern ist für den Schulmann kurz vor den Sommerferien ein ausfallendes Rachlassen, rasches Ermüden, Mangel an Aufnahmefähigkeit der Kinder in oft erschreckendem Maße erkennbar. Das ist besonders in Jahren der Fall, in denen Ostern früh liegt und also der Abschnitt von Pfingsten bis zu den Ferien zu lang wird. Man sollte es vermeiden, von unfern unter der Wirkung der Kriegsernährung noch heute leidenden Kindern Arbeit und Leistungen in einer Zeit zu verlangen, in der die Bedingungen für eine erfolgreiche Schularbeit kaum noch vorhanden sind. Ist es nicht ein unerträglicher Widerspruch, daß wir von Amerikanern Zuwendungen annehmen, von Reich und Stadt erhebliche Zuschüsse leisten lassen, um die oft gar zu jämmerlich entwickelten und genährten Kinder hochzubringen, und dah wir zu gleicher Zeit dieselben Kinder unter Arbeitsbedi .gungen in der Schule festhalten, die ihre Kräfte mehr als zulässig in Anspruch nehmen? Jeder Schüler kennt die schmalen Kerlchen in seiner Klasse, die schon in der dritten Stunde am Vormittag abgleiten und in der vierten und fünften überhaupt nicht mehr mittönnen, vom Rachmittagsunterricht ganz zu schweigen. Und dann sollen die Kinder in diesem Zustand noch mit Lust und Interesse Hausaufgaben an- fertigen! Ist's ein Wunder, wenn sie gerade noch soviel zusammenbringen, daß es eben noch so gebt? ilnb solche Arbeiten sollen viel Wert haben? Es wäre unseren Kindern viel nützlicher, wenn sie sich jetzt vier Wochen erholen und etwa Mitte August mit frischen Kräften an die Arbeit gehen könnten. Selbst dann, wenn einmal, was kaum eintritt, Ende August längere Zeit größere Hihwellen kommen sollten, ist das Opfer nicht so groß wie eben! Der Abstand von den Sommer- zu den Ferbstferien ist kurz (in diesem Sommer viel zu kurz), und die Kinder wären nach der Erholung von 4 Wochen viel widerstandsfähiger als heute. Zu den gesundheitlichen kommen aber auch sehr gewichtige unterrichtliche Bedenken: In den letzten Wochen vor den Sommerferien mit den vielen heißen Tagen gtüffen die letzten Vormittags- und die Rachmittagsstunden oft ausgesetzt werden. Für die Kinder ist das natürlich immer eine große Freude. Aber eigentlich besteht für sie dazu gar kein Anlaß. Das dicke Ende kommt ja doch nach. Wenn meinem Kinde 4 Wochen lang Latein oder Physik ausfällt, dann fehlt ihm Vio der Jahres stunden in diesem Fach. Wird damit das Ziel in diesem Fach um ein Zehntel herabgesetzt? Kein Mensch denkt daran. Das Ziel ist verbindlich, und die Lehrer sind einfach gezwungen, den Stofs aus der „verloren gegangenen" Zeit in die noch verfügbaren «Stunben hineinzupressen. Lind die haben heute bereits alles, was sie tragen können. — So trägt unsere heutige Ferienordnung in bedenklicher Weise dazu bei, die alten Klagen von der ileberbürbung mit Stoff noch zu verstärken. Angesichts dieser Tatsachen sollten Schritte unternommen werden, um eine FtÄherlegung der ©ommerfeffen bereits für das nächste Ha hm herbeizuführen. (Gegen die Lage der Herbstferien läßt sich wohl weniger einwenden.) Ich schlage vor, die Sommerferien (vier Wochen wie seither) an dem Samstag beginnen zu lassen, der zwischen dem 10. und 15. Juli liegt. Damit gingen wir noch nicht so weit wie andere Städte in der Rachbarschaft, die ausgesprochene Iuliserien haben (Frankfurt) und wir kämen auch einem für das öffentliche Leben unserer Stadt sehr wichtigen Fattor weit entgegen. Die in vorstehenden Wrsführungen vorgeschlagene Aenderung kann nicht von der Schule allein beschlossen werden. Es wäre eine Aufgabe für Elternabende und die uns in Aussicht gestellten Elternbeiräte, die Sache zu erörtern. Vielleicht aber werden Väter und Mütter veranlaßt einmal ihre eigenen Beobachtungen mitzuteilen und ihre Meinung zu sagen. Ich sollte meinen die Angelegenheit könnte ihnen — und auch den Hausärzten — nicht gleichgülttg fein. