Samstag, 2. Juli 192t 171. Jahrgang Erstes Blatt 175 den Amerika und der Friede. Se- 3m Preußischen Landtag einer State irb unmöglich, die Unruhen zu verhindern. Bei Unruhen gab es auch zahlreiche Verwundete. Ännatzmk von Hnjdgtt für die lagesnummer bi» zum Nachm ttaq vorher ohne jede DerdlnKlichKeit. Sreis fir I mm HSHe für nzeigenv 34 mm Breit« örtlich 40 Pf, auswärts 50 *Pf.; für Reklame, Anzeigen non 70 nun Breite 180 «Pf Bei Platz. Vorschrift 20-, Aufschlag. Hauptschriftletter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Retnhold Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. trag und feine Ausführung ein einziges großes, I löst fein werden. Die Verwaltung Oberfchle- bittereS Unrecht ist. Die flammende Anklage fienS wird von da ab wieder vollständig in eine Unterredung haben wird, mit der Kabinettsbildung betraut. Eine Strafexpedition der Faszisten.! Rom, 2. Juli. (WTB.) Infolge eines Zwischenfalles in Crosseto, wo die Kommunisten einen Faszisten au» Siena, einen ehemaligen Hauptmann, getötet hatten, rückten etwa 10 0 0 Faszisten aus Rom, Siena und sogar aus Triest nach Crosseto, um eine Strafexpedition auszuführen. Trotz der auf sie abgegebenen Schüsse zerstörten die Faszisten die Arbeitskammer, die Druckerei einer kommunistischen Zeitung und mehrere Kommunistenhäuser völlig. Infolge der grotzen Anzahl der Faszisten war es der Polizei Die Kabinettsbildung in Italien. Rom, 2. Juli. (WTB.) De Ricolo hat Stefanimeldung zufolge den Auftrag zur Wochenrückblick. Die etaatcnpoltti! außerhalb Deutschlands geht gegenwärtig vielleicht noch mit größeren und schnelleren Schritten als unsere innerpolittsche Entwicklung. So bedeutsame Vorgänge wie das Bündnis der türkischen Rationalisten, Persiens, Afghanistans und des bolschewistischen Rußlands sehen wir einstweilen nur schat- tenhaft, bis die Folgen auf anderen Gebieten, besonders in der Politik Englands, sichtbar werden, dessen Ziele und Sorgen sich von den Wünschen Frankreichs immer weiter entfernen. Aber weil es im Orient seine Interessen drohend bewölkt sieht, mit dem im Kampf gegen die Griechen siegreichen Kemal Pascha sich ebenso duldsam wird abfinden müssen wie mit der großen Sowjet-Republik des Ostens, will das brittsche Jnselreich in seiner Isoliertheit des Bündnisses mit Frankreich nicht ent» raten. Und so wird die Schacherpolittk an unseren Ost- und Westgrenzen noch nicht zu Ende gehen. Trotz der im Gange sich befindenden vorläufigen Schlichtung in Oberschlesien haben wir noch die allerernstesten Befürchtungen zu hegen. Hat doch Pan Korfanty seinen Getteuen bereits zugerufen, dank der Einsicht der Entente werde die umstrittene Provinz schon ganz bald Polen zugeteilt werden! Wo bleibt aber die Sühne der furchtbaren Greuel, die gegen unsere deutschen Landsleute begangen worden sind, die Bestrafung der bestialischen Verstümmelungen, Quälereien, Leichenschändungen, von denen berichtet worden ist? Wir wollen hoffen, daß unsere Regierung gegenüber dem soeben bekannt werdenden Amnestie-Erlaß der Internationalen Kommission die erforderlichen Feststellungen trifft und, nachdem die Waffen bis auf weiteres ruhen, mit Geistes Kraft und Mund für Recht und Sühne kämpfen wird. Graf Sforza, und mit ihm hoffentlich sein Teilungsplan, ist von der politischen Bildfläche verschwunden; Italien möge in seinem richtiger verstandenen Interesse einen Weg finden, auf dem es auch England erleichtert wird, die anmahlichen Vorherrschastsbestre- bungen Frankreichs entschiedener abzuwehren als bisher! Mit täglich wachsender, sorgenvoller Spannung aber verfolgen wir das Kabinett Wirth auf seinem Wege. „Es geht ein finsterer Geist durch! dieses Haus." Das Programm des Zentrumskanzlers hatte anfänglich in Frankreich, auch bei dessen Regierungsmännern, einige ermunternde Zurufe geerntet. Aber sie galten, wie sich jetzt herausstellt, mehr dem Packesel, der die Wiederherstellungsleistungen, oder sagen wir besser die Kriegsentschädigungen, hinüberschleppt, als der neuen Versöhnungsmission. Er wird, Herr Dr. Wirth, drüben nicht verstanden, und er begreift auch die Vorsätze der ftanzösischen Gegenseite nicht, wie er einem Wiener Journalisten klagte. Sollte doch Herr Briand angebeutet haben, die Aufhebung der Zwangsmaßregeln werde dem Kabinett Wirth nicht nützen, sondern eher schaden! Aber lassen wir die Grunde der Pariser Politik einmal ganz beiseite. ES handelt sich dort nicht um Grunde, sondern um hartnäckig verfolgte Ziele. Man will keineswegs die Bruderhand der deutschen Demokratie, sondern man will die volle Ausbeutung des Sieges, die Verkleinerung des Deutschen Reiches. Der DerständigungSwille unseres Reichskabinetts war auf dem Holzweg, wenn er glaubte, die Ansprüche der Gegner herabmindern, ihre Drangsalierungen lindern zu können. Die nach der Londoner Konferenz angeordneten Zwangsmaßnahmen bleiben bestehen. Man glaubt in Frankreich, die Kraft und die Macht zu haben, auch einem Kabinett Wirth nichts schenken zu brauchen von all den Bürden und bcn, wurde mit 158 gegen 149 Stimmen eben- alls angenommen, weiterhin der Antrag, Laienrichter auch zu Strafkammern hinzu- zuziehen. Zur Annahme gelangte auch der Antrag, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Schöffen und Gefchworenen für den entgangenen Arbeitsverdienst entschädigt werden. Ferner wurde der Antrag angenommen, den Gefangenen im weiten Umfange das Recht zum Bezüge und Lesen von politischen Zeitungen sowie von Zeit- binettsbildung abgelehnt. Wahrscheinlich nunmehr D o n o m i, der heute mit dem König Washington, 2. Juli. (WTB.) Der nat hat die Kompromißresolution, die schriften und Büchern zu geben. Der Antrag auf Abschasfuna derTodeSstrafe wurde mit gegen 131 Stimmen abgelehnt. Sache der „Kriegsverbrechen" trn Münchener Parlament zum Ausdruck gekommen ist! Die Hessische Volkskammer, die gegenwärtig unser Interesse fesselt, hat es sich leider versagt, dem bayerischen Beispiel zu folgen. Das Kabinett Ulrich ist von der Opposition durchaus glimpflich behandelt worden. Und das war recht, denn Gehässigkeit darf in der deutschen Rot unter den Parteien nicht um sich greifen; nur sachlicher und politischer Ernst hat das Feld zu beherrschen. Der regste Widerspruch hat, wie in Kammer und Presse oft zu Tage getreten ist, dem sogenannten Bildungsamt gegolten, weil dort der Reue- rungsgeist sehr ungebunden und am eifrigsten ins Zeug gegangen ist. Es war zum Teil freilich ein recht abgestandener Reuerungsgeist, sofern er die pazifistischen Flötengriffe meistern und uns mehr sttitttge Schulweisheit zumuten wollte, als das Hessenvolk üertragen zu können glaubte. Im übrigen aber bleibt wirklich anzuerkennen, daß Herr Ulrich und seine Ministerkollegen, besonders der jetzt verabschiedete Dr. Fulda, sich von radikalen Versuchen ziemlich ferngehalten haben. Man hat, besonders seit von Putschgefahren irgendwelcher Art nicht mehr die Rede ist und die Besonnenheit im Volke allmählich wieder tim» kehrt, nicht allzu viel von jfjnen gehört. Der Rücktritt Dr. Fuldas wird schwerlich weittragende Folgen haben. Sollte Herr Ulrich, der erklärt hat, zu wissen, was er dem Lande schuldig sei, von Heißspornen seiner Partei sich dazu drängen lassen, höhere Aem- ter mit nicht entsprechend wissenschaftlich vorgebildeten Sozialdemokraten zu besetzen, so würde dies bei den Reuwahlen von einer tiefen Wirkung sein, deren die Sozialdemokra- tie sich nicht zu freuen haben würde. Ueber- dieS wird, wenn über die Bildung eines größeren Heflenlandes wieder gesprochen werden darf, vor einer erneuerten Volksvertretung sich bald Herausstellen, daß es für Hessen Kulturprobleme gibt, die nicht mit Parteigeist, sondern mit Fach- und Sachkunde gelöst werden müssen. Man braucht nur an die Vereinfachung der Verwaltung, die Ausnutzung der Wasserkräfte, die Verbesserung der Verkehrswege und ähnliches zu denken. Und der Tag wird wohl kommen, an dem in einer neuen Koalition Gegner von heute sich gemeinsam am Regierungstisch niederlassen; dann dar der Haß nicht zu tief geftessen haben . . . ©trafen, die man Deutschland nun einmal zugedacht hat. Wir haben dem Nachfolger FehrenbachS bisher keine Oppositton entgegengebracht, nur mit etwas Pessimismus, der sich jetzt als begründet erweist, seine Ankündigungen verfolgt. Auch das Kabinett Wirth mußte nunmehr infolge der fränkischen Sank- ttonspolitik zu Protesten und Verwahrungen seine Zuflucht nehmen. Ueber den Verlauf und die Wirkung der letzten Reichstagsverhandlungen brauchen wir kaum viel Worte zu verlieren. Mit der Anftage Stresemann ist das Kabinett wieder einen Schritt weiter der kalten Schnee- und Eisregiou zugewandett, in der kein Gräslein milden Dtlftiebens ge= deiht. Wenn nun der „Oberste Rat" die deutsche Beschwerde verwirft, sich dem ftanzösischen Eigenwillen fügt, wenn dazu unsere oberschlesischen Erwartungen enttäuscht werden — was dann? Dann sind die Kisten und Kasten des Kabinetts leer, und das deutsche Volk wird wünschen, seine Regierung möge härter, stolzer, kraftvoller im Widerstand gegen unerhörte Bedrückung und Erniedrigung werden. Wir werden uns wieder wappnen mit der Aeberzeugung, daß der ganze Versailler Ver- Abg. Dr. Dell (Zentr.) erhebt vor bet ganzen Welt Protest gegen die unerhörte Der- getealtigung. Was wir in den letzten zwei Jahren an Opfern und Enttäuschungen erlebten, gehöre der Geschichte an. Er erinnerte an die unter Bruch des Waffenstillstandsabkommens erfolgte Wegnahme unserer Kolonien und den Raub von Eupen und MalmedH, an die Bedrückung der Rheinlande und an Oberschlesien. Die von langer Hand vorbereiteten Maßnahmen xur Abschnürung der Rheinlande vom Mutterlande wurden nach den Tagen von London ohne Ultimatum durchgesetzt, nach dem Grundsätze: Macht geht vor Recht. Redner geht sodann die einzelnen Sarktionsmahnahmen durch und kommt zu dem Schlüsse, daß selbst der kühnste Interpret des Friedensvertrages keine Bestimmung finden könnte welche diese Maßnahmen rechtfertigt. St2tn Wunder, daß alle Kreise des deutschen DolteS einig seien in dem energischen Protest gegen diese Sanktionen und einmütig ihre Aufhebung verlangen. Frankreich fordere die Unterwerfung der Rheinländer, damit deren reiche Jndu^ strie Frankreich zu Gute komme und Frankreichs Sieg vervollständige. Dies be- Französierung der Rheinlande, aber den Kriegszustand Zwi'chen den Bereinigten Staaten einerseits und Deutschland und Oester- ■ reich andererseits beendet, mit 38 gegen 19 Stimmen angenommen. Damit hat der Kongreß die Komprvnttßrescl tton endgültig verabschiedet. Sie geht jetzt zur Unterzeichnung an den Präsidenten Harding. Paris, 1. Juli. (WTB./ Dem „Reuhort Herald" wird aus Walli"gwn gemeldet, daß die amerikanischen Besahungstrupven am Rhein, wie unterrichtete Persönlichkeiten erklären, binnen kurzem aus Deutschland würden zurückgezogen werden. Präsident Harding habe erklärt, dies würde geschehen in dem Augenblick, wo er die Friedensresolution unterzeichne, oder kurz nachher. Man glaube, daß die Zurückberufung zum amerikanischen Rattonalfest, also am 4. Juli, erfolgen werde. * Die letzten deutschen U-Bote. London. 1. Juli. (WTB.) Heute wurden die letzten deutschen U-Dootevernich- t e t, darunter auch „Deutschland". wurden mehrere sottaldemokrati'che Anträge zum Justizetat angenommen. Zunächst der Antrag, daß gegen alle erstinstanzlichen Urteile in Strafsachen das Rechtsmittel der Berufung zulässig sei. daß begabten Kindern minderbemittelten El- t rn in gr; herer A z hl auf Ctiat ko et d r W g zum Derufsrichleramt eröffnet werden solle. Der Antrag, daß h rvorragend befähigte und praktische, erfahrene Personen aus allen Kreisen des Volkes durch Ablegung einer _ Prüfung die Befähigung zum Ri chter- deute --- . am t erlangen können, auch wenn sie den borge- über diesem Vorhaben stehe die rheinische TreuL schriebeoen Bildungsgang nicht durchgemacht ha- ' Herr Briand selbst habe neuerdings dre Rot- Deutscher Reichstag. 128. Sitzung, nachmittags 1 Uhr. Berlin. 1. Juli 1921. Haus und Tribunen find sehr schwach besucht. Aus der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Auf'eine.Anfrage des Abg. Dr. Schreiber (Ztt.), wie es mit dem kulturellen Beirat steht, dessen Einführung im Haushaltsausschuß beschlossen sei, und der eine verstärkte kulturelle Wirkung auf das Ausland ins Auge fassen soll, und ferner, wie weit es mit der Bildung deS kleineren Ausschusses gediehen sei, der den AuS- landsschulen seine Aufmerksamkeit zuwenden oll, wird regierungsseitig erwidert, daß die Regierung nach wie vor beabsichtige, den kulturellen Beirat zu schaffen, der nach den Erfordernissen ganz ober teilweise in Tätigkeit treten soll. Der Kleinere Ausschuß sei bereits in der Bildung begriffen. Eine Benachrichtigung über den Termin des Zusammentritts deS kulturellen DeiratS werde dem Haufe noch vor Beendigung der Tagung zugehen. . Auf eine Anfrage des Abg.M e i e r - Zwickau (Soz.) über die Heraussehung der Pfändbar- keitsgrenze für Lohnempfänger erwidert ein Regierungsvertreter, die Regierung beabsichtige allerdings, diese Grenze den jetociltgen Verhältnissen anzupassen. Sie sei daher tn eine erneute Prüfung der Frage eingetreten und werde eventuell mit Vorschlägen an daS Haus beton* treten. Aus eine Anfrage deS Abg. Dr. Temmler (Dtschnll.) über die Notwendigkeit, der Landwirtschaft ausländische Arbeitskräfte zuzuführen, wird geantwortet, daß das Reichsarbeitsamt ermächtigt sei. aus- ländifche Arbeiter zuzulafsen, wenn der Bedarf durch einheimische Kräfte nicht gedeckt werden kann. Aus der Antwort auf eine weitere Frage geht hervor, daß ein Weißbuch über die Lage im Saargebiet sich in Arbeit befindet und dem Hause demnächst zugehen werde. Auf eine Anftage wegen der Aufhebung zahlreicher ländlicher Postanstalten und Beschränkung und teilweisen Beseitigung des Sonntagsdienstes bei der Post wird erwidert, daß die Behörden bestrebt seien, den Dienstplan der Friedenszeit allmählich wieder einzuführen, daß eS aber mit Rücksicht auf die allgemein mißliche Finanzlage noch nicht im ganzen Umfange möglich sei. Auf eine Anftage wegen Gleichstellung der unehelichen Kinder mit den ehelichen erklärt ein Regierungsvertreter, daß diese Frage im Rahmen des Jugendwohlfahrtsgesehes ihre Erledigung finden werde. Auf eine weitere Anftage werden Erleichterungen im Ehe scheidungsverfahren in Aussicht gestellt. Eine entsprechende Vorlage an den Reichsrat sei in nächster Zeit zu erwarten. Das Reichsschulgefeh soll nach einer weiteren Antwort aus eine Anfrage baldigst verabschiedet werden. Es folgt die erste Beratung des Gesetzes zur Ueberwachung des Verkehrs mit Postpaketen. Abg. Dr. Geyer (5t) sieht tn dem Gesetz den Versuch, die politische Postschnüffelei zu sanktionieren. Der Antrag der Kommunisten, daS Gesetz an den Ausschuß zu verweisen, wird angenommen. Eine Reihe kleiner Vorlagen wird sodann den Ausschüssen überwiesen bzw. debattelos genehmigt. Die Interpellation wegen der Sanktionen wird nunmehr weiterberaten. trag und seine Ausführung ein einziges großes, I bitteres Unrecht ist. Die flammende Anklage eines mißhandelten Volkes wird sich emporrecken und im Rate der Völker mehr erwirken Ur. (52 Der Siefcentr Anzeiger mit der 'Dienstagsbeilage .Zpsrt-Umschau" erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche Bejnesjreife: Wart 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fern sprech «Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und (üe!chäflsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: lozeiaer Sießen. Postscheckkonto: Zrauksutt a. M. 11686. GieheimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vruhl'sche Univ.