Dienstag, y. (Dftober 192) Ul- Jahrgang Nr. 238 Der Siebener Snjeiger erscheint tcgltd), auMer Sonn» und Feierta.s. Monatliche Jeiugrprese: MK.5L0 einschl. Träger- lohn, durch die Posl Mk. 6L einschl. Bestell, gelb, auch bei Nichterschei- nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, ^ern «r rech. Anschlüsse: fürdieSchrsitseitung 112; für Druckerei, Verlag und Geichaftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richtens Anzeiger Lietzen. Pohiäiedfonto: Zranlfurt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Taqernummer dir zum Nachm ttag vorher okne jede Verdindlichlieit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm‘Breite örtlich 55 Pf., auswärt» 65 ‘Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 250 Pf. Bei Platz. Vorschrift 20 . Aufschlag. fiaupl(d)riftleiter: ‘.lug, Goetz Verantwortlich für Politik: ‘21 ug. Goetz; für den übrigen Teil i D.: Aug. Goetz; für de« Anzeigenteil: Han» Beck, sämtlich in G,etzen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univ.-Sllch- unö $tein»nideret H. Lange. Schristleitung, Leschöflsftelle und Druckerei: schulftrahe 7. Die Getreide- und Kartofsel- versorgung. Die Bevölkerung wird seit Wochen stark durch in die Presse gelangte Gerüchte beunruhigt, wonach durch Agenten ausländischer Firmen oder durch gewissenlose einheimische Aufkäufer Getreide und Kartoffeln in grohen Mengen im freien Handel aufgekauft und über die West- oder Ostgrenze inS Ausland verschoben werden. Die Befürchtung geht weiter dahin, dah durch solche Verschiebungen nicht nur die für die eigene Versorgung Deutschlands unzulängliche Inlandsernte geschmälert wird, sondern dah auch dadurch die Inlandspreise für Kartoffeln und freies Getreide ohne innere Berechtigung in die Höhe getrieben werden. Wie wir aus dem Reichs Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft erfahren, beruhen die zu Beginn des neuen Erntejahres beobachteten Preistreibereien auf dem inländischen Getreidemarkt nicht auf Verschiebungen von Getreide inS Ausland, sondern erklären sich vor allem aus den geringen, zunächst auf den Markt gelangten Mengen von InlandS- getreide und dem in der ersten Zeit allgemein vorhandenen Bestreben, sich nach Möglichkeit sofort mit Getreide einzudecken. Mit dem Fortschreiten der Ernte und dem größeren Zufluß von Getreide an den freien Markt haben sich nach den Rotierungen der Produktenbörse auch die Preise wieder gesenkt und werden nach der auch bei Freigabe anderer zwangsbewirtschafteter Lebensmittel beobachteten Erfahrung nach anfänglicher Steigerung schließlich eine normale Höhe annehmen, soweit nicht unberechenbare Dalutaschwankun- gen diese Entwicklung stören. Solche störenden Momente sind im gegenwärttgen Augenblick durch den starken Sturz unserer Valuta wahrnehmbar und haben ein zeitweises Wiederanziehen der InlandSgetretdepreise bewirkt. Die Ausfuhr von Getreide, Mehl und Kartoffeln ins Ausland wird grundsätzlich nicht genehmigt; Ausnahmen im gewissen, die Inlandsinteressen nicht schädigenden Umfang für Saatgut, sowie für irn Veredlungsverkehr hergestelltes Mehl werden nur unter bestimmten Sicherungümaßnahmen gemacht. Um Verschiebungen von Getreide und Mehl und Kartoffeln ins Ausland zu verhindern, sind die Kontrollstellen noch zu besonderer Auf- merksamkeit angehalten worden. So bekommen nach den verschärften neueren Vorschriften auch dann, wenn im Einzelfall die Ausfuhr von Saatgut, Kartoffeln oder von im Veredelungsverkehr hergestelltem Mehl zugelassen wird, Privatpersonen Autzfuhrscheine überhaupt nicht in die Hand, und ist damit ein weiterer Riegel der verbotswidrigen Ausfuhr vorgeschoben. Mittellungen über mutmaßliche Verschiebungen von Getreide und Kartoffeln ins Ausland find den Reichs- und Landesbe- Hörden, insbesondere auch aus den preußischen Provinzen Sachsen und Schlesien betreffs (betreibe, aus Hannover und der Provinz Sachsen betreffs Kartoffeln, die nach Meinung der Anzeigenden in das Ausland verschoben werden sollten, in großer Zahl zugegangen. Derarttgen Anzeigen ist grundsätzlich nachgegangen worden; es hat sich jedoch in keinem einzigen Falle ein greifbarer Anhalt dafür ergeben, daß derartige Aufkäufe zum Zwecke der Verschiebung ins Ausland erfolgt sind oder zu solchen Verschiebungen geführt haben; vielmehr hat sich stets herausgestellt, daß solche Anzeigen aus gut gemeinter, aber unbegründeter Besorgnis erstattet worden sind. Vielfach hat wohl auch die Befürchtung, daß Aufkäufe von Händlern aus anderen Gebieten Deutschlands die Befriedigung des lokalen Bedarfs beeinträchtigen oder zu einer Erhöhung der Preise führen könnten, solche Gerüchte hervorgerufen oder verstärkt. Grundsätzlich muß aber, soweit die freie Wirtschaft wieder eingesührt ist, dem berufenen Handel die Befugnis zustehen, auch außerhalb seines RiederlassungSgebieteS Lebensmittel und Waren aufzukaufen, um sie in die beut- scheu Dedarfsgebiete zu überführen. Auch die westlichen besetzten Gebiete, die schon vor dem Kriege ausgesprochene BedarfSgeviete waren, haben Anspruch auf Versorgung aus dem übrigen Deutschland. Daß dieser LebenSmit- teltranSport nach dem Westen nicht zur Verschiebung inS Ausland mißbraucht wird, dafür sorgen die mit der Kontrolle befaßten Ein- unb Ausfuhrbehörden und die Polizeibehörden mit Erfolg. Ob nicht, insbesondere über die grüne Grenze, Getreide und Kartoffeln in kleinen Mengen ins Ausland geschmuggelt werden, läßt sich natürlich nicht mir Sicherheit ausschließen. Wo Anzeichen für; einen solchen Mißbrauch bestehen, sind besondere ^leberwachungsmaßnahmen angeordnet. Bei festgestellten Zuwiderhandlungen werden mit allem Rachdruck die scharfen Strafbestimmungen für verbotswidrige Ausfuhr, die in schweren Fällen Zuchthaus androhen, an- gewendet werden. Die Gefahr für Oberschlesien. Berlin, 10. Olt. (WTB.) Anläßlich der beunruhigenden Dachrichten über die Lösung der oberschlesischen Frage in Genf bat der ReichSnnnister btS Aeußern, Dosen, den deutschen Botschafter in London, S t h a m e r, telegraphisch nach Berlin berufen. Der Botschafter, der gestern in Berlin eingetroffen ist, reiste nach der Konferenz mit Dosen wieder nach London. Der in Genf weilende Vorsitzende der ober- schlesischen Zentrumspartei, Pfarrer l i z k a, erklärte einem Korrespondenten des „2. T.". der von dem Tschechen Kovac und dem Schweizer Herold ausgearbeitete Entwurf sei von dem Bestreben diktiert, in der oberschlesischen Frage eine Einigung der Engländer und Franzosen herbeizuführen, und habe alle Fehler eines Kompromisses in Höch- st er Potenz. Man glaubt, eine versöhnende Lösung darin gefunden zu haben, daß man politisch das oberschlesische Industriegebiet zu seinem größten Teil zu Polen schlagen, diesen polnisch gewordenen Teil aber gemeinsam mit dem deutsch gebliebenen als wirtschaftliche Einheit erhalten will. In dem naturnotwendig gegebenen Konflikt um die wirtschaftliche Vorherrschaft wird die deutsche wie die polnische Bevölkerung Oberschlesiens gleichmäßig leiden. Der Plan ist praktisch undurchführbar. Von der ober- schlesischen Bevölkerung und der deutschen Degie- runa muß klar und entschieden die llndurchführ- barfeii dieses Projektes erklärt werden. Das fragliche Projekt hat die oberschlesische Frage nicht gefördert, sondern um ein großes Stück zurückgeschleudert. Paris, 10. Oft (Wolff.) Zu den gestrigen Enthüllungen des ,Rew Vork Herold" über die Vorgänge in Genf schreibt die rechtsstehende .Libre Parole": Die Meinungsverschiedenheiten erstreckten sich auf zwei Punkte, zunächst auf die Zuteilung von Kattowih und Königs- Hütte an Polen uxi> dann auf die Einsetzung einer internationalen Kommission für die wirtschaftliche Kontrolle, die eine der barocksten Schöpfungen wäre, die die neue Diplomatie zur Welt o rächte. Die Vaterschaft werde dem Belgier Hymans zugeschrieben. Sie wäre das würdige Gegenstück zu der unwahrscheinlichen Kombination von Wilna. Genf, 10. Oft (Wolff.) Der Korrespondent des „Temps" teilte mit, bab die vier Mitglieder deS Völkerbundsrates, die mit der Vorlage des Berichtes über die Teilung Oberschlesiens beauftragt seien, daß die belgischen, brasilianischen, chinesischen und japanischen Vertreter ihre Arbeiten ununterbrochen fort- setzten. Gestern, Sonntag, seien sie zweimal zusammen gewesen. Die zweite Sitzung habe sich bis gegen 3 Ähr morgens hingezogen. Indessen habe ein vollständiges Einvernehmen unter den vier Mitgliedern nicht herge stellt werden können. Die Vorlage des von den vier ausgearbeiteten Entwurfs im Völkerbund hätte heute vormittag stattfinden sollen; sie sei auf Mittwoch verschoben worden. Der Völkerbund habe sich also noch nicht mit Oberschlesien beschäftigt. Er wird am Mittwoch unter dem Vorsitz von Baron Ishi zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um