Montag, 171. Jahrgang Nr. 183 Der •ifMner anjeiger mit der Dienstagsbeilage ,Sp»rt = Umfd)aee er- schein: täglid), aufcer Sonn, und feiertags. »•latlidK Btwgiprelfe: T’arN 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 eichchließlich Bestellgeld. Aerniprech-Anschlüsse: fflrbieSdiriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anreißer Lietzen. poftschetttonto: Sronffurl a. M. 11686. 8. August 1921 Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer Die zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Sreis für \ mm höhe füi »zeigenv 34mm Brette örtlich 40 Pf, auswärtr 50 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180 Pj Bei Platz- Vorschrift20' „Aufichlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Sieben. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und.Verleg: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steiudruderei H. Lenge. Schnstteltung, ßefdiäftsfieHe und Prudcrtt: Schulstratze 7. eher einenKalender, als einenAtlas befragen. Die oberfchlesische Krise fei eine Krise der Dauer der Allianz. Sie zeige den Augenblick an. in dem England glaube, aus dem Wege, der zur Schwächung Deutschlands führe, weit genug gegangen zu fein. Im August 1921 hätte es einen anderen Grund nicht gegeben, wenn es keine oberfchlesische Frage gegeben hätte. Aus diesem Grunde fei es unerläßlich, daß man die Dinge so sehe, wie sie liegen. Die erste Besprechung Lloyd Georges und Briands. Paris. 8. Aug. (WTB.) HavaS. Lloyd George hatte gestern abend D r i a n b zum Essen im Hotel Trion eingeladen. Das Essen trug durchaus intimen Charakter. Rur Sir Robert Home und zwei Sekretäre Lloyd Georges waren zugegen. Rach dem Essen unterhielten .sich die beiden Minister ziemlich lange unter vier Augen. Heute vormittag wird keine Sitzung des Oberften Rates stattsinden. In Anbetracht der späten Ankunft des italienischen Ministerpräsidenten B o n o m i wird die Sitzung, die im Ministerium des Auswärtigen stattfmden wird, erst um 3 Uhr nachmittags beginnen. Während des Vormittags wird sich Lloyo George mit den englischen Sachverständigen besprechen, die an den Arbeiten des mit der Vorprüfung der oberschlesischen Frage beauftragten Ausschusses beteiligt waren. Der „Temps" Über die „Cntschciduug von weittragender Bedeutung". Paris. 7. Aug (WV.) Der „Temps" weist in seinem Leitartikel darauf hin, daß in dieser Woche eine Entscheidung von wetttragendster Bedeutung gefällt werde. Dem Ernst des Augenblicks könne niemand entgehen. Die Völker wie die Regierungen seien gezwungen, sich darüber Rechenschast abzulegen, da die Zukunft des europäischen Friedens aus dem Spiele stehe. Wenn man keine Lösung der ober- schlefischen Frage finde, die Frankreich als gerecht ansehen könne, dann müsse Die oberschle- sische Frage in suspenso bleiben, denn keine französische Regierung könne einer Regelung zustimmen. die die Vollsmassen für ungerecht halten. Franrret'ch werde fid) Dann aus sich selbst zurückziehen, einztg damit beschäs- ttgt, einem deutschen Angriff vorzubeugen. In Deutschland aber würden die Parteien der Reaktion und der Revanche triumphieren, und in England werde das Voll feststellen, day der Friedensvertrag vonVersailles bankrott gemacht habe, und es werdeR e ch e n s ch a f t dafür fordern. Das wolle man doch sicher nicht. Also, so schließt das Blatt, einigen wir uns unter dem Zeichen der Gerechtigkeit, denn unter diesem Zeichen haben wir gesiegt. Die Tagung des Obersten Rates. Paris, 7. Aug. (Wolff.) Am Vorabend des Zusammentritts des Obersten Rates stellen die Zeitungen fest, daß Frankreich und England über die meisten Punkte der allgemeinen Politit nicht so ganz überein stimmen. Das sei aber fast vor jeder Sitzung des Obersten Rates der Fall gewesen, und es fei daher geraten, nicht schwarz zu sehen, sondern der Lage ins Gesicht zu schauen, ohne aber eine einzige Schwierigkeit zu verkennen. Lloyd Georges Stellung fei diesmal durch die Zustimmung des britischen Reichsrates besonders gestärkt: Briand werde daher unter schwierigen ‘Bedingungen die Rechte Frankreichs zur Geltung zu bringen haben: das dürfe aber nicht abschrecken. Auf der Tagesordnung der Konferenz steht außer der Frage der Entsendung von Truppenverstärkungen nach Oberschlesien und der Zuteilung des Abstimmungsgebietes die Frage der Aufhebung der Zwangsmaßnahmen am Rhein, die Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten, die Frage der Herstellung von Luft- schiff material für den Verkehr in Deutschland, die Orientfrage und die Frage der Hilfe für Rußland. Jedenfalls wird auch die finanzielle Lage Oesterreichs behandelt. Der österreichische Gesandte in Paris soll gestern, dem „Petit Journal" zufolge, auf dem Quai d'Orsay gewesen sein, um auf die kritische Lage Oesterreichs hinzuweisen. Rach dem „Petit Journal" ist noch nicht sicher, ob die albanische Frage auch auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt wird. Für die Dauer der Konferenz sind acht bis zehn Tage vorgesehen. Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie der „Petit Parisien" glaubt, wird in der heutigen Sitzung des Obersten Rates beantragt werden, die m i I i - tLrisch en Sachverständigen über die Lage in Oberschlesien zu vernehmen. Es werden jedckifalls gehört werden General L e - r o n d, Sir Harold Stuart, General d e M a - r in i und Marschall Foch. Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie das „Echo de Paris" aus englischen Kreisen erfahren haben will, besteht die Meinung, daß in der heutigen Sitzung des Obersten Rates die Frage der Verstärkungen für Oberschlesien nicht an erster Stelle besprochen werden wird. Man könne nützlicherweise diese Frage erst besprechen, nachdem man sich über die deutsch-polnische Grenzlinie geeinigt haben wird. Die amerikanische Arbeiterschaft am Scheidewege. William English Walling, ein bekannter amerikanifcher Nationalökonom, Sozialist und jetziger heftiger Antibolschewist, veröffentlicht in. den „New Vork Times" folgende Ausführungen: Zum ersten Male in fünfundzwanzig Jahren fieht sich die amerikanische Arbeiterschaft über einen wichtigen Prvgrammpunkt gespalten. Aus der Jahresversammlung der American Federation os Labor (des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes) in Denver ist Eompers als Vorsitzender wiedergewählt und sein Gegenkandidat Lewis besiegt worden. Aber Lewis hat mit einer radikalen Plattform ein volles Drittel aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Dabei haben die Sozialisten, die zweifellos Radikale sind, nicht für ihn gestimmt, sondern für Gompers mit der Begiündung, Gompers Wiederwahl sei ja Doch nicht zu nngeben; ohne diese paradoxe Haltung wäre die Zahl der Prv^eststimmen noch viel größer gewesen. Gompers und Lewis sind auf ihre Weise beide als Fortschrittler anzusprechen — außer in einem wichtigen Punkt. Lewis hat ein politisches Programm in den Vordergrund gestellt — und das ist ausgesprochen radikal; in Wirifchafts- und Gewerkschaftsdingen dagegen ist er ziemlich gemäßigt. Gompers umgekehrt ist in politischen Fragen gemäßigt (nicht konservativ, wie man oft behaupten hört), in wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen - für ihn die weitaus wichtigeren — steht er auf der Seite der Radikalen, obgleich nicht der Extremisten, und ist jedenfalls aktivistischer alS Lewis. Zur Zeit des letzten Kohlenstreiks erklärte Lewis, er sei vor allem Amerikaner, und er fügte sich dem schärfsten antigewerkschaftlichen Agitationsverbot der amerikanischen Geschichte. Bei einer ähnlichen Gelegenheit hatte sich Gompers bereit erklärt, sich einsperren zu lassen. Das war der stolzeste Augenblick in Gompers' Leben, und diese Haltung hat ihm ohne Zweifel auf der Gewerkschaststagung den Sieg verschafft. In betreff der Rechte des Arbeiters auf wirtschaftlichem Gebiet kennt Gompers kein Kompromiß, höchstens ein Rachgeben in taktischen Fragen. Zum Extrem getrieben, müßte Gompers' Politik in die Richtung des Syndikalismus führen, aber er treibt sie nicht zum Extrem. Ganz entsprechend würde die Plattform, auf der Lewis an die Tagung appelliert hat, klärlich zum Sozialismus führen: aber Lewis ist kein Sozialist und geht auf diesem Weg nicht über eine bestimmte feste Grenze hinaus. Sein Programm ist: Verstaatlichung und demokratische Verwaltung der Eisenbahnen und Kohlenbergwerke und tzozialisierung der Bodenschätze. Aber über diese Fragen gab es auf der Denver-Tagung kaum zweierlei Meinung: die Mehrheit für die Verstaatlichung der Bahnen z. B. war noch überwältigender als voriges Jahr, und Gompers hat sich zum zweiten Male verpflichtet, die Beschlüsse des Gewerkschaftsverbandes treulich auszuführen. Trotzdem ist in der Stimmung des Kongresses sichtlich ein Umschwung eingetreten. Dor zwei Hahren war die Majorität noch für reine Verstaatlichung. Dann wurde durch das nach seinem Verfasser als „Plumb-Plan" bekannte Programm die demokratische Verwaltung im gemischtwirtschaftlichen Betrieb pi den Vorder- runo gerückt. Aus der vorjährigen Tagung des Verbandes in Montreal sprach sich die Mehrheit für demokratische Verwaltung ohne spezifizierten Wirtschaftsplan aus. Und jetzt treten die Eisen- bahnerverbände. unterstützt durch Gompers und seine Beamten, für eine Suspendierung des pvliti- der amerikanischen Arbeiterverbände in die untergeordnete Abteilung einer radikalen politischen Bewegung fort bauern. Für die nächste Zukunft indes bedeutet das Ergebnis von Denver folgendes: Die amerikanische Arbeiterschaft mag sich im kommenden Jahr in erbitterte Wirtschaflskämpfe einlassen, an einer radikalen politischen Bewegung wird sie nicht teil- nehmen. Sollte sie in einigen Jahren doch so weit sein, so wird bis. dahin der politische Himmel ein ganz anderer sein — der Bolschewismus wird völlig diskreditiert sein, die Extremisten (vorwiegend europäischer Herkunft) werden sich einigermaßen beruhigt haben und ein Eintritt der amerikanischen Arbeiterschaft in die Politik unter so veränderten Auspizien wird (wenn es dazu kommt) wesentlich andere Züge tragen, als das heute der Fall wäre. Für heute also steht die amerikanische Arbeiterschaft noch außerhalb der Kontrolle der revolutionären und halbrevolutionären Radikalen, und ihre Hauptenergie wird nach wie vor dem wirtschaftlichen Kamps gelten. Rach der Vergangenheit zu schließen, wird dieser Kampf in erster Linie ein Defensivkamps (konservativ) sein, aber er wird Auch den Angrifi (radikal) nicht scheuen, wo die Rotwendigteit ihn heischt. Herr Gompers hat bewiesen, daß er sich wohl bewußt ist, daß die Arbeiterschaft nicht vorwärts zu tommen hoffen darf, wenn der Rest der Ration einhellig gegen sie ist. Darum ist sein Ziel: die öffentliche Achtung zugleich zu erwerben und zu erzwingen. Ist der Arbeiterschaft das einmal gelungen, dann wird auch eine Konzentrierung ihrer Kräfte aus Das politische Gebiet zu ganz anderen Resultaten führen, als sie heute zu erreichen beanspruchen dürfte. schen Programms und für die Verschiebung des im Kongreß einzubringenden Initiativantrages zur Verstaatlichung der Eisenbahnen ein. Prinzipiell sind ja alle wichtigen Gewerkschaften auf das Sozialisierungsprogramm festgelegt, aber ihre Haltung hat in letzter Zeit so starke Veränderungen erfahren, daß die Maßnahmen die sie beute unter diesem Ramen Vorschlägen ' würden, von allen früheren Entwürfen bedeutend abweichen dürften. Die Meinungsverschiedenheit zwischen Gvm- perS und Lewis liegt nun hauptsächllch darin, daß Lewis die Frage der Verstaatlichung und verwandter politischer Reformen (staatliche Versicherung gegen Alter, Krankheit and Arbeitslosigkeit) zur vorherrschenden machen will. Der Gegensatz sviht sich zuletzt auf die Frage zu: soll die organisierte Arbeiterschaft sich in erster Linie auf den Einfluß verlassen, den die radifal- liberalen Wähler aller Klassen auf die Regierung haben könnten, oder soll sie fortfahren, der Erhaltung und Vermehrung ihrer wirtschaftlichen Macht ihr Hauptaugenmerk zuzuwenden? Die radikalen Außenseiter, Sozialisten and Pseudo-Liberale, die durch ihre Publikatwnen, Preßverbände und zahlreiche weitverzweigte Organisationen einen großen und ständig wachsenden Einfluß aus die Arbeiterschaft haben, ziehen das politische Programm vor, das, wie im heutigen England und einigen anderen Ländern, die Arbeiterbewegung großenteils in ihre Hand geben würde. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der Stimmzettel für Lewis. Zum erstenmal haben die amerikanischen Anhänger der halb-revolutionären Ideen und Der britischen Arbeiterpartei einen starken Kandidaten für den Gewerkschaftsoerband aufzustellen vermocht. Sie sind Wohl unterlegen, aber der Fortschritt ihrer Sache ist offenkundig, und mit Hilfe der sozialistischen und pseudv-- liberalen Publikationen — die hundertmal'besser finanziert sind als die eigentlichen Gewerkschafts- pigane — wird die Kampagne zur llmtnandtung Die neuen Steuerpläne. Berlin 6. Aug. (Wolff.) Amtlich. Die Beratungen des Reichskabinetts über die neuen Steuern sind zu einem gewissen Abschluß gekommen. Heber die gesamten Steuerpläne des Reichsfinanzministeriums kann folgender ileber- blick gegeben werden. Es liegen folgende Gesetzentwürfe vor: 1. Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Zucker st euergesehes. — Erhöhung der Zuckersteuer von 14 auf 100 Mark für die 100 Kg. 2. Entwurf eines Sützstoffgesehes. 3. Entwurf eines Gesetzes über dasD rannt- weinmonopol. — Erhöhung der Hektolitereinnahme von 800 Mark auf mindestens 4000 Mark unter völliger Umarbeitung und Vereinfachung des Gesetzes. 4. Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erhöhung einzelner Verbrauchssteuern: a) Erhöhung der Leuchtmittel st euergesehe auf das Vierfache, b) Verdoppelung der Süßwasser- steuer und der Mineralwasser st euer, c) Erhöhung der Bier steuer usw. um das Vierfache unter gleichzeitiger Erweiterung der Spannung zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Steuersatz, d) Beseitigung der Ermäßigung der Tabak st euersätze (886 des Tabaksteuergesetzes) unter gleichzeitiger Umgestaltung der obersten Steuerklasse für feingeschnittenen Rauchtabak, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak. 5. Entwurf eines Gesetzes über die Erhöhung von Zöllen und Erhöhung der Zollsätze für Bananen, Datteln, Kaffee, Tee, Gewürze, Kakao und Schokolade, sowie für eine Reihe von Waren, die für den allgemeinen Verbrauch nicht wesentlich sind ober nur dem Luxus bienen. 6. Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Kohlen st euergesehes. — Erhöhung der Kohlensteuer auf 30 v. H. des Weries unter gleichzeitiger Ermächtigung des Reichsministers der Finanzen, die Steuer vorübergehend auf 25 v. H. des Wertes zu ermäßigen. 7. Entwurf eines Rennwettgesetzes. — Zulassung von Duchmacherwetten. 8. Entwurf eines Kraftfahrzeugsteuergesetzes. — Wesentliche Erhöhung der Kraflfahrzeugsteuer unter Einbeziehung der Lastkraftwagen. . 9. Entwurf eines Dersicherungs- st e u e r g e f e h e s. — Die gegenwärtig un Reichs- slempelgesetz vorgesehenen niedrigen steuer)atze sollen erhöht und die (Steuerbefreiung ^geschränkt werden. Der Steuersatz wll für S^ier- versicherungen auf unbewegliche Gegenstände io Pf., auf bewegliche Gegenstände 40 $f. für 1000 Mark unter enifpreebender Berücksichtigung für Paris, 8. Aug. (WTB.) P e r t i n a x sagt im »Echo de Paris": Die zwei Fragen, die heute im Obersten Rat gestellt werden, sind: 1. muß die Industriezone in Oberschlesien als ein unteilbares Ganzes betrachtet werden? 2. müssen Zwangs- .maßnahmen vorgesehen werden, um Deutschland eventuell zu zwingen, den Willen der Mächte anzunehmen? — Wenn Lloyd George nicht die Direktiven seiner Politik ändere, sehe man nicht recht, wie eine Verständigung möglich sei. Die Engländer glaubten, daß friedliche Lösungen noch möglich feien. Die Franzosen beharrten jedoch auf dem Gedanken, baß Deut chland ben Friedensvertrag von Versailles unb bie Ruhe nur in dem Maße respektieren werbe, in dem es sich durch eine stärkere Macht, bie bereit sei, sich gegen es zu wenden, bedroht fühle. Der „Petit Parisien" schreibt, so gro; auch bie Schwierigkeiten feien, die sich, in Bezug au die Auslegung des Ergebnisses der Volksabstimmung in Oberschlesien zwischen Frankreich und England ergaben, scheine es doch nicht, bah man verzweifeln müsse, zu einem Ergebnis zu gelangen. Aber nur unter einer Debingung, baß man im Laufe ber nächsten Wvch. burch bie Arbeiten ber Sachverstänbigen erkannt haoe, baß man auf beiben (Seiten darauf verzichten müsse, bas Industriegebiet für unteilbar zu halten. Das „Petit Journal" sagt, um den Ausgangspunkt des Konfliktes zu erkennen, müsse man viel Daunotversicherunaen. für Lebensversicherungen 4 Mark von 100 Rlark der Prämie betragen. 10. Entwurf eines Gesetzes betreffend Abänderung des Umsatz st euergesetzcs. — Verdoppelung der Umsatzsteuer unter gleichzeitiger Einschränkung der Befreiungsvvrschriften bei ber Ein- und Ausfuhr, wobei jedoch den Bedürfnissen des Ausfuhr Handels Rechnung getragen werden soll. Die Rlöglichkeit der Vereinfachung ber LuxuS st euer unb eine erhöhte Umsatzsteuer für L u x u s g a st st ä 11 e n mit einem Zuschlag«- recht der Gemeinben. Der bisherige Deteiligungs- satz der Länder und Gemeinden an der Umsatzsteuer soll unverändert bleiben. 11. Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Körperschafts st euergesetzeS. — Die Körperschaftssteuer soll bei ben ErwerbSgesell- schaften 30 v. H. bes gesamten steuerbaren Einkommens betragen. Die bisherigen steuerlichen Begünstigungen der Schachtelgesellschaften sollen abgeschwächt und die Erhöhung der Körperschafts- sieuer durch eine Milderung der Besteuerung des Dividendeneinkommens in der Hand der ‘Besitzer teilweise ausgeglichen werden. 12. Entwurf eines KapitalverkehrS- st euergesehes. — Unter vollständiger Umgestaltung des Reichsstempelgesehes, aus dem die Desleuerung der Rennwetten. Verlicherungen und Kraftfahrzeuge In besondere Gesetze übernommen worden ist, sollen die der Kapitalbildung hicnen- den Vorgänge in dem KapitalverkehrSsteuergeseh zusammen besonders behandelt werben. Hierunter fallen bie Begründungen von Gesellschaften, bei denen die Beteiligung auf Kapitaleinlagen beschränkt ist. Hiervon ist insbesondere die Be- fleuerung der Aktiengesellschaften mit 7 v. H. zu erwähnen. Das System der Börsen steuer soll unter Vornahme einer beträchtlichen Vereinfachung belassen werden, jedoch unter Erhöhung der Sätze für Dividendenpapiere, insbesondere Aktien. Die Steuer soll hierfür für Kundengeschäfte auf 6 v. Tausend erhöht, jedoch beweglich gestaltet werden, damit sie sich jeweils der wirtschaftlichen Lage anpassen kann. Weiter ist die Möglichkeit der Besteuerung deS Devi- senhandels geschaffen. Die letztere Maßnahme soll aber erst Platz greifen, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse angezeigt erscheinen lassen. Die Dörsenumsahsteuer soll auch die Gewährung, von Dezugsrechten ergreifen. Endlich enthält das. Gesetz eine Gewerbeanschaffungssteuer, die gelegt wird auf Gewerbe von ganzen De- schäftsunternehmungen und Sondervermögen und eine Ergänzung der Umsatzsteuer bildet. 13. Entwurf eines Vermögen« st euergesehes. — Das Reichsnotopser muß der fortschreitenden Entwertung der Mark und der Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse, dem es nach der Anlage nicht Rechnung tragen konnte, angepaht werden. In erster Linie entbehrt das Festhalten an einem bestimmten Stichtag. der nicht nur über die Steuerpflicht, sondern aud) über den Dermögensstand und die Bewertung des Vermögens entscheidet bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gestaltung, die jeder Schwankung der Mark folgt, der sachlichen Berechtigung. Bei dem Reichsnotopfer werden die Vermehrungen des Vermögens unb bie Wertveränderungen. die nach dem 31. Dezember 1919 eingetreten sind, grundsätzlich, Wertverminderun- gen nur im engen Rahmen berücksichtigt. Reu« gebildete Vermögen werden von ihm nicht erfaßt. Die Ablösung des Reichsnotopfers. daS auf der Grundlage einer besseren Mark errechnet worden ist. kann mit ber schlechteren vorgenommen werben. Es läßt mithin gerade diejenigen In weitem Umfange unberücksichtigt, die im wahren Sinne des Wortes Rutznießer der Geld» enttoertung geworden sind. Das Reichsnot- opfer stellt aber weiter deshalb eine unzulängliche Erfassung des tragfähigen Vermögens dar, well' die gegebenen Dewertungsvorschristen unter bem. Grundsatz einer befonberen Schonung der Sachwerte stehen. Eine Berücksichtigung der Sachwerte gegenüber den reinen Kapitalvermögen erscheint unter ben gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr vertretbar. Während bas Kapitalvermögen sich bei gleichbleibenbem Reinbeträge wirtschaftlich mit ber finfenben Kaufkraft ber Mark vermindert, bleiben Gewerbebetriebe und Grundbesitz im wesentlichen von der Geldentwertung verschont. Deshalb schlägt der Entwurf einen sachgemäßen Ausbau des Reichsno t- opfergebankensror. und zwar In der Welse, daß zwar der nach dem Gesetz über die beschleunigte Erhebung des Reichsnvtvpfers gezeichnete. Tell erhoben, im übrigen aber an bie Stelle des Restbetrages des Reichsnotopfers eine laufende Vermögenssteuer mit einem