-Vuch' und Stctnbruderei H. Lange, rchnftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7. als schlappe Unterwürfigkeit. Roch beklemmender als die Fortdauer der Zwangsmaßnahmen sind für unser Volk die Leipziger Kriegsverbrecherprozesse. Einer Welt von Feinden hatte eS in grimmigem Kampfe sich zu erwehren, und ihm allein bläst man jetzt die giftigen Schwaden böser Erinnerungen inS Angesicht. Sind d a S die Sünden des deutschen Militarismus, was man jetzt in Leipzig dem General Stenger und dem Major Crusius zur Last legt? Selbst wenn in heißem Drange, in gerechter Erbitterung über einen heimtückischen Feind, einzelne Taten geschehen sein sollten, gegen die sich unser Gefühl heute auflebnt — waren nicht Mißverständnis und krankhafte Ueber- reizung daran schuld? Haben die Engländer und Franzosen etwa keine Crusiusse an ihren Fronten gehabt? Wenn nicht schlimmere, rohere Elemente unter ihnen scheußlicher gegen die Menschlichkeit sich vergangen hätten, so wollten wir, die wir als Unterlegene im Weltkrieg mehr Bitterkeit im Herzen zu tragen berechtigt sind, darüber hinweggehen. Heraus aber nun endlich mit der deutschen Gegenliste der Schandtaten unserer Feinde im Felde und in den Gefangenlagern, ja, auch noch nach FriedenSschließung und auf deutschem Boden! Tritt in dieser heiligen Sache unserer Ehre das Kabinett Wirch nicht aus dem Tempel seiner Fastenübungen heraus, so macht es sich der schwersten Unterlassung schuldig, und dann mag das bayerische DolkSempsinden — und mit ihm wohl dasjenige aller anderen deutschen Stämme — noch einmal ganz anders sich entladen, als es vor einigen Tagen in dieser Amnestie für die polnischen Mörderbanden! Oppeln, 1. Juli. (WTB.) Die int er« alliierte K v mm issfon veröffentlicht nachstehenden Aufruf an die Bewohner Oberschlesiens: Die interalliierte Kommission gibt den Bewohnern Oberschlesiens bekannt, Daß gehorsam den Anordnungen der interalliierten Kommission die Kräfte der polnischen Insurgenten und der irregulären deutschen Formationen sich aus ihren Stellungen zurückziehen und am Wend des 5. Juli vollständig aufgeben Händen der interalliierten Kommission ruhen. Allen nicht rechtmäßig gebildeten For- mationen wird weder Autorität noch Gewalt irgendwelcher Art zustehen. Von dieser Unterwerfung befriedigt und Besänftigung des Grolles sowie Milderung der bestehenden Rassegegensätze wünschend, beschloß die interalliierte Kommission, Amnestie für alle ungesetzlichen Hand- [un gen zu gewähren, die mit dem Auf- tand in Zusammenhang stehen, jedoch mit Ausnahme solcher Handlungen, die in gewinnsüchtiger Absicht oder aus persönlicher Rachsucht ober auch aus Grausamkeit begangen würben. Don der Amnestte sind edoch alle Personen ausgeschlossen, die nach einem noch bekanntzumachenben Zeitpunkt in unbefugtem Besitz einer Schußwaffe ober von ExplosionSstoffen befunben werben. In bet Erwartung, baß bie Bevölkerung burch ihr Verhalten sich dieses Aktes der Milde würdig zeigen werde, sowie fest entschlossen ist, jeden Versuch einer Störung der öffentlichen Sicherheit zu unterdrücken, fordert die interalliierte Kommission die Oberschlesier auf, in Ruhe und vollem Verttauen auf die Gerechtigkeit und Anparteilichkeit der alliierten Mächte bie Entscheibung abzuwarten, bie gemäß demFrie- benSbertrage von Versailles getroffen werben soll. Berlin, 2. Juli. Die „Deutsche Allgem Zeitung" schreibt zu dem Amnestieerlaß der interalliierten Kommission kn Oppeln: Der „Oberschlesische Wegweiser", das Blatt Korsanths, war bereits vor zehn Tagen in der Lage, zu melden, daß eine derartige Amnestie zu erwarten sei. Dieses Anglaubliche ist nunmehr Wirllichkeit geworden. Praktisch heißt aber Amnestte nichts anderes, als das alle von den Kor- fanthbanden verübten Verbrechen, die unzähligen Plünderungen und zahlreiche Morde unge- suhnt bleiben sollen. Die Anterwerfung der interalliierten Kommission unter die Korfantysche Forderung der Amnestte ist ein Peitschenschlag für die deutsche Bevölkerung Oderschlesiens. 38. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) weil Deutschland die Verpflichtungen nicht erfüllen kann. Abg. Dr. Deermann (D. Vp.) schlieht sich dem Protest gegen die Sanktionen an. Die Franzosen betrachten die preußischen Beamten lediglich als Störenfriede ihrer Politik. Er schildert insbesondere die Zustände in der Pfalz und hebt hervor, dah eine Tagung katholischer Jugendlicher nur dadurch zustande gekommen sei. daß 30 französische Tank- In den Festzug ausgenommen wurden. Zweck und Ziel der Franzosen sei. den Rheinländern weih zu machen, daS Vaterland habe sie vergessen. Abg. Dr. Most (D. Dp.) stellt in seinem Schlutzwort die einmütige Ansicht des Reichstages fest, dah uns Hnrecht geschehen ist. Damit schlieht die Aussprache. Morgen vormittag 11 Hhr, Interpellation, kleine Vorlagen, Interpellation über Mont Cenis. Dchluh 8 ilfcr. Herrn Collins Abenteuer Roman von Frank Heller. len. dah Mr. Lavertisse plötzlich vollständig -u- sammenbrach. Hm nicht umzusinken, muhte er sich krampfhaft an die Klinke klammern, mit der andern Hand griff er sich an die Kehle, als oo er irn Begriffe wäre, zu ersticken, und endlich gelang es ihm. zu stammeln: ..Der Herr ist ... der Herr hat ... der arme Herr . . ." ..Was ist denn los?" Drüllte Kenhon und packte ihn an der Schulter. „Heraus mit der Sprache, Lavertisse I Was ist mit dem Herrn?" „Er hat sich das Leben genommen," schluchzte Lavertisse endlich, während grohe Tränen über seine Wangen rollten. „Gerade letzt ... ich kam eben nach Hause . . . und sand ihn tot. tot . . . der halbe Kops mit einem Rasiermesser abgeschnitten . . Starr vor Heberraschung lieh Kenhon die Hand von seiner Schulter sinken und starrte Fräulein Holten an. Sie hatte sich mit einemmal em- porgerichtet, aufrecht, stumm, totendlah stand sie vor ihm. während ihr Inneres ein Gewirr von Gedanken war: ■. . • sich das Leben genommen . . . konnte er geahnt haben? Das ist nicht möglich . . . was habe ich getan? Gott, was habe ich getan. Rein, eS ist nicht möglich . . ." Endlich regten sich ihre Lippen, und mit einem flehenden Blick aus Kenhon. mitzukommen, ging sie an dem schluchzenden Lavertisse vorder in die Wohnung. Kenhon folgte ihr, eine Beute widerstreitender Gedanken. Was steckte hinter dieser Sache? Früh morgens hatte er den Besuch dieser entzückenden sungen Dame erhalten die mit blassem Antlitz, aber kaltem, klarem Blick ihr Anliegen vorgebracht hatte. ES handelte sich um eine Arretierung. Zufällig hatte sie in London einen durchgegangenen schwedischen Hochstapler qx- Aus dem Flur des dritten Stockwerkes biteben sie stehen, und die blasse, junge Dame stützte sich mit der Hand aus die Balustrade. Ihre Augen waren unnatürlich geweitet und ihr Atem ging keuchend. Sie schien die Deute einer ungewöhnlichen Gemütsbewegung zu sein. Einen Augenblick formte sie die Lippen, wie um etwas zu sagen, aber kein Laut kam darüber. Schliesslich beherrschte sie ihre Erregung und warf einen um Entschuldigung bittenden Blick aus ihren Begleiter. „Sie sind sicher, dah Sie alle Papiere haben, die zur Arretierung nötig sind, Mr. Ke- nhvn?" fragte sie. „3a, Mih Holten, ganz sicher. Soll ich Ihn- geln?*- „Ditte." sagte sie matt und lehnte sich wieder an die Balustrade. Wenn Mr. Kenyon Schwedisch verstanden hätte, er würde gehört haben, wie sie zu sich selbst flüsterte: „O Gott, was habe ich getan? ©oli ich es mir noch überlegen? Rein, nein, es ist zu spät, und es war doch recht von mir ..." Das Klingeln der Glocke klang ganz ferne und hatte kaum aufgehört, als die Türe auf- gerissen wurde und ein leichenblasser Mann den Kopf heraussteckte. Als er die Fremden erblickte prallte er zurück, aber bevor er noch etwas sagen konnte, tarn ein Ausruf von Kenhon: .Lavertisse! By Hove, ist das nicht Laver- tisse, wie in aller Welt . . Aber seine Frage wurde dadurch abgeschnit- Aus Stadt und Land. G i e h e n. den 2. Zull 1921. Uuiverfitäts-Stiftungsfeft. Hm 11 Hhr 15 war die Feier angesetzt, aber schon eine Stunde vorher wurde es lebendig vor der alten Ludoviciana. Bunte Mützen und feierlich schwarze Anzüge versammelten sich zu starken Gruppen. Kurz darauf begannen die Fahnen und Chargen ihre Anfahrt. Wagen auf Wagen kam, feierlich flatterten die schweren Seiden über den Iünglingsgesichtern. Die Menschen strömten geradezu durch die Tore, und man muhte zeitig fein, wollte man einen Platz erwischen. Es scheint, als werde die Aula von Jahr zu Hahr kleiner. Die Feier war einfach. Hnter den Klängen eines Festmarsches zogen langsam die Dozenten ein, den Insignien der Hniversität folgend. Stehend ehrte daS Haus die deutsche Wissenschaft in ihren Vertretern. Der akademische Chor eröffnete die Feier mit einem Choral. Der Rektor. Prof. Dr. v. Eicken, betrat bann den Rednerstuhl. Nachdem er kurz des letzten Rektors magnificentisstmus Grohherzog EmstLud- wig, gedacht hatte, führte er in ein Gebiet aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und entwarf einen geschichtlichen Abriß von der Entdeckung des Kehlkopfspiegels, seine technische Vervollkommnung, sowie der Larhngologie und Endoskopie der Luft- und Speiseröhre. Gr gab damit ein Beispiel. tote sich aus einer zufälligen Entdeckung durch hartnäckigen Fleih, technische Vervollkommnung der Instrumente und virtuoses Können in ihrer Verwendung sich ein theoretisch und praktisch bedeutungsvoller Zweig der Wissenschaft entwickelt hat. Chronik und Preisarbeiten haben wir gestern mitgeteilt Rach dem Schluhchor des Gesangvereins begleiteten die schweren Klänge des Pilger- chorS aus „Tannhäuser" den Abgang der Dozenten. Fahnen und Chargen waren für die schaulustigen Bürger an den Toren des Gebäudes willkommener Gegenstand des Staunens. Sonntagskarten. Die von morgen ab zur Ausgabe kommenden Sonntagskarten tragen als augenfälliges Hnterscheidungsmerkmal in ein Drittel Kartenbreite einen blauen LängSstreifen. Zur Nachlösung dürfen Sonntagskarten übrigens nicht benutzt werden. Die einzelnen Verkehrsämter haben über den Hmfang und die Abwicklung des durch die Wiedereinführung herbeigeführten stärkeren Verkehrs den Eifen- bahnoirektionen bis zum 25. Juli Bericht zu erstatten. Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig bis bedeckt, schwache Niederschläge, kühl, nördliche Winde. Die Wetterlage bat sich nicht verändert. Die Trübung und das kühle Wetter halten infolge der nördlichen ßuftftromung auf der Rückseite deS skandinavischen Tiefes weiter an. • ** Beförderung. Die Postschaffner WUHelm M o o tz und Wilhelm Henh wurden heute zu Oberpostschaffnern befördert. ** Der Oberhessische Kunstver- ein bringt dieses mal seinen Kunstfreunden eine Ausstellung mit überwiegend graphischer Kunst. 20 Mitglieder des Verbandes bildender Künstler Hessens haben sich an die- er Ausstellung mit ganz besonders guten Arbeiten beteiligt. Auch Prof. Frank-Berlin ist nach langer Pause wieder mit einer Neuen Sammlung Original-Radierungen, die erst vor kurzem bei der graph. Ausstellung in der Akademie der Künste gezeigt wurde, vertre- ten. ArminuS H a s e m a n n -Berlin, der hier zum erstenmal ausgestellt, zeigt zwei Auswahlen aus seinen vor kurzem erschienenen Werken, Fimmel und Hölle auf der ßanb- Wendigkeit der Wrfrechterhaltung der Sankttonen -um Schuhe des Kabinetts Wirth betont. Zum Schuhe deS Kabinetts Driand wäre verständlicher gewesen. Herr Briand verlange eine Erklärung über die demokratischen Anschauungen der deutschen Regierung, denn die Aufhebung der Sanktionen werde nur von pangermanischen Elementen verlangt. Wer ihm das erzählt hat, hat ihm einen Bären aufgebunden, denn alle Parteien find sich In der Sanktionsfrage einig. Der Gedanke der Vereinigten Staaken von Europa wird nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. .Voraussetzung dafür ist unsere vollkommeneGleich- stellung mit den anderen Volkern und die Freigabe Oberschlesiens. Abgeordneter Dr. Reichert (Deutschnat) schildert das Jahrhunderte währende Drängen Frankreichs nach der Rheingrenze, und was wir heute In den Rheinlanden erlebten, sei nur schlecht verhüllte Annektionspolitik. Am gefährlichsten ist die französische Handels- und Industriespionage, welche Einblick in unser wirtschaftliches System gewinnt und das im Wettbewerbe mit dem Ausland zu verwerten bemüht ist. Der Redner stellt dann den DiSmarckfrieden, bet Frankreich in zwei Jahren die vollkommene Handlungsfreiheit wiedergab, dem jetzigen Frieden gegenüber und ironisiert die französische Angst vor dem PangermaniSmus. Diese Angst sei der wahre Grund für die Beibehaltung der Sanktionen. Was Briand von der Demokratie erzähle, sei Spiegelfechterei! Er pfeife auf die Demokratie, wenn es dem Chauvinismus zu dienen gelte. Hnsere Regierung solle nicht auf diesen Leim kriechen. Sie habe schon den Fehler begangen, nicht Zug um Zug zu. verhandeln, närnllch hier Hnterzeichnung, dort Aushebung des Hlttmatums, dort Aufhebung der Sanktionen und Oberschlesien. So aber habe die Regierung ein völliges Fiasko erlitten. (Bravo rechts.) Die Weiterberatung wird jetzt hier abgebrochen. SS wird jetzt die Abstimmung über den StaatSgerichtShof borgenommen, dis vor einigen Tagen auSgeseht werden muhte. Der Entwurf wird gegen die Stimmen der Kommunisten und Unabhängigen angenommen. GS folgt die Fortsetzung der Interpellattons- besprechung. 2Ibg. Breitscheid (H) schlieht sich dem Protest der unersö tei G^walttatei im Rh ei lande an, schildert die Hnhaltbarkeit deS gegenwärtigen Zustandes für Handel, Industrie und das tägliche Geben in einem Lande, dessen deuttcher Charakter von niemanden in Zweifel gezogen werden kann und legt die Schwierigkeiten dar, welche die Zolllinie geschaffen hat. Der Redner spricht vom Skandal vom Kyffhäuser und dem Rummel mit Zagow. Alles Momente, die drüben den Glauben aufkommen liehen, als sei die Reaktion auf dem Marsche. Die Chauvinisten beider Länder arbeiteten sich in die Hände. Abg. Dr. Koch (Dem.): Wir wollen uns heute nicht mit gegenseitigen Vorwürfen befassen, sondern mit dem Verschulden fremder Völker. Unser Parlament muh erst lernen, waS es gemeinsam fühlt, auch gemeinsam zum Ausdruck zu bringen hat. (Zustimmung.) Auch der Gegner hat durch unsere Unterschrift Verpfsiichtungen und Bindungen übernommen, ohne sie zu erfüllen. Ich erinnere nur an Oberschlesien, und nur daran, dah im Waffenstillstand die Besetzung der rheinischen Brückenköpfe vorgesehen sei. Die Absicht, dieRhein- lanbe mit sranzösischer Kultur zu durchbringen und somst für Frankreich zu erobern, wird in französischen Blattern offen zugestanden. Französische Pryseunternehrnungen, die in diesem Sinne Propaganda treiben, werden aus deutschen Mitteln erhalten, der Provinziallandtag in seiner Freiheit beschränkt und die Bürger wurden mit Geldstrafen in Höhe vieler Tausender belegt, als ob noch das Kriegsrecht bestehe. Am aefährlichsten aber ist die systematische wirtschaftliche Durchdringung des Landes. Man kann unser Vaterland wohl ruinieren, aber nicht zerreihen. (Bravo.) Abg. H ö l I e i n (Kom): Dem Interpellanten kam es nicht auf die Interessen deS bedrängten Landes an, sondern nur auf die Ausrottung eines nationalistischen Rummels, denn was über die Frage zu sagen war. hat der Reichskanzler bereits mehr als einmal getan. Gerade diese Kreise, die den belgischen Neutralitätsvertrag als einen Fetzen Papier behandelten, die jeden anderen Vertrag nach Belieben während deS Krieges je nach Wunsch brachen oder veränderten, sprechen von Vertragstreue. Was in Leipzig jetzt vor sichgehi ist ja nur ein schwacher Abglanz ihrer Sünden. (Zuruf: Du Lump!) Den Hölz will man auf dem Transport nach Dresden nur ermorden, daher die Gerüchte, dah geplant sei, ihn zu befreien. (Der größte Teil der Abgeordneten hat bereits den Saal verlassen.) Die Rechte hat im Kriege nur für sich selbst gesorgt, sei es auch nur, um einige arbeitslose Hohenzollern zu versorgen. Wir müssen mit weiteren Sanktionen rechnen. strahe", und „Der ZrrkuS", wovon auch vollständige Mappen aufliegen. Gemälde, und zwar ganz neue Arbeiten, haben Prof. Pel- lar-Darmstadt, E. Toepfer-Frankfurt, und H. Koberstein-Berlin auf nur kurze Zeit ausgestellt. Von unseren einheimischen Künstlern haben noch Dlldhauer Ködding, Marie Zeichner, H. Heckroth. H. Steinbach, und W. Noelke mit einigen sehr interessanten künstlerischen Arbeiten die Ausstellung bereichert. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 1 Hhr, außer Samstags, geöffnet. f •* Marktbericht. Bei überreichlicher Beschickung des Marktes mit Obst und Gemüse sowohl wie mit Eiern und Butter hallen sich die Preise auf der alten Höhe. Möglichste Zurückhaltung im Einkauf ist zu empfehlen und dürfte preisdrückend wirken. Die Preise für Butter betrugen 19—23 Mk. Einer Frau, die 25 Mk. für das Pfund forderte, wurde 1 Korb voll beschlagnahmt und zu einem billigeren Preise verkauft. Es gibt eben viele Leute, denen scheinbar jedes moralische Gefühl entschwunden ist und auch Verbraucher, die stillschweigend solche übermäßigen Preise bezahlen, anstatt die Aufsichtsorgane sofort davon in Kenntnis zu sehen. Nachstehende «werden sich ohne Zweifel zum Ende des es bedeutend ermäßigen, da mit einem erheblichen Heberstand bei allen Sachen zu rechnen ist. Es kosteten gelbe Rüben im Pack 80 Pf. bis 1,20 Mk., Oberkohlrabi 90 Pf. bis 1,20 Mk. das Stück, Wirsing 1.40-2,00 Mk.. Weißkraut 2Mt das Pfund, Blumenkohl 5—9 Mk. das Stück. Erbsen 1,80—2,00 Mk.. neue Dohnen 4—4.50 Mk.. Mischgemüse 50—80 Pf., Rhabarber 80 Pf. bis 1 Mk., Sier 1,60 Mk.. Käse 65—80 Pf., Stachelbeeren 2—3,50 Mk.. Johannisbeeren 2,80 bis 3.50 Mk.. Heidelbeeren 3,50. "DieBelieferungderLebenS- mittelmarken Nr. 22 und 23, sowie der Zuckermarken für Monat Juni erfolgt |nur noch bis einschließlich 5. Juli 1921. ** Von der Vereinigung der Wo h n u n g S l o se n und -suchenden wird uns folgendes mllgeteilt: Auf unsere Eingabe an die Stadtverwaltung und durch verschiedene persönliche Besprechungen mit dieser Behörde erreichten wir, daß uns mit Wirkung vorn 1. Juli 1921 ein Vertreter für die Wohnungszuweisungskommission und ein Vertreter für die WvhnungSbeschlagnahmekommission zugesprochen wurden. Die Stadtverwaltung hat den Gedanken der Mitarbeit von unserer Seite freudig begrüßt, und wir wollen hoffen, daß nunmehr das große Wohnungselend gelindert werden kann. ** Zu dem Selbstmord eines Mädchens aus Lüdenscheid durch Herabstürzen vom Gleibergturm wird unS mitgeteilt, daß das Mädchen nicht in der hiesigen Heil- und Pflegeanstalt, sondern in der „Heilstätte für Nervenkranke" untergebracht war. Beide Institute liegen wohl räumlich nahe zusammen, stehen jedoch in bezug auf .Unterbringung und Behandlung ihrer Kranken unter vollständig getrennter Leitung. Wie wir weiter erfahren, war das Mädchen gemütskrank und wollte sich in ihrem Zustande von ihrer Mutter, an der sie sehr hing und die sie besuchen wollte, nicht sehen lassen, um ihr keinen Schmerz zu bereiten. Hm daS Zusammentreffen zu vermeiden, stürzte sie sich m Einern Augenblick geistiger Umnachtung in den Tod. •• D i e Walderdbeeren sind tn diesem Sommer tn den Wäldern des Vogelsbergs so gut geraten, daß ein fleißiger Sammler täglich einen Eimer voll pflücken kann. Da das Pfund Erdbeeren mit 5 Mk. bezahlt wird, ist das Beerensammeln eine sehr loßnenbe Beschäftigung. Bornottzen. — Tageskalender für SamStag: Turnhalle, Oswaldsgarien, Notgeldausstellung. — Liebigshöhe, 8 Hhr, Gausommerfest deS Rad- ahrervereins 1885. — Lichtspieltheater, wie gestern. — Tageskalender für Sonntag: Turnhalle, OsTaldsgar'en. Notgeldausstellung. — Liebigshöhe, Gausommerfest deS Radfahrervereins 1885. — Lichtspieltheater, wie gestern. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Für das einmalige Gast- piel deS Mainzer Stadttheaters mit Osk. Strauß' neuester Operette „Der letzte Walzer am kommenden Mittwoch, gibt sich lebhaftes Interesse kund, daß Interessenten gut tun werden, ich noch durch Vorbestellung Plätze zu sichern Die Vorbestellungen werden nach der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. — Kirchenkonzert. Nächsten Dienstag in bet in der Stadtkirche ein Orgelkonzert tatt, das von Angehörigen der Familie Kruse zu Gunsten des hiesigen Studentenheimes veranstaltet wird. Der Name Kruse tannt, einen Landsmann, der mehrere Danken um große Summen betrogen hatte, er wurde schon lange gesucht, und eine Belohnung war auf seine Ergreifung ausgesetzt, aber mit unglaublicher Kühnheit hatte er bisher allen Nachstellungen getrotzt. Kenhon hatte einige Einwendungen erhoben — das lag nicht in feiner Branche, bester, die Scotland Darb aufzusuchen, aber sie war sehr bestimmt gewesen, geradezu hartnäckig. Die Scotland Darb sei zu langsam, sagte sie, woraus sie unmittelbar mit naiver Ironie gefragt hatte, ob er denn auch ein richtiger Detektiv sei — der Leute arretieren könne? fügte sie hinzu. Pikiert und von ihrer Schönheit gefesselt, war Kenyon, wenn auch mit Zögern, aus ihren Wunsch eingegangen. Der ganze Tag war damit verstrichen, sich Die erforderlichen Papiere zu verschaffen — dank seiner Energie, von ihrem Eifer angespomt, war es in dieser kurzen Zeit gelungen. Sofort nachdem sie die Arretierungsorder erlangt hatten, waren sie im Auto nach Jnverneß Crescent gefahren —, wie sie die Adresse des Verbrechers erfahren hatte, wollte sie nicht angeben. Mit einem scharfen Blick ahnte Kenhon, daß hinter der Sache mehr steckte, als sie Wort haben wollte. Hnb jetzt als sie herlamen, fanden sie. daß das Opfer sich ihnen entzogen hatte — durch Selbstmord. Seltsame Geschichte, murmelte Kenhon, während er der schlanken Gestalt in das Arbeitszimmer des Verstorbenen folgte. „Viel Luxus hat er sich jedenfalls nicht gegönnt,“ Jagte Kenhon halblaut. Der Raum war groß, mit Fenstern nach beiden Seiten deS HauseS, aber er enthielt nur einen Schreibtisch, ein paar kleine Rauchtischchen, ein halbgefülltes Bücherregal und einige Stühle. Die Rvulcau waren an allen Fenstern herabgelassen und daS Licht matt. Auf einem der Stühle am ist ja jedem Musikfreund in Gießen bekannt und bürgt dafür, daß wir ein genußreiches Konzert erwarten dürfen. Das Programm ist sehr reich- haltig und vietteitig. CH. Kruse ist Organist an der Friedenskirche in Altona und befindet sich augenblicklich auf einer Reise zu den bekannten Gürzenich-Konzerten in Köln. Hnterstützt wird er von H. Kruse (Biolincello), der Konzertmeister in Kastel ist. Ferner wird ein Streichquartett — zusammengestellt au8 Mitgliedern der Familie Kruse — Mitwirken. Es wird für viele Gießener eine freudig begrüßte Gelegenheit fein, die Angehörigen einer altangefeffcnen hiesigen Familie tn einem Konzert hören zu können. (Siehe heutige Anzeige.) — Die ,Gibana“ (Gießener Brtef- marfen-, Ansichtskarten- und Notgeld-AuSstel- lung) teilt .noch ergänzend mit daß reichhaltige Sammlungen sowohl aus dem In- tote auch Ausland zur öffentlichen Schau gestellt werden. In der Abteilung Briefmarken sind u. a. altdeutsche Briefmarken, darunter die so seltene sächsische Dreipfennigmarke und.schwarze 1-Kreuzer-Marke von Bayern, tn mehreren Exemplaren vertreten. Mauritius ab 1848 ist ebenfalls zu sehen. Die zur Schau kommenden Sammlungen tn der Abteilung Notgeld werden den Besuchern der Ausstellung einen Heberblick über die Wahrzeichen der gegenwärtigen Zeit gewähren. Ganz besondere Erwähnung .verdient noch die „Notgeld- druckeret in Betrieb". Die Herstellung mehrfarbigen Notgeldes, insbesondere die Äthogra- phiesteine und -Platten, der Druck ufto. kann aus nächster Nähe besichttgt werden. Zur AuS- Sabe kommt ein fünffarbigeS ErtnnerungSnvtgeld er „Gibana", das Im wesentlichen unseren großen Chemiker Zustus von Liebig, sein ßaboratortum. Inneres und AeußereS, und daS Denkmal zeigt. — Die DezirkSgruppe heimat- treuer Oberfchlesier. Gießen, veranstaltet am Montag, 4. Zuli, abend« 8y* Hhr, im Postkeller eine Generalversammlung. — Der Verein für daS Deutschtum i m A u s l a n d hat die Veranstaltung eines Sommerfestes tn Aussicht genommen. Aus Textvr« Hardt sott am Samstag, 16. Zull, eine Reih« von musikalischen und rezitatorischen Darbietungen ftattfinben. Ein starker Besuch darf um so mehr erwartet werden, als der Reinerttag den bedrängten Ausländsdeutschen, besonders auch den Oberschle- fiern, zugute kommen wird. (S. Anzeige.) — Die Ortsgruppe Gießen bei Bundes für anthroposophische Hoch- s ch u 1 a r b e 11 veranstaltet am Dienstag, 5. Zull, einen Vortrag, in dem Herr W. SalewSkl über „Die geistigen Grundlagen der Haaß-Der- kow - SPiele" sprechen wird. Del dem tiefen Eindruck, den die Spiele auch hier hervorgerufen haben, ist eS vielleicht für manchen von Intereste, etwas von den In ihnen waltenden Kräften kennen zu lernen. Der Vortrag findet um 8^ Hhr pünktlich im Hörsaal 44 statt. (S. Anzeige.) *• Heber Steuerfragen deS gewerblichen Mittelstandes fpttcht am Dienstag, 5. Zull, 81/e Hhr abends, Steuershn- dikus HolthauS- Essen. Herr HolthauS wird, da zur Zeit keine Steuererklärungen abzugeben sind, hauptsächlich die Frage der Steuerrellama- ttonen behandeln. ES dürfte für jeden, der In die Lage kommen kann, gegen die demnächst zu erwartenden Steuerbescheide vorgehen zu müssen, äußerst wichtig sein, sich in dem gebotenen Vortrag eine kurze Vorstellung der RellamattonS- mittel geben zu lassen. Landkreis Gieße«. •• Grvßen-Duseck, 1. Zull. Morgen nachmittag 4 Hhr findet hier in der Wirtsc^ft zum Dusecker Tal eine Desprechung über Milchwirtschaft zwischen Erzeuger und Verbraucher statt, toDÄU auch die Herren vom LebenSmlltel- amt Gießen eingeladen sind. i Nleder-Dessingen, 1. Zull In der Nacht vorn Mittwoch auf Donnerstag wurde bet den Landwirten G. Hau und H. Roth IV. eingebrochen und Lebensmittel, sowie Pferdedecken und Geschirre, auch Kinderwäsche, entwendet. Die entzweigeschlagenen leeren Käsetöpfe, sowie die Kinderwäsche wurden In den Baumstücken vor dem Dorfe gefunden. Die Einbrüche durchs Kellerloch scheinen sich zur Spezialität zu entwickeln, denn erst vor zirka 14 Tagen wurde einer älteren Frau in Abwesenheit sämtlicher Apfelwein bis auf zwei Flaschen auf diesem Weae geholt. Nun konnte der bzw. die Diebe bei Landwirt Hau den Im Keller liegenden Apfelwein auch nicht unversucht liegen lassen. Ermittelungen und Haussuchungen durch die Llcher Polizei haben bis jetzt zu keinem greifbaren Resultat geführt. KreiS Friedberg. fpd. Bad-Nauheim, 1. Zull. Der 50jährige Maler und Silhouettenfchneider Karl Friedmann aus Wien ist nach Hnter*, schlagung von 15 000 Mk. und nach Begehung eines ausgefeimten HetratSschwtndett flüchtig gegangen. Ende deS ZirnmerS, einem großen Fauteuil, faß eine undeutlich erkennbare Gestalt, deren Kopi unheimlich schlaff auf die eine Veite herabhing, er war von ihnen abgewandt und dem Fenster zugekehrt, an dem er laß — ganz alS hätte er in feinem letzten Augenblick noch einen Schimmer deS Tageslichts auffangen wollen, dem er entfloß. Eine Fliege summte in der Totenstille deS Zimmers, und tn furzen Zwischenräumen drang LaoertisseS Schluchzen herein. Plötzlich, während sie noch stumm in die wunderlich suggesttve Szene versunken waren, fuhr Kenhon bet einem Laute zusammen, den er nicht recht agnoszieren konnte, gleich darauf erbleichte er: es war daS Plätschern eines Tropfens, der langsam von dem hängenden Kopf auf die Wachstuchmatte gefallen war. Die schwüle Lust des ZimmerS wurde ihm mit einem- mai unerträglich — was war daS auch für eine Idee von Lavertisse, die Fenster zu schließen und die Rouleau herabzulassen? In der Befürchtung. daß Miß Holten ohnmächtig werden könnte, eilte er zu dem nächsten Fenster und schleuderte das Rouleau in die Höhe. Selbst war ihm tn dem wunderlichen Halblicht des Zimmers nichl weniger als wohl zu Mute, und das schwere Aus. schlagen des Tropfens auf die Matte hatte ihn mit unbeschreiblichem Ekel erfüllt. Als er daS Fenster aufgebracht hatte und sich umwendete, um zu sehen, tote es Miß Holten ging, starrte sie noch immer die undeutliche Gestalt tn dem Älubfauteuil an. Als er einen Augenblick Öen Blick von ihr wandte, fiel er auf den Schreibtisch, wo ein weißeS Kuvert an einen Photographie- ftänöer gelehnt stand. Er nahm es, und ein leiser Ausruf weckte Fräulein Hollen aus ihrem dumpfen Schweigen. (Fortsetzung folgt) ®tir verwegener Raubüberfall. fb. Frankfurt a.M.. 1. Juli Heute vormittag gegen zehn Uhr wurde in einer Mansarde deS Hause« Finkenhofstrahe 25 ein allerer Geldbrieftrüger. der zwei dort ein- loaierten jungen Leuten einen -roheren Geldbetrag auShändigen sollte, von den Burschen überfallen, aus ein Bett geworsen und mit Thloro- fonn zu betäuben versucht, der Beamte setzte sich zur Wehr und schrie um Hilfe. Als Hausbewohner herbeieilten, flohen die Räuber. Während eS einem gelang, au entkommen, wurde der andere von Straßenpafsanten festgenommen und der Polizei übergeben. Der Räuber, ein noch recht junger Wann, verweigert über seine Persönlich- leü jede Auskunft, auch seinen Helfershelfer will er nicht kennen. Die Burschen hatten sich in der Mansarde seit mehreren Tagen einloaiert. Siner von ihnen erhielt fett Mittwoch täglich eine Postanweisung über 20 Mark, anscheinend zu dem Zwe^e, die Gepflogenheiten deS Deldbriefträgers kennen zu lernen. Gerichtssaal. Stade, 1. Juli. (WTV.) Die hiesige Strafkammer verurtellte den Redakteur Daum von der ./Tostedter Zeitung" wegen Beleidigung deS Reichspräsidenten zu 5 Monaten Gefängnis. Kirche und Schule. Srtebberg, 30. Juni. 3n einer von der hiesigen Demokratischen Partei veranstalteten gut besuchten Versammlung im Saalbau sprach Präsident Dr. Strecker über das Thema „DeutscheGinheit — Deutsche Schule. Der Redner, dessen Ausführungen bei seinen Anhängern lebhaften Beifall fanden, bekannte sich als ein warmer Anhänger der Stmultanschule, deren Aufhebung einen Kulturkampf im kleinen in jeder Gemeinde entfachen wurde. 3m wetteren entwickelte er seine Grundsätze über die Errichtung einer vierjährigen Grundschule, in die Trennung der höheren Schulen in verschiedene Abteilungen nach der Begabung der Schuler, in den obligatorischen Besuch der Fortbildungsschule durch Schüler höherer Lehranstalten und den Ausbau der Fortbildungsschulen an größeren Plätzen in Fachschulen (kaufmännische, landwirtschaftliche usw.). Eine Aussprache fand nicht statt. Der Leiter der Versammlung, Rektor §och, schloß mit warmen DankeSworten an den Redner des Abends. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Wassernot in Wieseck. Die den hochgelegenen TeU von Wieseck bewohnende Bevölkerung ist zum Teil seit Jahren, zum Teil seit Monaten im eigenen Hause ohne Wasser, und daher gezwungen, tagtäglich da« zum Kochen, Viehtränken usw. notwendige Wasser bei Tagesanbruch aus dem Riederdorf herbeizuschleppen. Das bedeutet: Ungeheueren Zeitverlust, Plage, Belästigung der Bewohner der Häuser, auS denen die Wasserentnahme geschieht, sowie erhöhte Abnutzung der Anlagen und Geschirre. Rur. ist es bereits vier Wochen her, daß sich die 6tabträtet Gießens der Wassernot Wieseck« erbarmten und die bedingte Abgabe der erforderlichen Wassermenge beschlossen. Obwohl dieser der Gemeinde Wieseck sehr entgegenkommende Beschluß, der unter der Wässernot sehr leidenden Bevölkerung Trost und Hoffnung brachte, ist Leiber Inzwischen nicht« mehr erfolgt. Die Wasser- not steigt unb bte damit verbundenen Gefahren in gesundheitlicher 'Bexl^ung sowie im Falle eine« Brandes werden immer bedenklicher. Welcher Behörde eS nun zu danken ist, daß das Projekt so ungemein schnell vorwärts schreitet, tjl nicht genau bekannt Zieht man in Betracht, daß die Voraussetzung für die Behebung der Wassernot und der damit verbundenen Gefahren durch die Stadtvertretung Gießen schon vor vier Wochen erfüllt wurde, so erscheint es unverantwortlich, die nun notwendigen Arbeiten zu verschleppen. E« wäre wünschenswert, wenn der Beschluß möglichst bald hergestellt würde. AuS dem AmtSvcrkündigungsblatt. •• DaS Amtsverkündigungsblatt vom 1.3uli enthält: Die Regelung des Verkehrs mit Getreide im Srntejahr 1921/22; hier: Die Vornahme einer Ernteflächenerhebung. — Anschaffung von Rühmaschinen. — Erwerbslosenfürsorge für Bezieher von Angehörigenrente. — Reubesetzung einer Feuervisitatorenstelle. Vornahme einer Srnteflachenerhebung. Die dem KreiS Gießen angehörenden Gemeinden sind verpflichtet, sofort die Aufnahme aller mit Getreide bebauten Grundstücke durchzuführen. Die Aufnahme hat sich auf alle landwirtschaftlichen Betriebe, ohne Rücksicht auf deren Größe, zu erstrecken, und ist in der Gemeinde vorzunehmen, in welcher der Bewirtschafter deS Betriebes seinen Wohnsitz hat. Die Aufnahme am Wohnort deS Bewirtschafters hat sich insbesondere auch auf diejenigen Grundstücke zu erstrecken, die in anderen Gemarkungen liegen. Bei der Anbauflächenerhebung sind alle mit Winterweizen, Sommerweizen, Roggen, Wintergerste, Sommergerste, Hafer u/tb Gemenge aus verschiedenen Fruchtarten bestellen Grundstücke aufzunehmen. Für die Anbauflächenerhebung sind die vom KreiSami gelieferten Formulare zu verwenden. ftg sind gemäß der den Dür-ermeistereien zugehenden Anweisung auSzufüllen. Die Ausnahme der Anbauflächen hat durch eine Kommission zu erfolgen, die zu bestehen hat: auS dem Bürgermeister oder seinem Stellvertreter, aus biS au 3 Vertrauensmännern der örtlichen landwirtschaftlichen Organifatlonen. Jeder Bewirtschafter eine« landwirtschaftlichen Betriebes ist verpflichtet, die erforderlichen Angaben über Größe, Lage und Fruchtart seiner Grundstücke, sowie über Personenstand, Diebzah! usw. der Kommission gegenüber persönlich zu machen. Der Bewirtschafter hat die Richtigkeit der Angaben durch AamenSunterschrift zu bescheinigen Die Kommission hat In jedem einzelnen Falle nachzuprüfen, ob die gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. In Zweiselssällen find die örtlichen Grundstückskataster einzusehen. Rach 5ertlgftdlung der Aufnahme, spätestens aber bis zum 8. 3*11 d« sind dem KreiSamt die au«gefüllten Formulare zuzulenden. Die den Gemeinden entitebenben Kosten sind dem Kreisamt hierbei gleichzeitig anaugeben. Wer der Aufforderung zur Abgabe der erforderlichen Erklärung nicht nachkommt, wer sich weigert die nötigen Angaben zu machen, ober unrichtige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark und mit Gefängnis bl« zu einem Jahr ober mit einer dieser Strafen bestraft Besser als bittereMandeln u.Zitronen dabei billiger, bequemer und geMlndpr sind Dr. Reppins Backöle „Bittermandel und Zitrone“. Versuchen Sie auch Dr. Reoplns Vanillin- pnlvor, Backpulver and Rum-Aroma. < Generalvertreter: Robert Völker. I — Kauel, Fünf fenstere traße 4. — Gießen, den 2. Juli 1921. 0S40S Mllingen 09877 7381 innigsten Dank. Zamilie Wilhelm wacker Wieseck. den 1. Juli 1921. Wieseck, Ruttershausen, den 1. Juli 1921. sofort gesucht. 