Nr. 254 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 29. Oktober 1929 Ericheim logllch, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle monal$=Be$ug$pret$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. zernfprechanschlilffe a-ifei Sammclnummer2251. Anschrift sür Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firanlfurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen VruS und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerel 8. Lange in Sietzen. Schriflleitung und Geschäftsstelle: Zchulttraße 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20",, mehr. Chefredakteure Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich In Gießen. Roch keine Entscheidung über die Beteiligung der Gozialisten an der Regierungsbildung in Frankreich. Es sieht im Augenblick wirklich so aus, als ob cs Daladier gelingen wird, das neue französische Kabinett zu bilden. Ein Raine, der in Deutschland noch ziemlich unbekannt ist, was aber mehr auf die Uninteressiertheit des deutschen Publikums an den inneren französischen Vorgängen zurückgeführt werden muß. Denn tatsächlich war Daladier für die Eingeweihten schon feit Jahren der kommende Mann. Er hat erst sehr spät feinen Eintritt in die Politik vollzogen, hat genau die gleiche Laufbahn durchgemacht wie Herriot, da er erst Bürgermeister war und dann eine Professur an der Pariser Universität übernahm. Erst nach dem Kriege zog er in die Kammer ein, brauchte bann aber nur wenige (Zähre, um sich an die Spitze der starken Radikalsozialen Partei zu bringen. Dreimal schon hat er verschiedenen Kabinetten angehört, er hat die Ministerien der Kolonien, des Krieges und des Unterrichts verwaltet; sobald aber Poincare wieder kam, war für ihn im Kabinett kein Raum mehr. Er zog sich zurück, ließ sich zum Führer der Radikalen wählen, wurde Poincare bei mehr als einer Gelegenheit höchst unbequem und wartete feine Stunde ab. Sie ist jetzt wohl gekommen. Aber auch wenn er im letzten Augenblick noch scheitern sollte, bedeutet sein Auftreten in jedem Falle den wichtigen Abschluß einer innerpolitischen französischen Entwicklung. Er ist der erste, dem es gelang, die Ab st inen-Politik der französischen Sozialisten zu beseitigen und wenigstens von ihrer Kammerfraktion die grundsätzliche Erklärung herauszuhvlen, daß sie bereit sei, die Verantwortlichkeit an der Rcgierurng zu übernehmen. Das ist Herriot selbst in den Glanztagen des Linlskartells nicht gelungen, daran ist Herriot schließlich gescheitert, daß die Sozialisten seine Regierung wohl unterstützen, aber nicht selbst Regierungs- Partei sein wollien. Die Grunde, weshalb sie heute sich vielleicht für den andern Weg entscheiden werden, sind naheliegend. DasBei- spiel in England und Deutschland dürfte befruchtend gewirkt haben, zudem ist es in Frankreich besonders risikolos, weil es dort keine Arbeitslosen gibt und die Kommunisten so radikal abgewirtschaftet haben, daß die Gefahr eines Stimmenverlustes nach Links für die Sozialisten kaum besteht, während andererseits ihre Wählermassen von ihnen einen Einfluß auf die Sozialpolitik wie auf die Finanzpolitik verlangen. Mit den Sozialisten allein freilich kann Daladier eine Mehrheit noch nicht bilden. Er ist auf die Loucheur-Gruppe angewiesen. Hier mögen neue Schwierigkeiten kommen, die vor allem auch in der Verteilung der M i n i st e r s i h e liegen. Er hat fein Kabinett also noch lange nicht unter Dach. Aber er hat einen guten Anlauf genommen, und wahrscheinlich wird in Frankreich die Zeit vorbei fein, wo man das verzweifelte Experiment machte, mit einer rechtsorientierten Mehrheit eine links - orientierte Außenpolitik zu machen. Vielleicht laßt sich deshalb die Regierungsweisheit Da» ladiers am kürzesten auf die Formel bringen, daß er es mit einem Reu-Briandismus versuchen will. Die Aussprache im sozialistischen Aailonalral vertagt. Paris, 29.Ott (WTB. Funkspruch.) Der Ratio n a l r a l der Sozialistischen Partei der bis 1.20 Ahr nachts getagt hat, vertagte seine Beratungen, ohne eine Entscheidung zu treffen, auf heute vormittag 9 Ahr. Im verlause der Debatte, in der der ständige Verwaltungsrat der Partei eine Entscheidung gegen die sozialistische Beteiligung an der Regierung unterbreitet hak, hat der Abgeordnete R e n a u d e l eine von 64 sozialistischen Parlamentariern unterzeichnete L n t s ch l i e - ßung für die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung eingebrach l, die der parlamentarischen Gruppe den Auftrag erteilt, ihre Besprechungen zwecks Beteiligung an der Regierung fortzusehen. Eine Ab stirnrnung über diese Entschließung Hal noch nicht stattgefunden. Die Aussprache Hal hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Rach Informationen von havas hat in der Debatte der Abgeordnete Zy- r o rn s k i eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung als einen Selbstmord bezeichnet; sei doch zu erwarten, daß die Radikalen sich in immer stärkerem Maße zu Feinden des Sozialismus entwickeln. Linen ähnlichen Standpunkt vertrat £ o n - guet. Für die Beteiligung warb der Abgeordnete G r u m b a ch mit dem Argument, daß der Sozialismus sich niemals durchfehen werde, wenn er sich der Regierung fernhalle. Der Bürgermeister von Bordeaux, Abg. Marquet, suchte für die Beteiligung an der Regierungsbildung mit dem Hinweis zu wirken, daß andernfalls ein Kabinett Tardleu zu erwarten fei. — havas glaubt, ohne eine Voraussage wagen zu wollen, den Eindruck registrieren zu können, daß im Laufe der gestrigen Debatte die Zahl derer ge st legen fei, die im Sinne der bereits gemeldeten Entschließung Renaudels einer Beteiligung an der Regierung geneigt sind. Die Aussichten für Daladier. Beteiligung der Sozialisten oder Kabinett der Mitte. Paris, 29. Off. (WTB. Funkspruch.) Die tage hat sich für Daladier im Laufe des gestrigen Tages nicht gebessert. Die Linksrepublikaner haben in einer schwach besuchten Sitzung (etwa 20 Anwesende von 64) erklärt, daß fie an E e i n c r Kombination t e i l n e t) m e n , der die Sozialisten angehören. Die Radikale Linke, also die Fraktion L o u ch e u r , will sich erst entscheiden, wenn bei den Sozialisten die Entscheidung über ihre Beteiligung an der Regierung gefallen ist. Ls scheint, daß die beiden Fraktionen sich über eine endgültige Stellungnahme verständigen wollen. Falls sie ihre Beteiligung an einem radikalen und sozialistischen Kabinett ablehnen sollten, würde Daladier nicht mehr über eine absolute Mehrheit verfügen. Falls die Sozia- l i st e n dem Kabinett fernbleiben und die beiden genannten Parteien Daladier unterstützen, würde et n e bürgerliche Mehrheit zustande kommen. die mindestens bis zur Gruppe M a g l n o f geht, wenn nicht vielleicht über diese hinaus, sie würde etwa 335 bis 340 Stimmen aufbringen können. Daladier hat mit einer Anzahl Parlamentariern und Parteiführern verhandelt und sich dann ins Llysee begeben, um dem Präsidenten der Republik von dem Verlauf seiner Besprechungen Kenntnis zu geben. Daladier erklärte beim verlassen des LlysLes den Iournalislen, daß er feine B e - sprechungen fortsehen und vor allem mit einer gewissen Anzahl Parlamentsmitglieder, die in Finanz- und Wirtschaftssragen besonders zuständig seien, die steuerlichen Möglichkeiten erörtern werde. Denn es gebe zwei Möglichkeiten, die unerläßlichen Steuereingänge zu erzielen: entweder durch Hebung der Wirtschaftstätigkeit oder durch strenge steuerliche Maßnahmen. Senator träumet, Vorsitzender der Senatsfraktion der Demokratischen Union, die der Fraktion L o u ch e u r in der Kammer entspricht, erklärte nach einem Besuch, den Daladier abgestattet hat, u. a.: Mit der sehr wahrscheinlichen Beteiligung der Sozialisten, die Briand, Poincarä und herriot nicht haben erreichen können, mit der Annahmeerklärung Briands und mit der Erweiterung der Mehrheit, die, wie man hoffen darf, bis ; u den Linksrepublika- nern einschließlich gehen wird, wird Daladier ein Ministerium bilden können, das an dasjenige Waldeck-Rousseaus erinnern würde. Ich habe Daladier meine volle Unterstützung zugesagt. Kommunistische" [tt ühlarbeii in Deuischland während derLnflaiionskrisis Paris, 28. Oft. (Privatmeldung.) Der ehemalige sowjetrussische Botschaftsrat in Paris, Bessedowsky, desen sensationelle Flucht aus dem Botschaftsgebäude noch in Erinnerung ist, veröffentlicht im „Matin" einen Artikel, in dem er die Behauptung aufstellt, Sowjetregierung und Kuomintern, die im Grunde dasselbe seien, hätten im Jahre 1923 einen großen kommunistischen Putsch in Deutschland vordere.tet. Alle sow'elrussischen Auslandvertretungen, insbesondere auch die Handelsvertretungen, hätten die Weisung erhalten, ihre Bemühungen auf die Vorbereitungen dieses Unternehmens zu konzentrieren. Insbesondere sei man bcst e5t gewesen, zur wirtschaftlichen Fundierung des Umsturzes große Gold- und Getreidemengen in möglichster Rähe der Wege nach Deutschland zu konzentrieren. Als man dann Radek nach Deutschland entsandt habe, habe Graf