von dem Ergebnis der Beratungen der Viererkvmmission Kenntnis zu nehmen. Am selben Abend werde er sich über die dem Obersten Rat zwecks Teilung Oberschlesiens „au empfehlende Lösung" einigen. Das Gutachten des Völkerbundsrates werde telegraphisch dem Vorsitzenden des Obersten Rates, B r i a n b, mitgeteilt werden. Schwierige Lage des Kabinetts Wirth. Berlin ,11. Oft. Deichskanzler Dr. Wirth ist gestern abend gegen 10 älhr von einer Erholungsreise nach Berlin zurückgekehrt. Dem „Berliner Sägeblatt“ zufolge ist für heute vormittag eine KabinettSsiyung anberaumt worden, in der das oberschlesische Problem, und die sich aus der Enttcheidung ergebenden Folgen beraten toerben sollen. In die er Sitzung wird, wie das Blatt berichtet, Leichsminister des Aeu- hem Dr. Dosen über seine Besprechungen mit dem deutschen Botschafter in London, Sthamer, berichten. Dach einer anderen, von den Blättern wieder- gegebenen Version soll das Deichskabinett bereits gestern abend nach der Dückkehr des Kanzlers über das oberschlesische Problem beraten haben. Der „Vorwärts" Ist infolge der für Deutschland ungünstig lautenden Dachrichten aus Genf um das Schicksal des Kabinetts W r r t h äußerst besorgt. Das Blatt schreibt: Die Sozialdemokratie steht in Bert ilsigungssteittmg zum Säprtze des Kabinetts Wirth und seiner bisherigen Politik Sie ist von vom angegriffen durch die Rationalisten Deutschlands, und sie ist im Rücken bedroht durch Die Entscheidung über Oberschlesien. Ob sie imstande fein wird, ihre Stellung zu hatten, das wird von der Entscheidung über Oberschlesien abhängen. Fällt diese so ungünstig aus. wie befürchtet wird, so werfen wir be$- halb noch! nicht die Flinte ins Kom. Aber wir dürfen uns auch nicht verhehlen, daß dann die Zukunft sehr dunkel vor uns liegt. Wie die Blätter aus parlamentarischen Kreise r fahren, wird der Reichstagsaus- fc ' für Auswärtige Angelegenheiten am Mittwoch zusammentreten, um über die oberschlesische Frage zu beraten. Eine englische Stimme brr Vernunft. London. 10. Oft (Wolff.) DaS Parlamentsmitglied Kennworthy schreibt in einem Briefe an die „Time S". es scheine die Gefahr zu bestehen, daß die brttische össenlliche Meinung, beschäftigt mit den irischen Verhandlungen, mit Washington, mit der Arbeitslosigkeit und mit bei. hohen Steuern, in ihrem Interesse für die ebenso wichtige oberschlesische Frage Nachlasse. Dies würde bedeuten, daß Lloyd George und keine Kollegen ebenso das Interesse daran verlieren würden. Kennworthy fährt fort, das oberschlesische Problem sei heute so wichtig, wie jedes andere Problem, denn von einer richtigen Lösung der oberschlestschen Frage hänge die wirtschaftliche Erholung Europas ab und damit verknüpft die Hoffnung auf ein Wiederaufleben des englischen Handels Gin neues Elsah-Lothringen könne hier mit ähnlichen Ergebnissen geschaffen werden. Es gehe das Gerücht, daß Oberschlesien jetzt doch geteilt werden, und dah eine politische und wirtschaftliche Grenzlinie gezogen werden solle. Richts fei undurchführbarer. 3 e b e Teilung Ober- schlesiens würbe ein wirtschaftliches Verbrechen sein, nicht nur gegen die Provinz selbst und gegen Deutschland, sondern auch gegen Polen unb den übrigen Teil Zentraleuropas. Das Mindeste, waS der Völlerbund tun könne, sei, die Bewohner Oberschlesiens erst zu befragen. Oberschlesien fei der höchstentwickelte industrielle Bezirk Europas, es sei unteilbar, wie das Werl einer llhr. Die Mehrzahl der Bevölkerung sei gegen eine Teilung. Sie wisse, daß sie den Ruin bedeute. Das Interesse der unglücklichen Bewohner müsse in Erwägung gezogen werden, selbst vom Völkerbund, in dem sie nicht vertreten seien. Die ursprüngliche Abstimmung in Oberschlesien fei vorgenommen worden unter ber Voraussetzung, daß bie Bevölkerung barüber abstimmen solle, ob die gesamte Provinz an Deutschland oder Polen fallen solle. Die ganze Welt wisse, daß, wenn die Abstimmung eine polnische Mehrheit ergeben hätte, die gesamte Provinz an Polen gegeben worden wäre. Richt fünf vom Hundert der ober- schlesischen Bevöllerung würde für eine Teilung gestimmt haben; bevor man daher Oberschlesien teile, müsse eine Abstimmung über bie Frage ber Teilung stattfinden. Wenn sich die Bevölkerung gegen eine Teilung erkläre, bann müsse man ber Provinz örtliche Autonomie unter beut- scher Suzeränität geben. Dieses sei zwar keine ideale Lösung, aber polnisches Geld, polnische Ar- beitergesehgebung (bzw. deren Mangel) und polnische silnersahrenheit auf der einen Seite der Grenzlinie und deutsches Geld und deutsche Ar- beitergesehe und deutsche industrielle Tüchtigkeit auf der anderen Seite und dazu Zoll- unb Pah- schranken bedeuteten den Ruin eines reichen Gebietes, das für Europa eine Lebensnotwendigfeit sei. Kennworthy schließt sein Schreiben mit den Worten: Die Welt braucht Frieden und Produf- tion, aber sie braucht noch mehr einen wirtschaftlichen Völkerbund. Wenn man dem Völkerbund gestatte, in der oberschlesischen Frage einenRarren aus sich zu machen, dann würde er eben so in Mißkredit kommen wie der Oberste Rat Eine obcrf(f)lefiftf)e Arbeiterabordnunq in London. Berlin, 11. Oft. Wie das „Derl. Tageblatt" erfährt, ist eine Abordnung von deutschen A rbe i t e r oer t r ete rn nach London abgereift. Dies*. Reise wurde veranlaßt durch die charmierenden Rachrichten über den Stand der oberschlesischen Frage. Die neue englische Erkenntnis. London, 10. Oft. (WTD.) Der Pariser Berichter statter der „W e st m i n st e r G a z e t t e" nennt das Wiesbadener Abkommen die bei weitem wichtigste Maßnahme seit dem Versailler Friedensvertrag. Es beftefce alle Aussicht darauf, daß die Reparationskommission das Abkommen schließlich genehmigen werde. Die Lage sei einfach, da Deutschland nicht in bar zahlen farm. Frankreich habe daher mit Deutschland vereinbart, daß es in Waren zahlen soll. Deutschland zahle in Waren nicht an die Alliierten im allgemeinen, sondern r\ur an Frankreich; die Solidarität der Allianzen, bie die Erfüllung des Friedensvertrages fordere, sei aufgegeben worden. Der Vertrag sei gerichtet, Frank- reichhandeleaußerhalbdesObersten Rates und außerhalb der Reparationskommission. Die Reparationskommil- sion müsse ihr eigenes Todesurtell genehmigen Iedermann wisse jetzt, daß die Bemühungen Deutschlands, Geld aufzubringen, um bie Alliierten in annehmbaren audlänbifd^n Werten befahlen zu tonnen, die mit deutscher Mark angekauft werden muhten, verhängnisvoll waren. Die Mark fiel und mit der Mark der Franken. Irn allgemeinen wurde eingesehen, daß diese .Zahlungen unmöglich fortdauern. Die anderen Alliicrt.n, insbesondere England, formen deutsche Waren nicht annehmen. Englands besserer Teil sei, die hoffnungslose Schuldeneintreibung zu Gunsten ' einer Politik der Wiederherstellung des Handels ' in Europa aufzugeben Das Londoner Ab- I kommen verschwinde nach unb nach. Die gesamte i europäische Politik werde jetzt in neue Kanäle geleitet. Das Wiesbadener Abkommen bedeute, haft das Londoner Abkommen preisgegeben werde und daß England nach 7 3obren feine weiteren deutschen Zahlungen erwarten könne. Englands 1 verwüsteten biete seien feine verlorenen ausländischen Markte Churchills Vorschlag. London, 10. Oft (Wolfs) Der politisch» Berichterstatter der „Sundatz Times" meldet, E h u r ch i 11 habe durch ein letzte Woche über bie finanzielle 2agc verbreitetes Memoranbum, wie verlautet, großen Einfluß auf bie Entscheidungen ber Regierung auSgeübt Churchill sei ber Ansicht, eine Rettung fei nur burch Stabilisierung ber Wechselkurse vermittelst gegenseitiger Erlassung ber SchuIben möglich Churchill sei sogar gegen größere Reparationen von feiten Deutschlands. London, 10. Oft (WTB.) Im „Daily Chronicle" bezeichnet Ovservator als eines ber Mittel zum Wieberaufbau ber Welt bie allgemeine Streichung b «* * internationalen Schulden und Entschädigungen, mit Ausnahme ber zur WieDerve»,.