Nr. 170 Der etfNtntr Lnzefger mit bet 'Dienstagsbeilage »tpelt llmicharf er. scheint täglich, aufeer Sonn- und feiertags. Monatliche Se,«aie: Ularii 5. - einschließlich Trägerlebn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech-Anschluste: fürdieSchriftleUung 112; für Druckerei, Verlag und iLelchafisstele 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Änielger Ließen. vsßfchetnsit»: Sraeffurt a. M. U6N. Erster Blatt 171. Jahrgang Samstag, 23. Zu'.i 1921 GietzenerAnMger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verls-: vrühl'fche Univ.-Vuch. und Steiudruckerei H. Lange. Schrtftlettm-, Geschäftsstelle und Drutferel: Zchulstratze 7. Annahme von AnzeigeR ftr bie lagesnummer bi» zum Nachmittag vorher »hnejebe Derdindlichbeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärt» 50 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Steile 180*Pf Bei Platz. Vorschrift 20", Ausschlag. Hauptschriftleiter. Aug. Goetz Verantwortlich für ‘Politik: Aug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil. Hans Deck, sämtlich in Gießen. Wochenrückblick. Die brohenben Sorgen deS Herbstes liegen unserem Dolle schon jetzt schwer auf der Seele. Wir sehen eine Teuerung im Anzuge, deren Ankündigung schon profitsüchtige Personen und Branchen -um Hinaufschrauben ihrer Preise veranlaßt hat. Eine Teuerung ist unvermeidlich — weil die Produktion uns erschwert worden ist. 'eurereKvhlenprei'e InTBirt- schaft und Handel sich bemerkbar machen, und weil „Sanktionen" und bevorstehende unmögliche Steuerlasten und an der Notdurft des Lebens fressen. Der Staat ist nicht mehr in der Lage, die Preise der notwendigsten Lebensmittel zu limitieren und größere Summen dafür in seinen Etat einzustellen. 3n der Bildung von Organisationen ist der Deutsche groß aber in der Preiskontrolle und Wucherbe- kämvfung ist fein Wilsen und Handeln noch Stückwerk geblieben. Wie während des Krieges appelliert man bei Produzenten und Händlern an deren Gewissen und Moral und predigt voll ungläubiger Bitterkeit das Hamlet-Wort: „Nimm eine Tugend an, die du nicht hast!" Vielleicht bringt die wachsende Not des gesamten Volkes schließlich eine Hm» kehr. Jedenfalls dürfen wir nicht ermüden, die Geister in diesem Sinne wachzurütteln, daran zu erinnern, daß jeder nur ein Glied des Ganzen ist. von dessen Schonung und Wohl a rt sein eigenes Wohlbe'l der a'hättet. Wir'schmieden uns unser Schicksal selbst. Mit einer gesunden Mischung von Idealismus und Opttmismus würden wir auch über die härtesten Bedrängnisse Hinwegkommen. Wie oft ist in den letzten Jahren das Hnmögliche möglich geworden? Wie häufig haben die Propheten sich geirrt, und das Schicksal in seiner ungemessenen Größe hat aller Berechnungen und Erfahrungen gespottet! Der deutsche Drlkskdrper ist noch lebenskräftig, wenn ihm nur Geist und Seele nicht erstickt werden. Hat man die Deutschen schon entwaffnet — Wille und Würde müssen sie behalten, und darauf muh die Politik der Parteien und der Regie- rung unablässig gerichtet sein. Der Reichskanzler Dr. Wirth chat einem amerikanischen Journalisten sein Leid geklagt, und diesmal gibt es gegen seine Bekundung wenig einzuwenden. Es ist Wahrheit, daß Briand ihm ins Gesicht geschlagen hat und daß das deutsche Volk sich von seiner ..Politik der Erfüllung" empört loSsaaen wird, wenn die oberschlesische Frage und die sogenannten „Sankttonen" nicht nach Recht und Gerechtigkeit erledigt werden. Wer da, unbelehrbar, das Verstandesspiel noch weiter treiben, dem Kabinett Wirth raten möchte, im Amte zu bleiben, dem Hohn des Feindes sich zu beugen, dem Gefühl des eigenen Volkes zu trotzen — der erweist sich als volksfremd und unwürdig der Gotteshilfe, auf die wir bauen müssen . . . 3n der schlimmen Prüfung, die uns be° vorstebt, ist es natürlich auch von großer Wich- ttgkeit, was wir von der Sozialdemokratie zu erwarten haben. Es war kein sozialdemokratisches, sondern ein in eine besondere Demokratie verbissenes Blatt, nämlich die „Franks. Ztg.", die das Kabinett Wirth, komme was da wolle, zum Ausharren auf seinem Posten aufsorderte. Die Sozialdemokraten stehen auf dem Wege des Verständnisses nationaler Notwendigkeiten zwar noch sehr weit zurück, aber sie haben von der Entwicklung der Dinge in den letzten Jahren doch außervrdenttich viel gelernt und sind bereit, Konseguenzen daraus zu ziehen. Der im „Vorwärts" erschienene Entwurf eines neuen Parteiprogramms, die Arbeit eines im vorigen Jahre eingesetzten Ausschusses, beweist es. Danach würde die maxi- sttsche Haut der Partei so halbwegs abgestreift. Don der Verelendungstheorie, von der De- seittgung der kapitalisttschen Betriebsweise, von Klassenkampf, ist in dem Entwurf nicht mehr die Rede. Der Revisionismus hat gesiegt. Wir sind weit entfernt, über diese Mau- ferung zu spotten, denn es liegt etwas durchaus Großes in diesem Lernen und Streben. Besonders weil heute die radikale Orthodoxie sich andere Tempel erbaut hat, wo sie die gelehrten Gespinste der alten Apostel mit tatendurstigen Thesen vertauscht. Die Mehr- heit'so iold'mv'rattemeint siealtenGlaubenS- fätze, aber auch die radikalen Grundforderungen des vor 30 Jahren entstandenen Erfurter Programms nicht mehr festhalten zu können. Erfahrung und Entwicklung haben den alten politischen Katechismus zerstört. Der Verlauf der neuen Rerolu ionen offenbarte dieHnwah-- heit, Hnzulänglichkeit und Hnmöglichkeit der Erfurter Sätze und Forderungen. Aber die vollen Konsequenzen werden noch immer nicht gezogen. Alte Irrtümer spuken weiter, während die Partei zu einem wissenschaftlich begründeten Bekenntnis-Programm überhaupt nicht mehr sich aufzu- schwingen vermag. Der genannte Entwurf, allgemeiner Heberzeugungssätze ermangelnd, enthält, nach einer Zählung Friedrich Stampfers, hundertfünfunddreißig Spezialforderungen, die ziemlich unvermittelt nebeneinanderstehen und keine rechte innere Beziehung zueinander haben. Fttedrich Stampfer, der frühere Chefredakteur des „Vorwärts", läßt seine Kritik des Programmentwurfs in dem Vorwurf gipfeln, daß der Staatsgedanke darin nicht lebendig genug zum Ausdruck gekommen sei. Hnd da hat er freilich recht: ohne einen Staat, der wirtschaften kann, ist Sozialismus überhaupt nicht möglich. Großer Wert wird in dem Programm- Vorschlag darauf gelegt, „daß die großen konzentrierten Wirtschaftsbetriebe — soweit sie bereits zu Privatmonopvlen geworden sind oder eine das Wirtschaftsleben der Nationen beherrschende Machtstellung erlangt haben — in die sozialistische Gemeinschaft durch Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel übergeführt und zugleich alle im Voll vorhandenen Kräfte in planmäßigem Aus- und Aufbau der Produktton zur höchsten technischen Vollkommenheit und lebendiger Arbeitsfreudigkeit erzogen werden." Für die Gefahr internationaler Konflikte und imperialistischer Ausdehnung machen die Ver- fertiger des Entwurfs nämlich in der Hauptsache den „Einfluß des großen Finanzkapitals auf die Politik der Regierungen" verantwortlich. Man erkennt hier, tote der Blick durch die internationale Brille die Theorie aufbaut und zu Vorsätzen treibt, die in unseren deutschen Verhältnissen heute ganz und gar nicht begründet sind. Stampfer fragt denn auch dazu: „Wenn wir heute Kohle, Eisen, Stahl und noch einiges andere „Reife" sozialisieren, glaubt dann wirklich jemand, daß damit „die unerträglichen Zustande überwunden" wären?" Noch entschiedener rückt Eduard David, ebenfalls im „Vorwärts", vom Programmentwurf ab. Das Maß der Sozialisierung geht ihm zu weit; werde doch sogar die Dollsozialisierung „des gesamten Heil- und Gesundheitswesens" verlangt! „Wer," so ruft David aus, „an die Durchführbarkeit dieser Schablone glaubt und Verlangen trägt, möglichst viel weitere, staatliche oder kommunale Defizitwirtschaften zu schaffen, mag sich dafür begeistern; ich teile diese Begeisterung nicht." Besonders aber tadelt David die unter Wohnungswesen im Programmentwurf vorgeschlagene „Vergesellschaftung des Grund undBo- d e n s". Damit werde den Gegnern der Sozialdemokratie eine Keule in die Hand gedrückt, mit der sie alle sozialdemokratische Werbearbeit unter den kleinen Landwirten und Besitzern einer Wohnheimstätte mühelos tvtschlagen könnten. Viel besser sei es, einen Satz aus dem Agrarprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands zu übernehmen: „Das Privateigentum des Kleinbauern an Land und Arbeitsmitteln bleibt unangetastet. Er erhält das bisher von ihm bewirtschaftete Land zur freien Verfügung überwiesen." Die sozialdemokratische Partei von heute ist noch immer stark befangen von ihren alten Vorurteilen und falschen Voraussetzungen. Statt einfach dazu überzugehen, sozialen Fort- schritt, Besserung der Lage des Proletariates auf ihre Fahne zu schreiben, und mit den anderen Parteien zu fühlen, daß diese Ziele weit erheblicher durch das gegnerische Ausland als durch innerpolittsche Widerstände beeinträchtigt werden, hält man sich an die aussichtslose Internationale. Hundertfünfunddreißig Spezialforderungen wurden ersonnen, aber sie entstammen meist, wenn auch das Wort Klassen- kampf nicht mehr genannt wird, der alten Vorstellungswelt. AgitattonSbedürfniS und angeborener Oppositionsgeist hindern die sozialdemokratische Partei, unbefangen zu prüfen und zu beschließen, was in der heutt- gen verwickelten und gespannten Lage wirklich dem Nutzen deS Vaterlandes, und damit auch der deutschen Arbeiter, dient. Der v a - terländische, von aussichtslosen, internationalen Phantasien nicht zersetzte Staatsgedanke muh das deutsche Volk zu seinem Wiederaufbau und zu seiner Befreiung führen. Der bevorstehende Görlitzer Parteitag der Sozialdemokratie wird übrigens schwerlich dazu kommen, ein neues Programm >u beschließen und durchzusetzen; es liegen bereits Anttäge vor, den erwähnten Entwurf noch ein Jahr lang zu verdauen, geistig zu durchdringen, bevor man etwas Entscheidendes unternimmt. Da gerade die heuttge Zeit mit ihrer Aussicht auf die Washingtoner Konferenz und die Lösung internationaler Probleme uns in die angestrengtesten Lehrkurse stürzt, wird man in der Tat im Interesse der deutschen Gesamtheit unserer Sozialdemokratte für die Erneuerung und die Hmwandlung ihres polittschen Glaubens noch etwas Geduld wünschen müssen. Die englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten. London, 22. Juli. (Wolff.) Ein diplorna- ttscher Derichterstalter bei .Daily Telegraph" schreibt: .Die britische Regierung bleibt bei der energisch ausgesprochenen Heber- z e u g u n g, datz die Fragen von O b e r I ch 1 e - I i e n, der Sanktionen am Rhein und der Kriegsbeschuldigten ohne weitere Verzögerung verhandelt werden sollen. Verschiedene Punkte der Reparationsfrage dulden keinen wetteren Aufschub. Es wäre zwecklos, Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Paiis zu verheimlichen. Rach der Auffassung der britischen Regierung kann die Lage nicht so bleiben, da äußerst kritische Probleme durch eine Art passiver Resistenz durch Frankreich ausgehalten werden. Heber die Haltung der britischen Regierung wird möglicherweise schon heute vom Kabinett beschlossen." Paris,. 22. Juli. (Wolff.) Die „Chi- cago Tribüne" meldet aus London, in London ziehe man jetzt die Möglichkeit in Betracht, daß Truppen nach Oberschlesien gesandt werden müssen, weil eS, wenn die Franzosen mit dem unumschränkten Einfluß allein in Oberschlesien weilten, zu Herausforderungen kommen und dadurch eine Lage geschaffen werden könne, die zu einem weit ernsterem Eingreifen späterhin notigen würde. Man gebe sich keine Mühe mehr, zu verbergen, daß Frankreich und England vor ernsten Meinungsverschiedenheiten über die Politik gegen Deutschland ständen. Nach englischer Ansicht würden die Franzosen alles tun, was in ihre Macht stehe, um Deutschland zu einem Aufstand zu reizen, um so weitere Gebietsbesetzungen ihrerseits zu rechtfertigen. England sei, wie man erkläre, entschlossen, sich in ein derartiges Vorgehen nicht hineinziehen zu lassen. London, 22.3u(L (Wolfs.) 3m .Daily Ehronicle" schreibt ein diplomatischer Mitarbeiter: Gestern nachmittag übermittelte der französische Botschafter Lord Curzon die Antwort der französischen Regierung. Danach ist Briand nicht geneigt, einer Zusammenkunft des Obersten Rates zum 2 8. Zuli zuzu- st i m m e n. Er verlangt anstatt dessen die Entsendung weiterer britischer Truppen nach Oberschlesien und ersucht ferner um Zustimmung der britischen Regierung zur Entsendung einer neuen französischen Division. Inzwischen wird berichtet, daß eine französische Division eiligst nach Oberschlesien geschickt wird, ohne aus britische Antwort zu warten. Hn- glücklicherweise ist der Oberste Rat die einzige Körperschaft, die die Autorität besitzt, die schlesische Grenzfrage zu regeln. Bis zu seinem Zusammentritt bleibt daher die Lage gefährlich. Die Ankunft weiterer französischer Truppen ist kaum geeignet, die Luft zu Hären, sondern dazu, die Polen zu weiteren Angriffen auf die Deutschen anzureizen. Wenn dies geschehen sollte, würde naturgemäß die Bevölkerung Widerstand leisten. Das ganze Land würde unter den Waffen stehen und ein neuer Grund zur Beschwerde gegen Deutschland würde von den Franzosen gefunden sein. Wahrscheinlich würde die Forderung erhoben, daß zur Strafe das Ruhrgebiet beseht werden solle. Großbritannien wünsche keine weiteren Soldaten nach Oberschlesien zu senden, da es keine zur Verfügung habe. Der von Briand vor» geschlagene SachverständigenauSschuß kann die Frage nicht regeln. Er kann nur dem Obersten Rat berichten. Es wird daher immer notwendiger, daß der Oberste Rat zusammentrete. Der französische Ministerpräsident schlägt, wie verlautet, ein Datum im August vor. Aber dies ist eine verhältnismäßig lange Frist. Die britische Antwort an Paris wird, wie wir erfahren, diese Auffassung hervorheben, ohne endgültig bie Entsendung von Truppen zu verweigern. und noch einmal ersuchen, daß die Zusammenkunft des Obersten Rates so bald wie möglich abgehalten werde. 