Samstag, 8. Oktober 1921 Erstes Blatt M- Jahrgang Annahme »»e Snjelae« für die Ingcsnummer Di« zum Nachmittag vorher odne jede Verbindlichkeit. Sr eis kür l mm HS de für nzeigenv 34 mm Drell» örtkd) 55 Pf., auswärts 65 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 250Pf. Sei Platz. Vorschrift 20 . Aufschlag. Hauptschriflleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil i D . Aug. Goetz; für den Anzeigenteil: Han« ‘Bedt, sämtlich in Dietzen. Nr. 236 Der Gtetzener »«zeiaer erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags. Monatliche vezu-spreise: Mk 5.50 einschl. Träger, lohn, durch die Post Md. 6L0 einschl. Bestell, geld, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech-Anschlüsse: für dieSchriftleituno l 12; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richteu: Anzeiger Stehe». postscheLlonto: Stanffnrt a. M. 11685. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheffen vntck und Verlag: vrühl'sche Umv.'vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße 7. Wochenrückblick. Das Wiesbadener Wiederher»! ftellungsprograrnm, dessen Wortlaut Dir gestern mitgctetlt haben. Deckt zunächst ein Gefühl überraschend unS ansprechender Zufriedenheit darüber, daß eS gelungen ist. mit unserem westlichen Nachbar eine so umfangreiche, nicht mehr auf bloßem Diktat beruhende Vereinbarung überhaupt zu treffen. Allein, darüber sei man sich sogleich klar, Frankreich betritt damit noch keineswegs den Boden einer allgemeinen Verständigungspolitik. ES ist bloß gelungen, die bereit stehenden Schüsseln eines Kapitels des Versailler Vertrages mit Inhalt zu füllen. Das Rezept stammt von Rathe- n a u, dem Wiederherstellungsminister, der sich eines Amtes erfreut, das ihn weniger mit Diensten für unser eigenes Volk betraut, als ihn vielmehr wirklich eher zu einer Art Küchenmeister großen Stiles für unsere früheren Gegner antreten läßt. Wir wollen seinem Werke, svwett es nun in Paragraphen vor uns liegt, unvoreingenommen gegenübertreten und nicht vergessen, daß der Gedanke, mit Sachleistungen dem siegreichen, aber weißgebluteten Nachbar KriegSschLden und Zerstörungen beseittgen zu helfen, mit Rücksicht auf den unglücklichen AuSgang des Krieges uns immer als billig, als unabweisbar, erschienen ist. In zweiter Linie ist dann aber freilich zu prüfen, ob das Werk von Wiesbaden zugleich als ein passendes Glied in der Kette unserer auSwärttgen Polittk sich prL- senttert. Der von Rathenau und Loucheur formulierte Vertrag kommt zu einem Zeitpunkt, wo der ErfüllungSvvrsatz von der Wucht der unser Volk schnell in den Abgrund treibenden Schicksalsmächte fast zerbrochen ist und die feindlichen Länder selbst sich zu fragen beginnen. ob ihre Abmachungen zugunsten eines Völkerfriedens nicht Ruten sind, mit denen sie sich selber züchttgen. Wir hätten nichts dagegen, die dem Wiesbadener Abkommen zugrunde liegende Anlage IV des Teiles VIII (Wiedergutmachungen) des FriedenSvertrageS einer vernünfttg bemesienen Verwirklichung zuzuführen, wenn man unserer Wirtschaft die nötige Schonzeit gewährt und nicht rücksichtslos dem aussichtslosesten Stande unserer Valuta uns zugetrieben hätte. Eine stückweise und bedingungslose Erfüllung unserer angeblichen Verpflichiungen scheint uns auf diesem Wege kaum möglich zu sein. Auch unsere ReichSregterung ist sich wohl bewußt, daß sie mit ihren Wiesbadener Vereinbarungen ganz und gar ins Ungewisse geht. Wenn wir ein Stück eines unstreitig unausführbaren Ganzen zur Erfüllung übernehmen, so ist dies äußerst unbefriedigend, und es könnte sich in der Bemühung, zu einer Revision des gesamten Friedensvertrages zu gelangen, gar bald als eine Fessel erweisen. In England sind Stimmen laut geworden, uns die drückendsten Zumutungen, die nur einen WirtschaftSnieder- gang der gesamten Welt besiegeln, zu erlassen. Hat man in Berlin danach gefragt und sich verlässtgt, ob Lloyd George mit der Wiesbadener Abmachung einverstanden ist? Gegen den Willen Englands sollte man mit Frankreich nichts verabreden. Denn schließlich sitzen in London die mächtigsten Gestalter der Zukunft, nicht in Paris, und es ist die wirtschaftliche Entwicklung Englands, die sich an das Wiederaufkommen Deutschlands anlehnen muß und am ehesten die Versailler Voraussetzungen umstöht. Die Franzosen sind und bleiben blind und unbesonnen in ihrem DergeltungStaumel und in ihrem Forderungsdünkel. Wir gestehen jedoch zu. daß die Trümmer in Nordfrankreich und in Belgien möglichst bald aufgeräumt tyerben müssen. Dann erst werden vielleicht die Quellen des alten Hasses langsam verstechen. Wenn man in London derselben Meinung ist. dann sollte man dort das Wiesbadener Abkommen großzügig begrüßen und Deutschland die Vorbedingungen gewähren, es überhaupt zu erfüllen. Zweifellos darf man Frankreich nicht sich selbst überlassen; sein Zusammenbruch würde Europa ebenso in den Abgrund reißen wie derjenige Deutschlands. Das Wiesbadener Abkommen müßte zum Grundstein eines neuen Geistes der wirtschaftlichen Wiederherstellung gemacht werden! Demgemäß wäre der darin vorgesehene. sich noch unerbittlich an den Versailler Vertrag haltende Abrechnungsplan mit seinen. Fristsetzungen in manchen Paragraphen zu ändern, und ein auf dem Boden der neuen Erkenntnisse stehender ..WiedergutmachungS- auSschuh" hätte erträgliche Kriegsentschädigungen und die dazu erforderlichen Fristen zu bestimmen. Wie kann sich anders die Stabilisierung der so heillos durcheinander geratenen und für alle Völker verderblich wirkenden Währungsverhältnisse vollziehen, die Lloyd George in Inverneh als unumgängliches und nächstes Ziel der internationalen Politik bezeichnet hat? Künstlich zu züchtende Valutagebilde gibt es nicht, ebensowenig wie man den Stein der Weifen findet. Eine gesuckde. maßvolle, der Bedrohungen und Vernichtungen sich enthaltende Politik allein ist die Voraussetzung zur Unterbindung des MarksturzeS. Die den Deutschen ursprünglich zugedachte Sllavenarbeit unterhöhlt nur, tote man in England und Amerika mit Schrecken gewährt. Den Wohlstand der Herren- völler, deren eigne Arbeitsstätten dabei erkalten. Es gibt auf die Dauer keine Weltherrschaft, sondern nur einen friedlichen Wettbewerb der Völker. Sv wenig wie ein Volk den militäri scheu Pkachtgedanken auf die Spitze treiben kann, so wenig gelingt es ihm. sich wirtschaftlich als Sklavenhaltt". über die Völler zu stellen. '„Die Völler sind aufeinander angewiesen", gesteht Lloyd George — In VersallleS hat er davon noch nichts gewußt . . . Wenn sich letzt in der deutschen Presse kein erheblicher Wloerspruch zu dem Wiesbadener Abkommen kund tut, wenn sich die Bereitschaft des deutschen Volkes aufs neue zeigt, zu arbeiten, um Die volle Freiheit wiederzuerlangen — so muh doch mit größtem Nachdruck daran feftgebalten werden, daß der Erfül- lungsdrang des Kabinetts Wirth im Herzen Deutschlands keine Wohnung hat. RnS empört es nach wie vor, daß die Einleitung zu dem Wiedergutmachungskapitel des ZwangSverttageS wie die Inschrift über Dantes Höllentor anmutet: „Durch mich geht man zur Stadt, drin fielt) nie endet." ES ist jener Artikel, in dem Deutschland sein Schuldbekenntnis aussprechen und anerkennen mußte, als „Arheber aller Verluste und aller Schäden veranttoorllich zu fein, welche die alliierten und assoziierten Regierungen und chre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben". Auf dieser falschen und erlogenen Voraussetzung beruht das ganze Buch und System jener raffinierten RechtSauSklügelungen, die in Wahrheit doch nur unendliche Willkür darstellen. Der Sachwert der Leistungen auf Grund des Wiesbadener Abkommens soll bis zum 1. Mai 1926 sieben Milliarden Gvldmark nicht übersteigen; die Lieferungen dürfen von Frankreich nur für den Wiederaufbau verwendet werden. Daran finden also unsere Leistungen ihre natürliche Grenze, ebenso wie unsere Verpflichtungen nur so weit gehen sollen, „als sie mit den Prvduk- tionSmögllchkeiten Deutschlands, den Bedin- gungen seiner Rohstoffversorgung und den inneren Bedürfnissen seines sozialen und wirtschaftlichen Lebens vereinbar sind". Wir wollen die Erwartung aussprechen, daß diese Einschränkungen des Maßes unserer Entschädigungspflicht den erforderlichen dicken Strich unter alle Unmöglichkeiten des Versailler Dokumentes setzen, daß der in diesen Tagen von einem namhaften Engländer bestätigte „Wahnsinn der Staatsmänner" eine Ende nimmt. Der „Wiederherstellungsausschuß" steht noch ganz im Dunstkreis, der Schlachtfelder. Nach seinen neuesten Berechnungen und Beschlüßen soll Deutschland für die Besetzung des Rheinlandes allein über 100 Milliarden Papiermark aufbringen! Der Wiesbadener Verttag steht und fällt mit weitblickenden Absichten unserer allgemeinen auswärtigen Politik, die sich bestimmt noch nicht auf einige Wochen hinaus einen „frankophilen Kurs" leisten kann, weil weder Loucheur noch Briand ohne die Nachhilfe anderer Mächte sich mit dem Gedanken vertraut machen werden, das Buch von Versailles endgültig zu verschließen. Die Nebenabkommen Rathenaus und Loucheurs. Wiesbaden. 7. Okt. (WTD.) Die von Rathenau und Loucheur unterzeichneten Neben- ablommen haben folgenden wesentlichen Inhall: Drei Abkommen beziehen sich auf die Ablösung der Frankreich gegenüber geschuldeten Restitutionen. Die Rücklieferung von Industrie- material hört am 6. 12. auf. Danach werden lediglich diejenigen Maschinen noch zurückgeliefert, die vorher abgerufen wurden. Uebrigens bleibt das auf deutschem Gebiet noch vorhandene aus Frankreich weggesührte Material endgültig in deutschem Besitz. Dafür liefert Deutfchland an Frankreich binnen 8 Monaten 120 000 Tonnen Industriematerial, die nach Art und Gewicht dem bereits zurückgelieserten Material entsprechen. Frankreich wählt sich dieses Material unter den Vorräten und in den Lägern der deutschen Regierung aus. Das Material soll nach Möglichkeit neu kann aber auch gebraucht sein, muh je- doch in vollkommen betriebsfähigem Zustande sich befinden. Falls dort entsprechendes Material nicht vorhanden ist. hat die deutsche Regierung neues Material zu liefern. Auf die 120 000 Ton- Inen wirk, das seit dem 1. 5. 1920 zuruckgelieserte Material mengenmäßig angerechnet, desgleichen weitere 20 000 Tonnen "la or—a~leidl Df“ Sie sparen Gold! "W Spezial-Mn- lind Fartatas Tsl»>hsa 726_____Gl ESSEX Liwinain 26 0SF* Achtung! 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I Varsln« \ Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Ur. 256 Zweiter Blatt Die Aussichten der Kohlenbelieferung. Dießen, 8. Oktober 1921. 