viemtag, ZV. Apnl 1929 Nr. 100 Erstes Blatt 179. Jahrgang jebe Reform als völlig überflüssig erklärt. Man muß sich also darauf gefaßt machen, daß gerade diese Staaten jeder aktiven Behänd- lung der Minderheitenfrage auf das schärfste widerstreben werden. Da auch von der Sette der Westmächtc zum mindesten keine Sympathie für die deutschen Vorschläge zu erwarten ist, wird das Ergebnis der Minderheitendebatte aus der Junitagung des Völkerbundsrates nicht gerade überwältigend sein. Das neue dänische Kabinett. Kopenhagen, 29. April. (WTB.) Der König hat der neuen Ministerliste seine Zustimmung er- teilt. Die Liste setzt sich aus neun Sozialdemokraten und drei Mitgliedern der radikalen Linken zusammen. Ministerpräsident S t a u n i n g übernimmt auch das Ministerium für Seeschiffahrt und Fischerei. Die Ministerien des Aeußeren, der Justiz und des Innern sind mit den Radikalen Munch, Zahle und Dahlgaard besetzt. peinliche Zwischenfälle in Oppeln. Jugendliche Nationalsozialisten stören einepolnischeTheateraufführung—Tätliche Beleidigungen der Schauspieler. - Prompte Wirkung in Polnisch-Oberschlesien. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- blamcanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/. mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für 'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mc^ Filter, sämtlich in Gießen. B e r I i n , 29. April, (prioafinformation.) Die Anwesenheit des Reichsbonkpräsidcnten Dr. Schacht in Berlin, die auf zwei Tage bemessen ist, Hal heute vormittag zu einer Besprechung des führenden deutschen Sachverständigen mit dem Reichskanzler und den drei Res- ortministern, dem Reichsauhenminister, dem Reichsfinanzminister und dem Rcichswirlschaftsmini- ter, geführt. Eine veränderte Haltung der deutschen Sachverständigen wird sich daraus gutem vernehmen nach nicht ergeben. Die deutschen Sachverständigen hoben von vornherein ihre Aufgabe, den Vereinbarungen entsprechend, so ernst genommen, daß eine Abänderung ihres Standpunktes mit dieser Aufgabe nicht vereinbar erscheint. Es ist aber auch verfrüht, von einer Diplomatenkonfe- renz oder irgendwelchen anderen Bemühungen zu reden, die an Stelle der Sachverständigenarbeit treten könnten, nenn diese abgeschlossen sein wird. Einstweilen ist der Bericht über den Verlauf der Konferenz noch in seinem Endergebnis nicht zu übersehen: es ist aber durchaus denkbar, daß ;w e i o d e r drei voneinander abweichende Ansichten niedergelegt werden. Der in offenkundig polemischer Absicht gegen die deutsche Delegation erhobene Vorwurf, sie habe mit ihrem Vorschlag P o - litik getrieben, ist inzwischen selbst von französischen Zeitungen zurückgenommen bzw. in die Feststellung abgeändert worden, daß die betr. Fragen sehr wohl Gegen st and künftiger Arbeiten der geplanten Reparationsbank werden könnten. Steuert Paris auf eine Oiplomatenkonferenz zu? Paris. 30. April. (W.T.B.-Funkfpruch.) Gegen den Gedanken einer politischen Konferenz für den Fall, daß die Sachverständigen zu keinem Ergebnis kommen sollten, wendet sich heute das „Journal". Es schreibt: Wenn die Konferenz der Finanzsachverständigen in Paris scheitert, dann wird — in dieser Hinsicht darf man und mit aller Schärfe durchgeführt werden, bereits zur Festnahme von 10 Personen geführt. Der Oberpräsident hat dem polnischen Generalkonsulat in Beuthen sein Bedauern über die Vorfälle ausgedrückt und erklärt, daß alles geschehe, um die Täter zu ermitteln und der notwendigen Sühne zuzuführen. — Der bedauerliche Vorgang muß, wie die Blätter bemerken, um so schärfer verurteilt werden, als deutsche Theatertruppen in dem polnischen Teil Oberschlesiens, so vor allem im Kattowitzer Stadttheater, seit Jahr und Tag deutsche Stücke in deutscher Sprache spielen. Oie ersten Folgen. Polnische Vergettungsmatznahmen in Kattowitz. K a t t o w i h, 30. April. (Priv.-Tel.) Die Ausschreitungen während und nach dem sonntäglichen Gastspiel der polnischen Kattowitzer Oper in Oppeln haben für die deutsche Minderheit in Polnisch-Oberschlesien empfindliche Folgen gehabt. Dor dem K a t t o- wiher Stadttheater sammelten sich am Montag gegen Abend große Massen demostrie- rendcr Polen, die energische Vergeltungsmaßnahmen forderten. Der Vorstand der deutschen Theatergemeinde in Kattowitz wollte dem Direktor des polnischen Theaters in Kattowitz sein Bedauern über die Oppelner Vorgänge aussprechen, wurde aber von den erregten Schauspielern zum sofortigen Verlassen desTheaters aufgefordert, und bis auf weiteres ist den Organisatoren der deutschen Theaterabende das Betreten des Theatergebäudes untersagt worden. Das Bureau und die Kassenräume der deutschen Theatergemeinde wurden geschlossen, die deutschen Schilder überstrichen, die deutschen Anschlagszettel an den Säulen und in den Straßenbahnen unkenntlich gemacht. Die deutschen Parteien und Verbände in Polnisch-Oberschlesien haben in offiziellen Erklärungen energisch gegen die Oppelner Vorgänge Stellung genommen. Der Reichsbankpräsidenl berichtet in Berlin Kein neues deutsches Angebot. - Oie Gestattung des Schlußberichts. Zehn Zchre Konferenzen. Vor 10 Jahren, am 29. April 1919, traf die deutsche Friedensdelegation in Versailles ein. Sie war 80 Köpfe stark und hatte sechs eigentliche Delegierte: den Reichsaußenminister Grafen Brockdorff-Ranhau, , bcn Rcichspostminister Giesberts, den Reichsjustizminister Dr. Landsberg, den Präsidenten der preußischen Landesvcrsammlung Le inert, den Abgeordneten Professor Dr. ' Schütting und den Hamburger Bankier Dr. Melchior zu Führern. Beigegcben waren ihr der damalige Ministerialdirektor und Leiter der Rechtsabteilung im Auswärtigen Amt, Dr. Simons, nachmals Reichsaußenminister und Reichsgerichtspräsident, der spätere Rechtsberater des A. A., heute Ministerialdirektor Dr. Gaus, und eine große Anzahl Sachverständiger für die verschiedenen militärischen, finanziellen, wirtschaftlichen und sonstigen Fragen. Seit dieser Konferenz, die bis in den Juni hinein dauerte und ergebnislos abgebrochen wurde, weil die Gegenseite diktieren wollte und schließlich auch diktiert hat, sind ihr viele weitere gefolgt, bis jetzt, wiederum in Paris, eine entscheidende Konferenz über die Reparationsfrage statt« findet. Es seien hier nur einige der wichtigsten verzeichnet: die Konferenz von Spa. die im Juli 1920 stattfand und das System der Barzahlungen und Sachlieferungen, ohne Rennung einer Endsumme, aber auf 30 Jahre begrenzt, deutsch^- seits zum Ziele hatte. Sic war ergebnislos. Cs folgte die Pariser Konferenz vom Januar 1921, bei der Deutschland nicht offiziell zugczogen war, aber die Gegenseite Forderungen aufstellte, die von 2 bis 6 Milliarden im Jahr steigen sollten, diese letztere Summe wurde vom l.Mai 1932 ab verlangt. Die Zahlungen sollten von 1921 bis 1962 laufen und um je 12 Prozent vom Wert der deutschen Ausfuhr erhöht werden. Es folgte die Londoner Konferenz vom 1. bis 7. März 1921, auf der Dr. Simons 50 Milliarden Gegenwartswert als deutsche Leistung vorschlug; hiervon sollten 20 Milliarden für den Böcrt der vorangegangenen Ablieferungen abgerechnet werden. Rach längeren Verhandlungen kam das bekannte London er Ultimatum in einer zweiten Konferenz in London vom 30. April bis 5. Mai 1921, das 132 Milliarden Goldmark, unter Anrechnung von nur 8 Milliarden für die vorherigen Leistungen verlangte und durch die sogenannten Sanktionen, Besetzung von Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort, Zollgrenze zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet Mw., erzwungen werden sollte. Ein Stundungsgesuch, das deutscherseits am 14. Dezember 1921 gestellt wurde, führte zu der Konferenz von Can- ne s: sie wurde wegen des Sturzes des^Kabinetts Briand am dritten Tage, am 13. Januar 1922 abgebrochen. .r Es folgten Sitzungen der Reparationskommis- fion und des sogenannten Obersten Rates in den nächsten Monaten, die man aber als Konferenzen nicht ansprechen kann; die Konferenz von Genua, die sich nicht ausschließlich aus Pie Reparationsfrage beschränkte, sondern den Charakter einer Weltwirtschaftskonferenz trug und bei der Deutschland zum erstenmal volle Gleichberechtigung genoß, tagte vom 10. April ms 19 Mai 1922 und führte u. a. zum vertrage von Rapallo am 16. April. Vom 7. bis 14. Aug. 1922 tagte eine neue Londoner Konferenz wegen eines deutschen Stundungsgesuchs, das ab- aelchnt wurde. Es folgte eine Wahrungskonfe- renz der internationalen Sachverständigen in Berlin 2. bis 10. November 1922, Ententekonferenzen in Lon d o n und Paris und nach dem dazwischenliegenden Ruhreinbruch die Lon doner Daweskonfereng vom 16. Juni vis 17 August 1924. Mit Locarno, 5. bis 16 Oktober 1924 ist die Reihe der internationalen Kon- fermen vor der jetzigen Sachverstandigenkonfe- renz abgeschlossen. Es sind also mindestens zwölf große Konferenzen wegen der Fr.edensvertrage und des Reparationsproblems bereits abgchal- ten worden ungerechnet die vielen internen Äon» Aenzendep ehemaligen Entente oder diezenigen, die sich mit Deutsch laich mcht berührenden Fra- aen b3aßt haben. Rechnet man Zeit und Kosten dieser Verhandlungen, so man eme endgültige und abschließende Rege ung auch unter diesem Gesichtswinkel dringend fordern. Oie Minderheitendenkschrist der Kleinen Entente. Zcdc Reform ist überflüssig. Berlin. 29. April. (Pr^'E^-^K^- liegt auch die Denkschrift der Lan^rr der K e n e n E n t e n t e zur ihr Urheber darf der griechische Rolkerbundsve treter P o l i t i s gelten, derselbe Mann der bei den Minderheitendebatten in Genf d e ^Hese Mello Francos von der allmählichen Auf sang ung der Minderheiten verteidigt hat Cs ist begreiflich, daß gerade bie Staaten der Klei ncn Entente, also Rumänien. Sud la Wien und die T sch e ch o s l o w a k c i, zu oe- uen in diesem Fall noch Polen und ®ne chenland treten, in der Mm^rhettenfrage c besonders schlechtes Gewissen haben. Sind sw es doch gerade, die in ihren Staaten iede ge rechte 'Minderheite,ipolitik auf das. sabotieren. Das jetzt geltende Minderheiten verfahren, dessen Wirkungslosigkeit .bekanntlich Anstoß zu Stresemanns Vorstoß im Roller- gegeben hat, wird als Ideal bezeichnet. keine Illusion bestehen lassen — die Frage a u f lange Zeit begraben sein, bis die Umstände die Wiederaufnahme der Verhandlungen erheischen und dann zweifellos unter weit weniger günstigen Bedingungen. — Das „Oeuvre" ist anderer Auffassung. Es erklärt, die Welt werde nicht einstürzen, wenn die Sachverständigen nicht zu einmütigen Schlußfolgerungen gelangen. Die Regierungen würden jedoch in dem Bericht, den man ihnen zustellen werde, a u s g e z e i ch - nete Anregungen finden. Die Frage, was Deutschland etwa für die vorzeitige Räumung des Rheinlandcs zu zahlen geneigt sei. könne brutal gestellt werken, jedoch könnten nur die Staatsmänner sie lösen. Bis dahin sei der Zwischenakt ohne Gefahr, denn der Dawesplan besteht ja weiter. — Auch „Quo-- tidien" vertritt einen dem „Journal" entgegengesetzten Standpunkt. Er erklärt: Das Wort haben die Regierungen. Oie französischen Kredite in Oeutschland. Berlin, 30. April. (TU.) 3n einem Brief an die DAZ. erklärt der Leiter des Pariser Bureaus des deutsch-französischen Studienkomitees, D i e n o t, daß nach seinen Informationen im Gegensatz zu der Veröffentlichung der „DAZ." weder die Regierung noch die Bank von Frankreich die Anordnung gegeben hätten, in Deutschland untergebrachte französische Kredite zurüttzuziehen. Demgegenüber stellt die „DAZ." noch einmal ausdrücklich fest, daß den deutschen Inhabern französischer Kredite in der Tat bei deren Zurückziehung von den betreffenden französischen Kreditgebern mitgeteilt worden ist, daß die Zurückziehung in Verfolg einer allgemeinen Weisung erfolge. Inzwischen habe allerdings in Paris ein anderer Wind zu wehen begonnen. Das sei aber erst geschehen, nachdem die dortigen Stellen erkannt hätten, daß ihr Vorstoß völlig wirkungslos habe verpuffen und nur ihnen selbst zum Schaden gereichen müssen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2wochcn: 1 Reichsmarll und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Ein Ermächtigungsgesetz? Berlin, 30. April. (Priv.-Tel.) Im Augenblick ist cs zwar um die innerpolitische Krise, um das Versagen der Parteien und den Spuk einer Parlamentsauflösung still geworden, aber um so interessanter ist die Tatsache, daß sich auch jetzt noch ernsthafte Kreise, vor allem der Deutschen Volkspartei, ganz konkret mit der Forderung nach einem Ermächtigungsgesetz beschäftigen. Anlaß für eine solche Politik bietet die Entwicklung der finanziellen Lage, die wieder neu aufgctauchten Gerüchte über eine nicht mehr zu umgehende Steuer- erhöhung spätestens im Herbst dieses Jahres, womit natürlich eine neue schwere Belastung für die Große Koalition zweifellos gegeben ist. Daneben spielt das Anwachsen der raöi- k«a I en Strömungen eine gewisse Rolle. So taucht der Gedanke, der Innenpolitik durch ein Ermächtigungsgesetz zu einer stärkeren Zusmn- menfassung und zielklareren Führung zu verhelfen in voltsparteilichen Kreisen erneut wieder auf, wobei man diese Forderung schon jetzt erhebt, um vorbeugend dem gefürchteten Druck ernster Rot rechtzeittg entgegenwirken zu können. Interessant ist, daß die Liste der in diesen volksparteilichen Kreisen für die Durchführung eines solchen Ermächtigungsgesetzes genannten Rarnen außerordentlich vielseitig ist und von dem sozialdemokratischen preußischen Minister- Präsidenten Otto Brann bis zu dem der Volkspartei nahestehenden Dr. Luther reicht. Es cheint. daß die Rede Brauns im preußischen Landtag vor knapp einer Woche zur Pariser Reparationskonserenz die Popularität dieses Mannes auch über seine Parteikreisc hinaus vergrößert hat. Auch der preußische Finanzminlster Höpter-Aschoff und der Zcntrumsabgevrd- nete Brüning, der sich vor allem auf sozialpolitischem und finanziellem Gebiete betätigt, werden in diesem Zusammenhänge genannt. Es scheint also, daß der Gedanke eines Ermächtigungsgesetzes vor allem angesichts des voraussichtlichen Mißerfolges in Paris zwar in der allgemeinen Diskussion zurüttgetrcten ist, aber immer noch eine gewisse Rolle spielt. Oer 1. Mai in Berlin. .Höchste Alarmbereitschaft der Polizei. Berlin, 29. April. (WTB.) Der Polizeipräsident hat für den l.Mai bereits von den frühesten Morgenstunden ab die höchst c Alarmbereitschaft für die Schutzpolizei angeordnet. Der Streifen- und der Postendienst werden ganz erheblich verstärkt, ebenso der Straßenaufsichtsdienst durch den Einsatz zahlreicher Kraftwagen st re i- f e n zu den Ueberfallkornmandos. Mit Rücksicht auf die wiederholt von den kommunistischen Demonstrationen an einzelnen Schutzpolizisten verübten Tätlichkeiten werden am l.Mai alle Streifen so stark sein, daß sie sich überall durchsetzen können. Fliegende Wachen und sonstige Reserven an den Brennpunkten des Verkehrs haben die Aufgabe, an wesentlichen Plätzen und dergleichen jede Demonstration zu unterbinden. Ihr besonderes Augenmerk haben die Schuhpolizeibeamten auch darauf zu richten, daß die öffentlichen Verkehrsmittel nicht behindert werden. Schwere Kommunistenübersälle aus die Polizei. Berlin. 