3m Unterbaute erwiderte Lloyd George auf die Anfragen mehrerer Abgeordneten: .Ich kann über die Aufhebung der Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhr- o r t vor dem Zusammentritt des Obersten Rates keine Erklärung abgeben.“ Ferner erklärte Lloyd George, daß zur Lösung der oberschlesischen Frage kein Schritt erfolgen könne vor der nächsten Zusammenkunft des Obersten Rates, die noch den Gegenstand von Verhandlungen zwischen den alliierten Regierungen bilde. Aus Oberschlesien. Berlin, 23. 3uIL Rach einer Meldung des .Lokalanzeigers" nehmen die Ausschreitungen der 3nsurgenten in Oberschlesien immer weiteren Umfang an. 3n G l e i w i h wurde gestern der Stadtteil Petersdorf von den 3nlur- genten lebhaft beschossen. 3m Labander Wald treiben sich bewaffnete 3n|urgenten in Scharen umher. 3n L i p i n e wird eine Bureaugehillin des deutschen Plebiszitkommistariats vermiet Man vermutet, daß fte von den 3n)urgenten beseitigt worden ist. InTarnowih verhafteten die Engländer bewaffnete 3n|urgenten, die eine 63jährige Frau überfallen und auSgeraubt hatten. Auch in Miechowih haben sich wieder starke 3n- lurgentenbanöcn gebildet. 3n Loslau hat eine allgemeine Flucht der Deutschen eingesetzt. Infolge der Abwanderung der Deutschen sind viele Häuser an die Polen verkauft worden. Beuihen, 22. Zull. (Wolfs., Wie toentg die Polen daran denken, die Macht au# den Händen zu geben, zeigt folgender Vorfall, der sich gestern in FriedenShütte abgespielt hat. Gin Gastwirt und ein Arbeiter erhielten ein mit dem polnischen Adler versehenes Schreiben, in dem sie von dem polnischen Kommandanten von Friedenshütte aufgefordert wurden, sich am 21. Zull abends 6 V» Uhr vor einem außei - ordentlichen polnischen Gericht in Friedenshütte einzustnden und sich dort zu recht- fertigen. 3n Schientochlowitz kam c8 in der letzten Nacht wieder zu größeren Schießereien. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Königshütte, 22. Zull. (Wolff.) In bet Umgegend von Königshütte wird ne-erdingS beobachtet, daß die Polen jetzt shstema isch auch diejenigen terrorisieren, bie sie während des AufstandeS verschonten. , Hindenburg, 21. 3ull. (Wolfs.) In BIS« kupih fanb vorgestern abend wieder eine größere Schießerei statt, wobei es einen Toten gab. Später hielten bie Insurgeten bie Kleinbahnen an und nahmen allen Inhabern grüner Legitimation-» karten, b. h. in Oberschlesien ansässigen, aber nicht dort gebotenen Personen, die Karten ab und zerrissen sie. Hindenburg, 22. IM. (Wolff.) In Hindenburg verlangten bie Polen, es solle eine rein polnische Gemeinbewache peblTiet werden, obgleich die Stadt Hindenburg mit 21 250 deutschen und 14 853 polnischen Stimmen sich in der Mehrzahl zum Deutschtum bekannte Zur Seit hat Hindenburg überhaupt keine Polizei. Die nicht aus Oberschlesien gebürtigen blauen Polizisten sind von der Interalliierten Kommission ausgewiesen worden. Die zurückgebliebenen Polizeimanns<^sten dürfen aus Ve a-'lastunq der Polen keinen Dienst tun. Der französische KreiS- konttolleur tat nichts, um diese unhaltbaren Zustande zu befeitigen. Ruhland und die Abrüstungskonferenz. Paris, 22. Juli. (Wolff.) Die „Chicago Tribüne" meldet aus London: Das Foreign Office erhielt gestern eine lange Note des Kommissars der Sotosettegierung für Auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin, in der geklagt wird, daß Rußland von Washington nicht zur Teilnahme an der Abrüstungskonferenz aufgefv'dert würde. In einer Meldung der „Chicago Tttdune" aus Wa hington wird n uerlich da auf hinget ie en, daß in Rußland ein radikaler Wechsel eintteten müsse, bevor es auf der Konferenz toillkommen sein könne, da mit Bolschetoisten keine Verhandlungen möglich seien. Paris, 22. Juli. (WTB.) Der „TempS" veröffentlicht eine von zuständiger Seite aus Washington stammende Nachricht, der zufolge man sich dort zuerst mit dem Gedanken getragen habe, die geaentoättige Regierung Rußland zu der Washingtoner Konferenz einzuladen. Die offizielle Meinung sei jedoch die, daß. solange die in Rußland zurückgehaltenen Amerikaner nicht freigegeben würden und die Sowjettegierung sich nicht bereit erlläre, ihre Versprechungen zu erfüllen, von irgendwelchen Verhandlungen mit der russischen Regierung keine Rede sein könne. Der türkisch-griechische Krieg. Angora, 22. Zuli. (Havas.) Der offizielle türkische Kriegsbericht besagt, daß tm Brussaabschnitt die Griechen die Linie Diledjik— Bazardjik erreicht haben. Im Hschakabschnitt wurde ein griechischer Angriff abgetoiefen. Die Türken haben ihre Sicherungstruppen von Afinm Karahissar zurückgezogen, wo Kämpfe stattgefunden haben. — Die Nachrichten von der Front beweisen, daß sich die Türken unter Mitnahme deS Kriegsmaterials zurückziehen. Der rechte türlllche Flügel fährt fort, mit dem linken griechischen Flügel zu kämpfen, der gegenwärtig zum Stehen gebracht ist. K o nst a n t i n o p e l. 22. Juli. (HapnS.) Rach der Schlacht bei Kutahla wurden 3000 griechische Verwundete nach Smyrna gebracht. Die türkische Gegenoffensive scheint lich auf beiden Flügeln zu entwickeln. Karahissar und Dumja sollen bereits wieder genommen fein. Die griechische Armee soll Tn eine schwierige Lage geraten sein, da die Verpflegung SmymaS größtenteils durch diese Städte kam. Belgrad, 22. Iuli. (WTB.) Havas. Die Zeitung -Delgradski Dwinna" meldet aus Saloniki, daß am 10. 3uli Mustapha Kemal Pascha der albanischen Regierung von Tirana vorgeschlagen habe, sich mit ihr zu verbinden. Er versprach, ihr mit Waffen und Geld zu bellen ♦ Ein kommunistisches Attentat gegen einen jugoslavischen Minister. G r a z, 22. Zull. (WTB.) Der Grazer Tagespost wird aus Agram über das Attentat auf den früheren jugoslawischen Minister Drasko » witsch folgendes berichtet: Während dieser mit seinen Kindern im Park von Delnlce ging, eilte der Mörder namens A 1 y a g i s aus ihn ,u Ungefähr zwei Schritte vor ihm, zog er einen Revolver und und gab rasch hintereinander zwei Schüsse ab, wovon der eine Draskowitschs Kopf traf und der zweite in das Herz drang. DerMinisterwop sofort, tot. Ein Polizeibeamter schob auf den Täter und verletzte ihn durch einen Streifschuß am Kopf. 'Ihm wandte Alyagis sich gegen den Beamten, Lern ein Gendarm zu Hilfe fam, der den Mörder fe st nahm. Das Attentat erregte in ganz Südslawien großes Aufsehen. In vielen Städten kam es zu großen Kundgebungen. In Spvll'to entfrann sich wahrend der Kundgebungen ein hartnäckiger Kampf zwischen Len nationalen Parteien nnd den Kommunisten. Ein Abgeordneter wurde schwer verwundet. Diele Kommunisten flüchteten in die Wälder. In Belgrad herrscht große Bestürzung. Der Ministerrat trat sofort zu einer Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen, strenge Dero dnungen gegenden kommunistischen Terror zu erlassen. * Deutsch-österreichischer Lehrer- znsauimenfchlutz. Innsbruck. 22. Juli. (WTD.) Wie die Blätter melden, wurde auf der gestern abgeschlossenen Tagung die Vereinigung der deutsch-österreichischen Lehrerbundes mtt dem deutschen Lehrerverein in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem Deutschen Reiche und den österreichischen Hauptstädten vollzogen. Ein neuer Protest gegen die ein- seitige Behandlung der „Kriegsverbrecher". München 23. Zuli. (WTD.) Eine von oer Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Wahrheit, Ehre und Recht und der Reichsverernigung ehemaliger deutscher Kriegsgefangener in München einbecufene Versammlung hat gestern abend folgende Entschließung.angenommen: Die von mehreren Tausenden von Mannern und Frauen in München besuchte Protestversammlung gegen die einseitige Behandlung der „Kriegsverb rech e r" erhebt flammenden Protest gegen £ie schamlosen Derbrechen derEnfente an unseren gefangenen Landsleuten und fordert dvn der Reichsregierung die sofortige Der- bffentlichung des Materials über diese Derbrechen. Sie fordert weiter die Herausgabe der Gefangenen von Avignon. In der Dersammlung wurde von verschiedenen Rednern, die selber in Gefangenschaft sich befunden haben, erschütternde Einzelheiten über die Seißen begannt, die die deutschen Kriegsgefangenen in den verschiedenen Ländern, speziell dber in dem berüchtigten Sipotelager in Rumänien, zu erdulden Hatten. Verhaftung des U Boots- Kommandanten Patzig? D e r l i n, 22. Juli. (Wolff.) Rach Pressemeldungen soll der A-BvotSkommandanl Patzig in Dänemark angeblich von der Polizei dort verhaftet worden sein. DaS Aus- wärttge Amt wies sofort die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen an, festzustellen, ob die . Rachricht zutrifft und bejahendenfalls den Auslieferungsantrag anzukündigen, 1 der unverzüglich gestellt würde. Kopenhagen, 22. Juli. (WTB.) Zu den Gerüchten über eine Verhaftung des Ka- - chitänleutnantS Patzig tu Dänemark stellen, wie Ditzaus Bureau mitteilt, die betreffende örtliche Polizei wie die dänische Staatspolizei fest, daß die Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Tagung des Beirates für die Wiederherstellunqsfragen. Berlin, 22. Juli. (WTD.) Der beim Reichsministerium für Wiederaufbau bestehende Beirat für Aeparationsfragen trat heute unter dem Dorsitz des Reichsministers Dr. Rathenau zusammen. Der Beirat ist aus Mitgliedern des Reichsrats und des Reichstags und aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern aus der Industrie, dem Handel, dem Gewerbe, dem Handwerk und der Landwirtschaft gebildet. Der Zweck der Sitzung war eine Aussprache über die Organisation und Vergebung der Reparationslieferungen durch den Reichskvmmissar zur Ausführung der Aufbauarbeiten in den zerstörten Gebieten. Die Tagung wurde durch längere vertrauliche Ausführungen deS Reichsministers eingeleitet. Er schilderte den Gang und derzeitigen Stand der Verhandlungen über die Finanzierung der Reparationslieferungen und ihre Bewertung und erläuterte die Ziele, die durch die Vervrd- itung betreffend die Anforderung von Warenlieferungen für den Wiederaufbau verfolgt werden. Soweit die Bestellungen zu Reparations- zwecken nicht auf dem Dege der freien Verein- Die Rothersteins. Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner & Comp., Berlin W 30. 14. Fortsetzung. (Rachdruck verboten) „Run begreife ich erst, wie glücklich du warst!" sagte sie, als Do schwieg, well sie ihren Kranz beendet hatte. „Ha, ich war sehr glücklich, wenn ich mir dessen auch damals noch nicht jo recht bewußt war!" meinte Do nachdenklich, und drückte den Kranz aus feuerfaibenen Lilien in Herthas schwarzes Haar. „Aber nun weiß ich es wohl." „Wie gut es dir steht!" fuhr sie dann mit kindlicher Freude fort. „Ich wollte, du könntest leben, wie schön du damit bist! Willst du ihn nicht aufbehalten, bis wir heimgekehrt sind?" „Damit mir Anneliese und Karola eine Vorlesung halten, wie wenig sich lolch mädchenhafter Schmuck für eine Komtesse Rotherstcin schickt! Ich höre sie ordentlich: „Sv etwas kann etn Dorf- Mädchen tun, aber ... na, usw. Rein, meine Kleine, für so etwas haben sie in Grafenegg keinen Sinn. Aber ich danke dir!" Sie zog Do zu sich herab und küßte sie. „Du bist solch liebes, gutes Ding und hast ein so warmes Herzlein ... laß dich nicht ins Kloster stecken, Do!" Do prallte zurück, chre Augen öffneten sich Sr-oß. „Ich? Was fällt dir ein! . . . Wollen sie denn das?" fügte sie nach einer Pause kleinlaut hinzu. „3a. Hast du es nicht gemerkt?" »Ich merkte nur, daß sie mich nicht mochten ! barung zwischen Besteller und Lieferanten un- ’ mittelbar erfolgen, werden LeistungSver- bände in Tätigkeit treten. Ihre 2Iufgabe wird sein, die Lieferungen, deren Umfang sich übrigens erst nach Abschluß der schwebenden Verhandlungen überblicken lassen wird, unter gleichmäßiger Berücksichtigung der Länder und Landesteile sowie der Derussgruppen aufzubringen. Der Zusammenschluß der Leistungsverbände soll auf dem Wege der Selbstverwaltung die Entgegennahme, Aufteilung und Durchführung der Aufträge sichern. In der Aussprache ergab sich allgemeines Einverständnis mit den Auffassungen und Absichten des Ministeriums. Dabei wurden von verschiedenen Deiratsmitgliedern wertvolle Anregungen gegeben, denen der Minister Prüfung und Berücksichtigung in Aussicht stellte. Insbesondere trat er mit Entschiedenheit dem gleichzellig geäußerten Wunsche bei, zu verhindern, daß unberechtigte Reparativnsgcwinne gemacht würden. Der Minister schloß mit Worten des Dankes und mit der Ditte an den Beirat, dem Wiederaufbau- Ministerium autf> weiterhin beratend zur Seite zu stehen. Die Fiuauzfragen. Berlin, 22. Juli. Wie der „Lokalanzeiger" mitteilt, finden täglich tm Reichsfinanzministerium Besprechungen der beteiligten Regierungsstellen mit hervorragenden Vertretern der Finanzwelt und der Industrie über die schwebenden Finanzfragen statt. Eine Reihe von Schwierigketten sei, dem Blatte zufolge, bereits be- settigt. Man hoffe, Mitte August die Beratungen abschliehen zu können. Aus dem Reiche. Die Drotpreiserhöhmrg. Mannheim, 22. Juli. (WTD.) Der S t a d t r a t hat durch Telegramme an die zuständigen Deichsministerien Protest eingelegt gegen die beabsichtigte Drotpreiser- Höhung, well sie zu