3n diesen Herbsttagen ist neben der Äartof- felhcrforgung die Beschaffung der Brennstoffe für die nächsten Monate eine Hauptsorge des geplagten Familienvaters, zumal uns ja von Wetterkundigen ein früher und strenger Winter angekündigt ist. Die Belieferung mit Steinkohle war bisher schon sehr mangelhaft. Ein Wunder auch, wennS anders wäre. Das Diktat der Entente preßt uns allmonatlich Riesenmengen ab. Dazu der ungeheure Ausfall des oberschlesischen Reviers, dessen Förderung durch Ab- stimmungshehe, Terror. Aufstand und andere Störungen äußerst erschwert und gemindert wurde und wird. Der Osten deS Reiches, der sonst von den oberschlesischen Kohlengruben beliefert wurde, muß daher heute vom Ruhrrevier mit versorgt werden, worunter natürlich wieder die Gesamtheit leidet. Während der Sommermonate wurde der Steinkohlenmangel im Volke nicht allzusehr empfunden. Der Bedarf des Hausbrandes ist in der heißen Jahreszeit ja an sich gering, und dann standen der Bevölkerung auch größere Mengen B r i k e t t s zur Verfügung, denn die Entente, für die bekanntlich das Beste gerade gut genug ist, nahm sich bloß die hochwertigen Kohlensorlen und verzichtete grohmüttg auf die minder wertvolleren Briketts. Hierin ist leider eine Wendung zum Schlechteren eingetreten. Die Entente hat jetzt anscheinend auch an Briketts Geschmack gefunden und hat nach Mitteilung des Kohlenshndikats im September nicht weniger als 70 Prozent unserer gesamten Brikettserzeugung für sich beansprucht, und heute sind'S gar 80 Prozent. Daher erklären sich die Stockungen in der DrikettSzufuhr, die in den letzten Wochen sich unliebsam bemerkbar machten. Mindere Kvhlensorten. und KvkS vor allem, gibt es jedoch reichlich. Da das Angebot dieser vom Fachmann als „f l ü s- f-i fl“ bezeichneten Sorten die Nachfrage im allgemeinen erheblich übersteigt, ist seit 1. Okto- 6er bleZwangSbewirtschaftungauf- gehoben für Rohbraunkvhlen, Koks und andere minderwerttge Brennstoffe. (B e st e h e n bleibt aber die Zwangswirtschaft sämtlicher Steinkohlen, Stein- und Braunkohlenbriketts und Stollenkohlen.) Für die minderen Brennstoffe entfällt selbstverständlich auch die Melde- und BezugSscheinpfltcht. sowie die DeitraaSerhebung. Die Höchstpreise dagegen bleiben auch für diese Brennstoffe nach wie vor bestehen. Die Kohlenstelle kann aber auch über die freigegebenen Brennstoffe künf- ttg verfügen und sie für besttmmte 'Zwecke beschlagnahmen. Deshalb werden die Bezieher von der hiesigen Kreiskohlen st eile ersucht, den Eingang jedes Waggons dieser bezugsscheinfreien Brennstoffe bei ihr zu melden. Die geringeren Kohlensorten werden wohl auch in Den nächsten Monaten reichlich vorhanden sein. Das hiesige Gaswerk zum Beispiel hat große Koksvorräte angesammelt. Die Bevölkerung wird in diesem Winter also in der Hauptsache auf Draunkoh- l e n und Koks angewiesen sein, und es kann nur geraten werden — wo dies noch nicht ge- schhen ist —, die Heizkörper schleunigst für Koksfeuerung umzustellen. * Die Stadt Gießen wurde vom Reichskohlenkommissar ja verhältnismäßig recht gut bedacht — allerdings nur mit Bezugs scheinen. Der Stadt (die Anstalten usw. mit eingeschlossen) wurden nämlich nicht weniger als 656 Stück sogenannter Reichshausbrandbezugsscheine für Kohlen zugewiesen, Unb jeder dieser Scheine lautet auf 15 Tonnen I ES ständen unS also fast 10 000 Tonnen Kohlen zu. Dazu Überreichte uns der Kohlenkommissar noch 411 Braunkohlen bezugSscheine über zusammen 6165 Tonnen. Wirklich beliefert wurde allerdings noch nicht ein Drittel dieser Scheine: 202 Kohlen- und 125 Braunkohlenscheine. Die OrtSkohlenstelle Gießen ist daher bei der Kohlenwirtschaftsstelle Frank- furt a. M. wegen besserer Belieferung der Stadt Gießen vorstellig geworden, und eS wurde uns auch Abhilfe zugesa gt. Hoffentlich wird dies Versprechen auch in die Tat umgesetzt und recht bald« Vier Svnen von Kohlenkarten wurden bekanntlich am l.Mai von unserer OrtSkohlenstelle ausgegeben. Auf diese Karten wurden bisher geliefert für Haushaltungen 6 Sentner Kohlen, 5 Zentner Gaskvks und 3Zentner Braunkohlenbriketts; für Einzel- Per svnen 1 Ztr. Kohlen und 1 Ztr. Braunkohlenbriketts; für das Kleingewerbe je 3 Ztr. Kohlen und 2 Ztr. Braunkohlenbriketts. Für die vierte Kategorie, für Zentralheizungen und das Grohgewerbe wurde die Menge in jedem Einzelfall besonders durch die Brennswffdeputation zugetellt. Die Kvhlenkarte, neben der Brotkarte wohl die einzige Ueberlebende aus dem dicken Karten» und Markenbündel der Kriegsjahre, besitzt freilich noch viel Abschnitte, die der Belieferung harren. Hoffen wir, daß dies bald geschehe, denn nach den kühlen Tagen werden die kalten bald nachfvlgen und da möchte man doch seine Winterkohlen im Keller wissen. Aus Stabt und Land. Stehen, den 8. Ott. 1921. Planetenzusammenkunft am Morgenhimmel. 3n den Monaten Oktober und November spielt sich am Frühhimmel ein seltenes Schauspiel ab, das nicht nur für den Liebhaberastronomen, sondern für jeden Naturfreund von größtem Reize ■fein wird. Die hellsten Wandelsterne unseres Systems, Venus, Mars, Zupiter und Saturn (später vorübergehend auch Merkur) werden sich am Ost Himmel in den Morgenstunden ein Stelldichein geben, das in seiner Eigenart nicht zu den Alltäglichkeiten gehört. Noch zu Anfang des Monats Oktober sehen wir in den ersten Frühstunden nur Venus und Mars über dem östlichen Horizont funleln. Der hellere, obere, der beiden Planeten ist Venus, die bisher als Morgenstern strahlend der Sonne voraufzog. Die beiden Planeten stehen zu Beginn des Monats noch im Löwen, unterhalb des Fixsternes Regulus. Am 3. Oktober überholt Venus den Mars, nm bann fortan in raschem Laufe sich nach links von ihm zu entfernen. Auch Mars wandert in der gleichen Richtung Weller, und dieser Wettlauf führt die beiden Planeten bald zum Sternbild der Zungfrau hinab, wo zwischen den Fixsternen Vota und Gamma inzwischen die Planeten Jupiter und Saturn angekommen sind. Um die Mitte des Monats Oktober hat sich das Bild so geordnet, dab sich in einem blitzenden Sternbande, das mit dem Fixstern Regulus beginnt, Mars, Venus, Saturn und Zupiter zum Horizont des Ost Himmels hinaddehnen. Wer um die angegebene Zeit gegen 5 Uhr morgens den Himmel mustert, wird Die prächtige Konstellation leicht aus den übrigen Sternen herausgreifen können. Der strahlendste dieser vier Planeten ist Venus, obwohl ihr Glanz fortgesetzt abnimmt. Die rasche Bewegung der Planeten verschiebt das Bild aber nach Turner Zeit von neuem. Venus läuft im letzten Monatsdrittel bereits zwischen Saturn und Jupiter hindurch. Wir Verfolgen sie auf ihrem glänzenden Wege zum Saturn, an dem fie am 22. Oktober ganz dicht, bei nur 35 Minuten Abstand, südlich vorübergeht, und zu Jupiter, den sie am 25. Oktober 5 Uhr nachmittags erreicht, um nur 31 Minuten nördlich an ihm vorbei- zuwandeln. (Auf diese beiden schönen Konjunktionen sei besonders aufmerksam gemacht.) Gegen Ende des Monats zeigt die ganze Planetenkonstellation dann folgende Gruppierung: Tief über dem Ost Horizont Venus und Jupiter in prächtigem Glanze, über beiden Saturn, und ikn gröberen Abstande nach oben Mars, noch weiter darüber Regulus. Well links im Nordosten blitzt zur Vervollständigung des Bildes ein rötliche, Fixstern erster Gröhe, Arktur, übet dem Horizont. 3n diele eigenartige Gruppierung tritt dann noch am 27. Oktober die schmale abnehmende Sichel des Mondes, der an besagtem Tage in gleicher Länge zu MarS steht und an der ganzen Planetenreihe rasch hinabläuft, wobei er am 23. Oktober nachmittags in Konjunktion zum Saturn, 11 Uhr nachts gleichen Datums zum Zupiter und am 29. Oktober zu Venus kommt. " P rüfung im Hufbeschlaa. Aus dem Kreise Sieben haben folgende Hufschmiede die Prüfung im Husbeschlag bestanden und sind berechtigt, den Hufbeschlaa selbständig auszuüben: W. Kraerner, Hausen, Zohs Puhl. Lang-GönS. Wilh. Weimer, Saubringen, Hch. Schmidt, Mendorf a. d. Lumda ” (Sine Steuer für Nachtbummler. Ueber die in Stuttgart als neueste Einnahmequelle für den Gemeinde säckel vorgeschlagene »Nacht» st e u«r" erfährt man jetzt Näheres. Der den Stadtverordneten vorgelegte Entwurf sieht folgendes vor: Gäste, die über die festgcsttzte Polizeistunde hinaus in Wirtschaften, Eaf^s usw. verwellen, sollen für die Person und für die erste Stund? über die allgemeine Polizeistunde 5 Mark, für dte zweite 8 und für jede weitere 10 Mark bezahlen. Lngefangene .Sleuerstunden" werden voll berechnet. Bei Versammlungen geschlossener Vereinigungen und Hochzeiten ist Befreiung vorgesehen. Bleiben Gäste ohne die erforderliche po» lizelliche Erlaubnis über die Polizeistunde hinaus, so sollen sich die Steuersätze verdoppeln. Die Steuer soll durch Lösung von Steuermarken ent- richtet werden, die der Wirt seinen treuesten Gästen zu verabfolgen hat. Die Gäste haften neben dem Wirt als Gesamtschuldner für die Steuer Hessen-Nassau. Hilfe für die Ausgesperrten. fpd. Griesheim a. M, 6. Oft Die Gemeindevertretung bewilligte für die Unter- stühung der auf den chemischen Werken audge- fperrten Arbeiter 200 000 Mark und stellte ihnen die Lieferung von Winterkartoffeln in Aussicht. Die Ausgesperrten müssen sich aber verpflichten, die ihnen gewährten Unterstützungen in wöchentlichen Raten wieder abzuzahlen. — Am Freitag findet in allen Orten, wo Arbeiter der chemischen Werke wohnen, eine Generalabstimmung darüber statt, ob die Arbeit unter den neuerlich gemachten Bedingungen wieder aufgenommen werden soll ober nicht Wie man hört, ist die Mehrzahl geneigt, wieder an die Arbeit zu gehen. fpd. Frankfurt a. M. 6. Oft Die Zeppelin-Halle, die erste Deutschlands, ist nunmehr auf Verlangen der Entente bis auf die Grundmauern abgebrochen worden. Das gesamte Material wird fortgeschafft und findet an anderer Stelle zu anderen Zwecken Verwendung. fpd. Frankfurt a. M., 5. Oft Der Allgemeine Bankverein Düsseldorf, der wie wiederholt gemeldet wurde, die alt-historische Hauptwache zu einem Bankgebäude umbauen möchte, und dafür eine Zahresmiete von 150 000 Mark bot, hat, da dem Magistrat die Summen anscheinend zu niedrig ist, fein Pachtangebot jetzt auf' jährlich 200 000 Mark erhöht Er erllärt sich außerdem bereit, an den bisherigen Pächter des Cafes eine voraussichtlich in die Millionen gehende Abfindung zu leisten. fpd. Kassel, 6. Oft Seit etwa 14 Tagen ist eine 18jährige Verkäuferin, die hier bei ihren Eltern wohnte, spurlos verschwunden. Das Mädchen ist am nächsten Tage, nachdem sie die elterliche Wohnung verlassen hatte, noch auf der Fuldabrücke mit einem völlig neuen Kostüm und ae’Uut Hut gesehen worden. Es wird angenommek. dab es Mädchenhändlern in die Hände gefallen ist. — Die seit dem 16. September verschwundene 21jährige Erna B. ist in Hamburg ermittelt worden. Sie war hier Mädchenhändlern ins Garn gegangen und war gerade im Begriff, nach Süd-Amerika zu reifen. Das Mädchen hatte einer hiesigen Freundin mitgeteilt, dah es in Kassel einen millionenschweren Plantagenbesiher aus Dtasilien kennen gelernt habe, dem sie nun nach der Heimat als Braut folgen würde. Die ßartoffeloerforgung. ha Gersfeld, 6. Oft Der Landwirt Ditt- mar in Rommers hat seine entbehrlichen Kartoffeln für 25 Mark abgegeben und höhere Angebote mit dem Bemerken abgelehnt, für geringe Leute, die alles kaufen müssen, sei der Preis gerade hoch genug. Auch noch andere Landwirte der Gemeinde Rommers haben, diesem guten Beispiele folgend , überschüssige Kartoffeln an Bekannte für 30—35 Mark abgegeben. Aus vielen anderen Gemeinden des Kreises werden gleichfalls lobenswerte Beispiele des Mitleides Der Landwirte berichtet Viele spendeten für Bedürftige und Wohl- tätigkeitsanstalten etwas von ihrem Erntesegen, andere wollen das noch nachholen. Samstag, 8. (Moder 1921 la. Fulda. 