Samstag, 22. Oktober 1921 UL Jahrgang Erstes Statt m r» krati sche Fraktion sich g KabinettWirthentschieo > TätiM i Uleibung n melben. 1.- X 2,- X egen das e n haben. ger Stabt gez. ß. 6. i. 1 nicht ttenbeutel, i, \ Paar !edrr-Gelb- lerbedüber- Ilant, eine 6. 2.X 10. Dainen^hr Hände brachen. i an jedem nachnnttags gen. Verachtung — nach wie vor. , Verachtung ist das Schlimmste von den , Dreien. Nicht nur in psychologischer, sondern < auch In materieller Wertung. Man kann einen j Gegner hassen und sich doch scheuen, ihn zur - Verzweiflung zu bringen. Die Verachtung - aber fragt nach keiner Verzweiflung. Wenn wir unsere heutige Lage reiflich überdenken, so scheinen wir freilich noch nicht an jenem Punkte angelanqt zu sein, wo dumpfe Gleichgültigkeit die Rechentafel des Willens und Verstandes beiseite stößt. 0, es gibt noch genug nüchterne Köpfe in Deutschland, und die größte unserer Parteien, die MehrheitS- sozialdemokratie. hat bereits kraft FraktivnS- beschlusseS festciestellt. die Helläugigkeil der bisherigen Reichsführung habe keine Trübung erfahren. Auf der andern Seite fühlen auch die minder erfüllungsbeflissenen Politiker und die Gegner Wirths keinen Anlaß, über der neuen, alle Bewegung einstweilen lähmenden Demütigung die kühle Lleberlegung zu vergeflen. Binnen acht Tagen sollen wir -ins nach dem Pariser Diktat bereits entscheiden. mit Polen in die angeregten Wirtschaftsverhandlungen einzutreten. Ebenso wichtig als das 3a oder Nein zu finden, ist es. die Tatsachen richtig zu erkennen und der Psyche unseres Dolles und unserer Parteien, alten und neuen Fehlern, nachzugehen. Die in Genf geschaffenen Tatsachen und die Folgerungen, die in Paris und London so schnell daraus gezogen worden sind, stehen in ziemlicher Klarheit vor und. Der französischen Politik der wirtschaftlichen Abschnürung Deutschlands kam man. trotz des Herrn Lloyd Georges Standpunkt beschwichtigenden Vorschlages einer die Abgründe in einem geteilten Oberschlesien überbrückenden Wirtschaftsorganisation. aufs neue einige Schritte entgegen. Das redliche Bemühen der in Frage kommenden Völkerbundsmitglieder wurde ohne Frage gespeist und geheizt durch die Späne, die bei einem andern englisch-französischen Geschäft gewonnen wurden. Der Markt ist groß, und im Osten gibt es der Feldbereinigungen genug. Da drückt der englische Ministerpräsident. wenn ein für ihn wichtiges Ziel erreicht werden kann, gerne über dem unhellschwangeren vberschlesischen Problem ein Auge zu. Die Schärfe seiner früheren Meinung. das Ondustriegebiet gehöre kraft eines 600jährtgen Rechtes ungeteilt zu Deilschland. schliff sich ab an wichtigeren Pfeilern der englischen Politik. Die bevorstehende Wa- shingwner Konferenz verträgt keinen Bruch wegen Oberschlesiens. Wright or wrong. Recht oder Unrecht — die britischen Interessen gehen vor. Und warum sollte der wohlunterrichtete Völkerbundsrat nicht auch den Richterblick auf die weltpolitische Notwendigkeit richten, die sich ihm so zwingend aufdrängte, warum sollte er nicht meinen, mit der Zuteilung von 40 Prvz. des strittigen Gebietes an Polen dem gleichen Verhältnis bei der Dollsabstim- mung Genüge geleistet zu haben? Ein neutrales Blatt kennzeichnete die Genfer Entscheidung als ein vollzogenes Urteil Salomos: der zerschnittene Körper verliert das Leben. Germania, das gepeinigte Weib, wird, so kalkulierte man in Genf, Paris und in London, den Schnitt durch das oberschlesische Revier einigermaßen heilen, indem es dem polnischen Teil die unentbehrlichen Brüste des Lebens leiht. Die allerseits dienende Magd wird die vorgeschriebene territoriale Abgrenzung annehmen müssen — denn das fordert der unterzeichnete Versailler Vertrag — und ste wird auch das zum allgemeinen Besten ersonnene Verkehrsverhältnis mit dem polnischen Nachbar nicht von sich abweisen, sonst — wird sie Gewalt zu spüren bekommen. Das ist der brutale Sachverhalt, der nur roenig gemildert wird durch die vielfältigen Privatäußerungen des Auslandes über die Unmöglichkeit und Ungerechttgkett des Genfer Spruches. Und nun lauschen wir, da unsere Regierung zur Salzsäule erstarrt ist. auf die innere Stimme unseres Volles und trägen, was uns da für Kräfte gewachsen sind, die Die Not lehrt nicht allein beten: die Bedrängnis unseres Volles rührt auch andere See- lenkräfte und „heilige Zeichen" auf. die nach dem Faustwort trockenes Sinnen nicht erklärt. Die deutschen Zeitgenossen besinnen sich, ja. wie aus den bewegten Zkundgebungen über das vberschlesische Unheil hervorgeht, allent- halben auf ihren deutschen Eharakter, dem sie mehr schuldig zu sein glauben, als das Wandeln auf den Verführungswegen fremder „Mentalität". Unsere Staatsmänner mögen die psychologischen Probleme des Auslandes lösen; wir stützen und fördern ihre Arbett aber am besten durch eine deutsche und nationale Volkserziehung. Dieses Wort ist jetzt auch bei der Beratung der Schulnovelle in der hessischen Vollskammer wieder stark ! umstritten worden. Was der Abgeordnete >Dingeldey gegen das „sozialistische Bil- dungsweal" sagte, war so recht aus dem Drang der Zett gesprochen. Die BUdung der Einzelpersönlichkeit ist uns in der Schule wahrlich weit wichtiger als die Ermittlung der Zusammenhänge gesellschaftlicher Arbeit. Wer schafft und richtet denn auch heute noch die großen Ereignisse in der Geschichte? Der oben erwähnte Genosse Kraus bezeichnet die „Geschichte der menschlichen Gemeinschaftsbildungen" als das ABE aller Pvlitll. Uns dünkt, das ist ganz recht; aber hinter dem ABE gibt es doch noch andere Kenntnisse, die nötig sind, um die deutsche Sprache, hier also auch die deutsche Polittk, zu beherrschen. Wir können In diesen Dingen freilich auch viel von den Franzosen und Engländern lernen. Die haben ein Nationalbewuhtsein und halten in chrer prakttschen Politik stolz daran fest. Man darf ihre Mentalität nicht nur begreifen wollen, man muß sie jetzt häufig auch durchschauen. n9 der Treis ■Wt unb '9 HM. frb aUf. M187 * lolfli: danach S Unb »eit tt, ‘8^ 'ern wer- Senkung Uhren er» 0.30 Ak 0,20 X 4-X. iegemeister lächelnd als willkommenes Wasser auf seine klappernde Mühle hinnehmen. In der französischen Kammer marschierte bei der letzten Aussprache alles in gleichem Schritt und Tritt. Die gut gespielte Komödie allgemeiner Opposition wider die zu zaghafte Vertretung der französischen Interessen durch das Ministerium Briand zeugt von einer anderen Kunst praktischer Psychologie, als sie der deutsche Genosse spinnt. SS sind noch die alten Kriegsmethoden des Geisteskampfes, die unsere deutsche Front beinahe ärger bedrohten als Trommelfeuer und Tankangriffe. Da liegt das Schlimme: wir Deutsche haben gar keine rechte „Mentalität", an die der Gegner sich kehren könnte. Der Gesamtheit unseres Volkes fehlt noch ein ausgesprochen nationaler Charakter. Wäre er vorhanden, so würden Briand und Lloyd George nicht so leicht Über unser Wollen und Können Hinwegschreiten; chnen fehlt die A ch t u n g vor dem Deutschtum. Das Kabinett Wirth wollte sich bei ihnen durch eine eifrige Erfüllungspolitik beliebt machen, vergebens. Der Kurs von London bis Genf brachte nur Enttäuschungen und endigte mit einer neuen, unerträglichen Verstümmelung des Reichsgebietes. Unsere bedrängten und geängstigten Landsleute in Oberschlesien riefen: Reichskanzler, werde hart? Er aber ist ein hartgesottener Erfüllungspolitiker, der wohl noch immer mit vollen Segeln seinen Kurs gehen möchte. ! Die Entscheidung, wie sie jetzt durch die amtlich« Vckanntmac^mg der Botschafteikonserenz veröffentlicht worden ist, übersteigt alle *3 c • ürchtungen, die wir für unsere Heimat schon in den letzten Wochen hegten. Eure Abgeordneten der Zentrumsfraktion des Reichstages und des Preußischen Landtages verstehen nur zu gut Euren Schmelz und Sure Entrüstung und teilen sie mit Euch aufrichtigen HerzenS Es bedarf wohl keiner ausdrücklichen Versicherung, daß wir rastloS bemüht sind. daS über und hereiggebrvchene Unglück noch in letzter Stunde abzuwenden. Wir werden dabei unterstützt durch das volle Verständnis der Zcnttumsftaktion des Reichstages und des Landtages. die ebenso unablässig tätig die Interessen der Oberschlesier nach allen Seiten hin mit allen Kräften zu wahren. In diesem Sinne bitten wir Euch, wie bisher Vertrauen zu unS und unserer Arbeit zu haben, die Ruhe zu wahren und alle unüberlegten Schritte zu vermeiden. Die wirtschaftlichen Folgen der Teilung. Im „Vorwärts" berechnet ein berg* Wochenrückblick. Die Dotschaf terkvnf erenz hat wieder einmal stramme Saiten aufgezogen, deren Ton unS bis ins Mark erschüttert. Deutschland ist wehrlos dem ihm aufgezwunge- nen neuen Unrecht preisgegeben. Herr Briand ist in seinem Stile der seit Clemenceau bewährten entschlossenen Massivität treu geblieben: er reckt am Schlüsse seines mehr an die Deutschen als an die Polen gerichteten Schreibens sichtbarlich die auch mit einem englischen Hemdärmel eingekleidete Faust und stellt „geeignete Maßnahmen" in Aussicht für den Fall, daß wir und nicht fügen wollten. Ed gibt wohl in Deutschland keinen einzigen Menschen, der bad Genfer Urteil über Oberschlesien für gerecht oder zweckmäßig hält — aber toad ist heute bad große beutsche Voll? — Objekt ber Feinbseligkeit. Mißgunst unb ernt ÄW ‘SentlfrlWl ctcn bv“r W’ »nt« ** “Är. ?n. s.r'Bt Ägs ^^nrovisvri^ rn, fon1 c nh aebf“3 c HrlE w-' n Vl»N ÄSj SiW ySSS Annahme von ünjiloew für die laqesnumm» bi« jum Nachm ltag vorher otzne jede Verbindlichkeit. Dreis für l mm höbe für Anzeigen v 34 mm Breite örthd) 55 ‘Pf , auswärts 65 sage dir. Bater, in Wiesbaden hatte Maria immer gleich die ganze Gesellschaft in der Tasche! ilnb abends siel sie mir um den Hals und tagte: »Es war heute wieder sehr schön!" Der linke Zeigefinger Christoph Warhahns fuhr hoch. »Da siehst du's wieder einmal, dein Bater kocht jede Suppe richtig, dir bleibt nur übrig, sie mit Genus) auszulösfeln!" tlnd das tat der Henner ausgiebig, denn sie schmeckte sehr gut — und richtig satt wurde man nicht vor ihr . . . Die Schelnlenlieder. dvrgrtragen von Frau Maria Wärhahn. wurden d.e Glanznummer des Wohltätigkeitsse'tes. 3n einem kostbaren Spitzeu- kleide, dcö sie ihrem Henner yi Wiesbaden ab- Aus Stadt und Land. Dietzen, den 22. Okt. 1921. * Die Ausstellung zur Bekamp- sung der Geschlechtskrankheiten ist noch bis einschl. Sonntag. 23. Oktober, geöffnet. Eine Verlängerung ist trotz des verspäteten Beginnes nicht möglich, da die Räume anderweitig benötigt werden. ** Wochen Marktbericht. Die Zufuhr an Obst. Gemüse und Geflügel war reichlich, die Preise durchweg hoch. Gefordert wurden für Weitzkraut 90—100 Ml., Rotkraut 120—150 Mk., Wirsing 110—130 Mk., Spinat 140—200 Mk.. Butterkvhl 140—150 Mk., Blumenkohl 150—800 Mark, ^Interkohlradi 40 Pf.. Meerettig 200—250 Mark. Zwiebeln 100—120 Mk., Gelbe Rüben 130 bis 150 Mk., Endivien 100—150 Mk.. Rote Rüben 80 Pf, Aepfel 120—250 Mk.. Dirnen 120—150 Mark, Gänse 7.50—8.00 Mk., Hahnen 15—20 Mr. das Stück, Käse 50—80 Pf. ** Volkshochschule. Das neue Semester beginnt am kommenden Montag. 24. Okt. Eine ausführliche Stundenüdersicht enthält eine Anzeige in dieser Rümmer. — Don der üblichen Eröffnungsfeierlichkeit mutzte dieses Mal a^esehen werden. Als solche kann aber die D a n t e f e i e r gelten, die am kommenden Samstag. 