öS ZK ■Ää: L ™, e,t etwas re, 2cn erhebt rne" nur der. «ule machte die * Die Spek,. ^unddie Kurte ^netle toonblc •feinem ^"^rAach. *atoenin(ixU “« 2 ^lvW bt. °z?n iedvch teil- 1 _®elbmarlt tDn. An den übrigen on eher zu Heinen e Auck nicht uber- tidebörse. ,i. Der Produkten- anhaltende fchwä' sgefprvchen flauer ser halten siZ ® > kommt für Dtt ' auch vereinzelt h aus das aber nut nsen W E /und MvnMl Es wurden 'wben Äer^E MjzeMehl, > 'S N' *5 11,75; Aoggenw 29.0 ld! Hb® 112-°' io-§ 21-93 20-3'5 16-3' 80-63 59,0» 863 M97 *169 t'- 58,8’ 2,52 11.78 80.69 59,31 12.397 72,83 Srici____ 118,8» 21,99 111,87 59,05 ' .2,5» 112,22 ■ 8’- ■ 59.« 12.«7 73,15 ti.Si iM J3.'5 -Ij 18-! 1,6 ! 28> 58.83 ftg 18.W 81,1? 02s ,t« 1,06» in» 164opy>- '1.160 58.31’ 111.« 11b« 112.« Ä Ä 80-4 & 0^ Nr. 124 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 30. Mai 1929 Erschein» täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Sezugsprels für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern mfolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zrankfurtam Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfrtüts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schus^traße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Teilweise Einigung auf der pariser Konferenz. Oie Uoung-Ziffern von beiden Seiten angenommen. — Eine politische Notlösung ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands. - Oie deutschen Vorbehalte noch offen. Paris, 29. Mai. (IDB.) heute abend ist folgendes von den Delegationen gemeinsam verabredete Kommunique ausgegeben worden: Die Sachverständigen der Gläubigermächte und die deutschen Sachverständigen haben sich schon seit einiger Zeit bereit erklärt, die Annuitätszisser von 2 0 5 0 Millionen Mark, wie sie vom Dorsi henden vorgeschlagen ist, anzunehmen, obwohl bezüglich einiger Auslegungsfragen noch Meinungsverschiedenheiten bestanden. Diese Meinungsverschiedenheiten sind seht geklärt, und eine Auslegung, die sowohl für die Gläubiger wie für Deutschland annehmbar ist, ist gefunden worden vorbehaltlich allerdings der (Einigung über die ungeklär - len Bedingungen, deren Entscheidung noch offen steht. Zu der Einigung der Reparationskonferen; über dir Zahlenfrage wird von deutscher Seite erklärt: Der Dawesplan bleibt weiter in Kraft bis zum 1. September b. 3. von da ab tritt der plan poung in feiner neuen Form an feine Stelle. Dieser plan sieht für die ersten zehn 3ahre folgende Annuitäten vor: vom 1. September 1929 bis zum 31. März 1930 742,8 Millionen, vom 1. April 1930 bis l.März 1931 1707,9 Millionen, für das 3ahr 1931 bis 1932 1685 Millionen, für das 3ahr 1932 bis 1933 1738,2 Millionen, für das 3ahr 1933/34 1804,3 Millionen, für das 3ahr 1934/35 1866,9 Millionen, für das Jahr 1935/36 1892,9 Millionen, für das 3ahr 1936 37 1939,7 Millionen, für das 3ahr 1937/38 1977,0 Millionen, für das 3ahr 1938/39 1995,3 Millionen, für das Aahr 1939/40 2042,8 Millionen. Zn diesen Zahlen ist der Z i n s e n d i e n st für die Dawesanleihe nicht enthalten, vom 11. Jahre ab wird also die Zwei-Milliarden-Grenze erreicht. Die Ziffern ff eigen dann noch weiter lang- |(tm an und bleiben auf der ungefähren höhe von 2,2 bis 23 Milliarden, so daß sich ohne den Zinsendienst für die Dawesanleihe eine Durchschnittsonnuität von 1988,8 Millionen ergibt. Die Aebergangsperiode dient dazu, die Bedürfnisse, die sich aus der Aeberleitung des einen Systems in das andere ergeben, zu decken. Hebet diese Aebergangsperiode erfolgt eine besondere Abrechnung. Die Beträge, die nicht verbraucht nverben sollten, werden Deutschland zurückvergütet. Alles andere wird von den Regierungen bestimmt. Sollte das Inkrafttreten des neuen Poungpianes nicht bereits am 1. September d. 3. möglich fein, falls nämlich die Regierungsverhandlungen bis da- ijitt noch nicht soweit gediehen sind, so wird der neue plan de facto später in Kraft treten müssen, v-adurch wird jedoch nichts an den deutschen Zahlangen geändert. Eine politische Lösung. Kein Erfolg für Deutschland. Paris, 29. Mai. (T. 11.) Don unterrichteter deutscher Seite wird zu der vorläufigen Einigung Mischen den Alliierten und den deutschen Sach- vrrständigen über die Höhe der deutschen Sah- reszahlungen folgendes erklärt: Die am Mittwoch gemeinsam von der deutschen Gruppe und Öen Gläubigern gefundene Lösung der Ziffern- lrage kann nicht als ein Erfolg für Deutschland bezeichnet werden. Es ist in ihr v ielmehr eine Lösung zu sehen, die in weitgehendem Mähe der politischen Lage und politischen Zweckmäßigkeit Rechnung trägt. Auf jeden Fall ist es aber keine Lösung vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus. Diese Auffas- fung wird anscheinend auch in dem Gutachten der Sachverständigen unzweideutig zum Ausdruck kramen. Mit der Annahme der -Ziffern ist allerdings noch nicht entschieden, ob die Sachverstän- digen zur Abfassung eine- Einheitsberichts kom- men. Sn der gemeinsam von den verschiedenen Sachverständigengruppen ausgegebenen Berlaut- b arung heitzt es ausdrücklich, daß die Annahme d«r Ziffern nur Geltung hat, wenn man sich über die Bedingungen einig werden kann. Wenn unter diesen Umstanden eine Einigung nLnmehr zustande käme, so dürfte der Hauptgrund Wohl in dem Umstande zu suchen sein, daß sowohl die deutsche Gruppe wie die Vertreter der Gkäubigermächte sich zu der von Owen Äsung vorgeschlagenen Annuitätsreihe bekannt hoben und die erste Gelegenheit ergriffen werden sollte, wo während der ganzen Sachverständigen- konferenz einmal in einer wichtigen Frage Einstimmigkeit erzielt wurde. Die rasche Entwicklung der letzten Tage ist dem energischen Eingreifen des Vorsitzenden Owen Ä o u n g zu verdanken, der einen st ar k e n Druck auf die Gläubigermächte ausübt. Drei Vorschläge waren vom Freitag an den Alliierten unterbreitet worden. Der dritte Vor- IHlag ist es. der nunmehr von allen Seiten Annahme fand. Die Einigung über die Ziffernfrage bedeutet aber wenigstens eine Grundlage, die Anlaß zu der Hoffnung gibt, daß man sich nunmehr auch über die Bedingungen wird einigen können. Sollte dies nicht der Fall sein, so bedeutet auch die Einigung vom Mittwoch nichts. Für Deutschland sind neben der Zisfernfrage die Modalitäten des neuen Planes mindestens ebenso wichtig. Don den Verhandlungen der nächsten Tage wird es darum abhämgen, ob man zu einem einstimmigen Berichte kommen wird. Die Verhältnisse haben sich in den letzten Wochen immer schwieriger gestaltet. Gegenüber dem, was am 14. Mai erreicht war, ist nichts geändert. Eine Aenderung trat nur insofern ein, als die Alliierten sich nunmehr offiziell nur mit der Ziffernreihe, wie sie der Konserenzvorsihende vorschlug, einverstcmden erklärt haben. Die Serlinerpreffe ist unbefriedigt Berlin, 30. Mai. (TU.) Zu der Einigung über die Ziffern in Paris nehmen nur wenige Berliner Blätter redaktionell Stellung. Aber auch in ihren Pariser Berichten kommt zum Ausdruck, daß es sich um keine vollständige Einigung handelt, da die deutschen Vorbehalte noch strittig sind. Die „Germania" stellt fest, daß Die Zahlungen über das als die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit bezeichnete Angebot von jährlich 1650 Millionen Mark erheblich hinausgehen. Die jetzigen Ziffern seien keine wirtschaftlichen mehr, sondern politische: darauf müsse von deutscher Seite unbedingt bestanden werden. Die „D. A Z." sagt, die Zugeständnisse der Deutschen seien überwältigend groß und stellt fest, dah die TZoung-Zahlen, die doch viel zu hoch sind, unbegreiflicherweise abermals zugestanden worden seien, ohne dah man sich vorher über die Bedingungen geeinigt hätte. Der „T a g“ spricht von einem unmöglichen Kompromiß und hebt hervor, daß man in Paris niemals nach der deutschen Leistungsfähigkeit, sondern nurnach den Gläubige r- ansprüchen gefragt habe. Sede Regelung auf dieser Grundlage sei aber nicht von Dauer und für Deutschlands Lebensrecht eine schädliche Drohung. Das „Berliner Tageblatt" schreibt, die Poung-Kommission habe nur eine Rotlosung gefunden. Eine Begegnung Stresemanns mit Schacht? Berlin, 30. Mai. Die deutsche Delegation für die Ratstagung in Madrid wird am Sonntag abend Berlin verlassen und am Montag mittag in Paris eintreffen. Unter der Voraussetzung, daß die außenpolitische Lage die Reise Stresemanns nach Madrid ermöglicht, kann angenommen werden, daß Dr. Stresemann in Paris von dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über die Situation der Konferenz mündlich unterrichtet wird. Die Weiterreise nach Madrid ist für Montag abend nngesetzt. Das sozialdemokratische Wehrprogramm. Oie Anträge der Opposition abgelehnt. — Breitscheid über Oie Politik der Reichstagssraktion. Magdeburg, 29. Mai. (W.D.) Auf dem Sozialdemokratischen Parteitag betonte in Fortsetzung der Diskussion über das Wehrprogramm Schöpflin (Berlin) im Gegensatz zur Opposition die Rotwendigkeit eines Wehrprogramms. Eckstein (Breslau) nannte die Reichswehr die schärfste Waffe des Kapitalismus gegen das Proletariat. Wer solle das Vaterland schützen? Wem gehört denn dieses Vaterland? Die Arbeiter haben auch heute noch kein Vaterland. (Stürmischer Widerspruch.) Das Vaterland gehört erst mit dem Siege des Sozialismus dem Proletariat. Der Redner schließt: „Der Feind steht im eigenen Lande, den wollen wir schlagen." — C r i s p i e n führte aus, es sei heute ein ilnbing, daß sozialistische Staaten abrüsten, wenn reaktionäre Staaten aufrüsten. Hier kommt Crispien auch auf seinen bekannten Ausspruch zu sprechen, den er dahin deutete, daß er an ein größeres Vaterland glaube, in dem einmal Deutschland aufgehen werde, wie das etwa in den Vereinigten Staaten von Europa angedeutet ist. Er wendet sich zum Schluß gegen die Pflege der Tradition in der Reichswehr. Die Republik habe keine Traditionen des kaiserlichen Deutschland zu pflegen. — Reichsinnenminister Severing wies auf die Fehler der Zurückhaltungspolitik gegenüber der Reichswehr hin. Er wie Roske hätten 1919 den Eintritt vonRepublika- nern in di e Reichswehr gefordert. Er habe das aber nicht erreicht. Wir müssen, so fährt Severing fort, den Kampf um die Republikanisie- rung der Reichswehr energisch aufnehmen. Severing erinnert an den Kampf gegen die Polizei vor dem Kriege. Heute sei die Polizei von einem anderen Geiste erfüllt. Kommt das von ungefähr, fragt Severing. Man erklärt, die Schutzpolizisten seien die besten Freunde der Republikaner. Das kommt daher, dah man nicht alte Landsknechte in die Polizei steckt, sondern gewerkschaftlich vorgebildete Leute. Severing betont die Bedeutung der Reichswehr für die Regierung. Es komme bei der Regierung nicht nur auf die Legislative, sondern auch auf die Exekutive an. Was die Opposition in ihrem Programm fordere, sei nur durch die Verwaltung der Reichswehr und auch nur durch die Beteiligung an der Reichsregierung möglich. Falsch sei die Behauptung, daß sich in der Reichswehr nichts geändert habe, im Gegenteil, seit dem Eintritt Groeners ist doch manches anders geworden. Richt umsonst hetzen die Rationalsozialisten jetzt gegen Groener. Aber glauben Sie, fährt Severing fort wenn wir Groener allein lassen oder in der Gesellschaft der Deutschnationalen, daß wir dann zur Verwirklichung unseres Programms kommen? Wir, die wir von der Reichswehr verlangen, daß sie-als verfassungsmäßiges Organ republikanisch fühle, wir wissen, die Republik muh alles Erforderliche für die Reichswehr bewilligen, nicht nur geldliche, sondern auch moralische Kredite. Wer seine Aufgabe als So- I zialist darin erblicke, alles bei der Reichswehr zu kritisieren, auch was sie Gutes vollbringe, der werde eine Republikanisierung der Reichswehr nicht erreichen. Die Opposition mit ihrem Gegenentwurf glaube, dah man durch Ablehnung der Landesverteidigung der Arbeiterschaft einen Dienst erweisen würde. Die einzige Folge wäre aber, dah wir mindestens an den Grenzen den Faschismus hochziehen würden, dessen Berechtigung wir nicht einmal bestreiten könnten. Es folgte sodann die Abstimmung. Der Antrag auf Rückverweisung den Antrages der Wehrkommisfion an die Kommission wurde mit 225 gegen 116 Stimmen a-bgelernt. Dec revidierte Antrag der Wehrkommission wurde mit 244 gegen 147 Stimmen angenommen. (Beifall.) Damit sind alle übrigen Anträge zum Wehrprogramm abgelehnt. Rach dem Abschluß der Wehrdebatte erstattete D r e i t s ch e i d den Bericht der Reichstagsfraktion. Die Fraktion habe sich großen Hemmnissen gegenüber befunden, so dem Absinken der Konjunttur, der Arbeitslosigkeit, der Ebbe in der Reichskasse und den durch die Pariser Verhandlungen verursachten Schwierigkeiten, doch habe man bereits in der Opposition durch Druck auf die Regierung manches erreicht. Es lasse sich auch in der Opposition, die nicht auf dem Standpunkt stehe, „alles oder nichts", manches erreichen. Weiter führte der Redner nach einem Rückblick auf das Ende der bürgerlichen Parteikonstellation u. a. aus, der äußere Grund ihres Zusammenbruchs sei die Schulpolitik gewesen: nicht zuletzt sei er aber verursacht worden durch die zunehmende Abneigung der Zentrumsarbeiter gegen das Regieren mit den Deutschnationalen. Daraus müsse man die Folgerung ziehen, dah nichts gefährlicher wäre, als einen Kampf gegen das Zentrum mit religiösen unö nicht mit politischen Waffen zu führen. Ls ginge nicht an, dah aus den Kreisen der Partei eine wilde Agitation gegen das Konkordat entfesselt werde, wesentlich sei es, dah man den Inhalt des Konkordates erst kenne, wesentlich fei auch, dah man sich von dem Wort „Konkordat" nicht schrecken lasse. Darauf behandelte Dreitscheid die finanziellen Schwierigkeiten, in denen wir uns jetzt befinden. Wenn Paris das Erwartete nicht erbringe oder wenigstens für_ das aktuelle Etatsjahr nichts mehr erbringe, würden neue Steuern nötig sein. Der Erleichterung in der Sozialpolitik, wie sie die Sozialdemokratie wünsche, stehe die Finanzlage sehr hemmend gegenüber. Allerdings sei nun deswegen nicht alles unterblieben. Die Erfolge seien besonders anzuerkennen angesichts der Tatsache, daß der Kampf gegen die Sozialpolitik jetzt so besonders energisch geführt werde. Wit erhobener Stimme erklärte Breitscheid, dah für eine Regierungskrise die Arbeitslosenversicherung und die Sozialpolitik ein viel besserer Grund seien als der Panzerkreuzer. Line andere Frage, in der die Nachgiebigkeit eine Grenze finde, feien die Zölle. Einer weiteren Erhöhung der Zölle, wie man sie auch nennen möge, mühte der schärfste widerstand entgegengesetzt werden. An der Anleihe habe die Fraktion sehr wenig Freude gehabt. Sie habe ihr mit nur geringer Majorität zugestimmt, weil man überzeugt war, daß im gegenwärtigen Augenblick doch ein anderer Ausweg nicht gegeben sei, da man zu büßen habe für die Sünden vergangener Sahre. Rachdem wir aber zugestimmt haben, so erklärte Breitscheid mit großem Rachdruck, muß unser Widerstand gegen eine Einschränkung der Arbeitslosenversicherung noch stärker sein als bisher. Wir wollen nicht, daß die Kassenlage des Reiches verbessert wird auf Kosten hungernder Erwerbsloser. Eine Steuerreform kann nicht vermieden werden: sie darf aber nicht erfolgen auf Kosten der breiten Massen etwa unter der Parole einer notwendigen Kapitalbildung: andernfalls wird man die Sozialdemokratie auf dem Posten finden — in der Opposition. Es folgten Ausführungen zur Außenpoli« t i k. Mögen die endlichen Ziele Stresemanns und seiner Freunde, fuhr der Redner fort, anders sein als bei uns — wir wissen, dah der dauerhafteste Friede nur durch den internationalen Sozialismus zu erreichen ist — so darf man doch bis dahin sich der Mitarbeit nicht vollkommen entziehen. Deshalb arbeitet die Sozialdemokratie auch mit dem Völkerbund und deshalb habe man die Regierung unterstützt in ihrem Kamps für die allgemeine Abrüstung. Wir unterstützen die Regierung, sagte Dreitscheid mit erhobener Stimme, mit allen Kräften bei ihren Bemühungen auf Räumung des Rheinlandes und auf Räumung des Saarge b i e t e s. Wir sind überzeugt, daß wir e i n Recht auf Befreiung der Rheinlande haben. Solange die Abrüstung nicht durchgeführt sei und solange die Besetzung der Rheinlands fortgeführt werde, sei nicht an eine Entspannung zu denken. Breitscheid beschäftigte sich weiter mit dem Vorwurf einer Rebenregierung, an der Hermann Müller, Hilserding, Georg Bernhard und er beteiligt sein sollten. Er erklärte, daß er nie versucht habe, auf die Führung der Reparationsverhitndlungen einzuwirken. Ein Antrag, in dem die Forderung auf Räumung des Rheinlandes gestellt und an die Reichsregierung und die Länderregierungen die Aufforderung gerichtet wird, baldigst ein umfassendes Reformprogramm mit dem Ziele der Hebertrinbung der wirtschaftlichen Kriegsfolgen vorzulegen, wurde einstimmig angenommen und damit Die Sitzung geschlossen. Oie Wahlrechtsreform. Bisher nichts als unverbindliche Besprechungen. Berlin, 30. Mai. (Priv.