7388 arbeitet. der anker 09409 gesucht. Dormitia«» gesucht. iiitui- ’ww uuuiiii ufle GCiuCüi. ovni Rechtsanwalt Micher. Landgrafenstrake 4 I. 093'7 raum ifir 7313ss □□□□□□□□□□DoooDonoDOonooDOoaoao Luche für sofort einen gewandten, tüchtigen 3m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Dapper, geb. Nahrgang. Die Beerdigung findet Montag den 4. Juli, nachmittags 2 Uhr, auf dem neuen Friedhof in Gießen statt. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem Helmgange unserer lieben Entschlafenen sowie für die überaus zahlreichen Dlumenspettden allen Ordentliche, sauberes Lausfrau oder Mädchen I Montags, Mittwochs unb Samstags oon 8—11 Ubr Kodes. Tüchtige t. Arbeiters« u.Zuardeiterin per bald gesucht. Schriftl. Angeb mit GehaltSansprltch. unt 09)18 an den Gieß. An». Die Beerdigung findet Sonntag den 3. Juli, nachmittags 4 LUjr, vom Sterbe» Hause Rabenauer Straße 46 aus statt. Schöne große L-Limm.- Wobn., in freier Lage gegen3 Zimmer-Wobu. int Stadtinneru zu tauschen gesucht. Schriftl. An geb unter 09375 a. d. Gien. An». Atteettraße 22. Sureaulehrling die der 21bteilung vorstehen kann unb gute (Erfahrung im Verkehr mit der Kundschaft hat. Schriftl. Angeb. m. Bild u. Ieugnisabschr. erbet, an Hermann Kornblum Kaufhaus, Hagen i. W. [7329c Im tiefsten Schmerze: Familie Amtsgerichtssekretär a. D. Adam Friedrich. Sichere Existenz durch Uebernahme guter reeller Dache, auch als Nebenberuf geeignet. Nähere- durch Ziviliug. Riad Montag u. Dienstag 9—1 il 2—5 Uhr im HotelHindenburg. ' *ss Lehrling gesucht. 7389C Rob. Stuhl Nacht. iJnh.: Jr Kofel ecki, Neuftabt 21/23. für größere Arbeit gesucht. Schriftl. ttnneb. unu 09404 an den Gieß. An:». Ium baldig. Eintritt suche ich für meine Abteilungen Handarbeiten eine tüchtige, an selbständiges Arbeiten gewöhnte erste Tapisseristtn 3RÖH. ßifflffltr in der Nähe der Dttbelm- ftrnhe gesucht. Näberes re- Grase, Wilhelm in' 45 | Wohnungstausch ] Tausche krankheitshalber meine Warnung. 2 tr. hoch geL, geg. 4-5-Zau-W., Part^ sofort ob. später. älftcrtoeg 55 II. 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Juli nachmittag» 3 Uhr vom Sterbe- hau» Möserstraße 17 aus statt. 7386 Bewerber müssen über orima Zeugnisse verfügen, unbedingt Sachkenntnis besitzen und im ^etmthaa- bei gelernt haben. — Alter nicht über 22 Jahre. — Angebote mit Bild an 7415 Adolf Plack Kolonial waren Feinkost Neuen Bäue 17. DDDaDDDDDDDDOCIDDQDQDflQQOflDDDnDfl Heute nachmittag 3'/, Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden unser lieber Sohn, Enkel, Bruder, Schwager unb Onkel WH SM! im toter von 25 Jahren. ,l8t Die trauernden Hinterbliebenen: gamille Luvw. ph. Schmidt gamilie Karl Schmidt. Gesucht junger Chemiker oder Techniker i als Laborant zur Unterstützung bes Gießereileiters. Derselbe muß nach Angaben Eisenanalysen unb Festig. Keitsprüfungen vornehmen unb außerbem Arbeiten bes Betriebsbureaus mit erlebigen. Dorgezoqen werben Herren ans Gießen unb Umgegenb, ba es sich voraus, sichtlich um eine Dauerstellung handelt. 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Giehen • Fernsprecher 1570 der Darmstädter Zeitung nichts zu tun hab Dir halten dieses Amt sachlich für keine Regierung notwendig, ganz gleich, wie sie sich zusammen- setzL Darum beantragen wir die Aushebung des Presseamtes und Streichung deS Betrages. 3m weiteren tritt Redner für die (Bcfferftcllung der Angestellten des Staatsverlages ein. — Damit schlicht die Debatte. — Das Kapitel wird angenommen, der Antrag Osann abgclehnL Sine Anzahl weiterer Kapitel wird debatte- los angenommen. Rächstc Sitzung Dienstag, »/»IO -U&r. — Schluß I2Vs rlhr Doll 46 Seestadt 46. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag. 3. Juli. 6. nach Trinitatis. 3n der Stadtkirche. Torrn. 8 Uhr, zugl. Christenlehre f. d. Reukonsirm. a. d. Markusgem.: Pfr. Decker. SV,: Pfarrassist. Ramge. 11: Kinderkirche s. d. MatthäuSgcm.: Psarrafsist. Ramge. Abds 8: Bereinig, d. tonfirm, männl. Jugend d Matthäusgern. — Montag, 4 Quli, abds 8'4: Hclferversammlung d. Markusgem. — DienStag, 5. Juli, abds. 8. Hclferversarnrnlung d. Männer- u Frauenvercinig. d. Matthäusgem. — 3n der ^vhanneskirche. Torrn. 8 Uhr, zugleich Christenlehre f. d. Reutonfirm. a. d. Johannes- gern.: Psr. Ausfeld. 9^: Pfr. Dechtolsheimer. Feier d. hl. Abendmahls s. d. LukaS- u. Zo- hannesgem. IN/«: Kinderkirche f. d. LukaSgem.: Pfr Dechtolsheimer. Abds. 8: Dibeldesprcchung im Zohannessaal: Pfr. Decker. — Montag, 4. Juli, abds 8: Iugendvereinig. d. Lutasgem (weidl. Abteilung). — Mittwoch, 6. Juli, abds. 8: Zu- gendvereinig. (männL Abteilung). 3. Juli. Wies eck. Dorrn 9'/,: PsarramtS- tandidat Olfener. IO3/,: Kinderkirche. — Sonntag 3. Juli, vorm. 10: Kirchberg. 11: Christenlehre T. d. tonfirm. weibL Jugend. — Rachm. iya: Mainzlar. Katholische Gemeinde. SamStag, 2. Juli, nachm. 5 u. abds. 8 Uhr: Gelegenh. z. hl. Deichte. — Sonntag, 3. Zuti. 7 Sonntag nach Pfingsten. Dorm. 6i/3: Gelegenh. z hl. Deichte. Z: HL Messe. Kommunion d. Männer u Jünglinge. 8: Austeilung d. HL Kommunion. 9: Hochamt m. Pr. 11: HL Messe m. Pr. Rachmittags 2: Christenlehre; dar. Andacht. Abds. 8' Alohsius-AndachL Kathol. Gottesdienst. 3. 3ult. Hungen. vorm. 8. — Lau dach, vorm. 10 Llhr Hessische Volkskammer. 37. Sitzung. 6t Darmstadt, 1. Juli 1921. Am Regierungstisch Staatspräsident Lllrich, ^ustizminister von Drantano, Prasldenten der Landcsämtec und Kommissare. Die Sitzung wird um 9j.45_¥$rr?ur$ beut 21 b c l u n g eröffnet. Die Smzelberatung des Borans chla gs wird bei Kapitel 9, Lotteri e fortgesetzt Das Kapitel wird ohne Debatte genehmigt. 3u Kapitel 10, direkte Steuern usw., fükrt Aba. Dr. Dehlinger Beschwerde gegen die zu starte steuerliche Belastung der Landwirtschaft die eine Behinderung der Produktion zur «olae habe. Die Anleihewirtschaft müsse endlich wieder aufhören und die frühere Sparsamkeit gepflegt werden. Die Bedingungen des Ultimatums find undurchführbar und können nur eine völlige Erdrosselung deS deutschen Wirtscha ts- lebens zur Folge haben. Alle Parieren sollten sich dagegen zusammenschliehen. Zu Kapitel 10, direkte Steuern usw., bemängelt 2lbg. Sarnes in eingehenden Darlegungen die zu starke Belastung des Hausbesitzes und die vielfach durchaus falsche Reueinschähung des Grundbesitze« in den Städten, die eine ungeheuerliche steuerliche Belastung zur Folge hatte. Der Redner verbreitet sich dann weiter über steuerliche Fragen und kritisiert die Veranlagung zur Grund- und Gewerbesteuer unter Darlegung zahlreicher Musterbeispiele. 2lbg. Fenchel (Hess. Bpt) wünscht die richtige ©inranglerung der Beamten, die in den Reichsdienst getreten sind, in die Gehalts klassen, die sie in Hessen einnehmen würden. Bei steuerlichen Deranlagungen, wie denen zum Rotopfer, mühten Sachverständigenkommissionen aus landwirtschaftlichen Kreisen gebildet werden. Rot- wendig ifk die Schaffung gröberer Klarheit in bezug auf Errechnung des Reinertrages usw. 2lbg. Lux (Soz.) verteidigt die Veranlagung der Grundsteuer und Gewerbesteuer, die in Hessen durchaus gerecht und erträglich sei. Richtig ist, hab der Artikel 11 deS Gemeindeumlagengeleyes von den Finanzämtern vorsichtig gehandhabt werden sollte. Finanzminister Henrich: Auch die Regierung ist sich bewußt, dav der Artikel 11 unhaltbar ist. Zur Zeit labt sich eine Aenderung aber nicht treffen, doch ist Aussicht, daß das biS zum Herbst erfolgt. Die Frage der Ein- rangicrung der Beamten, die in den Reichsdienst übertreten, ist |o gut wie geregelt. — Das Kapitel wird genehmigt. Zu Kapitel 11, Landtag, bespricht Abg. Köhler die Bvrschrift des Artikels 32 der Ge- IchäftSordnung, nach dem eilige Dinge von den Ausschüssen erledigt werden können, und dem Hause nur Mitteilung zu machen ist. Es sei anzunehmen. bah eine derartige Erledigung zu den äubersten Seltenheiten gehören müsse Es ist aber üblich geworden daß ganze Seiten der Tagesordnung diele Art der Erledigung gesunden haben. Das entspricht nicht mehr dem Wesen des Parlamentarismus. Ebenso müsse protestiert werden gegen die Lleberhandnahme der mündlichen Berichterstattungen, die meist nur von den we- schluh der Oefsentllchkeit erschienen. Die Regierung muh sie haben, um Bekanntmachungen an die Dienststellen schnellstens publik zu machen. Richtig ist, dah die Darmstädter Zeitung den I Koalition« pari eien zur Verfügung stehen muh. 1 Die Tendenz der Darmstädter Zeitung ist die gleiche geblieben wie früher. Herr Dr. Osann hat lein Recht, sich darüber zu benagen. Abg. Schildbach (Soz.» bespricht die Der- einfachung der Staatsverwaltung. An eine Verringerung der Minister kann erst gedacht werden, wenn die Berwaltungsresorm durchgeführt ist. Rach der Pause wird zunächst die Regierungsvorlage angenommen, nach der eine Reihe von Strafsachen gegen die Militärverbrecher (unerlaubte Entfernung) niedergeschlagen werden. 3n Fortsetzung der Debatte über da« Kapitel Gesamtministerium gibt Präsident Adelung einen Antrag Dr. Osann bekannt, nur 441390 Mk. in Ausgabe zu bewilligen, also das Gehalt für den Direktor des Presseamts zu streichen. 2lbg. Knoll (Ztr.) möchte nicht alle Pflicht- abonnement« auf dieDarmstädterZeitung. andern nur die der Geistlichen aufgehoben ha- >en. 3m übrigen bespricht Redner länger die Vereinfachung der Staatsverwaltung und zeigt Wege zu Ersparnissen. Staatspräsident Ulrich: Was die Organisation des Presseamts betrifft, so war sie ursprünglich anders gedacht, sie sollte die Politik der Regierung in der hiesigen und auswärtigen Presse vertreten. Da« wäre aber eine sehr teuere Geschichte geworden, und im Interesse der Sparsamkeit haben wir uns darauf beschränkt, das Presseamt zunächst durch einen Vertreter zu hallen. Der Gedanke selbst ist noch nicht auf- gegeben. Die Anzahl der Abonnenten derD a r m- st ä b t e r Leitung ist heute nicht größer, aber auch nicht kleiner, als früher. Sie ist eben Publikationsorgan der Regierung, als solches aber nicht zu entbehren. Ersparnisse haben wir bereits mit Erfolg gemacht, so dah das Defizit bald beseitigt sein wird. Dah die Anzeigen auseinander gezogen werden, liegt nur am Besteller, dem es unbenommen ist, die Gröhe der Anzeigen zu bestimmen. Was die Redaktion anbelangt, so war diese derart desorganisiert, dah uns nichts anderes übrig blieb, als den geschäftlichen Leiter verantwortlich zeichnen zu lassen. Die Frage einer Pressekommifsion hat man in Baden so gelöst, dah man drei Herren der Koalitionsparteien in die Redaktion der Karlsruher Zeitung gesetzt haL Man muh abwarten, wie sich das bewährt. Die Darmstädter Zeitung aufzugeben, glaube ich nicht verantworten zu können. Zum Antrag Osann, die 18 000 Mark für den Pressedirektor zu streichen, bitte ich doch um Ablehnung, well der Posten unentbehrlich ist und nur vertragsmäßig gilt, also nicht pensionsfähig ist. Qtbg. Dinyeldetz (D. Bp ): Wir geben zu, daß die Regierung über ein Organ verfügen muß. Doch müßte ich dazu einmal eine kleine Reminiszenz auffrischen- Als Hertllng seinerzeit bayerischer Ministerprälident war und ein Regierungsorgan haben wollte lehnten die Sozialdemokraten das ab. (Hörtl Zwischenrufe.) ■ Wir sind der AnsichL dah das Presseamt mit anslavin- Vaftillea <«e> »Wev XU DttlufrfHw IXT nun»- et* 7l»chnch»K bdoabxp bd Artest Odkrfdi. f)ai»fT3i)0t*m«. 1XN Vrippk, Wrtmua3. OktzeUllch Io Ito tioolbdto u. Droflttltib ntgften Abgeordneten verstanden werden können. Endlich ist zu beanstanden, daß sich während der Tagung de« Plenums eine immer länger wer- benbe Tagung der Ausschüsse eingebürgert bat Da« hat eine nutzlose Zeitvergeudung für die Abgeordneten, die dem betreffenden Ausschuß nicht angehören, zur Folge. Weiter müßten die Stunden der Plenartagung bjier auSgenutzt werden, eventuell durch Rachmittagssitzungen. Präsident Adelung stellt fest, daß die Zahl der Gesamtsitzungen nicht größer ist, als bei der früheren dreijährigen Periode. Die Bc^ schwerde über die Zunahme der mündlichen Berichte ist berechtigL 2Ibg. Eihnert (Soz.) weist darauf hin, dah, wenn der Wunsch besteht, auch die vom Aus- schuh erledigten Sachen noch zur Besprechung kommen können. Die mündlichen Berichte sotten zur Papierersparnis führen. — Das Kapitel wird dann genehmigL Zum Kapitel Gesamtministerium fragt Abg. Dr. Reh an, wie das Pressewesen gehandhabt und die Stelle des Direktors des Presseamtes auSgeübt wird, und ob nicht eine Presse- kommission zur üleberwachung des Presseamts angebracht wäre. 2lbg. Knoll (Ztr.) wünscht ebenfalls die Einsetzung der Pressekommission, die die Dar m- städter Zeitung überwacht, mit deren Haltung die Zentrumspartei keineswegs einverstanden sein kann. Der Redner wünscht Aufhebung des immer noch bestehenden Zwangsabonnements auf die Darmstädter Zeitung. 2Ibg. Dehlinger (Hess. Bpt.) spricht sich in gleichem Sinne aus. Seine Partei werde die Summe für die Darmstädter Zeitung nicht mehr bewilligens Abg. Dr. Osann (D.Bp.) hält das Amt eines Pressedirektors neben der Darmstädter Zeitung und neben dem Redakteur dieser Zeitung nicht mehr für erforderlich. Bor allem sollte man diesen Posten nicht irgendwie pensionsfähig machen. Wenn man nach dem Antrag des 2lbg. Knoll das Pflichtabonnement auf die Darmstädter Zeitung aufhebt, dann kann man sie gleich ganz streichen, denn sie wird sicher nur von Pflichtabonnenten gelesen, die aber die politischen Artikel mit größerem Mißbehagen über sich ergehen lassen müssen. Wenn schon die Koalitionsparteien nicht mit der Haltung der Darmstädter Zeitung einverstanden sind, wird man das von unS ja nicht verlangen können. Die amtlichen Anzeigen, die der Darmstädter Zeitung übergeben werden, werden über Gebühr ausgedehnt und verteuert, wohl um die Spalten zu füllen. Man sollte doch darüber wachen, dah der Inhalt der Darmstädter Zeitung nicht mit wachsendem Mih- behagen von den Pflichtabonnenten gelesen werden must. m Abg. Reiber (Dem.) wünscht, baß der 23er- ; fassungsausschuh sich mit dem demokratischen 2ln- ■ trag zur Bereinfachung der Staatsverwaltung befassen möge, und fordert mit allem Rachdruck eine gesetzliche Vertretung der Beamtenschaft, ent- • sprechend den Betriebsräten. Abg. Knoblauch (Soz.): Die Darm- । städter Zeitung ist früher schon unter AuS- echt eichen oder nutzbaum von 3500 M. an 3|Jvl|tr jlUlUlvl schwere Speisezimmer, reich geschnitzt,6500 TL SMMlMN,.,,.......... ZMMWMöMMWS lHeidelbeeren, Johannisbeeren nfro.i etnvsteblt I» frucht......v. Lir.Mk.40-erkl.Glas , Ir» weinen Edel frucht „ » , - 50.