Nr. 283 v er Gietzeaer lajetaer er:d)etnt täglich, au&tr Sonn- und Feierlaq, Hoietn*«e<)a9S»ret|f: Mk tzchO etulchl Ita^rr. lohn, durch bi» "Poft Mk. 7JO finld)L Veslrll. qelb, auch bei Kichltrlcke,. i, habe der deutschen Regierung 8—10 Tage Zeit bewilligt um Terbanblungcn zu führen Ss sei möglich, bafi die deutsche Regierung die Repaiaüon-kom- mistion davon verständigen werbe, bah sie diese Kredite nicht erhalten könne 3n diesem Falle, und wenn die deutsche Regierung immer noch der Ansicht sei. dah sie ohne Kredite nicht zahlen könne, glaube man. dah sie vielleicht Zahlungsaufschub verlangen werbe Ader e» behebe doch die Möglichkeit, dah die deutsche Regierung unter gewissen Bedingungen die gesuchten Kredite erhalten werde. Unter diesen Umständen müsse die RcparatwnSkommistton prüfen, ob sie dies» Bedingungen armebmen könne Di' Lage sei allo so. daß er. Bradbury. feiner Regierung vertraulich« und mündliche Mitteilungen gemacht habe, damit sie ihre Haltung bestimmen könne, wenn gewisse Eventualitäten eintreten. Die Frage de« Moratorium- könne nur gestellt werben, wenn tie deutsche Regierung einen berar igen formellen Antrag bei der Reparationskommission helle. Da» fei biS jetzt noch nicht geschehen Werde da- Verlangen erfolgen, bann mühe die ReparationS- kommission eS nach dem Wortlaut deS Frieden»- vertrage» in Betracht ziehen. London. 1. Dez. (Wolfs) Hava» meldet Der wahrscheinlich heute zusammentretende K a - binettSrat wird die wichtige Frage zu lösen haben, ob die von Deutschland zu leistende Zahlung zum Fälligkeitstermin erfolgen soll oder ob die englische Regierung ihren Alliierten ein Moratorium Vorschlägen wird. Rach den letzten Rachrichten ist Zohn Bradbury nach Paris gereist, wo er — wie man sagt — seine Kollegen in der Reparation»- kommisllon über die Frage der Reparationszahlungen auf dem Laufenden halten toll. Ej ver- lautet, daß Rat Henau seinen Ausenthalt In London verlängere. Aach einer weiteren Hava»-Meldung hat der in Begleitung RatbenauS befindliche Dr Simon einem Vertreter der Ha^aS-Agemur erklärt, auch der gestrige Tag sei noch ein Tag der Erwägungen gewesen. Man habe sich mit der wirtschaftlichen Weltlage und mit ihren Beziehungen ;u der wirtschaftlichen Lage Deut'ch- lanb» besaßt. — Au herbem wird nach Haoas I erklärt, e» seien gute Gründe vorhanden, zu glau-1 ben. daß Rathenau bereit» aewistc Anrc-I gungen bezüglich der Zahlungen durch S a ch» lieferungen unterbreitet habe, sowohl an Frankreich wie auch an England. Belgien und Jtalirn Die Finanzleute der City beschäftigten sich mit großem Interesse mit bm Reparationszahlungen Deutschland» E» wird dazu bemerkt, daß Deutschland vor drei Monaten von euer Anzahl englischer Banken große Kredite angeboten worden sein sollen (? D. Red ). die Angaben gewisser Fmanzleute auf 70 Millionen Pfund Sterling, nach anderen aber nur auf 30 Millionen belaufen sollen, und die» alle» solle erfolgt fein mit Rücksicht auf die ersten deutschen Reparatil.n».-zahlungen Run habe aber Deutschland nicht zu diesem Kredit gegriffen, da e», wie gewisse Kreise sagten, habe Zahlung leisten können ohne ZuhUfenahme diese» Ärcöite». London, 1. Dez^ (Wvlss.) Der politische Berichterslatter der .Westminster Gazette" teilt mit, nmn sei jetzt der Ansicht, daß ein Moratorium nicht der beste AuSweg au» den Schwierigkeiten fei Die Sachverständigen feien für eine langfristige Anleihe, die au-gegeben werden Tollte in der Form von Obligationen, die vom Völkerbund garantiert und in dreißig oder vierzig Jahren rückzahlbar feien Man sei der Meinung, daß die Bezahlung der Reparationen durch solche Obligationen nicht den Rachteil haben würde, daß sie den Wechselkurs in Mitleidenschaft ziehe. Dem Berichterstatter der .Westminster Gazette" zusolge. soll Deutschland auch die Pläne für ein internationales Zusammenwirken beim Wie- beraufbau Europa» einschließlich Rußlands beraten haben, denen die amerikanischen Bankier» zustimmend gegenüberstehen sollen Reuter berichtet, daß die bisherigen Erörterungen noch keine konkrete Form angenommen haben Don gut unterrichteter Seite verlautet, daß augenblidlich darüber verhandelt wird, auf welche ODeife Deutschland in die Lage versetzt werden könne, seine Finanzen in Ordnung zu bringen, da die Ansicht vorherrsche, daß. bevor nicht Die deutschen Finanzen auf eine richtige Grundlage gestellt wurden, tcinerlei Aussicht auf größere Reparationszahlungen bestehe. In britischen Finanzkreisen fei man der An'icht, daß. wenn kluge Maßnahmen zur Reform der Finanzlage angenommen würden, und wenn diesen Maßnahmen genügend Zeit zu wirken gelassen werde, die Aussichten auf Reparationsleistungen durch Deutlchland befriedigend seien. Andererseits wird geglaubt, daß wenn sofort neue Maßnahmen gegenüber dem Schuldner angemenbet würden ohne Rücksicht auf feine Zahlungsfähigkeit und ohne Rücksicht darauf, daß die StaatSmafchine in Deutschland im Gang erhalten werden muffe, ein finanzielle» Durche-nander und ein politisches Ehao» sicher fei E» werde - Reuter zufolge — darauf hingewiesen, daß die» von der öffentlichen Meinung in Frankreich nicht genügend erkannt werde. D.e Frage eine» Vorschüsse» von feiten der Londoner Danken zur Deckung der Reparationszahlungen im Oanuar und Februar, der, wie allgemein angenommen