Nr. 182 Der tiftener ttnzetßer mit der Dlenitagsbeilage .$P*rl'Uiel*iae er- schein! lägUch, -utzer Sonn, und Feiertags. 1Heialli*e»WWfiH: TImM 5. - einschliehlich TrLgerlohn, durch di« Dost bezogen Mark 5.75 elnlchliebl'ch Bestellgeld. ^«rniprech-Lnschluste: fiiröif Sdiriftkitunq 112; für Druckerei, Verlag und Ge'chdfisstelle 51. Anschrift für Drahtnachricht«» Anzeiger »letze«, pokfche^onls: ^ranffert Q* Annahme do« Anzeige« Zgyyjy V C ’t für di« lagesnummer di« GietzeiierAnMger sw ___ fVrfF Aaup'|chrifilHt«r . Auä. Goetz Verantwortlich für Politik: Auq Go«tz; für den übrigen Teil: Dr. R«,nhold Ienz, für den Lnzeiqentett: Han-Beck, sämtlich in ® tefcen. Warum widerstreben gegenwärtig die Engländer der französischen Gewaltpolitik in Oberschlesien und am Rhein? Ganz gewiß nicht um der schönen Augen unseres „Kabinetts der Erfüllung" willen. Es mag zugegeben werden, daß sie den Sturz Wirths nicht gerne sehen würden. Also ist aber der wahre Wochenrückblick. Die R e d e d e r „E r m u n t e r u n g", die der Reichskanzler Dr. W i r t h in Bremen vom Stapel lleß, hat in Deutschland kaum irgend jemanden ermuntert, und im Ausland scheint man ihr überhaupt wenig Beachtung geschenkt zu haben. Hinter der „Begeisterung" für die Arbeit im Onteresse prompter Tributpflicht- erfülluna unseren Feinden gegenüber steckt wirklich kein erwärmendes Gefühl, sondern nur des Gedankens Blasse, ein dürres, zeitloses Prinzip, erwachsen auf dem Boden politischer Weltflucht, im Treibhaus von Aengstlichkeil und Schwäche. Friede und Bölkerversöhnung sind schöne, hehre Ziele, aber besitzt das mißhandelte, geächtete, verratene Deutschland wirklich den Lebensmut solcher Weltüberwindung, wie sie der gegenwärttge Reichskanzler propagiert — inmitten ganz anders gearteter Völker und Faktoren, die unsere Zeit- ? «schichte machen? Wo sind denn die to l r t - ichen Zeichen der Zeit? Da hören wir z. B. die Redner deS englischen Unterhauses, wie sie gewaltiger Flottenvergröherung das Wort reden, und wir sehen schon jetzt, daß dem Ab- rüstungsbaum in Washington bis zum 1. November ganz bestimmt keine Früchte reifen werden. Da verrät uns der „Manchester Guardian", Herr Driand wünsche, nach seinen eigenen Worten, in einem neutral zu gestaltenden Oberschlesien ein starkes, reguläres Heer zu unterhalten, denn dies würde für Frankreich sowohl anläßlich eines russisch-polnischen Krieges, als auch bei ernstlichen Ber- toimungen mit Deutschland, von Borteil sein. And gestern lasen wir die Feststellung des Herrn Maurice Darrös, daß das Rheinland immerdar eine vorgeschobene Bastton von Frankreich gegenüber dem Osten sei. Der ewige Friede, das Ziel der politischen Pazifisten, ist ferner denn je. Sein falscher Prophet, Präsident Wilson, ist ohne Entschuldigung, fang- und klanglos, abgetteten, und an seiner Stelle steht eine durchaus real und national gerichtete amerikanische Politik. Man muß diese Kette der wahren Zeit- Verhältnisse bettachten und anfühlen, damit man merkt, was die Wirthsche Predigt von Barmherzigkeit und Liebe auf sich hat. CS fällt uns nicht ein, nationalistischer Scharfmacherei das Wort zu reden. Man mag in der Zwangslage, In der wir uns befinden, ruhig und aufrichtig auch das Stteben bekunden, übernommene Derpflichtungen zu erfüllen. Aber den leeren Sach der deutschen Hoffnungen mit verdorrtem Pazifistenlaub zu füllen, das gehl nicht an. Die Lage erfordert etwas ganz anderes, als vor dem Auslande darzutun, daß Odeologenttäume im deutschen Volke Fortschritt machen. Diese Worte von Güte und Menschlichkeit waren gewiß von durchgreifender Wirkung; wir alle lassen uns einen Augen- blick davon erfassen, gerade weil wir spüren, wie sehr sie im Dölkerleben nicht viel mehr sind als Schall und Rauch. Aber es darf nur eine unpolitische Augenblickswirkung sein. Das deutsche Volk kann jetzt nicht ttaumselig die „Liebe", die allerdings im Leben der Einzelnen als höchstes Gut geachtet werden muh, zum Leitstern seiner auswärtigen Politik machen. Sich wehren bringt Ehren! Wir hörten vom Reichskanzler die Parole von der „sozialen Solidarität", mit der das deutsche Volk unter die Menschheit treten wolle. Wir fühlen uns lebhaft an ,Erzbergers „Christliche Solidari ät" erinnert. Mit solchem Schlagwortprogramm ist uns ebensowenig gedient, wie mit dem Rausch moralischer Gesinnungsoffenbarungen, über dem wir die politischen Wegweiser vergessen. Ar- sprünglich hatte das Erzbergersche Wort den Sinn, daß wir Deutsche beim Wiederaufbau und seiner Kostenberechnung christlichen Sinnes bis ans Aeußerste der Leistungen gehen sollten. Inzwischen hat selbst die „Germania" zugegeben, daß schon bei der Zahlung der ersten Milliarde die Substanz des deutschen Vollsvermögens angegriffen werden muhte, die doch nicht angeiastet werden dürfte, wenn das mit den Feinden vereinbarte Zahlungsprogramm verwirklicht werden soll. Dr. Wirth bat um die Gegenleistungen der Entente, um Gerechtigkeit in Oberschlesien und in der Rheinlandpolittk. Aus dem Presse- Widerhall von den englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten wissen wir heute schon ganz genau, daß in der Tagung des Obersten DateS am 8. d. M. des Reichskanzlers „großer Gedanke" von „sozialer Solidarität" nicht einnut in flüchtigster Erinnerung der Anwesenden aufleben wird. Grund ihrer Abschwenkung von der Polittk I BriandS darin zu suchen, daß sie Besorgnis | hegen vor einem anders geführten Deutsch- > land, vor einem Deutschland des Widerstandes, nicht der Erfüllung. England hat kein Interesse daran, feinen Bundesgenossen zu einer Überspannten Machtstellung in Europa emporzuheben und sich in die Händel ver- stricken zu lassen, die daraus entstehen müßten. Eine Polittk deutschen Widerstandes wird es entschiedener in dieser Fahrtrichtung erhalten als ein deutscher Gedanke von „sozialer Solidarität". Das ist es, was uns an dem Zentrumskanzler nicht gefällt: daß seine Ideenwelt keinen Platz hat für die Notwendigkeit, der fremden Tyrannei durch Pflege der nationalen Würde, durch Anbau natürlichen und unbeugsamen VerteidigungSwillenS, zu begegnen. Wären wir alle samt und sonders bloß Bekenner der lÄirthschen Glaubensartikel, stände nicht im Hintergrund eine Mehrheit voll anderer Empfindungen und Vorsätze — so würden uns vermutlich die Gegner noch stärker mit unmöglichen Zumutungen belasten und England würde seinem Verbündeten an der Seine vielleicht noch breiteren Spielraum lassen als bisher. Mit der diplomattschen Erledigung des durch das eigenmächtige Vorgehen Frankreichs in Berlin hervorgerufenen Zwischenfalles konnten wir zufrieden fein. Wie groß dabei das Verdienst oder Geschick der Reichsregierung oder des Auswärtigen Amtes gewesen war, läßt sich nicht restlos ermitteln, da wir nicht wissen, welche Winke und Anregungen etwa aus fremden Diplomatenkreisen in Berlin eingewirkt haben mögen und ob hinter der Initiative der Reichsstellen wirklich etwas mehr gesteckt hat als die Kunst, eine unbestreitbar geschickte Formel für die Antwort an Frankreich zu finden. Jedenfalls hat der Minister Dr. Rosen einen Erfolg gehabt, während die Franzosen eine Schlappe erlitten haben. Die deutsche Presse begeht keine Herausforderung, wenn sie dies feststellt. Weit empfindlicher und folgenschwerer für die Politik des Kabinetts Briand sind die von London veröffentlichten Warnungen und Mahnungen, die wir nur kräftig unterstützen, aber keineswegs abdämpfen wollen. Hoffentlich bleibt Lloyd George am 8. August in der Pariser Sitzung fest und entschlossen bei seinen Richtlinien, die ja jetzt auch die Billigung der britischen Reichskonferenz gesunden haben, von der eine Londoner Feststellung nicht ohne bestimmte Absicht betont, daß sie in auswärtigen Fragen bestimmend für das Kabinett sein müsse. Ein Tag großer Spannung naht sich für das deutsche Volk, das zwar s e l b st v erst ä n d l i ch jetzt an keine Putsche und inneren Anruhen denken darf, dem man aber auch nicht die einschläfernde Michelmütze Hinhalten soll. Denn wenn Deutschland — komme, was da wolle — in der Völkergeschichte wieder ein starker Faktor werden will, so gehört dazu ein reifes, besonnenes, ehrliebendes Volk. Ein neuer Teilungsplan für Oberschlesien? Paris, 5. Qlug. (WTB ) Der „T emps" schreibt in seinem heutigen Leitartikel, daß die alliierten Sachverständigen sich über die Teilung Oberschlesiens nicht einigen könnten. Es laufe das Gerücht um, der Oberste Rat werde ein anderes Mittel suchen, um das Problem zu lösen. Er werde nur einen Teil des Gebietes zwischen Polen und Deutschland allste i l e n und den Restfürl5oder20Zahre unter einer interalliierten ober ‘internationalen Verwaltung belassen. Dieser Rest werde dann von dem Industriegebiet gebildet, also von dem Bezirk, der fast ausschließlich den Werl Oberschlesiens ausmache. Der ..Temps" ist der Ansicht, eine derartige Lösung hätte bedingt, daß Polen und Deutschland sie im voraus annehmen, denn der Vertrag von Versailles sähe tneber eine Teilung in brei Abschnitte, noch ein Provisorium unter einer interalliierten ober internationalen Dehörbe vor. Die Regierungen von Berlin und Warschau wollten aber, daß das oberschlesische Problem unverzüglich gelöst werde. Das sei auch das Interesse Frankreichs und der Wunsch Englands und Italiens. Das Blatt sagt, man müsse alle Realitäten schaffen und die Grenzlinie ziehen. Die Teilnahme Belgiens an der Sitzung des Obersten Rates. P a r i s, 5. Qlug. (WTD.) Belgien wurde eingeladen, an der Tagung des Obersten Rates teilzunehmen. Da jedoch Artikel 97 des Versailler Vertrages ausdrücklich den Hauptverbandsmächten vorbehält, sich über die Qlbstimmung in O b e r- schlefien auszusprechen, wird Belgien wahr- scheinlich an den Beratungen des Obersten Rates über diese Frage nicht tellnehmen. Die belgischen Vertreter werden sich an den Besprechungen der anderen Fragen beteiligen, die auf der Tagesordnung der Sitzung des Obersten QtateS stehen, in erster Linie also an der Besprechung der vom (Reichsgericht in Leipzig gefällten Arteile sowie der Hungersnot in Rußland. Eine neue Eigenmächtigkeit Frankreichs? Pari-, 5. Qlug. (WTD.) Rach dem .Petit Parisien" wurde gestern abend in London bekannt, daß der dortige japanische Botschafter Hayasai von der französischen Regierung aufgeforbert würbe, gleichzeitig mit bem japanischen Botschafter in Paris an der Tagung b e ä Ober ft cn Rates teil- zunehmen. Präsident Harding für schleunige Regelung der oberschlesischen Frage. London, 5. Qlug. Wie Reuter erfährt, hat Harding die Einladung, zu der am 8. August beginnenden Tagung des Obersten Rates einen Vertreter zu entsenden, angenommen und dabei die emste Hoffnung ausgesprochen, daß die direkt beteiligten Mächte