^»^ .er zerstörten Gebiete bestimmten. Sollte ein solches internationales Abkommen nicht zustande kommen, so müßte Großbritannien die ihm von den Alliierten geschuldeten Summen streichen. Die Arbeitslosenfrage. London, 10. Oft. (WTB ) Die 21 r b c i t entartet unb ber Gewerkschaftskongreh haben bie Einladung Lloyd Georges, am Dienstag abend zu einer Besprechung der Arbeitslosenfrage mit ihm zusammenzukommen, angenommen. Die aufständischen Mollahs. London, 10. OIL (Wolff.) „Daily Telegraph" erfährt auS Allahabad. daß die aufständischen Mollahs, alle Hindus, Männer, Frauen und Kinder, niebermetzelten. Der Führer ber Aufständischen plane bie Errichtung eines Mollaykönigtums in Ernad. Stresemann über die Politik des Kompromisses. In W e s e l hat der Abgeordnete Dr. Stresemann am Sonntag auf der Versammlung der Deutschen VvlkSpartei im Reichstagswahlkreis Düsseldorf-West (Rie- derrhein) über die polittfcye Lage gesprochen. Lieber unsere gegenwärtige innerpoltti- s ch e Hauptsorge, die Bildung einer neuen Koalttion, sagte er: Wenn wir, waS ich nicht weiß, in eine neue Regierung eintreten toerben — seit Görlitz hat die Sozialdemokratie Angst vor der eignen Courage bekommen —, so geben toir nicht das geringste auf. Ich habe schon, ehe ich etwas von Görlitz wußte, neulich in Lüdenscheid gesagt, daß toir, wenn wir In der Regierung sind, nicht tun eine Ruance in unsrer Politik anders handeln. In den Versuchen einer Verständigung sind toir jetzt mit dem Zcki- trum und den Demokraten auf allen Gebieten ei Ltg geworden, jedoch nicht mit ber Svzialbemokralie. Cs wird ohne eine Besitz st euer nicht gehen, aber wogegen toir uns wehren, das ist ein Eingriff in die Substanz der deutschen In - o u st r i e, ehe eine Stabilisierung der Mark erfolgt ist. In bie Substanz ber Inbustrie einzugreisen und bann nach einem ober eineinhalb Iahren boch erklären zu müssen, daß toir nicht in der Lage sind zu zahlen, das machen toir nicht mit. Geradedle deutschen Arbeiter sollten sich mit uns auf diesen Stam>punkt stellen. Das hat nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern es handelt sich nur um bie Frage, toie toir uns bas Beste unb Einzige, was toir noch haben, erhalten. Ich hoffe, baß toir auch barüber zu einer Derstänbigung kommen. Sollte es zu dieser Verständigung kommen, dann bitte ich Sie, uns und unsre Partei nicht unter dem Gesichtspunkt anzusehen. ob uns bie Parteien unb bie P.rsönlichkeiten passen, mit benen toir zusammen arbeiten, sondern nur unter dem Gesichtspunkt, ob es dem deutschen Voll und dem Reich frommt. Die Rot schafft seltsame Schlaf- genoffen, und man muß zur Erreichung des Zieles mit manchem Zusammengehen, von dem und eine ganze Wettanschauung trennt. Wir dürfen auch nicht fragen, ob einem der andre sympathisch ist oder nicht. Es ist uns nicht leicht getoorben, da- sage ich ganz offen, unS zu dieser Politik durch- zuringen. Aber toir haben unS gesagt, daß es eine unbedingte Ao Wendigkeit ist. Bei der auswärtigen Politll kam Dr. Stresemann auch auf daS Wiesbadener A b- kommen zu sprechen mU der Schlußerklärung, dah das Wiesbadener Abkommen von der Deutschen Volkspartei gebilligt werden könne. Im wesentlichen sagte er folgendes dazu: Das Wiesbadener Abkommen unterUegt einer lebhaften Kritik. Der Reichsverband der deutschen Industrie, dem ein großes Sachverständnis auf diesem Gebiet zuzutrauen ist, hat den Darlegungen des Minister- Rathenau mit ziemlichem Beifall zugestimmt, wenn er es auch an Kritik nicht hat fehlen lassen. ^Da- Wiesbadener Qlbfommen in Bausch und Bogen zu verwerfen, hatte ich nicht für richtig. Rathenau stellt sich auf den Standpunkt, dah alles Arbeiten der Aotenpresse unsre 2Rarf nicht so entwertet habe, wie es der Aufkauf der Devisen in den letzten Monaten getan habe. Dann sagt Rathenau. dah toir versuchen wollten, an Stelle des Aufkaufs von Devisen, der unsere Valuta ruiniere, mit Sachleistungen unsre Entschädigung zu bezahlen. Dieser Gedanke ist richtig. 2Han tonnte den Einwurf machen, dah- der gegenwärtige Stand der deutschen Mark zu einer Exporthausse führe. Ich halte aber diesen Zustand für innerlich krank, unsre wirtschaflliche Lage darf nicht auf Schwankungen gestellt werden. Was wir jetzt sehen, ist eine tropische, ungesunde Entwicklung. Durch die Entwertung unsrer Valuta leidet am meisten die Mittelschicht unsers Dolles, do- Beste, was wir noch haben. Wir haben heute höhere Beamte, die ihren Söhnen nicht mehr eine Hochschulbildung bieten Dänen. Einer unsrer ersten Gelehrten -muh seine Bibliothek verkaufen, weil er das Geld für eine entsprechende Wohnung nicht mehr aufbringen kann. Diese Kreise, die am meisten ringen müssen, stehen vor der Gefahr von Verhältnissen wie in Wien und im übrigen Oesterreich, wo allmählich ein Verhungern der geistigen Mittelschicht vor sich geht. Wir müssen zu einer Stabilisierung der Mark kommen. Dazu können Sachleistungen an Stelle des Devisenkaufs dienen. Frankreich hat erklärt, dah es selber so sehr in Sorgen sei, wie es seinen Franken halten könne, und fordert, dah uns unsre Sachleistungen, wenigstens für die ersten Jahre, nur zum Teil gutaeschrieben würden. Man begrüßt bei uns die Tendenz des Wiesbadener Abkommens, aber man kritisiert die Richtanrechnung der überwiegenden Mehrzahl dieser Sachleistungen. Ich bezweifle, dah diese Bestellungen alle in Deutschland gemacht werden, besonders bei der großen allgemeinen Arbeitslosigkeit in Frankreich Doch das ist Sache des Herrn Loucheur. Das Wiesbadener Abkommen, das sich bemüht, den Verhältnissen gerecht zu werden, um eine weitere Entwertung der Mark zu verhindern, kann von uns ^billigt werden. Ern Sozialist gegen den Achtstundentag. 3n den „Sozialistischen Monatsheften" schreibt Kaliski: „Man spricht diel von den Opfern sür den Wiederaufbau Deutschlands. Aber werden sie denn wirklich gebracht? 3n Wahrheit steht es so, dah ein jeder nimmt und errafft, was er zusammenbringen kann: und das gilt für jede Klasse. Opfer sind Leistungen, die b7wuht gebracht werden. Wo sind die Unternehmer oder Arbeiter, die in diesem Sinn der Aation Opfer bringen? Eines ist gewiß: Die Partei, die von den von ihr vertretenen Gruppen solche wirklichen Opfer offen und rückhaltslos als Dienst am Volk verlangte, würde vermutlich zunächst ungeheuer unpopulär werden, und doch würde sie die Herrschaft im Reich gewinnen und auf die Dauer unangefoch'en behalten, weil sie eine einzige wäre, die wirklich Sachwerte schüfe. Für die Arbeiterklasse ergibt sich hieraus die unabweisbare Forderung: ihre Lei st ungen zu st e i g e r n. Man darf nicht einwenden, dah eine Schichtverlängerung im Hinblick auf die ungünstigen Lebensbedingungen der Gegenwart abgelehnt werden müsse, weil sich sonst drohend die Gefahr einer Verkürzung der durchschnittlichen Lebenszeit erhebe. Die Arbeiterschaft muh sich zu einer Steigerung der Leistungen entschließen, weil sonst die durchschnittliche Lebensdauer der kommenden Generation um ein Mehrfaches ver- Lirzt würde. Ein Verzicht auf die Ar- beitssteigerung bedeutet den Versal! des ganzen Volkes, namentlich des Nachwuchses des Proletariats. So muh also unter allen Umständen bewirkt werden: auch unter Zurückstellung sozialistischer Errungenschaften, namentlich des (allzu schematisch aufgefaßten) Achtstundentages, einer Einrichtung, die als zielweisende Forderung ihre große historische Bedeutung im Klassenkampf der Arbeiter hatte, die aber bei ihrer Durchführung größter Differenzierung der Arbeitsarten, was Intensität, Kontinuierlichkeit und faktischen Kräfteverbrauch anlangt, strengster Scheidung von wirklicher Arbeit und bloßer Arbeitsbereitschaft bedarf, wenn sie nicht noch in guten Zeiten zu schlimmer Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwischen den einzelnen Arbeiterkatcgorien in Zeiten wie der jetzigen zu einer schweren Schädigung der Wirtschaft selbst werden soll." Die Mißernte in Rußland. » Kopenhagen. 10. Ott. lWB.) Einem Äelegramm aus Moskau zufolge veröffentlicht Das statistische Zentralbureau folgende Zahlen für das Ernteergebnis dieses Jahres: Die '»Ernte in Brotgetreide in Rußland und der Ukraine beläuft sich auf *2 Milliarden Pud. Rach dem Abzug des Saatgetreides verbleiben IVa Milliarden Pud. Man hatte geschäht, dah die Ernte im Hungergebiet 133 Millionen Pud größer sein werde, als sie in Wirklichkeit war. Zum Ausgleich müssen 50 Millionen Pud Getreide auS dem Auslande eingeführt werden. Aus dem Reiche. Gm Trauer- und Opfertag in München. München. 