29. d. Mts., stattfindet und über die Rä° heres noch bekannt gemacht wird. (Siehe An- Der Schutz im Blut Roman von Hör st Dodemer. überaus ernsten politischen Verhältnisse. Aber alle Bedenken mutzten zurücktreten hinter der Rotwendigkeit, nicht durch einen wilden Streit einer geringen Minderheit den Tarifgedanken vernichten zu lassen, um dessen Durchsetzung das gesamte Buchdruckgewerbe, Arbeitgeber und Gehilfenschaft, ein Vierteljahrhundert vo bildlich für friedliche Entwicklung aller anderen Gewerbe gekämpft hat. — Da die technischen Belegschaften sämtlicher Betriebe der Vereinigten Zeitungsverleger Groß-Berlins den Druck des Mosse- Blattes verweigerten, wurde ihnen sämtlich gekündigt. Er spricht dann über die Konferenz t n Washington, die die erste internationale Konferenz fei, die das schwere Problem der Entwaffnung anschneiden wolle und dasPrv- blem des Stillen Ozeans. Frankreich werd« dort zeigen, datz es fein Störenfried sei. Es unterhalte nicht aus Vergnügen Tausend« von Mann unter den Waffen. Die Frag« seiner Abreife nach Washington sei eine Vertrauensfrage. Lieber die Lage in Deutschland erklärt Briand ferner, die Politik, die die Regierung verfolge, sei gilt. Frankreich hoffe, datz diese Politik fortgesetzt werde. Wenn Frankreich das Ruhrgebiet allein besetzt hätte, wäre ihm das teuer zu stehen gekommen. Es hätte eine Lage herbeigeführt, die dem Kriege nahe gekommen wäre. Aber wenn die Regierung Wirth gestürzt worden wär«, wenn die Gegner ans Ruder gekommen wären unb erklärt hätten, ie wollten den Vertrag von Versailles nicht mehr anerkennen, dann hätte Frankreich mit allen seinen Alliierten vorgehen können. Er hoffe, datz man niemals zu diesem Aeutzersten. schreiten müsse. Der Ministerpräsident spricht alsdann über die innere Lage Frankreichs. Er erinnert an die republikanischen Konzeptionen und sagt, das Land habe einen guten Sinn. Die letzten Wahlen hätten auf einer breiteren Grundlage stattgefun- den. Die neuen Deputierten, die in die Kammer gekommen seien, wünschten eine solide Regierung, ie wollten aber keine inneren Kämpfe innerhalb der republikanischen Familie. Die Mehrheit der Kammer müsse ein Resormprogramm haben in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung. Die Republikaner achteten die Gewissensfreiheit, aber ie wollten nicht nach rechts gehen und nicht nach der reaktionären Seite. Werur er feine starke Mehrheit erhalte, werde er nicht nach Washington reifen. Er werde bann einem anderen die Sorge überlassen, die Staatsgeschäfte zu führen. Er habe seine Verantwortlichkeit übernommen, jetzt müsse die Kammer das Gleiche tun. Der Präsident verkündet, datz der Abg. Puoch zum Vizepräsident der Kammer gewählt wurde. Hierauf wird die Weiterberatung der 3nter- pellationsdebatte auf Dienstag vertagt. ralle“ gegeben. — Zum Turnerischen Kun st abend am Samstag. 29. Oktober, im Stadttheater haben weiter ihre Mitwirkung zugesagt auch die besten Fechter des Mittelrheinkreises Zimmer- mann unb Stöhr - Offenbach, ferner Kreis- fechtwart ©taffen- Hanau. Das 3ntereffe an der Veranstaltung ist sowohl in unserer Stadt als auch auswärts ein außerordentlich großes, dies zeigt schon die starke Rachfrage nach Eintrittskarten: ein frühzeitiges Bestellen in der Musikalienhandlung von S. Challier empfiehlt sich. Em« zweite Ausführung wird sich mit Rücksicht au! die technischen Schwierigkeiten unb die hohen Kosten vorerst nicht ermöglichen lassen. — Wegen der großen Wichtigteit der Sache sei an dieser Stelle nochmals auf den heute abenb 8 Llhr in der ZohanneSkirche flattfin- denden Vortrag des Direktors Winkler vom Deutschen Verein für christliche (Sv- ziehung in Haus unb Schule aufmevlfam gc- macht Er wird sprechen über das Thema: „Vor- wärtsi Aufwärts! Linser« Forderung an Erziehung und Schule der neuen Zeit". — Der Wartburg-Verein, welcher morgen sein 34. Iahresfest feiert, teilt unS mit, datz beim Festgottesdicnst in der Stadtkirche dec Orchesterverein unter Leitung von Musikdirektor ' mitwirkt. Für die Abendseier in der ist «JJfarrcr Strack- Wallemhausen, des hiesigen Kirchenrats Strack, als gewonnen. Siehe auch 3nferat sehr temperamentvoll geführt: Christensen rang diesmal sehr fair. Bei dem freien Ringkampf Ach- ner gegen Zilch siegte der dicke Achner durch nur wegen des bisher guten Verhältnisses zu f Scherengriff. — Heute Samstag ringen im Stich» dern Personal, sondern auch in Erwägung der i kampf der 250 Pfund schwere Daher Achner gegen „Haben Sie gehört, datz sieben Heine Lcule aus meinem Dorfe gänzlich abgebrannt sind'«' Ha, Sie nicken, denken, nun kommt er um hundert Taler schnurren. Keine Ahnung, liebe Frai Marie! Bei solcher Gelegenheit greift man still- sctüoeigend in die eigene Tasche. Aber das Langt nicht! Da bin ich aus den Gedanken getommen, unter Deistand des Herrn Landcats ein Wobl- tätigkeitssest in Fritzlar in die Wege zu litten. Unb überall hat man mir Verständnis entgegengebracht, wo ich bisher angeklopst habe. Immer hörte ich nur die Bedenken: „Wunderschön, aber wie wollen Sie ein abendfüllendes Programm zustande bringen ?“ — »Kleinigkeit," hab ich geantwortet. Unb dabei hab« ich natürlich in erster Linie an Sie gedacht. Richt wahr. Sie verschönen das Fest mit ihrem künstlerischen Spiel?" .Selbstverständlich! Von Herzen gern! Unb wenn Sie es wünschen, finge ich noch ein paar harmlose Schelmenlieder für Ihre Abgebrannten!" „Tausend Dank! Ich hab's ja gleich gewutzt. bei der lieben Frau Marie hol ich mir feinen Korb! Bitte, kommen Sie nächsten Mtttwoch um fünf älhr in die Kaiserpfalz in Fritzlar, bu werden die Herrschaften, die mir ihre Unterstützung zugesagi haben, anwesend sein! Ich möchte, Ihr .guter Geschmack wäre ausschlaggebend bei der Aufstellung des Programms! And für heute bitte ich. mich zu entschuldigen, ich will noch weiter. Sonntags trifft man die Herrschaften ßu Hause anl** Der alte Wärhahn rieb sich vergnügt die Hande. Da zeigt« es sich was der „Schutz un Blute" wert war. Rasse stand da oben! Unb der Henner leckte die Lippen! Allen Grund hatte er dazu! „Herrgott nein, was. haben Sie für eine Frau!" sagten die Herren mit dem Brustton der Ueberzeugung zu ihm. Unb er lachte, wie einer lachen kann, der das bewunderte Kleinod besitzt. Der Baron Adalbert Züschen aber sah mit vrrgestrecktem Kinn, die Spitzen der gespreizten Finger gegeneinander gedrückt, auf feinem Stuhle. Donnerwetter, war das ein Weib! Bei den Proben war sie gar nicht so aus sich beraangegangen, ihm war's auch, als habe sie ihm soeben ein paar ganz raffiniert verstohlene Blicke zugeworfen. D«r Lebemann meldete sich in ihm. So etwas lag in harten Bauernstuben! Das wollte gestreichelt fein. Die Klaue von Henner konnte das gar nicht. Er schielte nach seiner kühlen Frau zu seiner Rechten, die hatte ihr gelangweiltes Gesicht aufgesetzt, das ibm_ so über die Rerven ging. Ein müdes, fast verächtliches Lächeln fhielte um ihren Mund, während sie die schöne Frau durch ihre Lorgnette musterte. ES hatte ihm früher einmal ein guter Freund gesagt: „Du, zum Ehemann taugst du nicht!" Cs war bei einem gemütlichen Umtrunk zu zweien gewesen. Er- hatte gelacht, noch mit keinem Atemzuge daran gedacht, sich unters Ehejoch *u beu-r Aus Hessen. Hessische Landtagskaudidaturen. Der Landesausschutz der Hessischen Zentrumspariei hat in seiner am Dienstag in Mainz abgehaltenen Sitzung für die Landtagswahl die folgenden ersten 14 Kandidaten ausgestellt: Lenhart, Domkapitular, Mainz. Iustizminister v. Brentano -Darmstadt, Ministerialrat U e b e l - Dieburg, Arbeitersekretär Knoll- Mainz, Rechtsanwalt Ruh- Worms, Landwirt Blank- Gaulsheim, Gewerkschaftssekretär Felder-Mainz, Frau Hattemer- Darmstadt, Weirchändler S o h e r r - Dingen, Fabrikant Hofmann- Seligenstadt, Landwirt Wagner- Kl.-Dreitenbach, Rechnungsrat Herbert- Darmstadt, Seminarlehrer Hofmann- Alzeh, Rechtsanwalt Dockius-Mainz. Aus dem besetzten Gebier. Desatzungsbauten. fpd. C o b l e n z, 21. Oft. Die auf Reichskosten hergestellten Wohnhausbauten für die amerikanischen Desatzungstruppen sind soweit fertiggestellt, dah sie in den nächsten Lagen bezogen werden können. Alle Wohnungen sind aufs „komfortabelste- eingerichtet: Sammelheizung, elektrisches Licht, Warm- und Kaltwasserleitung usw. Jede Wohnung hat ihre eigene Küche und eigenes Dad und ist vollständig abgeschlossen. fpd. Strahburg, 20. Oft. Die französische Rheinflotte wird im Frühjahr 1921 durch zahlreiche neue Schiffe v e r st ä r k t. Ein Teil der von Deutschland an Frankreich abgegebenen Schiffe wird der Rheinflotte zugeteilt. Auch werden künftig besondere Patrouillen- und militärische Transportschiffe in den Dienst gestellt werden, die ihren ständigen Standort im Straßburger Rheinhafen erhal- imb Duisburg neue PsLnber nehmen wollen, damit Elsen im Bereich der französischen Kanonen liege. Es sei eine sehr lange Debatte nötig gewesen, um mit den Alliierten zu einer Einigung zu kommen. Vor dem Verfalltag vom 1. Mai habe Frankreich feinen Alliierten gesagt, wenn Deutschland sich nicht unterwerfe, dann werde Frankreich eine Geste mehr machen, und zwar wirtschaftlicher und militärischer Art. So hab« man die Iahresklasse 1919 mobilisiert. Cs sei leicht, jetzt zu kritisieren. Aber wenn man die Verantwortung trage, dann durchlebe man ernste Augenblicke. Einen Augenblick habe es den Anschein gehabt, daß alles zu End« sei. Sogar eine befreundete Intervention sei nötig gewesen. Frankreich sei stark: es sei sogar an einem Maximum der Kraft angekommen. Aber es müsse sich auch um die Imponderabilien der Weltlage fünnnem. Die materielle und moralische Kraft Frankreichs berechtige zu allen Hoffnungen. Wie könne man behaupten, dah Deutschland bis an die Zähne bewaffnet fei, wenn es fast sämtliche Waffen ausgeliefert habe? Zweifellos bleibe Deutschland immer eine Ration von 70 Millionen Menschen und eine beständige Gefahr. Es könne die zerstörten Kanonen wieder fabrizieren. Gewiß! Aber es sei doch ungerecht, der Regierung vorzuwersen, dah sie noch nicht die „Kanonen von morgen" zerstört habe. Der Ministerpräsident spricht als» dann von der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten. Frankreich sei bereit, sie in contumaciam aß- juurteilen. Die Regierung von Angora habe etngetoUllgt, gemeinsam mit Frankreich die Grenze von Cilizien festzusetzen. Das sei ein Vorteil für Syrien. Rachdem Ministerpräsident Driand dann noch kurz von seiner Reise nach Washington ge- sproch^n hatte, verlangte er, sich einen Augenblick ausruhen zu dürfen. Die Sitzung wurde deshalb um halb 6 älhr unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung fährt Ministerpräsident Driand in seiner Rede fort, indem er sagt, die Wiederherstellung des Gleichgewichts des Wechselkurses müsse die ganze Welt besorgt machen, aber man dürfe trotzdem die Realisierungen nicht aus dem Auge verlieren, die man von Deutschland erwarten müsse. Den ersten Verfalltag habe Deutschland eingehalten. Der lange Krieg habe sämtliche Staatskassen in Mitleidenschaft gezogen. Für das Individium sei dies nicht der Fall, sie hätten sich im Gegenteil mit dem Gelde bereichert. Die Lage in Deutschland sei nicht anders. Die Regierung des Reichskanzlers Wirth habe den aufrichtigen Wunsch, ihre Verpflichtungen zu halten. Sie habe ernstliche Anstrengungen für die Entwaffnung gemacht und auch in finanzieller Hinsicht. Deutschland müsse in ausländischen Devisen zahlen. .Unter den Gegnern des Dr. Wirch besinden sich die groben Finanz- Heute und die G r o h i n d u ft r i e l l e n. Sie exportierten in Waren und in Kapitalien, kauften Fabriken und Zeitungen im Ausland und bereiteten indessen den Vankerott Deutschlands vor. Dieser Bankerott wäre nicht aufrichtig. Ganz Deutschland sei solidarisch und man werde sich nicht täuschen lassen (Lebhafter Beifall). Man müsse Deutschland die Erfüllung feiner Verpflichtungen erleichtern. Die Mittel, die zu diesem Ziele führen könnten, seien verwirklicht. Man hab« Lvucheur vorgeworfen, dah er Fühlung mit Rathenau genommen habe. Er habe in vollem Einverständnis mit allen seinen Kollegen gehandelt. Das wirtschaftlicheAb» t o m m e n würde gestatten, das Deutschland zu entlasten, mit dem man in Frieden leben könne. Die Deparationskommission und die Alliierten seien loyal von den Verhandlungen unterrichtet worden. Das Abkommen verpflichte Frank» - r e i ch n i ch t. Es sei gewissermaßen eine Option. Derartige Verhandlungen hätten bei dem gesunden Teil der deutschen Bevölkerung den besten Effekt gemacht. Cs gäbe in Deutschland, wie in Frankreich Leute, die schrecklich durch den Krieg gelitten hätten und den Versuch machten, den Frieden zu stabilisieren. (Deifall auf zahlreichen Bänken.) Der Ministerpräsident spricht alsdann über das Saargebiet und über die Rheinland e. Im Rheinland, in dem eine tiefe Verwandtschaft mit Frankreich vorhanden sei, wäre es ein Irrtum, zu glauben, datz die Bevölkerung ihr Daterlano verlassen wolle, aber wenn man dahin gelangen könnte, daß die Rheinlande nicht mehr von Preuhen regiert würden, hätte man schon ein grobes Ergebnis erzielt. Driand erinnert daran, dah die Zo l l - Iin i e am Rhein durch eine gemeinsame Entscheidung der Alliierten aufgerichtet wurde unb daß sie darauf verzichtet hätten, sobald si« ihren Zweck erreicht hatten.DieAlliierten wolltenDeutsch» land helfen, feine Verpflichtungen auszuführen. Was hätten sie Deutschland antworten sollen, wenn es gesagt hätte, ihr verlangt viel Geld, aber ihr paralysiert unfern Handel durch di« Zollgrenze? Driand gibt der Kammer die Ver- ficherung, dah die Kontrollkommiffion funktioniere. den Altmeister Michael Hitzler bi» zur Entscheidung: für den Sieger in diesem Kampf tourben gestern durch einen hiesigen Sportsmann noch 100 Mark gefoenbet. Ausserdem ringen Christensen gegen Zilch ebenfalls bis zur Entscheibung. — Morgen. Sonntag, ist Abschiedsvorstellung des Varietes unb Entscheidungskämpfe der heutigen Sieger. Rach Schlub der Kämpfe erfolgt die Preis- verteilung. Bornotizen. — Tageskalender für SamStag: Geschichtsverein, 3 Llhr, Führung durch das Altertumsmuseum im alten Schloh am Brand. — Io- hanneskirche, 8 Uhr, Vortrag des Deutschen 'Bun» des für christlich-evangelische Erziehung — Post- keller, 8 Ufcr, Mitgliederversammün i des Vereins ehemaliger 116er. — F« senkeller, 8-Ubr. Oeffent- lich« Versammlung des Bundes deutscher Boden- reformer. — Hotel Einhorn,' 8 Uhr, Ringkämpfe unb DarietS. — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 3 Uhr, „Die Lokalbahn" unb .Erster' Klasse": 61/. Uhr „Die Postmeisterin". — Gewerk- chaftshaus, 31/» Uhr, Generalversammlung des Konsumvereins Gießen und Umgebung. — Aeuc Aula, 5 Uhr, Konzert des Schorg-Quartetts als erstes Konzert des Konzertvereins. — Turnhalle am OswaldSgarten, 8 Uhr, Familienabend des Wartburg-Vereins. — Hotel Einhorn, 8 Uhr, Ringkämpfe und Varietö. «• — Aus dem Stabttheaterbureau Cs sei neben der morgigen Abendauf ührung der „P o st m e i st e ri n" auch besonders auf die Rachmittagsvorstellung hingewiesen, die des jüngst verstorbenen Ludwig Thomas köstliche Werke .Die Lokalbahn" und „Erster Klasse" bringt. 