wird, einer der 3 toe großer Dorschutz nicht erreich: werde, so werde die KrisiS nur beschleunigt werden, während, wenn der Dorschuß zustande komme, Zeit gewonnen werde, die finanzielle Lage »u untersuchen und um — wa» von der 'größten Bedeutung sei — ein harmonisches Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Alliierten zustande zu bringen Laut Reuter besteht Grund zu der Annahme, daß Rathenau bereits mehrere ingeniöse Pläne für ein System der Zahlung in Waren, die auf England, Belgien. Italien und Frankreich anwendbar seien, vorgebracht hat ($» wird mitgeteilt. daß die Londoner Reise von S t i n n e » nicht dieselbe Bedeutung habe wie die RathenauS. Die Kenner der Finanzlage Deutschland» unterstützen — Reuter zufolge — die von Churchill zum Ausdruck gebrachte Ansicht, daß wenn Deutschland nicht von fairen Verpflichtungen befreit würde, eS wesentlich sei, daß die HindelS- maschine wieder in Gang gebracht und die Finanzlage Deutschland- auf eine feste Grundlage gehellt werden. Pari». 1. Dez (Wolfs.) Hava» meldet Rach dem Berichterstatter de» .Journal" betrach- trachtet man die Gewährung deS Moratorium» al» eine geregelte Angelegenheit. Der Moratoriums-Entwurf stamme von Lord d'Abernon, der da» Reich» kabinett vor mehreren Wochen davon verständigt haben soll. ES ziele daraus ab zwischen Deu tschla ndund England eine Interessengemeinschaft zu gründen, auf der sich später nicht nur eine Revision der Reparationsbestimmungen, sondern auch der Bestimmungen des Vertrage» von Versailles selbst aufbauen werde. Man behaupte in Berlin, daß Rathenau in England in» einzelne eingehende Vorschläge überreicht habe. England wäre gewiß geneigt. Hand in Hand mit der deutsche Industrie zur; Ausbeutung Rußland» vvrzu gehen. Pari». 1. De^ Da» Reich» - verkehrSmini st erium gibt zusammen mit dem ReichSkvhlenkommissar über den augenblicklichen Eisenbahnbetrieb und die Äoblenlagc sol- ?enbe Mitteilung bekannt: Die Detriebs- age der Eisenbahn ist zurzeit äußerst gespannt. Schon feil Monaten versagt ein großer Teil der Wasserstraßen: die starke Kälte der letzten Tage brachte den Verkehr auf den für den Kohlen- verland wichtigsten Kanälen, dem Rhein-Herne- Kanal und Dortmunb-EmS-Kanal völlig zum Erliegen. Der Güterandrang auf der Eisenbahn erfuhr ferner durch die ougenbllckich: Hochkonjunktur. die eine Folge des Valuta stürze» war. eine starke Verschärfung. Auch da» Bestreben der Versender. möglichst noch vor der am 1. Dezember ein getretenen Frach'.erhrhung Waren zu versenden, brachte einen ungewöhnlichen Ansturm auf die Bahn. Der feit über acht Tagen eingctrcient Frost und da» Rebelwetter bringen nunmehr den auf» höchste angespanntenEi'en bahn betrieb In solche Schwierigkeiten, daß namenlllch infolge der 2r- b«it»erschwerungen auf den R ingieriahnhösen Stockungen bereit» y verschiedenen Stellen emtraten und daß vor Mlem der Wagemvangcl scharfe Formen annimmf Die ^stoch'ührung de» Eisenbahnbetriebe» machte eine doiüx-igebenbc Verkehr-drosfalung durch Güterannadmelpenen erforderlich, damit die leben Mol bttacn D ter. vor allem Kohle, In erster Linie gefahren werden können G:ne Besserung Ist erst zu erwarten wenn die für den Eisenbahnbetrieb an vielen Stellen außerordentlich ungünstigen Wittemng-verhäll- mise. wie Frost und Rebel, sich änbem D.ese Wltterungseinllusfe führten bekanntlich auch Li ter Vorkriegszeit zu tciiweise ernzfi dllchc.i S ockin- gen de» Eisenbahnbetriebes Daß He beute daS Wirtschaftsleben in die stärkste Mitleidenschaft ziehen und dah vor allem ein Stocken in der Kohlenversorgung zu vorübergehender Arbeitslosigkeit und Störungen in den Ga»- und Slek- trlzitätSwerken fuhren kann, die» hängt mit dem Fehlen von Kohlenvorräten bei Verbrauchern und Handle in -.usammen. während man vor dein Kriege die Dorratswirtschaft in Hartem Umfange betrieb. Die Steigerung der Elfeudahutarife. Berlin, l.Dez. (WTB.) 3n einem Berliner Blatt ist die Mitteilung enthalten, daß die Reichsbahn beabsichtige, die Perfonentarife am 1. De-em der um 75 Prozent zu erhöhen. Die Rachricht, der das Eisenbahn Ministerium fernsteht, eilt den Tatsachen voraus. Die fortgesetzten Preissteigerungen der letzten Monate belasten den Haushalt der Reichsbahn so sehr, daß mit einer wetteren Steigerung der Perfonentarife zu rechnen ist. Zur Zett finden deshalb, und zwar zunächst innerhalb der Verwaltung, hierüber Ermittelungen statt. Ob eine Erhöhung um 75 Prozent nötig sein wird, hängt von dev gesamten PreiSentwickelunq ab Berlin, l.Dez. (WTB.) Wie amtlich mitgetellt wird, betrugen die Einnahmen der Reichseisenbahn im Oktober iw Personen- und Gepäckverkehr 59t Millionen Mark gegen 390 Millionen It O. tober vorigen Jahre», im Güterverkehr 2096 Millionen gegen 958 Millionen im Oktober 1920. Nimmt man die Zuflüsse au« sonsttgen Quellen noch hinzu, so ergibt sich für Oktober 1921 eine Gesamteinnahme von 2825 Millionen gegen 1400 Millionen im Ver- aleichsmonat des Jahres 1920. Don April bis Oktober wurden im Personen- und Gepäckverkehr 3883 Millionen gegen 2718 MUI. im gleichen Zeitraum des VoriahreS aufgebracht. im Güterverkehr 11 850 Millionen gegen 6232 Millionen im Zahre 1920. Dies ergibt unter Hinzurechnung der sonstigen Einnahmen eine Gesamteinnahme von 16 299 Millionen von April bis Oktober 1921 gegen 