9. Oft (Wolff.) Der heutige Trauer - und Opfertag für die im Weltkrieg gefallenen 13 000 Münchener gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung Die Stadt hatte schwarzen Flaggenschmua angelegt. Rach der kirchlichen Feier sammelten sich die Teilnehmer, darunter die bayerischen Kriegervrreine und die studentischen Korporationen auf dem Königsplatz. Der Trauerakt wurde mit Fanfaren- klängen und Musitvorträgen eingeleitet. In Ansprachen wurde die ernste Bedeutung des Tages hervrrgehobrn und das Gelöbnis abg-g^brn, für die Hinterbliebenen und Kriegsinvaliden nach besten Kräften zu sorgen. Der Ertrag des Opfertages wurde zur Schaffung eines Ebr enden k- m a l s für die Gefallenen und zur Unterstützung bedürftiger Opfer des Krieges bestimmt. Die Steckbriefe wegen des Kapp-PutfcheS. München, 10. Oft (WTD.) Den Blättern zufolge ist der wegen Hochverrats im Zusammenhänge mit dem Kapp-Putsch steckbrieflich verfolgte Arzt Georg Schiele aus Raumburg a. E. in München verhaftet worden. • Aus Hessen. AuS dem Finanzausschuß. tra. Darmstadt, 10. Oft. Der Finanzausschuß des Landtags erledigte heute sämtliches noch rückständiges spruchreifes Material Der größte Tell betraf Vorstellungen zu der Besoldungsordnung, die meist für erledigt erllärt, oder der Regierung als Material überwiesen wurden. Zu der Vorstellung der Gemeinde Bad-Rauheim erklärt sich der Ausschuß mit der Umwandlung der Realschule in Dad-Rauheim in eine Oberrealschule unter der Bedingung einverstanden, dah die Gemeinde Dad-Rauheim sich verpflichtet, sämtliche entstehenden Mehrkosten außerhalb der Bestimmungen des Gesetzes über die Kosten höherer Schulen dauernd zu Übernehmen. Dann wird noch eine Regierungsvorlage, durch welche eine Summe von 500 000 Mark zur Bildung eines Hilfsfonds für wohltätige und Kunflzwecke usw. angefordert wird, unter der Bestimmung angenommen, daß über die Verwendung der Beträge nur das Gesamtministerium mit dem Finanzausschuß zu entscheiden hat Hessische LandtagSkandidateu. Darmstadt, 10. Oft. Im Frankfurter Gewerkschaftshause fand am Sonntag die Aufstellung der Kandidaten der Mehrheitssvzialisti- s ch e n Partei für die Hessischen La.:rdtagLwah- len statt. Lieber die politische Lage in Hessen sprach der Landtagsabaeoronete Adelung- Mainz, der ausführte, daß 31 hessische Landtagssitze unter 70 Mandaten von Sozialdemokraten besetzt seien. Es bestehe große Gefahr, dah die von der Rechten herbeigesehirten Zustände von ehedem wieder eintreten, wenn nicht alle Wähler ihre Pflicht tun. Der Wahlkampf müf'c mit aller Schärfe gegen die Rechtsparteien geführt werden. Beim Zentrum zeige sich die Klas- senscheidung: ebenso schwierig liege die Situation bei den Demokraten, denen zu den sonstigen Mißhelligkeiten jetzt auch der Heber tritt Dr. Streckers zu den Sozialdemokraten „in die Parade" gefahren sei. Die Konferenz stellte sodann dis Lcuw- tagskandidaten auf. Spitzenkandidaten sind für die Provinz Starkenburg: Ulrich, Staatspräsident- Darmstadt, Reumann, Präsident der LandeSver- sicherunasanstalt-Darmstadt und Redakteur Georg Kaul-Offenbach, für die Provinz Oberhessen: Gastwirt Cur -Meder-Florstadt, Ministerialdirektor Raab- Pfungstadt, Gewerksch^ftsbeamter A l - bin Mann-Gießen, und Bürgermeister Rechtien -Vilbel, für Rheinhessen: Bürgermeister Adelung-Mainz. Em parlamentarischer Abend. rm. Darmstadt, 11. Oft. Der Staats- Präs ident hat jetzt die Abgeordneten zu einem parlamentarischen Abend auf kommenden Donnerstag eingeladen. Am Freitag dürften dann die Beratungen der Kammer nach Erledigung der allerdings umfangreichen Tagesordnung zu Ende gehen. Aus Stabt und Land. Gießen, den 11. Oft. 1921. Gartenarbeit im Oktober. Im Monat Oktober ist die Arbeit im Garten sehr groß. Vor allen Dingen muh die Obsternte beendet werden. Das Verpflanzen und Vervielfältigen der Beerensträucher hat in diesem Monat zu erfolgen. Je ausgereifter das junge Holz, desto besser gelingt die Umpflanzung. Johannis- und Stachelbeersträucher eignen sich vorzüglich zur Herbstpflanzung, Himbeersträucher mehr zur Frühjahrspflanzung. Die Anpflanzung von Obfl bäumen ist jetzt auch zu empfehlen doch muß dabei der Boden berücksichtigt werden. Warmer. lockerer Boden ist für die Herbstpflanzung unbedingt notwendig. Bei der Anpflanzung eines Baumes ist darauf zu achten, daß er 10 Zentimeter höher zu stehen kommt, als er vorher gestanden. Die Wurzelschnitte müssen dem Boden zugekehrt fein. Jede verletzte Wurzel ist vor dem Einpflanzen glatt abzuschnerden. Das geschieht am besten abends vorher. Heber Rächt müssen dann die Bäume im Wasser stehen. Rach der Reupflanzung ist ein Beschneiden der Zweige durchaus nicht ratsam, Umgraben und Auflockern der Erde unter den Bäumen ist nötig. Große Sorgfalt ist auf den Schuh gegen die Frostschmetterlinge zu legen. Die dicken flügellosen Weibchen erklettern die Obftbäume und legen an den Fruchtknospen ihre Eier ab. Im Frühling entwickeln sich daraus die gefährlichen Spannerräupchen. Jedes Weibchen kann bis 300 Eier legen. Die jungen Raupen beginnen sofort nach dem Auskriechen ihr Zerstörungswerk an den Blütenknospen. Es ist daher dringend notwendig, der Raupenplage schon in diesem Monat entgegenzutreten. Leim- und Teerringe an den Bäumen, Abkratzen der Bäume, Beseitigung alles Abfalls unter den Bäumen und das Bestreichen der Bäume mit Kalkmilch ist notwendig. Die Gemüsebeete werden abgeerntet, gedüngt und gegraben. Mistbeetkästen werden bereitgestellt und gelüftet. In den Blumenbeeten werden die Einräumungsarbeiten ebenfalls festgesetzt * '** Amtliche Perfonalnachrichten. Ernannt wurde am 21. September der Kreis- amtmann Landamtmann Dr. Hermann Braun zu Bad-Salzhausen zum K r e i s a m t m a n n beim Kreisamt Gießen. — Am 29. September wurden die Forstwartaspiranten Hch. Hamel aus Rainrod, Rudolf Graulich auS Ulrichstein und Heinrich Welker aus Vadenrod zu Förstern ernannt. — Am 28. September wurde der Ober- landmefser im Katastervermessungsdienst Rechnungsrat Julius H e i n e ck zu Friedberg auf sein Rachsuchen vom 16. Oktober in den Ruhestand versetzt. "ReueEilzügeohne Zuschlag. Wie das „D. T." meldet, wird der neue Winterfahrplan neue Eilzüge ohne Zuschlag insofern bringen, als er zum erstenmal in größerem Umfange Personenzüge einführt, die nur auf größeren Stationen und Knotenpunkten halten. Es gibt also in Zukunft Verfonenzüge für den Weitverkehr und foRt)e für den Lvkal- verkehr. Die beschleunigten Personenz'"'ge dienen hauptsächlich dem Verkehr zwischen den Stab'en und halten auf kleineren Stationen nicht mehr. Für die Bedienung dieser Stationen dienen Lokal- züge. ** Sine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses findet am Freitag vormittag 9Uhr im Sitzungssaal des Regierungs- gebäudeS statt Auf der Tagesordnung stehen: Versorgung der Gemeinde Ettingshausen mit elektrischer Energie: Einspruch gegen den Voranschlag der Gemeinde Climbach für 1921; Einspruch gegen den Voranschlag der Gemeinde Grünberg für 1921. ** Oberhessischer Kunstverein Die graphische Ausstellung ist nur noch morgen M tt= woch von 11—1 Uhr geöffnet. Von da ab bleibt die Ausstellung wegen Vorbereitung der Sonderausstellung von Werken des Verbandes bildender Künstler Hessens und der Vereinigung Darmstädter Künstler einige Tage geschlossen. Dieser Ausstellung wird dann eine besondere Eröff- nnungsfeier vorausgehen. *♦ Di e Ring- und Boxkämpfe im Hotel Einhorn brachten gestern abend als Reuheit den ersten Boxkampf. In einem Ring aus starken Tauen, der umständlich und unter viel Vorbereitung (wohl um die nötige Spannung im Publikum zu erzeugen) hergerichtet wurde, traten sich Sportlehrer Karl Fürst- Frankfurt und der auch als Ringer bekannte Däne Christensen gegenüber. Zwei hitzigen Kampfhähnen gleich standen die Boxer da, scharf darauf lauernd, daß sich der andere eine Blöße gebe, um dem Gegner bann blitzschnell einen ober wenn möglich mehrere schwere Hiebe versetzen zu können. Hauptangriffsziel war dabei des Gegners Kops. Daß diese Schläge anders denn sanft ausfielen, bewies das blutende Gesicht des Dänen. Auch wurde jeder einmal durch mehrere besonders saftige Kopfschläge für mehrere Sekunden anscheinend bewußtlos hingestreckt. Jeder konnte sich jedoch vor Ablauf der vorgeschriebenen Sekunden- zahl wieder erheben so daß bet Kampf nach sechs Gängen unentschieden endete. Beiden Kämpen stand ein Sekunoant zur Seite, dessen Ausgabe vor allem darin bestand, seinem mattgekämpf- ten Partner in den kurzen Zwischenpausen mit einem Handtuch Kühlung zuzufächeln, ihn mit einem nassen Schwamm zu bearbeiten, Walser zu reichen usw. — Außerdem wurden gestern zwei Ringkämpfe ausgetragen. Zunächst entspann sich ein heißer Kampf zwischen Achnet und Hitzlet, bet nach 20 Minuten unentschieden abae- brochen wurde. Der Bayer wirkte vor allem wieder durch seine massige Körperkraft, der Hihler jedoch erfolgreich seine katzengleiche Behendigkeit entgegenstellen konnte. Als zweites Paar rang van Berg-Baden mit dem Hessen Gerbet, bet nach 13 Minuten butch einen überraschenden Griff aus dem Stande auf die Schultern gelegt wurde. — Von den Sonntagskämpfen ist nachzutragen, dah Achnet gegen Zilch und Christensen gegen Opitz 20 Minuten unentschieden rangen. Gerber wurde auch an diesem Wend nach acht Minuten mittels Kopfgriffs aus dem Stand besiegt, und zwar von Hitzlet. Wettervoraussage fürMittwoch: Vorwiegend heiter und trocken. Tag mild, Rächt kühl. Wechselnde Winde. Die Wetterlage hat sich nicht wesentlich verändert. Bornotizen. — Tageskalendet süt Dienstag: Stadttheater, 7 Uhr, „Was ihr wollt". — Hotel Einhorn, 8 Uhr, Ringkämpfe und Variete. — Aus dem Stadttheaterbureau. Auf das einmalige Tanzgastspiel von Hannelore Ziegler am Montag, 17. Oktober, sei ganz besonders hingewiesen, da es für längere Zeit das letztemal sein wird, daß man die berühmte Künstlerin in Deutschland sehen kann, da