'Beiße Stücke gehen hier in einer von Publikum unb Presse als vorzüglich anerfannten Darstellung in Szene und das letzter« Stück hat noch befonberen Reiz durch das Szenenbllb, bas ein Eisenbahnabteil in einem fahrenben Zuge darstellt. — In Abänberung des SpielplanS wirk am nächsten Mittwoch statt „Die Postmeisterin" ein Gastspiel des Reuen Theater- in Frankfurt mit Georg Kaisers »Ko- Als der Baron gegangen war, lachte Maria geschmeichelt hatte, flanb sie ganz vorn an Der hell aus. Ihr Schwiegervater unb der Henner Bühnenrampe. Wie drollig si« die Lippen aufhatten sich geradezu tollpatschig benommen. Der werfen und den Kopf ein wenig zur Seite neigen Baron aber hatte getan, als ob 6r es gar nicht konnte, wie der ®d>aü auS ihren Veilchen lüauen bemerke "'':gen blitzte! Di« schönste Frau im ganzen Ist es euch vielleicht nicht recht? Ich hab ' S ale fta. b ta oben auf 'der Düh..e I des Li b ” * — u,iifte, unb doch ging keins bis an bie Grenze des Erlaubten. Rach jedem tobte der Beifall. Küertervoraussage für Sonntag: Vorwiegend wolkig und trocken, strichweife Riederschläge, Temperatur nicht verändert, Winde aus westlichen Richtungen. Tiefbeuckwirbel bes über Rvrdeuropa ziehen- den Tiefs beeinflußen unsere Wetterlage unb bringen uns Bewölkung unb Rieberschläge. Hessen-Nassau. Um die Hauptwache " sd Frankfurt a.M., 21. Okt. Der Barmer,Bankverein hat der Stadt für die Ueberlgssung der altbekannten Hauptwache zu einem Bankgebäude einen jährlichen Pachtpreis von 200 000 Mark geboten und fein Angebot, als der Magistrat darauf nicht einging, auf 300 000 Mark gesteigert. Der OKagiftrai steht aber jetzt auf dem Standpunkt, daß der Bankverein ein noch sehr viel höheres Pachtung« bok machen mutz, wenn ihm die Hauptwache als Dank- gebäude überlassen werden soll. mc. Frankfurt a. M., 21. Oft. Der Magistrat hat die von der Stadwervrd- netenversammlung für die Hungernden in Ruftiand^cwiHigtenMittekin Höhe von 50 000 Mk. wiederholt abgelehnt. ^en. Wenn er's in^Ruhe überdachte, hatte der Freund recht Satz man aber allein auf einem großen Gute, so wurde daS langwellig auf bte Dauer Und feinem eigenen Fleisch und Blut seinen Reichtum vererben wollte man doch auch' Da hatte er, als die liebe Frau Alane ihren Jungen erwartet«, kurz«n Proz«tz gemacht. Zu Reichtum gehörte Reichtum, unb in eine Familie einzuheiraten. die gute Beziehungen nach oben hatte, war nie eine Dummheit gewesen. Wenigstens war das fern Standpunkt. Rur Züschen lag für eine junge Frau, die das brausende Leben gewöhnt war, etwas abseits von der Welt. Und in einem halben Jahre erwartete sie ihr erstes Kind'! Angehend« Mütter waren leicht reizbar. Das hatte er in den letzten Wochen recht oft zu fühlen bekommen. Ra, eS kamen auch coicber einmal anbere Zeiten. Aber, Herrgott nochmal, er hatte Temperament l Unb diese Frau aus bei Bühne würbe schöner mit jebem Tage. Tüchtig klatschte er zu ihren Schekmenliebern Beifall. Und sagte chr nach bet Aufführung allerlei Artigkeiten. „Die liebe Frau Marie" hört« sie lächelnd an Sie hatte sich vor ihrem Auftreten nicht sehen lassen. Eindruck hatte sie aus Adalbert Züschen machen wollen, unb das war ihr glänzend gelungen. Auch die Baronin Züschen merkte das Sie wurde erregt, führt« bi« Lorgnette immer wieder an die Augen unb sagte fchlletz- lich recht laut zu einem Hauptmann ber Reitenden Artillerie: „Mein Mann fällt anscheinend in eine Kinderkrankheit zurück. An Chansonetien pflegen bie Herren in ihren Iugenbjahren nicht immer achtlos vorüberzugehen!" 1 (Fortsetzung folgte Berlin, 22. Okt. (WB.) Die Bereinigten Zeitu ngsverkeger Grotz-Ber- lins erlassen folgende Erklärung: Der Kamps für den Laris im Zeitu.igsgewerbe unb ber Konflikt im Druckereibetrieb der Berliner Zeitungen erfuhr mit dem heutigen Tage eine sehr bedauerliche Verschärfung. Seit Dienstag lieben die Derliner Zeitungsverleger ihre Zeitungen aus Solidarität mit ber Firma Mosse. deren Personal unter Tarifbruch in den Streit trat, nicht erscheinen. Sie taten das, obwohl sie in der Hoffnung auf eine Verständigung ihr ganzes Personal unter voller Bezahlung in den Betrieben hielten. Die damtt verbundenen sehr erheblichen Kosten nahmen sie auf sich, um die Absicht der tarifbrüchigen Belegschaft des Mosse- Verlages zu vereiteln, unb diese durch die Konkurrenz der anderen Zeitungen unter das Joch zu zwingen. Vergeblich setzten sich der Reichsarbeitsminister und die Gewerkschaft in eindringlichst er Weise für die Wiederaufnahme ber Arbeit des Mossescken Personals ein. Das Personal verblieb jedoch bei der Ablehnung. Daraufhin unternahmen die Zeitungsv.rleger einen erneuten Versuch, di« Solidarität mit ber bebrängten Firma dadurch zu 'bekunden, datz das „Berliner Tageblatt" in anderen Zeitungsdruckereien hergestellt werden sollte Von einer Streikarbeit konnte dabei nicht die Rede sein, da die Wvssesche Belegschaft durch das paritätisch besetzte Schiedsgericht ein« stimmig, also auch mit den Stimmen der Arbeit-; ** Konzertverein. In der gestrigen nehmer, als tarifbrüchig erklärt worden war. In Vorbesprechung haben sich einige Druckfehler ein- denjenigen Zeitungsbetrieben, in denen die Ad» geschlichen. Es ist richtig zu lesen: Zelle 34 lchnung der Arbeit erfolgte, wurde daher wegen „K a i m orchester", nicht Kaiserorchester. Abfchn.II unberechtigter Arbeitsverweigerung bie fristlose ' Zeile 18 „Primgeige", nicht Primageige. Entlassung der an der Herstellung der Zeitungen ' ** Entscheidungsringkämpfe beteiligten Personale ausgesprochen. Der Ver- Hotel Einhorn. Gestern siegte im En «s abI 8“ nei Mi € I u ß fd d! «■ 5» nnb. VH 'tzr^ ^tngfiiy, «6°ut4. . ^.4 1 -®tW imniliuxg l, n-Y Quartett- Qd - 'ZurnWi enab«nd >°rn, z Utzi ,5.^urrs. 'I llhNlNg bt, °u! Ke Dach. Ljj W Aitze Der!, er Älaflf 'n einer tm b anerfamuer tenötüd ba> ientnbüb, boj drrnden PielOlanj Postviriliem- Heater» I, 'Itti ,R0. ^unflabtnb n SlüLllhrairi «Kgl auch b« Zimmer, serner Äreii- 3nlettl|e ai erer Siadi ali gwges, bid ach Sintrittfr 1 der MM- M iich- 3uw Wicht au! bv 1 hohen Aos» Mi da Such' m| den (eit ürche fiaäfm- liniier Dom istliche 6v- uifmerflam ge- Thema: .Tor- ?mng an 6t» tr. rein, tvricher t’ilt uns mit Stadtkirche k. Fu/iS/reLoi adseier in bet Mmf*" ötrad, al» 1 Inserat. ge den, strichvci'r rränbert Dirk deuropa ziehen» Wetterlage und Lerschläge. hr. LA. Der "Sa r* Stadt für bic HaupNvache zu ichen Pachlptri» :in Angebot, As ina, aus 30000) steht aber M ’Cßanfixrtin ein achtangedv- wache als D°n!' 21. Ott. Do >r Stadtvervl-' ngerildeau' Mittel kW M.aus^ MliS eisch und 2M *.rg^’" tc WJV? and fE Aeiten' nann Chlorodont , Dörsenkurse 2Lm 401,50 417, 695, 22. 10 Schweizer Franken schon Kr. 100 L. attien fanden reg« Beachtung, behaupteten ihren Kursstand. A l-ttve.ke Klcyer Der Gewerbebetrieben abgetehnt. 850, 1099, 605, 668, Ge. für hier 100 100 100 100 100 1 100 100 100 100 100 Bundesrat hat weitere Erleichterungen für den Grer.zübertritt verfügt. Die Kartosfelversorgung. fpb. Frankfurt a.M., 21. Oft. Seit Freitag ist in der ganzen Stadt ein empfind- lichrr Mangel an Kartoffeln ringe» treten. 3m Kleinhandel muh die Hausfrau erst rin halbes Dutzend Geschäfte ablaufen, ehe sie einige Pfund ergattern kann. Das Pfund Kartoffeln kostet im Sinzelverkauf be- -rritS 1,10 Mark. 9,18 162,30 21,47 49,85 9,22 162,70 21,53 49,95 Hand'lskammer Giesten abzu haltende schSslsstenvgrapben-Prüfung Stenographen aller Systeme sei nochmal- besonders hingewiesen. Die Derwendung der Kurzschrift ist ja . Privatdiskoni 33/4 Prozent. Frankfurt a. M., 22. Oftober. Berliner Devisenmarkt. Saturn: 5e, Stsch. ÄriegAanL 4* ,Dtsch. ReichSanl. 3*. Stsch. ReichSanl. 4*. Preuh. KonsolS Hamburg-Pakett.. . Dlorddeutscher Lloyd Comm.u Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconlo-Gesellschast Dresdner Bank. . . Mitteld. Lreditbank. Rationalbank s. S. . Boch. Guhstahlwerke Bud.» Gisenw- Akt.. D.-Lusemb. Dergw.. Gelsenkirch. Bergw.. Harpener Bergbau. Oberschl. Eisenb.-B. Oberschles. Eisenind. Phönir-Dergb - Akt. Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg Slektt -Ges. . . Felten & Guilleaume Schuckert-Wette. . . Adlcrwerke Daimler 4'. Hess. StaatSanl. Electron Griesheim Dtsche. BereinSbank 400,— 350,- 365,- 925,50 890,- 838,- 870,- 1120,- 908,- 908.- 1030,- 70,- 683,- 674,50 998,- 649,75 594,- 549,- 62,- 800,- Wechsel auf Holland Deutschland . . . . Wien Prag Paris London Italien....... Brüssel....... Budapest Reuyork....... Agram Bukarest Stenographie. Geschaftssienographen-Prüfung. Aus die erstmalig am 6. November durch die Datum: Amsterdam-Rotterd. Brüssel-Antwerpen. Ehristiania Kopenhagen Stockholm Helflngfvrs Italien London Aeuyvrk Paris Schweiz Spanien Wien (alteS) . . . . Deutsch-Oesterr. . . . Prag Budapest . . Buenos Aires . . . Bulgarien Konstantinopel . . . Züricher Devisenmarkt. 21. 10. Handel. Eine Filiale der Russischen Staatsbank in Berlin. Berlin. 22. Oft. Wie die »Rote Fahne" mitteilt, wird in der nächsten Zeit in Berlin eine Filiale der Russischen Staatsbank eröffnet werden. konfirm. 2Eötkt<-i d. Zohannesgt rncir de. W i e s e ck 23. Oft. Erntedankfest. Dor- mitt. 9«',: Ha^ptgouesdienst (Fiauer.chsr). Opfer für die neue Glock. 10' 4: Kinderftrche. Abds. 7,/r Erntefeicr (Mädche.-chvr/ Opfer für Oppau. — Drnnecstag. 27. Oft., abds. 8: Mädchenadend — Sonntag. 23. Oft. norm. 10: Kirchberg. Ernte-Dank,est. Kollelte für Oppau. —Hl. Abendmahl für Daudringen und RutterShau- f en. — Rachm. 2: K i rchber g: Einweihung deS Ehrendenftnals für d»e Gefallenen deS Kirchspiels. Kollekte. Katholische Gemeinde. Samstag. 22. Oft. rachm 5 u. addS. 8 tlhr: Gelegenh z. Hs. Beichte. — Sonntag. 23. Oft. 23. Sonntag nach Pfingsten. Torrn. 6> : Gelegen!) z. hl. Deichte. 7: Sy. Messe. 8: Abteilung d hl- Kcmmunion. 9: Hcchaml m. Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Rachm. 3: Christ en lehre: darauf Rolen- kranzandachl m. Segen. 4 Hausangestellren- Devein. - Dienstag u. Freitag, abcuM 6«/-: Rosenkranzandacht mit Segen. Diaspora-Gottesdienst am 23. OIL Dr ün b« r g, vorm. 9»,, tlhr. Kathvl. Gottesdienst. 23. Oft. Lich, vorm. 10, nachm. i/$3. — Hungen, vorm. 8 tlhr. 184.- 3.05 0.30 5.60 39.10 2L10 21.10 38-60 0.70 538.- 1.75 395 Kurs Kurs 20.10. 21. 10. -,- 77,50 weiter gesucht. 605. Daimler dagegen schwächten sich ab. Chemische Werte lebhaft Am Markte der EinheitSwerte kam cs zu gröberen Umsätzen. Reckarfulmer, 880 verloren 20 Proz. Bankaktien ruhiger, aber fest. Auch Schiffahrtsaktien be- Kreis Wetzlar, b. Kleinrechtenbach. 20. Oft (In einem Teil der Auslage wiederholL) Oberschlesien nach der Entscheidung. K a t t 0 w i d. 21. Oft. (DTB ) Die Lag, in Oberschlesien ist in Anbetracht der Veröffentlichung der Sntscheidung ausS Höch st e gespannt. Trohdem ist es, soweit bis letzt bekannt, nirgeirds zu Zwitchensällen gekommen. Rur wird auS dem Äveile Rhdnik gemeldet, das; dort die Polen ihre Drohungen gegen GetUliche vx-hrgemacht Haden. Pfarrer Gediga muhte aus seiner Pfarrei Hieben. Die Reparationskommission über daS Wiesbadener Abkomme«. Paris. 