Nr. 225 Der Siebener Anzeiger mit der Dienstagsbeilage „Sport-Umschau" er. scheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monallichevezuarpreise: Mark 5.- einschließlich Irägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. ernsprech.Anschlüsse: rdieSchriftleitung 112; r Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Sineiaer Stehen. Postscheckkonto: firanffurt a. m. U686. Erstes Blatt M. Jahrgang Zreitag, 25. September 1921 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Pntrf und Verlag: vrühl'sche Unio.-vuch- und Steinöruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druderei: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Vcrdin t l .chkeit. Preis für l mm Ijölje für Anzeigen v 94 mm Breite örtlich 40 Pf, au wärt» 50 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 180Pf Bei Platz- Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptschriftletter: Aug. v-oetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil i.D : Aug. Goetz; für den Auzeigentetl: Hans Beck, sämtlich in Gießen. gur inneren Lage Deutschlands. Der Beschluß des sozialdemokratischen Parteitages in Görlitz, der den Weg freimacht für eine Koalition auf breiterer Grundlage, hat alsbald rege Erörterungen herbeigeführt über bevorstehende Umgestaltungen der preußischen Regierung und des ReichS- kabinetts. Wenn nun auch bestimmte Meldungen darüber voreilig und falsch waren, so ist eine Umbildung nach beiden Seiten bin doch sicherlich auf dem Marsch. Eine große Rede des Führers der Deutschen Bvlkspartei, Stresemann, auf einer Tagung in Lüdenscheid hat ergeben, daß Stresemann zwar lebhaft die Rotwendigkeit eines Kabinetts auf breiterer, politischer Basis verficht, daß er sich aber keineswegs mit der Politik des gegenwärtigen Kanzlers zu versöhnen gedenkt, den er im Gegenteil scharf angriff. Er geißelte seine Unfähigkeit als Staatsmann, der an einem Bormittag vier Reden zum Fenster hinaus hielt, und wandte sich gegen die höchst einseitige, linkspolitische Parteileidenschaft Dr. Wirths, die das Wiedererwachen des nationalen Gedankens zu erdrücken trachtete. Das „Berliner Tageblatt" und die .Frankfurter Ztg." meinen dagegen, ein Ausscheiden Wirths im gegenwärtiaen Augenblick würde unserer Außenpolitik schaden, da er heute der Mann sei, dem man im Ausland glaube. Die „Tägl. Rundsch." betont, daß die breite Koalition der Mitte um so eher zustande komme, fe schneller eS mit Wirths Kanzlerschaft zu Ende gehe: Außenpolitisch hätten sich die Verhältnisse sehr verändert, und in den englischen Kombinationen sei der Sturz von Wirth nunmehr bereits etwas Selbstverständliches. Der Wille sei nach dieser Richtung hin so eindeutig, daß sogar Frankreich schon von Wirth. abrücke, um sich freie Hand zu sichern. Der Dmck von außen und das Interesse der Mittelvarteien würden den Ausschlag geben: Gegen Wirth. Den „Sieg des Barteimanns Wirth gegen den Staatsmann Wirth" glaubt der „Hann. Kurier", der t\m übrigen jeden staatsmännischen Erfolg der bisherigen Politik des Kanzlers bestreitet, feststellen zu dürfen: Wirth habe gerade in den letzten Wochen vieles getan und gesprochen. u.m dessentwillen das nach Einheit strebende deutsche Volk mit ihm zu rechten haben werd?. Auch die ..Magdeb. Ztq." wünscht von W-rth mehr Uebersicht über das Ganze, mehr staatsmännisch? Arbeit von hoher Warte aus und viel weniger Parteileidenschaft: Die aroßen wertvollen Volksteile in Rord und Süd, die eine breite Grundlage für die Politik des Wiederaufbaus bilden wollen, zusammen^ufassen und vorwärts zu reißen, sei verdienstvoll, staatsmännisch und wahrhaft vaterländisch. Die bewußt oder unbewußt das Gegenteil betreiben, sollten je rascher, desto besser, von leitender Stelle abtreten. • Der „Lvk.-Anz." berichtet auf Grund zuverlässiger Informationen: Es mache sich in verschiedenen Parteilagern eine recht starke Strömung gegen die Gleichzeitigkeit beider RcgierungS-Llmformungen in Preußen und im Reiche geltend. Man wolle Preußen den Vortritt lassen, im Reich dagegen halte man eine Aufnahme der Deutschen VolkSvar- tei vor Lösung gewisser außenpolitischer Fragen nicht für zweckmäßig. Tieber Sieger- walds Rolle berichtet das Blatt, daß er tatsächlich mit Porsch über dessen Kandidatur für die preußische Minister-Präsidentschaft verhandelt habe, daß Porsch aber zuletzt Abneigung gezeigt habe: Stegerwald selbst wolle ganz aus der Regierung herausgehen, sich wieder den christlichen Gewerkschaften widmen und nur beim Borliegen ganz besonderer Rotwendigkeiten in der Regierung verbleiben; dann aber keineswegs als Ressortininister, sondern als Minister-Präsident. Sine Besetzung des Kultusministeriums durch das Zentrum käme überhaupt nicht in Betracht. Die Bildung des bayerischen Ministeriums. München, 22. Sept. «Wolff.) In der auf 5 illjr nachmittags angcsetzten Plenarsitzung des bayerischen Landtags sollte an erster Stelle die Mitteilung über die Bildung des Gesamtmini sleriums erfolgen. Die Eröffnung der Sitzung zögerte sich aber bis nach 6 Uhr hinaus, da in der Zwischenzeit noch immer die Verhandlungen weitergepflogen wurden zwecks Vervollständigung der Minister- l i st e. Als der Präsident kurz nach 6 Uhr die Sitzung eröffnete, gab er das Wort zur Geschäfts- ordnung dem Abg. Stang (Dayr. Vp.), der das Haus ersuchte, die Sitzung bis 81 L. Uhr zu vertagen. Aus dem Hause erfolgte kein Widerspruch. Der Präsident erklärte dann noch weiter; daß der Vorsitzende der Bayerischen Dollspartei, Abg. Held, einen vierwöchigen Urlaub wegen Krankheit erbeten habe, den das Haus genehmigte. Das Programm Lerchensclds. München. 22. Sept. (WTD.) In der Abendsihung des bayerischen Landtages. die um 3/4g Uhr begann, war Ministerpräsident Graf Lerchenfeld erschienen, der gleich zu Beginn der Sitzung dem Hause folgende Vorschlagsliste für die Reubesehung des Ministeriums unterbreitete: Ministerpräsident und gleichzeitig Minister des Aeuheren und Iustiz- minister Graf Lerchenfeld, Inneres Dr. S ch e y e r, Unterricht und Kultus Dr. Matt, Finanzen Dr. Krausneck, soziale Fürsorge Oswald, Wirtschaft Wutzlhofer, Handel, Industrie und Gewerbe Hamm. Die bayerische Mittelpartei hat demnach kein Mitglied ihrer Partei mehr im Ministerkollegium. Sie ist auch aus der Koalition ausgeschieden. Rach dieser Mitteilung erklärte Landtagspräsident Königbauer, daß er das Einverständnis des Hauses für diesen Vorschlag annehme. Widerspruch erfolgte nicht. Der Präsident begrüßte hierauf die neue Staatsregierung, insbesondere den Ministerpräsidenten Grafen Lerchen- selb unter dem Beifall des Hauses auf das Herzlichste und gedachte in seinen weiteren Ausführungen auch der vormaligen Staatsregierung, besonders des Ministerpräsidenten von Kahr, dem er den herzlichsten Dank aussprach. (Bravo.) Darauf betraten die neuen Minister den Sitzungssaal, worauf Graf Lerchenfeld in kurzen Strichen sein Programm bekanntgab. Er umschrieb die von ihm vorgesehene Politik, gedachte der großen Verdienste seines Vorgängers von Kahr und betonte, daß eine seiner wichtig st en Aufgaben die Aufrechterhaltung der mühsam errungenen Ruhe und Ordnung im Staate sein werde. Bezüglich des Verhältnisses zum Reich stehe für ihn die T r e u e zum Reich unverbrüchlich fest. Er werde bestrebt sein, auch nach der politischen Seite hin das Verhältnis zwischen Reich und Staat auf das Beste zu pflegen. Der dritte große Gedanke, von dem er sich leiten lasse, müsse der der sozialen Versöhnung sein. Weiter gedachte der Ministerpräsident der pfälzischen Brüder und gab seinem Mitgefühl über das furchtbare Unglück in Ludwigshafen Ausdruck. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde wiederholt von lebhaften Bravorufen begleitet. Ein Antrag des Abg. Dr. Hilpert (Bayer. Mittelpartei), sofort in die Erörterung über die Regierungserklärung einzutreten, wurde abgelehnt. Verbot des „Miesbacher Tagblatt". München, 23. Sept. Auf Grund des Artikels „Das neudeutsche Zentrum" in Rr. 15 des „M iesbacher Tag blatt" hat der Staatskommissar für München-Land das „Miesbacher Tagblatt" bis zum 29. September verboten. Auch der „Miesbacher Anzeiger" darf als Ersahblatt nicht erscheinen. Eine Ehrung für Argentinien. B e r l i n, 21. Sept. Rach Mitteilung von amtlicher Stelle tt>itf> heute an Bord des Linienschiffes „Hannover" im Kieler Hafen durch eine von der Reichsregierung gestellte Sonderwache eine feierliche EhrungderargcntinischenRatio- n a l f l a g g e vorgenommen werden. Es handelt sich um die Ausführung einer von der früheren kaiserlichen Regierung im Jahre 1917 übernommenen Verpflichtung. Aus Anlaß der Versen- kung zweier argentinischer Schiffe durch deutsche Unterseeboote hatte die damalige deutsche Regierung der argentinischen Regierung ihr Bedauern ausgesprochen und das Versprechen gegeben, bei erster Gelegenheit Genugtuung durch Salutierung der argentinischen Flagge zu geben. Da eine Entsendung deutscher Kriegsschiffe nach Argentinien unter den gegebenen Verhältnissen nicht in Frage kommen kann, so wird die Zeremonie in Anwesenheit der offiziellen argentinischen Vertreter unter Führung des Gesandten Dr. Malina in Kiel vorgenommen werden. Im Ramen