29. April. (WB.) In den Abendstunden des Montags kam es an den verschiedensten Punkten der Stadt zu kommunistischen Zusammenrottungen unö 11 eberfüll e n auf Polizeibeamte. Die Kommunisten wandten ihre übliche lleberfalltaktik an. Auf ein Kommando sammelten sich plötzlich an Brennpunkten des Verkehrs Rotten von 200 bis 300 Mann in Zivil und fingen an, Riederrufe auf die Polizei auszubringen. Sobald dann Polizeibeamte einfchritten, fielen sie über diese her. Besonders schwer war ein Zusammenstoß, der sich gegen 7*/2 Uhr abends auf dem Potsdamer Platz ereignete, wo plötzlich etwa 200 Demonstranten auf tauchten, die versuchten, im geschlossenen Zuge in die Leipziger Straße zu marschieren, und die ihnen entgegentretenden Polizeibeamten tätlich angriffen. Dabei ist einer der Beamten erheblich verletzt worden, da er zu Boden geworfen und mit Stiefelabsätzen bearbeitet wurde. Sechs Personen wurden feftgenommen. Ebenso kam es zu einer Zusammenrottung vor dem Gebäude des „Vorwärts", bei der einer der Haupt- heher schließlich festgenommen wurde. Aehnliche Vorfälle spielten sich noch am Richard-Platz in Reukölln ab. wo sechs jugendliche Mitglieder des Jungspartakusbundes festgenommen wurden, und in der Gneifenaustrahe, wo beim Einschreiten der Polizei ein Wachtmeister durch Schläge erhebliche Kopfverletzungen erlitt. — Wie der kommunistische „Berlin am Morgen" mittcilt, ist von der Staatsanwaltschaft gegen drei Redakteure der Berliner „Roten Fahne" ein Verfahren wegen Aufforderung zum Wider st and gegen die Staats- ' gcwalt eingeleitet worden. Dor neuen Kemeprozeffen. t Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Da der Reichstag im vorigen Jahr, nicht den Mut aufbrachte, die i Generalamnestie auch auf die sogenannten Feme- i mörder restlos auszudehnen, wird uns die nahe Zukunft eine Reihe neuer Prozesse bescheren, in deren Oppeln, 29. April. (WTB.) Der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien veröffentlicht einen Bericht über bedauerliche Vorfälle, die sich nach einem Gastspiel der Kattowitzer Oper im Oppelner Stadttheater ereignet haben. Aus dem umsangreichen Bericht ist u. a. folgendes zu entnehmen: Der Polizeipräsident von Oppeln hatte anläßlich des Gastspieles besondere Vorsorge zur Verstärkung der sonst üblichen Theater- wache im Eingang des Theaters, sowohl als auch im Theater selbst getroffen. Die Aufführung verlies im allgemeinen ungestört, außer, daß zweimal Stinkbomben geworfen wurden. Es wurden darauf in einer Loge insgesamt zehn Jugendliche festgenommen, die der N a t i o n a l s o z i a l i st i - schen Arbeiterpartei angehören. Sie waren nicht im Besitze einer Einlaßkarte. Als vor dem Schluß der Vorstellung sich vor dem Theater eine große Menschenmenge ansam melke, forderte der diensttuende Polizeioffizier eine erhebliche Verstärkung an. Nach Schluß der Vorstellung traf der persönlich anwesende Polizeipräsident Mai selbst die notwendigen Anordnungen, um ein unbehelligtes Wegfahren der Mitglieder des Kattowitzer Theaters zur Bahn zu gewährleisten. Diese waren durch den Anblick der vielen Menschen auf dem Ringe, welche stark lärmten, in große Aufregung geraten. Der Polizeipräsident ließ durch Beamte der Kriminalpolizei beruhigend auf die Menschenmenge einwirken. Während dieser Zeit hatten die Mitglieder des Kattowitzer Theaters bereits vorzeitig ohne Wissen des Polizeipräsidenten das Theater verlassen, so daß es unmöglich geworden war, ihnen auf dem Wege zur Bahn polizeilichen Schutz zu geben. Als die Polizeibeamten am Bahnhofseingang eintrafen, hatte die Theatergesellschaft bereits den Bahnhof betreten und war hier von einigen jungen Burschen angegriffen worden. Nach den Feststellungen des Bahnarztes haben die Angegriffenen Verletzungen erheblicher Art nicht erlitten. Es handelt sich um kleine Stirnwunden, eine Armkontusion und um Kratzwunden im Gesicht bei mehreren anderen Personen. Im Laufe des Montags haben die polizeilichen Ermittlungen, die noch nicht abgeschlosien sind, GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverMts-vnch- und Steindruckerei B. lange In Sietzen. Schristleitnng und Geschäftsstelle: Schnlftratze 7. Mittelpunkt wieder Oberleutnant Schulz, einer der Organisatoren der Schwarzen Reichswehr, steht. Schulz befindet sich noch immer in Haft, obwohl niemals schlüssige Beweise dafür erbracht werden konnten, daß er sich an Morden beteiligt hatte. Eine neue Begnadigungsaktion sollte nun kürzlich in die Wege geleitet werden. Sie wurde abgestoppt, weil inzwischen der Feldwebel Fahlbusch von Amerika ausgeliefert wurde, der jetzt gestanden haben soll, daß er von Schulz zu einem Mord an« gestiftet worden sei. Infolgedessen wird gegen Schulz ein neues Verfahren eröffnet, und der traurige Film der Fememorde noch einmal ab- gerollt. Oie Reform des Schlichtungswesens. Vorschläge der Arbeitgeber. Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Die Re- formvorschläge der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zur Schlichtungsverordnung wenden sich gegen die bisherige Regelung des Schlichtungsverfahrens, das nach Ansicht der Arbeitgeber durch Einschränkung der eigenen Derantwor- rung der Vertragsparteien, bei_ diesen bei schwerwiegenden Entscheidungen die Fähigkeit zu verantwortungsbewußtem Handeln schwächt, und ferner durch das „$) ine in tragen wechselnder politischer Einflüsse, Den ohnehin schwierigen sachlichen Ausgleich der sozialen und wirtschaftlichen Aotwendigkeiten und die gesunde Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft gefährdet". Dementsprechend wird gefordert, daß die freie Vereinbarung stärker als bisher in den Vordergrund gestellt werden soll und dem staatlichen Schlichter nur eine engbegrenzte Tättgkeit zugewiesen wird. In der Regel sollen zu vereinbarende freiwillige Schlichtungsstellen in Tättgkeit treten: nur im Falle eines Fehlens^ Lieser Schlichtungsstellen sollen die staatlichen Schlichter eingreifen. Die staatliche Schlichtunys- kammer soll versuchen, in erster Linie eine Einigung der Parteien herbeizuführen. Falls diese nicht zustande kommt, soll die Schlichterkammer das Recht erhalten, einen Schiedsspruch abzugeben. Für das Zustandekommen 6e8 Schiedsspruchs soll eine e i n f a ch e S t i m- men Mehrheit erforderlich sein. Die Der- bindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen soll nur bei Gesamtstreittgkeiten _ i n „lebenswichtigen Betrieben" zulässig sein, sowie bei „Gesamtstreittgkeiten, die die Deutsche Volkswirtschaft so stark treffen, daß die Lebensmöglichkeit der Gesamtbevölkerung gefährdet ist". Oie Lohnbewegung der Reichsarbeiter. Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Rach dem „D.T." fand heute nachmittag eine gemeinsame Besprechung des Reichskabinetts und des preußischen Staatsmini st eriums im Reichstage statt. Auf der Tagesordnung der ae- meinsamen Kabinettssihung stand vor allem die Regelung der L o h n f r a g e für die Eisenbahn- nnd Postarbeiter sowie für die Reichs- und Staatsarbeiter. Auch Vertreter der Reichsbahn waren anwesend. Das Ziel der Besprechung war trotz der überaus schlechten Finanzlage sowohl der Reichsbahn wie des Reiches und der Länder eine gemeinsame Basis für eine befriedigende Lösung des Lohnkonfliktes zu finden und gleichzeitig durch eine langfristige Festlegung der Arbeitsbedingungen eine Störung des Wirtschaftsfriedens in absehbarer Zukunft hintanzuhalten. Die Reichsbahn, die wohl der ausschlaggebende Faktor bei dieser Auseinandersetzung ist, stellt sich, wie wir von gut unterrichteter Seite hören, auf den Standpunkt, daß Lohnerhöhungen nur dann bewilligt werden könnten, wenn ent- spreck^nde Erhöhungen der Tarife durchgeführt würden. In diesem Zusammenhang erwägt die Leitung der Reichsbahn die Aufhebung besondere rDergün st igungen, die sie bisher gewährt hat, in erster Linie eine Erhöhung der Tarife bei den Arbeiterwochenkarten. Da hier eine relattv große Zahl in Frage kommt, glaubt die Reichsbahn auf diesem Wege die Mehrbelastung durch eine Lohnerhöhung von rund 80 Millionen Mark wieder einbringen zu können. Rechtsstagen im Haushaltsausschuß. Juristische Vorbildung. — Aufwertungshypotheken. Berlin, 29. April. (D.D.Z.) Im Haus- hallsausschuh des Reichstages erklärte bei der Beratung des Etats des Reichsjustizministeriums Reichsjustizminister v. G u 6 r a r d u. a.. bei der Frage der Vereinheitlichung der juristischen Vorbildung kämen drei Punkte in Frage: 1. Vereinheitlichung der in den einzelnen Ländern zur Zeit geltenden, voneinander stark abweichenden Ausbildungsvorschriften, 2. Vereinheitlichung der Vorbildung zum höheren Richterund höheren Verwaltungsdienst, 3. stärkere Betonung der öffentlich-rechtlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Am 6. Oktober v. I. hätten eingehende Besprechungen mit den Landesregierungen hierüber stattgefunden. Cs sei ein Ausschuß eingesetzt worden, der zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten die Mehrhcitsauffassung, eine 6 V, jährige Gesamtdauer der Ausb ildung einschließlich einer mindestens halbjährigen Verwaltungspraxis, genommen habe. Staatssekretär Dr. I o e l berichtete über die Frage der Aufwertungshhpotheken. Eine Verlängerung des Moratoriums könne nur erfolgen, wenn der jetzige Zinssatz von 5 Prozent ab 1932 wesentlich erhöht werde. Das bedinge aber eine Aenderung des Bürgerlichen Gesetzbuches. Schwierig sei die Lösung dieser Frage auch wegen der Höhe der 1932 fälligen Hypotheken, die auf mindestens 6 Milliarden geschäht würden. Der Zustand der Grundbücher müsse Wieder übersichtlich gestaltet werden, die Papiermarkeintragungen in Goldmarkeintragungen umgeschrieben oder gelöscht werden. Hierüber sei ein Gesetzentwurf in Bearbeitung. Handelsvertreter und Gewerbesteuer. Die Absicht, die freien Berufe der Gewerbesteuer zu unterwerfen, muh nach dem Abstimmungsergebnis im Preußischen Landtage als endgültig gescheitert angesehen werden. Die Gründe, OieRegienmgskrifis in Oesterreich Von Seipel zu Sireeruwitz. Von unserer Berliner Redaktion. Berlin, 30. April. Fast vier Wochen hat glücklich nun auch die Regierungskrise in Wien gedauert. Nicht ganz solange, wie wir das bei uns in Deutschland gewohnt sind. Immerhin aber doch eine Zeit, in der so ziemlich sämtliche Kombinationen durchprobiert werden konnten. Und das Ergebnis ist schließlich gewesen, daß ein Mann an Seipels Stelle tritt, den außerhalb der österreichischen Grenzen wohl bis zum Tage seiner Nominierung nur sehr wenige gekannt haben: Herr Dr. Streeruwitz. Was von ihm berichtet wird, aeht eigentlich wenig über die übliche parlamentariscye Laufbahn hinaus, allerdings mit dem einen und vielleicht entscheidenden Unterschied, daß er von der Wirtschaft her kommt. Er ist nicht Berufsparlamentarier, sondern er ist Industrieller, Leiter einer der größten österreichischen Textilsirmen, dem nachgerühmt wird, daß er es verstanden hat, in seinem eigenen ziemlich schwierigen Betrieb Ordnung zu halten und Arbeitsniederlegungen zu verhindern. Das ist immerhin schon etwas, denn der künftige österreichische Ministerpräsident wird in erster Linie seinen Befähigungsnachweis an wirtfchaftlichenFra- gen zu erbringen haben. Das ganze Unglück dieses zwangsweise für selb- ständig erklärten Gebildes ist ja, daß die natürlichen Voraussetzungen eines Staates nicht gegeben sind, daß es sich nicht selbst ernähren kann, daß seine Industrie für das Land viel zu groß ist, daß aber durch die industrielle Ueberseßung der früheren österreichischen Provinzen, die sich alle durch eigne Schutzzollgrenzen abgeschlossen haben, die Möglichkeiten zum Export stark beschnitten sind. Herr Seipel hat versucht, mit Hilfe der Dölkerbunds- anleihe, die im Vertrauen auf seine Person gegeben wurde, die innere Umschaltung vorzunehmen, was ihm nur teilweise gelungen ist; und ihm auch nur teilweise gelingen konnte, weil die österreichische Sozialdemokratie die ökonomischen Voraussetzungen der Existenzfähigkeit des Staates nicht einsehen wollte, sondern sozialpolitische Experimente machte. Dazu das Mißverhältnis, daß die Landeshauptstadt fast ein Drittel der Ein- wohn er ganz Oesterreichs umfaßt, und daß in dieser Hauptstadt wieder eine Sozialdemokratie radikaler Schattierung das Heft in den Händen hat: Probleme also, die eine starkeHand brauchen, um sie meistern zu können. Freilich, Herr Seichel hat mancherlei getan, um seinen Rachfolgern die Wege zu ebnen. Die Angst, als er zurücktrat. War bei den Sozialdemokraten so groß, daß sie plötzlich mit sich reden ließen, und die Reform des Mieten- g e s e h e s , der fie seit Iahren leidenschaftlich widerstrebt hatten, zugestanden, so daß dadurch zumal für Wien die Möglichkeiten einer ver- nünfttgen Wohnungspolitik und einer Wiederherstellung des Hypothekarkredits gegeben sind. Da auch bei den Grohdeutschen und bei den Agrariern der neue Mann weitgehendes Entgegenkommen gefunden hat, sind die Auspizien seines Regierungsantrittes nicht ungünstig. Vielleicht gelingt es ihm, über die ersten schweren Monate Hinwegzukommen. Am Ende freilich wird die Auflösung des Parlamentes stehen, und bis dahin muß er zeigen, ob er stark genug ist, der übermächtig gewordenen Sozial- demokratte ein Paroli zu bieten. die für die Freistellung der freien Berufe ins Feld geführt worden sind, treffen in gleicher Weise aber auch für die selbständigen Handelsvertreter (Handlungsagenten im Sinne des § 84 H.G.B.) zu. Auch der Handelsvertreter arbeitet mit keinem im Betriebe investierten Kapital. Sein Einkommen bezieht er nur aus persönlicher Arbeitsleistung. Für seine Berufsarbeit erhält er überdies ein Entgelt nur dann, wenn er tatsächlich Aufträge für das vertretene Haus erzielt. Da er auf die Preisgestaltung der Waren keinen Einfluß hat, ist es ihm auch nicht möglich, die Gewerbesteuer irgendwie abzuwalzen. Sein Unternehmen, das keinen Kapitalwert darstellt, das vielmehr auf reinen Persönlichkeitswerten und auf den engen Beziehungen zur Kundschaft aufgebaut ist, kann er nicht veräußern. Wenn er auch rechtlich und subjektiv selbständig ist, so ist er auf Grund der Bestimmungen der Paragraphen 84 ff. H.G.B. wirtschaftlich doch in weit stärkerem Maße abhängig, als irgendein Angehöriger eines freien Berufes. Deutscher Reichstag. Berlin, 29.April. (VDZ.) Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wird fortgesetzt beim Kapitel „Sozialversicherung". Abg. P e tz o l d (Wtsch.-P.) tritt für die Jnnungs- krankenkassen ein und wendet sich gegen den Plan, die Einkommensätze für die Zwangsversicherung in Ortskrankenkassen und in der Angestelltenversicherung weiter zu erhöhen. Abg. Ziegler (Dem.) erklärt, die Demokraten seien nicht grundsätzlich Gegner der Jnnungskranken- kassen, aber sie seien gegen di« Besttmmung, daß Jnnungskrankenkassen für eine so kleine Zahl Der- sicherter gegründet werden, daß die Beiträge kaum zur Deckung der Verwaltungskosten ausreichen. (Unruhe bei der Wirtschaftspartei.) Die Reichsregierung sollte einmal das Material über die Zustände bei den Jnnungskrankenkassen bekonntgeben. (Große Unruhe bei der Wirischaftspartei.) Der gegen die Krankenkassen erhobene Vorwurf der Verschwendung sei unberechtigt. Abg. Troßmann (Bayer.Dp.) führt aus, der starke Geburtenrückgang hänge zum großen Teil mit der wirtschaftlichen Notlage zusammen. Die Fürsorge für die Kinderreichen müsse verbessert werden. Bei der Familienversicherung könne die Sozialversicherung noch viele Ver- besierungen durchführen. Abg. S t ö h r (Nat.-Soz.) begründet den Antrag seiner Freunde, die Ungleichheiten bei der Behandlung der Sozialversicherten im Saargebiet endlich durch Bereitstellung von 120 Millionen im Etat zu beseittgen und die hier begangenen Ungesetzlichkeiten durch einen Unterausschuß klären zu lassen. Damit schließt die Besprechung zum Kapitel „Sozialversicherung". Die sozialdemokratischen Anträge auf Erhöhung der Pflichtgrenze in der Angestelltenversicherung werden durch die Erklärungen der Regierung als erledigt erklärt. Der von den Nationalsozialisten beantragte Untersuchungsausschuß wird gegen die Antragsteller und Kommunisten abgelebnt, während die übrigen Einzelforderungen dem Ausschuß überwiesen werden. Es folgt die Aussprache über den Abschnitt „Arbeitsvertragsrecht, Schlichtungswesen, Arbeitsschutz". Abg. Frau Weich (Soz.) verlangt die schleunige Vorlegung eines Hausangestelltengesetzes und die Verhinderung der Kinderarbeit auch in der Landwirtschaft. In Ostpreußen gehe die Ausnutzung der Kinder in der Landwirtschaft so weit, daß viele Kinder überhaupt keinen geregelten Schulunterricht genießen. Angenommen wird ein sozialdemokratischer Antrag, der die baldige Vorlegung einer Seemanns« ordnung, eines Hausgehilfengesetzes, eines Tarif- vertragsgesetzes und eines Arbeitsvertragsgesetzes verlangt, ebenso der demokratische Antrag, der eine Denkschrift über die mit der Durchführung des Betriebsrätegesetzes gemachten Erfahrungen fordert. Ein deutschnationaler Antrag auf Zulassung von Rechtsanwälten bei den Arbeitsgerichten wird abgelehnt. Verschiedene andere Anträge werden Ausschüssen überwiesen. — Dienstag: Rest der Kapitel des Arbeitsministeriums und Haushalt des Reichs- ernährungsministeriums. Ser Kampf um die Ejnwandenmgsquoten in L.S.L. Washington. 30. April. (WTB. Funkspruch.) Ohne einen sogenannten Kalendertag ab» zuwarten, an dem die einfache Mehrheit entscheidet, unternahm Senator R h e heute im Einwanderungsausschuh des Dundessenats den Versuch, die Entscheidung über die Aufschiebung der neuen, auf Grund der Ursprungstlausel berechneten EiiUvanderungsquOten durch einen entsprechenden Antrag der Jurisdiktion des Ein- wanderungsausschusses zu erzwingen. Zur Annahme des Antrags wäre Einstimmigkeit erforderlich gewesen, Senator Reed opponierte jedoch und behauptete, die Propaganda gegen die neuen Quoten würde lediglich von den „Binde st richamerikanern" und den Schiff ahr tge sellschaf ten betrieben. Senator Iohnson, der Vorsitzende des Ausschusses, machte Reed darauf aufmerksam, daß auch Präsident Hoover Gegner der neuen Quoten sei. Reed erwiderte, wenn Hoover die Devöllerungsprobleme so genau studiert hätte wie die Wirtschafts- und Agrarfragen, würde er auch für die Einführung der Ursprungsklausel eintreten. Senator Black (Alabama) kündigte an, daß er eine Resolutton einbringen werde, alle Einwanderung für die Dauer von 10 Iahren aufzuheben. Aus aller Welt. Schwerer Betriebsunfall auf der Neuyorker Untergrundbahn. 3n dem Stadtteil Vronx fuhr ein vollbesetzter Zug der Untergrundbahn, aus schweren Metall- wagen bestehend, in voller Fahrt auf einen vor ihm haltenden Hochbahnzug, der aus leichlge- bauten Holzwagen zusammengestellt war. Bei dem Zusammenstoß, der an einer Stelle erfolgte, wo die Untergrundschnellbahn die Gleise der Hochbahn benutzt, wurden 3 Personen getötet und etwa 40 verletzt. Unter den Insassen entstand eine ungeheure Panik, die noch dadurch gesteigert wurde, daß die übrigen wagen des Hochbahnzuges in Brand gerieten. Durch dos Feuer wurden die Rettungsarbeiten stark behindert. Polizei, Aerzte und Sanitätspersonal der in der Rahe Liegenden Krankenhäuser sowie die Feuerwehr eilten zu der Unglücksslelle und arbeiteten fieberhaft an der Rettung der verunglückten. Der Zusommenstoß der beiden Schnellbahnzüge erfolgte in einer Kurve. Der Vorderteil des Expreßzuges und der hinterteil des Hochbahnzuges wurden vollständig zertrümmert. Ls gelang, das Feuer rasch zu löschen. Die Leiche des Führers des Lxprehzuges konnte nur mit dem Azetylengebläse befreit werden. Seine Hand ruhte noch auf der Rotbremse, der Motor war umgeschaltet. Der heftige Anprall halte alle Insassen von ihren Sitzen geschleudert. Bei der furchtbaren Panik, die sich der etwa 3000 Passagiere beider Züge bemächtigte, versuchten die Unverletzten, rücksichtslos über die Körper der verletzten trampelnd, die Ausgänge zu erreichen. Polizei und Feuerwehr muhten sich den weg zu den vielen Bewußtlosen und verletzten mit Gewalt erkämpfen. Opfer des Verkehrs. In Reuhork find bei Autounfällen am Sonntag im ganzen 11 Personen getötet und etwa 20 Personen verletzt worden. Bei Reuhamptonnewy wurde ein Automobil von einem Cisenbahnzug erfaßt und völlig zertrümmert. Hierbei wurden neun Personen, darunter sieben Kinder, getötet. Bei einem gleichen Unfall in Indiana wurden neunter« fönen getötet. — Ein Lastkraftwagen, mit dem 21 Arbeiter aus Zdikow nach Prag zur Arbeit fuhren, stieß bei Groß-Kuchelbad gegen einen starken Baum und überschlug sich dann. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, elf weitere wurden verletzt, davon sieben schwer. Einer der Schwerverletzten ist inzwischen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. — In Riederdodeleben (Kreis Wolmirstedt) fuhr der Fleischer Thieß mit seinem Motorrad in voller Fahrt gegen eine Gartenmauer. Sein Sozius, der Musiker Wille, war sofort tot, während der Führer kurz daraus feinen schweren Verletzungen e r I a g. — Auf bisher ungeklärte Weise geriet ein Krast- wagen auf der Fahrt von Wanne nach Gelsenkirchen zwischen die geschlossenen Schrankenbäume der Kreuzung der Straße mit der Bahn von „Unser Fritz" nach Wanne. Bevor der Wärter die Schranken wieder öffnen und den Kraftwagen weiterfahren lassen konnte, war ein Personenzug von „Unser Fritz" herangekommen und hatte den Wagen erfaßt. Der Zug schleifte ihn 100 Meter weit mit, bis der Wagen zertrümmert liegen blieb. Der Fahrer wurde getötet. Weitere Personen waren nicht im Wagen. — Ein Automobil, in dem eine sechs köpf ige Familie einen Ausflug unternahm, wurde in Elkton (U.S.A) von einem Eisenbahnzug erfaßt und zertrümmert. Fünf der Insassen waren auf der Stelle tot, während das einzig überlebende Mitglied der Familie, ein Kind von 18 Monaten, schwer verletzt wurde. Rachverhandlungen über den Schiedsspruch für den Ruhrbergbau. Rachdem die Arbeitnehmerverbande des Ruhrbergbaus dem Schlichter chre Ab« l e h n u n g des in der vergangenen Woche gefällten Schiedsspruches mitgeteilt haben, der Zechenverband aber seine Bereitschaft zur Annahme erklärt hat, sind für Dienstag im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen anberaumt worden. Waldbrand am Hartmannsweiler Kopf. Ein Brand in den Vogesenwaldungen am Hart- mannsweiler Kopf hat den Charakter einer Katastrophe angenommen. Seit zwei Uhr früh bedroht das Feuer die Ortschaft W a 11 w e i l e r. Im Laufe des Vormittags sind neue Brandherde entstanden. Das ganze Thal von Thann bis Gebweiler gleicht einem riesigen Flammenmeer, dessen Schein zehn Kilometer weit sichtbar ist. Zahlreiche im ehemaligen Kampfgebiet verschüttete Granaten sind explodiert. Der Präfekt des Departements Oberrhein hat die Hilfe der Kdl- marer Garnison erbeten, die mit den Feuerwehren der umliegenden Ortschaften an der Bekämpfung des Brandes arbeitet. Die „Mecklenburger Rachrichten" stellen ihr Erscheinen ein. Die deutschnattonalen „Mecklenburger Rachrichten" in Schwerin haben nach dreiundfünf- zigjährigem Bestehen am Montag ihr Erscheinen eingestellt. Der Verlag veröffentlicht eine längere Erklärung, aus der ersichtlich ist, daß geschäftliche Schwierigkeiten die Ursache für die plötzliche Einstellung des Blattes gewesen sind. In der Erklärung wird weiter der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es gelingen möge, bald wieder eine deutschnationale Zeitung in Mecklenburg-Schwerin herauszugeben. Eine hohe Auszeichnung für General Booth. Der bisherige Leiter der Heilsarmee, General Booth, ist durch den König von England zum Mitglied des Ordens „Companion of Ho - n o u r" ernannt worden. Der Orden, der im Iahre 1917 geschaffen wurde, ist auf 50 Mitglieder beschränkt und wird für hervorragende Dienste von nationaler Bedeutung verliehen. Titel oder andere Vorteile sind damit nicht verbunden, doch zählt er zu den höchsten Auszeichnungen. die England zu vergeben hat. Die Verleihung hat nicht nur in der Heilsarmee, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit starke Befriedigung ausgelöst, da die hervorragenden Verdienste von General Booth auch nach den kürzlichen unerfreulichen Auseinandersetzungen innerhalb der Heilsarmee überall volle Anerkennung finden. Kanarienvögel als Versuchstiere bei Malariaforschung. Daß Kanarienvögel für Malaria besonders empfänglich sind, ist seit langem eine feststehende Tatsache für die medizinische Wissenschaft. Auf Grund dieser Tatsache sind daher seit 10 Iahren an der Universität in Baltim ore Versuche mit Kanarienvögeln angestellt worden, um der Krankheit durch Erkenntnis des Malariaerregers ihre Gefährlichkeit zu nehmen. Das soll nach amerikanischen Berichten jetzt auch tatsächlich gelungen sein. Die in den letzten 10 Iahren gemachten Beobachtungen an infizierten Kanarienvögeln haben zu der Erkenntnis geführt, daß die für die Krankheit verantwortlichen Parasiten ausschließlich in den roten Blutkörperchen vorkommen, wodurch der Medizin eine wirksame Handhabe für die Bekämpfung von Malaria gegeben ist. Oie Wetterlage. 6 o ■Scydlsf. rStocMi •ADerdeeiv La Coruna PL Montag. d.29.Apri! 1929,7* afrds. 0wolkenlos. <3 neuer, o natft Bedeckt.® womig. • eedecxt »Regln * Schnee n Graupeln. - Heftel K Gewitter .(g)windstilie.«o, sehr reicnter Ost massiger Südsüdwest. q stürmischer «ordwest Oie Pfene fliegen mit dem Winde. Die oei den Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Limen Verbinden Ort- mit gleichem, auf Meeresniveau umgererhneten Uiftdruck Wettervoraussage. Unsere Wetterlage steht unter dem Einfluß der westlichen Druckstörung, deren Kern sich nach dem Nordseeküstengebiet verlagert hat. Ihr Vorderseiten- einfluß brachte kräftige Erwärmung, die zu Gewitterstörungen und Niederschlägen führte. Mit dem Zustrom kühler Lustmassen an der Rückseite der Störung bleibt das Wetter veränderlich. Allmähliche Erwärmung und wechselnde Bewölkung sowie einzelne Schauer bestimmen morgen den Witterungscharakter. Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, leichte Abkühlung, vereinzelte Schauer. Wettervoraussage für Donnerstag: Mäßig warmes und wolkiges Wetter, noch Neigung zu ftrichweifen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 29. April: mittags 18 Grad Celsius, abends 9,8 Grad: am 30. April: morgens 11 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum 5,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. April: abends 14,4 Grad: am 30. April: morgens 9,1 Grad. — Niederschlag 2,8 mm. — Sonnenscheindauer 23A Stunden. -?bände ge. ^•tn, hp. Brr * mtb?. fiop|. en Qm hart, ''nrr Kota, lch bedroh, r- Sn, Laufe ^"dt ent. !" b>r Eeb- rlQmmen. wttaa», Mbiet 6er. Der Präfekt '(fc der fitb Feuerwehren Bekämpfung M ihr urs« TLai). ormndsünt. AW euilcht eine l' irden, um der lalanaerregers W soll nach tatsächlich ge- ) Jahren seien Kanarien- geMri, dah chen Parasiten örperchen vor- eine tvirksame von Warta lur^' ..fr d^?'A b?m ÄS? SxS !