sie vor einer längeren Amerikareise steht. Fräulein Ziegler bringt diesmal ein gänzlich neues Programm, das sie im Sommer in Rau heim zum ersten Male und zwar mit ganz außerordentlichem Erfolge vvrgeführt hat. Karten für den Gastabend werden bekanntlich schon von jetzt ab an der Theaterüisse ausgegeben — „Sie großen Weltumwälzungen und deren Ausgang." lieber dieses Thema wird, wie im gestrigen Anzeigenteil mitgeteilt ward, heute abend 8 Uhr. Herr P. Kreß aus Dortmund einen Vortrag halten. Landkreis Gießen. X Langsdorf, 10. Oft. In unserem neuen Rathaussaal fand gestern als erste Vereinsveranstaltung ein Abend des E v a n g e l. Bundes statt. Ein Vortrag des Ortsgeistlichen wies in einem Gesamtüberblick über die äußere und innere Lage des deutschen Protestantismus und der evangel. Kirche auf die Wichtigkeit der Bundesarbeit hin. Es wurden weitere Veranstaltungen unseres seit 1911 bestehenden, jetzt neu organisierten Zweigvereins in Aussicht gestellt. g. Rüddingshausen, 9. Okt. Heute feierte unsere Gemeinde in der bis auf den letzten Platz gefüllten, und von den Konfirmanden mit Blumen reichlich geschmückten Kirche ihr Erntedankfest. Der Gemischte Chor half die Feier verschönern. Kreis Schotten. b. Schotten 9. Oft. Gestern nachmittag wurde hier die Obst- und Ackerbau aus - stellung des Kreises Schotten in der Turnhalle, die mit Erzeugnissen des Obst-, Garten- und Ackerbaues bis auf den letzten Platz gefüllt war, feierlich eröffnet Oekonomierat Breidenbach. der Vorsitzende des Landwirischafts-- kammer-Ausschufses von Oberhessen, begrüßte alle Gäste, dankte allen Spendern von Preisen und Mithelfern an dem schönen Werk. Kreisdireftor Boekmann sprach in ähnlichem Sinne namens des Kreises. Als Vertreter der Regierung war der Präsident des Landesernährungsamtes, Herr Hebel, petsönlich erschienen, um den Dank und die Freude der Regierung über die wohlgelungene Ausstellung und die vom klimatisch ungünstigen und in diesem Jahr so ausgetrockneten Vogelsberg dargebotenen Höchstleistungen auszusprechen. AuS feinen Worten sprach ein warmes Herz für die Landwirtschaft und der Wille, eine gesunde ProduktionSpolitik fürderhin zu treiben. Sin Rundgang schloß sich an die Ausführungen, bei dem man aus den zahlreich ausgestellten Sorten belehrt wurde, dah bei richtiger Pflege des Obstbaues man auch in unseren höheren Gebirgslagen reichlich Edelsorten ziehen und ernten kann. Außerordentlich reich war die Ausstellung beschickt, wohl alle heimischen Obstsorten waren vertreten. Prächtig waren die vielen verschiedenen Zusammenstellungen die aus Erzeugnissen des Ackerbaues und der Gartenbewirtschaftung ausgestellt waren. Die aeräumige Halle war febr geschmackvoll dekoriert und bot ein farbenfrohes Bild. Der Besuch war besonders am Sonntag außerordenllich stark, die Besucher ~ an vielen Erfahrungen und Belehrungen reicher — äußerten sich sehr lobend über das Gebotene. X Feldkrücken. 10. Okt. Am Freitag brach hier bei dem Landwirt K. Rühl IV. ein Schadenfeuer aus, das bei der großen Trockenheit sehr leicht auf die ganz eng zusammen- stehenden Rachbargebäude hätte überspringen und unabsehbares Unheil herbeiführen können. Ein mit Heu und Reisern gefülltes Gebäude brannte unter mächtiger Rauchentwicklung ab. Zum Glück konnte durch das tatkräftige schnelle Eingreifen beherzter Manner, die die Brandstelle mit zwei Schlauchleitungen bekämpften, das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Die Rachbarhäufer blieben unversehrt. Heber die Ursache des Brandes verlautet, daß er durch den Funkenauswurf einer in der Rähe stehenden Drefch- mafchine entstanden fei. — Die elektrische Lichtanlage geht auch hier allmählich ihrer Vollendung entgegen. Das Ortsnetz wird in Kürze ausgebaut fein, dieser Tage wurde mit dem Bau des Transformatorenhäuschens begonnen. Hoffentlich sind auch die HauSanschlüsse bald fertiggestellt. x Ulrichstein, 10. Olt. Unserem zweiten Lehrer, G. Gau b. der nahezu 8 Jahre hier gewirkt bat wurde eine Lehrerstelle an der Volksschule in Laibach übertragen. Starkenburg und RHeinheffeu. Darmstadt, 11. Okt Das „Darmstad- ter Tageblatt", die „Hessische Landeszeitung" und der „Tägliche Anzeiger", die gestern nach zehntägigem Richterscheinen wieder yerauskamen. veröffentlichen eine Erilärung. in der es u. a. beißt: „Rach zentraler Regelung war eS. ohne nach dem Muster der Gehilfen gleichfalls einen Tarllbruch zu begehen, den Arbeitgebern Darmstadts nicht möglich, sich mit den Gehilfen an den Verhandlungstisch zu fefien. Die in dem Ultimatum der Gehilfen gesetzte Frist muhte dementsprechend ohne Verhandlungen ablaufen. Rachdem die Gehilfenschaft anerkannt hat. unter Tarifbruch in den Streik eingetre ten zu fein, erklärte sich die Prinzi- palität unter Hinzuziehung des Prinzipal- und Gehllfenvorsitzenden des Kreises III Frankfurt a. M. zu einer Besprechung zur Wiederherstellung des gewerblichen Friedens vor dem Demobil- machungskommissar für Hessen bereit. Sie führte dazw daß die Gehilfenschaft heute früh geschloffen die Arbeit wieder ausgenommen hat. Heffen-Nanau. Die Ausländer auf der Frankfurter Mess«. mc. 5rantf ur t a. M„ 10. Oll. Der Ausländerbesuch auf bei Frankfurter Herbstmesse, der während der früheren Messen nicht besonders start war, hat überrascht. Die Ausländer kamen in großen Scharen, besonders aber stellte Holland, die Schwei-, Itollen, Spanien, die nordischen Staaten und Frankreich das Hauptkontingent. Mich die Aussteller waren sehr zahlreich aus dem Ausland gekommen, so vor allem auS Oesterreich, Tschechien. Frankreich, England, Ungarn, Schweiz und einige Firmen ivgar aus Rordfrankreich. — Wie in einer Sitzung des Presseausschusses mitgcteUt wurde, kommen zum Frühjahr zwei große Reubauten zur Vollendung. Der Technik wird eine große Halle errichtet, und weiterhin ist dem wchuh- und Lederhandel "seine bisherige Untedunitsftättc zu llein geworden. Man will auch hier unter Ausbringung des Daukapitals durch eine Anleihe einen Reuvau errichten, der bis zur nächsten Messe fertig sein soll. Bemerkenswert ist. daß die Schuhindustrie Frankfurt als den aussichtsreicheren Meßplatz wie Leipzig bevorzugt. Einsatz der Technischen Dothilfe tu Hanau. tn. Hanau. 10. Okt Die Technische Rot- Hilfe mußte in den Dunlopwerken in Hanau mit 63 Rothelfern die Enlladung einer größeren Anzahl mit Braunkohlen gefüllter Eisen- oahnwaggons vornehmen, da die Eisenbahndirektion diese über eine Woche dem Verkehr entzogenen Wagen im öffentlichen Interesse dringend benötigte. Dank dem anerkennenswerten Fleiß der eingesetzten Rothelferschast ging die mühsame Arbeit flott vonstattcn. Leider waren alle Versuche, die Arbeiterschaft selbst zur Lei' stung dieser Rotstandsarbeit zu veranlassen, vergeblich: doch muß anerkannt werden, daß sie der eingesetzten Rothelferschast gegenüber eine überaus besonnene Haltung em na bin. Aus dem AmtSverkündigungsblatt. ** Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 143 vom 10 Oktober enthalt: Versorgung der Kranken mit Zusatzlebensmitteln. — Eigentum ehemaliger russischer und serbischer Kriegs- und Zivilgefangener. — Heimschaffung der russischen Kriegsgefangenen. — Die Strafregister. — Wohnungswechsel des AmtsveterinärarzteS. — Tollwut in Langsdorf. — Apparat zur Vertilgung von Ungeziefer. — Viehseuchen. Wohnungswechsel des Amtsvetc- rinärarztes. Vom 15. Oktober ab befindet sich die Wohnung des Amtsveterinärarztes D>. Stein zu Gießen im Hause Henselstraße 4. Rümmer feines Fernsprechers ist nach wie vor 1080. In Langsdorf ist in der Hofreite des Will) Scheid I. bei einem Hunde die Tollwut fest- gestellt worden. Ein anderer Hund aus Langsdorf, 3 Monate alt, zirka 30 cm hoch, rötlich-braun. Mischrasse, Wolsstyp, stark der Tollwut verdächtig. ist entlaufen. Schweinerotlauf in Gießen In dem Gehöfte Roonstrahe Rr. 22 hier ist Schweinerotlauf amtlich fest gestellt worden. Sperrmahregeln sind angeordnet. ©erid>t5facil. DaS Urteil hn Mordprozeß Hemberger. Berlin, 10. Oft. (WTB.) In dem Mord- Prozeß Hemberger haben die Geschworenen bei Protze nur die Schuldfrage nach Totschlag, bet Frau Hemberger nur die Schuldsragen nach Begünstigung nach der Tai, Urkundenfälschung und Abgabe einer salschen eidesstattlichen Versicherung bejaht. Bezüglich der Frau Weite wurde die Frage nach Begünstigung bejaht Der Staatsanwalt beantragte gegen Protze zehn Jahre Zuchthaus, gegen Frau Hemberger 3i ? Iabre Gefängnis und gegen die Angellagte Weise 3 Monate Gefängnis Das Urteil lautete gegen Protze auf 5 Jahre Zuchthaus unter Anrechnung nun einem I hre vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, gegen Fi au Hemberger auf 21 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 1 Jahr 3 Monaten Untersuchungshaft und gegen Frau Weise auf einen Monat Gefängnis. * Berlin, 10. Oft. sPriv.