der Reichsregierung wird Ministerialdirektor v. Simson eine Ansprache an die Herren der argentinischen Vertretung halten. Kiel, 22. Sept. (Wolff.) In Erfüllung des der argentinischen Regierung gegebenen Versprechens fand heute mittag auf dem im hiesigen Hasen liegenden Linienschiff „Hannover" die feierliche Hissung der argentinischen Flagge statt. Rachdem die argentinische Abordnung mit dem üblichen Zeremoniell auf dem Linienschiff empfangen worden war, hielt der Vertreter des auswärtigen Amtes an den argentinischen Gesandten folgende Ansprache : Herr Gesandter! Als Vertreter der Reichsregierung habe ich die Ehre, Euere Exzellenz als Vertreter der Argentinischen Regierung auf diesem deutschen Kriegsschiff zu begrüßen, welches heute berufen ist, eine aus den Kriegsjahren herrührendc Ehrenschuld gegenüber der argentinischen Flagge abzutragen. Der Anlaß hierzu liegt über vier Jahre zurück. Damals wurden die argentinischen Schiffe ..Monte Protegido" und ..Toro" durch deutsche Seestreitkräfte versenkt. Bereits damals war der Argentinischen Regierung zum Ausdruck gebracht worden, daß diese Unfälle nicht im geringsten auf einem Mangel an Achtung vor der argentinischen Landesflagge beruhten, die als Hoheitszeichen eines befreundeten Volkes von allen Deutschen geehrt und geachtet werde. Die deutsche Regierung hatte daher nicht gezögert, das Versprechen, daß sie die erste sich bietende Gelegenheit benutzen werde, um die argentinische Flagge durch die deutsche Marine salutieren zu lassen. Dieser seinerzeit cingegangenen Verpflichtung unterzieht sich die Deutsche Regierung umso lieber, als es sich darum handelt, einer Ration, die bis zum Schluß des Krieges Deutschland gegenüber volle Reutralität bewahrt Hal, eine berechtigte Genugtuung zu verschaf- f e n. Der ursprünglich gehegte Wunsch, ein deutsches Kriegsschiff in argentinische Gewässer zu entsenden, ließ sich leider nicht verwirklichen. Die Ehrenbezeugung, die der argentinischen Flagge statt dessen in heimischen Gewässern,erwiesen wird, kann dadurch an Bedeutung nicht verlieren. Möge sie ein weiteres Band bilden für die engen, freundschaftlichen Beziehungen, die stets zwischen Argentinien und Deutschland bestanden haben. Hierauf antwortete der argentinische Gesandte, Dr. D. Moli na: Herr Vertreter der Deutschen Regierung! Meine Regierung schätzt in hohem Maße den Ehrensalut, den die Deutsche Regie' ung der Argentinischen Flagge infolge der aus Anlaß der Versenkung der «Schiffe „Monte Protegido" und „Toro" übernommenen Verpflichtung zollt. Zu einem für die Menschheit traurigen Zeitpunkt und in Verteidigung unwandelbar erachteter Prinzipien und Rechte erhob die Argentinische Regierung alle durch die Umstände bedingten Ansprüche. Die Deutsche Regierung entsprach denselben in würdiger Form, indem sie die geforderte Genugtuung zusagte, unter der ausdrücklichen Erklärung, daß diese Unfälle, wie Sie soeben wiederholten, nicht im geringsten auf einen Mangel an Achtung vor der argentinischen Landesflagge beruhten, die von allen Deutschen geehrt und geachtet werde. Ihre Zusagen hat die Deutsche Regierung treulich erfüllt! Die auf diesem Deutschen Kriegsschiff heute in feierlicher Form ausgeführte Ehrenbezeugung vor unserer Flagge gewährt meiner Regierung volle Genugtuung und erfüllt mit Freude das argentinische Volk, das von dem Wunsche beseelt ist, daß sich die Freundschaftsbande mit Deutsch land st etsengerge st alten mögen. Indem ich den mir in ihrer Eigenschaft als Vertreter der Reichsregierung übermittelten Gruß dankbar anerkenne, erfülle ich die Pflicht, im Ramen Seiner Exzellenz des Herrn Staatspräsidenten zum Ausdruck zu bringen, daß die Argentinische Regierung diese Kundgebungen zu Ehren unserer Flagge in ihrem vollen Umfange würdigt und davon überzeugt ist, daß nichts Pie freundschaftlichen und überlieferten Beziehungen zwischen der Republik Argentinien und Ihrem Lande beeinträchtigen kann. Rachdem der Gesandte geendet, wurde in feierlicher Weise die argentinische Flagge gehißt. Rach dem Abschreiten der Ehrenwache vereinigten sich Die Herren der argentinischen und Der deutschen Abordnung zu einem Frühstück an Bord. Um 1.45 Uhr verließ der argentinische Gesandte mit Begleitung das Linienschiff. Währenddessen erfolgte ein Salut von 15 Schüssen. Der Reichskanzler über Oberschlesien. Berlin, 22. Sept. (Wolff.) In der neuesten Rümmer der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung" äußert sich der Reichskanzler Wirth über „Oberschlesien, unsere größte Sorge". Er sagt u. a.: Solange nicht die Entscheidung über das «Schicksal dieses Landes gefallen ist, solange können wir alle nicht frei atmen. Wie dann die politische Lage ist, wenn die letzte Entscheidung im Gegensatz zu Recht und Gerechtigkeit gefällt wird, das kann heute kein Mensch mit Sicherheit sagen. Soviel ist aber sicher, daß dann die Zukunft für das ober- schlesische und deutsche Volk überaus trübe werden wird. Der Reichskanzler verweist dann auf die einleitenden Worte der Völkerbundssatzung, die es als wesentlich bezeichne, Gerechtigkeit herrschen zu lassen. Er fährt fort: Wenn der Völkerbundsrat sich bei feinen Vorschlägen von diesem Grundsatz leiten läßt, dann kann die oberschlesische Frage gelöst werden. Wir wollen nichts anderes als Gerechtigkeit; nur Gerechtigkeit, ruhend auf dem SePstbestimmungsrecht der Völker, kann dem oberschlesischen Volt den Frieden geben, den es dringender als alles andere braucht. Wir wetteifern nicht um die Gunst irgendeines Vertreters im Dölkerbundsrat und Obersten Rates. Wir hoffen auf Gerechtigkeit, weil das ganze deutsche Voll ohne Unterschied der Partei von dem Gedanken unterer^ Rechts erfüllt ist. Eine Ent - läu schu ng dieser Hoffnung wäre einfach u n = erträgli ch, uttd zwar nicht nur für das deutsche Volk allein, sondern für alle, die noch an den Sieg des Rechts in der Welt glauben. ErwagungderReparationsfrage auf der Washingtoner Konferenz? London, 22. Sept. (Wolff.) Die „T i - m e s" meldet aus Washington, in der letzten Zeit wachte, wenn auch nicht in amtlichen Kreisen, so doch unter den führenden Männern der Finanz- und Geschäftswelt die Uebrrzrugung. daß das Programm der Washingtoner Konferenz erweitert und auf die Finanz- undWirtschaftsfragenderWeltaus- gedehnt werden müsse. Cs werde geltend gemacht. daß eine Einschränkung der Rüstungen nur ein „Ritzen der Oberfläche" bedeuten würde, und daß die Hauptsache des augenblicklichen wirtschaftlichen Durcheinanders die Bezahlung der internationalen Schulden, vor allem der deutschen Reparationen sei. Diese Finairz- und Geschäftsleute hätten Informationen erhalten, die sie davon überzeugten, daß der F i n a wz krach Deutschlands herannahe, und sie versicherten, daß, wenn die nächste Reparationszahlung im März fällig würde, eine Krisis, die größer sei als irgendeine bisher gekannte, nur durch ein Wunder vermieden werden tönnc. Rach Ansicht düs r Leute fei daher eine nkuc Erwägung der Reparationsfrage wesentlich. Sie gäben jedoch zu. daß die Vereinigten Staaten in voller Autorität nur unter der Bedingung teilnehmen könnten, daß sie sich bereit erklären, die Reparationsfrage als verkettet mit der Frage der Alliiertenschulden an Amerika zu betrachten. Man fehe ein. daß eine rein wirtschaftliche Behandlung der Frage nicht annehmbar sein wurde in einer Welt, die -um größten Teil von politischen und sentimentalen Erwägungen geleitet werde. Der Vorschlag, die Schulden der Alliierten an Amerika zu streichen, würde in den Vereinigten Staaten genau sc abgelehnt werden, wie in den alliierten Ländern eine Milderung der deutschen Reparationsbedingungen. Immerhin seien in den Vereinigten Staate«, die wahrscheinlich das Haupthindernis für eine solche Regelung feien, vielleicht vernünftigere Kräfte am Werke. Der Wert der von Deutschland ausgclicsertcn Schisse. Paris, 23. Sept. (WTD.) Die Repara-» tionskommiffion veröffentlicht eine Rote, bertu- folgc in der 242. Sitzung her Kommission der Wert der von Deutschland in Ausführung des Anhanges 3 des Teils 8 des Friedensvertrages ausgelieferten Schiffe auf 7 4 5 Millionen Goldmark festgesetzt worden ist. Don dieser Zahl sind gewisse Unkosten für Reparaturen. Mieten und die Ueberführung abzuzielie«. Die hiernach sich ergebende Summe wird Deutschland gutgeschrieben werden. In'der genannten Zahl sind lediglich die vor dem 1 Mai 1921 ausgelieferten Schiffe einbegriffen. Das Druttoton- nengehalt dieser Schiffe beträgt insgesamt 153 40Z Tonnen. Völkerbund und Wirtschaftspolitik. Genf. 22. Sepp (Wolff.) Der Völker, b u n d beauftragte angesichts der Schwierigkeiten in der Rohstoffeinfuhr die Wirtschastsabteilung des Wirtschafts- und Finanzausschusses einen "Bericht über den Umfang des Rohstoffbedarfes und die Ursachen der Einfuhrschwierigkeiten abgesehen von den bereits in Brüssel untersuchten Kredit- und Valuta-Verhältnissen - vorzulegen. Der Dölkerbundsrat trat heute zusammen, um von dem "Bericht Kenntnis zu nehmen, toor- auf er u. a. folgende Beschlüsse faßte: Der Bericht ist noch in dieser Tagung der Völkerbunds- versamlung vorzulegen; besondere Ansmerksam- leit verdienen die Wirkungen, die