— - » f. _ sviriiuosen-H«'r'keuungs. u. Merk Wer i Fernsprecher 1333. flSrenbaafft 9 4 Achtung! Bauarbeiter ^^ng! von Lollar u. Umgegend. Die Bauarbeiter, die im April und Mai 1920 beim BaugeschästDeibel in Lollar beschäftigt waren u. denen die in Hannover vereinbarte Lohnzulag« von 1.25 Mk. verweigert wurde, werden gebeten, sofort unter genauer Angabe der Stundenzahlen und des erhaltenen 5 tun- denlohnes dem Unterzeichnet;n Mitteilung zu machen. Durch zwei Gerichtsurteile ist Deibel zur Zahlung verurteilt, einmal durch das Amtsgericht, wo Deibel durch Herrn Rechtsanwalt Albrecht-Bietzen vertreten wurde. Gegen dieses Urteil legte Deibel durch Rechtsanwalt Albrecht Berufung ein und wurde diese am 27. Juni d. Zs. vom Landgericht zurückgewiesen. Alle Bauarbeiter werden gebeten, ihre Stundenzahl im April und Mai 1920, sowie die Höhe des erhaltenen Lohnes beim Unterzeichneten anz >geben, damit ihnen der richtige Tariflohn der damaligen Zeit, 4 60 TI. für Maurer u. 4.50 Mk. für Hilfsarbeiter nochgezahli wird. Deutscher Bauarbeltcroerbanb Giehen 09336 Schanzenstratze 16, Telephon 831. Original- und rnoWnensablil Reparaturen. Beste Neustadt i. Maschinen u. Geräte. Eriavtcillaacr. für Hand' u. Straft» betrieb ernnfiebh in neuen. Konstruktion zu billigsten Preisen Größte Auswahl! Niedrige Behördliche Anzeigen Möbel Dekorationen in erstklassiger Ausführung Gebr. Seelbach Werkstätten für Inneneinrichtungen Süd-Anlage 20 7382 Bleichstraße 7 ttörperschafksteuer und Napitalertragsteuer. Öffentliche Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärungen zum Zwecke der ersten Veranlagung zur ÄörperichaftSsteuer und zur Kapitalertragsteuer. I. Die nach? 1 des Körperschastssteucrgesetzes , der Körperschaftssteuer unterliegenden Steuerpflichtigen, die im Bezirke der unterzeichneten Finanzämter den Ort der Leitung oder, wenn der Ort der Leitung im Ausland liegt, ihren Sitz, eilten nach § 71 der Reichsabgabenordnung bestellten Vertreter oder den größten Teil ihres inländischen Vermögens haben, werden auf- gefordert, die Steuererklärungen für die Veranlagung zur Körperschaftssteuer abzuaeben. Körperschastssteuerpslichtig sind: 1. die ErwerüsgesMchaiten lAktiengeselljchaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Kolonial- gesell schäften, bergbautreibende _ rechtsfähige Bereinigungen und nicht rechtsfähige Berggewerkschasten, Gcsellsclzaften mit beschränkter Haftung, sonstige Personenvereinigungen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetriebe, deren Zweck die Erzielung wirtschaftlicher Vorteile für fick oder ihre Mitglieder ist), 2 die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und die politischen Parteien und Vereine mit eigenem Gewerbebetriebe, 3. sonstige juristische Personen des bürgerlichen Rechts, insbesondere eingetragene Vereine, rechtsfähige Anstalten und Stiftungen, 4. juristische Personen des öffentlichen Rechts, insbesondere kirchliche Körperschaften, Anstalten und Stiftungen, 6. nicht rechtssäl/ige Personenvereinigungen und Zweckvermögen mit Ausnahme Der offenen Handelsgesellschaften, der Kommanditgesellschaften und der sonstigen Erwerbsgesellschaften, bei denen die Gesellschafter als Unternehmer sMitunternehmer) des Betriebs an- »usehen sind. DieAbgabederErklLrungliegtvb: bei juristischen Personen den gesetzlichen Vertretern, beiPcr onenvereinigungen inti> Zweckvermögen, die eigene Rechtsfähigkeit nicht besitzen, den Vorständen oder Geschäftsführern und, soweit solche nicht vorhanden sind, den Mitgliedern oder Beteiligten (§§ 84, 86 der Reichsabgabenordnung). Prokuristen und Handlungsbevollmächtigte sind zur Abgabe der Erklärung nicht berechtigt. Steht nach der Satzung, Stiftung oder sonstigen Verfassung die gesetzliche Vertretung nur mehreren Personen gemeinsam zu,, so ist zur Abgabe der Steuererklärung die Mitwirkung der für die Gesamtvertretung vor geschriebenen Anzahl von Personen erforderlich. Jur Abgabe der Erklärungen sind die Per- fonenvereinigungen und Iweckvermögen ver. ■ pflichtet, deren Steuerpflicht am Tage des Inkrafttretens des Körperfchaftssteuergefetzes l (15. April 1920) bestanden hat. Die Steuererklärungen müssen 9 uinfa ssen: 1. das Einkommen der Geschäftsjahre (Wirtschaftsjahre), deren Ende, in die Zeit vom 1. April 1919 bis 31. März 1920 fällt, oder, wo ein besonderes Geschäftsjahr nicht vorliecft, das Einkommen des Kalenderjahrs 1919 (.8.20 des Kö rpers cha its steuerge etzes), 2. das Einkommen der Geschäftsjahre (Wirtschaftsjahre), deren Ende in die Zeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1921 fällt, oder, wo ein besonderes Geschäftsjahr nicht vorliegt, das Einkommen des Kalenderjahrs 1920. Für jedes nachdem 31. März 1919 ab- geloufene Geschäftsjahr ist eine besondere Steuer- erMrung abziugeben. Die Steuererklärungen sind in der Zeit vom 1. Juni bis 31. Juli 1921 soweit jedoch am 81. März 1921 der Geschäftsabschluß durch die zuständigen Organe (Mitglieder, Gescllsclxfttcrversammlung^ .noch nicht festgestellt ist, tauten drei Mvnatzen nach der Feststellung bei dem zuständigen Finanzamt schrifllich einzureichen oder zu Protokoll des Amtes im Dienft- aebäude abzugeben. Die Erklärimgen sind mit der Versicherung abzuaeben, daß die darin enthaltenen Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind Die Einsendung der schriftlichen Erklärung durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefs. Mündliche Erklärungen weichen von dem zuständigen Finanzamt an den AmtStagen, während der Geschäftsstunden, zu Protokoll entgegengenommen. Der etwaige Geschäftsbericht (Jahresbericht und Mitgliederversammlungsbeschluß sind anzu- schließen Falls Bücher im Sinne des Handelsgesetzbuchs geführt werden, ist eine Abschrift der unverkürzten Bilanz für das GeschäftSialrr 1920 einzureichen 7366B Gießen, den 30. Juni 1921. 7365B Der Oberbürgermeister. (Wohlfahrtsamt.) 7375D Der 1. Vorsitzende: Weicker. 3. Herbstregatta. 4 Verschiedenes. T,ö*v "t eine Ge- so ist auch (S. 174 der winn- und Stadtbauamt Gießen. Braubach. Um zahlreiches Erscheinen, auch der passiven Mitglieder, wird gebeten. Der Vorstand. Mls-W- unö ©arlenöanoeiein Gleken. Hauptversammlung am Sonntag den 10. Juli, nachmttlagS 3 Uhr, im Hotel Schütz, Bahnhofstraße. Tagesordnung: Vorlage der Rechnung von 1920. Voranschlag für 1921. Wahl eines Rechners il Schriftführers. Verschiedenes. Bottraa von KreiSobstbautechniker Heberer: Der Obstoau in den letzten 50 Jahren. Angebote auf Vordruck, der bei uns gegen Erstattung der Selbstkosten erhältlich, sind mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Dienstag den 12. Juli d. I.. vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. Die Eröffnung der Angebote erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Dieter. — Zuschlagsfrist 3 Wochen.' Gießen, den 1. Juli 1921. Bekanntmachung. Diejenigen Kinder, für die ein Zuschuß au8 der Ebel-Stiftung zur Beschaffung von Kleidungsstücken begehrt wird, sind bis 31. Juli d. 36. bei dem Stadt. Wohlfahrtsamt, Gatten-. strahe 2, Zimmer Ar. 10, anzumelden. Spätere Anmeldungen werden nicht angenommen. V. verein Rudersport pl Stehen M3 e. v. MraiiitagaiflMlilO Tagesordnung: 1. (Eingänge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. diese beizufügen. Liegen keine kaufmännischen Abschlüsse vor, jo sind die sonstigen Rechnungen, Abschlüsse, Rechenschafts- oder Geschäftsberichte anzuschließen. Aus der Bilanz ober den Erläuterungen soll klar hervorgehen, wie Gegenstände des Gebrauchs und Lagerbestände bewertet und welche Beträge darauf und auf zweifelhafte und uneinbringliche Forderungen oder sonst abgeschrieben worden sind. Wemr Ausgaben für Anlagen als Unkosten gebucht sind, ist der Betrag in der Steuererklärung und in den Erläuterungen anzugeben. Als ScchlldPosten dürfen Verpflichtungen aus Bürgschaften, Gefalligkeitsakzepten und dergleichen in der Bilanz nur ausaeführt werden, wenn die Rückgriffsrechte berücksichtig! sind. Die Vertreter des Steuerpflichtigen haben auf Verlangen die Richtigkeit ihrer Angaben nacfeu- weisen: sie können von dem Finanzamt und dem Steuerausschuß zur mündlichen Vernehmung vorgeladen und mit Genehmigung des Landesftnanz- amts zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über die von ihnen behaupteten Tatsachen angehalten werden. Wer die Frist Lur Abgabe der Steuererklärung versäumt, kann mit Ordnungsstrafen zur Abgabe angebalten, auch kann dem Steuerpflichtigen ein Zuschlag bis zu zehn v. H. der endgültig festgesetzten Steuer auferlegt werden (§ 170 Äbs. 2 und § 202 Abs. 2 der Reichsabg abenordnung). Wer die Körperschaftssteuer hinterzieht oder iii hinterziehen versucht oder wer eine derartige Handlung seines Vorteils wegen begünstigt ober hierbei hilft, wird mit einer Geldstrafe tas zum t^raft9^”* Betrage der hinterzogenen Steuer Die Steuerpflichtigen werden ferner darauf btngennefen, daß für bie nach dem 31. März 19 21 abgelaufenen Geschäftsjahre die Steuererklärungen binnen zwei Monaten nach Zustel- lung bed SteuererklärungsVordrucks, wenn jedoch ein Vordruck nicht zugestellt wurde, binnen drei Monaten nach Ablauf des Tages, an dem das Jahresergebnis (der Jahresabschluß von den w- ständigen Organen festgestellt mürbe, abzugeben sind. H- Die unter I, 1 bis 4 genannten körper- ö?buerpflichtigen Personenvereinigungen und Zweckvermögen werden aufgefordert, gleichzeitig mit der KorPerschaftssteuererklärung die auf Grund der Verordnung vom 3. Juni 1921 über die Abgabe der Kavitalertragsteuererklärung (Zentralblatt für das Deutsche Reich S. 41) vorgeschrittrene Äapitalertraglteuererklärung abzugeben. .Die Steuererklärungen müssen umfassen folgende tn der Zeit vom 31. März bis 31. Dezember 1920 fällig gewordenen Erträge: 1. Diskontbeträge von Wechseln und Anweisungen einschließlich der Schatzwertes, soweit es ftch um Kapitalanlage handelt. 2. alle Erträge aus ausländischen Kapitalanlagen (auch aus Wettpapieren). , ®Ieid>8eitig sind zum Zwecke der Nachprüfung etner richtig vorgenommenen Besteuerung die in der genannten Zeit fällig gewordenen Kapitalerträge der in 8 2 Nr. I, 4 bis 6 des Kapitalertragsteuergesetzes bezeichneten Art (Zinsen von Hypotheken, sonstige Forderungszinsen, auch aus Warenforderungen usw.) Mzugeben. Grundsätzlich find hier der einzelne Zinsbetrag und der Name des. betreffenden Schuldners gesondert aufziiführen. Bei Steuerpflichtigen, welche Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs führen, genügt es ledoch, wenn die in der genannten Zeit Ullig gewordenen Zinsen in einer Summe ohne Nennung des Namens der einzelnen Schuldner ang.'gcfen werden und ferner eine Erklärung darüber abgegeben wird, ob bie genannten Zinsen versteuert finb ober nicht. Gießen, Butzbach, Grün berg, Hungen. ______________Die Finanzämter._________598ID Arbeitsvergebung. Die für die Kleinwohnungsbauten in der verlängerten Dleichstrahe erforderlichen Glaserarbeiten. bestehend aus 500 qm Fenster und etwa 90 qm sonstigen Verglasungen, sollen in 6 Losen vergeben werden. Zeichnungen und Bedingungen liegen bei unS zur Einsicht offen. Gießen, den 2. (Zull 1921. 73788 Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt.) Mitteilung beten. 09383 SeMWMMWWUeil n. -Meta der SM HM 3. A.: August Wagner, 1. Vorsitzender, Gr. Steinweg, Telephon 1045. Auf unsere Eingabe, bett. Mitarbeit beim Wohnungsamt, an die Stadtverwaltung wurde uns mit Wirkung vom 1. Juki 1921 Je ein Vertreter für die Wohnungszuweisungskommission und für die Wohnungsbeschlagnahmekommission zugebilligt. Es liegt im Interesse aller Wohnungssuchenden, sich unserer Vereinigung recht bald anzuschließen. Anmeldungen werden an den 1. Vorsitzenden er- Zlädt. LebenMiltelamt. Warenausgabe für die Woche vom 4. bis 10. (Zull 1921. Aichl rechtzeitig abgeholte Ware verfällt. 1. *33rot: 1850 Gramm Brot oder 1370 Gramm Mehl Kg. 2,25 ML Brötchen 15 Pf. Weizenbrotmehl Kg. 3,10 Mk. Kranke n b r 0 t Kg. 2,60 Mk. — Krankenbrotbäcker: Apitz und Erhard, Marburger Str. 34, C. Haas IL, Dleichstrahe 21, L. Weber L, Frankfurter Straße, Ecke Hillebrandstraße. — Mehl für Kranke: Kg. 3,30 Mk. (Verkaufsstellen siehe unter Ar. 2). Bekanntmachung. Detr.: Die Regelung des Verkehrs mit Getreide im Erntejahr 1921/22; hier: Die Vornahme einer Ernteflächenerhebung. Aus Grund des § 5 des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide vom 21. Juni 1921 (Reichs-Gesehbl. S. 737f.) und deS unten abgedruckten § 5 der Ausführungsverordnung des Hessischen Landesernährungsamtes hierzu, wird hiermit zum Zwecke einer gerechten Untern er teilung der -Umlage angeordnet: 1. Die dem Kreis Gießen angehörenden Gemeinden sind verpflichtet, sofort die Aufnahme aller mit Getreide bebauten Grundstücke durchzuführen. Die Aufnahme hat sich auf alle landwirtschaftlichen Betriebe ohne Rücksicht auf deren Größe, zu erstrecken, und ist in der Gemeinde vorzunehmen, in welcher der Bewirtschafter deS Betriebes feinen Wohnsitz hat. Die Aufnahme amWohnortdes Bewirtschafters hat sich insbesondere auch auf diejenigen Grundstücke zu erstrecken, die in anderen Gemarkungen liegen. 2. Bei der Anbauflächenerhebung sind alle mit nachstehenden Getreidearten bestellten Grundstücke aufzunehmen: a) Winterweizen; b) Sommerweizen; c) Roggen; d) Wintergerste; e) Sommergerste; f) Hafer; g) Gemenge aus verschiedenen Fruchtarten. 3. Für die Anbauflächenerhebung sind die von uns gelieferten Formulare zu verwenden; sie sind gemäß der den Bürgermeistereien zugehenden Anweisung auszufüllen. Sollten die gelieferten Formulare nicht ausreichen, so sind weitere umgehend nachzufordern. 4. Die Aufnahme der Anbauflächen hat durch eine Kommission zu erfolgen, die zu bestehen hat: a) aus dem Bürgermeister oder feinem Stellvertreter; b) aus bis zu drei Vertrauensmännern der örtlichen landwirtschaftlichen Organisationen. 5. (Zeder Bewirtschafter eines landwirtschaftlichen Betriebes ist verpflichtet, die erforderlichen Angaben über Größe, Lage und Fruchtatt seiner Grundstücke, sowie über Personenstand, Biehzohl usw. der Kommission gegenüber persönlich zu machen oder durch ein volljähriges Familienmitglied machen zu lassen; die Kommission darf letzteres nur zulassen, wenn es in der Lage ist, über die Betriebsverhältnisse genaue Auskunft zu erteilen; anderenfalls ist die Kommission berechtigt, die Stellvertretung zurückzuweisen; das gleiche gilt, wenn anzunehmen ist, daß die gemachten Angaben den Tatsachen nicht entsprechen. Die Kommunalverbände haben zur Beschaffung der Unterlagen .für die Durchführung des Umlageverfahrens Anbauflächenerhebungen und Grnteschahungen im Einvernehmen mit Vertretern der Landwirtschaft vorzunehmen. Die Anbauflächenerhebungen müssen auf Grund örtlicher Feststellungen erfolgen, die sich auf jeden Einzelbetrieb erstrecken; etwa von früher her vorhandene Unterlagen dürfen nur nach nochmaliger Nachprüfung verwendet werden. Die Erzeuger sind verpflichtet, auf Anfordern die gewünschte Auskunft über alle Umstände zu erteilen, die für die Beurteilung ihrer Lieferfähigkeit von Bedeutung sind. 6. Der Bewirtschafter oder sein Stellvertreter hat die Richtigkeit der gemachten Angaben durch Namensunterschrift zu bescheinigen. Die Kommission hat in jedem einzelnen Falle nachzuprüfen, ob die gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. (Zn Zweifelsfällen sind die örtlichen Grundstückskataster einzusehen, auch hat erforderlichenfalls eine Aufnahme der bewirtschafteten Flächen an Ort und Stelle zu erfolgen. Entsprechende Bemerkung ist auf dem Formular eln- zutragen. 7. Rach Fertigstellung der Aufnahme, spätestens aber b is zum 8. 3 u I i d. (Zs., sind uns die ausgefüllten Formulare zuzusenden. Die den Gemeinden entstehenden Kosten sind uns hierbei gleichzeitig anzugeben. 8. Wer der Aufforderung zur Abgabe der erforderlichen Erklärung nicht nachkommt, wer sich weigert, die zur Feststellung seiner Betriebs- Verhältnisse nötigen Angaben zu machen, oder wer unrichtige Angaben macht, wird gemäß § 49 des Gesetzes über die Regelung des Verkehr- mit Getreide vom 21. Juni 1921 mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mk. und mit Gefängnis bis zu einem (Zahr, oder mit einer dieser Strafen bestrafft Gießen, den 30. Juni 1921. 7354B 2. Mehl, Nährmittel und Zucker für Kranke: H. Fung Nachf., Rittergasse 11, Heinr. Decker, Löwengasse 28, Emil Dörr, Großer Sleinweg 14, Jakob Häuser, Ludwigstrahe 36, Karl Seibel, Frankfutter Straße 39. 3. Sonderausgabe des Lebens» mittelamts: Leberwurst in l-Kg.-Dofen 4 Mk. die Dose. Kernseife (300-Gramm-Stück) 3,50 Mk. das Stück. Verkauf erfolgt bis auf weiteres von 8—12 Uhr vormittags und 3—5 Uhr nachmittags im Stadthaus, Gartenstrabe 2, Zimmer Nr. 8, an jedermann. Samstags erfolgt Verkauf nur von 8 bis 12 Uhr vormittags. 4. Zucker: Die Belieferung der Lebensmittelmarken Nr. 22 und 23 sowie der Zuckermarken für (Zuni erfolgt nur noch bis einschließlich 5. (Zuli 1921. Stadt. Brennstoffamt. Ausgabe von GaSkoks für den Hausbrand und größere g »fto erbliche Betriebe. Gegen Abgabe der Marke 4 der Haushaltungstohlenkarte (blaue Karte) können bis zu 5 Zentner Gas koks betonen werden. Die größeren gewerblichen Betriebe, denen GaSkott jugeteilt ist, werden aufgefordert, die ihnen zugeteilte Menge bis spätestens 1. August 1921 zu beziehen. Gaskoks kann durch daS städtische GaSwerk und durch die Kohlenhandlungen bezogen werden. Der Oberbürgermeister. (LebenSmittelamt und Brennstoff amt.) Arbeitsvergebung. Für die Feldberein igung «SttingB* hausen sollen Donnerstag den 7. (Zuli vormittags 11 il b r auf dem Rathaus zu Ettingshausen Chaussierungsarbeiten, veranschlagt zu 6660 Mark, Liefern von Dafaltbruchsteinen, veranschlagt zu 11 850 ML, Liefern von Uebergrünbung8matertal, veranschlagt zu 1700 ML, Aufsetzen von Steinen, veranschlagt zu 790 Mark, in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei biS zum Eröffnungstermin einzureichen sind. Zuschlagsfttst 14 Tage. Gießen, den 1. (Zuli 1921. 7400V Hessische Kulturinspektion Gießen. H. Steinbach, Daurat. unuiiiuiiiiiiiiiiiiininiuiiiiiiiuuiitfuifunnmiiininiiiiinniiiniiiiiiiini htacfieo allar irt KL wert die Brfthl'eehe Unlv.-Dnie^erei, R. Lange, GleBei nöiiimiinnninniimiiiniiniinninninifflE^T”™™™::^ am 5 oi ses IßRtritt; 2 73410 bei ®a ReichsvermögenSarnft 7339V Dorrn, ec Nachmitt Ner-Iiei Wetzlar, den 1. (Zuli 1921. Der KreiSbauraft der Gemeinde Wißmar in Wißmar sollen die Schreiner-, Glaser-, Klempner-, Dachdecker- Verdingung. Zum Neubau eines Vierfamilien-Wohnhau» der ■---- CODot Versteigerung. Meistbietend gegen Barzahlung wird am Donnerstag den 7. (Zuli 1921, und am Freitag, den 8. Juli 1921, ab vormittag- 9 Uhr. eine größere Anzahl ausgesonderter Geräte usw. versteigert: il. a. Leibmatrahen. Strvhsäcke, Fußbadewannen, Bänke, Bettstellen, Brennmittelkasten, Wassereimer Eßbestecke, Gßnäpse, Schemel, Mannfchaf s'chr nk. Ba ake schr n'chen, Nachttische, Mannichaftstische, Waschbecken, Wasser- fannen, Nähmaschinen und sonstige kleinere Kasernengeräte Kochkessel und Defen verschiedener Art. DersteigerungSbeginn am 7. in der neuen Infanteriekaserne. Fortsetzung am 8. Juli 1921 im Durchgangslager. Bnllen-Berkanf. Die Gemeinde Steinbach beabsichtigt einen fetten Dullen zu verkaufen. Schriftliche Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Mittwoch den 6. Juli l. (ZS., mittags 1 ilhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen. Steinbach, am 29 Juni 1921. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 7345V und Schlofserarbeiten in getrennten Losen öffentlich vergeben werden. Die allgemeinen und besonderen Bedingungen, sowie die technischen Vor- schttsten und Zeichnungen liegen auf dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten, Neue- KreiS- haus, Zimmer Nr. 66, während den Dienst stunden zur Einsichtnahme auf, von wo auch die Angebotsformulare, solange der Vorrat reicht, gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 4 ML für die Schreiner- und je 3 Wk. für die Glaser-, Klempner-, Dachdecker- und Schloff erarbeiten bezogen werden können. Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 9. Juli 1921, vormittags 10 Uhr, an den Unterzeichneten Bahnhofstraße 20 einzureichen. Oeffnung der Angebote zur selben Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen Bewerber. Zuschlagsfrist drei Wochen. 8grohe Ausstellung K Mit der Ausstellung ist eine vornehm '*■ eingerichtete MWeko-DieleM verbunden. Außerdem ein Vier- kl Restaurant und kaltes Büfett. M Nack Schluß der Ausstellung 8Ubr abends K ist der Eingang zur Diele links von der ahallc durch den Gatten. 7261D |5| Die AueetellaDfelelttinff. B Gro Tc|ephi oooD[ > I ssflM Lichtspiele Seltersweg Hoch heute und morgen: Das erfolgreiche Doppelwgramm! c Gibana 1921 Telephon 1399 Telephon 1399 Verlobte Winnen Statt Karten! MODEQNE EINHORN sm Der Vorstand Eintritt: 2 Mark; für Augteilnehmer 1 Mark. 6877c DODDDOaD DO 0000000000'000 OOODODOD Einlaß 4 Uh* "V- Anna Göbel Ludwig Stein Schöner schattiger Garten Pa. Speisen und Getränke Aufmerksame Bedienung Climbach 08847 ♦ Nicken, Bahnbofstr. 6l> teL 1097. - Tegr. 1909 Am 4. Juli itMiuHiiiiiHiiuuiniiniuiiii ‘Beginn eines neuen Halbjahreskursus. Anmeldungen täglich. Prospekte frei. Ihre Vermählung geben bekannt Dr. med. Adolf Bitsch und Frau Else geb. Kitzner Einlaß 4 Uhr. WM Er ladet freundlichst ein Lichtspielhaus BahnhofstraBe 34 Erstklass. Künstlerkonzert Die Geburt einer Tochter zeigen an Dr. med. Ernst Höxter und Frau Alma, geb. Schmidt. Frankfurt a. M., 30. Juni 1921. Wittelsbacher-Allee 9’». Julie Keilig Paul Koch geben ihre Verlobung bekannt. Zu zahlreichem Besuche ladet freunbL ein Bflöat 6flnöel5-5ö)Ule /xoCj-i Dnnmnn*1 Fräservat^, -Krem seit 1ÖÖ2 einzig bewährt In Apethekenw Droyrien. Bogtldje VNvlNOüvtelMllle «letjen 32 Goethestrahe 32 Telephon 2064. 11. Juli beginnt ein neuer fiiWes- SurfDS in Buckiübruna Stenograpbte Maschinen- schreiben und allen HaudelSfächer«. AuSfllhrl. Druckschriften kostenlos d. b. Schulleitung. Anmeldungen werden täglich entgegengenommen. Großwäscherei Edelweiß Telephon 1487 GIESSEN Telephon 1487 000000000000000000000001200x30000 Sonntag, den 3« Juli Tanzkränzchen im Saale des Caf6 Leib. Auf MWMMW vuchenftammholz vuchen'cheitholz OlSiengarleufoftea frei Wald bet Gienen sowie frei Hand abzugeben Carl Haas Jr, FraukfnrterStrake 59. Telephon 11582. 6388c Bonn tag nachmittag 5—7 Uhr Fünf-Uhr-Tee = Neue* Orchestera 06842 Turn»Verein von 1846 C.R. 75. Jubiläum am Samstag den 9. und Sonntag den 10. Juli 1921. Samstag den 9. Juli, abends 8 Uhr Festkommers L Turnhalle des Vereins unter güHger Mitwirkung des Vauerfchen «efangvereins. Nur Mitglieder und eingeladene Gäste haben Zutritt. Sonntag den 10. Juli: Dorrn, von 8 Uhr ab: Bere lnsoettunieii q. Spiele anf öhd OsroalOsflorten. Nachmittags TL Uhr: Gemeinsamer Abmarsch mit Musik von der Turnhalle (Oeamlbsgarten) durch Neustadt. Bahnhofsttatze, West-Anlage, Seltersweg. Philosophenwald; M Freiübungen, Schau- und Riegenturnen, Konzert, Volksbelustigungen, abends Tanz. 7298v Sonntag, den 3. Juli, nachmittags 4 Uhr, in GroßewBuseck, Wirtschaft zum Busecker Tal (am Bahnhof) findet eine • MM SMeWMerMWlrWH wlltta SnniSfi u> BetMiütt statt, wozu besonders die Herren vom Lebens» Mittelamt Gießen freundlichst eingeladen find. Der (Einberuf er: Landwirt Heinrich Gans IX. Nur noch heute und morgen: Cablria 2.Tell Ab Montags Aut tausendfachen Wunsch Henny Porten In Ihrem besten Lustspiel DerSchirmmit dem Schwan. Ferner: Maria Widal in Bie tolerier Hs Drama In 5 Akten. Gietzen, den 3. Juli 1921. 00845 Stadttheater Leitung: Hermann Steingoetter. Mittwoch, den 6. Juli, abends 7 Uhr Gastspiel des Mainzer Stadttheaters „Der letzte Walzer" Operette i« 3 Akten von 3. Brammer u. A. Grünwald Musik von Oscar Sttauh. Kafienöffnung 6'/, Uhr. Ende gegen 10 Uhr Der Vorverkauf findet statt: Montag. Dienstag vo- 10-1 Uhr, Mittwoch von 10-1 Uhr und 3'/,-5 Uh. an der Theaterkasse. 724m Heuchelheim. Am Sonntag den 3. Juli begeht der WootteiH ,.llMkM" bei Gastwirt Friedrich Dolkmann, Gießener Straße, seine 50. MIM. Don nachmittags 3 Uhr ab: Gefangsvorträge, Konzert und Tanz. SffiOaet ftamget Seftsiah. 5üt gatt Svenen n. ©etrflnte in Mens gefocgt. Es labet ergebenft ein der Festwirt.der Vorstand. Landwirte! wer Stallungen neu- ob. umbaut überzeuge sich über RinnS Abflußrinne» Scheidewände und Betouhohldeckcn. Wilhelm Rinn VIII., Heutelbeim. Kn Reste ror 8 ewzewe Zimmer ers billig, "tg Bitie Mniter 76 verlangen |/nnf Frankfurt a. 9>L, ^Opl,AllerhetltgeuitrLS. Nieder-Ohmen, 2. Juli 1921. ,-TI —-r.......,........-........-.....-'»r Briefmarken-, Ansichtskarten- und Notgeld-Ausstellung vom 2. bis 4. Juli 1921 in Giefien, Große Turnhalle, Oswaldsgarten veranstaltet vom Landessekretariat der Weltkorrespondenz unter Mitwirkung der Ortsgruppe Gießen. Einzigartige Ausstellung von Briefmarken, Ansichtskarten und Notgeld usw., Prämiierungen. Notgelddruckerei in Betrieb Notgeld der „Gibana 1921“ (Liebigserie). UzMmdM, Ka tes Bölell, hrcdii aasgeslallele Woko-Diele, Köustler-Koozerl Einrelkartc Mark 2.15 pro Person inklusive Führer Eintnnspreise. Dauerkarte Mark 4.15 pro Person inklusive Führer Günstige Kaufgelegenheit in seltenen Briefmarken, Notgeld usw. Geöffnet: Samstag, 2. Juli, von 3 Uhr nachm. bis 8 Uhr abends; Sonntag, 3. Juli, von 8 Uhr vorm. bis 8Uhr abends; Montag, 4. Juli, von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. 0,M* Verein für das Deutschtum int Ausland iiiiiiiiHfimninNiiiniufiiiuimiiiiiitmiimiiuiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiii Sommerfeier am 16. Juli 1821, nochm. 5 Uhr auf Terrors Hardt Ansprache des Vorsitzenden, musikalische Darbietungen, Dortröae, Theaterauffilhrung und Tanz Ein Teil des Reinertrages Ist für die notleidenden vderschlefier und Auslandsdeutfchen bestimmt. Eintritt M. a.-. Vorverkauf bei den Herren Ehallier und in sämtlichen Buchhandlungen au M. 2.50. Für Studierende bet LHerrn Hausverwalter Luter au SW. 2.—. An der Abendkasse keluerlei Ermäßigung. 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Sie wurden zu je Geldstrafe verurteilt. 100 Fl. = 100 Ml. 100 Är. = 100 Kr. = 6,15 969,50 6,95 16,12 1,35 522,- 22630 592,- 290,- 71,75 310,— Fr. «= £ = 2. - Fr. - Är. = . 100 . 1 . 100 . 100 . 100 . 100 69,90 168,50 322,45 278,50 227,- 181,50 166,50 165,50 147,75 527,50 359,75 389,75 55330 Datum: 1.7.14. . . . Fr. 125,40 Weife hoffte der Angeklagte, den Ramen eines Dritten zu ermitteln, der eventuell als KindeS- vater in Frage kommen könnte, so daß der Angeklagte nicht zur Alimentation zu verurteilen gewesen wäre. Die Sache kam jedoch heraus und Di 1.7. 77,50 78,90 70* — 168,75 324,50 281.75 228,55 181,- 167,- 169,- 148,- 520,50 364,- 396,- 550,50 320,- 283,- 779,75 410,- 329,75 319,75 294,75 527,- 230,- 590,- 290,- 72,90 310,- . 117,60 . 364,60 . 280,45 . 75,07 . 601,35 Wechsel auf: Holland Deutschland .... Wien........ Prag Paris ...... London ....... Italien....... Brüssel....... Budapest ...... Neuyork....... Agram........ Bukarest . 11,18 100,25 27,07 Siebener Strafkammer. Diesten. 28. 3uni 1921. Der Kaufmann P. G in Diesten war wegen Alimentation eines angeblich von ihm stammenden unehelichen Kindes verklagt worden. Er hatte die Kindesmutter im Verdacht, dast sie auch mit anderen Männern verkehrt habe, konnte jedoch Zeugen dafür nicht ermitteln. Er fertigte deshalb einen Brief an die Kindesmutter an mit der Unterschrift einer ihrer Freudinnen, in der die Freundin die Kindesmutter bat. ihr doch den Ttcmen des Soldaten zu nennen, mit dem die Kindesmutter früher gegangen sei. Auf diese 117,90 365,40 281,05 75,23 602,65 Stockholm Wien. . . London . Paris . . Neuyork. KurS 30.6. 77,50 lediglich die Augen ausgeschossen und dgl. Schlietz- lich kam L. dahinter, dast er es mit einer Schwindlerin, einem früheren Fabrikmädchen aus Köln, zu tun hatte. Er erstattete Anzeige. Die Berufung gegen das Schlitzer Urteil hatte keinen Erfolg. Noch weniger Glück mit ihrer Berufung hatte die Elisabeth S. aus Braunschweig, die wegen eines Diebstahls in Bad-Aauheim vom dortigen Schöffengericht zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Sie hatte als Dienstmädchen ihrer Dienstherrschaft einige hundert Mark Bargeld gestohlen. Vor der Polizei in Dad-Rau- beim hatte sie auch ein Geständnis abgelegt, dieses jedoch widerrufen. Sie gab an, das Geld gefunden zu haben, und zwar auf der Strahe. Die Strafkammer war ebenso wie das Schöffengericht von der Schuld der Angeklagten überzeugt, erhöhte jedoch die Strafe auf drei Monate Gefängnis, und zwar im Hinblick auf die Vorstrafen der Angeklagten und Ihr raffiniertes, hartnäckig leugnendes Verhalten. Drei Jungens auS Wohnbach wollten sich zu Weihnachten je ein Christbäumchen im Walde holen. Sie gingen mit etwa 30 anderen Wohnbachern in den Gemeindewald, wo der Forstwart den betreffenden einen Distrikt anwies, in dem sie — auf Grund eines Gemeinderechts — sich je ein Tannenbäumchen holen konnten. Die drei Jungens sanden jedoch die Bäumchen an einer anderen Stelle bedeutend schöner und nah- Christiania. . Kopenhagen . Stockholm . . Helfingfor». . Italien .... London.... Neuyork . . . Part» Schweiz. . . . Spanien . . . Wien (altes). Deulsch-Oesterr Prag Budapest. . . Bulgarien . . Konstantinopel 362, 386, 556, 318, 30.6. 7,20 4,05 8,10 Är. Är. Är. Sh. Fr- r Landwirtschaft. Gartenarbeit nn Juli. 3m Monat Juli wird die Arbeit im Garten etwas geringer, jäten und begießen dar natürlich nicht unterbleiben, wenn es erforderlich ist. Spalier-Formobst und Weinstock erfordern ebenfalls noch Aufmerksamkeit, überflüssige Triebe sowie Geiltriebe müssen immer wieder entfernt werden. Das Okulieren kann fortgesetzt werden. Deerenfrüchte beginnen zu reifen und können in mannigfacher Weise Verwendung finden. Wurmstichiges Fallobst muh sorgsam aufgelesen werden, well es Maden und Larven birgt, die zur Vermehrung der Obstbaumschädlinge beitragen. Allerhand Steinobst wird in die Erde gesät. Auch die Aussaat von Johannes- und Stachelbeersamen kann erfolgen. Wo Obstbäume reichlich tragen, müssen die Zweige gestützt werden. Die Gemüsebeete liefern jetzt reichliche Erträge. Die Gurken, welche man zur Samengewinnung liegen lassen will, müssen auf Scherben gelegt werden, damit sie vor dem Anfaulen geschützt sind. Schalotten, Perlzwiebeln, Knoblauch und andere Zwiebelgewächse sind, sobald die Blätter well geworden, aus der Erde zu nehmen. Das Abtrocknen hat an der Sonne zu erfolgen. Frühkartoffeln werden ebenfalls reif und können geerntet werden. Abgeerntete Erbsen- und Bohnenbeete können wieder mit Grünkohl oder Rosenkohl besetzt werden. Es wird Datum: 57. Dtsch. Äriegsanl. 4*/, Dtsch. Neichsanl. 3 7, Dtsch. Neichsanl. 47, Preutz Äonsols Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Dirconto-Gesellschaft Dresdner Dank. . . Nationalbank f. D. . Mitteld. Treüilbank. H.-Amerik. Pakets. . Norddeutscher Lloyd. Doch.Buststahlwerk . D.-Luxemb. Bergw.. Gelsenkirch. Bergw. . Harpener Bergbau . Oberschles. Tisenb.-D. Oberschles. Lisenind. . Phönix-Bergb.-Akt.. Bad. Anilin- u. Soda höchster Farbwerke. (Elehtr. 2L 6. ® Schuckert-Werke. . . Felten-Guilleaume. . Daimler Bud.- Tisenw.- Akt. . Adlerwerke ^/»Hess.Staatsanl. . Elektron Briesheim. Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt. Märkte. Frankfurter Obst- und (trmüfrmmrTt. Frankfurt a. TR., 1. Juli. Kirschen waren in guten Qualitäten schwach ungefähren, ge* ringe waren reichlich vorhanden, doch blieben grobe Restbestände übrig und wurden nach Markt- schluh im kleinen verlaust 3n Johannisbeeren waren keine sehr großen Zufuhren, Preise hoch, es herrschte nur eine geringe Kauflust und die S liehen unmerklich nach. Die Hausfrauen len die Gelegenheil und deckten ihren Bedarf zu Grohpreisen. Don allen anderen Obstsorten waren die Zufuhren gering und der Bedarf wurde bei weitem nicht gedeckt. G e m ü s e war schwach angefahren und reichte bei weitem nicht auS, Preise infolgedessen hoch. 3m Drost- handel wurden bezahlt: Kirschen, süste, 3,00 bis 4.00, saure, 3,40— 3,80; Birnen 3,20—3,80; Aprikosen 9,00—11,00; Pfirsiche 10,00; IohanniS» beeren 2,70—3,00; Stachelbeeren, reife, 3,00, unreife —,—; Himbeeren 4,50—5,00; Erdbeeren, grobe, 9,00—12,00, kleine, 5,00—6,00; Heidelbeeren 3,30—3,50; Tomaten, spanische und holländische, 5,00—7,00, deutsche 6,00—7.00; Erbsen 1,30—2,00; grüne Dohnen 3,50- 4,00; gelbe Dohnen 4,00—5,00; dicke Dohnen 2.00; Wirsing 1,00 bis 1,80; Weistkraut 1,20—1,80; gelbe Rüber 0,50—0,80; Kohlrabi 0,25—1,00; Salat 0,50-0,80. Geld Brief Gell» Bries Datum: 30. fluni. 1. fluli. Amsterdam - Notterd. 2460,- 2465 - 2455,- 2460, - Brüsskl-Antwerpen . 598,40 599,60 596,90 598,10 ” . 1068,90 1071,10 1063,90 1066,10 . 1260,70 1263,30 1256,70 1259,30 . 1660,80 1664,201650,80 1654,20 ----------! 29,85 Handel. Berlin, 1. Zull. Börsen st immungs- bild Die Börse verkehrte bei lebhaftem Ge- chäft in fester Haltung. Die Spekulation betätigte sich hauptsächlich am Montanmarkte, wo vereinzelt Kurserhöhungen um 25 Prvz. erzielt wurden, so für Phönix und Rheinstahl. Gelsenkirchener und Lothringer Hütte gewannen 10 Prozent und darüber. Von Elektrizitätswerten stiegen A. G. G., Gesellschaft für elektrische Unternehmungen Schlickert und Siemens & Halske weiter gelten & Guilleaume holten die anfängliche 6- prozentige Abschwächung wieder ein. Von Spezialwerten waren Augsburg-Rürnberger Ma° chinen, Westeregeln und Rheinmetall über 20 Prozent höher bezahlt. Kolonialwerte und sonstige Valutapapiere waren vernachläsiigt und wenig verändert. Der Anlagemarkt war gut behauptet, namentlich für deutsche Anleihen. Devisen waren wenig verändert. Frankfurt a. M, 1. Zull- Börsen- timmungsbild. Die Haltung der Abend- börse war mit wenig Ausnahmen fest, aus dem Martte der chemischen Werte ruhiger. Montanaktien vorwiegend behauptet. Elektropapiere lebhafter und anziehend. Das Gebiet der Kassaindustriewerte wies wieder größere Geschäfte aus. Zu den Werten, die Preissteigerungen verzeichneten, gehörten Maschs. Moenus, Plus 10 Proz., Ceberto St. Ingbert blieben weiterhin lebhaft, 10 Prvz. höher; Schnellpresse Frankenthal, Breuer Vorzug stärker gesucht. Auslandswerte ruhig. Im reien Verkehr Reckarsullner lebhaft, 354 bis 364; Ph. Holzmann 357 bis 359. Der Schluß gestaltete sich fest. Frankfurt a. M., 2. fluli. Börsenkurse. Angeklagte wurde wegen Urkundenfälschung vor Gericht gestellt, da er einen Brief der Freundin der Kindesmutter fälschlich angefertigt und abgesandt habe. Die Strafkammer sprach jedoch den Angellaglen aus rechtlichen Gründen frei. Sie verneinte, daß der Dries, so wie er abgefaßt war. zum Deweis von Rechten und Rechtsverhältnissen von Erheblichkeit sei. Dieses verlangt aber das Gesetz zur Bestrafung. Im übrigen wurden in der Sitzung lediglich Berufungsfachen verhandelt, von denen folgende herausgegriffen seien: Die Geschäftsinhaberin K. D. aus Friedberg hatte trotz bestehender Bestimmungen es unterlassen, ihre Waren im Schaufenster rechtzeitig mit Preistafeln zu versehen, die von der Straße aus sichtbar waren. Es handelte sich um Wäsche und Gegenstände der Herrenbekleidung, wie Kragen, Strümpfe, Stöcke u. dgl. Die Waren waren lediglich mit Keinen Zetteln versehen, auf denen die Preise notiert waren. Das Schöffengericht Friedberg hatte sie freigesprochen, da es annahm, daß es sich bei den ausgestellten Gegenständen nicht um solche des täglichen Bedarfs gehandelt hat. Die Strafkammer hielt solches zwar für erwiesen, gelangte aber trotzdem zu einem Freispruch, da sie auf Grund der erlassenen reichsgesetzlichen Destimmungen die zuständige Stelle nicht für befugt hielt, große, von der Straße aus sichtbare Preistafeln für die Waren vorzuschreiben. Preisauszeichnungen, wie die Qlngeflagte sie vorgenommen habe, genügten dem Gesetze. Voraussichtlich wird der Fall, der für weitere kaufmännische Kreise von Bedeutung ist, auch noch die Revisionsinstanz beschäftigen. Die ledige Marie G. aus