-Tel.) Sn den immer stärker zur Geltung dringenden jugendlichen Gruppen der Parteien, vor allem der bürgerlichen. aber auch von ihren Führern wird seit langem die Forderung nach einer Reform deS Reichstagswahlrechtes erhoben. Sm Reichsinnenministerium ist von einem Referenten zunächst rein privat ein Wahlrechtsreformentwurf ausgearbeitet worden, der als Grundlage einer entsprechenden Vorlage der Reichsregierung gedacht ist. Auch in der Regierungserklärung, die das Kabinett Müller am 3. Suli vergangenen Sahres abgegeben hat, ist das Versprechen enthalten, die Wahlreform in Angriff zu nehmen, und es wurde sogar posittv hinzugefügt, daß es Aufgabe der Reform sein werde, das verfassungsmäßig festgelegte System der Verhältniswahl aufrecht zu erhalten, aber zugleich eine engere Beziehung des Abgeordneten zu den Wählern sicherzustellen. Sm Rahmen der in der letzten Zeit gemachten Erwägungen über die nächsten Aufgaben der Regierung hat man sich auch mit der Wahlreform beschäftigt und es scheint, dah man den Ernst dieser Frage vollkommen ü b e r s i e h t. So stehen einer gesetzlichen Fassung des im Snnenminifterium ausgearbeiteten Reformentwurfes, wie wir von unterrichteter Seite bestätigt hören, sehr starke Hemmungen gegenüber. Auch die sozialdemokratischen Sihrer sind teilweise von der Rotwendigkeit einer solchen Reform, die gewiß nicht das ganze innerpolitsiche Leben von seinen augenblicklichen Schwierigkeiten befreien kann, überzeugt. Aber gerade hier sind die Widerstände besonders groß, da man fürchtet, gewisseVor- teile des Listensystems verlieren zu können. Hinzu kommt, daß auch bei den anderen Parteien keineswegs Einigkeit über den Weg der Reform herrscht, so daß der Reichsinnenminister heute der baldigen Vorlage eines Gesetzes mit den größten Bedenken gegenübersteht. Rur einer sehr zielbewuhten Führung dürfte es gelingen, die parlamentarischen Gefahren und Schwierigkeiten eines solchen Reformwerkes, die auch für den Koalitionszusammenhalt nicht unbedenklich werden könnten, zu überwinden. Unter diesen Llmständcn scheint sich die endgültige Lösung der Wahlrechtsreform immer noch hinauszuzögern. Bisher haben nur unverbindliche Besprechungen zwischen Minister und Parteien und der einzelnen Parteisachverständigen untereinander stattgefunden. Sie Finanzlage der Reichsbahn. Berlin. 29. Mai. (WTB.) Der Verwal- tungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft genehmigte den Abschluß für 1928 und die Ausschüttung einer siebenprozentigen Dividende auf die ausgegebenen Vorzugsaktien. Das Gleichgewicht zwischen Betriebseinnahmen und -ausgaben konnte nur durch unerwünschte Einschränkung der Sachausgaben erreicht werden. 3n den ersten vier Monaten des neuen Jahres sind die Einnahmen um rund 30 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, während die Ausgaben durch den Frost gesteigert wurden. Bei dieser ungünstigen Finanzlage ist es nicht möglich, einer Erhöhung der Personalausgaben zuzustimmen, die insgesamt etwa 55 Millionen Mark ausmachen dürften. Die Deckung hierfür ist nicht vorhanden: eine weitere Einschränkung. der jetzt schon zu stark gedrosselten sachlichen Ausgaben ist unmöglich. Weiter wurde mitgeteilt. daß ein Kreditabkommen mit der Deutschen Wagenbauvereinigung noch nicht vollzogen werden konnte. Der Wettbewerb des Kraftwagens mit der Eisenbahn wurde eingehend behandelt. Der Der- waltungsrat ist überzeugt, daß der Reichsbahn ein entsprechender Anteil besonders auch am Derkehrszuwachs gesichert bleiben müsse. Er be- saßte sich mit den Maßnahmen, die hierzu auf tarifarischem und beförderungstechnischem Gebiet getroffen werden sollen. Gemeinsamer Krastfahrbetrieb von Reichspost und Reichsbahn. Berlin. 30. Mai. (Priv.-Lel.) 3n diesen Tagen ist. wie wir hören, seitens der Reichspost und der Reichsbahn ein Abkommen unterzeichnet worden, bas ein gemeinsames Zusammenarbeiten zur besseren Ausnutzung der öffentlichen Kraftfahrlinien vorsieht. Bisher betrieben die Reichsbahn und die Reichspost nebeneinander in allen Gegenden Reiches zahlreiche Kraftpostlinien, und es kam auch vor, daß ein und dieselbe Linie von der Reichspost und der Reichsbahn g l e i ch z e i - t i g gefahren wurde. Dieser Zustand, der sich für die Wirtschaftlichkeit dieser Verkehrsmittel sehr nachteilig auswirkte, ist durch das soeben zustande gekommene Abkommen aus der Welt geschafft. Rach ihm wird die R e i ch s p v st alle Kraftfahrlinien, die dem Personenverkehr dienen, übernehmen, während es der Reichsbahn Vorbehalten ist, den Kraftfahrdienst für den Güterverkehr in ihre Regie zu nehmen. Die Vorteile, die sich aus dieser Reuregelung für die Wirtschaftlichkeit ergeben, werden sowohl von der Reichspost als auch von der Reichsbahn für sehr wesentlich gehalten. Ein neues Reichsgesetz über den Krastwagenverkehr. Berlin. 30. Mai. (Prio.-Tel.) Wie wir hören, wird sich der Reichsrat demnächst mit einem Aende- rungsantrag zum Reichskraftwagenverkehrsgesetz zu beschäftigen haben, in dem eine zwangsläufige Haftpflichtversicherung für alleKraft- wagen gefordert wird. Außerdem verlangt dieser Antrag eine schärfere Anwendung der gegenwärtig bestehenden Verkehrsbestimmungen für Kraftfahrzeuge aller Art, insbesondere eine genaueKon- trolle der Kraftfiahrzeuggeschwindigkeiten, da, wie es in dem Antrag heißt, das Ichnelle Fahren auch auf der Landstraße am häufig- ten zu Unglücksfällen fuhrt. Schließlich wird fick »er Reichsrat auch noch mit der Forderung nacy einer allgemeinen Haftpflichtversicherung für Rad- f a h r e r zu beschäftigen haben. Die Wiederaufrollung des Kalles Jakubowski. Die Angeklagten Brüder Rogens werden vernommen. R e u st r e l i h, 29. Mai. (WTB.) 3n der Vor- mittagssihung des zweiten Verhandlungstages im Rogens-Prozeß wurde die Ausführung des Mordes an Ewald Rogens und das Verstecken der Leiche des Kindes im KaninchenstaU erörtert. Der Angeklagte Fritz Rogens erzählt, 3akubowski habe noch am Morgen der Tat gezeigt, wo August Rogens den kleinen Ewald hinbringen sollte. „3ch wollte," so erklärt Fritz Rogens, „das Kind dann in einem Kaninchenloch verstecken". Fünf bis acht Minuten bevor August an dem betreffenden Abend mit der Leiche an die bezeichnete Stelle kam, habe er dort gewartet. — Vorsitzender zu Fritz Rogens: „Früher haben Sie gesagt, 3akubowski habe die Leiche gebracht." — Angeklagter Fritz Rogens: „Mein Bruder und ich hatten vereinbart, wir woUten uns gegenseitig nicht verraten, und so habe ich dann 3akubowski angegeben." Beim weiteren Verhör gibt Fritz Rogens an, 3akubowski und. wie er glaube, auch sein Bruder, hätten ihm erzählt, das Kind sei dadurch getötet worden, daß Jakubowski ihm die Luft abdrückte. Vorsitzender: „Sie haben auch einmal gesagt, den eigentlichen Mord hätte Ihr Bruder ausgeführt." Fritz Rogens: „Als Ewald mir von meinem Bruder übergeben wurde, war er schon eine Leiche. August hat die Leiche unter dem Arm getragen und sie mir in die Arme gelegt. 3ch habe das Kind genommen und die Leiche mit den Füßen zuerst in ein Kaninchenloch gesteckt. Die Röhre des Kaninchenloches war so weit, daß die Leiche ohne Schwierigkeit hineingeschoben werden konnte. Vor das Loch habe ich ein Stück Holz gelegt." Auf die Frage, wie er dazu gekommen sei, den Jakubowski in der früheren Verhandlung so stark zu belasten, daß er zum Tode verurteilt wurde, antwortete Fritz Rogens, er habe dies getan aus Aerger darüber, daß Jakubowski ihm das versprochene Geld für das Verstecken der Leiche nicht zahlte. Ein neues Moment wird dadurch in die Ver- bandlung getragen, daß Fritz Rogens erklärt, er nabe noch am späten Abend des Mordtages mit Jakubowski, ebenso wie später mit seinem Bruder vereinbart, daß sie sich gegenseitig nicht verraten wollten. August Rogens bestreitet die Richtigkeit der Darstellung seines Bruders Fritz in allen Punkten und widerruft seine früheren Aussagen, wonach Jakubowski den Ewald getötet habe. Ein von ihm verfaßter Lebenslauf stimmt im wesent- lichen mit seinem früheren Geständnis überein, wonach er d i e Tat unter dem Einflüsse Jakubowskis begangen habe, nachdem dieser ihm als Belohnung für die Deiseitebrtngung Der Leiche einen Anzug und ein Fahrrad versprochen habe. Jakubowski habe erklärt, Kreutzfeldt und Blöcker hätten falsch geschworen. Er, Jakubowski, sei der Anstifter, Kreutzfeldt und Fritz Rogens aber hätten die Tat ausgeführt. Rach Abschluß der Vernehmung des Aug. Rogens wurden die Vorfälle am Abend und in der Nacht nach dem Mord besprochen. Durch Befragen von Fritz Rogens und seiner Mutter, Frau Kähler, stellt es sich heraus, daß diese damals fortgefahren war, damit das Kind in ihrer Abwesenheit ermordet werde. Mit dieser Feststellung wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Das Gericht begibt sich im Laufe des heutigen Tages zum Tatort nach Palingen bei Schönberg, wo morgen vormittag ein ßo talterm in abgehalten wird. Die Hauptoerhandlung in Neustrelitz wird alsdann am Freitagvormittag fortgesetzt. Das Notariat in Hessen. Der Antrag Best im Gesetzgebungsausschutz. Darmstadt, 29. Mai. Der Gesetzgebungsausschuh des Hessischen Landtages befaßte sich mit dem von dem Abg. Dr. Best und Genossen gestellten Antrag auf Aenderung des Ausführungsgesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 18.3uli 1899 sowie des Gesetzes über das Rotariat vom 15. März 1899. Der Antragsteller, der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Darmstadt, erstattete ein dreistündiges eingehendes Referat über seinen Antrag und hatte dem Ausschuß zur leichteren Durcharbeitung ein längeres schriftliches Expose zur Verfügung gestellt. Dieses brachte umfangreiches statistisches Material über die Rechtsverhältnisse in Hessen und in den anderen deutschen Ländern, eine Llebersicht über die Auswirkungen der Gebühren - und Stempelordnung, über die rechtliche Stellung des Notariats seit 1900 und der Rechtsanwaltnotare. Er führte aus, daß er bei Richtannahme seiner Anträge den Staatsgerichtshof anzurufen gedenke. Der Vertreter der Demokratischen Par- t e i erklärte, daß er für seine Partei die Dest- schen Anträge ablehnen müsse, weil das jetzt in Hessen bestehende Notariatswesen sich als sehr segensreich erwiesen habe. Für das Publikum sei es leichter, mit einem Rotar als mit einem Richter seine persönlichen Verhältnisse zu besprechen: allerdings seien die Gebühren teilweise zu hoch, und er kündigte einen Antrag auf Herabsetzung der Gebühren an. Aach seiner Ansicht würde bei der Aw- nähme der Bestschen Anträge eine große Vermehrung des Gerichtspersonals, der Richter und Gerichtsschreiber sowie des Kanzleipersonals erforderlich sein. Das jetzige Rotariat sei für den Staat besser und billiger nach seiner Ansicht. Die Vertreter der Regierung gaben umfangreiche und ausführliche Ergänzungen zu ihren schriftlichen Darlegungen. Sie waren der Ansicht, daß die jetzige Rotariatsregelung gegen die früheren Verhältnisse, wo die Beurkundungen durch die Ortsgerichte bzw. Amtsgerichte vorgenommen wurden, einen wesentlichen Fortschritt bedeutet. Auch stehe ein Reichs- Notariat in Aussicht, so daß es sich nicht empfehle, jetzt in Hessen selbständig mit Änderungen vorzugehen. In manchen Fällen sei von feiten der Wirtschaft eine Reubesehung von freigewordenen Notariatsstellen gefordert worden: ein Abbau komme daher nicht in Frage. Minister Kirnberger betonte, daß er die Bestschen Anträge als 3ustizminister und als Finanzminister eingehend geprüft habe, daß er aber zu der Ansicht gekommen sei, daß sie für den Staat keinerlei Gewinn bringen würden. Die Ausgaben für die Entschädigung der Rotariate, den Ausbau der Gerichte, usw. würden dagegen erheblich sein, so daß die jetzige Regelung zweifellos vorzuziehen sei. Aus dem petiiionsausschuß des Hessischen Landtages. Darmstadt, 29. Mai. Der Petitionsausschuh befaßte sich zunächst mit einer Reihe von Anträgen, die jedoch gemäß der Antwort der Regierung für erledigt erklärt wurden. Auf eine Eingabe des Dezirksverbandes für Handwerk und Gewerbe der Kreise Bensheim und Heppenheim betreffend Ladenschluß und Brötchen- Verkauf auf dem Lande und in den Städten mit ländlichem Charakter wurde die Regierung ersucht, bei geringfügigen Lieberschreitungen des Äachtbackverbotes entsprechende Rücksicht walten zu lassen. Eine längere Debatte entspinnt sich über einen Zentrumsantrag auf Abstellung der Auswüchse in den Darstellungen der Kinos, Theater und in den Auslagen der Zeitungs stände. Der 3nnenminister hat in seiner Antwort ausführlich auf die Maßnahmen hingewiesen, die von ihm in dieser Hinsicht bereits unternommen worden sind. Anwei- fung auf strenge Durchführung der bestehenden Gesetze und Verordnungen zu achten, sei den Polizeiorganen gegeben worden. Oie Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau. Essen, 29. Mai. (WB.) Die unter dem Vorsitz des Schlichters, Prof. Br ahn, gestern begonnene Aussprache zwischen Zechenverband und Dergarbetterverbänden über Manteltarif und Arbeitszeitregelung wurde heute gegen 2 Llhr beendet. Zum Schluß der Verhandlung wurde von den Parteien festgestellt, daß diese Aussprache als Einigungsverhandlung vor dem Schlichter gelten sollte. Da eine Einigung über die beiderseittgen Forderungen nicht zu erzielen war, wurde eine Schlichterkammer gebildet, die unter dem Vorsitz des Schlichters ihre Arbeit am 17.3uni aufnehmen wird. Oie sächsische Staatsregierung an den Reichspräsidenten. Die sächsische Staatsregierung hat anläßlich der Meißener Tausendjahrfeier nachstehendes Telegramm an den Reichspräsidenten gerichtet: „Dor tausend Jahren wurde Burg und Mark Meißen errichtet und damit der Grundstein zum heutigen Staat Sachsens gelegt. Die sächsische Regierung benutzt diese Gelegenheit, um 3hnen, Herr Reichspräsident, den Ausdruck ihrer Der- e h r u n g zu übermitteln. Unvergessen wird Ihnen im deutschen Volke bleiben, daß Sie sich auch nach dem Zusammenbruch unseres Vaterlandes zur Verfügung gestellt, das deutsche Heer in die Heimat zurückgeführt und durch 3hr Beispiel selbstloser Pflichterfüllung wesentliche Grundlagenlür den Aufbau unseres neuen staatlichen Lebens geschaffen haben. Seit über vier Jahren stehen Sie, über allem Parteihader erhaben, an der Spitze des Reiches. Zu Ihren Händen, Herr Reichspräsident, erneuert die sächsische Regierung in diesen bedeutungsvollen Tagen i h r Gelöbnis unwandelbarer Treue zum Reich. Sächsische Staatsregierung, (gez.) H e l d t, Ministerpräsident." Wie schon mitgeteilt, haben Reichsregierung wie sächsische Staatsregierung eine Teilnahme an der Meißener Tausendjahrfeier abgelehnt, weil die Meißener Stadtverordneten einen Antrag auf Ernennung des Reichspräsidenten zum Ehrenbürger abgelehnt haben. Oie deutsche Ausstellung in Barcelona. Ein glänzender Erfolg. Barcelona, 29. Mai. (T. Tl.) Die deutsche Ausstellung kann trotz der zur Verfügung stehenden beschränkten Mittel als ein durchschlagender Erfolg bezeichnet werden, insbesondere infolge der Einheitlichkeit der Grundidee und der Leistungen der deutschen 3ndustrie. Diese Auffassung wird nicht nur von der Presse te- stättgt, sondern auch durch die Festrede, die Primo de Rivera auf dem von dem deutschen Reichskommissar v. Schnitzler veranstalteten Festessen hielt. Primo de Rivera fand für Deutschland außerordentlich herzliche Worte, wie sie seit 15 3ahren in Spanien nicht mehr vernommen wurden. Er pries den Reichspräsi- dentenvon Hindenburg als weltgeschichtliche Figur unter dem Kaiserreich, wie auch unter der Republik und als Repräsentant für Deutschlands kraftvolles Streben. Primo de Rivera erkannte die deutsche Ausstellung als den greifbaren Ausdruck des Wiedererstarkens der deutschen Wirtschaft an und sprach die Hoffnung aus, daß Deutschland im Interesse des sonst gefährdeten europäischen Gleichgewichts eine weitere wirtschaftliche und politische Kräftigung erfahren werde. Auch das Königspaar gab Beweise des tiefen Eindruckes, den die Besichtigung der deutschen Ausstellung gemacht hat. Der König bekundete im Gespräch mit dem Reichskommissar v. Schmitzler das stärkste Interesse an den Fortschritten der deutschen Technik. Besonders auf dem Gebiete des Flugwesens, der Chemie und der internationalen Geltung der deutschen Industrie. Er äußerte die Meinung, daß der zunehmende Zusammenschluß der großen europäischen Industrien eine wirkungsvolle Förderung des Weltfriedens bedeute. Die Königin, die sich in deutscher Sprache mit Frau von Schmitzler unterhielt, bekundete starke Anhänglichkeit an ihre deutschen Verwandten, sowie ihr großes Interesse für die wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Volkes. Das Köniaspaar gab feine Absicht bekannt, anläßlich der deutschen Woche Ende Oktober einzelne deutsche Leistungen eingehender studieren zu wollen. Das Telegramm Hindenburgs an den König, in dem sich der Reichspräsident sehr anerkennend über die spanische Leistung der Welt- ausstellung äußerte, hat in allen politischen Kreisen sowie in der gesamten spanischen Presse große Befriedigung ausgelöst. Am Vorabend der englischen Wahlen. Ein letzter Appell der Parteiführer. London, 29. Mai. (TU.) Die Schlußanstrengungen der Parteien für den am Mittwochabend zu Ende gegangenen Wahlkampf haben keine Heber* raschungen mehr gebracht. Ministerpräsident Baldwin, der erst am Dienstagabend im Rundfunk seinen Schluhappell an das Land richtete, erklärte zusammenfassend, daß er in den letzten vier Jahren sein Bestes für das Land getan habe und entschlossen sei, in der gleichen Weise fortzufahren, wenn er eine Mehrheit erhalten würde. Lloyd George faßte das Ergebnis des Wahlkampfes dahin zusammen, daß der Rücktritt der Regierung besiegelt sei. Die Liberale Partei könne und wolle die Arbeitslosigkeit beseitigen. Ramsay M a c d o n a l d, der sich ebenso wie Baldwin während des ganzen Wahlkampfes besonders aktiv betätigt hat, erklärte, er werde zehn Millionen Stimmen für seine Partei aufbringen und sei bereit, die nächste Regierung zu bilden, aber nicht auf der Grundlage einer Minderheitsregierung. Die vielfach erwartete Wahlsensation ist bis zum heutigen Tage ausgeblieben. 3m Lande haben die letzten Tage zu einer propagandistischen Hochflut geführt, die aber das weitere Bild nur wenig verändert hat. Der morgige Wahltag wird ein Feiertag er ft er Ordnung sein. Fast sämtliche größeren Hotels und Restaurants in London und den anderen großen Städten veranstalten am Abend große Bälle, deren Hauptzweck die dabei erfolgende Bekanntgabe der etwa einlaufenden Wahlergebnisse sein wird. An der Börse, wo schon seit Monaten Voraussagen für die Wahlen ausgegeben werden, wurde heute als voraussichtliches Ergebnis der morgigen Wahlen notiert: Konservative 269, Arbeiterpartei 246, Liberale 98, Llnabhangige 7 Sitze. Bei den letzten Wahlen hatten die Konservativen 413, die Arbeiterpartei 150 und die Liberale Partei 40 Sitze errungen. Kunst und Wissenschaft. Zum 70. Geburtstag des Geheimrats hergesell. Die Feier des'70. Geburtstages des Geheimen Reg.