Mtz: jäSS DN D^^hobrnei, w ?J- "len hL^'e sich treten. 8t«. da d-r 'gl'schen E, glicht L ZA K,2«. >E?: 'S, f-üti- SLtt nennenswerte Söi^ 'uktenbörse. GetreiöemE M\ ie&r offiziell run^vorlage über die K Aervosität bemerk« W stark leidet. Die ^umMpräst für dia rn verrmlatzt die 2er« haltnng, aber auch di« «re die Importeure von n Aeueugagements nicht Unsicherheit über di, verles, einige Umsätze -n statt, da diese 2rvt« M des Dnmahlungs« izen durch die bevor« miger in ihrer Preis« ■tot kann. Für Deizei st etwa gestrige Preis nd Gerste werden kau2 n die Preise gegenüfa m Lieferungsmack er« nde PreisveränSerungen Schlußnotierungen, nach« ichmittags« und heutigen Weizen aus Grund der ingcn Rüägänge von 2 varen. Das Mehlgeschäft en Unsicherheit auch to nur kleine Dedarsskäuse je 1000 Kilo: Weizen, ig), Dez. 256.50 (Brief), Aoggen, märt, Hl bis Dez 193,25 bis 192,15, Hai 221 ('Brief); Drau- 1); Futtergnste 161 bis 151 bis 166 (schwächen, ); für je 100 Silo: OM« behMptet); Doggenmck )• Deizenkleie 10,75 bis ie 9,50 bis 10,25 (fester), hlachtviehmarkt. 28. Aov. Auftrieb! 619 Schafe, 700 Schwelg alber: beste Aast« uri M, mittlere M» u.geringe Kälber 60 Wf met und jüngere Wo' ”* ** W** ür»tf und Verlag: vrühl'sche Umverfitäkr-Vuch- und Stehtörndcrei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftrstelle: Zchulstrahe 7. Der Äeichsrai nimmt das RepublikschuhMeh an Gr|d)e im täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustriert« (Siebener FamUienblätter Heimat im Bild Die Scholle monoti:Be$ug$prei$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanfchlüffe unterSammdnummet2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. GchleppenderGang derGaar- konferenz. Gefahren der taktischen Behandlung. Paris, 28. Rov. (WTB.) Die Vorverhandlungen über das Arbeitsprogramm dec deutsch« lranzösischen Saarkonferenz haben dahin geführt, baß der erste LInterausschuh (Gruben) und dec zweite älnterausschuh (Handels- und Zollsragen) kommenden Samstag ihre Arbeiten oufnehmcn werden. Den Vorsitz auf deutscher Seite führt im ersten Llnterausschuh Gehei- nner Regierungsrat Ministerialrat Claußen Tom Reichswirtschaftsministerium, im zweiten Lln- terausschuh Ministerialrat Weymann vom Reichsfinanzministerium. 3n unterrichteten Kreisen wird die erste Fühlungnahme in den Saarverhandlungen nicht «llzu ungünstig beurteilt, obgleich man sich Keinerlei Illusionen über die Schwere der kommenden Arbeiten macht. Vei der gegenwärtigen Verhandlungsweise, die wirtschaftlichen Fragen zuerst in Angriff zu nehmen und die politischen einem späteren Zeitpunkt vorzubehal- ten, besteht eine gewisse Gefahr, daß nach Lösung aller wirtschaftlichen Fragen die Franzosen den deutschen politischen Forderungen nicht nachkommen und dann Deutschland die Schuld an einem Scheitern der Verhandlungen in die Schuhe schieben werden. Lehr zu begrüßen ist es daher, daß von dem Vorsitzenden, Herrn von Simson, vom ersten Tage der Verhandlungen an immer wieder mit Aach- druck darauf hingewiesen worden ist, das Reich verfolge mit den Saarverhandlungen ass letztes unabänderliches Ziel die Rückkehr des oaargebietLs zu Deutschland. Aul ö e r l i n , 28. Aov. (VDZ.) Die Reichslagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat sich in ihren letzten Sitzungen erneut und eingehend mit den Fragen der Finanz- und Steuerreform befaßt. Sie war einmütig der lleberzeugung, daß eine weitere Hinausschiebung dieser Reform angesichts der wirtschaftlichen und finanziellen tage nicht >n e h r verantwortet werden kann. Infolgedessen Hai die Fraklion beschlossen, die Reichsregie- rung zu ersuchen, auf Grund einer vom Kabinett genehmigten Vorlage des Reichsfinanzminislers alsbald Verhandlungen mit den Regie- rungsparleien aufzunchmen mit dem Ziele, daß über Art, Umfang und zeitliche Folge der notwendigen Steuerdeckungen spätestens bis Ende dieses Iahres Klarheit geschaffen wird. Hilferding lüstet den Schleier. Wie der Stcucrabbau ausschen soll. Berlin, 28. Aov. (Prio.-Tel.) Aach einer Besprechung mit den Parteiführern scheint wenigstens in gewisser Beziehung das Geheimnis um hilfer- dings Finanzreform gelüftet werden zu sollen. Einzelheiten darüber waren allerdings schon seil langem bekannt. So vor allem die Heraufsetzung des steuerfreien Einkommens auf 1 8 0 0 2H a r L Aeu ist, daß der Reichsfinanzminister die Senkung dec Einkommen- stcuer etappenweise vornehmen will, und zwar im Verlaufe von fünf Iahren bis auf 25 v. h. Bei der Vermögenssteuer wird der steuerfreie Betrag auf 25 000 Mark erhöht. Die Steuerabzüge für Kinder sollen dergestalt erhöht werden, daß sie für das erste Kind 480 Mark, für das zweite 720 und für das dritte und jedes weitere 900 Mark betragen. Die Induftriebelastung von ZOO Millionen Mark soll ebenfalls etappenweise im verlause von orci Jahren beseitigt werden. Doch ist hier noch eine längere Ausdehnung des Zeitraumes zu erwarten. Ferner ist vorgesehen die Rentenbankzinsen der Landwirtschaft zu streichen, die Real steuern um 10 v. h. zu kürzen, wobei den Kommunen der Ausfall dieser 10 o. h. von Reich und Ländern zu gleichen Teilen ,urücker slallel wird. Die Kommunen sollen zum Ausgleich außerdem noch die Erhebung einer Kopfsteuer durchführen, wobei der Betrag für die Ledigen etwa acht Mark und für die Verheirateten etwa zwölf Mark uusmachen würde. Die Gesellschastssteuer und die wert- p u p i e r st e u e r werden auf die Hälfte herabgesetzt und die 6 a p i t a l e r t r a g s st e u e r soll bei neuen Emissionen festverzinslicher Papiere gänzlich besei- ligt werden. Der Ausfall der dadurch für die Reichskasse entsteht, wird durch die Erhöhung der indirekten Steuern wieder ausgeglichen. 3m einzelnen scheint dieses Finanzprogramm des Reichsfinanzministers Zustimmung gefunden zu haben, doch wird der Einwurf gemacht, daß der gestaffelte Abbau der Steuern gegenüber der unmittelbaren Steuererhöhung bei den indirekten Steuern ausgeglichen werden müsse, weil sonst doch wiederum schwere Belastungen eintreten würden, die die Reform illusorisch machen müßten. Reichsbahn und houngplan. «schwere Bedenken der Demokraten. D e r l i n . 28. Aov. (VDZ.) Die Demokratische Reichstagsfraktion hat sich am Donnerstag tige Stellungnahme wurde aber nicht beschlossen Die Agrarfragen wurden vorläufig noch zurückge- stellt, da die maßgebenden agrarischen Abgeordneten noch verhindert waren. Zu dec ersten Beratung des Boltsbegehrens, des „F r e i h e i t s g e s e tz e e", werden die Regierungsparteien wahrscheinlich eine gemeinsame Erklärung abgeben. Da es aber möglich ist, daß von feiten der Deutschen Volks- Partei der Abgeordnete v. .Mardorfs noch redet, ist es nicht ausgeschlossen, daß das Zentrum und die B a y e r i s ch e V o l k s p a r t e i eine gemein- fame Erklärung abgeben werden. Oeuischnationale und Volksbegehren. Noch kein Ausgleich der Gegensätze in der Neichstagsfraktion. Verl in, 28. Aov. (Privat.) Wie im Reichs-' tag verlautet, ist die heutige sechsstündige Aussprache der deutschnationalen Reichstagsfraktion zu Ende gegangen, ohne zu Beschlüssen zu führen, obwohl der ganze Komplex der Fragen erörtert worden ist, btc mit dem Volksbegehren zusammenhängen und bereits bei den internen Verhandlungen des Kasseler Parteitages eine erhebliche Rolle gespielt haben. Morgen mittag wird die Fraktion erneut zusarnmentreten, um die Verhandlungen fortzusehen. 3n parlamentarischen Kreisen wird die Situation dahin kommentiert, daß ein Ausgleich der bekannten Gegensätze in der Frak- | am Freitag nach Pari« reisen, um mit Briand über gewisse Fragen im Zusammenhang mit der 3uristenkonserenz in Brüssel und der zweiten Haager Konferenz zu verhandeln. Das Hilfsprogramm für die befehlen Gebiete. Noch immer kein Neberblick über die zur Verfügung gestellten Gelder. Berlin, 28. Aov. 3m Reichstagsausschuß für me besetzten Gebiete machte Reichsminister Dr. ~~T 2higfüßrungcn über das Hilfsprogramm jur die beschien und die westlichen Grenzgebiete. Dce größte Schwierigkeit liegt darin, daß man heute noch nicht übersehen kann, welche Betrage zur Verfügung stehen. 3n dem Rach- iragshaushalt von 1929 sind zehn Millionen Reichsmark eingesetzt, wieviel in den Haushalt von 1930 eingesetzt werden wird, ist noch nicht zu übersehen. Die Schwierigkeit liegt nicht zuletzt cann, baß der Reichsfinanzminister erst nach E r l e d i g u n g d ermitdemVoung-Plan zusammenhängenden Fragen sein endgültiges Finanzprogramm vorlegen kann. An dem Ministerium für die besetzten Gebiete liegt es jedenfalls nicht, wenn das Westprogramm he ute noch nicht vor gelegt werden kann. Straßen, Drücken, Wasserversorgung, Maßnah. men für die Umstellung der Landwirtschaft, für Handel und Kleingewerbe und anderes werden der Hauptinhalt dieses Programms sein. Dvn den Landern sind größtenteils auch die vor- oringllchen und konkreten Aotwendigkeiten eines produktiven Programms eingegangen. 3n der Abstimmung wurden dann folgende Zentrumsanträge angenommen: a) 3m Aach- tragsetat 1929 30 und in den möglichen Etats für die nächsten 3ahre sind ausreichende Mittet zur Durchführung des von der Reichs- regicrung an sich beschlossenen Westprogramms einzufetzen. b) Die Re i ch s v e r m ögensveralt u n g verwaltet und verwertet auch nach Abzug der Desahungstruppen die reich s - ergenenGrundstückeundGebäudeim besetzten Gebiet als eine dem Ministe- num für die besetzten Gebiete unterstellte Behörde vorläufig weiter. Bei der Verwertung ^rchselgener Gebäude und Grundstücke darf der fiskallsche Gesichtspunkt nicht allein ausschlaggebend fern, sondern es müssen dabei auch kstc gemeindlichen, kulturellen, sozialen und chari- tatlven berechtigten 3n1eressen der besetzten Ge- biete berücksichtigt werden. Die Koblenzer Befreiungsfeier. K o b l e n z, 28. Aov. Bei der Defreiungsfeier, die t n b er Rächt zum 1. Dezember am ®eutfd)en Eck ftattfinbet, werben die Reichs- uixb bie preußische Regierung vertreten fein, erftere bureß ben Minister für bie besetzten Ge- biete, JJr Wi rth, bie preußische Regierung durch den Kultusminister Dr. Decker. Wahrscheinlich wird auch Wohlfahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r an der Feier teilnehmen. Berlin 28. Nov. (V.D.Z.) Der Reichsrat beriet das sogenannte R e i ch s m i n i st e r g e s e tz, das in ben Ausschüssen in feinen Grundsätzen unverändert geblieben ist. Rach diesem Gesetz dürfen die Minister dem Vorstände, dem Verwaltungs- oder Aufsichtsrat von Erwerbsgesettschaften nicht angehören, desgleichen dürfen sie Nebenbeschäftigungen nicht aus- üben. Als Versorgung wird in der Regel nur ein Uebergangsgclb gezahlt, dessen höhe sich nach der Amtsbauer richtet. Ausnahmsweise kann eine Ruherente gewährt werden. Dis Ausschüsse des Reichsrates haben jedoch diese Ausnahme nur auf ben Fall von Gesundheitsschädigungen beschränkt. Reichs-, Landes- und Gemeindebeamte behalten ihre Pension. Staatssekretär Weis man n beantragte, die preußische Regelung zu übernehmen, wonach Minister nach vierjähriger Dienstzeit pen- swnsberechtigt werden. Dieser Antrag, dem die Reichsregierung widersprach, wurde mit 34 gegen 32 Stimmen abgelehnt. Das (tzesetz selbst wurde einstimmig angenommen. Es folgte die Beratung des neuen Republikschuhgesehes. Berichterstatter preußischer Ministerialdirektor Dr. B a d t führte aus, der Entwurf verzichte aus die bisherigen Verfassungsänderungen, z. B. die Auf. enthaltsbeschränkungen und andere Be- Kimmungen gegen die früheren landesherrlichen Familien. Den Schutz des Lebens haben die Ausschüsse des Reichsrats nicht auf ben politischen Personenkreis des Entwurfs beschränkt. Es soll vielmehr jeder Angriff auf das Leben ohne Rücksicht auf'die Par- teistellung des Angegriffenen usw. bestraft werden. Dieselbe Aenderimgen haben die Ausschüsse für die Bestrafung von Gewalttätigkeiten vor- genommen. Auch derSchutzgegenBeschimp- r_u n g e n u n b $ e r I e u m b u n'g e n soll nicht auf Staatsmänner beschränkt werden, die durch Gewalttätigkeit ums Leben gekommen sind, sondern soll auf alle Toten ausgedehnt werden. Die Z u st ä n d i g - teil be s Reichsinnen Ministers für Auflösung von Vereinen und für Zeitungsverbote haben bie Ausschüsse gestrichen unb dafür bei Streit zwischen dem Reich unb einem Land bie Entscheidung bes Reichsverwaltungsgerichts eingefügt. Staatssekretär WeisMan n befürchtete, baß der erweiterte Schutz gegen Gewalttätigkeit vor allem den die Republik beschimpfenden Gegnern zugute kommen würde. Preußen würde sich bei dieser Bestimmung der Stimme enthalten, aber trotzdem für das Gesetz stimmen. Der Vertreter Hamburgs schloß sich dieser Erklärung an. Staatssekretär Zweigert beantragte namens der Reichsregierung, die Zuständigkeit deS Reichsinnenmini st ers wiederherzu- stellen, weil meist schnell gehandell werden müsse. Während die preußische Regierung diesem Anträge des Reiches zustimmte, lehnten Bayern und Sachsen ihn ausdrücklich ab. Der Antrag des Reiches wurde mit 38 gegen 25 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt, das Gesetz in der Ausschußfassung mit 50 gegen 16 Slim- men Bayerns, Mecklenburg-Schwerins und der preußischen Provinzen Brandenburg, Pommern, Ostpreußen und Aiederschlesien angenommen. Der Aarne des Gesetzes wurde in „Gesetz zum Schutze der Republik und zur Befreiung des politischen Lebens" geändert. Die Reichsregierung hat sich entschlossen. die vom Reichsrat in dem neuen Republikschuhgesetz vorgenommene Aenderung nicht zu beanstanden. Sie wird also keine D o p - Pelvorlage einbringen, sondern entsprechend den Reichsratsbeschlüssen die Ausdehnung des geschuhten Personenkreises billigen und ebenso den Vorschlag des Reichsrates annehmen, daß nicht der Reichsinnenminister, sondern die Länderregierungen das Recht zur Auflösung politischer Organisationen und zu Zeitungsverboten erhalten. Gegen eine weitere Verschleppung der Finanz- und Steuerreform Oie Volkspariei verlangt sofort Aufnahme der Beratungen. „Prosperity"-Kampagne in Amerika. Seit einigen Wochen ist in Amerika eine Welle der Besorgnis hochgekommen, ob sich der bisher günstige Deschäftigungsstand der Wirtschaft und die Rentabilität, die feit dem Kriege eine fortdauernde Steigerung des allgemeinen Wohlstandes herbeigeführt hat. noch für eine längere Zeit aufrecht erhalten lassen. Diese Besorgnis hängt psychologisch eng mit dem neulichen Börsenkrach zusammen, der viele Leute um ihre Ersparnisse gebracht, andere vollkommen ruiniert und neuerdings sogar eine erhebliche Reche bon Zahlungseinstellungen bei Bant- ßäufern zur Folge gehabt hat. Aber im Grunde gebt dieser Vorgang viel weiter zurück: schon seit einigen 3ayren sind die Farmer, die besonders in dem wichtigen Mittelwesten Amerikas eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft spielen, in großen Röten, leiden unter dem Preis- druck ihrer Erzeugnisse, unter Lieberproduktion und Geldmangel, und die Bundesregierung hat schon die verschiedensten Maßnahmen treffen müssen, um ihnen unter die Arme zu greifen. Cs ist deshalb durchaus berechtigt, daß bei dem rasenden Entwicklungstempo der amerikanischen Wirtschaft, bei der immer durchgreifenderen Serien-Fabrikation, die kein Abstvppen der Maschine gestattet, bei dem Zwang zum Konsum, wie er seit einigen 3ähren künstlich durch die Verallgemeinerung des Abzah- lungswefens herbeigeführt worden ist, einsichtige Wirtschaftler mit Besorgnis einen Zeitpunkt herannahen sehen, wo eine Krise eintreten könnte. Ein plötzlicher Konsumrückgang würde auch in Amerika zu einer Arbeitslosig. feit führen, die nicht durch entsprechende soziale Fürsorgemaßnahmen abgemildert wäre, wie sie jetzt in den meisten europäischen Ländern bestehen. Die amerikanische Wirtschaft ist auf der Grundlage entwickelt worden, daß jeder für fjd) f e l b ft sorgen muß und durch Rücklagen für schlechte Zeiten den Einnahmenausfall durch Arbeitslosigkeit usw. im voraus wettmachen soll. Aber der Anreiz zu einem Luxus-Konsum und zu einer Derbrauchssteigerung durch ein Kreditwesen, das oft die regelmäßigen Einkünfte für viele Monate oder gar ein 3ahr vorweg- nimmt, hat den Sparmöglichkeiten so wirksam entgegengearbeitet, daß heule bereits die Rot- wendigkeit vorliegt, die Wirtschafts-Maschinerie in ihrem bisherigen Umfang schlimmstenfalls auch künstlich im Gange zu halten. Einstrveilen wird das sicher in der vorgesehenen Art gehen. Präsident Hoover, der große Organisator, hat sich mit den Vertretern der öffentlichen Unternehmungen, der kommunalen Betriebe und großer privatwirtfchastliä)en Konzerne zusammen- gefetzt, um ein Deroesserungs- und Aus- b a u p r o g r a m m für die nächsten Jahre mit ihnen misjuarbeiten, das zusätzliche Beträge für die Industrie in einem Umfang von mehreren Milliarden Dollar sicherstellen soll. Dadurch würde, wenn auch vielleicht mit Verschleppungen, innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige der Beschäftigungsstand und die Lohnhöhe zunächst gesichert werden können. Aber es ist ein stark optimistisches Programm, das das Wiedereinsetzen der natürlichen Wirtschaftsblüke nach einer verhältnismäßig kurzen Depressionsperiode zur Voraussetzung hat, wenn nicht hinterher eine noch größere Wirtschaftskatastrophe drohen soll. Und bei den großen finanziellen Kräften Amerikas ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, daß unter dem Zwang zur Produktionserhaltung oder -steigerung vermehrte A n st r e n g u n g c n im Ausland, verstärkte Schutzzollpolitik und nötigenfalls sogar ein erhebliches Dumping die Auswirkun gen einer amerikanischen Krise zum Teil auf die anderen Industrieländer übertragen könnte. französischer Seite muß man sich daher über die Absichten Deutschlands klar fein. Wenn bie Franzosen trotzdem in die Verhandlungen eintreten, so besagt das sicherlich, daß sie diesen deutschen Standpunkt stillschweigend annehmen. Ratürlich ist man auf französischer Seite bemüht, jeden nur denkbaren Vorteil aus den Verhandlungen zu ziehen. Man wird auf außerordentlich wei tgehende Forderungen der Franzosen gefaßt fein müssen, denen von deutscher Seite immer wieder entgegengehalten werden muß. bei der Rückkehr der Saar vor 1935 handele es sich nur u m einen Zeitraum von wenigen Jahren, den wirtschaftlich allzu hoch zu bezahlen, die Reichsregierung keinerlei Veranlassung habe. Die Deutschen werden sonst in Ruhe die Abstimmung im Saargebiet ab» warten können, über deren Ausfall die