künstlich- Ausfuhrbeschränkungen und Ausfuhrzölle «Dtmcnbigcr Rohstoffe auf das Wirtschaftsleben anderer Länder ausüben können. Angesichts der engen Beziehungen zwischen Lieferung und Verteilung von Rohstoffen und den Derkehrsverhältnisten. müssen die betreffenden Kommissionen die Verteilung und den Austausch des rollenden Materials in gewissen Teilen Europas beschleunigen; die beratende, ständige Verkehrs- und Transitkommis- fion wird zur Einberufung von Teil- und Lokal- konsercnzen aufgefordert, um die Verkehrsbeziehungen zwischen den Staaten zu erleichtern, deren Transportmittel besonders desorganisiert sind. Der Dölkerbundsrat ist bereit, den Ländern, die ihn darum angehen, technische Deiräte zur Verfügung zu stellen; er hat bereits von einigen Regierungen derartige Gesuche erhalten. Genf, 22. Sept. (Wolfs.) In der heutigen Sitzung der Völkerbundsversammlung wurde die Aufnahme Lettlands. Estlands Litauens in den Völkerbund mit der vorge- schriebenen Zweidrittel-Mehrheit beschlossen. Weitere Kundgebungen gegen die Wiener Börse. Wien, 22. Sept. Heute mittag fanden wieder Demonstrationen gegen die Börse statt, woran sich meist Frontkämpfer beteiligten. Die Demonstranten versuchten, in die Börse einzudringen, wurden jedoch durch das energische Einschreiten der Polizei daran verhindert, die etwa 40 Verhaftungen vornahm. Gegen 2 Uhr trat wieder Ruhe ein. Eisenbahnerstreik in Wien. Wien, 22. Sept. (Wolff.) Der Eisenbahnerstreik auf den Wiener Bahnhöfen dauerte auch heute nachts an. Die ..Arbeiterzeitung" veröffentlicht heute einen Aufruf der Zentralleitung der Eisenbahnergewerklchaft, worin es heißt: „Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Organisation wurden mit vollem Erfolg beendet. Wir fordern daher alle Eisenbahner auf, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen." — Wie das „Reue Wiener Tagblakt" meldet, beschloß gestern die Versammlung der dienstfreien Telegraphen- und Telephon- Angestellten wegen Auszahlung von 4500 Kronen ein bis Freitag befristetes Ultimatum an die Regierung zu richten. Das Ultimatum an Ungarn. Wien, 22. Sept. Wie ein Funkspruch aus Rom meldet, ist das Ultimatum der Entente-Mächte bei der ungarischen Regierung eingetroffen. Die aufständischen Westungarn sollen beschlossen haben, das Land Lis zum äußersten zu verteidigen. Die Lage gelte als sehr ernst. Die italienische Presse meint, die ungarische Regierung werde weitere Verwicklungen vermeiden. Tschitscherin lehnt internationale Untersuchung ab. London, 22. Sept. (Wolff.) Die gemeldet wird, erklärte Tschitscherin in einer Rote vom 18. September der britischen Regierung, eine allgemeine internationale Kommission zur Untersuchung der russischen Hungersnot nach Rußland nicht z u z u l a s s e n; die russische Regierung sei jedoch bereit, in unmittelbare Besprechungen mit jeder Regierung einzutreten, die wirklich das Ziel verfolgt, den von der Hungersnot Heimgesuchten zu Helsen. Aus dem Reiche. Teuerung und Kriegsbeschädigte. . Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und ehem. Kriegsteilnehmer schreibt uns: Am 12. dieses Monats fanden im ReichS- arbeitsministerium zu Berlin weitere Verhandlungen statt betr. Teuerungszulagen. Die Regierung machte uns hierbei folgende Vorschläge: sie will Teuerungszulagen gewähren, und zwar monatlich 20 Mr. für eine Witwe, 12 Mk. für eine Waise und 12 Mk. für einen Elternteil; 20—50 Mk. für Schwerbeschädigte je nach dem Prozentsatz und 10 Mk. für jedes Kind Schwerbeschädigter. Kriegsbeschädigte unter 50 Prozent Erwerbsunfähigkeit sollen eine Zulage überhaupt nicht erhalten. Natürlich können wir eine solche Zumutung und ein solch unerhörtes Angebot nicht annehmen, wir gaben deshalb bei der Regierung folgende Erklärung ab: 1. Die angebotenen laufenden Teuerungszulagen werden als unzulänglich, und weil nicht auf alle Rentenempfänger ausgedehnt, abgelehnt. 2. Der zur Verfügung gestellte Betrag von 580 Millionen Mark soll als einmalige Beihilfe an sämtliche Rentenempfänger unverzüglich durch die Post zur Auszahlung gelangen. 3. Wegen der Durchführung unserer Forderungen wird der Reichsbund mit dem Reichstag und der Reichsregierung in Verhandlung treten. Gegen Preissteigerungen und Wucher. Berlin, 22. Sept. (Privattel.) Die Abendblätter bringen einen Erlaß des preußischen Ministers des Innern an den Oberpräsidenten, welcher dazu auffordert, mit allen Mitteln und größtem Rachdruck vorzugehen, daß die Preissteigerungen auf allen Gebieten des täglichen Bedarfs, insbesondere bei den Lebensmitteln. welche in keinem Verhältnis zu den wirtschaftlichen Ursachen stehen, durch künstliche Zurückhaltungen und gröbliche Verfälschung wichtiger Lebensmittel, Wuchercharakter annehmen. Eine eingehende und fortdauernde ^leberwachung sei nötig. Die polizeilichen Wucherstellen werden zu erhöhter Tätigkeit aufgefordert. Sie sollen u. a. auf den Aushang der Ladenpreise achten und unzuverlässige Personen vom Handel ausschliehen. Kultusminister und Staatsanwalt. Berlin, 22. Sept. Die »Voss. Ztg." meldet: Der sächsische Kultusminister Fleißner sagte in einer Versammlung, daß unter ülmständen auch gewaltsam die Ziele seiner Partei erreicht werden müßten. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin ein Verfahren gegen ihn wegen Aufreizung zur Gewalt eingeleitet. s Aus Hessen. Die Besoldungsgesetze im Finanzausschuß. Darmstadt, 22. Sept. Der Finanzausschuß nahm heute die Beratung der vom Reichsfinanzminister erhobenen Beanstandungen der Besoldung sgesehe in Angriff. Es ist dem Finanzministerium gelungen, cttoa 2/3 der ursprünglich erhobenen Einsprüche auf dem Wege der Verhandlungen zu beseitigen. Heber den verbliebenen Rest soll nun eine Eickscheidung herbeigeführt werden, ob 'das Reichsschiedsgericht in Wirksamkeit treten soll, oder ob nicht, soweit es sich nämlich um völlig aussichtslose Punkte handelte, nachgegeben werden soll. Zunächst war die Meinung vorherrschend, man solle in eine Beratung überhaupt nicht eintreten, sondern sämtliche Beanstandungen dem Reichsschiedsgericht überweisen, aber da verschiedene Beanstandungen einen wesentlichen Umfang haben, und auch mit unbeanstandeten Positionen in engem Zusammenhang stehen, roärc die Folge gewesen, daß man das ganze Besoldungsgesetz zunächst noch in der Schwebe hätte lassen müssen. Von anderer Seite wurde dem dringenden Wunsch Ausdruck gegeben, es möchten dieunbeanstandetenTeileso- fortlnKraftgeseht und ausgeführt werden. Aus dem besetzten Gebiet. Marokkaner-Frechheil. ma. Mainz, 20. Sept. Am Samstag abend wurde ein Strahenbahnschaffner beim Herausgeben an einen Fahrgast von einem die Bahn benutzenden Marokkaner dadurch beraubt, daß dieser in die offene Geldtasche des Schaffners griff, eine Anzahl Scheine ergriff und damit von der Plattform mitsamt einem Kameraden verschwand. Anzeige wurde bei der französischen Gendarmerie erstattet. Dem Täter find 70 Mark in die Hände gefallen. — Zn einem anderen Falle wurden einem Schaffner unter ähnlichen Umständen 300 Mk. geraubt. On diesem Falle ist der Täter unbekannt. Verschärfte Grenzaufsicht. fpd. Aus der S a a r p f a l z, 20. Sept. Außer dem Grenzaufsichtspersonäl ist nunmehr auch dem auf den Zollstellen im Zollabfertigungsdienst an den Grenzen tätigen Beamten das Recht zum Wasfengebrauch beigelegt worden. Die scharfen Maßnahmen, die beide Grenzbehörden in gegen) eit gern Einvernehmen getroffen haben, sollen in erster Linie dem Schmugglerunwefen gelten. 3n den letzten Wochen wurden zahlreiche Schmuggler, die auf Anruf nicht stehen blieben, von Grenzbeamten niedergeschvssen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 23. Sept. 1921. Straßenreirrigung und Müllabfuhr. Auch der Hausbesitzerverein hat zu dem Entwurf einer „Ortssatzung über die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Fußsteige und für die Abfuhr von HauSkehricht" eine Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet: »Der von der Stadtverwaltung geplante Entwurf einer Ortssahung betreffs der Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Fußsteige und für die Abfuhr von Hauskehricht hat in allen Kreisen der Bürgerschaft sehr überraschend gewirkt und bei unseren Mitgliedern um so mehr, als in dem Entwurf (§ 4) vorgesehen ist, daß die Gebühr von den Grundstückseigentümern erhoben und daß diese wiederum verpflichtet werden sollen, die einzelnen Anteile von ihren Mietent einzuziehen. Unzählige Streitfälle zwischen Mietern und Vermietern würden die unausbleibliche Folge dieser Erbebungsart fein. Wir erkennen wohl an, daß die Stadtverwaltung notgedrungen, infolge der steten Bewilligungsbereitschaft der Stadtverordnetenversammlung, immer wieder neue Einkommensquellen erschließen muß: wir sind im Prinzip auch mit der Erhebung einer Gebühr für die Kosten der Straßenreinigung und Kehrichtabfuhr im Interesse der städtischen Finanzwirtschaft einverstanden. Gegen die Art der Erhebung durch die Glundstückseigentümer jedoch müssen wir ganz entschieden Widerspruch erheben. Wir geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Stadtverwaltung im Falle der Annahme des Entwurfs dafür Sorge tragen wird, daß die geplante Erhebungsweise in unserem Sinne abgeändert und daß die Gebühr seitens der Stadtverwaltung von den Zahlungspflichtigen direkt erhoben wird. Zur Mitwirkung bei der Feststellung der Gebührensätze erklären wir uns hiermit bereit.