7. Oft Gestern fand im Land- ratSamt unter Vorsitz deS LandratS im Deiseia von Kreisausschuhmitgliedern. deS Oberbürgermeisters, Vertreter deS Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, des Vorstandes deS Kurhcss. Bauernvereins. Vertreter des Kartoffel- Handels u. a. eine Sitzung statt. Allseitig wurde anerkannt, dab 50 Mark für den Zentner Kartoffeln alS gerechtfertigt ange'ehen werden könnten. Der Oberbürgermeister erflärte, dab er gegen einige hiesige Einwohner, die allzu hohe Preise gezahll haben, bereits St rafverfahren wegen Wucher eingeleitet habe Der Vorstand des Kurhess. Bauernvereins teilte mit, datz er bereits für einige hiesige industrielle Betriebe und für die Eisenbahn mehrere Waggons Kartoffeln von auswärts geliefert habe. Um weitere Belieferung für die städtische Einwohnerschaft werde er Sorge tragen. Die nach längerer Aussprache vom Oberbürgermeister eingebrachte ö n t- schliebung besagt, dah der jetzige von den Landwirten geforderte Preis viel zu hoch fei. AIS Richtpreis werden 50 Mark festgesetzt, auher- dem soll eine Aktion eingeleitet werden, um Altpensionären kleineren Rentnern, Kriegsbeschädigten billigere Kartoffeln zu beschaffen. (Biefjener Sladttheater. „Die Lokalbahn- und „Erster Klasse" e von Ludwig Thoma. Giehen, 8. Oft 1921. Mit Ludwig Thoma, dem Züngstverstvrbenen, dessen Gedächtnis der gestrige Abend gewidmet war, ist ein seltener Mensch und ein bedeutender Künstler dahingegangen. Er war bodenständig, wie nicht viele unserer .Heimatkünstler", unb gerade deshalb sind die Gestalten seiner Dichtungen viel mehr als lokale Typen. Man wird, wenn man das Wesen der oberbayerischen Dauern erfüllen will, immer wieder nach seinen groben Romanen »Der Wittiber" und »Andreas V.->st" greifen müssen. Man wird aber auch Meisterwerke deutschen Schrifttums in ihnen erleben. 3n weiteren Kreisen ist er fast nur alS Satiriker bekannt oder als Dichter herzhafter, überfprudeln- der Lustspiele. Das ist nur eine Seite seines WesenS, eine starke zwar, aber eine, deren Ueber- schätzung das Charakterbild dieses ManneS verzerren dürfte. Deshalb fei hier, wo seiner gedacht werden soll, mit Nachdruck auf die oben erwähnten ernsten und groben Werke Thomas hingewiesen. Die beiden Stücke des gestrigen Abends, die in Giehen neu stnd, gehören dem leichten Thoma. Mit treffender Komik sind die Gestalten geprägt und die Situationen gerundet. „Die Lokalbahn": Der Bürgermeister kommt vom Minister zurück, mit dem er in Angelegenheit »der Dahn" erfolglos verhandelt hat, renommiert daheim mit seiner Energie, die er aber nur unterwegs in Gedanken hatte, wird Held des TageS, und die Liedertafel bringt ihm ein Ständchen. Am nächsten Tag bekommen die Dornsteiner Angst vor ihrer eigenen Schneid, man denkt an »die Rücksichten", und der Herr Amtsrichter tritt von der Verlobung mit Bürgermeisters SuSchon zurück, weil er sich nicht als Schwiegersohn eines Ausrührers kompromittieren will. Das Versprechen deS Bürgermeisters, sich beim Minister zu entschuldigen, giefjt endlich Oel In die Wogen, SuSchen behält ihren Amtsrichter und die Liedertafel singt wieder. Die Darstellung, die das Stück mit geringen Streichungen bot, vermied unter der Leitung Oskar Feigels klug allerhand lockende Uebertreibungen. Das Zusammenspiel war vorzüglich, das Auf und Ab der Stimmung fein berechnet und durchgeführt. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Damen A. M a r ck s (Frau Bürgermeister Rehbein), E. 'Dolmar < Susan na Rehbein), L. Sammel (Frieda Pilgermaier) und der Herren O. Feigel (Bürgermeister Rehbein), A Teleky (Karl Rehbein), G. Hedi n g (Amtsrichter Deringer), G. D a d u r a (Drauereibesiher Schweigel) und W Brandes (Äaufmamt Stelzer). Auch die übrigen Darsteller boten in Spiel und Aufmachung das Deste, so dab sich wohl niemand dem Eindruck der durchaus wohlgelungenen Darstellung entziehen konnte. 3n »Erster Klasse" wird die denkwürdige Reise des Bauemabgeordneten Zosef SLfer nach München verewigt. Wie er mit seinem Freund Gsottmaier, der unterwegs ins Abteil geweht wird, die Mitreisenhen in Atem hält, dab selbst der preuhische Geschäftsreisende den Mund halten lernt, muh man gesehen haben. Die Inszenierung (Spielleitung Hof» rat ©teingoetter) war verblüffend echt. Da- Zügle schnaufte sein, und der Ochse, der sich nicht einladen lassen wollte, brüllte wundervoll .richtig". Auch die Darstellung lieh nichts zu wün- Der Schuh im Blut. Roman von Horst Dodemer. 7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) »Wir haben nie Geheimnisse vor einander gehabt, Herr Wärhahn — ich hab 'Sie immer verstanden, bis auf heute. Ein so grobes Gut braucht eine Frau, die in der Landwirtschaft Bescheid weib, die Anordnungen treffen kann, die Hand und Fuh haben, sonst geht s nicht weiter vorwärts! Was will Wärhahnsches Blut mit Spielzeug anfangen? Und wenn ich den Hampelmann an sehe, der ihr Vater ist, wird mir schlecht!" Christoph Wärhahn scheuerte m.t beiden Fäusten auf der Schreibtischplatte herum. Das tat er immer, wenn er nach Worten suchte. Unb bann fand er sie allmählich. Er setzte der Mamsell auseinander, warum die Wärh->hns den »Schuh im Blute" brauchen, Umständlich, mit reichen Dergleichen aus der Landwirtschaft. „3a, Herr Wärhahn, das müllen Sie besser verstehen als ich! Unb Gott gebe, dah Sie recht Haden. Da muh später freilich der Heimer die Zügel ein bißchen anziehen!" „Machen wir alle zusammen — mit weicher Hand! Lind nun beruhige dich, gute Alle und leg dich ins Bett!" . . Vor dem Schlafengehen sprach Zoseph Sitten seine Tochter noch ein paar Minuten unter vier Augen. Er rümpfte die Nase, schnupperte wie ein Zagdhund in der Luft herum. »Hier riecht's nach Lawendel und TsHmiant Unb bat schmale Bett ist hart wie ein Brett! Zug wirst du ins Haus bringen müllen! Unb bat nicht wenicfflens ein Klavier da ist — auf einen Flügel war ich jarnicht erst jefaht — ist eine Schande! Cieg deinem Henner jleich morgen in den Ohren, mir werden ja die Finger steifi Aber im übrigen, Maria, aus den Leuten läßt sich wat machen, jib bat Heft nicht aus ben Händen, Kind!" Ein Lächeln lag um Marias Mund. Sie sagte kein Wort. Der alte Sitten verstand sie — er war höchst zufrieden mit seiner Tochter . . Zwei Tage später konnte sich der erste Klavierhändler Kallels eines Lächelns nicht erwehren. Ein Bechsteinflügel wurde bei ihm gekauft und vor der Tür hielt ein Leiterwagen mit einer Unmenge Stroh und Decken, um ihn sofort wegzu- fahren. So etwas war ihm in seinem langen Geschäftsleben noch nicht vorgekommen! . . . Und nun wurde der alte Wärhahn bearbeitet! Joseph Sitten spielte, Maria fang, setzte sich bann auch an ben Flügel. Mit überrinanberge'djlage- nen Beinen unb verschränkten Armen sah Christoph Wärhahn in einem bequemen Sessel, lauschte ben Tönen unb bekam ble Augen nicht los von seiner eleganten Schwiegertochter. Er brauchte gar nicht erst gebrängt zu werden, dieses Zuwcl gehörte in eine kostbare Fassung — unb wenn bu ein tiefer Griff in ben Geldbeutel •nötig war, was schadete bas, man hatte es ja bazu! »Allo der Henner besucht biS zum März die LanbwiNschasllichc Hochschule in Poppelsdorf weiter, bann wird geheiratet! Zch werbe euch unterbeffen ein Rest einrichten, auf bas ihr euch freuen sollt! Besprich mit beinern Schatze, wie bu's haben willst, Maria, es soll mir keine Wurst zu teuer sein! Aber eines verlang ich! Dav ich abends, wenn du spielst und singst, still in einer Ecke zuhören darf l" Maria fiel ihrem Schwiegervater um ben Hals, kühte ihn ab. »Wie gut du bist! Ich banke bir viel tausend mal! Du sollst mit und zufrieden sein, nicht wahr, Henner?" Der nickte nur glücklich . . Maria schmiegte sich an ihren Verlobten — unb bann tuschelten bie beiben unb besprachen, wie sie ihr Nest einrichten wollten. Dabei legte sich Henners Hand immer fester um die schlanke Rheinlandstochter, zu jedem Vorschläge nickte er heftig. Was würbe bas für ein herrliches Leben werden — unb wie würde man ihn um seine schone junge Frau beneiden! 4. Die Mamsell Auguste Uhlemann hatte Grund, am 2ag mindestens zwanzig mal den Kopf über ihren Herrn zu schütteln. Er war nicht wiederzuerkennen. Das ganze grohe Haus wurde neu tapeziert, im ©aal, der als Mus.kzimmer eingerichtet werden sollte, sogar Parkett gelegt! Unb bas Ehzimmer bekam dis zur Mannshöhe eine wunberschöne Eichentäfelung k D e HanbwerkSleute brachten eine Unmenge Dreck ins Haus, unb bie Tapezierer kochten ben Leim in ihrer Küche. Das gab einen heillosen Gestank! Dazu bas Hämmern, ©chimpfen unb Getrampel im ganzen Hause! Königlicher Oekonomierat war bet Herr auch zu Kallers Geburtstag geworden, das hatte er ganz gewiß verdient — aber gehörig zu Kopfe schien ihm das auch gestiegen zu |euu Früher, da war der Herr immer stundenlang ben Hainbuchen- gang auf- unb abgegangen — mochte das Wetter auch noch so schlecht gewesen sein — wenn er ein Vorhaben gründlich erwog, — jetzt gab er seine Befehle vom Schreibtisch aus. Einer hetzte hinter dem andern her. Unb als sie bem Herrn einmal vorgestellt, dab gut Ding Welle haben wolle, hatte er gelacht und sie »alte Schrulle" genannt. Von ©obeöberg kamen fast täglich Briefe, Proben und Kataloge, und toerm auch meistens der Henner schrieb, dem wurde doch von seiner Braut unb wohl auch von diesem ekligen alten MuslkuS bie Feder geführt. Der war ein Narr unb ein gerissener Kerl zugleich. — und der Avfel fiel nie weit vom Stamme! Schöne Zelten würden kommen . . Und dann ging es an die (Inneneinrichtung! Da hiell stch die Mamsell mit der linken Hand den dürftigen Ringelzops. in dem so unglaublich viele Haarnadeln steckten, und zeigte mit auSgestreckter rechter Hand auf ble Herrlichkeit. „Herr Oekonomierat, bezahlt baS nun der Brautvater oder Sie?" »Das macht sich bezahlt, Duste, und daraus kommt es lediglich an! So waS verstehst du nicht! Mach du mir bloh das Treiben nicht scheu, cvenn bas junge Paar kommt! Das ist — Himmeltre rz- donnerwetter — die einzige Sorge, bie ich augenblicklich habe!" Da schlug die Mamsell schnell die Türe von drauben zu. Undank war der Welt Lohn Sie sah schon, wie es kam! Sin grobes Unglück gab e$! Unb barm lachte sie ben Herrn Oekonomie- rai aus, packte ben Henner bei ber Schulter und schüttelte ihn ab. Der war gesundes Dauernblut, ber bist sich durch, wurde wieder vernünftig, unb bann war ihr Herr auch nicht so, gab bann zu: .Alte Duste, jeder Schuster soll bei seinem Leisten bleiben! Ganz recht hast du gehabt! Ra, wir haben Lehrgeld bezahlt, nun aber ist's genug!" (Fortsetzung folgt) fchen übrig. R. Goll (Fllser). 