schleunigst eine gerechte und befriedigende Regelung der oberschleiichen Streitfrage herbeiführen und damit eines der Haupthindernisse beseitigen, die jetzt einem dauernden Frieden im Wege stehen. London, 5. Qlug. (WTB.) Der amerikanische Botschafter reift morgen nach Paris ab, um der Sitzung des Obersten Rates beizuwohnen. Präsident Harding bestimmte die von ihm einzunehmende Haltung in einem Schriftstück, in dem er die Einladung zum Obersten Rate annimmt Harding erklärt darin, Amerika habe ein lebhaftes Interesse an angemessenen wirtschaftlichen Dergleichen und einer gerechten Regelung der Weltprobleme. Es werde deshalb im Obersten Rat bei der Erörterung dieser Fragen mitwirken. Harding betrachtet die tatsächliche Anerkennung einer Politik der offenen Tür, die die gleiche HanLelsmi glichkelt gewährt, als wesentllch für die Wiederherftellung einer normalen Tätigkeit in der Welt Ein deutsches Weißbuch über Oberfchlcsien. DaS deutsche Plebiszitkommissariat in Oberschlesien gibt unter dem Titel .Der polnische Ausstand in Oberschlesien und die Mitschuld der Franzosen, Mai bis Iult 1921“ ein Weißbuch heraus. Das Buch beschäftigt sich, den Blättern zufolge, ausschließlich mit den Vorgängen, die sich im Stadtkreis Gleiwih und im Landkreis Ost-Gleiwitz zugetragen haben. Es gibt nur einen kleinen Ausschnitt aus den jüngsten Leiden der deutschgesinnten Oberschlesier. Der erste Teil handelt von den polnischen Gewalttätigkeiten. Aeberlebende erzählen in allen Einzelheiten die Hinmordung ihrer nächsten QSeitoanbteu. Der zweite Abschnitt befaßt sich mit den Verschleppungen und Verhaftungen und zählt 340 Namen auf, deren Träger allen Kreisen und Ständen der deutschgesinnten Bevölkerung angehören. Ein weiteres Kapitel bringt Tatsachen über die Zwangsaushebungen, dir polnische Insurgenten unter der deutschen Bevölkerung vor nahmen. Das vierte Kapitel behandelt die Teilnahme kongreß-polnischer Truppen. So lag in La band ein Kavallerie-Regiment aus Kongretz-Polen und ein Feld-Artillerie-Regi- ment; ferner stand dort ein Panzerzug, der aus Polen gekommen war. Das letzte und umfangreichste Kapitel ist überschrieben „D i e M i t s ch u l d d e r F r a n z o s e st". Es enthält eine Anzahl genau substantiierter Zeugenaussagen über eine Reihe derjenigen Fälle, in benen französische Offiziere und Mannschaften mit den polnischen Insurgenten Hand in Hand arbeiteten. Von Eisenbahnbeamten wird unter Anführung genauer Einzelheiten geschildert, wie Franzosen und Polen gemeinsam gegen Eisenbahnzüge ausschwärmten. Zahlreiche Photo- ?r a p h i e n halten die polnisch-französische Der- rüSerung im Bilde fest. So stellt z. B. eine Photographie die Weihe einer Insurgentenfahne bar, bie von einem französischen Offizier, bte Hand am Käppi, gegrüßt wird. Eine Kundgebung der Heimattreuen Oberschlesier. Berlin, 5. Qlug (WB. ) Der Gesamt- vorstand der Vereinigten Verbände Heimat- treuer Oberschlesier faßte folgende Entschließung: Am Vorabend der Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens durch den Obersten Rat erheben bie Vereinigten Verbände heimat- treuer Oberschlesier noch einmal auf Grund des feierlich verbrieften Selbstbestimmungsrechtes bie Fvrberung: Das deutsche Oberschlesien ist eine unzertrennliche wirtschaftliche und kulturelle Volkseinheit. Es ist ein lebendiges Glied des deutschen Volks- und Wirtschaftskörpers. Das oberschlesische Volk hat sich nach den obersten demokratt- schen Grundsätzen für Deutschland entschieden. E s darf nicht wie eine Handelsware verschachert werden. Jede Teilung und jede Losreißung auch nur eines Stückes von Oberschlesien bedeutet eine ständige Bedrohung des europäischen Friedens. Darum muß Ob.'rschlesien sofort dem deutschen Mutterlande zurückgegeben werden. Eine Kundgebung des bayerischen Landtags für ein ungeteiltes Ober- fchlesien. München, 5. Qlug. (WTB.) Die Landtagsfraktionen der Bayerischen Dolks- partei, der Bayerischen Mittelpartei, der Deutschen DollSpartei. der Deutschdemokratischen Sartd und des Bayerischen Bauernbundes er- ssen folgende Äunbgebur Die Entscheid bung über bas Schicksal Ober 7 ns stehl unmittelbar bevor. Mit bem beutf ' Volke wissen wir uns eins in der Sorbetj ig, daß Ober» schlelien ungeteilt bei Deutschlanb verbleibt. Historische- 'Redjl politische Vernunft, die Be- ftimmungen beS Versailler Vertrages und bai Ergebnis ber Volksabstimmung erheischen gebieterisch biefe Lösung Für unser Volk und unsere oberschlesischen Landsleute, die durch die Qlbstimmung und durch ihr tapfere- Aushalten in Rot und Tod ihre Treue zur deutschen Heimat besiegelten, erheben wir nochmals unsere Siimme. 3m Namen von Recht und Freiheit fordern wir ein ungeteiltes deutsches Oberschlesien von denjenigen, in deren Macht die Entscheidung liegt Ein neuer Streitfall mit Frankreich. Berlin, 6. Qlug. 3m Schlafwagen deS D- Zuges Berlin—Nvrddeich Hal sich seinerzeit der französische Kapitän Langevin, der in verbotswidriger Welse rauchte, der Feststcliung seiner Personalien widersetzt und war schließlich auf Veranlassung des Zugpersonal- durch die Polizei aus dem ll-Zug entfernt worden. Wie die „Deutsche QlUgcmeine Zeitung' erfährt bat jetzt der Vertreter deS Generals Qlollct, General Masterman, eine in einem außerordentz^ lich ichroffen Ton gehaltene Note an die deutsche Regierung gerichtet, In ber die Amtsenthebung des betr. Polizeibeamten, Entschuldigung und deren Veröffentlichung in allen größeren Zeitungen verlangt wird. Den Blättern zufolge wird bie Regierung zunächst, bevor sie zu der Note Stellung nimmt, den tatsächlichen Sachverhalt einwandfrei feststellen, da In ber Schilderung des Vorfalles noch verschiedene Widersprüche bestehen. Die französische Politik in Elsaß-Lothriugcn. Paris, 5. Qlug. (WTB ’f Der KriegSnü- ntfter wird demnächst Im „Journal Offldei veröffentlichen, daß bie Elsässer unb Lothringer, bie bie französische Rationalität wieder erworben haben, und bie den Iahresklassen vor 1919 angehören, mit Ausnahme derer, bie Im beutschen Heere als aktive Offiziere unb als toiebcreingeftelltc Offiziere gebient haben, ben Grab eines Unterleutnants ber Reserve erwerben können Die 3nter?ffierten werben zu einer 21 tägigen Aedung etnberufen1 unb sie haben außerbem bte Verpflichtung zu übernehmen, daß sie minbestenS zwei Jahre nach ihrer Ernennung einen 3nstruktionskursuS durchmachen. Das tatenlustiqe Frankreich. Paris, 5. Qlug. (WB) Nach dem ,Sche de Paris" beschloß die französische Regierung die drei Panzerkreuzer .Voltaire", .Diderot" und »Conborcet" In den Häfen von Brest oder Cherbourg zusammenzuziehen. Es sollen alle Vorbereitungen getroffen werden, damit bte Ausrüstung unb Bemannung rasch vervollständigt werden kann. Qlußerdem sollen In den gier» chen Häsen eine Anzahl Torpedoboote und dis von Deutschland auSgelieferten TorpedobvotS- zerstörer bereinigt werden. Die Schließung der britischen Reichskonferenz« London, 5. Qlug. (Wolff.) Heute findet bie letzte Sitzung ber britischen ReichSkvn- serenz statt. Lloyb George wirb wahrschein- lich zugegen sein. Der Potttische Mitarbeiter beS „Daily Ehr o nicke" schreibt: Die Konferenz stellt« bie konstitutionelle Stellung ber verschiebenev Teile bes britischen Reiche- hinsichtlich ber Beratung ber Krone in ben Fragen ber auswärtigen Politik fest. Der Berichterstatter betrachtet diese Tatsache als einen Wendepunkt in ber konstitutionellen Geschichte bes britischen Reiches. Man kam auf ber Konferenz überein, bah die britische Politik alle Demokratien des britischen Reiches vertreten müsse, so daß von jetzt ab das britische Reich mit einer Stimme spreche. Die auswärtige Politik werde durch bte Konse renz ber ersten Minister bestimmt. Wenn bie Konserenz nicht tage, werde bie auswärtige Politik von ber britischen Regierung geführt, nachdem diese vorher den Qtat ber Dominions einholte. Außerdem wurde, wie ber politische Mitarbeiter bes „Daily Chrvnicle" berichtet, beschlossen, daß bie Rotwenbigkelt eines 3 u f a m - menarbeitens mit ben Bereinigten Staaten in ben Angelegenheiten ber Welt ber erste Grunbsah Der britischen Politik sein müsse. Die pazifische Frage, bie Frage ber Rüstungen zur See unb bie Frage bes englisch- japanischen Bünbnisses seien daher bis nach der bevorstehenben Konferenz in Washington verschoben worben. Die Konferenz ber Premierminister des britischen Reiche- nahm auch eine Politik der engen Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich an. London, 6. Qlug. (WTB.) Die Reichskonferenz wurde heute geschlossen. Sie billigte die britische Haltung in der oberschlesischen Frage unb nahm mit Befriedigung davon Kenntnis, baß bie vorläufigen Schwierigkeiten gelöst sind. • Die Abrüstungskonferenz. Gonbon, 5. Qlug. (Wolff.) Laut „Daiw Telegraph" meldet die .New Bork Time-", daß bie Vereinigten Staaten ben Mächten formell vorgeschlagen haben, bie international# Abrüstungskonferenz am Jahrestage bd Waffenstillstandes in Washinton zu eröffnen. Großbritannien erklärte sich bereit, jedem von Washington für bie Konferenz gewählten Zeitpunkt zuzu stimmen. ' / Der dewrsch-tschechnche Streit. ~ Dien, 5. Aug. (WTB.) Das „Tteue Wiener Tageblatt" erfährt, daß die tschechischen Legionäre ein mit 14 Tagen befristetes Ultimatum an die Regierung richteten, worin u. a. die Besetzung aller Behörden mit tschechischen Beamten und die Derschärfung der Zensur über die .deutschen Zeitungen verlangt wird. Dien, 5. 2lug. (WTB.) Rach einer Mel- düng auS Prag begründen die bürgerlichen deutschen Parteien in einer Kundgebung ihr weiteres Fernbleiben vom Parlament mit der Feststellung, daß die Regierungserklärung eine frivole Antwort auf die deutschen Beschwerden sei. Die Legierung habe weder die Macht noch den Dillen, die deutschen Staatsbürger zu schützen. Die spanischen Kämpfe in Marokko. Madrid, 5. Aug. (DTB.) Havas. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende soeben aus Melilla eingetcoffenen Rachrichten: Ro- stinga wurde heute vormittag von fünf Landungs- kompagnien besetzt. Die Landung fand unter dem Schutze der Dchiffsaeschütze statt. Der D r u ck der R i f f p i r a t e n bei Suk el Hach v e r st ä r k t s i ch. Eine von Melilla ausgehende Abteilung griff den Feind heute vormittag an und vertrieb ihn vollständig. Der Feind hatte grobe Verluste, er lieh acht Tote und einen Gefangenen zurück, während er zahlreiche Tote und Verwundete mit sich führen konnte. Untere Abteilung verlor drei Offiziere (verwundet), zwei Soldaten (tot) und 31 Soldaten (verwundet). Der Angriff wurde hauptsächlich von eingeborenen Truppen durchgeführt, die aus Ceuta herangeführt worden waren. Gin Leutnant und acht Soldaten, denen es gelungen war, aus Zeluan zu entkommen, find »ergangene Rächt in unseren Stellungen elngc- trvffen. Sie erzählten, dah gestern vormittag die Verteidiger von Zeluan mit den Riffpiraten vereinbart hatten, sich in aller Freiheit aus den dortigen Stellungen zurückzuziehen, nachdem sie zuvor ihre Daffen abgeliefert hätten. Aoer kaum waren die Waffen abgeliefert worden, als der Feind ein heftiges Feuer auf die waffenlosen Soldaten eröffnete. Rur wenigen gelang es, zu entkommen, fast alle wurden getötet, darunter auch Hauptmann CarraScv, der Befehlshaber der Stellung. Die Mißernte in Rußland. Kopenhagen, 5. Aug (WB.) Rach Meldungen der Sowjetzeitungen sind von einer totalen Mißernte 19 Millionen Menschen mit einem Viehbestand von 13 Millionen Stück, von einer schlechten Ernte 11 Gouvernements mit einer Bevölkerung von 29 Millionen Menschen betroffen. Im ganzen find über '28 Millionen' Menschen in Rußland von einer totalen oder teilweisen Mißernte betroffen. Hiervon gehören ?i/3 Millionen Menschen der Industriedevölkerang an. Angeblich bulgarische-rrrssische Verhandlungen. DariS, 5. Aug. Havas. Der bulgarische Pressedienst in Paris ist ermächtigt, die Kopen- chagener Rachrichten zu dementieren, wonach ein ^ehemaliger bulgarischer Offizier namens 216 r a m o f sich zur Zeit in Berlin Kaufhalle, um mit den Bolschewisten übet die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen '^wischen Bulgarien und Rußland zu verhandeln. 228 Krupp-Patente in den Vereinigten Staaten angemeldet! . (F.P.S.) Die Tatsache, dah die Krupp-Werke in den letzten Wochen nicht weniger als 228 Pa- tente in den Vereinigten Staaten angemeldet haben, hat Senator Stanley zur Vorlage eines Gesetzentwurfes bewogen, durch den das bisherige amerikanische Patentgesetz abgeändert werden soll. Bisher war es in Amerika möglich, jedes Patent schützen zu lassen, ohne dah das geschützte Produktionsverfahren in den Vereinigten Staaten selbst zur Anwendung kam. Die neue Dill sieht vor, dah Patente, die an Ausländer verliehen werden, die Bestimmung enthalten sollen, die Regierung der Vereinigten Staaten behalte sich das Recht vor, beliebige Personen oder Gesellschaften zur Benützung des Patentes und zur Herstellung und Verkauf des darin geschützten Artikels au ermächtigen, falls der patentierte 2IctifeI nicht innerhalb der Frist von zwei Jahren auf amerikanischem Boden hergestellt werde. An den Patentnehmer soll in diesem Fall eine Gebühr entrichtet werden, deren Höhe und ZcttlungS- wetse jedoch die 2tegierung zu bestimmen hätte. Die Vorlage wird vermutlich, sobald sie zur Beratung kommt, in amerikanischen Industriekreisen lebhafte älnterstützung finden. Gegen sie Die Rothersteins. Roman von Erich Ebenstein. Copyright 1919 by ®reiner L Comp., Berlin W 30. 24. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) »Entschuldig aber Beine DorwRrfe sind nTm- destenS urtgcix*t! Erstens Handelt eS TidJ bei diesem Vorschlag durchaus nicht um eine Snt- .scheidung, sondern nur um einen Versuch — besser i gesagt um eine Probe, denn die Entscheidung bleibt selbstverständlich Dorothea vorbehallcn. Zweitens aber habe ich momentan viel zu ernste Aufgaben vor mir, um Zeit zu finden, den Charakter eines jungen Mädchens. daS in meiner Gegenwart kaum den Mund auftut, zu studieren. Ich denke, daS kann kein Mensch von mir verlangen." »Doch! Es ist ganz einfach deine Pflicht, Rüdiger! Darum tut sie in deiner Gegenwart den Mund nicht auf? Dell sie Scheu vor dir hat! Dell sie fürchtet, du, von dem in gewissem Sinne ihre 3utunft abhängt, stündest ihr ebenso NebloS ünd g^ichgültia gegenüber, wie Carola und Annelieses Dell 'Ne fühlt, datz'du bisher nicht ihre Interessen, sondern — die anderer im Auge hattest." .Das ist nicht toahr! Gerade wahrend meiner Abwesenheit in Dien, wo ich auch mehrfach mit Ontä Achims Recht-freund. St Schilling, der den Rachlatz verwaltet, zu tun Halle, habe ich -mich mit Dorotheas Interessen defatzt und hoffe ihr dadurch noch recht ansehnliche JBorteüc zu verschaffen." .Dann beweise eS ihr in erster Linie durch ein freundschaftlicheres Entgegenkommen. Du ig- ixtoiierft sie ja beinahe geflissentlich." spricht nur, dah sie die englischen und französischen Erfinder noch härter trifft als die deutschen, weshalb Interessenten erklären, es wäre vorzuziehen, Krupp und andere deutsche Gesellschaften durch die Bestimmungen des bevorstehenden deutsch-amerikanischen Friedensvertrages zu treffen, als durch ein allgemeines Gesetz, wie es Senator Stanley vorschlägt. Aus dem Reiche. Eine Gedenkfeier in Derliv. Berlin, 5. August. Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an dem vor zwei Zähren die Reichsverfassung in Kraft getreten ist, wird am 11. August im Berliner Opernhaus auf Veranlassung der Reichsregierung eine Gedenkfeier stattfinden. Der Reichspräsident, der Reichskanzler, der preußische Ministerpräsident sowie die in Berlin weilenden Minister haben ihr Erscheinen zugesagt. Der Württemberg ische Staatspräsident fieber wird über den Gedanken einer neuen Reichsverfassung sprechen. B e r l l n, 5. August. (WTB.) Die D e r - anstaltungamBerfassungStageim Opernhaus ist, wie wir hören, wegen der Der- hältnisse der Zeit als eine einfache Beranstal- tung lokaler Äatur geplant, zu der Einladungen nur an in Berlin residierende Stellen ergehen. Für die Länder werden ihre Vertre- tungen in Berlin eingeladen. Die Veranstal- tung ist hauptsächlich für die Mitglieder der Behörden bestimmt, aber auch die Parlamente, der Reichswirtschaftsrat und die Vertretungen von Industrie, Handel und Landwirtschaft werden Einladungen erhalten. Die Rede, die den Kernpunkt der Veranstaltung bildet und von dem Staatspräsidenten Hieber, Stuttgart, übernommen wurde, wird sich unter Ausschluß aller parteipolitischen Gesichtspunkte mit den gemeinsamen Fragen beschäftigen und sich insbesondere an alle diejenigen wenden, die auf der Grundlage der Reichsverfassung zusammenarbeiten. Reichsregierung und Dertenerung der Lebenshaltung. Berlin, 5. Aug. (WTB.) An die Reichsregierung ist in letzter Zeit wiederholt der Wunsch herangetreten, sie möge Schritte tun wegen eines Ausgleichs der Hurch die Brvtpreiserhöhungen eintretenden Lebenshaltungsverteuerung. Dieses Verlangen ist verfrüht, weil die Angelegenheit zur Zeit unter den Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch selbst erörtert wird. Die Zentralarbeitsgemeinschaft hat sich mit der Frage befaßt und grundsätzlich auf den Standpunkt gestellt, dah die tatsächlich eintretende Verteuerung der Lebenshaltungskosten durch Lohnerhöhungen auszugleichen sei. Sie hat die einzelnen Arbeitsgemeinschaften um die Weiterbehandlung der Frage ersucht. Hiernach liegt zur Zeit kein Anlaß zum Eingreifen von Reichs wegen vor. Bayern und der Vatikan. München, 5. August. (Wolff.) In der Sitzung des Staatshaushaltsausschusses des Landtages wurde ein Antrag des Abgeordneten Held (Bayer. Vvlksp.) im Haushalt des Ministeriums des Aeuhern 20 000 Mk. als besondere Aufwandsentschädigung für den jeweiligen baherischenKar- 5 i n a l zu bewilligen, mit allen gegen die sozialistischen Stimmen angenommen. Kultusminister Dr. Matt führte in der Debatte aus, die bayerische Regierung würde es im bayerischen wie im deutschen Interesse begrüßen, wenn durch die Annahme des Antrages die Möglichkeit geschaffen würde, die deutschen Einflüsse bei einer Stelle geltend zu machen, die sich bisher in der loyalsten Weise gegen Deutschland verhalten habe. Der Landarbeiterstreik in Mecklenburg. R o st o ck, 5. August. (Wolff.) Rach einem Telegramm des Landbundes Mecklenburg- Schwerin an das Schweriner Staatsministerium wird auf etwa 80 Gütern gestreikt. Der Landbund lehnt jede Verantwortung für die Folgen des Streiks ab, wenn die Regierung nicht eingreife. Rach der „Mecklenburger Warte" verschärfte sich auch die Lage im Süden Mecklenburgs. Die Metallarbeiter Wismars zeigen Reigung, die Landarbeiter durch einen Sympathiestreik zu unterstützen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 6. Aug. 1921. KBettervoraussage für Sonntag. Trüb, zellweise Riederichlage, etwas kühler West- bis Rordwrstwind. Das ausgedehnte Tief, das mit feinem Kern nördlich Englands liegt, gewinnt immer stärkeren Einfluß auf die Wetterlage unseres Bezirks, so dah das trübe und regnerische Wetter einige Zeit anhalten wird. •* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 1. August Bibliothekar an der llniversitätsbibliothet Professor Dr. Karl Ebel au Gießen mit Wirkung vom 1. September 1921 ab zum Direktor der älniversitätsbibliothek zu Gießen. ♦* Eine öffentliche Kreis au sschuh- sitzung findet am Donnerstag den 11. August, vormittags 91/» älhr, im Regierungsgebäude mit folgender Tagesordnung statt: Reuregelung der Besoldung der Beamten und Bediensteten in den Landgemeinden, des Bürgermeisters zu TreiS a. d. Lda., des Derneinderechners zu Großen- Linden und des Polizeidieners zu Bersrod. •* Für das Oberschlesier-Hilfswerk gingen beim Gießener Anzeiger folgende Spenden ein: Wwe W. 10 Mk., Frl. 3. P., Amerika, 10 Mk., Karl Lüdet in g sen. 20 Mk., Weißnähschule Hofmann 16 Mk., E. Wolf 10 Mark, F. Rehnelt 20 Mk., Dr. R 100 Mk., Humoristisches Konzert im Eentral-Cafö am 31. Juli 1921 150 Mk., M. H. 5 Mk. Gesamt- ergebnis 341 Mk. Die Sammlung wird fortgesetzt, und wird, wie wir hvffen, noch eine rege Beteiligung aufweisen. ** Marktbericht. Der Markt war im allgemeinen auch heute gut beschickt. Rur Gemüse, hauptsächlich Dohnen, Gurken und dergleichen, waren infolge der Trockenhell in geringerem Maße vorhanden. Die Zufuhr von Butter war geringer wie bisher. Trotz der Neuerung und Geldknappheit konnte man beobachten daß Genuhmittel, wie Dirnen, Pflaumen usw., vom Publikum sehr begehrt waren. Es kosteten. Weißkraut 1,50-1,80 Mk., Rottraut 2-2,40 Mk., Wir-, sing 1,50-1,80 Mk., Blumenkohl 3—8 Mk., Misch- gemüfe 60—70 Pf., Dohnen 3—3,50 Mk., Duschbohnen 2,20—2,40 Mk., Salat 20-50 Pf., Ober- kvhlraben 40—60 Pf., Rote Rüben 0 80—1 Mk^ Zwiebeln 1,50—1 80 Mk., Einmachgurken, je nach Große, 15—30 Ps.. Salatgurken 1—6 Mk., je nach Große. Aepfel kosteten bis zu 2 Mk. das Pfund. Falläpfel 30—40 Pf., Dirnen 2—3 Mk., Tomaten 3,50—4 Mk., Pflaumen bis 3 Mk., Kartoffeln 1.10-1,20 Mk., Dutter 24-26 Mk., Eier 1,65—1,70 Mark. ** Die Warenausgabetabelle des Städtischen Lebensmittelamtes ist im Anzeigenteil unseres heutigen Dlattes enthalten. " Ehrung eines Gießeners. Dem Lehrer der Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Krefeld, Herrn Architekt August D i e b r i ch.e r aus Gießen, ist vom Minister für Handel und Gewerbe die Amtsbezeichnung »Professor" verliehen worden. ** Die neue Freiheit im Rheinland. Zu der Ausweisung des früheren Geschäftsführers, ehemaligen