Brockdorff-Ranhau in Moskau eine Demarche unternommen. Tschitscherin habe vorgegeben, über den Aufenthalt Radeks überhaupt nicht informiert zu sein. Der deutsche Botschafter habe sich nicht abweisen lassen. Falls die Vertreter Sowjetrußlands, so habe er erklärt, nicht auf die ilnort verzichten wollten, zu verschwinden, ohne ihre Adresse zu hinterlassen, so werde man genötigt sein, d i e Beziehungen z u Rußland abzu- brechen. Es sei in Moskau dann noch der Versuch gemacht worden, einen Doppelgänger unter dem Ramen Radek in Moskau auf einem offiziellen Kongreß auftreten zu lassen, dieser Verschleierungsversuch sei aber mißglückt, da in der Zwischenzeit der echte Radet t n Deutschland v e rha f tet worden sei. Auch andere Vertreter der Sowjetregierung h tten mit falschen Pässen sich in Berlin aufgehalten und den ganzen Rovcmber hindurch auf die Sowjeti- sierung Deutschlands gewartet. Bessedowsky nennt elf Ramen, darunter von bekannten Unschlicht, Piatakoff und Kriloff. Einer der elf Emissäre sei dann in den bekannten Leipziger Tscheka- Prozeß, wo er unter dem Ramen Skoblewski figurierte, zum Tode verurteilt worden. Der gestohlene Geheimcode. Paris, 28. Okt. (Privatmeldung.) Die in Paris erscheinende russische Flüchtlingszeitung „N e u e ft e Nachricht en" berichtet, der in der italienischen Botschaft in Berlin gestohlene Chiffriercode fei der Sowjetbotschaft in Paris vor einigen Monaten für 5000 Dollar angeboten worden. Der Betreffende sei von einem gewissen Fannowitsch empfangen worden, der der Tscheka angehört. Jannowitsch erklärte, er müsse den Code erst prüfen, ließ den Besucher 1* Stunden warten und photographierte während dieser Zeit den ganzen Schlüssel Seite für Seite. Er gab ihn dann zurück mit der Bemerkung, daß er ihn nicht für authentisch halte. Der ehemalige Sowjetbotschaftsrat Bessedowsky er- klarte, er wisse, daß der Chiffreur der Sowjetbotschaft bereits seit einiger Zeit alle durch die russischen Agenten abgefangenen Depeschen entziffere. Die Sowjetbotschaft hätte sich übrigens im Juni auch den vom englischen Kolonialamt benützten Geheimcode verschafft. Die Landtagswahlen in Baden. 3m Spiegel der Berliner presse. D e r 1 i n, 29. Oft. Der „CB o r to ä r t 8 ‘ schreibt zu den Wahlen in Baden: Hitler trifft Hugenberg. Das ist das hervorstechendste Ergebnis der badischen Wahl. Unter den Fittichen der Inflations- begehrenspolitik haben sich die Hitlerleute ausgebreitet. Ihrer maßlos hetzerischen Agitation waren die Deutschnationalen nicht gewachsen. Die Deutschnationale Dolkspartei hat die Quittung für den Hugenbergkurs, Hugenberg hat die Wähler den Rationalfozialisten zugetrieben. Im „Berliner Tageblatt" heißt es: Das Charakteristische des badischen Wahlresultates: Die Koalitionsparteien, Demokraten, Sozialdemokraten und Zentrum, die schon im alten Landtag Zweidrittel der Sitze _ inne hatten, verfügen auch jetzt wieder über eine sichere regierungsfähige Mehrheit. Das badische Volk hat sich damit unzweideutig für die Weiterführung des bisherigen in mehr als zehn Jahren bewährten Regierungskurses entschieden. Die Regierungsbildung dürfte trotz gegenteiliger Prophezeiungen von sozialdemokratischer Seite nicht schwer fallen. Vielleicht, daß jetzt auch die Volkspartei ihre fruchtlose Oppositionshaltung aufgibt und über die Weimarer Koalition hinaus die Große Koalition ermöglicht. Unbedingt erforderlich ist die Bekehrung dieser Partei zu positiver Mitarbeit für die Regierungsbildung nicht. Aehnlich äußert sich die „Germania": Das badische Tolk hat mit der gestrigen Landtaaswahl ein neues klares Bekenntnis zu dem bisherigen Regierungskurse abgelegt. Don den Koalitions- Parteien hat erfreulicherweise die Zentrumspartei am weitaus besten abgeschnitten. Innerhalb der Regierungskoalition hat das Zentrum seine Position nicht unwesentlich verstärkt. Und das, obwohl die In- teressengruppen wie die Wirtschaftspartei. sowie der Bauernbund nicht unwesentlich an Stimmen gewonnen haben. Jedenfalls sind die badischen Wahlen ein Beweis dafür, daß nach wie vor trotz Hugenberg und trotz Volksbegehrens die überwältigende Mehrheit des Volkes zu einer vernünftigen, zielsicheren und ausgleichenden Politik steht. Diese wahltechnisch bestärkte Erkenntnis wird aller Voraussicht nach auf die Reichspolitik zurückwirken. Heber die Aussichten, die das Wahlergebnis für die Regierungsbildung eröffnet, sagt die „D. A. Z.": Unter ‘Beteiligung von Zentrum, Dolkspartei, Demokraten, Wirtschaftspartei, Evangelischer Volksdienst und Bauernpartei mit zusammen 56 Sitzen wäre auch ein Kabinett der Mitte möglich, doch glauben wir nicht, daß das Zentrum angesichts des Umstandes, daß in der badischen Sozialdemokratie die schärfere Richtung immer mehr an Boden gewinnt, geneigt sein würde, den bisherigen Partner von der Verantwortlichkeit zu entbinden. Der „L o k a l a n z e i g e r" spricht von einem Erfolge der Rechten und sagt: Den Hauptgewinn hat ohne Zweifel die Rechte geholt. Wenn auch die DeutschnationalePartei, die bei den letzten Wahlen zusammen mit dem Landbund als sog. Rechtsblock nun Sitze erhielt, durch die beklagenswerte Zersplitterung auf dcb Rechten an Stimmen abgeben mußte, so ist die Rechte insgesamt vor allem durch den in dieser Höhe überraschenden Gewinn der Rationalfozialistenstärker angewachsen als die übrigen Gruppen. Die Rechtsopposition verfügt über sieben Sitze mehr als bisher, immerhin eine sehr beachtliche Veränderung. Die „Kreuzzeitung" macht folgende Feststellung: Während die Deutsche Volkspartei und die Demokratische Partei ihren Besitzstand in der Hauptsache wahren konnten, hat die Deutschnationale Dolkspartei eine nicht unerhebliche Stimmen einbube und damit auch einen Rückgang ihrer Sitze aufzuweisen. Ein nicht unerheblicher Teil früherer deutschnationaler Wähler ist zum Evangelischen Volksdienst und zur Rationalsozialistischen Arbeiterpartei und in einigen Landbezirken auch zum Badischen Bauernbund abgeschwenkt. — In der „Deu tschen Zeitung" wird gesagt: Das Kräfteverhältnis zwischen Koalition und Opposition dürste das alte bleiben. Die Schuld daran trägt wiederum — neben der Zersplitterung im antimarxistischen Lager — die bürgerliche Wahlfaulheit. Trotzdem ist die politische Lehre dieser Wahl für die politische Gesamtentwicklung durchaus erfreulich. Alles in allem und grundsätzlich betrachtet: Kein republikanischer Erfolg! Ein Rückgang der Marxisten. Ein stolzer Erfolg des durch die Rationalsozialisten vertretenen nationalen Freiheitsgedankens. Reue Feststellungen in her Bombenaffäre. Tic Verfertiger der Höllenmaschinen. Berlin, 28. Oft. (WB.) Wie bas £anbesfrimt- nalamt Berlin mitleilt, sind in harnburg-Altona der 23jährige Kunstmaler Herbert Schmidt und der 22jährige Kaufmann Erwin Kaphengst fef,genommen worden. Herbert Schmidt ist geständig, mit dem zur Zeit fluchtigen Elektrolechniker Alfred Kaphengst, zuletzt in Allona-Olhmarschen wohnhaft, die bei den beiden Anschlägen in Schleswig-Holstein verwendeten Sprengkörper mit Zeilziin- dung angefertigl und außerdem den A n - schlag auf das£andralsamt inRiebühl mit Kaphengst durchgeführt zu haben. Der an Ort und Stelle weilende Untersuchungsrichter, £and- gcrichtsdirektor Dr. Masur ist zur Zeit mit der Rachprüfung der Vorgänge zur Entscheidung über Erlaß eines Haftbefehls beschäftigt. Württemberg und das Reich. Konflikt nm die Besetzung des württcmbcrgischcn Landesfinanzamtes. Stuttgart, 28. Okt. (Privatrnoldung.) Die Besetzung der Präsidentenstelle deS württernbergischen Landesfinanzamtes durch den bisherigen Präsidenten des Landesfinanzamtes Schleswig-Holstein Peiffer wird in der württernbergischen Presse scharf kritisiert, wobei u. a. ausgeführt wird, die württembergische Regierung habe im Verlaufe langer Verhandlungen die Besetzung der Stelle durch e inen württernbergischen Fachmann verlangt. Der württembergische Staatspräsident habe in dieser Angelegenheit in Dühler- höhe eine Besprechung mit dem Reichskanzler gehabt, der sich anscheinend den toürt- tembergischen Wünschen nicht verschlossen habe. Am letzten Freitag habe der württembergische Gesandte in Berlin eine neueKandidaten- liste überreicht und eine Besprechung zwischen dem württernbergischen Staatspräsidenten und dem Reichskanzler für Montag vereinbart. Schon Donnerstag aber habe das Reichsministerium seine Entscheidung getroffen, sie der württernbergischen Regierung jedoch erst am Samstag mitgeteilt. Die bürgerlichen Blätter behandeln ohne Unterschied der Partei die Ernennung mit scharfer Kritik, die sich indessen nicht gegen die Person des Präsidenten Peiffer richtet. Cs finden sich in den Blättern Ausdrücke, wie „starke Herausforderung und Brüskierung", „Affront", „Schlag ins Gesicht", „Württemberg als eine Berliner Satrapie", ja sogar die Behauptung, daß solche Methoden der Eeheimratwillkürherrschaft des Staatssekretärs Popih die Idee des Einheitsstaates mit herausfordernder Brutalität ersticken. Keine Jristoeriängerung für das Volksbegehren. Berlin, 28. Oft. (WTB.) Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren hat beim Reichsminister des Innern den Antrag gestellt, die Eintragungsfrist für das Volksbegehren zu verlängern. Der Reichsminister des Innern hat keinen Anlaß gesehen, dem Anträge des Reichsausschusses zu ent* sprechen. Laut „Lokalanzeiger" ist von den Deutschnatio- Tuilen beabsichtigt, parlamentarische Ua- tersuchungsausschüsse -ur Aufdeckung von Verstößen gegen Gesetz und Verfassung zu beantragen, die bei der Durchführung des Volksbegehrens von den Regierungen und den verschiedensten Dienststellen begangen worden seien. Die Untersuchung werde sich nicht nur auf die angeblich widerrechtlichen Verbote und Behinderungen erstrecken, sondern auch auf behauptete Unregelmäßig feiten bei der Auslegung und Führung der Einzeichnungslisten. Oie Sklareks im Gefängnis. Entlastung des Verteidigers. Berlin, 28.Okt. (WB.) In der Angelegenheit Sklarek ist dieser Tage, da der Verdacht entstanden war, daß zwei von einem Beschuldigten überreichte Urkunden aus dem Jahre 1927 wahrscheinlich erst im Gefängnis heryestellt worden seien, eine gründliche sachverständige Untersuchung sämtlicher den Sklareks im Gefängnis unter Umständen erreichbarer Schreibmaterialien erfolgt. Der Verteidiger der Sklareks, Rechtsanwalt Punge, hatte zur Ermöglichung dieser Prüfung seinen Füllfederhalter freiwillig ausgeliefert, jedoch ist, wie sich ergeben hat, die Tinte dieses Halters nicht dieselbe wie die zur Abfassung der Dokumente benutzte. Die chemische Untersuchung der von Rechtsanwalt Punge seinerzeit ohne Wissen der Gefängnisverwaltung mitgebrachten Gegenstände hat nach Mitteilung der Justizpressestelle nichts für den Verteidiger Be° l a st e n d e s ergeben. Bei Bürgermeister Scholz fand eine Besprechung statt, die sich mit der Forderung des Oberpräsidenten wegen der Abberufung der Stadtverordneten Bunge, Müllmann (SPD.) und R o • senthal (Demokrat) aus dem Kreditaus - schuß der Stadtbank beschäftigte. Die drei Stadtverordneten erklärten: „Für uns liegt feine Veranlassung vor, das uns von der Stadtverordnetenversammlung übertragene Amt niederzulegen. Wir haben nach bestem Wissen und Ge- wi'sen unsere Pflicht getan und immer im Einverständnis mit dem gesamten Kreditausschuß gehandelt. Wir wünschen, daß die Stadtverordneten- Versammlung über die gestellte Forderung unseres Ausscheidens aus dem Kreditausschuß die Entschei- düng fällen soll." Finanznot und Versorgungsetat. Kein Geld für die Kapitalabfindungen der Kriegsbefchädigten. Berlin, 28. Oft. (V.D.Z.) 3m Reichs- tagsausschuh für Kriegsbeschädig- tenf ragen sollten Sparmaßnahmen im Versorgungsetat besprochen werden. Aus Ausführungen von Vertretern des Reichsarbeitsministeriums und des Reichsfinanzministeriums ergab sich, daß die katastrophale Kassenlage des Reiches jetzt schon zu einer Sparmaßnahme gezwungen habe, die von den Ministerien selbst für bedenklich gehalten wird. Die Zahl der rentenberechtigten Kriegsbeschädigten sei von 775 000 auf 814 000 gestiegen. Das Reichsfinanzministerium sei aber infolge der schlechten Kassenlage nicht imstande gewesen, die Anforderungen des Reichsarbeitsministeriums zu erfüllen. Darum habe das Arbeitsministerium zunächst diejenigen Auszahlungen sperren müssen, auf die kein Rechtsanspruch vorlag (die Kapitalabsin- Lungen), obwohl diese Auszahlungen schon zum Teil bewilligt waren. Die Reichsversorgungsbehörde sei in manchen Fällen genötigt gewesen, die Hilfe der Länder und Gemeinden in Anspruch zu nehmen. Das Reichsfinanzministerium habe nach und nach 30Millionenflüssig machen können, aber auch dieser Betrag reiche nicht a u s, um die Mehranforderungen zu erfüllen, die Gießener Stadttheater. Bafferrnann-GastfPiel: „Herr Lamberthier". Man hat nun also hier in Gießen den Schauspieler auf der Bühne gesehen, welcher den Iffland-Ring trägt. Wer den 3ffland-Ring trägt, ist auserwählt, die erlauchteste Tradition in Deutschland fortzuführen, das Erbe der Haase, Döring, Devrient schöpferisch zu verwalten. Es ist nicht leicht, heute noch, wenn man den mehr als sechzigjährigen Bassermann wieder gesehen hat, jene Anekdoten mit feinem (Kamen in Verbindung zu bringen, die aus der Anfängerzeit über ihn im Schwange sind. Wie er z. B. mit einer seiner ersten Rollen — es war wohl der 3ago bei Shakespeare — einen stürmischen Heiterkeitserfolg erzielte; einer seiner damaligen Direktoren soll von ihm gesagt haben: Iott, Kinder, der tleene Bassermann — een Talent. Aber bet Organ — eenfach scheußlich! • Richt leicht vorzustellen heute, aber man versteht, wie ungeheuer schwer dieser Schauspieler es gehabt haben muh, sich durchzusetzen und sich hochzukämpfen bis zu diesem Gipfel. Denn noch heute merkt man von der ersten Szene an, daß er kein Blender ist noch je gewesen sein kann, keiner, der, wie Moissi etwa, ein ganzes Parkett einfach mit der Melodie feiner Stimme in Atem halten konnte — von der schauspielerischen Leistung nicht zu reden. • Das Stück ist von Louis Verneuil — drei Akte und nur zwei Personen. Man hat in anderen Städten, wo Bassermann jetzt gastierte, bedauert, daß er sich ausgerechnet dieses Stück ausgesucht habe - diesen Reißer. Möglich, daß es em Reißer ist. Jedenfalls ist es von Verneuil — der bisher harmlos-amüsante Lustspiele schrieb, mit Bett, und ohne Bett — das beste, das wir kennen. Wir hätten Bassermann auch lieber in einem anderen Stück gesehen, bei Ibsen etwa, als Hellmer. Ober als Wallenstein gar, ober als Eg- mont. Aber wenn man sich genügend darüber aufgeregt hat, daß er hier einen Reißer spielt, sollte man einen Augenblick darüber nachden- ken, wer heute bei uns in Deutschlanb — abgesehen von Kaiser! — so ein Stück,... ein Stück so zu schreiben vermag. Bassermann hat ja bte Wahl. Er kann sich ja aussuchen, was er spielen will. Hnb er spielt ja, wie seine Tewunderec lagen» alles, einfach alles. sich aus der Steigerung der Zahl der KriegS- beschäbigten ergeben. Von Den Vertretern aller Parteien wurde betont, die berechtigten Ansprüche der Kriegsbeschädigten mühten unter allen Umständen erfüllt werden. Es fei bedauerlich, daß die schlechte Finanzlage zu allzu weitgehenden Sparmaßnahmen geführt habe, aber die Kriegsbeschädigten Dürften auf keinen Fall unter dem Ressortstreit zwischen Arbeitsministerium und Fi- nanzministerium leiden. Don den Vertretern des Reichsfinanzministeriums und des Reichsarbeitsministeriums wurde erfiärt, daß die Versorgungsbehorden schon in den nächsten Wochen in der Lage sein würden, alle restlichen Verpflichtungen, auch auf Dem Gebiete der Kapitalabfindung, einzulösen. Ob und in welchem Ilmfange etwa neue Ka- pitalabsindungen bewilligt werden könnten, hänge allerdings völlig von der Gestaltung eines Nach» tragsetats ab. Alsdann wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen:Der AusZum Ableben -es Fürsten Bülow. Des Deutschen Reiches Kanzler. Mit dem Hinfcheiden des Fürsten Bülow ist der letzte deutsche Reichskanzler der Vorkriegszeit gestorben. Auch die Kanzler, die Deutfchlarrds Politik während des Krieges betraut haben, sind nicht mehr alle am Leben. Dethmann-Hollweg und Graf Hert- l i n g, der damals schon als ein alter und leidender Mann zwischen Michaelis und dem Prinzen Max von Baden die Reichsgeschäfte führte, weilen nicht mehr unter Den Lebenden. Auch aus der Rachkriegszeit sind schon zwei deutsche Reichskanzler vom Tode ereilt worden. Zuletzt war es Stresemann und vor wenigen Jahren der süddeutsche Zentrumsführer Fehrenbach, der vom Sommer 1920 bis 1921 knapp ein Iahr als Vorgänger von Wirth das Reichskanzleramt innebatte. Von den deutschen Rachkriegsreichskanzlern ist Der Zentrumsabgeordnete Dr. Marx mit mehr als dreijähriger Dienstzeit wohl zweifellos der Amtsälteste. 