0. Feigel (Gsottmaier), W. Brandes (Ämifmann Stüve) and Karl Dolck (Ministerialrat vvn Scheibler) vertraten ihre Typm ganz famos. Richt zu vergessen das Zugpersonal (K. S t a d i und H. B e ch- stetn). bas junge Ehepaar (Eläre Türk und F. Döring) und Frau Filser (Luise Bammel). DaS Publikum war beide Male sehr dankbar. W. Gerichtssaal. dz. Berlin, 6. Oftober 1921. Der Mord an Oberlehrer Dr. Hemberger, der vor fast drei Jahren großes Aufsehen erregte, kam heute vor dem Schwurgericht des Landgerichts II zur Verhandlung, Unter der Anklage des gemeinschaftlich verübten Mordes werden sich die 36jährige Frau Elisabeth Hemberger und der 23jährige Kaufmann Walter Protze^ ferner die 24jährige Frau Frieda Weise wegen Beihilfe zu verantworten hoben. Die Angeklagte Hemberger hatte sich Ende April 1919 mit Dem 25 Jahre älteren Dr. Hemberger verheiratet. Dieser, ein früher aus der katholischen Kirche ausgetretener Geistlicher, der sich dem Lehpfach zugewandt hatte, soll wiederholt brutal - gegen seine recht unwirtschaftliche Ehefrau aufgetreten sein. Die Ehe, auS der zwei Kinder hervor- gegangen sind, wurde nach und nach vollständig zerrüttet, und schließlich verließ Frau H. heimlich die gemeinsame Wohnung und zog unter Mitnahme der Möbel in eine leerstehende Laden- Wohnung in der Urbansllaße 7. Der Haß der Frau H. gegen ihren Ehemann verdichtete sich dann zu dem teuflischen Plan, den Dr. Hemberger zu ermorden, um auf diese Weise in den Besitz der Möbel und auch des Anspruchs auf Pension au bleiben. Zur Ausführung dieses Planes soll sie ihren Dessen Protze, mit dem sie ein intimes Verhältnis unterhielt, durch Ueberrebung und Auspeitschung seines Mutes gedungen haben. Dieser hat die Mordtat am 11. Dezember 1918 unter Billigung und Mitwissen der Hemberger und der Weise ausgeführt. Dr. Hemberger wurde in die Wohnung der Ehefrau durch Protze bestellt, der angegeben hatte, daß ihm dort Sachen für die Kinder überreicht werden sollten. Dort 50g Protze plötzlich seinen gelaberten 5schüssigen Revolver aus der Tasche und erschoß seinen Onkel. 3n größter Aufregung verständiate er die spät abends heimkehrenden Frauen, daß die Tat vollbracht sei. Die Leiche ist dann entkleidet und über einer Badewanne zerstückelt worden. Die einzelnen Glieder wurden abgesägt, der Rumpf in einen zertrennten Unterrock der Frau H. eingewickelt. die übrigen Leichenteile zu einzelnen Paketen zusammengenäht und dann von Frau H. zu einem großen Paket zusammengeschnürt. Doch in derselben Dacht nahm Protze den Rumpf auf den Rücken, ging mit ihm nach dem Planufer, wo er ihn unbemerkt in das Wasser warf. Die übrigen Leichenteile wurden von Protze und Frau H. in einen Korb gepackt, der Kopf in eine Handtasche gesteckt und Protze vergrub sie an einer abgelegenen Stelle auf dem Tempelhofer Felde. Das Verschwinden deS Dr. Hemberger blieb zunächst unaufgeklärt. Frau H. hatte in raffinierter Weise die Behörden zu täuschen verstanden: 3n Grünau war eine männliche Leiche gefunden worden und da erklärte Frau H., daß der durch Selbstmord geendete Tote eine große Aehnlichkell mit ihrem Manne habe. Zum Zwecke sicherer Identifizierung erhielt sie die Schlüssel, die bei dem Toten vorgefunden worden waren, um festzustellen. ob einer von ihnen zu dem Schulpult deS Dr. Hemberger passe. Sie legte insgeheim den vvn ihr zurückbehaltenen Schlüssel ihres Mannes hinzu und Professor Stephan, dem die Schlüsfet vorgelegt wurden, bestätigte natürlich, daß eS sich um das Schlüsselbuno des Dr. Hemberger handle. So wurde dann der Tote tatsächlich als Dr. Hemberger begraben. Bei Protze trat aber bald eine gewisse Ernüchterung ein, seine frühere Zuneigung zu Frau H. ging in Haß und Verachtung über. Protze Der heiratete sich bald darauf, fein Gewissen ließ ihm keine Ruhe und er schrieb ein ganz ausführliches Selbstbekenntnis, welches er in einem Briefumschlag seiner Frau übergab, als diese im April 1920 zu ihren Eltern nach DreSlau reifte. Er sagte dabei, sie solle den Dries öffnen, wenn sie einmal nichts mehr von ihm höre. Die Frau hat den Brief abergeöffnet und gelesen, sie übergab ihn aber erst int Mai 1920 in Breslau, als sie anläßlich einer Don ihrem Manne begangenen Unterschlagung als Zeugin vernommen wurde, der Polizei. Die Hemberger und die Weise wurden festgenommen uttd Protze wurde am 4. Juni 1920 verhaftet, alS er nach einer abenteuerlichen Fahrt nach Breslau kam. Protze hat sein Selbstbekenntnis aufrechterhalten, während Frau H. sich aufs Leugnen gelegt bat und behauptet, daß das Verbrechen vvn Protze allein ausgesonnen und verübt worden sei. 3n der heutigen Vernehmung der Angeklagten sagt Frau Hemberger, sie habe ihren Mann beim Tanz- unterricht kennen gelernt und ihn aus Liebe geheiratet. Er sei 49 Jahre all gewesen und sie 24 Jahre: ft« habe aber stets eine Vorliebe für ältere Herren gehabt. Die Ghe sei von Anfang cm nicht glücklich gewesen, da ihr Mann mit dem Gelde sehr leichtsinnig umging und sich be-gbalb bald wirtschaftliche Sorgen einstellten. Ihr Mann machte ihr wiederum Vorwürfe, daß sie nicht genug Geld mit in die Ehe gebracht habe. Während ihrer Schwangerschaft habe sie ihr Mann vielfach geschlagen und den Boden entlanggeschleift und von chr verlangt, sie solle einen strafbaren Einariff an sich vornehmen lassen. Es sei richtig, daß es manchmal m ihrer Wohnung nicht sehr fauber ausgesehen habe, sie habe aber infolge der Behandlung durch ihren Mann, der sie geschlagen und sich fremde Weiber mitgebracht habe, zu allem die Lust verloren. Schließlich sei es zum vollständigen Bruch mit ihrem Manne gekommen und sie habe sich entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Der Umzug geschah heimlich und ohne Wissen ihres Mannes am 27. September unter Mitnahme ihrer beiden Kinder, denen der aVter sehr Angetan war. Beim Umzuge half der Angeklagte Protze, der ihr Reffe ist. Sie bestreitet, irgendwelche näheren Beziehungen zu dem Reffen gehabt zu haben. Die Wohnung wurde gänzlich aufgeräumt Als Dr. Hemberger mittags nach Hause kam, fand er nur seine Stiefel und seine Anzüge am Boden llegend vor. Zu ihrer Entschuldigung bemerkte die Angeklagte daß ihr Mann ein gutes Gehabt bekam und sehr leicht in der Lage gewesen wäre, neue Möbel zu erhalten. Turnen, Sport und Spiel. Dom Deutschen Turntag in Kassel. 3m weiteren Verlauf der Verhandlungen traf der preußische Minister des 3nnem DominlcuS ein. Die neuen Satzungen wurden im Hinblick auf die Wahlen einzelner Ausschüsse einer Reubearbeitung unterzogen und zum größten 2eil genehmigt. — Geheimrat Partsch-BreLlau und Ober- tumtoart Kunath-Dremen. deren Amtstätigkeit abgetaufen war, wurden mit großer Et mmenmeb> helt wiedergewählt — Die Behandlung der Jugendpflege nahm einen breiten Raum ein. — Der gedruckt vorliegende HaushaltungSplan für 1922/23 wurde mit einigen Abänderungen genehmigt. Der Etat weist für 1922 und 1923 Einnahmen in Höhe von 1 936 784 Mk. bzw. 2 163 284 Mark auf. denen Ausgaben von 1 531 603 Mk. bzw. 1 415 030 M gegenüberstehen Die M.t Wieder- zahl ist mit 1 543 951 ganz beträchtlich angewachsen. — Ein Antrag des Kassenwartes zur Erhebung eines Beitrages von 1.50 Mk Turnerschasts- kvpfsteuer kam mit größerer Mehrheit zur Annahme. — Das _ nächste Deutsche Turnfest 1 9 2 3 soll inMünchen abgehallen werden, doch bleibt es dem Hauptausschuß überlassen, falls sich Schwierigkeiten ergeben sollten, dasselbe nach Stuttgart zu verlegen. Zu dem von uns schon gemeldeten wichtigsten Beschluß des Tumtages wird uns noch geschririien: Die Deutsche Turnerschaft wünscht allen Verbänden eine gesunde und gedeihliche Entwicklung ?,um Besten be£ deutschen Volkes, sie muß aber im Hinblick auf ihre Größe und Stärke darauf hinwirken und beanspruchen, daß ihren Witglledern eine freie Entwicklung ihrer Wett kämpf arten uneingeschränkt bis zur Meisterschaftsstufe möglich ist Es haben sich leider bei der Einhaltung der Abmachungen mll der Deutschen Sport- behörde Schwierigkeiten gezeigt, die eine For füh- rung des Vertrages mit der D. S. D. in Anbetracht der Würde und der Entwicklung der D. T. als unmöglich machen. Rach Ansicht der D. T. handelt es sich bei den Verträgen nicht um das Vorrecht einer 3dee, sondern um die Macht der einzelnen Verbände, lieber die neuen Vorschläge der D. T. soll erst nach offizieller Bekanntmachung an die llnterDerbänbe der Öffentlichkeit Aufschluß gegeben werden. * — Vom amerikanischen Radrenn» s p v r t Dach längerer Zell bringt wieder einmal eine Kunde zu uns von Weltmeister Walter Lütt und zwar eine recht erfreuliche. Er siegte in einem Fliegermatch mit 23 Punkten gegen Mac Damara (20), Clark (16) und Goullet (13), ein Beweis, daß unser Rheinländer auch nach seiner schon über 20 Jahre dauernden erfolgreichen Rennlaufbahn noch heute den Vergleich mit der amerikanischen Extraklasse nicht zu scheuen hat. — Am 13. Oktober findet ein 24-Stundenrennen statt, an dem Rillt mtt dem Belgier Verraes als Partner teilnimmt. Seine gefährlichsten Gegner dürften in den Amerikanern Mac Damara-Goullet, A Spencer-Erskine und Madden-Weber zu suchen sein. — Inzwischen werden die Vorbereitungen zum Deuyorker Sechstagerennen, das im Dezember seinen Anfang nimmt, weiter gefördert, an dem wahrscheinlich auch Walter Dutt teilnehmen wird. — Großer Preis von Deutschland. Der Verein für Radrennen in DreSbau öffnet am Sonntag zum letzten Male die Pforten feiner Dahn und bringt den Großen Preis von Deutschland, eines der bedeutendsten Rennen, zum AuS- trag, daS alljährlich eine der größten Prüfungen auf dem Zement wurde. Das Rennen wird in Gestalt eines Dauerrennens über 2 Stunden ausgefahren und hat mit Dauer, Thomas, Willig, Roscllen und Weiß eine glänzende Besetzung gefunden. — Für daS ReichsverbandS-Tur- nier im Deutschen Stadion, daS heute mittag »seinen Anfang nimmt und am 9., 11., 12, und 13. Oktober fortgesetzt wird, macht sich daS lebhafteste Interesse bemerkbar. Fast alle von auswärts angemeldeten Pferde, auch die 5 schwedischen, sind In der Reichshauptstadt eingetroffen, darunter das weltberühmte PreiS-Reitpferd .Sabel" des Oblt. Sandström. Die Beteiligung der deutschen Turnierställe ist äußerst umfangreich. An den 5 Turniertagen kommen fast 400 Pferde im Stadion zusammen. — Bors cha uauf Frankfurts. M DaS dreitägige Okcober ° Meeting des Franifurter Rennllubs, daS heute eingeleitet wird, bringt am ersten Tage den Frankfurter Goldpokal als Hauptentscheidung. Der durch Graf Ferry vertretene Stall Weinberg wird wenig Mühe haben, den reichen Preis zu gewinnen. Vergleich und Rih sind die zu schlagenden Gegner. Die übrigen Rennen stehen im Zeichen starker Felder und sollten daher interessanten Sport bringen. — Wallenstein und Ossian werden im Hohenlohe-Oehringen-Rennen am 22 Oktober im Grünewald voraussichtlich nochmals aufeinander treffen. Zu dieser bedeutenden, über 2400 Dllr. führenden Prüfung sind ferner Geiser, Lorenzo, König Midas. Ballenberg. Lorbeer. Gral Ferry. Omen. Anakevn, Liebediener, Träumer, Vergleich und Ax en stein genannt Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag. 9. Ott. 20. nach Trinitatis Feier zur Eröffnung deS Konfirmandenunterrichts. 