-RatS Hergesell, des Schöpfers und führenden Gelehrten der Wissenschaft von der physikalischen Atmosphäre wurde in seinem Berliner Heim begangen. Mit dem preußischen Kultusminister Dr. Decker waren die Vertreter anderer Reichsministerien und preußischer Staats- tnstitute, UniDerfitäten und Technischer Hochschulen usw. erschienen. Der Reichspräsident hatte ein in herzlichen Worten gehaltenes Handschreiben gesandt. Unter ten vielen Telegrammen, die eingelaufen waren, befanden sich auch solche aus Indien, Rußland, England, Norwegen, Amerika, Oesterreich, ter Tschechoslowakei usw. Der Kultusminister feierte die Verdienste Hergesells um die Wissenschaft und um die Praxis. Professor Dr. Linke sprach im Auftrage ter Direktoren ter meteorologischen 3n* stitute. Professor Vickmarra überreicht» Die teil* 1 senschaftliche Festgabe mit 21 Arbeiten ter nant* Haftesten Meteorologen des Inlandes und eben« sovielen ter Meteorologen des Auslandes. Geh. Oberregierungsrat Schwoerer sprach für die Notgemeinschaft ter deutschen Wissenschaft. Professor Dr. v. Ficker für die Uniberfität Berlin und die deutsche Meteorologische Gesellschaft, Geheimrat Kohlschütter für die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft usw. Hergesell sprach tiefbewegt seinen Dank aus und nannte drei Aufgaben, die er noch gern lösen möchte, nämlich: Wissenschaft und Praxis, die teilweise noch eigene Wege gehe, zu vereinigen, Flugzeuge in die Stratosphäre bis 2o 000 Meter Höhe zu regelmäßigen wissenschaftlichen Versuchen zu treiben und den internationalen Wetterdienst weiter auszubauen. Toscanini nimmt Abschied von ter Oper. Toseanini, dessen Berliner. Gastspiel mit der Mailänder Skala sich zu einem beispiellosen Erfolg gestaltet hat, hat sich bereit erklärt, im Herbst wieder nach Berlin zu kommen. Da er aus dem Verbände der Skala ausscheidet und auf die Tättgkeit als Operndirigent verzichten will, wird er mit dem Orchester der N euhvrker Metropolitan-Oper in Berlin eine Reihe von Konzerten geben. In Bayreuth will Toscanini im nächsten Sommer den „Tristan" dirigieren. Es wird natürlich an Versuchen nicht fehlen, den einzigartigen Dirigenten von seiner Absicht abzubringen, aber Toscanini scheint zum Abschied von der Oper entschlossen zu sein. Aus aller Welt. Mißglückter Transozeanstart. Der Versuch des amerikanischen FlugzeugS „Green Flash", zu einem Transozeanflug nach Rom zu starten, ist mißglückt. Da« Flugzeug, das einschließlich des Brennstoffs zwei Tonnen wog, wollte gleichzeitig mit seinem französischen Rivalen „Gelber Vogel" aufsteigen. Als es bei feinem Startversuch etwa 400 Meter weit gerollt war, grub sich ein Rad tief in den Sand ein. Das Flugzeug neigte sich plötzlich zur Seite, und fast wäre ein Flügel abgebrochen, ehe es zum Halten gebracht werden konnte. Es hat jedoch keinen ernstlichen Schaden erlitten. Das französische Flugzeug kam glücklich vom Boden, mußte aber nach einem Fluge von 20 Minuten wegen eines Lecks im Benzintank wieder landen. Der Ozeansegler Müller in Miami. In Miami (Florida) ist ter Deutsche Paul Müller, ter in einem kleinen Segelboot den Ozean überquert hatte, mit seinem Boot nach siebentägiger gefahrvoller Reise von Havanna eingetragen. Berliner Börse. Berlin, 30. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Mitteilung, daß in Paris bis auf einige noch ungeklärte Punkte eine Einigung erzielt worden ist, hat natürlich eine sehr freundliche und bis jetzt sehr feste Tendenz hervorgerufen. Elektrowerte und Farben sind besonders lebhaft gefragt, das Geschäft ist wesentlich größer als gewöhnlich. Die Kurse liegen etwa 3 bis 6 Prozent über gestern mittag Schluß. A.E.G. 198, Dchuüert 252, Siemens 388, Farben 253. Am Devisenmarkt hörte man: London—Kabel 4,85. London—Madrid 34.40, London—Berlin 20.33 bis 20.50, Kabcl— Berlin 4.1925. Oie Wetterlage. 13 ve 3tmr LaComna flittv/och. ld.23.flai 1929,7" afrds. O wolkenlos. Oneuer, c» naio oeoecxt 9 woikiq. G oedeckt eiregHx V Sehnet a Graupeln, b Hebet K tlich größer alsgt< wa 3 Lis 6 Sproyrl 198, W" ! Qlm QeDilenW i, Londvn-M"^ M 2^, XM- lose. ? TM'ti & KM *•< >° K.K !% ■ÄS SS- on -nehl » It alsgren fljj ^«tter, treten K6,< «rei*^ KS K-" Pneumatische Tabakauflockerung Vollkommene Herstellung Zuverlässige Konservierung in der Originalschachtel! Ova-Cigaretten sind wertvoll, es lohnt sich, sie gut zu behandeln! 1/ 5#S***# r’ Wertvolle echte Mischung MWML -• '2GW to? ii/nmiß •ör Katharine Klingelhöfer geb. Löber <81 iD Gießen (Crednerstraße 10), den 30 Mai 1929. 03350 >3416 Vermietungen Danksagung. W!aM Familie Otto und Döll gut geformt und gebrannt, gibt billig ab C. Rübsamen, Fernsprecher 1659 PHOTO Gießen, Hamburg, Treis a. d. Lda., den 30. 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Mai, von H Uhr ab 39491) Ileischverlaus. iföh Nr. 124 Zweites Statt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 30. Mai 1929 ,j,D 1‘hdtUt “d Pti|iistne6. ßefieben werk. ?° Private uni 'eben und Um. /, Zentner 20 Mk. WNadilkse, tuet S’|t ntner 10*/, «ntner 159, :r 20°/. •iGiefaen Ü nut, gibt billig ib IWAW ÖHHWj in der bießjöbrifla durchaus tücbtiac 47181 W tSrohbulldogger It LodnlordttUM enden des Vereine freunde beH-J» eonmafl fl"L Bukowina. ?L tag, Je.n 3qHi Kt 20.15 Uvb .au ^ siS*Ä ?%»■’ 81M »«oUetiwrtii! teW Muni OtWHI W-W Tel, NS», «-t ^Verschiedenes) H ei rat Gastwirt Ogahre 6U,w.nitt ulemlLbsrntirrunl infteMb.«««««» udn pqü Jfbcn.'/ iabxüti e»r'W «na-dote uni.031 bfnjWnJJlJ! Wäsche . Laichen, ttej ndAuebeiiewM oll Jedermann ist bei Schampe zu Besuch. In Berlin. „Sieh da", sagt Schampe, als sie über die Friedrichstraße gehen, „das da ist Professor Einzu rasch. Richtig ist aber, daß Genossenschaftswesen als Grundvoraussetzung Nüchternheit und volkswirtschaftliche Einsicht bedingt. Auf der andern Seite kann ich Die häufigen Einwände gegen die Ausbreitung der Genossenschaftsidee nicht als berechtigt anerkennen. Ich bin der Meinung, daft sich mit der Nüchternheit, volkswirtschaftlichen Einsicht und Liebersicht paaren muß ein gut Stück Begeisterung für den wirtschaftlichen. für den nationalen und für den sittlich-religiösen Gedanken, der im Genossenschaftswesen liegt. Wenn heute große Unternehmen erklären, sie könnten sich im Weltwirtschaftskampf und im inneren deutschen Wirtschaftskampf nur durch Zusammenschluß behaupten, wie kann dann der kleinste Produzent, der Bauer, bestehen, wenn er allein auf sich gestellt ist und sich nicht mit anderen zu gemeinsamem Ein- und Berkaus zusammenschließt? Ich weiß, daß berechtigte wirtschaftliche Interessen anderer Stände sich zur Zeit dadurch verletzt fühlen, dah die Genossenschaftsbewegung so stark vorandrängt. Ich glaube aber, dah bei einer Durchorganisierung unserer Bauernschaft mit Genossenschaften die wenigen Teile der Volkswirtschaft, die heute mit Besorgnis dieser Entwicklung entgegensehen, auch ihren berechtigten Platz in Warenverkehr und -Verteilung bekommen und behalten. In den Genossenschaften hat aber der Bauer auch eine Llrzelle seiner nationalen Verbundenheit, die sich dann leicht einfügen läßt in die großen Verbände des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit. Was aber das Wichtigste ist, es muß dahin kommen, daß der Bauer im Bauern nicht seinen Gegner, seinen der Gefühlswelt, den treffenden Ausdruck zu finden. Die echte Weihe erhält ein Kunstwerk erst durch die Liebe des Künstlers, dadurch, dah der Künstler das, was er zu sagen hat, auch mit ganzem Herzen sagt. Seine Seele muß in' dem Kunstwerk schwingen. Nur dann kann es die Seele des Zuschauers gleichfalls zum Vibrieren bringen. Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers zu seinem Werk, die wiederum der Teilnahme des Künstlers an den Gefühlen der Menschheit entspringt, bildet das Rückgrat einer jeden Kunst. Diese menschheitfördernde Arbeit des Künstlers, der sich zur Erfüllung feiner Mission nicht von der Welt abschließen und egoistisch dahinleben darf, sondern an ihren Nöten und Freuden teilnehmen muß. vermag ihn selbst ungeheuer zu erheben. Kunst ist lebenssteigernd in doppeltem Sinne: für den Künstler und den Genießer. Denn jede Kunst ist angewandte Kunst, sie schwebt nicht im luftleeren Raum; das Kunstwerk verlangt auch den rezipierenden Menschen. Die eine Seite einer jeden Kunstschöpfung ist für den Künstler im Hinblick auf die Formung seines schöpferischen Willens von Bedeutung. Die andere nicht minder wichtige Seite geht auf die Erweckung des Echos zum Zuschauer aus. Es ist das letzte Geheimnis schövferischer Kunst, beide Teile aufs innigste zu befriedigen. Der diesjährige Verbandstag der hessischen Landwirtschaftlichen Genossenschaften wurde dieser Tage in Darmstadt abgehalten. Er war aus allen Teilen des Londes so zahlreich besucht, daß der Saalbau kaum die Delegierten zu fassen vermochte. Verbandspräsident Dill, Ostheim, eröffnete die Tagung mit einem kurzen Lieberblick über das Iahr 1928, das wohl eine normale Ernte, aber nicht die erhoffte Beseitigung der unerträglichen Not der Landwirtschaft gebracht Hobe. Die Bemühungen der Reichsregierung und der Landesregierungen müßten anerkannt werden, doch sei ohne einen angemessenen Zollschutz und die genossenschaftliche Hilfe die Erhaltung eines freien und selbstverantwortlichen Bauernstandes unmöglich. Er begrüßte dann die Ehrengäste, unter ihnen auch den hessischen Wirtschaftsminister So« teil mit den Herren der Landwirtschoftsabtei- lung seines Ministeriums, die Vertreter der Landwirtschaftskammer, des Reichsverbandes der deutschen Genossenschaften, die Vertreter von Reichsbank, Preußenkasse, Hessischer Landesbank, der Hessischen Landwirtschaftsämter, Landtagsabgeordnete und Vertreter der befreundeten Genossenschaften. Hierauf nahm Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er u. a. sagte: Die landwirtschaftlichen Genossenschaften hoben im letzten Iahr, namentlich in Rheinhessen, einen ansehnlichen Aufschwung genommen. Ich teile nicht die Auffassung, diese Entwicklung sei zu stürmisch, volkswirtschaftlich derne Film jedoch noch nicht auf dem richtigen Wege. Auch heute beschränkt er sich darauf, die älteren oder modernen literarischen Werke zu verarbeiten und nicht selbst Neues zu schaffen. Dabei ist das filmische Dühnenspiel eine eigene Kunstgattung. Man kann nicht einfach das Drama des Theaters ins Bildhafte übertragen; ein solches Verfahren muß notwendigerweise oberflächliche Filme von mangelhafter Publikumswirkung hervorbringen. Unsere Filmhersteller verstehen die hohe Technik des Films gut zu handhaben, aber sie haben alle Möglichkeiten noch bei weitem nicht ausgeschöpft; sie machen sich die Herstellung von Filmen viel zu leicht, und aus Mangel an Unternehmungslust oder weil sie um ihr Geld fürchten, fahren sie fort, dem Publikum Filme vorzusehen, die nach altem Muster gedreht sind. Die Filmkunst hat noch eine große Zukunft. Sie liegt meines Erachtens in der Darstellung des Phantastischen, Seelenvollen. Mein neuer Film, den ich bald der Oeffentlichkeit zeigen werde, wird, hoffe ich, dem Publikum gefallen. Von den modernen filmtechnischen Erfindungen lehne ich den Sprechfilm ab, dagegen erscheinen mir im Ton- und Klangfilm bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten zu liegen. Meine filmischen und besonders natürlich meine literarischen Arbeiten bereiten mir viel Freude. Die Vorfreude auf die Vollendung eines Werkes ist an sich schon eine Freude, schafft sie doch die Begeisterung, ohne die der Mensch und vor allem der Dichter nicht auskommen kann. Das eigentliche Wesen eines Kunstwerkes liegt in seiner erhabenen und läuternden Wirkung; eine solche Wirkung kann es nur ausüben, wenn es selbst in weihevoller Stimmung geschaffen wurde. Wir können — um von meiner Kunstart zu sprechen — von einem literarischen Kunstwerk nur dann reden, wenn es dem Dichter gelingt, etwas Großes. Erhebendes und menschlich Wertvolles in schöner Form vorzubringen. Damit der Dichter aber weih, was er sagen soll, muh er von überhöhter Stelle seine Zeit betrachten. Er muh wissen, was der Menschheit an tiefen und feinen Gedanken noch unbekannt ist. Er muh Fingerspitzengefühl haben und darf nur von würdigen Themen schreiben und nicht über Fragen, die nebensächlich sind, oder gar über Dinge, über die man lieber schweigen sollte. Er muh endlich das, was er zu sagen hat, in edler und reiner Sprache Vorbringen, er muh also ein wirklicher Sprachkünstler sein, und er muß es verstehen, für alle Vorgänge, insbesondere solche nien, in denen es Husseins Söhne Feissal und Abdullah installierte — auch zu einer politischen Gegnerschaft gemacht. Der religiöse Gegensatz zwischen Nedschd und Hedschas beruht darauf, dah der Wahabismus in den Pilgergebräuchen in Mekka und Medina etwas Heidnisches seit jeher erblickte. Aber Ibn-Saud lieferte einen sinnfälligen Beweis staatsmännischer Klugheit, als ec nach der Eroberung von Hedschas beim siegreichen Einzug in Mekka (am 5. Dezember 1924) seinen Kriegern verbot, die dortigen Heiligtümer zu zerstören, und dadurch seinen Zusammenhang mit der ganzen Islamwelt draußen wahrte. Ende 1925 folgte dann die Eroberung von M e b i n a und Djddah — Ibn-Saud ist damit zu dem mächtigsten Herrscher Arabiens geworden, zu einem Mann, dessen Autorität heute auf nun bald dreißigjähriger erfolgreicher Tätigkeit beruht. Das englische Schachspiel hat sich hier selbst einen gefährlichen Gegner großgezogen. Gewiß, dieses Spiel hatte den Erfolg, dah es durch die Schaffung der beiden erwähnten Mandatsgebiete auch die panarabischen Ideen des eigentlichen Schützlings Englands, Husseins selbst, durchkreuzte. Aber wie Ibn-Saud diesen Schachzug seinerseits empfindet, das zeigen uns seine Worte, die uns Ameen Rihani, ein Amerikaner syrischer Abstammung, der 1922 Ibn-Saud besuchte, in feinem Buche „Ibn-Saud of Arabia" mitteilt: „Die Engländer spinnen Netze, um mich einzufangen. Sie haben mich mit Feinden umgeben und neue Staaten aufgerichtet, die sie gegen mich unterstützen." Diese Spannung bleibt auch weiter bestehen, und darüber darf auch der „Freundfchaftsvertrag" zwischen Ibn-Saud und England, der am 20. Mai 1927 in Djddah abgeschlossen wurde, nicht Hinwegtäuschen. Denn der Gegensatz hat auch sehr greifbare Objekte: den Streit um die Strecke der Pilgerbahn, die über Transjordanisches Gebiet läuft, und den von Nedschd aus nach den Nachbargebieten ausströmenden politischen Einfluh des Wahabismus oder richtiger des Ikwan-Ordens (siehe oben). Die Weiterentwicklung dieser Dinge zu verfolgen, ist von höchstem politischen Interesse. Der Dichter sagt seine Meinung. Von Luigi pirandetto. Der italienische Dichter, der augenblicklich zur Verfilmung seines Bühnenstückes „Sccbs Personen suchen einen Autor" in Berlin weilt, hat einen unserer Berliner Vertreter zu einem Interview empfangen. Des Dichters Arbeit ist so vielgestaltig und die Veranlagung der einzelnen Dichter-Persönlich- leiten so unterschiedlich, daß die literarischen Schöpfungsmcthoden sehr voneinander abweichen. Diele Schriftsteller erleiden aufreibende Ansangs- qualen, sie krankSn an der Verlegenheit der sich überstürzenden Gedanken. Sie haben daher ihre eigenen Systeme, um die ihnen entgegentretenden Hemmungen zu überwinden. Wir wissen von Schiller, dah er zu erfolgreicher geistiger Arbeit an faulen Aepfeln roch, seine Nacheiferer^bedienen sich anderer Techniken, die oft so verschieden voneinander sind wie die Menschen selbst und ihre Begabung. Ich kenne derartige Hemmungen nicht. Obwohl ich mich immer nur mit einer bestimmten Arbeit beschäftige, gehen mir stets verschiedene Spiels im Kopfe herum. Manchmal trage ich einen Stoff ein halbes Iahr und noch länger mit mir herum: er gewinnt dann immer mehr in der Gestaltung, bis er mich endlich dazu zwingt, mich an den Schreibtisch zu setzen, um ihn niederzuschreiben. Die Niederschrift selbst dauert nur wenige Wochen, ich bin also wohl, was man gemeinhin'einen schnellen Arbeiter nennt. Zurzeit habe ich eine Lazaruskomödie vollendet. Außerdem ein Bühnenstück, das sich „Stegreiftheater" betitelt. Ich habe ferner einen Roman in Bearbeitung, in dem ich das Erlebnis des ersten Menschenpaares, Adam und Eva, schildere. Dem Geschmack unserer modernen Literatur entsprechend behandle ich das Thema rein menschlich, stelle diese beiden Personen also ohne Heiligenschein dar. Heute treten die subjektiven Gefühle des Dichters mehr in den Hintergrund zugunsten dcs Anschaulichen, Unmittelbaren. Daneben widme ich mich film-literarischen Studien, die mich sehr interessieren und bei denen ich durch hervorragende Mitarbeiter unterstützt werde. Ich bin davon überzeugt, dah die Lichtbildkunst eine große Zukunft hat. Meiner Meinung nach ist der mo- Jedermann ist nicht totzukriegen. Von Hans JRiebau. Federmann spielt Skat. Erster Preis: Eine Gans. Federmann will die Gans gewinnen. Er mogelt, mogelt und mogelt. Aber es hilft alles nichts. Mücke hat einen klotzigen Grand in der Hand. Die Gans ist sein. Da haut Federmann mit der Faust auf den Tisch. „Das vpiel gilt nicht", sagt er. „Warum nicht?" fragt Mücke. „Es ist gemogelt worden." „Wer hat gemogelt?" fährt Mücke hoch. „Wer gemogelt hat?" sagt Federmann, „ich!" hüllt wurde: während das Foreign Office Ibn- Saud jährlich eine Subvention von 60 OOO Pfund zahlt, unterstützt es nicht nur in der gleichen Weise seinen alten Feind Hussin in Mekka, sondern läht diesen bei seinen provozierenden Angriffen auf Ibn-Sauds Gebiet freie Hand und hält auch den Stamm der Adschman im Nordosten von Nedschd nicht von Feindseligkeiten gegen Ibn-Saud zurück. „Eine Politik der Ignoranz