Donnerstag, (3. Oktober 1921 Erstes Blatt M. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höbe für Anzeigeno 34mm Breite örtlich 55 Pf., auswärts 65 Pf.,- für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 250Pf. Bei Platz- Dor|d)nft20 .Aufschlag. Haupischriftlcirer: Aug. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil i D: Aug. Goetz: für den Anzeigenteil: Han» Beck, sämtlich in Dietzen. Nr. 2^0 Der Gietzeaer Sijelaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche Sezngspreife: Mk.5^0 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 6.50 einschl- Bestell- gelb, auch beiRichterschei- neu einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: für dieSchristleituna 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Sranffurt a. M. 11656. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vn«k nnö Verlag: vrSHI'Iche Unio. Vach' in» Steiiäridtrei H. tauge. 8christleit»ng, Seschäslrftelle und vrnckerei: Schulftraiie 7. Das Kunstprodukt des Völkerbunds. Die Vetzfer Entscheidung über Oberschlesien ist gefallen, der Industriebezirk wird zwischen Polen und Deutschland geteilt und der Schleier einer zwar paragraphierten, aber doch illusionären und stets gefährdetem Wirtschaftseinheit darüber geworfen. Run treten für das so mißhandelte große deutsche Volk wieder die verzweiselsten Fragen auf, wie wir sie seit dem Versailler Vertrag schon ein halbes Dutzend- mal hatten: soll man in Deutschland von einem Programm der Erfüllung oder einer Parole nationalen Widerstandes sprechen? Das Kabinett Wirch scheint gewillt zu sein, zurückzu- treten. DaS deutsche Doll ist in der oberschlesischen Frage einig. Sollte denn jetzt nicht einmal eindlich eine Einheitsfront auf breitester DasiS gelingen können? Das Gutachten des Völkerbundsrates. Genf, 12. Oft. (Wolff.) Das Gutachten bt» Völker bunbSrats über die oberschle- sische Frage ist fertiggeftellt und geht noch heute abend an den Obersten Rat ab. Die Privatmeldungen über die Grenzlinie in Oberschlesien sind bisher vom Döllerbundssekretariat dementiert worden. Es bestätigt sich vielmehr, daß die gestern übermittelten Angaben des Wolff-Du- reaus im allgemeinen zutreffen. Der Rat schließt heute abend die Genfer Tagung, nachdem er heute vormittag noch eine lange Vollsitzung abgehalten hatte. Am Aachmittag sollen noch einige Besprechungen stattfinden: abends verlassen die meisten Ratsmitglieder bereits Genf, falls nicht noch unvorhergesehene Verzögerungen eintreten. tvaS aber unwahrscheinlich ist. Von einer öffentlichen Sitzung, die in Kreisen deS Sekretariats gewünscht wurde, will man a b s e h e n. Dagegen wird das Informationsbureau deS Völkerbundes, um die öffentliche Meinung zu beruhigen, heute abend eine längere Mitteilung über den Verlauf der Tagung ausgeben, die ledoch keinerlei Angaben -^ber die Lösung selb st enthält. Der Ofcrfte Rat bzw. die Botschasterkvn- ferenz sollen morgen zur Prüfung des Gutachtens deS Völkerbundsrats in Paris zusammentreten. Gleichzeitig sollen die notwendigen Polizeimaß- nahmen in Oberschlesien getroffen werden. Wenn alle diese Vorbereitungen getroffen sind, wird das Gutachten des Völkerbundsrats als Beschluß deS Ober st en Rate- veröffentlicht. Man rechnet damit, daß die Veröffentlichung S a m S- tag oder Sonntag gleichzeitig in den En- tentehauptstädten und in Genf erfolgt. Paris, 13. Oft. (WTB.) Havas meldet auS Genf, dah abends ein Kurier nach Parts a b g e r e i st i st, um dem Ministerpräsidenten B r i a n d als Vorsitzenden des Obersten Rates die Antwort des Völkerbundsrats betreffend Oberschlesien zu überbringen. Das Dölkerbundssekretariat über die Richtlinien der Entscheidung. Genf, 12. Oft. (WTB.) Das Völker- bunbSsekretariat gab beute abend folgende amtliche Mitteilung heraus, in der die für die Lösung der oberschlesischen Frage maßgebenden Gesichtspunkte dargelegt werden, allerdings ohne daß über die Lösung Mitteilungen gemacht werden. Es heißt darin: Bei der Prüfung dieses Problems mußte auf Grund der Bestimmung des Vertrages der Döllerbundsrat sowohl die in der Abstimmung zum Ausdruck gekommenen Wünsche der Bevölkerung, wie auch die geographische und wirtschaftliche Lage in Betracht ziehen. Die erste Schwierigkeit ergab sich daraus, daß die Bewohner, die für Deutschland gestimmt hatten und die Bewohner, die für Polen chre Stimme abgaben, eng miteinander vermengt leben und zwar in einem Verhältnis, das zwar nicht immer das gleiche, aber in den dicht bevölkerten Gebieten stets sehr beträchtlich ist und zwar sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter geographischen Gesichtspuntten. Eine Grenze ist undenkbar, die Bewohner, di« für Deutschland gestimmt haben, nicht Polen zugewiesen hätte, so daß dem Rat fein anderer Ausweg geblieben sei, als diesen Fall dadurch »u verringern, dah er die Grenze so sehr wie möglich dem Abstimmungsergebnis anpahte. Eine derartige Grenzlinie hätte jedoch Gebiete zer- stb^titen. die industriell eng voneinander abhän- gen. Aufstellung einer neuen Grenze in einem Gebiet, das sich wirtschaftlich unter denselben Ges ichrspuntten und in denselben Bedingungen entwickelt hatte, hühte auf beiden Seiten der Grenze die verhängnisvollsten Folgen haben. DaS wäre auch hier der Fall gewesen, wenn bi« Grcn-e die Errich ung einer neuen Zollschranke, vte Auslosung der öffentlichen Betriebe, wie der Bergwerke, den Umlauf deutschen Geldes das Inkrafttreten einer neuen bürgerlichen und in- dustriellen Gesetzgebung mtt sich gebracht hätten Di? Artschaftlichen ^»wierigkeiten kömten unmöglich nur durch leichte Abänderung einer einzigen, auf Grund der Volksabstimmung erlangten Grenze, behoben werden. So gibt es Gebiete in denen die Abstimmung der einen oder anderen Rationalität ein zweifelloses, wenn auch nicht überragendes Liebergewicht gesichert hätte. Leldst wenn man nun diese Gebiete nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht auf Grund der Volks- astbnnmung geteilt hätte, toürbc die Grenze aufs engste miteinander verknüpfte Wirtschaftsgruppen I zerschnitten haben. Der Rat sah sich daher folgender Lage gegen- j über: Sine Grenzlinie, die nicht daS Industriegebiet zerschneidet, würde die Hoffnungen und Wünsche von nicht etwa Deinen Mehrheiten in unwichtigen Gebieten, sondern von entscheidenden Mehrheiten in sehr wichtigen Gebieten vernichtet haben. Tatsächlich hat nun aber die Volksabstimmung diese Hoffnungen und Wünsche nicht nur zugelassen, sondern auch ermutigt Das waren die bem Problem innewohnenden Schwierigkeiten. Langwierige Verhandlungen, die sich mehr als zwei Jahre nach dem Friedensfchluh hinzogen und eine große Bevölkerung in angstvoller Ungewißheit über ihr politisches Schicksal ließen, hatten diese Schwierigkeiten noch beträchtlich vermehrt. Zur Prüfung des Problems beauftragte der Rat zunächst einen Ausschuß, der sich auS 4 Ratsmitgliedern zusammensetzte, und zwar aus den Vertretern Belgiens, Brasiliens, Chinas und Spaniens. Seine Arbeiten überzeugten den Ausschuß davon, daß die Frage nicht dadurch gelöst werden könne, indem man einfach eine Grenzlinie aufstellt, entweder ausschließlich auf Grund der Volksabstimmung oder auf Grund wirtschaftlicher Ueber- legungen oder infolge eines Ausgleiches zwischen beiden Mechoden. Hätte man, ohne eine andere Bestimmung die Grenze nach einer dieser Methoden auf gestellt, so wäre man zu den verhängnisvollsten Erscheinungen gelangt. Infolgedessen beschloß der Viererrat nach gründlichem Studium, eine neue Grenze zu empfehlen und vvrzu- schlagen, daß während einer bestimmten Periode Garantien gegen jede Vernichtung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen geboten werden, wobei diese Periode lang genug währen müsse, um eine vollständige und wirksame wirtschaftliche Anpassung zu ermöglichen. Allgemein anerkannte Sachverständige und Fachleute wurden damit beauftragt, die gleichfalls notwendigen wirtschaftlichen Bestimmungen zu studieren. Die betretenden Personen gehörten den technischen Organisationen des Völkerbundes an und unterlagen keinerlei Einflüssen, sowohl, was ihre Nationalität als auch die Politik der Behörden betrifft, von denen sie ernannt wurden. Sie wurden tpn den vier Ratsmitgliedern aufgefordert. die allgemeinen Maßnahmen zu untersuchen, welche die Fortführung des Wirtschaftslebens in Oberschlesien sichern und die Schwierigkeiten der älebergangsperiode auf ein Mindestmaß beschränken könnten. Die Projekte, in denen die betreffenden wirtschaf.lichen Bestimmungen vorgeschlagen werden. sehen für verschieden lange Perioden, in gewissen Fällen bis zu 15 Jahren, eine Reihe ütm Vereinbarungen vo?. Diese Vereinbarungen begehen sich auf eine unparteiische und gerechte Regelung der Gisenbahnfrage, die Wasser- und Elektrizitätsversorgung, die Zollfreiheit für zahlreiche Erzeugnisse, wie Kohle und Zink, die Beibehaltung der deutschen Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in den an Dolen abgetretenen Gebieten. Der Rat schlug