3n der Stadtkirche. Bonn. 9Va Uhr: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. Matthäus- gemeinde: Pfr. Mahr. Abds 6: Pfr. Decker. — Montag. 10. Ott. abdS. 8: Vereinigung d. tonf. männl. Jugend d. Matthäusgc-meii.de. — Donnerstag, 13. Ott, abds. 8: Bereinigung d -tonf. weidl- Jugend d. MarkuSgemeinde. — 3n der I o - hanneStirche. Dorrn. 9i-2 Uhr: Pfr. Dech- tolshelmer. Dorrn. 11: Kinderkirche f. d. Lutas- gemeinde. Pfr. Dechtolsheimer. Abds. 6. Pfr AuSfeld. 8: Dibelbesprechung im JohanneSsaal: Pfarrassist. Müller. — Montag, 10. Ott, abds. 7i/?: Jugendvereinlgung d Lukas gemein de (weidl. Abteilung). — Sonntag, 16. Oft. findet im Abend- gottesdienste Feier des hl. Abendmahls für die Lukas- und Johannesgemeinde statt. 9. Ott Wleseck. Vvrm. 9: Deiche. Gottesdienst, im Anschluß Feier d. hl. Abendmahls. — Sonntag, 9. Ott., vorn?. 10: Kirchberg. Feierliche Eröffnung d. Konfirrn.-Unter- richtes. — Torrn. 11: Feier des hl. Abendmahls f. Lollar. — Dachm. li/3: Mainzlar. Katholische Gemeinde. Samstag, 8. Ott. nachm. 5 u. abbS. 8 Uhr Belegenh. z. hl. Deichte. — Sonntag. 9. Ott. 21. Sonntag nach Pfingsten. Dorm. 6i?: Gelegenheit z. hl. Deichte. 7: Hl. Meffe. 8: AuStlg. d. hl. Kommunion. 9: Hochamt m. Pr. 11: Hl. Meffe m. Pr. Dachm. 3: Christenlehre,' daraus Rofenkranzandacht m. Segen. 4. Jünglingskongregation. — Dienstag u. Freitag abds. 6\a: Rosenkranz-Andacht mit Segen Diaspora-Gottesdienst am 9 Oft Dorrn. 91/?: Grünberg. Kathol. Gottesdienst. 9. Olt Lich Dorrn. 10 u. nachm. i/»3 Uhr. — Hungen. Dorrn 8 Uhr. & par tarne Ceuta, Vdiedod) ein gutes fldffce-Getränk khÄh^ nehmen fteb etrnai Pfeffer u Dille r zu ftaffee oderGerfte* Gr.Silberpaket Hl.3.- Auguet Weidig, Gießen, WalltorstraBe 48, Fernruf 2070. 3056s» (2rfjdll4id) In Kolonialwaren-. 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Denn dte Anvchliehungen dieser Konseren- Der^n in sich . bergen entweder die Gewähr friedlicher Entwrck- lung oder die Gefahr der Wiedererweckung dec KriegSfurie für einen groben Teil der bewohnten Erde. Die zur trorterring stehenden »ragen lasten sich in einem Satz dahin zufammenfasfen. Soll das begonnene Wettrüsten -wischen den Scemach- ten England. Amerika und Japan weitergehen dw xu dem schlieblich kriegerischen Zusammenstob oder foO dne Beschränkung der Seerustungen vereinbart werden unter Erzielung einer freundschaftlichen Verständigung über die zwischen den drei Mächten vorhandenen Interessengegensätze? Das Programm der Konferenz umfaßt einmal die Abrüstung, sodann die Fragen des fernen Osten«. Beide Angelegenheiten stehen In engem Zusammenhang miteinander. Die Vereinigten Staaten sind im Ausbau ihre« 1916 beschlossenen FlottenprvgrammS begriffen. Sie werden Ende 1924 ober Anfang 1925 eine Kriegsflotte besitzen, welche ungemein viel stärker sein wird, als irgendeine bisher auf der Welt dagewesene Flotte, insbesondere auch als die geflentDärtlge englische Marine Amerika wird zu diesem Zeitpunkt 16 der modernsten Kriegsschiffe besitzen, davon 12 je über 43 000 Tvn-nen grob, Schiffe, welche an Kampfkraft alle früheren weit übertreffen. Japan baut gleichfalls eine gewaltige Flotte und wird 1925 acht dieser modernsten See- kriegSmaschinen sein eigen nennen. Für acht Mr tete, welche 1928 fertig sein sollen, find bereits die Gelder bewilligt. England hatte bisher ge- zbgert und nach dem Kriege nur eins dieser .Post- jütland"-Schlachtschiffe gebaut, den _Hovd", tn dem die Erfahrungen der Schlacht am Skagerrak verwertet sind. In diesem Jahr sind die Mittel für vier weitere moderne Schlachtschiffe vom englischen Parlament bewilligt worden. Die drei Mächte be- ftnden sich alfo bereits im Zustande des Wettrüsten«, da« nach Umfang und finanziellen Aufwendungen (der „S^oob“ kostete 6 Millionen — nach gegenwärtigem Stande der Valuta über 2V» Milliarden Mark) —. alle« Frühere weit hinter sich läßt England tfl ktt 20 Jahren der Verbündete Japan« und ist gleichzeitig bestrebt, eine Politik de« freundschaftlichen Zusammenarbeiten« mit den Vereinigten Staaten durchzuführen. Die amerikanische Politik ist zwar getreu ihren Traditionen irgendwelchen Bündnisten abgeneigt, aber doch auf ein freundschaftliche« Zusammenwirken mit Eng. land eingestellt. — Zwischen England und Japan hat die Vastenfrage bisher zu keinen Konflikten geführt, obwohl die Japaner au« den britischen Dominion« Kanada und Au strallen genau so ausgeschlossen sind, wie au« den Vereinigten Staaten von Amerika. Ebensowenig war die« bei den China angehenden Fragen der Fall. Die vorhandenen Interessengegensätze zwischen England und Amerika liegen tm wesentlichen aus wirtschaftlichem Gebiet. Die Vereinigten Staaten sind in früher ungeahntem Mabe der stärkste Konkurrent England« aus nahezu allen Wirtschaftsgebieten geworden. Da« gilt einmal für Schiffsbau und für die Handelsflotte Die amerikanische Flotte umfaßt jetzt zwei Drittel der englischen und transportiert etwa 40 Prozent aller amerikanischen Sin- und Ausfuhrgüter gegen weniger al« 10 Prozent vor dem Kriege. G« trifft weiter zu für den Handel, tn dem Amerika sachlich unb örtlich auf Kosten England« große Fortschritte gemacht hat. S« ist ferner bet Fall auf finanziellem Gebiet, auf dem die Vereinigten Staaten im Degriff sind, England« früheren Platz einzunehmen. Last not least tritt der Gegensatz in dem friedlichen aber zähen Ringen um die Ölvorkommen der Welt zutage. Aber diese Interessengegensätze Birnen durch privatwiri- schastliche Abkommen beigelegt oder wenigstens abgeschwächt werden und brauchen selbst dann, wenn und soweit dies nicht gelingen sollte, nicht zu Verwicklungen zu führen. Im Verhältnis zwischen England einerseits und den beiden anderen für die Seeabrüstung in Betracht kommenden Rationen andererseits, liegen hiernach keine Gründe vor, welche ein Gelingen der Konserenzabsicht von vornherein unwahrscheinlich machen wurden. Anders liegt die Sache im Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Japan. Hier handelt e« stch zwar auch teilweise um wirtschaftliche Fragen, aber ganz wesentlich sind e« politische Dinge, Machtfragen, auf die e« an kommt. DaS übervölkerte Inselreich bedarf der Expansion. Rach den natürlichen Verhältnisten kommen dafür tn Betracht die nächstgeleaenen Länder de« astatischen Festlandes (Teile Thina« und Sibirien«) und nach der anderen Seite die Inselgruppen de« Stillen Ozeans. Rach beiden Seiten hat Japan stch auSgebaut, eS bat auf dem Festland u. a. Shan- tung besetzt unb da« Bestreben nach Verstärkung ferner Vorrechte in Thina hervortreten lasten. Im Stillen Ozean hat bie Macht Japan« burdj bas Mandat über bie bisher deutschen Inselgruppen eine beträchtliche Vermehrung nach ©üboften hin erfahren. Diese Srpanstvn Iapans widerstreitet den Interesten der Vereinigten Staaten. Das japanische Vordringen in China ist mit der Politik der offenen Tür" und der .Aufrechterhaltung der Unabhängig? eit und Integrität Chinas" unvereinbar, welche nicht mir bie trabitionetl festgelegte Politik der Vereinigten Staaten, fonbern in deren Lebens- notwendigkeiten begründet ist. Die Besetzung der ehemals deutschen Südfeeinfeln andererseits treibt einen Keil in die Verbindungen Amerikas mit dem asiatischen Festland unb den amerikanischen Pbi- lippineninseln. Akut geworden ist bie Frage in bet Angelegenheit ber Besetzung ber Kabelstation Iap durch bie Japaner. Tatsächlich aber geht bas Problem weit über die Frage einer Kabelverbindung ober des Besitzes ober Richt befttzes einiger Inselgruppen hinaus. Es handelt sich in Wirklichkeit um die Frage ber Herrschaft in dem größten Ozean ber Erde, besten Küsten in Zukunft eine weit größere Rolle zu spielen berufen flnb, als in verflossenen Zeiten. Reben diesen Problemen tritt bie Rassen frage Samstag, 8. Oktober 1921 Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) gegenwärtig an Bedeutung zurück, wenn ste auch jederzeit zur Grobe eines KonfliktgegenstandeS em- porschnellen kann. Erscheint eS denkbar, biete amerikanifch-japa- nilchen Gegensätze soweit aus der Welt zu schassen, baß an bie Stelle des gegenwärtig gespannten Verhältnisses eine freunbttxllige Verständigung tritt? Kann das von Churchill kürzlich in seiner Aede in Dundee befürwortete .größere Einvernehmen" zwischen den drei Seemächten des Stillen Ozeans zustande gebracht werden auf ber Grund» läge .gemeinsamer Interessen unb gegenseitigen ■^rtrauen«“ ? Eine ungeheuer schwierige Ausgabe liegt vor. Ihre Lösung scheint nur möglich, wenn alle beteiligten Mächte auch vor erheblichen Opfern nicht zurückscheuen, um zu einer Einigung zu gelangen 2luf der Konferenz handelt es stch keineswegs bloß um die Interessen ber beteiligten Mächte, sondern um den Weltfrieden, »s ist im allgemeinen Wellintereste zu begrüßen, daß die Vereinigten Staaten mit der Einberufung dieser Kvn- ferena durch den Präsidenten Harbing in bte Well- pvlitik eingetreten sind und baß auch Fragen, bie kein unmittelbares Interesse für die amerikanische Politik haben, wie bie Beschränkung ber Rüstungen zu Land, in baS Programm ausgenommen sind. Ein Schellern ber Konferenz könnte zu einer Zweiten Wellkataftrophe führen, ihr Gelingen würde aller Voraussicht nach auch für un« günstige Folgen haben DaS freundschaftliche Zusammenarbeiten Amerika- und Englands würde ber angelsächsischen Kombination ein ganz außerordentliches Gewicht verleihen. Dor allem wären Schritte Wiederaufrichtung der zerrütteten Wirtschaft von ihr zu erwarten. Der ursächliche Zusammenhang ber wirtschaftlichen Depression und ArbeitSlostg- kett tn beiden Ländern mit der Finanz- unb Wirtschaftslage Mitteleuropa« liegt aus ber Hand. So haben beide Mächte an ber Wiedererstehung geordneter WirtschaftSverhältniste tn Europa, die die Wiederaufnahme vollen gegenseitigen Güteraustausche« »wischen uns unb ihnen gestatten, ein eigene« starke« Interesse. — Schwurgericht. Gießen, 6. Ott. 1921. Wegen Abtreibung standen vor den Geschworenen bie Hebamme Anna Schaub aus Bü- besheim, früher m Friedberg, unb bas Dienstmädchen Katharina GlooS aus Bad-Rauheim. Dessen Verhältnis mll einem Friseur war nicht ohne Folgen geblieben, die mit Hilfe ber Hebamme Schaub beseitigt wurden gegen Entlohnung von 200 Mk. Die Geschworenen bejahten entsprechend dem Anttag des Staatsanwalts bie Frage nach Lvhn- abtreibung bezüglich ber angeklagten Schaub und nach Abtreibung bezüglich ber angeklagten Gloos. Erstere würbe zu 1 Hahr Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust, letztere unter Zubilligung mildernder Umstände zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der OeffentlUßfett statt. Jgkmbel. Berlin, 7. Ott. VÖrsenstimmnng«- btld. Die Börse machte heute