20. Oft. (WTB.) Die Aepara- t i 0 n s k v m m i f f i v n hat die Priifung des Wiesbadener Abkommen« vollende: u Ö die zu erteilenden Antworten festgelc-gt: Die Rc- parationskvmmission erklärt sich vollkc-mmer. einverstanden mit den allgemeinen Grundsätzen des AbkcmmenS, nach 'denen Vereinbarungen v?iq • schlagen werden, um Detltschland den gröstt- möglichsten TeU fehler Rcparationsvervsl'ch! :n- • gen in Form von Sachleistungen zu crlcichl^rn. namentlich zum Zwecke des leichteren Wieder- ausbauS. Die ReparationSkvmmi'sion glaubt ie- doch, das) das Abkommen gewisse Abweich»nger enthält von den Bestimmungen des Teiles 8 des Friedensvertrages von Versailles, namentlich aber von Artikel 231 ünd § 12 und 19 deS Anh 2, ivwie tz 5 des Anh 4. Da die Reparation-- kcmmission nicht zuständig sei, erhebliche Aen- dcrungen vorzunehmen, werde die Kommission diese Bedenken an die Regierungen wcitergcden. die in der Rcparationskvn.nusslon vertreten sv:d. und auch ihnen zu diesem Zivecke eine Abschrift deS Wiesbadener Abkommens zustcl:en, mit d.m Ersuchen zur Prüfung. Die RelxiralionSkommis- sion empfiehlt unter Vorbehalt etwaiqer Garantien, welche die Alliierten evtl, verlangen können, um ihre Interessen sicherzustellen, dast Frankreich Vernünftige Erleichterungen gewad t, wenn damit die Zahlung für die Zusatz-Sachlicferuw gen hinausgeschoben werden könne. Die Finanzlage Oesterreichs vor der Repa» rationökommission. Paris. 21. Oft. (WTB.) Havas meldet amtlich, das) die 'Reparationskommission einen UnterauSschust zum Studium der wirtschaftlichen Lage und der Verteilung der VorkrieaS- schulden Oesterreichs eingeent hat. Sic ‘Jlüi- glieder sind: 1 Engländer. 1 Franzose, die Vertreter der Aachfvlgestaaten, 1 Italiener. Die An ruhen in Portugal. Paris, 21. Oft. (WTB.) „Journal- ver» össentlicht eine 2lachricht aus Listabon, dast die Revolutionäre siegreich sind. Bon dem gegenwärtigenMinisteriumseiener- mordet worden: Ministerpräsident Antonio Granjv, Admiral Machode. Santus EarluS und Silos. Sturz deS albanischen Kabinetts. London, 20. Oft (WTB.) Sin Telegramm auS Durazzo meldet den Sturz des albanischen Kabinetts. Gründe werden nicht angegeben. Der Achtstundentag in der Schweiz abgelehnt. Bern, 20. Oft. (WB.) Der Städterat ; hat mit 22 gegen 1 Stimme ent|pr. dem Au trag des Bundesrats und dem Beschluf) deS 2ia- 1 tivnalrats den Beitritt zum Washingtvner Aeber- ■ einkommen betr. den Achtstundentag in den 187.- 3.75 0.30 5.95 40.50 21.65 21V0 39.80 0.75 555 - 1.6i) 4.15 9,08 9,12 169,30 169,70 22,62 22,68 49,95 50,05 Geld Brief Geld Dries 20. Dkt. 21. Dht 5344,65 5356,35 5204,75 5215,25 1120,85 1123,15 1119,35 1121,65 2012,95 2017,05 1978, - 1982,- 3031,95 3038,05 2947,05 2952,95 3596,30 3703,70 3596,40 3603 65 234,75 235,25 239,75 240,25 614,35 615,65 615,35 616,65 614,35 6 7,65 612,85 614,15 157,84 158,16 155,34 155,66 1123,85 112*,15 1137 85 1140,15 2867,10 2872,90 2857,10 2862,90 2022,55 2027,55 2055,40 2059,60 Fl- = Mk- — Kr- = 5ft. = Fr. — £ — L. = Fr. = Kr. = Der Obstmarkt war reichlich. Aepf^l 150 bis 275 Mk.. Birnen 175—300 Mk^ Trauben 450-500 Mk.. Butter 35—36 Mk. pro Pfund. Geflügel 9—12 Mk. pro Pfund Lebendgewicht. Feldhasen, abgewogen, 9—10 Mk. im ganzen ötüd das Pfund. Handkäse kosteten 85 Mk. das Hundert. Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Kirche und Schule. • LangSdorf. 20. Oft Gestern abend hielt auf Ginladung deS hiesigen Zwelgverein» des Svangelischen Bundes Pfarrer D a p - per auS Dlessenbach in unserer Kirche einen spannenden Vortrag über die Rot der evangelischen Sache und die sich daraus ergebende Ausgabe der bewustlen Protestanten. Dine Gaben- sammlung von 190 Mk. wurde für die Schwesternschaft dcS Svangelischen Bundes bestimmt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, 23. Oft., 22. nach TrinitatiS. In derStadtkirche. Vorm. 9 Vs Ufor: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. MatthLuSgemernde: Pfr Mahr. AddS. 6: Pfr. Becker. — Montag, 24. Oft.. abdS 8: Bereinigung d. konfirm, männl- Jugend der MalthäuSgemeinde. — Donnerstag, 27. Oft., abdS. ^Bereinigung d. konfirm, weidl. Jugend d. Mr: Pfarrastist. Müller. 11: Kinderkirche f. d. LukaSgemelnde: Pfr BechtclSbeimer. Abds. 6: Pfr. Ausield. AddS. 8: Bibeldesprechung im IohanneSsaal: Pfr. Adolph. — Montag. 24. Oft.. addS. 7Vs: Iu- gendvereinigung d. Lukasgcmeinde (weidl. Äbtlg ). — Freitag, 28. Ott, abds. 6: Vereinigung d. Vcnntag ging hier gegen Abend auf der .Pfingstweide" ein Luftballon nieder. Insasse war ein Herr aus Bad-Rau heim, wo auch der Ballon aufgestiegen war. d. D 0 r n h 0 l 4 h a u s e n, 20. Oft Sine sell- käme Begegnung mit einem Auto batte ein junger Mann von hier, als er adenbZ mit Gin tritt der Dunkelheit von Grostrecht-mbach nach Hause ging. Auf der Höhr von Kleinrechtendach überholte ihn ein von Weilar kommendes Auto, welches etwa 100 Meter an ihm vorbei fuhr und dann halten blieb Dem Auto entflieg eine junge elegant gekleidete Dame, die auf Den jungen Mann zuging und ihn bat. bis nach Butzbach mitzufahren. e» sei noch ein Platz im Auto frei. AIS er dies ablehnte und erklärte, im nächsten Orte wohnhaft zu sein und biS dorthin zu Fuk) geben zu können, ging die Dame wieder zum Auto zurück, daS alsdann In der Richtung nach Butzbach wciterfuhr. soweit vorgeschritten, dast eigentlich nur derjenige, der noch nich» im Berufsleben steht, nicht darüber unterrichtet sein kann: gibt es doch säst keinen kB ruf, in dem nicht die grohe De^eutunn der Ku z- schrift für eine leichtere, schnellere und bessere Ar- beitserledigung zutage tritt. Insbesondere läßt sich ein schneller und ordnung-mähioer Betrieb in gröberen Geschäftshäusern nicht mehr ohne die Kurzschrift vorstellen. Diktate ersparen hier nicht mir viel Zeit, sondern verbürgen auch die richtige Ausführung der Anordnung Dast auch die hessischen Handelskammern sich der dankbaren Ausgabe unterziehen und alljährlich im Frühjahr und Herbst Fertigkeitsprüfungen in allen Abteilungen von 150 Silben ab aufwärts abhalten wollen, verdient Anerkennung und wird aewih von dem Heer der Angestellten aller schreibenden Berufe, für die die Kurzschrift eine unentbehrliche Dienerin und ein unschätzbares Rüstzeug im Leben geworden ist. allseits begrüßt werden, bringt doch eine erfolgreiche Beteiligung hieran sie in den Besitz eines nicht zu unterschätzenden Zeugnisses. daS nicht wie seither den Stempel einett Privatunternehmens oder einer privaten Stenoqravhieschule an sich trägt Auch von seilen der Arbeitgeber wird die Einrichtung freudig begrübt und bei Stellenbesetzungen gewih den von der Handelskammer geprüften, anerkannt brauchbaren Stenographen der Vorzug gegeben werden. Meldungen für die erstmalige Prüfung sind bis zum 25. Oktober 1921 an die Handelskammer Giesten. von welcher auch die Bedingungen erhältlich sind, einzureichen. Gebrüder Thal 1115. Junge Ufa 320 bis 325, Deutsche Petroleum 1515—1500. Montanpaviere lagen fest. Braunkohle ak len ft.'.rt ges agt Kil> ~ v Laurahütte mit 630 Frankfurt a. M., 21. Olt. Dorfen- ftimmungSbild. Die Dorfe zeigte heute eine unruhige Tendenz. Die bereits gestern Abend zu verzeichnen gewesene Devisenabschwächung setzte sich heute vorbörslich fort. Dei Deginn war man fester. Valutawerte zeigen eine Reigung zur Rach- n" *tit Besonders waren es Mexikaner, welche er lagen, während für österreichische Papiere sich regere Kauflust einstellte. Auf den meisten Marktgebieten erfuhren die Kurse beträchtliche Erhöhungen. wenngleich die Aufwärtsbewegung nicht so stürmisch war. wie an 'Den Vortagen. Auf dem Markte 6er amtlich nicht notierten Werte zeigte sich grobe Aachs rage nach Gresfenina, welche bis 1010 gesteigert wurden. Sichel wurde 1840, Rastatter 725 gehandelt. Benz notierten nzbiger, zirka 890. Au her dem wurden folgende Kurse genannt: Israel-Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Sud-Anlage). Mon- t a g, 24.. und Dienstag. 25. Olt. Laud- Hüttenfeft-Ende. Montag. Vorab).5.00. Mora. 8.30. — DienStag. Dvrabd. 5.03. I u- gendgvtteSdienst mit Predtgl. Mvrg. 8.30. Rachm. 5.20. FestesauSgang: 6.00 Uhr. Märkte. Mainzer Produktenbörse. Mainz. 21. Oft. Die Tendenz auf der heutigen Warenbörse war sehr fest. 3n Weizen lagen größere Angebote vor. während Roggen, wahrscheinlich zu Umlagezwecken, sehr gefragt war. Ebenso waren Kleien bei festen Preisen gesucht. Eine starke Nachfrage war nach MaiS und MatSschwt, in welchen kaum Angebote zu verzeichnen gewesen sind. Ebenfalls sehr begehrt waren Futtermittel. Rauhfutter war infolge der Herbstarbeiten wenig angeboten, aber stark gefragt. Ebenso waren Kartoffeln sehr gesucht. Die Lieferung der Erzeugungsgebiete sind recht spärlich und kommen auch wegen dem Mangel an Waggons nicht genügend heran. Für Kolonialwaren waren diePreise erhöht; trotzdem trat das Geschäft recht flott. Es notierten per 100 Kilo: 3nL* Weizen 530—560, Roggen 425—460, Hafer 440—470, Futtergerste 500—525, Braugerste 600—625, MaiS 450—525, geschr. MaiS 490 bis 540, Inl.-Weizenmehl 00 985—1000, Weizenmehl Spez.0 840, Weizenmehl mit auSl. Mehl gern. 885—1000, Amerik. Weizenmehl 1150—1200, Roggenmehl 70prvz. 650, Weizen- Heie 275—300, Roggenkleie 270—300, Futtermehl 360—400, Ital. Luzerne 3600-4500, Provencer Luzerne 4000—5500, Ital. Rotklee 4200—4700, Inl.-Rvtklee 4300- 4800, Wiesenheu 220—260, Klee Heu 250—260, Haferstrvh 80—92, Roggenstroh 76—80, Weihe Bohnen 800—850, ungesch. Dikwria-Erbsen 750, gesch. Biktoria-Erbsen 800—850, Ltnsendeutsche 1450, ReiS Burma II. 900—1000, Haferflocken 750, Graupen 850—900, AuSlandSzucker 1100 bis 1200, Kartoffeln 85—95. Frankfurter Gemüsemarkt. mc. Frankfurt a. M., 21. Olt. Auf dem h ut g n, reichbeschick e r Ge nüsemarkt stiegen Kartoffeln im Zentner auf über 100 Mark, in kleineren Mengen waren sie ftur sehr schwer erhältlich. Weiter kosteten pro Zentner Weihkraut 85—90 Mk., Rotkraut 90—100Mk., Wirsing 100—110 Mk., Spinat 90—110 Mk., Meerrettig 800 Mk., gelbe Rüben 125—130 Mark, Kastanien 250 Mk., 100 Kopf Blumenkohl 200—400 Mk., ESkarvl 90—119 Mk^ Kopfsalat 60—90 Mk., Kohlrabi 50—80 Mk. Frankfurt Berlin 1-Uhr» 1-Ubr- Schluh- Anf.> I festigten sich. Goldmexilaner matt. Die Börse schlvV fest Kurs KurS 20.10. 21.10. 77,50 70,50 81,- 62.60 398,- 408,- 368,- 998,- -- 500,- - - Datum: 1.7.14. 20.10. 21.10. Zürich........ . Fr. 125.40 3,55 3,47 Amsterdam..... . Fl. 59.20 1,89 1,86 Kopenhagen ..... . Kr. 88.80 3,45 3,55 Prag......... Stockholm...... . Kr. . Kr. 117.80 88.80 2.80 2*80 Wien......... . Kr. 117.80 — . —. London........ . Sh. 97.80 9,12 6.17 Paris......... . Fr. 125.40 8.84 Aeuhork....... 23.80 — ,67 -.65 Nehmen Sie anstelle ieurerEier mit Triebzus&tz Nahrhaftagebauthsfertig wie für PfannKuchen. k KJöße Kuchen^ a^Torten.^S Dr.Oetker's * 2- | Vermietungen | 1—2 mild. Slcaer in beff. vn;;fe an kol-Dauerni- z.vm.Bra»Maüe 11 Uy» föut möbl. Simmet mit Pension zu Derrn ll^’h Müblirratze 33, Ecke Sleü * ftuinne. Zimmer mit Kost hreL Rienclvfad 30 a. FMietgesuche | Zwei leere Zimmer 1 on jungem Ehepaar bei Aushilfe im Hauohati sofort zu mieten get Lehr. Ano.u.0l3W0a.d.G.Änz. Student sucht in Billa oder gutem Hause möbL Zimmer. Schristl. Angcb. u. 0139U4 an d. Gieh. gn> erbeten. Wnt mSbl. Zimmer zu mieten gesucht. StähereS (Sartenstrase 26. juMi ■ 2 möbL Zimmer oo. ein groncS. mögt, mit Kücheitbenutzung. von kinderlosem Ebe- Dior z. 1. Dez. gesucht. 3cbriftL Angev. unter 0t:i764 a. d. OJteb. «n». ^ubTTTö^MirYlmeer, evtl, m öens .b chriit.<>am. Schr.Ang. u.0138i« a.Ä.A. ¥l!nb. gedild. 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Sie . ich sand das zig biS sechzig irf ich ttvaS he daraus za, war ba& ^a- gewMi, das Ich war aus hlet! war also en, im kreise dumpfer QJer« Ruftang nieder f wie möglich । nicht. Lange ch mich endlich rönne tief am Ich war nicht ig erschöpft, so :en konnte, wie irbe mir dieses e «citerfpurei gewesen. Ohne : ich im Kreise $ zu kommen ' war, wie ich arie, einer der ig Meilen lan{ auch das nc ie so leicht vk urchtbare ®» h mich mr m »njd chtloS mich»» nich 21 uW* greine r fo rasch rm« Mhe in dem ch so herum- ch wie rch bv t des W* 4 dem Lasso, ag.-M sch Äie ich s tarn oie der Hand WS S&KÄ um «Wk jch - auch d SS ?!■$ '' glanzend , der^ A Ä ch öf^tea> «■eS«! «S-> j Ole guten MAGGI5 Fleischbrüh-Würfel sind in der früheren Friedensqualität überall zu haben! 