Kriegsgefange enHerrn Heß aus Mainz wird uns von unterrichteter Seite noch mitgeteilt: In einer Versammlung legte Herrn Heß als . Gast der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Mainz folgenden Fall vor: Die Ortsgruppe Mainz wollte eine Sammlung zugunsten Der Avignon-Gefangenen veranstalten. Dom Wohlfahrtsminister war die Genehmigung dazu erteilt Rur die städtischen Behörden hielten mit der Genehmigung hinterm Berg zurück. Daraus- hin sagte Herr Heß folgenden Satz, der sein Verhängnis wurde: .Ich kann Ihnen in dieser Angelegenheit nur einen Rat geben. Werden Sie nochmals bet den städtischen Behörden vorstellig und lassen Sie sich den Grund der Weigerung nennen. Sollte man Ihnen gar keine oder eine ungenügende Antwort geben, so helfen Öle sich selbst, und veranstalten Sie irgendeine Festlichkeit, wobei Sie, evtl, unter einem Decknamen, für die Strafgefangenen sammeln: denn geholfen muh werden." Diese Worte wurden Herrn Heß als politische Aufwiegelung zuungunsten der Franzosen ausgelegt und er wegen politischer Umtriebe ausgewiesen. — Ein Ausspruch deS französischen Delegierten dürfte noch intere fieren. Gr sagte zu ihm: »Warum sammeln Sie nicht für die Sträflinge in den Amtsgefängniffen, dort sind doch gerade solche Spitzbuben wie in Avignon." Zur Kennzeichnung französi cher Denkweise ist jedes weitere Wort überflüssig. ** In dem Raubmordprozeß Döh- chen wurde die von dem Verurteilten beantragte Revision, sowie die Wiederaufnahme des Verfahrens endgültig abgelehnt. Der Verteidiger des zum Tode Verurteilten hat nunmehr ein Gnadengesuch eingereicht, worüber von der Gießener Staatsanwaltschaft Bericht eingefordert ist. .Das war gewiß nie meine Absicht . . .“ „Es sah aber so auS, und Do hat es gewiß so empfunden. Roch einmal, Rüdiger, es ist deine Pflicht als Vdrmund, ihr Vertrauen zu gewinnen und eher keinen Schritt zu tun, als dis du sie wirklich kennen gelernt hast. Du wirst dich bann selbst überzeugen, daß Do weder deschrän t noch temperamentlos ist, sondern im Gegenteil eine feurige, stolze Seele, die sich nur da scheu zu- rückzieht, wo sie sich eben nicht verstanden fühlt Und noch eins . . Hertha trat dicht an ihren Bruder heran und fuhr erregt fort: »Du würdest eine sehr große Verantwortung auf dich laben, wenn du dich bestimmen liehest, Do jetzt auch nur »probeweise" Ins Kloster zu schicken und sie dadurch aus Grafenegg zu entfernen. Weißt du genau, welchen Möglichkeiten bu sie entziehst, und ov du ihr dadurch nicht für immer dTTc Wege zum Glück verschließest?^ Rüdiger sah überrascht auf „WaS meinst bu damit, Hertha',' Haben deine Worte einen bestimmten Sinn?' Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte die Lippen der Verwachsenen. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls bar) ich dir heute nicht mehr darüber sagen, denn es handelt sich bloß um - Vermutungen und Möglichkeiten. Aber bu wirst daran denken Rüdiger, nicht wahr? Wir zuliebe! Du wirst wenigstens versuchen, die arme kleine Do erst kennen au lernen, ehe du etwas beschlletzeft?" ®r nickte. „3a — gewiß. Wenn sich Zell und Gelegenheit dazu finden." Dies schien aber offenbar nach Rüdigers Ansicht in den nächsten Tagen nicht der 5all zu sein, bann er machte keinerlei Anstalten. Do näher zu kommen Rach wie vor schien er sich ihrer Gegenwart, wenn er überhaupt zu den Mahlzeiten im Familienkreis erschien, kaum bewußt zu sein. Woht ruhte sein Blick manchmal verloren auf ihr, aber nur, um sich dann plötzlich unruhig und ärgerlich von Ihr abzuwenden, als hätte ihr Anblick unangenehme Gedanken in ihm wachgerusen. Dafür benufcte Carola eine- TageS die Gelegenheit, wo sie mit Anneliese und Rüdiger allein im Zimmer war, um die Rede auf Do zu bringen. Sie berichtete, dah sie am Rachmittag bei ihrer Freundin, der Aebtissin, gewesen sei und man sich in Sl. Agn^ schon sehr freue auf den angemeldeten Gast. Rian habe bereits das schönste, freundlichste Zimmer im Kloster für sie bestimmt mit der Aussicht auf den prächtigen alten Klosteraarten, und die guten Rönnen seien ganz glückllch über die Aussicht, ihr einförmiges Leben durch die Anwesenheit eines jungen Mädchens belebt zu sehen. Rüdiger sah seine Schwägerin erstaunt an. .Hast du denn Dorotheas Besuch bereits förmlich an gemeldet im Kloster ?" ,DaS nicht. Aber natürlich sprachen wir darüber, und es -ist wirlllch rührend, was sie alles planen, um Dorothea den Aufenthalt bei sich recht angenehm zu machen. Die Waisenkinder, welche sie erziehen, sollen ein Festspiel aufführen, und die Küchenschwester zerbricht sich bereits den Kopf, was sie dem Gast an guten Dingen alles vvrsetzen wird." Sie lächelte. Aber das Lächeln erstarb, als Rüdiger ruhig sagte: -Diese Vorbereitungen sind jedenfalls verfrüht. Ich wünsche nicht, datz Dorothea vorläufig Grafenegg verläßt." ^Richt? Ja, hast du eS dir beim plötzlich an- Vornottzerr. — TageSkalender für SamStag und Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Berlin W." — Aswrialichtspiele, „Mll Büchs, und Lasso". — AuS dem Stabttheaterdureau. Morgen, Sonntag, beginnt der Verkauf für dll am Dienstag den 9. d. MtS. stattfindende Erstaufführung des Schlagers .PotaschundPerl- mutte r“. In der Komödie ist (mll einer Ausnahme) daS getarnte Personal beschäftigt. Di- Hauptrollen liegen in den Händen deS Herr» Goll (Potasch) und Hellbvm (Perlmutter), di« Regie hat Herr Oderspielleller Telely. -- Die Gießener Kunstsammlung mit der Dr.-Gusta ^Dock-Ge:äch.nis-Stif ung im Reuen Schloß, Eingang cendenbergftrabe, ist jeden Sonntag von 11 bis 1 Uhr lytentgeUIid. geöffnet Schulpflichtige Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Landkreis Gießen. Ein Jubiläum der Lumdatalbahn. wa. Ovenhausen. 4. Aug. Am 1. August waren es 25 Jahre, seit der Eröffnung der oberen Teilst recke der Lumdatalbahn. AuS diesem Grunde hatte der Eisenbahnverein Londorf einer* Ausflug nach Staufenberg unternommen, wo öi< Mitglieder sowie Gäste einige schöne Stunden bei Musik und Tanz verbrachten Der Vorsitzende des Verein- hielt eine Ansprache und schloß mlf einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das Vaterland. Von Beginn der Bahn her sind noch sechs Bedienstete hier im Dienst Klein-Linden. 6. Aug. Die Im gestrigen Anzeigenteil für morgen auf der Durg angetan- tt te Gesangsseier dcS Gesangvereins Harmonie muh a u S f a 1 l e n " Lang-Göns, 5. Aug Der Verband Freiwilliger Feuerwehren deS Kreises Gießen hält am 4. September hier feinen diesjährigen HerdstverbandStag ab. Hierbei sollen insbesondere die Maßnahmen besprochen und durch die Wehr in Lang-Göns vvrgefuhrt werden, dst bei Ausbruch eines DrandeS bei dem durch dl» lange Trockenheit überall herrschenden Wasser« mangel zu ergreifen sind. KreiS Lauterbach. rr. Schlitz, 5. Aug. Der bekannte Kirchenmaler Velde aus Frankfurt ist zur Zell hier damit beschäftigt, die Ramen der 110 Gefallenen unserer Stadt in künstlerischer Weif^ an den freien Feldern der Emporen der auf unserem Friedhof gelegenen altehrwürdigen Sand- oder Totenkirche anzubringen. Gleichseitig besichtigte er zusammen mll dem hessischen Denkmalspfleger Geh. Rat Walle -Darmstadt die uralte einstige Wallfahrtskirche im nahen Frau-Rombach, um die darin befindlichen, vor etwa 20 Jahren aufgedeckten, mittelalterlichen Wandmalereien, welche die oströmische Sage deS Heraklius behandeln, zu erneuern bzw. aufzu- frischen. Kreis Schotten. Up. Dom vorderen Vogelsberg, 3. Aug. Waren schon im vorigen Jahre Pllye eine Seltenheit, so sind sie heute in einer Zett, da die Sonne Triften und Dergwiesen verbrannt hat, gänzlich verschwunden. Auch in den trockensten Jahrgängen blieb der Waldboden immer feucht. In diesem Sommer ist auch der Dvden des Waldes ausgetrocknet Selbst den Eham- pignon, der stets nach der Heuernte auf den Wiesen erschien, sieht man nicht Starkenburg und Rheinhessen. rm. Offenbach a. M, 5. Aua Bei dem D a m m b a u zwischen Mühlheim unb Rümpen- heim tarnen die etwa 2 Meter hohen Erbmassen, anscheinend durch daS vorauSgegangene Regenwetter ins Rutschen und eS wurden fünf Arbeiter, die mit dem Verlegen der Feldbahn beschäftigt waren, verschüttet. Durch encr gisches Eingreifen der übrigen Arbeiter und der herbeigerufenen Sanitätsabteilung konnten alle Verschütteten geborgen werden Rach Anlegung von Rotverbänden kamen drei, die schwerer verletzt finb, nach dem Krankenhaus. Sie haben teils Brust- und innere Verletzungen. Quetschungen, Schenkelbrüche usw. davongetragen. Hessen-Nas>uu. fpd. Fulda, 5. Aug. Die 11- und 13jährigen Söhne der Familie D i e t haben sich am 25. Juli aus dem Ettemhause entfernt und sich auf eine Hamsterreise begeben, von der sie bisher nicht zurückgekehrt finb. sd. Walldorf, 5. Aug. Bei der Durchfahrt durch den Ort explodierte der Denzlnbehälter eines Autos des Frankfurter Konsumvereins. Der Wagen stand im Augenblick in Flammen und brannte in wenigen Augenblicken samt seinem Inhalt nieder. Der Führer und der Franzose, der daS Auto bis zur Zollgrenze begleiten sollte, konnten mit Mühe ihr Leben retten. Der Schaden beträgt etwa 200 000 Mark. derS überlegt, lieber Rüdiger?" frag sie bestürzt ,DaS nicht gerade. Ader Ich meine, die Sache hat jedenfalls noch Seit“ Anneliese lächelte malltiöS. „2100, ich verstehe — Magelone hat wahrscheinlich ertlärt, daß sie ihre gefügige Desell- schafteri.l nicht zu entbehren wünscht Die Arme -- sie mutz ja immer jemand um sich haben, der sie bewundert . .1 Wem, eS gerade keine Anbeter sein können, jo doch diese ueine Tochter der WildniS. Ra, mir kann'S gleich sein. Die Haupt- jache ist, daß wir sie bald wieder loS werden auS Grafeneag." .Du irrst." fagt? Rüdiger kalt .Denn du totrft sie nicht loS. Ich wünsche datz Dorothea nicht nach Fürstenhaus zurückkehri, sondern auf ©raten- egg bleibt . wenigstens vorläufig." ,215er warum denn? WeShalb soll sie nicht mehr zu Magelone?" .Weil ich es nicht wünsche, daS mutz dir genügen. Ich denke übrigens, sie stört dich nicht .Doch. Ich mag sie nicht Ich mag auch daS Getue mit Papa nicht und die intime Freundschaft in die sie Hertha eingespvnnen hat. Sie ist eine Intrigantin . . .Anneliese!?" .Run ja, du wirst eS schon noch selbst sehe« Denke an mich. Aber wozu rege ich mich auf? Magelone wird sie ja doch jedenfalls wieder reklamieren. . .“ .Dann gewiß ohne Erfolg!" lagte Rüdiger in nachdrücklichem Ton. daß eS keinen 'Widerspruch dagegen gab. Zugleich stand er auf und trat ans Fenster, tote um anzudeuten. dah er eine Fotffetzung deS Gesprächs nicht wünsche. (Fortsetzung folgt) n0 bi- 1 Uhr. Dr. mel. Alberts, I £oe»inlarM. Berits 8W1L Hochprozentig .von unübertroffener 30% Wosehkraft 30% lieben 18. - 14. All,ASt Wohllabns- GeldLotterie 26673 Gewinne = Jl 1 000 000 1 100 000 J 80 000 4 i 70 000 2«fti6MVÄ empfiehlt u. oerfenbet i. 