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. •• Das Amtsverkündigungsdlatt Rr. 107 vom 26. Juli enthält: Voranschlag der Kreiskasse des Kreises Gießen. — Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel. — Jugendherbergen. — Schlußprüfung der Aspiranten und Aspirantinnen des Schulamts im Herbst 1921. — Klauenviehmarkt in Hungen. — Dienstnachrichten. — Straßensperre. — Aenderung der Ortssahung über den Bezug von Wasser aus dem Wasserwert der Gemeinde Ronnenroth (Schluß.) Maßnahmen gegen Wohnungsmangel. Das Hessische Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt ordnet mit Zustimmung des R?ichsarbeitsministeriums für das Gebiet des Freistaates Hessen an, daß auf Reubauten, die ohne Beihilfen aus öffentlichen Mitteln errichtet werden, die Vorschriften der Mieterschutzgei ey- gebung keine Anwendung finden. Diehmarkt in Hungen. Montag den 1. August 1921 findet zu Hungen ein Klauen- viehmarkt statt. Zugelassen ist Klauenvieh, das aus dem Kreis Gießen stammt oder die vorgeschriebene Quarantäne überstanden hat. Ein Llrsprungs- zeugnis der betreffenden Dürgermeisterer oder das Zeugnis eines beamteten Tierarztes über die ab- gelaufene Quarantäne mutz bei Auftrieb vorgezeigt werden. Die Maul- und Klauenseuche in der Stadt Wetzlar ist erloschen. Die Sperrmaßnahmen sind aufgehoben. — Unter den Viehbeständen in Amönau (Kreis Marburg) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Kirche und Schule. ± Gedern, 25. Juli. Unter Teilnahme öer ganzen Gemeinde wurde gestern hier das Iugendfest gefeiert. Lehrer List legte auf Dem Fest platz die Bedeutung des Festtages für ba£ Vaterland in schlichten Worten dar. Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben unter der Jugend, indem sie ihre Reigen, Spiele und Weltrufen zur allgemeinen Zufriedenheit erledigten. Die Pausen wurden ausgefüllt durch Vortrag von Gedichten und humoristischen Stückchen durch die Schulkinder, sowie durch Gesänge der hiesigen Gesangvereine unb des Gemischten Chores. Die Schulkinder wurden durch Brezeln und durch erfolgreiche Betätigung beim Wurstschnappen für ihren Eifer entschädigt. Am Schlüße der Veranstaltung dankte Bürgermeister Müller allen i>encn, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Züricher Devisenmarkt. Wechsel auf Holland ........ Deutschland...... Wien......... Prag......... Paris......... London ........ Italien........ Brüssel........ Budapest ....... Neuyork........ Agram......... Bukarest....... 100 3L 100 W 100 fir. 100 Kr. 100 Fr. 1 £ 100 L. 100 Fr. 100 Kr. 100 $ 100 str. 100 C. 25. 7. 2& 7. Schweizer Franken — 19 .50 189.- =3 7.72 7.75 =3 0.75 0.60 — 7.75 7.65 — 47.05 47.10 21.80 21.80 * 26.-0 26.10 45.90 46.- 1.75 1.70 — 609.50 610.- 3.60 3.50 — 8.- 7.90 Müller'schc Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 27. Juli: 21" R. Handel. Rückgang des französischen Außenhandels. Paris, 26. Juli. Die Havascmentur veröffentlicht die Statistik der Ein- u^d Ausfuhr Frankreichs im ersten Halbzahr 1921 Die Einfuhr hat in diesem Zeitraum einen Wert von 10 407 438 000 Franken erreicht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres belief sie sich aus 26 191 702 000 Franken Der Rückgang ist in der Hauptsache auf die Einschränkung des Bedarfs für die Industrie zurüclzuführen. Die Ausfuhr irn ersten Halbjahr 1921 betrug 10 799 855 000 Franken gegen 12 256 233 000 Franken in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. ♦ Frankfurt a. M., 26. Juli. Die feste Tendenz, welche an der Mittagsbörse vorherrschte, übertrug sich auch auf den Abendverkehr. In verschiedenen Werten wollte man Intereffenkäufe beobachten. Unter den nicht amtlich notierten Werten fielen besonders Gebrüder Fahr durch lebhafte Käufe auf, sie wurden mit 424 bis 429 gehandelt. Rastatter Waggon wurden mit 404, 405, Wolf Buckau mit 447, Gummiwarenf. Pollack mit 520 genannt. Deutsche Petroleum blieben weiterhin fest, zirka 835 bis 840. Harpener, die heute im Mittelpunkt des Interesses standen, eröffneten 645 und waren zu diesem Kurse gesucht. BerzeliuS fliegen auf 50472, TelluS auf 403. Rheinstahl fest, 580, auch Öberbedarf blieben gut behauptet, 315. Chemische Werte waren befestigt. Scheideanstalt 687, Elberfelder Farben 361. Ferner waren wieder Zellstoff Waldhof lebhaft beachtet. Hirsch Kupfer 403. Für Elektro Licht u. Kraft zeigte sich einiges Interesse, 241, Schuckert aber schwächer, 294. Die Geschäftstätigkeit am Markte der Einheitswerte war sehr lebhaft. Brauerei-Aktien, Eisenwerk Meyer, Badische Manuf., Schuhs. Leander blieben zu wesentlich erhöhten Kursen gesucht. Filzfabrik Fukda notierten 354. Hapag gebessert, 172.75. Die Börse schloß auf allen Gebieten in fester Haltung. Frankfurt