allgemeiner Preissteigerung und zu weiterer Geldentwertung führen und heftige Lohnkämpfe Hervorrufen würde. Keine Tariferhöhungen bei der Eisenbahn. D e r l i n, 22. Juli. (WTB.) Die Oeffent- lichkett wird immer wieder durch Gerüchte über bevorstehende Tariferhöhungen bei der Eisenbahn beunruhigt. Demgegenüber wird amtlich festgestellt, daß im ReichsverkehrS- ministerium eine Erhöhung der Tarife im Personen- oder Güterverkehr zur Zett nicht erwogen wird. Amerikanischer Kredit? Reuyork, 22. Juli. (HavaS.) Ein Bankenshndikat hat ein Abkommen getroffen, um Deutschland einen Kredit von 9 Millionen Dollars zur Finanzierung von Getreidelieferungen zu eröffnen. Man glaubt, daß das Arrangement eine Frist von 90 Tagen vorsieht. Arbeitseinstellungen in den Berliner Zigarettenfabriken. Berlin, 22. Juli. Die durch den ©tret! der Maschinenführer herbeigeführte ©tiHegung der Berliner Zigaretten- industrie erfuhr nach der Ablehnung des Bergleichsvorschlages durch die ©ttellenden eine weitere Ausdehnung. Eine Llnzahl größerer Fabriken entließ alle Arbeiter. Die Zahl der strettenden bzw. der ausgesperrten Arbeiter und Arbetterinnen Beträgt ungefähr 3500. Aus Hessen. tm. Darmstadt, 22. Juli. Der Entwurf einer Geschäftsordnung für den ©taatsgerichtshof ist soeben durch das Oberlandesgericht dem Präsidenten des Landgerichts zugegangen. Zur Erläuterung wttd beigefügt, daß der Entwurf von dem Plenum des Oberlandesgerichts auSgearbettet wurde, daß die Geschäftsführung sich erst durch die Praxis ergeben muß. Die Beeidigung auch der parlamentarischen Mttglieder erscheint notwendig. Bei der Abstimmung sollen die nichttichterlichen Mitglieder zuerst ihre Stimme abgeben. Die eigentliche „Geschäftsordnung" enthalt 11 Paragraphen. — Die Abg. Fenchel und Gen. haben einen Antrag eingereicht, durch welchen die Regierung ersucht wird, das Kohlenkonwr Mannheim zur schnellsten Lieferung von D r u s ch k o h l e n an die Landwirtschaft zu veranlassen. — und ich ihnen im Wege war, wenn ich tarn — besonders Anneliese. Wollen sie mich etwa deshalb in ein Kloster stecken?" „Auch darum. Annelieses Hochmut findet es unerträglich, dich als äußerlich gleichberechtigt neben sich zu dulden. Sie und ihresgleichen werden dich nie für voll nehmen, well deine Mutter eine — Schauspielerin war!" Dv war fehr blaß geworden. Alles, waS Frau Wenr ihr einst über die Rothersteins gesagt hatte, die sich für „besondere" Menschen hielten, fiel ihr wieder ein. »Und du, Hertha?" frag sie endlich iLife. „Ich?" fuhr Hertha zornig auf. „Ich bin nicht Anneliefes „ihresgleichen", das könntest du schon wissen! Würde ich dir dies sonst so offen gesagt haben? Wir haben uns heute Freundschaft geschworen und du bist mir lieb geworden. Ich will nicht, daß du blind zwischen uns lebst. Du bist süß in deiner märchenhaften naiven -Unkenntnis der Welt, aber wie die Dinge liegen, mußt du wenigstens zeitwellig erwachen daraus und dich — wehren I" Do sah sie unruhig an. »Du sagtest „auch darum". Gibt eS noch einen anderen Grand, warum sie wollen, daß ich ms Kloster gehe?" „Za. Und der fällt noch schwerer ins Gewicht als der andere, der nur für Anneliese in Betracht kommt. Wenn du ins Kloster gehst, fällt Mo t:poä mtt den dazu gehörigen Grundstücken toieoer an die Haupllinie der Roihersteins. Auch dein Großvater wünschte es so, denn, wie die anderen, sah er in dir nur einen unwillkommener. Eindringling. Wenn er dir Monrevos trotzdem hinterließ und teisw Wunsch, du «SgcH — Die Errichtung eines Schießplatzes durch die französischen BesatzungS- t r u p p e n bei Trebur, Geisenheim, Hohenau, Schuster usw. veranlaßt den Abg. Dr. D e h - linger, an die Hess. Regierung eine An- f r a g e zu richten, ob ihr die Errichtung dieses Artillerieschießplatzes, mit dem die Absperrung eines Geländes 2 Monate lang räalich lich verbunden ist, bekannt ist und was sie"zur Abwendung des Schadens zu tun gedenkt? Aus Stabt unb Land. Gießen, den 23. Zull 1921. Drohende Wassernot in Gießen. Die Wasserreserve angegriffen. Das Wasserwerk schreibt uns: Der Wasserverbrauch hat in den letzten Tagen wieder eine merkliche Steigerung erfahren. ES wurden am 20. d. Mts. 9659 Kubikmeter, und am folgenden Tage 9441 Kubikmeter abgegeben. Da die tägliche Förderung nur 9160 Kubikmeter beträgt, mußte die Wasserreserve wiederholt angegriffen werden. Aus feuertechnischen Gründen muß aber die Wasserreserve erhalten bleiben und die Bevöllerung wird daher noch einmal auf das allerdringendste ermahnt, mit dem Wasser so sparsam als möglich umzugehen und das Begießen der Gärten, Grasstücke und Höfe zu unterlassen. Die Polizeibeamten und die Bediensteten des Gas- und Wasserwerks sind angewiesen worden, jede Llebertretungun- nachsichtlich zur Anzeige zu bringen, damit (Strafantrag gestellt und die Wasserzu- leitung abgeschnttten werden kann. Falsches Gewicht im Kleinhandel. @3 wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die in den §§ 73 und 74 der Reichsgewerbeordnung enthaltenen Vorschriften nicht nur für Bäcker und Verkäufer von Backware gellen, sondern durch § 1 der Bekanntmachung über den Aushang von Pre sen in Verkaufs ä"men des Kleinhandels vom 24. Zuni 1915 (RGBl. S. 353) auch für Verkäufer ausgedehnt find, die Gegenstände des täglichen Bedarfs, bt6bcfentere Rah- rungs- unb Futtermittel aller Art fowie rohe Raturerzeugnisse, Heiz- und Leuchtstoffe im Kleinhandel absetzen. Demnach können solche Verkäufer durch die Polizeibehörde angehalten werden, die Preise und das Gewicht ihrer verschiedenen Waren durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufslokale zur Kenntnis des Pub i ums zu bringen, der kostenfrei mtt dem polizeilichen Stempel zu versehen und während der Geschäftszeit bzw. der Verkaufszeit auszuhängen ist. Wettervoraussage für Sonntag: Vorwiegend bewölkt, vorerst nur leichte Diederschläge, kühler, Westwinde. Das Hoch zieht über Spanien ab, während von Rordwesten eine ausgedehnte Depression nach- drängt. Es ist daher für die nächsten Tage mit allmählich stärker werdender Bewölkung und Di^ derschlägen zu rechnen. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag: Schühenhaus, Schützenfest. — Lichtspielhaus. „Der Leidensweg der Inge Krafft". — Lichtspiele, „Grohstadtmädels". — Hopfeld, 8 Uhr, Marineverein, Generalversammlung. — Haberkasten, 9 Uhr, Mllitäranwärterverein, Monatsversamm- lung. — Lageskalender für Sonntag: Aquarium, i/lg Uhr vorm., Mitgliederversammlung der Deutschen Demokratischen Partei. — Universität, großer Hörsaal, 11V, Uhr, Zahresver- fammlung des Akademikerbundes Oberhessen. — Liebigmuseum, 111/4 Uhr, im Hörsaal der Anatomie, Vortrag über Mikrochemie. — Stadttheater, 7 Uhr, Tanzabend Hille Bobbe. — Schützenhaus, Schützenfest. — Lichtspielhäuser, wie gestern. — Aus dem Stadttheaterbureau. Die Hamburger Tänzerin Hille-Vobbe befindet sich auf einer Gastspielreise, die sie durch Deutschland führt. Sie wird morgen in Dießen Tänze nach Musik von Strauß, Grieg, Brahms, Delibes, Schubert sowie ihren Matrofentanz bringen. den sie in Berlin 24mal vor ausverkauftem Hause tanzte. Es kommen ferner einige Tänze ohne Musik zur Vorführung, die teils auf vorhergeaangenen Rezitationen aufbauen die Erich Raventos, der erste Held der Hamburger Kammerspiele, spricht. — Liebig-Museum. Dochmals sei au, den öffentlichen Lichtbilder-Vortrag von Danttäts- in ein Kloster treten, nicht in die Form eines Zwanges kleidete, so geschah es nur, weil du nun einmal den Romen seines Sohnes trägst und er sich vor der Welt scheute, dessen einziges Kind mittellos inS Leben hinauszustoßen. So hat er es seinen Verwandten überlassen, seine „Intentionen" zur Ausführung zu bringen, und daran noch die Klausel gehängt, daß MvnreprS auch dann den Grafeneggern zufalle, „wenn du dich ihrer Fürsorge unwürdig erweisen solltest." Du begreifst: Dein Entschluß soll vor der Welt als ein freiwilliger erscheinen! Karola knüpft aber an diese Klausel die logische Folgerung: weigerst du dich, den Wünschen der Familie zu gehorchen, so erweist du dich eben dadurch ihrer Fürsorge „unwürdig"." Do sah lange stumm vor sich hin. So also dachten diese Menschen, die sich als „besondere" fühlten?! lieber die lachende Sommerpracht ringsum schien sich ihr plötzlich ein dunkler Schleier gesenkt zu haben. „Und wie soll — wie kann ich mich dagegen wehren?" fragte sie endlich traurig. „Indem du jeder Entscheidung vorläufig auS- zuwcichen und dich scheinbar zu fügen scheinst. Zett gewonnen, alles gewonnen! Ich stehe zu dir. Suche dir auch Rainer und Anneliese zu gewinnen, sie sind die am wenigsten Habgierigen. Vor allem aber Wagekvne. Hast du sie auf deiner Seite, ist alles gewonnen. Rüdiger ist bis über die Ohren In sie verliebt, und es scheint, daß he seine Frau werden will. Wahrschrirlich lockt sie' der Fürsten titel, den er einmal nach Pa Vas Tod! bekommt. Iedenfalls wird Rüdiger alle- tun, 1 was Mage/one will. Also mache dich »lieb Kind" | sti Dja Gelegenheit dazu hast du ja!"; cai Dr meb. ei Phil. F. M Kranz-Busch au- Wiesbaden über: „Die Mikrochemie und ihre De- deutung in der Raturwissenscha.i, Techntt und Medizin hingewiesen, der morgen, vormittags IN 1 Uhr, im Hörsaal der Anatomie ftatifinbet. — Sin spanischer G elehrter als Gast der Landesuniversität. Auf Einladung des Rektors der Landesuniversität hält demnächst Dr. P. Boschy Gimpera, ordentlicher Professor der alten Geschichte an der Universität Barcelona, einen Vortrag an unsere' Universität. Professor Boschy Gimpera ist eir jüngerer Gelehrter, der durch feite Forschungen auf dem Gebiet der spanischen Vorgeschichte bc tannt ist. Auf diesem Forschungsgebiet bar sich neuerdings eine sehr lebhafte Tätigkeit entfaltet, und vielfach haben spanische und deutsche Gelehrte zusammen gearbeitet Prof. Dvkch h Gimpera Ht ein Vorkämpfer für die wissenschaftliche Zusaw menarbeit spanischer und deutscher Zchrlcher- er ist während des Krieges lebhaft eingetreten für die Anerkennung des Deutschtums in Spanien. Er hat während eines längeren Aufenthalts in Deutsch' land an mehreren Universitäten Vorträge gehalten, zuletzt in Berlin. In Gießen spricht er am Mittwoch, 27. Zuli, abends um 81/, Uhr, im großen Hörsaal der Universität über „D ie spanische Ethnologie im Lichte bet neu eßen archäologischen F 0 rschun - gen". Zu dem Vortrage sind die Dozenten und Studierenden sowie die Mttglieder der Hochschul- gesellschast etngelaben; außerdem haben, wie immer bei den von der Hochschulgesellfchast ver. anftaüeten Vorträgen, Gäste freien Zutritt — Der Akademiker-Bund Oberhessen veranstaltet Sonntag, 24. Zull 1921, vormittags ll1/« Uhr, im großen Höriaal des Vorlesungsgebäudes eine Mitgllederversammlung — Ehemalige 168er. Um allen auswärtigen Kameraden die Teilnahme an der Re- gimentäfeier am 21. August 1921 in Butzbach (Oberhessen) zu ermöglichen, kann auf BestcÄung bei Kamerad Alexander Stang in Gießen, Quartier in Butzbach bereitgeftellt werden. Bereits am Samstag den 20. August findet im Restaurant zum Gambrinus in Butzbach ein gemütliches Zusammensein der schon augetommenen Gäste statt Wir weisen hierauf ganz besonders hin, da in» folge der ungünstigen Zugverbindung ein rech»- zeitiges Eintreffen am Sonntag von manchen in Frage gestellt ist. Anmeldung weiterhin gleichfalls an Alexander Stang, ebenso ob Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen am 21 August erwünscht ist ** Amtliche Pers onalnachrZch- t e n. Ernannt wurden am 18. Juli 1921 der Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Fritz Reuroth zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen; der Staatsanwalt bei dem Amtsgericht Offenbach Ludwig Fischer zum Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, mtt Wirkung vom 18. Juli 1921. — Uebertragen wurde am 16. Juli dem Schulamtsanwärter Hermann Hofmann aus Alzey die Lehrerstelle an bet Volksschule zu Reibertenrod, Kreis Alsfeld. ,e W ochen markt. Bei genügender Anfuhr ist infolge der Trockenheit für einzelne Gegenstände ein Steigen tm Preise zu beobachten. Im Vergleich mit den umliegenden Städten muß fest- gestellt werden, daß hier fast durchweg höhere Preise gefordert werden, und zwar gehen die Erzeuger mit ihren Forderungen größtenteils noch über die der Händler. Es kosteten Buschbohnen 2.00—2 50 Rlk., Stangenbohnen 2 50—3.00 DU., gelbe Bohnen 2.50—3 00 Ml.. Gelberüden, Pfund 1.20—1.50 Mk., im Pack 0.70-1 00 Mk., Erbsen 2.00—2.50 Mk., Wirsing 1.40—1.80 Mk., Weiß- kraut 1.40—1.80 Mk.. Bl-menkohl 2.50-7.00 Mk., Salat-Gurken 3.00—6.50 M?, Riabarber 0.80 biS 1.00 Ml., Zwiebeln 1,33—1.53 Mk.. Mischgemüse 0.50-0.80 Mk., Salat 0.20—0.80 Mk.. Kartoffeln 90-100 Mk Kohlrabi 0.70-1.00 Mk., Aepfel 2.50-3.00 M!., Birnen 250—3.50 Mk., Butler 23.00-24.00 Mk., Eier 1.60-1.65 Mk. ♦♦ Die Warenausgabetabell« des Städt. Lebensmittelamts ist aus dem Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zu ersehen. **DasStädt. Brenn st ofsamt ver» öffentlicht im Anzeigenteil unseres Blattes eine Bekanntmachung über: Ausgabe von Gas- koks für den Hausbrand und größere gewerbliche Betriebe, Verkauf von Brennholz, Aus- gabe von Braunkohlen und den Verfall von aufgerufenen Kohlenmarken. Oberhes sischer Kun st verein. Sie in der Hauptsache graphische Arbeiten bietende Ausstellung des Verbands bildender Künstler Hessens verbleibt voraussiHtlich nur noch bti zum Mittwoch täglich von 11 bis 1 llhr geöffnet So- Do atmete rasch und heftig. Es hatte ihr seltsamerweise einen Stich in die Brust gegeben. alS Hertha von Rüdigers Liebe zu Magelone sprach. Dun bäumte sich alleS in ihr auf