“ Herbst. Herbsteinzug ist heute. Die Sonne tritt in das Zeichen der Wage, deren Schalen gleich tief hängen. Tag wie Rächt beginnen um 6 Ähr, haben gleiche Länge. Die Welt wird mählig welk. Leiser Blättertanz gaukelt durch die milchige Dunstluft des Herbstes. Auf rund gespannten Marienfäden spielt der Wind sein Lied von herbstlichem Welken, von Blätterfall, von Entfärben und Vergehen. Des Sommers Tage sind hin. Das Leben ist müde und erschöpft. Es will ausruhen und Atem holen in der Erde und neue Kräfte sammeln fürs nächste Jahr. * ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 16. September der Diener an dem anatomischen Institut der Landesuniversität Friedrich Delloff zu Gießen zum Amtsgehil- fen an diesem Institut. ** Der Verband der Bauvereine in Hessen hielt am Sonntag seinen Verbandstag in Gießen ab. Rach dem vom Vorsitzenden, Oberbaurat Klump-Darmstadt, erstatteten Geschäftsbericht besteht der Verband zur Zeit aus 38 Dauvereinen, die großenteils die Bautätigkeit wieder ausgenommen haben. In den beiden Baujahren 1919 und 1920 wurden 392 Wohnhäuser mit zusammen 745 Wohnungen auf gemeinnütziger Grundlage errichtet, und zwar 226 Einfamilien-, 118 Zweifamilien- und 48 Drei- und Mehrfamilienhäuser. Im Hinblick aus'die außerordentlich großen Schwierigkeiten, die allgemein der Belebung der Bautätigkeit in der Rachkriegszeit entgegenstanden, sei dieses Ergebnis recht befriedigend. Auch für das Baujahr 1921 wurden die Aussichten für die gemeinnützige Bautätigkeit als günstig bezeichnet. Don besonderem Interesse waren die Ausführungen des Vorsitzenden über das Wohnungsabgabegesetz vom 26. Juni 1921 und über die den Hessischen Landtag demnächst beschäftigende Ausführung dieses Gesetzes sowie die Wirkung der Kapit.ckert.ags-, Körperschafts- und ckmsahsteuer auf die Bauvereine. Während die beiden erstgenannten Steuerarten in Anerkennung der Gemeinnützigkeit Erleichterungen bieten, wird die Gemeinnützigkeit der Bauvereine nur dann anerkannt werden, wenn die erbauten Häuser nicht bloß den Mitgliedern, sondern allgemein auch Richtmitgliedern zugute kommen. Dieser Fall liegt bei der weitaus größten Zahl der bestehenden Baugenossenschaften nicht vor. so daß 'durchweg die Umsatz steuerpflicht besteht. Zum Schluß der Verhandlungen sand unter Führung des Bauleiters, Architekt Hamann, zeine Besichtigung der von der gemeinnützigen Baugenossenschaft 1894 in Gießen _ errichteten Kleinwohnungskolonie an der Licher Straße statt. **DieKartvffelpreiseimReich. Vorgestern wurden in den größeren deutschen Städten folgende Preise für den Zentner Kartoffeln" notiert: Barmen 65—75 Mk., Bochum 60-65 Mk., Berlin 40—50 Mk., Bremen 53 bis 56 Mk., Breslau 54—56 Mk., Chemnitz 55—60 Mk., Dortmund 55—75 Mk., Dresden 55—60 Mk., Frankfurt 75—78 Mk., Königsberg 50 Mk., Hannover 50 Mk., Hamburg 58 bis 70 Mk., Leipzig 53—58 Mk., Magdeburg 55—60 Mk., München 55 Mk., Nürnberg 50 bis 60 Mk., Stettin 44—54 Mk. ** Im Gießener Fröbel-Seminar fand dieser Tage in Anwesenheit des Prüfungskommissars Ministerialrat Dr. Dach und des Kreisschulinspektors Pros. Dr. A11 e s die st a a t- liche Prüfung der Kindergärtnerinnen statt. Alle 10 Prüflinge bestanden ihr Examen. Am 15. September konnten auch 7 Schülerinnen der Kinderpflegerinnen schule nach bestandener Prüfung entlassen werden. — Am 15. und 16. September stellten die Schülerinnen ihre Arbeiten, die sie im Laufe ihrer Ausbildungszeit angefertigt hatten, aus. Fast alle Arbeiten zeigten, daß man mit etwas Phantasie und einer gewissen Handgeschicklichkeit gar manches Hübsche und Zweckmäßige aus verhältnis- mäßig billigem Material Herstellen kann. Besonders sehenswert war der Raum, in dem gezeigt wurde, was im Werkunterricht gearbeitet war. Papparbeiten, Laubsägearbeiten, Rohr- und Baslslechtereien wechselten miteinander ab. In einem anderen Raum waren die Fröbelschen Beschäftigungen ausgestellt: im Nebenzimmer leuchteten in frohen Farben Ausschneidebilder und aus Ton modellierte Gegenstände. Daß auch im Handarbeitsunterricht fleif.'n geschafft worden war, bewiesen die Kleidch n. Schürzchen, Hemdchen, | Stickereien usw. Die Ausstellung erfreute sich 1 eines außerordentlich regen Besuches. — Auch an dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß die neuen Kurse am 11. Oktober beginnen. Wettervoraussage für Samstag. F.ühnebel, vorwiegend heiter und trocken, tags warm, nachts kühl. Winde aus westlichen Richtungen. Vom Kanal bis nach der Donau erstreckt sich ein schmales Hochdruckgebiet und bedingt das heute klare und trockene Wetter. Heber England fällt wieder das Barometer. Die bestehende Witterung wird sich jedoch noch nicht wesentlich ändern. Bornotizeu. — Tageskalender für Freitag: Felsenkeller, 8 ckhr, Beamtenversammlung der Sozialdemokratischen Partei. — Das neue Strafrecht. Aus Ver^ anlassung des Hessischen Richtervereins wird der als Strafrechtslehrer unserer Universität hier von früher her bekannte Professor Geheimerat Dr. Ritter von Frank, jetzt Rektor der Universität München, am Montag den 3. und Dienstag den 4. Oktober L Is., nachmittags von 4—6 Uhr im Hörsaal 44 des Univerfckätskollegiengebäudes zwei Vorträge über den Entwurf eines neuen deutschen Strafrechts halten. Die Vorträge sind nicht nur für Juristen, sondern für einen größeren Kreis von Zuhörern bestimmt. Bei der großen Bedeutung des Strafrechts für alle Bevölkerungskreise, namentlich im Hinblick auf die zu erwartende vermehrte Hinzuziehung von Laien in der Strafrechtspflege, kann der Besuch der Vorträge allen Personen beiderlei Geschlechts empfohlen werden. — Die Deutsche Demokratische Par- t e i veranstaltet am Sonntag in Nidda im Saale des ..Gambrinus" den Parteitag des Provinzialverbandes Oberhessen. Vormittags 10 Uhr ist Vcltreterversammlung mit folgender Tagesordnung: Bericht des Vorsitzenden über die Vorbereitungen zur Landtagswahl: Aufstellung der Kandidatenliste: Wahlprogramm. Nachmittags 2 Uhr in öffentlicher Versammlung wird Rektor Fischer-Gießen über „Die politische Lage im Reich", und Minister Henrich- Darmstadt über „Sie Arbeiten des seitherigen und die Aufgaben des künftigen Landtags" sprechen. Zur Vertreter- versamlung haben nur Parteimitglieder Zutritt: zu der öffentlichen Versammlung jedermann. — Kameradschaftliche Zusammenkunft ehemaliger XVIII 28er. An dieser Stelle sei nochmals auf die kameradschaftliche Zusammenkunft aller ehemaligen Angehörigen des Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillons XVIII/28 in Wetzlar hingewiesen. Morgen Abend ist, wie uns mitgeteilt wird, Kommers bei Kamerad Schmidt, Gasthaus „Zum grünen Laub", am Sl nntagmorgen Frühschoppen bei Kamerad Ort- lieb, „Gasthaus zum Riesen", nachmittags gemütliches Beisammensein in Göths Garten. Weitere Anmeldungen sind umgehend an Kamerad Max Spalte in Wetzlar, am Goethebrunnen, zu richten. — Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Oberschlesierspende wird im Theater- Cafe „Emst Ludwig" morgen, Samstag, 24. September 1921, abends veranstaltet. Adolf Falken, Hannover, früheres Mitglied des Gießener Stadt- theaters, wird dabei, wie im gestrigen Anzeigenteil mitgeteilt wurde, mitwirken. Landkreis Gießen. ri. N i e d e r - B e s 7 i n g e n, 23. Sept. Die Arbeiten des Anschlusses unseres Orts und des benachbarten Oder-Bessingen an die Ueberlandzentrale nähern sich jetzt ihrem Ende. In kurzer Zeit wird eine Gegend des Kreises Gießen, die bis jetzt noch dunkel lag, in Hellem elektrischem Licht erstrahlen. ri. Lich, 23. Sept. Unser Straßenbild bekommt eine Verschönerung dadurch, daß die katholische Kirche in der Bahnhofstraße mit einem Vorgarten versehen wird. -.