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Freitag, 12.: Was ihr wollt I Samstag, 13.: Die Der schwörung des FieSko zu Genua. Sonntag, 14 Der Traum ein Leben. Montag, 15.: Robert und Bertram. Dienstag, 16.: Der Traum ein Leihen. Mittwoch, 17.: Au-Frankfurt Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, 7. August. 11. nach TrinitatiA Kollekte für die 3nncrc Mission 3n der Stadtkirche. Torrn. 8 Uhr. zugl. Lhristenlehre s. d. Reukonfirm. a. d. MallhauS- gemeinde: PsarraMst. Ramge. 9iA: Psr, Becker - Montag, 8. Aug , adds. 8>/<: Helscrversamm- lung d. Markusgem — 3n der 3ohannes- kirche Dorrn. 8 Mbr, zugl. Ehriitcnlehre f. b. Aeukonfirm. a. d. Lukasgem.: Pfr. 'Bechtolsheimer 191/3 (zugl. Militärgvttesdienst-: Pfr Ausseld. 7. August. W i e s e ck. Borm. 9y«: Gottesdienst Aachm. 1: iLhristenlehre (tonfirm, männl Jugend). — Sonntag, 7. August, vorm. 10: Ä l r ebbet g. — 11: Christenlehre f. d. männl. 3ugend — Rachrn. 1»4: Lollar. Katholische Gemeinde. Samstag, 6. August, nachm. 5 u. abds. 8 Ubi Gelegcnh. z. hl. 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Die Kollegen werden gebeten, mit ihren werten Familien recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen, da vorher eine noch sehr wichtige Besprechung stattfinden soll. H621D Der Vorstand. Ab Montag: Entgleist Sechs Bilder der Groflstadt nach dem Roman «Die aislt arbeiten wollen“ von Hans Hyan. Ferner: DiesündigeVestalin 5 Bilder au» der Schattenseite des Lebens In Vorbereitung: 85756 Der Fluch der Menschheit Cafe Leib Sonntag den 7. Anglist Tanzkränzchen Andere Farben zurückweisen Alleinige Fabrikanten: Gebr.HeitmannKöln&Riga rin ii ii in-------------— Stroh., Röst-, gebrechter u. X'lilMlX geschwungen u. geherchelt ,AlUWv jlachr wird weiter von mir V I--- zu d. höchsten Tagespreisen aufgekauft u. werd. Leinen- u.Vebwaren gelief. bzw. getauscht. Stehe mit den best.Röst'U.Brechanstalten sow.Debwarenfabrik. in Verbindung. Da die Flachsernte 1921 frei ist,so ist eine gute Bedien.mögl. Unterkäuf.gesucht. Karl Seif art, GrLnberg i.h. VM Wh VMM Komödie in 3 Akten von 311. Blatz und E. Klein KassenSftnung 6'/, Uhr. Ende gegen V/« Uhr. Die Kostüme in »Potasch und Perlmutter" werden bei der biefinen Anfillbrung vom Modesalon Minna Lasten, Bad Nauheim, Parkstr. 1 gestellt. Der Barverkauf findet statt: Sonntag von 11 bis 12'/, Ubr, Montaa von 10—1 Ubr, Dienstag von 10—1 Ubr it. 3'/,—5 Ubr an der Theaterkasse. 8465c Sonnlaa den 7. August tzWWM-sMWM im Areieu Redner: Prediger Domay von Vid) und Prediger lfiester anS Thllrinaen. """" Bei unaünttiaem Wetter im Vereinsbaus. D ri.u heil und 1 wenig J&hlen will verstechen e*rr e. OTwrtng tn Sörflnftn schrewt: dritte - ^vrjlus/idla: und ^mkäuferjlridi wichtig1 Jur jetzigen Aussaat 4745D M, uni jt H ELM t3ur 1 -hannov^ ^We,' ?> fi! CONTINENTAL Dl- , 2T* IQ1 w KM t Die weltberühmten Freiburg I. Br. | c J - Jt WM- d Gebr. A4elfi.8u.Fal> nacht, u. Zugrunde- legung d. alt. Oher- ammerg. Urtextes. Weinbrennereien inkelhausen ■ Herren- u. Damenhüte aller Art werden «um Reinigen. 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Wenn der „Bund" daher davon absehen möchte, die Arbeitgeber noch mehr zu belasten, dafür aber Staat und Gemeinden zu gewinnen, eine produktive Kinderreichenfürsorge durch Gewährung von Wohnhäusern und bestellbarer Bodenfläche zu treiben, so kann ihm nur zugestimmt werden. AlS ..kinderreich" gelten Eltern mit mehr als vier, Witwen mit mehr als drei Kindern. Wer dem neuen „Bund der Kinderreichen" beitreten will, wird gebeten, sich an dessen Geschäftsstelle Berlin W 66, zu Händen von Herrn Geheimrat Plate, unter Angabe von Beruf unb Kinoerzahl, zu wenden. Kinderlose sind als Förderer willkommen. 'Dieser Bund ist jedoch, was besonders hervorgehoben werben muh, nicht als Alnter- stützungsverein gedacht, sondern allein als eine Genossenschaft zur Selbsthilfe. Richt Mietskaserne unb Krankenhaus, ble Seldstversorgerheimstätte ist sein Zukunftsibeal, also eine Kinberfürsorge^ bie nicht bie Symptome bekämpft, sondern durch Familienfürsorge die Wurzeln der Mihstände ausroden will, die unsere Volksgesundheit schwächen, auf dah auf gereinigtem Boden neue Kraft und neuer Geist erblühen. Aus dem Amtsvcrkündigungsblatt. •* Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 113 vom 5. August enthält' Jagdschutz. — Allgemeiner hessischer Ougcnbfeiertag. - Dienst- nach richten. — Feldbereinigungen Heuchelheim unb Stangenrod — Versteigerung ber Resibe- fiänbe des LagerS ber Treuhanbartiengesellschast in Fulda. — Gefunden, verloren. Gefunden und verloren. In der Zeit vom 16.—31. Juli wurden in (Sieben gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Hand- iäschchen mit Perlen besetzt, 1 Stoffgürtel, 1 wachs- ledernes Mäppchen mit Inhalt, 1 Teil von einem goldenen Kettenarmband. 1 Spazierstock, 1 Kinder- strümpfchen, 1 Haarschneidemaschine, 1 Tulaarm- band 1 Damenhut, 1 Tabakpfeife, 1 Waschseil, ein Selbstbinder, 1 Handtasche aus Stoff, 1 goldener Kneifer, 4 Stränge Wollgarn, 1 goldenes HalS- kettchen: verloren: 1 goldenes Kettenarmband, 1 goldener Damenring mit Brillanten, 1 goldenes Qumbanb, 1 Brieftasche mit 200 Mk., 1 brauner Herrenhut, 1 goldene Damenuhr mit Lederarm- band, 1 blaues Portemonnaie mit etwa 518 Mk., 1 Schreibheft mit 50 Mk. Inhalt, 1 silberne Damenuhr mit ftlbermem Sektzipfel. 1 Darnen-Tulauhr, Wert 300—400 Mk.. 1 schwarze Brieftasche mit 150 Mk., 1 schwarzer Damenregenschirm, 1 silberne Herrenuhr mit Kette. Kunst und Wissenschaft. Wien, 5. Aug. (WTB.) Gestern begann hier der internationale Kongretz der Augenärzte, zu dem neben zahlreichen inländischen Aerzten ble bekanntesten Augenärzte Deutschlands. Ungarns, Italiens, ber Schweiz, Dänemarks. Spaniens, Horb- unb Südamerikas, Brasiliens, Japans, Australiens, Indiens ufto. erschienen. England, Frankreich und Belgien sind auf dem Kongreß unvertreten. Vermischtes. Opfer der Berge. ♦ Innsbruck, 5. Aug. (WTB.) Dem .Alpenland" zufolge ist bei ber Besteigung ber Dreijuppenfpitze bie 6tabtrat8gattin Rösch aus Deutschlanb bei einer führerlosen Partie von ber Darmstäbter Hütte auf bem Seekopfe unb im mittleren Furchthorn Regierungsbaurat Johann Krieg auS Offenburg In Baben löblich ab« gestürzt. Dermiht werben brei Innsbrucker Touristen, bie am Sonntag eine Tour ins Kar- toenbelgebirge zur Erkletterung ber Aorbwanb ber Kraxmarer Kar (Mllzerwanb) unternommen haben. Ä f. Aus dem Vogelsberg, 1. August. Ein überaus rührender Fall von Mutterliebe eines Rebhuhns hat sich im westlichen Vogelsberg zugetragen. In einem schnittreifen Weizenfeld hatte sich eine Rebhuhn- mutter mit 14 Jungen häuslich niedergelassen. DaS Feld wurde eines schönes Tages abgemäht. Der Schnitter bemerkte das gut versteckte Rebhuhnnest nicht Ed traf die schützende Mutter, die ihre Kinder mit auSgebreiteten Flügeln zu decken suchte, gerade in dem Augenblick mit der Sense, als sie aufstreichen wollte, um die Aufmerksamkeit deS Schnitters von dem Reste abzulenken. Der linke Flügel wurde dem Tiere über die Hälfte abgeschnitten. Unter lautem Klagen unb Locken lief bas Rebhuhn bie Furche entlang nach dem benachbarten Kleeselb, immer ängstlich lockenb unb von einem Enbe bes Ackers nach bem an- berrt laufend. Der Mäher entdeckte nun auch bas Rest mit ben 14, kaum bem Ei entschlüpften Rebhuhnkindern und ließ zu ihrem Schutze im Kreis um daS Rest herum den Weizen stehen. Auch brachte ber mitleibige Lanbmann neuen Weizen als Ergänzung des schon abgemähten hinzu. Am anderen Morgen kam derselbe ßanb- mann auf das Feld, um den gemähten Weizen in Garben zu binden. Er sah auch ncch dem Rest, fand eS aber leer. Da bemerkte er eine Blutspur quer über den Acker nach dem Kleefeld. Dieser Spur gtna er nach und sand etwa 10 Schrille im Klee — ble löblich getroffene Mutter, bie ihre Kinder mit bem gefunben Flügel zu Überbecken versuchte. Die sorgende Tiermutter hatte mit ihrer letzten Kraft bie Jungen aus bem gefahrvollen Reste herausgelockt unb hier in Sicherheit gebracht. Daraus verblutete sie, ber ßanbmann fanb sie tot mit ben lebenben Jungen. Es ist eine bekannte Tatsache, bah Felbhühner, besonbers aber Wachteln, burch Herauslaufen ben Menfchen zu täuschen versuchen, was ihnen sogar meistens gelingt Kommt man in bie Rähe eines Weizenfeldes, an dessen Rand eine Wachtelmutter ihre Jungen ausfühtt, so ertönt der kurze scharfe Warnruf der Mutter, auf den die Jungen sofort in das Weizenfeld stürzen und sich unter die Schollen drücken. Vater und Mutter flüchten jetzt nicht ebenfalls, sondern laufen dem Menschen entgegen und lenken ihn von den Jungen ab. Der Mensch glaubt nun, bie langsam laufenden Tiere fangen zu können und geht ihnen nach, bekommt sie natürlich nicht Wird die Verfolgung in noch aesährlicher Rähe ber Jungen aufgegeben, so benutzen die Tiere den Trick, sich flügellahm zu stellen, sie legen sich ermattet auf ben Doben, bis man toleber ble Verfolgung aufnimmt. Handel. Berlin, 5. Aug. Börsenstimmungs- bilb. Infolge einer gewissen Zurückhaltung ber Spekulation wegen ber bevorstehenden Enlschcl- bung über bas Schicksal Oberschleflens. woburch natürlich auch bas Publikum in feiner Kauflust etwas gedämpft wurde, machte sich heute an ber Börse ein leichter Rückgang im Geschäftsgang ganz allgemein bemerkbar. Auf Veranlassung ber so« genannten Stempelvereinigung werden überdies seitens des Dörsenvvrstandes ziemlich einschneidende organisatorische Mahnahmen erwogen, um die unliebsamen Verhältnisse hinsichtlich der start verspäteten KursseststeUung am Industriemarkt wenigstens auf ein erträgliches Matz zurückzu- führen. Die Kursbildung war anfangs nicht einheitlich, doch überwogen für ble Mehrzahl ber Papiere KurSerhöhungen, bie aber nur bei Phönix Th. Goldschmibt, Rüttgerswerke unb Oren- ftetn & Koppel sowie einigen Maschinenfabrikaktien über 10 Prozent hinausgingen. Im Mittelpunkt des Interesses standen bei (einer Besserung von 40 Prozent Akkumulatoren Auch Felten & Guilleaume waren bei allerdings geringeren Umsätzen 25 Prozent höher. Die Kursbewegung war bei anhaltend stilleren älnllähen als man letzthin gewohnt war, auch weiterhin nach oben gerichtet. Die übrigen Märkte waren still und bie Kurse wenig verändert. Der Devisenmarkt war zurückhaltend bei schwankenden Preisen. Frankfurt a. M, 5. Aug. Börsen- stlmmungsbild. Der Geschäftsoerkehr gestaltete sich ruhig bei sichtlich freundlicher Stimmung. Im freien Verkehr sanden Mansselber Kuxe Beachtung, sie würben zwischen 5530 unb 6000 gebanbeit. Deutsche Petroleum fanben zu 785, Ehern. Rhenania 533, Augsburg-Rürnberg 773 Aufnahme. Phönix Bergbau lagen bei geringem Angebot fest. Bingwerke notierten 366'/r, Deuher Gas 396. Chemische Werte hatten mäßigen Verkehr. Scheibean statt stellten sich höher 679.50. Hirsch Kupfer beachtet gingen mit 399'/, um. Elettro Lahmeyer sowie A. E. G konnten sich befestigen. Rordbeulscher Lloyb blieben zu 158 gesucht. Rachfrage bestaub für Zellstoff Aschaffenburg 81472 plus 10 Proz. Spinnerei Ettlingen, Maschs. Riebinger letztere 348 plus 8 Proz., Eisenwerke Meyer anzieheub 600. Spinnerei jammerten 599 lebhaft ge&anbelt. Ferner. fanben Vogllänbische Maschinen zu 410, Münchener Löwenbräu zu 550, Reiniger Gebert zu 360 Aufnahme. PH. Holzmann schwächer 365*/,. Rorbb. Lloyb später schwächer 157l/i- Die Äbenbbörse schloß bei fester Tenbenz. Frankfurt«.. TL, 6. August. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Dries Datum: 4. August. 5. August. Amsterdam« Kotiert. 2512,45 2517,55 24-7,59 2487,55 Brüssel.Antwerpen . 603,35 607,65 625,85 606,65 (Tbriftiania...... 1041,45 1043,55 1336,45 1 >38, 5 Kopenhagen..... 1256,70 1259,30 1246,25 1248,75 Stockholm 1675,80 1679,20 1663,30 1666,70 helsingsor«...... 124,85 125,15 124,60 124,90 Italien........ 347,15 347,85 348,65 349,35 London........ 293,70 294,30 292,20 292,80 Neuyork....... 82,78 82,46 81,03 81,21 Pans......... 629.35 630,65 628,35 629,65 Schweiz........1354,60 1357,40 1341,15 1343,05 Spanien...... . 1047,95 1050,05 1036,45 1038,55 Wien (altes). Deutsch.Oesterr. . . . 8,93 8,97 8,58 8,62 Prag......... 103,10 103,40 101,95 102,05 Budapest....... 20,27 20,33 20,22 20,28 Bulgarien ...... ——, — — Konstantinopel. . . . Börsenkurse. Frankfurt Berlin Abend- Abend- Schlutz- Schlutz- KurS Kurs Kurs KurS Datum: 4.8. 5'. Disch. ÄriegsanL 77,50 4*/e Disch. Reichsanl. — 8*/, Disch. Neichsanl. — ,— 4% Preutz Konsols — Darmstädter Sank . — Deutsche Sank . . . — Disconto-Gesellschast — Dresdner Bank... — Nationalbank f. D. . — Mitteld. Creditbank. 164,— H.-Amerik. Pakets. . 179,- Norddeutscher Lloyd. 158,— Bock Guhstahlwerk . — ,- D.-Luxemb. Bergw.. 404,50 Gelsenkirch. Bergw. . 407,— Harpener Bergbau . 625,- Oberschles. (Eifenb.«S. 330, - Oberschles. Tisenind. . 289,75 Phönix.Bergb -Akt.. 925,- Bad. Anilin« u. Soda Höchster Farbwerke. 335,50 Elektt.LE.G..... 335,- Schuckett-Werke. . . -,— Felten-Guilleaume, . 580,— Daimler....... 248, - Bud.« Lisen«.-2lkt. , -,- Adlerwerke...... 278,— 4'/,Hess.Staatranl. , -,- Elektron Griesheim. —,— 5.8. 4.8. 5.8. 77,50 77,50 77,50 76,50 79,40 76,90 76,80 70,90 71,- 170,- 170,- 302,70 303,— 262,75 262.50 -,- 214,- 214'- —189,- 189,50 164,50 165,25 1 64,7k 176,36 176,84 157,50 165,84 158,- 529,75 529,- 400,- 400,- 400,- 412,- 407,- 411,- - - 615,- 617,- 331,- 331,- 335,- 294,- 285,25 293,- 935 - 92),- 935,- - 381,- 405,- 336,- 339,75 337,- 335,- 333,- 336,50 -,- 284,- 2o3,- -,- 544,- 617,- 255,- 246,75 255,- —619,- 611, — -,- 230, — 276,- -,- 69,- 70,- 335,- 340,- 338,- Züricher Devisenmarkt. 5. 8. 6. 8. Wechsel auf Schweizer Franken Holland........100 Fl. = 185.- 184.75 Deutschland......100 TRfc. = 7.45 7.-,25 Wien ....... 100 Kr. = 0.675 0.65 Prag.........100 Är. = 7.60 7.60 Paris.........100 Fr. » 46.85 46.65 London ........ 1 Ä = 21.75 21.69 Italien........ 100 2. - 26.10 2M5 Brüssel........100 Fr. - 44.90 44-80 Budapest.......100 Är. - 1.525 1-475 Neuyork........100 I - 602.- 602-50 Agram.........100 Kr. = 3^0 3 40 Bukarest.......100 L. - 7.60 7.60 Marknotierungen. Für 100 deutsche Rlark wurden gezahlt: Saturn: 1.7.1k 4.7. v. 8 Zürich...........Fr. 125,4) 7,37 7,4? Amsterdam........Fl. 59,2) 3,98 4,03 Kopenhagen........Ar. 88,3 ) 8,10 8,10 Prag............ftx 117,43 Stockholm.........str 83,3) 6,- 6,65 Wien............Ar. 117,88 -,- London..........Sh 97,8) 6,- 6,02 Paris...........Fr 125,43 15,- 15,84 Neuyork..........I 23,8 J 1,21 1,23 Märkte. Frankfurter Obst- und Demüsemarkt. Frankfurt a. M., 5. Aug Der heutige Markt war wieder gut mit allen, ber Jahres« zelt entsprechenden Oostarten beschickt. ES machte sich insolgebessen eine weitere Senkung der Preise besonberS bei Zwetschen unb ben geringeren Qualitäten von Aepfeln und Birnen bemerkbar. Für Pfirsiche dagegen wurden erhöhte Preise "befahlt. Heidelbeeren waren noch In gröberen Mengen angefahren und fanden zu festen Preisen glatten Absatz. Der Gemüsemarkt war heute etwas reichlicher befahren. An auswärtigen Gemüsen waren Weitzkraut, Blumeitkohi und Rotkraut reichlich vorhanden und wurde zu hohen Preisen gekauft. Auswärtige Gurken fehlten. Es wird dies durch den Tiefstand unserer Valuta bedingt. Hiesige Salatgurken waren nur In kleinen Mengen angefahren und wurden zu hohen Preisen von hiesigen Händlern Übernommen, so datz eS den auswärtigen Händlern fast unmöglich war, das Risiko des hohen Einkauss zu tragen. Ein« Icgegurtcn waren heute auch reichlich angesahren. doch blieben die Preise bei guter Ware recht hoch. Alle anderen Gemüse waren in nicht ausreichenden Mengen angesahren unb es wurden solche Händler beliefert, welche schon vorher fest bestellt hatten. 3m Grotzhandel wurde bezahlt: Pflückäpfel 1.20 3.50 Mk.. Falläpfel 0.40-0.75 Mark, Birnen 1.70—3 80 Mk, Zwei scheu 2 83 bis 3.50 Mk., Reineclauden 2.80—6.00 Mk., Mirabellen 3.50—6.00 Mk., Pfirsiche 9.00 -12.00 Mk.. Herdes beeren 3.20- 3.50 Mk., Tomaten 3.00—4.00 Mk.. Bohnen 3.50—4.50 Mk.. Salatgur len 3 00 -9.00 Mark. Einlegegurken 0.30—0.75 Mk» Weitzkraut 0.90-1.20 Mk., Wirsing 1.50- 2.00 Mk.. Rot- traut 1.60-1.80 Mk., Blumenkohl 7.50 Mk.. Salat 0.80—1.50 Mk.. Endivien 1.50—2.50 Mk.. Sellerie 0.60—0.80 Mk„ Lauch 5—20 Pf, Zwiebel» 1.10-1.30 Mk., Kartoffeln 1.00—1.05 Mk. (In einem Tell der Auflage wiederholt.) „Das Rheinland eine vorgeschobene Bastion von Frankreich"! Pari S, 5. Aug. (WTB.) Barrö res tritt heute tm .Echo de PariS" für die Aufrechterhaltung der »Sanktionen" am Rhein ein. Am Rhein urtd nirgend wo anders werde Frankreich die Pfänder für seine Bezahlung und seine Sicherheiten finden. Er denke, datz eS nicht mehr einen Franzosen gebe, der nicht begriffen habe, datz bie französische Politik barauf beruhe, dah man eine Rheinpolitik betreibe. Riemand werfe dem Ministerpräsidenten Driand vor, datz er ermutigende Worte an den neuen deutschen Reichskanzler gerichtet habe. Man müsse die gemäßigten Elemente in Deutschlanb begünstigen, es aber nur tun, um mit mehr Sicherheit und Freiheit die traditionelle Politik gegenüber Deutschland verfolgen zu können. Die erste Bedingung sei, die französische Doktrin auf das linke Rheinufer in Kraft au halten. Die wesentliche und ewige Lehre fei, datz zwischen der preutzischen Politik und ben westlichen Ländern eine Zone des Friedens erhalten werde, in ber sich ble Ideen deS Friedens entwickeln können. Diese wesentliche unb ewige Doktrin sei, batz bas Rheinlanb eine vorgeschobene Bastion von Frankreich gegenüber bem Osten sei. Die Suttvaffmmg. Berlin, 5. Aug. In Erfüllung ber Londoner EntwaffnungSnote der Entente find, den Blättern zufolge, gestern wiederum 1 90 Offiziere ber Reichswehr entlaßen worden. Es handelt sich hierbei um ble Verringerung ber Offiziersstellen, wie sie General Rollet zwecks Einreihung ber höheren DerwaltungSbeamten beim Mittiär In bie erlaubte Zahl von 4000 Offizieren geforbert hatte. Zur Abrüstungskonferenz. PariS, 5. Aug. (WTB) Rach einer Rach- richt aus Washington soll Japan geneigt sein, sich mit bem 1. Rovember, dem Tage deS Waffenstillstandes, als Eröffnungstag ber A b rüstungSkonferenz einverstanden zu er« klären. Doch befürchtet man in japanischen Kreisen, datz es unmöglich sein wird, bie Konferenz an diesem Tage zu eröffnen, da die Entfernung zwischen Tokio unb Washington sehr grotz fet und infolgedessen die Verständigung zwischen der Botschaft in Washington und der Regierung in Tokio über die Festlegung ber vorläufigen Vereinbarungen beträchtliche Fristen erfordere. Die Verhandlungen der beteiligten Mächte über die auf der Konferenz zu erörternden Fragen dauern an. TOan hofft in Washington, dah die Frage der I n I e. V a p noch vor Eröffnung der Konferenz beigelegt werden könne. Sine Rodelle zmn Dörsengesetz. Berlin, 5. Aug. Laut,Bert.Tagebl." wirt dem Reichstag tm September eine Rovelle zur» Vörsengesetz zugehen, die ben Frauen ber Besuch ber Börse erlaubt Quitos oerahrounden tfnd alle Hautuoremlgee-ten a HauteosschUge, wie Mileaaer, Hekeln, BlOtcben usw durch tägl Gebrauch d. allem echten tftatawferd-9eetsdwefeL-‘fci(i» non Bergmn < CeM überall zu habe». Tas Leben des Babys hängt an einem Faden, Ihrem Kinde derhaib betzeuen Nestle'S Kinder mehl! Sie ersvaren sich vielleicht bittere Vorwürfe in der Zukunft Illustrierte Broschüre über die Pstege des KmdeS versendet »ratis uno franke „Linda" Gesellschaft m. b. v., Berlin W 57. «*» Bei Kopfschmerz Rasch xl » eher wlrknd. ErhUtbch ie Apotheken. 243« jHc’e po'r.e> er Ohos ■ ■ ■ Frank fixt/fcLS.l rrovanilleÄ\ Unterhaltung > Erhebung > Selchmng wahn veralbert, dem Zeitweiser für Bücherfreunde: »Die Fahne", Verlag Walter Seifert, 1 Stuttgart. •) Wir entnehmen diese nette Groteske, f'e zu ihrem Teile auch den modernen Gespenster- 31m Heidekraut. Von Johannes Schlaf. Hoch oben lieg ich, im Heidekraut, hoch über den dunklen Wäldern, hoch aus dem sonnenglühenden Gellipp. 