«-S mg 2-charat's'^ 18 0^ Aus der Provinzialhauptstadt. Sieben, den 30. April 1929. Km die Bebauung der Schwarzlach. Auf Einladung der Stadtratsmitglieder Nikolaus, Haubach und Balzer fand gestern abend im Saale des Caf6 Leib eine gut besuchte Versammlung von Bewohnern des Nordostoiertels und Freunden des Nordostens statt, die sich in eingehender Aussprache mit der Frage der Bebauung der Schwarzlach beschäftigte. Der Versammlungsleiter, Stadtratsmitglied Bal. zer, bezeichnete den guten Besuch als einen Beweis dafür, daß die Fragen des Nordostviertels die Oeffentlichkeit stark interessieren. Er betonte, daß man in dieser Sache allenthalben in dem Bestreben auf Förderung des Nordostviertels einig sei, Meinungsverschiedenheiten dagegen nur über die Frage der Bauausführung bestünden. Als Referent sprach hierauf das Stadtratsmitglied Nikolaus. Der Redner beschäftigte sich einleitend mit den Verhandlungen des Vorstandes des Nordostvereins am Montag voriger Woche und erklärte, in dieser Sitzung seien nach den ihm gewordenen Informationen wahlagitatorische Momente im Hinblick auf die kommenden Stadtratswahlen in die Frage der Schwarzlach hineingetragen worden. Er widersprach weiter der Behauptung, daß er und die übrigen Mitglieder der Bauausschußmehrheit von ihren Versprechungen an den Nordosten abgewichen, also umgefallen seien. Weiter verwies er darauf, daß das Bauprogramm der Stadtverwaltung, das für die Schwarzlach in diesem Jahre 60 Wohnungen vorsehe, einstimmig angenommen worden sei und daß ebensolche Einhelligkeit herrsche hinsichtlich der Erschließung dieses Viertels. Sodann kam der Redner auf die Differenzen zwischen der Bauausschußmehrheit und der Stadtverwaltung hinsichtlich der Art der Baugestalluna in der Schwarzlach zu sprechen, wobei er den Standpunkt der Bauausschußmehrheit verteidigte. Dieser Standpunkt geht dahin, die Geländestücke zwischen Ederstraße-Asterweg- Steinstraße zunächst zu bebauen und bann erst eventuell eine Verlängerung des Asterweges in die Schwarzlach hinein vorzunehmen, wenn auf jenen Geländestücken die vorgesehenen 60 Wohnungen nicht untergebracht werden könnten. Für die von der Bauausschußmehrheit vorgeschlagene Regelung machte der Redner geltend^ daß sie dem Stadtbild an jener Stelle ein gutes Gesicht gebe und das Auf- tauchen unfertiger Straßenteile hintanhalte, damit den Reisenden von der Bahnstrecke her ein freundliches Bild geboten werde. Im Gegensatz dazu wolle die Stadtverwaltung die 60 Wohnungen beiderseits der vorzunehmenden Verlängerung des Asterweges errrichten und die Geländestümpfe zwischen den obenerwähnten Straßen erst später durch Bebauung schließen. Diesen Standpunkt halte die Mehrheit des Bauausschusses nicht für richtig. Natürlich könne trotzdem von einer Gegnerschaft des Bauausschusses gegen das Nordostviertel keine Rede sein. Der Redner beschäftigte sich weiterhin polemisch mit den Verhandlungen des Vorstandes des Nordostvereins am Montag voriger Woche, streifte dabei kurz den Artikel des „Gieß. Anz." vorn vorigen Samstag, nahm für sich und die anderen Herren der Bauausschußmehrheit rein sachliche Beweggründe bei ihrer Entscheidung in Anspruch und wies ihm be- rannt gewordene unzutreffende Unterstellungen gegen einzelne Mitglieder der Bauausschußmehrheit 3jas wneunnis meiner sc prächtig erhaltenen Wäsche? zurück. Zum Schlüsse betonte er, daß die Bau aus- schußmehrheit voll und ganz für ihren Beschluß einstehe. Die Stadtratsmitglleder W i n n und Haubach, die ebenfalls zur Mehrheit des Bauausschusses gehören, betonten in kurzen Ausführungen ihr Interesse und ihre Arbeitswilligkeit für das Nordostviertel und schlossen sich im übrigen den Darlegungen des Referenten an. 3n der anschließenden Aussprache legten als Vertreter des Vorstandes des Rordostvereins Redakteur V l u m s ch e i n und die Stadtratsmitglieder S ch w i e d e r und L o e b e r den Standpunkt des Rordostverein-Vorstanbes in eingehenden Reden dar. Cs wurde anerkannt, dah die Vauausschuhmehrheit ebenfalls das Bestreben hat, dem Rordosten zu helfen, und dah man im Zielpunkt einig sei, jedoch in der Frage des Weges zum Ziel auseinandergehe. Rachbrücklich wurde betont, dah in der Dorstandssitzung des Rordostvereins keinerlei wahlagitatorische Momente aufgetaucht seien und dah überhaupt niemand bei der Behandlung dieser Angelegenheit an die kommende Stadtratswahl gedacht habe. Die Stellungnahme des Rordostvereinsvorstandes sei frei von allen politischen Gesichtspunkten lediglich nach reiner Sachlichkeit gewählt worden. Dabei sei der Vorstand des Rordostvereins zu dem Ergebnis gekommen, dah das Projekt der Stadtverwaltung auf Verlängerung des Asterwegs in die Schwarzlach hinein und beiderseitige Bebauung der neuen Strahenstrecke, bei erst später anschliehender Bebauung der Geländestümpse, für den Rordosten vorteilhafter sei, als die von der Vauausschuhmehrheit vorgeschlagene Lösung. Das Projekt der Stadtverwaltung sei als Ausgangspunkt einer großzügigen, auf weite Sicht abgestellten Daulanderschliehung in der Schwarzlach und am Rodberg zu bewerten, von der aus eine starke wirtschaftliche Förderung des Rordostens zu erwarten fei. Bei dem Vorschläge der Dau- ausschußmehrheit käme dagegen eine Abschliehung jenes Stadtteiles heraus, und ob oder wann bann später einmal wieder die Wirklichkeit zu Baulanderschliehungen an dieser Stelle geboten sei, wisse man nicht. Da die Stadtverwaltung jetzt, nach jahrelangem vergeblichen Hoffen des Rordostens, die Möglichkeit zu dieser großzügigen Erschliehung biete, solle man die Gelegenheit wahrnehmen und unter allen Umständen die Verwirklichung der Vorschläge der Stadtverwaltung unterstützen. Der Leiter des Stöbt. Hochbauamts, Stadtbaurat Grawert, erläuterte in Vertretung des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Dezernenten des ftäbt. Bauwesens, Beigeordneten Dr. Hamm, die Vorlage und die Absichten der Stadtverwaltung hinsichtlich der Baulandaufschließung und der Bebauung in her Schwarzlach. Man ersah aus diesen Aufschlüssen, daß nach den Absichten der Stadtverwaltung dort dreigeschossige Wohnhäuser in soliden Bauformen und in Flachbauweise (diese ist nicht zu verwechseln mit slachem Dach) geschaffen werden sollen. Es sind zwei Wohnungstypen vorgesehen, und zwar Zweizimmerwohnungen mit Wohnküche zum voraussichtlichen Mietpreis von 40 bis 45 Mk. monatlich und Dreizimmerwohnungen mit Wohnküche zum voraussichtlichen Preis von 45 bis 50 Mk. pro Monat. Die Anlage der Wohnungen soll so geschehen, daß Licht und Sonne den ganzen Tag über wechselnd die Räume der Wohnungen durchfluten können und ein gesundes, angenehmes Wohnen ermöglichen. Die Anlage der Häuser beiderseits der Verlängerung des Asterwegs soll der Anfang einer systematisch sortzusührenden Bebauung der Schwarnlach sein, die um so leichter durchzusühren ist, als Der größte Teil des Geländes an dieser Stelle der Stadt gehört. Im übrigen setzte sich der Redner in eingehenden Ausführungen mit dem Standpunkt der Bauausschußmehrheit auseinander, wobei er besonders betonte, daß man bei der Beurteilung über die zu schaffenden Wohnungen weniger an die Augenweide der Reisenden von der Bahn her denken solle, als vielmehr in erster Linie Rücksicht nehmen müsse auf die Leute, die für diese Wohnungen als Mieter in Betracht kommen. Für die Forderung eines ästhetisch einwandfreien Städtebaubildes bekundete der Redner vollstes Verständnis, er stellte dabei aber auch heraus, daß die Fragen der Geländeerschließung und der wirtschaftlichen Hebung des Stadtteils von nicht minder großer Bedeutung sind. Nachdem Stadtratsmitglied ßoeb er noch seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben hatte, daß hier sonst gesinnungsverwandte Männer gegeneinander ständen und eine Verständigung zwischen ihnen nicht zustande gekommen sei, was u. a. auch von dem Stadtratsmitglied Professor Dr. Krausmüller und von Oberbürgermeister Dr. Keller bedauert werde, die beide der Förderung des Nordostens ebenfalls sehr günstig gesinnt seien, sprach Stadtratsmitglied N i k o l a u s das Schlußwort, in dem er sich in sachlicher Polemik mit der Gegenseite auseinandersetzte. Nach weiteren kurzen Ausführungen des Stadt- ratsmitgliedes Kreiling und des Stadtbaurats Grawert konnte der Versammlungsleiter, Stadtratsmitglied Balzer, die trotz aller Gegensätzlichkeit der Meinungen in vorbildlicher Sachlichkeit verlaufene Versammlung schließen und dabei mit Recht und unter allseitiger Zustimmung feststellen, daß die Gegner wie die Freunde der Vorlage der Stadtverwaltung übereinstimmend nur die Förderung des Nordostviertels im Auge haben. Bornotizen. — Tageskal^nderfürDienstag. Stadttheater: „Dame Kobold", 20 bis 22.15 Uhr. — Zirkus Hagenbeck: 3.30 und 8.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es war". — Astoria-Lichtspiele: „Rintintin als Lebensretter". — Aus dem S t a d t t h e a t e r b u re a u wird uns geschrieben: Das für den vierten Tag des vom Stadttheater und Goethe-Bund gemeinsam veranstalteten Kammerspielzhklus vorgesehene Gastspiel der Kammersängerin Professor Anna Bahr-Mildenburg aus München findet am kommenden Donnerstag statt. Die Künstlerin gibt im Rahmen ihres Gastspiels einen ihrer Lehr- und Demonstrationsabende, den sie ^Schauspiel in der Oper" nennt. Mit Hilfe ihrer Schüler zeigt sie Operszenen von Gluck bis R. Strauß. Diese Darstellung hat überall begeisterten Beifall gefunden. 52.11. Von der Landesunivers itat Gießen. An die Theologische Fakultät unserer Universität ist eine Abteilung für religiöse Volkskunde angeschlossen worden. Professor Dr. Georg Koch, einer der Führer bet volkskundlichen Arbeit von heute, hat die Abteilung übernommen und kündigt für dieses Semester Hebungen über die „Bäuerliche Seele" an. Die Hebungen sind für Hörer aller Fakultäten und unentgeltlich. **Da»Maienblasen,daslm vorigen Jahre so starken Anklang bei unserer Bevölkerung gefunden hat, wird vorn morgigen 1. Mai ab wieder eingeführt. Abends um 7 Uhr werden Mitglieder des Bläserchors des Evangelischen Arbeitervereins vom Turme der Iohanneskirche herab erhebende Weifen ertönen lassen. Unsere Mitbürger seien auf diese schöne Maiengabe heute bereits hingewiesen. ** Städtische Hvlzversteigerung. Bei der gestrigen Kiefernnutzholzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Gießen wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Kiefernlangholz und Abschnitte A, Klasse 3a und 3b, 4a 56 bis 70 Mark; Kiefernlangholz N, Klasse 1b 21 Mark; Klasse 2a 20,50 Mark, Klasse 2b 22,50 Mark, Klasse 3a 40 bis 47 Mark, Klasse 3b 49,50 Mark. ** Dienstjubiläum bei der Post. Der Oberpostschafsner Wilhelm Stein, Ebelstraße 39 wohnhaft, kann am morgigen 1. Mai auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Postpakctzustellung beim hie- figen Postamt I zurückblicken. ** Deutscher Iugendabend im Stadt- t h e a t e r. Der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See kündigt im heutigen Anzeigenteil den Deutschen Iugendabend im Stadttheater am 5. Mai an. Auf die Einladung sei hiermit besonders 'hingewiesen. •• C i n Zimmerbranb entstand gestern vormittag gegen 10i/3 Hhr in einer von den Wohnungsinhabern verlassenen und verschlossenen Wohnung des Hauses der früheren Kreu- berschen Metzgerei in der Reustadt. AuS den Fenstern der Wohnung drangen starke Rauchwolken auf die Straße hinaus und erregten hier die Aufmerksamkeit der Passanten, die schleunigst die Feuerwache alarmierten. Die rasch herbeigeeilte Feüerwehr konnte sich nur durch gewaltsames Oeffnen der Türen Zugang xu dem Brandherd verschaffen. Sie stellte fest, daß unter dem Küchenherde auf gestoppeltes Holz lichterloh brannte und auch der Fußboden von den Flammen bereits in Mitleidenschaft gezogen war. 3n etwa halbstündiger Löscharbeit mit einem Hand- seuerlöscher gelang es der Feuerwehr, den Brand zu unterdrücken, ehe er noch größere Ausdehnung annehmen konnte. Als Hrsache des Brandes wurde feftgeftellt, bah bie untere Herdplatte Sprünge aufwies, durch welche Feuerfunken in das ttockene Holz gelangt waren und dort das Hnheil angerichtet hatten. | Grass koch ^uvor, 1 KURMÄRKER Länder* und Sfädtewappen aller Erdteile in Gold- und Silberdrucli: Die FREUDE des KURMARK-RAUCH ER5L | chr Reibet End? allesamt öarch bas / Rufen, imb Schreien. m^UosenAßpFeisimgen. W llflfr nicht beirren, lassen,. A[s Repräsenfationspacfarrrg für Geschenke und Festei den Rauch- und Schreibtisch fordern Sie JCUR.MARK-PRIVATTACKUNG* (ohne Preisaufschlag] bfe ba. geniessen wollen nur die Ggareüe mubmaom 5REZIAL-/M7EDONEN-AMSCHUNG (Mge M Vf Jean Faber und Frau Ludwig Schreiner Großen-Linden, den 30. April 1929 02649 GkibsegvEi« 3902D Danksagung Oer 1. Vorsitzende. 3883D Luise Gernandt nebst Angehörigen Heuchelheim, den 29. April 1929. 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April starb infolge eines Schlaganfalls mein lieber Ebegefährte, unser guter Vater, mein geliebter Bruder Landgerichtsrat Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Vaters Herrn Wilhelm Wilke sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Junger Mann intt guter Schulbildung, wenn möglich Svrachkeiminlsse, für unser Reisebüro getucht.Bcvorz.ehem.Eisenbabnbeamt. mit Kenntnissen im Schalterdienst. Ilapag-Reisebfiro Gießen. General-Versammlung am Samstag, dem 11. Mai 1929, nachmittags 4 Llhr auf der Burg Gleiberg Tagesordnung: 1. Rechnungsablage 1928/29. 2. Geschäftsbericht 1928/29. 3. Feststellung des Voranschlags 1929,30. 4. Vorstandswahl. 5. Satzungsänderung. 6. Vechnungsabhör Sommerfest und Familienabend 1928. 7. Verschiedenes. | Verkäufe E. sprungf. Vogelsb. WnWe sieht zu verkaufen bei L. Korbach, Lollar. 02660 Morgen, den 1. Mai, feiern die Eheleute Mlh. Koch u. Frau geb. Heß das Fest der Silberhochzeit! im 78. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Otto Kutscher Luise Schreiner Lollar, den 29. April 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. Mai, nachmittags 4V< Uhr statt. rU Ziehung 8. Mai HW Wimpfener Erholungsheim- W Geldlotterie I 4254) Geldgewinne u. 1 Prämie Mark Hubertus Dttttwock. d. 1. Mat leine Berfrnnmlong. ober Slommtifd). -0,1) Der Borstand. ErnstAugustHirsdi im 62. Lebensjahre. Theodore Hirsch geb. Plodi Karola Hirsch Gertrud Hirsch Ernst Friedrich Hirsch Lilli Altvater geb. Hirsch Gießen, Liebigslraße 14 02681 Raphanose das bekannte Präparat aus Rettichsaft wird seiner hervorragenden Heilwirkung wegen bei Gallenstein -Leiden von vielen Aerzten empfohlen. Verlangen Sie die neuesten med. Berichte Jung, Kräuterhaus, Schulstraße 5 02669 LudWigstrahe 471. SchöueS, grog.möbl. Zimmer in. elektr. ■ Glicht und sep. Eingang au Dauermte- lerzuveruueken. 