- Watzenborn-Steinberg, 21. Sept. Auch die hiesige Gemeinde mußte durch die tm Jahre 1917 erfolgte Beschlagnahmung der Glocken eine Kirch^nglocke und zwei weitere kleinere Glocken abliefern. Am vergangenen Sonntag sand nun die feierliche Einweihung einer von der Glockengießerei Rincker in Sinn bezogenen Bronzeglocke statt. Die Weiherede wurde von Pfarrer D i 11 m a r - Hausen gehakt >n. Besonders verschönt wurde die Feier durch die Männerchöre der Gesangvereine Eintracht, Germania, Jugendfreund und Sängerkranz, sowie durch die Liedervorträge einer Schulklasse. Die Glocke klingt ohne störende Nebenklänge gut an und aus und bildet ein harmonisches Geläut. Die Glocken- ulschrist lautet: „Bete und arbeite." Um ein tieferes Geläut zu erzielen, war auch die Beschaffung einer h 1-Glvcke in Erwägung gezogen worden. Man nahm absr, da dann durch das bedeutend hohe Gewicht dieser Glocke die Tragfähigkeit des Glockenstuhls — ohne vorherige bauliche Veränderung — in Frage gestellt war, von diesem Plan Abstand. Kreis Büdingen. — — Ortenberg, 23. Sept. Eine sehr erfreuliche, rege Bautätigkeit herrscht zur Zeit in unserem Städtchen. Es befinden sich nicht weniger als vier Häuser im Bau. Sehr erfreulich ist. daß man wieder zum schmucken, farbigen Holzfachwerkbau aus dem Lande zurückkehrt. Die Wohnungsnot besteht trotz der Neubauten unvermindert weiter. — Einen günstigen Pachtvertrag schloß die Stadt mit einer Schweinfurter Firma, welche den B a s a l t st e i n b r u ch am Dörrnstein auf eine längere Dauer von Jahren pachtete. Die Gesellschaft muß sich verpflichten, jährlich mindestens 10 000 Mark Pacht zu zahlen, der Stadt unentgeltlich jährlich 10 Kubikmeter beste Pflastersteine zu überlassen und in erster Linie Ortenbcrger Arbeitskräfte und Fuhrwerke einzustellen. Kreis Lauterbach. Grebenhain, 22. Sept. Am Sonntag wurde das Kriegerdenkmal für die im Weltkrieg Gefallenen eingetoeibt. Frank-Crainfeld hielt die 'Weiherede. Musik- und Gesangsvorträge verschönten die Feier, zu der auch die Kriegervereine der umliegenden Orte mit umflorten Fahnen erschienen waren. Das Denkmal ist in der Mitte des Dorfes errichtet und nach dem Entwurf des Kreisbaumeisters Pfeiffer von der Ober- hessischen Steinbruchindustrie ausgefübrt worden. An beiden Seiten sind die Namen der 38 Gefallenen aufgeführt. rr. Schlitz, 21. Sept. Fabrikant <$>. H. Schmidt aus Bukarest, ein gebürttger Schlitzer, hat bei seinem kürzlichen Hiersein für das zu errichtende Ehrendenkmal für unsere Gefallenen 2000 Mk. und außerdem 1000 Mk. für die Armen unserer.Stadt gestiftet. Kreis Schotten. A Laubach 22. Okl. Die beiden, von der Gemeinde neuerbauten* Wohnhäuser an der Wetterfelder Straße sind am verflossenen Sonntag vorn Gemeinderat besichtigt worden und werden demnächst bezogen werden. Acht Familien werden hier wohnen. Hessen-Nassau. Billige Kartoffeln. X. Hanau, 22. Sept. Der Kurhessische' Landbund und die Landwirtschaft«: kammer für den Regierungsbezirk Kassel haben einen gemeinsamen Aufruf erlassen, in dem die kur- hessische Landwirtschaft zu einer großen Hilfsaktion in der Kartoffelver- s v r g u n g der gering bemittelten Bevölkerung (Kleinrentner, Kriegerwitwen usw.) aufgefordert wird. Es ist ein Preis von 30 Mk. für den Zentner angenommen worden. » Rm. Fellingshausen, 22. Sept. Schon seit Jahren macht sich in unferm Dorfe der Mangel an einer guten Wasserleitung empfindlich bemerkbar. 3m vergangenen Herbst batte man schon am Nordostabhang des Dünsoerges an verschiedenen Stellen nach einer ergiebigen Quelle geschürft. Leider hatten aber die Arbeiten nicht den gewünschten Erfolg, und man gab schon die Hoffnung auf, am Dünsberg überhaupt Wasser zu finden. Da hat die Gemeinde den Rutengänger Damm aus Hagen kommen lassen, der das Gelände mit der Wünschelrute abging. An einer für die Anlage einer Wasserleitung sehr günstigen Stelle, an der man kein Wasser vermutete, soll nun eine sehr wasserreiche Quelle vorhanden sein. Hoffentlich haben die Schürfungsarbeiten, die sofort in Angriff genommen wurden, den gewünschten Erfolg. -- In der vergangenen Woche wurde an der Staatsstraße das Ob st versteigert. Es wurden Preise geboten, wie noch selten zuvor. s ] Marburg, 22. Sept. Gestern wurden die Arbeitslosen im Rathause vorstellig. Sie verlangten Erhöhung der Un- t e r st ü tz u n g um 25 Prozent und Winterkartoffeln. — imhii »mn W«!» i Die Explosionskatastrophe in Oppau. Eine Erklärung der Aabrikdircktion. Ludwigshafen, 22. Sept. (Wolff.) Die Direktion der Badischen Anilin- und Sodafabrik teilt folgendes mit: Leider müssen wir die Wahrnehmung machen, daß die Explosions-Katastrophe, von der unser Oppauer Werk heimgesucht wurde und die schwer genug ist, in der Presse vielfach stark übertrieben wird. So finden wir im gestrigen Abendblatt des „Mannheimer General-Anzeiger" Berichte eines Redaktionsmitgliedes, das sich phantasievollen, maßlosen und unverantwortlichen llebertreibungen hingibt. Um die schon zu stark in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung vor weiteren Qlufrcgungcn zu bewahren, richten wir an die Presse die dringende Bitte, nur verbürgte Tatsachen mituteilen und von der Wiedergabe der im Umlauf befindlichen zahlreichen unkontrollierbaren Berichte abzusehen. Wie wir gestern, so werden wir auch weiter jeweils Nachrichten geben, sobald über die Entstehung und Wirkung der Explosion weitere Tatsachen festgestellt sind, die bei der Art und dem Umfang der Katastrophe naturgemäß einige Zeit in Anspruch nehmen. Rach einer bei uns bis gestern abend zugegangenen Rachricht sind bis jetzt 2 4 4 T o t e zu beklagen. Mit einer weiteren Vermehrung der Zahl der Toten und Verwundeten ist zu rechnen, zumal da 70 Leute vermißt find. Die Mitteilung, daß die ganze Fabrik Oppau zerstört sei, ist unrichtig. Die eigentlichen Fabrikationseinrichtungen sind verhältnismäßig wenig beschädigt Wir hoffen daher, die Herstellung von Am- moniakwasscr schon in einigen Monaten wieder aufnehmen zu können. In den Werken in Ludwigshafen laufen die Betriebe ungestört. Beileid und Hilfe. Darmstadt, 22 Sept. (Wolff.) In seiner heutigen Sitzung beschloß der Finanzausschuß des Hessischen Landtages: Die Regierung wird ersucht, sofort alles in die Wege au leiten und zu veranlassen, was nötig ist, um die durch das ilnglücf bei Ludwigshafen entstandene Rot nach Kräften lindern zu helfen. Zu diesem Zwecke wird ihr ein K r e b i t t?o n e i n e r Million zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Regierungs- und Finanzausschuß des Landtages eine allgemeine Sammlung im ganzen Lande veranstalten und unterstützen. . Berlin, 22 Sept. erungss1ellen über die Organisation ter Hilfsaktion zu beraten. Diese Hillsaktivn soll sofort in Tätigkeit treten. Weitere Mitteilungen über die eingeleiteten Maßnahmen teerten ergehen. Der Dcichsarbeitsmini- fl e r wies die HauPtvcrsorgungSämter von Karls- vute. Würzburg, Frankfurt a. M. sowie ter baye- --itchen Regierung cm, sofort zurH i l feleistung fü das Unglück in Oppau Personal, Betten und Sanitätsmaterial in jeder Weise zur Verfügung zu stellen. Berlin, 22. Sept (WTB.) Die Preu- yjscheRe-gieruna stellte zur Milderung des durch das Oppauer Unglück entstandenen Rot- standaS ter bayerischen Regierung eine Million Mark zur Verfügung. Dresden, 22. Sept. (WTB.) Das Gesamtministerium teZ Freistaates Sachsen beschloß in einer Sondersitzung, der badischen und der baye- rilchen Regierung die Teilnahme teS sächsischen Volkes an tem schweren Erplosionsunglück in Oppau zu telegraphieren. Gleichzeitig stellte ter Ministerpräsident den Opfern des Unglücks aus dem Dispositionsfonds 1000OMark zur V e r- f ü g u n g. Köln.22. Sept. (WTB.) Der I n d u st r i e - auSschuß des besetzten Gebietes hat eine besondere Sammlung bei rheinischen Industriefirmen zugunsten ter von dem Oppauer Unglück so schwer betroffenen Familien eingeleitct. Gr fordert in einem Schreiben an Verbände und Einzelsinnen zu rascher und reicher Hilfe auf. Das Rote ftrctij. Berlin, 22. Sept. (WTB.) Der Präsident des deutschen Roten Kreuzes von Win- rerfeldl telegraphierte an den Regierungspräsidenten in Speyer folgendes^ Tief erschüttert durch di« Oppauer Katastrophe, sprechen wir den Betroffenen warmherziges Mitgefühl aus. Dir bieten jede verfügbare Hilfe an. besonders für den Transhort, die Pflege ter Verletzten und die Unterbringung ter Obdachlosen. Das bayerische, badische und hessische Oandes-Rote Kreuz sind zur Rettungsaktion aiHgcteten. Wir erbitten Mit» teilung. falls weitere Anforderungen notwendig sein sollten. — Das deutsche Rote Kreuz in Der- ttn entsandte Vertreter an die Unglücksstätte. Ausländische Kundgebungen. Koblenz, 22. Sept. (WTB.) Die interalliierte Rheinlandskommission ließ tem Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete eine Rote zugehen, worin sie ihn bittet, anlastlich ter furchtbaren Katastrophe von Oppau ter Reichsregierung, der bayerischen Regierung und ter Io hart betroffenen Bevölkerung den Ausdruck wärmster Anteilnahme zu übermitteln. Berlin, 22. Sept (WTB.) Außer den bereits gemeldeten Beileidskundgebungen des K 5 - nigs von Dänemark und ter Königin derRiederlandezu dem Unglück von Oppau gingen der Reichsregierunq von einer großen Anzahl ausländischer Regierungen Beweise ter Teilnahme zu. Rahezu sämtliche hier anwesende fremde Diplomaten sprachen zu diesem Zweck auf tem Auswärtigen Amt vor. Einer ter ersten war ter französische Geschäftsträger, ter auch beauftragt war, tem Reichskanzler das Beileid Driands und des Ministerrates zu übermitteln. Nettungswerk und Technische Nothilfe. Die hiesige Dienststelle ter Technischen Rot- Hilfe, Gießen. Ost-Anlage 11. II.Fernsprecher 2034. teilt uns mit, daß die Ortsgruppen Frankfurt am Main, Darmstadt, Bensheim und Mannheim sofort nach Bekanntwerten des Unglücks ihre Rot- Helfer!chaften mit allen ihren Hillsmitteln und Ausrüstungen zur Hilfeleistung angebvten haben, daß aber bis jetzt noch keine endgültige Entscheidung von Seiten ter Besayungstehörte getroffen Worten ist, ob in diesem besonderen Fall eine Ausnahm« von dem Verbot der Organisation im besetzten Gebiet zügelallen wild. Es ist ter Technischen Aut Hilfe deshalb vorläufig nicht möglich, den vielen Wünschen ter Mitglieder nach Einberufung zur Unterstützung schwer heimgesuchter Volksgenossen stattzugeten, wenn auch außer Frage steht, daß hier, wo Menschen in höchster Lebensnot seien, ein Einsatz ter Technischen Rothilfe zu DergungS-, Lösch- und Raumungsarbelten zweifellos am Platze wäre. Zugleich macht die Technische Rothilfe daraus aufmerksam — ein neuerlicher Fall gibt dazu Veranlallung —. daß es zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten aller Art zweckdienlich ist, keinerlei die Technische Rothllfe tetr. Schriftstücke, Rot- helferauSwoise usw. bei Reifen ins besetzte Gebiet mitzuführen. Schlichtungsausschns; der Provinz Qbcrheffcn. Sitzung vom 21. September 1921 Die einem Vorarbeiter des Dausterschen Basaltwerkes bei Lollar ausgesprochene Kündigung feitet Stellung als Vorarbeiter wurde für zulässig erklärt, weil sie durch Verhältnisse des Betriebes bedingt war. Rach Ablauf der Künöi- gungsfrist ist er aber als Arbeiter weiter zu beschäftigen. oder es ist ihm eine Entschädigung von 1500 Mark zu zahlen, die u. a. nach seiner Deschäftigungsdauer festgesetzt wurde. Die Klarstellung eines etwaigen Anspruches auf sechswöchige Kündigungsfrist und Entlohnung nach dem allgemein verbindlichen oberhessischen Werkmeistervertrag wurde dem ordentlichen Rechtswege vorbehalten. Die Entscheidung ist bindend nach 8 67 des Vetriebsrätegesetzes. Die Weiterbe- schäft igung als Arbeiter wurde vom Arbeitgeber alsbald zugesichert. Die Fabrik feuerfester Erzeugnisse ter Scheidhauer & Giebing QI.