3d) denke, ich treibe auf einem endlosen Meer. Das Spiel seiner Wogen ist da- helle Himmelsblau, das unaufhörliche Rauschen und Wühlen des freie» DergwindeS in den hohen Kronen. Vogelgezwitscher und wehende Düfte. Summen, Schrillen und Knistern der Käfer, die hundert Geräusche der windbewegten Zwerge, blitzende Strahlen und ruhende, gleitende Lichter, wellende Farben und das Blinkern und Donnern der Wkldwafser — und meine Gedanken, meine dummen Gedanken.... Mit Strömen von Wärme und Acht rauscht die Welt Lieder durch meine Pulse, dunkle, grausige, süße Lieder der Einheit. Heber die blauen Täler hin, in die wette, sonnige Welt hinein, schwatzt dich meine Sehnsucht, du liebes, unergründbares Rätsel, neckt sich mit kindlichen Torenworten die uranfängliche Kraft, ihr eiaenes Rätsel und ihres eigenen Rätsels Sinn „ Das Gespenst. Von Manfred K y b e r*). „Es spukt in der Küche, ich ziehe zum Ersten," sagte meine Köchin, als sie morgens das Frühstück brachte, und ihre Gesichtsfarbe war eine Mischung von Kalk und Käse. „Das ist Blödsinn," sagte ich ruhig und beherrscht, aber es lief mir kalt über den Rücken, denn niemand kann solche Eierkuchen backen wie meine Köchin, und die Aussicht, ohne solche Eierkuchen zu leben, war entsetzlich. „Es ist kein Blödsinn," sagte die gequälte Frau, „ich habe die ganze Rächt nicht geschlafen. Es hat geheult und gestöhnt und geschlappt wie mit einem Tuche. Es war ein Leichentuch, das geschlappt hat." „Wann war das?" „•Um Mitternacht." Ich überlegte. „Lassen Sie mir einige Rächte Zeit," sagte ich schließlich, „ich werde dafür sorgen, daß es nicht wieder vorkommt." Die Lage war klar. Ich hatte zu wählen zwischen einem Gespenst und den Eierkuchen. Ich setzte mich an den Schreibtisch und schrieb folgenden Brief: Sehr geehrter Herr Gespenst! Meine Köchin beschwert sich, daß Sie in der Küche spuken. Sie sollen heulen, stöhnen und mit einem Leichentuch schlappen. Ich ersuche Sie, das zu unterlassen. Meine Köchin kündigt mir sonst, und sie ist die einzige in der Stadt, die gute Eierkuchen backen kann. Wenn Sie spuken wollen, so beschränken Sie sich auf mein Arbeitszimmer oder wählen Sie die Stunden, wenn meine Köchln ausgeht. Ich gestatte mir hinzuzufügen, daß Sie sich starken exorzistischen Unannehmlichkeiten aussehen werden, wenn Sie sich meiner häuslichen Ordnung nicht fügen. Hochachtungsvoll Richt nur im Erntekranz und -straub und Erntemai Jletlte man sich das Sinnbild des Wachstumgeistes vor. In Mitteldeutschland, aber auch in der Rheinprovinz galt der Hahn als seine Deriorperung. In frieren Zeiten war es üblich, beim Mähen der letzten Halme einem Hahn den Kopf abzuschlagen und ihn auf einem buntgeschrnückten, mit Aehren umflochtenen Stabe zu befestigen. Beim Erntemahl wurde er dann verzehrt. Ober man begnügte sich auch mit der Rachbildung eines Hahnes aus Holz oder Papier. Auch dieser wurde im feierlichen Zuge auf dem letzten Fuder helmgebracht. Hat sich diese Sitte kaum noch erhalten, so erinnert doch die mancher- orts gebräuchliche Bezeichnung „Erntehahn" für Öen Ernteschmaus daran, welche grobe Rolle der Hahn einst gespiett hat. Der Geist des Erntesegens konnte aber auch menschliche Gestalt annehmen. In Schlesien kannte man ihn als den „alten Mann", anderwärts heißt er drrzweg „der Alte". In vergangenen Zeiten wurde der Alte vollkommen als Gott verehrt und angebetet. Dies geht aus einer dem Jahre 1249 entstammenden Urkunde hervor, in der berichtet wurde, daß die dem Christentum wieder abtrünnig gewordenen Bewohner der ostpreußischen Gaue Pomesanien, Ratangen und Ermland dem päpstlichen Legaten schwören mußten, in Zukunft nicht mehr „den Alten" als Götzenbild anzubeten und ihm zu opfern. Später wurde es ein Er^ebrauch, die aus der letzten Garbe gebildete Puppe „den Alten" zu nennen. In manchen Gegenden gestaltete man ihn ganz menschlich, d. h. er wurde mit Hose, Weste, Rock und Hut be- kletdet und in dieser Form von den Schnittern m feierlichem Aufzuge dem Hausherrn auf den ^of gebracht Beim Erntefestmahl wird ihm ein (Sbrenblab am Tisch eingeräumt, und eine der Binderinnen eröffnet mit ihm den Erntetanz. Er muß bann den ganzen Winter über im Hanfe nber in der Scheune aufbewahrt werben. Ist ber Glaube, daß man den Geist des Getreides im Erntekranz, Erntemal, im Hahn oder ’m »Alten" vom Felde mit heimbringt, sehr weit verbreitet so fehlt es auch nicht an der entgegengesetzten Ansicht, nach der er auf dem Felde überwintert. Da die Menschen die eigentlich ihm gehörende Ernte geraubt haben, kann er aus Rachsucht ihre Scheunen heimsuchen und bas Korn daraus wegführen. Um ihn zufriedenzu- stellen und ihn vor dem Verhungern zu schützen lassen die Schnitter daher vielfach ein paar Halme für ihn auf dem Felde stehen, ober ber Landwirt nimmt vom letzten Fuder einige Aehren legt sie auf den Acker, beschwert sie mit einem Stein, um ihr Wegfllegen zu verhindern, und hat durch dieses Opfer den Geist des Wachstums günstig gestimmt. Die Ausnutzung der Wasserkraft. Es gab _ einmal eine Zelt, da wurde das gute alte Mühlenrad sehr traurig; das war damals, als die Kohle ihm in der Form der Dampfmaschine die Herrschaft streitig machte. Zwar wurde es selbst von seiner Stelle als Kraftmaschine für die Getreidemühlen niemals verdrängt, und es klappern heute die Mühlen durch die Triebkraft der Wasserräder wie ehedem, aber die lieben Töchter der alten Mühle, die verfeinerten Mühlräder, die Turbinen, welche die Wasserkraft bedeutend besser ausnutzen, ihnen ist es verhältulsmäßig schwer gefallen, sich durchzusetzen. Erst im Jahre 1891 erlangte die Wasserturbine eine praktische Bedeutung, als von Lauffen am Reckar eine elektrische Kraftübertragung nach Frankfurt am Main durchgeführt wurde und die Turbinen in Lauffen dort eine Dynamomaschine in Atem hielten. Inzwischen haben die Turbinen (die Dampfturbinen sind hier nicht gemeint; sie bedürfen ja zur Erzeugung des Dampfes wiederum der Kohle) zahlreiche Konstruktionen durchgemacht (die Francis- und Peltonturblnen gehören zu den besten), ferner hat es die Ingenieurkunst fertig gebracht, die verfügbaren Wassermengen ber Flüsse und Seen so zu flauen, dah man nicht auf natürliche Wasserfälle angewiesen t, sondern über viel beständigere und mächtigere Gefälle verfügt (man denke an die Edertalsperre). Dabei sind die Unabhängigkeit der Wasserkraftquellen von der Kohle und ihr wirtschaftlicher Betrieb Faktoren, die gerade in der Rachkriegszeit zu einem wahren Wetteifer in der Anlegung von Wasserkraftwerken herausgefordert haben. Man baut heutzutage Wasserturbinen von 100 bis 1000 Mmbrebungen pro Minute und 100 bis 15 000 Pferdekräften als Leistung; dabei nutzen sie über 80 Proz. der hineingestectten Wasserenergie aus. ■linier wackeres Mühlrad kann wieder froh fein; es wird gerne weiterklappern und Mehl mahlen, wo es seine tüchtigen Töchter, die Turbinen, so ehrenvoll beschäftigt weih. Das größte Wasserkraftwerk Deutschlands wird in absehbarer Zeit in Bayern entstehen. Es handelt sich hier um die Wasserkräfte an ber mittleren Isar bei München und am Walchensee in den bayrischen Alpen, deren Ausnutzung schon lange vor der Revolution geplant war und jetzt in die Tat umgesetzt werden soll. Die beiden Großkraftwerke werden ganz 'Bayern mit elektrischem Strom versehen, was ihnen durch Vereinigung mit anderen bestehenden ober noch zu schaffenden kleineren Werken gelingen soll. Zur Sicherstellung der Rentabilität des Bayemwerkes denkt man auch daran, die bayerischen Eisenbahnen zu elektrifizieren. Ratürlich werben noch einige Jahre vergehen, bis die Werke fertiggestellt sind, zumal die Finanzierung eines solchen Hnf mehmens ehr schwierig ist. Für Süddeutschland hat man emer eine stärkere Ausnutzung der Wasserkräfte von Reckar und Oberrhein ins Auge gefaßt, so daß die Zett nicht mehr allzu ferne liegen wird. „Rein, man spukt im selben Hause, grundsätzlich," sagte Frau Sanftleben und klapperte demonstrativ mit ein paar Totenknochen in ihrer Hand. „Was heißt „man“ spukt? Das ist doch mehr als veraltet — ich dachte, Sie wären selbständiger." „Ich bleibe hier und ich spuke hier," sagte Frau Sanftleben. Ich verlor die Geduld nicht. „Gut, gnädige Frau," sagte ich, „bleiben Sie hier und spuken Sie hier. Aber nehmen Sie Rücksicht auf meine Köchin und meine Eierkuchen. .Wählen Sie eine andere Stunde." „Zwölf Hhr nachts ist allgemein üblich. Es ist Gespensterusance. Auch empfangen Sie ja bann keine Besuche." »Das möchte ich nicht unbedingt sagen," meinte ich, „aber wenn ich um diese Stunde Besuch empfange, so sind das Zeitgenossen anderen Datums und keine Damen von mehr als hundert Jahren, die phosphoreszieren und transparent sind. 3m übrigen handelt es sich weniger um mich als um meine Köchin, und meine Köchln fürchtet sich, weil Sie stöhnen und glühen und sich groteske Scherze mit Ihrem Kopf erlauben" — ich sah auf meine Rotizen — „ferner hauchen Sie einen kalten Grabesduft aus und schlappen mit einem Leichentuch." Frau Sanftleben fuhr auf. ..Das ist kein Leichentuch, sondern ein Staubtuch. Ich wische Staub, mein Herr. Ich habe mein ganzes Leben lang Staub gewischt. Alles wird Staub. Auch Sie werden zu Staub werden." „Das weih ich. Aber so lange ich noch nicht Staub bin, will ich Eierkuchen essen, und wenn Sie meine Köchin fortheulen und fortglühen, so bekomme ich keine Eierkuchen mehr. Frau Leonore Sanftleben, unsere Unterredung ist beendet. Ich frage Sie, ob Sie gehn wollen oder nicht? Ich lasse Ihnen fünf Minuten Bedenkzeit" Frau Sanftleben phosphoreszierte in scheußlicher Weise. Dann nahm sie ihren Kops von den Schultern und setzte ihn auf den Schoß. Jetzt riß mir die Gedull). „grau Sanftleben, machen Sie keine Kunststücke, hier ist fein Variete l" schrie ich sie an. „Staub — Staub — Staub," laltte der Kopf auf ihrem Schoß. ©taub — Staub — eine herrliche Idee kam mir bei diesen Worten. Staub war sie, Staub wollte sie und Staub solle sie haben! Ich ergriff den Vakuumsauger, schaltete ihn ein und preßte das Mundstück des Schlauches auf den phosphoreszierenden Busen von Frau Sanftleben. Der Schlauch, schluckte und schluckte, und Frau Sanflleben verschwand mit-- samt dem separaten Kopf, dem Glühen, Stöhnen und aller Transparenz und Phosphoreszenz im Dakuumapparat. Es spukt nicht mehr und ich esse Eierkuchen. Der Vakuumapparat aber arbeitet so wie nie zuvor. Frau Sanflleben hat ihren Beruf darin gefunden. (Unterschrift). Am anderen Morgen nahm ich das Papier wieder zur Hand. Es war ein Totenkopf brau gezeichnet mit einigen Knochen, die farbellenartig übereinander lagen. Darunter stand: Ich bin kein Mann, sondern eine Frau. Ich kann spuken, wo ich will. Von meiner Spukstunde kann ich nicht abweichen. Grundsätzlich nicht. Mit gespensterlichem Gruß Leonore Sanftleben, Gespenst. Die Portterfrau, die nachts zur Beruhigung Die Portierfrau, die nachts zur Beruhigung bei der Köchin gewacht hatte, erklärte, dah sie es auch heulen, stöhnen und schlappen gehört habe, dah es in der Küche glühwurmähnlich geleuchtet habe und dah sie, die Portiersfrau, selber gesehen habe, wie jemand mit dem Kopf unter dem Arm an ihr vorübergestrichen sei, wobei ein kalter, grabähnlicher Hauch sie, die Pvriiersfvau, berührt habe. Die Köchin kündigte. Mir wurde erstatt, wegen der Eierkuchen. Frau Leonore (Sanftleben mußte fort Ich wußte ja nun immerhin einigermaßen, mit wem ich es zu tun hatte. Es war ein weibliches Gespenst, darum die Hinneigung zu den Küchenräumen. Cs war ferner eine Dame mit Grundsätzen, aber welche Dame bat keine Grundsätze? ilnb schließlich find Grundsätze doch dazu da, um überwunden zu werden, und besonders solche von Damen. Schön muhte Frau Sanflleben nicht sein, sonst würde sie den Kopf nicyi unter dem Arm tragen. Ra, wir werden ja fehen, dachte ich, setzte mich an den Schreibtisch und schrieb folgenden Brief: Frau Leonore Sanflleben, Gespenst, hier. Sehr geehrte gnädige Frau! Ich bestätige Ihnen dankend Ihre werten Zellen von ber gestrigen Rächt und bitte Sie höflichst, sich heute um Mitternacht zwecks einer Unterredung mit mir in meinem Klubsessel freundlichst materialisieren zu wollen. Mit gespensterlicher Empfehlung hochachtungsvoll ergebenfl (Unterschrift). Um Mitternacht sah ich an meinem Schreibtisch und wartete. Der Klubsessel stand seitwärts am Fenster, so dah er vom Mondlicht voll be- chienen wurde, um Frau Sanftleben die Materialisation zu erleichtern. Ich hatte beschlossen, die Angelegenheit höflich, aber sehr sachlich zu erörtern, und hatte mir kurz die nötigen Rotizen gemacht: heulen, stöhnen, schlappen, Leichentuch, glühwurmähnliches Licht, Grabeshauch, Kopf unter dem Arm. Die Hhr schlug zwölf. Das Zimmer verdunkelte sich und unter der Sofaecke kamen stöhnende Laute hervor: Huh—Huh—Huh— in asthmatischen Abständen. „Sind Sie das, gnädige Frau?" fragte ich „Huh-huh!" U „Sind Sie unter dem Sofa, gnädige grau ?