gleichzeitig mit der Annahme dieser Projekte Garantien für die poli- tis'chen Minderheiten vor, da er hierin eine wesentliche Ergänzung einer politischen Grenzführung erblickt. Rur auf diese Weise war es möglich, den politischen Wünschen der Einwohner die größte Befriedigung zu gewähren und ihnen gleichzeitig den Fortbestand des wirtschaftlichen Wohlergehens ihres Landes zu sichern. Eine Schlußansprache des Präsidenten Jshi. Gens, 12. OIL (WB.) Am Schlüsse der heutigen letzten Ratssitzung hielt Baron Jshi, Präsident der Tagung, für die oberschlesische Frage eine Ansprache, in der er sagte: „Meine Herren! Der Vollerbundsrat schätzt fid) glücklich, btt der Lösung einer der schwersten und verwickeltsten Fragen angelangt zu sein. Gr hat, davon bin ich überzeugt, eine der wichtigsten Aufgaben, die ihm aufgetragen wurden, mit Erfolg durchgeführt. Es ist dies eine entscheidende Stunde im Leben deS Völkerbundes.. Das Ergebnis Ihrer Arbeiten ist vom Geiste der Rechtlichkeit und hohen älnpartellichkeit erfüllt; gleichzeitig kann ich nicht umhin, den ehrenwerten Vertretern Englands, Frankreichs und Italiens meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Sie haben trotz der großen nationalen Interessen, die auf Ihrem Spiele standen, eflatante Beweise Ihrer Versöhnlichkeit gegeben. So gelang es uns, eine glückliche Lösung des Problems zu erzielen. Schließlich bitte ich Sie, meine Herren, meinen persönlichen, tiefgefühlten Dank dafür entgegenzunehmen, dah Sie mir die unverdiente Ehre erwiesen, bei diesen denkwürdigen, nunmehr ge- sch ch lichen Sizunzen über die ober ch esische Frage zu präsidieren, deren soeben erzielte Lösung nicht verfehlen wird, in hohem Maße zur Erhaltung ues Friedens in Europa und in der Welt beizutragen. Ein letzter Lchritt in Paris. Paris, 12. Ott. (Wolfs.) HavaS meldet, der deutsche Botschafter hat gestern morgen B r i a n d einen Besuch abge- stattet. Obwohl eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich dieses Schrittes beobachtet wurde, glaubt man doch annehmen zu dürfen, dah er im Zusammenhang mit der nahe bevorstehenden Entscheidung über die oberschlefische Frage steht. Der deutsche Botschafter soll bei dem französischen Ministerpräsidenten einen letz- It e n Versuch gemacht haben, um die Schwierigkeiten darzulegen, die für Deutschland im Falle einer ungünstigen Lösung entstehen würden. Eine derartige Lösung würde nicht nur schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen, sondern wäre imstande, den Sturz des Kabinetts Wirth hervorzurufen. Havas bemertt dazu: Es ist unzweifelhafL daß dieser allerletzte Versuch ohne Wirkung sein wird, denn die alliierten Regierungen haben entschieden, die Trennung anzunehmen, die der DölkerbundSrat empfehlen wird. Es ist wahrscheinlich, dah der VöllerbundSrat heute seine Entscheidung den Alliierten übermitteln wird. Diese werden die Entscheidung noch einige Tage lang geheim halten, um der interalliierten Kommission zu ermöglichen, alle zweckdienlichen Maßnahmen vor der Bekanntmachung der Grenze zu ergreifen. Er f' unwahrscheinlich, dah vor Beginn der näu-sten Woche die Hauptmächte, die im Obersten Rat vertreten sind, die Entscheid düng Polen und Deutschland durch Vermittelung von Driand, der als Präsident der letzten interalliierten Konferenz fungierte, bekanntgegeben werden. Rücktritt des Kabinetts Wirth? 1 Berlin, 12. Oft Wie die Blätter melden, hatte der Reichskanzler nach Schluß der heutigen ersten 5ta b l n e 11 6) itzung ci ;e längere Unterredung mit den svzialb-.mrkrat.schen Parteiführern Hermann Müller, Scheidemann, Wels und dem Reichstagspräsidenten L ö b e über die 5rage seiner Demission. Um 1 Uhr wurde die Kabinettsberatung fortgesetzt. Sie dauerte bei Schluß der Blätter noch an. Das »Berliner Tageblatt" hält es für ziemlich sicher, dah im Falle einer ungünstigen Entscheidung über Oberschlesien das Reichs.abinett zu- rüdtreten werde, da es die Erfüllung der Wiedergutmachung des Ultimatums nicht übernehmen zu Sn neu glaube. Ueber die Stellung der Parteien zu der Frage, ob das Kabinett Wirth zurücttreten solle oder nicht, weih die »Voss Ztg." zu berichten, dah die Demokraten der Meinung seien, das Kabinett müsse sofort die Demission beschließen, wenn auch vorläufig nur für den Fall, daß die offizielle Entscheidung be£ Völkerbundsrates wirklich so lauten sollte, wie die bisherigen Berichte aus Genf. Dagegen sollen die Sozialdemokraten in der heutigen Besprechung mit dem Reichskanzler vor übereilten Schritten getoarnt und angeraten haben, auf jeden Fall zunächst die offizielle Mitteilung des Völlerbundsrates abzuwarten, ehe enbgültig Stellung genommen werde. Berlin, 12. £Xt (Wolff) Das Reichs- kabinett tagte heute vorn i tag von 9—IU/2 Uhr. Gegenstand der Beratung war die ober- schlesische Frage. Das Kabinett tritt um 12 Uhr neuerdings zusammen. Die Gerüchte über Unstimmigleiten im Reichskabinett find, wie zustän- digerseitS mitgeteilt wird, unbegründet. Der Reichskanzler über die neue Lage. Berlin, 12. Olt. (WB.) In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts gab der Reichskanzler seiner allgemeinen Erregung darüber Ausdruck, daß der Völler- bundsrat in Gens, soweit es sich bis jetzt aus unwidersprochenen Rachrichten entnehmen lasse, über das oberschlesische Gebiet in einer Weise verfügte, welche weder der durch Abstimmung flar zu Tage getretenen Willenskundgebung der oberschlesischen Bevölkerung, noch den wirtschaftlichen Bedürfnisten des Landes entsprechen würde. Treffen diese Rachrichten zu, fällt der Oberste Rat eine so geartete Entscheidung, so werden deutsche Städte, mit allem, was in ihnen an Arbeitswerten und Kulturgütern von deutschem Fleiße und deutschem Geiste geschahen wurde, vom Reiche getrennt und unter die Fremdherrschaft gestellt. Diese LvSreihung würde nicht nur von der Mehrheit der oberschlesischen Bevölkerung, sondern auch vom gesamten deutschen Volke als eine Vergewaltigung und bitteres TInrecht empfunden werden. Richt friedliche Entwicklung, sondern unablässige Beunruhigungen und Zwistigkeiten würden die Folge fein: dem deutschen Wirtschaftskörper würde eine unheilbare Wunde geschlagen werden. Der Reichskanzler erklärte zusammenfassend: Falls die Entscheidung so fällt, wie es zu befürchten ist, so ist eine neue Lage geschaffen, welche die Voraussetzungen einschneidend beeinträchtigt, unter denen die gegenwärtige Regierung die Reichs- geschäfte übernommen und geführt habe. Eine abschließende Erklärung wird das Kabinett erst bann treffen können, wenn der Spruch des Obersten Rates amtlich vorliegt. Der Reichskanzler stellte dies als die einmütige Auffassung des gesamten Kabinetts fest. Eine Kundgebung des Hessischen Landtags. Str. Darmstadt, 13. Ott. Die heutige Sitzung des Hessischen Landtages wurde mit etwa einstündiger Verspätung eröffnet Während das vollbesetzte Haus sich von den Plätzen erhob, hielt Präsident Adelung eine Ansprache, in der er etwa folgendes aus führte: Meine Damen und Herren! Rach den letzten Meldungen ist kaum mehr daran zu zweifeln, daß durch Machtspruch der Entente wiederum große Stücke deutschen Landes vom Mutterlande los- gerissen werden. Das ist ein blutiger Hohn auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. (Sehr wahr! und Sehr richtig!) Welche Wirkungen sich daraus ergeben werden, ist noch unübersehbar. Es scheint aber unmöglich, daß Deutschland die Verpflichtungen deS Ultimatums erfüllen kann, wenn wiederum große blühende Industrieteile von ihm abgerissen werden. (Sehr wahr!) Tiefe Trauer und brennende Entrüstung, die sich nicht in Worte kleiden läßt, gebt durch daS deutsche Volk. ES gibt keinen Deutschen, welcher Partei er auch angc- höre, dem in diesem 2higcnblid nicht die gleichen Gefühle beseelen. Rur der Gedanke, daß wir trotz allem niemals aufhören können, die von uns loSgerissenen Brüder auch in aller Zukunft alS solche zu betrachten und die lieber,Tagung, daß die Weltgeschichte nicht bei der Entscheidung von Genf stehen bleiben wird (lebhaftes Sehr richtig!) kann uns aufrecht erhalten und kann unS Trost bieten. Der Aeltestenrat bat beschlossen, zum Zeichen der Trauer und Snt- rüftung die heutige Plenarsitzung ausfallen zu lassen. Ich schließe die Sitzung. (£in Appell der deutschen Arbeiter- und Veamtenverbände. Berlin. 12. Oft. (WTB.) Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie Angestelltenbund, der Gewerkschaftsring der deutschen Arbeiter-, Angestellten- und Deamtenver- bände, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Deutsche Deämtenbund richteten an den Völker- bundsrat, Lloyd George und Briand folgendes Telegramm: Rach übereinstimmenden Aeußerun- gen der Schweizer, Pariser und englischen Presse bat der Dölkerbundsrat die Teilung Ober- schlesiens beschlossen. Falls dies zutrifft. erheben die deutschen Arbeiter- und Beamten- verbände aller Richtungen schärfsten Einspruch. Die unterzeichneten Hauptorgan.sationen, die insgesamt 14 Millionen Mitglieder vertreten und mit Familienangehörigen rund 40 Millionen deutscher Staatsangehöriger vertreten, stellten sich geschtossen hinter das Reparationsprogramm der Regierung Wirth. Sie taten daS, obwohl sie sich bewußt sind, daß die Wirkungen der Reparationen für sie alle härteste Arbeit und herbe Entbehrungen bedeuten. Jede Abtrennung wichtiger Wirtschaftsquellen von Deutschland macht die Durchführung dieses Programms unmöglich und bedeutet zugleich die Verelendung des deutschen DolkeS, das bei seiner Bevölkerungsdichte auf weltwirtschaftliche Bvstehungen, auf Import und Export angewiesen ist. Die Teilung Oberschlesiens steht auch im Widerspruch mit dem Abstimmungsergebnis. Sie hätte ferner zur Folge, dah die arbeitende Pevölkerung Deutschlands auf alle sich aus Tekl Id des Friedensvertrages ergebenden Maßnahmen verzichten mühte. Die Gerechtigkeit, sowie die Deutschland auferlegten und von ihm anerkannten Pflichten erheischen gebieterisch die Belassung Oberschlesiens bei Deutschland Kattowitz. Kattowitz, 12. Oft. (Wolfs.) Soeben ist nachstehendes Telegramm von den Vertretern der deutschen Bevölkerung der Stadt an folgende Stellen gesandt worden: An den Völkerbundsrat inGenf.an den Premierminister LloydGeorgein London, an den Ministerpräsidenten Briand in Paris, an den Premierminister B v n o m i in Rom und an den japanischen Botschafter in Paris: „In der Stadt Kattowitz sind bei der Volksabstimmung über 85 Prozent der Stimmen für Deutschland abgegeben worden. Die Zuteilung der Stadt an Polen wäre eine große Mißachtung des deutscher Ergebnisses. Die deutsche Bevölkerung ist aufs tiefte erregt durch die Pressemeldungen, daß eine derartige Zuteilung in Erwägung gezogen ist, und kann an die Richtigkeit dieser Meldungen nicht glauben. Das Wirtschaftsleben der Stadt ist mit dem deutschen Wirtschaftsgebiet untrennbar verbunden. Ihre Loslösung vom Mutterlande würde ihre Lebensbedingungen vernichten. Wir fordern deshalb, gestützt auf das feierlich verbriefte Recht der Volksabstimmung, die Stadt Kattowitz bei Deutschland zu belassen." (Sine wichtige Kabinettssitzung in London. London, 12. Oft. (WTB.) Heute vormittag wurde unter dem Vorsitz Lloyd Georges eine Kabinettssihung abgefjalten, worin Vorschläge zur Aenderung der Form der deutschen Reparationszahlungen erörtert wurden. Außerdem kamen Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, zur Hebung des Handels, sowie betreffend die Washingtoner Konferenz zur Sprache. Englischer Spott. London, 12. Oft (WTB.) Der politische Berichterstatter des .Daily Telegraph" schreibt, der Eindruck, den Berlin anscheinend sich einbildet, auf London ausüben zu können und der in der eiligen Rückberuf u ng StHamers zum Ausdruck gekommen ist, habe sich bereits als eine schmerzliche Illusion erwiesen. Ein Diplomat habe dem Berichterstatter des .Daily Telegraph" erklärt, die deutsche R publlt habe statt des früheren Säbelrasselns des Kaiserreiches das Federrasseln und Rücktrittsdrohen eingeführt London, 12. Oft (WTB.) Die .Times" berichtet, daß der deutsche Botschafter bei seinem gestrigen Besuch bei Lord Curzon dem Wunsche der deutschen Regierung Ausdruck gegeben habe, die oberschlesisenken, ür.U ich ne für unsozial halte. Gegen Steuern habe ich mich noch nie gesträubt. Rach weiterer Aussprache, an der sich die Abag. Rechtien, Dorsch, Prä!ident Raab, Abgg. Knoll, Lux, Sames, Finanzminister Henrich und Abg. Volz beteiligten, erfolgt Abstimmung. Die Vorlage wird in der Ausschußfassung angenommen. Der Antrag Brauer wird abgelehnt. Die Vorlage wird alsbald auch in zwetter Lesung angenommen. Das Gesetz, betreffend Abänderung des Land» wirtschaftskammergesetzes, wird nach kurzem Deicht des Abg. Lux ohne Aussprache nach den Ausschuhanträgen angenommen. Die zweite Le? fung wird vertagt. Darauf tritt Vertagung ein. Rächste Sitzung Donnerstag 9Vz Llhr. — Schluß 1Ä Ahr. Aus Stadl und Land. ____ (Sieben, den 13. Okt. 1921. Die Blutfinkenzucht im Vogelsberg. Schon vor einiger Zeit brachten die Tageszeitungen eine Rotiz über den Rückgang der Vogelzucht in Ober Hessen. E fr mli Her- weise können wir jetzt feststellen, daß Die Vogellieb habecei im Vogelsberg von neuem aufzublühen beginnt. Besonders im hohen Vogelsberg, wo früher tpie in Thüringen der Dom» vfaffenlieb Haberei mit Leidenschaft gehuldigt wurde, beginnt wieder manch a.ter „Vcg:l- hannes" mit der Aufzucht der zarten Stuben? genossen. Man muß jahrelang unter dem Bogels- bergvolk gelebt haben, um beurteilen zu können, welche Bedeutung die „Blutsinkenzucht" in dem Leben des Vogelsberger Handwerkers hat. Schleicht da Ende April einer zum Walde, ahmt den wehmütig klingenden Ruf 6e£ Vogels nach, hockt sich 'bewegungslos ins Gebüsch und beobachtet genau die Flugrichtung der Paare. Hat er das Rest endlich entdeckt, schleicht er weg, ohne es durch laienhafte -Zeichen dem Rebenbuhler zu verraten. So erspäht er ein Rest nach dem andern, aber neben der Freude quält ihn zugleich die Sorge: denn gleich ihm schleicht ein Dutzend anderer Blutfinkenzüchter durchs Gehege. Er nimmt dann unter dem Verdacht, das Gehege sei schon von anderen gefunden, das Rest aus und verteilt die Eier in Finkennester. Oft werden auch die noch nackten Jungen in die Hütte des Züchters mitgenommen. 3n der Familie finden wir eine vollständige Organisation in bezug auf die Erziehung der Vögel. Vom alten lehnstuhlhütenden Ahnen bis zum Schulbuben hat alles nur Augen und Ohren für sie. So fand der Verfasser dieser Zellen es diesen Herbst in Lanzenhain. Mehr als zwanzig Blutfintenoögel fand er bei einem Züchter vor, alle abgetrennt voneinander, mitten im Studieren der ihnen vom Züchter vorgepsisfuien einfachen M Indien. K. F. ** Amtliche Perfonalnachrichten. Ernannt wurde am 30. September der Vortragende Rat in dem Landesamt für das Bildungswesen und in dessen Abteilung für Schulangelegenheiten Oberregierungsrat Konrad L ö h l e i n mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an zum Ministerialrat in dem Landesamt für das Dildungsweien und in dessen Abteilung für Echulangelegenheiten. ' Dr. med. Eugen Dostroem, Geh. Medizinalrat, ordentlicher Professor der pathologischen Anatomie und der allgemeinen Pathologie, Direktor des Pathologischen Instituts der Universität Gießen, wurde anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages ehrenhalber zum Doktor der Veterinärmedizin ernannt " Die Ausstellung zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten fintet vom 16 bis 23. Oktober statt. Durch das überaus dankenswerte Entgegenkommen von Reltor und Senat ist, wie uns mitgeteilt wird, die schwierige Raumfrage gelöst und es möglich geworden, sie in den Räumen des ^Iniversitatsgebäudes in ter Ludwigstrate, und zwar im Großen Hörsaal und in den angrenzenden Räumen abzuhalten. Ein Besuch der Ausstellung durch die Bevölkerung aller Stände ist im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege dringe.rd erforderlich, denn die Geschlechtskrankheiten sind nicht mehr das, was sie vor dem Kriege in Deutschland waren. Sie sind nicht mehr „Lustseuchen", vor denen ein ehrbarer Lebenswandel einen ziemlich sicheren Schutz gewährte, sie sind heute zu Bolls- seuchen, ja, zu Familienkrankheiten geworden. Weit verbreitet sind die Krankheiten aqch in der Landbevölkerung. Groß ist deshalb die Gefahr für jedermann, eine solche Krankheit durch einen unglücklichen Zufall zu erwerben. Die verheerendste von ihnen, die Syphilis (Lues), kann, wie jeder Hautausschlag, z. B. durch unsaubere Eß- oder Trinkgeschirre, durch Benutzung der vorher von Erkrankten benutzten Adortanlagen u. dgl. übertragen werden. Riemand ist davor völlig sicher. Erwirbt doch auch heute mancher Läuse und Krätze, der sich das in früheren Zeiten nicht hätte träumen lassen. Jeder muß daher die Erscheinungen jener Krankheiten vor allem in ihren Anfangsstadien kennen lernen, damit er, davon befallen, sie nicht für einen harmlosen Ausschlag hält, sondern sofort ärztliche Hilfe aufsucht. Bei deren rechtzeitiger Inanspruchnahme sind diese Krankheiten heilbar. Bemachläffigt können sie den ganzen Organismus in furchtbarer Weise zerstören Auch hiervon werden in der Ausstellung Beispiele gezeigt werden. ** E i n e ö f f e n t l i ch e S i h u n g des Provinzialausschusses findet am Samstag, vormittags 87z Ahr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes, Land- graf-PhiliPp-Platz Rr. 3, mit folgender Tagesordnung statt: Klage des OrtS- armenverbandeS Alsfeld gegen den OrtS- armenverband Schwabenrvd auf Erstattung vorgelegter Hausmiete für den Taglöhner Gustav Schuchardt zu Alsfeld. — Neuregelung der Besoldung der Beamten in den Landgemeinden (Berufungen des Gemeinderechners und des Polizeidieners und Feld- schützen zu Willofs gegen das Urteil deS Kreisausschusses des Kreises Lauterbach vom 16. Juni 1921). — Berufung des Feldschützen zu Hörgenau gegen das Urteil des KreiSauS- schusses des Kreises Lauterbach vom 2. Juni 1921. ** Bei denRingkämpsendes