zeitlich begrenzten Zuschlag treten soll. Hierbei ist In Aussicht genommen, den feste« Stichtag aufzuheben und damit alle neu gebildeten Vermögen zu erfassen, die Steuer in Zeitabschnitten von etwa 3:3 Jahren oder auch in kürzeren Zeitabschnitten zu veranlagen unb bamit ben Wertsteigerungen ober WertverminberungenRech- nung zu tragen, schließlich aber bas Vermögen unter anderen wirtschaftlichen unb rechtlichen Gesichtspunkten zu bewerten unb bamit bie schwer empfundene Ungleichmäßigkeit der geltenden Regelung auszugleichen. Die laufende Vermögenssteuer soll von 0,05 bis 1 v. H. aufsteigen und bei nichtphysischen Personen l'/i vom Tausend betragen. Hierzu soll auf die Dauer von 15 Jahren ein Zuschlag treten ber tu» physische Personen 300 v. H., für nichtvhywch' Personen 150 v. H. ber Vermögenssteuer betragt Hebe Begünstigung des werbenden Vernwgenfl soll beseitigt unb badurch der Druck auf Dafl Betriebs- und Grundvermögen vermehrt weroern Die Belastung durch die Vermögenssteuer un» den Zuschlag wird in vielen Fällen einem (Wolff.) Dem enthalten- die Abdrücke der oder Ent- Die dem •• Steuerabzug für Aebcrstun - den. Bei vielen Landwirten bestehen noch Zweifel, ob Überstunden dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterliegen. Die Landwirt - wirlschastskammer in Darmstadt macht deshalb. um Unklarheiten zu beheben, darauf aufmerksam. daß gemäß den gesetzlichen Bestimm Berlin, 6. Aug. (Priv.-Tel.) Wie das „Derl. Tgbl." aus K a t t v w i tz meldet, ergab die von deutscher Seite angestellte Untersuchung, daß es sich bei dem als Mörder des Majors Montal^gre verhafteten Ioschke um einen polnisch gesinnten Oberschlesier handelt, der längere Zeit in polnischen Diensten gestanden hat. bekannt geworden sind, stammen offenbar von schlecht unterrichteten Stellen. Kein Ersatz der Bcsatzungskosten für Amerika. Paris. 6. Aug. (Wolff.) Aach ber ^Ehicago Tribüne" hat die Reparationskommission beschlo,- sen, an Amerika keinen Grlatz für desien Be- iahungskosten in Deutschland zu leisten, da die Bereinigten Staaten den Versailler Vertrag nicht ratifiziert hätten. Um Ersatz dieser Kosten, die sich gegenwärtig auf ungefähr 2,75 Millionen Dollars belaufen, zu errangen, mühten die Vereinigten Staaten mit Deutschland direkt verhandeln. .tzorfanty. London, 6. Aug. Aeuter Paris. Auf Weisung der britischen Regierung verweigerte der britische Botschafter K o r f a n t y, der nach London zu gehen wünschte, um dort für die polnische Sache zu wirken, das P a ß v i s u m. Aus dem Reiche. Em Weißbuch über die Leipziger Prozesse Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Aug. 1921. Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig bis heiter, trocken, nacht- kühl, Westwinde. Auf der "Rückseite des über Skandinavien abziehenden TiesS dehnt sich von Südwesten her hoher Drrul wieder stärker auS. so bah zunächst wieder trockene- Detter verüerrsch« wird. vom Reichsgericht auf Grund des Gesetzes zur Verfolgung von Kriegsverbrechen und Kriegsvergehen bisher erlassenen Urteile, vorgelegt worden. Em kommunistischer Aaubüberfall. Berlin, 5. Aug. (Wolff.) Die umfassenden Ermittlungen der Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums haben zur Aufklärung des bei Oberst Freyberg verübten Aktenraubes geführt. Das gestohlene Aktenmaterial, das wahr- scheinlich ins Ausland geschafft worden ist, konnte allerdings nicht aufgefunden werden, doch )inh sechs Personen festgenommen worden, die als Täter oder Anstifter In Betracht kommen und zum Teil auch g e st ä n d i g sind. Die Festgenommenen sind Kommunisten oder stehen im Dienste oder Solde der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands. Aach Abschluß der polizeilichen Ermittlungen werden jeyl die Vorgänge an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben und die Fest genommenen dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Gefamtautfperrrmg in der Braunschweiger Metallindustrie. Braunschweig. 6. August. (WTB.) Wie die „Braunschweigische LandeSzeitung" meldet, erfolgt am Montag in sämtlichen Betrieben der Braunschweiger Metall- i n d u st r i e die Gesamtaussperrung, nachdem die Arbeiterschaft der einzelnen im Streik befindlichen Betriebe die auf Veranlassung des SlaatSministeriumS von den Organi- sationsvertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam gemachten Vorschläge für eine Einigung ablehnte. Berlin, 8. August. Von der heute beginnenden Aussperrung tn der braunschweigischen Metallindustrie werden laut „Lokal-Anzeiger" 15—20 000 Arbeitskräfte betroffen. Einigung im Mecklenburger Landarbeiterstreik. S ch w e r i n, 6. Aug. (WTB.) Die Preßstelle des Mecklenburg-Schweriner Ministeriums berichtet: Das Staatsministerium Schwerins beraumte auf den 5. August abermals eine Sitzung mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. worin eine Einigung im Landa r beiter st reik herbeigeführt wurde. GS wurden Vereinbarungen über Lohnzulagen getroffen, die vom 1. August ab gelten. Ferner bietet der Landbund seine Vermittlung an, um die ausgesprochenen Kündigungen tn geeigneten Fällen wieder rückgängig zu machen, oder um zu versuchen, daß die gekündigten Arbeiter anderweitig untergebracht werden. Berlin. 7, August. Reichstag ist vom ReichSjustizminifter ein Weißbuch. Paris, 6. Aug. (Wolfs.) Wie die ,Chi- cagv Tribüne" aus Washington meldet, be- satzungSzulage von 44 Mark. Ein ent- । gegen kommender Vorschlag der Prinzipale 1 wurde von den Gehilfen abgelehwt. der letzten Warenausgabe.a eile angeborene Ti ockenmilchpulvei h nw i en Di.tts Pulver, das aus Milch hcrgeslelll ist, werde ärztlich empfohlen und ersetze nach Anrührunc mit Wasser die beste Vollmilch und sei auch genau wie solche zu behandeln. Der Kauf des Pulvers könne daher nur empfohlen werden. Eingriff in Me Dermögensfnbstanz unvermeidlich machen. Der Entwurf will aber jeden Zwang zu unwirtschaftlicher Abgabe von Teilen der Substanz vermeiden, es vielmehr der eigenen wirtschaftlichen Entschließung überlassen, in welcher Weise der Steuerpflichtige die regelmäßig nicht aus seinen Ginflüssen tragbare Steuerlast abbürden will. Zur Grundlage der Wertermittlung soll grundsätzlich der gemeine Wert, wie ihn die Reichsabgabenordnung umschrieben hat, gemacht werden. Da aber in einer Zeit ständiger Bewegung der Mark mit den herkömmlichen Mitteln der Wertberechnung nicht auszukommen ist, sollen für die Dauer des Zuschlages für alles Vermögen, das nicht wie das Kapitalvermögen der Aufwärtsbewegung der Mark folgt, besondere, der Geldwertbewegung angepaßte Dewertungsgrundsäyc gelten. Diese Grundsätze sollen von dem Reichsminister der Finanzen nach Anhörung des Reichsi^.ts sowie von berufenen Vertretern der verschiedenen Erwerbszweige sowie unter Beteiligung des Reichs- wirtschastsrates mit bindender Kraft erlassen werden Sie sollen dem Wertstand der Mark Rechnung tragen und bei dem Betriebsvermögen insbesondere auf Gewinn und Umsatz des Unternehmers Rücksicht nehmen. Dabei soll angeordnet werden können, daß der Wertberechnung feste Durchschnittssähe zugrunde gelegt