-®, in Mainzlar soll mit Wirkung vom 1. September 1921 u. a. folgende Löhne zahlen: Handwerkern über 22 Jahren Mk. 6, - Detriebsarbeitem über 21 Jahren Mk. 5.70, Arbeiterinnen über 20 Jahren Mk. 4,10. In einigen weiteren Sachen verständigten die Parteien. Vermischtes. fpd. Hofstetten, 22. Sept. Bei einer hier lagernden 40köpfigen Zigeunerbande entstanden Streiligkeiten, die zu einer kleinen Schlacht ausartclen Im Verlauf des stundenlang andauernden wüsten Streites wurde eine 48jährige Zigeunerin von dem Zigeuner 'Bern erschossen. Eine größere Anzahl Männer wurde von ter Gendarmerie festgenommen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 22. Sept. Am vergangenen Freitag wurde von einem auswärts ansässigen Herrn ein Haus in ter Roon st raße gekauft, ohne daß ter Käufer sich von ter Berechtigung der Kaufpteisfordetung eingehend überzeugte Warm» auch, sind die eingehenden Mieten dem Kaufpreis nicht entsprechend, so werten halt die Mieter gesteigert. Und so kam es auch. Vor seiner Qlbreifc aus Gießen teilte ter neue Hausbesitzer, welcher selber nicht nach Gießen zieht, den Mietern den ilebergang des Hauses in feinen Besitz und-- eine Mieterhöhung von 200 Mk. und Wnsser- geld als erste Steigerung mit. Wie kann bei solcher Handlungsweise bai deutsche Volk gesunden'? Zu erwarten ist, daß das Mieteinigungvaml ■. nie Oe- nehmigung zur Mieterhöhung kurzerhand versagt. Kirchliche Nachrichten. Israel.ReligivnSgemeinde Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag. 24 Sept. Vorabd. 6.00. Morg. 8.30. Adds. 6.30 und 7.10 Uhr. Israel. ReligionS-Geselkschast. Sabbatseier, 24. Sept. Freitag abb. 5.55. SamS- tag Dorrn. 8.00. Rachin. 4.30. Sadbatausgang 7.10, — Wechengvttesdienst: Sonntag morg. 5.00, an den übrigen Tagen 5.30, abds. 5.30. . ■ Glühkörper 25 % Hellstes Licht bei geringstem Gasverbrauch Bestes Erzeugnis derAuer/ichtGese//schafft Berlin 0.17\ Gas-Ersparnis --------------L bn lind In allen Grüßen su mäßigen Preisen elngetrefien Cfflbdebaus Salomon, IJtaoC MH V * V'TGIirö'XcZSimuli MA v ▼ T ■ a MW Extra billiges Angebot in und Zirka 300 Stück mod. Formen: Matrosen- und Schal-Form, mit Stickerei, Hohlsanm Plissee, zum Aussuchen iß Stück Mk. 20.00, 15.00 und 1U.UU gifodebaus \ahmcn. Wfv-ö3^7CZS7^3a? 10237c Fahrrad-Emaillelack Ofeniack Schellackpolitur Salmiak-Wachsbeize Bohnerwachs la Leder- u. Knochenleim Schablonen und Pinsel sowie alle Lacke für Handel und Industrie liefert in einwandfreien Qualitäten billigst Filiale GieBen. 2288V PlockstraBe 10. Sonntag, den 25. September, nachmittags 3 Ubr nud abends 8'/, Ubr Gieheu, Löberstratze 14 Erntedankfest der Ttadtntission. 012711 Zedermann ist herzlich willkommen. Eintritt irei. Sonntag den 25. September Kirchweihfest zu Dorf-Güll im Freien. 10-256 Es ladet freundlichst ein Gastwirt G.Friedrich Seipp. Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt Vcr erteilt cuglWen llnterridit?®.^,, preifi u. 10258 a. d. Gien.Ä. Tücht. Hauckichneiderin enivrtejlt sich im Naben u.8lickcn.2ellerSwea67 r. bei Schmig ter. 012066 Nehme noch Kunden tut im Ilickcn und Ägeist- näbcn in und aus;cr dem Hause. Zn erfragen •<”* .Narktstrnhe 2 I. 1 Lvochcnbettvflegcrin für Monat Dezember ge- iutfit. Lchr. Nna ob. nut. 012668 an den Gieß. Anz. Geistigen Verkehr auf monistischer Baus sucht junge Dante. Evtt. nemeütfnmer Besuch von Dorlesungen. Zuschriften erb u. 0126Ä a. d. G. 8ln^. Geschäftsmann sucht sofort 3—1000 Mk. gegen gute Sicherheu ob. Hnvo- theks gegen gute Zinsen und vünkll. Rückzahlung zu leiben. 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Potpourri . . . . 14. Gesang: Der Csardas . . . . 15. San Lorenzo, Marsch..... Atig., tri. Dleödieu sucht Stellung in ruhigem ' (vebr. NicolauS, Schifsenberger Weg 2 v. XMaler- < f Anstreicher- Weißbinder-Gesch. . A. Belitz . V Liebigstraße 83 / X Tel. 945 y Ruderklub „Hassia" Samstag, 21 Seatöt. Mitglieijer- LttsaMlung im Bootshaus. Vollzähliges Erscheine» dringend erforderlich. 10265v Ter Vorstand. August Stöckel Lina Stöckel geb. Weihl Vermählte Samstag, den 24. Sept 1921, abends 8 Uhr: Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Oberschlesierspende unter gütiger Mitwirkung des Herrn Adolf Falken, Hannover, früh. Mitgl. des Gießener Stadttheaters PROGRAMM: 1. Teil 1. Hand in Hand, Marsch . . . Blon | Kaufgesuche | Alte Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen sprechen wir Allen unseren innigsten Dank aus. Theater-Caf6 Emst Ludwig vornehmes Familien-Cafe : Telephon 190 GIESSEN Am Theater 9. Rapsodie............ 10. 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Menuett............ Verstärktes Orchester. Eintritt frei. Tischbestellungen werden telephonisch und am Büfett entgegengenommen. loasec WM, 6010- B.5ilüei8eoBi- Wvoe,°« faust ständig D. Kaminka, Juwelier, M arktv latz 1 l.Utno TTgÄST** Ter heutigen Land- und Postauffage des ßl’v Giene». Anzeig. l>egt einPras>'.„Dentsche Moden Leitung-, Berlag Otto Beyer. Leipzig, beu flm Montag, 5., und Dienstag, 4. Ok.. I. )s., nachm. 4-6 Uhr im Hörsaal 44 der Universität: Vortrag des Universitätsprofessors Geheimerat Ritter Dr. von Frank Rektor der Universität München, über Der Entwurf eines neuen deutslstrn Arafrrihts. Eintrittskarten für jedermann zum Preise von 10 Mk. für beide Dortragstage auf der Kanzlei des hiesigen Landgerichts oder am Eingang zum Hörsaal zu haben. Hessischer Richterverein. 10244p (Strafe#, Hausnummer unbStix werfc)iUMröff«nt»<6tn. Soll di« vdrelf« verdeckt bleiben, so wolle SamStag, 24. 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Fortsetzung. fühlt sich immer mehr berechtigt, auf dem Wege der Gewalt gegen mißlinge politische Person- lichketton und Kundgebungen dorzugehen. Reichskanzler Dr. Wirth warnte kürzlich im Ausschutz zu ergreifen. Wir erwarten, datz der verbrecherische Anschlag in Lüdenscheid dazu ein neuer Ansporn ist, und datz die Behörde alles tun wird, um dem Täter und seinen Hintermännern auf die Spur zu kommen, damit sie der verdienten Strafe nicht entgehen. Reichspräsidenten an das Zentrum abzugeben. Heber alle diese Personalveränderungen hätten schon vor dem Gorlitzer Parteitag Besprechungen stattgefunden. Müller erklärte alte diese Rach- richten Wort für Wort für unwahr und fügte erläuternd hinzu, datz txt SSrlitzer Parteitag keinen Beschluh gefaßt habe über die Umbildung Es hätte sich in Görlitz nur darum gehandelt, gewisse Grundsätze aufzuslellen für eine eventuelle künftige Regierungsänderung im Reiche. Es sei schwer zu verstehen, weshalb gerade die Presse, die immer betonte, datz die Reichsregierung auf n. Ridda, 21. Sept. Hetzt kann die Trockenheit für unsere Gegend — wenn nicht bald Regen kommt — zur Katastrophe werden. Metertief ist die Erde ausgetrocknet. Der ackernde Landwirt findet eine harte Oberschicht. Die Wasserleitungen der ganzen Umgcgenb ergeben erhebliche Mindermengen an Wasser. Was in hiesiger Gegend am schwersten auf dem Landwirt lastet, ist die Rot an Grünsutter. Ergab schon die Heuernte einen recht mäßigen Ertrag, so hatten wir an Grummet eine Mißernte, und Klee ist kaum vorhanden. Die üblen Rachwirsimgen machen sich barm auch schon in der Rindviehhaltung bemerkbar. Der Dauer muß abschaffen. Die natürliche Folge ist bann bie geringe Milch- und Butterprobuktion unb -Teuerung. Dagegen war bie biesjährige Getreideernte von einer Ergiebigkeit, wie man es seit Hahrzehnten nicht erlebt hat. Kartoffeln kommen in mäßigen Erträgen ein. Das 6d>limmfte ist, daß wegen ber großen Trockenheit bie Bestellung des Wintergetreides (Weizen u. Roggen) nicht erfolgen kann. n. Dauernheim,Ä. Sept. Wenn man die Straße von Blofeld nach Dauernheim geht, fv findet der Kundige oben auf der Höhe rechts im Walde versteckt in junger Hege eine altgermanische Richtftätte, „Der wilden Frauen Gestühl". Man sieht dort eine große öteinbanf mit deutlich erkennbaren vier Sitzen — wahrscheinlich für die Richter. — Ringsum liegen verschiedene Stein- blöde, vermutlich für die Schössen. Der Richtertisch soll seinerzeit in ein Umliegendes Dorf ver- davor, man fvn*. w ........