gegen den Gedanken, darum — gerade darum um Mage- lones Gunst buhlen zu sollen. „Rein!" rief sie plötzlich in ungewohnrer Heftigkeit, „daS werde ich nicht tum Riel daS kann ich nicht . . . auch nicht heucheln und mich scheinbar fügen! Ich habe Rüdiger gebeten, mich nach MonrepoS zuruckkehren zu lasten, und werde ihn noch einmal bitten —" „Aber verrate mich um Gottes willen nicht dabei! Es wurde eher schaden als nützen!" „Habe keine Sorge. Ich werde meine Sache ganz allein auSfechten. Oder ist ... glaubst du . . ." — Dos Blick suchte bang den der Freundin —, „daß auch in ihm Hochmut und Habsucht alle besseren Gefühle überwiegen?" Hertha sah zweifelnd vor sich hin. „Ich weiß es nicht," sagte sie endlich zögernd. „Rüdiger ist uns allen ein wenig fremd geworden während der Iahre. die er auf der Hochschule und dann in der Fremde verbrachte. Früher war er ein — echter Rotherstcin. Ich meine, was z. B. Anneliele darunter versteht. Aber er scheint sich geändert zu haben. Rach welcher Richtung hin weiß ich noch nicht genau. Zedenfalls ist er momentan ganz erfüllt von dem Gedanken, das Erträgnis von Grafenegg zu heben und dadurch unsere Finanzen zu bessern, die durchaus nicht fo glänzend find, wie sie dir vielleicht nach dem äußeren Pomp ec- scheinen. Ich fürchte, er wird wenig Sinn und Zeit für deine Angelegenheit jetzt haben." (Fortfehung folgt) * 1 !,« !» ® flt i’Ä «».6t8M.il »7S Malgetoiten Ebn" totiW1 8« fr FS * Sintrw tW- -Sl(be Kn * ®ü6lng< ^liW'-nib toben diestü tieltiOite * M -d e 3 kr km allein HKre z> M ilfert unb M » Sei« W® «fiumS. bei 81ti (ttrtu bleiern De ßahr wieder in um 9 tmmmqei -btngrn Wirb sie dufne^men unb il zu bereiten juche mafiner 3übina< $r Decker, M Kv - 2u8 be virb uni aesch m besonders hohe Me letzten groben Milden Detter, bracht, unsere ®e zutteckna-vheit । Ne die Landwirte hiebd abzuschoss ®Wen Anbü fehlt der Joden durchweg noch gu ötoltferregen Sa Miet Dir galtet eine Aatastwphe 1 bi der Presse in Hchn ist Meldun log« bk betreibe neu, bo Mt Frucht vertrag deshalb s< Mten ali verstühi w dazu btiträger unkn Jevötkruna Hub noch ga hingegen wer pjttu, die über W w Arbeit ist 1 Rentner bi 8®? lind keine 6tl| toenigtt füt b« 1i in unsere. °iesrn Tagen bt noch b( als voe . inalna^r,td)< 8. 3ull M bet Wicht bei Hw» :ott) M Amts« tcht Viehen! bet Sgencht 9ffenback itsankoaü bei dem eihchen, mit Dir« Mertingen wurde intoärter ^ermann Lehrerftelle an der d. Kreis Alsfeld. genügenba Anfuhr r einzelne Gegen- 11 bcobadjten 3m Stabten nuib fest- »urchtveg höhere ib zwar gehen die n grübtenteiü noch Wen 2Mdohnen en 25b-iO0 TIt Selderübrn. Pfund -100 M, 8tb|ai -1.80 M, «' obl'r^^-00 D- Xtabart-er 0.80 b S M Mchgemule 80 ®J“Ä j 00 Al!., Aepi.l 450 M, Mutter -1.65 W sgabetabeU« s* ",IS*W WkoroW- -LreMhol-, , ben öon .Ä^r ihr Unifi gegeben. liebe S« , gtgtn 8As W- «iwE-l ty£bi iä^s »"ififl' 2 I M ®rflfenSu ja von iii Nr 9iä5»f Z Mei?"' tfS* kill, ««en & vnb ** Äx &• «i, ?r >• 1 U,?fer" L^wZT । i i US WiliÄ'1- ?, 8 /> Uhr, im /ft der Äjajtt "4ä; etr. !lQi Zutritt \unb Ober. jiM 1921, Dor. OMool An. toetiommlung Um allen aui» uhmr an bet Ob. 1921 in lutzL M auf Mrlluna l ln Tiehen kUim-. «den. ^teaff E im Irftautani ■in gMllichei menen Taste statt mders hin, da in. bmdung ein rech'- 9 von manchen in weiterhin gleich. nfo ob Teilnahme ’n 21 August er- Mundwasser - Zahnpas ba initt tft morgen der letzte RuSstellungS-Sonntag. iDte ÄD(leftion Geilfus und andere auSgeftetlten 2Uder gelangen schon Montag zur TBetterfenbung. Einkommen st euermarken zu 25 *1Ba rt Aichtvelorndete echte Steuermarken zu 25 Mark können noch bi- Ende Juli 192 1 aeeen Steuerwarten anderer Werte bei den Postanstal'ea umgelauscht werden. Rach diesem Zeitpunkt findet ein Umtausch weder durch die Postbehörden noch durch die Iinanzbehörden flott •• Städtische Steuermahnung. Unter den heutigen amtlichen Bekanntmachungen t>er Stadt Tiehen befind t sich auch die Mahnung «der ©tabifcHc aen Gemeindesteuern M 4. vieles 1920. sowie das 1. und 2. Ziel Kanalgebühren für 1921 zu entrichten Die Zahlung tann an den üblichen Äaffeftunöen noch bis zum 6. Huguff ohne Kosten erfolgen. *2Im 8. 2Iug. Tefltnnt die Beitreibung, wobei die vorgeschriebenen Kosten erhoben werden. Landkreis Gießen. — Klein -Li n den, 23. Just. 3m Saale "bet „Deutschen Siche" werden Sonntaa. den 24 Juli, nachmittags 3 Ubr durch die Gelang- vereine Eintracht-Rlten-B'steck, Pvlyhnmma- Beuern. FWrad't Diesen (Männer- und Freuen- Ehorj. Germania-Gröl'en-B" feck, ©irg-»- Irans» Grünberg, 2rio"-Klein-Lrnden, Konkordia-Rödgen Ginzel- und MaslenchÖre zur Darbietung gebracht — Siehe Anzeige. Kreis Büdingen. • Bübingen. 21. 3ull Ohne seltene Anhänglichkeit an ihre ehemalige Bildungsstätte bekunden die früheren Büdinger Gdmna- Hasten. In dem alten, ehrwürdigen Städtchen treffen sich ,die Klassiker" (Son auf dem i). wie der Büdinger seine Ddmnasiasten zu nennen pflegt, alle zehn (Zähre zur Sommerzeit. So hatten'« einst die alten und hinnen Pennäler auSgemacht, al- Ne die Feier de- 300jährigen Bestehens ihre- Gdm- nastumS, deS ältesten von Helsen, begingen. Und getreu diesem Beschlüsse werden sie sich auch dieses Iahr wieder In Büdingen ein Stelldich-in geben, um 9 bnerungen auS-utauschen Da« gastliche Bidingen wird sie am 13. und 14. August freudig aufnehmen und ihnen einige Stunden der Erholung zu bereiten suchen. Angaben von A' schristen ehemaliger Büdinger Gymnasiasten bittet man an 'Dr. Becker, Büdingen, zu richten. KreiS Friedberg. * Aus der nördliche nBZerterau. Gs wird uns geschrieben: Die Dürre macht sich hier m besonders hohem Mähe bemerkbar, zumal auch die letzten groben Gewitter am 5. Juni, die der ^üblichen Wetterau durchweichenden Regen gebracht. unsere Gegend nur berührt hatten. Die Futterknappheit hat bereit- Formen angenommen, die die Landwirte nötigten, einen Teil ihres Milchviehes abzulchaffen. Die Miesen gewähren einen kläglichen Anblick: selbst in den Wettergründen 4ehlt der Dodenansah. Die Kartoffeläcker stehen durchweg noch aut. Wenn die sehnsüchtig erhofften Gewitterregen bald kommen, kann vieles noch geraten. Mir halten es vorerst daher für verfehlt, eine Katastrophe an die Wand zu malen, wie es in der Presse in der letzten Zeit wiederholt geschehen tft Meldungen auS anderen Gegenden, die sogar die Getreideernte al- unzureichend bezeichnen, da die Frucht notreif geworden und der Kör- nerertrag deshalb sehr gering sei, müssen zum min- densten als verfrüht betrachtet werden! sie können nur dazu beitragen, Unruhe und Besorgnis in unsere Bevölkerung zu tragen. Die Hauptfruchtarten sind noch gar nicht geschnitten. Gerste und Korn hingegen werden bereits zur Dreschmaschine gefahren, bte überall seit einigen Tagen fleißig bei der Arbeit ist. Die Erträgnisse werden von Sachverständigen zum Teil al« gut bezeichnet. Acht bis zehn Zentner dieser Fruchtarten auf dem Morgen sind keine Seltenheit: eS gibt hier also doch andere DurchschnittSerträgnisse, wie sie der Ras» säuische Landesverband meldet, der fünf Zentner und weniger für den Morgen angibt. Die Haupt- «rnte ist in unserer Gegend die Weizenernte. die in diesen Tagen beginnen wird. Der Weiten wird durchweg noch bedeutend höhere DurchschnittS- Lrträge als Gerste und Korn liefern. Starkenburg und Rheiuhepen. NN. Darmstadt, 22. Juli. Die Stadtverordneten genehmigten gestern für die Erhöhung der Bezüge der Altpensionäre und Witwen der städtischen Beamten die Gesamtsumme von 290 000 Mk. für da- Jahr 1920 und 325000 Mark für daS Jahr 1921. Für die Unterstützung von Kunstausstellungen wurde den Hess. Kunst- Vereinigungen aller Richtungen unter Führung des Ständigen Rates für Kunst in Hessen durch die Stadtverwaltung die Bereitwilligkeit ausgesprochen, alljährlich bis zu 50 000 Mk. für die Ausstellungen auf der Mathildenhöhe zur Der- fügung zu stellen Für die DolkShochschule werden nach eingehender Aussprache gegen die Stimmen der wirtschaftlichen Bereinigung 3)000 ML gutgeheisten. Für Herstellung von 5 Wohnungen in der Schwabschen Möbelfabrik werden 85 000 Mark bewilligt. — 3n der Stadtverordneten» sitzung wird ferner mitgeteilt, datz die Gemüsezüchter in GrieSheim die Absicht haben dort einen Grostmarkt zu errichten, so datz die Gefahr besteht, datz die umliegenden Großstädte dadurch stark benachteiligt werden. O Dom hessischen Taunus, 22. Juli. Unser Gebiet war vom Glück begünstigt, indem eS am Sonntag und Montag mehrfach Riederschläge bekommen hat. Wenn die Trockenheit des Erdreichs mit diesen ersten Riederschlägen auch noch nicht behoben ist, so bedeuteten sie aber eine Erfrischung der ganzen Ratur und man sieht den Feldern die wohltuende Wirkung schon an. Der Regen ermöglichte auch die Aussaat von Grbsen und Rüben: überall sah man am Montag und Dienstag Landwirte mit der Bestellung von S'.op- peläckern beschäftigt. — Die Ufa ist fast ausgetrocknet, und auch die Trinkwasserversorgung hat notgelitten. Das an einem Quellhorizont gelegene, von Touristen viel besuchte ForsthauS Winterstein konnte sich z. D. auS seinem Brunnen nicht mehr versorgen und mutzte aus einer entfernten Wald» guelle seinen Wasserbedarf decken. Hessen-Nassau. Der Löffelschlucker. me. Frankfurt a. M., 22. Juli. Heute sollte vor der Strafkammer der in Preungesheim in Strafhaft sitzende Arbeiter Geerfelder erscheinen, einer der bekanntesten Löffelschlucker. Um sich der Verhandlung zu entziehen. hat er gestern in ausgiebigem Mähe Eisenteile seines Bettes, Löffel» stücke usw. zu sich genommen und seinen Zweck erreicht. Die Verhandlung muhte wegen Unfähigkeit GeerfelderS vertagt werden. DaS Defizit des Hanauer Stadttheaters. X Hanau, 21. Zull. 3n nichtöffentlicher Sitzung beschäftigten sich die Stadtverordneten mit der Deckung des der Theaterleitung während der abgelaufrnen Winterspielzeit entstandenen Fehlbetrag- von 80 000 Mk. Die städtische Theaterkommission hatte vorgeschlagen, dem Theaterdirektor Zvh. Poetsch für die abgelaufene Spielzeit eine einmalige Subvention zu gewähren in Höhe der durch "Öen Theaterbetried auf gekommenen Lustbarkeitssteuer. Diese Summe beläuft sich auf rund 70 000 Mk. Bon dem noch verbleibenden Fehlbeträge von rund 10 000 Mt. soll Die Hälfte (5000 Mk.) auf die Stadtkaste übernommen werden, so dah die gesamte Subvention der Stadt sich auf 75 Q00 Mk. beläuft. Dieser Antrag fand Genehmigung. Als zukünftige Matznahme der wirtschaft ichen B st:rstell.'ng des Theaterbetriebes ist eine Aenderung der Lustdar- keitSsteuer ins Auge gefaht worden. Landwirtschaft. Winke für Geflügelhalter. Der Krieg und seine Folgen haben viele Leute in Stadt und Land veranlasst, ihre freie Zeit der Kleintierhaltung zu widmen, um die vorhandenen HauShaltsabfälle in dieser Weise in schmackhaftes Fleisch und Eter umzuwandeln. Day besonders die städtischen Geflügelhalter — alS .Züchter" kann man sie wohl kaum bezeichnen — über die einfachsten Dinge noch im Unklaren sind, kann man Immer wieder feststellen. Cinc Frage, über die sich eigentlich feder llar sein mühte, ist gleich die, ob Hennen auch öier legen, wenn sie ohne Hahn gehalten werden. Man denkt hierbei wohl an die Säugetiere, die lebendige Zunge, also fertige Lebewesen, zur Welt bringen, und bezwcj clt bann die Möglichkeit einer Hühnerhaltung ohne Hahn, den man wegen des Krähens und der Rervosität der Anwohner nicht gut halten kann. Und doch können wir genau so gut Eier erwarten von Hennen, die ohne Hahn gehalten werden. Wir müllen nur bedenken, datz Eier noch feine fertigen Lebewesen sind, sondern datz sie nur den Keim eines solchen in sich tragen. Wir könnten sie allo mit Blüten Dergleichen, die auch erscheinen. ohne datz vorher eine Befruchtung statt» fand. Lebende Küken dürfen wir ohne Hahn allerdings nicht von ihnen erwarten. Das sollte der städtische Geflügelhalter aber auch gar nicht! Für ihn kommt es nur darauf an, die Wirtschaftsabfälle in Eier zu verwandeln. Er mag seinen Bestand durch Anlauf vom ländlichen Geflügelzüchter ergänzen und die alten Hennen nach dem zweiten Legejahr abschlachten. Als Zeitpunkt für die Abschlachtung möchten wir den Huli empfehlen, da dann die Legeperiode meist adgeschlof en ist, und die nun emsetzende Mauser nur Kräfte und damit Futterstoffe verbraucht, ohne Gegenleistung hervorzubringen. 3m Oktober ist bann der Bestand durch Ankauf junger Legehennen zu ergänzen. Hier möchten wir den weniger erfahrenen Geflügelhaltern nun in ihrem eigenen 3nteresse dringend empfehlen, nur Tiere mit geschlossenem Futzring mit Jahreszahl zu erwerben, denn nur hierdurch haben sie die Gewähr, auch wirllich junge Tiere zu bekommen. Beim Ankauf achte man daraus, nur Hühner von Züchtern zu kaufen, die keine Bvlierenzucht treiben, sondern ihren Tieren möglichst natürliche Lebensbedingungen bieten. Sie werden vier widerstandsfähiger sein und bester legen. Der sog. zweijährige ilmtrieb empfiehlt sich deshalb, weil die Hühner in den ersten beiden Lebensjahren die meisten Eier legen. 