werden. Das Ziel der Bewertungsvorschriften sott und muh sein, die Sachwerte doll und ganz in entsprechender Weise zur Abgabe heranzuziehen. Insoweit Zahlungen über den beschleunigt zu entrichtenden Tell des Reichsnotopfers hinaus geleistet worben sind, sollen sie unter entsprechender Verzinsung auf die Vermögenssteuer angerechnet oder auf Antrag in den gleichen Zahlungsmitteln erstattet werden, in Denen sie entrichtet worden find. 14. Entwurf eines Vermögenszuwachssteuer ae s e h e s. — An die Stelle des geltenden DesitzÜeuergesehes sott im Anschluß an die unter Ziffer 13 erwähnte Vermögenssteuer eine Dermögenszuwachssteuer treten, bei D:r die Wertung des Vermögens nach den gleichen Grundsätzen wie bei der Vermögenssteuer erfolgen soll. Vermögen, die nicht mehr als 100 030 Mark betragen, und ein Zuwachs, Der 25 000 Mart nicht übersteigt, sollen von der Steuer frei bleiben. Der Steuersatz soll mit 1 v. H. für die ersten 100 000 Mart beginnen und bei Iuwachsbeträgen über 6 Millionen Mark den Höchstsatz von 10 v H. erreichen. Der Parlamentskonflikt in Danzig. D a n z ig, 6. Aug. (WTB.) Der Vvlks- t a g beschäftigte sich in seiner Sitzung mit dem Antrag der Mehrheitssozialisten auf Haftentlassung der kommunistischen Abgeordneten Rahn und Schmidt. Die bürgerlichen Parteien gaben eine Erklärung ab, in der diese sich mit dem Vorgehen des Senats einverstanden erklärten. Die Polen und die Linksparteien machten dem Senat den Vorwurf, daß er die Verfassung und die Gesetze gebrochen habe, und erklärten, im Falle der Ablehnung des mehrheitssozialistischen Antrags sich an den weiteren Arbeiten des Parlaments nicht mehr beteiligen zu wollen. Der Antrag auf Haftentlassung wurde mit 52 gegen 41 Stimmen abgelehnt. , Die sozialdemokratische Partei brachte einen weiteren Antrag auf Auflösung des Parlaments und Neuwahlen zum 30. Oktober ein. Mit diesem Antrag wird sich das Plenum am Mittwoch beschäftigen. Ferner wurde ein Antrag auf Einsetzung eines Unter* suchungs - Ausschusses gegen den Senator Schümmer von den Linksparteien eingebracht. Der Präsident des VolkStages, Mal- tbai, gab während der Sitzung die Absicht bekannt, sein Amt niederzulegen Breitscheid über Deutschland. Paris, 6. Aug. iWvlff.) ReichStagsabge- orbneter Dreitscheid, der sich augenblicklich in Paris aufhält, veröffentlicht heute im „P opu» lair e" einen Artikel, in dem er erklärt, die augenblickliche deutsche Regierung teile die Auffassung seiner Partei über die Notwendigkeit zu reparieren. Obzwar die Unabhängigen die innere und die Finanzpolitik des Kabinetts Wirth nicht billigten, müsse man doch anerkennen, daß die Reichsregierung den ernsten Wunsch habe, die Verpflichtungen zu erfüllen, die der Friedensvertrag von Versailles Deutschland auferlegt habe. Die Regierung habe nicht das Ultimatum einzig und allein deshalb angenommen, um das Land aus einer vorübergehenden gefährlichen Lage zu retten und um Zeit zu gewinnen, ondern weil sie von dem aufrichtigen Wunsche beseelt sei, endlich die Politik der kleinen Machenschaften zu verlassen und resolut den Weg zu gehen, den ihr das Gewissen und der Vertrag vorschrieben. Man werde in Frankreich gezwungen sein anzuerkennen, daß die Regierung Wirth sich nach dieser Richtung nicht damit begnügt habe, Worte zu sprechen, ohne ihnen Taten folgen zu lassen. Die Regierung habe auch ihre Unterschrift nicht unter das Ultimatum gesetzt, um Ober- chlesien zu retten; sie habe einfach getan, was ie für nötig gehalten habe In einer Rede in Bremen habe der Reichskanzler Gerechtigkeit verlangt, aber er habe nicht gesagt, daß Deutschland bas Recht habe, Oberschlesien ungeteilt zu verlangen. Deutschland hoffe aber, daß der Oberste Rat eine Lösung finden werde, die das Ergebnis der Volksabstimmung berücksichtige und Deutsch-- land die Möglichkeit zum Leben lasse. Breitscheid sagt schließlich, die Alldeutschen würden bet allen bürgerlichen Parteien Unterstützung finden wenn der Oberste Rat eine Entscheidung treffe die das Industriegebiet Polen zuerkenne. In diesem Falle wäre das Schicksal der Regierung Wirt besiegelt: Entweder würde sie sofort durch ein rechtsstehendes Kabinett erseht werden oder eS würden neue Reichstagswahlen ftattfinben mit der Parole Oberfchlefien. die für die Nationalisten besonders günstig ausfallen würden. Es handle sich keineswegs um eine Personenfrage Wenn Reichskanzler Wirth jetzt verschwinde dann bedeute dicS eine Ermutigung für alle reaktionären Kräfte tn Deutschland. Breitscheid schließt einen Aussatz, indem er sagt, die Pazifizierung Europas muffe das politische Ziel aller Staaten sein und Die Reinigung Der fran- zösisch-deutschen Atmosphäre sei Deren grundlegende Bedingung Parts, 6. Aug. (Wolff.) In feinem heutigen Leitartikel im ,Povulaire" schreibt der unabhängige .sozialdemokcalischo Reichskaasabge- ordnete Breitscheid noch, daß au den Fragen die zur Herstellung normaler Benetzungen zwischen Dem französischen und Dem deutschen Volk führen könnten, die Regelung der Frage der Sanktionen und Der in Avignon zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen gehöre. Das Hilfswerk für Ruhland. Eine Note Tschitscherins nach Washington. Paris, 7. Aug. (Wolff., Wie die »Ehtcago Tridune" au- Washington meldet, erhielt daS Staatsdepartement eine Note Tschitscherin», worin mttgetetlt wird, daß alle a m e r t f a n i - Ab en Gefangenen in Rußland freigelas - f e n feien. werden, die Art des Beitrags erörtert, den Frankreich dem internationalen Lebensmittellager Zufuhren soll. Große Lager von Reis und Bohnen seren verfügbar. Auch in anderen Lebensrnitteln tonne geholfen werden. Nach Dem .Petit Pa- rifien" werde die Hilfsaktion sehr bald tn Erscheinung treten. Englische Hilfe für Rußland. London, 7. Aug. (WTB.) Wie der politische Berichterstatter der „Senday Times" mcl» von diesem verfolgt. Während der Dersolgung drehte sich da- Kerlchen plötzlich um und ging mit gezücktem Messer auf den Beamten los, dem es schließlich mit Mühe gelang, den Gegner au überwältigen und der Slation zuzuführen. Kreis Friedberg. spd. Dorheim (Wetterau). 