gestrigen Abends im Hotel Einhorn traten Zilch und Gerber als erstes Paar auf den Plan. Lange glich der Hesse Gerber die Ueberlegenheit des Oefterrei- chers Zilch an Gröhe und Körpergewicht durch eine oft verblüffende Gewandtheit aus, bis er schließlich nach 16 Minuten durch „Heberftüraer am Boden" unterlag. Ueberaus spannend war Der folgende Kampf zwischen Europameister Hihler und dem Badenser v. Berg. Der überlegenen Technik des ersteren setzte ter letztere seine gewaltige Kraft entgegen, fo daß die vorgeschrte- benen 20 Minuten verrannen, ohne eine Entscheidung zu bringen. — Ein sportlich wenig schönes Bild bot der Entscheidungskampf zwischen dem Dänen Christensen und dem Sachsen Opitz. Christensen ließ sich durch Leidenschaft so fortreißen. daß der Schiedsrichter sich zu mehrmaligem Einschreiten und einer Verwarnung genötigt sah, und das Publikum seiner Entrüstung in empörten Rufen Ausdruck gab. Durch einen über« raschenden Griff wurde Opitz nach einer Gesamtzeit von 29 Minuten zu Fall gebracht. — Heute abend treten sich Opitz und Gerber, Zllch uni v. Berg sowie im Entscheidungskampf Hitzlei und Achner gegenüber. worrrotizeu. — Tageskalender für Donners- lag: Reue Aula der Universität, 8 Uhr, Vortrag des Generals von Letiow-Vordeck über feine Erlebnisse in Deutsch - Ostafrika. — Cafe Leid 8 Uhr. öffentliche Mieterversammlung. — Post- keller, 8 Uhr, Versammlung der ehemaligen Angehörigen des L. I. R. 116. — Astoria-Lichtspiele: Heute »Le grand jeu", ab morgen „®art Aß", „3n den Krallen der Hyänen", ferner .Pump und Langbein". — Aus dem Stadttheaterbureau. Die Aufführung der ,P o st m e i ft e r i n“, der ersten diesjährigen Operette, am kommenden Sonntag, führt zwei neue Fachkräfte beim Publi- tum ein. Die Titelpartie wird von der ersten Sängerin Frl. Ilse Wissendorff. vordem am Reuen Operettentheater in Frankfurt a. M. gegeben werten, die Tenorpartie des Prinzen Louis Ferdinand von Herrn Curt Richter vom Landestheater in Rudolstadt. Bekanntlich ist ter Schauplatz des Werkes Hesse n und es dürfte besonderen Reiz haben, einmal die ländliche Dationaltracht auf ter hiesigen Bühne zu erblicken. — Zu Gunsten der Verunglückten in Oppau wird morgen abend im Cafe Amend ein großes Wohltätig keitskon« zert veranstaltet werden unter Mitwirkung vov Mar Alexander, Mitglied des Frankfurter Opernhauses. Das Programm ist aus dem Anzeigenteil zu ersehen Wettervoraussage für Freitag. Dunstig und wolkig, meist trocken, etwas kühler, wechselnde Winde Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet hat an Intensität zugenommen, wird aber durch die allem- tischen Tiefdrucktoirbel nach Südosten gedrängt Eine wesentliche Aenderung des Wetters wirk nicht eintreten. Kreis Friedberg. □ Friedberg, 11. Ott. Anfangs dies« Woche wurde das Wintersemester der hiesiger „Polytechnischen Lehranstalt" eröffnet Zugleich fand gestern die feierliche Einweisung deL neuen Direktors Kern (bisher Stadtbaumeister in Zftankfurt a. M.) statt. Bürgermeister Dr. S e v d hieß den neuen Direktor im Ramen ter Stadt herzlich willkommen. Direktor Kern hielt dann seine Antrittsvorlesung Über daS Thema: Bedeutung ter Technik im neuen Deutschland. Der Besuch der Anstalt ist auch im neuen Semester sehr befriedigend. Hessen-Nassau. Für ein ungeteiltes Oberschlesien. mc. F r a n k f u r t a. M-. 12. Okt. Zu einer machtvollen Kundgebung versammelte sich Frankfurts Bürgerschaft heute nachmittag auf dem Römerberg vor dem Rathaus. Es gatt, die Forderung zu vertreten, daß nur ein ungeteiltes Oberschlesien dem deutschen Da« terland von Nutzen sein kann. Stab trat Dr. Langer, ein Kind Oberschlesiens, gab diesem Gedanken Ausdruck und schilderte all die Gefahren, die für Deutschland entstehen, wenn das Land etwa neutralisiert oder gar unter polnisches Regime kommen werde. An eine Erfüllung des Versailler Vertrags sei unter diesen Umständen nicht zu denken, gar nicht zu reden von den innerpolitischen Schwierigkeiten, in die Deutschland kommt, wenn das Schicksal Oberschlesiens nach den Grundsätzen entschieden wird, die aus der Völkerbunds- sitzung an die Oeffentlichkeit gedrungen sind. Die Versammlung, der viele tausende anwohnten, nahm schließlich eine Resolution an, deren Inhalt sich in den Ausführungen des Redners erschöpfte. Haussuchungen bei Kommunisten. sd. Frankfurt a. M., 12. Oft. Auf dem Orts- und Dezirksbureau ter Kommunisti - s che n Partei nahm die Polizei Durchsuchungen vor. Als Grund wird angegeben, daß Verbackt bestehe, daß politische Flüchtlinge sich dort aufhielten. Auch bei ter Geschäftsführerin der ..Roten Hilfe", Frau QTumann in ter Kleinen Schlesinger Gasse sanden Durchsuchungen statt. Es tourten zahlreiche kommunistische Schriften und Postkarten aufreizenden Inhalts beschlagnahmt. Gewaltsame Anwerbung zur Fremdenlegion. Weilburg a. d. Lahn, 12. Oft. Ein Primaner des Weilburger Gymnasiums, Pfarrers» sohn aus der Umgegend, fuhr, wie unS von dessen Vater heute erst geschrieben wird, am 14. Sep- ter Wirt Denner in Hemdsärmeln und gelber seinem Kellner Jean geschäftig hin Kinder mit einer gewissen Aufregung Aulen. Mit Musik an der Spitze kamen die Rekruten aus den verschiedenen Dörfern herein mit übermütigem Singen und Johlen. An der Weste mit seinem Kellner Jean geschäftig hin j wir 1 und her eilte. Ein häufiger Gast war ter ver- schauten, bummelte Dorfschulmeister Ihm aus Wieseck mit I ~ seiner Geige, ter in unferm Hausflur das Lied j von Prinz Eugen dem eteln Ritter für einen I Groschen vortrug, den er darauf drüben in | Schnaps umsetzte. Roch untere fragwürdige Gestalten pflegten von Wieseck zum.Betteln zu kommen, z. D. die „Prinzin" und ihr Sohn, in meiner Erinnerung die ausgeprägtesten Typen verwil- terten Lumpentums. Gewöhnlich war die Straße am belebtesten in der Morgenfrühe und nach Feierabend. Bald nach dem ersten Hahnenschrei begann es sich draußen zu regen. Dann tarnen über die Marburger Straße und den Wiesecker Weg her die Bauern und Bäuerinnen, die ihre Milchtarren vor sich herschoben, die Butter- und Eierfrauen mit großen Körben auf dem Kops und die Scharen von Burschen und Mädchen aus den nahen Dörfern, die zur Arbeit in den Tabakfabriken gingen, die ersteren mit Stock und Lederranzen ausgerüstet, die Mädchen mit dem Henkellorb am Arm, worin sie ihren Mundvorrat für den Tag mitbrachten. Rach 6älhr abends kehrten die „Fabriker' in buntem, lärm entern Gewimmel heim, dem wir Buten vom Gartentor aus zuschauten. Eine halbe Stunde lang lag ein Dust von Tabak und Schweiß über der Straße, bis die letzten Gruppen vorüber waren, und nach dem luftigen Schw -Yen, Lachen und Singen wurde es wieder still. Aus der Feme vom Wiesecker Weg klang wohl noch ein Jodler vom „närrischen Jakob", einer komischen Figur in der Arbeiterkarawane, ter die Mädchen mit allerhand zudringlichen Späßen zu schrecken pflegte. Einigemal im Jahr, wenn die Aushebung zum Militärdienst in Gießen stattfand, bot die Landstraße außerordentliche Schauspiele, denen Att-Gießener Iugenderinnerungen. Bon Dr. Friedr. Roack (Fortsetzung.) III. Herrschte am Fürstenbrünnchen, wo die Dienen um die blühende Linde summten, eine poetische Stille, so zog drüben an ter Straßenseite des Pfaus das geräuschvolle Leben in wechselnden Gestalten vorüber. Sine ständige Staffage der Landstraße waren damals die Handwerksburschen mit Ranzen und Knotenstock, die vor der Stadt, wo sie vor der Polizei sicher waren, mit dem Gruß: „Entschuldigen Sie, ein armer Reisender", in den letzten Häusern ein Zehrgeld erbettelten, mit dem sie dann im Pfau einkehrten. Dort hielten auch "die Frachtfuhrleute mit ihren schellenllingenten Gespannen vor den mit Leinen- Verdeck überzogenen Wagen an; besondere Aufmerksamkeit erregte ein solcher Wagen, wenn er mit einem schwarzen Fähnchen oder einem grölten P bezeichnet war, denn man wußte dann, daß ter Fuhrmann Pulverfässer beförderte und man seinem Wagen nicht mit Feuer zu nah kommen durste. Mit ihnen wechselten die Leiterwagen der Dauern aus den Rachbardorfern, meist mit Ochsen- oder Kuhgespann, die an Markttagen in langen Reihen vorüberzogen, dazwischen wurde Schlachtvieh getrieben, darunter possierliche Scharen von Ferkeln, die quiekend durcheinanderliefen. An solchen Tagen herrschte buntes und lautes Leben auf ter Landstraße und vor dem Pfau, wo Straßenecke des Pfaus angelangt, spielten die Musikanten eine lustige Weise, die Burschen tanzten dazu über die Landstraße, schwenkten tie an ein buntes Taschentuch geknüpften Krüge, tie im Dfau frisch mit Dier oder Schnaps gefüllt wurden, und marschierten dann mit lautem Singsang in die Stadt hinein. Die Heimkehr am Abend gestaltete sich noch dramatischer. Sie waren dann alle mehr oder minder betrunken und erregt über das Ergebnis ter Musterung und Auslosung. Die Mühen und Hüte hatten sie mit künstlichen Sträußen und bunten Bändern geschmückt, auf denen das Wort „Frei" oder die Waffengattung. zu der sie bestimmt wurden, aufgedruckt war. Alles sch,ie