11236c Man achte auf den Namen MAGGI und die rotgelbe Packung. Hessische Volkskammer. St. Darmstadt. 21 Ott 1921- 2ün Mtnistertisch Staatspräsident Ulrich, $uumaminifter Henrich, Hustizminister v. Brentano Präsident Urstadt, Geheimer Oberschalrat •BUxt Der erste Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9,45 Uhr. — Erster Punk der Tages- Dörrung ist die Einzelberatung der Schulgesetznovelle. Zu Artikel 1 führt 2lbg. Schorn (Ztr.) auS: Der Internationalismus hat getrnh sein OuteS, besonders in kultureller Beziehung, jedoch muh das Nationale in erster Linie betont und gepflegt werden, da eS unserem Volke vielfach an rechtem Rationalbewuhtsein fehlt. Abg. Kaut (Soz.): Die Verwahrung Schorns gegen meine Ausführungen rennt offene Türen ein, da es mir nie eingefallen ist. daS Nationale KU bekämpfen. Don einem Vertreter der katholischen Weltanschauung, die doch international ist. hat mich eine solche Aeuherung besonders gewundert. Auch der Gedanke deS internationalen Mönchtums muh jetzt den Kindern besonders eingeprägt werden. Darum bedauere ich den Strich des PassuS' von der Dölkerversöhnung durch den Ausschuh 3m weiteren polemisiert der Redner gegen die gestrigen Ausführungen DingeldeyS und teistoeise auch Di-Hls. Insbesondere weist er den Dorwurs des Materialismus, den Ersterer den Sozialdemokraten gemacht hatte, xurütf. Gerade die Partei der Demokraten huldige dem Individualismus, der nur zu leicht zum Mamonismus führe. Auch wir wollen nicht nur eine Lernschule, sondern auch eine Erziehung-- schule. Abg LooS (Dem.) findet, dah daS Wort national" zum Streitobjekt der Parteien geworden ist und eS sei daher auch von seilen seiner Partei eine Umschreibung nötig. Wir verlangen also staatsbürgerliche Erziehung im Geiste des deutschen DolkeS unter Umgehung des Wortes „national”. Aba Ding eldetz (D. Dpt.) weist die Angriffe Kauls als unberechtigt zurück. Es handele sich auch für ihn um Gcwissensangelegenheiten im echten Sinne deS Wortes. Abg. Kaul habe in der Hauptsache das Negative seines DildungsidealS h!ervorgehoben. Positives aber vermissen lassen. In einem Augenblick, da unS Oberschlesien entrissen wurde, meine ich, sollte man sich in unserem Schulgesetz nicht darum streiten, ob sie national oder international erziehen soll. Abg Schorn (Z): Ich habe mich gegen den Satz deS Herrn Kaul gewandt, dah er daS Internationale genau in gleicher Weise pflegen soll wie das Nationale. Dagegen werde ich mich immer wenden. Der Artikel wird angenommen, ebenso die weiteren Artikel (ohne 3) bis 17. Zu Artikel 18: Mittelschulen, hat Abg. Singel- bet) beantragt, diesen Artikel wieder herzustellen und in namentlicher Abstimmung darüber befinden zu lassen. — Es wird dann zunächst eine Pause beantragt. weil die Demokratische Partei sich nochmals mit dem Artikel befassen will. Ein Antrag Dingeldeh, den Artikel bis zur nächsten Sitzung zu rückzu stellen, findet starken Widerspruch der Sozialdemokraten. Nach längerer DeschäftsordnungSdebatte erklärt Präsident U r st a d t. die Regierung wolle eine neue Fassung einbringen, daS könne bis nach der Pause geschehen. — Pause. Sie Mittelschulen. Mm 11.35 Mhr werden die Verhandlungen fortgesetzt. — Abg. Kaul erstattet Bericht über die SchluhauSschuhberatungen in der Pause. Der Ausschuh beantragt, den Artikel 18 der Dorlage zu streichen, dafür dem Artikel 3 folgende Fassung zu geben (daS geperrt Gedruckte ist neu etngefügt): „Drohe Schulkörper sind auf Deschluh des Schulvorstandes mit Genehmigung des Kreis- schulamteS nach Begabung und Leistung der Schüler zu gliedern. Die Meberweisung der Schüler in Klassen mit erweiterten Lehrzielen, d i e im Rahmen der einheitlichen Volksschule weitergehende Bildungsbedürfnisse befriedigen, ohne jedoch daS Ziel der höheren Schule zu wollen, in Förderklassen für Kinder, die in den Normalklassen das Ziel der Schule nicht erreichen, und in die Hilfsklassen für Schwachbefähigte geschieht durch den Klassenlehrer unter Mitwirkung eineS vom Lehrerrat gewählten Ausschusses, dem der Schulleiter angehört. Die Meberweisung in Klassen mit erweiterten Lehrzielen bedarf der Zustimmung der Eltern. Für die Schüler der Klassenzüge mit erweiterten Lehrzielen können weitere Schuljahre, soll jedoch mindestens ein neuntes Schuljahr eingerichtet teerden. Nähere Bestimmungen über die Einrichtung und die Lehrziele dieser Klassen trifft die oberste Schulbehörde. Bei der Meberweisung in die Hilfs klassen sind die Leiter der Hilfsklassen und der Schularzt zu hören. — Meder Beschwerden entscheidet der Schulvorstand. Gegen dessen Entscheidung ist weitere Beschwerde an das Kreis- schulamt zulässig." Der Ausschuh ist in feiner Mehrheit der Auffassung. dah für die Mittelschulen. wie sie jetzt bestehen, eine Existenzberechtigung nicht mehr gegeben ist, dah aber die erweiterten Lehrziele, ohne dadurch das Ziel einer höheren Schule zu erreichen, noch deutlicher zum Ausdruck kommen soll im Artikel 3, als es in seiner ersten Fassung geschehen ist. 2£bg. Dingeldeh (D. Dp. >: Meine Fraktion hat keine Gelegenheit gehabt, den ihr erst seit zehn Minuten bekannt gewordenen Antrag deS Schulausschusses zu beraten. Auf Grund der eben gehörten Aenberungsvorschtäge ist eine gründliche Durchberatung des Antrags unmöglich. RamenS meiner Fraktion protestiere ich ausdrücklich dagegen, dah wir unS über einen lo gewichtigen Antrag ohne gründliche Durchberatung schlüssig werden so len. Zur Frage der Mittelschule selbst haben wir unseren Standpunkt Uargckgt. Wir w.derfetzen unS entschieden jeder Vergewaltigung deS Willens der Eltern, die die Mittelschule unbedingt beibehalten wollen. Wir bleiben auf meinem Antrag bestehen aus wohlerwogenen Gründen und auch auf Grund der mit der Degabtenauslese in Baden gemachten Erfahrungen, die die schwersten pädagogischen Bedenken zeitigte. Der Antrag Dingeldeh lautet: „Wir beantragen Wiederherstellung des Artikels 18 in der Fassung nach den Beschlüssen deS Schulausschusfes erster Seimig mit folgender Aenderung: Rach entgegenkommen: „oder weitergehende Bildungsbedürfnisse befriedigen, ohne jedoch die Ziele der höheren Lehranstalten zu cr.e chen"." Ich wiederhole. dah wir, um eine eingehende Beratung zu ermöglichen, uns der zweiten Lesung widersetzen werden. Abg. Kaul (voz.): Wir haben an unserer Stellungnahme nichts zu andern nach dem, was Herr Dingeldeh gesagt hat. Gegen den Vorwurf der Vergewaltigung lege ich Verwahrung ein. Abg. Schorn..(Ztr.): Ich bin gegen jede Differenzierung. Soll aber eine Auslese flatt- stattfinden, so bin ich entschieden für eine Auslese nach der Fähigkeit, nicht aber nach dem Geldbeutel der Eltern. Abg. Dr. Osann (D. Vpt.): Wir haben bisher nur die Mitglieder des Schulausschusses gehört. Es ist aber auch notwendig, hier hie Wünsche der Eltern in Rücksicht zu ziehen. Die Eltern wollen mit Recht die öde Gleichmacherei nicht mitmachen. Sie stehen mit Recht auf dem Standpunkt, dah die Mittelschulen notwendig sind, weil sie weitergehende Bildung vermitteln als die Volksschule. Die Begabtenauslese ist durchaus einseitig, zumal fast allein das Mrteil des LehrerS entscheidend fein soll. Ein begabter Schüler ist noch lange nicht immer ein begabter Mensch. Man kann das Verlangen der Eltern nicht einfach hier überstimmen. Abg. LooS (Dem.) wendet sich gegen den Einwurf der Gleichmacherei, der zu beweisen scheine, dah Herr Osann fein Fachmann ist. Abg. Dingeldeh (D.Vpt.) tritt dem entgegen und stellt fest, dah auch die neue Regelung die Wünsche der Eltern nicht befriedigen kann. Abg. Frau Balser (Dem.) ist der Ansicht, dah durch die neue Fassung den Wünschen der Eltern wohl Rechnung getragen wird. Den häh- lichen Ausdruck, die Frage der Mittelschule sei eine Geldsackfrage, sollte man auf der Linken nicht gebrauchen, denn die Kinder mancher Abgeordneten der Linken sind auch in der Mittelschule. (Hort! Heiterkeit.) Abg. Frau Hat ferner (Z): Wir sind im Prinzip für Beibehaltung des Artikels 18, werden aber nach dem neuen Entgegenkommen der Regierung für die Vorlage stimmen. Abg. Z i l ch (Z.) ist der Ansicht, bah man die Mittelschule, wenn sie sich bewährt hat, auch bestehen lassen soll. Abg. Ruh (Z-) meint, Frau Hattemer sei mihverstanden worden. Wir sind der Auffassung, bah in bem, was jetzt vor! egt. eine Art der Mittelschule steckt. Mns kommt es nicht auf den Rahmen an, sondern auf den Kern. Aba. Dingeldeh (D. Vpt.) weist nochmals darauf hin, bah auch beute schon eine ganze Reihe von Freistellen an Mittelschulen gewährt wird. Er tritt nochmals warm für die Erhaltung der Mittelschulen ein. Damit schlicht die Debatte. Es folgt zunächst namentliche Abstimmung über den Antrag Dingeldeh. Eine ganze Anzahl der Abgeordneten des Zentrums und auch der Demokraten hat den Saal verlassen. Der Antrag wird mit 42 gegen 5 Stimmen ab - gelehnt. Damit sind die Mittelschulen gefallen. Der Antrag deS Ausschusses wird angenommen. Zur Abstimmung über den Artikel 3 erklärt Adg. Dingeldeh (D. Vp_), bah feine Par.et sich nunmehr der Abstimmung über diesen Antrag enthalten werbe. Der Artikel 3 wirb in bet neuen Fassung (wie oben) angenommen. Zu Artikel 20 wendet sich Abg. Feldmann 'Sem.) dagegen, dast vom Jahre 1926 ab der Beginn der Schulpflicht eintritt, wenn das Kind am 1. Mai des Aufnahmejahr^s das 6 LedenS- i jahr erreicht hat. Der Artikel wird angenommen. Zu Artikel 22j liegt folgender Antrag Kaul. Reiber. Schorn und G ölen vor: „Artik l 22a Absatz 5 soll lauten: Die Kosten der Mater- bringung fallen der Gemeinde zur Last, in deren Bezirk die Eltern ober deren Stellvertreter ihren Wohnsitz haben, soweit sie nicht von den Eltern ober deren Stellvertretern oder auS den Ertragnissen des Vermögens des Kindes bebrüten werben können. — Ab'atz 6 soll lauten: Kann ein Kind wegen dauernder Krankheit oder körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht am allgemeinen Mn- terricht teilnehmen, so hat die Schulbehörde eine den Erziehu ng? bedürfni sen des Kindes entsprechende Erziehung zu veranlassen." Der Artikel und die Anträge werden angenommen. Zu Artikel 23 spricht Abg. Frau D i e r a u (D. Vpt.) die Genugtuung aller Frauen darüber auS, bah nun endlich bie Fortbildungsschule für Mäbchen obligatorisch geworben ist. Bebauerlich ist nur. Sah es nicht gelungen ist, wie in Baben, bie Religion in den MnterrichtSplan mit aufzunehmen. (Lachen links.) Meine Herren! Es hanbelt sich hier um eine Meberzeugungssache und ich bitte, nicht immer gleich zu lachen, wir achten boch auch Ihre Meberzeugung. Herr Abg. Lehnhart hat das gestern sehr eingehend begründet und ich unterstreiche jedes Wort dieser Begründung. Eine Ergänzung dieses Artikels mühte dahin geschaffen werden, bah für bie Mäbchen, bie schon eine weitergehende Bildung haben, Fortgeschrittenenkurse eingerichtet werden. Die Anregung soll in der zweiten Lesung als Antrag eingebracht werden. Der Artikel wird angenommen, ebenso weitere Artikel. Zu Artikel 26 Abs. 1 liegt folgender Antrag Kaul-Reiber-Schorn vor: In Artikel 26 Abs. 1 ist die Abänderung der Anlage 2 von Drucksache Nr. 848 zu streichen und die Fassung erster Lesung wieder herzustellen: „Der Staat ist verpflichtet, den Volks- und Fortbildungsschülern die Lernmtttel kostenlos zur Verfügung zu stellen." Infolgedessen wird Ziffer 8 des Artikels 83 Ziffer 4 des Artikels 81a; Ziffer 4, 5 unÖ 6 von Artikel 81a erhalten die Nummern 5, 6 und 7. Der Antrag wird angenommen. Ebenso die Artikel bis 52. QlrtiM 53 und 54 werden gestrichen. Zu Artikel 55 tritt Abg. Schorn (Ztr.) sehr energisch gegen die Zulassung der Verheiratung der Lehrerinnen ein. Er habe den dringenden Wunsch, bah sich bie Frage der verheirateten Lehrerinnen noch bis zur zweiten Lesung anders regeln läfjt. Eine verheiratete Lehrerin ist nach meiner Meberzeugung ein M n - ding. Es mühten, wenn Kinder geboren werden, vielleicht besondere Stillstuben in der Schule eingerichtet werden, Kinderwärterinnen angestellt usw. Oder sollen die kleinen Schreihalse in das Rektorzimmer gestellt werden, bah der Rektor sie beaufsichtigt. (Heiterkeit.) Ich meine, wir haben so viele Anwärterinnen zur Verfügung, dah wir verlangen können, bah eine Lehrerin, wenn sie heiratet, ihr Amt niederlegt. Abg. Dingeldeh (D. Vpt.): Diese Frage ist eine reine Rechtsfrage. Die Verfassung regelt diese Frage klar und daran ist rechttich nichts zu deuteln. Abg. Engelmann (Soz.) spricht sich in gleichem Sinne aus. Abg. Frau Balser (Dem.) ist