-Tel.) Gegen den Pclizeiunterwachtmeister Erven und den Pvlizel- hauvtwachtmeister Meyer von der „Hundertschaft zu besonderer Verwendung' wurde ein Ver- fahren wegen Mordes cingeleitet Es wird ihnen zur Last gelegt, am 15. Juni den Oberwachtmeister Buchholz ermordet zu haben, um zu verhüten, daß Buchholz, gegen den das Verfahren wegen Unterschlagung eingeleitet war. die politischen Machenschaften der Hundertschaft verrate. Der Prozeß kommt in der nächsten Schwurgerichtstagung des Berliner Landgerichts 3 zur Verhandlung. Die Angellagten bestreiten jede Schuld. Vermischtes. Berlin, 10. Oft. (Wolff.) In einem Hin- terhausderChorinterstraßeim Rorden Berlins, wurde der Kurbelsticker E r n st in einer Blutlache ermordet aufgefunden. Ernst war von den Hausbewohnern zum letztenmal am Sonntag vor acht Tagen gesehen worden. Der Kleiüer- schronk und die Schubladen in der Wohnung waren erbrochen. Turnen, Sport und Spiel. Um ben Fa-bLll-DtutbeSpokal Janben am Sonntag in München-Glabbach, Sie'.- Un und Breslau die drei Torrunte^tnete ftitt Mit dem größten Interesse sah man dem Treffen SüLbeutsÄand gegen Westdeutschlaub in München-Gladbach entgegen. Die Süddeutschen halten ihre stärkste Mannschaft aufgebracht, die auch das m sie gesetzte Vertrauen rechtfertigte. Bereits bei der Pause waren sie mit 3:0 Toren in der Führung denen sie in der zweiten Hälfte noch 2 weitere hinzufügten, während den West- dciUschen da« Ehrentor versagt blieb. Wit 5:0 hat sich somit Süddeutschland für die Zwr- schenrunde qualifiziert. In Stettin standen sich die Vertreter Aorbdeutschland« und des Bal t erwerb jn bc 3 gegenüber Wie zu erwarten stand, waren die Äorddeutschen leicht mit 4:1 siegreich Bei der Pause hatte das Spiel 1:1 unentschieden gestanden. In Breslau endete erwartungsgemäß das Spiel Mitteldeutschland gegen Südostdeutschland 3:0 für die Gäste. Die Einheimischen zeigten regen Spieleifer, konnten aber gegen die bessere Technik der Mitteldeutschen nichts auSrichten. Bei Halbzeit hatte daS Spiel 1:0 für Mitteldeutschland gestanden. In der Zwischenrunde am 13.11. werden sich da« in der Dorrund« spielfreie Berlin sowie die Sieger der Borrunde von Süd-, Bord- und Mitteldeutschland gegenüber'iehen. — Berlin schlägt Basel im Fußball städtekampf 2:1. Mit einer großen Ucderraschung endete der am Sonntag in Basel auSg.'tragens Fukchallstä?te'amps Mischen den repräsentativen Mannschaften Basels und der deutschen BeichShauptstabt. Die Deutschen waren durch im bohren Augenblick notwendig gewordene Drsatzemstellung mit wenig -SiegeSaussichten in den Kamps gegangen, enttäuschten aber nach der angenehmen Seite, wie ffv oft. wenn es galt, einen aussichtslosen Kamps auszunehmen. DaS Spiel ist das zweite seiner Art. Das erste im Frühiahr im Deutschen Stadion endete 4:4 unentschieden. Die Dadreunsaison -neigt sich ihrem Ende zu. In B r e s l a u schloß am Sonntag die dortige Radrennbahn ihre Pfor- ten mit dem klassischen Lennen um den „® r n - sten Preis von Deutschland" über zwei Stunden. Leider tarn der erwartete Kampf Weiß— Rosellen. die sich bereits in Dresden im 2-Stun- den-Lennen gegenüber gestanden hatten, nicht zustande Losellen hatte Defekte. Don einer sehr guten Seite zeigte sich dagegen Thomas. Lach 10 Kilometern ging er von dritter Stelle aus an die Spitze, um sie nicht wieder abzugeben. Der deutsche ^Heister Wittig fuhr nur anfangs gut. Zum Schluß ließ er nach, da er nod) unter den Folgen seine« schweren Sturzes in Köln zu leiben hatte Weiß war recht gut. konnte aber Thomas nie ernstlich gefährden. Da« Ergebnis war: 1. Thomas, 2. Weih, 3. Rosellen, 4. Wittig, 5. Bauer. In Köln ragte unter den vor 15000 Zuschauern auSgetragenen Lennen deS Sonntags das .International« Flieger treffen" in 3 Läufen hervor, das sich der schon über 25 Jahre hindurch im Sattes erfolgreiche Weltmeister und diesjährige deutsche Meister W i l l h A r e n d vor seinem zähen Rivalen Eugen Stabe und dem alten dänischen Weltmeister Lllegaard holte. — Im .Großen Steher-Preis" über 30 und 70 Km. blieb der Kölner Ehr. Mülle r trotz verschiedener Defekte vor Stellbrink und dem Italiener Bordoni siegreich. DaSBergrennen zum Drachenfels, das der Bund Deutscher Radfahrer (©au Rheinland, besetztes Gebiet) am Sonntag veranstaltete, war «in voller Erfolg. Riesige Zuschauermengen umsäumten die 3700 Meter lange Rennstrecke von KLnigSwinter bis zum Plateau deS Drachenfels und verfolgte jede Phase des ersten Dergrennens im Rheinland« mit gespanntem Interesse. — Zur Baden-Badener Automobilwoche. die jetzt im Anschluß an die A. D. A C.-Reichsfahrt ihren Anfang nimmt, sind bisher 66 Teilnehmer ein getroffen, so daß sich Me Woche zu einem Glanzpunkt der deutschen Automobil-Industrie zu entwickeln verspricht. Handel. Der Rückgang deS englischen Handels. London, 10. Oft. (Wolfs.) Als ein Zeichen für die ernste Lage des britischen Handels bezeichnet .Observer" die vom Handels- amt veröffentlichten Ziffern für den Monat September. die gegenüber dem Jahre 1920 einen riesigen Rückgang in der Ein- und Ausfuhr aufweisen. Berglichen mit dem Monat September 1920 weist die Einsuhr eine Derminderung um 65 638 629 Pfund Sterling und die Ausfuhr eine Verminderung um 62 502 335 Pfund Sterling auf. Seeschiff«verkehr im Monat September in den bremischen Weserhäfen. Angekommen: 1913: ö00 Schiffe nut 369 2S0 Retw-Reg.-To., 1918: 148 mit 62 978, 1921: 304 mit 238 408. Abgegangen: 1913 : 509 Schiffe mit 341975 Rerro-Reg.-To., 1918: 160 mit 72 687, 1921; 275 mit 285 331. c - r ? c r l * n* 1®- Börsen s: im munas- b > ld. Der Börsenverkehr spielte sich dank der Maßnahmen des BbrsenvorstandeS in ruhigeren Formen ab. Zum Teil war auch di« Llnt^rneh- Mungo last der cpduLaiion eingedämmt mit Rücksicht auf den krittschen Stand der oderschlesischen Frage und das Schwanken der Devisenkurse. Ramentlich am Montanmarkte und in Farbwerten machte sich Realisierungslust bemerkbar, ohne jedoch zu wesentticheu Rückgängen zu führen, während andererseits einzelne Wert« ganz beträchtliche Steigerungen erfuhren, so Thater-Hllen- hütte um 275 Prozent. Starke Meinungskäufe trieben Tettilwette und Waggonfabrikaktien beträchtlich in die Höhe; Rorddcutsche Wolle gewannen 300 Prvz. Ferner als hohe.- hervorzubeben sind: Th. Goldschmidt. Ai^gvburg-Aürn- oerger Maschinen. Köln-Rottweiler, Deutsche Waffen und Ludwig Loewe. Im Derlaufe machte sich Reigung zu Abgaben noch deutlicher bem?if- bar. ohne daß jedoch der Druck auf den Kursstand besonders «mpfintl.chwurde. Balutcipapicre waren etwas höher. Devllen schwächten sich nach großer vormittägiger Festigkeit etwas ab. Frankfurt a. M.» 10. Oft. (Börsen- ft i m m u n g S b 11 b.) Die Geschäftslage an der Börse wird immer unsicherer; in dieser Woche sind zwei Börsentage vorgesehen. Die an die Makler und Händler gefüllten Aufgaben waren heute wieder groß. Die Folge ist natürlich wieder, daß die Kursnotierungen Verzögerun- gen erleiden, und vielfach Dotierungen infolge Ueberlastung nicht zur Ausführung gelangen können. 3m freien Verkehr hat die Erklärung des Börsenvorftandes. Papiere, welche noch keine Bilanzen veröffentlicht haben, nicht zum Handel einzuführen, Eindruck gemacht. ES wurden in der Hauptsache nur die bekannten Aktien gehandelt. ES war auf diesem Gebiet sehr regeß Treiben zu bemerken. Die Kurse bei sehr fester Tendenz schwankend. Hansa Lloyd Steigerung ca. 340—345—350. ManSfelder Kuxe 1400. Bahnbedarf eine Kleinigkeit fester. Bereinigte Metallfabriken 500 genannt. Durch die ungeklärte Lage in Oberschlesien wurden die in Betracht kommenden Werte recht vernachlässigt. Die Kursbewegung auf dem 'Montanaktien markte war im allgemeinen recht unregelmäßig. Stärker gesucht waren ManneS- mann. Phönix schwächer. Einen Rekordkurü erzielten Westeregeln mit 900. Angeboten waren Adlerwerke Kleyer. Bankwerte fester. 3n» dustriepapiere des Kassamarttes lagen fest. In der zweiten Börsenstunde war das Hauptver- kaufsgeschäst in Clektrizltäts- und chemischen Aktien. Die Börse schloß ruhig, aber vorwiegend fest. Die nächste Börse findet am Donnerstag, 13. Oktober, statt. Privatdiskont 3»/, Prozent. Frankfurt a M., 11. Oktober. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 8. DT’.L 10. Dftt. Amsterdam - Kotterd. 3996,- 4004,- 3933,50 4001,50 Brüssel.Antwerpen . 876,60 878,40 876,60 878,40 Christian«« 1483,50 1486,50 1478,50 1481,50 Kopenhagen 2292,70 2297,30 2292,70 2297,30 Stockholm • . 2812,16 2817 85 2829,65 2835,36 helsingfor, 178,30 178,70 170,30 179,70 Italien........ 487,- 488,- 492,- 493,- London 467, 469,- 467 - 468,- 'Jleuporfc 122,87 123,13 122,37 122,63 Poris 891.10 892,90 892,60 894,40 Schweiz 2187,80 219.,20 2'20^,75 2207,25 Spanien 1620,851624,15 1628,351631,65 Allen (altes). . . .. -,- Deutsch-Oesterr. . . . 