Köln war vorn Schöffengericht Schlitz wegen Betrugs zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Angeklagte war im Februar d. I. bei dem Maurer L. in Schlitz erschienen, und hatte sich als eine Verwandte der Schwägerin des L. ausgegeben. Sie bat, zur Erholung bei L. ausgenommen zu toer- werden, da sie mit ihrer Gesundheit sehr herunter sei. Es wurde eine wöchentliche Vergütung von 50 Mk. vereinbart. Die erste Woche wurde bezahlt. Vier weitere Wochen blieb die Angellagte schuldig. Sie gab dabei zunächst an, ihr Vater habe eine große Landwirtschaft in Würzburg. Sie wolle später der Familie L. ein Schwein schicken. Später schwindelte sie, sie habe ihre Geldbörse mit einigen hundert Mark verloren, desgleichen ihr goldenes Medaillon, der Vater habe plötzlich 50 000 Mk. im Spiel verloren und einen Selbstmordversuch begangen, habe sich jedoch den 21. August angeht. Der Befehl keine Ge° fangenen zu machen sei erst am 26. August erlassen worden. An diesem Tage hätten etwa zweihundert Erschossene den Boden bedeckt. Den Drigadebefehl habe Hauptmann Schröder verlesen. Der nächste Zeuge der Elsässer Bälden- s p e r g e r kann über die Gefechte am 21. Aug. nichts aussagen. Später bei La Bass6e habe Generalmajor Reubauer gesagt daß keine Gefangene mehr gemacht werden dürften. Darauf seien einige Gefangene von mehreren Kavalleristen erschlagen worden. — Generalmajor Reubauer weist diese Angaben zurück. Da dies die ersten englischen Gefangenen gewesen seien habe man sie selbstverständlich nicht getötet sondern nur genau ausgefragt Auch Hauptmann Wolf weiß von einem Befehle Gefangene zu erschießen, nichts. Der nächste Zeuge Großmann, sagt aus: Am 26. August hat ein Offizier vor versammelter Kompagnie folgendes vorgelesen: „Weil einem deutschen Verwundeten die Augen ausgestochen worden sind werden sämtliche verwundeten Franzosen totgeschossen." Persönlich hat der Zeuge derartiges aber nicht gesehen. Der nächste Zeuge Bergrat Heinrich aus Essen bekundet: Rach einem Gefecht am 21. Aug., wo die Truppen von hinten beschossen wurden hat General Stenger gesagt: ^DerartigeMenschen verdienten getötet zu werden!"; einen entsprechenden Befehl aber habe er nicht gegeben. Hauptmann Crusius sei am 26. August infolge der Kämpfe geradezu wahnsinnig geworden. Die weitere Vernehmung dreht sich wieder um den angeblichen Drigadebefehl. Der Zeuge Heinrich schildert nochmals die Vorgänge vom 26. August und sagt, daß ihm von einem solchen Befehle nichts bekannt sei; Generalmajor Reubauer bestreitet ebenfalls daß ein solcher Drigadebefehl herausgekommen sei. Major C r u - sius bleibt fest bei seinen Aussagen die den Generalleutnant Stenger schwer belasten. Der Zeuge Heinrich hält ebenso wie der nächste Zeuge Major Recknagel es für unmöglich, daß solche ungeheuerlichen Vorgänge wie die Erschießung von Gefangenen verborgen geblieben wären. Ihnen beiden ist von solchen Vorkommnissen nichts bekannt. Vom Präsidenten wird darauf dem Major Recknagel der Fall vorgehalten daß General Stenger befohlen haben soll drei fran- zösische Gefangene zu erschießen; Major Recknagel weiß hiervon nichts. Der letzte Zeuge Hauptmann P e t e r s s 0 n , damals Adjutant beim 3. Dataillon des Infanterieregiments 112 weiß ebenfalls nichts von einem Befehle Gefangene zu erschießen. Darauf wird die Verhandlung auf Freitag vertagt. Frankfurt Berlin Abend- Abend- Schluß- Schluß- Kur» Der 6. Leipziger Kriegsprozetz. Leipzig 30. Juni. Am zweiten Der- handlvnastage bekundet der Zeuge Di e tsch, X Elsässer am 26. August habe er selbst gehört, wie General ßtenger ben Befehl gegeben babc keine Gefangenen zu ntod)en. Der Oberst Reu - bauer hab. den Befehl an sem Regiment weitergegeben und hinzugefügt. Schießt die Sau - banbe sofort nieder. — Der O b e r r e l ch s a n - walt nimmt den Zeugen nochmals ms Verhör »nd fraat nach dem genauen Wortlaut des Be- schte Der Zeuge schränkt daraus seine Angabe dahin ein daß Gefangene und Verwundete erschossen ,r,erben’ sollten, habe er von dem General nicht irhröt; der General habe nur gesagt: Gefangene D?rden nicht gemacht! 3mge Oberrechnungsmeister Kleinhaus; ein Elsässer der seinerzeit fahnenflüchtig geworden ist gibt an, der Befehl ferne Ge- fanaene zu machen sei von dem damaligen Hauptmann 6 r u f i u 6 am 26. August vor versammelter Kompagnie verlesen worden. — General Stenger protestiert energisch gegen die Darstellung be« Beugen. Der Präsident richtet an den Beugen KleinhauS die Frage warum er sahnen- flüchtig geworden sei. Kleinhaus meint er sei nicht geflüchtet sondern gelegentlich eines Bc- suche« bei seinen Eltern im Elsaß gefangen- genommen worden. Generalmajor Reubauer erflärt diese Zeugenaussagen für Lügen. Der nächste elsässische Zeuge der Arbeiter Richard ist in dem Waldgefecht am 26. August gefangen genommen worden. Als die Kompagnie auSgeschwärmt war fei der Befehl gegeben worden: Alle Gefangenen und Verwundeten sollen erschossen werden. Zwölf bis 15 Verwundete seien im Walde während deS Kampfes erschollen tttbrben. — Vom Oberreichsanwalt befragt, ob es sich wirllich um Verwundete gehandelt habe schweigt der Zeuge; dann meint er daS könne er nicht genau sagen. Obwohl er den zwölf bis fünfzehn Franzosen zu trinken gegeben haben will weiß er nicht, ob sie wirllich verwundet waren. Er will den Leuten zum Schluß noch die Hand gegeben haben. Obwohl Richard eine Stunde lang vor Der Erschießung der Gefangenen sich mitten unter diesen befunden und sich mit ihnen unterhalten haben will weiß er nicht anzugeben, w i e sie erschossen worden sind; er habe habet gestanden und nur daS Knallen gehört. Der nächste Zeuge der elsäffische Maurer Oberdorf; der ebenfalls in Gefangenschaft geraten sein will sagt aus, er habe gesehen, daß am 26. August auf Befehl des Generals drei gefangene Franzosen hinter einem Hause erschollen worden seien. Er habe zwanzig Schritt davon gestanden und will gehört haben wie die drei Franzosen um ihr Geben gebeten hätten mit der Begründung, daß sie verheiratet seien und Kinder hätten. Der Zeuge bekundet weiter zunächst hätten sich zwei badische Soldaten dem General gegenüber geweigert die drei Gefangenen zu erschießen; darauf habe der General \toei preußische Soldaten herbeigerufen und diese hätten dann die Gefangenen erschossen. Der nächste effäffische Zeuge der Gisenbahn- bcamte Schmerber sagt aus eS seien in dem Walde zwanzig Gefangene und Verwundete erschossen worden. Die Leute von seiner Kompagnie die daS getan hätten.kenne er nicht. Hauptmann Erusius habe schon am 21. August selbst zwei Verwundete erschollen. — Major Crusius meist diese Anschuldigung zurück; der Zeuge bleibt jedoch bei seinen Angaben. Rach der Mittagspause wird als erster Zeuge der Tischler Reubrecht ebenfalls ein Elsässer vernommen. Er Weitz von Gefangenen- unb Verwundetenerschiehungen nichts soweit es auch jetzt die Aussaat für den Herbst gemacht: Spinat, Salat, Karotten, Winter- rettiche, Teltower Rübchen ufw. Auf den Samen muh fleihig geachtet werden; sobald er reif ist, muh er abgenommen werden. Von den Blumenbeeten kann ebenfalls der Samen abgenommen werden. Der Rasen ist gut zu pflegen. Jäten, Behacken, Begießen! Briefkasten der Redaktion. K. S. in St Die Eltern können selbstverständlich bei ihren Lebzeiten mit ihrem Vermögen machen, was sie wollen. Sie können insbesondere ihr Gut einem ihrer Kinder nach ihrem Belieben verlaufen oder anschlagen, auch den Preis mit diesem Kinde frei vereinbaren. Es besteht Diel- ach auf dem Lande der Brauch, daß das Gut einem Kinde angeschlagen wird, und daß die anderen Kinder in Geld abgefunden werden. An anderen Orten ist eine gleichmäßige Verteilung des Grundbesitzes unter alle Kinder (LoSzettel) Brauch. Gerichtlich erzwungen werden kann diese Aufteilung aber nicht. h., hier. Lebensmittel und alS llmzugsgut deklarierte gebrauchte Möbei sind zollfrei. 3. G. R. Die Industrielehrerin ist auch krankenversicherungspflichtig. Die zuständige Krankenkasse ist zur Gewährung Der Leistungen auch Dann verpflichtet, wenn keine Anmeldung erfolgt ist. Wenden Sie sich an Die'bett. Krankenkasse. Spielplan der Frankfurter Theater. OpemhauS. Sonntag, 3. Juli: Tiefland; Montag, 4.: Don Pasquale, hierauf: Der bestrafte Cupido; Dienstag, 5.: Klein Idas Blumen, hierauf: Tanzbilder; Mittwoch, 6.: Der Troubadour; Donnerstag, 7.: Mignon; Freitag, 8.: Tiefland; EamStag, 9.: Rigoletto. Opern-Ferien: Vom 10. Juli bis einschließlich 13. August 1921. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) 3trat Hevkrieq in Münzenberg. Frankfurt a. M., 1. Juli Zu der Meldung über Den „Kampf um das Heu' wird Dem Wolffbureau aus Kreisen Der Münzenberger Bauernschaft noch berichtet: Es banDelt sich nicht um das Heu, sondern um Die 22 Morgen Wiesen, die in Der Münzenberger Gemarkung liegen. Sie gehörten Dem Fürsten von Braunfels und wurden vom Oberamtmann Hoffmann in Oberhörgern bewirtschaftet. Au, Grund des neuen Land- siedlungsgesehes mußte Hoffmann Die Wiesen abtreten. Aus Der Gemeinde Münzenberg reflektierten 172 Bewerber, auS der Gemeinde Ober- hörgem 54 auf diese Wiesen. Im Frühjahr 1921 wurde von Der Münzenberger Land^ssiedlungS- lommission Dem t’anDtagöabqcnröncten Fenchel ein Vorschlag unterbreitet, wonach u. a. ein Tev dieser Wiesen an Münzenberg fallen soll. SS geschah aber nichts. Rach langem Warten tarn Die Rachricht nach Münzenberg, baß daS Landes- siedlungsamt das Heugras auf der Herrenwiese der Gemeinde Obcrhorgcm überwiesen habe. Dieser Entscheid rief stärkste Entrüstung in Münzenberg hervor. Eine Versammlung beschloß einstimmig, nachdem Die Oberhörgener Die Wtese schon verteilt hatten, mit 18 Grasmähmaschinen, 25 Wagen und 30—40 Mann nachts Die Wiese abzumähen. In 2Vz ©tunDen war alles erleDtgt Eine Kommission aus DarmstaDt, Gießen und Friedberg bestimmte, daß DaS Heu dis auf werteres in Butzbach und Münzenberg untergebracht werde. Aus Den sogenannten Heukrieg hat Land- tagsabgeordneter Fenchel-Oberhörgem eingetotrft Bemerkt wird noch, dah unter den 172 Münzenberger Reflektanten auf den Boden 35 Arbeiter waren, Die nicht einen OuDratmet« eigenes Land besitzen und infolgedessen sich nicht einmal eine Ziege halten können. Die Reflektanten aus Oberhörgern sind dagegen nur Dauern die zahlreiches Rindvieh besitzen. Schließlich wird dem LandtagSabg. Fenchel zu verstehen gegeben die Angelegenheit baldigst zu regeln, andernfalls vielleicht noch ein Grummetkrieg ausbrechen könnte. Explosion in einem französisch« MnnttionS. lager. Metz, 1. Juli. (WTD.-'Wie wir tn Metzer Blättern lesen, ist am Montag nachmittag eine neue Explosion in einem Munitionslager entstanden, und zwar im Spitalwalde bei Kaltre. Die Explosionen hielten stundenlang an. Es soll auch ein großer Brand in Fleury auS- gebrochen sein. Das Metzer .Freie Journal" gibt folgende Mitteilung wieder: Gegen 1 llhr nachmittags brach in einem Teil des gegen EheSnh gelegenen Waldes Feuer aus, das auf "Die in Viesern Abschnitt lagernden MunitivnSbestände Übergriff und sie zur Explosion brachte. Die Explosionen dauerten den ganzen Rachmittag an. Die Waldarbeiter, Denen bekannt war, daß unter der Munition auch Gasgranaten lagerten, flüchteten Dem Brand ist schwer beizukommen, Da eS an Wasser fehlt. Die umfiegenDen Orte sind anscheinend nicht gefährdet, wenigstens wird auS Fleury gemeldet, daß für diesen Ort keine Gefahr besteht. Der Herd Der Explsion befindet sich etwa 1 Kilometer von Kaltre entfernt Man nimmt an, daß die Explosion durch Selbstentzündung entstanden ist. Sprengstücke sind bis zum Bahnhof Kaltre geschleudert worden. Rach einem umlaufen* den Gerücht soll Die Explosion auch Opfer gefordert haben; doch ist darüber Bestimmtes nicht bekannt. Die Arbeitslöhne in England. London, 1. Juli. (WTB.) HavaS. Eine Konferenz Der Delegierten des Metall- arbeiterverbandes. Die gestern zusammentrat, hat mit erdrückender Mehrheit das bi Der Muht mit Den Arbeitgebern getroffene Abkommen genehmigt, Das eine allmähllche Reduk - tion Der Löhne vorsieht, lieber Diese Frage wird jedoch noch abgesttmmt werden. 2.7. Franken 195.50 7.-> Züricher Devisenmarkt. Unterhaltung > Erhebung > Belehrung Bei Muttern. Don Artur Brausewetteck). GS waltet ein ewiges Gesetz der Vergeltung. Man muh erst selbst Kinder haben, trm ju wissen, waS Vater und Mutter find, und wie Weh man ihnen oft getan, mutz erst alt und grau werden, um den ganzen Wert und das ganze Glück zu ermessen, das im Besitze einer Mutier liegt. ES ist ein eigen und schön Ding, toerm man noch sagen tonn: „Meine Mutter". Man sagt eS wie ein Kind, das sich heimwärts sehnt, etwas Weihnachtliches liegt in diesem Worte, warme Wohligkeit und Geborgenheit strömen aus ihm. Man hat noch ein „Zuhause", solange man eine Mutter besuchen tonn. Ja, man mag längst in einer glüeMchen Ghe leben, sich wohl und zufrieden im Beruf und in seinen vier Wänden fühlen, das etgentliche „Zuhause" bleibt bei Muttern. Da kommt man sich wieder wie ein Kind vor, vergitzt, was man inzwischen alles erlebt, durchkämpft, erlitten, wird jung und zufrieden und froh und lässt mal ordentlich für sich sorgen, wahrend man für andere sorgen mutz. GS versteht es ja auch keiner so, wie sie, selbst die beste Frau oder Schwester nicht. Sie aber weiß ganz genau, was ihr Zunge von frühester Kdrdheft an geliebt, welche Speisen er bevorzugt, wie er den Fisch und wie er das Gemüse gern bereitet sieht, welches seine Neigungen und Gepflogenheiten bei der Mahlzeit sind. Gewiß, die Frau hat auch die Rezepte der Mutter — alle ickcht, denn als kluge Mutter behält sie sich einige immer vor, die sie dem Sohne allein vorsehen will, die er eben nur bei ihr bekommt. Aber mag die Frau eine noch so gute Kochkünstlerin sein und an den Zutaten nicht sparen, so wie die Mutter vermag sie eS doch nicht herzurichten. Es ist ein Etwas in ihren Speisen und Gerickten, Las niemand nachahmen kann, es duftet und schmeckt alle- so nach „Hause", es ist einem, als wäre man wieder daheim an dem alten runden Familientisch, als der Vater noch in der Mitte sah und die Brüder und Schwestern um einen herum. Wo sind die geblieben? Wie einsam und allein ist man geworden I Aber Gott sei Dank, die Mutter hat man noch. Früher kamen mir die zum Volkslied gewordenen Verse: „Wenn du noch eine Mutter hast, so danke Gott und sei zufrieden" immer ein wenig seicht und abgeleiert vor. Jetzt, nachdem das ßeben einem so Schweres gebracht, seit dieser grausame Krieg in den Reihen der Allernächsten so unerbittlich aufgeräumt, lernt man sie verstehen und lieben. Wir haben das Schwere alles miteinander durchgemacht und getragen, die Mutter und ich Sie hat sich als deutsche Frau erwiesen, wie ich eS auch nicht anders von ihr erwartete. Zwei verheitzende, liebevolle Söhne, in einem Zeitraum von wenigen Wochen verloren — es.war sehr hart. Unb sie tonnte kein anderes Glück als Ihre Kinder. Früher hatte ich manchmal nicht Zeit, sie so oft zu besuchen, wie sie es gern sah. Jetzt habe ich stets Zeit, es gibt ja nichts Wichtigeres ' mehr. Schließlich kennt die Liebe den Begriff * „Zeit haben" wohl überhaupt nicht, And früher — ich muß es gestehen, waren diese Besuche 1 ^er eine Art von Verpflichtung. Jetzt sind sie eitel Freude geworden. Ze lichter es um einen wird, . und je alter man wird, um so mehr empfindet man da- große Glück, daß es noch Menschen gibt, die sich auf unseren Besuch von Herzen freuen. Biele sind eS nicht mehr. Wir sitzen in den alten behaglichen Sesseln die früher in der „guten Stube" gestanden und auf die ich mich noch so genau von meinen Za. wenn man so ankommt! Auf den Bahnhof tonn die alte Dame nicht mehr gehen, einen in Empfang zu nehmen, wie sie es früher niemals unterließ. Aber nun haben die Deine gekündigt. Dafür steht sie am Fenster. Zch glaube, sie steht da schon seit einer Stunde. Erst winkt sie einem zu mit der ein wenig gichtischen Hand und dem Arm, der auch nicht immer will, dann geht sie auf den Flur. Ihre erste Frage nach der herzsichen Begrüßung ist immer: „Dein Zug hatte wohl Verspätung?" Zch weih, was sie damlt sagen will: baß man doch noch schneller hätte bet ihr oben sein können, es ist so ein leiser Vorwurf in ihrer Frage. Aber schon sind ihre Gedanken bei dem Mittag- oder Abendessen, das, gleichviel, ob man gegen Abend oder in später Rächt eintrifft, ipimcr für einen bereitsteht. Natürlich ist es nie gelungen, so gut es auch schmeckt unft mit wie gesegnetem Appetit man dabei ist! Aber im letzten Augenblick hatte das Mädchen, als man für eine Sekunde aus der Küche ge- Mngen, dies getan oder jenes unterlassen, hatte die Prise Salz um zwei Körner zu stark oder den vtzrcker um zwei Körner zu schwach bemessen — jxn6 nun tonn die gute Mutter während der S-wzen Mahlzeit nicht mehr davon los. Sonst gelingt eS immer — und gerade diesmal! Aber, „man