— —. daß die Arbeiter den Schuh der Republik selbst in die Hand nehmen. Anstatt durch solche »Warnungen" Oel ins Feuer zu gießen, sollten die Behörden eher darauf bedacht sein, gegen den Terror der Straße die notwendigen Maßnahmen breiterer Grundlage gebildet werden müsse, dieses Ziel durch solche Schwindelmeldungen erreichen wolle. G ö r l i h, 22. Sept. (Wolff.) Der Sozialdemokratische Parteitag nahm die Anträge betreffend die Erklärung des 1. Mai und 9. Aovember zu gesetzlichen Feiertagen an. Starkenburg und Rheinhessen. mc. Darmstadt, 22. Sept. Auf dem hiesigen Bahnhof steht schon seit Monaten ein ehemaliger Lazarettzug, der Wind und Wetter preisgec,eben immer mehr D e r * ällt. Die Inneneinrichtung wurde von Sin* vohnern Darmstadts und Rottenarbeitern ge- kohlen und nun machen sich die Buben einen Mordsspaß daraus, die noch ganzen Fenster des Zuges einzuwerfen. Es wäre endlich einmal an der Zeit, datz die Dahnhofsverwal- tung Darmstadts nach dem Rechten sieht, damit nicht noch mehr Werte verloren gehen. Hessen-Rassau. [ ] Marburg, 20. Sept. Zu der am Sonntag im Kurhaus im nahen Dörfchen Marbach abgehaltenen zweiten Generalver- ammlung des Verbandes Deutscher Bienenzüchter unb derDeutschenHmker- genvssenschaft hatten sich dnr große Anzahl Teilnehmer aus allen Gauen Deutsch* andS eingefunden. 3n der Hauptsache be- chäftigte man sich mit Zuchtfragen, und in einem Bortrage, den Herr Steingrüber- LippcrSdorf hielt, erklärte dieser die Borteile der planmäßigen Rassezucht. Der Bersamm- lungSleiter, Bürgermeister Freuden st ein- Marbach, führte seinen neuen Ftak-Stock vor und erklärte dessen Borteile. Ferner beriet man lange über die Frage deS genossenschaftlichen Bezugs des Bienenzuckers. Mit der Versammlung war auch eine Ausstellung von Bienengerätschaften verbunden. Vus Stabt und Land. Gießen, den 23. Sept. 1921. Die Schlafwagen 3. Klaffe. Wis wir hören, sind gegenwärtig 10 Schlafwagen 3. Klage im Dau. Es ist nicht ausgeschlossen, baß sie schon im Lauf des Monats Oktober von den Wagenbauanstalten abgeliefert werden. Fraglich ist es aber, ob sie auch schon im nächsten Monat in Betrieb gesetzt werden können. Es ist auch eine Reihe von Fragen noch nicht geklärt. Die Anordnung der Dellen ist in den Wagen wesentlich verschieben von ber bisherigen. Ein Teil der Lagerstätten liegt, wie jetzt, quer zur Fahrrichtung, ein Teil aber in der Richtung. 3n jedem Wagen 3. Klasse befinden sich 33 Detten. Die Ausstattung wird wesentlich einfacher fein. Zu jedem Lager kommt ein Kopfkissen unb eine Decke. Bettwäsche dürfte es wohl kaum geben. Es ist in Aussicht genommen, die neuen Schlafwagen zunächst in den Verbindungen zwischen Berlin einerseits unb Köln, München unb Königsberg anderseits einzustellen. Rach Köln dürften sie ohne Zweifel im Schlafwagenzug laufen, wahrend für bie beiden anderen Zielorie verschiedene Züge zur Verfügung stehen. Es ist noch nicht bestimmt, in welchen Zügen bie Wagen eingestellt werben. Ebenso wenig ist eine Entscheibung über den Preis ber Betten getroffen. — Konzertverein. Wenn ber Konzert- Verein ausnahmsweise vor Beginn der eigentlichen Spielzeit ein S o n b e r f o n j e r t am Sonntag, 25. September veranstaltet, so liegt bies darin begründet, daß ber hier ebenso bekannte wie ge- Er sah sie einen Augenblia. betroffen an, bann lachte er trocken auf. „Latz Magelone aus bem Spiel. Was hat sie mit meinen Entschlüssen zu tun? Du siehst ja, daß es — ihr nicht einfiel, mich um so etwas zu bitten!“ .Rimmst bu es ihr übel, baß sie in der ersten Bestürzung über bie Ereignisse abgereift ist?" fragte Do beklommen. »Sie hat es gewiß schon bereut und wird wieder —“ „Uebclneßmen? Lächerlich! Sie hatte ganz recht! Dies ist eine Sache, die wir Männer ausfechten müssen. Frauen tun am klügsten, sich ganz fern davon zu halten. Unb nun komm!" Er zog Dos Arm in ben feinen unb führte sie zum Wagen. 3n beklommenem Schweigen fuhren sie dahin. Dv hatte aus seinen letzten Worten nur herausgehört, daß ihm ihr Kommen unlieb war, und das drückte sie vollends nieder. Er aber litt unter den Gedanken, daß sie sich um seinetwillen in eine Gefahr begeben hatte, in der er sie vielleicht nicht genügend würde schützen können. Er hatte keine 'Waffe bei sich unb die zwei Gendarmen in Wolkenriet zählten nicht, falls man wirklich wagen sollte, sie zu tnfultieren. Das einzige, worauf er sich Verlagen konnte, war die Schnelligkeit der Pferde . . . Indessen schien im Dorf, als man es erreichte, alles ruhig, und Rüdiger atmete bereits auf, als plötzlich ein halbwüchsiger Bursche laut, auf den Wagen weisend, rief: »Da ist er ja, der saubere Graf, der an allem schuld ifJ Fragt ihn doch gleich, ob er die 5abrii »sofort wieder aufbauen und uns Brot geben will?" Die Rothersteins. Roman von Erich Ebenstein. Copyright 1919 by ©reiner & Eomp., Berkin W 30. schleppt worden sein. Kreis Friedberg. — Bad-Rauheim, 21. Sept. Die Stadtverordneten bewilligten gestern den städtischen Arbeitern eine Lohnzulage von 45 bzw. 55 Pf. pro Stunde. Zur Beschaffung von Winterkartoffeln wurde den Arbeitern ein Vorschuß gewährt, die geforderte einmalige Teuerungszulage von 1000 Mark wurde aber abgelehnt. Für die Hungernden in Rußland will bie Versammlung gerne 3000 Mark zur Verfügung stellen, teil! aber vor endgültigem Beschluß erst wissen, an welche Stelle bas Geld geschickt werden sott. Die Stadt hat ein größeres Geländestück in kleinere Parzellen zerlegt, die als Kleingärten an Anwohner ohne Bodenbesitz verpachtet werden. Ueber 200 Liebhaber haben sich gemeldet. Zum Vorsitzenden des Wohmingsamtes wurde Stadtv. Minder gewählt. Es wirb ihm eine jährliche Aufwandsentschädigung zugebilligt, bie aber 3000 Mark nicht übersteigen darf. Der Revolveranschlag aus die Versammlung der D. V. P. in Lüdenscheid. Wie bereits bekannt geworden ist, sind gelegentlich des Parteitages der Deutschen Bol.s- nartei in Lübens cheid auf eine Versammlung in der Schützen Halle von außen Schuf le abgegeben worden, offenbar in vwhlliberl^ter verbrecherischer Absicht. Die„Ratt. Korresp. erhält dazu von einem zuverlässigen Gewährsmann aus Lüdenscheid noch folgende Mitteilungen: Es sind danach im ganzenvier Schüsse abgegeben worden, und zwar, nach den aufgcsun- benen Geschossen zu urteilen, entern Lrnee- revolver Don ben Kugeln srnd m in bu □Danb des Versammlungsraumes etngebrungen, xtoei sind im Saale aufgefunden worden. Di? Shüffe kamen von auswärts und gingen durch St? Fenster daö nach der Außensette abgeblendet w^r Sie haben z. T. ihren Weg durch den Sichenrahmen deS Fensters genommen. Vermut- [idj verbarg sich ber Täter auf einem 20 bis 30 Meter von bem Tatort entfernten Tennis- spialplah, der von Gebüschen umgeben ist. Wegen ber Abblendung des Fensters konnte er nicht genau zielen, jedoch ist die Richtung der Schüsfe genau berechnet gewesen. Sie ging gegen den 'Rüden des Redners. Rach alledem kann an der tpoßlfiberlegten Absicht eineS verbrecherischen Anschlags kein Zweifel fein unb es ist nur ein glücklicher Zufall, daß keine von den 4 Kugeln getrosten hat. Als der Anschlag erfolgte, befand sich Dr. Stresemann nicht mehr aus dem Rednerpult, sondern Abg. Dr. Hugo. Der Redner verstand eS, die Erregung, in die die Versammlung geriet, sofort zu beschwichtigen, so datz keine Unterbrechung ein trat. Von dem Täter hat man noch keine Spur, obgleich die Polizei eifrig mit der Fahndungsarbeit beschäftigt ist. Man vermutet, daß die Tat nicht von einem in Lüdenscheid anwesenden Täter, sondern von einem zugereisten Mordgesellen begangen worden ist. Es unterliegt gar keinem Zweifel, so schreibt die genannte Korrespondenz weiter, daß die feige Tat eine Frucht ber gemeinen Verhetzung ist, bie in der letzten Zett systematisch gegen alle Veranstaltungen der den Sozialisten nicht genehmen Parteien verübt wurde. Verbrecherisches Gesindel schätzte Geiger Professor Joseph Szigeti noch einmal gewonnen werden konnte, ehe er eine längere Konzertreise nach Amerika antritt. Szigeti, ber schon bei feinem lenken Auftreten durch fein meisterliches Spiel höchste Bewunderung erregt hatte, gehört jetzt zu den ersten Vertretern seines Faches: er war bisher Professor an ber Meister- llasfe in Genf unb als solcher Rachfolger bes ausgezeichneten Geigers Henri Marteau. Das Programm bringt zu Anfang bie E-dur-Sonate von Handel, sodann die E-bur-Partita (in ber Pctersausgabe sechste Srlo-Violinsonate) von Hoh. Seb. Bach, weiterhin das hier noch nicht gehörte überhaupt selten gespielte unb doch so schone Vio- Imkonzert Op. 22 von H. Goetz, bem Komponisten ber Oper »Der Widerspenstigen Zähniung". Mit diesem Konzert hatte sich Szigeti im Marz im Münchener Konzertverein (Leitung Prof. S. von Hauiegger) einen großen Erfolg erspielt. Den Schluß bilden Heinere Stücke von Veracini, Dvorak u. a., sowie „Zephy r" von Szigetis Lehrer Hubay. Das Konzert vermittelt uns zugleich die erste Bekanntschaft eines Frankfurter Künstlers, Eduard Z u ck m a h e r, der als Pianist von echter Musikalität gerühmt wird. Herr Zuck- mayer wird sich als Sollst durch den Vortrag ber Schumannschen Fantasie in E-bur Op. 17 betätigen unb als Begleiter mit bem Geiger Zusammenwirken. Karten sind bei Emst Chattier und abends an ber Kasse zu haben. Das Konzert findet in der Reuen Aula statt und beginnt, wie üblich, um' 5 Uhr. Landkreis Gießen. k. Aus der Rabenau, 20. Sept. Während die Hessische Landeswanderbühne im Borjahre nur bis Grünberg kam, werden in diesem Jahre auch die Bewohner der Rabenau Gelegenheit haben, diese Einrichtung, die auch auf dem Lande gute Kunst bieten will, kennen zu lernen. Dje Landeswanderbühne beabsichtigt am Ende ihrer ersten Spielreise einige Aufführungen in Londorf zu veranstalten. Kreis Büdingen. n. Geiß - Ridda, 21. Sept. Bürgermeister Lind, ber wegen Krankheit einige Monate beurlaubt war, versieht jetzt seinen Dienst wieder mit gewohnter Frische. 