6,68 6,72 6,73 6,77 Prag 130,45 130,75 132,35 132,65 Budapest 18,03 18,07 18,48 18,52 Bulgarien —, — —, — Konstantinopel. . . . —, — —. — Buenos-Aires. . . 40,20 40,30 40,45 40,55 Marknotierungen. Für 100 deutsch« Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.11. 8-10.10.10. Zürich Jr. 125,49 4,57 4,55 Amsterdam Fl. 59,29 2,51 2,49 Kopenhagen Nr. 83,8) 4.55 4,45 Prag............fir. 117,89 77,- 76 - Stockholm fir. 83,80 3.65 3.65 Wien Är 117.80 -,-2537,- London . Sh. 97,80 4,67 Paris Fr. 125,49 11,36 11,25 NeuvorK . I 23,80 — ,81 0,82 Der Schuh im Blut. Roman von Horst Bodemer. 9. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.) Der Henner verstand es wirklich nicht. Uni> daß die Jrofe Oper" schon von allen größeren deuttch^n Bühnen unter mehr oder weniger anerkennenden Worten zurückgetornmen war, die dem Jupp Sitten mehr Flüche entlockt hatten, als er verantworten konnte, wußte er nicht. Die „jrvtze Oper" wurde dem zukünftigen Schwiegersohn jeden Tag ein paar mal vorgesetzt. Er hoffte schließlich auch daß der Tag der Erfüllung dieses Herzenswunsches bald kommen würde — wer hatte einen berühmten Schwiegervater nicht gern? — seine Zukunft brauchte er jedenfalls aus dieser Hoffnung nicht auszubauen. Und das war ihm ein sehr tröstlicher ©ebardc! . . Unangemeldet erschien eines Tages Marias Bruder Ernst aus London. Ein junger Mann von siebenundzwgnZig Jahren, sehr elegant, dreimal am Tage wechselte er den Anzug, weltgewandt, mit großen, grauen Augen, bleichem, bartlosem Gesicht. Kühl prüfend lag fein Blick mit dem Schwager, wer Millionenwerte an Edelsteinen ost mit sich in einer RerseLaffette herunstchleppte. anußte ein Menschenkenner sein, sonst vertraute man ihm so kostbares Gut nicht an. Der Bater war gerührt, killtte ihn ab, pries Henner gegenüber feine beiden Söhne in allen Tonarten . . . Ernst Sitten schnitt den Redeschwall mit einer kurzen Handbewegung ab. „Laß das doch, Tater!“ Mit einem verbind- jlichen Lächeln wandte er sich an seinen Schwager. Mnterhielr sich erst ganz harmlos mit ihm. bei der dritten Flasche Rauenthaler — der alte Sitten hatte bei weitem das meiste getrunken — war er vollkommen im Bilde ,Schade, daß ich nur drei Tage hier bleiben tarnt, aber zur Hochzeit komm ich bestimmt!“ Die ruhige sichere Wettgewandtheit Ernst Sittens machte großen Eindruck aus Heinrich Wär- Hahn. Er hätte viel darum gegc^n, wenn er sich die anzueignen imstande wate. Aber solch Ich haften Geilt besaß er eben nicht, da tarn er nicht mit! Die Rheinländer waren doch verteufelte Kerle! Sein Bater hatte ganz recht, die Wärhahns waren zu schwerblütig, unbedingt brauchten die den .Schuß tm Blute“: Seine Kinder würden ihn haben. Dafür mußte Maria torgen. DaS Blut war wohl tas Rotwendigsts. aber Erzief-ung tat sicher auch viel, älnb gerade diesen Schwager wollte er sich warm halten. London lag ja nicht au- der Welt. Er ging ihm nicht von Der Seite. Bevor Ernst Sitten abreifte, nahm er sich leine Schwester unter vier Augen vor. .Aus Täters überschwengliche Briefe habe ich nicht allzuviel Wett gelegt, wir kennen uns da ja aus! Aus eigene Faust habe ich Erkundigungen eingezogen, ich bin vollkommen im Bllde, denn. toaS ich tue, geschieht gründlich! Däne Zukunst ist gesichert. Alles findet man nie beieinander Frauen tonnen nicht um Hoch;iele so ringen wie Männer. Den Henner hab ich gründlich frubiert Wird nie ein schwieriger Mensch fein, to^m du ihn fest in der Hand hältst! Geh nicht zu verschwenderisch mit deinen ßiebtofungen um, Maria! So viel ich sah, hast du die richtige Att. Geistig stehst du über ihm, das muß ec immer fühlen. ohne es lästig zu empfinden. Mitunter wird es nicht ganz leicht sein. Aber wenn dein Mann in dir immer die begehrenswerteste Frau auf Gottes weiter Welt sieht, findet fich alles andere von ganz allem. Das wäre deine Hauptaufgabe. Unb seinen Tater müßtest du lernen mit den Augen, einem anmutigen Lächeln, wenn eS fein muß mit einer Kühle, die nicht verletzt, zu behandeln! Die auch nie zu lange anhalten batji Dann aber ist noch eine Mamsell im Hause! Mit der muf t du dich unbedingt ausgezeichnet stehen. Leicht wrrd das nicht immer sein. So ein Menschenkind, das sich mit dem Tater herumgeschun- den und 'den Sohn grvßgezvgen hat, ist stets die Hauptperson. Mag es äußerlich auch nicht schar, zum Ausdruck kommen. Wie du mit der am besten fertig wirst, mußt du selbst sehen. Ihr Interesse muß auch das deine erregen, ohne daß du in ihren Machtbereich einbrichst! Solche Wesen sind in diesem Punkte sehr emvsindlich! Bei der dir angeborenen Liebenswürdigkeit wirst du schnell — bei einiger Vorsicht im Anfang — den regten Weg finden! Tocläufig wird sie dir zum miadeften nicht wohlwollend gegenüberstehen' Also das wär es! Für deine Aussteuer an Kleidern und Wäsche werden deine Brüder sorgen, wir lassen es uns etwas kosten Erschein immer tadellos 6e!Leibet vor deinem Wanne! . . Ach was. ich glaube gar, du willst uns banienl Durch Tater finb wir Jungen in gute Stellungen gekommen. das Bewähren war natürlich unsere Sach«! Wir tragen ihm nur unseren Dank ab! Llnd du bist unsere Schwester: Wenn es einmal paßt, werde ich mir erlauben, die Frau Ritterguts befitzer Wcthahn, — den scheußlichen Tarnen mußt du mit in den Kauf nehmen — meinen Börsenkurse. Frankfurt Berlin 1-Hbc» 1-llhr- Schluß- Schluß- Kurs Kur« Kurs Kur« 7.10. 10. 10. 7 10. v'.Dtsch Srieesanl. 77,50 77,50 77,50 3' . Dtsch. Reichsanl. 77,— 4• e Preuh Konsole —,— 62,90 Darmjitcitr Denk . 300,- Oeulid>e tienh . . -,- 433,- 450,- Disconlo-Dtsrkfschast ——,- 39), _ Dresdner Vauk... —,— 345^— 330, — ma»ionalbanii s. t). . —,— —312,— Milteld. Creditbank. —,— — — 293 — H.-Amerik. Pakets. . 370,- -J- 389,- Norddeutscher Lloyd. —-- 404, — Voch.Guösiadlwerk . - 848.- V.'Luxemb. Lergw.. 740 - 705^- Gelsenkirch. Berg«. . 740,- 720,50 Aarpencr Vergdau . 926 - 880,- Überschles. Eisenb.-B. 700,- 6v5'- 703*- Ober,chles. Eisentnd. . 660,- 655,- 670,- lP5önif.Pergb.-2Ikt. 1000,- 930^- 930,- Vnd. L>ülm. u. Soda 590'- 579,50 höchster Farbwerk«. - - 679J0 ricktr.Ä.E.G 610,- 609,- 619,50 Schuckett-Werke. . . - 537,50 Felten-Duilleaume. . -,- 885 - 801 - Daimler....... 459,- 455'- Bud.- Eisen».-Akt. . — 862,- Adlerwerke...... 538,- 530^- 547,- t*/.Heg.Stoatsaul. , Elektron Griesheim. _,— 599,- 10.10. 77,60 72 40 7«,- 64,25 4»;z 384 - 329.- 306,- 295, - 897,- 419,75 830,26 723 — 720,- 896,— 690,- 666,- 910,- 565,- 560,- 607,- 550,- 660,- 468,- 839,- 526,- 62,- 582,- Züricher Devisenmarkt. 1 . 10. 11. 10. Wechsel auf Schweizer Franken yolcrnd 100 Ft. » 182.21 182.- Deulschland 100 Döt. = 4.522 4.525 Wien 100 «r. =» 0.28 0.275 Prag , . ......100 Är. =□ 6 - 6.- Paris 100 Fr. = 40.676 40.45 London \ £ = 21.25 2L18 Italien 100 L. — 22^0 22.20 Brüssel 100 Fr. - 40.- 39.75 Budapest 100 Ar. — 0.85 0.826 NeuyorK 100 $ = 558 - 549.- Agram . ... 100 Ar. = 2.25 2.20 Äuiuueit....... 100 2. -= 4.90 4.75 w Märkte. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 10. Oft. (Amtlich.) Bei langsamen Geschäft verblieb bei Rindern und Schweinen Uebcrftanb. Die Schweinepreise gaben nach. Bei Rindern gaben bei geringeren Sorten die Preise etwas nach. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 2280 Stück Großvieh, davon 440 Ochsen, 60 Bullen, 1780 Färsen und Kühe, ferner 374 Kälber. 284 Hämmel und 1157 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: für Ochsen von 550—900 Mk.» für Bullen von 550—750 Mk., für Färsen und Kühe von 250—875 Mk., für beste Färsen, und bis 800 Mk. für beste Kühe, ferner für Kälber von 450—1000 Mk., für Hämmel von 250 bis 500 Mk.. für Schweine unter 80 Kilogr. 1000—1300 Mk. Alle schwereren Sotten über 80 Kilogr. 1400—1500 Mk. Außerdem wurden 100 geschlachtete Dakonierschweine gehandelt, und zwar zum Preise von 1200—1500 Mark für den Zentner Schlachtgewicht. Der jüdischen Feiertage halber wird der Klein« viehmartt von Donnerstag, 13. Oktober, auf Freitag, 14. Oktober, verlegt. Die Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Handlergewinn in sich schließen. — Der Hauptmarkt vom Montag, den 17. Oktober, wird mit Ausnahme des Schweinemarktes auf Mittwoch, den 19. Oktober, verlegt. Frankfurter Oetretbemarft Frankfurts. M., 10. Oft. Don der Devisenbewegung wurde die Tendenz des hiesigen Getteidemarktes nur wenig bewegt. Die Geschäftslage bleibt ruhig. Weizen war nur wenig angeboten. 