9255 Millionen im Jahre 1920. Gegenüber dem Voranschlag sind von April bis Oktober im Personenoerkehr 507 Millionen mehr und im Güterverkehr 793 Mllllonen weniger aufgenommen. Ausschreitungen und Plünderungen in Wien. Wien, 1. Dez. (WB.) Die Arbeiter v. den FloribSdorfer Fab.ikbetrieben legten beute Mittag, wie verlautet infolge bet neuerlich verstärkten Teuerung die Arbeit nieder und versammelten sich zu einem Zuge durch bte-Ciabt, der sich zum Parlament bewegte. Dort angelangt. entsandten sie eine Anordnung unter 3uf, u-tq der sozialdemokratischen Abgeordneten zum Bundeskanzler, dem sie Im Beisein de» Finanzminlster- eine Reihe Forderungen zur Bekämpfung der Teuerung und Ihrer Haupt ir- fachen verlegten. In den ersten Rachmittag»- stundcn schlossen sich der Kundgebung auch Ar- bciterzüge au» anderen Fabrikvczlrken an. Wie da» Abendblatt der .Arbetter-Zeitung" mftteill, überreichte eine Abordnung der FloridSdorfer Arbeitet der Regierung folgende Forderungen Derwirllichung des sozialdemokratischen Finanz- planc». insbesondere Anforderung der ausländischen Valuten und die staatliche Kontrolle de» Devifanhandel». strenge Strafen für Zuwiderhandlung. Anforderung alle» Golde». auch jene» der Kirchen und Klöster, neue Besitz steuer, Zahlung der progressiven Vermögen»':euer. Verbot der Einfuhr aller Luxu-artikel. Abbau de» staatlichen Lebensmittelzufckulsse». Heute abend tritt die sozialdemokratische Fraktion de» 2lrbeiterrate» in Wien zu einer Sitzung zusammen. Morgen abend findet eine Vollversammlung de» Ar bett errate» statt. Wien. 1. Dez. lWB ) Die heute plöhllch in gewalttätigen Kundgebungen zum Ausdruck gekommene Erbitterung der Arbeiterschaft hat ihre Llrsache in der fett Wochen von Tag zu Tag maßlo» steigenden Verteuerung aller Leben-mittel und Bedarf»artttel. der die Lohnfestseyungen in diesem Tempo gar nicht folgen konnten. Ihren Ansang nahm die Bewegung heute vormittag mit einem spontanen AuSstand der Arbeiter mehrerer Werke in dr n Industriebeztrken Floridsdorf und vtadlau, welchem sich bald die Arbeiter anderer Bezirke ar- schloffen. In einigen von Vertrauensleuten und Betriebsräten zugleich einberufenen Versammlungen wurde der DenwnstrationSzug nach der in- nc.cn 5 labt, zum Parlament uab zur Regierung «schlossen. Zuzug von allen Seilen bedtärftf die Arbeiterschaft b?i i- r in Marsche Ins Lause deS Nachmittages zu Zehntausenden Auf bcm Dege über den Ring richtete sich die Erregung der Menge gegen bie Kaffrcf-Önfer und Veschäfts- lokale, von welch letzteren die Lebensmittelgeschäfte teilweise fltrna aus geplünder t wurden. 3n ben späten Abendstunden gelang eS der zahlreich aufgebotenen Pollzei zu Jutz urb zu PserLe, auf bem Ring einiger-na'en Ruhe zu schaffen. 3n den späten TLbenbfiunben waren aber noch verschiedene Trupps von Arbeitern in bvt Stadt in Bewegung und es ist nicht ausgeschlossen, das) eS nod) zu weiteren Ausschreitungen tommt Dien. 1 Dez (WTB) Das .Acht-Hhr- Abendblatt^ berichtet über die heutigen Ausschreitungen. dah bei der Börse die Dagen der Straften- bahn, bie den Verk^r nicht einstellten, angehalten und die Fahrgaste herausaeholtund verprügelt wurden. 3n der Düpe des Parlamentes versuchte man. dem 3nsassen eines Automobils eine Schlinge um den Hals zu legen und ihn aufzuhängen. ES gelang ihm zu fliehen, er wurde aber wieder etngeholt und blutig geschlagen. Nuc mit Mühe gelang eS der Prli.;ei, ihn zu retten. Auf dem Hing unb den anderen Straften, die die Menge durchzog, lieaen die Haufen der »erschlagenen Scherben in unb werden von «der Femrwehr fortgeschafft. Dien. 1. Dez. (WTB) Die Polizei verhaftete eine Anzahl Personen, die in Lastautos unter Begleitung Berittener eingeliefert wurden. Man fand bet ihnen aus den Plünderungen herstammende Wertsachen sowie Kleidungsstücke. Um zu verhindern, bat) verantwortungslose Elemente. die auch bei den heutigen Demonstrationen bie Hauptrolle spielten, dieses Treiben neuerlich versuchen, trurben alle behördlichen Sicherheits- Vorkehrungen getroffen. Eine abend- erschienene Äunbgcbung der Polizeibirektion verbietet Ansammlungen und Zusammenrottungen. Zwischen der Regierung und den poli- tifcM-i Parteien sanden Besprechungen statt, als deren Ergebnis eine entsprechende Einwirkung auf die Bevölkerung unb im weiteren Zuge die Ber- mclbung und Wiederholung der heutigen Dorgänge erwartet wird. Wien, 1. Dez. (WTB.) 3m Älublotal der sozialdemokratischen Partei versammelten sich heute unter dem Dorsch deS Abgeordneten Dr. Bauer die DertrauenSmänner der Arbeiterschaft von Florisdorf und aller Diener Bezirke sowie die Arbeiterschaft deS Lagerhauses der Stadt Wien. Der Sitzung wohnte auch Bundeskanzler Schober, cbenfo ber Finanzminister Dr Gürtler bei. Die Vertreter ber Floridsdorf er Arbeiterschaft verlangte von der Regierung die Erfüllung der bereits mitgeteilten Forderun- gen. 3n der Debatte ergriff der Bundeskanzler das Wort und erklärte, daft die Regierung mit allem Ernste den sozialdemokratischen Finanzplan erwogen habe und kündigte u. a. an, daß gegenüber ben Preistreibereien und Wuchereien radikale Abhilfe geschaffen würde. BundeSminister Gürtler wies auf eine Reihe von ihm getroffener Maßnahmen hin. die sich zum Teil mit den im sozialdemokratischen Finanzplan aufgestellten Forderungen decken. Er