7 Aug Der vierjährige Snkel des Landwirts Heinrich Schutt stürzte vom hvchbeladenen Erntewagen und geriet unter die Räder. Das Kind wurde uche sind bisher erfolglos gewesen. Dom Blitz erschlagen. fpd. Kassel, 7. Aug. Die 29jährige ßanb- toirtÄfrau Apel in Meckbach wurde auf dem Felde von einem Blitzstrahl getroffen, der sie sofort tötete. Die Schwester, die sich in unmittelbarer Rähe befand, war mehrere Sekunden in ein Flammenmeer gehüllt, kam aber mit dem Schrecken davon. Der Körper der erschlagenen Frau wies viele Brandwunden auf, Has Kopftuch war völlig zerfetzt, die Haar- vadeln verbogen. Hochschulnachrichten. cm. Darmstadt, 5. Aug. Die deutsche DendrologischeGesellschaft begann am 2 dS WtS. unter Beteiligung von etwa 200 «Gelehrten und Forschern aus Deutschland und Oesterreich sowie einigen Japanern unter Bor- ksttz deS Grafen Fr v. Schwerin ihre diesjährige ■Tagung mit der Besichtigung deS hiesigen bota- «ischen Gartens, der sehr viel wissenschaftlich IhttereHanten Stofs bot. Dann wurde die Künstler-Kolonie, der Herrengarten und hierauf unter «Führung deS früheren GrvßherAogS dessen Hagd- jschloß Wolfsgarten mit dessen reichhaltiger jPslanzenfammlung besucht. Die Tagung wird lin Heidelberg fortgesetzt und endet mit einem Besuch des Schwetzinger Gartens. Frankfurt a. M., 5. Aug. Bon der «rechtswissenschafllichen Fakultät der Hnwcrfität Frankfurt wurde der Abickes-Preis dem Referendar Hugo Stern für seine Arbeit über „Die Gestaltung der Rechtsmittel im künftigen deutschen Strafprozeß" zuerkannt. Die Arbeit soll demnächst im Druck erscheinen, da es der Fakultät in hohem Mabe erwünscht erscheint, bah sie veröffentlicht werde. Frankfurt a. M., 6. Auaust. (Wolff.) Der Direktor deS Ehemischen Instituts an der Ltniversität Frankfurt, Professor Dr. von Braun, hat den Ruf an die Universität Wien abgelehnt. sd. Würzburg, 7. Aug. Der Professer für klassische Philologie und Dvrstand des philologischen Proseminars, Dr. Thomas Stangl, ist nach längerer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben. Das ist der dritte schwere Verlust, den die Universität innerhalb zwei Wochen erleidet. — Die Danziger Hochschule bleibt deutsch. Durch eine vor wenigen Lagen erfolgte Entscheidung der interalliierten BertellungSkornmission ist nun endlich das Eigentum an der Technischen Hochschule der Freien Stadt Danzig uneingeschränkt zugesprochen worden. Die hieran geknüpften Bedingungen. Einführung eines Lektorats „ für polnische Sprache und einer Borlesung über Bei einer mc. Maßnahmen gegen ihre Mitglieder ergreifen wollen, die diesen neuesten Raubzug auf die Taschen ihrer Mitmenschen gutheißen und untere Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: 6,05 8. 8. Schweizer Franken 100 3rL = 184.75 100 Mk. =s Fr. = 46.65 L. $ Äx. = 100 L. Kr. Kr. 3 40 7.60 6,02 15,84 1,23 6,65 16,87 1,22 6.7. 7,40 4,- 8,15 = 21.69 — 25.85 - 44.80 =■ 1.475 = 602.50 Handel. F rankf vrt a.. TL, 8. Augnft. Marknotierungen. Landwirtschaft. Getreidewuchcr. Frankfurt a. M., 7. Aug. Ueberaü 2 a u b a cb, 6. Aug Reden der ungewöhnlichen Trockenheit hat die Obsternte noch einen anderen gefährlichen Feind bekommen, nämlich die Blutlaus, die sich in diesem Sommer wieder eingestellt hat und die Aepselbäume mit ihrem grauen Gespinst überzieht. Besonders die hier viel angepflanzte „Kasseler Reinette" hat unter diesem Schädling zu leiden. Der von der „BlutlauS" befallene Baum geht rettungslos durch „Krebs' zu- grunbe. Rur allgemein durch geführte Maßregeln könnten hier Rettung bringen. 181.50 7.375 0.62 7.50 46.652 21.61 25.85 44.90 1.50 601.- 3.50 7.60 Datum: Zurich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London . . Paris . Neuyork. * 7.i25 0.65 7.60 Wechsel auf Holland ...... Deutschland..... Wien ...... Prag........ Paris . ...... London ....... Italien....... Brüssel....... Budapest Neuyork....... Agram . Bukarest...... polnische DirtfchastSgeogro hle, die Beschaffung auch polnischer, wissenschaftlicher Bücher für die Bibliothek, und die paritätische Behandlung polnischer Staatsangehöriger bei der Ausnahme sind von untergeordneter Bedeutung. Die Hochschule bleibt somit vollkommen deutsch, behält deutsche Unterrichtssprache und Selbstverwaltung unter der Regierung der Freien Stadt ohne jeden Einfluß der Republik Polen. Ohr deutscher Charakter wird in keiner Weise an» getastet. 5.8. 7,42 4,03 8 10 98,- 6,65 stutzen. Fürth L O., 7. Aug. Auch in der hiesigen Gegend machen sich ähnlich wie in Bayern Getreideaufkäufer bemerkbar, welche für die Frucht noch nie dagewesene Preise zahlen, so daß man annehmen muh, dah sie nach dem Ausland verschoben werden soll. Gerichtssaal. Todesurteil. F r e i b u r g. 7. Aug. (WTB.) Das Schwurgericht in Waidshut verurteilte den Tagelöhner Oftcrtaa wegen dreifachen Mordes in Verbindung mit schwerem Raub dreimal zum Tode, den Konditor Renntter. der mit Oftertag gemeinsame Sache gemacht, wegen zweifachen Mordes und schweren Rau es zweimal zum Tode und fünf Jahren ZuHthauS. Zu den Opfern der beiden Verurteilten gehört auch der Frankfurter Dantbeamte Heinrich Grünwald, der am 5. August 1920 bei den Wasserfällen bei Triberg von ihnen überfallen und schließlich durch einen Stich in die rechte Halsfeite ermordet worden war. 1.7.1 L Fr. 125,43 Fl. 59,23 Kr. 88,83 str. 117,83 ! ........Kr. 83,83 ........Kr 117,88 ........Sh. 97,3) ........Fr. 125,43 I 23,83 Züricher Devisenmarkt. 5. 8. . 100 . ioo . 100 . 1 . 100 . 100 . 100 . 100 . 100 (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die neuen Steuervorlagen. Berlin, 6. Aug. Gestern fetzte das Reichs- kabrnett die Beratung der neuen Steuer- ge| ehvorlagen fort. Auch die oberfchle- fische Frage wurde laut „Deutscher Allgem. Zeitung" m dieser Sitzung berührt. Die Beratung über die Steuergesey entwürfe konnte noch nicht zu Ende geführt werden. Die Totgänge im Danziger Bolkstag. Danzig, 6. Aug. (WTB.) 3n der heutigen Sitzung des V o l k s t a g s gab der Präsident Matthai eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Mir ist gestern dir Rachricht zuteil geworden, dah ein Heberfall auf dieses Haus und auf Personen in diesem Hause, besonders Senatoren, geplant sei. Als mir dies bekannt wurde, ersuchte ich den Senat, mir Polizei zur Verfügung zu stellen. 3ch habe ausdrücklich dem Senat gesagt, dah ich die Polizeigewalt haben will zum Schutze des HauseS und derjenigen, die darin sind, Senatoren, Abgeordneten und Beamten. Als ich gestern vormittag von vier Abgeord- in der Umgebung klagen die Landwirte, dah sie von gewissenlosen Händlern überlaufen werden. die ihnen die Getreideernte ad- kausen wollen. Es werden ungeheuere Preise geboten, und man macht den Landwirten sogar vielfach den Vorschlag, das Getreide selbst dresche» lassen, so daß der Landwirt keinerlei Arbeit mehr hätte. 3n einigen Kreisen haben die Landräte Warnungen vor diesen wilden Getreidehändlern erlassen, da durch die Aufkäufe nur eine weitere Verteuerung des Brotes eintrete, unter der dann die Bevölkerung zu leiden habe. Leider beherzigen aber nicht alle Landwirte diese gutgemeinten Ratschläge, während die Dauemvereinigungen erfreulicherweise schärfste * Hobe Preise für alte Möbel. 