Franzosen sich heute nicht mehr täuschen. Erst am 10. Dezember Zusammentritt der Zuristenkonferenz. B r ü s s e l, 28. Rov. (Belgische Telegraphen-Agen- kur.) Mik Rücksicht darauf, daß es mehreren Mitgliedern der Juristenkommisfion der Haager Konferenz nicht möglich ist, sich zum 2. Dezember nach Brüssel zu begeben, ist die Eröffnung der Juristenkonferenz aus den 10. Dezember oer- ch o b e n worden. Die Konferenz wird, wie vereinbart, Im Ministerium des Auswärtigen i n Lrüjjel lasen. Minislerpräfldenl 3afpar wird mit der zukünftigen Gestaltung der Reichs- bahn befaßt. Die Fraktion wird die Reichsregierung ersuchen, dem Reichstag Mitteilung über das Gesamtergebnis der Pariser Verhandlungen des Organisationskomitees zu machen. Die Mitteilungen, die bis jetzt über das neue Reichsbahngesetz bekanntgeworden sind, geben Anlaß zu den stärk st en Veden- k c n. Die Fraktion wird dem Reichsverkehrsminister Stegerwald Vorschläge zuleiten, die im deutschen 3nteresse bei ben kominenben Haager Verhandlungen Berücksichtigung finden mögen. Die Fraktion faßte weiter folgenden Beschluß: „Angesichts der politisch bedauerlichen Tatsache, baß in dem Ausschuß bet Länderkonferenz der Vertreter des Reichsfinanzministers aus doktrinären Bedenken gegen eine Lösung gestimmt hat, auf die in monatelangen Bemühungen alle Beteiligten, auch bie Vertreter ber sämtliche^ Länder mit Ausnahme Bayerns geeinigt waren, wird beschlossen, den Reichskanzler zu bitten, auf eine einheitliche Haltung der Reichsregierung hinzu- toirfen. Der polenvertrag. EHarfe Kritik des Zentrums. Berlin, 28. Nov. (Privat.) Die Zentrumsfraktion bes Reichstages beschäftigte sich ausgiebig mit dem polnischen Liguibationsabkom- men, bas einer sehr s ch a r f e n K r i t i k von allen Seiten unterzogen würbe. Eine enbgül- Nr. 289 Erster Blatt 179. Jahrgang Zreitag, 29. November 1929 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Hon heute noch nicht erreicht wurde, daß die Lage vielmehr als unverändert anzusehen sei. Da der Reichstag sich morgen in der Behandlung des Entwurfes für das Freiheits- geseh auf die erste Lesung beschränken muh, hat die deutschnationale Fraktion zunächst b i s Samstag Zeit, um eine Klärung herbeizuführen. Zusammenschluß der Minderheiten in Polen. Warschau, 28. Rov. (WB.) 3m Sejmgebäude haben bedeutsame Beratungen von Vertreten) sämtlicher ukrainischer, weißrussischer und litauischer Parteien in Polen stattgefunden. Rur die Kommunisten haben sich der Beratung ferngehalten. Rach erschöpfender Erörterung der Lage dieser drei Rationalitäten innerhalb der polnischen Grenzen wurde festgestellt. daß im Zusammenhang mit der beabsichtigten Aenderung der polnischen Verfassung das Bestreben herrsche, die Rechte dieser Minderheiten gänzlich einzuschrün- k e n Angesichts dessen hat die von den drei Minderheiten beschickte Konferenz beschlossen, in engster Zusammenarbeit denK am p f um die Rechte der Rationalitäten zu führen und zu diesem Zweck einen stän- digen Verständigungsausschuß ins Leben zu rufen. Die nationaldemokratische Gazeta War- szawska hält es nicht für ausgeschlossen, daß sich die Verständigungsaktion auch noch auf Deutsche und Juden erstrecken wird. Krastprobe der Opposition in England. London. 28.Rov. (WTB.) 3m Unterhaus brachten bei der Erörterung des Ar b e i t s - losenversicherungsgesetzes die Liberalen einen Abänderungsantrag ein. demzufolge Personen unter 18 3ahren nur Anspruch auf Unterstützung haben sollen, wenn sie während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit an Unterrichtskursen teilnehmen. Der Arbeitsminister M.ß Margaret Bondfield bekämpfte diesen Antrag mit der Begründung, daß die Anregung zwar wertvoll, aber praktisch undurchführbar sei. Die anwesenden Konservativen und Liberalen stimmten für den Abänderungsantrag. Sie waren aber nicht in genügender Stärke erschienen, um der Regierung eine Riederlage beizubringen. Der Antrag wurde mit 237 gegen 167 Stimmen ab - gelehnt. Während der Abstimmung ging Lloyd George zu Baldwin hinüber, und beide verliehen gemeinsam das.Haus unter den Rufen der Arbeiterpartei: „Sie wollen eine neue Regierung bilden!" Wenn auch eine Riederlage der Regierung in einer verhältnismäßig untergeordneten Frage nicht zu ihrem Sturze führen konnte, wurde doch dieses Zusammengehen der Konservativen und Liberalen erregt erörtert. Wie Frankreich seine Ostgrenze armiert. Maginots Bericht vor dem Heeresausschutz . Paris. 28. Rov. (WB.) Das „Echo de Paris" bringt weitere Einzelheiten über die Ausführungen des Kriegsministers M a g i n o t vor dem Heeresausschuh der Kammer zur Frage der Befestigung der französischen O ft - grenze. Danach soll der Kriegsminister betont haben, daß die Arbeiten zur Verteidigung des Rheins, an den Befestigungen in der Gegend von Metz und an der Lauter im vollen Gange seien. Die Vorrichtung zur 11 n - brauchbarmachung der Straßen sei vollendet. Man könne voraussehen, daß im Sommer 1930 180 einfache oder doppelte Kasematten, vier kleine Defestigungswerke und etwa 100 Unterstände sowie ein Drittel der vorgesehenen mobilen Befestigungs- Parks fertiggestellt seien oder in Dienst gestellt würden. Auf diese Weife werde binnen einem 3ahre die Verteidigung der franzö- sischen Ostgrenze den Deckungstruppen eine Feuerunterstützung bieten, die alle 3ahre bis 1934 weiter ausgebaut werde. 1934 werde das französische Verteidigungssystem endgültig vollendet sein. Um den Frieden im Femen Osten. Die Chinesen haben darauf verzichtet, solange zu warten, bis der Völkerbund sich in den fernöstlichen Konflikt einmengt oder die Kellogg-Mäcbte alarmiert find. Sie haben Rußland um Frieden gebeten und Moskau hat nicht gezögert, unter der Voraussetzung der Wiederher st ellung des s r ü h e re n Zustandes in die dargebotene Hand einzuschlagen. Damit ist natürlich der Friede selbst noch nicht perfekt. Wird man sich am grünen Tisch nicht einig, dann wird man eben den Krieg fort- setzen. Kroß sind die Widerstandskräfte Chinas allerdings nicht, so daß es schließlich doch einen Vertrag unterzeichnen wird, auch wenn er noch über die Bedingungen des Waffenstillstands hinaus geht. Bedenklich ist es aber doch, daß die Kellogg- Mächte bis heute keinen Finger ge- rührt haben, um dem Krieg im Fernen Osten ein Ende zu bereiten, obwohl Rußland und China den Kriegsächtungspakt unterzeichnet haben, und alle Staaten verpflichtet sind, gegen den Störer des Friedens Front zu machen. Oie Friedensbedingungen. Eine Proklamation des Oberbefehlshabers der Lowjetarmee. Paris. 28. Rov. (WB.) Rach Havas hat der Oberbefehlshaber der Sowjetarmee im Fernen Osten die folgende Proklamation erlassen: „Wir haben die Chinesen auf zwei Fronten geschlagen. Wir hätten den Feind bis Charbin verfolgen können, begnügen uns aber damit. China eine Lektion gegeben zu haben, die unsere Stärke und unsere feste Ab- sicht zeigt, dieKontrolleüberdieEisen» bahn aufrechtzuerhalten. Die Lage wird nur durch vollständige Ausführung der Verträge von Moskau und Muk» den geändert werden können. Wenn China eine neue Lektion vermeiden will, so wird es ohne Verzug die früher bei der chinesischen Ostbahn bestehende Lage wieder Herstellen, die russischen Gefangenen befreien, die Konzentrationslager öffnen, die Weißgardisten entwaffnen Hessischer Landtag. D a r m st a d t, 28. Roo. (WHP.) Präsident Delp eröffnet um 10.15 Uhr die Sitzung. Das Haus ist nur schwach besetzt. Auf der Tagesordnung steht die Beratung eines kommunistischen Antrages, die Anschaffungskosten für Ortstafeln und Verkehrszeichen in den Gemeinden auf die Staatskasse zu übernehmen. Abg. N i e p o t h (D. Dp.) vertritt die Auffasiung, daß die Kosten für diese, lediglich dem Durch- gangsoerkehr dienenden Verkehrszeichen den Provinzen auferlegt werden müßten, da die- sen auch das Aufkommen aus derKraft- fahrzeugsteuer zufalle. Auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmungen verlange die Regierung von den Gemeinden, diese Kosten selbst zu tragen? — Der Antrag wird auf Grund gesetzlicher Bestimmun- gen gegen vier Stimmen fürerledigterklärt. Die Abg. Angermeier und G a lm (Komm.- Opposition) begründen einen Antrag, die D e s o l - dungsmehrkosten, die den Gemeinden durch das hessische Staatsbeamtenbesoldungsgesetz entstehen, der Staatskasse aufzuerlegen. Abg. Dr. Müller (Dbd.) erklärt, daß die Besoldung der Gemeindebeamten sich nach derLei- stungsfähigkeit der Gemeinde richten müsse. Die Verantwortlichkeit der Gemeinden für ihre Besoldungspolitik müsse bei Erweiterung ihrer Selbstoerwaltungsrechte erhalten bleiben. — Der Antrag wird abgelehnt. Mehrere Anträge auf Abgabe von Laubstreu aus den Staatswaldungen und Oeffnung der Waldweiden angesichts der herrschenden Futter- mittelnot werden gemäß einer zust.mmenden Re- gierungsantwort einstimmig angenommen. Anträge, die die Derkehrsverhältnisse auf dem Bahnhof Stockheim (Oberhessen), und die Der- kehrssicherheit auf den Provinzialstraßen entlang der Bahnlinie Reinheim—Reichelsheim betreffen uno ein kommunistischer Antrag auf freie Fahrt für die Arbeiter und Bediensteten bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. werden bis zur Vorlage der Ergebnisse der zum Teil noch laufenden Verhandlungen mit den Reichsbahnbehörden der Regierung als Material überwiesen. Abg. Böhm (Dn.) begründet einen Antrag auf Einführung einer besonderen Belrlebssteuer für Warenhäuser (der Antrag ist im Ausschuß aus formal-steuerrecht- lichen Gründen für erledigt erklärt worden). Die Warenhäuser vernichteten den kaufmännischen Mittelstand und führten zu einer Zerrüttung auf dem Grundstücksmarkte in der Nähe der Warenhäuser, da dort sogar erste Hypotheken nicht mehr zu bekommen seien. Abg. Lux (Soz.) lehnt den Antrag ab. da den Gemeinden das Recht zur Beteuerung der Warengrobbetriebe im Gemeindeumlagen- geseh gegeben fei. Abg. Dr. Wolf (DRP.) ist für den Antrag, weil sich sogar ausländische Warenhauskonzerne in Deutschland breitmachten. Abg. W e ck l e r (Ztr.) lehnt den Antrag ab und meint, daß kaufende Publikum müsse eben den kaufmännischen Mittel st and mehr unterstützen. Abg. Dr. R i e p o t h (D. Dp.) erblickt in dem Antrag kein Mittel, der Entwicklung der Warenhäuser entgegenzuwirlen. Die steuerliche Bevorzugung der Filialbetriebe und Konsumvereine n erde nach Vorlage tet Der- a la u s rge is e aus geh obenwerde - müssen. ~»ie Re al »teuer,., also auch die Fiäal- und Warenh aus steuer müßten den Gemeinden als Einnahmequelle erhalten bleiben. Finanzminister Kirnberger weist darauf hin, daß er trotz der für den Staat zu erwartenden Einnahmen es kürzlich abgelehnt habe, den heutigen Palais-Garten für ein Warenhaus abzugelen. Den Gemeinden könne die Warenhaussteuer nicht ohrre Aenderung des Finanzausgleichsgcsehes genommen und dem Staate überwiesen werden. Dies feien keine juristischen Deduktionen, die auS Mittelstands- feindlichkeit vorgebracht würden, sondern es bestehe tatsächlich die Gefahr, daß die Steuer von den Warenhäusern auf ihre Lieferanten abgewälzt werden würde, wodurch man dann gerade denMittelstand schädige. Wer den Antrag ablehne, könne in keiner Weise als Feind des Mittelstandes betrachtet werden. Der Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Auf Anfrage des Abg. Dr. Werner (wild) erllärte Ministerialdirektor R e u r o t h, daß mit Preußen und den süddeutschen Ländern über eine Zusammenlegung von Strafanstalten Verhandlungen geführt würden, um den stufenweisen Strafvollzug zu ermöglichen. — Bei der Zustimmung zur Einstellung eines Strafverfahrens gegen einen 3ugendlichen wegen Falscheides wird die Regierung aufgefordert, sich bei der Strafrechtsreform gegen die generelle Vorleistung des GidesimStraf- prozeh auszusprechen, um die vielen fahrlässigen Eidesverlehungen, namentlich durch Zugendliche, einzudämmen. Abg. H a m m a n n (Komm.) verteidigt dann den kommunistischen Mißtrauensantrag gegen die Regierung wegen ihrer Haltung zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Die sozialdemokratischen Regierungen im Reich und in Hessen verdienten schärfste Verurteilung wegen ihrer Beteiligung an dieser 'Offensive der Arbeitgeber gegen die arbeitenden Massen. (Es sind noch sieben Abgeordnete im Saal.) Rachdem der Abgeordnete eine Stunde lang die einzelnen Paragraphen der Reformvorlage, die im Oktober in Kraft trat, durchgesprochen hat, entspinnt sich eine Geschäftsordnungsdebatte. da Präsident Blank die Weiterberatung der kommunistischen Anträge zum Arbeitslosengesetz auf Dienstag der kommenden Woche vertagen will. Das Haus beschließt jedoch, die ganze Frage der Arbeitslosenanträge zu Ende zu beraten. Abg.Weber (Soz.) wendet sich im einzelnen gegen die Behauptungen des Abg. Hammann, die mit den Bestimmungen des Gesetzes im schreienden Widerspruch ständen. Schließlich wird die Sitzung auf Dienstag vertagt. und die chinesischen Truppen von den Grenzen zurückziehen müssen. 3ede Verzögerung würde einen Verstärkung unserer Aktion nach sich ziehen." Mulden hat diese Bedingungen soeben angenommen. Oer Sprengstoff-Lieferant der Bombenleger. Hamburg, 29. Rov. (Priv.-Tel.) Den in der Untersuchung der Bombenanschläge in Altona tätigen Berliner Kriminalbeamten ist es gelungen. in einem der letzten Verhafteten, dem Landwirt 3ohann R a t h j e n aus Bargfeld, den Lieferanten und 11 e b e r b r i n g e r von Explosivstoffen zu ermitteln. Rathjen ist jetzt unter dem Druck der ihm vorgelegten Beweismittel g e st ä n d i g . den für die Anschläge in Winsen, Beidenfleth, Lunden und Hollingstedt benötigten Sprengstoff besorgt zu haben. Hauszinssteuer und Siedlung Aus dem Preußischen Landtag. Berlin, 29. Rov. Der Haupt ausschuh des Preußischen Landtages berüt am Donnerstagabend den Lira, trag Schmitt, Limburg (Deutsche Fraktion), der das Staatsministerium ersucht, unverzüglich noch für das 3ahr 1929 «inen weiteren Mindest betrag von 10 Millionen aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer zur Gewährung von Hauszinssteuerhypotheken . für landwirtschaftliche Siedlungsbauten zur Vertilgung zu stellen. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff gab einen Hcberblick über die Verwendung des Hauszinssteueraufkommens. 3m 3ahre 1923 halt) es 1040 Millionen betragen. 3nsgesan t sind 53 6 Millionen für die Bautätigkeit verwendet worden. Wenn man hiervon 2 0 Millionen für die Siedlung abzweigen würde, so fiele das gegenüber dem Gesamtbetrag nicht entscheidend ins Gewicht. Dabei solle man nicht übersehen, daß es auch der Stadt zugutekommt, wenn durch den Wohnungbau aus dem Lande die Abwanderung nach der Stadt eingedämmt wird. Schließlich steht die Gesamtfrage im Zusammenhang mit der Ost Preußen Hilfe, die ohne ausreichende Siedlunystätigkeit nicht wirksam werden kann. lleberdies hat Preußen bei der Ausstellung des Ostpreußenprogramms die Ve r- pslichtung übernommen, aus Hauszinssteuer- mitteln Beträge für Siedlungszwecke zur Verfügung zu stellen. Für den Dau von Landarbeiterwohnungen sind aus Anleihemittels zur Verfügung gestellt worden je 30 Millionen in den 3ahren 1927, 1928 und 1929. ilr- sprünglich seien von der Reichsgesehgebung ein Zehntel der Hauszinssteuermittel für den Baubedarf und neun Zehntel für andere Zwecke bestimmt gewesen. Durch die preußische Aus- führungsgesehgebung ist das Verhältnis zugunsten der Mittel für den Baubedarf verändert worden. Bei dem ernsten Stand der Staats- finanzen ist es unmöglich, laufende Mittel oder Anleihemittel für die Siedlung zur Verfügung zu stellen. Die Frage ist nur die, ob man die Siedlung durch Hauszcnssteuermitteln fördern oder gar nicht fiedeln will. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger wies daraus hin, daß die Mittel nicht entbehrt werden könnten. Die Belastung für die einzelnen Siedler stellen betrage schon jetzt 16 Mark für den Morgen. Wenn man die Hauszins- steuermittel nicht erhalte, sei eine weitere Siedlung nicht möglich. 