0Jbir auch für den scheidenden eine .Kaue an» aemessen wie bie, die er sich ausgesucht hatte für lein Jubiläumsspiel: sie traf den Ton und paßte zum besonderen Anlaß. Sie war nicht nur dem Stil und dem Fach gemäß, m bem man Goll, zumal in den letzten Jahren, zu sehen sich gewohnt Finanzminister bringt zunächst eine Gesetzesvorlage ein, da die alte Gewerbesteuer am 1 April abgelaufen ist. Der Landtag verunziert diese Vorlage durch die H i n e i n z r e h u n g der freien Berufe. Der Staatsrat lehnt die veränderte Vorlage a.b, da er der Reichs- gefetjgebung nicht vorgreifen will. Der (jinan.5- Minister aber braucht für Staat und Gemeinden die Gewerbesteuer und bringt eine neue Vorlage ein. Auch diese wird wiederum abgelehnt, weil die Opposition Obstruktion treibt. So gab es wieder einmal die berühmte Befchlußunfähig- leit Was ist für einen vernünftigen Menschen die Folge: Das Gesetz ist nicht zustande gekommen. Die Steuer kann infolgedessen mcht erhoben werden. Wenn der Finanzminister den Glauben hat, er könne ohne die Steuer nicht leben dann mühte er nach parlamentarischem System zurück^reten. Der neupruhische Parlamentarismus aber macht es anders. Was temt hier parlamentarisches System, wenn die Weimarer Koalition nicht toeiterregieren kann. Es hat sich gezeigt, daß sie zu schwach ist, um allem eine Mehrheit zustantezubringen und ihre Gesetze zu verabschieden. Möglichkeiten der V e r - breiterung nach rechts werden vom Preußenzaren Otto Braun abgelehnt. Wozu gibt es in Preußen die Einrichtung der Rotverordnungen und des Ständigen Ausschusses des Landtages, in dem die Otegierung eine Stimme Mehrheit hat. Was der Landtag nicht kann, das vermag schließlich der Ständige Ausschuß. Der stimmt mit der Regierung durcy Dick und Dünn, immer mit einer Stimme Mehrheit. Die Regierung will nun, wie sie ankündigt, die Gewerbesteuer durch Rotverord nit n g in Kraft sehen und diese durch den Ständigen Ausschuß bestätigen lassen. So wird in tigern mit Blumen und Geschenken beladenen Gabentisch: mit ein paar schlichten, bescheidenen und sehr bewegten Worten nahm Goll, ergriffen von den so stürmisch wie sinnfällig zum Ausdruck gebrachten Zeichen der Dankbarkeit, Anerkennung und Anhänglichkeit, von seinem Theater und seinem Publikum Abschied. Dr. Th. Zrühking. Von Victor Aubnrtin. Nachdruck verboten. Das Eoupe der Vorortbahn ist voll beseht und einige Passagiere müssen stehen. Auf der einen Bank sitzen nebeneinander cm Herr von fünfzig Jahren und ein Herr von zwanzig Jahren. < , . m , Der Herr von fünfzig Jahren hat einen Bauch und seelenvolle Augen. Was den Herrn von zwanzig Jahren anbetrifft, so ist er betteltet mit mit einer Hornbrille, einem gelbseidenen Schlips und einem Spazierstock, an dem sich em silberner Griff befindet. An der Haltestelle betritt das himmlische Fräulein den Wagen und muß stehenbleiben. Der Herr von zwanzig Jahren betrachtet das stehende himmlische Fräulein toohlge,allig von oben bis unten, und es fällt ihm nicht im ^hl?f ein, ihr Pla tzzn machen. Der Herr von fünf- zig Jahren fbringt auf und sagt ertotenb. -Darf ich Ihnen meinen Platz anbieten? ®aö lyimm- lische Fräulein lächelt himmlisch und seht sich auf den Platz neben den Herrn von zwanzig Jahren. ..Wie himmlisch sie mich angelachelt hat. denkt im Stehen der Herr von fünfzig Jahren, ^'ch werde sie nachher ansprechen und rn ein Kino führen, denn es ist ja Frühling. Wieviel Geld habe ich eigentlich bei mir ?" Der Herr von zwanzig Jahren und das himmlische Fräulein sitzen jetzt nebenemanber. ilnb es ist sehr eng. und man stößt sich und man sagt „Pardon", und man lacht. An der Endstation verlassen der Herr von zwanzig Jahren und das himmlische tftaulem batte. Es mar eine der wenigen im ganzen Stück die menschlichen Slang hatte, die die besten und nachdenklichsten Worte in sich vereinigte, die immer das leibhaftige Antlitz durch die Schminke hmdurch- bliden ließ. Eine Rolle, die zum besten Aeil ganz leise und verhalten, immer nachdenklich und ein wenig resigniert zu geben ist. Eine Rolle des alten Herrn mit Worten des Rückblicks und der Erinnerung und der Altersweisheit die sich immer noch gerne und lächelnd jugendlicher Torheit und jiigendlichen Ueberschwangs erinnert. Eme Gestatt wie die des Doktor Suttner, die mit „Ast-Heidelberg" berühmt geworden ist: fern und liebenswürdig und behutsam gespielt und gesprochen, so, daß man durch alle Szenen hindurch den Doppelsinn und Doppelklang der Worte empfinden mußte und nicht nur die Rolle zu hören und Theater zu sehen bekam. Goll hat sich gestern einen Abgang gesichert, wie man ihn sich nicht besser wunscheii konnte, der ihm und uns noch lange un Gedächtnis bleiben wird. Nachdem dies gesagt ist, braucht man eigentlich nicht mehr viel Worte zu verlieren. Das Stuck, das gegeben wurde, und in dem diefe 9colle ent halten ist, auf die es gestern abend m allererster Linie ankam, heißt „Die Großstadtluft , Schwank in vier Akten von Blumenthal und Kade Iburg, ein altes, oft gespieltes, nie versagendes Stuck, zu dem kaum noch etwas zu bemerken ist: an einem solchen Abend schon gar n,(jg sei denn dies: daß es lustig unb ausgelassen war daß unter Do 1 cks zielsicherer Regie w,e geschmiert gemimt wurde, und männiglich, den ,che'- denden Kollegen zu ehren, mit Feuereifer miss Stichwort bei der Sache war. Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt: Tannert, Dolck, Heß, Koch, Arzdorf, Werner, Jüngling, Gehre, Linkrnann, oahn, ^Der^Beifatt tobte wie ein Unwetter in die offene Szene hinein, als Goll im zweiten Akt erschien. Nach den Aktschlüssen mußte der Vorhang immer wieder auf- und niedergehen, mußte der Gefeierte sich ungezählte Male dankend ins Parkett hine.n- neigen, wo Händeklatschen, Trampeln und Zuruf tein Ende nehmen wollten. Zuletzt stand der Jubilar ganz allein auf der Bühne vor einem mach- auf einen zugestürzt. Denken Sie bei dem Ursprungszeugnis nicht an Menelik! Menelik ist ein Waisenknabe, Zentralafrika eine Streusandbüchse gegen die bestirnte Sahara eines Zirkus und des diesbezüglichen Direktor. Kem Herrendompteur kann mehr ruhig schlafen, bevor er nicht Mussolini mit einem ober auch zwei Löwen seine Aufwartung gemacht hat. Es scheint sich dai um besonders vermehrungssüchtige Insekten zu handeln. Man möchte an eine Verwechslung mit Ameisen- fönten glauben, wenn die photographische Linse mcht , unbestechlich wäre. Die Herrschaften kommen im Achtzylinder, im Sonderzug, im Ertraluxusflugzeug anqcbrummelt, Mussolini hat alle Hände voll zu tun und alle Taschen voll Zucker. Das kugelt über seinen Schreibtisch und tippt an seine Senterflirne, das fühlt ihm auf den Zahn und purzelt in seinen Papierkorb, das streckt alle Viere vor Begeisterung in die Lust: Herrlich ist's bei dir, Papa Mussolini! Hier bleibe ich! Cin besonders ausgeivecktes Kerlchen soll sogar faszistisch gegrüßt haben. Niln ist der Duce ja das, was man einen Kinder- narren heißt und hat das Löwengekribbel solange es sich um zarte Ansätze zum Wüstenkomgtum han- bett, ganz gern, aber in der Regel pflegt bald ein Gekrabbel und Geschnabbel daraus zu werden, sodaß er die süßen Dingerchen dem Zoo übergibt, roo öev Kindstaufen und Namenpreisausschreiben kein Ende mehr ist. Ab und zu erscheint dann dort der Vater des Ganzen und sucht sich im Kreise seiner Sieben vergeblich zurechtzufinden. Lorbeer und Löwen wachsen ihm über den Kops. Nls gestern wieder drei zuckrige Bestien eintrafen, drei Monate alte Zwillinge im eigenen iftugzeug, da hat er sich — verleugnen lassen. Die Herrschaften möchten doch gleich den direkten Weg emschla- qen. Den direkten Weg zum Tiergarten! So eme Gemeinheit. Da hot man's wieder, Tyrann bleibt eben doch Tyrann. 2(n der römischen Börse sollen die Löwenaktien empfindlich zurückgegangen sein. Oer OdenwaldNub weiht sein Gesattenen-Oenlmal. WSR. Bensheim a. d. B.. 29. April. Am Südwestabhange des Fel d be r ge s be r De n?, heim, in der Rähe von Reichenbach, erhebt suy wie eine Pyramide eine wunderbar malerische natürliche Felsgruppe, das nunmehrige ® e- fallenen-Denkmal für di« Mitglie- derdesGesamt-Odenwaldklubs. Graf von C r b a ch - Schönberg hat den Platz ent- gegenlommenderweise dem Odenwaldklub überlassen. Bei herrlichstem Wetter erfolgte am gc- strigen Sonntag der Weiheakt. Fast alle Ortsgruppen mit insgesamt 15 000 Mitgliedern waren vertreten, ebenso Delegierte des Taunusklubs des Schwäbischen Albvereins, des Vogelsberger Höhen-Clubs. des Schwarzwaldvereins, des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins, der Raturfreunde, der Odenwald-Bergwacht, des (Sm! und zahlreicher Jugendgruppen. Der hessische Minister Korell war persönlich erschienen. Da» hessische Finanzministerium war durch Landforstmeister Hesse, die Abteilung für Forstwirtschaft durch Oberforstrat Schwieder, das hef- sische Ministerium des Innern durch Ober- regierungsrat Dr. Krebs vertreten. Anwesend waren ferner die Bürgermeister der benachbarten Gemeinden. Die Ortsgruppen Darmstadt ünd Mannheim hatten sich mit je etwa 300 Mitgliedern eingefunden. Insgesamt umstanden das in den altarförmig aufgebauten Felsen enlge- schobene Halbrund, in dem die Ehrengäste Auf- beiter-plaudernd den Bahnsteig und gehen zusammen die Frühlingsstraße entlang, die von blühenden Roldornbäumen emgefäumt ist. Der Herr von fünfzig Jahren, der vom stehen müde geworden ist. blickt ihnen nach Dann geht er in die Konditorei und bestellte sich eine Apfelsinentorte. _ , . Rach reiflicher Ueberlegung kommt er zu Dem Schluß, daß es so besser ist. Denn erstens ist eine Apfelsinentorte billiger als ein himmlisches Fräulein. Zweitens ist eine Apfelsinentvrte weniger anstrengend. , ... . . Drittens weiß man bei einer Apfelsinentorte wenigstens, woran man ist. Diplomatie um ein Roastbeef. Im Alter von 102 Jahren ist die Fürstin Iwanowna S a y n - W i 11 g e n st e i n zu Ouchy gestorben. Die alte Dame war die Enkeltochter des russischen Gesandten am Hofe Ludwig XVI. und Schwester des Marschalls Banatinsky. Sie hat Tallehrand noch gut gekannt und Memoiren hinterlassen, in denen sie von diesem berühmten Diplomaten viel erzählt, ^alleyrand war bekanntlich ein großer Feinschmecker, der zwei berühmte Köche, Riquette und Voucher, m seinem Dienst hatte. Der Erlesenheit der Gerichte. die er seinen Gästen vorletzte, entsprach die diplomatische Feinheit, mit der er den Wirt machte. In der Diplomatie ist die Ruance alles, und als Beweis dafür führt die Surftin an. welcher feiner Abstufungen sich ^allehrand bediente wenn er Personen verschiedenen Range« Roastbeef anbot. Zu einem Fürsten sagte er: Möchte Eure Hoheit gestatten, daß ich mir die Ehre gebe, etwas von diesem Roastbeef anzubieten T* An einen Herzog wandte er sich mit folgender Formel: „Darf ich mir, Herzog, die Ehre geben, Ihnen von diesem Gericht vorzulegen?" Zu einem Marquis sagte er: »Marquis, machen Sie mir die Ehre, von diesem Roastbeef zu nehmen!" zu einem Grafen: „Graf, d^f ich mir da» Vergnügen machen, Ihnen dies Roan- beef zu empfehlen?" Mit einem Baron aber machte er keine Umstände und fragte mit einem Lächeln: „Baron, wollen Sie Roastbeef-' lägen und Tortenschaufeln. Ach, was ist der Gabentisch einer fünfmal vermählten Filmdiva gegen das Hochzeits- und Gebiirtstagsgeschenkgebirge der Dik- STILLER / (ROSS)— \ f (DtPfNDEN(y) \ OZEAN 300 <000 1500 / t»r‘ " km e ... . ✓' ” \ \Preffegeogr<3phie N? 30 Süd-üeorgitn*» •. \ '-------i----------------------* 5 / (BRIT.) •' MUNIi OZEAN V $•". (ZuAnI ! ^'X(fALMAND) Moderne Menschen, die auf bildliche Ausdrucksformen hatten, pflegen daher dem Imperator als finniges Angebinde nicht mehr ein Sträußlein Vergißmeinnicht, sondern einen Löwen zu schenken. Was, nebenher bemerkt, den Vorteil hat, daß die kleine Erkentlichkeit nicht vierundzwanzig Stunden später in der Schreckenskammer des Palazzo Chigi verschwindet, bei den Kolossalgemälden, den Tintenfässern in Form eines Liktorenbündels, dem Schmied _________ v. o des Reiches in Gips, Blei und Koralle, den Sam- mander Byrd im Südpolgebiet cr- melmappen und Huldigungsadressen und Tafelauf- fährt nun die staunende Mitwelt, daß sätzen und Tortenschaufeln. 'Ach, was ist der Gaben- Großbritannien faktisch auf das tisch einer fünfmal vermählten Filmdiva gegen das ganze antarktische Festland Anspruch Hochzeits- und Gebiirtstagsgeschenkgebirge der Dik- erhebt. Byrd hat seinen Stützpunkt tatur! Sicherem Vernehmen nach soll es demnächst in der Walfisch-Bucht im neuseeländi- an Stelle des Viktor-Emanuel-Denkmals auf der scheu Sektor aufgeschlagen und schon Piazza Venezia errichtet werden. seine ersten Flüge führten ihn über So ein Löwe, sagen sich die ehrfurchtsvoll unter- die GrenM des Sektors hinaus Eng- zeichnenden Geber, ritzt sich möglicherweise tiefer ins land erbot sichrem amerikanischen For Gedächtnis ein, vor allem: er wird immer photogra- scher ledwede Beaunsttgung zuteil kom phiert. Ja, anfangs konnte man Mussolini, in sei- men au lassen, hat gleichzeitig ledoch neu faszistischen Flitterwochen sozusagen, Arm m denV " einig ten Staat ? nm - t Arm mit dem Löwen durch Rom fahren sehen, im geteilt daß laut Bes^luß ^ Reichs offenen Wagen, ein hinreißendes Bild, ein casari- Konferenz von 1926 alle Demete des schcs Bild. Die Leute warfen die Arme hoch und Sudpolarkontinents diei vn.r t schrien Duce und Italia m einem Atem. Denn der« wie Coats-Land. Enc Löwe war eine Löwin und konnte infolgedessen Freienfeen, 28. April. Unsere Gemeinde, die seither als letzte im Kreise Schotten die Annehmlichkeit einer Wasserleitung entbehren mußte, kommt nun endlich ebenfalls in den Besitz einer solchen. Nachdem vor dem Kriege, trotzdem die Wasserfrage als gelöst zu betrachten war, die Erbauung einer Leitung an dem Einspruch der Triebwerksbesitzer gescheitert war, sind im vorigen Jahre unter der Leitung des Kulturbauamts Gießen Hochliegende Quellen in der eigenen Gemarkung und in der benachbarten Gemarkung Sellnrod erworben und gefaßt worden, die vorläufig genügend Wasser in bester Beschaffenheit liefern. Nunmehr find auch die Leitungen von den Quellen nach dem Hochbehälter in Angriff genommen worden, Hochbehälter und Ortsrohrneh werden in Kürze begonnen werden. Die Arbeiten werden von der Firma Ludwig Schneider in Heuchelheim ausgeführt, wobei in erster Linie einheimische Arbeiter und Fuhrwerke herangezogen werden müssen. Arbeitslose aus Freienseen und Umgebung finden hier auf längere Zeit lohnende Beschäftigung. Hoffen wir, daß nach den bitteren Lehren des letzten großen Brandes uns nach Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks solche AnglückssäUe erspart bleiben. Denn die im neuen Hochbehälter aufgespeicherte und nur in Brandfällen angreifbare Wasserreserve wird das Aufkommen eines Großfeuers ein für allemal unmöglich machen, und jeder Ortseinwohner kann sich bequem das für Mensch und Tier unentbehr liche Nah aus der Leitung entnehmen. Mil Freienseen sind dann alle Gemeinden des Kreises Schotten mit einer neuzeitlichen Wasserleitung versehen. Preußen. Kreis Wetzlar. HI Wetzlar, 28. April. Im städtischen Kindererholungsheim zu Albshausen, in dem während der Sommermonate regelmäßig eine ganze Schulklasse mit ihrem Lehrer zu Erho- „Nun?" „Die Angeklagte hat das Haus nicht verlassen. Der Portier weiß es genau. Niemand hat das Haus verlassen." „Dann muß es möglich sein, sie zu sinden. Ich unterbreche die Sitzung. Diese Person ist in Gewahrsam zu nehmen." • Der