und fang wild durcheinander. Am Pfau wurde die letzte Einkehr gehalten und die letzten Groschen in Branntwein umgefeht. Oft endete dort das Vergnügen schlimm; die Burschen gerieten in Streit, schlugen einander die Krüge um die Köpfe, und manch einer to.rkelte blutüberströmt aus der Haustür heraus. Furchtsam schauten wir Kinder den Vorgängen zu, und ich kleiner dummer Hasenfuß lief weinend zur Mutter, weis ich mir einbildete, es müßte mir, wenn ich 2v Jahre alt wäre, ebenso ergeben. Die Landstraße vor des Vaters Garten und ihre nächste .Umgebung bedeutete für mich in den ersten Knabenjahren, bis ich das Gymnasium besuchte, die Außenwelt, die mich das Leben und Treiben der Menschen aus eigener Anschauung kennen lehrte Denn in die Stadt kamen wir Kinder nur selten, wenn wir die Mutter oder ein Dienstmädchen bei Einkäufen begleiteten, oder wenn an schönen Sommerabenden Die Eltern uns mit zum Lenzschen Felsenkeller nahmen, wo sie im Schatten der Kastanien mit bekannten Familien beim Bier saßen und ich im Spiel mit Meinen Professorentöchtern meine ersten Jaja v.erncn Hebungen im Minnedienst machte. Sonst verlief unser Kinderleben vorwiegend im großen Garten des Elternhauses und bei den nächsten Rachbarn Aber dieser begrenzte Raum war doch ein weiter Schau- und Tummelplatz für kindliche Freuden, und Altersgenoffen aus befreundeten Famllien besuchten uns gern, weil man sich in unferm Garten ungehindert umhertreiben durfte. Wiesenflächen, Gebüsche. Bäume und Hecken, ein paar kleine Wirtschaftsbauten wie Holzschuppen. Waschküche, Ziegen- und Hasenstall, Heuboden, die großen Regentonnen neben dem Wohnhaus, auch die Jröfchbach, zu der ein paar Stufen hinab- führten, boten mannigfaltige Gelegenheit zu allerhand Spielen und abenteuerlichen Unternehmungen, wie die nimmermüde Knabenphantasie sie erfindet. Aus Robinson Crusoe und den Leter- strumpferzählungen schöpften wir neue Anregungen. wenn wir das gewöhnliche Dersteckenspiel oder „Räuber und Husaren" müde waren. In verborgenen Winkeln bauten wir Hütten mit Obst- Vorratskammern und glaubten uns da auf eine einsame Insel versetzt, oder wir bewaffneten uns mit Lanzen, Pfeil und Doaen und gingen mit Rachbarskindern auf dem Kriegspfad und auf die Jagd nach Katzen, denen wir ewige Feindschaft geschworen hatten, weil sie den Singvögeln unseres Gartens nachstellten. Außer dem Indianer- und Soldatenspiel gab es in dem Garten noch reichlich Gelegenheit zu friedlichen Beschäftigungen. auch zu nützlichen. An den Sommerabenden wurden wir angehalten, die Blumen- und ®c- müfebeete zu begießen, das Ernten der verschiedenen Beeren- und Obstarten war natürlich eine noch beliebtere Tätigkeit, weil der Mund baW nicht zu kurz kam. (Schluß folgt.) 30 QEart pro Hektoliter, was auf den Schoppen ungefähr 3—5 Pfennig Steuer aus machen würde. verwickelte und dabei der E5 i « . WT 11 T ■ < Äff D£____1 ACTkA A vehMicheAnzeigen!KMW!j.WkiWlW j jeppiM I Die unterzeichneten Erben lassen am Samstag Bekanntmachung. FÄÄ Voragen z schwarze reineWolle Lot 1M., Pfund 45 M. I DMioitg i reine Wolle in Schwarz, Grau, Braun v Lot Robert Haas Nacht Selters weg 18. 10937c Sofort lieferbar Freibank ^IIIHIIIIIIIIIIIIIIilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllIIIIIOIIIIIIIIIHIIIIIIHinF DDDODODOODOOaDODDDaOOOOOODDEJDOD MMX> <> Giessen Brandplatz gegenüber dem alten Schloß. enncoiffi a"8 8e**6^e I irowiCä Wische-Schonerln schriftlich bei der Bürgermeisterei oder im Plantag vorgebracht werden. Bad Salzhausen, den 8. Oktober 1921. Der Landawimann zu Bad Salzhausen. Brill. H 1% Gerichtssanl. Das Urteil im Velberter Hochderrstsprozefi. 1.25 1.40 1.50 1.60 1.75 12.— 2.50 2.75 fpd. Han au, 12. Oft. 2lui Aniah der Dahl eines neuen Bürgermeisters erlassen die Stadtverordnetenmitglieder der kommunistischen Partei Srne Erklärung, worin sie die Stell reines Oder- bürgermeisters für eine Verwaltung der Gröhe Hanaus als überflüssig und unnötige Steuer- belastung der Bürgerschaft Die Kommunisten erbeben gegen die Wahl Protest und erklären dazu, dah die Wahl fcur Stärkung tzz reaktionären Elemente im Magistrat dient. Flottweg das Mewahfte Molar-Fahrrad. verlauf von Dichten-Nutzholz. Aus dem Wege des schriftlichen Angebots n aus der Waldung der Gemeinde Leih- Wir uert Hill. grön.Posten Saas-ii. Jrrtilriffflrn tadellose Qualität (al6 Ersatz für teuere Leder- riemeni. 10935 J. X II. tiricb, Maschinenbauanstalt und Maichinensabrik. Wambach fHefien'. Schilling, Fritz Gießen. loosec Pfund 60.— 65. SCHIRM mteWD ? ♦4.1.. werden ange- XJCKC lerugt u. um* r veJv gearbeitet Mctalapelei für Küchen. Korridor und Treppenhaus geeignet, uuier Preis abzugeben. Tapezierer Bock Licbtgstrahe W. gesagt. __________ Hochschulnachrichten. Dien. 12 Ott. (Wolffs Das „Oleuc Wiener Tageblatt ' melde» Der Philosoph Professor Decher «Münchens, der Kunsthistoriker Pros. Pinder (Leipzigs, der Historiker Pros. O n ck e n (Heidelberg», der Shemiker Prof. Schill ('Dresden) und Der Prof. Braun (Frankfurt a. M lehnten wie angenommen wurde, infolge der chlechten österreichifchcn Valuta die UedcrnahMß >er angebotenen Lehrkanzeln an der Diener Um- versität ab. Kunst und Wissenschaft. Otto von Gierke gestorben. Berlin 12 Oft. Der bekannte Rechts» gelehrte Professor Otto v. Gierke ist vorgestern abenb gestorben. Otto v. Gierte ist 1841 zu Stettin geboren und studierte in Heidelberg und Berlin. 1867 wurde er Dozent des deutschen Rechtes an der Berliner Universität. 1871 dort austerordcnUicher Professor. 1872 ging er als Ordinarius nach BreSlau. 1884 wurde er nach Heidelberg. 1887 wieder nach Berlin berufen. - «Seine bekanntesten Derke sind: Das deutsche Genossenschastsrecht, Das deutsche Privatrecht. Der Entwurf einet Bürgerlichen Gesetzbuches und der Deutsche Reichstag. Das Wesen der menschlichen Verbände, Vaturrecht und deutsches Rech». Untersuchungen zur deutschen Staats- und Vechtögefchichte. sollen aus der Waldung der Gemeinde Leihaestern nachstehende Mengen verkauft werden: Stamm 4 Klasse 1 Stück W Fstm., Stamm 5a Klasse 7 Stuck = 3.23 Fstm.. Stamm 5b Klasse 88 Stuck - 20.15 Fstm . Derbstangen 1 Kl aste 69 Stuck = 5.72 Fstm.. Derbstangen 2 Kialie 20 Stuck - 0,97 Fstm., Dutzknüppel 22,7 Rm. — 13.o2 sstm Sämtliches Holz ist entrindet und find Angebote getrennt nach Klaste urch Sortiment bis »um 19 d Hi., nachmittags 3 Uhr, bei der unter* aeidmeien Stelle einzureichen woselbst dir De- dingungen einaefeben werben tonnen. 1Q904D Leihgestern. den 10. hoher 1921. Bürgermeisterei Leihgestern. Die Kartoffelversorgung. 6ine Besprechung des LandeSernahrimgS« beirats. rm Darmstadt, 12 Oft Der Landes- ernährungsbeiral hatte gestern ftn Ministerium die Vertreter der Genossenschaft, der Gewerkschaften und der Landwirtschaft zu einer Besprechung eingeladen, um über die vielen Klagen wegen der völlig unzureichenden Kartofselversvrgung zu beraten Bon allen Seiten wurde Klage geführt Als Ursache wird angeführt, bah m erster Linie die schlechte Wagengestellung der Eisenbahn daran schuld ist während die Bahn erklärt, dah infolge Aufhebung der Sanftionen austerordentlich viele Wagen durch die Industrie in Anspruch genommen werden Auch durch die starken Getreidelieferungen aus dem Ausland werden viele Wagen beansprucht, so bah raschere Gestellung zur Zeit nicht möglich ist. Aach lebhafter Aussprache wurde das Landesernährungsamt beauftragt, bei den in Frage kommenden Reichsstellen dem Reichs - verkchrsminister und der hessischen Vertretung in Berlin unverzüglich die nötigen Schritte zu unternehmen, damit rasch Abhilfe geschaffen werde. Angemessene Kartoffelpreise. fpd. Kassel, 12. Oft. Gutsbesitzer Aägel (Erumbach) hat von seiner Kartoffelernte mehr als 1000 Zentner nach Kassel verkauft und für einen Zentner 40 Mark gefordert. Er erklärte auf der Kreistagssitzung des Landkreises Kassel, bah Landwirte, die 80 Mark für den Zentner forderten, an den Pranger gestellt werden mühten. Schon rin Preis über 50 Mark sei unberechtigt. — Die Umgebung Kassels wird gegenwärtig von rheinisch-westfälischen Aufkäufern überschwemmt, die von Hof zu Hof laufen und für den Zentner Kartoffeln nicht unter 80 Mark bieten.__________ EjSL-en und er- wachte dann erst wieder auf tinzr Pritsche in einet Kaserne in Mainz Don dort wurde er mit einigen anderen jungen Leut^i nach bem Lager Griesbeim bei Darmstadt gebracht. Gelegentlich der ärztlichro Untersuchung eines gan- x20.- >35. I ITTl JiV,IUUI UUl ifQUlli tji 3n unser Handelsregister Abt B wurde heute I ^je im Grundbuche von Weilburg, Band 11, Blatt Nr.40 angetragen: Die Firma Stohr & do, Llektrizitäts- und 55 eingetragenen Grundstklcste, und zwar: gesellschast mit beschrankter haftnna, (Sieben. Degen. Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Hoftaum, Langgasse stand des Untfrnehmens ist die Ausführung ejcR- g^r.2, ßartenbl. 