und der Voreingenommenheit" nennt Philby dieses Verhalten Englands. Philbhs Bemühungen, Ibn-Saud mit Hussein auszusöhnen, waren unter diesen Umständen natürlich gescheitert, aber eins gelang ihm dennoch: Ibn-Saud zu einem neuen Feldzug gegen Ibn-Raschid zu bewegen. Doch dieser „Krieg" verwandelte sich in einen gewöhnlichen Beutezug von Beduinen, in dem die Wahabiten Ibn- Sauds Tausende von Schafen und Kamelen eroberten und nach Hause zurückkehrten. Hier erwartete Ibn-Saud die Nachricht, daß England ihm alle Unterstützungen entziehe. Unverrichteter Dinge muhte Philby Nedschd verlassen. Ibn-Saud entlieh ihn mit den Worten: Bisher versuchte ich meine Untertanen zu überzeugen, dah die britische Freundschaft ihnen schliehlich doch zum Vorteil gereichen würde. Aber wer will euch nach allem, was geschehen, noch trauen?" Man kann diese Worte wohl als einen Wendepunkt in der inneren Entwicklung wie in der äußeren Politik Ibn-Sauds betrachten: von nun an beginnt seine Politik seinen eigenen Zwecken zu dienen. Im Frühling 1919 rückt er gegen Hussein vor, besiegt ihn (am 25. Mai 1919) bei Tarabeh — aber wird an der Ausnutzung dieses Sieges durch die Intervention Englands gehindert ... Zwei Iahre später unternimmt er zum drittenmal — diesmal aber nicht England zuliebe, sondern um die eigene Macht zu erweitern — einen Feldzug gegen Ibn -> Ra - schid, besiegt ihn und zieht im Herbst 1921 in Hail ein. Die Festigung seiner Herrschaft in Inner- Arabien erlaubt ihm aber, sich zu einem entscheidenden Schlag gegen den Urfeind Hussein in Mekka vorzubereiten. Diese .Feindschaft, die auf religiösen und dynastischen Gründen beruhte, hat England inzwischen — durch die Schaffung der Mandatsgebiete Irak und Transjorda- Zbn Saud. Jum deutsch-arabischen Vertrag. Von E. Mukden. Die deutsche Außenpolitik zeigt in den letzten Wochen eine etwas gesteigerte Aktivität im nahen Orient. Am 17. d. M. wurde in Angora von dem türkischen Außenminister Tewfik Ruschdi Bey und dem deutschen Botschafter Nadolny ein „S ch i e d s- unö Vergleichsabkommen" unterzeichnet, das eine friedliche Regelung aller zwilchen Deutschland und der Türkei etwa auf- tauchenden Streitfragen vorsieht. Und zwei Wochen vorher kam ein Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Ibn-Saud, dem König von Nedschd und Hedschas. zustande, der gegenseitige diplomatische Vertretung, gegenseitiges Niederlassungsrecht und Meistbegünstigung im Handel zum Gegenstand hat. In diesen Verträgen kommt aber auch die immer größer werdende außenpolitische Selbständigkeit des Orients selbst zum Ausdruck. Ganz besonders gilt das (ebenso wie bei Afghanistan) in bezug auf die Politik Ibn-Sauds. Cs ist namentlich eine immer wachsende Unabhängigkeit von den Banden b r i t i i ch e r Vormundschaft. Gerade Ibn-Sauds Fall ist dafür ein lehrreiches und, angesichts der geographischen Lage Arabiens als Drücke zwischen dem nahen Orient und Indien, auch weltpolitisch wichtiges Beispiel. Eben angesichts dieser Lage gehen die Bemühungen Englands seit Beginn des Weltkrieges dahin, Arabien der Oberherrschaft der Türkei und dadurch mittelbar auch dem Einfluß Deutschlands zu entziehen. Der ehrgeizige. von panarabischen Ideen erfüllte Herrscher Mekkas. Hussein, erklärte schon im Iuni 1916 der Türkei den Krieg und wurde später völlig zum Werkzeug des „ungekrönten Königs Arabiens". des heute weltberühmten Lawrence. Der Aktion an der Westküste Arabiens entspricht eine andere von der Ostküste aus: Percy Cox. bet britische Resident am Persischen Golf (der heutige High-Commissionar Englands im Irak- Mandatgebiet) umwirbt Abdul-Asis III., alias Ibn-Saud. einen Nachkommen des Begründers des islamitischen Puritanismus, des Waha- bitentums, Abdel Wahab (1703—1791). Man muß schon dem englischen Spürsinn, allerdings nicht dem des Foreign Office, sondern der an Ort und Stelle arbeitenden britifchen Emisfionärc Pe- reh Cox und später Harry Philby recht geben : sie haben in Ibn-Saud frühzeitig diebedeute n d st e Persönlichkeit des heutigen Arabiens erkannt. Seine Vergangenheit freilich weist bereits eine Reihe kriegerischer wie staatsmännischer Erfolge auf: 1901 schon erobert er C'Riad, die Hauptstadt von Nedschd in Zentralarabien; rechtzeitig erkennt er seine innerpolitische Hauptaufgabe: unter den ihm unterstehenden, aber sich ewig befehdenden Teduinenstämmen Frieden zu stiften, und erfindet dafür ein erfolgreiches Mittel: die Gründung des Brüderfchaftsordens des Ikhwan; 1913 erobert er die Provinz El-Hasa -am Persischen Golf und kommt so in unmittelbare Berührung mit den Engländern. Die Werbung dieser letzteren um Ibn-Saud ist ursprünglich von Erfolg gekrönt. Ibn-Saud rückt schon Ende 1914 gegen Ibn-Raschid, den Emir von Djebel. den Herrscher des Reiches der Schammar (im Norden von Nedschd). der den Türken treu blieb, vor, ein mißlungener Feldzug der aber Ibn-Sauds Treue für England noch nicht erschütterte. Dieses Zusammenhalten ist vor allem das Werk zweier Engländer: Percy Cox', mit dem Ibn-Saud 1916 einen Freundschaftsvertrag schließt, dann besonders Harry Philby's, der 1917 an der Spitze einer englischen Gesandtschaft von einem Kriegsschiff in die Ducht des persischen Meerbusens gebracht wurde und der sich von hier aus nach E'Riad zu Ibn-Saud begab. Aber schon beginnt eine Duplizität der englischen Politik, ein Intrigenspiel, das selbst in der Geschichte der englischen Kolonialpolitik seinesgleichen sucht und uns von keinem anderen als Harry Philby selbst in seinem Werk über „Arabia of the Wahhabis" neuerdings ent- ~. ----------- - —— —--------------------------- Mischer iandwirischastlicher Geiwssenschastsiag Feind sieht, gegen den er zu kämpfen hat, sondern m i t dem er zu kämpfen hat. Der Minister verwies dann auf das Beispiel der dänischen Genossenschaften, denen er in nächster Zeit einen Studienbefuch abftatten werde und die vorbildlich für ganz Europa seien. Durch die Temperainents- und Charakterunterschiede der deutschen Stämme gehe die Entwicklung bei uns natürlich langsamer vor sich. Die Gcnosfenschaftsbewegung sei für den Bauernstand eine wirtschaftlich notwendige, national gesunde und sittlich wertvolle Einrichtung. Der Minister wünschte zum Schluß den Genossenschaftern für das neue Genossenschafts- jahr ein herzliches Glückauf. (Lebhafter Beifall.) Nach Worten des Vertreters der Preußenkasse. Direktor Schotte, der zur Vorsicht am Kreditmärkte dringend mahnte, ergriff Vcrbandsdirekwr Verg das Wort zum Jahresbericht, aus dem mir u.a. wiedergeben: Die LandwirtsäM krankt an zwei liebeln. Das eine ist akuter Natur, das sind die Mißernten, das andere liebel ist chronisch geworden, das ist der Wettbewerb der Landwirtschaft mit beßeren Böden, längerem Sommer, billigerer Arbeitskraft und besseren Absatzmethoden, sowie der Verlust der baren Betriebsreserven durch die Inflation, die drückenden Steuer- und Zinslasten und die unverhältnismäßig hohen Lohne. Weder dem einen noch dem anderen Nebel kann durch Kredit abgeholfen werden. Auch mit den Schlagwörtern „Standardisierung" und „Dienst am Kunden" ist der Landwirtschaft nicht gedient. Die Absatz- frage ist ein nicht unwesentliches Mittel, aber die Voraussetzungen für ihre Auswirkling müssen nicht zuletzt durch staatliche Maßnahmen geschaffen werden. Aus dem N o t p r o g r a in m der Landwirtschaft sind bedeutungsvolle Ausgaben für die genossenschaftliche Organisation erwachsen. Diese wurden in dieser Richtung unterstützt durch die zuständigen Reichsstellen und die Landesregierung. DieUmschuldunqs- a 11 i o n hat in Hessen nicht den gewünschte n Erfolg gebracht. Die Gesundung der finam zielten Lage muß von innen heraus kommen durch eigene Kapitalbildung. Eine Einheitsorganisation in jedem Lande, ein Verband, eine Zentralkasse, und eine Zentralgenossenschaft ist unbedingt anzustreben. Don den 40 369 ländlichen Genossenschaften im Deutschen Reiche sind 26 170, also 64,7 v. H. im Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften vereinigt. Don diesen 26 170 entfallen 12 924, das sind 49 v. S)., auf die Spar- und Darlehnskafsen. Hessen hat 445 Kreditgenossenschaften, das sind 42.5 Proz. des Gefamtbestandes. Die übrigen Genofsenschaftsgrupven nehmen im Gegensatz zum Reichsdurchschnitt einen größeren Teil, und Atoar 54,5 Proz. des Gefamtbestandes. in Anspruch. Allerdings sind die Kreditgenofsen- schaften als örtliche Geldausgleichstellen und Kreditgeber die Kerntruppe der Gesamtorgani- sation. Die Entwicklung der Kreoit- genossenschaften ist als besonders erfreulich zu bezeichnen, da sie jetzt schon über 57,3 Prozent des Vorkriegsbestandes an Spareinlagen und über 59.6 Prozent des Vorkriegsstandes an laufenden Rechnungseinlagen verfügen. Auch die Reserven betragen bereits 57.4 Prozent des Vorkriegsstandes. Der starke Zugang an Spareinlagen wurde fast restlos für Kredite an Mitglieder verwendet. Die gebotenen Zinssätze sind als günstig zu bezeichnen. Die LI m s ä h e der Bezugs- und Absahgenossen- schaften haben sich auf mindestens der gleichen Höhe tote im Vorjahre gehalten. Das finanzielle Erträgnis war beschränkt durch die scharfe Konkurrenz und die Absicht, die Mitglieder möglichst preisgünstig zu bedienen. Die Drcfchgcnos- f e n s ch a f t e n fanden angesichts der guten Ernte reiche Detätigungsmöglichkeit, das gleiche gilt auch für die Winzergenossenschaften. Die Milch a.bfahorganisation wurde in allen drei Provinzen stark vorwärts getrieben. Die neugegründete Südwestdeutsche Molkereizentrale e. G. m. b. H. Darmstadt hat die Aufgabe, in Verbindung mit den übrigen vier gleichartigen Zentralen des Reiches für die deutsche stein; der fährt morgen nach Rio de Ianeiro, um dort Vorträge zu halten." „Wer ist das?" fragt Federmann. „Einstein", sagt Schampe, „der Mann mit der Relativitätstheorie." „Mit was?" „Mit. der Relativitätstheorie. Weiht du nicht, was relativ ist?" „Nein." sagt Jedermann. „Also hör' mal zu," erklärt Schampe. „Die Zeit ist relativ. Wenn wir z. D. gemütlich in unterer Stammkneipe sitzen, dann sind zwei Stunden schnell herum, nicht wahr?" Jedermann nickt. „Wenn du aber zwei Stunden beim Zahnarzt warten muht und hast Schmerzen, dann ist das eine Ewigkeit. Hast du verstanden?" „Aha," sagt Jedermann, „jawohl. Aber deshalb fährt der Einstein nach Rio de Ianeiro?" „Au." schreit Mücke, fährt mit der Hand zum Mund und fängt an zu spucken. „Was ist denn los?" fragt Jedermann. „Ich habe die Zigarre mit dem falschen Ende in den Mund gesteckt." „Das ist unangenehm," sagt Jedermann. „Nur gut, dah du es gleich gemerkt hast." Jedermann ist im Frühjahr in Venedig gewesen. „Wie war's denn?" fragt jemand. „Schwindel." sagt Jedermann, „ich bin sofort wieder abgereist. Die meisten Straften waren überschwemmt." Federmann ist bei Horniebel zu Besuch. Geht auf die Iagd. Im Lodenanzug, die Büchse über der Schulter, Patronentasche gefüllt, Hektor und Nero, die Hunde, an der Leine. Von neun bis halb zehn knallt es im Walde, ilm zehn Llhr kommt Federmann zurück. „Nanu?" fragt Horniebel, „willst du neue Patronen holen?" „Nein," sagt Jedermann, „neue Hunde." Hochschulnachrichten. Der hessische Kultusminister hat den Münchener Kunstmaler Dr. Iosef P l e n k als aufterordent- lichen Professor für Zeichnen und Malen an die Technische Hochschule in Darmstadt berufen, Molkereiproduktion wieder den Markt zu erobern. Die Ob st- und Gemüfeverwer- tungs Genossenschaften haben auch im Berichtsjahre tatkräftig weitergearbeitet und den Landwirten nicht unerhebliche finanzielle Vorteile geboten. Auch die Entwicklung der Baugenossenschaften und der sonstigen dem Verband angeschlossenen Genossenschaften ist durchaus befriedigend. Wenn auch die Genossenschaftsarbeit in erheblichem Matze dazu beigetragen hat, die Lage der Landwirtschaft erträglicher zu gestalten, so sind doch dieser Tätigkeit gewisse Grenzen gesetzt. Wenn an den gesunden geschäftlichen und genossenschaftlichen Grundsätzen festgehalten wird, dann kann auch das Genossenschaftswesen in der Zukunft Ersprießliches leisten. Die Aussprache. Generalanwalt Reg.-Rat G e n n e s, Berlin, vom Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften stellte fest, datz man unbedingt zu einer Einheitsorganisation der Landwirtschaft, sowie des Genossenschaftswesens kommen müsse. Es mühten Garantien gegeben werden, datz eine reibungslose Zusammenarbeit auch in den Provinzen und Ländern stattfinde, wo die Hauptkristallisationspunkte liegen. Steuernagel, Alsfeld, protestierte dagegen, datz Oberhessen etwa bei der Vereinheitlichung dem Raiffeisenverband zugeschlagen werde (lebhafter Beifall). Oberhessen wolle unbedingt bei der hessischen Organisation verbleiben, die der Ausgangspunkt des ländlichen Genossenschaftswesens überhaupt war. Oberhessen habe keine Veranlassung, eine gutfundierte und gesunde Genossenschaftsorganisation zu verlassen. Fritsch, Dilshausen, berichtete über seine Feststellungen am Frankfurter Viehmarkt und empfiehlt, den Viehbezug erst nach dem Ausbau des Viehabfahes zu intensivieren. D o t t w e i l e r, Laubenheim, wies auf die starke Belastung der Genossenschaften durch die Gewerbesteuer hin und bat den Verband um Ergreifung entsprechender Maßnahmen. Desgleichen betonte Appel, Budenheim, die erhebliche Mehrbelastung der Bezugs- und Ab- sahgenossenschaften durch den 50proz. Abzug der Schulden bei der Gewerbesteuer. Verbandsdirektor Berg erwiderte, daß in Hessen noch keine Verhandlungen mit Raiffeisen gepflogen wurden. Die Lösung der Frage erscheine ihm nicht schwierig. Da der hessische Verband über die weitaus .größere Zahl von Genossenschaften verfüge, als Raiffeisen, müsse er nach den Richtlinien zur Aufnahmeorganisation werden. Die Uebernahme finanzieller Lasten dürfte hiermit jedoch nicht verbunden sein. Generalsekretär Dr. Strub bestätigte die starke Mehrbelastung durch die Neuregelung der Gewerbesteuer. Die Kreditgenossenschaften seien als Sparkassen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, anzusehen und deshalb von der Gewerbesteuer freizu- stcllen. Wo eine Veranlagung erfolgt sei, müsse in jedem Einzelfall Einspruch erhoben werden. Eine Erleichterung könne nur durch Gesetzesänderung geschaffen werden. Hierzu ruft er die Hilfe der politischen Parteien an. Nach einem Vortrag von Prof. Dr. Gerlofs '(Frankfurt a. M.) über „Finanzpolitische Gegenwartsfragen", der lebhaften Beifall der Zuhörer fand, wurden Jahresrechnung und Bilanz, sowie die Entlastung des Vorstandsdirektors und des engeren Ausschusses einstimmig genehmigt. Mit einem Appell des Verbandspräsidenten Bill, im bewährten Genossenschaftsgeist weiterzuarbeiten, fand die Tagung ihr Ende. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. Mai 1929. Das Grammophon. Ein prächtiger, wunderschöner Sommer-Sonntag. Groß und klein, in bunten Farben, wanderte hinaus. Die Häuser leerten sich, auf den Straßen wurde es still. Aur drüben im Rachbarhaus setzte plötzlich Musik ein. Das Fenster war geöffnet, das Grammophon spielte einen alten, vergessenen Militärmarsch. Ich wußte Bescheid. Die „Jungen" waren ausgeflogen, und der alte Herr war allein zu Hause. Er hatte einen bösen Winter hinter sich und lange Zeit vor dem dunklen Tor gestanden, aber noch einmal ging der Todesengel vorbei. Run sah er drüben in seinem Großvaterstuhl und ließ seine Lieblingsplatten abrollen. Lange Zeit war das Grammophon stumm gewesen, wenigstens hatte ich es nicht gehört. Es gab ja Leute in unserer Straße, die sich öfters über den Lärm beschwerten, den dev „Musikkasten" machte. Ich muß offen gestehen, mich hat es nie gestört, selbst nicht im vorigen Sommer, als der alte Herr noch im Garten arbeitete, das Grammophon aber in der Laube stehen hatte und von Zeit zu Zeit ein Stück spielen lieh, meistens Märsche. Das war für ihn die Erholung. Auch sah ich mit Vergnügen zu, wenn die Jugend auf dem Rasen nach den Klängen der neuesten Schlager tanzte. Also, wie gesagt, mich hat das nie gestört. Diel mehr macht mir ein Fräulein zu schaffen, das über uns wohnt und täglich mehrere Stunden Klavier übt. Dann muh ich oft die Flucht ergreifen. Ich kann der jungen Dame doch nicht ein Rezept schicken, wie einst ein viel beschäftigter Arzt tat. Es war während des Krieges. Der Arzt kam müde und abgearbeitet nach Hause und wurde durch die -Hebungen einer Klavierspielerin stark belästigt. Er schrieb deshalb, in augenblicklicher Ermangelung eines Briefbogens, auf ein Rezeptformular sehr höflich die Ditte, das Klavierspiel doch um zehn Hhr abends zu beenden. Die Klavierspielerin konnte das Schreiben nicht entziffern, denn es war alles eher, als lesbar. Aber ihr Bruder, der Primaner, nahm das „Rezept", ging damit auf die Drotkartenausgabe und erwirkte sich eine Zusatzkarte, auf Grund der ärztlichen Verordnung! — Heute, an dem schönen Sommer-Sonntag, hat mir das Grammophon drüben im Haus doppelte Freude bereitet; denn der alte Herr blieb nicht lange allein. Sein Rachbar, mit dem er sich einst überworfen hatte, kam zu ihm ins Zimmer. Auch er war ein begeisterter Liebhaber von Militär- märschen. Das Grammophon war eines Tages Friedensvermittler geworden, die beiden hatten sich wieder in Freundschaft die Hände gereicht. Sobald die junge Familie nicht anwesend war und der alte Herr das Grammophon spielen lief), erschien der Rachbar. Uni) dann süßen sie da und — schwiegen wohl. Es war ein rührendes Bild. In gemeinsamer Erinnerung an die vergangenen Zeilen versanken der harte Winter, die schlimmen Tage. Es war wieder Sommer geworden, und die Sonne schien wieder warm. Die schöne Lockerung der Wohnungszwangswirtschast in Hessen. Don der bestehenden Wohnungszwangswirtschaft werden in stets widerruflicher Weise befreit: A. Auf dem Gebiete des Wohnungsmangels: I. Sogenannte teuere Wohnungen, d. h. solche mit einer Jahresfriedensmiete von