1 -Ljxer Der letzten Londoner Versteigerungen wurden, wie im „Kunsttvanberer“ mitgeteilt toirb. Vermischtes. Die Dürre. fd. D o m H u n s r ü ck, 7. Aug. Die Trockenheit nimmt im ganzen Hunsrückgebiet nachgerade katastrophale Formen an. Fast alle Gebirgsbäche sind gänzlich ausgetrocknet. Wo keine Wasserleitung ist, sind die Bewohner traurig daran. Das Dorf Macken ist z. B. gänzlich ohne Wasser. Die Ortsbewohner müssen das Wasser mehr als l‘/3 Stunden weit aus der Rachbarschaft herbeischafsen. Em große- Dampferunglück vor Kalifornien. San Franzisko, 7. August. (WTB.) Der Perfonendampfer „Alaska" ist auf der Höhe von Eureka (Kalifornien) gesunken. Zwei volle Boote mit Uebeilebenden wurden von einem anderen, HUfe leistenden Dampfer ausgenommen. ES ist noch nicht bekannt, wieviele Personen ums Leben gekommen find. ES befanden sich 200Fahrgäste an Bord. guten und dann mit einem schlechten Gebiß verkleinert wurde. War das Gebiß von Ratur au- gut. |d wurde die Vißverschlechterung durch eine Prothese herbeigeführt, unb umgekehrt wurde ein schlechtes Gebiß durch eine Prothese vervollständigt. Es zeigte sich nun bei der Prüfung einer Rahrung, die auS hartgekochtem Ei. Apfel, Brot, weißer Rübe bestand, Dah bei schlechtem Gebiß von der Rahrung lede-mal iner.t.icr aufgelegt wurde als bei gutem. Auch war die Rahrung bei schlechtem Gebiß viel weniger jerllclneit. Die Einwirkung des Bisses auf die Zerkleinerung lief) sich zahlenmäßig genau angeben, und habet zeigte sich deutlich, daß die besten Bedingungen nur mit tadellosem Gebiß zu erreichen sind. Bei der Untersuchung des Stoffwechsels zur Feststellung der Ausnutzung der Rahrung ergab sich bei gemischter Kost, bah da- schlechte Gebiß die Ausnützung herabfetzt, jedoch nur um wenige Prozent. Beim Versuch mit Brot war der Einfluß des Gebisses noch weniger ausgeprägt. Wie die ausgestellten Tabellen dartegen, sindet durch ein schlechtes Gebiß eine deutliche Verschlechterung der Rahrung statt, doch ist Die Ausnützung nur in geringem Maße beeinslußt, und es ist anzuneymen, daß die Gelamtnahrung-aufnahme durch ein schlechtes Gebiß ungünstig beeinflußt wird und daher hauptsächlich die Schädigungen bei schlechten Zähnen entstehen. neten der Kommunistischen Partei nach der Veranda beruntergebeten und gefragt murbt, nb die Polizei, die dort lag, auf meinen Befehl dort sei, habe ich erwiderte Za. 3ch habe hinzugeftigl, daß ich sie erbeten habe nicht gegen Abgeordnete, sondern zum Schutze deS Haufe» und derer. Die darin sind, Senatoren. Abgeordnete unb Beamte. Es ist mir nachher mitgeleilt worden, daß die Polizei nicht abton-sähig fei, wenn sic nicht eine Ermächtigung von mir habe. Diese Ermächtigung habe ich gegeben. 3ch habe angenommen, daß ich die Polizei in den Saal rufen würde und nicht ein anderer. ES ist ein dringlicher Antrag von der sozial- demokratifchen Frattion cingegangcn, Der Bolls- tag wolle beschließen, daß das Ltrasversahren und der etwa bestehende Haftbefehl oder sonstwie bestehende Beschränkungen der persönlichen Freiheit gegen die DolkstagSabgeordneten Rahm und Schmidt sofort aufgehoben werden, lieber den Antrag wird in der heutigen VormittagSfitzung des DolkstagS verhandelt werden Danzig, 6. Aug. (WTB.i Ein Aufruf der „Danziger A r b e i t e r z t g." von gestern abend behauptet, der Danziger Senat habe sich zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung um Hilfe an Polen gewandt und nach Deffen Ablehnung Schutzpolizei aus Deutschland «Königs- berg, Marienburg und Hauenburg) erbeten unb erhalten. An dieser Behauptung ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, kein wahres Wort. Der Senat bat sich weder an polnische noch an deutsche Behörden um Unterstützung gewandt. Die Danziger Behörden sind zur Au« rechterhaltung der Ordnung mll eigener Kraft h der Lage. Ebenso unwahr ist die von der „Ga- zetta Goanska" gebrachte Behauptung, daß de» Oberbeamte der Schutzpolizei, der vorgestern Den Ordnungsdienst im VolkstagSoeläude versah, ein aus Berlin eigens au diesem Zweck herangeholler Reichswehroffezier sei. Der Beamte ist ein Danziger Staatsangehöriger und gehört seit über Jahresfrist der Danziger Schutzpolizei an. Die Frage der Truppenentsenduug. L o n d o n, 6. Aua. (WTB.) Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" erklärt, bevor die oberschlesüche Grenzfrage erwogen werde, werde Briand als Vorsitzender der Konferenz darauf'bestehen, daß die Verhärtungen für Oberschlesien erörtert werden Die letzten englischen Berichte besagen, bat) im Abstimmungsgebiet fast überall Friede und Ordnung herrsche, so daß eine Rotwendigleit für Verstärkungen nicht vorhanden sei. Die französische Regierung beabsichtige, alS Zeuaen für die Rotwendigkeit einer weiteren militärischen Aktion der Alliierten au brr General Lerond noch General Rollet und sogar Marschall F o ch zu bringen. Der Berichterstatter erklärte, man müsse vermeiden, daß iraenbwelckre Meinungsverschiedenheiten über die Entsendun. von Derslärtungen als Grund für eine neue Der- schiebung der entscheidenden Grenzregulierung biene. Deren sofortige Losung sei wesentlich für die Wiederherstellung des Frieden- und des w'rt- fchaftlichen Gleichgewichts ZeitmrgSverbote für das besetzte Gebiet Mainz, 6. Aug. (WTB.) Wie rra hie- figen Publilationsorgan der Rheviland'ommlssten betannt gegeben wird, hat diese die „Frank [urtcr Rachrichte n", die „M ü n ch c n e r Reuesten Rachrichten" und die „Süd- deutschen Monatshefte" auf Drei Monate im besetzten Gebiet verboten, und zwar, wie in der Verordnung angegeben wird, "trogen ihrer fortgesetzten Angriffe auf die Befatzungstruppen. ! Die Hilfsmission der Quäker. "Berlin, 5. Aug. (Priv.-Tel.) Der Geilet der amerikanischen H i l f s m i | s i an der Quäker für Deutschland, Alfred Scattergoob. der dieser Tage nach Amerika zurückgekehrt ist, machte laut einer Meldung des „Berliner Tageblatt" aus dem Haag über seine Tätigkeit folgende Mitteilungen: 3m Dezember 1919, alS ich nach Deutschland kam, wurde angenommen, daß die Rotwendigkeit, Mütter und Kinder zu ernähren, höchstens 8 Monate anhalten würde. Wie ' sehr man sich darin irrte, geht auS der Tatsache ' hervor, daß im vorigen Monat täglich eine Wi>- ' Ihm Mahlzeiten verabreicht werden mußten. Die Rot in ihrer entsetzlichsten Form beginnt jetzt zu I verschwinden. Obgleich es infolge Unterernährung i während der nächsten fünf bis sechs Hahre ii* Deutschland verhältnismäßig mehr unterernährte Kinder geben wird als in England und Amerika, werden wir unser Programm im nächsten Winter um 4 0 Proz. vermindern müssen Das Hilfswerk für Rußland. Paris. 6. Aug. (WTB.) Laut „Petit Pn- rtfien" hat Maxim Gorki ein Telegramm an die bolschewistische Abordnung in London gerichtet, wonach die Qtätereglerung die Bedingungen HooverSannimmk und den Vorschlag macht, daß ein mit Vollmachten versehener amerikanischer Vertreter sich unverzüglich nach Moskau, Riga oder Reval begeben solle, um die Bedingungen genau sestzulegen, unter denen die Hilfsbewegung etngeleitet werden soll. für eine Sammlung von Chippendale- Möbeln an einem Tage 35 000 Pfund Sterling bezahlt. Heißumstritten waren zwei Sofas unb vier Stühle in braunem Leder aus dem Besitz des Marquis von Hertiorb, bie 3100 Guineen brachten. Zwei Cßippenbale-Kommoben aus bem Besitz bes Lorb Townshend» wechselten für 5900 Pfund den Besitzer. Zwei Wandschirme brachten 530 Guineen, vier Lehnstühle unb zwei Spieltische 700 Guineen. Sehr begehrt waren auch bie altenglischen Lackmöbel. So brachten zwei Kommoben 1300 Guineen, ein kleiner Louis-XV.-Tifch 510 Guineen. Von den Modeln des Herzogs von Beaufort, die versteigert wurden, brachten zwei lädierte Schreibtische 800 Guineen, vier Vitrinen 600 Guineen, acht Stühle 580 Guineen. Eine Kommode im Stil Ludwigs XVL, bie von bem berühmten Möbeltischler Riesener herrührt, wurde für 2200 Guineen zu- gefchlagen. 