1923/24 und dann noch einmal vom Sommer 1926 bis zum Sommer 1928 führte er die deutsche Reichsre^ierung. Dr. S t r e s e - mann hat als Reichscanzler nur etwas länger als ein Iahr amtiert, während es der ehemalige Essener Oberbürgermeister Dr. Luther immerhin auf V/2 Iahre brachte. Sehr kurz war die Amtszeit von Cuno, der im Winter 1922 die Führung übernahm und sie rund 9 Monate behielt. Auch die erste Amtsperiode des jetzigen Reichskanzlers Hermann Müller im Iahre 1920 war außerordentlich klein und hält mit nur 2Vz Monaten wohl den Rekord der kürzesten Reichskanzlerschaft, während feine zweite Amts- Periode nunmehr bald l1/* Iahr dauert. Auch Scheidemann, der als erster Reichskanzler oder wie es damals hieß, Reichsministerpräsident, nach der Periode der sogenannten Volksbeauftragten im Iahre 1919 die Führung der damaligen Regierung übernahm, hat mit rund vier Monaten eine sehr kurze Amtszeit zu verzeichnen. Don allen Parteien hat zweifellos das Zentrum mit beinahe 5V« Iahren am längsten den Reichskanzler gestellt, während die Sozia l- demokraten es bis jetzt auf nicht ganz drei Iahre brachten. Zn der Villa Malta. Rom, 28. Okt. (TU.) Die Aufbahrung der Leiche des Fürsten v.Bülow erfolgt am 31. Oktober in der Villa Malta. Anschließend findet eine schlichte Trauerte i e r statt; die lleberfübrung des Sarges von Rom nach Klein-Flo ttbeck bei Hamburg beginnt am 1. Rovember. Von den Verwandten des Verstorbenen sind zur Zeit anwesend: Die Witwe seines ältesten Bruders, geborene Gräfin von der Schulenburg und deren Tochter, Gräfin Waldersee, ferner feine Reffen, Gesandtschaftsrat Dankwarth v. Bülow von der deutschen Botschaft in Rom und Fürst v. Castelci- cala; Legationsrat Bernhard v. Bülow aus dem Auswärtigen Amt wird in den nächsten Tagen erwartet. In der Billa Malta find in den Vormittagsstunden bereits zahlreiche Beileidstelegramme eingegangen. Ferner haben Mitglieder der deutschen Kolonie und Der römischen Gesellschaft ihre Anteilnahme durch Eintragung in ein aufliegendes Buch zum Ausdruck gebracht. Der letzte Wille des verstorbenen Fürsten ist noch nicht bekanntgegeben. Die Presse bringt die Todesmeldung mit einer ausführlichen Lebensbeschreibung des Fürsten. Der „Piccolo" fügt hinzu: Sein ausgeglichener und fein gebildeter Geist haben ihm in seiner Heimat und im Auslande großes Ansehen verschafft. Oie Teilnahme des (Reichspräsidenten. DerReichskanzler an den Bruder desFürsten Berlin, 28. Okt. (TU.) Anläßlich des Ablebens des Fürsten Bülow hat Der Herr Reich s- Präsident Dem Bruder deS Verstorbenen in herzlichen Worten telegraphisch sein Beileid aus- gedrückt. — Der Reichskanzler hat an Herrn von Bülow das folgende Beileidstelegramm gerichtet: „Mit schmerzlichem Bedauern habe ich Die Rachricht von Dem Ableben Ihres Drmders, des Fürsten von Bülow, erhalten. Ich spreche Ihnen und Den übrigen Angehörigen zugleich i m (Kamen der Deichsregierung mein herzliches Beileid aus. Der Verstorbene hat das gesegnete Alter von mehr als 80 Iahren erreicht. Bereits in jungen Iahren in den diplomatischen Dienst des Reiches eingetreten, hat er bald auf verantwortungsvollem P ost e n unserer auswärtigen Vertretungen für Deutschland gewirkt, dann an Der Sp ihe des Auswärtigen Amtes die deutsche Außenpolitik betreut, bis er, im Iahre 1900 zum Reichskanzler berufen, d ie Politik des Reiches neun Iahre lang geleitet hat. Mit dem Fürsten Bülow ist ein Politiker aus dem Leben geschieden, dessen Arbeit die Geschichte würdigen wird, von dem aber schon heute festgestellt werden muh, daß er in heißem Bemühen stets feine ganze Kraft für das Wohl des Vaterlandes eingesetzt hat. Roch während des Weltkrieges trat ec aus dem wohlverdienten Ruhestand, um auf wichtigem Posten erneut das Interesse des Reiches wahrzunehmen. Ich weih, daß der Verstorbene volles Verständnis für die Schwierigkeiten hatte, unter denen in Der Rachkriegszeit die deutsche Politik zu arbeiten hat, daß er aber stets auch unerschütterlich an Deutschlands Zukunft glaubte." Bülows Memoiren. Berlin, 29.Okt. (Priv.-Del.) Fürst Bülow hat in den letzten Iahren seines Lebens an der Riederschrift feiner Lebenserinnerungen gearbeitet und hat gerade noch vor wenigen Wochen den letzten Band druckfertig in Verwahrung gegeben. Letztwillig ist bestimmt, daß frühestens ein Vierteljahr nach seinem Tode mit der Veröffentlichung begonnen werden darf. Der Wunsch des Fürsten, daß seine Memoiren zu feinen Lebzeiten ungedruckt blieben, ist aus Der Absicht hervor- | gegangen, von keiner persönlichen Rücksicht bei • der Riederschrift beeinflußt zu werden. Er wird es sich wohl überlegt haben. Und wenn man sich erinnert, daß er der bedeutendste Ibsen- Spieler ist, Den wir heute noch besitzen, Dann wird man vielleicht verstehen, warum er sich dieses Stück ausgesucht hat, das nach der unfehlbaren Art Ibsens gebaut ist. * Mag es tausendmal ein Reißer sein, es ist ein glänzendes Theaterstück. Es hat unerhörte Spannungen, und es hat bravouröse Rollen. Rur zwei. Aber in Den beiden ist beschlossen, was ein Schauspieler sich wünschen mag, aus ihnen ist alles herauszuholen, was ein Virtuose irgend entfalten kann. * Die Dritte Rolle spielt Das Telephon. InsTele- phon spricht, am anderen Ende, Herr Lamberthier, der Dem Stück Den Ramen gibt, Der es beherrscht in jedem Akt, in jeder Szene, fast in jedem Wort. Er ist Der große Unsichtbare im Kriminalstück, der verhängnisvolle Dritte im Ehest ück. Sein Schatten fällt, ungesehen, zwischen Die beiden auf Der Bühne; feine Stimme spricht mit, ungehört in jedem Gespräch Der beiden; sein Tod bricht, von ferne, von außen her, die Gemeinschaft der beiden auseinander. * Die beiden sind Maurice und Germaine. Sind Mann und Frau geworden, ein richtiges bürgerliches Ehepaar, nachdem Germaine zuvor ganz unbürgerlich, Maurices Geliebte war. Maurice aber war nicht der erste Freund, den sie hatte. Andere waren vor ihm in der Gnade. Einer von ihnen. Der letzte von ihnen, ist Herr Lamberthier gewesen. Gewesen? Ach, das ist hier Die Frage, an Der das Stück sich entzündet, an der es schwelend, glimmend, aufzüngelnd, wlld lodernd weiterglüht und weiterbrennt bis zum düsteren Ende. Gewesen — oder noch? Roch immer? Die ewige, peinigende Frage für Maurice. Maurice ist der Mann, der seine geliebte Frau und sich selber ins Verderben stürzt aus Liebe, der einen Mord begeht aus Eifersucht. Und Germaine ist die Frau, Die aus Liebe lügt, der aus jeder Luge eine neue Lüge erwächst, die selbst zu lügen bereit ist, sie habe den Mord begangen, den ihr Mann beging. * So ein Stück ist das. Man wird nicht verlangen, daß wir es in allen Einzelheiten hier wieder- erzählen. Man hat gesagt, daß es eine Qual sei, eine Rervensolter; man müsse sich auf etwas gefaßt machen, und man habe etwas auszuhalten. Aber man sollte gerecht sein und augeben, Daß man auf eine theatralisch und buhnentechnisch ausgezeichirete unD imponierende Weise auf Die Folter gespannt wird — langweilig und unanständig sein, dazu gehört fein Talent —, und man sollte sich auch erinnern, was man in gewissen Stücken von Ibsen und von Strindberg hat aushalten müssen. * Soll man den Eindruck über Bassermann zusammenfassen, so könnte dies vielleicht, ganz betoußt, am ehesten mit Dem einen Wort: Virtuosität, geschehen. Man begreift wiederum, auch wenn man vielleicht selber anders gewählt hätte, daß gerade er, aus erlauchten Händen, jenen Ring erhielt, mit dem gleichsam eine absolut anerkannte Meisterschaft besiegelt wird. • Man erlebt hier auch, daß er wirklich und ohne Einschränkung alles spielen kann. Selbst Dinge, die man ihm früher nicht zutraute. Es gibt Leute, welche sagen: Bassermann kann alles — nur keinen Liebhaber; da versagt er. Er versagte nicht. Er kann auch das. Er hat es, wenn es nötig gewesen wäre, gestern bewiesen. Vielleicht nur mit einigen Sätzen, mit ein paar un- zusammenhängenden, abgebrochenen Worten, Rein, mehr: er spielt ja diese ganze große Cisersuchtskatasirophe drei Akte hindurch im Grunde nur als Liebhaber — als was Denn sonst. Andere spielen ihre Liebesszenen mit Schwüren, Küssen lyrischen Tiraden, Ancetung und Kniefall. Er spielt sie hinter Der Maske, indirekt, transponiert, verdrängt, verzerrt — aber immer doch, in jeder Steigerung, jeder Stockung, jedem Ausbruch und jedem Schrei spürt man, wie diese ins Wahnwitzige sich überschlagende Manie aus dem Urgrund einer großen und tiefen Leidenschaft des Herzens hervorbricht. • Wir sahen Bassermann zuletzt in Frankfurt, in Schnitzlers „Einsamem Weg". Was Da durch vier Akte rein schauspielerisch gegeben wurde, war hier nach dem ersten Vorhang schon überboten. Was dort einen Abend lang unverständlich blieb, war hier nach ein paar Minuten klar: Der Grund für die Wahl des Stückes. Weil es alle Möglichkeiten der Entfaltung bietet, ein rechtes Kabinett-Stück für Virtuosen. Diese Rolle umspannt eine riesige Gefühlsskala, von der Zärtlichkeit bis zum Wutanfall, von Der Güte bis zum Iähzom, von kindlicher Weichheit und Hilfsbedürftigkeit bis zum männlichen Starrsinn — Ausdrucksmöglichkciten vom Lächeln bis zum heiseren Schrei, vom sorglosen Plauderton bis zur knirschenden Raserei, vom Trällern und Pfeifen bis zum stummen Schluchzen. Wan muß gesehen haben, tote Der erste, leise, flüchtige Verdacht in ihm aufsteigt, verscheucht wird, wieder Da ist, stärker wird, sich festsetzt, einnistet, einbohrt bis zur Gewißheit, bis zum erpreßten Geständnis. Man muß gesehen haben, schuß nimmt mit Befriedigung von Der Erklärung Der Reichsregierung Kenntnis, Daß die Dersor- gungsbehörden nunmehr in Die Lage gesetzt werden, alle rechtlichen Verpflichtungen — auch auf dem Gebiete der Kapitalabfindung — zu erfüllen. Der Ausschuß gibt der Erwartung Ausdruck, daß der Rächte a g S e t a t die Gewähr bietet, daß Die Versorgung im bisherigen Umfange aufrechterhalten wird, ein Abbau also nicht ftattfinöet Die Räumung der zweiten Zone. Koblenz, 28. Oft. (TU.) Das französische Oberkommando in Mainz hat dem Generalvertreter der Reichsvermögens-Derwaltung auf Anfrage mitgeteilt, daß der Abtransport der zur Zeit noch in der zweiten Desetzungszone stehenden Truppenteile usw. in nachstehender Reihenfolge vor sich gehen werde. Es werden zurückgezogen: aus Koblenz die Derwaltungs- dienststellen, Soldatenheime, Offizierkasino ujw. des 30. Armeekorps und Der 38. Infanterie-Division in der Zeit vom 22. bis 31. Oktober 1929, die Stäbe des 30. Armeekorps und der 38. Infanterie- Division, sowie des Rest des 39. Artillerie- Regiments in der Zeit vom 4. bis 9. Rovember 1929, das von dem Infanterie-Regiment Ar. 23 zurückgelassene Wachbataillon für die Rheinland- kommission bis 30. Rovember 1929. Aus Düren und Euskirchen werden zurückgezogen das 15., 17. und 30. Alpenjäger-Bataillon in der Zeit vom 27. Oktober bis etwa 25. November 1929. Die Gendarmerie-Stationen in Düren, Euskirchen, Rheinbach, Koblenz, (Ahrweiler, Cochem, Mainz, Andernach, Reuwied Boppard, Oberlahnstein und Montabaur werden b i s 2 5. R o vembe r 1 9 2 9 aufgehoben. Die Uebergabe-KommandoS werden bis 3 0. Rovember 1929 abgerückt fein. Die vorstehende Meldung läßt erkennen, daß die zweite Desetzungszone am 3 0. Rovember d. I. endgültig von den französischen Truppen geräumt sein wird. Allerdings trägt Die zweite Besetzungszone nach den Beschlüsien bet Haager Konferenz den Charakter der Besetzung bis 8 um 15. Dezember. Der Kreis Lülich geräumt Iülich, 28. Oft (WB.) Heute früh verließen zusammen mit der Gendarmerie die belgischen Pioniere als letzte Desatzungstruppen Iülich. Die Truppen zogen mit Musik zur Dahn, wo sie nach Aachen verladen wurden. Rur zwei Offiziere sind noch zurückgeblieben zur Uevergabe Der Kaserne. Mit Der Stadt Iülich ist der ganze Kreis Iülich freigetoorbex Am 13.Rovember soll eine große Defreiungsseier veranstaltet werden. Oer Kampf des polnischen Westmarkenvereins. Gegen die deutsche Kultur. Kattowitz, 28. Okt. (T.U.) Auf Der Generalversammlung des polnischen West- markenvereins sprach u. a. Der Wojwode Graczynski, der sich seiner Verdienste im Kampf gegen das Deutschtum rühmte. Unter Hinweis auf die Bedeutung der Woiwodschaft Schlesien für die nationale Großmacht Polen behauptete er, daß der westliche Rach- bar seine Hände nach Pommerellen und Schlesien aus st recke. Dank der aufopferungsvollen Arbeit des Verbandes habe man nicht nur die Angriffe auf die polnische Seele des Volkes abgewehrt, sondern die Plattform für diesen Angriff beseitigt durch den vollen Sieg im Kampf um d ie Seele des polnischen Kindes. — In mehreren Entschließungen wurde u. a. gefordert, wie dieser Maurice seiner Geliebten Wort um Wort ihre Lüge abringt, ihr Geheimnis enthüllt, ihre Deichte ertrotzt. Wie es in ihm arbeitet, wie er weiter denkt und weiter verdächtigt, wie er sich verrät, selber gesteht, sich beruhigt und betäuben will und gleich wieder hoch gejagt wird vom Wirbel wirrer Empfindungen, wie er keinen Ausweg mehr weiß und zum Geständnis davon- stürzt —: virtuos. Wir brauchten das Wort mit Bedacht, nicht nur zur Kennzeichnung des Schauspielers, sondern auch auf die Auswirkung auf den Zuschauer bezogen: man bewundert Die Leistung — aber man wird gefühlsmäßig nicht von ihr überrumpelt, man vergißt das Theater nicht, man erlebt theatralische Gestaltung in letzter Steigerung — aber sie bringt nicht bis ans Herz. Man verläßt das Theater, ohne „ergriffen“ zu fein. Bassermann spielt nicht — oder nur ganz selten — ohne seine Frau. Wir sahen sie mehrfach, aber nie so gut wie hier, so als Gefährtin und Schülerin des Gatten, so verbunden mit ihm und so gewachsen an seiner großen Leistung. Und vielleicht hätte auch keine andere Rolle, als eben diese Germaine, so alle Möglichkeiten in ihr entfalten und ihr dieses Format geben können, das sie in manchen Szenen ganz ebenbürtig neben dem berühmten Gemahl stehen läßt. — Spielleitung: Ludwig Mayr; wir begnügen uns mit der Feststellung. Die Leistung der Regie ist in einem Falle wie diesem hier kaum kritisch abzuschähen. — Im Personenverzeichnis ist ein Fehler unterlaufen, der Verwirrung stiften konnte: statt „Herr Lamberthier" muß es „Maurice" heißen. — Uebrigens wurde ohne Souffleur gespielt. Das Haus war ausverkauft. Dr. Th. Lochschulnachrichten. Der durch den Weggang des Prof. W. Schade- waldt an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der klassischen Philologie ist Dem PrivatDozenten Dr. Harald Fuchs in Der- l i n angeboten worden. Der Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Greifswalder Universität (an Stelle von E. Lommatzsch) ist Dem PrivatDozenten Dr. Eduard von Ian in Würzburg angeboten worden. Der Privat- Dvzent in Der Berliner Juristischen Fakultät Gerichtsassessor Dr.Jur. et phil Gerhard 2etb- hvlz hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Staatsrecht in Greifswald als Nachfolger von Pros. G. Holstein erhalten. OSRAM PW Nordoyarf ThÖC O'Stovr &Corum Montaa. 28:0Kt0D. 1929 7h aDdS. feinet m not, ihr Sehcminls enthM, Wie es in ihm arbeitet, iö weiter verdächtigt, tote« sssffi- r?K«Kr D.ZH 1 t,n »bw 1,0 Nicht Ä* ec itoeiten jSÄ ■ tn8 die tuL?^ ltnC-^hit[nKNhlW er 38 i; 7lntl ’iito L LLWtz Lr-LW °»=i* 19y S”*™». ÄLLZL Mte' < EL-r tnS9^ °&en- Die tonlwn big 30. >"nckt «kmen.benieä ^vvembertz.J° ? tolJx ^lEngz trägt die m Lkn? Massen der -n Charakter der b- Dezember, Jülich geräumt, (DD.) Heute früh beider Gendarmerie bie bei* ? °ls letzte Desat* uuch-.Die Truppen zogen tvo sie nach Aachen der* zwei Offiziere sind noch -vergäbe der Kaserne. Wit er ganze Kreis 3ü* ■l Am 13. Dovember soll Mer veranstaltet werden. des polnischen lenvereins. deutsche Kultur. Ott (T.U.) Aus der Se* >es polnischen West* sprach u. d bet Dojwode sich seiner Verdienste im Deutschtum rühmte, linier 'eutung der Wo/Wodschalt ionale Srohmacht -loten der westliche Aach* nach 'HvwmereUen sstreäe. Dan! der aus* t des Derbandcs habe man griffe aus bie pol* Lölkes obgrwchrt. sondern esen Angriss beseitigt durch , im Kamps um bte ischen Kindes. - 3« tgcn wurde u. a. gesordert, ^ÄÄetrmB. :cn“ zu lem’ .,l __ oder nur M nl(W sahen He* tflU\? \o oB Scsahrlm Wie h'-^> inscn mit chni ttenjo v^bu^ ^ung. i seiner. SE" Me. auch Möglichkeiten in ne, so alle wog^ )ieses Sorma^e6enbürtid läßt. - ,n Gemahl R wit begnügen MW 9 Dr-Th- ausverkoust. Schade- !- SS' l < IM daß das Verhältnis der polnischen Behörden zur deutschen Minderheit sich nach dem Verhalten der deutschen Behörden zur polnischen in Deutsch-Schlesien richten müsse. Sn erster Linie müsse der Deutsche Bolksbund verschwinden. Weiter wurde zu einem Boykott der deutschen Zeitungen aufge- fordert. Die Hamen der deutschen Zeitungs- abonnenten sollen veröffentlicht werden. Schließlich wurde nochmals gegen die deutschen Aufschriften in den Kinos protestiert. Oie Wahlen in der Tschechoslowakei. DaS Ergebnis des ersten Wahlganges. Prag. 28. Oft. (Privatmeldung.) Auf Grund der vorläufigen amtlichen Wahlergebnisse werden morgen im ersten Wahlgang von den 300 zu besetzenden Mandaten für das Abgeordnetenhaus 187 besetzt werden. Bach diesem vorläufigen Wahlergebnis wären folgende Verschiebungen im Bestand der Parteien zu verzeichnen: Die bürgerlichem Parteien haben im großen und ganzen ihre Stellungen behauptet. Die tschechische Agrarpartei ist sogar von 1 Million auf 1 100 000 Stimmen gestiegen. Dagegen verzeichnen einen Stimmenrückgang die Slowakische Volkspartei Hlinka und teilweise auch die katholische Volrspar - t e t des Ministers S ch r a m e k. Eine starke Kräfteverschiebung fand unter den s o - zialistischen Linksparteien statt. Die Kommunisten erlitten sehr starke Verluste, dagegen haben die beiden sozialdemokratischen Parteien, die deutsche und die tschechische, sowie endlich die tschechoslowakischen A a t i o n al s o z i a l ist en einen starken Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Aach den bis heute vormittag vorliegenden Ergebnissen des ersten Wahlganges aus 22 von 23 Wahlkreisen (es fehlt lediglich der Llzhoroder Wahlkreis) erlangten Mandate: die Kommunisten 16, die ungarischen Christlich-Sozialem 6, die Deutsche Wahlgemeinschaft 8, die deutschen Sozialdemokraten 14, die polnisch-jüdischen Parteien 1, die Deutsche Nationalpartei 3, die tschechoslowakischen Aationalsozialisten 22, die tschechoslowakischen Sozialdemokraten 30, die Liga gegen die verbundenen Listen 2. die tschechoslowakischen Aational- demokraten 4, die Tschechoslowakische Volkspartei 18. die Republikaner 33, die deutschen Christlich-Sozialen 6. die Gruppe Hlinka der Elowaki- sc^n Volkspartei 13 (ihr Spitzenkandidat Tuka ist im Kaschauer Wahllrcis nicht durchgedrungen), die Gruppe Suriga der Slowakischen Volkspartei 0, die deutschen Aationalsozialisten 4, die tschechoslowakische Gewerbepartcr 2. Ministerpräsident äldrzal überreichte gestern im Hinblick auf die Aeuwahlen erwartungsgemäß dem Präsidenten der Republik in einem Schreiben die Demission des Kabinetts. Der Präsident der Republik hat die Demission angenommen und Ministerpräsident Lldrzal und die übrigen Ressortminister mit der Fortführung der Regierungsgeschäfte betraut, solange die neue Regierung noch nicht gebildet ist. Oer 9. November in Sachsen. Dresden, 29. Oft ($11.) Sm Rechts- ausschuß des Sächsischen