soll nichts dem Mädchen überlassen, auch nicht das geringste, es rächt sich immer!" . meint^ mit einem Male, es schmecke mir mcht. Zch müßte überhaupt mehr essen, mich bei metner vielen geistigen Arbeit ganz anders 'Menen. Sie liebt meine Frau, aber das läßt sich mcht ausreden, daß ein Kleinod, wie ihr Sohm ganz ander« „gepflegt" werden müsse. Nachmittag« haben totr uns ein wenig zur ®« ist »lf böchstc Seit für sie. Awvhl sie es nickt zugeben will. Denn in der Nacht v»r der Ankunft eines ihrer Kinder tut sie seit alter« her vor Freude und allerlei Sorgen, wie lie eS ihnen so recht nett und behaglich Echen wist, welche Gerichte sie ihm das letztemal d«>rgesetzt, damit eS ja nur nicht dieselben werden kan Auge zu. Nun hat sie es nachgeholt, und .wie sie mir da beim Kaffee gegenübersiht, finde .ich daß sie trotz ihrer drelundsiebzig Zabre und trotz allen Lerds, das die letzten Zahre ihr gemacht, mit rhren schneeweißen, sorgsam frisierten Haaren, ihren lieben, feinen Zügen und ihrem evoachen. aber sorgsam gewählten Kleid geradezu hüttch aussieht. Zch weiß nicht, ob es ein anderer findet Zch finde es, und das ist mir genug. Und auch ihr, das weiß ich. •) Der Aufsatz ist dem LebenSbuche „Mehr Liebe" (Vertag Max Koch. Leipzig-Stötteritz) Don A. Drausewelter entnommen, das aus 22 feinsinnigen GssahS besteht- ' I Kinderjahren her besinne, obwohl sie sich durch einen neuen Bezug ein unkenntliches Aeuhere zu geben suchen. Um uns her lauter Bilder aus vergangenen Zeiten: des Urgroßvaters scharf und klug geschnittenes Gesicht mit der großen blitzenden Drillantnadel in der Krawatte, die sich in ihrer kühnen Bindung ganz modern ansieht, daneben, wie er in Oel gemalt, aus goldenem Rahmen herabblickend, seine Frau mit den rosigen Zügen, den schalkhaften kleinen Augen und den riesigen Haarpuffen und Lockengebäuden zu beiden Seiten der gar nicht hohen Stirn. Um sie herum eine kaum übersehbare Galerie der verschiedensten Köpfe und Gestalten. Nur sehr wenige von ihnen leben noch, die meisten find längst dahingegangen. Aber wenn die Mutter so von ihnen erzählt, dann steigen sie aus ihren Rahmen heraus, gehen durch die stille Stube, setzen sich zu uns, und alles ist wieder lebendig, und die Vergangenheit und der Traum sind Gegenwart und Wirklichkeit geworden. Es tonn aber auch keiner erzählen wie sie. Dazu tickt die alte Stuhuhr von ihrem geschnörkeften Gesimse herab: tick tack — tack tick, jede Minute leise surrend hervorhebend, wie sie es getan meine ganze Kindheit und Zugend hindurch, immer in derselben unerschütterlichen Weise, gleichviel ob ich im holden Spiel den Sekunden Ewigkeitsgehalt wünschte oder bei lästi-- gen Schularbeiten die Stunden zu Sekunden wandeln wollte. Du lieber Gott, wo sind die Zeiten Hin, wo man in enteilende Stunden so heiße Wünsche webte, wie eintönig sind sie einem jetzt geworden, sonder Leidenschaft und Begehren! Nur wenn ich bei der Mutter sitze, wünsche ich den Tag länger. Dann aber läuft er, als nähme er Flügel der Morgenröte. Dabei wird es Nacht, bis wir mit unseren Erzählungen zu Gnde sind. Recht zu Ende sind wir natürlich nicht. Aber das werden wir morgen früh ebensowenig, und sie findet, daß ich der Ruhe bedürfe. Aber sie läßt mich nicht gehen, ehe sie nicht persönlich mein Schlafzimmer auf das genaueste in Augenschein genommen, alles, auch das Kleinste: ob ich auch mein Keilkissen habe, ob die Decken genau so liegen, wie ich es von je gewohnt bin, ob die Temperatur die richtige ist und das Federbett nicht zu stark gestrafft. Das Zimmer ist nur sehr llein, dafür ist aber 'das Handtuch um so größer, solch ein Handtuch, wie es in der ganzen Welt nicht mehr gibt. Man kann sich des Morgens beim Waschen wie in einen Mantel in seine weichen, schönen Linnen hüllen. Das tut wohl nach den dünnen, kurzen Läppchen, mit denen man sich eben erst in den Gasthäusern hat behelfen müssen. O du gute, treue Mutter, wer liebt so innig, o harmlos und so unbeirrt wie du! And wie alt muh man werden in dieser Welt, wie weise durch Erfahrungen und Leiden, um das in seiner ganzen Gröhe und seinem ganzen Glucke schätzen zu lernen! Aus Richard Dehmels „ GöttersamiNe". Die Verhandlungen gegen Max Hölz haben unserem Volle noch einmal die absonderlichen Zustände und Auswüchse der Revolution vor Augen geführt, und es ist darum wohl angebracht, auf die interessante kosmopolitische Komödie Richard DeymelS hinzu- weisen, well darin die Empfindungen sich dichterisch widerspiegeln, die der Mehrheit der Deutschen aus dem tollen Zeitwirbel geblieben sind. DehmelS „Götterfamilie" (Verlag S. Fischer. Berlln) besteht aus folgenden Typen, die sehr wahrheitsgetreu über den revolutionären Ereignissen schweben: Freund Hein — Vater Geist, ein alter Leiermann — Mutter Seele, eine Wahrsagerin — Erich Hah, ein Ausrührer — Minna Gier, eine Straßendirne — Filip Heid, ein Schleich. Händler — Hans Mut. ein Leutnant — Grete Lieb, eine Kriegsschwester — Trubchen Furcht, ein Backfisch — Lene List, eine Kammer- jungfer. Zm Himmel wird die Revolution gegen den Vater Geist ausgebrütet, der dazu selbst in ost amüsanter Weise das Wort ergreift. Wir geben aus dem ersten Auszug die folgende Stelle wieder, wo die Empörer dem Vater Geist auf die Pelle rücken: Vater Geist (zu Erich Hah): Nun. mein Erstgeborner, warum blickst du so scheel? Fast wie Filip. Erich Hah: Bloß: ich mache daraus kein Hehl. Kurz gesagt. Vater: wir wollen un« gegen dich empören I Vater Geist: So: schon wieder mal — (gähnend, Hand vorm Mund) hhuja — was habt ihr denn für Beschwerden ? Erich Hah: Himmelhagelwolkendreck, lah deine Hochmutsgeberden! Wir pfeifen drauf! Grete Lieb: Hör mal, Erich — Vater Geist: Lah ihn nur. Kind: ich weih ja. wie triftig feine Grunde sind, ich — (wieder gähnend) hhuja — Erich Hah: Aeh, Gründe! Es muh einfach anders werden! Vater Geist: Gewiß, mein Sohn. Hab schon selbst drüber nachgedacht. manche Nacht, und auch Mutter hat mitgewacht — m Ä «rieb Hah: Eure Sachet Vater Geist: Zhr sollt euch nur klar werden, was ihr begehrt: dann mögt ihr mich meinethalben irgendwohin vertreiben, ins Bodenlose zu Freund Hein — Minna Gier: Zch will endlich leben, wie mir'« gefällt: mich auS- leben! Freiheit! Vater Geist: Sehr begreiflich, mein Kind. And du. Filip? Filip Neid: Mir ist alles vergällt, wenn sich ein Andrer irgendwas Vorbehalt, wodurch er Vorteil vor mir gewinnt. Zch will Gerechtigkeit! Gleichheit l Vater Geist: Ganz vortrefsiich, mein Sohn — (gähnt) hhuja — HansMut: Zch gönne jedem gern seine E?traportion: ich will bloß, dah die Welt sich nach Kräften dreht, daß kein Pack dem Helden im Wege steht. Kurz: mehr Willenskraft! Mannszucht! edle Vittel Vater Geist: Also bitte, Gretel. Grete Lieb: Zch glaube, wir täten nicht schlecht, übten wir alle ein bißchen mehr guten Willen, etwas mehr Einigkeit, Friedlichkeit, Brüderlichkeit. Vater Geist. Versteht sich, Herzchen. Lind Trubchen? Trudchen Furcht: Zch — mir tut's leid, daß mich die Andern immer foppen und drillen wegen meiner Bescheidenheit: ich wünsche ihnen bann immer im stillen etwas mehr Ehfturcht, Pflichtgefühl, Frömmigkeit. Minna Gier: ■Unb Dummheit, Feigheit, Faulheit! nicht wahr? Vater G e i st: Za (gähnt) hhuja — na gut. Unb Lenickel, bu? LeneL i st: Mir scheint, es drückt hier jeden der Schuh: bu solltest uns lieber barfuß laufen lassen oder uns — neue Füße anschaffen, Aeberhaupt: in mancher Hinsicht hast du die Asfen gescheiter bedacht als uns. Vater Geist: So, so. Gut! gut! Zch werde euch also künftig — Erich Hah: Ohoh! Zch protestiere! Filip Neid: Abgekartetes Spiel! Hans Mut: Ausreden lassen! Minna Gier: Du hast uns gar nichts zu sagen! Sie will uns betrügen! Erich Haß: Er denkt uns breitzuschlagen! Es entsteht ein großes Durcheinander, das Vater Geist, plötzlich aufspringend, mit Donnerstimme unterbricht, indem er sich sodann ironisch mit den Anzufriedenen über seinen Götterberuf unterhält, dessen er auch ein bihchen überdrüssig geworden sei. Der zweite Auszug spielt dann in einer Großstadt, in der die Revolution ausgebrochen ist und die Götterfamilie in irdischen Verkleidungen wieder auftaucht. Dehmel zeigt die Eifersucht zwischen den Schrittmachern des Auftuhrs, er läßt den Schleichhändler gegen den Auftührer intrigieren und zeigt alle Anbesonnenheiten, Gelüste, Gemeinheften und Ziellosigkeiten der neuen Volkstribunen. Das Schlußwort hat Freund Hein mit einem trockenen Gelächter. Der dritte Auszug, der wieder im Himmel spielt, beschäftigt sich sodann mit den glorreichen Errungenschaften der Revolutton. Lene List erklärt, es heiße also jetzt, zunächst mal beratschlagen, „wie totr es künftig anstellen, daß wir mit unseren Laten uns nicht wieder immerfort in die Quere geraten; wir müssen, scheint mir, endlich mal Weltfrieden machen". Erich Hah erklärt nach hitzigen Auseinander» setzungen: Ra ja, selbstverständlich. Aber um so mehr erwarte ich, ihr begreift nun endlich, wer für die nötige Oberleitung am besten paßt. Zhr habt das Friedensttften nie richtig erfaßt, mir ift's ganz von selbst eine leichte Sache: gebt mir bloß freien Spielraum, und ihr sollt sehn, bah ich im Hanburnbrehn bas ganze Weltall zum Friebhof mache. Erst werben bie Sterne, alle Sonnen rings, umgebracht : beren Licht ist ja schulb, bah Geschöpfe leben unb leiden. And bann — sollt ihr sehn — in ber ewigen Nacht Filip Reib. wirst bu uns allen unversehens bie Hälse ab* schneiben. Da halten wir's lieber boch weiter mit Freunb Hein. Es beginnt ein allgemeines schläfriges Verzagen, als plötzlich der Wolkenschleier auS- einanderklafst und folgendes Bild sichtbar wird: Auf einer weihen Anhöhe liegt Vater Geist in schwarzem Talar hingestreckt Dor seinen Füßen hockt Mutter Seele, den weißen Stricksttumpf lässig im Schoß haltend, Hans Mut und Grete Lieb sind bemüht, sie aufzurichten. Zm Mittelpunkt einer sehr fesselnden Szene steht eine rührende Aussprache mit Mutter Seele, die sich fast Freund Hein m die Arme geworfen hätte, wenn nicht auf einmal Vater Geist mit einem langen Gähnen von seinem Lager sich wieder erhoben und alle Götter, die von ihren Sitzen purzelten, emporgeschreckt hätte. Er erklärt, daß er noch tot sei, findet aber Widerspruch: Hans M u t: And wenn wir ohne dich nun nicht leben können? Wir wissen nicht ein noch aus, Schwerenot! Du bist einfach verpflichtet, uns Vernunft beizubringen. Vater Gei st: Schon wieder? Die wolltet ihr. denk ich bezwingen?! Wozu habt ihr denn Revolu- (gähnend) hhuja -zion gemacht? Zch hab's satt, wie gesagt, für euch da« Zepter zu schwingen. Der Erich Haß hat mich glücklich umgebracht: ich bin ihm sehr dankbar dafür. Erich Haß: DaS möcht euch so passen! Soll ich etwa ewig bloß noch mich selber hassen? Zch tue daS grafte zur Genüge schon jetzt. Grete 2ie6; Lieber Vater, er hat dich ja bloß auS Zrrtum ein bißchen verletzt. Hans Mut: Anft ftu bleibst doch ewig der Vater Geist, der unS bekanntlich den Weg zur Wahrheit weist. I Zach der Austreibung Freund Heins sitzt Vater Geist wieder auf seinem Thron und erläßt zunächst folgende Zurechtweisung: Vater Geist: Aber erst muß ich bitten — sonst verkommt unsere Freiheft in schlechten Sitten — 'Eich wieder auf euem sinnlos verwechselten Plätzen auch unsre göttliche Ordnung einzusehen: (scharf) bitte! Erich Haß: Zch sitze schon richttg. Zum Schluß fingen alle Takt Nnlschend daS Liebchen: Lust oder Leid, hat alles seine Zeit; wir spielen mft der kunterbunten Ewigkeit! Hui!.'! (Der Vorhang fällt.) Flechten, die Steine anflSfen. Die Kräfte, tnc Gesteine aut Verwitterung bLLn9^JJ,imb Felsenwerk schließlich in Sand E Ackererde verwandeln, hat man bisher in der Regel nur m den atmosphärischen Einflüssen gesmm. Wasser mrd Frost, chemische Umsetzun- gen, die sich beim Zutritt von Sauerstoff, fibfön- toure usw. m den Gesteinen entwickeln:, ber zer- storende Einfluß der überall hin sich verbreftendai Znda'ttiegaie, all das wurde als ber Hauptgrund Tur die Verwitterung angegeben. Organismen hat man als Berwrtterungsmittel bisher nur insoweit genannt als sie schon -erlangtes Gestein weiter ausichlleßen und dadurch den Prozeß beschlemftgen, der den Schutt ber Berge in nutzbare Erde wandelt W^e Adolf Koelsch in den „Sozialistischen Monats- heften" auf Grund von Forschungen, die in ben Beruhten der Deutschen Botanischen Gesellschaft veröffentlicht werden, nritteät, find aber auch Organismen die eigentlichen Vernichter und Auflöser von Gestein, und zwar werden diese harten Massen am erfolgreichsten von den Flechten angegriffen. Diese Gebilde, die aus einer Lebensgemeinschaft von Pilzfäden und 90gen bestehen unb als erste Bewohner auf nackten FckSvbev- (lachen erscheinen, entwickeln eine sehr bebeutmt* lösende Tätigkeit Bor allem unter bat Äalkflechten gibt es Formen, die sich keineswegs nur damit begnügen, jene erste Humusschicht aus der Gesteinsoberfläche zu bilden, auf ber bann Aewächie höherer Ordnung entstehen tonnen. Diese Flechten dringen vielmehr aktiv in das Gestein ein und bohren sich so in sein Inneres, dah ihre Fadengeftechte vollständig unter ber Oberfläche verschwinden und sogar die Ausbildung der Fruchtbecher im Innern der Felsen erfolgt Den Weg in« Z^Ere bichneu selbst, und zwar fft ber bahnbrechende Teil bald der Pilz unb bald die W- Sie bedienen sich dabei stark säurehaltiger, tolklölender StofsweKlerzaiginisse, die ihren Fadenftnhm entquellet. Die Flechten freffen so enge schachtartige L>öhlungen, die nach allen Seiten auseimmbersprossen, in das Gestein, durchlöchern auf diese Aelle die Felsen unb arbeiten den an- devm LmslMen vor, bie sie bann vollends zerbröckeln. Die bedrohten Kraniche. Die Zahl ber Kraniche ist in Deutschland so lehr zurückgegangen, baß bteseS eigenartige Tier bem Aussterben immer näher kommt Leiber werben noch immer Kraniche von Zägern geschossen, bie sich mit solchen „seltenen Trophäen^ wichtig machen. Dabei ist ber Kranich ein harmloser unb niemandem schädlicher Vogel. „Kein richtige Zäger", wird im „St. Hubertus" ausgeführt „sollte so seltene Tiere schießen, wie den schwarzen Storch, den Reiher, den Kranich, den Ahu, die wenigen Adlerarten, die bei uns leben, ben Wil- ben Schwan, unb auch ber gewöhnliche HauS- storch braucht größte Schonung, wenn er nicht ebenfalls ganz aus ber beutschen Lanbschaft ver- schwinben soll." Zn Schlesien kommt ber Kranich, wenn auch in kleinen Destänben, immer noch in wasserreichen Gebieten vor, so im Prim- lenauer Bruck, in ben oberschlesischen unb Mi- litsch-Trachenverger Teichlanbschaften, in ben Heiberevieren ber Herrschaft Klftschborf, bann im Teichgebiet beS Spreer Heibehauses in bet schlesischen Oberlausih, baS zur Zeit Schlesiens interesianteste unb reichste Wallerfauna aufweist Sommernacht. Don Gottfried Keller. ES wallt daS Korn weit in die Runde And wie ein Meer dÄhrft es sich aus; Doch liegt auf seinem sttllen Grunde Richt Seegewürm, noch andrer GrauS; Da ttäumen Blumen nur von Kränzen And ttinken der Gestirne Schein, O goldneS Meer, dein friedlich Glänzen Saugt meine Seele gierig ein! Zn meiner Heimat grünen Talen, Da herrscht ein alter, schöner Brauch: Wann hell die Svmmersterne strahlen. Der Glühwurm schimmert durch den Strauch, Dann geht ein Flüstern und ein Winken. Das sich dem Aehrenfelde naht. Da geht ein nächtlich Silberblinken Von Sicheln durch die goldne Saat. Das sind die Bursche jung und wacker, Die sammeln sich Im Feld zuhauf And suchen den gereisten Acker Der Witwe oder Waise auf. Die keines Vaters, keiner Brüder And keines Knechtes Hilfe weiß — Zhr schneiden sie den Segen nieder, , Die reinste Lust ziert ihren Flettz. Schon sind die Garben festgebunben And rasch in einen Ring gebracht; Wie lieblich flohn die tarnen Stunde», ES war ein Spiel in kühler Rächt! Run wird geschwärmt und hell gefangen Zm Gw-benkreiS, bis Morgenluft Die nimmermüden braunen Znsgen Zur eignen, schwere» fltoaü xefa* MAR Alle Großstädten befindlichen Vertretungen 22 88 PlocketraBe 10 Filiale GieB en precher 2134 Ich hin vom 4. bis 31. Juli d. Js. verreist. 7337 Med.-Rat Wagner Reformtoltsu. Büstenhalter io tadelloser Aasführung Geter Sitz Schöne Figur Reichhaltige Auswahl Reformhaus Kreuzplatz 5 Juli Vom 2. bis 9. 'TDqi' wenig JSohlen nnll zerstochen Tftuss mitfleitfil dietDäsche kochen! Verreist vom 3. bis 11. Juli Aus 2 Lose 1 Gewinn te üch Acun in Gießen: Institut Elektro i.'kn.'.'iuuuuurmttrr Besonders preiswert! 73420 miiiii;!iiiiiiniiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniHHm»n»Hn»mnimilllllllinlg an»« Ferns über Passage und Fracht durch die in Amsterdam oder die in den meisten jeder Art von Mk. 12.50 an Sonnenstr. 20 Fr. Neumeier Femrnf 1212 fiebern nehmen» Kohkneperend. de nur einmalig« vterieLtfOndlg« Kodwn. Mftga Ws *hen. da kein weiterer Zusatz von Seife. 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