3m 3ahre 1929 wolle man 4000 neue Siedlerstellen schaffen; dazu brauche man die 10 Millionen. Man beschloß schließlich, zunächst den' Beirat beim Wohlfahrtsministerium über die Verteilung der Hauszins steuermittel zu Horen. Oie evangelische Kirchenbehörde für 5-Llhr-Ladenschluß. Berlin, 29.Rov. Der Deutsche Evangelische K irchenausschuh, dis oberste Vertretung der evangelischen Kirchen, hat folgenden Beschluß gefaßt: Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuh hat mit Befriedigung von den im Reichstag gestellten Anträgen Kenntnis genommen, die die gesehlicheFest- legungde25-Llhr-Ladenfchlussesam 2 4. Dezember zum Zwecke haben. Ec würde es begrüßen, wenn ein entsprechender Gesetzentwurf baldigst zur Verabschiedung gelangt. Es wird damit einem schon längst in kirchlichen Kreisen geltend gemachten Wunsche Rechnung getragen. Oas goldene priesterjubiläurn des Papstes. Rom, 28. Nov. (WB.) 5)eute mittag um 121 Uhr überreichte der deutsche Botschafter o. Bergen dem Pap st ein Schreiben des Reichspräsidenten mit den persönlichen Wünschen des Reichspräsidenten und denen der Reichsregierung z u d em goldenen Priesterjubiläum des Papstes. Anschließend erfolgt die Uebergabe des Geschenkes der Reichsregierung an den Papst. Das Geschenk ist ein Duplikat des sogenannten „roten Prunktafelseroices" Friedrichs des Großen, das seit gestern in dem besonders geschmückten Paramentensaal des Vatikans ausgestellt war. Botschafter o. Bergen wird ich in Begleitung des Personals der Botschaft sowie >es Vatikanreferenten des Auswärtigen Amtes, Ge- andtschaftsrats Klee, in den Vatikan begeben. Nach der Audienz findet die Besichtigung des Geschenks der Reichsregierung durch die Press« statt. Aus aller Wett. Ein Preßbeleidigungsprozeh. Senatspräsidcnt Reichert vom Reichsgericht und Reichsgerichtsrat a. D. B e w e r wurden wegen Beleidigung des Herausgebers des „Tagebuchs", Leopold Schwarzschild, zu je 300 Mark Geld- strafe verurteilt. Die beiden Verurteilten redigieren die „Deutsche Richterzeitung". Der Kläger hatte das Todesurteil des Neustrelitzer Schwurgerichts gegen den Russen Jakubowski im „Berl. Tageblatt" scharf kritisiert. Darauf erschien in der „Deutschen Richterzeitung" eine Erwiderung, in der dem Schriftsteller Schwarzschild „abscheuliche Fahrlässigkeit und empörende Wahr- heitswidrlgkeit* nachgesogt und er als „rechtsbeugender Literat" bezeichnet wurde. Auf die Klage des Beleidigten sprach das Amtsgericht Schöneberg am 30. Januar d. I. die Angeklagten Reichsgerichtsrüt« frei, indem es ihnen Wahrnehmung berechtigter Jnteres. f e n zubilligte. Schwarzschild legte Berufung ein. Die Strafkammer versagte den Angeklagten den Schutz des § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen), da sie in ihren Angriffen das erlaubte Maß überschritten und sich schwerer formaler Beleidigung schuldig gemacht hätten. Als besonders erschwerend sah das Gericht die hohe Stellung der beiden Angeklagten an, die sie zu besonderer Vorsicht hätte veranlassen müssen. Der Gladbecker Lohngeldraub erneut vor Gericht. Der geistige Urheber und Organisator des großen Lohngeldraubes auf der Zeche „M atthias Stinnes" in Gladbeck, bei dem den Räubern die gesamte Lohnsumme in Höhe von 118 000 Mark in die Hände fiel, der 33 3ahre alte Anstreicher Franz Hutmacher, ist vom Erweiterten Schöffengericht wegen dieses Raubes und anderer Delkite zu einer Gesamtstrafe von 15 3ahren Zuchthaus verurteilt worden. Der Kellner Willi Steeger, der um den Plan gewußt hatte und später gemeinsam mit Hutmacher in Rotterdam aus den Deutegeldern eine Gastwirtschaft erworben hatte, wurde wegen Begünstigung zu zwei 3ahren Zuchthaus verurteilt. Me anderen Teilnehmer an dem Äeberfall, die Brüder Keimling, sind schon vor einiger Zeit zu 12 bzw. 13 3ah- ren Zuchthaus verurteilt worden. Großer Erfolg des ttlingler-Ouarletts in London. Der große Erfola, den das Klingler-Quartett vor einem Jahre in London erzielte, wiederholte sich nun in der Aeolian Hall, wo eine auserlesene Musikgemeinde den Herren Professor Karl Klingler, Richard Heber, Fridolin Klingler und Ernst Silberstein einen begeisterten Empfang bereitete. Das heutige Programm umfaßte das Preis- quartett Nr. 2 von Cherubini, Opus 168 von Schu bert, und als Krönung des Abends Opus 131 von Beethoven. Bis zum letzten Satz folgte die Zuhörerschaft, die die Aeolian Hall bis auf den letzten Platz füllte, dem meisterhaft vorgetragenen Spiel mit atemloser Spannung. Stürmischer Beifall gab dem Dank für den hohen Genuß Ausdruck, den die deutschen Künstler der Londoner Musikwelt bereiteten. Asta Nielsen klagt. Wegen des Verbotes der Kieler Gastspiele Asta Äielsens hat Direktor Ellen vom Schillertheater Altona als Leiter der Gastspieltournee der dänischen Filmschauspielerin gegen die Kieler Polizeibehörde eine Feststellungs- klage angestrengt, während die Kieler Reichshallen, in denen das Gastspiel stattfinden sollte, ihrerseits auf Schadenersatz klagen. Außerdem verlautet, daß Asta Rielsen gegen den 3nten- danten des Kieler Stadttheaters Hartmann eine Beleidigungsklage anstrengen wird wegen der Begründung, mit der er als Gutachter das Gastspiel der „F l immer da me" abgelehnt hat. Disziplinarverfahren gegen den Vorstand der Berliner Studentenschaft. Zu den Vorgängen, die sich kürzlich in der Universität Berlin nach einer Kundgebung der Allgemeinen Studentenschaft abgespielt haben, wird letzt bekannt, daß gegen die Ausschutzmitglieder und gegen den Vorstand der Studentenschaft Diszivlinarunterfuchun- g e n eingeleitet sind. Dem Vorsitzenden der Studentenschaft, Hoppe, der nicht immatrikuliert gewesen ist, wurde seine Reuimmatrikulation verweigert. Hoppe hat gegen die Matz- nahme Beschwerde eingelegt. Oie Wetterlaae. Ponnerstaa. .Jan rtayci 3E ADerdei an: 10 /l -In L äRBär 5-— w >jr. fio 6 Tj tffiuna / o 7 Wien © womemoj. © neuer, ©naio nedecut» *oi*>g. • oedem • Regea »Schnee 6 Graupeln, b Neoei K6ewitter.@uind$tine.O senr ernte» O$i massige» Südsüdwest 15 sturmocner Nordwesl Oie »feite wegen mit dem winde. Oie neiden Stationen dienenden Zellen gehen die Temperatur an Oie Linien veromdeo Orte mit gleich eG «hl necresmveau umgerechaete» Luftdruck Wettervoraussage. Die Störungstätigkeit hat mit dem Vordringen neuer Wirbel mildes, ungünstiges regnerisches Wetter verursacht. Die gestern über dem Kanal lieaenbe Störung, die im Laufe des gestrigen Tages unserem Bezirk Niederschläge gebracht yat, ist nach Dänemark weiter gezogen. Bereits heute nähert sich den britischen Inseln wieder eia neues Fallgebiet. Infolgedessen besteht keine Aussicht auf beständigeres Wetter, vielmehr gestaltet sich der Witterungcharakter wechselnd, wobei unter dem Herantransport weiterer seuchi-milder Luftmassen wolkiges, auch zeitweise trübes Wetter mit Niederschlägen bevorsteht. Wettervorhersage für SamStag- Weiterhin unbeständiges, mildes Wetter mit zeitweisen Riederschlägen. Südwestliche bis westliche Winde. Wetteraussichten für Sonntag. Roch wechselnd wolkig, vorübergehend aufheiternd, weiterhin mild, vereinzelte Riederschläge. Lufttemperaturen am 28. November: mittags 7,6 Grad Celsius, abends 6,9 Grad: am 29. November: morgens 9,3 Grad. Maximum 10,6 Grad, Minimum 4,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. November: abends 5,4 Grad: am 29. November: morgens 5,4 Grad Celsius. — Niederschlag 4^ wm. G. Heilwirkend Alwahese Neffltflches Jean Weisel, (Heften, Sonnen strebe 6, Telephon Nr. 388» tterlaae. m 1 itw 5 Karl Dauster August Dauster ri « nir Kakao Ktiitnf- 3. 9787 L» 0 Haushallsorte Pfund 1.50 Heinrich Driesch Seltersweg 70 Ida Neubürger geb. Nußbaum Gießen, den 29. November 1929. 07674 111 9788 U T sowie alle anderen Herrenartikel kaufen Sie gut und preiswert bei v. Reicbardt, van Houten. Mauxion Waldbaur usw. sowie lose. gute. i. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen danke ich herzlichst im Namen aller Hinterbliebenen. 0 M den sollen. Der Aufsichtsral der hekoga nimmt am 9. Dezember zu den Verträgen Stellung. Eine Generalversammlung der hekoga soll aus den 18. Dezember berufen werden, um die endgültige Entscheidung zu treffen. Zwischen dem 9. und dem 18. Dezember sollen die S t a d t r ä t e der beteiligten Städte und die provinzialtage über die Haltung ihrer Vertreter In der Hekoga-General- versammlung entscheiden." wie uns von beteiligter Seite mitgetellt wird, bezeichnenlriefe Angaben im wesentlichen den Stand der Dinge. Befannt war seither schon, daß das IHala- ?er Gaswerk als Reserve weiter betrieben werden soll. Ob die andern kommunalen Gaswerke in Hessen ff Hl gelegt werden sollen, darüber läßt sich im Augenblick Endgültiges noch nicht sagen. verwenden zur Kinderpflege das siebente Mal in Ruhe läßt. Vornotizen. Fernsprecher 2481 _________&985A verfahlkn Berliner Sliidenlenschesl. )ie sich kürzlich in btt in nach einer Runbge- itudenienschast abgespielt t, bah gegen bie Aus« i den Vorstand bet 6hi< inaruntersuchun« Ti Vorsitzenden der Stu- er nicht immatrifulicrl ie Aeuinmatrikulotion hat gegen die Mah« !gi. n tiagi. s der vieler Hast, >°t Direktor Alen vom ^Leiter der TaWel- ;lunschauspielerin gegen eme Feststellungs- cenb bie Kieler Aeichz. ftspiel stattfinben sollte, ersah klagen. Außer, lielsen gegen ben Inten- Watets Hartmann tage anstrengen wird mit der er als Tut- r „Flimmerdame" Gretel Dauster geb. Krinn Karl-Heinz Dauster. Gießen, den 28. November 1929. Die Trauerfeier findet am Samstag, dem 30 Nov., vorm. II1 h Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt Von Beileidsbesuchen und Blumenspenden bitten wir, im Sinne der Verstorbenen, abzusehen. Kl. Haus bezieht)., m. sehr er. Garten f. 10000 Mk. b. 150'J—2000'DIE. 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Denn dieser Schlag ist mir wie eine Genugtuung, eine Rache für die grausame Gewissenhaftigkeit, mit der ich tagtäglich so unsanft in die Wirklichkeit gerufen werde. Dann ist es wieder still um mich. Aber mit der Ruhe ist es aus. Wohl bleiben nur noch einige Minuten bis zum Aufstehen. Aber es sind keine Augenblicke der Ruhe, sondern des Kampfes. Denn in meine G»danken hat sich der Befehl eingeklingelt: Auf st eh en! Lind mit gleicher Genauigkeit beginnt jeden Morgen ein Kampf zwischen diesem Befehl und dem Verlangen nach wohligem Faulenzen. Er endet jeden Morgen mit dem gleichen Ergebnis: mit dem Sieg des stillen Gegners neben mir. Mit einem ärgerlichen Blick auf diesen Quälgeist springe ich aus dem Bett und strafe ihn den Tag über mit Richtachtung. Dis zum Abend. Dis ich chn mit leisem Grollen wieder aufziehe, damit er mich am nächsten Morgen wieder plagen kann. Aber einmal in der Woche zerschmilzt all mein Groll gegen den getreuen Plagegeist. Das ist, wenn ich Samstags abends in genießerischer Ruhe und Langsamkeit das Uhrwerk aufziehe, das Weckerwerk aber mit einem inneren Frohlocken übergehe. Dann fühle ich eine gewisse Zärtlichkeit für den, der mir an sechs Morgen der Woche Schrecken, Greuel und Abscheu bedeutete. Denn wenn er mich nicht sechsmal so grausam gestört hätte, nie wüßte ich es so zu schätzen, daß er mich — Tageskalender für Freitag. Stabt- iheater: „Die luftige Witwe", 19.15 bis 22.15 Uhr.— Bewegung für religiöse Erneuerung Die Christen- gemeinschast: Oesfentlicher Vortrag über das Thema „Geburt und Tod in der Anschauung", 20.15 Uhr, Universität, Hörsaal 41. — V. H. C.: Außerordentliche Hauptversammlung, 20.30 Uhr, bei Hopfeld. — Verband Deutsche Frauenkultur: Weihnachtsmesse, Caf6 Amend (Billardsaal). — Lichtspielhaus, Bahnhof- straße: „Die Zirkusprinzessin", auf der Bühne das russische Tänzerpaar Coeurs Iakowlieff. — Astoria- Lichtspiele: „Weib in der Wüste" und „Der geheimnisvolle Ozeanflug". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Samstag, 30. Ro- vember, um 15.45 Hhr findet zu kleinen Preisen eine Schülervorstellung des neueinftuöierten Werkes „Die Troerinnen" von Euripides (Rachdichtung von Werfel) statt. (Regie: Intendant Dr. Drasch.) Wie schon bekanntgegeben, wird hier als Reuerscheinung an unserem Theater ein Sprechchor von jungen Frauen als Hauptmitwir- kender in die Tragödienhandlung einbezogen. Es loird hier der jungen Generation Gelegenheit gegeben, einen Hauch des Geistes der antiken Tragödie der Dorläuferin und Lehrmeisterin unserer gesamten dramatischen Kunst zu spüren. — Am Sonntag, 1. Dezember, ist der Lichtbildervortrag von Max Geisenheyner über den Weltslug des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Die Thea- lerabonnenten haben zu diesem Dortrag Ermäßigung. Heute früh entschlief sanft nach langem, schweren Leiden unsere liebe Mutter und Großmutter Frau Therese Dauster Wwe. leb. luch nach gerade vollendetem 55. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Auffassung des Bibelwortes hervor durch Strich- Zeichnungen von einer Ausdrucksfähigkeil, die ihresgleichen sucht. Der Redner wußte die Feinheiten dieser Darstellungen seiner Hörerschaft nahezubringen an Hand einer großen Anzahl von Lichtbildern. Darüber verging die Zeit, so daß der zweite TeU der Abendfeier wesentlich eingeschränkt werden mußte, bedauerlicherweise. Denn was Syndikus G a e d e in einer einzigen Vorlesung bot — vorgesehen waren Stücke aus sechs Werken — war von so packender Wirkung, daß sich wohl keiner der Anwesenden diesem Erlebnis entziehen konnte. Besser kann für das gute Buch wohl kaum geworben werden, als es hier geschehen ist. Die Feier war von angemessenen musikalischen Darbietungen umrahmt. •• Fremdenvorstellung im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns: Am nächsten Sonntag, 1. Dezember, führt das Etadt- theater als Fremdenvorstellung das neueste Werk von Georg Kaiser „Hellseherei" zum letzten Male auf. Das hochinteressante Gesellschaftsspiel war unter der Regie des Intendanten Dr. P r a f ch ein großer Erfolg. Cs wird hier dem Publikum im Rahmen einer Fremdenvorstellung einmal ein modernes Zeitstück voller Tempo ' und aktueller Problematik geboten. Maria Koch, Marianne Mewes, Hans Hais und Franz Arzdorf (als Hellseher) find in den Hauptrollen beschäftigt. (Beginn der Vorstellung 18 Uhr. Ermäßigte Preise. ^Berliner Sörfe. Berlin, 29. Rov. (WTD. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr ist eine Tendenz bei der bestehenden Geschäftslosigkeit noch nicht zu erkennen. Die gemeldeten verschiedenen kleinen Insolvenzen aus dem Reiche hält man für bedeutungslos, und glaubt nicht, daß sie an dem freundlichen Grundton, der feit einigen Tagen herrscht, etwas ändern können. ,3um Aenlilche' Besitzer: Hans Schmitz. Samstag, den 30. November Söul Simmet mit 1 oder 2 Selten los. zu oerm. 07659 Marktplatz 7. Creme tr- Puder. m Apoth.uDreo. Dose uTube 6OPfg.u.tOO. Streudose 60 Pta. fr"- Ssj d'e hoh. Sbtts tr, unHho*t .krlh. auf bejlLQl°t ^?Numme LSänfe siet "Lhe kanz der 33 ist te Su «inÄt rn Such anit. Ict Wß’Uj der. ll»“> Dorten. 8 13 3afr ÄÄ ® “ÄS » ZSZ ubini, 0pU9 168 ? nu”9 des Abends ^ letzten ° hall bisIi Ln W 6/urmilÄu te den ton benutz Zünftler ter Londoner aa, g 297" aM^ 3M’ Weibl. Modell qui gewachsen, schlank, für küntt- Icrticbe Aklausnah- men gesucht. [»n« Hohes Honorar. Angeb.m.Lichlbildan Dr. Schlegel, Mar- burg, Uferftr. 10 d. Eine kinderlose Farn, aui dein Lande sucht em alleres, eo- ehrt. Mädchen mit Familtenanschl. für kleine Landwirtin oft a. 1. Jan. 1930. Schr. Angebote unt. S76S0a.d. Gieß. Anz. — Eine Schach-Deranstaltung unter Mitwirkung des Schachmeisters S ä m i f ch findet am morgigen Samstagabend, veranstaltet vom Schach-Klub Gießen, im llniverfitätsrestaurant, Plocksstraße, statt. Es handelt sich dabei um Spiele ohne Ansehen des Brettes gegen sechs starke Spieler und um ein Simultanspiel. Schach- freunde seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen. — Familienabend der Lukasgemeinde. Der neubegründete Gemeindeverein der Lukasgemeinde, dessen Vorsitzender Juwelier Noll ist, wird am nächsten Sonntag um 20 Uhr im Lu- kassaal einen Familienabend veranstalten. Frl. Anni Dörr wird einen Vortrag über „Goethes Mutter" holten. Außerdem wird Musikalisches und Gesangliches dargeboten werden. (Siehe heutige Anzeige.) — Die Deutsche Bau- uno Sied- lungsgemeinschaft Darmstadt, Ortsgruppe Gi eßen, veranstaltet am kommenden Sonntag, 14 Tlhr, im Cafe Leib einen öffentlichen Dortrag. Der Vorsteher der Genossenschaft, Herr Philipp, wird über Wohnungsbau mit zinsfreiem Kapital sprechen. Interessenten an Eigenheimen feien auf diesen Vortrag besonders aufmerksam gemacht. (Siehe heutige Anzeige.) — Dom Verein der Freunde des humanistischenGymnasiums wird uns geschrieben: Der Vortrag des Herrn Professors Dr. Iacobsthal (Marburg) über „ Funde griechisch-italischer Kunst in Germanien und Gallien" mußte mit Rücksicht auf einen auf den gleichen Tag fallenden Vortrag über die „Troerinnen" des Euripides bekanntlich verlegt werden. Der Vortrag Prof. Dr. Iacobsthals findet nun am Montag, 2. Dezember, statt. Er versprichr aud> für Richtsachleute viel Anregung, zumal er von Lichtbildern begleitet ist. Fußt doch die Kunst aller Zeiten auf der Kunst der Griechen und Römer. (Siehe heutige Anzeige.) • 211. Don der Landes-Universität Gießen. Rach vorläufiger Feststellung beträgt die Zahl der Studierenden im laufenden Wintersemester 1730. Im Wintersemester 1928/29 betrug die Zahl der Studierenden 1562, im Sommersemester 1929 1750. — Der ordentliche Professor für Detcrinäranatomie an unserer Universität Dr. Wilhelm Schauder hat einen Ruf auf die freie Professur für Anatomie, Histologie und Embryologie an der Tierärztlichen Hochschule Berlin erhalten. — Dein Hilfsassist.nten am Psychologischen Institut Dr. Walter Ehren- st e i n wurde die venia legendi bei der Philosophischen Fakultät, II. Abteilung für das Fach der experimentellen Psychologie erteilt. " Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Am Samstag, 30. Rovember, vormittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Beschwerde der Reinhold Kölsch II. Eheleute in Beienheim gegen den Bescheid des Bezirks- wohnungskommisfars des Kreises Friedberg vom 11. Mai 1929 wegen Festsetzung des Enteignungspreises; 2. Gesuch des Bäckermeisters Gustav W e i s e n s e e in Friedberg um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Hause Kaiserstraße 127 daselbst; 3. Klage des Christian Steuernagel in Bad-Rauheim, Lutherstrahe 3, gegen die Stadt Dad-Rauheim wegen Heranziehung zu Straßenbaukosten; 4. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Gießen gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Schotten wegen Erstattung von Fürsorgeaufwendungen für Georgine Mai aus Frankfurt a. M. 5. K age des Dczir s ü.forceverbandes Dieburg gegen den Bezirksfürsorgeverband Friedberg wegen Erstattung von Hnterstühungskosten für die Konrad Heuschkel Ehefrau aus Petterweil. ** Steuern bezahlen! Die Stadtkaffe mahnt in unserem heutigen Anzeigenteil die fälligen Steuern und Abgaben an. Wir weisen hieraus besonders hin. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der oberen Klinikstraße zwischen der Frankfurter Straße und der Goffkystraße ist wieder aufgehoben. Ebenso ist die Sperrung des Ludwigs- Platzes von Haus Nr. 2 bis Haus Nr. 5 jetzt wie- der fortgefallen. •• D i e Biebertalbahn gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß vom kommenden Montag ab die Frühzüge je 5 Minuten früher verkehren. Die Interessenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen. ** Literaris,che Abendfeier. Vlad) dem guten Gelingen der vorjährigen Feier im Johannes- saal einer zum Buch eingestellten Hörerschaft gegenüber hatte die Buchhandlung der Pilgermission in Gießen darüber hinaus gestern abend einen breiteren Kreis aus den Reihen der Stadtmissionsgemeinde zu ihrer diesjährigen Veranstaltung im Saale der Stadtmission hinzugezogen. Daraus ergab sich von selbst die Abwandlung der Darbietungen nach Gemeinverständlichkeit hin. Im Vordergründe stand ein Lichtbildervortrag von H. Ga e d e, der als Syndikus der Vereinigung evangelischer Buchhändler Deutschlands besonders dazu berufen ist, dem Buch der evangelisd)en Weltanschauung das Wort zu reden. Es geschah gestern durch eine zwar volkstümliche, aber geist- und beziehungsreiche Einfüh- rung in die Schönheiten der Bilddarstellung einer neuen Rudolf-Schäfer-Bilder-Bibel. In ihr tritt der bekannte Künstler in wahrhaft deutsch-evangelischer sVermietungen | Schöne, sonnige ?-Zimmer Wohnung mit Bad u. Heizung in b.vorzuaier Lane der Znnenuadt für bald zu verniieien. Schr.Ang. um.07(153 an den Gieh. Anz. SS-- ulldr«11 -KW sich' Wteru"Atfll c9o Doeing -L'K uf- !Wk i Ab 9 Uhr: Wellfleisch mit Kraut r ...9 WW 3-Zimmer- Wohnung Neubau, I. Siock, komvletieBadeeinr., Am Ltugelberg 70 foiort für monatlich 7ü Mk. zu verniieien. Schr. Angeb. unier 9790l^ a. d. Gß. 