einen Retnigung«- tag durch. Infolge der Meldungen über amerikanische Kreditangebvte an deutsche Industrielle usto. ist der bisherige Glaube an eine fortgesetzte De- vtsenhauste, auf die fich der ^ImwertunaSpro-eß an ber Börse hauptsächlich gründete, anscheinend doch etwa« erschüttert worden und die mehrtägigen Unterbrechungen des Börsenverkehrs Hoden auch im Publikum ein gewisses Gefühl ber Unsicherheit stärker hervortreten lassen. Zu Beginn be« Verkehr« bestaub baßer überwiegend Abgabeneigung von feiten be« Publikums, aber auch ber Börsenspekulation unb ihrer Mitläufer, so baß mit geringen Ausnahmen KurSeinbußen von 10 bi« ungefähr 70 Prozent für die marktgängigsten Werte unb von 100 bis 150 Prozent für Th. Goldschmidt Rodel Dhnamtt, Deutsche Waffen unb Pftllsch-Aktien ein traten. Auch Valutapapiere, wie TIerifcnier und amerikanische Bahn- aktien unterlagen Rückgängen von 30 bis 75 Prozent. Starke Ernüchterung machte sich auch am Markte ber unnotierten Werte geltenb, aus bem befonbet« bie in ber Tagespresse al« ungeeignet für den Berliner Verkehr bezeichneten Papiere starke Einbußen erlitten. Rur Hansa-Llohb lagen sehr fest. Eine Ausnahme von ber schwachen Äll- gemeinhaltung machte aber ber Bankenmarkt bei Kurssteigerungen von 10 bi« 25 Prozent. Als späterhin weitere Rückkäufe be« Publikums nicht erfolgten, würbe die abgabelustige Spekulation ftuhig unb schritt in diesen Papieren, besonder« auch in oderschlesischen Werten zu Deckungen und Rückkäufen mit bem Ergebnis einer 5 bi« 20prv- zentigen Erhöhung gegen die niedrigsten Tageskurse. Heimische Renten waren zumeist unverändert. Wesentliche Steigerung erfuhren ungarische Renten, angchlich auf ftarfe AuSlandskäufe. bet ziemlicher Zurückhaltung der Spekulation bekundeten Devisen bet mäßigen Erhöhungen feste Haltung, was übrigens viel zu der Befestigung ber Tendenz beigetragen hat Gegen Schluß machte die Befestigung weitere Fortschritte, als die Aufwärtsbewegung am Dankenmarkt ziemlich stürmischen Charakter annahm. Die Kurse erhöhten sich hier sprunghaft weiter, so daß gegen gestern 50 bis 80 Prozent Kursbefserungen, für Berliner Handelsgesellschaft sogar über 100 Prozent sich ergaben. Man begründete diese Bewegung damit, baß bie Bankaktien zurückgeblieben seien unb bei ber Berliner Handelsgesellschaft eine großeTrans- aktton mit amerikanischen Bankiers devvrstünde. was indes von beteiligter Selle tn Abrede gestellt wird. Frankfurt a. M, 7. Ott Börsen- flimmungsbilb. Wie vorauszu sehen war, lagen, nachdem sich gestern ber Devisenmarkt weiter ad schwächte, bei den Banken VeriaufSaus- träge vor, bie heute zur Ausführung gebracht wurden. Der EinheitSmarkt behielt eine festere Grundstimmung, obwohl auch hier von feiten der Derufsspekulanten Realisierungen vorgenommen wurden. Zu teilweisen Kursrückgängen kam es auf bem Markt ber amtlich nicht notierten Werte. Bahnbedarf stärker gesucht, junge Ufa 268—245. Mansselder Kuxe 1300, Gebrüder Fahr 1115, Hansa Llohb 285, Dtsch. Petroleum 1130. Weitere Kursrückgänge in Montan- und Elektrisch: Akiien. Feste Haltung zeigten 4prvzentige Reichsanleihen und 4prvzentige Konsvls, auch Bankaktien. Der Schluß gestaltete sich besser. Privatbiskont 3*/4 %- 7.0kL 6. Okt. 39,45 39,55 39,20 39,30 Börsenkurse. Berlin Uhr» Schluß- Schluß- 8*/. 370, 740. lentab. . Ob« 610, 469, 538, SSO, 599, gezahlt: 3,65 9. 10 Wechsel auf Schweizer Franken. - 183.- öitn Ar. - KurS 7.10. 77,50 6. 10. 4,67 7.10. 4,65 2,54 4,55 itanL isanL itanL 788, 705, 960. 700, 660, 1000, 100 100 100 1 MO 100 100 100 100 Datum * VLDtfc 21.31 2245 40.10 0.83 563.- 2.25 2.845 Ar. Sh- ffc- 4,45 77,- 3,70 Kurs 7. 10. 77,50 4,24 11,50 0,83 88,80 117,80 97,80 125,40 23,80 11,25 -32 820, 804, l-Hfir- Kur« 5.10. 77,50 177,70 488,- 459,- 121,25 Vollen . Brüssel . Budapest Deuyork. Agra«. . 170—220 All., Dirnen 140-200 ML. Kochobst (Aepfel und Dirnen) 90—100 Mk.. Trauben 250 bis 400 Mk. Flußfische 3—9 Mk. das Pfund, lebendes Geflügel etwa 9—10 Mk. da« Pfund, Butter 29—30 Mk. 177,30 487,- 458 - 12039 18480 4V0 0.29 5L75 4.50 0V0 6.95 40.70 11.33 22^0 40.10 0.80 565 - 2.30 4.95 77,- 62,90 300,- 450,- 390,- 330,- 312.- 293,— 389,- 404,- 848,- 705,- 720,50 860,- 703,- 670,- 930,- 579,50 579,50 619,50 557,50 801,- 455,- 862,- 547,- ? L. Kur« 5.10. 77,50 73 25 76,90 61,20 298 - 405,- 362,— 810,- 290,- 244,- 415,- 420,- 890,- 790,- 798,- 975,- 700,- 670,- 995,- 595,- 610,— 645,- 599,75 940,- 475,- ,920,- 9 574,05 63,30 570,- . 100 L . Märkte. Mark, Rosenkohl (nur in kleineren Mengen) bis 4,80 Mk. das Pfund, Kohlrabi 25—40 das Stück, Blumenkohl (reichlich) 3—7 Mk. Kops, Zelleriekops mll Dlällern 2—4 Mk. Stück. Am Obst markt wurden bezahlt 174,55 487,- 456,- 120,87 879.10 Fr. 125,40 KL 59,20 Ar. 88,83 Ar. 117,80 174,95 468,- 457,- 121,13 880,9) (RtQenkird). Dergw. . Äarpener Bergbau . ßberkblef. Lisenb.-B. Frankfurter Obst- und Gemüfemarki. Frankfurt a. HL, 7. Okt. Der heutige Gemüse- und Obstmarkt brachte aus dem Frankfurter Gebiet ein reichliches Angebot fast aller Gemüse, ebenso wurde Obst in erheblichen Mengen herangebracht. GS kosteten hn Großhandel: Kartoffeln, der Zenter 85 Mk., Weißkraut 90—100 Mark, Rotkraut 100 Mk., Gelberüben 100 Mt., Wirsing 120—130 Mk., Spinat 90-130 Mk, Zwie» dein 90—100 Mk. Bei den Erzeugern wurde bezahlt für Wirsing 110—130 Mk., Spinat 130 bi« 140 Mk., Römischkohl 70—80 Mk., Weißkraut 110—120 Mk., Tomaten (sehr reichlich) 95—100 Züricher Devisenmarkt. 7. 10. 4 •/. Preuh Aonsol, Darmstädter Dank . 'deutsche Dank . . . Dlaconto-Defelschast Dresdner Dank. . . sstationaldank f. D. . Mitteid. CrebitbonN. ft. Simerik Pakets. . Dorddeutscher Lloyd. Schwei,..... Spanien . . . . Wien (altes). . Veutsch-Oesterr. Prag...... Dudapest. . . . Bnlaarien . . « Aenftantiwopel. Buenos-Aire«. 3921,05 3928,95 3913,55 3921,45 866,60 868,40 866,60 668,40 1463,50 1466,50 1458,50 1461,50 2272,70 2277,30 2237,75 2242,35 2747,25 2752,75 2739,76 2745 25 4,50 Pf. ber dafür 130 Datum: Hm fr erlern. Doll erd. Drüstel.Anttoerp«, . Cßriftiania...... Kopenhagen ..... Stockholm ...... Aeffingfors...... Jtaiten........ London........ «euoork....... 6,43 6,47 5,88 6,02 129,85 130,15 129,35 12^65 18,03 18,07 17,93 17,97 Phdnix.Dergb -Akt.. Lad. Anitin» u. Soda Höchster Farbwerke. Elektt. A. E. G..... Schuckert.Werke. . . [felten.®uiUeauint. . Daimler....... Bub.» Eisenw.» 2stch . Mblerwerfce...... ♦7,6*11- Staatsanl . Llektton Vrieehell». 881,60 88.3,40 2137,85 2142,15 2157,80 2166^0 1588,40 1591^0 1593,401596,60 Framksvrt a. BL. 8 C*U>ber. Berliner Devisenmarkt. Geld Dries Gew Bri-s Aepsri (gewöhnl. Sorten Schafnasen ufw.) bis 150 Mk., edlere Sorten (Goldparmäne ufw.) Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden Datum: 1.7.11. Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Si^holm Wien.... London . . Mainzer Produktert-Vörse. Mainz, 7. Ott. Auf der heutigen Börse war ein reichliches Angebot an Webzen, während Roggen gesucht war. Da« Mehlgeschäft war im allgemeinen schleppend. Rach Kleien war die Rachfrage sehr groß und die Preise fester. Futtermittel fanden bei angezogenen Preisen flotten Absatz. In Sämereien bewegte sich das Geschäft noch in engeren Grenzen: neue inländische Rot- Heefaalen waren besonder« gesucht. Die Preise für AuSlandSzu cker geben infolge größerer Ankünfte und der niedrigen Preise für Inlandsware nach Hasernährmiuel und Graupen, ebenso Reis waren unverändert. Ramhafte Umfaße in Reis wurden nicht getätigt, da ber Konsum noch gut versorgt ist. Das Angebot tn Hülsenfrüchten blieb beschränkt, die Rachfrage wurde etwas lebhafter, wenn e« auch wegen der llnstcherheit am Devisenmarkt zu größeren Geschäftsabschlüssen nicht gekommen ist. In Rauhfutter war Heu unb Haserstroh in guten Qualitäten gesucht. ES notierten per 100 Kilo: Weizen 470—485, Roggen 380-400.Weizenmehl 00 mit 40 Pro». Auslands- mehl 735. amerikanisches Weizenmehl 925, amerikanische« Weizenmehl First Clear 850, Roggen- mehl 560—575 Weizen- unb Roggenlleie 270 bis 290 Weizenbollmehl 340, Futtermehl 340 bi« 360 La Plattmtais, neue Ware, 390—400 geschro- tener Mais 400—410, Hafer 390—410. 1920er italienische Luzerne, seidefrei, 3200—3700 1921er Proveneer ßujerne, seidefrei, 4203—4500. 1920er italienischer Rotklee 3<\X>-3600, 1921er italienischer Rotklee 4200 -4500, inländischer Rotklee 3800- 4200. weiße Dohnen 650-700. ungeschält» Viktoria-Erbsen 650 670 .geschälte Viktoria-Erbsen 800—850. Linien 1150—1300. Ferner notierten per Zentner lofc«1 Heu 115 gepreßte« Heu 125 bi« 130 gebündeltes Stroh 40—45. Preßstroh 40—45. LangSdorf, 7. Ott Am nächsten Montag findet zu LangSdorf ein Viehmarv statt. Ktauer»- vieh ist nur zugelalletr wenn e« au« unverseuchteu besfischen oder benachbatten preußischen Kreise« stammt Ein HriprungSzeugniS ber betreffenden Bürgermeisterei ober ein Zeugnis eine« beamteten Tierarztes über bie abgelaufen« Quarantäne muß beim Auftrieb vvrgezrigt werden. Auftrieb ist nur von 9—10 Uhr vormittag« zugelassen. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Sine Denkschrift der oderschlefischen Gewerk« schaftcn an den Völkerbund. Genf, 7 Okt (WTB.) Folgende oberschle- stschen Organisationen Der Allgemeine Deutsche GewerkschasiSburrd, Deutscher Gewerkschaftsbund unb Deutscher GeWerkschaftsring überreichten alS Vritreter von 220 000 Arbeitern und Angkstellten bem VölkerbundSriit eine Denkschrift, in ber geqen die vollstanbig irreführende Eingabe ber polnischen Regierung protestiert wird. An Hand einwandfreien Material« wird die polnische Darstellung über brr Betrieb« rat ^Wahlen wiberlegt unb bie Ausmerksamkell bc« VöllerdunbeS auf bie polnischen Wahlmanöver nach bem letzten polnischen Putsch tn Oberichlefien gelenkt. Die Denkschrift bebt hervor, daß ber polnischen Berechnung nicht ber geringste Wert zukvmme Sollte trotzdem ben Betriebsrat-Wahlen eine auSschlagge'ende Bedeutung zugewiesen werden, so beantragten die Verbände. diese Wahlen in Oberschlesien durch zuver- lästige Personen nachprüfen zu lasten. Englische WirischaftSpdlitik. L 0 n d 0 n, 7. Ott (WTB.) Heber den Chur- chillschen Plan in der Frage der Wechselkurse schreibt ber politische Mitarbeit« ber Dai h Mail': Man hoste, baß Churchill zurück sein werde, um an der heutigen Kabiuettssttzung ieilzunehmen. Churchill werde wahrscheinlich auf Hnterstützang rückständig« Kolonien brhigen. vorausgesetzt, daß ihre Ein kaufe in England stattfinden. Im Ka- binett bestehe eine deutliche Meinungsverschieben heit bzgl. der Stabilisierung derWechselkurse. Eine einflußreiche Gruppe von Minislern fet der Ansicht, baß im Hirchlick daraus, daß alle Bemühungen der Regierung, die Wechselttirse zu siabilisicren, toäßronb ber letzten 2 Zähre fehlgesthlagen feien unb fich im Hinblick auf diese Frage al« so gut wie wertlos erwiesen hätten, eine weitere Konsere^vz sehr unzweckmäßig sei, unb baß auch alle künftigen finanziellen Me- thoder zur Heraustührung einer Stabilität der