erörterte sodann im einzelnen die von ber Arbeiterschaft gestellten Forderungen, namentlich "betr.f.enD Anforderung ber Devisen unb Dalliten unb erklärte, er werde eine strenge staatliche Kontrolle bes Devisen- unb Da luten Verkehrs auSführen unb alles tun, was geeignet sei, ben Ausschreitungen ber Spekulation entgegenzutreten. Bezüglich ber Erhöhung ber Besitzsteuer verwieg der Minister auf bie bereit« durchgeführten Maßnahmen, durch den ber Be- Desitz in erhöhtem Maste getroffen werde. Gr tellte mit, tat) eine Rovelle zur Dermögens- a b g a b e in 'Vorbereitung Id, durch bie eine entsprechende Besteuerung des großen Vermögens erfolgen werde. B?züglich des Abbaues der Le- dtnSmittelausschüsse machte ber Minister auf bas zwischen den industriellen unb ber Arbeiterschaft ^getroffene Abkommen aufmerksam. Gleichzeitig jtoerbe eine obligatorische Äinberoer- Sicherung ins Leben treten. Der Minister rversicherte schließlich, er werde überall zugreifen unb mit größter Energie und tunlichster Beschleunigung alles tun, um ben finanziellen Wiederausbau des Staates zu ermöglichen. Die Washingtoner Konferenz. » Die Forderungen Japans. Neu York, 1. Dez.' (Wolfs.) Wie .Associated Preß" auS Washington mdbd, ist der japanische Derschlag, Japans Flotten stärke auf 70 Prozent an Stelle von 63 Prozent sestzufefen, den Bereinigten S aaten und England formell unterbreitet worden. Die britischen unb amerikanischen Flottensachv rst ändigen legten sich gemeinsam auf den HugheSschen Plan fest und erklärten, bah der sap-anjsche Vorschlag ganz unannehmbar sei. Amerikanische Delegierte äußern, die Lage Jet zwar heikel, man brauche aber nicht lebe Hoffnung augeben, baß die Japaner schließlich den ursprünglichen Plan armebmen werden. Japan sei btr Ansicht, bah das Verhältnis vvu erwas weniger als 70 Prozent es ber ®nabe ber anderen groben Seemächte auSliefere, unb erkläre, bie Konferenz habe keine Bürgschaft dafür gefunden, bah sich in Zukunft keine Schwierigkeiten erheben würben. Dre Japaner hätten stch nicht darüber aus- gelprvchen, wie sich bie Hcderwindung bes toten PuEes unter den Flottensachverstänbüren ermöglichen lassen werbe. Die chinesische Frage. Paris, 1. Dez. (Dolfs.) Rach einer Ha- vaSmeldung ans Washingwn haben die chinesischen und fapanischenDelegier- ten die Vermittlung von Balfour und Hughes für die Regelung der Schantung- und Kiautfchoufrage angenommen. Aus dem Reiche. Wichtige Beschluss« deS Reichsratt. Berlin, 1. Dez. (DTB.) Der Re ichS- rat nahm einen Gesetzentwurf über den Ersatz der durch den Krieg verursachten Personenschäden an. Grundsätzlich sollen danach alle Reichsangehörigen, die durch den Krieg innerhalb und auherhalb des Reiches Schädigungen an Leib und Leben erlitten haben und nicht unter das ReichSversorgungS- gesetz vom 12. Mai 1920 fallen, entschädigt werden. Der ReichSral genehmigte ferner einen Gesetzentwurf Über die Pfändbarkeit von Gehaltsansprüchen. Danach sind Pensionsansprüche von Beamten, Offizieren und Angehörigen der Wehrmacht bis zum Betrage von 8000 Mk^ bisher 2000 Mk. unpfändbar. Gänzlich unpfändbar sind Teuerungszulagen und Kinderbeihilfen. Gin neues Zeitung-Verbot. Berlin, 1. Dez. (WTB.) Die »Königs- berger Ost Preu h. Ztg." wurde durch eine Verordnung des Polizeipräsidenten auf drei Tage bis einschließlich 4. Dezember wegen des Artikels „Fehlende Männer- verboten. Aus den Steuerausfchüflen des Reichstags. Berlin, 1. Dez. 3m ReichstagSauSschuh für Steuerfragen wurde bei der Beratung des DermogenSsteuergeseheS die Frage der Wertermittelung des Vermögens angeschnitten. Abg. A ö s i d c (D N.) wünschte einen Zusatz au § 16, der auSsagt, daß bei der Bewertung des Vermögens die Vorschriften der Reichsabgabenordnung über die Wertermitllung gelten und daß § 139 Absatz 2 und 6 152 Abs. 2 bis 6 der Reichsabgabenordnung keine Anwendung finden sollen. Abg. Herold (Z.) wollte dem § 16 ebenfalls eine neue Fassung geben. Danach sollen Im Gegensatz zur Regierungsvorlage bei Verwertung des Vermögens die Vorschriften der Reichsabgaben- vrdnung über die Wertermittlung mit folgenden ergänzenden Bestimmungen gelten: .Die Der- mögenägegenftänbe werden jeweils unter Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse bewertet. Abg. Dr. Helff er ich (D. R.) verlangt als Grundlage für die Bewertung von gewerblichen' Betriebsvermögen die dauernde Deibeba t rng ces § 139 Abs 2 RAO. d e bei einer Konsolidierung der wirtschaftlichen V-rhä tniffe unentbehrlich fei Für die älebergang^eit solle man aber eine Ausnahmeregelung schaffen. 3n der Abstimmung wurden fämlliche Anträge abgelehnt mit Ausnahme dcS Antrages Herold, der dem § 16 die oben erwähnte neue Fassung gibt. Hier wurde der Zusatz hinzugefügt, bah § 152 Abs. 3 mit der Maßgabe Anwendung findet, bah der Ertrag der letzten drei Jahre .bei Ermittelung des nachhaltigen Ertrages" zu berücksichtigen ist. § 17 der Regierungsvorlage wird abgelehnt Angenommen wurde eine Entschließung Dr. Scholz (D. Dp.), die die Reichsregierung ersucht die Frage zu prüfen, ob nicht unter Entlastung der Finanzämter und unter Benutzung bestehender Einrichtungen (z. B. der preuhlschen Katasterämter) und unter Anwendung ber in den §§ 155 usw. der Reichsabgabenordnung festgelegten Grundsätze eine einheitliche Bewertung des städtischen und ländlichen Grundbesitzes zu Steuer- und gegebenenfalls Delei- hungSzwecken erreicht werden könne. Die §§ 18 und IS wurden in ber Fällung ber Regierungsvorlage angenommen. Die Weiterberatung beschäftigte sich mu ban Tarif der Vermögenssteuer. Es liegt ein Antrag des Abg. Herold (3.) hierzu vor, ber besagt: Die Vermögenssteuer beträgt jährlich für die natürlichen Personen: Von ben ersten angefangenen ober vollen 500000 bes steuerpflichtigen Vermögens 1 v. T., für die nächsten 600 003 2 v T.. für bie nächste Million 3 v T., für bie nächste Million 4 v. T, für bie nächsten 2 Millionen 5 v. T., für die nächsten 2 Millionen 6 v. T„ für bie nächsten 5 Million«! 