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Cs hieße dem heutigen Oesterreich völlig die Berechtigung der eigenen Fahrung seiner Innenpolitik absprcchen, würde man jede Zuspigung dec innenpolick'chen Atm.sphäre dieses Staa.es rundweg mit der Selbstverständlichkeit des Einmarsches fremder Mächte, mit der Hebertragung der Außenpolitik ultimae ra- tionis auf die Innenpolitik, beantworten. Don der dringenden Rotwendig eit, durch engste Gemeinschaftsarbeit mit dem Deutschen Reich die Gegenwartsnot unseres Bruderstaates nach besten Kräften zu lindern, ist an dieser Stelle oft genug gesprochen worden. Gs hieße aber, die Lösung der F.iedensverrüge sowie die durch die Völkerbundsarbeit erstrebte verständnisvolle Zusammenarbeit der Böller für völlig illusorisch erklären, würde man die bisher auch in Deutschland häufig gebräuchliche Argumentation ausgreifen, nach der die innenpolitischen Kämpfe Oesterreichs die sonst jedem Staat zugebilligte Grenze überschreiten. Die Formen des innenpolitischen Kampfes äußern sich naturgemäß in jedem Staate verschieden, je nachdem die Träger des politischen Willens sie sich schaffen. Der Anstoß zu einer energischen Offensive des bürgerlichen Elements in der österreichischen Bevölkerung ging in diesem Fall von außerparlamentarischen Kräften aus, die in der Heimwehrbewegung ihren Ursprung hotten. Dieser Anstoß kann aber nur als der äußere Anlaß aufgesaht werden. Die Krise des österreichischen Parlamentarismus war nicht von heute auf morgen entstanden. Gegensätzlichkeiten der parlamentarischen Parteien hatten häufig zu einer Unüberbrückbarkeit der Grundanschauungen geführt, die auf verschiedenen Gerieten die parlamentarischen Arbeitsmögsichketten lahinlegen mußte. Es fei in diesem Zusammenhang nur an die Obstruktionspolitik der Sozialdemo.ra- tischen Opposition in der Frage d:r Mieten- gesehgebung erinnert, eine Frage, die auch heule iroch trotz geringer Teilvecsuche ungelöst ist. Die schwierigen wirtschaftlichen Derhältnisse Oesterreichs mußten außerdem die außerparlamentarische Gruppenbildung wesentlich bcichlcu- lügen und verstärken. Es darf dabei nicht aus dem Auge verloren werden, daß die Friedensverträge das neue Oesterreich vor völlig 'unlösbare Ausgaben gestellt hatten. Zu der Konstruktion eines wirtschaftlichen Torso ohne geräumiges Absatzgebiet gesellte sich die -unmögliche geopolitische Gestalt des neuen Staates, die räumliche Isolierung Wiens von den Bundesländern, die im Westen heute tatsächlich wirtschaftlich viel stärker nach den südlichen Gebieten des Deutschen Reiches als nach der weit im Rordvsten vorgeschobenen Bundeshauptstadt Wien gravitieren. Daraus entstand das schwierige Dersasfungsproblem: Wien und Die Bundesländer. Die Iulitage des Jahres 1927 hatten zwar eine gewaltsame Explosion der Leidenschaften im Volk gebracht, ober keineswegs eine endgültige Klärung der wichtigsten staatspolitischen Fragen eingeleitet. Die Gegenwartsprobleme beherrsch en ständig die Führung der inneren Politik, die Gegensätze »lieben, verstärkten sich von Tag zu Tag. Kabinette kamen und gingen; selbst die für die Zusammenarbeit im Parlament scheinbar geeignetsten Persönlichkeiten vermochten nicht, endgültig die Stabilität in der Entwicklung der Österreichischen Innenpolitik zu garantieren. Die «uherparlamentarischen Kräfte wuchsen mehr und mehr an. Es schien eine zeitlang, Berlin als Wille und Vorstellung. Don Sigismund von Radecki. Wenn's kühl wird, stehen die Arbeitsbienen Lichtgedrängt im Bienenstock und schlagen unaus- Sesetzt mit den Flügeln. Alle machen mit, feine arf sich ausschließen — denn die Larven müssen «s warm haben. In Berlin regt man nicht die Flügel, in Berlin regt man die Ellbogen, aber sonst ist es das gleiche: besitze eine Million, ver- litte deine Fenster, lebe als Eremit — du mußt Dennoch arbeiten, schaffen, tätig sein, denn du List in Berlin, und das Energie-Zluidium dieser Stadt bringt durch alle Wänve! Du spürst die Cllbogentätigfcit der Million (die auf der Straße nur stillhalten, wenn Asphalt gekocht wird) und Lu kannst dich der Arbeit nicht entziehen, — Leren schwerste darum Müßiggang heißt. Das Summen des Bienenstockes schwillt an und erhebt s'ch zum Gebrause des deutschen Werktags. Zweifelnd vernahm ich, daß es in Berlin Häuser. ja, sogar Architekten geben soll. Aber Häuser Sibt's nur dort, wo man sie betrachtet. An einer okornolive mit 90-Kilometer-Stundengeschwindig- leit fällt mir nicht die Radspeiche, sondern das Tempo auf — und also gibt's in Berlin alles, Schaufenster, Lichtreklamen, Asphaltsp'.egel, Menschen, Autos, aber nur keine Häuser (die übrigens, wie ich hörte, ziemlich häßlich sein sollen). Hier ift das Ziel der Arbeit nicht die Rente, nicht der Lordtitel, sondern eben die Arbeit; hier ist die Vision der Stadt nicht ein Rom, ein Paris, ein Babylon, sondern d i e Vision überhaupt, die Möglichkeit zu allen Visionen! Unb darum ist Liese nüchternste aller Städte zugleich die phan- ßastischste, die es gibt, Berlin hat die Phantastik in der Literatur geboren: E. Th. A. Hoffmann. In Berlin gab man den Straßen gute Rainen: Lhland, Schiller, Goethe. Kant wurden herbeibemüht, damit man nämlich bei der Straße an &zn Geist denken soll. Das Resultat: man denkt bei dem Geist mit Rotwendigkeit an die Straße. Lhland? Kant? — das ist irgendwo in der Rahe roni Kurfürstendamm. Bismarck? — das ist ein Telephonamt, dieses Wort kommt täglich hundert- tausendmal über Berliner Lippen. Barbarossa? — nun, das Amt ist noch neu, noch spürt man den heroischen Hauch, aber bei der millionsten Verbindung ist Barbarossa kaputt, dafür garantiere ich. Doch die Bildung schreitet unaufhaltsam fort, unb ich warte mit Zähneklappern auf 10 Jahre Kriegsgräberfürsorge. Als nach Beendigung des Krieges die Tätigkeit der deutschen Kriegsgräber - Kommandos zwangsläufig aussetzte und die im fremden Land entstandenen deutschen Kriegsgräberstätten ihrem Schicksal überlassen waren, wurde der Volks- b u n b Deutsche Kriegsgräberfürsorge, e. V. ins Leben gerufen. Zehn Jahre sinb nun vergangen. In dieser Zeit entwickelte sich der Volksbund zu einer großen Organisation, die heute gairz Deutschland und die Schweiz umfaßt und neben 44 Verbänden über 1300 Ortsgruppen zählt. Wer kennt heute nicht das markante Zeichen des Volks- Hundes — die fünf weißen Kreuze auf schwarzem Grunde —, das immer wieder und an jedem Ort mahnt: „Gebt euren Toten Heim- rech tl", aber nicht nur in der Heimat, im Herzen des deutschen Volkes, sondern auch draußen in fremder Erde. Stille, aber zähe Arbeit und glaubensfrohe Zuversicht haben den Volksbund aus dem Sturm und der Rot der verflossenen zehn Jahre empor- gehoben, haben ihn zu seinem Teil Mitwirken lassen an der Wiedergesundung und Wiedererstarkung der deutschen Seele. Weder die Mutlosigkeit einzelner, noch die Verzweiflung vieler sind imstande gewesen, seinen Aufstieg anzuhalten. Die gewaltigen Erschütterungen und Umwälzungen der Inflation: jähre haben zwar seine Entwicklung vorübergehend unterbrochen. Aber tote schon immer Zeiten wirtschaftlicher und politischer Rot zur inneren Sammlung geführt haben, so sind auch die Rachkriegsstürme dem Volksbund Spender neuer Kräfte geworden. Seine Entwicklung ist durchaus gesund; nicht tote ein Strohfeuer, das lärmend in die Luft prasselt und bann in Rauch unb Asche verfällt, sondern stetig und ruhig. Die Berichte und Bilder, die der Volksbund laufend in der Zeitschrift „Kriegsgräberfürsorge" veröffentlicht, zeigen dies deutlich. Die enge Zusammenarbeit mit den staatlichen und kirchlichen Behörden im Reich und in den Ländern, in Städten und Gemeinden, hat die Entwicklung der Bundesarbeit wesentlich gefördert. Das Ziel ist klar vorgezeichnet: Der Dolksbund will unseren Gefallenen, deren Gräber die deutsche Heimat wie ein gewaltiger 27 ingumschließen. Weihestätten von bleibendem Werte schaf- f e n. Dazu sind andere Maßstäbe nötig, als die für heimatliche Grab- unb Friedhofspftege gewohnten unb liebgetoorbenen. Er kann nicht bem Einzelnen bienen, wenn es um das Ganze geht. Diele haben vergessen, baß unsere Drüber für einen gemeinsamen Gedanken in den Tod gegangen sind. Die Ausgabe des Dolksbundes ist cs daher, diesem großen Gedanken Ausdruck zu verleihen, ihn der Rachwelt in einer äußeren würdigen Form zu überliefern. Wenn auch unser Schassen keinen Dergleich verträgt mit der Leistung unserer im Kriege gebliebenen Brüder, so soll es doch wenigstens unauslöschlich sein, wie das Opfer, das die zwei Millionen unserer Besten für uns brachten, in aller Ewigkeit unauslöschlich sein wird. Das deutscheDolk ohne jedencklnter- schied zur Mitarbeit an diesem großen Werke zu sammeln, ist das Ziel, das sich der Dolksbund in seinem inneren Ausbau gestellt hat. Jeder einzelne kann und sollte dabei mithelfen und seine ganze Kraft daran sehen, daß dieses Ziel erreicht werde. Die vorwurfsvolle Frage, die vielerorts noch über den endlosen Gräberreihen schwebt: „Das taten wir für euch, was tut ihr für uns?" muß verstummen. Das sind wir unseren Toten unb ber Rachwelt schuldig. als ob eine vermittelnde Idee zwischen Rechts unb Links überhaupt nicht mehr gegeben sei, bis die neue Regierungsbildung unter Bundeskanzler Schober erfolgte. Dieser Tag liegt nun schon Wochen zurück. Sie haben aber genügt, eine wesentliche Entgiftung der Atmosphäre zu schaffen. Die Aufgabe der neuen Regierung mußte sich nach zwei Seiten richten. Sie mußte einmal mit dem Drängen der außerparlamentarischen Rechten, und zweitens mit der Rotwendigkeit einer verständnisdollen Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie im Parlament rechnen. Die hinter uns liegenden Wochen berechtigen zu der Hoffnung, daß der neuen Bundesregierung diese Synthese der politisch auseinanderstrebenden Kräfte gelingen wird. Sie haben darüber hinaus bereits den Beweis erbracht, daß das Werk besonders auf verfassungsrechtlichem Gebiet in befriedigendem Sinne gelöst werden konnte. Der vom Bundeskanzler Schober eingeschlagene Weg war der einzig gangbare. Er war völlig im Sinn aufbauender, staatspolitischer Arbeit; ein anderer hätte zu schweren innerpolitischen Auseinandersetzungen führen müssen, die nur durch Einsatz stärkster Machtmittel hätten geschlichtet werden können. Wenn aud) mit dem Schlagwort „Ruck nach rechts in Oesterreich" die ganze Entwicklung nicht abgetan werden kann, so ist doch der erhebliche Wandel der innenpolitischen Derhältnisse für jeden deutlich erkennbar, der nach längerer Abwesenheit wieder in Wien und Oesterreich weilt. Hatte bis dahin in Wien d i e Sozialdemokratie mehr oder weniger allein das Feld durch Massendemonstrationen beherrscht, so hat sich von den Bundesländern aus die Welle ber volksbewußten Massenbewegung in Richtung Wien ausgebreitet. Dies ist für Oesterreich um so bedeutsamer, als feit bem Zusammenbruch zum das Amt Rilke. ... Was ist der Ruhm? — das kann ich Ihnen sagen: ein Straßenname. Vermöchte ich es, so würde ich eine Elegie auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche schreiben. Diese Kirche ist wirtlich zu beklagen: gebaut auf eine Asphalt-Tafel, untertunnelt von ilntergrunö- bahnen, umsponnen von Straßenbahndrähten, besucht von Leuten, die nicht glauben, sondern bloß das Brautpaar sehen wollen, so steht diese Kirche da, und spiegelt düster die Lichtreklamen der Filmpaläste. Arme Kirche. Man kommt in Berliner Verkehrskreisen immer mehr zu der Heber» zeugung, daß sie ein Hindernis bildet — in jener Gegend, wo die elegantesten Eßlokale Humbser, Schweimler und Drechler heißen. Das erste, was dem einfahrenden Fremden auffällt, ist daß der O-Zug mitten durch Häuser und Hinterhöfe, kurz, mitten durchs Familienleben hindurchbraust: dort sitzt man bei der Lampe, und Papa lieft die Zeitung vor, hier wird in der Küche gearbeitet, dort steht eine Frau vor dem Spiegel ufto. — Geht man aber vom Zentrum aus, so lassen sich die Jahresringe der deutschen Geistesgeschichte bequem durch eine Llutofahrt feststellen: hintcrm Schloß die winklige alte Zeit, in der Friedrichstadt der Rationalismus mit feinen perpendikulären Vernunftstrahen, um den Tiergarten herum allerhand zackige Durg- zinnen der Romantik und der professorale Klassizismus, weiter gen Westen das Vorkriegs-Barock mit Karyatiden und Darmverschlingungen, noch weiter die Balkonarchitektur der herausgezogenen Kommodcn-Schubläden, und endlich, ganz weit draußen, die neue Sachlichkeit mit plattem Dach, die Wohnmaschine. — Dann nimmt man eine Karte vor unb überzeugt sich, bah Berlin an ber Spree liegt. Davon ist aber in Wirklichkeit nichts zu merken. Denn was dieser Stadt in Wahrheit das Gesicht gibt, ist jene breite Schienenwüstenei, jener blinkende Geleisestrom, der von Lichterfelde her bis an den Potsdamer Platz brandet, dann für eine Weile untertaucht, um vorn Lehrter Bahnhof aus wieder weiter durch die Stadt zu strömen. Ein verwegener Menschenschlag, hat Goethe von den Berlinern gesagt. Schaut man sich aber diesen Menschenschlag und diese Straßen, durch die er rennt, genauer an, so kommt ein Moment, ein unheimlicher, wo einem klar wird, daß es nur eine Berliner Straße unb nur einen einzigen Berliner gibt. Seht hin, bort geht er — ersten Male ein so entschiedener Ruck nach rechts verzeichnet werden konnte, wie es jetzt der Fall war. Diese Entwicklung hat sich bereits bei den letzten niederösterreichischen Gemeindewahlen ausgedrückt. Es ist besonders darauf hinzuweisen, daß gerade in den Jndu - ftriegemeinöcn Riederösterreichs die Sozialdemokratische Partei Verluste erlitten hat. Das ift nur eines der wenigen Anzeichen dafür, daß sich die sozialdemokratischen Verluste heute auch wesentlich auf die Arbeitnehmerschaft ausgedehnt haben, eine Tatsache, die schon an dem Rückgang ber freien Gewerkschaften Oesterreichs, auf früheren Wahlergebnissen gelegentlich der Wahlen in die Kammern für Arbeiter unb Angestellte unb neuerdings an dem Hebergreifen der Heimwehrbewegung auf die steirische Industrie- arbeiterschaft festgestellt werden konnte. Die freien Gewerkschaften Oesterreichs verfügten im Jahre 1928 über 15 v. H. weniger an Mitgliedern als noch fünf Jahre vorher. Cs ist damit zu rechnen, bah dieser Abbröcklungsprozeß gerade im Jahre 1929 wesentliche Fortschritte gemacht hat. Gerade dieser Entwicklung wird in Oesterreich künftig größte Bedeutung beigelegt werben müssen, ba im Kampf um bie Arbeiterschaft unb bie Fornrung ihres politischen Willens bie stärkste Dresche in bie sozialdemokratische Partei gelegt werden kann. Die politisch-parlamentarische Arbeit war in Oesterreich starken Hemmungen unterworfen. 2m Parlament waren neben den beiden großen Parteirichtungen der Christlichsozialcn Partei und der Sozialdemokratischen Partei, bie Grohdeut- sche Partei unb ber Landbund vertreten. Die Ehristlichsoziale Partei, die den eigentlichen Kem der Regierungsparteien bildete, wurde durch den Landbund unb bie Großdeutsche Vollspartei in der Ausübung ber Regierung unterstützt. Die starke sozialdemokratische Opposition verfügte nur dort kommt er zur Drehtür herein, dort bittet er um Feuer, dort wartet er, schon zehn Jahre älter, vor der Telephonzelle, dort schläft er noch im Kinderwagen, und dort gibt er sich selber eine Auskunft, die so kurz, falsch unb präzis ist wie alle ^Berliner Auskünfte. Dann aber nimmt man eine summarische Zweiteilung vor. Es gibt Helle und dunkle Berliner. Die dunklen arbeiten, wenn es hell ist, sofern man die grauen City-Tage, wo die durchklapperten Bureaus schon um zwölf Licht brennen und bläuliche Autoschalten durch die Straßen spritzen, als hell bezeichnen will. Diese Vormittage sind der eine Höhepunkt von Berlin, unb alle, bie ba arbeiten, haben das Gefühl, daß sie, und nur sie, „die Karre schieben". Rach der Arbeit sind sie müde, Das ist nun der Moment, wo die Gewerkschaft der Hellen Berliner ausrückt. Diese arbeiten nur, wenn es dunkel ist, sofern man die elektrische Berliner Rächt als dunkel bezeichnen will. Ihre Aufgabe ist es, bie bunflen Berliner, welche als schwarze Masse auf bezahlten Parkettplätzen dämmern, durch geeignete Scherze und Gefühlsausbrüche zu der dringenden Arbeit von morgen wieder aufzupulvern und anzukurbeln. Denn bie- Karre muß geschoben werden. Diese Zeit des Ankurbelns ist ber zweite Höhepunkt des Tages. Uni) beide sind das gewaltige Aus- und Einatmen eines kraftvollen, schwer arbeitenden Körpers: Berlin. Justiz im Polarkreis. Es war im höchsten Rorden Kanadas, tief im Polarkreis, als Sergeant Douglas seine Hand auf die Schulter eines kupferfarbigen Esckmo legte und ihm bedeutete, daß er mit ihm kommen müsse, weil der „große weihe Häuptling" mit ihm zu sprechen wünsche. Einen Weg von fast 2300 Kilometer hatte er zurückgelegt, bis er 11-Aug-Wak erreichte, den Es.imo, der des Mordes zweier Männer angeklagt war. Bei dem Padlemuit-Stamm hatte sich die Tragödie abgespielt, die nun gesühnt werden sollte. Die drei Männer waren, wie in der „Rew Vork-Herald Tribüne" berich'et wird, Rebenbuhler in dem Kamps um die Liebe einer Frau. U-Aug-Wak verbündete sich mit dem einen Rivalen und überzeugte ihn davon, dah der dritte aus dem Wege geschafft werden mühte. Rach einem furchtbaren Kampf gelang dies auch, aber nun griff H-Aug- Wak den anderen Heberlebenben mit einer Axt 1 an, und nach einem weiteren Kampfe war nur über eine geringe Anzahl parlamentarischer Mandate to;„.g r als die in dec Ehristlichsozia- len Partei befindliche Regierungspar.ei. Es ergab sich aus dieser Parteikonstellation, bah das durch die Großdeutsche Volls?ar!ei repräsentierte nationale Element verdäitnismäßig schwach vertreten war' während der Landbund, ber hier in Oesterreich eine politisch-parlamentarische Partei barftellt, im innersten Kern als wirtschaftspolitische Interessenvertretung zu gelten hacke. Zu einer Kandidatur ber beiden in Oesterreich vertretenen nationalsozialistischen Gruv en. d e teilweise sogar einen den Parlamentär s nus ablehnenden Standpunkt eingenommen hat en, ift eS bisher nicht gekommen. Eine kommunistische Partei im Sinne ber deutschen Reichstagsparlei gibt es in Oesterreich nicht, wenn auch bie freien Gewerkschaften über kommunistische Zellen verfügen. Die im Vergleich zu Deutschland wesentlich radikalere Einst rllung der österreichischen Sozialdemokratischen Partei hat die Ausrichtung einer Kommunistischen Partei in Oesterreich verhindert. Daß eine Parteienkonstellation wie die geschilderte bie parlamentarische Arbeit außerordentlich erschweren muhte, ist klar. Die Hauptaufgabe der neuen öst 'rreichischen Bundesregierung hat in der Durch, ü;rung ber Vorberatungen über bie Verfassungsreform bestanden. Diese sind soweit gediehen, baß bie Verhandlungen bereits am 8. Rovernber im Unterausschuß de Ver-asfungsausschuckes abgeschlossen wurden. Irn Augenblick finden noch Parteibesprechungen statt, deren endgültige Klärung zu erwarten steht. Rach den jüngsten Erklärungen des Bundeskanzlers Dr. Schober ist damit zu rechnen, dah schon h'ute das Werk der Derfassungsreform in feinen Grundzügen als gesichert betrachtet werben könnte. Der noch nicht in der endgültigen Form vorliegende Entwurf des neuen Wahlgesetzes geht von dem Grundash des Abbaus ber parlamentarischen Abgeordneten aus. Statt der heute im Rationalrat befindlichen 165 Abgwrdnct n werden demnach in Zukunft nur noch 135 erscheinen. Weiter wird der Entwurf Bestimmungen nach der Richtung erhalten, dah eine Lockerung des starren Listensystems vorgenommen und eine engere Verbindung zwischen Wählern und Gewählten, sowie eine gerechte gleichwertige Verteilung der Mandate hergestellt wird. Im Zuge ber Verfassung > reform sind noch eine Reihe weiterer bui'.e?