derselben Meinung. Dor der Verfassung sind Mann und Frau gleich. Abg. Frau Die rau (D. Vpt.) nimmt ebenfalls gegen bie Ausführungen des Abg. Schorn bie Frauen in Schutz, aus denen keine grobe Duldsamkeit gegenüber der Frau zu sprechen scheine. Abg. Schorn (Ztr.) verwahrt sich dagegen. Gerade weil er die Frau als Mutter hochschäht, habe er seine Ausführungen gemacht. Abg. Zilsch (Ztr.) spricht sich ähnlich aus. Abg Frau Steinhäuser (Soz.) tritt ebenfalls Herrn Schorn entgegen und meint, der Herr Rektor Schorn brauche keine Angst zu haben, aus feinem Rektorzimmer eine Kinderstube zu machen. Der Artikel wird nach dem Ausschubantrag g e st r i ch e n, ebenso die Artikel bis 66, die ander- weite Regelung finden. Die Artikel bis 89 werben debattelvs genehmigt. Zu Artikel 90 liegt folgender Antrag Kaul- Reiber-Schorn vor. „Artikel 90. DieseS Gesetz tritt am 1. April 1922 in Kraft, soweit nicht das LandeSamt für daS Bckdungowcfen einen früheren Z itpun.t bestimmt. BiS zum 1 April 1921 find die Gemeinden mit weniger als 3000 Sinwohne m von der Verpflichtung entbunden, Forti Udungsschulen für Mädchen zu errichten. Die bestehenden erweiterten Volksschulen nach Artikel 18 des Volks» lchulgesehes von 1874 find jahrgarg tixi e ab u- bauen. Statt des Art. 26 gelten i?i<* zum Erlast reichSgesetzl. Vvrschriften, jedoch längste: s biS z nn Beginn des Schuljahres 1926 folgende Bestimmungen: „Soweit die Gemeindevertretungen nicht allgemeine Lernmittelfreiheit fur Volks- and Fcrtbildungsfchüler einführen, sind die Eltern ober deren Stellvertreter verbunden, ihren Kindern die notwendigen Lernrnitt l zu b-. schaffen. Leisten sie dieser Derbindlichleit nicht Genüge ober erscheint es sonst zweckmäßig, so können bie Lernmittel von ber Gemeinbe beschafft unb die entstehenden Kosten von den Silent wiebererhoben ober auf bem Verwaltungswege beigetrieben werben. Für bie Kinder unbemittelter Gemeindeeinwohner sind bie Lernmittel auf Kosten bei Gemeinde zu beschaffen." BiS zum Erlast reichsgesetzlicher Vorschriften über die Lehrerbildung, längstens jedoch bis zum Jahre 1926, kann die zur Aufnahme in bie Lehrerbildungsanstalt notwendige Vorbildung durch besondere Prüfung nachgewiesen werben. Schulgüter, bie nach den Bestimmungen dieses Gesetzes abgetreten werden müssen, aber für daS Grntejahr 1920 besonders angebaut sind, werben ben Inhabern bis nach eingetaner Ernte belassen. Abg. Dingelbey (D Vpt.) beantragt hierzu Wiederherstellung der Fassung nach den Beschlüssen erster Lesung des Schulausschusses, weil er eine längere Frist für die MebergangSzeit offen Iaht Abg. Kaul (ö.) tritt dem entgegen und bittet um Annahme seines Antrages. Der Antrag Dingeldeh wird abgelehnr, ber Antrag Kaul angenommen. Ebenso werden bie Schluhartikel angenommen unb die Vorstellungen für erlebigt erklärt. Damit ist das VolkSschulgesetz in erster Lesung angenommen. Schluh IVj MHr. Nächste Sitzung Dienstag vormtttag 10 Mhr. Vermischtes. DaS Loch in Oppau. Wieviel Erdboden ist durch bie folgenschwere Explosion in Oppau in Bewegung verseht worden? Diese Frage hat ein Siegener Professor wie folgt zu beantworten versucht. Nimmt man an, bah das Loch eine regetmähige Trichterform von einem Durchmesser von 100 Metern, 36 Metern Tiefe, so saht ber Trichter 94 200 Kubikmeter. Dieser Inhalt, auS Wasser bestehenb, würde 94 200 000 Kilogramm wiegen. Da man Erdboden im Mittel wohl doppelt so schwer wie Wasser annehmen darf, ist noch mit zwei zu multiplizieren = 188 400 000 Kilogramm ober 188 400 Tonnen. Gin Eisenbahngüterwagen wirb im Durchschnitt mit 15 Tonnen beladen werben können. Bei dieser Belastung wären also 12 560 Wagen nötig, ober nicht weniger als 314 Züge zu je 80 Achsen ober 40 Wagen, bie Masse heranzuschleifen, bie nötig ist, ben heute gähnenben Abgrund, ber in einem Schreckensmoment entstaub, wieder aufzufüllen. Bei dieser Berechnung sind die auf der in Rebe stehenden Fläche vor ber Entflammung befindlichen Gebäude unb anbere Gewichtsmassen nicht berücksichtigt. — Wohin ist ber Riesenhaufen verstreut worben? Ist er, zu Atomen zerrieben, in ber Mmgegenb als feiner Staub wieder heruntergekommen ober ift er, zerblasen, in ganz hohe Schichten gelangt unb von dort durch die Winde in alle Welt zerstoben??? Praktische Wahltechnik. fpd. Heidelberg, 21. Oft Für die Landtagswahlen haben bie acht Parteien mit Ausnahme des Lcuibbunbes beschlossen, bie Wahlzettel nicht gesondert den Wählern ins Haus zu schicken, sondern gemeinsam in einem Mm schlag. 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Bosold Vermählte Anmeldungen werden abends vor den Kursen in der Ober-Realschule noch entgegengenommen. Dauer des Semesters: 16 Wochen. Gebühren: Arbeiis- gemetnschaften und Elementarkurse 16 Mk., Vortragsreihen 10 Mk. Alles nähere tm Programm des 6. Semesters, das in allen Buchhandlungen zu haben ist (1 Mk.) Giehen, Cid)er Str. 17 23. Oktober 1921 Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Karl Müller Liesel Müller geb. Schupp G.KÖNIGV ßitßtntr Tvriitrschüft Samstag, den 29. OKI., abends 772 Uhr pünktlich, im Stadttheater Turnerischer Kunstabend fiub in der Musikalienhandlung E. Cb a liier. Neuenweg zu haben. 11241v Akademilerbund Gberhessen. Einladung zu der am GamStag den 20. Oktober 1921, nndim. 3' < Ubt, im grohen Oörfnnt d.Vorles.-Gebäude» ftottf. Generalversammlnug. Tagesordnung: Eltern! deren Söhne u. 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Drackmann die Darstellung nach, die der Vertreter des „Matin", Sauerwein, auf Grund von Unterredungen irtlt dem bekannten, sehr verschieden beurteilten Anthroposophen Dr. Rudolf Steiner über den Verlauf der letzten Schicksals- tage im Jahre 1914, insbesondere über die entscheidende Beschlußfassung über den Auf- Marschbefehl und die Kriegserklärung gegen Frankreich vor kurzem in die Welt gesetzt hat. 3hr stellt er das Zeugnis des Kronzeugen der ganzen Darstellung, des Generalstabschefs von Moltke selbst, entgegen, indem er ausführt:. Die Darstellung v. Moltke« liegt mir vor jn Rotten, die ich mir aus dem mir seinerzeit übergebenen, aber alsbald wieder 8urüm 1.—15 Oftober wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Infanterie-Seitengewehr, 1 Trauring, gez L. S. 6, 6. 20, 1 hölzerner Rechen, ein Kinderschiebfarren, 1 nicht sertiggestelltes blaues Damenjackett, 1 bunter Peiwenbeutel, 1 Heines Damenjackett, 1 bunter Perlenbeutel, 1 deine« schwarze Handschuhe, 1 silbernes Rasselchen lKin- derspielzeug), 1 cclber Glacehandschuh. 1 schwarzes Leder-Geldmäppchen, 1 brauner Klappjagd- stuhl, 1 Autodecküberzug, 1 HerrenoberhemD. 75 Mark in Papiergeld, verloren: 1 Dorsteck- nadel mit erbsengroßem Brillant, eine goldene Samstag, 22. Moder 1921 Brosche mit Brillant, 1 Trauring, gez. L N. 10. 11. 07, 1 grüngrauer Her lens ilzhu t 1 silberne Damenuhr mit Lederarmband, 1 goldene Dvr- stecknadel. Der Dienst mann Wilhelm Dender in Dießen hat seine Tätigkeit als Dienstmann auf- gegeben. Turnen, Sport und Spiel. Din Städlewettkampf im Kunstturnen. Die AuSwahlmaimschaften von ‘Berlin unb Hamburg — je 10 Turner - werden sich am morgigen Sonntag in Berlin zu einem Sechslampf an Reck, Barren, Pferd (quer und lang), an den Ningen und In einer Kürfreiübung gegenüber- stehen. In der Hamburger Mannschaft stecken ganz vorchglichc Kräfte wie Sachse (Tshst. 1816), Mäht, Mülleger (6t. Pauli), Lüer (1316). die im Verein mit Den andern wohl imstande sein können. Den Sieg vom Vorjahre au wiederholen Berlin muß auf Die Dienste von Shm und Bösch (D. T.), Die erkrankt sind, und auf Hubert (T. I. B), Der beim Ausscheidungsturnen von Pech verfolgt war, verzichten. Die Hauptstützen der Berliner Mannschaft sind in Ehrhardt (B. T. D.), Ratt und Freudenberg (B. T.) zu erblicken. Qlur wenn die Einheimischen mit besseren Leistungen am Cang- pferd und an den Ringen als beim AuSscheidung«- tumen aufwarten, ist ein Sieg Berlin« zu erhoffen. Für den Laien wie für Den Fachmann werden e« spannende und interessante Kämpfe werden. Zur besseren ülebersicht für die Zuschauer wird nach jeder Hebung die Wertungszabl laut bekanntgegeben. Der jeweilige Stand deS Kampfe« wird mittels Lichtbild ständig angezeigt. • — Die Termine Der O!ympifchen Spiele 1 924, Die Frankreich zur Austragung überwiesen sinD und in PariS vor sich gehen sollen, sinh jetzt in großen Umritten festgelegt. Zum ersten Male seit Bestehen Der Spiele ist Der Wintersport mit einbezogen worden. Er bildet den ersten Teil und gelangt in Chamo ft im Januar und Februar zum Austrag. Im April und Mai folgen bann in Pari- die Spiele, wie Rugby und Fußball, und tm Anschluß daran beginnen am 3. Zuli Die eigentlichen Olympischen Spiele mit Den Entscheidungen der ausgesprochenen SommersportS, wie Leicht- athlettk, Schwimmen, Tennis usw. Sie dauern bis 17. Juli. Den Beschluß der Spiele bildet Der nächste Kongreß Der internationalen Athletik-Bereinigung. Einige Schwierigkeiten bereitet noch die Platzfrage. Am geeignetsten erscheint da« Pershing-Stadion, dessen Zuschauerräume jedoch bedeutend erweitert werden müssen, ilnb vorläufig fehlt bazu noch bas Geld. — Für bic Fußballspiele soll jetzt bie Teilnahme England« gesichert sein, bas zuerst schmollend wegen der Antwerpener Vorgänge (die bekannten Schießereien) abseits bleiben wollte. Aber die Tschechoslowakei hat sich bei Den Engländern entschuldigt, und so ist die Einigfell wiederhergestellt — Erstes repräsentatives Hockey- Wettspiel in Marburg. Am morgigen Sonntag sindet auf bem Sportplatz Kämpfrasen in Marburg Das erste Hockehspiel zweier Auswahlmannschaften statt. Es treffen sich die Vertreter Des Maingaues, Der Im Hockehsport führend ist. und des heimatlichen Lahngaue«. Da beide Mannschaften In starker Ausstellung antreten, ift mit einem spannenden Spielverlauf zu rechnen, und werden die Freunde des Hockehsport« auf dieses Treffen aufmerksam gemacht. Spielbeginn 1 Ahr 30 Min. — I n de r Großen Pardubitzer Steeple-Ehafe am Sonntag wird nur die alte Halbblüterin Pflicht Die deutschen Farben Dertreten, Da Fachinger die Reise nach Dorthin nicht angetreten hat. «üchertifch. — Heinrich Federer, Spitzbube über Spitzbube. Sine Erzählung. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Band 146) Berlin, G. Grote. — Im fünfzehnten Jahrhundert spielt zwar diese Erzählung Des Schweizer Dichter«. Aber uns ist, alS sei sie in Motiv und Vertiefung herauSgenommen auS unserem Zeiterleben. Damals waren eS Die groben, wilbwüchsigen Schweizer, Die auf allen Schlachtfeldern der Welt zu finDen waren: um Gold- und Ruhmsucht. Alle Fürsten Europa« bemühten sich, Schweizer Landsknechte in ihr Heer einzustellen. Da entstand Der Schweiz, Dte unter ihrer Gold- unD Ruhmsucht fast sich selbst zerstörte, der Retter im Einsiedler und Waldhellige» Nikolaus von der Flüe. Echte Menschlichkell erfüllt dies farbige und bewegte Buch. Krönst unb Wissenschaft. Vorgeschichtliche Funde. fpd. W ü r z b u r g, 21. Oft In der Nähe de« Rothofs stellte man eine dorfähnlicheSied- lun g aus DerjüngerenSteinzeit fest, die mit etwa dreißig Hütten stellen den fruchtbaren und sonnigen Berghang »wischen Herrenholz und Hart- wald beseht hielt Bisher wurden zwei Wohnhütten untersucht. Es handelt sich um ziemlich geräumige Hütten mit unregelmäßigem Grundriß, die teilweise stark in den Boden etngetieft waren und verschiedene Herd-, Abfall- und Schlafgruben enthielten. Die zahlreichen Kleinfunde bestehen hauptsächlich auS Resten von Tongefähen, Stein- werkzeugen und Tierknvchen und kennzeichnen die steinzeitliche Stufe der sog .Rössener" Äultur, Die bisher in Franken unbekannt war. Stecken1 Seif d£e beste JuOLCcA/n£lchseife anflaoin- paftiHen )0t «■» luwfl sk!m. **'“■ isssr* ** l» Üi IJilldUL Unterhaltung ♦ Erhebung ♦ Selehrung > •) Die Erscheinung, welche die aufgeregte war ich eine Stunde geritten, und noch immer zeigte sich keine Spur von einer Herde oder Pflanzung. Ich wurde ungeduldig und zürnte auf Mister Real. Warum sandte er mir nicht einen oder ein paar seiner faulen Reger oder seinen Jäger nach? Aber Anthony war nach Anahuac gegangen, konnte also vor ein paar Tagen nicht zurück sein. — Aber ein Signal mit einem Flintenschüsse konnte mir der Kentuckyer doch geben. Ich hielt an; ich horchte, kein Laut. — Tiefe Stille ringsumher — die Vögel in den Inseln schwiegen; die ganze Aatur lag im Zauberschlaf. So weit nur das Auge reichte, ein wallendes, wogendes Meer von Gräsern, hie und da Daumgruppen, aber keine •) Charles Sealsfield (Karl Postl), der in Mähren geborene Bauernsohn, hat in einem innerlich und äußerlich sehr bewegten Leben erst spät seine deutschen Werke geschaffen, in denen er als Stilist meisterhaft ist und an dichterischem Wert die bekannteren Bücher Gerstäckers. der ebenfalls das amerikanische Wanderleben schildert, übertrifft. Seine Werke erscheinen im Verlag von Karl Pro- Spur eines menschlichen Daseins. Dafür aber machte ich eine andere bedenkliche Entdeckung. In der Lichtung, in der wir ausgeritten, waren die Gräser häufiger, die Blumen (diener gewesen; die Prärie, durch die ich jetzt ritt, bot aber mehr einen Blumengarten dar, einen Blumengarten, in dem kaum noch das Grün zu sehen war. Der bunteste rote, gelbe, violette, blaue Teppich den ich je ge- chaut, Millionen der herrlichsten Prärierosen, Tuberosen, Dahlien, Astern, wie sie kein botanischer Garten der Erde so schön, so üppig aufziehen kann! Mein Mustang vermochte sich kaum durch dieses Blütengewirr hrndurchzuarbeiten. Eine Weile kannte ich diese außerordentliche Pracht an, es chien in der Ferne, als ob Regenbogen auf Regenbogen über der Wiese hingebreitet zitterten; aber das Gefühl war kein freudiges, dem peinlicher Angst zu nahe verwandt. Balo sollte diese meiner ganz Meister werden. Ich war indessen wieder an einer Insel vorbeigeritten, als sich mir in der Ent- ernung von etwa zwei Meilen ein Anblick darbot, o wunderbar, daß er alles weit übertraf, was ich je von außerordentlichen Erscheinungen gesehen. Gin Koloß glänzte mir entgegen, eine gediegene, ungeheure Masse, ein Berg des glänzend- ten, reinsten Silbers. Gerade war die Sonne Hiner einer Wolke hervorgetreten, und wie jetzt ihre chrägen Strahlen das außerordentliche Phänomen leleuchteten, hielt ich an, in sprachlosem Staunen tarrend, aber toertn mir alle Schätze der Erde jebvten worden wären, nicht vermögend, diese Er- cheinung zu erllären. Bald glich es einem Silber- elsen, bald verwandelte es sich in ein Schloß mit Zinnen und Säumen, bald war es wieder ein rie- itger Koloß, aber immer von gediegenem Silber und über alle Beschreibung prachtvoll. Was war das? In meinem Leben hatte ich nichts dem Aehn- liches gesehen.*) Der Anblick verwirrte mich, es kam mir jetzt vor, als ob ich in die Zauberkreise eines bösen Geistes gebannt sei. — Ich hatte mich wirklich verirrt, ich durfte nicht mehr zweifeln. Im Sommer oder Herbste mochte eine solche Irrfahrt minder gefährlich sein, weil dann die Inseln eine Fülle der süßesten Früchte lieferten, die wenigstens vor dem Hungertode schützten. Ich hidt es für unmöglich mich in den wenigen Stunden o gänzlich verirrt zu haben, daß nicht Mister Real oder seine Reger meine Spur einholen sollten. Heden Augenblick glaubte ich das Dellen der Hun^e, das Gebrüll der Rinder, das Lachen der Kinder hören zu müssen. Wirllich stand auch jetzt das Haus vor mir, meine Phantasie lieh mich deutlich die Lichter im gastlichen Zimmer' sehen, ich ritt hastiger; aber als ich endlich näher kam, lag wieder eine Insd vor mir. Was ich für Lichter gehalten, waren Leuchtkäfer, die mir wie Funkenregen aus der düstern Rächt der Insel entgegenglänzten und nun in dem auch über die Prärie hereinbrechenden Dunkd auf allen Seiten ihre blauen Flämmchen sprühen ließen, so daß ich auf einem bengalischen Feuersee umherzuirren wächs am Halse nötigte ihn, den Kopf seitwärts zu neigen." Der restaurierte Kurfürst bezog den Wiener Kongreß, begnügte sich, da er den Titel: König der Kalten" nicht erlangen konnte, mit dem Titel „Königliche Hoheit" und erwarb das ehemalige Hochstift Fulda. Damit flieg die Einwohnerzahl Kurhessens auf 600 000 und die Einkünfte auf Drei Millionen Taler. Die siebenjährige Verbannung hatte den alten Herrn nicht verändert. Alle Huldigungen seiner treuen Untertanen nahm er ohne ein Zeichen der Tellnahme entgegen. Als unter der Schar der loyalen Dürger ein alter Offizier mit einem ungeheuren Zopfe erschien, da schmunzelte endlich der Kurfürst befriedigt, wandte sich gegen seinen Adjutanten und tief aus: „Gott sei gelobt, der hat ihn noch." Seine Derbarrnung erschien ihm nur, wie er sich ausdrückte, als ob er sieben Jahre geschlafen habe. Darum stellte er den Zustand her, der vor dem Siebenschlafe, also vor der französisch-westfälischen Herrschaft, gewaltet hatte. Die Räte, die 3er6m£ ernannt hatte, wurden wieder Sekretäre, die Kapitäns wieder Leutnants und die ganze Armee muhte wieder Zöpfe und gepuderte Haare, vier vorschriftsmäßig gepuderte Papilotten und gewichste Schnurrbärte tragen. Weil aber häufig Die Haare zu kurz waren, um die falschen Zopfe daran zu befestigen, muhten sie an die Unisormkragen gesteckt werden. Allen, die keinen amtlichen Titel hatten, untersagte der Kurfürst sich „Herren" zu nennen. Ilm wieder ganz den alten guten Patriar- chenzustand herzustellen, wurden selbst Heroins abgeschafften Fronen wieder hergestellt. Der Geiz des Kurfürsten trat noch stärker als früher hervor. Die Käufer von Domänengütern, die unter Hsromes Regierung veräußert worden waren, muhten die Güter zurückgeben oder sich durch Zahlung einer hohen Summe von der Rückgabepflicht befreien. Die Schulden des Kurprinzen mit 200 000 Talern muhte das Land übernehmen. Der alte wunderliche Herr starb endlich, nachdem er anher Podagra nur vorübergehend unpäßlich gewesen war, siebenundsiebzigjährig am Schlagflusse. Er lieh sich in der Kapelle der Löwenburg bei Wilhelmshöhe in einem Sarge von karrarischem Marmor begraben. wähnte. Ich war nicht so müde und matt, so hungrig und durstig, dah ich eine Abnahme meiner Kräfte gefühlt hätte; aber die Angst, die Furcht, die wunderbaren Erscheinungen brachten einen Taumel über mich, der mich wie einen Rachtwandler umhertrieb. Mechanisch tat ich endlich, was ich während meines vierwöchigen Aufenthalts im Lande andere tun gesehen; ich grub mit meinem Taschenmesser ein Loch in den schwarzen Wiesenboden, legte das Lassoende hinein, stampfte das Loch wieder zu, und nachdem ich die Schlinge dem Tiere über Den Kopf geworfen und ihm Sattel und Zaum abgenommen, ließ ich es weiden, mich außerhalb des Kreises, den es beschreiben konnte, niederlegend. Zu schlafen vermochte ich jedoch nicht, beim von mehreren Seiten lieh sich ein Geheul vernehmen, in dem ich bald die Stimmen von Wölfen und Kuguaren erkannte, — wahrlich nirgendwo eine sehr angenehme Rachtmusik, hier aber, in diesem Feu^rozeane, dieser rätselhaften Zauberwelt, Hang dieses Geheul so entsetzlich, dah es mir durch Mark und Dein drang. Meine Fibern und Rerven waren in Aufruhr, und ich weih in der Tat nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich mich nicht besonnen, daß mir ja meine Zigarrenbüchse und ein Röllchen Virginia treu geblieben, — unbezahlbare Schätze in diesem Augenblicke, die auch nicht verfehlten, meine trübe Phantasie wieder heiterer zu stimmen. Der Tag war schon angebrochen, als ich erwachte. Mit den Träumen waren auch die trüben Gedanken verschwunden; ich fühlte mich hungrig, aber doch noch frisch und munter. Ich ritt an den herrlichsten Inseln vorbei. Der Morgen verging, der Mittag kam heran, die Sonne stand schon hoch oben am wolkenlosen Himmel; der Appetit begann sich nun stärker zu melden und wurde bald zum Heißhunger. Ich war oft der Verzweiflung nahe, meine Angst so entsetzlich, daß ich wie ein Kind weinte und betete. — Ha, zu beten begann ich jetzt, und seltsam! — wie ich das Gebet des Herrn anhob, war es mir, als ob eine Stimme vorwurfsvoll mir zuriefe, warum ich mich nicht früher an ihn gewendet, der allein hier helfen könne? Ich betete nun so hastig, flehte so inbrünstig, wie niemals noch in meinem Geben. Auch kam, als ich jetzt nach dem Gebete meine Augen zu ihm erhob, der in dieser seiner herrlichen Wdt so sichtbar thronte, ein unbeschreiblich fromme, kindliche Zuversicht über mich! Es war mir, als müßte ich erhört werden. Ich wußte eS so gewiß, daß ich ganz getrost auf- und umherschaute, überzeugt, zu finden, was ich suchte. Unb wie ich so schaue, o unaussprechliches Entzücken! gewahre ich ganz in der Rahe, keine zehn Schritte von mir, — eine Reitspur! Mein Mut und meine ganze Kraft war auf einmal wiedergekehrt. Rie hatte ich der Forschung inniger gedankt, als in dieser ötunpe. Während ich ritt, betete ich, und während ich betete, trat mir wieder die Gröhe meines Schöpfers so siegend aus seinen herrlichen Werken vor die Augen! Ich öffnete sie jetzt weiter, denn je, um mich ganz von ihm und feiner Herrlichkeit durchdringen zu lassen. Es lag so erhaben vor mir so feierstill, so meerweit mit seinen, Hunderte von Meilen hinfliehenden Grasern, den geheimnisvollen Inseln, die in den Strahlen der Rach- mittagssonne wirllich schwebend und schwimmend erschienen, während wieder hinten und seitwärts wogende Dlumenfdder, in den fernen Aether hin- aufschwellend, Himmel und Erde in eine und die- Die Iakinlo-Prärie. Von Charles Sealsfield.*) Eduard Morse, General der Republik Texas, erzählt: Wir waren ein halbes Dutzend Reiter, nämlich Mister Real, mein Freund, ich und drei Reger. Unfere Aufgabe bestand darin, die im Umkreis von vier bis fünf englischen Mellen zerstreuten Rinderherden dem Hause Reals zuzutreiben, wo die für den Markt bestimmten Tiere mit dem Lasso eingefangen und sofort nach Drazoria abgeführt werden sollten. Mein Mustang hatte, munter fort* prengend, bisher keine seiner Tücken gezeigt, aber eht — wir waren noch keine zweihundert Schritte auseinander — erwachte der alte Spanier. Etwa tausend Schritte von uns weideten nämlich die Mustangs der Pflanzung, und kaum hatte er diese gesehen, als er auch in Kreuz- und Quersprüngen ausbrach, die mich aus dem Sattel brachten. Wütend erhob ich mich aus dem ellenhohen Grase. Mein nächster Rachbar, einer der Reger, prengte zu meinem Deistande herbei. Schreiend gebot ich ihm, abzusteigen und mir sein Pferd zu überlassen. Vergebens bat der Schwarze, dem Tiere nicht nachzureiten; ich wollte nichts Horen, sprang auf den Rücken seines Mustangs und schoß dem Flüchtling nach. Mister Real war unterdessen selbst herbeigeeilt und rief so laut er konnte, ich möge ja bleiben, ums Himmelswillen bleiben, ich wisse nicht, was ich unternehme; ich hörte nichts mehr, wie toll galoppierte ich dem Mustang nach. Das Tier war der Pferdeherde zugesprungen und lieh mich auf etwa dreihundert Schritte heran- fommen, den Lasso, der glücklicherweise am Sattel befestigt war, zurechtlegen, und dann — rih es abermals aus. Ich wieder nach. Wieder hielt es eine Weile an und galoppierte wieder weiter; ich Immer toller nach. Das wiederholte sich mehrmals; schließlich war der Flüchtling beim Umreiten einer Oase von Fruchtbäumen, einer sogenannten Insel, verschwunden. Unter Verwünschungen gab ich meinem Pferde Die Sporen, um Der Pflanzung wieDer zuzureiten. Zwar sah ich diese nicht mehr, selbst die Herde der Mustangs und der Rinder war verschwunden, aber das niachte mich nicht bange. Glaubte ich doch der Richtung ganz gewih zu sein, die Insd vom Hause aus gesehen zu haben. Auch fand ich allenthalben Pferdespuren, und so ritt ich denn unbekümmert weiter. Eine Stunde mochte ich so geritten sein. Ich sah nach der Uhr. Sie wies auf eins, Schlag neun waren wir ausgeritten. Ich war aflo vier Stunden im Sattd, und wenn ich anderthalb Stunden auf die Rinderumkreisung rechnete, so kamen dritthalb auf meine wilde Hagd. Es war gegen Ende März, der Tag heiter und frisch. Ich konnte keinesfalls weiter als 10 bis 15 Meilen von der Pflanzung entfernt sein, die Herden muhten jeden Augenblick auftauchen, und dann war ich ja geborgen! Diese ttöstende Stimmung hielt nicht lange an, es kam wieder eine bange; Denn abermals Bilder aus der Geschichte der hessischen Fürstenhöse. In Dem 3. Band Der von Gustav Mayer herausgegebenen Sammlung „SüDDeut- scheFürstenhöfe" (G. Braunsche Hos- buchDruckerei, Karlsruhe) finden wir anschauliche Schilderungen Eduard V e h s e S aus der Geschichte deS hessischenHofes samt seiner Rebenlinien. Eins der interessantesten Kapitel daraus ist eine Darstellung Der bewegten Napoleonischen PerioDe, Die Das kurhessische Hof- und Kulturleben in seltsame Wechsel tauchte. Es handelt sich zuerst um die Regierung des Landgrafen Wilhelm IX., geb. 1743, gest. 1820). Das genannte Buch sagt Darüber: Der Anfang seiner Regierung in Cassel lieh sich gut an. War sein Vater Prunkhaft und verschwenderisch. so zeigte sich Wilhelm IX. sparsam und haushälterisch. Hatte