7 v. T.. für bie nächsten 5 Millionen 8 v. T., für die nächsten 10 Millionen 9 v. T., für die weiteren Beträge 10 v X. Für bie übrigen Steuerpflichtigen beträgt die Vermögenssteuer jährlich 1* 2 v T. des fteuerpffichtigen Tev- mögens. Abg Bernstein (Soz.) begründet einen Antrag, ber bie Regierung ersucht, zur zweiten Lesung einen Taris für bie Vermögenssteuer vorzulegen, ber so burchgestaffelt ist. bah Vermögen von 20 Millionen unb darüber 10 v. T. Zuschlag zu bezahlen haben. Dies fei erforderlich, falls eine Regierungsvorlage durch bie Annahme deS Antrages Herold <3tr.) eine wesentliche 3b- schwächu g erfahren würde. Reichsfinanzminister Dr. HermeS erklärte, durch die Annahme des Antrages Herold au ben §§ 16 unb 17 sei eine neue Situation geschaffen, er sei daher nicht in der Lage, auf den Boden des 2nträges Herold bezüglich deS Tarife- zu treten und halte an dem Tarif der Regierungsvorlage fest. 3n der Abstimmung wurde der Antrag Herold mit dem neuen Tarif angenommen, der Antrag Bernstein abgelehnt. Zu dem § 22 (Zuschlag • ur Vermögen 3' euer, hat foTob". bieRcichs- regierung ^»ie der Reichsrat eigene Dorschläge gemacht. Rach dem Dorschlag der Reichsregierung soll der Zuschlag zur Vermögenssteuer be^natürlichen Personen betragen: von den ersten angefangenen oder vollen 100 000 des steuerpflichtigen Vermögens 100 Prozent der Vermögenssteuer, für die nächsten 250 000 Mk. 200 Prozent, für die weiteren 300 000 Mk. 300 Prozent der Steuer. Rach dem Vorschlag des ReichSratS ist der Zuschlag für die ersten 100 000 M7 deS steuerpflichtigen Vermögens der natürlichen Personen 100 Prozent, für die nächsten 150 000 Mark 150 Prv- Acnt und für die weiteren Beträge 200 Prozent. Bei juristischen Personen sollen die Zuschläge sowohl nach bcm Vorschlag deS Reichsrates wie der Reichsregierung 150 Prozent betragen. Der Ausschuh nahm ben Vorschlag In der Fassung ber ReichsratSvvrlage an. — § 23 wurde mit der Mahgabe angenommen, dah sich die Vermögenssteuer für jebe vermögenssteuerpflichtige Person um 100 Proz. ermäßigt, sofern daS steuerpflichtice Vermögen nach erfolgter Abrundung nicht mehr als 500 000 Mark beträgt § 24, der die steuerliche Entlastung des kleinen Rentners regelt, wurde in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Berlin, 30. Rvv. Der ReichStagSausschuh für Derbrauchs steuern beftanbelte heute den Entwurf eineS KraftfahrzengstenergeseheS. Der AuSschuh beschloh. die sogenannten Kleinkrafträder von der Steuer zu befreien. Sonstige Krafträder sollen nach dem Deschluh des Ausschusses folgendermaßen versteuert werden: biS 1,5 PS 100 QHU über 1,5 bis 3 PS 200, über 3,5 b 15 4 PS 275 Mk.. über 4 PS 350 Mk. - Für Personenkraftwagen mit Ausnahme der Kraftomnibusse wurden folgende Steuersätze beschlossen (für jede Pferdestärke oder einen Test davon): von den ersten 3 PS 140 Mk., von den nächsten 4 PS 170 Mk., von den nächsten 4 PS 200 Mk. und von den weiteren PS 270 Mk. — Bei Kraftomnibussen und Lastkraftwagen wurde nach dem Eigengewicht des betriebsfertigen Kraftfahrzeuges ein Steuersatz von 300 bis 2000 Mk. beschlossen. Elektrische ober mit Dampf betriebene Lastkraftwagen sowie Zugmaschinen ohne Güter lade raum finb je nach ihrem Eigengewicht mit 150 bis 1000 Mark zu versteuern. Somit war die erste Lesung deS Kraftfahr- zeugsteuergesetzeS erledigt. Ss folgt bie zweite S3erung des Rennwetten- und LotteriesteuergesetzeS. Auf Dorschlaa deS Abg. Dr. Pachnicle (Dem.) wurde in cas Protokoll bie Feststellung ausgenommen, dah ber Ausschuß einmütig den Wuirsch Legt, einen entspr-chenben Betrag auS dem Auflommen der Steuer für Zwecke der LeibeS Übungen aufzuwenden. Angenommen wurde ein Antrag, wonach auf den Rennplätzen ben Buchmachern mir das Gegen von Wetten zu festen OddS gestattet fein soll. Auch dürfen auf den Rennplätzen von den Buchmachern mir Wetteinsätze im Betrage von mindestens 300 Mark angenommen werden. Der Ausschuß trat barm in bie Beratung deS Zuckerst cu ergesetzeS ein. Die Steuer betrug bisher 14 Marl für ben Doppelzentner und soll auf 103 Mark erhöht werden. Degen bie Erhöhung wandten sich bie Vertreter der Kommunisten und ber beiden fvqialistlscheu Parteien. Der Ausschuß vertagte sich bann auf morgen. Aus Stabt unb Land. Viehen. ben 2 Dez 1921. Wettervoraussage für SamStag: Heiter, trocken, kalt, süböstllche Winde. 3n ber Wetterlage ist keine Aenderung eingetreten. G •• Fahrplanänberung. Die Eifen- bahnbirektion Frankfurt teilt mit, datz vom 5. Dezember 1921 an auf ber Strecke Grünberg (Oberhess.)