* gesetzlicher Vorlagen zur Diskus,ion geft?lr‘ e gleichfalls dringenden Mängeln abhelfen s i. Es handelt sich hier um bie Schaffung t presfegesetzlicher B:stimmungen, um Ma. .ahmen, durch die das Koalitionsrecht der Arbeitnehmer stärker betont werden soll, als es bis heute der Fall ist, unb andere Probleme. Mitten in bie Beratungen um die Verfassungsreform find bereits seit längerer Zeit von verschiedenen Seiten vorliegende Reformvorschläge über die Ersetzung des Bundeirates durch einen dem Muster des Reichswirtschaftsrates entsprechenden Bundeswirtschaftsrat eingebracht und zur Erörterung gestellt worden. Alle diese Dinge sind noch mitten im Fluß. Es ist zu hoffen, daß ihre Behandlung und ihre praktische Verwirklichung dazu beitragen werden, die politischen Meinungen nicht auseinander-, sondern zusammenzu- führen. Daten für Samstag 30. November. Sonnenaufgang 7.40 Uhr, Sonnenuntergang 15.56 Uhr. — Mondaufgang 6.55 Uhr, Mondunter- gang 15.17 Uhr. 1667: ber englische Satiriker Jonathan Swift in Dublin geboren; — 1796: ber Balkabenkomponist Karl Löwe in Löbejün geboren; — 1817: ber Geschichtsschreiber Theobor Mommsen zu Garbing in Schleswig geboren; — 1835: ber amerikanische Humorist Mark Twain in Florida geboren; — 1846: ber Nationalökonom List in Kufstein gestorben; — 1909: der englische Dichter Oskar Wilde in Paris gestorben. noch ein Mann in der Cskimohütte bei der begehrten Frau. Andere Mitglieder des Stammes vernahmen von dem Verschwinden der beiden Männer, und schließlich gelangten die Rachrichten auch zu der Station dec Kanadischen berittenen Polizei. Douglas wurde beauftragt, den Fall zu untersuchen, und nach langer Wanderung durch die eisigen Wüsten stieß er auf feinen, Mann. Der Esümo wurde zunächst zur 2kmeb* mung nach Ottawa gebracht, aber nachher beschloß man, ihn zur Aburteilung nach dem hohen Rorden zurückzuschicken, um die anderen Männer des Stammes zu verhören und zugleich den Eiskimos ein warnendes Beispiel vorzu- fühcen. U-Aug-Wak muhte also noch eine Reise von mehr als 12 000 Kilometer zurücklegen, bevor er im Beisein seiner Stammesbrüder zum Tode verurteilt und im Herzen des Eskimolandes gehängt wurde. Ein derartiges Verfahren ist bezeichnend für die Schwierigkeiten, mit denen der „Arm der Gerechtigkeit" in den Rordgebieten Kanadas arbeitet. Ein anderes Beispiel dieser Art wurde kürzlich in einer Depesche aus Edmonton berichtet. Zwei Eskimos waren wegen eines Mordes angeklagt, der zu Klavik im Polarkreis am äußersten Ende des Deltas des Mackenzie-Flusfes verübt worden war. Um diese Eingeborenen inmitten ihres Stammes zu verhören, mußte der kanadische Richter 3000 Kilometer nordwärts reifen bis zu dem äußersten nördlichen Punkt, an dem jemals ein britisches Gericht abgehalten worden ist. Die berittene Polizei hat in dem Vierteljahrhundert seit ihrer Begründung in den weiten von Eskimos bewohnten Gebieten des kanadischen Roroens schon viel erreicht und den Eskimos eine wenigstens ungefähre Vorstellung von dem beigebracht, was das Gesetz des weißen Mannes fordert. Die erste Pollzeistation wurde im Jahre 1933 im Cskimo- land errichtet, und zwar an der Hudson-Bai; bald danach wurde eine zveite in dem Delta- gebiet des Mackerz'e-Flußes geschaffen. S>eute gibt es im Polarkreis mehr als 20 solcher Stationen, von denen aus die Polizisten ihre Patrouillenfahrten durch die ungeheure Einöde unternehmen. Eine dieser Stationen liegt in einer Vreite von 76 Grad 10 Sekunden, und sie hat wieder einen Posten vorgeschoben, der noch kaum 1CO0 Kilometer vom Rordpol entfernt ist. Es ist nichts Ungewöhnliches, dah diese Vertreter des Rechts im hohen Rorden 4—5.00 Kilometer im Jahre zurücklegen; eine einzige Patrouille erstreckt sich gewöhnlich auf 300 bis 500 Kilometer. Oberheffen. Landkreis Gießen. U Großen-Linden,28. Nov. Beim Holzfällen im hiesigen Walde wurde heute der hier wohnende, verheiratete Otto Spengler von einem umfallenden Baumstamme am linken Bein schwer verletzt. Der Ber- unglückte, der alsbald durch die Freiw. Sanitäts-Kolonne vom Boten Kreuz Gießen in die Chirurgische Klinik überführt wurde, hat einen Unterschenkelbruch erlitten. is. Steinbach, 28. Nov. Der Turnverein Steinbach hielt dieser Tage seine ordentliche Generalversammlung in seinem Bereinslokal Görlach ab. 3n Verhinderung des 1. Vorsitzenden erstattete der 2. Vorsitzende 3. Serth den Bericht über das verflossene 3ahr, Schriftführer Gerhard gab den Kassenbericht, Turnwart Größer sprach über den allgemeinen turnerischen Teil. Bei der darauffolgenden E r - sahwahl des Vorstandes wurden alle Ausscheidenden wiedergewählt. Anschließend berichtete Lehrer Müller ausführlich über die Verhandlungen auf dem Derbands-Turntag in Groh-Karben. Das nächstjährige Verbands-Turnfest, das in den Lahn-Dünsberg-Gau fällt, wurde dem hiesigen Verein zugesprochen, das damit sein 25. Stiftungsfest verbindet. Als Festtage wurden der 19., 20. und 21. 3uli 1930 festgesetzt. Der Verein ist sich der schweren Aufgabe bewußt, die er hier übernommen hat. Es muh mit dem Erscheinen von etwa 800 bis 1000 Wetturnern gerechnet werden, außerdem wird voraussichtlich noch eine große Anzahl Vereine des Südwestdeutschen Turnverbandes als Gastvereine erscheinen. Der Turnverein Steinbach wird alle verfügbaren Kräfte in den Dienst der Sache stellen, damit jeder Festbesucher voll und ganz auf seine Rechnung kommt. Die Vorarbeiten sind bereits im Gange; die Wahl der einzelnen Festausschüsse wird demnächst erfolgen. gck. Grohen-Buseck 2Z.Nov. Am Dienstagabend setzte Dr. Ma lech aus Gießen in der Volkshochschule seine Vortragsreihe über neuzeitliche Ernährung fort. Nachdem in dem ersten Dortrage hauptsächlich die Vitamine behandelt worden waren, folgten jetzt die übrigen Bestandteile unserer Nahrung, wie Eiweiß, das die Bausteine unseres Körpers darstellt, die Oele und Fette, die Stärke-, Zuckerstoff« und Salze. Wieder verstand es der Vortragende in wissenschastlicher und doch allgemeinverständlicher Form die Art und die Einwirkung dieser Stosse auf unseren Körper seinen Zuhörern zu erklären. 3n glücklicher Weise verknüpfte der Redner Theorie und Praxis miteinander. Auch diesmal wurde gezeigt, wie falsche Zusammenstellung und verkehrte Zubereitung unserer täglichen Nahrung die Widerstandskraft des Körpers schwächen, dagegen sachkundig verordnete Diät von schwerer Krankheit heilen kann. Eine Reihe durch den Bildwerfer gezeigter Tabellen erläuterte die Ausführungen. Dankbarer Beifall der diesmal etwas zahlreicher Erschienenen lohnte den Redner. Die Zuhörer blieben noch eine Weile beisammen, um einen von Lehrer 3 u n g gezeigten und beifällig aufgenommenen Film „Der Rhein, von der Quelle bis zur Mündung" anzusehen. Auch im Anschluß an weitere Vorträge sollen derartige Landschaftsbilder vorgeführt werden. -/-Rieder-Bessingen, 27. Nov. Auch in unserer Gemeinde fand am Totensonntag eine besondere Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges an dem neben der Kirche stehenden Denkmal statt. Nach einer Ansprache von Stiftsdechant Kahn aus Lich, der zur Zeit den Pfarrdienst in unserer Gemeinde versieht, legte der Vorsitzende des Kriegervereins am Denkmal einen schönen Kranz nieder. Der Kriegcrverein hatte vorher geschlossen am Gottesdienst teilgenommen. # Aus der mittleren Wetterau. 28. Nov. Gegenwärtig wird hier gewaltig unter den Birnbäumen aufgeräumt. Schon seit Jahren ist keinerlei Absatzmöglichkeit für den alljährlich anfallenden Birnensegen vorhanden, so daß der größte Teil der Ernte einfach umkam. Die selbst für gute Honigbirnen gebotenen Preise von 2 bis 3 Mark für den Zentner lohnten das Pflücken nicht. Birnlatwerge wird kaum noch begehrt, da Gelee und Marmelade immer mehr als Brotaufstrich Verwendung finden. Ein Umpfropfen der Wirtschaftsbirnen auf haltbare Winterware ist auch nicht mehr lohnend, da auch hierfür die Nachfrage weit geringer als das Angebot ist. Da die alten Buckel- und Schulbirnbäume keine Unkultur zulassen, werden überall in hiesiger Gegend Dutzende gefällt, um als Brennholz benutzt zu werden. Als Nachpflanzung kommen hauptsächlich Zwetschen- und Apfelbäume in Betracht. Kreis Schotten. T. Ober-Lais, 27. Nov. Am Totensonntag fand nach dem Gottesdienst, wie im vorigen 3ahr, eine Gedächtnisfeier für die Kriegsopfer am Gefallenendenkmal statt. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Unsrer Brüder denken wir" und dem Vortrag des Gedichtes „Vergeht uns nicht" durch zwei Konfirmanden. legte der Präsident des Kriegervereins, Polizeidtener Nies, mit Worten ehrenden Gedächtnisses einen Kranz am schön geschmückten Denkmal für die 33 Kriegsopfer aus der Gemeinde nieder. Der Gesangverein „Liederfreund" widmete den Toten das Lied „Cs jagen die Rosse". Nach einem Gebet des Orts- geistlichen spielte die Musik das alte Soldatenlied „3ch hatt' einen Kameraden". Die Feier war sehr eindrucksvoll. — Auch im Gottesdienst war der Gefallenen in der Predigt und durch Verlesen der Namen und einem Lied des Mädchenchores unter Leitung von Lehrer S tröst i n g e r gedacht worden. Die übliche Verlesung der Namen der im letzten Kirchenjahr im Kirchspiel Verstorbenen brachte die Namen von acht Gemeindeglicderrn aus Ober-Lais und nur drei Gemeindealiedern aus Glashütten. Unter den letzteren befand sich auch die im 3anuar verstorbene älteste Frau des Kirchspiels. Karoline Ullrich Witwe, welche im 90. Lebensjahr stand. Kreis Alsfeld. H- Alsfeld. 28. Nov. Als am 1. Oktober das neue Postgebäude seiner Bestimmung übergeben wurde, konnte das neue Selb st an- schlußamt Alsfeld infolge verspät ter Lieferung der Apparate durch die Firma noch nicht in Betrieb genommen werden. Nachdem nunmehr die Anlage vollständig montiert ist, wird das neue Selbstanschlußamt am Sam. tag, 30. November, nachmittags um 1 Uhr eingeschaltet. Während der Umschaltung bei dem Postamt muß der Fernsprechverkehr etwa ein bis zwei Stunden ruhen. Die Anlage wird von allen Fernsprechteilnehmern freudig begrüßt, da sie eine wesentliche Derkehrsverbesserung bedeut.'t, weil nun für Teilnehmer des Selbstanschlußamtes unurt rbrochener Dienst besteht. mr. Grebenau, 28. Nov. Die 3agdpächter der hiesigen Gemeindejagd hielten dieser Tag« ihre diesjährige Treibjagd ab. Der Wildbestand scheint aber kein allzu guter zu sein, denn es wurden bei dem zweitägigen Treiben nur 7 Rehe und 17 Hasen zur Strecke gebracht. Noch geringer war die Deute bei der darauffolgenden fiskalischen Treibjagd. Sie betrug 4 Rehe und 3 Hasen. Kreis Lauterbach. P. Schlitz, 28. Nov. Unsere Stadt ist schon seit 3ahren eine der stärksten hessischen Hochburgen der Deutschen Dolkspar- t e i. Die D. D. P. trug auch bei den letzten Gemeinderatswahlen wieder den Sieg davon. Don den 12 neugewählten Gemeinderäten gehören ihr 7 als eingeschriebene Mitglieder an, nämlich: Rektor Adolph, Schreinermeister Paul, Landwirt und Mühlenbesitzer Reinhardt, Fabrikant Baumgärtner, Uhrmacher Habicht, Rentmeister F e i ck, und Kaufmann Hühn. Daneben entsandten die Sozialdemokratische Partei Maurer Fehr, Steinmetz Karn, Lagerhalter S u p p e s; der Landbund Heinrich Pfifferling, und das Gewerbe Georg Habermehl aufs Rathaus. Bei der Provinzialtagswahl errang gleichfalls die volksparteiliche Liste, dank der Beliebtheit des Landtagsabgeordneten, Bürgermeister Dr. N i e p o t h, der auch ihr Spitzenkandidat war und als anerkannter Führer im Schliherland gilt, im Amtsgerichtsbezirk Schlitz einen glänzenden Sieg mit über 1500 Stimmen gegenüber 600 bei der letzten Wahl. Starkenburg. WSN. Darmstadt, 28. Nov. Der Bericht der Städtischen Sparkasse Darmstadt über das Geschäftsjahr 1929, das 92. seit Bestehen, stellt trotz der allgemein wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine günstige Entwicklung fest. Der Einlagenbestand ist um 5,5 Mill. Mk. auf rund 18,1 Mill. Mk. gestiegen, d. h. es sind 46,4 Prozent der Einlagen von 1914 erreicht. Bei 42 210 Sparern (5230 neue) entfällt jetzt auf jeden dritten Einwohner der Stadt Darmstadt ein Sparkassenbuch der Städtischen Sparkasse. Aus dem Reingewinn von 188 000 Mk. wurden nach Abschreibungen und Rücklagen 25 000 Mk. der städtischen Armenkasse überwiesen. Preußen. Kreis Wetzlar. — Wetzlar, 28. Nov. Der gestrige Ferkel- markt war mit 364 Ferkeln und einer kleinen Anzahl Läufer beschickt. Käufer hatten sich zahlreich eingefunden. Der Handel ging schleppend. Es wurden bezahlt: für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 32 bis 36, für 7 bis 8 Wochen alte 40 bis 44, für 9 bis 10 Wochen alte 45 bis 48 Mk. Der Preis für Läufer bewegte sich zwischen 65 und "(5 Mk. Der Markt wurde fast vollständig geräumt. 0 Atzbach, 28. Nov. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung wurde über die neue Friedhofsanlage und über die lieber» nähme der Kleinkinderschule auf die Gemeinde beraten. Der jetzige, bei der Kirche im Ort gelegene Friedhof ist voll belegt. Bei dem hier zur Zeit laufenden Zusammenlegungsverfahren der Grundstücke ist nun auf dem sog. „Berg" eine ausreichende Fläche für einen neuen Friedhof vorgesehen worden. Das neue Gelände liegt nicht allzuweit vom Ort an einem Bergabhang in der Richtung nach Kinzenbach und Heuchelheim und ist nach seiner Lage und Bodenbeschaffenheit durchaus geeignet- Auch das kreisärztliche Gutachten über den neuen Platz ergibt keine Beanstandungen. Es gilt jetzt zu erreichen, daß der neue Plan vorweg aus- gewiesen und möglichst bald der Gemeinde zugeteilt wird, damit die Verebnungs- und die sonstigen Arbeiten in Angriff genommen werden können. Ge- meindeoertreter Koch berichtete über eine mündliche Rückfrage zu diesem Zwecke auf dem Landeskultur- amt in Kassel, als deren Ergebnis in aller Kürze das Landeskulturamt eine Besprechung abhalten will. Bis dahin wurde die Friedhofsfrage vertagt. — Der an die Gemeinde gestellte Antrag, die Kleinkinderschule zu übernehmen, fand nicht die Zustimmung der Vertretung. Zwar wünscht man allerseits die Erhaltung dieser guten Einrichtung, doch soll zunächst versucht werden, durch Gründung eines Vereins einen Träger für das Unternehmen zu schaffen. Da der bisher in dem Schulhaus notdürftig untergebrachte Kindergarten auf die Dauer dort nicht bleiben kann, ist die Gemeinde auch bestrebt, für den geplanten Neubau einer Kleinkinderschule Beihilfen zu erwirken. Hoffentlich kann die unseren Landwirts- und Arbeiterfamilien in gleicher Weise zugute kommende Kinderbewahrstätte weiterhin tatkräftig gefördert werden. <5 Dutenhofen 28. Nov. Die Kreisst r a h e von hier über Garbenheim nach Wetzlar reicht bis Block Dorlar in ihrer jetzigen Gestaltung für den Verkehr, insbesondere für den stark zugenommenen Verkehr mit Kraftfahrzeugen, nicht mehr aus. Cs ist daher eine ausreichende Erweiterung dieser Strecke geplant. Das erforderliche Gelände ist erworben, der Ausbau der Straße soll im kommenden Winter durchgeführt werden. — Die hiesige Kleinkinderfchule ist bisher in dem Vereinshaus der evang. Gemeinschaft untergebracht. Die zur Verfügung stehenden Räume sind aber unzureichend, und es ist daher in Aussicht genommen, dem Kindergarten aus der alten Pfarrscheune ein neues Heim zu schaffen. Die Gemeinde stellt die alte Scheune zur Verfügung. Durch Umbau sollen wohnliche Räume geschaffen und ein kleiner Saal angebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf rd. 10 000 Mk. und werden durch einen Zuschuß aus dem Zugendpflegefonds, einer Beihilfe aus der Gemeindekasse und durch Beiträge der Eltern aufgebracht. Lützellinden, 28.Nov. Die Gewerkschaft Gießener Braunsteinberg- werke vormals gemie, die im nördlichen Gemarkungsteil ein Manganeifenerzbergwerk betreibt, hatte im vorigen 3ahre mit der hiesigen Gemeinde eine Vereinbarung getroffen, die den gemeinsamen Ausbau des Weges an der „Alten Holzburg" zum Gegenstand hatte. Nach einem vertraglich festgelegten Plane sollte die hiesige Gemeinde für die Herstellung bzw. Planierung des Wegebettes aufkommen, während die Bergwerksverwaltung die nachfolgende Chaussierung des Weges vornehmen wollte. Da i dieses Projekt der Gemeinde Lützellinden die Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 240. Don Dr. G. Fano. Schwarz. 1 8 6 5 3 4 2 Z h 8 7 6 5 4 3 2 1 Weiß zieht und a b a b c d e f d e f g h Weiß. seht in drei Zügen matt. * ■ ■ 'WKW, • W MW L ■ Ä ■L ä Weiß: 10 Steine. Kb3, Dg8; Td6; Lf8; Sb8, e7; Bb4, c2, f3, h4. Schwarz: 10 Steine. Ke5; Lc7, e8; Shl, h3; Bc6, e3, eö, h5, h7. Lösung des Problems Dr. 236. 1. Db4—d2! usw. Der Lchachweltrneisterkampf beendet. Dr. Aljechin behauptet feinen Titel. Vor Beginn der holländischen Etappe des Weltmeisterkampfes war stark die Rede davon, daß Bogoljubow jetzt viel besser spielen würde als früher und auch seine Erfolge demgemäß größer sein würden. Aber gerade das Gegenteil war der Fall: Die holländischen Partien haben nichts int Verlaufe des Wettkampfes geändert, ja, Bogoljubow hat hier seine schlimmste Niederlage erlebt. Genau wie in den früheren Phasen des Wettkampfes hatte der Weltmeister auch jetzt wieder einen Vorsprung gewonnen, so daß man sagen kann, daß er nicht allein den vollständigen Weltmeisterkampf zu seinen Gunsten entschieden hat, sondern auch in den einzelnen Abschnitten zu Wiesbaden, Heidelberg, Berlin und Holland als klarer Sieger hervorgegangen ist. 3n keiner Phase jedoch errang er einen so großen Vorteil wie in Holland: Zwei Punkte mehr als sein Gegner aus sechs gespielten Partien. 