3n Roggen waren die Offerten größer. Hafer findet Käufer, während Mais kaum beachtet ist. Die Nachfrage nach Gerste hielt an. In Mehl hat sich wenig verändett. Hülsenfrüchte sind gesucht, die Umsätze aber klein. Für Speiseöle zeigt sich wenig Interesse. Futtermittel sind knapp angeboten, und die Stimmung fest. Leinsaat billiger erhältlich. Reis liegt fest. Für Karwffeln mußten höhere Preise bewilligt werden. Heu und Stroh wenig verändert. (In einen M bet Auslage wtedsholt.) Eine Red« de« Herr« von Kahr. Landsberg, 10. Oft. (WTB.) Der Landwirtschaftliche Verein Oberbayerns hielt am Sonntag eine Kreisversammlung ab. Aus diesem Anlaß veranstaltete der landwittschast- liche Dezirlsverein Samstag und Sonntag ein landwirtscdaftliches Fest, bei dem RegserungS- präsident Dr. v. Kahr ernt Ansprache hielt, in welcher er einleitend der Totenfeier gedachte, die die Landeslxtuptstadt ihren Helden- söhnen beute bereitete und dann fvrtfuhr: Denn ich es nicht schon früher gewußt hätte, wäre es mir in der Stellung als Ministerpräsident zum Bewußtsein gekommen, was unsere Landwirtschaft für unseren bayerischen Staat bedeutet, wie sehr unser Dobl und Wehe von chr abbängt. Bayern ist ein Staat, in dem die Landwittschaft noch verhältnismäßig die weiteste Schicht unter den ErwerbSständen auSmacht und in dem die Landwittschaft der ganzen wittschaftlichen, so- zialen und politischen Struktur des Landes ein ausschlaggebendes Gepräae verleiht. Die Stärke der bayenschen Landwirtschaft und de« bayettschrn Bauerntums ist die Stärke de« bayerischen Staates. Daß es uns geglückt ist. nach dem Zusammenbruch in dem Krieg uni) der Revolution rascher als anderswo wieder Ruhe und Ordnung herzustellen, verdanken wir in erster Ltnie der überragenden 'Bedeutung unserer Landwinschast und dem konservanv- denwkrattschcn Charakter unserer Bauernschaft und ihrem staatStteuen Sinn. Soll ich an unsere Einwohnerwehr erinnern und an. ihre Bedeutung für die Wiedergesundung un- scres Staates, die ihre 'stärkste Derankerung in unserer landwirtschaftttchen Bevölkerung besah? Daß wir sie dem Dittat unserer Gegner opfern mußten, ist tief schmerzlich. Für den bayenschen Staat kann es keine dttnglichere Sache geben als die der bayettschen Landwirtschaft und dem bayerischen 'Bauerntum seine Stärke wahren. Dies ist nicht möglich, wenn die bayerische Dolkswittschaft ihren überwiegenden agrattschcn Charakter aufgibt und wird auch nicht möglich sein, wenn die Entscheidung über die Belange unserer bayenschen Landwirtschaft nicht mehr bei dem bayerischen Staate selbst liegt. Auf dem Gebiete der Landwittschaft muh mit besonderer Sorgfalt geprüft werden, was Reichs- und was Landesaufgabe zu sein Hal. Der Redner kam dann auf die Unmöglichkeit einer dauernden Leistung der Reparationsabgaben zu sprechen und sagte: Zweifelhaft ist nur noch, ob der Zeitpunkt, in dem wir erklären müssen, es geht nid>t mehr, erst im kommenden Frühjahr oder schon früher eintritt. Diese Einsicht scheint sich jetzt aud) bei unseren Gegnern durd-zuseyen. Zu welcyem Schritt sie auf Grund dieser Einsicht gelangen, ob sie namentlich dazu gelangen, den Eintritt des Zusammenbruchs noch rechtzeitig zu verhindern, wer wollte das sagen! Aber auch für sie gilt, dah sie erst durch Schaden klug werden. 2lber wer möchte beurteilen, wie groß der Schaden erst geworden fein muß, bis unsere Gegner, bis die Welt klug wird? 3n England waren im Durchschnitt des letzten Jahres l*/i Millionen Menschen infolge der Störung der englischen Wirtschaft, die durch die Verhältnisse in Rußland, Oesterreich und Deutschland verursacht ist, arbeitslos. Bei den Arbeitslosen von nur 15 Shilling pro Kopf und bei 280 Arbeitstagen im Jahr beträgt dieser Ausfall für die englische Wirtschaft in einem einzigen Jahr 6,2 Milliarden Goldmark, weit mehr, als England jemals aus der deutschen Reparation ziehen kann. Aehnlich ist es in Amerika, ähnlich in den neutralen Ländern. Die Flut des Papiergeldes täuscht bei uns im allgemeinen Reichtum vor, der in Wirklichkeit nur Schein ist. In diesem scheinbaren Reichtum läßt sich unser Volk zur Genußsucht und Leichtlebigkeit verleiten, die in früheren, besseren Zelten unbekannt war und jeden, der noch einen klaren Blick bewahrte, mit schwerster Besorgnis erfüllen muh. Wenn auf der letzten Münchener Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industtie die Losung ausgegeben wurde, „die Wirtschaft ist das Schicksal", so ist das nur die halbe Wahrheit. Die einseitige wirtschaftliche Einstellung mit chrer Dermaterialisierung wurde uns schon einmal zum Schicksal. Besuch zu machen, schon um zu sehen, ob meine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen finb!“ Eines Tages. Anfang März, sagte Jupp Sitten zu feinem Schwiegersohn: „3n der.Krone" zu AßmaTmShauien tft nächsten Connabenb und Sonntag jrvites Preissingen, vierzehn Vereine haben zujeiagi. ich bin natürlich Prcisrichterobrnann! Zum Schluß singen aUe Vereine jememfam unter meiner Leitung mein Rheinlandlieb! . . . DaS mußt du hören, Henner. — aus ein paar hundert jeschulten Kehlen — unbedingt!“ Der sah feine Braut an. Bisher war bU. immer dagegen gewesen, baß er ein Sängerseü mit ihrem Tatet besuchte, sie hatte ihn allein gehen lassen. Der Henner war froh gewesen, baß er seine Traut den ganzen Tag für sich allein gehabt hatte. Maria nickte. .Wir werden mitfommen, Tatet!* .Herrlich! Himmlisch! Henner, ba wirb bis ein Bejrifs von meiner TollStümlichteit aufjehen!' Maria sah bem Feste aber doch mit einiger Herzbeklemmung entgegen. An solchen Tagen war bet Tatet immer sehr ausgelassen, und die besten und schwersten Weine setzte man ihm auch vor . . Wat das ein fröhliches Geben! Und her Mittelpunkt war Jupp Sitten! Während bcs Wettstreites aber saßen bie Tausenbe mucks- mäuschenstill aus ihren Stühlen und Bänken, bie PreiStichter mit ernsten Gesichtern an kleinen Tischen und machten sich ihre Aufzeichnungen. Schulung war in den rheinischen Kehlen! (Fortsetzung folgtj 10*5 Das Kommando: 10878v Dickors. Wenzel. Hiescto M-MMt Emil Borst ioeeo teiligung bittet der Vorstand. ■*rf verschieden ist. Beerdigung Mittwoch, den 12. d. Mts., */■3 Ubr nachmittaaS, auf dem Weuen Friedhof. Um zahlreiche Be- Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Kameraden Emil Wilhelm Borst in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch den 12. Oktober, nachmittags ‘/j3 Uhr, statt. Zusammenkunft am Eingang de» Neuen Friedhofs. Uniform: Luchrock und Helm. im Hotel Einhorn p über Einladung zum Vortrag für Mittwoch nachmittag 4 Uhr ilie Feuerung und Beizung der Zukunft praktische Vorführungen mit Probe-Kochen, -Braten und -Backen Tereio. Männerchor Harmonie-Gemütlichkeit Unseren Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser Sangesbruder ( Hansa- Schule Gießen Seltersxveg73. Femr.821 Priv.Handelslehranstali von J. Kunzeimann, Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer. 11. Okt. Beginn der! ------------- neuen Winterkurse. Anmeldg. täglich. Prosp.frei. ^ ! I Achtung! ! Für Wirte il Wieder- Verkäufer Zirka 50 Mitte Sport-Zigaretten BPf.Kleinverkauf, vreiS- wert abzugeben; daselbst leere Pappschachteln u. Stiften zu verk. 013441 Wilhelm Bechthold. Großhandlung in Tabak- waren. Lauusdach. Zur jetzigen Pflanzzeit emvfehle starke WinteryemüsepflanzeD Wilhelm Moser, Gärtnerei, Wies. Weg 10. I Telephon 1614. [owoe gttiwidigt FottbildmiMiile für HJläödicn. (Es ist beabsichtigt, auch in dem bevorstehenden Winterhalbjahre eine freiwillige Fortbildungsschule für Mädchen einzurichten. Der Unterricht soll Dienstag, den 1. November 1921 beginnen und an zwei bis drei Nachmittagen wöchentlich erteilt werden. Meldungen können in der Woche vom 17. bis 22. Oktober täglich zwischen 12 und 12'/, Uhr bei dem Rektor der Stadtmädchenschule, Schillerstr. 8, vorgebracht werden, wo auch weitere Auskunft über Einrichtung, Lehrplan usw. erteilt wird. Gießen, den 6. Oktober 1921. 107776 Der Vorsitzende des Schulvorstandes. 3. D.: Dr. Leib, Beigeordneter. Versteigerung. Mittwoch, den 12. Oktober, von 2Uhr ab, versteigere ich Brandgafse 3: 1 vollständiges Herrschaftsbett, zwei Kinderbettstellen, 1 Sofa mit Umbau (eichen), 1 Kommode, 1 Lexikonschränkchen, 1 Eisschrank, 1 Marmorwaschtisch, 1 antiken Kleiderschrank, 1 Nähmaschine, 1 Spiegel, 1 Waschmaschine, 2 Wringmaschinen, 1 Wage mit Gewichten, 1 Flöte, 24 neue leinene Bettücher, 3 Mille Zigarren, 1 Schülerpult, 2 Kinderstühlchen, 1 Blumentisch, 1 Kofferbock, 1 Hocker, 1 Schaukel, 1 Ampel, 1 Bügelofen, 1 Gasherd mit Tisch, 1 Backhaube, Stühle, 4 runde schwere Wirtstische, 1 Paar Ledergamaschen, 1 Milstärmantel, 1 Herrenmantel, 1 Hose, 3 Hemden, Kragen Nr. 41, 2 große Bilderrahmen (eichen) mit Glas und verschiedenes andere. — Versteigerung bestimmt, k. Benner II.. Anttionator und Tarator, Krofb. Str. 9. Annahme v. Versteigerungen aller Art, auch einz. Stücke. Besonders billig! 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M., abds. 7 Ubr, Schulhaus West-Anlage. Stadttheater Mittwoch, 12. Cf tobet: 2.Pliitwoch-Abonn.-Borst. Die Sciaihflön. Hierauf: iwxO 1. fildlfe. Anfang 7, Ende 9*/1 Uhr