3m nächsten Frühjahr werden es 25 Hahre, daß er sein Amtzantrat. Gictzcncr Strafkammer. Gießen, 20. Sept. 1921. Der Postbote Otto H. von Rieder-Mockstadt hatte im Laufe der letzten Hahre eine ganze Anzahl Pakete für Rieder- unb Ober-Mockstadt unb Ranstadt unterschlagen, unb ihren Inhalt, meist Lebensmittel unb Gebrauchsgegenstände, für sich verbraucht. Auch hatte er mehrere Briese au« Amerika, in denen er Geld vermutete, erbrochen und die Dollarscheine sich bei der Bank eingewechselt. Er war zumtril geständig Da er sich nicht in Rot befunden hatte, verurteilte thn da« Gericht unter Berücksichtigung de« Umstandes, datz er bas Vertrauen, das einem Briefträger in besonderem Maße geschenkt werden muß. gröblichst mißbraucht hatte, zu 2 Jahren Gefängnis und erkannte ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Hahre ab. Ida W. von Büches war vom Schöffengericht in Büdingen zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil sie beim Austritt aus ihrem Dienst ihrer Dienstherrschaft ein Paar Schuhe gestohlen habe. Sie behauptete, es habe sich um Loynschuhe gehandelt, die ihr von ihrer Dienstherrschaft ge- schenlt worden seien. Wenn dies auch an sich nicht richtig war, so schentte ihr das Gericht doch insofern Glauben, als sie der Ansicht fein konnte, die Schuhe seien ihr tatsächlich geschenkt worden. In Ueberetnft imrnung mit dem Antrag des Staatsanwalts wurde das erste Urteil aufgehoben und auf Freisprechung erkannt. Leopold P. von Dorheim war wegen Ach* tungsverlehimg, Widerstand gegen Vorgesetzt», Beleidigung unb Unterschlagung von Dienst gegenständen angeklagt. Obwohl schwer kriegSbeschädtgt war er Anfang 1919 bei der Reichswehr eingetreten wie er behauptete, nur als Zivilarbetter. Bei feinem Austritt, — er hatte bereits feine Entlassungspapiere — kam er mit dem Selbtoebel wegen Rückgabe eines 0.525 0.525 Prag 100 Rx. = 6V5 6.80 Daris 100 Fr. » 41.15 41.30 London 1 £ = 21.61 21.67 Italien 100 2. - 24.15 24.05 Brüssel . .' 100 Fr. - 41.15 41.30 Budapest 100 fir. => 0.85 0.775 NeuyorK 100 $ = 550-50 579.50 Agram 100 Rx. =» 2.60 2.65 Bukarest 100 2. - 5.40 5.30 Börsenkurse. i Datum: 6 •/„ Disch. Kriegsant 4e/„ Disch. Reichsanl. 3e/0 Dtsch. Reichsanl. 4 °/o Preutz. Konsols Darmftäöter Dank . Herrische Bank . . . Disconlo-Gesellschaft Dresdner Dank. . . 9? at ioual 5 arth f. D. . Mitleid. Treditbank. H.-Amcrik. Palreif. . Norddeutscher Lloyd. Doch. Gußstahlwerk . V.-Luxemö. Bergw.. Belsenkirch. Bergw. . Harpcncr Bergbau . Oberschles. Eifenb.-B. Oberschles. Eisenind. . Phönix-Dergb -Akt.. Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerks. Elektr.A.E.G Schuckert-Werke. Felten-Guilleaume . Daimler Bub.« Tisenw.« Akt. . Adlerwerke . 4°/» Hess.Staatsanl. , Elektron Griesheim. Frankfurt Berlin 1-Slhr- 1-äIhr» Schluß- Anf- Kurs Kurs Kurs Kurs 21.9. 77,50 37(\ — 228,- 231 - 715,- 687* — 880,- 610- 540 — 820,- 479*— 445,— 419,- 23.9. 77,50 5-‘,: 372, 241,- 237 - 715,- 711*1 624,2 580,- 855,- 517,- 467,- 812,- 440,- 458* - 21. S. 77,50 75,- 78,30 255,- 245,25 220,- 237,25 228,- 710,- 650,- 681,- 905,- 610,- 545,- 815,- 23.9. 77,50 75,- 78,13 713,- 985,- 626,- 600,- 855,- 470,- 479,50 492, 450,50 457. 730,- -, 349,- -, 780, — 425,25 65,- 349,50 355, 790,- 64,25 237,25 230, 375,- 307,- Marknotieruugeu. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.11. 21.9. 22.9. Zürich ... Fr. 125,40 5,35 5,32 Amsterdam Fl. 59,20 2,87 2,90 Kopenhagen Rr. 88,83 5,30 5.35 Prag Rr. 117,80 -,- -,- Stockholm Rr. 88,80 4,35 4 30 Wien Rr 117,80 -,- London Sh. 97,80 4,78 4,87 Paris Fr 125,40 13,12 13,- Neuyork > 23,80 0,90 -,92 Märkte. Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Sept. Der Klein- Vie hmark t wurde bei lebhaftem, der Schweinemarkt bei langsamem Handel geräumt. Auf - getrieben waren 812 Kälber, 786 Schafe und 270 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: für Kälber, b^e Qualitäten, 900—1000 Mk_, für Kälber, mittlere Qualität, 800—900 Mk., für Kälber, geringe Qualität, 650—750 Mk., für Härnmel 300-550 Mk, für Schweine unter 80 Klg. Lebendgewicht POO bis 1300 Mk., 80 bis 100 Klg. 1350—1450 Mk., 100 bis 120 Klg 1400—1500 Mk., 120 bis 150 Klg. 1350—1450 Mk., alle schwereren Schweine, einschl. bester Qualitäten, 1350—1450 Mk. Außerdem wurden 59 Binder ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. Die Marttpreise liegen um fo viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. Letzte Nachrichten. Neue Erklärungen Etresemanns. Karlsruhe, 22. Sept. In einer öffentlichen Versammlung in Pforzheim hielt gestern abend 'der Aeichstagsabg. Dr. St re fern a n n eine Bede über die politische Lage. Scharf tritifierte der Redner die Politik 'des Reichskanzlers gegenüber Bayern. Wenn man fo wie Dr. Wirth gegen Bayern agitiere, treibe man das Reich auseinander. Der Redner wandte sich dann gegen die Aeußerung des deutschnattonalen Führers Hergt, es handele sich jetzt darum, den Kamps der Weltanschauungen auszufechten: Jetzt fei nicht die Zeit zu einem solchen Kampfe, wv Deutschland nicht wisse, was aus Oberschlesien werde und wo das linke Rheinufer von der Entente belebt fei; jetzt müsse alles gesammelt werden, was zum Zusammenarbeiten bereit sei. Dann fuhr der Redner fort: Dir Deutsche Volkspartei steht auf dem Boden der Verfassung. Die Frage, ob bie Deutsche Volkspartei mit der Sozialdemokratischen Partei in einer Regierung zusammenarbeiten soll, beantworte ich mit einem glatten Ja. Staat und Wirtschaft können heute nicht die Mitarbeit der produktiven Kräfte, der Politiker und aller anderen Schichten, die in den verschiedenen Parteien vorhanden sind, entbehren. An die Stelle des: Hie RechtS- block — hie Linksblock! soll man den Gedanken setzen: Volksgemeinschaft aller: Die grundsätzliche Bereiterklärung, auch mit der Srtzialdemokratie zu- sammenzuarbeiten, ist der einzige Weg, um aus der gegenwärtigen Rot herauszukornmen. Von diesem Gesichtspunkte aus freue ich mich über den Beschluß der Sozialdemokraten auf dem Görlitzei Parteitag. Die Reichstagsfraktion, di« in diesen Tagen in Heidelberg beisammen war, hat mir zu biefer Zusammenarbeit ihre Unter stützung zugefagt. „Times" über innere deutsche Politik. London, 23. Sept. (WTB.) .Times" schreibt in einem Leitartikel, es fei ein hoffnungsvolles Zeichen, daß die Deutsche Volls- Partei ihrem Entschluß, die deutsche Republii zu Unterstützen, Ausdruck gegeben habe. Die Tendenz, die die Industriellen von den Mllitaristen wegziehe und sie in die Lage versetze, mit den gehässigsten Sozialisten zur Unterstützung der Republik zusammenzuwirken, sei sicherlich zu • begrüßen. Dies würde hofse.itlich die Stellung Wirths gegenüber den extremen Rationalisier stärken. Der deutsche Botschafter bei Driand. Paris, 23. Sept. (WTB.) Ministerpräsi- dent Briand h 1 gestern nachmittag den beut* schen Botschafter Dr. Maier empfangen. Frankreich und die Aufnahme Lttouens in den Völkerbund. London, 23. Sept. (WTB.) Der Genfer Sonderberichterstatter des .Daily Herald" schreibt: Die Aufnahme Litauens in den Völkerbund bedeute eine Riederlage für d i e französische Diplomatie und ein B:wcis für den Riedergang des französischen Einflusses in Europa Griechenland in der Klemme. London, 23. Sept. (WTB.) „Daily Mail" meldet, in London einaetroffenen Berichten zufolge werde für wahrscheinlich gehalten, daß der griechische Premierminister Gu - n a r i s demnächst nach London kommen und mit Lloyd George und Lord Curzon zusammentreffen werde. Der Assozietetpresse zufolge verlautet, daß Eunaris den Alliierten die Bedingungen mitteilen werde, unter denen die Griechen bereit seien, mit den türkischen Rationalisten Frieden zu schließen. Die Türken melden, daß sich die Griechen, von allen Seiten bedrängt, zurückziehen. Die Rot der Arbeitslosen in England. London, 23 Sept. (WTB.) Llohkr George erörtert^ festem mit den Arbeiterführern »und Bürgen"-" «m, die ihn ausgesucht hatten, die Arbeitslosenfrage. Er hob nachdrücklich hervor, daß die zentrale Regierung die Lasten nicht allein auf ihre Schultern nehmen könnte, und bah ein Zusammenwirken zwischen der Regierung, den ersten Behörden, den Unternehmern und der organisierten Arbeite sch