—Londorf—Lollar— Gießen ber Zug 4336 (bisher Gründerg (Oberhest.) ab 6.16 vormittags) -wischen Grünberg iOberheff.) unb Allendorf (Lumda) zwei Minuten früher verkehrt. Zwischen Allrndorf (Lumda) und Giehen bleibt der bisherige Fahrplan bestehen. ee Die Erhöhung der Guter - unb Tiertarife. Vom 1. Dezember 1921 sind, wie mitgeteilt, sämtliche Frachten tm Güter- unb Tierverkehr einschließlich der tarifmähi- gen Mindest- und Eonderfrachtert, der Heben- gebühren, sowie der Ausnahmetarife um 50 Prozent erhöht worden. Bis -ur Herausgabe des neuen Frachtsatzzeigers werden den vom 1. November dS. Is. gültigen Sägen 50 v. H. zu geschlagen, was auf den Frachtbriefen besonders ersichtlich sein wird. — Auszeichnung. Der Schlesische Adle, lk.Stufe'wurde Herrn HanS Drife«, Geschäftsführer ber DezirkSgruppe (Sieben ber D. V. h. O verliehen. Vornotizeu. — Tageskalenber für 5 r e lt ag. Stabttfccater. 7 älhr: .DaS Postamt" unb .Er Ist an allem schuld". — Neue Aula, 8 Ülhr. 3. Dor- tragSabend der DortragSvereinigung. — Lichtspielhaus, Bahnhof st raste, bis einschlcedlich Sonntag: .Die Perle des Orients". -- Der Alice-Frauenverein veranstaltet in ber kommenben Woche vorn Montag bis einschl. Mittwoch im Hause Sortenrtrabe 2, Zimmer 16, eine Ausstellung von Arbeiten Der Ertrag, ber sich auS Verkauf unb Verlosung ber vorlxinbenen Gegenstänbe ergibt, soll Personen aus bem not.ebenbcn Mittelstände zu'omrnen. — Aus dem Stadttheaterbureau. Nochmals sei auf die heutiae Abonnementsvoistellung hingewiesen, die tn Rabindranath TagvreS .Postamt" und Tolstois .Er ist an allem schuld" zwei hochi- interessante Werke bringt. Während uns das „Postamt" in indisches Milieu versetzt, bietet das Tolstoische Stück ein Sittenbild auS der russischen Well. — DerRinnscheMannerchor au# Wetzlar gibt am Sonntagnachmittag ein Konzert in Wieseck. Der Verein sieht unter der Leitung des Herrn Phlllpp Groh und und nimmt im Musilleben WeylarS eine beachtenswerte Stelle ein. Geboten werden Werke unserer bedeutendsten Männerchor- Kwmponisten, u. a. .Hymne an die Musik" von Lachner, ein Eello-Solo unb Vorträge eines aus besten Kräften zusammengesetzten Orchesters. (2MeS nähere besagt bie Anzeige.) Kreis Büdingen. )( Ortenberal. Dez. Mit bem h utig« Tage legte LvuiS Wendel Ux-gcn geschwächter Gesundheit und vorge'chrlttenen All.rs sein Amt als Glöckner und Kirchendiener nieder. Lieber 42 Jahre hat er ben Posten mit vvcbllb- Iid,s?r Treue unb seltener Gewi len haftigk.it verwaltet. Rur ung.rn sieht ihn bie (Xemd.ibe scheiben. An jeiner Stelle würbe vom Gern einberat unb Kllche^vvrslanb Heinrich D i ck zum Kirchendiener unb Glöckner ernannt — Der AdventS- m a r f t am vorigen DienSlag war nur sehr schlecht beschickt Die Preise für Ferkel waren bcShalb sehr hoch unb betrugen 203—220 Mark pro Kopf. - Der bei ber letzten Generalversammlung ber hiesigm Bezirkssparkasse trott, tragen* Abschluss für baS Rechnungsjahr 1920 ergab an auSgLllrhenen Kapitalien 8 530 537,08 Mark, an Einlagen 8 366 914,66 Mark, ber Re'ervefonbS betrug ^nbe 1920 369 201,LI Mark, eS verblieb ein Reingewinn von 31 252 Mark Hm bcm ar- fkigetten Verkehr Rechnung zu tragen, wurde Da Am Vorabend des 3. Dezember 1914. (AuS dem Tagebuche eines Kriegsteilnehmers vom R 3 R. 222 ) . . . 61 war inzwischen dunkel gewo-den und der Vormarsch durch bat stark durch ch tiltene Gelände sehr beschwerlich S Impfstellen und ein tie'er Wassergraben maftt;n genommen werden In des IcMcren kühles Wasser fprang mancher be.m Hebersetzcn hin rin. Ich könnt' mich gerade noch an einem jenseitigen Weid'nbusch halten, sonst hatte mir ba5 gleiche Schicksal gebläht So kam ich venigstcnZ mit nur einem nassen Hosenbein davon Dr chen auf einem Sturzacker wurde Hall gemacht Dr U.itcn uni nieder und warteten in Ruhe das We.t?re ab. Silberklar sch en ber Monb über uns hier unb ba krachte noch ein Kanonen- schuh und vor uns fielen noch einige Gewehrschüsse Auf bem kalten Bob en froren wir ganz gewaltig Auch machte stch bie M iblgkeik deS arohen Marsches recht bemerkbar Rach einiger Zell tauchte a is bem Rebel vor un3 ein? Kompanie österreichischer Jäger auf, bie uns berichteten, bah noch ein' wettere Kompanie vor unS läge unb bah d'.e Russen sich hinter bl? Orabla zurückgezogen hätten Endlich [am von links der Befel-l . urJi. ,Rach links sammelni" Also hettte war- mit den Russen noch nichts, m also bann morgen. Wir marschierten noch einige hundert Meter wellet, um in ein:m lichten Tannenwalb im Alarmzustanb zu biwaiieren. Feuer b irftyi wegen bet Nähe ber Russen nicht angezündet werden. ES war inzvffchen 9 H6r geworden Auk den Aeckem anherbaib deS Walbes ent t eg eine b.:nne Aebelschicht dem Boden, deren Ooerstäch? von bem Silbcrlicht bes MonbcS wie ein weideS Linnentuch beschienen wurde. ES war bitterkalt: mindestens 5 Grad unter Null. Einige Findige batten in der Nachbarschaft noch etwas Stroh auf getrieben, um dem wurzeldurch furch ten Beben etwas von ferner Harte zu nehmen. Zelle durften nicht aufgeschlagen werden. So machte man sich mll etwas Slroh, einer Zeltbahn, Mantel unb Kopfschätzer ein Laaer zurecht, einen Doumstumvf oder eine Wurzelnder als Kopfkissen benutzend. IleberaH hatten sich ,Schlallamerabschaf:en" ge- hübet, um die gegenseitig? Wärme au-zunuhen. Balb Hub benn auch ein mächtiges Schnarchen an. Sin junger Kriegsfreiwilliger, ber leibet ben nächsten Abenb nicht mehr