über 2000 Mk. in der Stadt Mainz, von über 1800 Mk. in den übrigen Orten der Ortsklasse A der Reichsbesoldungsordnung, von über 1200 Mk. in den Orten der Ortsklasse B der Reichsbesoldungsordnung, von über 800 Mk. in den Orten der Ortsklasse C der Reichsbesoldungsordnung, von über 500 Mk. in den Orten der Ortsklasse D der Reichsbesoldungsordnung, II. Antermietverhältnisse, soweit es sich nicht ausschließlich um Wohnräume handelt, in denen der Untermieter eine eigene Wirtschaft oder Haushaltung führt. III. Gewerbliche Räume jeglicher Art. Auf die unter I—III bezeichneten Räume finden die Dorschriften des Reichswohnunasmangel- gesehes mit Ausnahme der §§ 2, 8 und 17 Rr. 1 sowie der hessischen Wohnungsmangelverordnung vom 1. Oktober 1924 mit Ausnahme der Artikel 2, 20 und 30 keine Anwendung; jedoch ist im Falle des § 8 des Reichswohnungsmangel- gesehes (Artikel 20 der hessischen Wohnungsmangelverordnung) die Genehmigung der Gemeindebehörden nicht erforderlich. B. Auf dem Gebiete des Mieterschutzes. ‘ J. Sogenannte teuere Wohnungen, d. h. solche mit einer Jahresfriedensmiete von über 2000 Mk. in der Stadt Mainz, von über 1800 Mk. in den übrigen Orten der Ortsklasse A der Reichsbesoldungsordnung, von über 1200 Mk. in den Orten der Ortsklasse B der Reichsbesoldungsordnung, von über 800 Mk. in den Orten der Ortsklasse C der Reichsbesoldungsordnung, von über 500 Mk. in den Orten der Ortsklasse D der Reichsbesoldungsordnung, II. Antermietverhältnisse, soweit es sich nicht ausschließlich um Wohnräume handelt, in denen der Untermieter eine eigene Wirtschaft oder Haushaltung führt. HL Sogenannte teuere Geschäftsräume, d. h. solche mit einer Jahresfriedensmiete von über 4800 Mk. in Ortsklasse A der Reichsbesoldungsordnung, von über 3600 Mk. in Ortsklasse B der Reichsbesoldungsordnung, von über 2400 Mk. in Ortsklasse C der Reichsbesoldungsordnung, von über 1800 Mk. in Ortsklasse D der Reichsbesoldungsordnung, Geschäftsräume, die Teile einer Wohnung bilden oder wegen ihres räumlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhangs mit Wohn- Räumen zugleich vermietet sind, fallen nicht unter die Befreiung. Auf die unter I—III bezeichneten Räume finden die Dorschriften der § 1—36 des Mieterschutz- gesehes keine Anwendung. C. Auf dem Gebiete des Reichsmieiengesetzeö. I. Sogenannte teuere Wohnungen, d. h. solche mit einer Jahresfriedensmiete von über 2000 Mk. in der Stadt Mainz, von Über 1800 Mk. in den Übrigen Orten der Ortsklasse A der Reichsbesoldungsordnung, von über 1200 Mk. in den Orten der Ortsklasse B der Reichsbesoldungsordnung, von über 800 Mk. in den Orten der Ortsklasse C der Reichsbesoldungsordnung, von über 500 Mk. in den Orten der Ortsklasse D der Reichsbesoldungsordnung, soweit nicht bereits eine Befreiung auf Grund des § 1 Abs. 1 Satz 4 des Reichs- mietengesehes eingetreten ist. II. Untermietberhältnisse, soweit es sich nicht ausschlietzlich um Wohnräume handelt, in denen der Untermieter eine eigene Wirtschaft oder Haushaltung führt. III. Geschäftsräume jeglicher Art, soweit sie nicht Teile einer Wohnung bilden oder wegen ihres räumlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhanges mit Wohnräumen zugleich mit diesen vermietet sind. Die Gchlußbestimmungen. In Artikel 2 der Verordnung wird gesagt, daß sich die Vorschriften BI und III, sowie CI und III, soweit nicht bereits durcb Paragraph 1, Absatz 1 Satz 4 des Reichsmietengesetzes etwas anderes oe- ftimmt ist sich nur auf solche Räume beziehen, die nach dem 31. Mn i 1929 freigeworden sind, oder frei werden und über die ein Mietvertrag auf mehr als zwei Jahre abgeschlossen wird. Frei werden heißt dabei durch Tod des Inhabers, Aufgabe der Wohnung, Auflösung des Mietverhältnisses durch die Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes, aber nicht im Falle des Tausches, wenn die Mieter in die beiderseitigen Mietverträge eintreten. In Artikel 3 wird bestimmt, daß einer Klage, mit der die Herausgabe eines nach Artikel BI von den Vorschriften der Paragraphen 1 bis 36 des Mieterschutzgesetzes befreiten Raumes verlangt wird, ein Schiedsverfahren vor dem Mieteinigungsamt vorauszugehen hat. In einer besonderen Verordnung des Ministers für Arbeit und Wirtschaft wird dieses Verfahren näher erörtert. Im Artikel 4 der Verordnung wird sodann die hessische Bekanntmachung vom 24. Dezember 1924 über die Freilassung von möblierten Zimmern vom Mieterschutz aufgehoben. Artikel 5 bestimmt schließlich, daß diese Verordnung mit Wirkung vom 1. Juli 19 2 9 in Kraft tritt. Jugendzeit war da und lebte den beiden Alten in der Militärmusik. Welche Bilder und welche Erlebnisse mochten an chrem geistigen Auge vorüberziehen! Don meinem Fenster aus sah ich sie sitzen und lauschen, nur von Zeit zur Zeit stand der eine auf und setzte eine neue Platte ein. Die Jugend zog hinaus in die freie Ratur, pflückte Blumen und freute sich. Die alten Herren feierten ihren Sommer-Sonntag im Zimmer, beim Klang der Musik. Wer will da ein hartes Urteil über das Grammophon aufrechterhalten? Mag es dem oder jenem Aerger bringen, den beiden Alten erschloß es den Sommer auf eine eigene Art. Konnten sie auch nicht mitwandern, so zog der Sonnenschein doch in chr Herz ein. Einsam in alten Tagen lächelt Erinnerung, einzelne Wellen schlagen, rauschen herauf wie Sagen: Herz, auch du warst jung! Große. D. Daten für Freitag, 31. Mai. Sonnenaufgang: 3.50 Llhr, Sonnenuntergang: 20.05 Uhr, Mondaufgang: 1.12 ilfjr, Monduntergang: 10.54 Uhr. 1750: Der preußische Staatsmann Karl August Freiherr v. Hardenberg in Essenroda geb. (gest. 1822). — 1773: Der Dichter Ludwig Tiek in Berlin geb. (gest. 1853). — 1809: Der Komponist Haydn in Wien gest. (geb. 1732). Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,00; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 20 bis 25; Rotkraut 20 bis 25; Spinat 15 bis 25; Römischkohl 25 bis 30; Spargel 40 bis 80; Erbsen (grüne) 50 bis 60; Tomaten 80 bis 1,20; Zwiebeln 20 bis 25; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 15 bis 20; Kartoffeln, alte 6, neue 25 bis 30; Aepsel, ausl., 40 bis 70; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 70 bis 80; Erdbeeren 1,50 bis 2,00; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1.30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Rüsse 70 bis 80; Tauben Stück 70 bis 90; Eier 12; Blumenkohl 70 bis 1,50; Salat 15 bis 30; Salatgurken 70 bis 1,20; Ober-Kohlrabi 25 bis 30; Lauch 10 bis 20; Rettich (neue) 20 bis 30; Sellerie 20 bis 1,00; gelbe Rüben (neue) Bund 20 bis 25; Radieschen 15 bis 20; Kartoffeln Zentner 5,50 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Stadttheater: „Großstadtluft", 19.30 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Weiberkrieg". ** Von unseren Anlagen. Die Gestaltung unserer städtischen Anlagen vor dem Stadttheater gibt auch in diesem Jahre allen Freunden guter und geschmackvoller Gartenbaukunst Anlaß zur Freude. Was dort mit gutem Verständnis und vieler Liebe zur Sache geschaffen wurde, ist voller Anerkennung wert. Leider muß man aber sagen, daß diese Stelle der einzige schöne Punkt unserer Anlagen ist. In sehr unerfreulichem Zustande befinden sich nämlich Die Rasenstücke zwischen dem Stadttheater und der Johanneskirche, ferner an der Ostanlage zwischen Neuen Baue und Moltkestraße, sowie die gesamte Nordanlage. Auf den größten Teil dieser Anlagenstrecken trifft es schon nicht mehr zu, wenn man von Rasenflächen spricht, viel richtiger wäre es, wenn man von Unkrautstücken inmitten der Anlagen spräche. Denn was sich dort breitmacht an Löwenzahn, Kälberkropf usw. ist wirklich nichts anderes als verwahrloste Wiese. Noch in verhältnismäßig naher Entfernung kann man nur schwer unterscheiden, ob man etwa 20 bis 30 Meter vor sich ein Blumenbeet sieht, oder ob es die Blüten der Unkräuter sind. Vereinzelt ist diese Verunkrautung schon so weit fortgeschritten, daß' man ernstlich für die Blumenanlagen fürchten muß. Jeder Freund eines schönen Stadtbildes in den Anlagen muß den gegenwärtigen Zustand als skandalös bezeichnen. Hier sollte doch endlich mit aller Kraft die Beseitigung des gegenwärtigen üblen Anblicks vorgenommen werden. Die Bürgerschaft ist gern bereit, die Geldmittel für Anlagenpflege zu bewilligen, sie erwartet aber mit Recht, daß ihr dafür nicht Unkrautäcker vor die Augen kommen. , ** Blitz gesahrl Bei heftigem Gewitter soll man sich im Inneren von Gebäuden fernhalten von Autzenmauern, Schornsteinen, Oefen, Metall- leitungen und größeren Metallmassen. Auch elektrischen Leitungen und sonstigen elektrischen Apparaten soll man möglichst nicht zu nahe kommen. Ein Versuch, zu telephonieren, ist gefährlich. Alleinstehende Gebäude ohne Blitzableiter und solche, in die der Blitz schon öfter eingeschlagen hat, soll man ebenfalls meiden. Fernhalten muß man sich ferner von hochgelegenen Punkten, alleinstehenden Bäumen, Türmen, Aussichtspunkten, Ufern, Waldrändern usw. Der Blitz bevorzugt Anhäufungen von Menschen oder Tieren. Eine besonders bevorzugte Baumgruppe ist nicht bekannt. Den einzig wirksamen Schutz bilden sachgemäß angelegte Blitzableiter, die um diese Zeit möglichst von Fachleuten nachzusehen sind. Radioantennen müssen selbstverständlich geerdet sein. Ein Abhören bei Gewitter verbietet sich von selbst. ** Personalien. Ernannt wurden: Dr. rer. poi. Dr. Erwin Lind aus Offenbach a. M. zum Direttor des hessischen Statistischen Amtes; die Kanzleigehilfen Hermann Hofmann in Gießen und Otto Mann in Alzey zu Kanzlisten bei dem Kreisamt Gießen. ** Seinen siebzigsten Geburtstag kann heute der Altrentner Heinrich Werner IV., Bahnhofstraße 27 wohnhaft, in voller körperlicher und geistiger Frische begehen. ** Die Sommerabonnementspreise des Stadttheaters haben, wie uns von der Intendanz mitgeteilt wird, eine 30- bis 50- prozentige Ermäßigung erfahren. Dieser Preisabbau erstreckt sich auch auf die Schau- und Lustspielvorstellungen, sowie auf eventuelle Gastspiele. Räheres über diese Verbilligung wird im Anzeigenteil unserer Samstagsausgabe be- kanntaegeben werden. ** Don einem Lastauto um gerannt. Ein schwerer Llnglücksfall ereignete sich gestern gegen 18 Uhr in der Frankfurter Straße. Dort wurde der von seinem Dienst heimkehrende, auf dem Fahrrad sitzende Cisenbahnschaffner S ch o r g c aus Großen-Linden von dem Anhänger eines aus der Stadt kommenden Frankfurter Lastautozuges angerannt und überfahren. Der Lastwagenzug wollte den auf der richtigen Straßenseite radelnden Mann überholen, wobei der Anhänger dem bedauernswerten Manne zu nahe kam, ihn zum Sturz brachte und überfuhr. Ein gerade vorüberfahrendes Personenauto verbrachte den Schwerverletzten nach der Chirurgischen Kll- nik. Sein Befinden war heute vormittag den Umständen entsprechend leidlich. ** Deutsche Meister - Fe st spiele in Bad-Nauheim. Die zweite Festveranstaltung, die dem größten deutschen Meister, Ludwig van Beethoven, gewidmet ist, findet am Sonntag, 2. Juni, nachmittags 5 Uyr, im großen Bühnensaal des Nauheimer Kurhauses statt. Das bedeutend verstärkte Kurorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Heinz Bongar tz wird die große Schicksalssinfonie (Nr. 5 C-Moll), sowie die Egmont- Ouvertüre spielen. Das Ereignis wird das Auftreten eines der bedeutendsten Beethooenspieler, Professor Frederic ß t>m o n b s aus Berlin, sein. Er wird Das 4. Klavierkonzert in 6-Dur spielen. Durch Einbau der Ventilationsanlage kann die kühle Luft in den Saal eingeführt und die Temperatur durch Umwälzung der Luft angenehm erhalten werden. Man beachte die heutige Anzeige. Oberheffen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 29. Mai. Die Fest« ordnung zu dem 75jährigen Jubelfest des hiesigen Posaunenchores, des ältesten in Hessen, liegt jetzt vor. Mit diesem Fest, das am 9. Juni stattfindet, ist das 2 4. Ver- bandsfest der Oberhessischen Posaune n ch ö r e verbunden. Der Hauptgottesdienst am Sonntagvormittag wird im Walde abgehalten, da unser kleines Kirchlein die vielen Festgäste nicht alle fassen kann. Die Predigten haben Pfarrer D ö m e l (Rodheim an der Bieber) und Missionar L a n g h o l f (Hermannsburg) übernommen. In der Feier am Rachmittag werden außer Missionar L a n g h o l f noch der hiesige Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, ferner Oberkirchenrat Wagner (Gießen), der Superintendent für Oberhessen, und Pfarrer Lenz (Gießen) Ansprachen halten. — Saasen, 29. Mai. Die G eneral-Der- sammlung der Spar- und Darlehns- k a s s e fand am Sonntag statt. An Stelle des bisherigen Rechners wurde der bisherige Direktor Heinrich Schmitt VIII. zum Rechner gewählt. An dessen Stelle wurde, da der bisherige Dorsitzende des Aufsichtsrates, Peter S ch e p p. auf Wiederwahl verzichtet hatte, Karl Schäfer Direktor. Zum Dorsitzenden des Aufsichtsrates wurde Bürgermeister Wilh. Schmitt gewählt. Die Reubesetzung der Aemter tritt am 1. Juni in Kraft. tz Wirberg, 29. Mai. Am Sonntag, 16. Juni, wollen die 6 0jährigen und die 5 0 j ä h r i - gen früheren Konfirmanden d«8 Kirchspieles Wirberg und die vor 40 Jahren hier und auf dem Deitsberg Konfirmierten eine Wiedersehensfeier halten. Dazu sollen die gleichaltrigen Gemeindeglieder eingeladen werden. Die Feier wird nachmittags um 1.30 Uhr in unserer Kirche gehalten; dabei wird ein besonderes Gedenken dem Heimgegangenen Konfirmator Pfarrer A h 1 h e i m , zuletzt in Münster, gewidmet werden. Es soll auch eine Restfeier auf dem Wirberg nach dem Gottesdienst stattfinden, in der alte Erinnerungen aufgefrischt und Erlebnisse erzählt werden sollen. Zur Feier sollen verschiedene Ehörc eingeladen werden. Cs liegen auch Anmeldungen auswärtiger früherer Konfirmanden vor. — Grünberg, 29. Mai. Die Pfingstkon- ferenz der Geistlichen des Dekanats Grünverg fand unter Leitung des Dekans S ch m i dt gestern hier im Hotel „Hirsch" statt. Pfarrer Wolf (Deckenbach- hielt die Eröffnungsandacht. Der Leiter teilte mit, daß der Superintendent verhindert sei, an der Konferenz teilzunehmen. Zunächst wurden geschäftliche Angelegenheiten behandelt. Der Vorttag wurde von Pfarrer G u h m a n n (Ober-Ohmen) gehalten über „Die Bibelstunde, ihre Gestaltung". Während in dem Vorttag auf der letzten Konferenz vom Referenten die Dibelstunde theorettsch behandelt worden war, waren es diesmal praktische Fragen, die naturgemäß auch eine lebhafte Aussprache veranlaßten. Dem Vortragenden wurde vom Dekan besonderer Dank der Konferenz für den fleißigen und instrukttven Vorttag ausgesprochen. Kreis Friedberg. 4 Bad-Rauheim, 28. Mai. Rudolf Goll, eines der beliebtesten Mitglieder des hiesigen Kurtheaters, der 25 Sommer über auf der Kurhausbühne erfolgreich tätig war, nahm jetzt Abschied von seinen zahlreichen hiesigen Freunden und Gönnern. Er spielte an seinem Jubiläums- und Abschiedsabend den Dr. Crusius in „Großstadtluft" von Blumenthal und Kadel- burg. Das zahlreiche Publikum zeichnete Rudolf Goll durch lebhaften Beifall und Blumengaben aus. Auch die Bad- und Kurverwaltung, die anläßlich des Abschieds dem Künstler ein herzlich gehaltenes Dankschreiben zugesandt hat, ließ ein Abschiedsgeschenk überreichen. Rudolf Goll sprach zum Schluß des Abends ein herzliches Abschiedswort an das Publikum. pb. Butzbach, 29. Mai. In der gesttigen Stadtratssihung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Dem Bankvorstand <5 ne II wurde der 465 Quadratmeter große Bauplatz in der Römerstrahe ausnahmsweise zum Preise von 3,50 Mark für den Quadratmeter abgegeben. Kosten von Verttag und Meßbrief trägt der Käufer. — Die vom Forstamt aufgestellten Wirtschaftspläne über den Stadtwald und den Hospitalstrauch des Armenfonds für Rj. 1930 wurden genehmigt. — Die für Rj. 1928 erhobenen vorläufigen Gemeindesteuern wurden durch die geleisteten Vorauszahlungen als abgegolten angesehen. — Wohnung s n e u b a u t e n, die im Kalenderjahre 1929 begonnen werden, bleiben für das zur Zeit der Fertigstellung lausende und für die nächstfolgenden fünf Rechnungsjahre auf Antrag frei von der Gemeinde-Grundsteuer (®e- bäubefteuer), entsprechendes gilt für den verhältnismäßigen Teil der Grundsteuer von solchen Reubauten, die nur zum Teil Wohnzwecken bienen. — Rach Mitteilung der Provinzialdirektion muh die Herstellung der Griedel er Straße anstatt mit einer Bitumendecke mit einer 6 bis 7 Zentimeter starken Teermakadan- decke erfolgen. Die entstehenden Mehrkosten in Höhe von etwa 2400 Mark wurden nachttäglich bewilligt.— Auf Beschluh des Bauausschusses soll die G o e t h e st r a h e, da sie als Entlastungs- strahe in Frage kommt, von 5 auf 8 Meter Breite festgesetzt werden. Der Stadtrat stimmte diesem Beschluh und der Aende- rung der Sttahen- und Baufluchtlinie zu. — Zur Linderung der dringendsten Wohnungsnot beschloß der Stadttat, für kinderreiche Familien in diesem Jahre ein Zwölf« familienhaus, bestehend aus zwei Vier- und zehn Dreizimmerwohnungen, mit einem Baukosten- betrag von 83 000 Mark zu erbauen. Dieser Betrag soll aufgebracht werden durch allgemeine Baudor- lehnsmittel mit 36 000 Mark, durch ein besonderes Darlehen von 24 000 Mark, beide verzinslich mit 2 o. S). und 1 v. S). Tilgung und durch Kapitalaufnahme in Höhe von 23 000 Mark Die Mieten sollen so festgesetzt werden, daß kein städtischer Zuschuß gleisten ist. Die Vergebung der Wohnungen er- gt durch den Bürgermeister nach Anhörung des ohnungsamts. — Für die untere Griedeler Straße vom Ostbahnhof bzw. der Großen Wen- delstraße bis zum sog. Storchncst wurde die Str a- ßen- und Baufluchtlinie nach dem Plan des Stadtbauamts mit der Abänderung festgesetzt, daß die Breite der Großen Wendelstraße 13 Meter betragen, und die Verbreiterung nach der Stadt zu vorgenommen werden soll. — Außerhalb der Tagesordnung wurde ein von der sozialdemokratischen Fraktion gestellter Antrag, bei der Stadtschule, ebenso wie bei der Weidig-Oberrealschule den durchgehenden Schulunterricht einzuführen, dem Schulvorstand zur Befürwortung bei dem Kreisschulamt überwiesen. Kreis Büdingen. A Nidda, 29. Mai. Die Maurer der beiden hiesigen Baugeschäfte von Hermann Drott und Adolf Lupp sind in den Streik getreten, weil eine Lohnerhöhung nicht bewilligt worden ist. Die Arbeiten an mehreren begonnenen Neubauten ruhen. Nur die Maurer zweier auswärtiger Firmen haben sich den Streikenden nicht angeschlossen und arbeiten weiter. Vermittlungen sind im Gange. Kreis Schotten. V" Gedern, 29. Mai. Am Montag fand hier die erste diesjährige Grasversteigerung statt. 