3m dritten Lebensjahr ist die Eierzahl oft schon so gering, datz sich Futter und Arbeit nicht mehr bezahlt machen. Bor allem möchten wir davon abraten, Geflügel und Überhaupt Tiere unter allzu ungünstigen Verhältnisse zu halten. Sonnenlose, gepflasterte Höfe, dunkle, dumpfige Keller sind hierfür nicht geeignet. Wer Tiere unter solchen Verhältnissen zum Leben zwingt, macht sich einer argen Tierquälerei schuldig und schädigt sich icFbft, denn die Tiere machen sich dann nicht bezahlt. Man kann wohl sagen, datz Hühner nur dort gedeihen, wo Pflanzen und Blumen vorwärts kommen und hierfür haben ja unsere Hausfrauen meist gutes BerständniS Erwerbslose in den deutschen Städten. ES ist eine alte Erfahrungssache, aber auch erklärlich, datz die Abnahme der Kaufkraft und damit in Zusammenhang stehend und ihr folgend, die Zu tahme der Arbeitslosigkeit sich in den Städten am ehesten und stärksten zeigt, und die st ä d t i s ch e Arbeitslosenstatistik bietet darum gewissermatzen auch das feinste Barometer zur Beurteilung der Wirtschaftslage. Wollen wir darum, wozu angesichts des jüngsten gewaltigen wirtschaftlichen Absturzes besonderer Anlatz vorliegt, die weitere Gestaltung unserer WirtschastSverhältnisse verfolgen, so ist eben besonders die städtische Arbeitslosenstatistik hierzu geeignet, weshalb wir nachstehend ihre Ergebnisse heranziehen. Wir tun dies, indem wir die auf daS Tausend der Einwohner in den einzelnen Monaten der letzten drei Vierteljahre entfallende Zahl der vollen (unterstützten) Erwerbslosen für eine Reihe deutscher Städte aufführen. Die Zahlen sind folgende: 1,3 12,0 12,0 Franks. (M)S,0 Fürth 61,9 20,6 21,1 22,7 22,3 23,0 21,9 8,8 20,0 25,5 27,5 28,6 24,0 23,6 22,5 22,1 17,6 7,3 8,9 10,5 14,3 40,8 34,2 26,0 21,4 110,8 83,2 84,5 82,4 75,5 65,4 1,6 10,2 12,9 13,2 11,6 von Städten liegt eine ge in einer 0,5 6,0 10,3 13,0 12,9 11,3 12,6 13,9 1,9 6,9 1,6 20,4 9,8 10,4 3,0 11.7 12,7 11,0 3.3 10,3 6,3 2,9 6,4 12,6 Aachen Altona Barmen Nürnberg Offenbach Pforzheim Pirmasens Plauen Remscheid Solingen Sonneberg Stettin 1,2 22,7 11,9 12,4 3,1 18,3 0,2 3.2 9,3 17,8 0,4 3,2 8.4 5,8 0,5 9,2 4,6 5,7 0,6 10,3 4,6 2,0 6,0 31,9 10,0 11,8 13,4 6,6 7,9 14,9 3,3 1,9 7,2 11,4 5.4 9.0 15,7 0,2 0.3 9,0 10,2 1,3 37,3 35,6 29,5 26,1 1,8 1,2 0,9 1,2 9,9 10,5 8,3 7,4 15,3 15,4 3,7 3,7 11,0 11,0 1,3 1 7 1,7 12,9 8.5 2,3 15,5 1,9 13,7 2,0 0,0 18,1 2.9 7,5 7,2 15,1 3.4 2,0 6,8 11,5 4,0 0,3 8,6 12,0 1.2 15,0 110,0 6,6 14,7 43 6,2 14,1 3,8 17,2 6,9 3,8 14,3 3,3 15,6 1,7 0,1 17,7 2,8 9,9 5,7 0,4 5,6 4.6 52,2 1,3 19,5 17,5 1,0 2,5 7,7 11,5 3,0 8,3 11,1 Braunfchw. Bremen Breslau Caffel Chemnitz Creseld Dortmund Dresden Düffeldorf Elberfeld (Erfurt Essen Forst (C.) 0,1 19,0 3,3 10,2 19,5 8.0 2.6 16,5 2.6 14,5 1,7 0,1 18,8 2,7 10,3 6.0 0,6 5,7 4.7 19,1 11,0 3,0 17,4 18,4 6,7 9,1 17,6 3,4 18,3 20,2 6,3 11,5 4,5 16,2 16,2 wisse Unklarheit der ErwerbSlvsenbewegung vor, während eine geringe Minorität der Städte Mehrung der Arbeittlosenziffern auf- weist. 8,5 10,0 10,4 2,5 2,7 2,8 17.6 20,0 21,4 Stuttgart . 12,9 Wiesbaden 11,1 17,1 19,2 22.8 21,9 23.4 7,0 7,6 8,1 8.7 8,4 24,0 26,2 27.7 29,9 31,6 2,0 223 8,3 32,4 1,2 11,0 4,3 2,8 14,0 1,6 12,1 1,8 0,2 19,1 2,6 11,4 6,4 0,7 4,1 6,2 26,7 5,2 Grotz,Berlin22.8 Bielefeld 2.8 Brandenbg. 22,8 M.Gladbach 0,2 Münster 23,0 18,6 8,1 7,2 9,4 7,2 1,4 15,8 8,9 2,4 16,5 2,4 14,8 13 0,1 19,1 fialle Hamburg Hannover Karlsruhe Kiel Köln 2,1 10,6 7,4 2.3 13,7 1,6 13.0 2,0 0,1 18,8 3,1 11,6 5,7 0,7 8,3 4,9 5.6 10,6 5.1 13,6 13." 3,5 13 9,3 5,1 5,3 54.0 5,4 Durch besonders niedrige Erwerbslosen Ziffern zeichnen sich die Städte de- Ruhr- kohlenrevierS. die linksrheinischen Textil- städte, — und durch sehr hohe Ziffern Drotz- Berlin, die Sitze der Spielwaren-. Schuh- und Spitzenindustrie (Fürth. Sonneberg, Plauen unb Pirmasens) aus. 3m ganzen genommen, liegt nach dem Bilde in vielen Städten die Sache so, datz im November 1920 die Arbeitslosigkeit sehr hoch war, gegen den Winter dann abfällt, in den späteren Monaten aber wieder a n ft e t g t. Die jüngste Entwicklung jedoch zeigt für Die stärkere Mehrzahl der Städte ein klares Abwärtssinken der Arbeitslosenziffern, 1,5 19.2 7,0 33,1 l.A 7.7 2 2 3ft 11.7 1,4 10,7 1.4 0,2 16.5 2,8 9,6 6,5 0,6 3,1 5,5 25,0 3,5 19,9 5,2 7.4 13,0 3,0 16,4 Königsberg 16,0 Leipzig 26,0 Lübeck 6,2 Magdeburg 8,4 Mannheim 2,9 Meißen 26,0 München 15,4 8090 9 Monate alt-, febr wachs. 4>opiunb, 1,4 Enten und neues 1(15 m langes und 30 mm dickes Rollieil au ueiL BiSrnarckstr.22ll. billig. Nicht mitkochen, kurz vor dem Anrichten beifügen. Erhältlich i.Kolonialwaren-, Drogengeschäft. u.Apotheken- Gebrauchtequt erhaltene, schwere Näbmaschine billig zu vertauien n KleU-LbUeu, Sieinstr.29. 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Deutsche Dereinsbank: Karn, 50 Mk., Herz, Bankdirektor, 200 Mk. Insgesamt: 250 Mk. Discontogesellschaft: HeyligenstSdt, Frau Kommerzienrat, 200 M., Wendel, Direktor, 50 9Rk., Ungenannt 25 Mk. Insgesamt: 275 Mk. Gewerbebank: Mattern, W., 20 Mk., Oberhessische Volkszeitung,300 MK.,Brühl'sche Druckerei, 500 Mk., Gewerbebank, 100 Mk. Insgesamt: 920 Mk. Hess. Bankverein: Elsoffer, Rechtsanwatt, 10 Mk, Freytag, 10 Mk., gallischem, Hans, 50Z Mk., N. N. 1 Mk., Benjamin, 2 Mk., Schott, 5 Mk., Rothschild, Julius, 20 Mk, Bauer, Markus, 10 Mk., N. 91., 5 Mk., 91. 91., 5 Mk., 91. 91., 10 Mk, Weitzenberger, 10 Mk, Brunner, Frau E., 10 Mk., Ott, W., 20 Mk., Scholz, Fr., 2 Mk., (E. R., 10 Mk., Grünewald, Hofrat, 50 Mk., Baer, Ferd., 10 Mk., Gewerkschaft Fernie, Bietzen, 1000 Mk. Insgesamt: 1240 Mk. rimliW Der Familien AuSstug nach Schotten und vobe- rodSkoof findet nunmehr am «.und?.August ö.ft. statt- Zn Schotten: Krei- ouarliere. 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An alle De- rufsstände ergeht die herzliche Ditte, der Studentenschaft Arbeitsmöglichkeit für die Ferien von Anfang August bis Ende Oktober zu schaffen. Auch während der Studienzeit sei dem Studenten die Möglichkeit gegeben, durch ©tunbengeben u. bgl. etwas zu verbienen. Möge jeber Durger Gießens, der Stabt, bie so viel "bem Blühen ber Universität verdankt, seinen Stolz darin setzen, der Studentenschaft zu helfen, möge er bad 01 u - bentenheim, bie Studentensperse- anstatt unterstützen, möge er ©tubcnten billig beherbergen unb möge er bem bemnächsl ins Leben tretenben Derein .Stubentenhilfe" beitreten I Möge berjenige von unseren Mitbürgern, ber bisher wenige Beziehungen zur Universität hatte, bedenken, daß der Student, dem er jetzt in seiner Rotlage hilft, vielleicht einmal als Geistlicher ihm in schwerer Stande Trost spend n wird oder als Rechtsbeistand ihm all dies vergilt oder als Arzt ihm das Leben retten oder als Erfinder Arbeit schafft für seiner Hände Fleiß! Dr. E. Landwirtschaft. Pferdeankäufe während der Demobilmachung. fd. Frankfurt a. M., 22. Juli. Diele Landwirte des Frankfurter Wirtschastsbezirks haben im Rovember 1918 bei ber Auflösung bet Truppenteile von benselben Pferde gekauft. 3n letzter Zeit verlangt nun bie Erfassungsabteilung in Frankfurt a. M. von ben Lanbwirten eine Rachzahlung nach vorheriger Abschätzung ber Tiere, trohbern biefc ordnungsmäßig gegen Barzahlung von ben Kommandeuren und Beauftragten ber Truppenteile erftanben finb. Wie bie ßanbtoirt- schaftskämmet Darmstadt mitteilt, ist nun kürzlich beim Lanbgericht Darmstabt in einer zur Derhanb- lung gekommenen berartigen Streitsache bie Ent- scheidung getroffen worben, baß bie geschilbetten Käufe rechtsgültig feien unb bähet bas Dotgehen ber Srfassungsabteilung als unberechtigt bezeichnet werben müsse. Rachbem der Fiskus gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt hatte, ist das Oberlandesgericht Darmstadt nunmehr der Auffassung des Landgerichtes beigetreten. Für die vielen Landwirte, gegen bie die Erfassungsabteilung ber Heeresverwaltung in biefer Angelegenheit vorgegangen ist, will» biefe Entscheidung von größter Wichtigkeit fein. rr. Schlitz, 22. Juli. Der vergangene Montag brachte nachmittags zwischen 3 und 6 Uhr dem Schlitzerland den so notwendigen ausgiebigen Regen. Die nietergegangene Regenmenge war so stark, bah es am folgenden Morgen hier wegen ber großen Rässe unmöglich war, Gartenland umzugraben. Auch am Mittwoch stellte sich wieder um bie Mittagsstunde ein Gewitter mit ergiebigen Riederschlägen ein. Turnen, Spiel und Sport. — Leichtathletik. Auf die morgen vormittag 9 Uhr auf Dem D. f. B.-Sporiplahe Trieb stattfindenden DereinSwettkämpfe sei an dieser Stelle noch einmal hingewiesen. Die Hebungen bestehen aus 100-Meter-, 402-Meter-, 1020» Meter-Lauf, Hochsprung, Stabhoch, Freiw it. Steinst oben unb 2 Stafetten-Laufen. Darch bie Teilnahme ber beiden Wetzlarer Dereine sowie der umliegenden Landvereine dürften spannende Kämpfe bevorstehen. Stöbt. Drennstoffamt. 1. Au sgabe von Gaskoks für den Hausbrand und größere gewerbliche 'Betriebe. Gegen Abgabe ber Marke 4 ber Haushaltungskohlenkarte (blaue Karte) können bis zu 5 Zentner Gaskoks bezogen werben. Die größeren gewerblichen Betriebe, benen GaskokS zugeteilt ist, werben aufgeforbert, bie ihnen zu- geteilte Menge bis spätestens 1. August 1921 zu beziehen. Gaskoks kann burch bas städtische Gaswerk und durch die Kohlenhandlungen bezogen werden. 2. Berkaus von Brennholz. Die Abgabe erfolgt in beliebigen Mengen von 1/2 Zentner an vom Lager in der Gabelsberger- strahe täglich von 8—11 Uhr vormittags unb 1—4 Uhr nachmittags. Bezugsscheine werden täglich von 71/2—12 Uhr vormittags und Vs3—5V» Uhr nachmittags im Drennstoffamt. Garten- strahe 2, Hebengebäube (früheres Ortsgericht) auSgegeben. Preise: Hartholz, geschnitten, Zentner 14 Mk., Weichholz, geschnitten, Zentner 12 Mk. Für tlein- aehacktes Holz wird ein Zuschlag von 1 Mk. für den Zentner berechnet. Bei Abnahme größerer Mengen, mindestens 50 Zentner, wird ein Preisnachlaß von 1 Mk. für den Zentner gewährt. 3. Ausgabe von Braunkohlen. Gegen Abgabe der Marke 5 ber Haushaltungskarte (blaue Karte) tönnen bis zu 3 Zentner Braunkohlen oder Braunkohlenbriketts von ben Kohlen- hanblungen bezogen werben. 4. Derfallvon auf gerufenen Koh- lenmarfen. Als Verfalltag für die Marken 1 unb 4 ist ber 1. September 1921 festgesetzt. Beide Marken werden nach diesem Zeitpunkt nicht mehr beliefert 5. Kohlen- und Koks preise. Infolge Erhöhung ber Zechenprcise für Kohlen unb Koks sind bie Höchstpreise burch Beschluß der Städtischen Drennstoffdeputation vom 16. Juli 1921 wie folgt festgesetzt: Fettstückkohlen M 22,25 f. d. Ztr. Fettnuhkohlen „ 22,65... Fettkohlen, melierte „ 19,60 „ , , Eßnuh (Halbmagerkohlen) . , 24,50, » , Anthrazit , 27,30, , , Eiform- u. Steinkohlenbriketts „ 25.20 , , , Braunkohlenbriketts „ 12,82 „ , , Zechenkoks, grob . 26,70, , , Zechenkoks, nutz „ 30.— ... Grudekoks , 22,60 „ „ , Vorstehende Preise verstehen sich in vollen Fuhren ab Eisenbahnwagen bis vor das Haus des Käufers oder frei Lagerplatz des Kohlenhändlers für den Zentner einschließlich Warenurnsatz- fteuer. Zuschläge dürfen erhoben werden für den Zentner: 1. Für das Einwerfen des Brennstoffs von der Straße in den Keller 30 Pf. 2. Für das Einträgen des Brennstoffs von der Straße in den Keller 50 3. Dei Lieferungen in Süden oder Körben bis zu Höchstmengen von 15 Ztr. ab Eisenbahnwagen in den Keller 90 4. Bei Abholung von dem Cager^la^ des Kohlenhändlers bis zu Hochst- mengen von 15 Zentner 35 5. Dei Lieferung des Kohlenhändlers ab Lagerplatz, für Kohlen 100 bis rr r das Haus, für Koks 125 6. Dei Lieferung in Säcken oder Körben bis zu Höchstmengen von 15 Zentner ab Lagerplatz des Kohlenhändlers bis in den Keller, für Kohlen 125 „ für Koks 150 „ Gießen, den 21. Juki 1921. 8092 B Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt und Drennstoffamt) Bekanntmachung. Infolge ungenügender Milchzufuhr können heute nur die Bezugsberechtigten der Gruppe I, Säuglinge und Kinder bis zu 3 Jahren, mit Vollmilch beliefert werden. 8139B Gießen, den 23. Juli 1921. Der Oberbü'-glwmerster. (Lebensmittelamt.) Bekanntmachnng. In unser Genossenschaftsregister wurde heute bezüglich der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatz, oenossenschast, eingetragenen Genossenschaft mit be- schrankter Haftpflicht zu Treis a b. Lda. eingetragen: An Stelle der ausgeschiedenen Heinrich Zoh. Wilh. Will und Heinrich Kehr IV sind in den Vorstand gewähll Otto Zecher als Direktor, Wilhelm Decker IV. als Rechner, beide in Treis a. d. Lumda. Gießen, den 14. Juli 1921. 8080B ______________Öessisches Amtsgericht._______________ Bekanntmachung. Das 4te Ziel Gemeindesteuern vom Grundbesitz und (Beroerbcbetrieb für das Rj. 1920 sowie das Ite u 2te Ziel Kanalgebühren für bas Rj. 1921 können noch bis einfchl. 6. August d. I. ohne Kosten ' bei der Stadtkasse bezahlt werden. Diejenigen, die j mit diesen Abgaben noch im Rückstände sind, werden hiermit gemahnt, bis zum 6. August die vorgeschrie. bene Zahlung zu leisten Am 8. August beginnt die Beitreibung, wobei die vorgeschriebenen Kosten erhoben werden. Gießen, den 20. Juli 1921. 8091B Stadtkasse Gießen. Bekanntmachung. (Ein Rachtragsvoranschlag der Gemeinde Saasen für das Jahr 1920 liegt von Freitag den 22. Juli 1921 eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur (Ein- sicht offen. Zu der beschlossenen Umlage haben auch die Ausmärker beantragen. Saasen, den 21. Füll 1921. 8128D Bürgermeisterei Saasen. Schmitt.________ Vergebung von Bauarbeiten. Jur (Errichtung eines Viersamilien-Wohnhauses in Altenstadt sollen die Arbeiten des Rohbaues, d. i. (Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Zimmer«, Dachdecker-, Spengler- u. Grobschlofferarbeit, sowie sämtliche erforderlichen Lieferungen, d. sind Bruchsteine, Ruffensteine, Sand, Schwarzkalk, Weißkalk, Biberschwanzziegel, Dachlatten, Zement usw., öffentlich vergeben werden. Angebotsvordrucke u. Zeichnungen können bei dem Oberbausekretär in Altenstadt eingesehen u. zum Selbstkostenpreis, soweit der Vorrat reicht, abgegeben werden. Die Angebote sind verichloffen, kostenfrei und mit der Aufschrift . Dierfami ien-Wohn- Haus Altenstadt- versehen bis zum Samstag, den 30. Juli, 5 Uhr nachmittags, bei der Bürgermerstere, Altenstadt einzureichen, woselbst die Oeffnung erfolgt Zuschlagsfrist 3 Wochen. Bübinaen, den 20 Full 1921. Der obere Baubeamte her Kreisverwaltturg Bübingen. 