erleben sollte, hat bieseS Lager mit folgenden Worten in feinem Tagebuch verzeichnet: .Mütterchen, gräme b'ch nicht. Dein Bub schläft gut ist glücklich. Ruht nach getaner Pflicht" Auch ich versuchte auf einem harten Lager nach den gctoalt gen Anstreng mzen bes Tage- etwa- Ruhe zu f nben. Die Kälte nahm aber so zu, bah sie, nament.ich an bem nassen Beine schmerzhaft wirkte. Ich ftanb auf und wanderte. Den Kragen hoch, bie Hänbe tief in ben Taschen, so suchten manche burch Bewegung warm zu werden. Jeder hing seinen Gedanken nach, feiner sprach mit dem andern Unb eigenartig, wie bie ganze Stimmung blefer monobeschienenen ®eirlemad)t toiren auch bie Deban'en W.t standen dicht am Feind, morgen sollten wir unsere Kräfte mit ihm messen. WaS werden die kommenden Stunden bringen? Werden wir morgen abenb noch alle zusammen sein? Die (deban’en wandere weller. Hc über- tolnbcn Zelt unb Raum. He wanbern in dir Heimat Die Kinder liegen jetzt zu Bllt, bie Mutter hat Ihnen gute Rach: gesagt unb jedem noch einen I Kuh gegeben und sitzt nun tn ber einsamen Stube, I unb ihre Gedanken wandern ebenfalls. Der Mond. I her uns beleuchtet, scheint auch benen tn ber Heimat unb bie Sterne, bie hier funkeln, glitzern auch ihnen. Werben wir bie Heimat werden wir unsere Lieben Wiedersehen? Die Hoffnung hat schliehlich jeder, aber sie kann auch getäuscht werden. Unb wenn es benn sein soll, bah unS heute baS Licht bes Mondes zum letzten Male scheint, bann wollen wir uns beS DlückeS freuerr das unS bisher im Leben beschieden war. Ds ist em harter Gedanke. Abschied vom Leben zu nehmen und in daS Dunkel der Ewigkeit einzutreten. In einem so ernsten feierlichen Augenblick legt man noch einmal Rechenschaft vor sich ab: Hast du auch deine Pflicht im Leben ermllt? DaS EllemhauS, die Schule, ber Freundeskreis, bärigen? Heim mit ben Sieben, ber Beruf, bie Arbeit im öffentlichen Leben, str ziehen mit all ihren Hoffnungen unb Kämpfen, mit Erfolgen unb Miherfolgen noch einmal in wunbervoller Emheit vor bem geistigen Auge vorüber. Da fühlt man, wie viel man versäumt hak. wie viele- man mehr hätte leisten unb besser gestalten können, jetzt war nicht- mehr zu ändern, ba- Leben lag abgeschlossen hinter einem. Unb ba sah man wieber bie Einzelgestallen Detprnstem gleich im Walde wandern, von denen wohl mancher ben gleichrn Gebanken nachhing, man sah bie im tiefen Schlaf Liegenben unb ba wuchs man mit feinen Gebanken wieber in die Gegenwart h nein, in baS gewaltige Ringen ber Zeit Man fühlte sich als ein Glied in btefem gigantischen Kampfe. In bem d unteren tapferen Brüdern bisher gelungen war. einer ganzen Well von Feinben Hegreich bie Stirn zu Hirten, unb ber Druck, ber auf ‘ bem Herzen tag. wich einem Gefühl deS Stolzes, mtt zu denen zu grhören, von denen die Nachwelt einmal singen unb lagen tarni, bah sie baS Erbe, ba- ihnen bie Väter Hinterlasten haben, nicht Preisgaben, sondern Hch ihrer würdig gezeigt haben. Mbgen dermalein- auch unsere Nachkommen die gleiche Begeisterung empfinden und den deutschen Gedanken In ber Welt für ben wir bereit sind unser Leben zu lassen, weiter pflegen unb au-bauen! Mein Weg hatte mich etwa- abseits vcm ber Kompagnie geführt Ich trat aus dem Wald inS Freie. Ein Bild des Frieden« umfing mich. Die ernsten Gedanken waren torf^tounten, eine feierliche Stille batte Ihnen Platz gemacht Wie schön war bie Well auch in bem öden Polen. Ich mag wohl lange so gestanden haben. Etwa- nördlich von unS fing eS plötzlich wieder an zu donnern. Wie WetteriLuchten zucktr eS am Himmel von bem Aufblitzen bet G-schütze Auch In- fanleriefcutr flackerte auf. Gewih haben bl« Aussen ben Rebel zu einem Angriff benutzt unb rannten wieber vergeblich an bie Eisenmauer ber Pommern. Da werben auch wir balb aiurtien. Unsere Feldküchen hatten sich während der Nacht d'rangemacht unb hinter dem Wald verdeckte Aufstellung genommen Der Kaffee war fertig. Wundervoll mundete ro tin Schluck hei he» Kommlhbrühe. Ss war InzwIsLen 3 H.lr getoor* den unb ich machte nochmals Den Versuch, _nu» ein Viertelstunbchen" zu schloßen, ve.geöltch. D.« Kälte lieh es nicht zu. Ich betounbrrte X. ba tm tiefen Schlaf lag unb einen mächtigen Säge» werk-betrted tn Ganz gebracht hatte. Ich setzte wieber meine Wanderung fort E» halten sich Gruppen im Walde gebildet unb vertraten sich bei luftiger Unterhaltung bie Füh«. Waren sie auch mll Ihren Gedanken zur Ruh« adommen unb suchten all Herbenmenschen wisper Anschluh unb Aussprache? Endlich mar bie Rächt herum. Hm 5 Hbf wurde geweckt Der 3. DezeTuder. ber Ehrentag unsere- BahaillonS, war angebrochen... •Ms h, !Ltz ■ ~ , «.w^ $H0. , Srettfli. 3 ■£ ^nC ereiv du« SsW 2. 