3m Vergleich zum Vorjahre haben sich die Preise fast verdoppelt. Es wurden für einen halben Morgen 18 bis 23 Mark bezahlt. — Die prachtvolle Obstbaumblüte in unserer Gegend läßt eine gute Obsternte erhoffen, falls nicht etwa Witterungsschäden noch dazwischen kommen. Häufig kann man an den Bäumen allerdings die Räupchen der Gespinstmotte und des Apfelwicklers bemerken, zu deren Bekämpfung man ungesäumt schreiten sollte. wg. Gedern, 30. Mai. Ihren 80. Geburtstag kann heute in voller körperlicher und geistiger Frische Frau Gertraude Birx, geb. Limpert, Witwe des Landwirts Johannes Birx, feiern. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 29. Mai. Stadtvorstands- sitzung. Für das städtische Schwimmbad hat sich erwiesen, daß die vorhandenen Einzelkabinen bei starkem Badebctricb nicht ausreichen. Es wurde deshalb auf Vorschlag der Stadtverwaltung der Anbau von sechs weiteren Einzelkabinen und einer Sammelkabine beschlossen. Der erforderliche Kredit wurde bewilligt. Wie der Vorsitzende hierzu mitteilte, nimmt der Betrieb in der Badeanstalt von Jahr zu Jahr zu, auch die Zahl der Abonnenten werde immer größer. — Für den Feuermeldedienst hat es sich als notwendig erwiesen, daß ein Reservemotor für den Betrieb der Feuersirenen angeschafft werden muh, für den Fall, daß der vorhandene Motor aus irgendeinem Grunde defekt wird. Die Anschaffung eines solchen wurde gemäß dem Vorschlag des Stadtbauamtes genehmigt. — Die Herstellung des Fußsteigs in der Grünberger Straße, von der Altenburger Straße bis an die Schiller st raße, wurde dem Pflastermeister Adam Hebeis in Alsfeld zum Einheitspreis von 2,10 Mk. pro Quadratmeter übertragen. — Ein Gesuch des Turnvereins Alsfeld um Lleberlassung des städtischen Schwimmbades zur Austragung von Schwimmwettkämpfen anläßlich des am 20. Juli in Alsfeld stattfindenden Gauturnfestes wurde gegen Zahlung einer Abgabe von 50 Mk. genehmigt. — 3xx Ausführung des neuen Gesetzes über die öffentlichen Llnterrichtscmstalten für freie und angewandte Kunst und die öffentlichen technischen und gewerblichen Llnterrichtsanstalten mit Staats- unterstützung ist auch für die Gewerbeschule Alsfeld die Bildung eines Kuratoriums notwendig geworden. 3n dieses wurden außer den gesetzlich bestellten Mitgliedern gewählt: Kreisdirektor Dr. Stammler als Vertreter des Kreises Alsfeld; Gewerbelehrer Rohrbach als Vertreter der Lehrerschaft; als Vertreter der Stadt die Mitglieder des Stadtvorstandes Eder, Ginsberg, Lenth; als Vertreter des Ortsgewerbevereins Bauunternehmer Heinr. Knierim III; als beteiligter Arbeitgeber Fabrikant Georg Dietrich Bücking; als Arbeit- nehmervertreter Karl Christoph Müller. Die Wahlperiode dieser Herren beschränkt sich auf die Zeit bis zum 31. Dezember 1929, da die Wahlperiode derjenigen der kommunalen Körperschaften angepaßt sein soll. — An die öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an. In dieser wurde den: Stadtbaumei st er Maurer, dessen Probedienstjahr am 15. Mai abgelaufen war, die unkündbare Anstellung verliehen. Rheinhessen. Zwei Großfeuer in Mainz. WSN. Mainz, 29. Mai. Ein gestern in dem Kohlenlager der Firma K a l f - Kastel ausgebrochenes Feuer konnte in den Abendstunden noch nicht völlig gelöscht werden. Es suchte sich während der Nacht in den reichen Kohlenvorräten Nahrung und wütete heute morgen von neuem auf. Llngefähr 10000 Zentner Briketts sind von den Flammen ergriffen worden. Auch in der Nähe lagernder Torf kam zur Entzündung. Die Mainzer Feuerwehr und die Kasteler Ortsfeuerwehr waren mit Ausnahme von zwei Mainzer Löschzügen an der Brandstelle zugegen. Als das Feuer heftiger wurde, griff auch die französische Militäi^euerwehr ein. Sämtliche Vorräte des Lagers scheinen verloren zu sein. Der Brand dauert zur Stunde noch an. — Der zweite Brand brach vormittags 11 Uhr in der Lackfabrik Albrecht aus. Er entstand in einem Schuppenraum und griff von dort auf die ßadlcffei über. In den Lackvorräten und Rohstoffen fand das Feuer reiche Nahrung. Preußen. Kreis Wetzlar. ch Lützellinden, 29. Mai. Auf eine vierzigjährige Tätigkeit im Dienste der hiesigen Gemeinde kann der HolZhauermeister Franz von hier zurückblicken. Am Samstagnachmittag fand aus diesem Anlaß auf dem Rathause eine Feier statt, an der neben dem Iubilao Bürgermeister Dr. Neumann (Groß-Rechtenbach), Forstmeister Reichard (Krofdorf), Förster Schüler (Forsthaus Finsterloh) und die hiesige Gemeindevertretung teilnahmen. Gemeindevorsteher N o r s ch richtete herzliche Begrüßungs- Worte an die Erschienenen, insbesondere an die auswärtigen Gäste. Bürgermeister Dr. Neumann (Groß-Rechtenbach) gedachte mit anerkennenden Worten der Tätigkeit, die Holzhauermeister Franz 40 Jahre lang der hiesigen Gemeinde in ihrem Walde zur vollsten Zufriedenheit verrichtet hat, und überreichte ihm eine Wanduhr als Geschenk der Gemeinde. Weitere Worte des Dankes und der Anerkennung zollten dem Jubilar Forstmeister Reichard (Krofdorf) und Förster Schüler (Forsthaus Finsterloh). Mit bewegten Worten dankte Herr Franz für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 29. Mai. Die Frankfurter Straßenbahn schließt das Jahr 1928 mit einem Defizit von etwa 2 6 0 0 0 0 M k. ab, während der Voranschlag einen Reingewinn von 850 000 Mk. vorsah. Dieses wenig erfreuliche Ergebnis trotz erhöhter Frequenz (180 769 700 Personen gegenüber 171 429 800 im Jahre 1927) ist in der Hauptsache auf die Zuschüsse im Omnibusbetrieb zurückzuführen. •r" nur bewährte Marken. Sparsamster Gasverbrauch. Infolge bester Erfahrungen bei vorgenommen. 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März 1938, öffentlich meistbietend verpachtet werden. Der Jagdbezirk umfaßt 302 Hektar, davon 195 Hektar Feld und 107 Hektar Wald. Die Jagd hat einen guten Rehwildbestand. 4809D Der Jagdbezirk ist von den Bahnstationen Lang-Göns und Dutenhofen in kurzer Zeit erreichbar. Außerdem bestehen Postautoverbindungen nach Wetzlar und Gießen. Die Pachtbedingungen werden im Verpachtungstermin bekanntgegeben. Nähere Auskunft erteilt der unterzeichnete Jagdvorsteher. Klein-Rechtenbach (Kreis Wetzlar), den 14. Mai 1929. Der Jagdoorsteher: Schmidt. ^Bekänntmachnnq. Der vom Gemeinderat beratene Voranschlag für 1929 liegt vom 31. d. M. an eine Woche lang bei der unterzeichneten Stelle zur Einsicht offen. Bemerkt wtrd, daß eine Umlage erhoben wird, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Münster, den 29. Mai 1929. 4801D Bürgermeisterei Münster.________ Maschinenfabrik Fulda GA Holzbearbeitungs- Maschinen erzielen Sie unseren Elel in BERLIN in HAMBURG in MÜNCHEN -'i HERMANN TIETZ . . 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Das Entscheidende in jenen Tagen war ein „Olein!" gegenüber ganz bestimmten, fest um« rissenen Beschlüssen, die der jungen, evangelischen Bewegung das Leben gefährdet, vielleicht sogar ausgeblasen hätten. So hörten vielleicht manche, die sich jener besonderen Tage erinnerten, wesentlich nur dies „SteinI“ — und möchten dabei doch unter Umständen übersehen, wie ernst jenen „Protestierenden" ihre Sache, ihre Gewissensfreiheit und die Sache von Gottes Ehre, war, — und ein wie entschiedenes „3a!" zu Gottes Führung allem lauten „Steinl“ vorangegangen war. ilnö so dürfte es heute, in nicht leichten Tagen, für alle Glieder der evangelischen Landeskirche in Hessen auf dies entschiedene „3a!“ ankommen, denn diese hessische Kirche ist in St o t. Das hat seine mannigfachen Gründe. Wie der Privatmann sein Vermögen durch die 3nflation verloren hat, so auch die Kirche; Zinsen sind nur in ganz geringem Maße zu erwarten, und sie bedeuten, gegenüber dem früheren Kapital, oft geradezu lächerliche Beträge. Eine der bedeutendsten Ursachen aber, weshalb die hessische evangelische Landeskirche ihre Ausgaben nicht zu decken vermag, ist der zu geringe „Staatszuschu h". 3m allgemeinen denkt man dabei oft daran, daß der Staat der Kirche sozusagen größere Beträge jährlich schenke; bei diesem „Staatszuschuh“ aber handelt es sich einfach um die Erfüllung einklagbarer Rechtsansprüche der Kirchel Unö diese Tatsache besteht wohl in allen deutschen Ländern gleichmäßig. Wie anders sollte man es sich erklären, daß von seiten der Länder ihren Kirchen so namhafte Beträge überwiesen werden, wie dies wirklich geschieht?! So trägt z. D. Bayern, auf eine Pfarrstelle berechnet, zu den Kosten der evangelischen Kirche jährlich 6000 Sllt. bei, Württemberg ebenfalls 6000 SHL, Sachsen 4000 Mk., Baden 2000 Mk. und Hessen 712 Mark. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen von dem, was der Staat der evangelischen Kirche „zuschießt“, in Württemberg rund 4,90 Mk., in Hessen-Kassel 4,10 Mk., in Sachsen 1,50 Mk. und in Hessen 0,42 Mk. (ohne die Kosten der Kirchenleitung gerechnet). Mit diesen geringen „Zuschüssen" kann die evangelische Kirche in Hessen ihre Ausgaben, ihre dringendsten Ausgaben, nicht decken. Der Geldmangel liegt drückend über ihr. Stur ein Beispiel: 3m Oktober vorigen 3ahres begann — unmittelbar vor dem grimmigen, geradezu „sibirischen" Winter — ein zehnprozentiger Gehaltsabzug für die Geistlichen, der etwa 230 Pfarrern eine Kürzung ihrer Bezüge um 700 bis 1500 Mk. (aufs 3ahr berechnet) brachte. Was eine so einschneidende, nur durch, die außerordentliche Geldnot der Landeskirche einigermaßen zu rechtfertigende Maßnahme bedeutet, darüber ist wohl weiter nicht zu reden. „Was schießt denn der Staat heute eigentlich zu den Kosten der evangelischen Kirche zu?", wird nun wohl gefragt werden. Slun, es sind jetzt jährlich etwa 482 000 Mk. Der Betrag mag hoch erscheinen; es ist aber zu bedenken, daß diese Summe gezahlt wird (nochmals sei es gesagt) in einfacher Erfüllung rechtlicher Forderungen der evang. Kirche. Es ettlauf um Ellinor. Roman von Senta Necket. Copyright bei Greiner & Co.. Berlin NW 6. 9 Fortsetzung Nachdruck verboten. Ellinor bestellte, was die kleine Mabel Peers wollte. Sie war allmählich in eine Stimmung geraten, wo ihr alles gleich war. Sie freute sich über das Abenteuer mit der niedlichen kleinen Frau, die so entzückend plaudern konnte. Keinen Moment kam sie auf die 3dee, daß irgendeiner sie nicht für Axel 3ohnson halten konnte, sie ahnte nichts von dem ehrgeizigen Sie- porter 3ules Smith, der zwei Tische von ihr entfernt saß. Die Musik intonierte den neuesten Schlager: „Ach Jonny, my boy Dear Jonny, my boy ..." Mabel summte die Melodie leise mit. Dann reckte sie die Arme weit und fragte: „Din ich schön, Mr. 3ohnson?" „Sehr schön, kleine Mabel I“ „Könnten Sie sich in mich verlieben?“ Ellinor lächelte. , ri<< „3ch bin schon in Sie verliebt, Herne Mabel I „Das ist ja herrlich, dann ist ja alles in Ordnung I“ „ , , Ellinor bot Mabel eine Zigarette an. Mabel griff nach dem Etui: „Donnerwetter, das ist aber hübsch, nur eigentlich, ist das doch ein Damenetui.“ Ellinor wurde einen kleinen Moment verlegen. Daran hatte sie natürlich nicht gedacht, aber sie faßte sich schnell. „3a, das Etui habe ich auch von einer Frau, die mir sehr nahe stand, geschenkt bekommen," log sie. Mabel bewunderte die feine Arbeit des goldenen Etuis. „Eie müssen sehr reiche Freundinnen haben, dearyl" „Sla ja ..." Ellinor tat furchtbar überlegen. Plötzlich packte sie der Hebermut, die flirrenden Lichter und der Trubel taten ihre Wirkung: „Mabel, wollen wir beide nicht die Ellinor finden, dann machen wir uns von den 100 000 Dollar eine vergnügte Woche I" Aber Mabel hatte nicht viel Lust, sich mit diesem Problem zu befassen, ihr war ein Mister 3ohnson in der Hand lieber, als eine millionenschwere Ellinor auf dem Dach. „Hnt) bann, ich glaube, die ganze Sache ist ein Schwindel, neulich haben wir noch in einer Gesellschaft darüber gesprochen, es gab eine heftige Diskussion, die meisten erklärten diese Ellinor für komplett verrückt; Ethel Randor sagte sogar, sie sei eine sei, um diese Tatsache zu illustrieren, nur das deutlichste Beispiel: Rheinhessen, heraus- gegtiffen. Die französische Gesetzgebung der 3ahre 1802 und 1805 — Rheinhessen war damals französisch — übernahm die gesamte Pfarrbesoldung auf den Staat; der hessische Staat, als Rechtsnachfolger der französischen Berwaltung dort, ist natürlich auch in die Rachfolge der bestehenden Verpflichtungen eingetreten. Wenn man dies in Rechnung stellt, dann ergäbe sich für R h e i n h e s s e n allein, bei etwa 100 Pfarrstellen, ein Betrag von etwa 700 000 Mk. (einschl. Ruhegehalte), den der hessische Staat an die evangelische Kirche zu zahlen hätte. Dem steht nun der Betrag von 482 000 Mk. gegenüber, der tatsächlich für ganz Hessen gezahlt wird. Leicht läßt sich gerade hier ein- sehen, woraus die geldliche Rotlage der evangelischen Kirche in Hessen beruht. Der hessische Staat ist selbst in Rot. 3mmer- hin darf bei den Verhandlungen, die im Gange sind, eine Lösung erwartet werden, die den Bedürfnissen der evang. Kirche Rechnung trägt. Ein irgendwie gearteter „Angriff" auf den hessischen Staat ist hier nicht beabsichtigt; Zweck dieser Zeilen sei einzig und allein die Orientierung unseres hessischen evangeli- ichen Kirchenvolkes über b i e tatsächliche Lage. Außerdem sei bemerkt, daß, eben um die drückendsten Folgen der Geldnot etwas zu lindern, ein sog. Kirchnotgeld im Laufe dieses 3ahres zur Erhebung kommt, das von jedem Glied der evang. Kirche, das über 25 3ahre alt ist, zu zahlen ist. Cs soll eine Art „Rotopfer" fein, und ein Dank für das, was man von dieser Kirche empfängt; es wird in einem Hause vielleicht mehrfach geleistet werden: von Vater, Mutter, Großvater und Großmutter, unter Umftänöen auch noch von Kindern im entsprechenden Alter. Möchte die Erhebung dieses „Kirchennotgeldes" von 2 Mk. jährlich allenthalben auf willige Hände und bereite Herzen stoßen! Die Rot ist da. Sie muh gemeistert werden. Dis andere Wege sich offnen, wird wohl noch Zelt verstreichen. Darum mußte der Weg eines „Rotopfers" beschritten werden, im Stertrauen auf das evang. Kirchenvolk in Hessen. Cs wird gewiß zeigen, daß es, wie jetzt anläßlich des Gedächtnistages der Protestation von Speyer, nicht nur z u feiern vermag, sondern daß es auch — und so wird es in dieser Zeit ja hie und da sicher sein, in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen — opfern kann. Eine Lnxusstadi für Llnbemiiielie. Lösung des Wohnungsproblems? — Prof. Gropius will eine neue Gartenstadt für 25000 Menschen bauen. — Alles elektrisch, kein Gas. — Häuser ohne Schornstein. — Das interessanteste Experiment unserer Zeit. Von Or. Ignaz Sauer. Sterzweiflung hat allmählich einen Teil der Wohnungsuchenden gepackt, die bei der noch immer viel zu geringen Reubautätigkeit kaum noch hoffen, jemals in den Besitz eines eigenen Heims zu gelangen. Die neuen Wohnungen sind überdies für die meisten jungen Ehepaare viel zu teuer, und häufig wird außer der hohen Miete noch ein großer Baukostenzuschuß gefordert. An Vorschlägen zur Behebung der Wohnungsnot fehlt es freilich nicht; erst in diesen Tagen hat man von einer amerikanischen Erfindung erfahren, die alle Steubauten verbilligen und damit das gesamte Bauwesen revolutionieren soll: es handelt sich um die Herstellung eines neuen Bausteines, der nur ein Fünftel des bisher üblichen Baumaterials wiegt. Die gebräuchlichsten Bausteine wiegen im Kubikmeter etwa 2500 bis 3000 Kilogramm; dieses hohe Gewicht führt dazu, daß ein erheblicher Teil der Stühwirkung des Gebäudes durch das große Eigengewicht des Baumaterials wieder aufgehoben wird. Der neue Baustein soll im Kubikmeter nur 500 Kilo wiegen und so leicht fein, daß er sogar auf dem Wasser schwimmt; dennoch sagt man ihm nach, daß er außerordentlich wetterfest und tragfähig sei und, was die Hauptsache ist. viel billiger als alles bisher übliche Sliaterial hergestellt werden kann. Andere Ersahbauweisen haben in den letzten 3ahren häufig ähnliche Hoffnungen wachgerufen; es sei nur an den Stahlhausbau erinnert, von dem man erwartete, daß er die fabrikmäßige Herstellung ganzer Siedlungen möglich machen würde. Run ist der Stahlhausbau inzwischen sehr verbessert worden, doch reichen die neuen Verfahren immer noch nicht aus, den Ziegelbau zu verdrängen — vielleicht vorwiegend deshalb, weil meist nur einzelne Stahlhäuser, nicht aber ganze Siedlungen aus Stahl aufgestellt werden. Auf dem Reichswettbewerb der ..Reichsfor- schungsgesellschast für Wirtschaftlichkeit im Dau- und Wohnungswesen", der in diesem Frühjahr veranstaltet wurde, erhielten nun Professor Dr. Gropius und Dipl.