Wechselkurse wertlos seien. Polen und Sowjei-Rustland. Pari«, 7. Ott (WTB.) Wie »Chicago Tribüne" au« Washington erfährt, ist vorgestern zwischen der polnischen und russischen Sowjetregierung eine Einigung Über die Ausführung be« Friedensvertrages von Riga zustande q cfomiTi cn. Die Schulden der AlMerte» an AmerSa. London, 7. Oft. (WTB.) Siner „Srchange"- nrelbung au« Washington zufolge hat stch der ame* ribiTrische Schatz lekrelär Mellon gegen eine Bezahlung der Schulden ber Alliierten an die Vereinigten Staaten mittel« deutscher und österreichischer Obligationen erklärt. Abreise der chinesstchen Delegation nach Washington. Pari«, 7. Oft. (WTV.) Wie die .Thica-o Tribüne" aü« Schanghai erfährt, ist die chinesische Delegation für die Abrüstung«- kons erenz vorgestern abgereist. Die besteht mtt dem Perfvnal au« 100 Köpfen. Die englisch-irische Konferenz. London, 7. Oktober. lWTD.) Wie Reut« erfährt, wird die Regierung auf der irischen Konferenz durch Lloyd George, Lord Birkenhead, Sir Hamar Greenwood, Chamberlain, Sir Laming Worthington forme Chu rchill vertreten fein. Der Zwischenfall tn Venedig. Pari«, 6. Ott (WTB.) Der Abgeordnete Dorrel wird nach dem Zusammentritt der Kammer die Regierung über die Zwischenfälle in Venedig unb über ihre Politik gegenüber Italien interpellieren. Fortdauer des Streik« in Nordfrankreich7 Pari«, 7. Oft. (WTB.) Wie der .Temp«- aus Roubaix meldet, haben die Hnterneßmer- verbände beschossen, die Verhandlungen für abgebrochen zu betrachten. ES ist zu bemerken, baß es sich noch immer um eine Lohnerhöhuna von 20 Centime« die Stunde handelt, unb baß ber vermittelnde Vorschlag des ArbellSministerS, eine Lohnerhöhung von 10 Centimes vorzunehmen, nicht bie Zustimmung beider Parteien gefunden hat. Aufstieg eines sozialdemokratische« Parteisekretär-. LudwigShasen, 7. Oft (WTB.) Der bekannte Sekretär der Sozialdemokratischen Partei, Friedrich Profit, hat einen Ruf bet Reichs- regieruna erhalten, als sozialpolitischer Referent tn das Staatssekretariat für die besetzten rheinischen Gebiete einzutreten. Prosll wird diesem Rufe Folge leisten unb sein Amt am 1. Rovember an treten. VLÄLDSiMLiÜM em roiirei, Jagendfrischei Antifa end einen arten, blendend schönen Teint. Alles dies erzeugt die beste LIBenmikhseHe v. Bergmann A Con RadebraL änftäüitt- Vastille» int. 'Vr* w» Oestafefltes »er TKefc- ■* »risntep Wl 6rtot, SÄT* iikAHU* U bi Uilltla m CuUlttb --ss-K Unterhaltung > Erhebung. Belehrung Englands Wirtschaftslage. I ferner verantwortlichen Minister gesagt, daß, wenn ' " ’ y * | bie europäischen Märkte nicht wiederzugewinnen kritischen Es on- I E mit der dadurch, daß sie Rohmaterial in ihren verarbeitet und das Produkt an das verkauft, um die Mittel für den Gin- Rahrung und neuem Rohmaterial zu der mit unterhalt Fabriken Ausland kauf von erhalten. öem schre W fiao Ul den den 3el bei „ , „ . ... ____andern zu verwechseln, sie nicht eines dem andern hinzuzufugen. Ich konnte es nicht: ichkonnteesnicht!... vier Vord maße der C schieb G sidiu den? wohn sreii aller Bet in e deni spra wirk geko litzei tteir leist über in bi llnDt WS rome Zchd lang noch last« lion lenk toer, Ilm die gegenwärtige englische Pvlittk, die daraus hinausgeht, von den üblen wirt- trci „w fa gei un der beb mir den M schaftlichen Diktaten der sogenannten Friedensverträge sich abzuwenden, richttg verstehen und würdigen zu können, muß man sich in die Lage hineinversetzen, in die daS Inselland seit 1918 eingetreten ist. Der amerikanische Finanzmann D a n d e r l i p veröffentlicht gerade darüber in seinem Buche „W aS Europa geschehen i ft“ (Drei-Masken-Verlag, München) die interessantesten und wichtigsten Informattonen. Seine Reiseerfahrungen liegen zwar schon zwei Jahre zurück, aber gerade jetzt verblüfft sein scharfes Erkennen und seine klare Zusammenfassung der wirtschaftlichen Zusammenhänge den Leser, der alle Prophezeiungen deS Amerikaners heute bestättgt sieht. Wir geben aus dem wichttgen Kapitel „England“ mit Kürzungen folgenden Ausschnitt wieder: Seit der Geburt des modernen Industrialis» inus ist England auf dem Gebiete der internationalen Industrie führend gewesen. Sein großer industrieller Vorteil beruht in seinen Kohlen und seinen Arbeitern. Die Bevölkerung ist zu zahlreich, um sich von einheimischen Vorräten ernähren zu können, und verdient ihren Lebensumgepflanzt worden, die sich die Mühe gemacht hatten, ihn mit Stangen zu stützen, da sie glauben, daß es „der Daum der Erkenntnis des Guten und Dösen", von dem in der Genesis erzählt wird, ist. Das Dorf Kurna liegt am Ufer öeiS Tigris, und in seiner Rähe teilt sich der Schat-el-Arab in den Tigris und Euphrat. Es ist nicht groß, aber dicht bevölkert: die Einheimischen leben in Hütten aus an der Sonne getrockneten Lehmziegeln, in bereit Dau sie sehr geschickt sind, und ihre Hauptbeschäftigung ist die Dattelzucht. Eine andere Frucht, >ie hier gesunden wird, ist die Feige, die im Ueber- luh wächst: wenn sie in den Tagen von Adam und Eva ebenso reichlich vorhanden war, so habe« diese in der Tat keine Schwierigkeiten in der 25- ung der Kleidersrage gehabt. Ratürlich wird man nicht erwarten, den Garten Eden so zu finden, wie wir ihn in der Dibel geschildert sehen. Ich kann nur bestimmen, daß er nicht so ist, sondern ehr trocken und überhaupt nur eine geringe Aehn- lichkeit mit einem Garten aufweist. An beiden Ufern des Flusses stehen an dieser Stelle ein paar »undert Meter ins Land hinein Dattelpalmen, darüber hinaus erstreckt sich, soweit daS Auge reicht, nur sandige Wüste. Das Klima ist sehr heiß. Während der Sommermonate sind Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius im Schatten ganz gewöhnlich: diese hohe Temperatur hält bis zum September an, dann beginnt es viel kälter zu werden, und zur Weihnachtszeit sieht man wie in Europa gar nicht selten Schnee. Bei den Besuchen aller dieser Stätten, die in unserer Vorstellung eine so große Rolle spielen, nicht nur bei diesem vermeintlichen Garten Eden, sondern auch an den historischen Stätten von Babylon, Rineve und anderen in Mesopotamien muh man eine starke Phantasie aufbieten, um sich vorzustellen, daß diese unfrucht« bare Wüste einst der Ort einer hochentwickelten Kultur gewesen ist. Mamhmal belehrt mich mein Glauben tn einem am>ern Sinn, und ich möchte gegen den Irrtum, fhp räq>en zu wollen, schreien und euch anflehen, dieses schrectllche Band zu zerbrechen, das ihr zwischen die Leiden zu setzen versucht. Es ist eine schwere Last für mich, das Recht «worben zu haben, so scharf zu ttchten. Es ist nicht jebem gegeben, einmal im Leben zufällig ein Wesen vollständig genug geschaut zu haben — sei es auch nur daS eines Tieres — um zu sehen, daß es wenig wahre Verschiedenheiten unter denen gibt, die leiden Banen. Es ist schwierig, die Wahrheit zu sehen und he un Auge zu behalten. Es braucht dafür eine Vorbereitung und auch ein Zusammentreffen von Estanden. Im Lause der Tage verwirrt sich alles. Der Irrtum bekommt ein Harles Gewicht, und wir ' JJH® J? klein, daß unsere kleinen Gedanken unS das Unendliche verbergen. Ich streifte die Tatze, die zu leicht auf Erde lag, und meine Finger vermischten sich ..... den halb herausgestreckten Krallen. Diese Krallen! Sie waren es ... Er hatte sie getötet, sie, mit den Krallen. Er hatte ihr östliches Fleisch mit diesen häßlichen und verbrecherischen Krallen be- udelt. 6 S eini-er ßloc'rr den ‘5 M. genieß eine 2 starre gegen: Parte Stege auf Stoa D hüi V & bl 2 fu ai 2 ni na be ba 6ii be ur M Ul m men und preßte ihn zitternd an mich, während er einen Kopf auf meinem Herzen ruhen ließ! Da sah ich wie ein Schlafender, der erwacht, wie ein befreiter Blinder, die Wahrheit ihre Form ändern. Ich begann schrecklichere und süßere Dinge zu entwirren, als ich bisher fähig war, auch nur ; u begreifen: den unberechenbaren Wert des Lebens, der Bewegung, alles dessen, was ich durch eine dumme Richterentscheidung in den Schmutz getreten hatte, in die Verwesung, in den Staub. Ich hatte diese älnbeweglichkeit der andern hinzugefügt — der dieses Reinen Engels, der da unten lag tote ein Gekreuzigter. Ich hatte den Tod unerbittlicher und gemeiner gemacht. Alles war schlimmer als vorher. Der Mord Flüssige Gase. , Verflüssigung der meisten Gase bereitet be tzutage feine ScAvierigkeiten mehr, seitdem Xl’ tl-a! Temperaturen zu erzeugen. 2?fkPt ^stiert eine bestimmte Tempera- ,rL^rLf^tf?C^rnt>eratut)- oberhalb deren es £4 Das - selbst unter Anwendung Drucks - flüssig zu machen. Ie tiefer die Gastemperatur unter der ktttischen liegt, um so leichter geht das Gas in den flüssigen abe — nein, nicht jemand. . . doch, jemand! — ich behielt eine solche Achtung vor dem Leben, daß ich mich niemals mehr darüber täuschen werde, daß die Frage recht vielseittg ist und wenn ich, abseits in einem Feld, unbeweglich wie eine (Bogel- cheuche, Säger sehe oder vielleicht Kinder, die nach Schmetterlingen jagen ober selbst Fischer, die nicht so viel davon wissen wie ich, so bebaute ich diese ®tn Besuch im ©arten Eden. Mesopotamien ist immer ein Land der Mühen gewesen so schreibt ein englischer Reisender, wenn wir auch daran gewöhnt sind, von ihm von dem Ande zu sprechen, in dem Milch und Honig stießt. Wenn man in Basra ankommt, wird man sehr cbncl! Don dieser Milch- und Honig-Theorie bekehrt. Eines Morgens ging ich in ein kleines Fluß- boot, um einen Besuch in den „Garten Eden" zu. machen. Die Reise den Hchat-el-Arab hinauf, ist in der Tat sehr interessant, aber die Bilder sind recht verschieden von denen, die wir in Europa zu sehen gewohnt sind. Die Ufer sind dicht bedeckt mtt Dattelpalmen, und in den Monaten März bis September kann man die Dattel in großen Büscheln an den Gipfeln der Bäume hängen sehen. Hin und wieder erblickt man Kadaver von Ochsen Mauleseln, Schafen usw., die den Fluß hinabtrei- 6en, und wenn ein solcher an das Ufer getrieben wird, so stürzen sich zahlreiche Schakale und Geier auf ihn. Ein anderer interessanter Anblick war der Harem eines alten Araber-Scheiks, von dem erzählt wurde, daß er 190 Frauen hätte. Als wir in Kurna, das von vielen Qtutoritäten und von den Arabern als der ©arten Sden angesehen wird, eintrafen, gingen wir an Land, und das erste,' was wir sahen, war ein alter Daum, der äugen- cheinlich schon seit vielen hundert Iahren abgehoben war. Dieser Baurn war von den Arabern Vvn ihr zu wenden wagte, hatten mich ihr Lächeln und ihre Anmut am meisten gequält Ich wurde £^101101 der Feinheit ihrer Stimme, der Leichtigkeit chreS Ganges, der Kleinheit ihrer Hande. Und ich sträubte mich Der Löwe . . . Der Löwe! Da, gegen Mitternacht wurde ich von einem Anfall verzweifetter Wut gegen den verfluchten groben Löwen gepacht. Ein Gedanke schoß mir ^Pf: mich zu rächen, ihn zu töten! Unö wankend erhob ich mich, um ihn zu töten, durchlief einen Gang, die schräge Leinwand des Zirkus entlang, und kam zu den Käfigen, mtt der brennenden Lampe in der einen