8079D Frey Hochschulnachricblen. l, Marburg, 21. Juli. Dei den W a b I 0 n zum Studentenausschuß, tic gestern statt» fanden, wurden insgesamt 1280 Stimmen abgegeben, das sind 49,5 Prozent. Es erhielten die Liste des Hochschulrings 1038 Stimmen, d. b. 52 Sitze, und diesenige der freien deutschen Grupp« 242 Stimmen, d. h. 13 Sitze. Stenographie. * Stenographie. Der Dezirt Gießen hatte am 29. Mai ds Zs. mit seinem BezirlS- unb PerbandS-Wettschreiben in 'Bad-Rauheim eine Geschä.tsstenographen-Prüfuna verbunden. Diese Prüfung bestanden: Ernst Krcaer, Bad» Rauheim: Karl Dingel, Friedberg, K. A. Hellwig, ällrichstein: Lina Wahl, Gießen (Damen-Verein); t ermann Schleenbeder, Heuchelheim: Babette dert Gießen (Damen-Berein): Georg Wahl, Gießen (Gesellschaft): Elly Bingel, Gießen (Gesellschaft): Elfriede Mayer Friedberg: Emil Grobe, Gießen (Verein von 1861). And dem Amlsverkündigungsblatt. ’• Das AmtsverkündigungSdlatf Rr. 105 vom 22. Zuli enthält: Höchstpreise für Zement. — Termin für die Einsendung der Ge» meinte-, Mark- und Stiftungsrechnungen für 1920. — Feldbereinigung Steinheim. Vermischtem. Bern, 22. Juli. (Wolff.) Eine furchtbare Explosion zerstörte in D 0 d i 0 (Kanton Tessin) die Äitrumwerke sowie die Earbid- werke Day und beschädigte die benachbarten Elektrizitätswerke. ES wurden 20 Tote und 100 Verwundete aus den Trümmern gezogen Die Feuerwehr ist des Brandes noch nicht Herr geworden. Spielplan der Frankfurter Theater. OpemhauS: Geschlossen vom 10. Zull bis einschließlich 13. August 1921 wegen Opern- Ferien. — EHauspielhauS. Sonntag 24. Juli: Schneioer Wibbel. Montag, 25.: WaS ihr wolltl Dienstag, 26.: Romeo und Julia. Mittwoch, 27.: Ernst. Donnerstag. 28.: Robert und Bertram. Freitag, 29.: WaS ihr wolltl Samstag 30.: Dte Journalisten. Sonntag, 31.: Cäsar und Cleopatra. Montag 1. August: Robert und Bertram. Dienstag 2.: Rathan der Weise. Mittwoch, 3.: Alt-Frankfurt. die beste Kinderseife Bei Kopfschmerz Rasch o. «I- eher wirlnul Erhältlich ie Apotheken. -4 Je Slcwt. Arbeitsamt (§icf$en Liebigftraße 16, Teleph. 2054. (FS können eingestellt werden: a. bci hiesigen Arbeitgebern: SProviston^reitende, 1 Steinbolv und Terrcnzoleger, 1 .ftuoferfebmieb, 1 Stllierschmied, 1 Wagner, 3 Glaser, 3 Schreiner. Lebrlinge: 1 Slutomonteur, 2 Friseure, 1 Schreiber 1 Schuhmacher. h. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 Wickelmacher, 1 Müller, 1 Schuhmacher, 2 (Elfenbetonarbeher, 2 ProoillonSleile ide, 2 Svengler, 3 Ztegelet- arbeiter, 1 Konditor, 1 Atgarrenmeister, 1 jüng. landwirtlch. 5!neckt unb Arbeiter, t Clekttoinon- teur, 2 Zigarrensortierer, 1 Dreher. 20 Bruchstein' manrer, 3 Schneider, 4 Friseure, 6 Schreiner, 4 Zimmerleute, 1 Anstreicher, 2 ält. Bau- unb Ma chinenschloffer, 2 Steinmetze, 1 Küchetlchef, 2 Kürschner. Lehrlinge: 1 Glaser, 1 Schmied, 1 Schreiner (?s suchen Arbeit: Schriftsetzer, Buchdrucker, Schreiner, Slaufleitte, Schreiber und flfeffetibe, Barfer, Hansburscken und Ausläuser, Aialckinen- schlosser, Bauschlosser, Schuhmacher, 1 Krankenpfleger, 4 Sattler u. Bolsterer, Bäcker und Di ebner, mehrere Kellner, 1 Kraftfahrer, 1 Former, 1 mug Säimieb, 2 Buchbinder, Biechanlker. 1 Klavier- fpieleT, 1 Heiner, 1 Wagner, 2 Treber, 1 verh. Knecht, 1 oerb- Schweizer, 1 verh Hoimeister, 1 Tapexterer, 2 Elektromonteure, ein Drechsler, 1 Handschubmacher, Beraarbeiter, Autosliloffrr, 10ptiker, ISchmel^er.lGoldarbeiter 1.1 itadaievi und Svengler, ein Monteur, 1 Bandagtst, Maschinisten und Heizer. («clegeubeitsarbciteu werden ebenfalls entgegen« genommen. Lehrlinge: 2Mechaniker, 1 Friseur, 1 Elektromon» teilt, 1 Schuhmacher, 1 Weißbinder, 1 Gartner, 3 Autoschlosser. Weibliche Abteilung: CS können eingestellt werden: a. bci diesigen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Laufsrauen und -mädchen für einzelne Tage, tüchtige Alleinmädchen. 2 einfache Stutzen, 2 Köchinnen, 1 Büfettfräulein. v. bei auswärtigen Arbeitgebern: 3 landwirt» schastliche Ttenstmäbchen, Dieustmädcken, OauS- mädckeu. Alleinmädchen, 2 Köckinnen, 3 Stützen, 1 Büglerin, 1 landw. Haust älterin. t^S suchen Arbeit: 2 Verkäuferinnen, 2 Flickerinnen, 3 Waschfrauen, einige fcautfrauen, auch f. Rachmittagsbeschastigung, Ifiäbtbcn für tagsüber, 1 Büglerin, 1 Büfettfräulein, 1 Aräulein erteilt sranicösifcken Unterricht, 1 Gesellschafterin, ein Kinderfräulein. 8119B Hochprozentig, von unübertroffener 30% Hfaschkraft. 30% KiMs3awöi.K Achtung! Einmach- u. Salatgurken cinaetroffcn. Verkant 'Zonta« von 8 llbr an 1 Ttelicnfrller, Bahn- oistr. Fi na Fro ch, clcpbou 1051. (010257 Ilwwww | JL 21 j* - 4. f . f 1 ^MpmURCnfCIt Giekeu, Lahnbofftr. kl -• . Ctitchett, Bahnbofitr. kl Gietzen, den 23. Juli 1921. Dietzen Gießen, 23. Jtilt 1921 Korsetls Achtung! Achtung! Verlobte DillingeN Hungen Dmibrtnqen, 22. Juli 1921 Juli 1921 äli. MODED.NE Sommersprossen Gastwirt Heinrich Abel 8134 EfiNHORN Ur säte Soeiiea mi8 Mttto Ift ttWIil gettot. 06842 Sonntai 2i Juli 1921 des 8085D Sonntag den 24. JuU M 010199 Es ladet ein Friede» RoppeL uzz Gesrngverein „irioii“ Klein-LiDden 8125c «3 Inseln. 8113c V.ON/H7 yjelteröuteg' Ausschank eiskalter Liköre und sonstiger guter Dinge! Minna Strack Karl Bender Minna Ruthsatz Karl Hedderich Verlobte Dr. Andreas Fischer u. Frau Helmy geb. Engelhardt zeigen ihre Vermählung an Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen an Frau Klara Balser und Ludwig Balser, Lehrer Das wundervolle Geheimnis ihres Verseh windens teilt allen Leidens* r fährten kostenlos mit E-Bteraberg, Berlin SWS8, JunkerstraBe 234 B. Sonntag nachmittag 3—7 Uhr Fiinf-BJhir-T ee Heues Orchester. August Kling Hedwig Kling geb. 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Glektrowerte waren wenig der- die Grenze der VersicheruygSpflicht mit Wirkung Deutschlands Strom und nicht Deutschlands ändert. Votgt u. HaeNner Dorzuasaktlen bei vom 1. August 1921 an au f 3 0 000 Ma r k er= L werde Frl. Feder bat die anwesenden regerer Rachfrage hoher. Ltcht und Kraft 234. , höht worden. Gs werden drei neue Gehalts- und - , ihrerseits dazu beizutragen daß das Lahmeyer lebhaft gehandelt, anziehend 265. . A. SS MT Zr-Ss ES ÄS s, •fcWWg k: : -.«SM—- AIS MonatSbeltrag ist für die Gehaltsklasse K Liebe zu diesem herrlichen Strom immer höheren Kursen gesucht plus 15 ProzE etn Beitrag von 33.20 Mk., für die Klasse L von w7ed°r gufs neue in sich zu entfachen und um die Deutsche Petroleum 794 - EisenwerkMeyerwe 40.— Mk. und für die Klasse di von 48 - Mk. Verbindung mit den für uns leidenden rheinischen ter ftetgenb. vorgesehen. Die Beiträge werden wie bisher zur Schwestern und Brudern aufrechtzuerhalten. Frau Hammerfen 530 bußtm 5Proz ein. Der vchtuy Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer ^ch und Frau Schwarz, Frau Schudt und Frau der Abendborfe gestaltete sich fest, Phöntx aver getragen. Roloff erfreuten darauf die Anwesenden durch matt 847 biS 838. . In dem Gesetz ist nicht vorgesehen, daß die musikalische Darbietungen und ernteten wohlver- | Frankfurt a. M., jun Reuversicherten, die bisher wegen ihres {Jahres- dienten, reichen Beifall. arbeitSverdienstes von mehr als 15 000 Mk. Der- ßrriÄ pAufer&arf). KcherungSfrei waren, auf Antrag von der Brr-1 pfllchtung zur eigenen DeitragSleistung befreit werden können, sofern sie biS zu einem bestimmten Zeitpunkt bei öffentlichen oder privaten Lebens- Versicherungs-Unternehmungen einen Versicherungsvertrag abgeschlossen haben. Sie müssen also, solange nicht diese Doppelbelastung durch ein neues Gesetz beseitigt wird, neben ihrer Lebensversicherung auch den Beitrag für die Angestelltenver- sfcherung zahlen. Wechsel auf fioCanb........100 gl Deutschland......100 Mk. Wien.........100 Kr. Prag . . . Paris . . . London . . Italien . . Brüssel . . Budapest . Beuyork. . Agram. . . Bukarest . Ehristenl. f. d. Reukonfirm. a. d. Matthäusgem.: Schuckert-Werke. . Pfarrassist. Ramge. 9»^.'Pfr. Decker. 11: Kinder- Felten-Guilleaume silche f. d. Martusgem.: Psr. Decker. - In der Daimler...... Iohanneskirche. Vorm 8, zugl. Christen- Zud.- Eisen».- Akt. lehre f. d. Reukonfirm. a. d. Lutasgem.: Pfr. Bechtolsheimer. 9*/$: Pfr. Ausfeld. 11: Ktnder- lirche f. d. {Johannesgem.: Pfr. Ausseld. Wies eck. 24. {Juli. Vorm. 9i/,: Pfarramts- Pari«, 22. {Juli. (WTD.) Hebet: den gestrigen Desuch des Vorsitzenden der Interalliierten Kontrollkommission In Berlin. General Rollet, bei Ministerpräsident B r i a n d. betragt, erklärte dieser dem Vertreter deS .Journal": General Rollet habe ihm befriedigende Rachrichten über den Stand der Entwaffnung in Deutschland gegeben. Der Kontrollkommllllon würden durch die deutschen Behörden f.-de gewünschten Erleichterungen gewährt. Die Waffen würden gut abgeliefert. und man könne heute sagen, daß Deutschland keine schwere Artillerie mehr besitze. Die englisch-französische Auseinanderfetzuag. Paris, 22. {Juli. (WTD.) Die französische Rote aus die englische Antwort in bei oberschlesischen Frage ist gestern abend durch den französischen Botschafter in London überreicht worden. Der Inhalt entspricht den gestrigen Angaben. Wie dem „TempS" mitgeteilt wird, hat Lord ®ur- zon den englischen Standpunkt aufrecht erhallen, der darin besteht, erst die oberschlesische Frage zu regeln und erst dann, wenn eS notwendig erscheine Truppen nach Oberschlesien zu entsenden. Die Befatzuugsnote der Stadt Mainz. Mainz, 22. Juli. (WTD.) Der ReichS- schahminister Bauer weilte gestern hier, um mit der Stadtverwaltung eine Reihe brennender wirtschaftlicher Fragen zu behandeln. In feiner Begleitung befanden sich Geheimrat KI amt sowie der Vorstand der hiesigen Reichsvermögens- verwaltung, OderregierungSrat Lang, mit den zuständigen Referenten. An der Besprechung nahmen außer den Mitgliedern der Stadtverwaltung teil von der hessischen Regierung Staatspräsident Ulrich sowie der Rektor D 0 r n e in a n n. Di« Verhandlungen erstreckten sich besonders auf Wohnung S- und fonftige dringende Dau- fr a g e n. Rach eingehender Aussprache, in der die Wünsche der Stadt Mainz auch burch dir Vertreter der hessischen Regierung weitgehendste Unterstützung fanden, wurde ein allgemein befriedigendes Ergebnis herbei geführt. UnlerfeebootSkommandant Patzig in Dänemark verhaftet. Derlin, 22. {Juli. Wie die Kopenhagener Zeitung .Klokken 5" erfährt, hat die dänische Staatspolizei den ehemaligen deutschen Unter- seebootSkommandanten Patzt g, der sich feiner Verantwortung vor dem Leipziger Reichsgericht durch Die Flucht nach Dänemark entzogen hatte, in Odenfe verhaftet. Die französische Anleihe in Amerika. R e u h 0 r k, 22. Juli. Die Bank Morgan teilt mit, daß die vor einiger Zeit aufgelegte französische Anleihe im Betrage von 50 Millionen Dollars gedeckt ist und daß die Zeichnungslisten geschlossen worden seien. Festnahme der Bopparder MädchenschSnder. Berlin. 22. {Juli. Wie der .Lok-Anz." auS Mainz berichtet, verhaftete die fran.)öslfche Vollz^i in Boppard die beiden Marokkaner, die am 4. Juli ein deutsches Mädchen vor den Augen seiner Mutter vergewaltigten. Bier Kinder vom Blitz erschlagen. Freiburg. 22. Juli. In dem benachbarten Bad Boll wurden bet einem Gewitter vier Kinder, die unter einem Daum Schutz gesucht hatten, vom Blitz erschla» lich vom Hoch über dem Atlantischen Ozean nugedachten 60° EelsiuS durch die rechtzeitige Erfindung auf ein noch knapp erträgliches Maß herabgemildert worden sind. Es bleibt noch zu untersuchen, welche geheimnisvolle Wärmequelle den Red aktiv nSbrutkasten des Bad-Rauheimer Blattes befähigt hat, die erstaunte Dadewelt damit bekannt zu machen, daß Wetterauer Redakteure nicht nur verstehen, dem Rachrichtenbedürfnis mit der Schere zu Leibe zu gehen, sondern daß sie auch mit der Waffe eigener Originalleistung, mit persönlicher Findigkeit, die Langweile der HundStage zu zerschneiden wissen. Wir harren gespannt auf die weitere Berichterstattung der „Bad-Rauheimer Zei- tung“ über den interessanten Fall, auf den folgenden dramatischen Akt, in dem nach unserer Dermutung der Borsteher der Kohlenstelle und sein Rechtsbeistand, ferner Rauheimer Vtadtverordnete und einige weitere gekränkte Hesten-Rassan. Grohe WaldbrändL. mc. Fran kfurt a. M., 21. Juli. Am Mittwoch nachmittag entstand an der alten Mainzer Straße zwischen FvrsthauS Goldstein und der Pumpstatton Hinkelstein ein ausgedehnter Wald- > rmi, i_ m, ißo heT ix n h a OT rt it e I brand, der mehrere Hektar {Jungwald, InLbesondere , , ® T I^en in Qk.JGS bcr „D a d R a U Äie|ern Tannen und Buchen vollständig vermch- heimer Zeitung (AmtS- .und Anzeige- tete Löschzüge der Frankfurter Feuerwehr Blatt für den Amtsgerichtsbezirk Bad-Rau- hatten stundenlang an der Eindämmung des heim) Vom 21. {Juli folgende bedeutsame Feuers zu tun, dessen Bekämpfung besonders Reuigkeit: schwierig war, weil über ein Kilometer Schlauch- .Komprimierte Sonnenstrahlen, tinien gelegt werden mußtm. Auch die Marok' Eine Ausiehen erregende Erfindung hat der Bor- kanerkommandos vom Bahnhof Doldstem beteilig- steher unserer Ortskvhlenstelle gemacht. Rach Ian- ten sich eifrigst an der Löschung des Drandes^Der gen mühseligen Versuchen Ist es ihm gelungen, Schaden durfte 200 000 Mk. wett überschreiten, einen Apparat zu konstruieren, in dem er ole über- Die Rvtbrucke u 6 er den Marn geriet fchüssige Hitze der letzten Wochen aufqefangen hat. gestern zweimal in Brand wöbet sie an einigen Der Behälter, in dem die Hitze bewahrt wird, ist Stellen nicht unerheblich beschädigt wurde^ Die im Gaswerk aufgestellt, und wird jedem Besucher I Brücke mußte bis zur Wiederherstellung für den gerne gezeigt. {Jeder, der daS Gaswerk aufsucht, Verkehr gesperrt werden. — In emem W a r e n - wlrd erftaunt sein, welche Temperatur in der RäheI la g e r in der Reinick str aß e entstand heute dieses Kohlensparers herrscht. Der Erfinder, den mittag Großfeuer. das reiche Vorräte einäscherte, tnir persönlich um Auskunft über die Wirkung Der Schaden geht in die hunderttaufende . - s Mitteld. Tredilbank. seines Apparates befragten, gab uns die Der- ^Marburg, 21. Juli In der Rähe d^ _ Pakets. . sicherung, daß unsere Einwohnerschaft sich für die Frauenbergs wütete gestern bis in die -ZlbenD- cv^tzdeutscher Lloyd. nächsten Wochen keine Sorge um die Heizung der stunden ein W a l d b r a n d Landbewohner, die «ock Gußstahlwerk . Zimmeröfen zu machen brauche." herbei^erufene hiesige Freiwillige Feuerwehr und .gufemb. Berow.. Da wir >N der letzten Zelt auch in unserem ^Ui.L tratm dem Feuer entgegen. Der Schn- B^i-Lur^Derg«. . dberhessischen Dreitegrad immer noch mit st" betrachtl.ch I tz-rv-n-Eergdeu . einer Tagestemperatur von 35° Eelsius uns! l Oberschies.Etsend.