Dampfer „Eva Sullivan" pflügte die dunklen Wasser des Kattegatt. Die Nacht war sternenlos: in kurzen dumpfen Schlägen klatschten die Wellen gegen die Bordwand. Fern, noch untemi Horizont, standen die Lichter von Kullen; weiter westlich, nur schwach in der diesigen Lust erkennbar, blinkte das Licht von Själlands Odde. Der Herr und die junge Dame, die seit einer halben Stunde um das Promenadendeck wanderten. hatten die Hände tief in Die Taschen ihrer Wettermäntel nergraben; das Schiff ging in leisen rhythmischen Stößen durch die Nacht. Hie und Da. wenn sich eine Tür öffnete, um krachend im Westwind wieder zuzuschlagen, lam gedämpfte Musik aus Dem Gesellschaftssaal: Der Rhythmus eines Blues, Die weiche Melodie eines Tango. Die beiden gingen schweigend bis zu Der eisernen Tür, die Die Grenze zur Zweiten Kajüte bildete; Dann schwenkten sie zur Rechten ab, hort, wo ein kleiner schmaler Gang Backbord imD Steuerbord verband. „Wir bekommen Nebel," sagte die junge Dame. Der Herr nickte und wies hinüber nach Norden; dort bildete sich, aus Dem Nichts, aus Wasser, Lust und Dunkel, eine graue, zähe, böse Wand, Die langsam alles Lebendige hinter sich verbarg. „Wir fahren sozusagen mit geschlossenen Slugen ins älngewisse," sagte der Herr. ..Wenn hundert Meter von uns zufällig ein Schiff liegt, rennen wir mitten hinein." ..Oder umgekehrt," nickte Die junge Dame. Wie zur Antwort gellte Die Sirene auf, in einem anschwellenden, kreischenden Ton, so wie ein furchtsames Tier im Dunkeln heulen mag; Dann schwoll der Ton langsam ab, eine bleierne Stille entstand — als ob das Schiff in das Dunkel hineinlausche; Darauf, genau nach einer Minute, gellte Der Ton von neuem durch die Nacht. Irgendwo raffelte ein Klingelsignal, klickend gab Der Waschinentelegraph das ^mlrollzeichen zurück; das Vibrieren, das durch das ganze Schiff lief, änderte Den Rhythmus. „Wir fahren langsamer," sagte Der Herr. „Ich finde es gräßlich hier draußen. Kommen Sie mit in die Dar, Wr. Riedinger?" Die junge Dame legte ihre Hand in Den 2£nn des Mannes. „Ich möchte etwas Heißes trinken." (Fortsetzung folgt) befreien!» — Psychopathie und auf dos ihm non ollen Seiten ^gefügte unrecht. Zu diesem rechnete er freilich auch seine Borbestrafungen und die Operationen, die durch fein zum Zwecke der Flucht vor genommenes Lösfelfchluckcu nötig geworden waren 'Die Strafe lautete auf 3 Monate Gefängnis. Der Verurteilte wird auch noch von anderen De bürden gesucht. Ein vielfach vorbestrafter Kellner erhielt wegen Rückfalldiebstahls 5 Monate Gefängnis. Er hatte einem Bekannten euren Fünfzigmark, schein aus der Brieftasche gestohlen. Seine Dehaup lung, er habe das Geld auf dem Boden gefunden und in der Betrunkenheit unwissentlich eingesteckt, wurde widerlegt: er war überhaupt nicht betrunken und hatte seinem Bekannten die Brieftasche mit viel Geschick aus der Brusttasche hcrauspraktiziert Ein Monteur, der ein aus Abschlag unter öigen- tumsvorbehalt gekauftes Rad vorzcittg verseht und damit unterschlagen hat, erhielt — auch im .Hinblick auf seine Vorstrafen — 3 Monate G e f ä n g n i s. F Grösste Sicherheit lmmezwecken untergebracht wird, sind pGtzllch bet Mehreren Kindern Erkrankungen der Luftwege tind auch ein Fall von Masern aufgetre- ien. Sofort oorgenommenc Sicherheitsmaßnahmen und Ucberführung der erkrankten Kinder in das städtische Krankenhaus haben bis heute eine Wciter- nerbreitung der .Krankheit verhütet. — Der von der Lehrer- und Ellernschaft dringend geforderte Neubau einer Volksschule ist in ein neues Stadium getreten. Dor kurzem hat eine Kommission, bestehend aus Stadtverordneten und Lehrern, verschiedene neue Schulen (jo z. B. in Frankfurt, Mannheim, Kreuznach und Neuwied) besichtigt, um dort an Hand des Neugeschaffcnen einen Uedcrblick über die Art einer hier zu errichtenden Schule zu gewinnen. lieber die Klassenzahl ist jedoch bisher noch feine Entscheidung gefallen. Bei der gespannten Finanzlage der Stadt wird es im übrigen schwer fallen, die erforderlichen Mittel noch in diesem Fahre flüssig zu machen. Auch die leidige Kalsmuntfrage mit ihrem Gasthausbau ist immer noch ungelöst. Äe Ausschachtungsarbeiten für die Fundamente sind eingestellt und das sonst so anmutige Plateau gleicht einer großen Wildnis. Welche Lösung hier gefunden wird, steht noch nicht fest. Dagegen sind die Arbeiten an dem neuen Scklachthos wieder in vollem Gange, so daß gehofft werden kann, daß dieser Bau, dessen Kosten sich nunmehr aus rund eine Million belaufen sollen, bis zum nächsten Frühjahr betriebsfertig sein wird. AreiS MarvurF. ][ Marburg. 29. April. 3m nahen Ockers- Hausen fiel in einem unbewachten Augenblick das vierjährige Söhnchen des Einwohners Sch. rüdlingä in einen Kübel kochenden Wassers und wurde so start verbrüht. daß eS nach wenigen Stunden verst a rb. - - Als gestern nachmittag auf dem Sportplatz des Llniversitätsschwimmbades zwei Mannschaften der Deutschen 3ugendkraft ein Fußballspiel zum Austrag brachten, fiel plötzlich aus unbekannter Dichtung ein Schuß. Don einer Kugel getroffen zuckte ein Spieler der Gästemannschaft aus Fritzlar zusammen. Sie hatte ihm einen Oberschenkel glatt durchschlagen ohne glücklicherweise den Knochen zu verletzen. Die sofort angeftellten Nachforschungen hatten das Ergebnis, daß ein K e l l n e r l e h r l i n g der gegenüber am Dcrgeshang befindlichen Ar- minenkneipe auf Spatzen geschossen und den verhängnisvollen Schuß abgegeben Hatto. Maingau Frankfurt a. M. 29. April. Von den fünf bet der Messerstecherei in der Nacht zum Soilntag. bei der ein Neichsbannermann getötet wurde, festgenommenen Personen sind vier wieder auf freien Fuß gesetzt worden, während einer der Festgenommenen, gegen • beu starke Verdochtsgründe sprechen, heute dem Dich- fer vvrgeführf. Die Vernehmungen von selten der Polizei sind noch im Gange, jedoch konnte bis jetzt noch nicht geklärt werden, wie der Streit tatsächlich entstanden ist. Der 23jährige Artist Alfred Grimm, der Freitagabend im Zirkus Krone von der Kuppel abfllirzte und dabei schwerere Verletzungen -erlitt, ist jetzt seinen Ver- lehungen erlegen. Eine ganze Hammelherde gestohlen. WSN. Hgnau, 29. April. Wie die hiesige Kriminalpolizei mittcilt, hat der Schäfer Joseph N i e - b c r r e i t c r eine Schafherde von 3 2 b S t ü ck unterschlagen. Die Schafherde besteht aus lauter Hammeln. Der Geschädigte hat für die Beibringung der Schafherde b.zw. Ermittlung des Schäfers eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. Schöffengericht Giehen. - Gießen, 29. April. Ein wogen Betrugs zohl- reichemal bestrafter Privatförster hatte sich wegen Rück fallb etrugs zu verantworten Er hat einer Reihe von Leuten durch dic Vorspiegelung, er sei non Wilderern angeschossen, habe 22 Wochen im Krankenhaus gelegen u. dgl., kleinere Geldbeträge abgelockt. Er war geständig, schob ober alles auf seine — nach ärztlichem Gutachten allerdings vor handeno, ihn aber nicht von der Verantwortlichkeit K'rnhjnhrxhnr für 3O4V Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte SpeelalknraastaltHeftel» im Taunes bei Frankf.a.M. — Prospekte durch Or. M. Schulze-Kahleyse. Nervenarzt. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde IBinne- rod für Rj. 1929 liegt von Mittwoch, den I.Mai 1929, eine Woche lang auf hiesigem Bürgermeistereibureau zu jedermanns Ein sicht offen. 3908D Einwendungen dagegen können während dieser Frist schriftlich oder mündlich bei hiesiger Bürgermeisterei vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, wozu auch die Ausmärker beizu tragen haben. Bersrod, den 30. April 1929. Hessische Bürgermeisterei Bersrod. Becker. AllgemeineOrtskranken- kaffe Gietzen-Gtadt Die rückständigen 'Beiträge zur Kranken, koste, Invaliden- und Arbeitslosenver- sicherung für den Monat M ä r z 1929 khnnen noch bis zum 7. Mai 1929 ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann DienStagS von 8 biS 1 Llhr bei unserer Kaste, oder auf unter Postscheckkonto Amt Frankfurt a.M Ar.10833 erfolgen. Gießen, den 29. April 1929. fintier, Rechner. 3882D Spar- und Vorschuß-Verein Aktiengesellschaft Gr.-Linden Die Aktionäre unserer Gesellschaft mer den hierdurch zu der am 16. Mai 1929, nachmittags V/i Uhr, im Rathause zu Großen-Linden stattfindenden ordentlick)en Generalversammlung eingeladen. 3880D Tagesordnun g: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts des Vorstandes, der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung 1928. 2. Beschlußfassung über die Genehmi gung der Jahresrecknung. 3. Entlastung von Aussichtsrat und Vorstand. 4. Aufsichtsratswahlen. Diejenigen Aktionäre, welche an der Gc neralversammlung teilnehmeu wollen, haben ihre Aktien ohne Gewinn- und Er- neuerungsschelne spätestens am 10. 2Hai 1929 in Großen-Linden bei der Gesellschaftskasse, in Marburg a. d. L. bei dem Bankhaus Baruch Strauß ober bei einem deutschen Notar zu hinterlegen und dieselben dort bis zum Ablauf der Generalversammlung zu belassen, daß die Hinterlegung ordnungsmäßig geschehen ist, spätestens bei Beginn der Generalversammlung nachzuweisen. Großen-Linden, den 27. April 1929. Der Vorstand. Ludwig Keßler VII. Wilhelm Keßler I. Georg Dem II. Bekanntmachung. Die Voranschläge der Gemeinde Holz- Heim und der Fcldgemarkung Bergheim für 1929 Rj. liegen vom Dienstag, dem 30. d. 21L, ab eine Woche lang auf der Bürgermeisterei Holzheim zur Einsicht der Bc- teiügten offen. Einwendungen gegen die Voranschläge können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden. 38730 Es ist eine Umlage beschlossen worden, zu der auch die Ausmärker herangezogen Mittwoch, den 1. Mai 1929 nachmittags 2 Uhr versteigere ich dahier, Neuenweg 26 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1. zwei Büfetts, ein vollständiges Bett, einen Instrumentenschrank, 1 Bohrmaschine für Zahnärzte, einen Kühlschrank, 2 pianinos, einen Spiegel, ein Oelgemälde, einen elektrisch. Bohner, 6 Küchenherde, 2 Gasherde einen Näucherschrank, einen grün emaill. Ofen, einen Deißzeugschrank, i Gisschrank, eine Waschkommode, 24 paar Gamaschen, 15 Dutzend Hosenträger, 20 paar Herren- leisten, 31 paar Schuhschäfte, 25 Dutzend Gummiabsätze, 30 Schuhbürsten, 4 Krou- pons Sohlleder, c:ne Schärfmaschine, zehn Schaffelle, zwei Aktentaschen, zwei Koffer, einen Bücherschrank, einen 3(ür. Spiegelschrank, einen Ausziehtisch, ein Bild, eine Kristallschale, eine Küchenanrichte, einen Regulator, 6 Stühle mit Stoffsitz, zwei Zimmerteppiche, 1 Tischdecke, einen Wand- vehang, ein Derttko, einen Opel-Personen- tragen, 114 paar Oamenstrümpfe, einen Oreschwagen mit Strohpresse und Spreu- ' bläser, 25,70 Meter Anzugstoff, ein Eßbesteck, vier Schreibtische, ein Tafelklavier, vier Chaiselongues, 2 Blumenkrippen, drei Weidenseffel, sechs Nähmaschinen, einen Herrenzimmerttsch. 3897D 2. An Ort und Stelle: (Zusammenkunst ber Steigerer in obigem Lokal): neun Kiefern- flämme zu Brettern u. 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Für seine musikalische Laus bahn war sein Auftreten in Deutschland aus schlaggebend; er konzertierte int leipziger wandhaus zusammen mit Artur R i kt fA. auf der öffentlichen Generalprobe mit dem Ge g spiel seines jungen Kollegen nicht sehr zus war. Im letzten Sah des Tschaikowskl-Konzertes war viel gestrichen worden, Clniait blieb de )l hinter dem Orchester zurück, holte dann aber wie der nach und schloß zusammen mit dem Orcheser Er erwartete nun, daß Attisch lh>n Zorwurfg machen würde, und als der berühmte Meister hn nicht zur Rede stellte, ging er selbst zu ihm und sagte: „Das Orchester war nicht mit m.oU Jammen". Rikisch musterte den kühnen jungen Große Erfolge der Leichtathletik- Abteilung des Männer-Turn-Vereins. Am Samstag und Sonntag waren bei den kreisoffenen volkstümlichen Wettkämpfen der Tgm. Frankfurt-Rödelheim auch die Farben des Mtv. Gießen vertreten. Unter den zahlreichen Vereinen waren zu finden: Eintracht-Wiesbaden, Tv. 1817 Mainz, Tv. Bad Kreuznach, Eintracht Frankfurt, Polizeisportverein Frankfurt, sowie eine große Anzahl erstklassiger Vereine des Mittelrheinkreises. Trotz der starken Konkurrenz konnten die Mtv.ler insgesamt 15 Siege, darunter fünf erste, fünf zweite, einen dritten usw. erringen; das regelmäßige Hallentraining des vergangenen Winters hat schon Früchte getragen. Die Gau- unb Kreismeisterin Else Bickelhaupt konnte im Hochsprung mit 1,42 Meter wieder einest überlegenen 1. (Sieg erringen; im 100-Meter-Lauf konnte sie hinter der Kreismeisterin Frl. S ch a u ß (Wiesbaden) zweite werden, und errang außerdem noch im Dreikampf den 4. Sieg. Cbensogute Erfolge erzielte die Gau- und Kreismeisterin Erna Althaus im Weitsprung; mit einem Sprung von 4,80 Meter konnte sie sich an die erste Stelle sehen, im Hochsprung wurde sie hinter ihrer Dereinsschwester Else Dickelhaupt 2. Siegerin und errang im Dreikampf den 5. Sieg. Die Turnerin T i l l i E s p a ch konnte sich im Weitsprung mit 4,65 Meter gemeinsam mit Frl. Stenger (Homburg) an zweiter Stelle placieren, wurde jedoch im Stichkampf von dieser auf den 3. Platz verwiesen. Im Dreikampf wurde sie eben- falls Siegerin. Der Turner Heinz Rothe r- mel konnte im Dreikampf der Jugendklasse die höchst erreichbare Punktzahl erzielen und wurde mit 60 Punkten unter 68 Mitbewerbern 1. Sieger. Außerdem erzielte er im 7i/i-Kilo-Kugelstoßen mit 10.71 Meter den ersten, im 5-Kilo-Kugel- stoßen der Jugendklasse mit 13,55 Meter den zweiten Sieg. Heinz Meyer konnte im Hochsprung mit 1,65 Meter einen glatten 2. Sieg erringen. Ludwig Malkornesius errang im 400-Meter-Lauf knapp hinter Kreß (Mainz) und vor Simon (Sprendlingen) einen glatten zweiten Sieg und wurde außerdem unter 78 Mitbewerbern im Dreikampf mit 52 Punkten Sieger. Der größte Erfolg, der dem Mtv. beschieden war, ist wohl der erste Sieg in der 4X100-Meter- Staffel der Turnerin nen-Ober stufe; schon im Vorlauf konnte die Gießener Mannschaft, in der Aufstellung Tilli Es v ach, Martha Seife r t h. Erna A l t h a u s und Else Bickel- Haupt, die Mannschaft der Tgm. Eintracht Wiesbaden, die im vergangenen Jahre die Kreis- meisterschaft und bei dem deutschen Turnfest in Köln 3. Sieger werden konnte, mit über 2 Meter einwandfrei schlagen. Jrn Endlauf konnten die Gießener Turnerinnen mit über 6 Meter Vorsprung vor Tgm. Ein rächt Frankfurt und Turnerbund Wiesbaden als erster Sieger durchs Ziel gehen. Damit hat der Mtv. wieder eine große Anzahl schöner Erfolge erzielt, auf die der Gau Hessen, der nur durch den Männerturnverein Gie- fjen vertreten war, stolz sein kann. $rouen(urncn im Mittelrheinkreis O.T. In der Turnhalle des Turnvereins Limburg hielt der M i t t e l r he i n k r e i s d e rD.T. einen L e h r gang für das Frauenturnen ab. Sehr zahlreich waren die zuständigen Turner und Turnerinnen, insbesondere aus den nähergelegenen Gauen, zu dieser Ausbildungsarbeit zusammengekoinmen. Der G a u He ssen hatte den Gaufrauenturnwart Paul (Gießen) und die Abteilungsleiter Jost (Friedberg), Rinn (Heuchelheim) und Schnei- d e r (Wetzlar) entsandt. In zweitägiger, angestreng- iCr Arbeit wurden durch den fireisfrouenturnmart Schmitt (Koblenz) mit Unterstützung des Frauen- turnausschusses die verschiedenen Gebiete des deutschen Frauenturnens durchgearbeitet und in methodischer Darbietung den Lehrgangsteilnehmern naher- gebracht. Mit einer „U e b u n g s sl u n d e s u r g c - verhängten Elfmeter als Grund zum Spielabbruch anfehen zu dürfen. Die erste Jugendmannschaft war in Frankfurt nicht, wie in der Freitagsvorschau angegeben, Gegner der Jugend des Fuhballsport- vereins, sondern der Meisterjugend von Union Riederrad. Sie verlor nach spannendem Kampf 5:2. wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die ohnehin sehr spielstarke Platzmannschaft noch durch einige Junioren verstärkt war. Bei etwas weniger Pech (ein verschossener Elfmeter und ein Eigentor) wäre das Resultat weniger ungünstig gewesen. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die zweite Elf des V. s. L.La u t e r b a ch, die auf dem Sportplatz an der Liebigshöhc gastierte, war den Reserven der Spielvereinigung 1900 nicht gewachsen. Die Einheimischen nutzten den Vorteil des eigenen Platzes tüchtig aus und erzielten in einem ganz überlegen durchgeführten Spiel einen schönen 8:2-Sieg. (Halbzeit 3:1.) 1900s dritteMannschaf t kehrte vonWe11 - bürg mit einer ehrenvollen 1:2-Niederlage Heini. Sie mußte allerdings auf verschiedene gute Kräfte verzichten. Trotzdem hätte das Resultat gegen die erste Elf des Gastgebers leicht umgekehrt lauten können. Die erste Jugend wurde auf dem unzulänglichen Platz in N i e d e r - G i r m e s auch nur zweiter. Der Gießener Torhüter spielte unter seiner sonstigen Form und verschuldete dadurch leichtsinnig zwei Treffer des Platzvereins. Resultat 2:3. Lichs er st «Jugend war für die dritteJu - genb 1 9 0 0 5 doch ein zu starker Gegner, zumal das Spiel in Lich ftattfanö. Die Blauweißen, zogen bei dieser Begegnung mit 0:5 Toren den Kürzeren. Die erste' S ch ü l e r m a n n s ch a f t der Vereinigten hatte die Schüler Großen-Busecks als Gegner im Pflichtspiel auf dem 1900-Sportplatz. Das Spiel wurde fast nur in der Gästehälfte ausgetragen und erbrachte dem Platzbesitzer einen Sieg mit 2:0 Toren. 1900s zweite Schülerelf weilte bet den Schülern Nieder-Girmes, wo sie nach schönem Spiel mit 1:2 Treffern unterlag. Fußball in Daubringen. Sportverein Heuchelheim I — F. L. Daubringen I 3:1. Sein letztes Spiel in den diesjährigen Verbandsspielen trug der Sportverein Heuchelheim am Sonntag in Daubringen aus. Die Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, denn Heuchelheim, mit Ersatz spielend, hatte einen schlechten Tag. Daubringen strengte sich sehr an und konnte das Spiel bis Halbzeit unentschieden 1:1 gestalten. Rach der Pause gelang es Heuchelheim noch zweimal, den Ball über die Torlinie zu bringen. Der Sportverein Heuchelheim kann auf die dies- jährige Verbandsspielserie mit Stolz zurückblicken. Von 16 Spielen hat die Manschaft nur eins verloren, und steht somit mit 30:2 Punkten an der Spitze. In der ganzen Serie wurde, was besonders erwähnt werden muß, kein Spieler vom Platze gestellt, ein Beweis dafür, daß guter sportlicher Geist in der Mannschaft steckt. F. Sp. V. Steinbach. $. Sp. D. 1926 Steinbach I — Sp. V. Rieder- Ohmen I 3:0. Am Sonntag trug die 1. Mannschaft Steinbachs ein Gesellschaftsspiel auf ihrem Platze gegen die spielstarke 1. Mannschaft des Sportvereins Rieder- Ohmen aus. Der Spielausschuß hatte mit dieser Wahl einen sehr guten Griff getan, da die Gäste sowohl durch ihr spielerisches Können, als auch durch ihre Ruhe und Fairneß während des ganzen Spieles die zahlreichen Zuschauer vollauf befriedigten. Das Spiel war in der ersten Halbzeit offen, was auch das Halbzeitresultat 0:0 ausdrückt. Erft in der zweiten Halbzeit schälte sich eine kleine Heber« legenheit der Platzmannschaft heraus, und so konn- üblere Turnerinnen" begann die praktische Arbeit. K l e n k (Bensheim), der neugewählte Kreis- kinderturnwart, zeigte hierauf in anscyaulicher Form, wie das „Gerät im 6p i c l" Verwendung finden kann. Reue Gesichtspunkte für die Benutzung von Reck, Barren und Pferd in luftbetonter Art bei durchaus organbildendcr Arbeit. Die Einübung von drei hübschen „Volkstänzen" durch die Turnerin R ö m m e 11 (Frankfurt a. M.-Rödelheim) beschloß die erste Tagesarbeit. Am Sonntag wartete die Turnerin Kasten, die tatkräftig das Frauenturnen im Mittelrheinkreis in wirksamer Weise vor- wärtsbrachte, mit einer Fortsetzung der in früheren Lehrgängen (Mainz und Biebrich) begonnenen „B e w e g n n g s s chu l e" auf. Wie man jetzt „Keulenübungen" aufbaut und erarbeitet, brachte Turner Kien? in mustergültiger Form zur Kenntnis. Besonderes Interesse erweckten die „Grundlegenden Hebungen" für die kommenden Veranstaltungen, in erster Linie für das Kreisturnfest 1930 in Hanau, hier wurde ein Gebiet erschlossen, das für eine geraume Zeit Stoff zu gründlicher Arbeit in den Gauen und fßereinen bietet. Ein neues Kampfspiel „Ball unter der Schnur" wurde erstmalig gezeigt und fand so begeisterte Aufnahme, die mit Sicherheit erwarten läßt, daß das Spiel bald mit Eifer in den einzelnen Abteilungen geübt werden wird. Ein Vortrag des Kreisfrauen- turnwartes über den „W erf des Frauenturnen s", gelegentlich des geselligen Abends bewegte sich für viele in ausgetretenen Pfaden, brachte aber immerhin in seiner tiefgehenden Auffassung mancherlei Gedanken, denen man Eingang und Ausgestaltung in weitester Art wünschen kann. Handball her Sp. Vg. 1900. 1900 komb. Mannschaft — Weilburger Fußball- verein 1. Mannschaft 11:1. ö. Zum Propagandaspiel weilten am Sonntag die Spieloereinigungsleute in Weilburg. Trotzdem nur etwa die Hälfte der ersten Mannschaft mit von der Partie war, klappte es in allen Teilen sehr gut, und die Mannschaft hatte keine allzu große Mühe, eine Differenz von 10 Toren herauszuholen (Halbzeit 6:0). Die Weilburger leisteten zwar energischen Widerstand und hielten auch das Spiel durchweg offen, begingen aber zuviel taktische Fehler, um den 1900ern gefährlich werden zu können. Das Treffen verlief, äußerst fair und erfüllte feinen Zweck als Propagandaspiel vollkommen. Die 1. Jugend wartete vergeblich auf V. f. B. Wetzlars 2. Jugend, desgleichen die 2. Jugend auf die Jugendmannfchaft des Wetzlarer Sportvereins. Handball Tv. 1899 Grvßen-Buseck. Erste — Tv. Frankfurt-Riederrad I 4:8 (1:5). Zweite — Mw. Gießen II 3:7 (2:4). Schüler" — Tv. Wehlar-Riedergirmes Schüler 3:3 (2:1). Wie zu erwarten war, lieferte die e r st e Mannschaft dem Frankfurter Gaumeister ein wesentlich gleichwertigeres Spiel, als in Riederrad. Die erste Halbzeit zeigte den Gastgeber sehr nervös. Riederrad war leicht überlegen, kam aber nur durch Strafstöße zu einigen Erfolgen. Gegen diese unheimlichen Würfe war der Torhüter machtlos. Rach der Pause ließen die Gäste nach. Die Busecker konnten zeitweise etwas drücken und gaben in dieser halben Stunde einen völlig gleichwertigen Gegner. Die zahlenmäßige Riedcrlagc der Reservemannschaft ist durchaus ein Achtungserfolg für die zum Teil noch recht jungen Spieler, zudem fehlten zwei der besten Kräfte. Die Mtv. Zweite stellt gute ^-Klasse vor. Rach eifrigem Sommertraining kann die zweite Busecker Elf ruhig an den ^-Klasse-Verbandsspielen teil- nehmen. Die Riedcrgirmeser Schüler erwiesen sich auf eigenem Platze wesentlich stärker, als erwartet. Die Gastgeber waren ausgeglichener in allen Mannschaftsteilen. Das Unentschieden ist völlig gerechtfertigt. und erwiderte: „Vielleicht lag das an bir . Doch Mischa ließ sich nicht einschüchtern, holte die Partitur, verglich sic mit der ersten Geigenstimme und überzeugte Rikisch, daß die Schuld bei dem , Orchester lag. Lange vor Vollendung seines zehnten Lebensjahres genoß auch ein anderer Virtuose Weltruf. Der Ungar Franz von Dec seh, dessen ^piel man auch in Deutschland gut kennt, ist fetzt 36 Jahre alt. Ueber ihn schrieb Prof. Eberhard vor fünf Jahren in feinen Lebenserinnerungen: „Franz von Vecfey, der größte Geiger unserer Zeit, besitzt heute keinen Rivalen. Paganini und Liszt find ihm darin vorausgegangen. Vecsey ist der dritte im Bunde. Als er als Kind vor 20 Jahren zum erstenmal in Berlin spielte, schrieb Prof. Ludwig S ch 1 e ich einen interessanten Artikel über Vecseys Leistungen, die ans Wunk^r- bare grenzten, denn er war schon als Zehnjähriger dasselbe, was er heute noch ist: ein großer Künstler, dem neben einer unfehlbaren Technik ein künstlerischer Ernst zur Seite stand, der feine Jugend völlig vergessen macyte. 3o a- d) i m, der auf Wunderkinder nicht gut zu sprechen war — warum? Er war doch selbst ein Wundes kind! - verhielt sich abweisend. Als er jedoch den Kleinen gehört hatte, sprach er die denkwürdigen Worte: „Ich bin sprachlos. ?2 Jahre bin ich geworden, ohne an ein solches Wmider zu glauben, wie ich cs diese Stunde erfuhr. Cffi il- helmy, der große Geigerkönig, schrieb an mich: „Höre Dir den kleinen 'Vecsey an: er ist ein Wunder wie cs kaum je da war". Ich hörte ihn und sand das Wunder bestätigt. Ich sah ein Kind auf dem Podium und hörte einen vollendeten Meister, der mich erschüttert, der mich hingerissen hatte. Vecsey stammt aus altadliger ungarischer Familie; sein Vater, der im Jahre 1919 geftorben ist war selbst ein hervorragender Geiger und hat durch seine Unterweisung zu den Erfolgen seines Sohnes den Grund gelegt. Der Vater erzählte gern, daß schon der fünfjährige Franz die Geige in die Hand nahm, die er nicht wie ein Anfänger handhabte. Wie Vecseys ungarischer Landsmann, der berühmte Joseph Joachim in Berlin, es seinerzeit ablehnte, das Wunderkind ^u emtfangen und anzuhören, es aber nach seinem ersten Ber- ' liner Konzert leidenschaftlich feierte, so verhielt । sich auch Alessandro Rolla in Padua, der den . zehnjährigen Pagauini nicht p^n wollte bis der jugendliche Geiger ohne Erlaubnis in len Steinbachs Stürmer dreimal erfolgreich fein. Beide Mannschaften traten mit Ersatz an. Schiedsrichter Engelbrecht (Großen-Buseck) leitete zufriedenstellend. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Gießen I — Wetzlar I 8:1. Wetzlar war am Sonntag im Pflichtspiel gegen die Kreisklassenmannschaft Gießen hier zu Gast. Mit dem Anstoß der Gäste, die sich den Wind zum Bundesgenossen gewählt hatten, begann ein flottes Spiel. Wohl erzielten die Gäste kurz hintereinander drei Ecken, die jedoch nichts einbrachten. Gießen, das mit Ersatz antrat, fand sich allmählich besser zusammen und kam bald zum Führungstor Doch Wetzlar hatte bald den Ausgleich hergestellt. Gießen drückte sich nun mehr und mehr durch und stellte das Resultat bis Halbzeit auf 4:1. Nach Seitenwechsel wurden die Gäste allmählich eingeschnürt. Auch die zahlreiche Verteidigung konnte nicht verhindern, daß die Einheimischen noch viermal einsenden und so obiges Resultat Herstellen konnten. Naunheim I — Alsfeld I 3:0 In Naunheim trafen sich beide Gegner zum fälligen Serienspiel. Der Anstoß zeigte ein flottes Feldspiel, indem beide Tore in gefährliche Bedrängnis kamen. Ein für die Gäste gegebener Elfmeter wurde verschossen. Bis Halbzeit konnte keine Partei einen Erfolg buchen. Nach Seitenwechsel weiter flottes Spiel. Naunheim ging nun bald m Führung. Alsfeld ging nun mächtig aus sich heraus, konnte aber zu keinem Erfolge kommen. Die Einheimischen konnten durch schönes Spiel kurz hintereinander zwei weitere Treffer buchen und so mit obigem Resultat den Platz als Sieger verlassen. Oppenrod I — Grünberg I 2:0. In Oppenrod standen sich beide Gegner gegenüber. Obwohl die Einheimischen den Gästen etwas überlegen waren, dauerte es doch eine Welle, bis sie zum ersten Erfolg kamen. Grünberg strengte sich mächtig an, den Ausgleich zu erringen, dieser blieb ihm aber versagt. Oppenrod dagegen konnte noch einmal erfolgreich fein und so obiges Resultat erzielen. Kinzenbach — Beilstein 1:1. Kinzenbach I mußte die Reise nach Beilstein im Westerwald antreten; zwei gleichwertige Gegner trafen hier aufeinander, die sich die Punkte nach flottem Spiel mit dem Resultat 1:1 teilten. Steinbach I — Wieseck II 2:9. In Steinbach trafen sich beide Gegner zum fälligen Serienspiel. Die technisch besseren Gäste konnten hier einen sicheren Sieg mit nach Hause nehmen. Watzenborn I — Leun 3:1. Watzenborn I war in Leun zu Gast und konnte überraschenderweise den sonst sehr guten Einheimischen einen 3:1-Sieg abringen. Klein-Linden (Jugend) — Wieseck (Jugend) 3:4. Klein-Lindens Jugend hatte Wiesecks Jugend zu Gast. Nach abwechslungsreichem Spiel blieben die Gäste mit dem Resultat 3:4 Sieger. Dom Radsport. Der Gau 73 Lahn des Bundes Deutscher Badfahrer veranstaltete am Sonntag seine 50- Kilometer-Preisfahrt auf der Strecke Cölbe— Biedenkopf und zurück. Trotz des sehr windigen Wetters wurden in beiden Gruppen hervorragende Zeiten erzielt. Ergebnisse: Klasse A. 1. W. Döringer, 1885 Gießen, 1 Std. 36 Min. 2. Hch. Preis, „Germania" Gießen, 1 Std. 38 Min. Klasse 8. 1. 3. Hoppe, Marburg, 1 Std. 3918 Min. 2. G. Lauer, Beltershausen, 1 Std. 44 Win. 3. F. Schnecker, 1885 Gießen, 1 Std. 4510 Min. 4. W. Schacker, Marburg. 1 Std. 4619 Min. 5. H. Dender, Wetzlar. 1 Std. 4618 Min. 6. W. Biphi, Friedberg. 1 Std. 55 Min. 7. E. Weber, 1885 Gießen, 2 Std. 8. L. Euler, 1885 Gießen, 2 Std. 0033 Min. Gießener Tennisklub 1922. Bach intensivem Wintertraining hat der Klub am Samstag den Sommerspielbetrieb eröffnet. Leider ist ein vollwertiges Training bis jetzt noch ausgeschlossen, da die Beschaffenheit der vier alten Platze sehr zu wünschen übrig läßt und die beiden neu angelegten Plätze erst in nächster Zeit fertiggestellt werden. Cs ist dies um so bedauerlicher, da der Gießener Klub bereits am nächsten Sonntag einen Städtewettkampf gegen Marburg in Gießen austrägt. Der Marburger Tennisklub verfügt von jeher über eine spielstarke Mannschaft, die den schlecht trainierten Gießenern ohne Zweifel den Sieg schwer machen wird. Jedoch ist der Gießener Klub durch seine bewährten Kämpen vom Vorjahre gut vertreten, so daß der erste diesjährige Wettkampf, trotz obigem Handicap, wohl kaum eine Enttäuschung für Gießen werden wird. Ausfichlsratssihung der Hekoga. WSN. Darm ft aM, 29. April. In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats der Hekoga (Hessische kommunale Gasversorgungs-A.