7™ Sc «*■6 der »1 Mw . ^’DTnua. tlhrater. die heutig« den, die in t“ imd lol» -lxt Hoche end uns das ?rlc8t, bittet >ild aus der erchvr aus Nittag ein fleht tatet Vivtz unb 1:3 eine bt- iten werben Mtmerchor» die >rf ld JomLge menaeseyten >te Änseige.i P7I Ntiyi gtMwrr ü |dn 2ml ntt r.itkr mit vvckll> aftigt-tr tu» □tiiiibt töd* Demeindtnü »um Lrcha» Qlbötoi»' rltir W ireu bcshaS ,rf p» Kops- Miluag der 8 TLid, an 8«'llx!vndt es verbüß ilm ta*- ’(tn in t« Loden p bM v« dem DnS „fing M inbtn, ei* mach'. De Den Pole» -rm Sunat :eber an «• s am tP 2uä 3> 'haben Ne 6c$» “* inatizn. jirtni der Duld txr* uff«.g ibr gti^; rluch.Jfj ‘s^S ®artermiin ertoettrrl unS etn Befonberer 6<$alirr für tcn unb sonstigen Ber kehr angebracht. <( 6toorbei. bah betracht« llchk finanzielle Zuwendungen hierfür erfolgten, so tzpm Drasen. ber Stadt, den Lv-irkatten unb einzelnen hiesigen Sinnen, lieber 300 ausgestellte Tiere legren Zeugnis ab von bem hoben Stand der JM'ugd» unb Kaninchenzuchl Im Schlitzerland 8# war für den Preisrichter. Dastwirt Söbler iAieber-Dernünben) nicht so leicht, unter dem vorzüglichen Material das Veste herauszusinben. Kurfchnerrnetster H V e r t zeigte In einer Deinen Ausstellung, wie Kaninchenfelle zu prachtvollen, farbenfrohen Pelzen bcrgeftellt werben können. Der Besuch ber gesamten Ausstellung war sehr gut. fiocbfcf)ulnacf>rid)ten. Berlin, 1 Dez (DBl'De^ Wathemaliker unb Senior ber philosophischen Safultüi ber berliner Universität, Dr. Qlmanbud Schwarz, starb aeflem kurz vor Vollendung ferne* 79. Lobens- jahres in Drunewald-Verlin. Kirche und Schule. ob Sichelsachsen. 1. De> Untere beiden neuen Kirchenglocken werden am kommenden Sonntag geweiht, unb wir erhalten wieder wie vor bem Kriege ein dreistimmiges Oe- laute Die zu einer gründlichen Herstellung unserer Orgel nötigen 4000 Mark wurden von z Z in der Heimat wellenden Deutsch-Amerikanern gespendet. vermischtes. Avrdhauseu, 1. Dcz. (Wolfs.) Ctn schwerer Autouns all «eignete sich auf der Laudfrratzc nach Holldach an der Dtesew- mühle. Beim Uederholen eines Kuhwagen- aefpanneü stür-te das Auto des Kaufmanns Treyfe aus Hannover die Srratzenböschung hinab und begrub die Onsas en unter sich. Der Besitz« des Auu>s und feine lSjährige Tochter wurden geibtcu die Cbefrau und eine Zweite Tochter leichter verlcyt. * Sin Dauererdbeben.Dediet. Aus München wird uns geschrieben: West- lich vom Köntgsse«. unweit der bayerischen Drenze, ziehen sich von Oft nach West blc Loferer dieinberge Sell Ende Hüll wurden im westlichen TeU dieser Verggruppe un» unterbrochen bald schwächere, bald heftigere Grdstdtze wahrgenommen. Den Stützen geht Immer etn kräftiges deutlich wahrnehmbares Rollen im Onnern der Srbc voran. ViS Ende Oktober traten die Drdstütze immer in unregelmäßigen Intervallen auf, seitdem aber wiederholen sich die unterirdischen Bewegun- aen täglich zweimal, und zwar in einem Abstand von 12 Stunden, nämlich um 3 Ähr morgens und um 3 Uhr nachmittags. Die anfängliche Aufregung der Bevölkerung hat sich wieder gelegt, man ist daran gewöhnt, datz zweimal täglich die Erde bebt, wie man an Regen und Sonnenschein gewöhnt ist. Die Stütze sind so heftig, datz gemauerte Häuser bereits bedenlliche Riste aufweisen, die Holz« Häuser dagegen haben keinen Schaden gelitten. Der Plllersee, der am Futze der Loferer Steinberge liegt, wirst iedeSmal mächtige Wellen, von den Schindeldächern rollen die großen Steine, die Laubbäume werden heftig gerüttelt und Bergsteiger auf den Höhen der Loferer Berge fühlen den Boden unter sich schaxrnken. -5cü längerer 3eu werden gcolo- gischt Forschungen in der Segend vorgcnom- men, um die Ursache dieser Erdbewegungen zu ergründen. Veihnachttz-Büchertisch. — Herz- 2tz und andere vergessene Setchichten Von Dora Barnas A S. OlBxrtr4>e Deriaasduchhaabiuna (® Braun) In 22Iürbuig a d. Lahn. Jn bie'en öe» schichten gibt Dvra Barnas neue Proben ih^eS Laients Auch wo die Linien dn UKnig durch» einander stießen, spün man bu Ä.in'tlerbanb. Die Atmosphäre ber bestächen Landschaft w.rd mit einbrinallcher Kunst •citgeballcn D r Dichterin eignet lebendige Antch.uuna t t'.beiibe Aiaft Das Romaneske ohne iyrstchen lleberchwang i t der Drundzug ihrer Defenbelt 3u ber biainaiitch aufgebauten Srzahlung .Das Wondkind" Innunl das Elementare ihrer Old tur zu voller Geltung. Hier wird neben ötnniacm und Zartem ein« Wucht der Handlung offenbar, die. ohne der künstlerischen Wahrheit Abbruch z.i tun. Spannung im besten Sinne des Worte- erzeugt Jn dem Büchlein lebt eine Fülle von Poesie. n:an durs es allen Freunden guter Literatur empfehlen. AB. — Weister der Tonkunst im Ifi. Oabrbunbert von Leopold Schmidt De» l-unden 28.60 Wk. (einschl. aller Zu chiage). Was Hestes Bering, Berlin W 15 — 3n 41 trefflich gezeichneten biographstch n Skizzen gibt L Schmidt ein treues Spiegelbild des auf dem Gebiete bet Wusik so glanzvollen 19. Jahrhundert-, während eine Galerie von Porträts unS das äußere Bild dieser iLpoche lebendig macht 21 von den Biographien gelten deutschen Wdstern. 6 der g o’ien Ätalicnein. 8 den Franzosen. Ö den nordischen Landern und Slawen. Qkint besonders bervvrzu« heben ist die ausnehmend schone Ausstattung, die da» Buch zu einem äußerst gelchmaävollen Weihnachtsgeschenk für jeden Debi deten macht. *T- Nur kurze Zeit! Neu für Gietzen! Samstag, 3. Dezember, abends 8 Uhr, findet im Lass Leib IIMM Verein der Detaillisten, e. D., Bietzen 12592D 1«5D I önfernocea . . $,„„b 4.8C Lin versuch führt zu dauernd. Kundschaft Sonntag geöffnet von 11 Uhr an. Weiden- und JPeddigrohr - Möbel verstellbare Liegesessel empfiehlt In jrröQter Auswahl in nur prima Qualität zu bllllgtlen Preleen IPhiIrpp Henkel eigene Stuhl- und So»#«el-Fabrikation, Sonnenstraßo 14 u. 18. Gegründet 1877. g Tages Angebot Imichuel.lea l EloseiL l mal 4. t^robe bet Etn- send v. M5. Käu ’Uorto iu Pack. frei. 3 Artikel tufll. 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