-B. zu Plagen hatten, wird nicht jedermann sofort Dar sein, vor welcher großen Gefahr uns der genannte Wohltäter der Menschheit bewahrt hat. Wir nehmen an, daß nach den gewissenhaften und zuverlässigen Informationen der ..Dad-Rauheimer Zeitung" dem Kohlensparer es gelungen ist, mindestens 20° Aeberschuh in seinem „Behälter" festzuhalten, der nicht nur für die „Heizung der Zimmeröfen", sondern unseres Erachtens auch in großem Maßstab für die Förderung unserer oberhessischen Geflügelzucht Verwendung finden sollte! Freuen wir uns aber zunächst einmal darüber, daß die uns ursprüng- Derliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 21. Juli. 22. Juli. Amsterdam- Rotterd. 2424,0524'28,95 2402,552407,45 Brüssel-Anttverpen . 680,40 581,60 577,90 579,10 Thriftiania...... 988,- 99 ',- 983,- 985 - 1166,301168,701166,301168,70 1586,40 1589,60 1575,90 1579,10 124,75 125,05 124,35 124,65 342,65 343,35 341,65 342,35 275,70 276,30 274,20 274,80 76,58 Unterhaltung ♦ Erhebung ♦ Selchrung (Ein Jubiläum des Kaffeehauses. Da« Kaffeehaus als Geburtstagskind! Ein Dierieljahrtansend ist in diesem Hahre dahingegangen, seitdem das erste „(Safe“ auf dem Boden Europas entstand. 3m Jahre 1 6 7 1 wurde in Marseille nahe bei der Börse eine Wirtschaft eingerichtet, in der der „braune Trank Arabiens“, damals noch eine wenig bekannte Reuigkeit, gereicht wurde. „Man versammelte sich daselbst," heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, „um von Geschäften zu reden und sich mit Spielen ein Vergnügen zu machen, und es bekam dies Kaffeehaus in kurzem sehr vielen Zulauf, insonderheit von den türkischen Kaufleuten und solchen, die nach der Levante handelten. Sv entstand also das erste 3af6 aus dem Bedürfnis orientalischer Besucher des großen Handelshafens, die auch hier nicht auf ihr Lieblingsgetrank'verzichten wollten. Aber damit war die Bahn gebrochen, und der Siegeszuq des Kaffeehauses nahm seinen Anfang. Wie in Frankreich, so stand auch in Deutschland das erste Caf6 auf dem Boden eines Handelshafens. Der holländische Arzt Cornelius B o n t e k o e, der Leibmedicus des Großen Kurfürsten und ein leidenschaftlicher Vorkämpfer des Kaffeegenusses, veranlaßte die Gründung des ersten deutschen Kaffeehauses in Hamburg. 1683 folgte Berlin, 1687 Wien, 1692 Frankfurt a. M., und dort gab es 1698 sogar schon drei Kaffeehäuser. 3n Leipzig war das Caf6 1697 schon so eingebürgert, daß ein hochweiser Rat gegen die „ungebührlich eingeführten Tee- und Kaffeestuben" einschritt, in denen „nicht nur über die in der kurfürstlichen Polizeiordnung bestimmte Frist Gaste geduldet, sondern auch zu verbotenen Spielen, Aeppigkeit und anderen Lastern göttlichen und weltlichen Gesehen zuwider Gelegenheit geboten wurde“. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts ist das Cafs aus dem Leben und Treiben der großen Städte nicht mehr fortzudenken, und es hat sich seitdem in immer steigendem Maße in der Gunst des Publikums erhalten. Mit dem Kaffeehaus beginnt ein Wendepunkt in der Geschichte unserer Kultur: eine neue verfeinerte Form der Geselligkeit tritt auf, und vom Kaffeehaus aus dringt der „braune Labetrank" in die wohlhabenden Gesellschaftskreise. Das „Frauenzimmerlexikon" des Amaranthes, dieser früheste Spiegel der deutschen Rokokokultur, nennt den Kaffee bereits ein Getränk, „das das Frauen- Smmer täglich zu sich zu nehmen pfleget". Gegen- rer den wüsten Anflätereien des Kneipenlebens erhebt sich das Caf6 als der Hort der feinen Sitte, und wie ein Symbol stellt in dem Studentenepos „Der Renommist" von Zachariä der galante Mode- studio den feinen Ton des Cafßs der derben Anmanier der Durschenkneipe als Muster auf. Die Ausstattung der ersten Kaffeehäuser, die laute Bewunderung erregte und z. B. den „Kaffeebaum" in Leipzig zu einer Sehenswürdigkeit machte, ist gleich im Anfang dieselbe wie noch heute. Da findet der „Polite Galanthomme" die Zeitungen und Zeitschriften, um alle „kuriösen" Reutgkeiten zu erfahren. Ein Dillard steht für dieses damals Mode werdende Spiel bereit, und Kanapee wie Klavier, zwei Dinge, die bis dahin im Wirtshaus gefehlt hatten, werden als die @r- mingenschaften des Kaffeehauses umjubelt. Ratür- lich kann man auch hier sein Spielchen machen, und die ersten Kaffeehäuser sind auch zugleich die frühesten Stätten, in denen dem Modekartenspiel des Rokoko, dem L'Hombre, gehuldigt wird. Das Caf6 wird zum Mittelpunkt jene- gesellschaftlichen Lebens, das die bürgerliche Kultur des 18. Jahrhunderts herausführi. Hier versammeln sich die Freunde des „Witzes und der Gelehrsamkeit". die literarischen Kenner und Feinschmecker, und wie heute noch ist das Cafe von Anfang an der Liebltngsaufenthalt der Dichter und Schriftsteller. Michelet hat in seiner berühmten „Geschichte Frankreichs" dem Caf6 einen Hymnus gewidmet, weil es an dem Aufschwung der französischen Literatur im 18. Jahrhundert wichtigen Anteil habe. Hier fanden sich die G n z h- klopädisten zusammen, und intcr dem Einfluß des Kaffees, der „die Temperamente mäßigt, den Geist schärft und die Sinne klärt", wurden die Waffen für die großen Geistes kämpfe geschliffen. Ebenso feiert Macaulah die Kaffeehäuser als die Hauptorgane, durch die sich die öffentliche Meinung In der langen parlamentslvsen Zeit Karls II. geltend machte, und schildert uns den erlesenen KreiS der Künstler und Journalisten, die sich um den Tisch Johnsons im Kaffeehaus scharten. Auch in Deutschland wurde Reifenden und jungen Leuten der Besuch des Kaffeehauses als Der „Hohen Schule des Anstandes und der guten Sitten" empfohlen. „Schulen und Aniversitäten", heißt es in einem G e l l e r 1 s ch e n Lustspiel, „sind nicht halb so gut wie die schlechtesten Kaffeehäuser", und dem Fremden empfiehlt der „Hamburger Patriot" wenn er in eine Stadt kommt, „fleißig die allerberühmtesten Kaffeehäuser zu besuchen und sich dort seine Bekannten auszuwählen“. Auch Goethe rät, den Gelehrten und Kaufmann „in feinem Kränzchen oder Kaffeehause zu sehen". wenn man ihn richtig kennen lernen wolle. Schiller schreibt 1785 aus Leipzig, das Überhaupt eine Hochburg der Kaffeehauskultur war, ganz entzückt: „Meine angenehmste Erholung ist bisher, Richters Kaffeehaus zu besuchen, wo ich immer die halbe Welt Leipzigs beisammenfinde und meine Bekanntschaft mit Einheimischen und Fremden erweitere." Das Ende des Odysseus.'» Die hundert Freier der Königin Penelope waren erschlagen und ihre Leichen wurden, in Teppiche gehüllt, aus dem Festsaal getragen, einer nach dem anderen. Obgleich es schon gegen die Mitternacht ging, war das Haus nach dem furchtbaren Vorfall noch in voller Bewegung: die Fenster sttahlten in die Rächt hinaus, und Diener liefen hin und her. Man hörte, wie in der großen Halle das Blut mit Besen über die Steinfliesen nuSgefegt wurde. 3n dem hell erleuchteten Schlafgemach lag Odysseus neben seiner Gattin Penelope. And nach•) 3m Verlag von Albert Langen in München ist von Victor A u b u r t i n unter dem Titel „Pfauenfedern" ein unterhaltsames Bändchen launiger Stizzen erschienen, von denen „Das ide des Odysseus", obwohl der Stoff in ähnlich humoristischer Weise schon von anderen Schriftstellern behandelt worden ist, wohl die gelungenste ift dem sie sich in Liebe wiedergefunden hatten, setzte er sich aufrecht und begann von seinem zwanzigjährigen Abenteuer zu erzählen: von der Heimfahrt und den Wunderdingen der fernen See. Aber als er bei Scylla und Charybdis ankam, merkte er, daß Penelope neben ihm eingeschlafen war. Da dachte er: „die Arme hat heute viel durchgemacht, ich werde ihr morgen weiter erzählen" und legte sein Haupt neben das ihrige auf die Purpurkissen. * 3n dem königlichen Palast war zunächst viel zu schaffen und zu richten, denn die jungen Leute hatten mit ihrem wilden Wesen alles in Anordnung gebracht. Odysseus entwarf einen Plan, ließ sich durch seine Verwalter Bericht erstatten und ging ans Werk. Er ließ die große Halle mit neuen Marmor- platten belegen, um die letzte Erinnerung an den vergossenen Wein, aber auch an das vergossene Mut zu tilgen. Die Keller und Vorratskammern waren zur Hälfte leer und muhten neu ausgestattet werden: die Oelmühlen, früher ein Stolz der königlichen Wirtschaft, waren jahrelang nicht mehr benutzt worden und ihre WiederherstkÄung erforderte Zeit und Mühe. ♦ Darauf hatte Odysseus sich während seiner langen Heimfahrt am meisten gefreut, wie er alle diese Abenteuer seiner Gattin erzählen würde und wie sie begierig an seinem Munoe hängen würde, ihn mit Fragen unterbrechend. Doch er mußte bald erkennen, daß sie keine so aufmerksame Zuhörerin war wie die Phäaken, die zwei Tage lang seinem melodischen Bericht gelauscht hatten. Wenn er Penelope zu erzählen begann, arbeitete sie schweigend an den goldenen Mustern eines Tuches oder blickte zerstreut durch das Fenster: .einmal, als er eine Frage stellte, mußte er erkennen, daß sie die Lästrygonen mit den Loto- phagen verwechselte; und das schmerzte ihn, denn er hielt auf die Genauigkeit feines Erlebnisses, das er um so mehr liebte, je ferner es wurde. Rur wenn er von der Rymphe Kalypso erzählte, schien sie aufmerksamer hinzuhören. And diese Teilnahme reizte ihn, so daß er jenen Teil feiner 3rrfahrt ausführlicher schilderte, die einsame 3nfel, den wunderbaren Hain, in dessen Bäumen die Seevögel nisteten, und die duftende Grotte der Göttin. „Wie lange bist du bei dieser Kalypso geblieben?“ fragte sie ihn einmal. „Sieben Jahre", antwortete er. Sie beugte sich auf die Arbeit nieder und ihre Augen wurden dunkel. ♦ Einst als bei Tisch einer jener runden Ziegenkäse aufgetragen wurde, die es auf allen 3nfeln des Mittelmeeres gibt, mußte Odysseus still vor sich hinlachen. Sie fragte ihn nicht, was er hätte, und so fing er von selbst a«: „Dieser Ziegenkäse erinnert mich an die Höhle des Polyphem. Er hatte davon viele Hunderte auf den Brettern, die an den Steinwänden entlang liefen. And als wir nun, meine treuen Gefährten und ich, in die Höhle eingedrungen waren, da sagte ich ... „Mein Freund," unterbrach sie ihn, „du scheinst nicht zu wissen, daß du mir diese Geschichte schon viermal erzählt hast. 3d) kenne sie nun; wie ihr den armen alten Mann betrunken gemacht habt, wie ihr ihm — zehn gegen einen — fein einziges Auge geblendet .habt, das habe ich öfter gehört als mir angenehm war. Viel lieber mochte ich von dir erfahren, was du diese zehn Hahre bei Kalypso getrieben hast." „Sieben Jahre", antwortete er. „Gestern sagtest du zehn; du hast eben auf deinen Fahrten so viel lügen müssen, armer Freund, daß du auch jetzt die Wahrheit nicht mehr sagen kannst. Aber ob es nun zehn Jahre waren oder sieben, auf jeden Fall war es sehr lange und du scheinst dich dort wohlgefühlt zu haben; also antworte auf meine Frage: was hast du diese lange Zeit getrieben ?“ Jetzt hätte er ihr antworten müssen: „Weib, ich habe mich alle diese Jahre nach dir gesehnt; ich habe alle diese Jahre am Strande der fernen 3nfel gesessen, über das Meer geblickt und die Götter angefleht, daß ich nur noch einmal den Rauch deines Hauses sehen könnte." So hätte er antworten müssen. Aber als er sah, daß ihre Augen kalt und hart auf ihn gerichtet waren, verschwieg er es. And nie hat sie von seinem großen Heimweh erfahren. „3ch habe dort viel Wein getrunken," antwortete er ruhig, „der Wein jener 3nseln kst gut, wenn auch etwas sauer." * ** Jahrelang hatte Odysseus eine kleine, blaue Meeresmuschel bei sich getragen, die von der 3n)el der Kalypso stammte. Dort hatte er wieder einmal am Strande gelegen und über die spritzenden Wellen der Brandung hinweg sehnend in die Ferne gesehen. Dabei hatte seine Hand im Sande gespfelt und die Heine Muschel gefaßt: seitdem trug er sie bet sich als Erinnerung an die Süßigkeit jener Stunden. Auch als er nach dem Sturm, der fein Floß zerschlug, tagelang auf dem Meere schwamm, war Die Muschel bei ihm, in seinem Gürtel gewesen. Penelope bemerkte bald das kleine Ding, und wie lieb es ihm war. „Woher hast du diese Muschelt fragte sie ihn. „3ch habe sie von der 3nsel der Kalypso." „Dann verstehe ich, daß sie dir so lieb ist." Er beherrschte seine Angeduld. „Rein," sagte er, „du verstehst nichts, du denkst alles falsch." Sie warf ihre Arbeit hin und ging zur Türe. „Weib," rief er ihr nach, „wollen wir uns nicht aussprechen; soll der Dämon des Mihttauens sich zwischen uns festsetzen?" Aber sie machte schweigend die Tür hinter sich zu. Abends vor dem Schlafengehen legte Odysseus die Heine Muschel auf das Gesims neben fein Bett. And als er eines Morgens aufstand, war sie verschwunden. Er suchte überall, während Penelope ihm schweigend zufah, und als er sie nicht fanD, rief er die ganze Dienerschaft zusammen und 6er- sprach dem, der chm die Muschel brächte, eine Mine Goldes. „Brauche ich noch andere Beweise," sagte Penelope, „nun zeigt es sich, wie sehr du an allem hängst, was dich an die Dirne erinnert.