9 - Rahrungsausnützung und Ge- d i ß. Um den Einfluß festzustellen, den gute unb schlechte Zähne auf die Ausnützung der Rahrung ou-üden, hat der Kieler Zahnarzt Schutz Versuche angestellt, über die in der „Münchener Medizinischen Wochenschrift' berichte! wild. An vier Personen wurden Stosfwechselverfuche vorgenommen, indem die gleiche Rahrung mit einem Die Rothersteins. Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Eomp., Berlin XV 30. 25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Am nächsten Tag kehrte Magelone ins Fürstenhaus zurück. Sie sah frisch unb blühend aus, wie eine Maienrose unb schien einen guten Teil der Trauer in Wien gelassen zu Haden. ES war auch zu schön gewesen! Erst die Hinfahrt zu zweien mit Rüdiger, die zwar stark ins Sentimentale neigte mit den ber Trauer wegen noch verhaltenen Gefühlen, schmachtenden Blicken unb zärtlichen Anspielungen, ihr aber bvch bie Gewißheit brachte, baß Rüdiger sie liebe. Dann SdithS Kommen am nächsten Tag und ihre gemeinsamen Exkursionen, von denen Rüdiger natürlich nicht- wissen durfte, und die eben darum so vergnügt unb reizvoll verliefen. Edith hatte sich wirklich als modernes Sonn- tag£linb erwiesen. Alles, was bie Großstabt im Sommer bieten kann, hatte sie ausspionieri, Karten besorgt unb durch ihre eigene überlprubelnbe Lebensfreude die flotte Stimmung Magelone- immer noch gehoben. Operettentheater. Zirkus, Sommervarieläs. Kabaretts unb eine feenhafte Rächt im englischen Garten im Prater hatten sie milgemacht. Die Lame Ebiths, eine verwitwete Baronin Selter, unb deren Bekanntenkreis — meist Offiziere — bildeten ihre Begleitung. Wenn Anneliefe gewußt Hätte, daß auch Graf Wendloh zu diesem Kreis geirrte, baß er Magelone wie toll den Hof gemacht unb nicht ein einziges Mal nach ihr oder Grafenegg gefragt hatte!!! 3a, es waren sehr amüsante Tage gewesen, in denen Magelone förmlich auflebte. Auch das Geldgeschäft hatte sich glatt erledigt. Marku- Löb. der Ubald ,v oft ausgeholfen hatte, kaum auch dessen Witwe bereitwillig entgegen. Freilich nut gegen hohe Prozente und einem Wechsel, der in längsten- einem Jahr einzulosen war. „Aber bis dahin bin ich entweder Rüdigers Frau oder — Gräfin Wendloh," dachte Magelone sorglos. Run war sie wieder daheim und laß mit ihrer sanften Madonnenmiene auf Grasenegq zwischen den RothersteinS. Erzählte von Xante 111- rile, die „gottlob wieder woh!7ei", und von ihrem Katarrh, Der ihr den ganzen Wiener Aufenthalt verdorben habe. Zwischendurch huschte manchmal eine Erinnerung an ihre Rücksayrt durch ihren Kopf, bei der es eine kleine pikante ileberraschung gegeben hatte Sie unb Edith waren knapp vor Abgang deS Zuges auf den Bahnsteig erschieneii, sie hatten gerade noch eine Halde Minute Zeit, um rasch in ein Abteil erster Klasse zu springen. 3n dem Abteil saßen zwei Herren: Bugen Ruhland unb Mr. Allan Parker, Der Sohn eines amerikanischen S ai)IMagnaten, ten Edith von einer Rout aur der englischen Botschaft her flüchtig kannte. Eugen hatte ihn eingelabcn nach Wil- helminenruhe, da er ihm die Buchau er Gewerke zeigen wollt«. 2111c vier 3nsassen des Abteils waren sehr überrascht, als sie einander erkannten. Eugen Ruh- land schien anfangs Lust zu haben, in R.4.gelone bie Angehörige der .feindlichen Gegenpartei" zu sehen, warf feiner Schwester einen erfta- nten mißbilligenden Blick zu und beschränkte sich auf einen steifen Gruß. Aber gerade das reizte Magelone, ihre ganze Holdseligkeit zu entfalten und sich die Aufgabe zu stellen, diese- Gis zum Schmelzen zu bringen, was ihr Denn auch gelang. Als sie in Wolkenriet auSstieg — Rußlands fuhren noch eine Station weiter, da sie Wil- helminenruhe dann leichter erreichten —. hatte sie die angenehme Heber;eugung, daß Eugen Rußland, soweit seine kühle, gemeßene Ratur dies zuließ, mit vollen Segeln in das Lager ihrer Bewunderer übergegangen war. „3ch soll dir übrigen- einen Grus) aus richten, Anneliese," Tagte Magelone nun, „rate von wem?" „Wie soll ich das wissen?! Du hast gewiß eine Menge unserer Bekannten getroffen.“ „Gar niemand außer diesem einen. Die meisten sind ja jetzt auf ihren Gütern, und dann kam ich doch auch fast gar nicht aus Die Straße de- dummen Katarrhs wegen. Erst die letzten zwei Tage tonnte ich ein paar notwendige Kleinigkeiten besorgen. Dabei traf ich ihn fluchtig in der Kärntner Straße." „Unb wer ist dieser eine?“ frug Anneliese, obwohl sie es ganz genau wußte, mit gutgefpielter Gleichgültigkeit. „Rittmeister Graf Wendloh. Er wollte durch- aus, daß ich noch einen Tag zugebe, um seine in Baden zur Kur weilende Xante, ©£üfin Werda, zu besuchen, aber ich lehnte es ab von dem Rauch und Staub und sehnte mich schon namenlos zurück in unsere reine Bergluft, glaube überhaupt, ich Tonnte mich auf die Dauer nirgends Wohler fühlen att hier.“ Sie sah dabei mit treuherzigem Ausdruck zu Rüdiger hinüber, als wollte sie sagen: „Richt wahr, du weißt die- am besten und auch - warum es so ist?“ Aber er schien den Blick nicht bemerkt zu haben. Denn er sah kerzengerade vor sich hin und keine Muskel zuckte in seinem ernsten, bräunlichen Gesicht. Erst als Magelone ein Weilchen später zu ihm trat und halb schmeichelnd, halb bittend sagte: ,3ft es wahr, Rüdiger, du willst mir Dorothea nicht mehr nach Fürstenhaus gebenT fuhr er zusammen unb erhob sich rasch. „Rein, sie bleibt hier." „Aber warum benn? Habe ich nicht gut auf sie geschaut? Wir Haden un- so gut verstanden." „Eben darum!" Seine hellen Augen senkten sich mit seltsam abweisendem Ausdruck in Die ihren. »Richt alle Ansichten und Prinzipien, bie bu als Frau dir erlauben kannst, weil du bie Verantwortung Dafür vor bir selber zu tragen hast, taugen für ein so junges Mäbchen, dem eigene- Urteil noch fehlt“ „Rüdiger!" Magelone fuhr auf und wurde dunkelrot. „Wie darfst du so etwas sagen?! Tu» ich etwas Böses? Das Hingt ja gerade so, als ob Dorothea bei mir verdorben werden könnte!" .Das wollte ich Damit nicht sagen. Aber Deine Trauerzeit ist nun balD zu Ende, und ich vermute, daß du dann geselliger leben wirft, als ich es für Dorothea für — gut fänDe. Es bleibt daher bei meinen Bestimmungen.“ (Fortsetzung folgte Todes-Anzeige. Gestern vormittag verschied sanft nach kurzem schweren Leiden an den Folgen eines Schlaganfalles meine liebe, gute Frau, - unsere treusorgende Mutter, unsere Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Großmutter Frau Elisabeth Klöss geb. Göbel im Alter von nahezu 60 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Kloß. Gießen (Frankfurter Str. 23), den 8. August 1921. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 10. August, nachm. 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 8657D | Vermietungen | Pension vrandl Neuen Baue 22, nut möbl. Zimmer tn. voll. Verpfleg. au Perm. Tel. 1085. 0108,4 (Sut möbliert. Zimmer sofort zu vermieten 0omj Landmannttraste 20. Möbl. Mam'ardzimmer au vermieten 010868 Asterweg 48 II. l. | Mietgesuche | Möbliertes Zimmer im südlichenStadtteil von gebildeter, älterer Ge- schästsdame zu mieten gesucht. Schr. Angeb. u. B649 an den Gies;. Anz. 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