3m ersten Teil zu Wiesbaden hatte er auch zwei Punkte Vorsprung, jedoch war die Zahl der hier gespielten Partien acht. Diese empfindlichere Niederlage hängt zum größten Teil davon ab, daß Bogoljubow schon erschöpft war und selbst fühlte, daß der Wettkampf für ihn verloren sei. Dieselbe Ansicht äußerte er auch in Berlin. Zwar hat er hier gerade seine beste Partie geliefert, die ihm neue Hoffnungen gab, doch änderte dies nichts mehr an dem nachfolgenden traurigen Ausgange des Schlußaktes. Von den übrigen fünf Partien konnte er nur zwei Remisen erzielen, in einer ließ er den Gewinn aus und die restlichen drei Partien gewann Aljechin überlegen. Man irrt sich aber gewaltig, wenn man dieses Resultat allein der Deprimierung Bogoljubows zuschriebe. Einen ähnlichen Verlauf wie in Holland bietet uns jeder Teil des Wettkampfe-. Zum Schlüsse jeder Etappe erschöpft sich Dogol- jubow und schreitet von Verlust zu Verlust. 3n Wiesbaden stand der Wettkampf nach sechs Partien gleich, doch verlor Bogoljubow dann die beiden folgenden Partien; in Berlin hatte er sogar nach den ersten vier Partien Vorsprung erlangt, und wieder verlor er die beiden letzten Partien. Dasselbe Bild bietet sich uns in Holland. Demnach muß man annehmen, daß er gegen einen solch gewaltigen Meister wie Aljechin nicht imstande ist, eine Reihe ernstgespielter Partien, so klein he auch sein mag, durchzuhalten. Er kann sehr gut einige Partien glänzend und stark spielen, doch hat er sich bann so verausgabt, daß er in den restlichen Kämpfen versagen muß. Man wußte genau, daß Bogoljubows Spiel sich nicht gleichblieb. Nach einem 1. Preise wurde er manchmal letzter Preisträger, nach'^iner glänzenden Partie lieferte er manchmal „mittelmäßiges Schach". Hier aber wurden feine Kräfte noch auf eine härtere Probe gestellt. Hier hatte et eine Einzelschlacht auszukämpfen, und in jedem solchem Kampfe treten die Schwächen eines weniger guten Spielers klar zutage. 3eder schwächere Spieler erlahmt nach und nach, wenn er Tag für Tag gegen einen stärkeren Gegner zu kämpfen hat. Dabei ist noch zu bemerken, daß der Weltmeister seine ganze Kraft bei Schluß jeder Partie einfehte, gerade im gegebenen Moment, wenn fein Gegner vollständig ausgepumpt war. 3edes- mal, wenn Bogoljubow seine beste Leistung geliefert und fein höchstes Resultat erzielt hatte, erwachte in dem Weltmeister der Ehrgeiz, er begann seine ganze Kraft einzusehen und zeigte sich auf der Höhe feines Könnens. Ein solcher Wettstreit ist wirklich nicht nur ein Schachstreit, sondern auch eine sportliche Wette. Und gar noch mehr: Hier kämpfen zwei Meister mit all ihren menschlichen Qualitäten. Es genügt nicht allein, gut Schach zu spielen, man muß auch ein Kämpfer fein, man muß Geduld, Kaltblütigkeit, Zähigkeit und eine ungeheure Energie besitzen, und immer und immer den Willen des Sieges vor Augen, das Streben zum Besseren und Schöneren. Diese Gabe besitzt nun der Weltmeister in ungewöhnlichem Grade. Und es erscheint und fast wie ein Zweifel, nach den überlegenen Siegen gegen Capablanca und Bogoljubow. ob überhaupt vorläufig jemand imstande fein sollte, gegen ihn ernsthaft in die Schranken treten zu können. Schluhstand: Aljechin 11 Siege; Bogoljubow 5 Siege, 9 Remis. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom DedaktionStisch. Neue Sprache. Ich sitze in der Näh« der Speisenausgabe und höre die Bestellung des Kellners: „Spispi, Schellbu, Kabra!" „Sie haben wohl ausländische Küche?" frage ich. „Nee, bet nich! Er meint Spinat mit Spiegeleiern, Schellfisch mit Butter unö Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln." (Lust. Bl.) Das Paradies. In der Religionsstunde einer Stettiner Volks» schule erzählt die Lehrerin den siebenjährigen Mädchen von Adams und Evas Sündenfoll und von dem Engel mit dem Flammenschwert, der das Tor des Paradieses bewachte. Nach einer kurzen Pause des Schweigens fragt die Lehrerin, um den Ein» druck ihrer Worte festzustellen: „Was, glaubt ihr, haben Adam und Eva gedacht, als sie sich so aus dem Paradiese vertrieben sahen?" — Pause. — Plötzlich ein kleines Mädchen: „Wenn er wech is, jehn wa wieda rin." (Simplicissimus.) Möglichkeit bot, zu dem Ausbau des Weges, der als einziger Zufahrtsweg zu dem Gemeindesteinbruch und als Ho^abfuhrweg aus dem in der Gemarkung Großen-Linden gelegenen Markwald von besonderer Wichtigkeit ist, nur einen Teil der Kosten aufbringen zu müssen, ließ sie noch im vorigen 3ahre die Planierung durch den Bauunternehmer Allendörfer von hier ausführen. An die vorgesehene Chaussierung seitens der Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu denken, weil wegen der gegenwärtigen schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse die Vertragspartnerin zur Zeit ihrer Zusage nicht entsprechen kann. O Hochelheim, 28. Nov. Bei einem hier abgehaltenen Kesseltreiben wurden 50 Hasen zur Strecke gebracht. <Ö> Hörnsheim, 28. Nov. Der Verbindungsweg von hier nach Lang-Göns ist in der letzten Zeit durch Lastautos derart stark befahren worden, daß sein baulicher Zustand erheblich gelitten hat. Dieser Umstand gab dem Gemeinderat Veranlassung, den Erlaß einer Polizeiverordnung zu beantragen, nach welcher der Weg für Lastautover- kehr gesperrt werden soll. Es wurde hierbei betont, daß der jetzige Zustand des Weges eine Gefahr für die öffentliche Verkehrsordnung bedeute und daß auch der Unterbau des Weges nicht stark genug sei, um den Anforderungen, die der Lastautoverkehr an ihn stellt, zu genügen. — Der hiesige Geflügelzuchtverein veranstaltet am 1. Dezember eine Lokal aus- Wellung, zu der ihm durch Beschluß des Gemeinderats eine Beihilfe aus Gemeindemitteln bewilligt wurde. O Dornholz Hausen, 28. Nov. 3n seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Prüfung und Abnahme der Gemeinderechnung für das Rechnungsjahr 1928. Die Prüfung gab zu Erinnerunaen keinen Anlaß. Die Rechnung wurde festgestettt in Einnahme auf 53 822,44 Mk., in Ausgabe auf 52 450,55 Mk., die Sonderrechnung auf 885,14 Mark und der Bestand auf 1371,89 Mk. — Dieser Tage ist im hiesigen Gemeindewald mit den diesjährigen Holzfällungsarbeiten begonnen worden. Die Zahl der Holzhauer beträgt 20. Es sind kleine Landwirte und arbeitslose Dauhandwcrker. Kreis Marburg. J[ Marburg, 28. Nov. Auf dem letzten diesjährigen Schweinemarkt gingen bei flauem Handel die Preise etwas zurück. Es kosteten 6 Wochen alte Ferkel 25 biS 30, 6 biS 8 Wochen alte 30 bis 35. 8 bis 13 Wochen alte 35 bis 45, Läufer 60 bis 100 Mk. je Stück. Angefahren waren 645 Ferkel und 27 Läufer. Oer Generalkuliurplan für das Nied. WSN. Darmstadt, 28. Nov. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r e l l hatte für heute nachmittag die Presse, die Landtagsabgeordnete und eine Reihe von Gästen zu einem Zusam» mensein in den „Fürstensaal" gebeten, um den Generalkulturplan für das Ried der Oes» senllichkeit zu unterbreiten. Ministerialrat H e y l, der Verfasser der umfangreichen Denkschrift, erläuterte an Hand von Karten die in dem General» fulturplan vorgesehenen Maßnahmen. Die Fläche des Entwässerungsgebietes ist rund 29 700 Hektar groß. Der Fiskus ist mit 3300 Hektar, die Gemeinden find mit 8100 Hektar beteiligt. Nach dem Generalkulturplan ist das Entwässerungsgebiet in 28 Einzelgebiete eingeteilt, für die teils natürliche, teils künstliche Vorflut gefunden wurde. Im ganzen find außer 10 alten Pumpwerken im Generalkulturplan 24 neue Pumpwerke vorgesehen, von denen bereits 11 errichtet sind. Die gesamten Entwäsierungsanla» gen find zu 11,5 Millionen Mark veranschlagt. Di« Anlagekosten schwanken pro Hektar zwischen 114 und 640 Mark, die Iahreskosten bei einer Verzinsung und Tilgung von zusammen 10 v. H. zwischen 19 und 56 Mark pro Hektar und Jahr; nach Tilgung der Baukosten betragen die jährlichen Kosten 5 bis 35 Mark pro Hektar. In einer eingehenden Rentabilitätsberechnung ist der Mehrertrag an landwirtschaftlichen Erzeugnissen infolge der Ent» lSasserung zu rund 3 Millionen Mark und der Reingewinn während der Tilaungsdauer zu 1,57 Millionen Mark, das sind im Mittel rund 13,6 v. H. bet Anlagekosten, errechnet. Nach Abtragung der Bau» kosten soll ein jährlicher Reingewinn von 2,7 Millionen Mark erzielt werden. Die nach den Richtlinien des Generalkullurplans bereits ausgeführten Arbeiten in Höhe von 4200 000 Mark zeigen, daß es möglich ist, fast wertloses Sumpf gelände in hohe Kultur zu bringen. Gelingt es, die erforderlichen Mittel zu tragbarem Zinsfuß zu erlangen und die Tilgung auf einen längeren Zeitraum zu erstrecken, so wird die Verwirklichung des Generalkulturplans nicht nur der im Ried ansässigen Landwirtschaft, sondern dem ganzen Volke zum dauernden Segen gereichen. renkappe. i Dom ÄedaltiontUsch. Sprache, r 6pei|cnQU5flabe unb härt ers: ral" indische Küche?' frage «h. eint Spinat mit Spiegel- lütter und Katbsschnchcl (WL) atabies. kil fort gSs. ■Säte r er bie y^’brunn b'elet sich An Lehmen 2 ln 4°l- Säss-s aSt-t Qnn so A^und ftQtf »ÄS'etid “»"■ wttek tnQn^maI f 0lan* >urden gestellt. ÄH tarnten ?n? • .e er r EchtoöL?^ m "dem :en ®eQner ^9 für 7---A d-bVZm ässS T,* 8-iftung* . wfultat erzielt batt, ^rder Ehrgeiz A Aetzen und zeigtet lt wirklich nicht Mein eine sportliche Lette, ' kämpfen zwei Meister Qualitäten, genügt IPielen, man muh auch «fe ®Mb, MW\a. Mehrure Energie be» « den Dillen bet -trebeuMDesseienund descht nun der Mlt« em Grade. Und es er« Zioeisel, nach den übet« Lapablanca und Logo!« •rläufig jemand imstande usthast in die Schranken 11 Siege: Dogoljubvd Modehaus Diese Preise sind alle rein Netto! Molrö, 100 cm breit, K’seide, weichfließende Qual.in aparten 850 Abendfarben................“ Sichern Sie sich dieses sehr billige Angebot durch frühzeit. Kauf. Auf Wunsch gegen kleineAnzahlung Zurücklegung bis zum Feste. Taffet, K’seide, 85 cm breit, weiche, schmiegsame Ware, alle Q20 Abendfarben................U Ca. 1000 m einfarbige Seidenstoffe Cröpe de Chine,Kunstseide,85cm breit, bestes Schweizer Fabrikat, 080 alle modernen Abendfarben... L Satln-Riche, 85 cm breit, bester Ersatz für Crepe-Satin, £20 mod. Farben fürTanz und Tee. 3 Veloutlne, ca. 100 cm breit, Wolle mit Seide, bewährteste £80 Qual, in großer Farbenauswahl 3 Ca. 800 m gemusterte Seidenstoffe Wasch-Kunstseide, 70 cm breit, hübsche, mod. 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Zu einer Heberschau in Wort und Ausführung über das Kinder- und Schülerturnen hatte sich der in der Turnbewegung stehende Mittelschullehrer Erich Wagner aus Kirchhain (Dez. Kassel) bereit gefunden. Zur Erläuterung seiner Worte brachte der Vortragende anschließend mit einer Schar Knaben und Mädchen Ausschnitte aus m H eren Hcbungs« gebieten zur anschaulichen Darstellung. Dei den einfachen Hebungen der Körperschule zeigten sich die Kinder sehr empfänglich für die Motive aus entsprechenden „Dewegungsgeschichten", mit denen der Leiter den Rachahrnungs- und Darstellungstrieb für ihre freudige Mitarbeit zu gewinnen wußte. Heber die übliche Verwendung von Keulen und Stab hinaus benutzte er beide Handgeräte nur als Gegenstände auf dem Turnboden, die auf mannigfaltige Weise zu spiel- turnerischer Heberwindung reizen. Mit lebhafter Anteilnahme erfreuten sich die Kinder der Vielseitigkeit, die mit einem bzw. zwei Bällen selbst bei einfachen Hebungen herauszuholen ist. In kindertümlichem Hindernisturnen machte Turn- Wart Schubert, Wetzlar, die Kleinen mit dem Barren bekannt, und Frl. Luise Schwarz lTgde. Friedberg) brachte mit Hilfe der Illusion frisches Leben und anmutige Bewegung in Singspiel und Tanz der Mädchen. Alle Darbietungen in Wort und Ausführung waren anschließend Gegenstand einer lebhaften und ergiebigen Aussprache, zumal im Gau schon eine ganze Anzahl gut geleiteter Kinderabteilungen bestehen. Insbesondere wurde dabei von erfahrener Seite auf das Wandern und seine entsprechende Ausgestaltung hingewiesen, ferner auf geeignete Gelegenheiten für die Erziehung zur Gemeinschaft und Turnbrüderlichkeit, auf die dankenswerte Mitwirkung von ärztlicher Seite, auf die Anteilnahme des Elternhauses und auf die methodische Entwicklung des Kinderturnens aus dem natürlichen Bewegungsreichtum des Alltags. In methodischer und allgemein-erziehlicher Richtung wurde mit Vachdruck betont, daß dieser spielturnerische Betrieb zwar eine wertvolle Eingongsstufe sei und auf weite Strecken auch ein freundlicher Begleiter bleibe, daß die Heranwachsende Jugend aber auch den Weg zu ernsten Formen und erarbeiteten Leistungen finden wolle und müsse. Auf Antrag des Gauoberturnwarts und nach einstinunigem Deschlliß der Abteilungsleiter erklärte sich der Berichterstatter Erich Wagner, Kirchhain, bereit, die Geschäfte eines Gauwarts für das Kinderturnen vorläufig bis zum nächsten (Sauturntag wahrzunehmen, der über die zusammenfassende Eingliederung dieses Fachgebietes zu entscheiden haben wird. Oie Leichtathletik im V. f. B. Mit dem Schluß der Saison hat die Leichtathletik-Abteilung des V. f.B. sofort das Hallentraining ausgenommen. Die im verflossenen Sommer errungenen Erfolge sind um so beachtenswerter, als man bei ihrer Bewertung berücksichtigen muh, daß die Abteilung noch ver- Das Erbe des Herrn von Anstetten. Vornan von 3- Schneider-Koerstl. Hrheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 13. Sortierung. Nachdruck verboten. „Kann ich mir die Freiheit damit erkaufen, wenn ich ihn zerreiße?" „Ich habe nicht verstanden!" „Ich verzichte auf Kapital und Zinsen, wenn du in eine Scheidung willigst." Beide Arme fielen ihm jäh herab. Da er die Augen zur Hälfte verschlossen hielt, konnte sie seinen Blick nicht sehen. Sie gewahrt^ nur, wie die Erregung seinen Körper schüttelte. „Hnd Bernd?" frug er heiser. „Kommt mit mir!" „Vein!" ..Wir wollen uns in den Iungen teilen, Hans Peter. Ein halbes Iahr soll er mir gehören, Die andere Hälfte dir überlassen sein." „Hnd welchem Dritten noch?" Sie errötete bis unter dos blonde Gelock der Stirnwelle. „Die Antwort wäre verfrüht. — Hast du mir noch etwas zu sagen?" „VichtS mehr." Er erhob sich und schob den Stuhl an seinen Platz zurück. „Ich brauche dir wohl nicht zu sagen, daß du, solange du den Vamcn Anstetten führst, ihn mit Ehren zu tragen hast.' Ich werde die Möglichkeit schaffen, dir Kapital und Zinsen in nächster Zeit zurückzuzahlen. An Bernds achtzehntem Geburtstag bist Sie mußte an dem ovalen Tische Halt suchen. „Gibst du mir dein Wort darauf?" „Mein Wort!" „Hnd Bernd?" „Bleibt hier auf Anstetten und kann wählen, wen er bei sich behalten will: Dich — oder seinen Vater. — Guten Morgen!" Sie stand noch immer an den Tisch gelehnt, als die Türe schon längst hinter ihm ins Schloß geklappt war. Ihre Hände fühlten sich eisig und doch strömte das Blut in jagenden Stößen vom Herzen nach der kleinsten Ader. Sie verspürte Schweiß auf Stirne und Rücken. In drei Iähren sollte sie frei fein! Aber bis dahin? — „Ich brauche dir wohl nicht zu sagen, daß du, solange du den Vamen Anstetten führst, ihn mit Ehren zu tragen hast." Die schwarze Wand, die da so plötzlich vor ihr auf stieg, trug als Zerrbild, wie man es sonst auf der Flimmerleinwand zu sehen pflegt, das Gesicht des Grafen Oertzen. * -Es tut mir leid. Herr Baron! — Kann ich nicht. Kann ich unmöglich. Wissen der Herr hältnismähig sehr jung ist und erst vor knapp 2l/2 2ähren fast ausschließlich von Anfängern, die keinerlei theoretische oder praktische Kenntnisse besahen, gegründet wurde. Trotzdem nahm sie eine erstaunlich rasche Entwicklung. In diesem Zusammenhang ist es angebracht, der großen Verdienste der Abteilungsleitung zu gedenken. Während Sportlehrer Fischer, der die Abteilung inS Leben gerufen hat, als technischer Leiter dank seines vielseitigen Könnens mit bewundernswertem Geschick jedem nach seiner Veranlagung eine gute Ausbildung angedeihen läßt, hat K. V a g e l innerhalb eines Iahres den inneren Aufbau der Abteilung mit einer Gründlichkeit vollzogen, die reiche Erfahrung und ein ausgesprochenes Organisationstalent auf diesem Gebiete beweist. Eine Gegenüberstellung der in den beiden letzten 3obren errungenen Siege zeigt deutlich die gerade in der vergangenen Saison stark nach oben gehende Leistungskurve der Abteilung. 1928: 18 erste, 27 zweite und 19 dritte Siege; 1929: 31 erste, 53 zweite und 81 dritte Siege. Diese geben jedoch nur relativ die Leistungen der D.f.B.er wieder. Hm das effektive Können unter Beweis zu stellen, seien folgende in der Saison erzielte Erfolge angeführt: Mohl warf den Diskus 37,57 Meter weit; eine Leistung, die seit dem Weggang Paulus' von Gießen hier noch von keinem anderen wiederholt wurde. Müller lief erstmals die 25 Kilometer in der hervorragenden Zeit von 1 Std. 42 Min. Jugend- Klasse: A unö B: 100 Meter = 11,9; Diskus — 36 Meter; Speer — 47,71; Hochsprung — 1,65 Meter; Weitsprung — 6,03. Klasse C: 100 Meter — 12,8; Äuget = 8,85; Weitsprung — 5 Meter. Klasse D: Weitsprung aus dem Stand — 2,41 Meter. Dies sind Leistungen, die glänzende Veranlagung verraten und für die Zukunft noch Besseres erwarten lassen. Hierbei sei aber erwähnt, daß die Leitung in der richtigen Erkenntnis der sportlichen Bedeutung und des ethischen Wertes einer möglichst guten Breitenleistung besonderes Gewicht legt auf eine gleichmäßige und tunlichst vielseitige Ausbildung aller. Die in dieser Saison gegründete Frauen-Abtei- lung pflegt ebenfalls unter der fachmännischen Leitung von Sportlehrer Fischer in erster Linie Gesundheits-Gymnastik, aber auch recht eifrig den Wettkampfsport, bei dem schon eine ganze Anzahl beachtlicher Erfolge erftritten tour- ben* insbesondere wurden die mittleren Strecken in sehr guten Zeiten gelaufen. Wenn die Leichtathletik-Abteilung sich den ihr innewohnenden und von der Leitung sorgfältig gepflegten vorzüglichen Geist auch weiterhin bewahrt und das Wintertraining mit dem gleichen Eifer beendet, wie sie es begonnen hat, sollte sie im nächsten Frühjahr für die Kämpfe der kommenden Saison wohlgerüstet sein und noch manchen großen Erfolg erringen. Jedenfalls kann der D.f.B. stolz auf seine Leichtathleten sein. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Die erste Mannschaft hat am Sonntag wenig Aussicht, gegen Friedberg zu gewinnen. Sie muß 5 Mann Ersatz einstellen für die Soldaten, die zur gleichen Zeit anläßlich der Befreiungsfeier in Koblenz dort ein Handballspiel austragen. Nur wenn jeder alle seine Kräfte einsetzt und der Ersatz sich gut einfügt, kann man mit einem günstigen Abschneiden gegen die spielstarken Gäste rechnen. Baron, wie der Hase auf Anstetten läuft? — Immer im Hreisl Loch auf, Loch zu. Hab ich achtzigtausend Schilling, zehnprozentiges Geld darauf liegen, keinen Groschen mehr! Keinen Stüber weniger! Voch einmal zwanzigtausend Schilling? — Vein!" Schultze, der Makler in der Zwingergasse, zuckte die Achseln. „Sie werden um keinen Groschen geschädigt sein, Herr Schultze." „Wie der Herr Baron so sicher sind! — Der Herr Baron hätten nicht ins Ausland gehen sollen! Jawohl! Die gnädige Frau hat einen reichen Vater, wollen der Herr Baron nicht bei dem Herrn Schwiegerpapa eine Anleihe machen?" „Olein!" Anstetten klopfte mit dem Lederhandschuh gegen die hohen Reitstiefel und blickte den Maller verächtlich an. „Würde vielleicht ein Bürge genügen, daß sie mir mit der genannten Summe aushelfen?" „Ein Bürge?" — Schultze fuchtelte mit den mageren Händen, was den Baron einige Schritte zurücktreten ließ. „Lassen der Herr Baron hören, was das für ein Bürge ist. — Gras Oertzen vielleicht?" Seine hellbraunen Augen zwinkerten. „Der Herrenreiter?" . „Eben der. Herr Baron." Wenn der Baron noch nichts gemerkt hatte — recht. Das würde schon nod) kommen. „Wenn der gnädige Herr jetzt den Bürgen nennen wollten?" „Mein Detter: Günther von Anstetten!" „Ist der Herr Detter hier? — Vein! — In Indien. Ich kenne den Herrn Baron Günther! Jawohl, ich kenne ihn! — Ehrenmann! — Haben Sie Dollmacht von ihm?" „2a!" „Für wieviel, Herr Baron?" „Für dreißigtausend Schllling." Schultzes Hände streckten sich dem zusammengefalteten Papier entgegen, welches Anstetten aus der Innentasche seines Jacketts holte und worauf geschrieben stand, daß der Freiherr Günther von Anstetten, zur Zeit in Benares, seinem Detter Hans Peter von Anstetten in der Höhe von Dreißigtausend Schilling Bürgschaft zu leisten gewillt war. Dazu die Bestätigung der englischen Bank in Benares, daß genannter Baron Günther von Anstetten bei ihr ein Guthaben von viertausend Pfund Sterling deponiert habe. „Ist schön. Herr Baron! Den Schein behalte ich. Der Herr Baron brauchen nur noch zu unterschreiben." Er trat an das Stehpult, füllte ein Formular aus und reichte dem Freiherrn die Feder. Anstetten hatte sie schon angeseht, sah etwas wie Mißtrauen in den Augen des andern und verspürte, wie ihm die Hand zu zittern begann. Wenn er jetzt unterschrieb, mußten die Buchstaben sich ähneln. Das durfte nicht sein. Er nahm, was er sonst nie zu tun bflegte, den Halter zwischen Zeige- und Mittelfinger und warf die Die Jugend empfängt die gleiche Mannschaft des Turn- und Sportvereins Butzbach. Es wird dem Tabellenführer nicht ohne harten Kampf gelingen, die Punkte mit nach Hause zu nehmen. Handball der Sp.-Vg. 1900. ö. Vächsten Sonntag fährt die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1930 nach Wehlar, um der gleichen Mannschaft des D. f. L. Wehlar das Rückspiel zu liefern. Dieses ist inzwischen allerdings seines Charakters als Verbandsspiel ent- lleidet worden, da der Wehlarer Verein nicht ?;etoült ist, im Falle der Erringung der Lahn- reismeisterschaft — dazu wären das angesehte Rückspiel, sowie ein Entscheidungsspiel gegen die 1900er siegreich zu gestalten gewesen — in die Spiele um den Dezirksmeistertitel von Hessen-Hannover einzugreifen. Die Vertretung des Lahnkreises in diesen Spielen übernimmt daher mit aller Wahrscheinlichkeit die Elf der Spielvereinigung. Troh dieser Konstellation wird am kommenden Sonntag mit aller Energie um den Sieg gestritten werden. Die D. f. L. wird zeigen wollen, daß er die Vorherrschaft im Lahnkreis nicht abzutreten gewillt ist; die Spielvereinigungsleute wollen bekunden, daß sie den heimatlichen Handballsport auch gut vertreten können. D. f. B.-Handball. Die Handballmannschaft fährt nach Garbenteich, um dort eine alte Rückspielverpflichtung einxulöfen. Die Platzelf ist Gruppenführer des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes und hat in dieser Saison sieben Derbandsspiele ausgetragen, die sie sämtlich gewann. Das bereits von eineinhalb Jahren auf hiesigem Platz ausgetragene Vorspiel gewann V.f.B. knapp mit 3:2. Ob es ihm auch diesmal gelingt, die Turner zu schlagen, muh dahingestellt bleiben. Handball im T. V. Großen-Buseck. Wie gegen Wetzlar, so kann Großen-Buseck auch gegen den Mtv. Gießen nicht seine erste Mannschaft stellen, da außer den gesperrten Spielern andere für die weiteren Derbandsspiele absagten. Der Mtv. wird also Großen-Buseck leicht siegen können. Handball des Turnvereins Großen-Linden Das vor vierzehn Tagen angekündigte Freundschaftsspiel der ersten Mannschaften der Turnvereine Rieder-Ohmen und Großen-Linden fiel der schlechten Witterung wegen aus und ist nun für kommenden Sonntag neu angeseht. Handball im Lahn-Dünsberg-Gau. Kommenden Sonntag treffen sich in Kinzenbach Dorlar und die Platzmannschaft zum lehten Derbandsspiel der Dorrunde, in welchem Kinzenbach sicherer Sieger werden wird. Handball im Io. Treis a. d. Lumda. Auf dem Sportplatz in Treis treffen sich nächsten Sonntag Allendorf a. d. Lda. I gegen Treis IB zu einem Freundschaftsspiel. Die Gäste, die bei den Derbandsspielen in der A- Klasse der ADT. spielen, werden dem Platz- Verein einen starken Gegner stellen. Der Spielausgang ist offen. D. f. K Lich. Nachdem die erste Iugendmannschaft die'Dor- runde als Sieger beendete, hat sie sich für den nächsten Sonntag Steinbachs erste Jugend Hnterschrift hin. Schief und unbeholfen stand das „Hans Peter" auf dem Geviert des Blattes. Schultze las, trocknete mit einem Löscher und versperrte es dann in seinem Pult. „Legen der Herr Baron Wert darauf, das Geld sofort zu bekommen?" „3a!“ Der Makler öffnete einen Stahlschrank, holte drei Bündel Banknoten heraus, netzte die Finger und begann die Scheine auf der Eichenplatte des Tisches vorzuzählen. Dann strich er sie zusammen und legte sie in ein Kuvert, das Anstetten in seine Tasche schob. „Guten Morgen, Herr Schultze." „Recht guten Dormittag, Herr Baron. Wollen der Herr Baron nicht den Weg durch die Stadt vermeiden und durch meinen Garten kommen? Der gnädige Herr befinden sich dann sofort in den Anlagen. — Fünfzehn Minuten Zeitersparnis." Anstetten trat durch die Tür, die Schultze geöffnet hatte, ins Freie und sog den Hauch der Blumen ein, die in den gepflegten Beeten standen. Hnter den Füßen der beiden Männer knirschte rotgelber Kies. Eine Pforte knarrte in verrosteten Angeln. „Kommen der Herr Baron recht gut nach Hause." Anstetten atmete auf, als er die Heine Türe hinter sich zuklappen hörte. „Dreißigtausend Schilling!" Mit der Rechten fühlte er nach dem dicken Bündel in seiner Drusttasche. Brunhilde, du hast verspielt! Vielleicht ich auch, dachte er und beschleunigte das Tempo. Es war märchenstill in den Anlagen, die sich längs des raschfliehenden Stromes hinzogen. Sonnenkringel spielten auf den Gräsern, in den blühenden Linden summten die 3mmen und von den Spielplätzen herüber flog ab und zu ein Kinderlachen. Anstetten bog vom Wege ab und setzte sich auf eine Dank, die ganz von niederhängendem Astwerk verborgen war und den Blick auf den Strom unbehindert ließ. _ Kaum drei Monate waren seit Hans Peters Tod verflossen und schon drückte die Kette maßlos hart. Brunhilde machte ihm sein „Gattendasein" nicht allzu schwer. Zwischen ihren und seinen Zimmern lag der ganze Mittelbau. Seit dem ersten „Willkomm" auf dem Bahnhöfe hatte er sie nicht mehr geküßt. Vicht einmal ihre Hände. Aber Bernd! Daß ein Knabe so zu lieben vermöchte und so über alle Maßen Zärtlichkeit zu geben verstand! Er fühlte den Körper des Zungen im Bette an den seinen geschmiegt: „Vur zwei Minuten, Vater!" „Lieber, armer Bernd!" Vach drei Jahren mußte er aus dessen Leben verschwinden und zu Dardschiling am Fieber sterben, damit der Betrug, den er an ihm beging, fein Leben nicht zertrümmerte. Er würde die Fälschung nie verleihen — nie! Er würde ohne Zweifel daran zugrunde gehen. verpflichtet. Die Spielstärke des Gegners ist zwar nicht bekannt, trotzdem kann man aber den Rasenspielern die größten Chancen einräumen. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. 1900 läßt den verbandsspielfreien ersten Dezembersonntag nicht ungenutzt und folgt einer Einladung der Sportgemeinde Hessen 1910 Hersfeld zu einem Gesellschaftsspiel. Der Gastgeber gehört zur ersten Dezirksklasse in der Gruppe Fulda, nimmt zur Zeit den zweiten Tabellenplatz hinter Germania Fulda ein und hat auch die besten Aussichten, mit den Fuldaern den Aufstieg zur westdeutschen Oberliga zu erreichen. Da auch die Gießener zur Zeit iwch in einem keineswegs aussichtslosen Kampfe in der Gruppe Lahn stehen, dürfte die Begegnung zu einem Gradmesser der derzeitigen Spielstärke in beiden' Gruppen werden. Für das Abschneiden der Hiesigen fällt allerdings der fremde, unbekannte Platz sehr in die Wagschale. Wenn auch die Dlauweihen wahrscheinlich nicht in stärkster Aufstellung das Treffen bestreiten können, so erwartet man doch von ihnen, daß sie Gießen würdig vertreten. Das sollte ihnen um so leichter fallen, da 1900 in den seitherigen Spielen immerhin technisch gute Partien lieferte. 1 900s Reserven versuchen sich auch erstmals wieder in neuer Aufstellung. Als Gegner für den kommenden Sonntag erwählte man sich 7)en derzeitigen Tabellenführer in der ersten Gauklasse, den Fußballklub 1 926 Großen- Buseck. Das Spiel findet in Großen-Buseck statt. Es wird den Vereinigten wohl nur unter den größten Anstrengungen möglich sein, erfolgreich abzuschneiden. Während die dritte Mannschaft spielfrei ist, trägt die vierte Elf ein Derbandsspiel bei dem Renting Bieber aus. Bei der ziemlichen Gleichwertigkeit der Mannschaften ist der Spiel- ausgang nicht vorauszusagen. Die 1. 3 u g e n d spielt voraussichtlich auf hiesigem Platz ein Gesellschaftsrückspiel gegen den D. f. B. Kurhessen Marburg, der führenden 3ugend unseres Vachbargaues. Die 2. 3 u ge n d steht im Lokaltreffen gegen die 2. 3ugend vom hiesigen D. f. D. Die 3.3ugend hat Großen-Busecks 1. 3ugent> als Gegner in einem Gesellschaftsspiel. B. f. B. Dem Derbandsspiel-Terrninkalender nach hätte die Ligamannschaft am kommenden Sonntag zur Austragung des Rückspiels nach Herborn zu fahren. Durch Hrteil des Bezirksvorstandes ist Herborn jedoch wegen verschiedener Dorkommnisse mit Plahsperre für zwei Derbandsspiel-Sonntage bestraft worden. Demzufolge hätten also die Herborner auf hiesigem Platz anzutreten. Der De- zirks-Fuhball-Sachbearbeiter hat aber in derselben Angelegenheit entschieden, daß die erste Mannschaft von Herborn bis zur Hrteilsfällung von den Derbandsspielen ausgeschlossen wird und die in diese Zeit fallenden Spiele für die Gegner kampflos gewonnen sind. Hiernach fiele das Treffen also ganz aus. Bis zur Viederschrift dieser Zeilen konnte vom Spielausschuh noch nicht geklärt werden, welches Hrteil Gültigkeit hat, so daß also auch noch nicht feststeht, ob die Begegnung stattfindet oder nicht. Die 2. M a n n s ch a f t muh nach Rieder- g i r m e s, um gegen die dortige 2. Mannschaft das fällige Derbandsrückspiel auszutragen. DasVor- Können Gedanken solche Wirkung haben, dachte Anstetten. als er plötzlich an der Wegbiegung den Sohn vor sich auftauchen sah. Bernd ging sehr langsam, den Kopf nach vorne gesenkt, und die Mappe mit der Linken an die Hüfte gedrückt. Rach einigen Schritten blieb er stehen und schaute sich um. — Erwartete er jemand? — „Ein Mädchen." durchfuhr es Anstetten, der 3unge war sechzehn 3ahre! Seine Reugier brannte lichterloh. Kleiner Bernd! Durstete er deshalb so nach Zärtlichkeit? Es blieb alles stlll und menschenleer ringsum. Der junge Mann bog ein Knie, stützte die Mappe darauf und hielt sie mit dem Kinn fest, während feine Rechte einen Bogen hervorholte. Tlun wußte Anstetten, was ihn so zu beschäftigen schien. Heute war Schulschluh unö was er jetzt so aufmerksam durchlas. war seine Zensur. Armer Bernd! Er hatte schon von dem Hauslehrer vernommen, daß er das letzte Semester sehr Hngenügendes geleistet hatte. — Das würde sich wieder einrenken! Das Blatt in die Mappe zurücklegend, stellte er sie an den Wegrand und ging die Böschung hinunter, die stell gegen das Ufer zu abfiel. — Was wollte er? — Anstetten sah, wie er den Rock abnahm. — Ein Bad? Dann der Blitz eines Gedankens? Die Zensur! — Dielleicht doch nur ein Bad? Bernd knöpfte jetzt die Schuhe auf und sah sich noch einmal um. Er schien nach einer Stelle zu suchen, die ein Hineinspringen am günstigsten ermöglichte. Roch ehe er sein Dorhaben ausführen konnte, hielten ihn von rückwärts zwei eiserne Hände fest „Bernd!" Der 3unge brach haltlos zusammen. „Vater!" Er vermied es. in die strengen und auskunft- heischenden Augen des Barons zu sehen und schloß hastig die Knöpfe des Hemdes, die er auf- geritten hatte: „Vater!" „Komm!" 3hn am Gelenk der Rechten fest- haltend, ging der Baron nach der Stelle, wo der Knabe Schuhe und Rock zurückgelassen hatte. „Mach dich fertig, bitte!“ Es klang heiser, noch ganz von Erregung durchflutet. „Papa! 3ch —" ^Sprich jetzt nicht! — Rimrn deine Mappe auf." Der 3unge bückte sich und ging bornübergeneigt neben Anstetten her nach der verschwiegenen Bank, wo dieser gesessen hatte. ,Mun kannst du sprechen!" Der Baron zeigte nach dem Sih und blieb abwartend vor dem Sohne stehen, dessen Lippen auf- und nieder-, zuckten. „So groß ist deine Liebe für deinei? armen Vater, daß du mir das nicht erspart hattest,' sagte Anstetten und klammerte die Hände um die Lehne. Das Knabengesicht sank tief herab. (Fortsetzung folgt.) spiel auf hiesigem Platz gewann Gießen mit 8:2. Die Einheimischen stehen bei gleicher Epielzahl drei Punkte hinter D. f. D. an zweiter Stelle der Tabelle. Sie stellen eine technisch gerade nicht sehr fertige, aber äußerst schnelle und forsche Elf, die alles daran sehen wird, um durch einen Sieg an den Tabellenersten näher heranzurücken. Wenn Gießen die Punkte gewinnen und seinen Torsprung vergrößern will, muh es schon in stärkster Besetzung antreten und darf auf keinen Fall tzen Gegner unterschätzen. Ein knapper Sieg der B. f. B.er sollte das zu erwartende Ergebnis sein. Auch die 3. M a n n s ch a f t hat ihren schärfsten Konkurrentere die mit zwei Punkten hinter ihr stcbende 2.Mannschaft Steinbachs, Im 2 u cktk 2mpf zum Gegner. Sie hat zwar den Borte^ des eigenen Platzes, wird aber dennoch sehr viel Mühe haben, das Spiel für sich zu en^ scheiden, da die Gäste eine sehr spielstarke und ihr gleichwertige Mannschaft stellen. 3m Dorspiel mußte D. f. D. zufrieden sein, mit einem ÜIn- entschieden (3:3) davonzukommen. Der Ausgang dieses Treffens ist ungewiß. Auf dem Waldsportplah stehen sich die 1. und 2. Schülerelf im fälligen Derbandsspiel gegenüber. Sportverein 1Q,>O Heuchelkeim. Kommend n Sonntag fährt die crs.e Mannschaft des Sportvereins ,A ,eim nach Ehringshausen (Dillkreis). Das Vorspiel in Heuchelheim endete 4:0 für Heuchelheim. Bei der augenblicklichen Derfassuno der Mannschaft ist mit einer Wiederholung diese. Resultates kaum zu rechnen. Wenn sich die Mannschaft in Ehrings- Hausen nicht zusammenreiht, wird sie sogar um eine Niederlage nicht herumkommen. Arbeiter-Tum- und Sportbund. Am kommenden Sonntag stehen sich auf dem Lollarer Sportplatz Lollar l und Heuchelheim I im Freundschastssviel gegenüber. Ob es den Einheimischen wieder, wie im Vorspiel, das sie 2:1 für sich entschieden, gelingt, Sieger zu werden, bleibt trotz des eigenen Platzes dahrn- ^Auf^dem Wieseckcr Sportplatz findet das Vorspiel um die Meisterschaft der zweiten Bezirks- klasse statt. Oppenrod! als Gruppenmeister der Gruppe Ost wird in Wieseck 2. Mannschaft dem Meister der Gruppe West einen gleichwertigen Gegner haben. Wer in diesem Spiel Sieger bleiben wird, hängt von der Ruhe und dem Siegeswillen ab, den die Mannschaften zum Spiel mitbringen. Beilstein l und Rod heim ! tragen ein rückständiges Srrienspiel in Raunheim aus. Wer Sieger bleiben wird, muß offengelassen werden. Äe Jugend Raunheims und Wiesecks tragen ein Freundschaftsspiel in.Raunheim aus. in dem die letzteren wohl Sieger bleiben werden. Treis Jugend und Klein-Linden Jugend stehen sich in Treis in einem rückständigen Serienspiel gegenüber. * In Heuchelheim findet am kommenden Sonn- tagvornftt ag die Herb st übungs stunde für das Frauenturnen statt. Sie beschäftig t sich hauptsächlich mit dem Gebiet des neu» zeitlichen Frauenturnens. Anschließend wird eine kurze Aussprache und die Wahl des Bezirks- frauenturnwartes vor sich gehen. In Krofdorf findet die Herbsttagung der Kampfrichter für Leichtathletik statt. Oie Mainzer Eingemeindungen. WSN. Mainz, 28. Roo. In einer_ außerordentlichen Sitzung des Kreistages für den Kreis Mainz wurde Stellung zu der A e n d e - rung des Kreises Mainz infolge der E i n - gemeindung der bisher zum Kreise Groß-Gerau gehörigen Orte Bischofsheim, Ginsheim und Gu- ftavsburg auf Stadt Mainz genommen. In einem Expose des Vorsitzenden wurde mitgeteilt, daß die Stadt Mainz infolge der Eingemeindung der Mainspitze, sowie der Gemarkungen Weisenau und Bretzenheim einen Bevölkerungszuwachs von rund 23 000 Einwohnern und eine Vermehrung des Flächeninhalts von 3800 Hektar erhalten werde. Der Kreistag stimmte den Eingemeindungsverträgen zu. Auch der Provinzialtag der Provinz Rheinhessen hat in einer außerordentlichen Sitzung den Verträgen seine Zustimmung gegeben. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) (5.3. in Ulfa. Die land- und forstwirtschaftliche Derussgenossenschaft zahlt nach wie vor Unfallrente. — Bei der Gemeindesteuer besteht keine feste Grenze hinsichtlich des Steuerwertes, wie bei der Landes- ftcuer. Jedes Grundstück muß versteuert werden. $. Z. Wenn Sie meinen, daß das Darlehen dem Steuerabzug vom Kapitalertrag (Kapitalertragsteuer) unterliege, so ist zu sagen, daß diese Steuer hier nicht in Betracht kommt. Im übrigen empfehlen wir Ihnen, sich an das zuständige Finanzamt zu wenden. f)d). TB. in $t. Sie können für die Ausbeute des Steinbrucks (Substanzverringerung) Abschreibungen machen. Andere Abschreibungen kommen nicht in Betracht. „Nein, — wie Sie sich verjüngt haben!8' „Ja, meine Liebe — ich war mit meinen Nerven ganz herunter, als Sie mich das letzte Mal sahen. Seitdem ich Kaffee Hag trinke, kann Ich wieder schlafen und fühle mich frisch und munter — Kaffee Hag schmeckt übrigen« ganz ausgezeichnet. 