“ „Huh-huh!" Ich dachte an die Eierkuchen. „Gnädige Frau, ich bin kein Teppich," sagte ich energisch, „ich kann nicht zu Ihnen unter das Sofa kriechen. Ich habe Sie gebeten, sich auf meinem Klubsessel zu materialisieren. Bitte, nehmen Sie Platz." Auf dem Klubsessel erschien ein zitternder Schleier, formlos und unsympathisch. „Gnädige Frau, entwickeln Sie sich jetzt bitte. Ich kann mich nicht mit einem Schleier, einem Gegenstand der Konfektion, unterhalten. Ich habe Frau Sanflleben, nicht einen Lappen hierher gebeten." Jetzt wuchs der Schleier und wurde greulich ;roß. Wenn daraus Frau Sanflleben werden ollte, so muhte sie viel Raum für ihre ge- spensterliche Existenz benötigen. Endlich sah sie vor mir: im Reifrock, eine ältere Dame, durc^ ichtig und korpulent. Ihr Busen wogte, und sie phosphoreszierte heftig. „Phosphoreszieren Sie bitte nicht so unangenehm," sagte ich, „ich habe Sie hierher gebeten, um mich über Ihre Spukangelegenheiten zu unterhalten, nicht um Ihre transparenten Eigenschaften zu bewundern oder Ihre felbfltätigc Leuchtfähigkeit festzustellen." ..Mein Herr!" sagte Frau Sanftleben, und in ihrem Kopf glühten zwei Augen auf, dah glühende Kohlen ein alberner Scherz dagegen waren. „Brennen Sie keine Löcher in meinen Klub- essel." sagte ich, ..und nun will ich, um auf | Wasser („weißer Kohle") treibt, seine Moto« mit Wasser laufen läßt, seine Lichter mit Waffe» brennt oder seine Herde mit Wasser heizt alles durch unmittelbare Verwandlung der Energie des strömenden Wassers in Energie der Elektrizität, die ihrerseits wieder in allen möglichen Energie formen auf tritt und verwendet werden kann Außerhalb Deutschlands ist man nicht weniger eifrig bemüht, die Wasserkräfte für die Gewln- nung der Elektrizität nutzbar zu machen. So sind in Dänemark während des laufenden Jahres eine ganze Reihe Wasserkraftwerke eröffnet worden, von denen dasjenige bei Tange, in der Räh« ber Stadt Aarhuus an der Ostsee, das größte ist. Mit Hilfe des Flusses Gudenaa wird hier ein künstlicher See von etwa 20 Millionen Kubik- geschaffen; bas Werk liefert jährlich 10 Millionen Kilowattstunben. Das Bayern- Werk wird dereinst eine fast 20mal so große Lei- ftung^ausweisen. Richt weniger stark als das Wert x°n ^an8e ift bas noch jüngere bei dem Städtchen Darbe an der Westküste Jütlands. In Dänemark, noch mehr aber in England bat man in jüngster Zeit den Gedanken gefaßt' die Kraft, die in Ebbe und Flut steckt, auszu- -n Frankreich gibt es längst längs der - . mere Wasserkraftanlagen, bei denen sich em Bassin während der Flut mit Wasser füllt, um dann das abgefangene Wasser während ber ®bbe em Wasserrad treiben zu lassen. 3 m großen müßten sich Ebbe und glitt überall da ausnutzen lassen, wo von Ratur aus Einbuchtungen vorhanden sind, die mtt verhältnismäßig kurzen Dämmen vom Meer ab- geschnltten werden können. In England hat man die Mündung des Severn für diesen Zweck auf« Korn genommen. Die Flut ist hier sehr stark da der Severn in den Bristol-Kanal mündet und diefer frei an dem Atlantischen Ozean liegt. Der abschnurende Damm soll 51/., Kilometer lang werden, an einer Stelle, wo der Strom 4 Kilometer breit ist. (Sobald die Flut kommt, offnen sich automatisch eine Reihe großer Schleusentore, die sich ebenso wieder schließen, wenn die Ebbe eintritt. Dadurch wird ein großes Staubecken gefüllt. Kommt nun eine neue Flut, so öffnen sich wiederum die Schleusentore, aber das vorher abgefangene Wasser tritt mtt großer Gewalt Aurucf, und zwar in zahlreiche Wasserturbinen, bie in den Damm eingebaut sind. Der Damm selbst soll aus Eisenbeton gebaut werden, und seine Dimension soll so groß sein, bah bie Turbinen unb Dynamos bequem darin Platz finden. Rachtellig ist ber Umftand, baß eine solche Wasser- fraftanlage wegen des periodischen 'Wechsels von Ebbe und Flut mit regelmäßigen, stundenlangen Unterbrechungen arbeiten muß, aber diesem Rachteil gedenkt man durch sinnreich ausgedachte HUfs» anlagen aus dem Wege zu gehen. O diese Mücke«! „Der Mücken singend Volk, das zierlich feingebaut unb §art geflügelt, ätherisch fast, doch nichts als Blutdurst kennt," wie Heinrich Seidel dichtet, ist die stete Plage unseres Sommers und mancher, der von diesen Tieren arg zerstochen ist. wird auch gern wissen wollen, auf welche Weise ihm diese Wunden zugeführt werben Wie in einem Aufsatz in „Hebet Land und Meer" dar- gelegt wird, ist es eine geradezu teuflische Waffe, die die Mücken-Weibchen besitzen. Das Männ« chen, kenntlich an den feberförmigen Fühlern, ist nämlich ganz harmlos und nährt sich gleich den Schmetterlingen von süßen Pflanzen sästen Das Weibchen aber, das die Eier legt, bedarf nahrhafterer Kost und findet sie im Blut ber Menschen Beim Weibchen liegen nun in der zu einer Rinne ausgezogenen Hnterlippe, die von der gleichfalls langen Oberlippe bedeckt und so zum Saugrohre geschlossen wird, zwei spitze Radeln und zwei mit zahlreichen Widerhaken versehene Dolche. Dazu kommt noch als Fortsatz der Hnterlippe ein weiteres Stilett, der an den Setten sägeförmig ausgezackte der Gänge nach durchbohrte Stechrüssel, ein schreckliches Werkzeug, bas kraftvoll, aus dem umschließendenRohre vorgeschnellt, ein Tröpfchen giftigen Speichels in die Wunde legt, um bas Gerinnen des Blute« zu verhindern und durch stärkeren Zufluß mühelos saugen zu können. Hat sich das Mücken- weibchen auf diese Weise am Menschenblut gestärkt, dann fliegt es zu einem Wassertümpel und legt dort seine 200—300 flaschenförmigen Eier, aus denen nach 2—3 Tagen die Larven ausschlüpfen. Diese kommen so direkt ins Wasser, wo sie sich von verwesenden PflanzenteUchev nähren und, so lange sie nichts Höri, ruhig am Wasserspiegel wellen. Rach bet dritten Häutung verpuppt sich die Larve; doch auch die Puppe hängt an ber Oberfläche deS Wasser«, und zwar mit dem dicken Kopf nach oben, indem sie zwei kurze Atemröhrchen aus dem Wasser steckt. . Rach ungefähr 10 Tagen schlüpft die fertige Mücke aus ber Puppe. Sitten und Bräuche zur Erntezeit. Don Gerd Damerau -Kassel. Alle die Zeiten des. Jahres, bie für unsere Vorfahren von besonderer Wichtigkeit waren, gaben bie Veranlassung zum Entstehen ber mannigfaltigsten Sitten unb Bräuche. Winter- und Fruhlingssonnenwende haben ihre gestatten zum größten Teil auf Weihnachten und Ostern übertragen, die Sommersonnenwende ist im IobanniS- fest aufgegangen. Keine Zeit des Jahres war aber unseren Ackerbau treibenden Altvordern so wichtig wie die Ernte. In ihr fand die ganze Jahresarbeit ihre Krönuna. Hab wie noch heute der Ganbtrirt nicht früher über den Erfolg seines Schaffens beruhigt ist, bis er alles wohlgebotgen in den Scheuern hat, und wie er machtlos zusehen muh, wenn Raturereignisse noch im letzten Augenblick alles zunichte machen, so fühlten sich auch die Menschen früherer Jahrhunderte durchaus nicht als die Beherrscher des geldes. Sie glaubten yielmehr, daß Gedeihen' und Segen von benj Walten ber gelbgeifter unb Korn- bämonen abhinge. Verschieben nach Art und Gestalt waren diese Geister des Kornfeldes. Während man In Mittel- und Rorddeutschland die Roggenmuhme oder Kornmutter als Schuhgeist des Erntefeldes betrachtet und in den vom Winde bewegten Halmen ihre Bewegungen sieht, jagen sich ober weiden anderwärts die Böcke, ober ber Wind treibt die Bocke durchs Korn, wenn es im Winde auf unb abwogt. In manchen Gegenden wiederum ist ber Bullkater ober bie Kornkatze das Schreckgespenst, mit dem man die Kinder ängstigt, nm sie von dem Betreten des Getreidefeldes zurückzuhalten. Alle diese Gestalten find sich in einem gleich: sie verkörpern den Geist des Wachstums, ber sich auf dem Felde aufhält. Ihn will man nicht erzürnen, damit er dem Acker nicht seine Ungnade zuwendet. Belm Mähen des Getreides flüchtet der Korngeist immer weiter vor den Schnittern, bis er endlich in die letzten Halme gejagt ist und dort gefangen wird. Daher pflegen Die Schnitter auch aus den letzten Halmen den Erntekranz zu flechten und ihn dem Besitzer des Feldes zu überreichen. Bewahrt er ihn bis zur Aussaat auf und streut er seine Korner wieder in den Acker, so bringt er dadurch den Geist des Wachstums wieder aufs Feld. Richt überall ist jedoch der Erntekranz das Sinnbild des Wachstumgeistes. In manchen Gegenden^ wird die letzte Garbe blumen» unb bändergeschmückt auf den Hof gebracht unb ebenfalls gesondert ausbewahrt, auch eine blumen» unb ähren- umflochtene Harke nimmt vielfach die Stelle des Erntesegens ein. In Westdeutschland kennt man statt bes Erntekranzes den Erntemal. Hier wird aus dem letzten Fuder ein Birken- ober Rußbaum- zweig, an den man Halme von allen Getreidearien angebunden hat, heimgeführi. Um den Segen des GrntemaiS noch wirksamer zu gestalten,, bespritzt oder begießt man feine Heberbringer mit Wasser. Damit will man den Regen auf die Qaat des nächsten Jahre« herbeilocken, weil er für bas Gedeihen de« Getreides unbedingt notig ist. Mcht wenige find ber Ansicht, bah bie nächsi- jA&rige Saat verborren würbe, wenn man biefe Rachahmung bes Regenzaubers versäumte. Doch noch auf andere Art sucht man Einfluß auf die nächste Ernte zu gewinnen. Man will den Geist bas Wachstums zu höheren Leistungen anspvrnen und ihn bei ber Ehre packen, inbem man sich von ber Ernte enttäuscht zeigt unb die letzte Garbe eine Lügengarbe nennt. Auf diese Weise hofft man den Geist des Wachstums zu überlisten und ihm die Meinung beizubringen, er habe bei dieser Ernte seine Pflicht nicht erfüllt und müsse Im nächsten Jahre feine Anstrengungen verdoppeln. den Zweck unserer Hnterrebung zu kommen, einige I in der ganz Süddeutschland seine Bahnen mtt Fragen an Sie richten. Warum spuken Sie hier, ™-rr- ' -~ - -- — ma gnädige grau?“ „3dj bin in diesem Hause gestorben," sagte Frau Sanftleben und seufzte. „Meine aufrichtige Teilnahme," sagte ich, „aber Ihrem Kostüm nach zu urteilen, ist das ziemlich lange her und Sie sollten sich darüber nicht mehr echauffieren. Außerdem — wenn ich sterben würde, so würde ich das doch eher als eine Andeutung auffassen, das Haus zu verlassen."