“ Da faßte ihn der Zorn. „Sie ist keine Dirne: sie hat mir geholfen in den Jahren der Rot; und ich werde ihr meinen Dank bewahren." „Dank, ich weiß wofür," sagte Penelope mit einem häßlichen Lächeln. Odysseus bemerfte, wie ungünstig sie in diesem Augenblicke auHlgh, und wurde ruhig. „Du kannst das nicht begreifen,“ sagte er, „aber ich werde mir die Heiligkeit meines Leidens nicht besudeln lassen." ♦ Run blieb er tagelang allein unten am Strande der See zwischen den Klippen. 3n seinen Beziehungen zum Meere hatte sich eine merkwürdige Veränderung vollzogen. Zuerst, nach seiner Heimkehr hatte er das Gewässer nicht sehen wollen, in dem er so viel erduldet; damals pflegte er zu sagen, glücklich seiest du nur dort, wo die Leute das Ruder, das du über die Schulter trägst, für einen Spaten halten. Hetzt liebte er das Alee^ wieder und sah in den Steinen und lauschte auf das große Tonen der Brandung, bei dem ihm schmerzlich süß ein Gefühl der Kameradschaftlichkeit aufstieg. And da mutzte er denken: wie hat sich doch alles gewendet; dort auf der 3nfel sehnte ich mich nach der Heimat; und nun ich die Heimat habe, sitze ich in der Wüste des Strandes zwischen den angeschwemmten Brettern der Flut und habe Heimweh nach der Heimatlosigkeit. Aber in fabelhaftem Glanze leuchteten in seinem 3nnern all die Abenteuer der zwanzig Hahre auf, und während das erlöschende Auge den Horizont suchte, flüsterten, nur für ihn selbst, seine Lippen unaufhörlich den unsterblichen Bericht: von dem Kampf Der Könige, von Der nächtlichen Schifffahrt durch die Meerenge und von den 3nseln der Rymphen. Jur Erfindung von Telegraph und Telephon. 3n der Dockenheimer Anlage zu Frankfurt am Main stehen, ganz in der Rähe des Eschenheimer Turmes, die Denkmäler zweier großer Männer. Das eine Ist das S ö m m e r l n g-, das andere das Reis-Denkmal. Auf dem Sockel des erstgenannten ist zu lesen, daß Sömmering der Erfinder des Telegraphen fei; das Erzbild Sömme- rings selbst hält in den Händen einen zierlichen Apparat und betrachtet ihn. Viele Menschen werden darüber erstaunt fein, daß Sömmering als Erfinder des elektrischen Telegraphen bezeichnet wird, weil sie mit Recht die berühmten Göttinger Professoren Gauß und Weber als die Erfinder des Radeltelegraphen (1832) und den Amerikaner Morse als Den Erfinder des Schreibtelegraphen (1843) ansehen. Sömmering ist insofern der Erfinder des elektrischen Telegraphen, als er zum ersten Male den elektrischen Sttom zur Rachrichtenüber- mittlung ausnuhte, während man vorher nur die optische Telegraphie kannte, die ja auch heute noch in ihrer vervollkommneten Form mittels Fernrohr und Scheinwerfer für kurze Entfernungen angewandt wird. Sömmering benutzte jedoch für feinen Zweck die chemische Wirkung Des elektrischen Stromes, insbesondere die Zersetzung des angesäuerten Wassers durch diesen; jede Zersehungs- zelle entsprach einem bestimmten Buchstaben, und Durch Betätigung einer fein ausgedachten Tastatur traten je yach dem gewünschten Buchstaben in den an der Empfangsstation aufgestellten Zellen diese oder jene Zeichen in Form von Gasblasen auf. Es liegt auf der Hand, datz schon der Amstand mit Den vielen Leitungsschnüren (es sollen Deren 25 bis 31 gewesen fein), die zum Betrieb des Telegraphen nötig waren, der Einführung der Erfindung in die Praxis hindernd im Weg stand. Eine prallische, elektrische Telegraphie ergab sich erst, als man die magnetischen Wirkungen des elektrischen Stromes zu diesem Zweck heranzog, wie es durch Gauß und Weber bei ihrem RaDellele- graphen, durch Morse bei seinem Schreibtelegraphen und durch Hughes (1855) bei seinem Drucktelegraphen geschah. Es mag wohl etwas Lokal- Patriotismus Dabei mitspielen, wenn die Frankfurter den Münchener Anatomen Samuel Thomas von Sömmering, der seine letzten zehn Lebensjahre in der Mainstadt verbrachte (er starb am 2. März 1830), als den Erfinder des elektrischen Telegraphen ansehen, doch muh man zugeben, daß seine 3dee als solche von unschätzbarem Vorteil für die Entwicklung der Telegraphie war; durch das Eingreifen des Erlanger Gelehrten Schweigger wäre sogar der elektrochemische Telegraph in einer praktifcheren Form beinahe als Konkurrent mit dem elektromagnetischen Teleg.^phen aufgetreten. Anumstrittener als Sommerings Verdienste um Die Telegraphie sind diejenigen des Friedrichsdorfer Lehrers Philipp Reis um die Tele- phonie (1861); fein oben erwähntes Denkmal ist vor wenigen Jahren errichtet worden und stellt in seiner Ausführung ein Kunstwerk Dar. Der Geburtsort des Erfinders ist Gelnhausen, wo man ihm auch ein würdiges Denkmal errichtet hat; Reis wurde Lehrer an dem Garnierschen 3nftitut zu Friedrichsdorf bei Homburg v. d. H., und man kann sich nicht genug darüber wundern, daß bei den beschränkten Mitteln einer so Heinen Schule eine so hervorragende Erfindung wie diejenige von Reis zustande "kommen konnte. „3n der Beschränkung zeigt sich erst der Meister", und Reis ist ein wahrer Meister gewesen. Zwar ist auch seine 3dee mit dem gespannten Trommelfell, das durch seine Schwingungen einen elektrischen Strom abwechselnd schließt und öffnet, und feine Eisennadel, die ihre elektromagnetische Erregung und Entmagnetisierung in Schallschwingungen umseht, für praktische Zwecke nicht verwendbar gewesen,aber sein Sendeapparat ist im Prinzip unser heutiges Mikrophon, und sein Empfangsapparat im Prinzip unser heutiger Hörer. 3hm ist als Erstem eine wirkliche elektrische Lautübertragung gelungen, und mit seiner primitiven Apparatur (die Originalapparate sind noch heute im Deutschen Museum zu München zu sehen, telephonierte er unter Assistenz eines seiner Schüler mit sicherem Erfolg zwischen seinem physikalischen Kabinett über Den Schulhof bis zu einem Dahinterliegenden Garten; die Empfangsstatton war auf einem Zwetschenbaum befestigt. Als Reis im Hahre 1874 starb, war seine Erfindung in Deutschland, wo man sie für eine Spielerei gehalten hatte, längst vergessen. Richt so in Amerika. Dorthin war die Kunde von Reis' Erfindung gedrungen, und nicht lange dauerte es (1876), bis durch Graham Dell das Problem der elektrischen Telephonie prakttsch gelöst wurde, wenigstens insofern, als er einen praktischen Hörapparat geschaffen hatte, und als Hughes, der oben erwähnte Erfinder des Drucktelegraphen, im Jahre 1878 auch noch das „Mikrophon" erfand, war das Telephon bald fähig. Hunderte von Kllometern zu überbrücken. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn man die Denkmäler jener beiden schöpferischen Männer ömmering und Reis so nahe beieinander bc-1 wundern darf, an einer Der verkehrsreichsten Stel- [ len Frankfurts, mitten im Großstadtgetriebe, auf das die beiden Erfinder herniederschauen, als ob sie sagen wollten: „Wir haben euch Menschen gern unsere Dienste geweiht und euch Opfer gebracht; helfet alle mit, daß Wissenschaft und T«h- nik weiter fortschreiten, dann erfüllet 3hr wahre Dankbarkett gegen uns." CH. Dielefelds 700. Jubiläum. Die Stadt Bielefeld begeht in diesem Jahre Daö Jubiläum ihres 700jährigen Bestehens als Stadt, und aus diesem Änlah bringt die Zeitschrift „Riederfachfen" ein umfangreiches Heft heraus, in dem Geschichte, Kultur, Volkskunde, ^uust und Handel der Stadt dargestellt werden. Wie Pros. Rudolf Schrader in seinem einleitenden historischen Aufsatz ausführt, begegnet der Rame Bielefeld, „Bilivelde", zum ersten Male 1015, und zwar bedeutet das Wort wahrscheinlich „F^ld am Passe des Berges" oder „Feld am Hügel". Wann dem neuen Ort Stadtrecht verliehen wurde, läßt sich nicht genauer feststellen. Doch wird Biele- i vUer^ am 10. Mai 1221 Oppidurn genannt, und deshalb wirb das Stadtjubiläum in diesem Bahre begangen. Bald begann sich auch das gewerkschaftliche Leben zu entwickeln. 1309 werden zuerst in einer Arkunde Otto IV. Gewandschneider und Wollenweber erwähnt: der Grund für die blühende Textilindustrie ist also gelegt: doch blieben noch bis ins 17. Jahrhundert hinein die landwirtschaftlichen 3nteressen im Vordergrund. 3m Bahre 1346 starben Die Grafen von Ravensberg aus. Die Die Stadtherrn der Stadt gewesen touren; Stadt und Grafschaft fielen an die Grasen Don Hülich. Die neuen Stadtherren kamen nur selten nach der Grafschaft Ravensberg, sondern liehen sie durch Statthalter, Droste, verwalten, und die Stadt erlangte dadurch mehr Selbständigkeit, gehörte auch von 1380—1614 der Hansa an. 1511 kam die Stadt an Johann von Cleve, der 1521 auch die Mark übernahm. Dadurch wurde Bielefeld mit der Außenwelt politisch näher verbunden. Die Reformation drang erst spät ein, weil Der Herzog von Cleve, Der Stadtherr, der neuen Lehre feindlich gegenüber stand. Erst das Wirken Hermann Hamelmanns, Der von 1553—54 Prediger an Der Reustädter Kirche war, verhalf dem Luthertum zum Siege, und damals wurde auch die erste höhere Schule, das Gymnasium, gegründet. Als der letzte Herzog von Cleve 1609 starb, tourde auch Bielefeld in den Srbfolgestreit zwischen Brandenburg und Pfalz-Reuburg gezogen, und erst 1647 setzte der Große Kurfürst durch, Da,b ihm Ravensberg mit Bielefeld zugefprochen wurde. 3m Rovember 1647 besuchte der neue Herr die Stadt und hat oft und Hern in ihr ge- toeilt, um vom Sparenberge aus auf sein „Spinn- und Leinenland" herabzublicken. Denn damals war der Garn handel, Der sich zu Anfang deS 16. Jahrhunderts entfaltet hatte, bereits in voller Vlüte. Das Bielefelder Leinen erhielt Weltruf; jedoch lag in der Stadt selbst nur der kaufmännische Betrieb, während hauptsächlich auf dem Lande gesponnen und gewebt wurde. Anter Friedrich dem Großen blühte Der Leinenhandel immer mehr auf; sein Wert belief sich 1789 schon auf 600 000 Taler. Das 19. Jahrhundert hat Der Stadt Dann einen beispiellosen Aufschwung gebracht, nachdem sie durch Einführung Der Maschinenfabrikation Die irische unD englische Konkurrenz aus Dem Felde geschlagen hatte. Rach 1860 wurde die Wäscheindustrie ins Leben gerufen, die die Grundlage für die Rähmaschinen- herstellung abgab; nach 70 erwuchs die Fahrrad- und daraus wieder Die Automobil-3ndustrie; nebenher entwickelte sich eine bedeutende Plüsch- unb Seidenindustrie. So ist heute Die Jubilarin ein Mittelpunkt hohen Gewerbefleißes, und sie beweist durch ihr schmuckes Aeuhere, daß auch ein 3nduftrieort ein anziehendes Stadtbild bieten kann. Merkwürdige Bärenjagden. Welches ist das gefährlichste Hagdtier bi Europa? So fragt der englische Jäger und Romanschriftsteller Hesteth-Prichart, und er fl^bt Die Antwort, daß mit Ausnahme des Wolfes, der nur in großen Rudeln eine Gefahr bedeutet, das einzig wirklich gefährliche Hagdtier der braune Bär ift Wir glauben gewöhnlich, datz der Bär, mit dem die alten Germanen so erbitterte Kämpfe geführt haben, im zivilisierte» Europa ausgestorben sei. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Wo es noch abgelegene, gebirgige Gebiete gibt, wie in Rorwegen, Rußland, Lappland, Spanien und Frankreich, da ist auch der grimme Meister Petz noch in ungebrochener Wildheit anzutreffen. Aber nachdem ganze Generationen feiner Vorfahren der Kugel des Jägers zum Opfer gefallen sind, ist er sehr schlau geworden und ein ganz anderes Geschöpf, als das, das die allen Deutschen mit dem Speer jagten und vor dem sie einen großen Respekt besahen. Trotz unserer toeittragenden Gewehre ist der Bär immer noch ein furchtbarer Gegner, besonders wenn man ihm unbewaffnet ober überraschend sich gegenüber sieht. Der braune Bär ist sehr viel größer als man gewöhnlich annimmt. Es gibt authentische Berichte, Die sein Gewicht auf 800 bis 1000 Pfund angeben, und aufrechtstehend erreicht er eine Höhe von sechs Fuß und mehr. 3n den Gebirgsgegenden Spanien- gibt es noch immer kühne Männer, die Bewohner gewisser Heiner Dörfer, die dem Bären nach altüberlieferter Weise mit Speer und Messer zuLeibegehen. Sellen jedoch findet ein frem- oer Besucher in den schwarzen Bergen des nördlichen Spanien Gelegenheit, einem solchen Kampf des mutigen Bergjägers mit dem Bären beizuwohnen. Auch in Rußland gab es — wenigstens in den Zarenzeiten — eine sehr merkwürdige Form her Bärenjagd. Sobald der Winterschnee gefallen war. suchten die Häger nach Bär en spuren, um das Winterlager Meister Petz' aufzufinden. Das Lager wurde bann mit einem runben Kreis umgeben, damit es sichtbar blieb, und nun fuhr der Häger nach Petersburg, nm dort seinen Bären, noch lebendig, zu verkaufen. Die Sportsleute drängten sich dazu, solche Bären nachgewiesen zu erhalten, besonders, wenn sie sich in der Rähe Der Stadt befanden, d. h. nur vier oder fünf Tagereisen entfernt Dann brach die Hagdpartie von dem nahegelegenen Dorf auf; die Bauern jagten mit Feuer und Geschrei den Bären aus feiner Winterwohnung, und Dann hatte der Häger leicht schießen. Wenn er den Bären traf, brauchte er nur nach dem Eigengewicht Des Bären zu bezahlen, der freilich manche Puds wog. Fehlte er aber Den Bären, Dann mußte Der Petersburger Herr auch noch das Gewicht des Hägers und der Treiber dazu bezahlen, wodurch die Rechnung be* trächllich anwuchs.