Hand und meinem Revolver in der andern. Ich entsinne mich der Einzelheiten nicht mehr. Gam hinten, gegen die Gitterstangen zu, bewegte sich die riesige Masse. Dann, in der Souveränität seines Schlafes gestört, stand der Lowe, sich dehnend, auf, feindselig, wild; seine Klauen zerfetzten die Planken, ein heiseres Grollen kam aus der Tiefe seiner Kehle. Ein rasender Zorn stieg in mir hoch. Ich streckte den Arm aus. Einmal, zweimal, sechsmal feuerte ich Der scheußliche, riesige Schatten sprang hoch auf tote ein Haus, das durch eine Mine in die Luft fliegt Er schüttelte sich fürchterlich, und ließ toie ein Orkan den Käfig und all' die Daracke ringsum, ja, man konnte fast sagen, die Erde selb erzittern. Darm stieß er ein leises klagendes Miauen aus, aus dem man das tiefste Leid heraushorte. Er schnaufte, wälzte sich, und ich hörte ihn seine Wunden lecken. Das Herz mußte ihm zerfetzt sein von den Kugeln. In einem Augenblick erfüllte sein Dlut den Käfig und tropfte nach außen. Ich stand erstarrt, stumpfsinnig; ich wußte nichts mehr. Aber plötzlich bemächtigten sich meiner scharfe, jammervolle Gewissensbisse. Ich trat in den Käfig ein. ging zu dem Tier hin, kniete vor ihm nieder und horte, wie meine Lippen es um Verzeihung baten. Es horte auf, sich zu lecken, blieb einen Augenblick unbeweglich, dann stützte es sich leise gegen mich, zeigte mir seine riesige Wunde, aus der das Dlut toie aus einer Quelle floß. So blieben wir beide nebeneinander, ohne verstehen zu Eönnen. Der große Leib fuhr fort, sein Dlut zu verstromen und ein ganz leises Röcheln, verschleiert, erstickt, als wäre es nur für mich allein bestimmt, hören zu lassen. Ach! Dieser zu schwache Schrei, der ganz leise zu mir zu sprechen schien! . . . Das gesträubte, riesenhafte Gesicht, voll Dunkel, neigte ich nach und nach der Erde zu, und toie eine Lampe sah man die grünen Feuer feiner Augen tnfen. Gebückt, hingeworfen über ihn, sah ich ihn an und tour de von einer Art höchster Verwunderung ergriffen, ihn so groß, so stark und so schön ge- chaften zu sehen. Ich forschte im dämmernden Smaragd seines Dlickes, ich betrachtete ganz aus der Rähe die Formen seines Leibes, stark, fest und toie aus Holz geschnitzt unter ihrem dichten Samt: der betoun- i >ernswürdige Körper schien für ein außergewöhnlich^ Geschick voller Abenteuer und Siege be- timuit Ich streckte die Hand aus und berührte einen Kopf, Den riesigen unbeweglichen und dunklen Kopf, der trotzdem eine Welt war. 2ch hatte vierzehn Tage Zeit, die Arbettsver- hättnisse vom 1. Februar ab zu beobachten. Zu der Zeit lähmten Streiks in der Hintergrund- und Vorortbahn das Verkehrssystem vvn London. Als ich in den ersten Maitagen nach London zurückkehrte, fand ich die Lage so verändert wie nur möglich. Der gesunde Menschenverstand, der dem englischen Volke innewohnt, hatte sich bewährt. Die Einsicht der Arbeiterklassen und die Haltung der Regierung, des Publikums und der Unternehmer gegen die Arbeiterschaft hatten sich in einer wenigstens zeitwelligen Losung vereinigt, die anscheinend jede unmittelbare Gefahr einer gewaltsamen oder revolutionären Entwicklung be- settigt hat. Während dieser Zeit war durch die tatsächliche Beilegung der Schwierigkeiten ein wesentlicher Fortschritt gemacht worden. Aber von viel größerer Bedeutung war die allgemeine Atmosphäre; es handelte sich nicht so sehr um bloße Zugeständnisse als um die gemeinsame allseitige Anerkennung einiger grundlegender Prinzipien. Diese war erfolgt angesichts oder viellächt wegen einer rapid anwachsenden Armee von Arbeitslosen, die in dem Maße zunahm, als die Demobilisierung des Heeres fortschritt. Diese Armee erreichte um den 1. Mai die Zahl von über einer Million, die von der Regierung eine wöchentliche ttnterstühung in Sjö&e von neunundzwanzig Schilling pro Mann nebst einer Zulage für minderjährige Kinder erhielten und die dem Staate über eine Million Pfund wöchentlich kosteten. Damit war die Gesamtsumme des Aufwandes für Arbeitslosigkeit seit dem Wasfenstill- stand auf über fünfzehn Millionen Pfund gestiegen. Die Arbeiterführer, mit denen ich gesprochen habe, machten auf mich einen tiefen Eindruck. Es waren Leute, die sich von unten herauf- gearbeitet hatten; aber sie waren keine Agitators. Alle stimmten darin überein, daß der Flügel der Arbeiterpartei, der es für wünschenswert hielt, die gegenwärtige Ordnung des kapitalistischen Staates zu überwinden und durch eine kommunistische Gesellschaft zu ersehen, nicht mehr als zehn bis fünfzehn Prozent der organisierten Arbeiter betrug. Die Unternehmer fangen an, sich zu fragen, ob nicht die Industrie kurzsichtig gewesen ist, als sie die Arbeiter dauernd in einem Zustand der Sorge über die Sicherheit ihrer Lage ließ, und zum mindesten zu erwägen, wenn nicht geradezu zuzugeben, daß die Industrie bei einem System von Arbeitslosenversicherung besser fahren würde. Die Ansprüche der Arbeiter auf einen größeren Einfluß in der Leitung der Industrie sind mtt Aufmerksamkeit aufgenommen worden, und es herrscht überall die Ansicht, daß in Zukunft die Arbeiterschaft einen größeren Anteil an dem Ertrag der Industrie haben wird und gerechtertoeife haben sollte, sei es in der Form vvn Gewinnanteilen, oder, was wenigstes für die Gegenwart praktischer scheint, durch Mindestlohne die sich über dem Minimum des Lebensbedarfs halten. Vielleicht das Bedeutsamste, was sich für mich aus diesen Besprechungen ergab, war der Eindruck von einem zähen Optimismus in der Gesinnung aller Kreise, einem Glauben in die Macht und Intelligenz Englands und der Engländer. der mehr oder weniger bewußten Lieber- zeuguna, daß sie schließlich ein Verhältnis zwischen Arbeitern und Kapital ausarbeiten würden, in dem alle scheinbaren Opfer, die das Kapital au bringen hätte, mehr als wettgemacht sein würden durch die erhöhte Leistung eines befriedigten Arbeiterstandes. Immerhin war der Kampf um die neutralen Märkte so scharf, daß er mit wachsendem Gewicht auf England lastete. Der selbstverständliche Weg, die Preise niederzuhallen, war nach Ansicht der meisten Fabrikanten der, die Löhne niederzuhalten. Dem widersetzte sich die umfassendste Gewerkschaftsorganisation der Welt. Fünfundachtzig Prozent der Industriearbeiter Groh- bvttanniens sollen in Gewerkschaften organisiert sein, und die Führerschaft ist tm allgemeinen sehr hochwertig. Im ganzen haben sich die Kräfte die die Löhne niederhielten, tn den zwanzig Iahren vor dem Kriege ungefähr so stark gezeigt wie die Kräfte, die sie zu erhöhen suchten, llnd der Erfolg fit während dieses Zeittaums der gewesen, daß sich entsprechend den erhöhten Llnterhalts- kosten die ßebenSführung der Arbeiter keineswegs gehoben hat, tm ganzen glaube ich sogar, zurückgegangen ist. Was auch immer die Zahlen der Statistik besagen mögen, mindestens zwei große Tatsachen stehen fest: Eine von diesen ist oer gesundheitliche Rückgang. Die Gesundhetts- stattstik, die daS militärische Iahrbuch veröffent- ltcht, zeigt, daß ein Drittel der männlichen Bevölkerung tm kampffähigen Alter den militärischen Anforderungen nicht gewachsen war. Die andere große, auffallende Tatsache, die den Lvhntaris der britischen Industrie für ein Existenzminimum als unzureichend kennzeichnet, zeigt sich tn dem großen nationalen Wohnungsproblem. Die nackte Wahrheit ist, daß die englischen Arbeiter während der letzten Generation so unteraahU worden sind, daß sie nicht imstande waren, sich ebt Dach über ihrem Kopse zu schaffen. Der Vorsprung, den England tn der letzten Generation tm Vergleich mit Amerika und, ich glaube, tn mancher Hinsicht mit Deutschland besaß, war der Vorsprung eines Lvhntarifs, der durchschnittltch tiefet war als das Minimum, bet dem die gesundheitlichen Kräfte der Arbeiter erhalten werden konnten. Um erfolgreich auf neutralen Märkten konkurrieren zu können, hat die ^britische Industrie einen Vorschuß vvn der Zukunft genommen, einen Vorschuß auf die Gesundheit ihrer Landsleute, einen Vorschuß, der ihren ^ohnungsbestand aufgezehrt hat; dieser Vorschuß muß jetzt wieder ausgeglichen werden zu Lasten der Ration. Das bedeutet, daß der Vorsprung, den die britische Industrie hatte, zum größten Teil aufgehoben ist. Gäbe es nicht die Hoffnung, die Güte der Produktion zu steigern, so wäre der Ausblick für die britische Industrie in dieser Beziehung sehr düster; denn sobald der Vorsprung der niederen Löhne verloren ist. ist Englands Konkurrenzfähigkeit, besonders mtt Amerika, ernstlich gehemmt. Die Faktoren, die ich betrachtet habe, sind tn den Verhältnissen vor dem Kriege begründet. Der große Abnehmer Englands war der Kontinent von Europa, und das englische Leben ist in einer Weise organisiert, daß Europa als Markt für feine industrielle Produktion unentbehrlich ist, wenn es jenen Ueberschuß erwerben soll, den es braucht, um seine Rahrungsmitteleinfuhr aus anderen Andern zu bezahlen. Es tft nun eine kaum zu übersehende Verwirrung auf dem europäischen Markt eingetreten. In einem anderen Kapitel habe ich einiges über die kontinentale Industrie gesagt, über den Zusammenbruch des einheimischen kontinentalen Transportshstems und über das Chaos der Währungen und des Kredits. Diese desorganisierenden Faktoren in das exakte Gleichgewicht des kommerziellen und industriellen Mechanismus eingeführt haben aus ihm eine solche .Ruine gemacht, daß verglichen mit dem materiellen Schaden, den der Krieg unmittelbar verursacht hat, das Hebel nach dem Kriege weit einschneidender ist als die direkte Zerstörung durch Bomben und Granaten. ES ist wesentlich für die Fortsetzung des britischen industriellen Lebens, daß es seine europäischen Märtte wieder^gewinnt. Das bedeutet, daß die Rachfrage auf diesen Märkten effektiv gemacht werden muß dadurch, daß man den Käufern den Kredit gibt, den sie haben müssen, um ben kommerziellen Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Das kann nicht mit Erfolg geschehen bevor die Industrien Europas selbst wieder in ^Betrieb genommen und die müßigen Hände wieder an die Arbeit gelegt sind, so daß Europa selbst dazu helfen kann, zu einem normalen Industrieleben zurückzukehren. Es kann keinen dauernden internationalen Handel geben, es sei denn daß beide Parteien beim Geschäft etwas zu bieten haben. Europa kann nicht von England kaufen, ohne daß Europa etwas hervvrbringt womit es die außereuropäischen Staaten bezahlen Tarnt. Englands Aussicht, die europäischen Märtte wiederzugewinnen, hangt infolgedessen davon ab, daß die europäische Industrie wieder in Gang kommt. Wenn das nicht schleunig geschieht und eine kontinentale Rachfrage nach englischen Waren wieder hcrgestellt wird, wird Englands Industrie- tage kritisch werden. Hnd in der Tat hat mir einer Verbrecherisch? . . . Rein! Unschuldig, gab nur einen Schuldigen: mich! . . . Hnb fasst ausgestreckt auf dem Tier, dessen Herzschläge aussetzten, unendlich wurden, umfing ich den riesigen sterbenden Körper mit meinen Ar-