13, Varj. 9h.68, (Bröfec la 33qm, irischer Anlagen jeder Art und jeden Umfangs. Das zweistöckiges Wohnhaus mit Hoftaum, ©arten- Stammkapital beträgt 20 000 Mk. Gesellschafter stnd 4- xn 9 * > Parz. Nr. 160 12 usw, Sd)lon«mcift« 3uliu» Stohr in Ei.h.n unb Ong,. ’ Ä »m’ÄfüW ä? _ . dem Landausschuh findet Mittwoch, den 19. Okt. 1921, Berkattf V0N^ Nyr Nv vormittags 19* .Uhr, auf der Bürgermeisterei Hatten-1 " '----------------------------------- rod statt. 109478 Einwendungen gegen den Plan sowie den Der- teilnngsplan können innerhalb der Dffenlegung»frift Heute nacht 2l/s Uhr entschlief sanft nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Julius Hoos im 75. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen: Johanna Hoos geb. Docke. Gießen (Bahnhofstraße 41), den 13. Oktober 1921. Die Beerdigung findet Samstag nachmittag 2% Uhr auf dem Neuen Friedhof statt Beileidsbesuche dankend verbeten. Mgi Möbl. Zimmer an Dauer- Mieter CQnufiit) zu verm. oiiw Babnbofttr. 4 I. | Mietgesuche | 3unne Dame sucht sofort möbl. 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Minderbemittelte nach Belieben. — Freunde ernster Lebensfragen sind herzlich eingeladen. *»* Redner: P. Kretz. (Eafe Amend Freitag den 14. Oktober, abends 8 Uhr großes ]B (Sanften Der liotleWenöen in Svpav mit verstärktem Orchester unter Mitwirkung des Herrn Max Alexander Mitglied des Frankfurter Opernhauses. Programm: I. Teil: 1. Einzug der Gäste, aus „Tannhäuser" 2. Fest-Ouvertüre............ 3. Prolog (Herr M. Alexander) 4. a) An den Frühling l b) Ich liebe Dich |........ 5. Hexenlied von Wildenbruch (Herr M Alexander), Musik von Schillings 6. Große Fantasie a.d. Oper „Freischütz" H. Teil: R. Wagner Lortzing Grieg v. Weber 7. Ouvertüre zur Oper .Rienzi", der Lehe der Tribunen.........N. Wagner 8. Rezitationen (Herr M. Alexander) 9. Kaiser-Walzer ............Strauch 10. Andante aus der 5. Sinfonie.... Tschaikowski 11. Lieder (Herr M. Alexander) 12. 2L-Que, Polonaise..........Chopin Hotel Einhorn Donnerstag, 13. Oktober, ringen: Opitz gegen Gerber Zilch „ v. Berg 013359 sowie der mit grosier Spannung erwartete Entscheidungskampf Kitzler gegen Achner, der starke Bayer. Samstag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr beginnend, in der Turnhalle des Turnvereins v. 1846 (Steinstr.) Seiet les 66. MMsles verbunden mit Abendunierhaltung und Ball Nur durch d. Vorstand eingelad. Gaste haben 3utritt Der Vorstand. 10549v Astoria-Lichtspiele Telephon 2166 Selterswepr 81 Ferner: 10953c Pump und Langbein Urkomisches Lustspiel, 4 Akte. Heute letzter Tag: LeirandjeulteiraMpiell 2. Teil: lei den Schienen der Railway sowie das glanzende Beiprogramm. Ab morgen bla etnschl. Sonntag: Caro AB 4. Teil: In den Krallen der Hyänen. Nchk Ttutt I für Landwirtschaft vorzüglich geeignet, fehlerfrei, zu verk. Näb. Liebiastratze 19/21. 8 »chöne Ferkel 8 Wochen alt, zu verk. Johann WagnerWwe. ___Salzböden, „imoc Geschäftshaus mit gutgehendem Ladengeschäft sofort au verkaufen und beziehbar. Schrifil. Angeb. unter 10910 an den Nies;. Anz. (Mut erb Fahrrad z. vk. 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Vorläufig kenne ich hier Sitten und Gebräuche noch nicht, jede Gegend hat andere, und wir am Nhein denken in manchem wohl Parteitag der Hessischen gentrnmspartei Man schreibt uns: einen Küchrnstuhl fallen. ., .Ich will gewiß nicht in Ihr Reich em- brechen, bin gekommen, um sofort um Ihr jxt- Kindesseele, um Schule und Erziehung. Die Schulfrage betrachten wir als eine Gewissensfrage ersten Ranges. Der Redner verteidigte sodann die Koalitionspolitik der Zentrumspartei, die immer die mögliche und richtige war. Vertrauen und Treue ist die Grundlage für ein ersprießliches Zusammenarbeiten von Abgeordneten und Wählern. Einigkeit muh in unseren Reihen herrschen, weil die Gegner von rechts und links auf Uneinigkeit bei uns spekulieren. Das Zentrum in Hessen erstrebt eine breiteRegierungsbafis, weil nicht genug Parteien zur Verantwortung herangezogen werden können. Unter dem Eindruck der Rede beschloß die Versammlung, von einer Nussprache abzusel-en. Der Parteitag sprach sodann der Fraktion seinen Dank und Vertrauen aus und beauftragte den Vorstand der Partei, eine Dertrauenslundge-bung an den Reichskanzler Dr .Wirth zu enden. Gewalt antun. Er ist, wir wiederholen es in dem oben umschriebenen Sinn, kein Poll» tiker. Man kann deshalb im Zweifel fein, ob es seiner Zeit geraten war, ihn von demokratischer Hahns gut und bequem zu leben! Den Henner sollte sie aber nicht in solch Lotterleben hinein» ziehet, darüber wollte ste wachen« Die Männer waren jetzt den ganzen Tag aus den Feldern, ließen sich kaum Zeit zum Mittagessen und zur Erledigung der Post, abends waren sie müde. Dann setzte sich Maria an den Flügel, spielte und fang. Das war eine Stunde, auf die sich besonders der Oekvnomierat den ganzen Tag freute. Der Henner strahlte dann über das ganze Gesicht. Sah verliebt auf die schlanken, weißen Hände seiner Frau und auf die bieg- same Gestatt. Daß sie sich langweilen könne, auf den Gedanken Tarnen die beiden Männer nicht. In den großen Gärten war der Frühling mit seiner Vlütenfülle eingezogen, vorn Luginsland hatte man einen köstlichen Dlick, der lange Hainbuchengang fing an zu grünen, der Flügel stand Maria den ganzen Tag zur Verfügung. Durch die großen Ställe konnte sie wandern und Mann und Schwiegervater einen Besuch auf den Feldern abstatten. Sie sagten ihr immer, wo fie anzutreffen waren. Das alles tat Maria, stellte sich auch dann und toorm zur Arbeit der Mamsell, sobald sie aber merkte, daß sie der lästig wurde, ging sie mit freundlichem Gruße davon. Maria glaubte, sie nach und nach ganz auf ihre Seite ziehen zu können — und irrte sich gewaltig. Woche um Woche verfloß, und die junge Frau dachte noch immer nicht an ernstliche Arbeit, das bißchen Staubwischen und Blumen pflücken für die Vasen zählte nicht . . Der Mamsell aber waren Langschläfer verhaßt. Es gab doch nichts schöneres, als ein Morgen auf dem Lande! (Fortsetzung folgt.) Maria war selig. .Nein, wie schön das alles ist« Ich danke dir vieltausendmal! Henner, hier muh man einfach glücklich Tein!- Der Schwiegervater bekam einen ber)haften Kuh Er rieb sich vergnügt die Hände. „Sa5 hat alles ein Heidengeld gekostet, aber das schadet nichts! Und Kleinigkeiten werden auch noch fehlen, dafür sind Weihnachten, Geburtstag und andere Familienfeste ba!“ Der Henner besah stolz alle Einzelheiten, tm Zimmer seiner Frau — an einem Fenster stand auf einem Auftritt ein sehr zierlicher Nähttsch. .Hier mußt du dich ja wohl fühlen, Mama! Ja, Vater, und nun erzähl mir, wie weit ihr mit der. Feldbestellung seid!" Da schob ihn Maria zur Tur hm aus. .Geht nur rüber, ich beseh' mir erst mal die Herrlichkeiten allein und fange an, die Koffer auszupacken!" r . - Der Oekvnomierat freute sich über feinen Zungen So war's recht, zuerst kam immer Land und Stall Wenigstens für WärhaHuschs Blut: . . Maria huschte, sobald sich die ^Hanner entfernt hatten, die Hintertreppe hinunter ^r Mamsell Die stand in der großen Leutekuche und kochte Kartoffel suppe für das Abendbrot. Sie war allein. Das Küchenmadchen mu^e beim Melken helfen. Den großen hölzernen Rührlöffel m der Hand, sah die Mamsell die junge tfrau mit gefurchter Stirn an. Sollte der Kampf um die Herrschaft hier unten schon heute beginnen« Maria erriet den Gedanken, ließ sich lachend auf Seile aus auf einen politisch wenig bequemen Ministersessel zu sehen, anstatt ihn aus einen Platz zu stellen, der feiner ganzen geistigen hohen Begabung auf andere Weise gerecht wurde. ES freut uns, daß jetzt auch von demokratischer Seite die gleichen kritischen Bedenken gegen Streckers Poiittk geltend gemacht werden, wie wir sie immer hegten. Seine pazifistische Betrachtungsweise war in der Tal den deutschen Bolksinteressen höchst abträglich. Wenn ein „Politiker- für reale Dinge und nüchterne Tatsachen keinen Blick hat, dann muh er im Ministeramt die größten Fehler machen, dann darf man sich aber auch nicht darüher wundern, daß von vielen Seiten mit einiger Heftigkeit seit Jahr und Tag sein Rücktritt gefordert wurde. Der Schutz im Blut Roman von H 0 r st B 0 d e m e r. Die Hessische Zentrumspartei hielt am Sonntag in Frankfurt a. M. im .Restaurant Storch" ihren Parteitag ab, der stark besucht war. Eröffnet wurden die Verhandlungen durch den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Bockius (Mainz). Er begrüßte die Minister von Brentano und U e b e l sowie alle Abgeordneten der Frattivn des Hessischen Landtages. Sein besonderer Gruß galt dem anwesenden, um die Hessische Zentrumspartei verdienten Geh. Iustizrat Dr. Schmitt (Mainz). Der Parteitag, so führte Dr. Bockius aus, hat seine Bedeutung durch die bevorstehenden Landtagswahlen, zu denen er den Auftakt geben soll. Schwer wird der Kampf werden, weil sich der Geist der Bevölkerung im Zustande der dauernden Revolution befindet. In Wehmut gedenken wir der großen Führer die von uns geschieden sind: eines Hitze, Burlage und Erzberger. Generalsekretär Diehl (Mainz) erstattete Bericht über Organisation und