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Danach haben die letzten Monate eine Beschleunigung des Konjunkturrück- ganges gebracht, in dem sich die deutsche Wirtschaft seit Ende 1927 befindet, und die Tendenzen, die sich durch die Dpannungsverhalt- nisse der Wirtschaft schon seit längerer Zeit als wahrscheinlich angekündigt hatten, sind zumDurch- bruch gekommen. Damit ist die deutsche Wirtschaft aus der Hochspannung deutlich erkennbar in eine Liquidationsphase cingetreten. Die Faktoren, die sich noch in der ersten Hälfte des Jahres 1929 in der Richtung eines Ausgleichs des Absahausfalles auf dem Binnenmarkt bemerkbar machten, sind seit Jahresmitte nicht mehr in gleicher Weise wirksam. Der Sai- sonauftricb hat sich erschöpft, die Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes hat nachgelassen, der Wohnungsbau hat sich den Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung nicht länger entziehen können, und auf der ganzen Linie find nunmehr Rückgänge zu verzeichnen. Die Rohstoffeindeckungen (ein Symptom für die Produktionsvorbereitun- gcn) sind eingestellt worden. Die Umsätze haben in konjunkturempfindlichen Warengruppen ebenfalls nachgegeben. Das geht aus dem Rückgang der Fertigwareneinfuhr, sodann aus dem nach Ausschaltung der Saisonschwankungen im Oktober stark abnehmenden Güterverkehr der Reichsbahn hervor. Unter dem Druck der unzureichenden Absatzmöglichkeiten haben sich die Preise weiter gesenkt. Die Konkurse haben konjunktur- mäßig den Höch st en Stand seit Mitte 1 9 2 6 erreicht. In stärkerem Maße, als dies bisher der Fall war, haben die rückgängigen Aktienkurse auf die Zunahme der Insolvenzen hingewirkt. Dabei kommt der Charakter der gegenwärtigen Welle von Insolvenzen weniger in der Zahl, als vielmehr in der Bedeutung der Cinzelfälle zum Ausdruck. Durch diese Entwicklung — rückgängige Produktion, sinkende Preise, steigende Arbeitslosigkeit, rückgängige Umsätze, absinkende Aktienkurse — hat sich aber die Konstellation der den Wirtschaftsverlauf bestimmenden Faktoren getocmbelt. Die Wirtschaftstätigkeit ist nunmehr bis an die Grenze gesunken, bei deren Erreichen eine Lösung vordem entstandener Spannungen einzusehen und bei deren Unterschreiten eine Entlastung zunächst des Geld-, später des Kapitalmarktes stattzufinden pflegt. Die Wirtschaft ist im Begriff, oder doch nicht sehr weit davon entfernt, in eine konjunkturelle Depression einzutreten. Es begann sich bereits vor der Entspannung der internationalen Geldmärkte am deutschen Geldmarkt aus wirtschaftlichen Gründen eine konjunkturelle Entlastung anzubahnen. Auf den Kapitalmarkt hat die Erleichterung des Geldmarktes roch nicht übergegriffen. Die Erwartung einer Kreditentspannung rechtfertigt an sich noch nicht die Erwartung einer besseren Wirtschaftskonjunktur. Die durch den Kapitalmarkt gegebenen Möglichkeiten reichen nicht zu einer solchen Steigerung der volkswirtschaftlichen Planungen aus, wie sie zur Einleitung eines Konjunkturaufschwunges erforderlich wären. Es ist nicht einmal sicher, daß Produktion und Absatz auf die bisher zu verzeichnende und zu erwartende Entspannung der Kreditlage mit einer Unterbrechung des gegenwärtigen Rückganges reagieren werben. Im allgemeinen sind dazu stärkere Impulse notwendig. Allerdings könnte dein Konjunkturrückgang durch zielbewußte Konjunkturpolitik (Diskontsenkung) begegnet werden. ' Uebcr nähme derOstbank sürHan- del und Gewerbe durch die Dresdner Dank. Die Reichsbank teilt mit: Auf Wunsch ostdeutscher Wirtschaftskreise sind zwischen der Verwaltung der Ostbank für Handel und Gewerbe und der Dresdner Bank Verhandlungen gepflogen worden mit dem Ergebnis, daß die Ostbank für Handel und Gewerbe im Wege der Fusion unter Ausschluß der Liquidation von der Drcs» ner Bank übernommen wird. Zu diesem Zweck soll den Aktionären der Ostbank in einer alsbald einzuberufenden Generalversammlung das Angebot gemacht werden, ihre Aktien im Verhältnis von 4:1 gegen Dresdner Bank-Aktien umzutauschen. Die Aktionärgruppe, welche über die Dreiviertcl-Majorität der Ostbank verfügt, hat dieser Abmachung zugestimmt, so daß die Durchführung der Transaktion gesichert ist. Der bisherige Aufsichtsrat stellt sein Amt zur Der- sügung. Mit Rücksicht auf die Bedeutsamkeit der Transaktion für die ostdeutsche Wirtschaft hat sich die Preußische Staatsbank an ihrer Durchführung beteiligt. Frankfurter Börse. 5 r a n (f u r t a. M., 29. Rov. Tendenz: freundlich. — Zu Beginn der Börse blieb die Stimmung trotz des morgigen Ultimos freundlich. Die Kulisse zeigte weiter einiges Deckungsbedürfnis, anregend wirkten auch die höheren Dividendeaussichten bei Deutsche Erdöl. Sonstige Anregungen fehlten vollkommen. Auch war der Order- eingang wieder sehr gering, so daß das Geschäft sich in sehr engem Rahmen bewegte. Vereinzelte Insolvenzen von kleinerem Umfange wurden kaum beachtet. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten zumeist Erholungen bis zu 1 Prozent ein. Deutsche Erdöl traten besonders in den Vordergrund und gewannen 3 Prozent. J.-G.-Farben konnten leicht anziehen. Am Elektromarkt zogen Licht und Kraft 2 Prozent, Schuckert 1 Prozent und Siemens 1,25 Prozent an. Chadeaktien machten eine Ausnahme und waren mit minus 2,50 Mark angeboten. Einiges Interesse bestand für Gelsenkirchen mit plus 2,5 Prozent. Die übrigen Montanaltien lagen nur geringfügig fester. Etwas mehr hervortreten konnten noch am Bauuntcr- nehmungsmarkt Wayß & Freitag mit plus 2,75 Prozent. Banken uneinheitlich. Reichsbankanteile verloren nach der beträchtlichen Steigerung in den letzten Tagen auf Realisationen 2,5 Prozent. Deutsche Bank minus 1 Prozent, Commerz- und Barmer Bank dagegen etwas fester. Renten still, aber leicht anziehend. 3m Verlaufe blieb die Stimmung freundlich, bei etwas regerem Geschäft ergaben sich vereinzelt weiter kleine Erholungen. Für Montanwerte machte sich auf rheinische Käufe einige Rachfrage geltend. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Prozent weiter gesucht. Am Devisenmarkt war Madrid weiter angeboten und schwächer. Sonst nannte man Mark gegen Dollar 4,1765, gegen Pfund 20,382, London gegen Kabel 4,8790, gegen Paris 123,86, gegen Madrid 35,40, gegen Mailand 93,20, gegen Amsterdam 12,0913. Berliner Börse. Berlin, 29. Rov. Richt die kleineren J'nsol- venzmeldungen aus dem Reiche, oder die Ueber- nahme der Ostbank durch die Dresdner Dank lösten vorbörslich eine gewisse Unsicherheit aus, sondern eine vom Berliner Rundfunk falsch interpretierte Meldung über große Bankunterschlagungen bei einer Rebenstelle der Bank von Rorwegen. Es tauchten die üblichen Befürchtungen hinsichtlich des Zahltages auf, die aber kaum eine Bestätigung finden dürften. Zur Zurückhaltung trug auch der heutige Reichstag bei, vor dem erstmalig der neue Außenminister Dr. Curtius eine Erklärung der Reichsregierung abgeben wird, und in der er um Ablehnung des Hugenbergschen Freiheitsgesehes ersuchen wird. Günstig kommentiert wurde dagegen eine Rede des Reichswirtschaftsministers Dr. M o l d c n h a u e r, die gestern vor dem Haupt- ausschuh des Deutschen Industrie- und Handelstages gehalten wurde, und in der der Minister besonders auf die Rotwendigkeit eines allgemeinen Lastenabbaues im Interesse der Gesundung der deutschen Wirtschaft hinwies. So eröffnete die heutige Börse bei kleinen Umsätzen in ruhiger, uneinheitlicher, aber nicht unfreundlicher Haltung. Bei den Danken lagen einige kleine Kaufaufträge aus dem Publikum vor, während sich die Spekulation etwas zurückhielt. Die Abweichungen gegen gestern gingen nach beiden Seiten nur selten über 2 v. H. hinaus. Berger verloren 2,75 v. H., Ilse Bergbau 2,5 v. H. und Chadeaktien 4,50 Mk. Dagegen Deutsche Erdöl in Erwartung einer einprozentigen Dividendenerhöhung plus 3 v. H., Hoesch plus 4,5 v. Sy, Westeregeln plus 2,75 v. H. und Selten plus 2,13 v. H. Deutsche Anleihen etwas fester. Ausländer uneinheitlich. Pfandbriefe still. Der Geldmarkt lag wenig verändert. Tagesgeld 7,5 bis 9,5 v. H., Monatsgeld 8,5 bis 10 v. H., Geld über Ultimo 8,5 bis 10,5 v. H., Warenwechsel 7,40 v. H. Die Festigkeit der Montanwerte, die mit den bereits gemeldeten Differenzen im englischen Kohlenbergbau zusammenhängt und ferner auf rheinische Aufträge zurückgeführt wird, regte auch den Verlauf an. Bei fast allen Märkten sehen sich ein- bis zwei- prozentige Gewinne durch. Das Geschäft blieb aber sehr gering, und man konnte deutlich merken, daß die Spekulation der nun schon drei Tage anhaltenden Aufwärtsbewegung noch nicht das richtige Vertrauen entgegenbringt, und schon kleinste Gewinne sicherstellt. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 27. Rov. Ein junger auswärtiger Mechaniker hat um eines kleinen Vorteils willen eine Eisenbahnfahrkarte gefälscht. Die Fälschung wurde im Zuge von dem Fahrbeamten entdeckt und der Beschuldigte verhaftet. Da es sich um eine öffentliche Urkunde handelt, muhte das Gericht auf mindestens 3 Monate Gefängnis erkennen. Dem Angeklagten wurden 1 Monat 3 Wochen Untersuchungshaft angerechnet: außerdem wurde der Haftbefehl aufgehoben und ihm anheimgegeben, wegen der Reststrafe ein Gnadengesuch vorzulegen. Ein Bäcker hat fein Anwesen mit Einrichtung verkauft, dabei aber dem Käufer zwecks Erzielung eines höheren Kaufpreises falsche Angaben über den wöchentlichen Umsatz usw. gemacht. In einem Zivilprozesse ist bereits der Kaufvertrag wegen der falschen Vorspiegelungen durch Urteil für nichtig erklärt worden. Das Gericht fand in dem Verhalten des Angeklagten auch einen Betrug und verurteilte ihn mit Rücksicht auf seine Unbestraftheit zu einer Geldstrafe von 150 Mark eventuell 10 Tagen Gefängnis. Die folgenden beiden Fälle wurden vor dem Erweiterten Schöffengericht verhandelt: Ein umherziehendes, mehrfach wegen Diebstahls vorbestraftes junges „Brautpaar" kam auf seiner Reise in ein oberhessisches Dorf bei Gießen. Da beide Teile mittellos waren, faßten sie den Entschluß, zu stehlen. Das Mädchen stieg in ein Bauernhaus durchs Fenster ein, während der „Bräutigam" auf der Straße Wache stand, und zwar hatte er dabei einen scharf geladenen Revolver im Besitz. Als die Diebin mit einem gestohlenen Portemonnaie wieder aus dem Fenster heraussteigen wollte, wurde sie von der Eigentümerin gestellt. Ihr Begleiter zog aber den Revolver und bedrohte letztere. Wegen schweren Diebstahls — Einsteigen und Gebrauch von Waffen — und Raubs in Sachen des § 252 StGB, wurde der Angeklagte zu 9 Monaten und das geringer belastete Mädchen zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. 3 Monate wurden durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erklärt. Das Urteil wurde sofort anerkannt. Eine längere Beweisaufnahme machte eine Verhandlung gegen zwei vielfach und teilweise mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiter wegen Raubes nötig. Sie haben einen anderen, ihnen bekannten Arbeiter, der am Abend seines Zahltages feinen Lohn teilweise tüchtig „naßgemacht" hatte und sich in angetrunkenem Zustande befand, aus der Wirtschaft begleitet, ihn an einer einsamen Stelle überfallen, den Mund zugehalten und ihn seiner Barschaft beraubt. Beide Angeklagte leugneten die Tat. Sie wurden aber durch das Zeugnis des Ueberfallenen und eine ganze Reihe von Indizien, darunter auch einen im Gefängnis geschriebenen Kassiber, überführt. Sie wurden unter Ablehnung mildernder Umstände zu je einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Beide Verurteilte haben nun nach der Verhandlung ein Geständnis abgelegt und das Urteil anerkannt. Gießener Jugendgericht. In der letzten Sitzung des Gießener Jugend- gerechts nehmen als Jugendschöffen teil Werkmeister Heinrich Leh und Buchbindermeister Max Müller, beide von Gießen. Ein Hausbursche war sowohl des Diebstahls eines Fahrrades, als auch der Sachbeschädigung angcflogt. Ein hiesiger Bäckermeister hatte mehrere Fahrräder in seiner Waschküche stehen. Der Angeklagte, der sich bei einem Freunde em Rad leihen wollte, der bei dem Bäcker zur Miete wohnte, bemerkte bei dieser Gelegenheit die Räder und nahm unter dem Widerspruch des Freundes eines jener fremden Räder an sich, um damit nach auswärts zu fahren. Auf Drängen deS Freundes brachte er nach zwei Tagen das Rad zurück. Das Gericht kam in diesem Falle zu einem Freispruch, weil es den Rachweis nicht für erbracht hielt, daß der Hausbursche, trotz seiner zu mißbilligenden Ingebrauchnahme des fremden Rades, zu irgendeiner Zeit die Absicht gehabt habe, sich das Rad für dauernd zuzueignen. Es erfolgte deshalb Freisprechung mangels Beweises. In dem weiteren Falle wurde dem Angeklagten eine Sachbeschä digung zur Last gelegt, begangen dadurch, daß er bei einer mit seiner Familie nicht auf gutem Fuße stehenden früheren Rachbarsfrau an einem Sonntagnachmittag zwei Fenster und Fensterrahmen mit blauer Farbe verschmierte. Der Angeklagte leugnete die Tat, wurde jedoch durch die beeidigte, durchaus glaubhaste Aue sage der Geschädigten überführt, die sogar gehört hat, daß der Angeklagte von seiner eigenen Mutter vor seinem Tun gewarnt worden ist. Die Zeugin bekundete weiter, daß sie von einem anderen 5a- milienmitgliebe bereits früher ebenfalls in ordinärer Weise belästigt worden ist. Der Angeklagte wurde zu einer für ihn empfindlichen Ge l d - st r a f e verurteilt, da Erziehungsmaßregeln in diesem Falle allein nicht ausreichen, die gleichfalls angeordnet werden und über die der Dormundschaftsrichter befinden wird. Büchertisch. — JuliusMeier-Graefe:Dieweiße Straße. Verlag Klinkhardt & Biermann, Leipzig. Ganzleinen 7,50 Mk. (580) — Die Weiße Straße ist das Kriegserlebnis eines geistigen Deutschen, ter von den Russen gefangen, in die Einsamkeit des Ostens verschickt wird und hier — fern von der sogenannten Kultur — die innere Freiheit findet. Auf diesem Wege zum letzten Ziel durchkreuzt er viele komische und ernste Etappen begegnet den Reflexen des Krieges in mannigfachster Färbung und unter absonderlichsten Formen, findet Freunde und Feinde bei den Leidensgefährten, mit denen ihn der Zufall zu- sammenführt. Erst als er allein zum Austausch in ein bevorzugtes Lager bei Moskau kommt, überfällt ihn Melancholie, die Suggestion der unendlichen weißen Landstraße, an der er wohnt. Der Deutsche wird von russischer Psvcho'e ergriffen, zweifelt an allem, was ihm bisher teuer war. zersetzt mit krankhaftem Spott seine ganze Vergangenheit, seine frühere Tätigkeit, seine Che. Wider Erwarten zerschlagen sich die Austauschverhandlungen. Der Abtransvort nach Sibirien gibt ihm seine Kräfte zurück. Die Straße wird immer länger. In einem Gefangenenlager im Zentrum Asiens wird ihm die in seinem früheren Leben immer versagte schöpferische Gemeinsamkeit mit anderen. Alle Bilder kommen gereinigt wieder. Dies ist die Heimat. Rie ist er so glücklich gewesen. Da kommt der Austausch. Die Abberufung trifft ihn wie der härteste Schlag. Die in Sibirien gewonnene Heimat zerrinnt mit der Rückkehr nach Hause. Wieder gähnt die weiße Straße. — Karl Benno von Mechow. Das ländliche Jahr. Roman. Preis geheftet 6.50 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (525) — Ein ganz schlichter Stofs: wie das Jahr sich rundet in der Arbeit um die Aecker und Wälder einer deutschen Dorfgemeinschaft, und wie ein junges, vornehmes, etwas zaghaftes Mannesherz fest und reif wird in dieser Arbeit. Ein ganz großer Stoff: der demütige Dienst des Menschen an der Erde, der edelste Menschen- dienst, wenn ihn einer mit so reinen Händen tut wie dieser junge Inspektor: kein Held, kein Weiser, aber ein lauterer, ganzer Mensch, Darum scheiden sich auch an ihm die Geister: Kinder und kluge Alte fallen ihm zu, die Selbstsüchtigen mögen ihn nicht leiden. Es geht diesem jungen Mann auch gar nicht sehr gut in diesem Jahr: es ginge ihm b.sser, wenn er schlechter wäre. Aber von fern her lenken ihn gütige, kluge Mutteraugen durch das Gestrüpp der Menschenniederung. Lebendig gestaltet hat Karl Benno von Mechow alle die Menschen des Gutes und des Dorfes. Die wahre Heldin dieses Buches ist die Heimat, ist Muttw Erde in den Verwandlungen der Jahreszeiten. Kurszettel der erli ner und Fro IN ffl 4rte T 2 Sör 'se. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an Reichsbankdiskont 7 o. $)., Lombardzinsfuß 8 o. H. itronlfurt a M Berlin Frankfurt a M Berlin Franksurt a M Berlin Bantnoten. -chius-! Gurt 1 Hllbt GdHuB'i Sure | Ütnfdiifl. Kure -rdjiufri Kurs | ,-Udr Gchluh ' chniang- cdiiuiM -uhi Schluv 1 Ansang. Berlin, 28. Novemb r Audol.-Rechten . • • deutsche Komm. Gammelabl. ilnlelbe Gene 1 Commerz- und Prioai-Banl . 11 153.4 154 153.4 154 Tnuamii Nobel . . . . . 6 — — 80,25 — Schweizer Neteu .... 80,90 81,22 89,5 46 46,75 1 I 1 89 46,5 89 46,5 Tarmst. u. Ralionalbanl . Teulsche Bank...... Tirconro-Gesellschast, Änt. . Dresdner Bank...... Reichkbani ....... 1 1< 1' 1' 1 234.25 150 147 149 147 259 234 149.5 146,75 261.5 234 149,5 147 259 Gcheideanstait.... e Notierung inilündbar bi: 1932 ..... i%% Rbeinische Hyv -Dank L'tqu. (Hulbpfe........ i% Pr. Laudeepsandbrielansiali. Psandbriese R. 17..... s% Pr. Lanoeopsandbriesanftalt 85 tirieltr. Lieieiungsgelellichasi Licht und ftrnit . Felten 4 Guilleaume.... @el. f. Clcltr. Untern.. . . . Hamb. Glettt «Serie .... fKhrhi tHeftt 1 157 167 158,5 157-5 165 110 158,5 126,5 157,25 165,75 112.13 157,5 125,75 10 Geld Bries Geld Brici 78,25 98 1 1 98 — 7V, 10 1 110 Tchuliheii Pagen,ivsee Lktwerke...... Bei. G.anzsiofs . . . Bemberg...... - . 15 . 12 . 18 '1 129.5 195 129,75 196 274.5 211 129.9 194 274.5 - 211.75 129,75 195,25 «mit.. Non Buen.-Atretz Brft-.Antw Edristianta 168,36 1,726 58,365 111.81 168,70 1,730 58,485 112,03 168 40 1,726 58,38 111,84 168,74 1,730 58,50 112,06 Komm.-Obl. R. 16..... '% Pr. Lanveepsandbriesanitalt. 95 — 95 — Echtes. Eiekf....... Gchuckeu 4 Go. ...... lu 11 78.5 281 157 63 179,25 282 63,5 I48J5 148 Beliflofi Daldbos . . B'.'Uiloii iLichass nbura 13% 178.5 135,75 179.25 135,75 177,25 134 177.5 137 flopenbaaen Stoähoim . 111.88 112.25 112,10 112,47 111.89 112,27 112,11 112,49 Psandbriese R. 10..... 6D|L -llortriegs-Obligaiion rückzahlbar 1932 ...... (% OeklerretchNche Sotsne.. . 89 24 1 1 I 89 24,4 I ' 1 Giemen« . (Ibn.- coeti . . . Qvcrichl-i. 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