-G.), die von nachmittags bis zum Abend dauerte, wurde vom Vorstand das zahlenmäßige Ergebnis der verschiedenen Angebote für die hessische Gasversorgung in einer Denkschrift vorgelegt. Nach Kenntnisnahme beschloß der Aussichtsrat, in einer demnächst stattfindenden Sitzung wegen der weiteren Vorschläge an die Generalversammlung endgültig Stellung zu nehmen. Wie verlautet, wird in aller Kürze der Inhalt der Denkschrift in vollem Umfange der Öffentlichkeit unterbreitet werden. Starkenburg. WSN. Bensheim a. d. B., 29. April. Durch Entschließung des hessischen Ministeriums des Innern wurde der Stadt Bensheim die Führung eines neuen Stadtwappens bestätigt. Das Bild des Wappens zeigt in Rot den goldgepanzerten St. Georg auf silbernem Pferd, einen grünen Drachen erstechend. Rheinhessen. WSN. Mainz, 29. April. Ein schweres Unglück ereignete sich Sonntag nachmittag auf der Kaiserstraße. Ein fünfjähriges Mädchen namens Wagner wollte einem Radfahrer ausweichen, wurde aber dabei von einem Auto, das von einer Dame gelenkt wurde, in der Nähe des Bürgersteigs erfaßt und üb erfahren. Die Räder gingen der Kleinen über den Kopf, so daß das Kind trotz sofortiger ärztlicher Hilfe alsbald verschied Wirtschaft. Beruhigung am Devisenmarkt. Durch die sichere Haltung der Beichsbank und der deutschen Großbanken ist sowohl im 3nlande, als auch im Ausland eine wesentliche Beruhigung eingetreten. Besonders in englischen Finanzblättern ist darauf hingewiesen worden, daß die deutsche Währung als durchaus stabil anzusehen ist. Die Devisenanforderungen sind gestern ganz erheblich zurückgegangen, sie werden auf etwa 5 bis 6 MiUionen Dollar geschätzt. Auch die Feststellung der Botiz für Dollarnoten konnte auf der bisherigen Basis wieder vorgenornmen werden. Die überstürzten Markverkäufe im Auslande haben zu einer Mark- knappheit geführt, so daß die Mark fest ist. Millioneninsolvenz einer Berliner privatbanksirma. Berlin, 29. April. (WTD.) An der heutigen Börse wurde die Insolvenz der Berliner Bankfirma Bichard Harte bekannt. Laut „Boss. Ztg." hat das Bankgeschäft am heutigen Tage seine Zahlungen eingestellt. Als Grund wird die Uneinbringlichkeit gewährter Kontokorrentkredite angegeben. Die Firma ist im Augenblick mit der Aufstellung eines Statuts beschäftigt. Die Verbindlichkeiten schätzt man auf mindestens 3Vr Millionen Mark. • * Diskonterhöhung der Dank von Danzig. Die Dank von Danzig erhöht ab 30. April ihren Diskontsatz von 6 auf 7 Prozent und ihren Lombardsatz von 7 auf 8 Prozent. • Verein igung der Hess. Kommunalen Landesbank mit der Girozentrale. 3n der am Samstag in Frankfurt a. M. stattgehabten G.-V. der Hessischen Kommunalen Landesbank wurde die Vereinigung mit der Hessischen Girozentrale beschlossen. Die beiden Banken werden ihre seitherige getrennte Geschäfts, führung einstellen, die Geschäfte werden gemeinsam geführt werden. Wann diese Verschmelzung in Kraft tritt, steht jedoch noch nicht fest. Die diesbezüglichen Verhandlungen gehen noch weiter. * Preußische Hhpotheken-Aktien- B a n k. Die G.-V. setzte die Dividende auf 10 (i. V. 9) Prozent fest. Das laufende Geschäftsjahr habe sich, wie mitgeteilt wurde, bisher befriedigend entwickelt. Die Bank sei auch ferner in der Lage dadurch, daß sie einen größeren Posten Pfandbriefe an ausländische Freunde vor kurzem begeben hat, Hypotheken, die sich zu günstigen Sähen bieten, hereinzunehmen. Zur Zeit stocke der Pfandbriesabsah. * Vergleich be i Fuchs Waggon angenommen. 3n dem gestrigen Vergleichstermin der Waggonfabrik Fuchs A.-G., Heidelberg, stimmte die Mehrheit der Gläubiger dem neuen Vergleichsvorschlag zu, der bekanntlich von den Grohgläubigern den Verzicht auf 70 Prozent ihrer Forderungen verlangt. Die amtliche Betätigung des Vergleichs soll am Dienstagvormittag erfolgen. Da die Annahme dieses Vergleichs eine Voraussetzung für die Zustimmung der Gebr. Schöndorff A.-G., Düsseldorf, zu der Llebemahme von 1,8 Mill. Mk. neuer Aktien von Fuchs Waggon war, so ist damit die Sanierung von Fuchs Waggon durch Schöndorff ebenfalls gesichert. * Frankfurter Maschinenbau A. - G. Dorrn. P o kornh & Wi ttekind. Frank- furt a. M. Bei der Gesellschaft ist für 1928 mit einem Rückgang der Dividende bis auf zirka 4 Prozent (i. V. 6) zu rechnen. Wie W.T.B.- Handelsdienst erfährt, findet die Bilanzsihung am 1. Mai statt. Lieber die voraussichtliche Höhe der Dividende sei man sich bis jetzt aber noch nicht schlüssig. * Stolberger Gesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation, Aachen. Das Geschäftsjahr 1928 erbrachte bei 924 930 (L V. 1038 002) Mk. einen Beingewinn von 909 832 Mark. Das abgelaufene Geschäftsjahr stand unter der Wirkung des weiteren Riedergmiges der Metallpreise, die notwendigerweise das Bilanzergebnis beeinflußten. Wenn trotzdem das Ergebnis von dem des Vorjahres nicht wesentlich abweicht, so ist das hauptsächlich den in bedeutendem Umfange vorgenommenen Investierungen zu danken, die einerseits eine Erhöhung der Produktion auslösten, die aber auch andererseits für die Folge wesentlich höhere Aufwendungen für Verzinsung und Abschreibungen bedingen. Der am 1. Juni stattfindenden G.-V. soll die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent auf die Stammaktien und dementsprechend 4 Prozent auf die Vorzugsaktien vorgeschlagen werden. * Rudolph Karstadt A.-G., Hamburg. Der Geschäftsbericht der Rudolph Karstadt A.-G., Hamburg, betont, daß das Jahr 1928 unter außergewöhnlich schweren wirtschaftlichen Belastungen verlief. Immerhin konnten die LImsähe in den reinen Detailbetrieben ohne Berücksichtigung der Einheitspreisgeschäfte von 231,5 auf 254,4 Mill. Mk. gesteigert werden. Da die Linkosten um rund 1 Prozent des Gesamtumsatzes stiegen, ergab aber der Mehrumsatz von rund 23 Millionen keine entsprechende Steigerung des Reingewinnes. Außer der vorzeitigen Rückzahlung der alten Amerikaanleihe bei Gelegenheit des Abschlusses der neuen sechsprozentigen amerikanischen Anleihe in Höhe von 15 Mill. Dollar wurde eine Reihe von Restkauf- und Aufwertungshypotheken im Gesamtbeträge von rund 7 Mill. Mk. getilgt. Von den im Zusammenhang mit der amerikanischen Anleihe ausgegebenen Aktien sind an der diesjährigen Dividende 8,5 Mill. Mk. mit halber Dividende beteiligt. Der Rest von 10,5 Mill. Mk. kam erst kurz vor Ablauf des Geschäftsjahres zur Einzahlung. Das gesamte Aktienkapital ist nunmehr für das laufende Jahr voll dividendeberechtigt. Der Bericht weist ferner darauf hin, daß der Ausbau der Epa-Geschäfte (Einheitspreis A.-G.) sich in ausgezeichneter Entwicklung befinde. Die Gesellschaft hatte am 30. Juni 1928 14 Filialen in Betrieb. Diese Zahl war bis Ende Januar 1929 auf 23 gewachsen. Von einer Rennung der LImsähe dieses Geschäftszweiges der Gesellschaft wird abgesehen mit der Begründung, daß bei dem starken Ausbau des Llntemehmens diese Zahlen nur zu Fehlschlüssen führen, und weil bei der Tatsache, dach verschiedene Geschäfte für ganz verschiedene Zeitabschnitte in Betrieb waren, nur irrige Auffassungen Platz greifen würden. Das Kapital der Epa, das gegen Schluß des Geschäftsjahres auf 2 Mill. Mk. erhöht wurde, soll ihrem wachsenden Umfang entsprechend in diesem Jahre weiter heraufgesetzt werden. Für die Epa, deren Ge° schäftsjahresschluh auf den 31. Januar verlegt werden soll, kommt auch im laufenden Jahre eine Reihe weiterer Filialen zur Eröffnung. Frankfurter Börse. Frankfurt, 30. April. Tendenz freundlich. Im vorbörslichen Verkehr war das Geschäft sehr ruhig, und die Tendenz zeigte eine gewisse Unsicherheit, da die angespannte Geldmarktlage und der schwache Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse, sowie das Anziehen des Geldsatzes bis auf 15 o. H. verstimmte und eine nicht unerhebliche Zurückhaltung hervorriefen. Doch setzte kurz vor Beginn des offiziellen Marktes ein Tendenzumschwung ein, da die günstigeren Momente wieder in den Vordergrund traten. So wurde der weiteren Besserung des Devisenmarktes verstärktes Interesse entgegengebracht. Auch die günstigere Beurteilung hinsichtlich der eventuell wieder zustande kommenden Reparationsoerhandlungen machten einen vorteilhaften Eindruck. Daß man auch im Auslande die internationale Lage günstiger beurteilt, geht schon aus der Tatsache hervor, daß heute das Ausland wieder stärker am Börsengeschäft beteiligt war. Besonderes Interesse wurde von dieser Seite dem Elektromarkt entgegengebracht, sowie dem Farbenmarkt. Dem heutigen Zahltag wurden kaum Besorgnisse beigemessen, da von den beteiligten Stellen wohl rechtzeitig Vorsorge getroffen wurde. Das Geschäft war im allgemeinen nicht sehr erheblich, da die anfängliche Zurückhaltung immer noch etwas auf der Stimmung lastete. Die Kurs- g e ft a 11 u n g war daher zu Beginn der offiziellen Börse nicht immer ganz einheitlich, doch bestand für die schon erwähnten Papiere lebhaftere Nachfrage. J.-G.-Farben gewannen zur ersten Notierung etwa 2, Schuckert 2,5, Licht und Kraft 1 und AEG. 0,5 v. H. Montanmarkt fast ohne Geschäft und leichter. Von Kaliaktien eröffneten Salzdetfurth 1 v. H. niedriger, während Aschersleben und Westeregeln leicht gebessert lagen. Banken 0,5 bis 2,75 v. H. schwächer. Auch heute wurde dem Rentenmarkt lebhafteres Interesse entgegengebracht. Besonders Schutzgebiete standen an der Sssktze und gewannen etwa 0,5 o. H. Auch Ablösung ohne Option konnten weiter anziehen. Erst nach den ersten Kursen kam die bessere Börsensituation zum Ausdruck. Bei lebhafterer Nachfrage konnten J.-G.- Farben weitere 3, Siemens 5,5 v. H. gewinnen. Die Spekulation beteiligte sich lebhafter am Geschäft. An den Nebenmärkten traten erneute Besserungen bis zu 2 o. H. ein, doch blieben auch hier die Umsätze ziemlich eng begrenzt. Später unterlag die Börse auf Gewinnmitnahme verschiedentlich Schwankungen, und bei den meisten Papieren traten Abbröckelungen bis zu etwa 1 v. H. ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 v. H. gesuchter. Am Devisenmarkt konnte sich die Mark weiter leicht bessern. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2168, gegen Pfund 20,47, London gegen Kabel 4,8530, gegen Paris 124,15, gegen Mailand 92,64, gegen Madrid 33,75, gegen Holland 12,0713. Berliner Börse. Berlin, 30. April. Nachdem man im heutigen Vormittagsverkehr eine gewisse Unsicherheit feststel- len konnte, die sich besonders in einer außerordentlichen Geschäfts stille auswirkte und an der Vorbörse durchweg niedrigere Kurse gehört hatte, eröffnete die Börse selbst nicht so schwach, sondern uneinheitlich mit 1- bis 2-v. H.-Schwankungen nach beiden Seiten, wobei aber die Rückgänge überwogen. Die Stimmung war etwas unsicher, was zum Teil mit der Geldmarktlage und dem heutigen Zahltag begründet wurde. Im allgemeinen dürfte der Zahltag aber keine Schwierigkeiten bereiten, da die Börse rechtzeitig Vorsorge getroffen hat. Geld war sehr gesucht. Tagesgeld, das am Vormittag mit 10 bis 12 v. H. gesucht war, stellte sich an der Börse auf 8,5 bis 10,5 v. H. Monatsgeld 8,5 bis 9,5 v. H. Warenwechsel ohne Umsatz. Das Geschäft war sehr gering. Kauforders lagen so gut wie gar nicht vor. Die gestrige Neu yorker Börse, die nach einem schwachen Beginn zum Schluß erholt war, konnte keine Anregung bieten. Gewisse Besorgnisse hinsichtlich der zukünftigen Kassenlage des Reiches und der Lohnbewegung im Reiche verschärften diese Situation. Schwächer lagen Polyphon, da in London Grammophonwerte heute niedriger lagen. Man wunderte sich darüber, daß über die gestrigen Gerüchte von einer bevorstehenden Gründung einer deutsch-englischenHol- dingsgesellschaft in Verbindung mit den Weltgrammophontrustgerüchten nichts Bestimmtes zu hören war. Zellstoff Waldhof waren dagegen auf Meldungen in der heutigen Presse fest. Auch Deutsche Atlantische konnten über 4 v. H. an» ziehen. Schwach lagen Banken, von denen Danat- bank fast 3 v. H. verloren. Elektrowerte konnten sich dagegen teilweise behaupten. Siemens und Elektrische Lieferungen eher etwas fester, Berger Tiefbau und Glanzstosf je 3 bis 4 v. H. niedriger. Stolberger Zink, Mannesmann auf die heutige Aufsichtsratssitzung bis 4 v. H. fester. Deutsche Anleihen waren weiter gesucht. Bon Ausländern lagen Bosnier schwach. Türken dagegen etwas fester. Am Pfandbriefmarkt war die Tendenz noch uneinheitlich. Liquidationspfandbriefe und Anteile taxierte man eher etwas freundlicher. Nach den ersten Kursen wurde es am Farbenmarkt sehr lebhaft. Man wollte Auslandkäufe aus Amerika beobachten, und der-Kurs zog um 4 v. H. an. Hiervon ausgehend setzte sich an der ganzen Börse eine Aufwärtsbewegung durch, die 1 bis 3 v. H. betrug. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. April. Der Produktenmarkt verkehrte heute in gänzlich geschäftsloser und flauer Haltung. Vom Inlande war Drot- getreide weiter nur sehr spärlich angeboten, und die Händler sind äußerst zurückhaltend und abwartend. Es konnte sich daher kaum Geschäft entwickeln. Es wurden notiert: Weizen 23,75, Roggen 22,75. Sommergerste für Vrauzwecke 24. Hafer, inländischer 24 bis 24,25, Mais (gelb) für Futter zwecke 22,50, Weizenmehl, südd. SvezialO 32,50 bis 33, Roggenmehl 30,25 bis 31, Weizenkleie 13,10 bis 13,25, Roggenkleie 13,75 bis 14. Tendenz flau. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7.5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. ftranlfun a M. Berlin Schluß. Kurs 1 Ubr- Kurs Schluß. >2lnsang> Kurs Kurs Damm 29-4. | 30.4. 29 4. 30 4. 6% Dt. RetchSanlethe v. m< 87,25 — 87,5 _ Dt. Anl.-Abläs.-Schuld mH AuL los.-Rechten 52,25 — 52,4 52,4 DeSgl. ohne AuSIos.-Rechte 10 10,15 9,9 10,2 7% Franls. Hyp.-Bk Goldpf. uw kündbar bi« 1932 /,-5 Uhr. im Hotel Deutsches Haus. Friedberg. 1. MaL von 2‘/, bis 7 Uhr, Im Hotel Deutsches Haus. Nidda, 2. MaL von 2/,—6 Uhr. im Hotel zur Traube Marburg, 4. MaL von 8-11 Uhr, im Hotel Waldedcer Hof. nach Mai In garantiert unüber- troffen er Ausführung. 112V K. Ruffing, Spezial-Bandagist, Köln. Kaiser-Wilhelm-Rinü 26. preiswert J. 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