Agitationsfragen. Der Redner gab einen Rückblick über den Ausfall der letzten Wahlen. Der Ausbau der Organisation ist in der Hauptsache durchgeführt. Zwecks Ausgleichs der Etandesinteressen, und zur Verminderung der hervorgetretenen Kämpfe der Standes- organisattonen wurden für bie Berufsstände Zusammenkünfte veranstaltet oder für die nächsten Wochen vorgesehen. Die Jugendbewegung dürfe nicht vernachlässigt werden und deshalb seien die Windhorstbunde und Iungzentrumsgruppen zu unterstützen. Auch sei der Zusammenschluß der Gemeindevertreter der Partei zu fördern. Der Redner gab dann Richtlinien für die Kandidatenaufstellung am 16. Oktober und Weisungen für die Wahlarbeiten. Eine dringende Aufgabe sei die Ausbreitung der Parteipresse. Der Wahlkampf werde schwierig sein infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnis^. Besonders der Zentrumspartei, die aufbauende Arbeit leisten wolle, würden Schwierigkeiten gemacht werden. Die Partei könne keine ausgesprochene Rechts- oder Linkspolitik treiben. Hierauf begann eine äußerst anregende A u s- s p r a ch e, die ausklang in dem Grundgedanken, erst die kultu»llen und ideellen Güter und dann die wirtschaftlichen Vorteile in den Vordergrund zu stellen. _ . w Arn Nachmittag sprach der Abgeordnete Nuß über die bevorstehenden Landtagswahlen. Die Politische Lage, so führte er aus, ist heute so, daß wir nicht wissen, was morgen ist. Auf den Ernst der Lage ist die Partei eingestellt. Auch das hessische Zentrum hat Anteil an dieser schicksalschweren Arbeit Aber Hessen ist nicht das Reich und die Zentrumsfrattion im Hessischen Landtag ist nur ein Teil des Landtags. Daraus ergibt sich, an den Reichskanzler Dr. Wirth zu die Leistungen bet Fraktion nicht beliebig ausgedehnt werden können. Politik ist die Kunst des Erreichbaren, und den Kritikern sagen wir: Seht euch mehr dafür ein, daß die Fraktion stärker wird. Die Lehre aus Himmelshöhen ist das Fundament der Zentrumspartei. Wir sind eine Wiederaufbaupartei. Wir sind eine Partei für Kirche und Vater- nähme von Wohn- und Schlafzimmer für mich. 1 trauen zu werben. Ich weih, was Sie meinem Unten sind die Dureauräume und das Eßzimmer. Schwiegervater und vor allem meinem guten i" > SSpTTHPi- aewesen fin land. In biefetn Geiste lebten und starben die Füh- 1 bleiben und den Notwendigkeiten des TageSkeme rcr unserer Partei Das Zentrum trat ein für' »<•***<♦ re- ;r» »-i- mux-rhrion es in sozialen Fortschritt und nicht für sozialen Rückschritt Wir vertreten das Interesse aller Stande und haben auch den Mut ihnen zuzurufen: .Hort auf mit dem zerstörenden Klassenkamps von unten und dem Standesdünkel von oben. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. Die christlich- nationale Arbeiterschaft Hessens fordert, daß sie im Arbeits» und Wirtschaftsminister ^um in Darmstadt eine würdige Vertretung findet. Auch mit kommunalpclitischen Fragen Haden wir uns zu befassen, um anregend und befruchtend zu arbeiten. Der Kamps im politischen Leben gebt auch um die meinöen nicht noch für das Land Ettra-Abgaben zahlen. Die Grund- und Hausbesitzsteuer ist unsozial. Die Grundsteuer ist unbezahlbar für die Landwirtschaft. Präsident Raab vom Landesarbeits- und Wirtschaftsamt: Das Gesetz ist notwendig, um die Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues her- beizuschafsen. Der Reichsfinanzminister hat für Hessen 50 Millionen Mark Wohnungsbauvorschuß gegeben. Diese Summe müssen wir in 20 Zähren tilgen. Die Gemeinden haben es durchaus nicht so schwer, die erforderlichen Steuern zu veranlagen und zu erheben. Die Finanzämter sind zu diesen Vorarbeiten nicht bereit ; aber den Gemeinden fällt es viel leichter. Den Zwang zur Bildung von Gemeindeverbänden wollen wir nicht ins Gesetz bringen. ES gibt eine Anzabl Gemeinden, die noch keinen roten Pfennig zur Wohnungsnotabhilfe beigetragen Haben. Der Einwand, sie Hätten keine Wohnungsnot, ist nicht stichhaltig. Die Leute in derartigen Gemeinden sind oft geradezu skandalös unter gebracht. Es handelt sich hier lediglich um ein Ausbildungsgesetz, um den Vorschriften des Reichsfinanzministeriums nachzukommen. (Zuruf des Abg. Kiel: .Dann müssen aber die besitzenden Klassen mehr herangczogen werden!") Wir dürfen den Boden des Reichsgeseyes nicht verlassen. Herr Abg. Kiel! Von Ihrem Standpunkt aus haben Sie schon recht. Ich hoffe, daß der Landtag seine Zustimmung zur Regierungsvorlage geben wird. Um 11 Uhr tritt das Haus in eine Pause ein. Nach zehn Tagen war das junge Paar zu Hause Dem Henner zuckte es in den Fingern. Die Frühjahrsbestellung war in vollem ©angc, den Winter über hatte er gefaulenzt wie noch nie in fernem Leben. Wozu sich außerdem in den Gasthöfen rumdrücken, wenn es 5" Hause viel schöner war? Maria teilte seine Anfuhr. Das Gefühl, über das sie doch immer wieder lachen muhte, wurde sie nicht los: schleunigst mußt du dich mit der Mamsell Auguste Uhlemann gut firnen. Ihr Bruder Ernst hatte es ihr am Hochzeitstage noch einmal eingeschärft. Und der war ein sehr fiuger Mann! . . Im Wagen holte ste der Oekonvmierat glückstrahlend von der Dahn ab. An der Haustür wurde das junge Paar von der Mamsell begrüßt. Henner schlug sie auf die Schulter. „Weihe meine Frau nur in alle Geheimniste /rrünblicb ein, vorläufig hat sie von einem Land- haushatt ja noch Teine Ahnung!" Maria ärgerte sich über die Worte, drückte aber der Mamsell Hand mit einem liebenswür- Hessische Volkskammer. Darmstadt, 12. Oft Am RegierungSttsch: Staatspräsident Ulrich, FinanPninistcr Henrich, Zustizminister v. Dren- tano, Präsidenten Neumann und Raab. Um 10 Uhr eröffnet Präsident Adelung bie Sitzung und teilt mit. daß der Abgeordnete Strecker sein Mandat niedergelegt habe. Staatspräsident Ulrich .Auf Anfrage des Abg Kiel, bett. Pferdebestandsaufnahme und Achselklapp:n W. II, teilt das «reisamt Gieße n nach Rückfrage bei dein bortigen Reich«• »ebrregiment folgendes telephonisch mit: Es hat sich in der Sache um allgemeine Feststellungen auf Grund einer bereits im_i5rnb- iabr 6 3. ergangenen Verfügung des Reichswehrministeriums gehandelt, derzufolge ermittelt werden sollte, ob Dorspannpferde zu erhalten seien fall- die Truppe einmal Plötzlich ausrücken müsse DaS Regiment sei — anscheinend aus Ersparnisgründen nicht einmal mit so viel Pser- den ausgerüstet, als es zur Bespannung seiner planmäßigen Fahrzeuge benötige. Es feien daher Reichswchrofsiziere beauftragt gewesen, Ermittlungen, die bereits im Frühjahr begannen und sich durch den Sommer fortsetzten, in einer Reihe von Ortschaften bei Pferdebesitzern anzustellen. ob sie bereit seien, für den Fall des Bedarfs dem Reichsw:h> Regiment Pferde zu vermieten. Kein Offizier habe den Auftrag gehabt, hierbei von inneren Unruhen zu reden, und es werde nach Ansicht des Reichswehrregiments für ausgeschlossen gehalten, daß ein Offizier Bemerkungen der gedachten Art (eS handle sich um innere Unruhen) gemacht habe Nach Auffassung deS Reichswehrregiments müsse es sich um ein Gerede von Leuten handeln, die sich daS nur zusammengereimt hätten. Insbesondere habe der zufällig auf dem Bureau des Reichswehrregiments anwesend gewesene Offizier, der vor acht Wochen in H a u s e n und vor vier Wochen in Großen - Du s e a die Umfrage gehalten habe, erklärt, daß eine derartige Aeuherung nicht gefallen sei. Zur Frage 2 deS Abg Kiel über unvvrschrifts- mäßigeS Tragen von monarchistischen Abzeichen hat der Vertreter des Reichswehrregiments informatorisch bemerkt, daß kein Reichs- wehrsoldat vorschriftswidrige Abzeichen tragen dürfe. Bei der fraglichen Beobachtung dürfte es sich möglicherweise um nicht aktive Teilnehmer an der 116er Feier oder etwa um entlassene Leute gehandelt haben. (Abg. Häuser: Stimmt nicht!) Dem Kreisamt Gießen selbst sind Fälle verbotswidrigen Unisormtragen« nicht zur Kenntnis gekommen. _ Heber finen Gesetzentwurf, betr. Abänd e - rung des Gemeindeumlagengesehes, berichtet Abg. Delp (Soz.). Abg. Sarnes macht kürzere Ausführungen zu dieser Frage. Der Aus- schühantrag, betr. Genehmigung der Regierungsvorlage, wird nach Ausführungen und Zustimmung unter Vorbehalt für spätere Zeiten des Abg. Lux (Soz.) ein stimmig in beiden Lesungen angenommen. Sinern Ausschuhantrag über Zustimmung auc Regierungsvorlage, betr. die Organisation der Bauverwaltung und des Dermessungswesens samt Desoldungsordnung, wird ohne Debatte z u - Aus Stabt und Land. Gießen, den 13. Okt. 1921. ♦♦ Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 24. • September der Ober- pfleger Anton Bick zu Gießen zum Oberwärter, der Heizer Otto E s p a ch zu Gießen zum planmäßigen Heizer, die Oberpflegerin Anna Allgaier zu Gießen zur Oberwärterin und die Laborantin Dina Stahlhacke zu Gießen zur planmäßigen Laborantin, sämtlich an der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten au Gießen. Uebcrtragcn wurde am 24. September >cm Lehrer Georg Laub zu Ulrichstein eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Laubach, Kreis Schotten, am 