-3ng. Fischer für den Plan einer Großsiedlung, die mit billigen Baustoffen errichtet werden soll, unter 221 Bewerbern den ersten Preis. Ein anderer bekannter deutscher Architekt, Friedrich Paulsen, der Hauptschriftleiter der „Dauwelt", hat sich seit fast zwei 3ahrzehnten eingehend mit dem Problem befaßt, wie eine moderne Siedlung besonders billig und wirtschaftlich aufgebaut und unterhalten werden könnte. Run haben sich die genannten Architekten zusammengetan, um das, was sie theoretisch durchdacht haben und was von vielen Autoritäten als besonders hervorragend anerkannt worden ist, in die Wirklichkeit überzuführen. Sie haben eine Stereinigung von Wohnungsuchenden gegründet, der sich in wenig mehr als einem Monat über 1000 Personen angeschlossen haben und die an den Aufbau der Siedlung gehen soll, wenn sie über 5000 Mitglieder zählt. Dann will man im Süden Berlins, etwa 25 Minuten mit der Schnellbahn vom Potsdamer Platz entfernt, eine neue Stadt mit 5000 Wohnungen und 400 Heimen für Ledige gründen, die alle technischen Bequemlichkeiten der Reuzeit besitzen soll, deren Wohnungen aber billiger als alle anderen in Berlin sein werden. Schon jetzt sind die Architekten auch von einer anderen Stadt in Rorddeutschland aufgefordert worden, dort zur Behebung der Wohnungsnot ein ähnliches Unternehmen ins Leben zu rufen und einen entsprechenden Plan auszuarbeiten. Wenn das Experiment glückt, wird es also nicht nur für Berlin, sondern für alle Städte im Reich, die unter ähnlichen Schwierigkeiten leiden, von unabsehbarer Wichtigkeit sein. „Cs ist nicht wahr, daß die Menschen der Großstadt in überfüllten Mietkasernen auf- wachsen müssen," sagt der Architekt Friedrich raffinierte Hochstaplerin und beinah hat es dann einen Krach gegeben, denn George Wellton ..." Ellinor fühlte, wie ihr alles Blut zum Herzen schoß. „Wer?“ fragte sie heiser. „Run ja, George Wellton, der schöne George, der nahm auf einmal in einer Art und Weise Sartei für diese Ellinor, daß es schon beinah cherlich war. Er behauptete, Ellinor sei die schönste, klügste und liebste grau, die man sich denken könne, und er fände es sehr unfein, eine Lady zu beleidigen, die nicht anwesend sei, ach, er verhimmelte diese Ellinor so, daß es mir langweilig wurde zuzuhören, aber was haben Sie denn, Mr. 3ohnson, Sie sehen ja auf einmal aus, als hätte man 3hnen eben auf einem Präsentierbrett alle Seligkeiten der Welt serviert?" Ellinor schwindelte es. Also George liebte sie doch, denn sonst hätte er sie nicht so verteidigt. IX. „Rien ne va plus!“ Die Croupiers strichen gleichmütig die Gelder ein. Das Rad bewegte sich schneller und immer schneller, die kleine Kugel tanzte im rasenden Wirbel um sich dann plötzlich eigenwillig irgendwo niederzulassen, meist da. wo man es nicht erwartet hatte. „Gewonnen, Axel", jubelte Mabel Peers und strich die Chips ein, die ihr die Harke des Croupiers zuschob. „3a, Heine Mabel, Sie haben ja unerhörtes Glück.“ Die kleine Frau an Ellinors Seite bibberte vor Wonne. Der Spielsaal berauschte sie, dieser Riesensaal, eine Symphonie in Blau und Gold kam ihr wie ein Märchenreich vor. lind dann dieser entzückende 3unge, der da neben einem stand und die Dollarscheine aus der Tasche zog, als seien es Papierfehen, und dann der Haufen voll Chips, der sich vor ihr häufte: nun sollte noch ein Mensch kommen, der behauptete, die Welt sein nicht schön. „Axel, Axel, sehen Sie doch bloß, das alles gehört mir!“ Mabel streckte ihm beide Händchen mit Chips gefüllt hin. „Was ist sie für ein Kind!" dachte Ellinor, herrlich und beneidenswert, wenn man so unkompliziert war. Menschen wirbelten um Ellinor herum, die Fülle im Saal war beängstigend. 3mmer neue Leute drängten durch die Türe, keiner ging. Die Theater waren jetzt aus, die Kinos hatten sich geleert, viele kamen nur auf einen Sprung, um einen Blick in den Spielsaal zu tun, dessen Pracht seit Wochen das Tagesgespräch Reu- Yorks war. Ellinor lächelte ihr Bild an, denn auch Im Spielsaal hing ein riesiges Plakat: „Wo ist Ellinor? ICO 000 Dollar für Ellinor!" ' Aber hier achtete keiner darauf. Ellinor wurde es unbehaglich. Die Aufregungen des Slbends machten sich bemerkbar, sie wollte gern nach Hause. „Wollen wir heimgehen, kleine Wabel?" „Heim? O, wie schade!'^ Mabel sagte dies in einem so toötraurigen Ton, daß Ellinor hell auflachte. „Ra schön, dann bleiben wir noch einen Augenblick!" „Wissen Sie was, Axel, ich glaube, Sie langweilen sich beim Roulett, gehen wir nach nebenan zum Baccarat, das ist eher was für Herren!" Ellinor ließ sich geduldig mitziehen. Der Saal, in dem Ecarte und Baccarat gespielt wurde, war kleiner und intimer. Man konnte hier die Spieler leichter übersehen. Mabel lief vor, um sich einen Platz zu sichern. Wie eine Eidechse schlüpfte sie in eine Lücke und winkte Ellinor, ihr zu folgen. Hier saßen die Berufsspieler, Typen, die man in allen Spielsälen der Welt trifft, ganz gleichgültig, ob das in Monte Carlo, in Rio oder in Biarritz ist. Mit einem eisernen Ernst sahen hier SHänner und Frauen und verfolgten das Spiel der Karten. Hier jagte sich Glück und Unglück in schnellem Wirbel. Hoffnungen flackerten auf und wurden im nächsten Moment zu Grabe getragen, das Glück schwankte hin und her, aber immer wieder nannten die Leute gleichmütig Zahlen und immer wieder glaubten sie an ihren guten Stern, warfen sie mit verbissener Wut den Erlös vieler Wochen Arbeit achtlos auf den Tisch, immer mit dem Glauben, daß nun endlich einmal der große Treffer kommen müsse. Plötzlich griff sie nach Mabels Hand und küßte sie voll Dankbarkeit. „Mabel, Sie sind das süßeste Geschöpf, was es gibt. Kommen Sie, wir gehen jetzt in den Spielsaal, da dürfen Sie so viel Geld verspielen, wie es 3hnen Spaß macht!" Die kleine Frau jauchzte auf: „Axel 3ohnson, Sie sind ein Goldjunge!" • Aber dos Glück narrte die Menschen, nur merkten sie es nicht. Dick und schwer stand die Luft im Raum, obwohl die Ventilatoren immerfort für neue Zufuhr sorgten. „Wollen wir jetzt heimgehen, Axel," fragte Wabel, als sie das zweite Mal eine erhebliche Summe verloren hatte. All das schöne Geld vom Roulette war wieder futsch. Mabel zog ein schiefes Mäulchen. „Man sollte nicht spielen, Axel — aber man tut es doch immer wieder!" Eben kam wieder ein Trupp neuer Menschen. Ellinor war eS plötzlich, als griffe eine kalte Paulsen, der bereitwillig über alle Einzelheiten des gewaltigen Planes Auskunft gibt. Auch in der neuen Siedlung, die tatsächlich eine Stadt für 25 000 Menschen mit eigenem Elektrizitätswerk, Warenhaus, Kino, mit einer Badeanstalt und überhaupt mit allem, was zu einer Stadt gehört, werden soll, wird man zwar auf Ctagenwohnungen nicht vollständig verzichten können; aber zu jeder Wohnung wird doch ein Stück Garten gehören, und die Mietpreise sollen zwischen 40 und 80 Kart im Monat schwanken. Vorwiegend will man aber die neue Stadt aus Einfamilienhäusern bauen, die zwischen 600 und 1500 Mark Äahresmiete kosten, und die nach zwanzig 3ahren in das Eigentum des Mieters übergehen, so daß er dann mietefrei wohnt. Run verbilligt selbst die serienweise Herstellung von 5000 Wohnungen den Hausbau nicht so sehr, daß man allein mit diesen Mieten auskommen kann. Qlber es ist darüber hinaus geplant, die Bewohner der neuen Stadt durch gemeinsamen Einkauf mit allem zu versehen, was sie brauchen, und da diese Dinge zum üblichen Kleinverkaufsprcis abgegeben werden, so hofft man, durch den rationellen, großzügigen Einkauf hohe Ueberschüsse zu erzielen, die der Verbilligung der Miete zugute kommen. Um ein Beispiel zu geben: den Brotgeschäften in der neuen Stadt wird bei der Vermietung der Läden zur Pflicht gemacht, alle Backwaren auS der gemeinsamen Großbäckerei zu beziehen, die dadurch, daß ihr Slbsah gesichert ist, zweifellos mit Gewinn arbeiten kann; alles andere, was diese Geschäfte verkaufen, also etwa Schokolade oder andere Süßigkeiten, können sie an beliebigen Stellen eintaufen. Run wäre das für die Mieter sehr bedenllich, toeim sie auf jeden Fall gezwungen würden, die Backwaren der Großbäckerei zu essen; es könnte nämlich geschehen, daß diese schlechtes Brot liefert. Darum ist ausdrücklich vorgesehen, daß kein Kaufzwang ausgeübt wird: wenn also die Fabrikate des ge* gemeinsamen Cinkaufshauses minderwertig sind, werden die Bewohner im benachbarten Berlin ihre Steigungen machen, und das Warenhaus der Siedlung wird dadurch gezwungen, für bessere Waren zu sorgen. 3n gewisser Beziehung besteht aber doch ein Kaufzwang: da nämlich die Häuser nur elektrische Küchen und elektrische Beleuchtung erhalten, müssen sie auf jeden Fall den Strom des Elektrizitätswerkes benutzen. Der Strom soll dadurch besonders billig geliefert werden, daß das Elektrizitätswerk in der Stacht ebenso sehr ausgenüht wird wie am Tage, also die teure Spitzenleistung fortfällt, die in 3nöuftrieftäöten den Strom so kostspielig macht. 3n den Nachtstunden wird der Strom nämlich dazu benutzt werden, in sogenannten Wärmespeichern die SBärme für die Fernheizung und die Warmwasseranlage der ganzen Stadt anzusammeln. Kein Haus hat einen Ofen, und da alles elektrisch wird, fehlen auch überall die Schornsteine. Wer Warmwasser haben will, entnimmt es einem Rohrnetz, das die ganze Stadt in allen Zweigen durchzieht. Viele verlockende andere Einrichtungen sind ebenfalls in dem Plan vorgesehen. Da will man Kindergärten, schöne, moderne Schulen, Säuglingsheime, ein Sanatorium, eine gemeinsame Kegelhalle und tausend andere schöne Dinge einrichten. Um aber auch die Schwierigkeit nicht zu vergessen, die den Aufbau dieses irdischen Paradieses, das ohne Vorschüsse der Mieter geschaffen werden soll, hemmend entgegen» stehen: um am Rand der Großstädte genügend weite Flächen für den Aufbau einer ganzen Stadt zu finden, muh man sich beträchtlich von den wichtigsten Zentren der Stadt entfernen, da sonst der Boden zu teuer wird; in den angelsächsischen Ländern, in denen die Gartenstadtbewegung ja Hand nach ihrem Herzen und krampfte es schmerzhaft zusammen. George Stellten! „Wollen wir nicht heimgehen, Axel," schmollte Mabel, „Sie wollten doch vorhin schon!" Ellinor schüttelte unwillig den Kopf. 3eht heim- gehen, Rein! „3eht werde ich mein Glück versuchen, kleine Mabel!" George Wellton hatte am Tisch Platz genommen. Die schöne dunkle Frau, die Ellinor schon in der Metropolitan Opera mit ihm zusammen gesehen hatte, stand hinter ihm. Ellinor biß die Zähne zusammen. So nah war George — und doch so unendlich fern. Mabel Peers nickte George freundlich zu. „Tag, Mr. Wellton, wie gehts?" George hob die Hand und winkte zurück: „Ausgezeichnet, Mrs. Peers!" Ellinor schnitt Georges Fröhlichkeit ins Herz. Ein Mann, der sich sehnt, kann nicht so fröhlich sein. Ein leises Fieber stieg in ihr auf. Sie fühlte, daß sie diesen Mann liebte mit einer 3ntenfität, die fast körperlich weh tat. Man muhte nicht fragen, warum, es war eben so und es würde so fein, auch wenn er sie quälte. Cs war ihr unerschütterlicher Entschluh, bis ans Ende dieses großen Erlebens zu gehen, durch alles hindurch, über alles hinweg. Ein Schweigen lastete minutenlang über den erhitzten Köpfen. George mischte die Karten, verteilte sie, deckte auf — und hatte verloren! Cs war eine ziemlich erhebliche Summe. „Unglück im Spiel bedeutet Glück in der Liebe, George!" sagte die dunkle Frau und beugte sich tief zu ihm hinab. George lachte sein Heines, frohes Knabenlachen, das Ellinor im ersten Moment ihres Treffens schon geliebt hatte an ihm. „Glück in der Liebe," lachte George, „ich möchte viel Glück in der Liebe haben!" Ellinor atmete schwer. Sie fühlte, daß sie leise zitterte. Sie krampfte die Hände in die Lehne des Stuhles, daß das Blut aus den Fingern wich. Wieder deckte George die Karten auf. Diesmal hatte er gewonnen. „Sla, die Liebe scheint wankelmütig!" neckte ihn die Frau. Wie ein Habicht schoß George nach ihr herum. „Das werden wir sehen!" „3a," sagte Ellinor mit scharf akzentuierter Stimme und so heiser, daß Mabel sie erschrocken anschaute, „ja, das werden wir sehen!" George schaute auf. (Fortsetzung folgt) viel größer als bei uns ist, hat man sich zu demselben Schritt entschließen müssen, der die Angestellten und die Arbeiter oft durch die Entfernung von ihren Arbeitsstätten sehr stört. Für die Frauen und die Kinder ist eine solche Gartenstadt dagegen ein idealer Aufenthalt, der den Frauen dadurch noch schmackhafter gemacht wird, daß aus bestimmten Gewinnen des Unternehmens eine Art zwangsweiser Lebensversicherung der Familienväter geschaffen werden soll. Man will nämlich diejenigen Familien, deren Ernährer vor Ablauf von zwanzig Jahren stirbt, also bevor das Eigenheim in seinen Besitz _ übergegangen ist, in der Wohnung lebenslänglich miete» f re i wohnen lassen. — Sicherlich finden sich in' allen Großstädten, die unter dem Elend der Wohnungsverhällnisse leiden, Menschen genug, die dem Lärm und der Hast des Erwerbslebens wenigstens am Abend entfliehen wollen und dafür auch einen weiten Weg zur Arbeitsstätte in Kauf nehmen. Ob sich aber auch überall genügend Kapitalisten finden, um diese theoretisch gut durchdachte Anlage zu finanzieren — und es gehört zum Aufbau solcher Stadt ungeheuer viel Geld — ist eine andere Frage. Da die Siedlungen weitgehend gemeinnützigen Charakter tragen sollen, wird für die Geldgeber im allgemeinen nur eine feste Verzinsung in Frage kommen, nicht aber die Aussicht auf hohen Uebergetoinn winken. Südwestdeutsche Bankbeamtentagung. Der Gau Südwestdeutschland im Deutschen Bankbeamten-Derein hielt in Frankfurt a. M. seine von 96 Vertretern besuchte diesjährige Vorstandskonferenz ab. Hierüber wird uns berichtet: Aus dem Geschäftsbericht, den Gau- Vorsteher Decker (Frankfurt a.M.) erstattete, ging hervor, daß auch im abgelaufenen Geschäftsjahr weitere Fortschritte erzielt werden konnten. 556 neue Mitglieder konnten in der Berichts- Periode in Südwestdeutschland dem D.B.D. zugeführt werden. Nachdem in den letzten Wochen wiederum rund 200 Bankangestellte dem D.B.D. beigetreten sind, zählt der Deutsche Dankbeamten- Verein in Südwestdeutschland rund 4700 Mitglieder und umfaßt damit nahezu 85 Prozent aller kaufmännisch tätigen Bankangestellten. Der Rechtsschutz, der auch im Berichtsjahre in umfassendster Weise tätig war, erzielte an Gehaltsnachzahlungen, Abfindungen usw., sei es durch direkte Verhandlungen oder Inanspruchnahme der Gerichte, insgesamt 70 000 Mark. Die Bildungsarbeit erforderte wiederum große Aufwendungen. An 9 Bankplätzen wurden 32 bankwissenschaftliche und volkswirtschaftliche Vorträge mit insgesamt 5848 Teilnehmern abgehalten: 30 Bankfachkurse fanden 544 Kursteilnehmer. Dem mit Beifall aufgenommenen Geschäftsbericht schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Einstimmig erhielt der Gauvorstand mit Dankes- worten Entlastung. Ebenso einmütig erfolgte seine Wiederwahl. Unter lebhafter Zustimmung wurden Entschließungen angenommen, von denen die eine die Tarifvereinbarung vom 17. April 1 929 begrüßt, wenn auch viele Wünsche vffengeblieben wären, und den Tarifunterhändlern auf D. D. V.-Seite Dank, der Zentralleitung des Deutschen Bankbeamten-Vereins erneut volles Vertrauen ausgesprochen wurde. In einer zweiten Entschließung wird vom Reichstag die baldige Verabschiedung des vom „Ständigen Beirat für Heimstättenwesen im Reichsarbeitsministerium" fertiggestellten Entwurfes eines Wohnheim st ättengesehes gefordert, während die dritte Entschließung gegen alle Der- schlechterungsabsichten auf dem Gebiete der Sozialversicherung protestiert und insonderheit sich gegen das Verlangen wendet, daß in der Arbeitslosenversicherung die Bedürftigkeits- Prüfung wieder eingeführt werden solle. Einen gehaltvollen Abschluß fand die Tagung durch die Ausführungen des Vorsitzenden des Gesamtvereins. Fürstenberg (Berlin), der die gegenwärtige Situation in wirtschaftspolitischer und sozialer Hinsicht kritisch beleuchtete und, oft von stürmischen Zustimmungskundgebungen unterbrochen, in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen den Kampf des Deutschen Bankbeamten- Dereins gegen seine Gegner bei der Erhaltung und Erweiterung der Errungenschaften im Bankgewerbe stellte. Sein Appell zur weiteren entschlossenen Arbeit für die Interessen der De- rufsgenossen und für den sozialen Fortschritt loste langanhaltenden Beifall aus. Sängerbund „Mittleres Aibdatal". T Dauernhei m, 28. Mai. Bei herrlichstem Festwetter wurde am Sonntag hier die Feier des 20jährigen Bestehens des Sän- bundes „Mittleres Riddatal", verbunden mit einem Wertungssingen, abgehalten. Sämtliche 10 Bundesvereine: Geih-Ridda, Blofeld, Ranstadt, Dauemheim, Fauerbach, Doben- hausen, Ober-Widdersheim, Steinheim, Wal- lernhc.usen und Borsdorf waren erschienen. Gegen lOVg ^Ihr entbot der Dundesvorsitzende, Lehrer Lenh von Geiß-Ridda in der neuerbauten, von großem Dürgersinn zeugenden Gemeinde- Sänger- und Turnhalle den Willkommensgruß und fand dabei treffliche Worte über die Bedeutung des deutschen Liedes als Bindemittel für die leider immer mehr sich spaltenden Dolks- teile. Bei dem nachfolgenden Wertungssingen trug jeder Bundesverein neben dem vorgeschriebenen Pflichtchor „Soviel der Mai auch Blümlein beut" noch einen selbstgewählten Chor vor, der Volksliedcharakter haben mußte. In Reallehrer Blaß von Gießen war ein trefflicher Werter gewonnen worden, der in der sich anschließenden Kritik den Fleiß, die Ausdauer und die Tiefgründigkeit der Bundesvereine hervorhob, obwohl bei dem Pflichtchor mehr oder weniger große Schwierigkeiten in bezug auf rhythmische und dynamische Erfordernisse zu überwinden waren. Auch der Gesamteindruck der selbstgewählten Chöre, hauptsächlich Volks- und volkstümliche Lieder, war im allgemeinen gut, wenn auch noch am Verschönern des Chorklanges durch Verbesserungen der Aussprache noch manches zu erarbeiten ist. Es zeigte sich erneut, daß der Bund in dem Bestreben, in chortechnischer Hinsicht die Leistungen zu heben und auf eine gute Chorwahl hinzuwirken, auf dem besten Wege ist. Rach einer Mittagspause, wobei In echt dörflicher Gastfreundschaft viele Dundessänger bei den Einheimischen zu Gast waren, fand ein festlicher U m 5 u g durchs Dorf statt. Auf dem Marktplatz wurden zwei Massenchöre, „Das deutsche Lied" und „Der deutsche Wald", zum Vortrag gebracht, die aus 400 Kehlen gesungen, mit der Fülle des Klanges auf die vielen hundert Zuhörer eine tiefe Wirkung ausübten. Der Rachmittag brachte weiter die Ehrung aller 6 ä ng e r 0e te r anen des Bundes, die 40 bzw. 50 Iahre und darüber treue Sänger oder verdiente Mitglieder waren. Dem Gründer und verdienstvollen Leiter des Sängerbundes, Lehrer Lentz (Geih-Ridda) überreichte der 2. Vorsitzende, Steinbruchbesitzer Karl R i ck e l von Ober-Widdersheim, ein geschmackvolles Bild (Beethoven) und betonte dabei das selbstlose Wirken des Ausgezeichneten um die Förderung des BunNrs. Konzertstücke der Musikkapelle Ranstadt und gesangliche Darbietungen der Bundesvereine im Wechsel füllten auch ohne den üblichen Tanz den Rachmittag aus, bis vor Abgang der Abenözüge der erste Bundesvorsihende mit einem Hoch auf das deutsche Lied und Vaterland die in allen Teilen harmonisch verlaufene Tagung schloß. Schöffengericht Gießen. e Gießen, 29. Mai. Ein jetzt in Frankfurt am Main wohnhafter Fuhrmann hatte im Iuni 1928 mit seiner in einem Orte Oberhessens betriebenen Drahtfabrik Konkurs gemacht. In dem Verfahren wurde auch eine Darlehnssorderung seiner Mutter von etwa 10 000 Mar? angemeldet. Da der Verdacht bestand, daß diese Forderung erdichtet war, und weil die erforderlichen Geschäftsbücher ungenügend geführt waren, kam es zur Anklage wegen Konkursverbrechens. Rach eingehender Beweisaufnahme hielt das Gericht den Angellagten für überführt und verurteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis. Ein Maurer hatte sich unter Vorlage einer von ihm gefälschten Bestellkarte bei einer hiesigen Firma Arbeitsgerät erschwindelt. Strafe: 1 Woche Gefängnis. Der Rechner eines Gesangvereins hatte Vereinsgelder in Höhe von etwa 300 Mark unterschlagen und einen Beleg gefälscht. Er erhielt 2 Wochen 3 Tage Gefängnis. Ein schon neunmal vorbestrafter Kaufmann hatte sich im Iuli 1928 in einer Wirtschaft in Hirzenhain einlogiert und hierbei schwindelhafte Angaben über feine Vermögensverhältnisse gemacht. Das Gericht erkannte auf fünf Monate Gefängnis. Die Verhandlung gegen einen früheren Ro- tarsgehilsen wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung wurde vertagt, da die Beweisaufnahme den Verdacht einer ganzen Reihe weiterer Urkundenfälschungen ergab. irtschast. • Der Zeichnungseingang auf die Reichsanleihe. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, erfolgt über das Ergebnis des bisherigen Zeichnungseinganges der neuen Reichsanleihe eine offizielle Bekanntgabe nicht. Das bisherige Ergebnis entspräche mit Rücksicht auf die Lage des Geldmarktes den gehegten Erwartungen. * Frankfurter Allg. Versicherungs- A.-G. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der am 18. Iuni stattfindenden G.-V. aus einem Reingewinn von 3 098 425 (i. D. 2 772119) Mark die Verteilung von 121/a Proz. (wie im Vorjahre) Dividende vorzuschlagen, wobei die i. V. ausgegebenen 5 Mill. Mark neuen Aktien ab 1. Iuli 1928 dividendeberechtigt sind. Dem Pensions- sonds werden wie im Vorjahre 250 0Ö0 Mark zugewiesen, so daß sich dieser auf 650 000 Mark erhöht. Auf neue Rechnung werden 335 347 Mk. (340 619 i. D.) vorgetragen. * Rheinische E le k t r i z i t ä t s g e se ll- schäft (Rheinelektra) Mannheim. In der gestern abgehaltenen Aufsichtsratssihung wurde beschlossen, der auf den 25. Iuni einzu- berufenden Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1929 aus 1 385 814 (1 403 610) Mark Reingewinn nach angemessenen Abschreibungen und Rücklagen 9 (9) Prozent Dividende auf die Stammaktien und 6 Prozent auf die Vorzugsaktien vorzuschlagen. Der Vortrag auf neue Rechnung beträgt 169 614 (187 410) Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt, 30. Mai. (Eigner Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Tendenz: fest. Schon im Dor- mittagsverkehr waren Anzeichen einer lebhafteren Geschäftstätigkeit vorhanden, die sich zum offiziellen Beginn weiter stark auS- prägten. Anregend wirkte vor allem die weiter zunehmende Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft und die daraufhin einsetzende Unterstützung der privaten Kundschaft, die sich auch seit längerer Zeit wieder einmal am Börsengeschäft betätigt. Dor allem aber war es heute noch ein anderes Moment, das sich günstig auswirken konnte: die endgültige Einigung in der Reparationsfrage wirkte wie eine Befreiung, und man war sehr optimistisch, die immer noch ungeklärten Vorbehalte konnten keinen Eindruck machen, da man auch hier mit einer baldigen Lösung rechnet. Das Geschäft nahm bei steigender Tendenz in Spezialwerten sehr lebhafte Form an. Besonders waren Elektro- toerte, Farben und Kaliaktien gesucht. Aber auch die Rebenmärkte konnten sich der allgemeinen Bewegung anschließen. Die seitherigen Geldmarktsorgen sind fast vollkommen in den Hintergrund getreten, da man der Ansicht zuneigt, daß, wenn einmal die Reparationsfrage endgültig geregelt sein wird, auch eine Regelung diesbezüglich bald eintreten dürfte. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten durchschnittlich Besserungen bis 4,5 Prozent ein, aber dieses Ausmaß wurde oft um ein erhebliches überschritten. Besonderes Interesse wandte sich heute den Siemensaktien mit plus 7,5 Prozent zu. Gesfürel gewannen 6 Prozent, Chade 4,50 Mark, Schuckert 4 Prozent, Licht und Kraft 3,5 Prozent, Bergmann 2,5 Prozent. Auch I.-G.-Farben mit plus 5,5 Prozent und Kali- werte plus 6,5 Prozent, letztere wurden immer noch von französischer Seite gekauft, standen im Vordergründe. Auch für Berliner Rechnung wurde viel Material aus dem Markt genommen. Am Montanmarkt konnten sich Rheinstahl um 4,25 Prozent, Mansfelder um 5 Prozent, Har- pener um 4 Prozent, Klöckner und Gelsenkirchen um je 3 Prozent bessern. Buderus gewannen 1,75 Prozent, trotz unbefriedigender Ausführungen eines Aktionärs über die Dividende von nur 5 Prozent in der heutigen Generalversammlung: die Allgemeinbewegung war aber in der Hauptsache hier ausschlaggebend. Ganz erhebliche Steigerung hatten noch aufzuweisen am Bankenmarkt Danatbank plus 9 Prozent, Reichsbank plus 6,5 Prozent. Von den übrigen Werten Karstadt plus 4,5 Prozent, Deutsche Linoleum plus 6,5 Prozent, Zeltstoffwerte plus 3 Prozent, jedoch muß bei Waldhof der Dividendeabzug berücksichtigt werden, und am Dauunternehmungsmarkt Wayh & Freytag plus 4 Prozent. Renten ebenfalls lebhafter und zumeist höher. Rachdem die Aufträge jedoch erledigt waren, wurde das Geschäft wieder etwas geringer, doch blieben die Kurse gut behauptet, zum Teil lagen diese sogar noch bis 1 Prozent höher. Die Tendenz blieb fest und zuversichtlich. Rur Reichsbankanteile verloren etwa 2 Prozent ihres Gewinnes. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt zog die Mark weite r a n. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1931. gegen Pfund 20,317, London-Kabel 4,8502, gegen Paris 124,06, gegen Mailand 92,67, gegenCHtabrU) 34,35, gegen Holland 12,0675. Berliner Börse. Berlin, 30. Mai. Schon der Vormittagsder- kehr zeigte ein in letzter Zeit ungewöhnliche- Bild und lebhafteres Geschäft, das zu Beginn der Börse bei fester Tendenz einen ziemlich großen Umfang annahm. Wenn auch über die Vorbehalte noch keine Verständigung in Paris erzielt worden ist, so ist doch die Einigung über die Annuitäten sehr gut aufgenommen worden, zumal sie überraschend kam. Allgemein glaubt man, daß in einigen Tagen die Einigung über alle Punkte erzielt werden wird. Trotz deS katholischen Feiertages und des Wahltages in England lagen doch noch größere Auslandorders, besonders der Schweiz, England- und Amerikas, vor, und die Spekulation schritt ebenfalls zu Meinungskäufen, da sich feit längerer Zeit heute wieder das Publikum als Käufer gezeigt hat. Das Hauptinteresse der Börse konzentrierte sich auch heute, obwohl an allen Märkten das Geschäft lebhafter war, auf Elektrowerte. Kaliaktien, Farben und einige Montanwerke. Die ersten Kurse waren durchweg 3 bis 6 Prozent, bei einer großen Anzahl von Werten bis zu 10 und 12 Prozent fester. Die Käufe in QL E. G. (Amerika) hielten unverm'ndert an; für Farben, die 6 Proz. anzogen, konnte man ebenfalls sehr starkes Auslandinteresse beobachten. Schiffahrtswerte. Danken, von letzteren besonders Reichsbank, Berliner Handelsgesellschaft und Danatbawk (plus 8,75 Proz.), Svenska, Deutsche Linoleum, Schubert & Salzer, Schlesische Zement, Berger, Zellstoffwerte, Spritaktien, Warenhauswerte waren erwähnenswert. Salzdetfurth konnten fast 11, Siemens 10, Kunstseiden werte bis 12 Proz. anziehen. Bemerkenswert fest lagen auch Hoesch. die 7 Proz., und Riebeck, die 6,5 Proz. gewannen. Deutsche Anleihen sehr fest. Qlusländer nur gut behauptet. Pfandbriefmarkt noch unentwickelt. Am Geldmarkt zeigte sich für Tagesgeld stärkere Rachfrage. Der Sah stellte sich auf 8 bis 10,5, Monatsgeld 10 bis 11,5, Geld über Ultimo 10 bis 12 Proz. Der morgige Ultimo und zugleich Zahltag dürfte, wenn auch vereinzelt noch größere Rachfrage besteht, doch im allgemeinen als überwunden gelten. Man rechnet mit einem Herein stro- mcn von Auslandgeldern, wenn in Paris eine völlige Einigung erzielt worben ist. Rach den ersten Kursen war die Kursgestaltuna nicht ganz einheitlich. Es wurde vorübergehend etwas schwächer, dann wieder, ausgehend von Mansfelder, die 3,5 Proz. gewannen, allgemein sehr fest. Später auf die schwache Haltung der Polyphonaktien (minus 10 Proz.) eher etwa- schwächer. AEG. blieben lebhaft und fest, dagegen BMW. 3 Proz. schwächer angeboten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 30. Mai. Auch heute war das Geschäft am Frankfurter Produktenmarkt äußerst gering. Anregungen lagen nicht vor, eher verstimmten Meldungen aus Liverpool, die erhebliche Rückgänge wieder melden. Infolge der Umsatzlosigkeit blieben die Preise jedoch unverändert. Es wurden notiert: Weizen 23,25 bi- 23,50, Roggen 22, Sommergerste für Brauzwecke 23, Hafer, inländ. 22,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 20, Weizenmehl, südd. Spezial 0 31,50 bis 32, Roggenmehl 28,25 bis 28,75, Weizenlleie 11,75, Roggenkleie 12,25. Tendenz matt. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Mai. Auftrieb: 987 Kälber, 49 Schafe, 685 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 83 Mk.: mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 77; geringe Kälber 72 bis 71. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 69 bis 72; von etwa 160 bis 240 Pfund 70 bis 73; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 67 bis 71 Mk. — Marktverlauf: Schweine schleppend, nahezu ausverkauft. Kälber rege, geräumt. , Kunst und Wiffenschast. Grönland-Expedition dec Technischen Hochschule Darmstadt. In den nächsten Tagen verläßt eine wissenschaftliche Expedition, bestehend aus den Herren Dr. Krueger und Dr. Drescher von der Technischen Hochschule Darmstadt und Dr. R i e l a n d von der Universität Heidelberg, Deutschland, um an der Westküste Grönland- mineralogische und geologische Untersuchungen vorzunehmen. Im Anschluß daran wird sich DL Krueger in den nordkanadischen Archipel begeben, um dort die Untersuchungen fortzusehen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdislont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Schluß- ftute t-Uhr- Sure Echlub- Kurs Anfang Kurs Datum 29.5. | 30.5. 29 5. 30 5. 5% Dt. Retchsanleihe o. 1927 . 87,25 —— 87,5 — DL einl.-ßTbiöl.-Sdjull) mtt Aut lo|.-8tcd)tcn ....... 51 _ 50,9 51,2 TeSal. ohne AuSlos.-Rechte . . . 7% Franlf. Hyp.-Bl. Doldpf. uw kündbar bis 1932..... 9,9 10,4 9,7 10,3 88 4%% Rheinische Hyp.-Bank Liau^ Goldps.......... 76,13 «LG.®, aba. Vorkriegr-Obltgatiov.. rückzahlbar 1932 ... 86,5 — 92 — 4% Schweiz. Bundesd^Ant.. . 100 — — — 4% Oeilerreichische Goldrie.. - — — — — 4,20% Oesterr. (Silberne..... — — — — 4% Oesterreich. einheiti, Rte. . —- — — — 4% Ungarische Goldrte...... 22,3 22,5 22,25 22,6 4% Ungarische Staats r. v. 1910 — — 20 — 4'/,% deSgi. von 1913 . • • — — — 4% Ungarische Kronenrte..... 1,7 —- 1,75 1,8 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . - 8,25 8,8 — 4% Türkische Bagbadbahn-Anl.. Serie I......... — — 8,5 8,13 4% deSgi. Serie II....... — — 8,3 8,15 4% Rumänen converl. Rte. . . • 8 — — — 4V,% Rumänen Goldanl. von 1918 16,5 — 16,4 — 0110. Deutsche Eisenbahn . 4H — — — — Hamburg-Amerika Paket . . . ti 118,75 120,25 115,5 121 Hamb.-Südam. Tampfsch. . . 8 —- — — d- Hansa Damvfschiff.....10 — — 143,5 149 Norddeutscher Lloyd.....6 108 110,75 107,5 110.5 Allg. Deutsche Creditauk. - . 10 121,75 —- 122,5 124,5 8armer Bankverein .... 10 124,75 127,5 125,5 127 Berliner HandelSgesellsch. • • 12 212,5 — 211,75 217 Tommerz» und Prival-Ban! . 11 184 185 183,5 185,5 Darmst. u. Rationalbank . . 12 258 267 257,25 266 Deutsche Bank......10 161.5 163 151,5 163,5 Tlikonto-Sesellschofl Ant.. . lu 152 153 152,75 154,5 Dresdner Bank......w 159 160,5 158,5 160,5 Mitteldeutsche (JtebÜbanl ... 9 —— •* Reübibanl ........M 304,5 311 303,75 309,75 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- fiuro l Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang- Kurs Datum 29.5. 30-5- 29-5- 30-5- «1.G.W.......... . b 196,25 199,25 195,5 199,75 Bergmann........ . 'J 218,5 221 217,25 221 Elektr. Lieferungen..... 10 163,5 171 162,5 168.5 Licht und Kraft...... 10 219 222 217,5 222 Felten 4 Guilleaume.... Ges. f. Elektr. Untern.. • • • . 6 138 — 137,25 140,9 10 220 226 219,75 225 Hamb. Elektr. Werke .... 10 — — 140 142,25 Rhein. Elektr........ . 9 — 164 162 163.5 Schief. Elektr........ 10 —— — 183,5 189 . 8 250 254 246,5 253,5 Siemen» 4 Halske ..... 12 385,5 393 — 393,25 Transradio . ....... . 8 —— —— 155 — 10 166 72 169 74,25 165 72 168,75 74,5 Buderus......... . 5 Deutsche Erdöl ...... . 6 115,9 116,9 113 116,75 Essener Steinkohle ..... . 8 — — 114,5 118 Gelsenkirchener . . . t. V» 3- < 132 135 130,75 133,5 harvener ...... . 6 137 141 136,5 141 . 8 — — 116,5 123,5 Ilse Bergbau ....... . 8 210 — 209,5 210 ttlöcknerwerke ....... . 7 98,5 101,5 98,13 101,75 Köln-Reuessen. ...... . 9 — — 114,75 120 Mannesmann ...... . 8 119,5 121 118.75 122 Mansfelder........ . 7 125 130 123,5 126,5 Oberschlef. Eisend. Bedarf. . . 6 — — 81,65 — Oberschles. Kokswerke.... . 6 — — 104,75 108,25 Phönu Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . bVi 89,5 90,5 88,65 90,75 10 287,5 290 287,25 291,5 120,5 Rheinitahl s. % Jahr 4^ 116,5 120,75 116 Riebeck Montan...... 7,2 — 147,5 Bereinigte Stahl»..... Otavi Minen....... . 6 92,5 94,5 93 95 9 sh 65 65,75 Kali Aschersleben . . • • . 10 242,5 299 241,5 247 Kali Westeregeln...... 10 248,5 253,5 408,5 243 255,5 Kaliwerk Salzdetfurth . . . Id 402 397,5 408,25 I. G. Farben.Industrt« . . . Dynamit Rodet ...... 12 249 — 248,5 254,5 . 5 — — 115 118.5 Scheideanstall....... . 9 — — Goldschmidt ....... . k> 78,75 —— 78,5 88 Rütgerswerke . ...... . 6 87,5 89,5 87,5 90,25 MetallgeseAchaft. • • . • • 11 — 130,5 126,9 129 Banknoten. Frankfurt a.M. Berlin Schluß» 1-Uhr» Schluß- Anfang Kurs Kur- Kurs Kurv Datum 29.5. 30-5. 29-5- 30 5- Phiupp Holz mann..... 110,75 — 110,75 114,5 Heidelberger Eement.... 10 136 — — —— Gement Karlstadt ..... . 8 174 — —- — Wayß 4 Freitag...... 10 109,25 113,25 108,5 — Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 298,25 304,75 Ostmerke......... 12 — — 243,5 247,5 Bei. Glanzsioff...... 18 437 441 434 443 Bemberg......... 14 — — 338 350 ZeUstojf Waldhof..... 12 256 247,25 — 246,5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 184 —— 189,5 Eharlottenburger Wasser . . • « — — 109 111,75 Dessauer Gas....... . 8 —— — 205,25 211,5 Daimler Motoren..... . 0 52,25 — 52 54,75 Deutsche Maschinen.Fabrtk . . 0 — — 49,5 51,5 Adlerwerke Kleoer..... . 6 44,5 45,5 44,4 Ludw. Loewe ....... 10 — — 201 205 Rat. Automobil ...... . O — — 28,25 — L renkt ein & Koppel .... . b — — 87,5 92,5 Leonhard Tietz ...... . 6 — —- 291 296 Bamag-Meguin ...... . 0 —» — — •• Franlf. Maschinen . • • • . . 6 53,75 — 53 — Gritzner......... 11 74,5 — 73,75 _ heyligenstaedt ...... . O — — _ Funghan». . ....... . 4 63,5 67 63,5 _ . 8 112,13 — — Mainkraftwerke...... . 8 — — —i Mtag........... 10 119 — 119,5 123,5 Nekarsulmcr..... . . 8 — — Peters Union....... . 8 119 — 118,75 — Gedr. Roeder . ...... 10 118 — —— Botgt & haesfner..... . 6 210 — 210 — Südd. Zucker....... . 8 149,5 150 149 —* Berlin. 29. Mat Geld Brief Amerikanische 'Jioten..... Belgische Noten. ....... Darmche Noten........ Englische Roten........ 4,176 58,09 111,40 20,294 4,196 58,33 111,84 20,374 Berlin 29- Mai Geld Brief französische Noten..... 16,35 iTTi holländische Noten ...... 168,11 168,79 Italienische Noten...... 21,96 22.04 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr.L 100 Kronen 111,43 111,87 58,70 58,94 Rumänische Noten...... 2,53 2,55 Scknnedische Noten ...... 111,73 112,17 Schweizer Noten....... 80,63 80,95 59,13 59,37 Tschechoslowakische Noten .. 12,42 12,48 Ungarische Noten....... 72,85 73,15 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. TelegraphischeAuszahlung. 29- Mat 30. Mat Amtliche!) Geld Dotierung Briet Amtliche'. Geld iotieruna Bries Amft.» Ron. 168,43 168,77 168,40 168,74 Bucn.-Aires 1,756 1,760 1,757 1,761 Brfs-Antw. 58,195 58,315 58,20 58,32 Christiania - 111,61 111,83 111,65 111,87 Kopenhagen 111,61 111,83 111,64 111,86 Stockholm - 112,01 112,23 112,02 112.24 HelsingforS. 10,53 10,55 10.528 10,548 Italien. . . 21,93 21,97 21 .94 21,98 London. . . 20,316 20,356 20,322 20,362 Weutiorl . . 4,1890 4,1970 4,1895 4,1975 Paris. . • . Schwei, » . 16,37 16,41 16,38 16,42 80,63 80,79 80,64 80,80 Spanten . 59,08 59.20 59,13 59,25 Japmi . . . 1,863 1,867 1,863 1,867 tölo dr Ian 0,497 0,499 0,4975 0,4975 Wien in D- Oest- abgeft 58,83 58,95 58,85 59,97 Prag . . . . 12,411 12,431 12,413 12,433 Belgrad . . 7,365 7,379 7,360 7,374 Dudapeft. . 73,01 73,15 72,99 73,13 Bulgarien. 3,027 3,033 3,029 3,035 Lissabon . . 18,85 18,89 18,78 18,82 Danzig. . . 81,12 81,38 81,24 81,40 Konstantin. 2,024 2,028 2,025 2,029 Athen. . 5,445 5,455 5,435 5,445 Ccmada . . 4,156 4,164 4,158 4,166 Uruguay. . 4,066 4,074 4,066 9,074 Cairo . . • 80,842 20,884 20,845 eo,Mi