sein Vater die Franzosen bewundert und bevorzugt, so haßte sie der Sohn. Alsbald nach seinem Regierungsantritt machte er zu Pferde mit geringer Begleitung fast von Dors zu Dorf' eine Inspektionsreise, um die Beschwerden seiner Untertanen zu erfahren. Eine seiner ersten Maßnahmen bestand in der Aushebung des verderblichen Lottos zu Cassel und xu Marburg. Dann wurde die prächtige Oper und das Ballet aufgehoben. In der Kapelle wurden nur deutsche Künstler beibehalten. Sämtliche französische Abenteurer und Windbeutel in Zivil und <2Hilitär wanderten ab und nur wenige nahmen Pension. Die Truppen wurden reduziert, das Carolinum aufgelöst und mit der Universität Marburg verbunden. Die Professoren gingen teilweise nach Marburg, tellweise außer Landes. Der Beamtenunfug und die Sinekuren hörten auf. Der neue Landgraf erlieft den Ständen das bisher Übliche Huldigungsgeschenk mit 100 000 Talern und erklärte, er sei, weit entfernt die Lasten seiner Untertanen zu vermehren, auf Verringerung der ßaften bedacht. Aber ehe die Stände audemanber- gingen, legte er' ihnen eine Rechnung vor, nach der sie ihm seit 1704 noch 1 100 661 Taler an Reichs-, Kreis- und Landessteuern schulden sollten. Dieser Hang zur Sparsamkeit enthüllte sich aber schon nach kurzer Zell als richtiger Geiz. Wilhelm IX. kümmerte sich um die kleinsten Dinge in seiner Hofhaltung. Eigenhändig schrieb er auf einen Speisezettel, auf dem Zitronenscheiben zur Garnitur einer Speise erwähnt waren: „Gelbe dbe Glorie verschmolzen. So bot sich die Prärie fegen Westen dem Auge dar. Gegen Süden er- chien sie, wo möglich, noch zauberischer. Lichte, jolden und blau gewirtte Schleier umhingen da >ie entfernteren Inselgruppen, jetzt ihnen einen dunklen Bronzeschleier verleihend, der wieder in Der nächsten Minute durch einen leichten Luftzug in die hellste Farbenpracht aufflammte. Doch zurückzu kehren zu meiner glücklich ge- unbenen Spur, so ritt ich wohl eine Stunde, al8 ich plötzlich mir zur Seite — eine zweite Spur erschaute. Sie lief in paralleler Richtung mit der, welcher ich folgte. — Wäre es möglich gewesen, meinen Hubel zu erhöhen, so würde diese ge- undene zweite Spur es bewirkt haben; so stärkte ie bloft meine Zuversicht. Immer ritt ich fort und fort. Die Prärie mußte doch irgendwo eix Ende haben. Freilich war das ganze südliche Texas eine Prärie, aber doch hatte diese Prärie wieder Flüsse, und in der Rahe derselben muhte ich auf Ansiedlungen stoßen, ich durfte nur dem Laufe eines Stromes fünf oder sechs Meilen olgen und war gewiß, auf Häuser und Pflanzungen zu treffen Wie ich, so mich tröstend, fortritt und abermals schaute, ob Denn noch keiner Der Reiter zu sehen, entdeckte ich plötzlich eine Dritte Pferdespur, in der Tat und Wahrheit eine dritte Pferdespur, die wieder parallel mit den zweien, denen ich nachritt, fortlief. Run waren meine sell einigen Stunden gesunkenen Hoffnungen plötzlich wieder neu belebt. Hetzt konnte es mir doch gewiß nicht mehr fehlen; drei Reiter muhten eine bestimmte, zu irgendeinem Ziele führende Richtung genommen haben. Welche? war mir gleichviel, wenn sie nur zu Menschen führte. „Zu Menschen, zu Menschen 1'^ rief ich jauchzend, mein Pferd zu erneuter Eile antreibend. Die Sonne sank das zweitemal hinter Den hohen Baumwipfeln der westlichen Inseln hinab; die in diesen südlichen Dreitegraden so schnell einbrechende Rächt umgab mich abermals; von Den drei Reitern aber — war noch immer nichts zu sehen. Ich fürchtete in der Dunkelheit die Spuren zu verlieren, hielt daher vor einer Insd an, schlang das eine Ende des Lassos um einen Baumast, die Schlinge um den Hals des Tieres und warf mich dann ins Gras. Rauchen konnte ich nicht mehr; schlafen ebenso wenig. Kam auch zuweilen der Schlummer, so wurde er jedesmal durch krampfhaftes Auf- und Zusammenschrecken unterbrochen. Rimmer werde ich diese Rächt vergessen. Kaum war die Morgendämmerung angebrochen, so raffte ich mich auch wieder auf; aber es dauerte lange, ehe ich meinen Mustang gerüstet hatte. Der Sattel war mir so schwer geworden, dah ich ihn nur mit Mühe dem Tiere auf Den Rücken hob; sonst warf ich ihn mit zwei Fingern auf, jetzt vermochte ich es kaum mit Anstrengung aller meiner Kräfte. So mochte ich wieder eine oder zwei Stunden geritten fein, als ich plötzlich zu meinem größten Schrecken die drei Pferdespuren verschwunden sah. Dis hierher waren Die Reiter gekommen unD keinen Schritt weiter. Sie mußten hier gelagert haben, denn ich sand das Gras in einem Umkreise von fünfzig bi- sechzig Fuft zertreten. Da plötzlich gewahre ich etwa- Weihes im Grase. Ich steige ab, gehe darauf zu, hebe es auf. Gott im Himmel! Es war t>afl Papier, in Das ich meinen Virginia gewickelt, DaS ich die letzte Rächt weggeworfen I Ich war auf derselben Stelle, wo ich übernachtet! war also meiner eigenen Spur nachgeritten, im Kreise herumgeritten I Ich stand wie vernichtet. In dumpfer Der« zweislung sank ich neben meinem Mustang nieder, nichts wünschend, als so schnell wie möglich zu sterben. Wie lange ich lag, weih ich nicht. Lange muhte es gewesen sein, denn als ich mich endlich doch wieder aufraffte, war die Sonne ties anr westlichen Himmel herabgesunken. Ich war nicht nur körperlich, sondern auch geistig erschöpft, so Daß ich mir durchaus nicht erklären konnte, wie ich hierher gekommen. Später wurde mir diese- freilich klar. Was ich für fremde Reiterspuren gehalten, waren meine eigenen gewesen. Ohne Landmarke, ohne Wegweiser, war ich im Kreise herum und, während ich vorwärts zu kommen glaubte, rückwärts geritten. Ich war, wie ich später erfuhr, in der Hakinto-Prärie, einer der schönsten von Texas, an Die siebzig Meilen lang und breit, ein wahres Eden, die auch das mit dem Paradiese gemein hat, dah sie so leicht verführt. So ganz hatte mir die furchtbare Entdeckung die Kraft geraubt, dah ich mich nur mit vieler Anstrengung noch auf dem Rücken des Tieres hielt und willen- und machtlos mich ihm überlieh. Rur so viel kann ich mich von diesen Stunden noch erinnern, daß mein Mustang clntge- male in der Lust herumschnaubte, dann aber eine । entgegengesetzte Richtung und zwar fo_ rasch einschlug, daß ich mich nur mit größter Muhe in dem Sattd halten konnte. Wie lange ich so herum- geschleppt ward, weih ich nicht, noch wie ich bei ' einbrechender Rächt von Dem Rücken des Pferdes : kam Wahrscheinlich verdanke ich es dem Lasso, ; daß es so geduldig mit mir umsprana — Wie ich die Rächt zugebracht, frage keiner. Wie ich wie- > ber auf den Rücken des Mustangfl kam, ist mir . noch heute ein Rätsel; aber hinauf kam ich, Dank : dem Lasso, den ich inftinltartig, wie der (Srtrin- i lende, keinen Augenblick aus der Hand gelassen. Hetzt verschwamm alles so chaottsch vor meinen ’ Augen, daß es Momente gab, wo ich mich nicht > mehr auf dieser Erde wähnte. Rur sehr dunkd : schwebt es mir vor, als wenn ich an Dlätter und ■ Zweige gestreift, denn es sauste um mich wie Änaaen und Drechen der Aeste; — auch hiell ich mich mit der letzten Kraft an etwas, — was es । mar, ob Sattel, ob Mähne, ober sonst etwas, weih ich gleichfalls nicht; — dieser Halt entfuhr ■ mir — die Kraft verließ mich — ich sank. Ein Schlag, wie der Donner eines loflge* brannten Vierundzwanzigpfünders. — bann eine ' Musik, wie aus höheren Sphären, glänzende - Lichtgestalten, ein sich vor meinen Dlicken öffnen- ' des Elysium! Dann ein schnerzlicher Stich, der mir ghi* > hend durch Kehle und Eingeweide brannte! Run i etwas, als ob der entwichene Lebensfunke wieder ■ zuräck'kehrte, die Lungenflügel sich öffneten, als ' ob es heiß durch die Glieder und Adern quölle, mir in Kopf und Augen dränge. — Sie öffne* Rüben tutfl auch!" Reicher als durch seine Sparsamkeit aber wurde der neue Landgraf durch die Seelenverkäuferei, die die Reichtumsquelle seines Vaters war und die der sonst seinem Vater so ; ungleiche Sohn weiterbetrieb. Diese Seelenverkäuferei wurde bis in die Zeiten Der französischen Revolution fortgesetzt. Wilhelm IX. galt als Der reichste Fürst Deutschlands. Er legte auch den Grundstein zum Reichtum der Dankiersdhnastie der Rothschilds, deren Stammvater Mayer Amschel Rothschild noch um 1790 ein kleines Wechselgeschäft in Frankfurt betrieb. Zwei Reigungen teilte der Landgraf mit seinen Vorfahren: den Gamaschendienst und die Daulust. Um das Desertieren zu verhindern erlieft er einen Befehl, darin er anfünblgte, baft an Den Grenz- vrten beständig Husaren reiten würden, Die für jeden tot oder lebendig eingebrachten Deserteur fünf Taler bekommen sollten; die lebendig Zurück- gebrachten liefen zwei Tage hintereinander Spieft- ruten und kamen dann, wie der Wortlaut war, .„auf ewig in unehrliche, Eisen". Die Armee blieb auf Dem Fuß von 14 000 Mann. Ha der neue Landgraf unternahm sogar, freilich vergeblich, mit ihr einen kleinen Feldzug, 1787, um Schaumburg- Lippe, als wegen einer unstandesmäßigen Heirat vermeintlich erledigtes Lehn an sich zu bringen. Um wieder zu seinem Gelbe zu kommen, schloß der Landgraf einen neuen Subsidientraktctt mit England auf vier Hahre, kraft deflen er wieder 12 000 Mann in englischen Sold gab und dafür ohne die Ginlleidungsentschädigung eine Subsidie von 675 000 Krontalern erhielt. Seit dem Hahre 1787 begann der Landgraf großartige Reubauten. Sein Lieblingssitz war der Weißen st ein bei Gaffel: er ließ das alte von Landgraf Moritz erbaute, von Friedrich II. erweiterte Schloß abbreeften und ein neues durch Simon Ludwig Dury und Huffow bauen. Seit 1794 hieß es „W ilhelmshöh e". Gr ließ den Aquädutt, die Teufelsbrücke und den großen Waffersall, sowie den Wilhelmhöher Park errichten. Auch die Löwenburg wurde von ihm eftiaut. Deine zweite grobe Dauschöpfung war Wilhelmsbad bei Hanau. Hier hatte 1786 die große Versammlung aller deutschen Freimaurer unter dem Vorsitz des Herzogs Ferdinand von Draunschweig stattgefunden. Unterdessen kündigte sich der Sturm der französischen Revolution an. Der sparsame Landgraf bulbete Die Emigranten, ließ ihnen aber keine Unterstützung zugehen, er verbot Die revolutionären „runden Hüte, ungeheuren Halstücher und Rockkeulen" und eine merkwürdige Aenderung trat mit feiner Dücherliebhaberei ein. „In einer Kategorie mit den runden Hüten und Pantalons," schreibt unterm 15. Februar 1809 Graf Reinhard aus Gaffel an Goethe, „standen ihm feit der Revolution Dücher." Rach dem Dasler Frieden kehrten auch die an England verkauften 12 000 Mann, die Den Feldzug in der Champagne mit den Preußen gemacht hatten, zurück. Durch den Reichsdeputationshauptschluh vom Hahre 1803 wurde die Landgraffchaft Hessen-Cassel zum Kurfürstentum erhoben. Aus Dem Landgrafen Wilhelm IX. wurde der Kurfürst Wilhelm I. Aber die Landentfchädigung fiel kärglich aus. Für Rheinfels und St. Goar, die an Frankreich fielen, erhielt Der neue Kurfürst nur Fritzlar. Wilhelm hatte es eben aus Geiz untcrlaffen, wie Der Vetter in Darmstadt, die französischen Minister und Tei- lungskommissäre tüchtig zu schmieren. So kam die Katastrophe von 1806. Rach Der HHromeschen Herrlichkeit, Die sieben Hahre Dauerte, Deren Schilderung wir übergehen, kehrte am 21. Rovember 1813 Der 70 Hahre alte Kurfürst in sein'Land zurück: Karl von Raumer in feinen Erinnerungen beschreibt Den Einzug in Cassel, Dem er beiwohnte: „Voran eine Menge Dauern zu Pserde, zum Teil angetrunken, eine Schar weißgekleideter, vor Frost zitternder Mädchen, Schulmeister mit angestrengt schreienden Chorschülern, Rationalgarden zu Pferde und zu Fuß. Endlich kam der Kurfürst selbst, wohl von 200 Menschen gezogen. Er stand im Wagen, neben ihm Der Kurprinz. Der alte Herr trug eine mächtige Zopfperücke, ein großes ®e- chaska in Teschen-Leipzig-Wien in acht kleinen ') Die Erscheinung, wdche die aufgeregte Dändchen neu gedruckt, und wir entnehmen aus j Phantasie des Verirrten so ergreift, ist eine Ledern bekannten „Kajütenbuch mit etlichen beirseiche, einer der riesigsten -oaume Mittel- und Kürzungen die berühmt gewordene Schilderung der, Südamerikas, der in dem seltsamen Schmucke eines Hacinto-Prärie, die in anderen Romanen des Dick)- T----—t-af terfl übrigens viele gleichwertige Gegenstücke findet. | . , ten sich. Ich lag auf einer Rafenbank am Ufer eines schmalen, aber tiefen Fluffes. Mir zur Seite stand oiuxnnerua», wi u> w.u , mein Mustang, neben diesem ein Mann, Der. die I langen silberweißen Moos hartes doppelt grotesk Arme gdreuzt, eine strohgeslvchtene Weidmanns- I erscheint. I flusche in Der Hand hidt.