28. September dem Lehrer Ernst P10 ch zu Grünberg eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lollar, Kreis Gießen, und dem Lehrer Konrad Reidt zu Hopfmannsfeld eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Heuchel- > e i m, Kreis Gießen. •• Dauer der Telephongefpräche. Im Ortsverkehr wurden bisher zahlreiche De- fehtmclbungen dadurch herbeigeführt, daß Teilnehmer lange Zeit hindurch, u. U. bis zu ’/< Stunden, sich ost über sehr nebensächliche Dinge unterhielten. Wurde bann einer von ihnen von anderen Teilnehmern verlangt, so konnte die gewünschte Verbindung auch wiederholt nicht her- gestellt werden. Derartige Dauergespräche blockierten außerdem zeitweilig die zwischen den Aemtern vorhandenen, dem allgemeinen Verkehr dienenden Verbindungsleitungen. Durch die neue Fernsprech- ordnung ist die Telegraphenverwaltung jetjt be redjtigt, Ortsgespräche nach einer Dauer von fünfzehn Minuten durch Trennung der Verbindung zu beenden, wenn der Betrieb eS erfordert. — Im Fernverkehr darf die Dauer eines Gesprächs stets bis zu 6 Minuten betragen. Auch über 6 Minuten Hinaus darf ein Gespräch ausgedehnt werden, wenn die Leitung nicht von anderer Seite beansprucht wird. Liegt aber eine Anmeldung für ein dringendes Gespräch vor, so wird das im Gange befindliche Gespräch nach einer Dauer von 6 Minuten, oder, wenn diese bereits überschritten ist, nach Ablauf 'der für die Gebühren berechnung maßgebenden Zeiteinheit unterbrochen, in die d^Aufforderung zurGesprächsbean- digung fällt. Liegt dagegen eine Anmeldung für ein nichtdringendeS Gespräch vor, so darf 'das tm Gange befindliche Gespräch bis zu einer Höchstdauer von 15 Minuten ausgedehnt werden, wenn es als dringend angemeldet war oder wenn vom Ablauf der Zeiteinheit an, in die die Aufforderung zur Gesprächsbeendigung fällt, die Gebühr für dringende Gespräche entrichtet wird. Werden auf Grund gleichzeitiger Anmeldungen mehrere Gespräche zwischen denselben Teilnehmern in unmittelbarer Folge ab- gewickelt, so ist für die 6 Minuten überschreitende Gesprächsdauer in jedem Falle die Gebühr für dringende Gespräche zu entrichten. Heber fünfzehn Minuten dürfen derartige Gespräche nur ausgedehnt werden, wenndie Leitung nicht > von anderer Seite beansprucht wird. Wird die Leitung beansprucht, so wird sie für 1 das nächste, nach der Reihenfolge in Betracht ; kommende Gespräch eines anderen TellnehmerS : frcigemacht. Landkreis (Yietzen. t. Rödgen, 12. Okt. In der vorigen Woche 1 wurde in der hiesigen Kirche der Dau einer : neuen Luftheizung fertiggestellt. Der Ofen toar I von der Firma Esch u. Co. In Frankfurt a. M ge- gestimmt. Zu der Regierungsvorlage über den A u s - bau des Kraftwerkes Wölfersheim spricht Qlbg. Dorsch (D.-N.) und bringt verschiedene Beschwerden der anwohnenden Dauern vor, die sich darüber beklagen, daß das abgebaute Gelände nicht wieder genügend bergest ellt und brauchbar gemacht wird. Die Gruben werden nur notdürftig mit Asche zugeschüttet usw. Auch sollte die Regierung für genügendes Tauschgelände sorgen, damit M Dauern, denen Land enteignet wird, dafür anderes Gelände gegeben wird. Schließlich möchte er noch auf einen Schönheitsfehler Hinweisen. Man hat auch hi Wölfersheim die früheren Hoheitszeichen halb entfernt. Man müsse doch ganze Arbeit schaffen und die Grube gleich .Ulrichshoffnung" taufen. (Hetter- fcit.) — Die Vorlage wird genehmigt. x Heber den Entwurf eines Gesetzes, betr. die Erhebung einer Abgabe zur Förderung desWohnungsbaues, berichtet Aeg. Delp (Soz.). Die Gemeinden, welche angeblich keine Wohnungsnot au verzeichnen haben, müssen ebenfalls zu der Abgabe verpflichtet werden. Wir benötigen in Darmstadt 1500 Wohnungen. Dazu werden 150 Millionen Mark innerhalb fünf Jahren verbraucht werden. Don Reichs wegen wird eine lOOprvzentige Mietsteuer eingeführt. Abg. Drau er (Dtschnatl.) hält die in der Regierungsvorlage vorgesehenen Abgaben für ungerecht. Wenn schon vom Reiche eine lOOprozentige Mietssteuer durchgeführt wird, können die Ge- Aus Hesien. Dr. Strecker — fein Politiker! Die demokratische „Wormser Bolks- zeitung" bringt „aus demokratisch-parlameu- ' tarischen Kreisen" Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: „Ihm ist der liebertritt zweifellos Heber- zeugungssache und er mag lange mit sich gerungen haben, bis er diesen Schritt tat. Als er aber einmal zu diesem Entschlüsse gelangt war, da frug er auch nicht mehr nach den Folgen. Er suchte keine Verständigung mit seinen bisherigen Freunden, gab sich keine Rechenschaft darüber, wie dieser unvermittelte Schritt gerade vor Beginn der Wahlbewegung auf seine bisherige Partei wirkte, aber auch nicht darüber, welche materiellen und p 0 lit ischen Folgen für ihn selbst daraus entstanden. Ganz der ungetrübte Idealist, wie wir ihn all die Jahre her kennen gelernt hatten, der ganz auf sein Innenleben eingestellt ist und den harten und kantigen Wirklichkeiten des Lebens vielfach fremd gegenüber- steht. Gewiß hat dieses fast gefühllos und rücksichtslos anmutende Verlassen der bisherigen Kampf- und Gesinnungsgemeinschaft seine Freunde vielfach verletzt und erbittert, aber gewollt hat er das sicher nicht. Wir behaupten: Dr. Strecker ist kein Sozialist im Sinne des Marxismus, oder er war es schon seit langem, ohne sich dessen recht bewußt gewesen zu fein. Wir haben eher den Eindruck, seine ganze politische Haltung, auch sein Parieiwechsel, ist bedingt durch seine pazifistischeDetrach- t u n g s w e i s e der Außenpolitik. Nicht als ob wir den Pazifismus ablehnten, — ganz im Gegenteil, wahrhaft demokratische Politik muh die Verständigung und Versöhnung der Völker auf gleichberechtigter Grundlage als einen wesentlichen Destandteil ihres politischen Wollens anerkennen. Aber man muh doch prüfen, ob b e i d e n anderen Volkern auch die Voraussetzungen für eine pazifistische Politik gegeben sind, sonst gerät man ebenso leicht in die Gefahr, dem eigenen Volke unrecht zu tun. Hierin liegt der Schlüssel, warum Dr. Strecker gerade hinsichtlich seiner paziststischen Aeuherungen von den politischen Gegnern, denen er das Nichtverstehen ost etwas gar zu leicht machte, so scharf und gehässig bekämpft wurde. Und welches Urteil ziehen wir aus dieser Detrachtung? Dr. Strecker ist im Grunde kein Politiker, am allerwenigsten ein Parteipolitiker. Er ist ein Mann, der hinreihend und überzeugend für reine, von den Schlacken der Wirklichkeit befreite Ideale zu reden und zu schreiben vermag, der unsere Denker und Dichter zu erfassen weih und den Zuhörern näher zu bringen sucht, aber er ist fein Mann, der die rauhe politische Wirklichkeit zu erkennen vermag wie sie tft, der auf dem unebenen Doden der nüchternen Tatsachen seine Ideale so zu verwirllichen versteht, dah.sie lebenssähig anders als die Leute hier in Hesien. Und sich da an die Männer mit Fragen wenden, über die sie womöglich lachen werden, das möcht ich nicht! Nicht wahr, so lieb werden Sie fein?" Die Mamsell zog die Augenbrauen hoch. Sollte sie eingewickelt werden? WaS sich gehörte, mußte man doch wissen! Die junge Frau schien keine Lust zu haben, sich die schmalen, weißen Hände hart zu arbeiten. Und wer nicht arbeitet, den brachte die Zeit von ganz allein auf dumme Gedanken. Flitterwochen nahmen schließlich auch einmal ein Ende. Jedenfalls blieb es fürs erste die Hauptsache, dah die junge Frau ihr keinesfalls die Herrschaft in der Küche streitig machte. „Frau Wär Hahn, ich werde mir Ihre Worte merken. Ich glaube, Sie verkennen mich. Ich habe mein öebtag hart gearbeitet. Es ist mir gut bekommen, aber redselig wird man da nicht!" „Ich verkenne Sie gar nicht, liebe Mamsell! Sie werden das selbst sehr bald fühlen. Wir werden ganz gewiß sehr gut miteinander aus- kornmen, das fühle ich!" Noch ein Händedruck, dann ging tne junge Frau. Die Mamsell aber stemmte die Fauste in die Seiten, in der linken hatte sie noch immer den großen hölzernen Rührlöffel, lachte einmal. kurz auf. Dieser Frau kam's ja doch nur darauf an, vom mühsam erarbeiteten Gelde der Wär-1 &'9Cn3d^dbcnie, 2ie werden nicht allzu streng mit mir ins Gericht gehen!" Die Mamsell sagte gar nichts, kniff die Lippen zusammen, druckte die ihr gereichte Hand M Der Oekonvmierat tneb das junge Paar xnß »uch vor allen Dingen euer Nest an., nh ick meine Sache gut gemacht habe, will ich Sffa? Ihr habt den ganzen Oberstock mit Aus-1 Gea Inhal der pr ‘Bett.: ÄN die iln minlslei länder, tragen erwähn Dir Pflicht, S. 119). gewisse auf Gru züge üoi Meldev^ lache d Persv hvrd« ohne heil u länd vvrl gesehe die ix auserl Meld, hältni durch gesehl vrdnu bring; uner D Sira Derart vorn IC lüh vor Zu werden der rttr Pah ar Prüsur .L Di über \ Donie ■M dein ' ist vd und meld« Ausl nchti bei 1 liege, Desch ausz, Fehl !lch i Hirt s*i Wyi Ä 5 •*! lichte - StJ*1 @e"‘ Stil b**, 'üti ’ie K’1' -flC»«' Mngvvn ÄM8DCT biet nn und dah Dünlche ) das Pleb)l Somit wir und die m gen in i- zu den t Landes fi Scharfe a an die Sa ©< woeve» Stfc 2fi$etten ttxrtDen txm