Landtages wurde am Montag die Regierungsvorlage auf Aufhebung des 9. Aovember als gesetzlichen Feiertag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die Anträge der Deutschnationalen und der Aationalsozialisten. außer dem 9. Aovember auch den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag fallen zu lassen, wurden abgelehnt. Ein demokratischer Antrag, wonach die Reichsregierung ersucht werden soll, unter Aufhebung der Ausnahmelandesfeiertage einen einheitlichen Aationalfeiertag einzurichten, wurde mit den Stimmen der Deutschnationalen abgelehnt. Unsicherheit in Jerusalem. Serusalem, 28. Oft. ($11.) Die allgemeine Unsicherheit und Erregung in Serusalem hat neuerdings wieder zugenommen. Mehrere jüdische Geschäfte wurden von Arabern übet* fallen und geplündert. Sn einem Geschäft wurde die Kasse ihres Snhalts beraubt. Man befürchtet, daß es am 2. Aovember, dem Sahrestag der Balfour-Erklärung, zu Kundgebungen kommen werde. Sn Saffa haben die Araber die Abschaffung der elektrischen Straßenbeleuchtung verlangt, da die arabischen Lampenanzünder keine Arbeit mehr finden können. Der arabische Vollzugsausschuß hat den Generalstreik in Saffa beschlossen. Sn Serusalem sind kürzlich zwei Araber, die während der letzten Unruhen einen Süden erschossen hatten, zum Tode verurteilt worden. Zwei weitere Araber wurden zu je zehn Sahren Zuchthaus verurteilt. Sn jüdischen Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 29. Oktober 1929. Vernünftiges Sparen. Am 30. Oktober wird auch in diesem Scchre in Deutschland, ebenso wie in fast allen Ländern der Welt, wiederum der Weltspartag begangen. Cs geht zurück auf einen Beschluß des Sntcrnatiomucn Sparkassenkongresses im Sah re 1924, der damit bezweckte, einen Tag im Sahr zu schaffen, der ganz besonders der Förderung und Ausbreitung des Spargedankens gewidmet sein soll. Die Spareinlagen bei den öffentlichen Sparkassen sind von Weltspartag zu Weltspartag wie folgt gestiegen: von 1925 bis 1926 von 1475 Millionen auf 2832 Millionen, im folgenden Sahre auf 4444 Millionen und von Oktober 1927 bis Oktober 1928 auf 6776 Millionen Reichsmark. Ende August 1929 beliefen sie sich auf 8,5 Milliarden Reichsmark. Die Entwicklung der Sparkonten im gleichen Zeitraum zeigt ein ähnliche- Bild. Sie sind seit dem Sahre 1924 in ständigem Aufstieg von 1.8 Mill, auf etwa 12 Mill, in ter Gegenwart angewachsen. Während 1224 knapp drei Sparbücher auf je 100 Einwohner der Bevölkerung (in Preußen) entfielen, sind es in der Gegenwart bereits wieder über 20, so daß etwa auf jeden 5. Einwohner ein Sparbuch entfällt. Rein ziffernmäßig gesehen, ist auch die Zeit seit dem letzten Weltspartag 1293 für das Sparen günstig gewesen. Wenn von manchen Seiten die in diesen Zahlen sich ausdrückende Spar- fähigkeit in Deutschland skeptisch betrachtet wird, so muß demgegenüber gesagt werden, daß dieser sich verhältnismäßig schnell vollziehende Wiederaufbau des deutschen Sparkapitals sich aus dem Bestreben erklärt, gerade bei der heutigen Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse auf alle Fälle eine Rücklage zu schaffen. Sn weiten Kreisen der Bevölkerung hat zudem der recht verstandene Spargedanfe in seinem weitesten Sinne, nämlich ine planmäßige und umsichtige Bewirtschaftung des Einfon,mens, unter dem Druck der Verhältnisse viel stärker Fuß gefaßt als in der Vorkriegszeit. Wir müssen heute in Deutschland alles vermeiden, was irgendwie den Spargedanken und damit auch die Kapitalbildung stört oder beeinträchtigt. Die gesamte Wirtschaft leidet nach wie vor unter einem starken Kreditmangel, der nur behoben werden kann durch steigende Sparkapitalbildung im Snland. Auf keinem Gebiete des Wirtschaftslebens fällt wohl das Sntereffe des einzelnen Menschen so offensichtlich mit dem der Allgemeinheit zusammen, wie beim Sparen. Für den einzelnen bedeutet Sparen Sicherung gegen alle Wechselfälle, Fortschritt und Aufstieg. Die Allgemeinheit ist andererseits — und gerade heute mehr denn je — auf die Sparkapitalien angewiesen. Als Beispiel sei nur auf den Wohnungsbau hingewiesen. Hier haben sich die Sparkassen, bei denen die Sparbeträge aus unzähligen kleinen Kanälen zusammenfließen, als die zuverlässigste Finanzierungsquelle schon seit Sahren erwiesen. Daß auch der Weltspartag 1929 dem vernünftigen Sparen neue Freunde zuführen möge, liegt im Sntereffe jedes Einzelnen und der Allgemeinheit. Taten für Mittwoch 3v. Oktober (Sonnenaufgang 6.48 Uhr, Sonnenuntergang 16.38 Uhr — Mondaufgang 4.03 Uhr, Monduntergang 16.05 Uhr. 1910: Henri Dumont, der Begründer des Roten Kreuzes zu Heiden in der Schweiz gestorben: — 1923: der englische Politiker Sonar Law in London gestorben. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Maite 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 10 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Römifchkohl 10 bis 12, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15. Meerrettich 50 bis 80. Schwarzwurzeln 40 bis 50, Kürbis 5 bis 8, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 41/z bis 5 Pf., Aepfel 10 bis 15. Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35. Preiselbeeren 40 bis 45, Pfirsiche 40 bis 50, Zwetschen 10 bis 15, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 120, Aüsse 50 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben 70 bis 90. Eier 17, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 20 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf.: Kartoffeln 3,50 bis 4 Mk., Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, Aepfel 8 bis 12, Birnen 8 bis 10 Mk. der Zentner. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater: „Der arme Heinrich", 19.30 bis 22 Uhr. — Vortrag „Neues aus den Missionsgemeinden in Afrika und Borneo", 20 Uhr, in der Stadtkirche. — Volkshochschule: Musikalischer Volkskunstabend, 20 Uhr, Neue Aula. — Experirnental-Vortraa des Hell* sehers Erik Jan Hanussen, 20 Uhr, Cafe Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Carmen von St. Pauli" und „Das Girl von der Revue". — Astoria-Lichtlnielc: „§ 182 Minderjährig" und,Lhr großer Reinfall" — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Vorstellung „Der arme Heinrich" beginnt um 19.30 Uhr. — Morgen: „Die Frau, die jeder sucht" (Hirschfeld), Beginn 20 Uhr. — Frei* tag, 1. November: „Vosanlasena". — Sonntag, 3. No. vember: .Hochzeitsreise". — In Vorbereitung: „Robert Guiskard" (Kleist). „Demetrius" (Schiller). — Der Zentralverband der Angestellten veranstaltet am 30. Oktober, 20.30 Uhr, im Gewerkschaftshaus einen Lichtbilderoortrag „Wanderungen im Teutoburger Wald". (Siehe heutige Anzeige.) — „Ser elektrische Herd und seine zweckmäßige Verwendung" ist das Thema eines vom städtischen Elektrizitätswerk Gießen am 31. Oktober, 20 Uhr, im Saale des Cafö Leib veranstalteten Vortrages. Der Vortrag ist verbunden mit praktischen Kochvorführungen und Gratisverteilung von Kostproben. Von sachkundiger Hand werden ganze Mahlzeiten gekocht und Kuchen gebacken. •* Außerkurssetzung der Fünfzig- Renten, und Reichspfennig st ücke aus Aluminiumbronze. Auf Grund des § 14 Absatz 1 Ziffer 1 des Münzgesetzes hat der Reichs- finangminifter mit Zustimmung des Reichsrats die Fünfzig-Renten- und Reichspfennigstücke aus Alu- miniumbronze zum 1. Dezember 1929 außer Kurs gesetzt. Die Einlösungsfrist läuft bis zum 30. November 1931. Die kurz vor Ablauf der Ein- lösuugsfrist bei den Reichs- und Landeskasien ein« gehenden Fünfzig-Renten- und Reichspfennigstücke aus Aluminiumbronze werden von der Reichsbank noch bis zum 31. Januar 1932 angenommen. (Es handelt sich hierbei um die sog. gelben Fünfziger. D. Red) ** Schulpersonalien. Ernannt wurden: die Lehrer Leonhard Grünewald zu Fauerbach v. d. H. (Kreis Friedberg), Otto S a k o b i zu Friedberg, Karl Klee zu Deckenbach (Kreis Alsfeld), Wilhelm Pilger zu Rendel (Kreis Friedberg), Heinrich Sang zu Heuchelheim (Kreis Gießen), Friedrich Strößinger zu Ober-Lais (Kreis Schotten), zu Lehrern an der Volksschule zu Darmstadt mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. ** (Ein Achtzigjähriger. Herr Melchior Wadenpfuhl, Ostanlage 19, begeht morgen in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Der alte Herr versieht heute noch die Kassierergeschäfte Jür mehrere Vereine. Rückkehr in die Garnison. Linser Bataillon weilt seit einiger Zeit auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf zum Winterschiehen. Morgen, Mittwoch, wird das DataiUon von dort wieder hierher zurückkehren. Die Ankunft in Gießen erfolgt um 19.25 Llhr. Der geschloffene Einmarsch des Bataillons geht durch die Frankfurter Straße, Südanlage, Gartenstraße, Lud- wigsplah, Kaiferallee und Licher Straße zur Kaserne. ** Kreislehrerkonferenz in Gießen. Morgen Mittwoch, findet in Gießen eine Kreislehrer- Versammlung statt. Universitätsprofesior Dr. R o - loff wird in einem Vortrag die Kriegsschuldfrage behandeln. Das Programm bringt ferner Mitteilungen über die Entwicklung des Schulwesens im Kreise Gießen. Weiter ist die Wahl der Lehrermitglieder des Kreisschulamts vorzunehmen. ** Volkshochschule. Man schreibt uns: Um Unklarheiten au vermeiden, fei darauf hingewiesen, daß morgen (Mittwoch) die erste Besprechung und dann regelmäßig die Uebungsftunöen im Singsaal der Oberrealschule stattfinden. (Näheres in der heutigen Anzeige.) ** Sammelt Eicheln. Aus Iägerkreisen wird geschrieben: Mit erschreckender Deutlichkeit steht der vergangene Winter noch vor unseren Augen. Viel Wild fiel dem qualvollen Hungertode und der Kälte zum Opfer. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß auch im kommenden Winter mit einer strengen Kälteperiode zu rechnen ist. Schon jetzt muß man daher Maßnahmen treffen, um dem Wild helfen zu können. Bei der Beschaffung von Futtermitteln foUte man die Nahrung nicht außeracht lassen, die die Natur in fo reichem Maße liefert. Man sollte Eicheln, Kastanien usw. sammeln und im Winter verfüttern. Berliner Börse. Berlin, 29. Ott. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr wird die Tendenz im Einklang mit der internationalen Baisse ebenfalls schwächer taxiert. Von einem Geschäft kann aber noch nicht die Rede fein, da die Spekulation stärkste Zurückhaltung übt und Aufträge außenstehender Kreise nicht vorliegen. Kurse, in denen der Report per Ultimo November enthalten ist, werden noch nicht genannt. F PASTILLEN ÖHUPe ■ (ACDIDIHIUMOearVAT) Kreisen hat der Freispruch eines Süden, der beschuldigt wurde, einen Araber verletzt zu haben, große Befriedigung ausgelöst. Aus aller Well. General der Kavallerie von der Marwitz f. Im Alter von 73 Jahren starb in Wundichow (Kreis Stolp) General der Kavallerie und General- infpetteur a. D. oo n der Marwitz. Im Welt- kriege befehligte er den Vormarsch der deutschen Kavallerie durch Belgien, war später Korpsführer in Masuren und in den Karpathen und schlug als Armeesührer den englischen Großtankangriff bei Cambrai ab. Flugzeugkatastrophe im Golf von Genua. Das Postflugzeug .Stadt Rom" geriet, nachdem es Neapel verlassen hatte, bei Livorno ineinfurchtbares Anw etter und wurde zum Niedergehen auf das Meer gezwungen. Auf feine drah.losen Hilferufe eilte der italienische Dampfer »Famiglia" herbei und nahm das Flugboot ins Schlepptau. Nach einer Stunde rissen die drei Schlepptaue, worauf der Dampfer nach Spezia zurückkehrte, um Hilfe herbeizuholen. Sofort nach der Ankunft des Dampfers verlieh ein italienischer Zerstörer Spezia, konnte aber das Flugboot nicht finden. Auch alle Nachforschungen mit einem anderen Schiff sind ergebnislos geblieben. Da der Leichnam des Piloten an Land gespült wurde, wird befürchtet, daß sämtliche sieben Sn- sassen der »Stadt Rom", darunter vier Passagiere, ertrunken sind. Bon einem wütenden Bullen getötet. In dem Dorfe Wittichow bei Stargard in Pommern wurden auf dem Hofe des Gutsbesitzers Rem- mer der Melker Rutnow und fein Sohn von einem wütenden Bullen tödlich verletzt. Oie Wetterlage. Owotnenios. Q neuer, onal» oedecht.0 woiKig. • oedeext «negen » Sehnet a Graupeln. e «edel K Gewitter.(§)Windsiiiie.«O' sehr ernte- Osi massige- Südsüdwest (S stürmischer 'fordwesl Oie Pfeue fliegen mit dem Winde Pie oeiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen^ •wl Meeresniveau umotreehoelen Luftdruck Wettervoraussage. Das britische Tief hat sich unter Verstärkung südöstlich bis auf den Kontinent ausgebreitet und das Hochdruckgebiet zurückgedrängt. Dabei kam es schon in der letzten Nacht in Deutschland vielfach zu Niederschlägen. Beim Wciterzug der Störung, die westlichen Weg angenommen hat, bleiben wir unter dem Einfluß ihrer Südseite, wo eine Westwindströmung auskommt, die uns weiterhin feuchte, zunächst noch warme ozeanische Luftmassen zusührt. Somit hält also das gegenwärtig herrschende regnerische Wetter noch an. Später, wenn Luftmassen aus höheren Breiten zufließen, tritt Temperaturrückgang ein. Wettervoraussage für Mittwoch. Llnbeständiges, wolliges Wetter mit Niederschlägen, Temperatur zunächst wenig verändert. Witterungsausfichtcn für Donnerstag. Vorübergehened Besserung, jedoch noch keine Beständigkeit der Wetterlage, allmählich etwas kühler. Lufttemperaturen am 28. Oktober: mittags 7,3 Grad Celsius, ibends 6 Grad-, am 29. Oktober: morgens 5 Grad. Maximum 8,6 Grad, Minimum 4,4 Grad. — Erbten peraturen in 10 cm Tiefe am 28. Oktober: abends 8 Grad: am 29. Oktober: morgens 6,4 Grad Celsius. — Niederschlag 2,4 mm. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. wo 5 wi 7 Eisoffers Serien-Tage 25 Pf. Von vielen hunderten Serien einige Beispiele ■ Wegen des großen Andrangs benützen Sie bitte die Vormittage! Damit es sich rentiert, einen Teil des Winter- und Weihnachts-Bedarfs schon jetzt einzudecken, haben wir unserer Kundschaft ganz außerordentlicheVorteile geboten 295 395 PI. Pf. und höher 50 Pf. 95 Pf. 145 Pf. 195 Pf. Abteilung Haushaltwaren Glaswaren 2 Wassergläser mit Ecken .............. Pf. 25 1 Zitronenpresse und 1 Zuckerschale..... Pf. 25 1 Likörglas, Kristall, irisfarbig........... Pf. 25 1 Weinglas mit Schliff.................. Pf. 25 1 Blumenvase, farbig, 20 cm ............ Pf. 25 1 Wasserflasche mit Glas............... Pf. 50 6 Kompott-Teller, zusammen............ Pf. 50 3 Bier- oder Teebecher mit Mattband .... Pf. 50 1 Kompottschale, 23 cm, und I Salatbest. Pf. 95 3 Weingläser, Römer, mit grünem Stiel .. Pf. 95 3 Weingläser mit Traubenschliff........ Pf. 145 Steingut 2 große Frühstückstassen, weiß.......... Pf. 25 2 Frühstücksteller, weiß ................ Pf. 25 1 Gemüseschüssel, 23 cm, und 1 Feldtasse Pf. 50 1 großer runder Bratenteller, 30 cm, weiß . Pf. 50 6 Suppenteller, tief oder flach ........... Pf. 95 1 Satz 5 Schüssel, verschiedene Größe, weiß Pf. 95 1 Waschgarnitur, elfenbeinfarbig oder Pf. 295, 245 bunt, 4teilig Echt Porzellan Speise-Service, 23teilig, schönes Muster... Pf. 995 1 Tasse mit Untertasse, Blumenmuster oder Goldrand............................ Pf. 25 1 Frühstücksteller, glatt oder Feston...... Pf. 25 6 Eierbecher.......................... Pf. 50 3 Speiseteller, tief oder flach, Fehlporzellan Pf. 95 1 Service Kaffeekanne für 6 Personen, Fehlporzellan ....................... Pf. 95 3 Tassen mit Untertasse, Zwiebelmuster oder Randmuster .................... Pf. 95 3 Teller, 19 cm, Goldrand oder Zwiebelmuster.............................. Pf. 95 1 Obst-Service, 7teilig, schönes Muster ... Pf. 195 1 Gemüseschüssel, 23 cm, mit Goldrand .. Pf. 95 Kaffee-Service, 9teilig, mod. Form Pf. 595, 495, 395 Speise-Service, 23teilig, Goldrand Feston Pf. 2495 Tonnen-Garnitur, IGteilig............. Pf. 1095 Emaillewaren 1 Kasserolle mit Griff, gestanzt.......... Pf. 50 1 Kehrschaufel, groß, gestanzt........... Pf. 50 1 Milchtopf, weiß, gestanzt, 10 cm........ Pf. 50 1 Wasser-Eimer, 28 cm, grau ........... Pf. 95 1 Kochtopf, 20 cm, gestanzt............. Pf. 95 1 Waschschüssel mit Napf............... Pf. 95 1 Spülschüssel, 36 cm, grau, hoch ....... Pf. 95 1 Kaffeekanne, weiß, 13 cm ......?..... Pf. 95 1 Wassereimer, weiß, und 1 Handfeger .. Pf. 145 1 ovale Wanne, weiß, 40 cm ........... Pf. 195 1 Löffelblech, weiß und bunt....... Pf. 295, 195 Blech- und Lackierwaren 1 Puddingform, Fisch- oder Muschefform Pf. 25 1 Durchschlag mit Stiel................. Pf. 25 1 Brotkorb, oval, fein lackiert, mit Frucht- dek................................ Pf. 50 1 Springform, 24 cm, gute Qualität ......Pf. 50 1 Leibwärmflasche..................... Pf. 50 1 Springform, 24 cm, für Kranzkuchen, 2 Böden ............................ Pf. 95 2 Behälter, Zwiebel und Topflappen...... Pf. 95 1 Brotkasten, fein lackiert, groß..... Pf. 295, 245 1 Kohlenfüller, schwarz lackiert, stark Pf. 195, 145 1 Salon-Kohlenkasten mit Deckel....... Pf. 295 Verschiedenes 1 Wandspiegel mit weißem oder braunem Rahmen.................. Pf. 145,95,50,25 1 Ondulierschere, ganz Metall, vernickelt Pf. 50 1 Konservenglasöffner, Neuheit.......... Pf. 50 1 Salatbesteck ........................ Pf. 50 1 Waschseil, 20 m, geklöppelt, u. 50 Klammern ............................... Pf. 95 6 Rollen gutes Krepp-Klosettpapier....... Pf. 95 1 Kartoffel-Reibmaschine ............. Pf. 195 1 Kaffeemühle, geschmiedetes Mahlwerk Pf. 395,295,195 1 Wandkaffeemühle, geschmiedetes Mahlw. Pf. 395 Holzwaren 5 Ahornlöffel, verseh. Größen, geschliffen . Pf. 50 5 Frühstücksbrettchen ................. Pf. 50 1 Kleiderleiste mit 3 vernickelten Haken.. Pf. 50 60 starke Waschklammern m. Kopf od. Fed. Pf. 50 1 Klosettpapierhalter, weiß lack., m. Spieg. Pf. 50 6 Kleiderbügel, geschliffen, m. u. o. Steg Pf. 50 1 Handtuchhalter f. Küche, Hartholz lack. Pf. 95 1 Servierbrett, Buche lackiert, 40 cm..... Pf. 95 1 Garnitur 4teilig, Schneidbrett, Wellholz, Kartoffelstoßer und Fleischklopfer...... Pf. 95 Luxus- und Lederwaren Der große Schlager! Moderne Stadtköfferchen, durchgenäht........ Pf. 195, 145, 95 1 Zelluloid-Seifendose.................. Pf. 25 1 Zelluloid-Toilettenspiegel, extra groß Pf. 95, 50 1 Rasiergarnitur mit Pinsel ...... Pf. 195, 95,50 1 Brotkorb, fein vernickelt.............. Pf. 95 1 Frisiergarnitur, Kopfbürste und Kamm, in weißem Zelluloid .................. 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Pf. 95 1 Garnitur Schöpf-, Schaum- u. Soßenlöffel Pf. 95 2 Milchtöpfe, 10 und 12 cm, zusammen ... Pf. 95 1 Kochtopf, 22 cm, mit Isoliergriffen Pf. 195, 145 6 Milchtöpfe, 7—12 cm, mit Zierrand .... Pf. 195 1 Kochtopf, 26 cm.................... Pf. 195 6 Eßlöffel und 6 Gabeln, zusammen...... Pf. 95 1 Wasserkessel, extra groß, starke Qualit. Pf. 345 1 Satz 5 Kochtöpfe mit Deckel, 14—22 cm Pf. 695 Stahlwaren 1 Tischmesser......................... Pf. 25 1 Garnitur 4teilig, 1 Schlacht-, 1 Brot- und 2 Küchenmesser..................... Pf. 95 6 Paar Messer und Gabeln ......... Pf. 295, 195 6 Paar Messer und Gabeln, Königs- und Ebenholz....................... Pf. 495,445 Echt Alpakabestecke, garantiert stets weiß bleibend, feine moderne Muster! 5 Kaffeelöffel................... Pf. 95 2 Eßlöffel oder 2 Gabeln.......... Pf. 95 1 Tafelmesser mit Solinger Klinge . Pf. 95 Textilwaren 1 Mtr. Landhaus-Gardinen, reiz. 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Die Reichs st ellefürAuswande- rungswe s e n unterhalt in Berlin eine öffentliche A u s w a n d e r u n g s b e - ratungsstelle. Hier ist der Treffpunkt aller Auswanderungslustigen und Heimatmüden, hier kommt das wertvolle Material, gewonnen aus oft recht schmerzlichen Erfahrungen der Auswanderer, zusammen. Linser H. W.-Korrespondent hatte Gelegenheit, einen Bormittag lang im Sprechzimmer des Beraters Zuhörer zu sein, und schildert im nachfolgenden seine Beobachtungen. Die alte Sehnsucht nach Reuland, nach Arbeit und Boden und Zukunft jenseits des Meeres, lebt heute in uns allen stärker als je. Wo der Kontinent aufhört, wo der neue Kontinent beginnt, sind weite Strecken einsamen Landes, das fruchtbar ist und wartet: auf Aekte und Pflüge und Hämmer. Ist es da ein Wunder, daß in unserem arbeitsamen, mit Sorgen und Menschen überlasteten Deutschland die Phantasie der Werk- menschen hinausgcht über die engen Grenzen des Landes, nach dem Boden, der brach liegt, nach Lcbensquellen, die bisher ungenutzt, in der Ferne fliehen? Brasilien hat 16mal so viel Raum wie Deutschland und kaum die Hälfte der Einwohner. Ist es ein Wunder, dah 60 000 Europamüde im Jahr Europa verlassen?? Die Phantasie verlockt nach draußen. Wie ist es aber mit der Wirklichkeit? Bon den 60 000, die auswandern, sind ein Drittel Handwerker und Industrie-Arbeitnehmer. Ein Fünftel landwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte. Ihr Geld reicht oft nur für die Ueberfahrt, selten weiter als ein paar Monate zum Durchhalten. Eine kleine Anzahl der Hoffnungsvollsten bringt ein paar tausend Mark nach drüben mit und will Land kaufen. Wie ergeht es ihnen? Welche ihrer Hoffnungen gehen in Erfüllung? Die Antwort gibt die Auswanderungsstelle in Berlin. Um eines zunächst vorwegzunehmen: die alte Anschauung, dah der Auswanderer ein Abenteurer, ein Ba-banque-Spieler, der ewige Goldsucher sei, ist heute nicht mehr gültig. Der Typ des Auswanderers von heute, den man in der Beratungsstelle in groher Zahl treffen kann, ist in seiner überwältigenden Mehrheit kein Abenteurer und kein Goldsucher. Cs sind Menschen, oft vielleicht mit einer stark romantischen Ader, die aber mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen, für die das Land besonders eng und der Beruf besonders aussichtslos ist und deren einfaches Streben dahin geht, sich drüben ein Leben in ihrem Rahmen aufzubauen, wie sie es lieber hier getan hätten. Ihr Glaube an „draußen" rechnet indes so oft nicht mit den Tatsachen: Da kommt ein jüngerer Mann, sehr sauber angezogen, energisches Gesicht. Er ist Junglehrer, hat sich von seinem Gehalt 1500 Mark gespart und will mit seiner Familie, Frau und zwei Kindern, nach Brasilien gehen, Dauer werden. Er hat gehört, dah die Regierung dort Llrwaldland zu geringem Preise abgäbe. Seine Eltern waren westfälische Dauern und er selbst, obwohl er „Studierter" ist, hat noch die alte Liebe zum Doden, will, daß, er und seine Kinder wieder Dauern werden. In Deutschland ist das nicht möglich. Da hat er die romantische Vorstellung von dem Lande am Amazonas, wo man Llrwald- bäume fällen und Ackerland gewinnen kann. Ein Vormittag in der Berliner AuS- Der Berater bestätigt: In Brasilien leben etwa 650 000 Deutsche. Es sind fast ausschließlich Dauern, Llrwaldbauern und sind dort gute Deutsche geblieben. Aber wie leben sie? Die ersten zehn Jahre der Ansiedlung sind die schwersten. Da leben sie in provisorischen Hütten, fällen mit ungeheurer Anstrengung die Daumriesen und müssen jahrelang warten, bis die Wurzeln im Doden verfaulen. Sie arbeiten 14 Stunde n am Tage, und es ist schwerste Arbeitl Rach zehn Jahren erst können sie in den allermeisten Fällen das Land mit dem Pflug bearbeiten und sich ein richtiges Holzhaus bauen. 30 bis 40 Jahre dauert es, bis eine solche Ansiedlung in die Höhe kommt. Bezahlte Arbeiter find — die Kinder. Die deutschen Dauernsamilien in Drasilien haben durchschnittlich acht Kinder, die von frühester Jugend an Mitarbeiten müssen. Schulen gibt es für die Kinder so gut wie gar nicht, da die Ansiedler und namentlich die neuen Ansiedler in weitem Llmkreis verstreut wohnen. Hilfsarbeitskräfte können sich die Ansiedler nicht leisten. Der erst so sichere Drasilienfahrer verlieh die Beratungsstelle mit wesentlich geänderten Ansichten. Die sachliche Schilderung des Beamten hatte ihn davor gewarnt, seine bescheiden-sichere Stellung für eine vage herzugeben. Ein Landarbeiter, der dann kam, wollte nach Argentinien, dort auf einer Farm arbeiten Ihm wurde gesagt, dah in den Erntemonaten eine große Zahl italienischer Arbeiter mit Schiffen der italienischen Regierung herüberbefördert werden, die drüben bei der Ernte aushelfen, dort wie die Hunde leben, sich von ein paar Früchten am Tage nähren, in den alten Scheunen schlafen und nach Schluß der Erntezeit wieder auf den Dampfern nach Italien zurückbefördert werden. Ein deutscher Landarbeiter kann mit ihnen nicht konkurrieren. Sehr interessant ist ein anderer Typ, der diesen Enttäuschten in der Sprechstunde des Beraters folgte: Ein Auslanddeutscher, den das Heimweh immer wieder nach Hause treibt, — der hier dann von neuem enttäuscht wird und wieder nach draußen geht, — lustiger, patenter Kerl mit hellem Kopf, hochqualifizierter Handwerker. Gerade war er drei Jahre bei Ama - n u l l a h und hat dessen neuen Palast mitgebaut. „Ja," erzählt er, „der Amanullah war schon wie so'n europäischer Fürst. Das ganze Kabul war ein Dorfnest, aber er mußte auch noch sein Potsdam haben. Palast und Regierungsgebäude. Etwa 100 Deutsche haben dort mitgebaut. Jetzt ist alles im Rohbau fertig und verfault, weil der „Räuberkönig" nichts machen läßt. Rach dem Llmsturz haben wir kein Geholt mehr bekommen und mit dem letzten englischen Flugzeug sind wir geflohen. Verkaufen konnten wir nichts, unsere Möbel warfen wir in den Ofen, — Geld hatten wir auch nicht, die Rückreise hat die deutsche Regierung durch das Konsulat in Bombay bezahlt." — Jetzt findet er die Aussichten in Deutschland noch schlechter als vor drei Jahren und will als M a u r e r n a ch LI. S. A. Er erfährt, dah die Aussichten für ihn ganz günstig sind. Einer von wenigen. Auf dem Korridor sitzen die Besucher und vergleichen das, was man ihnen hier sagt, mit dem, was sie gehört haben. Da erzählt einer von einem Verwandten, einem 19jährigen Jungen, der vor einem Jahr als „blinder Passagier" nach Kanada gegangen ist und in Quebek sein Brot verdient. Ein anderer, Step- Mozart und Beethoven als Symphoniker. Zum bevorstehenden Orchester-Konzert des Konzcrtvereins Mozarts V-Dur-Symphonie (Köchel Rr. 504) ist das Eingangstor für seine großen symphonischen Meisterwerke. Sie fällt ö^H'ich zwischen die Komposition von „Figaros Hochzeit" und dem „Don Juan". Stilistisch bedeutet sie den Höhepunkt in der Beherrschung der symphonischen Arbeit. Dem ersten Satze geht eine Adagio»®inkitung voraus, die nach wuchtigen Akzenten eine Konti- lene sich entfalten läßt, sich zu thematischer Steigerung erhebt, dann aber absinkt. Das durch Synkopen eingeleitete Hauptthema des Allegro kehrt nach dem Auftreten eines Zwischenthemas im Lichte alterierter Harmonie wieder und wächst sich zum Höhepunkt aus, der nun das Seitenthema mit seiner weicheren Stimmung um so gegensätzlicher hervortreten läßt. Die Durchführung wird zunächst bestritten von dem letzten Teil des Hauptthemas uni) erhält durch die kon- trapunktische Verarbeitung innere gespannte Kraft. Dem gebietet das nach Moll sich wendende Hauptthema Einhalt, und eine thematische Orgelpunktentwicklung führt zur Reprise. Das Andante ist mit seinem Stimmungsgehalt dem ersten Satze innerlich verwandt und stellt zwischen den beiden Sähen nicht den scharfen Gegensatz heraus, dem wir sonst oft m Symphonien begegnen. Ihm prägt eine gewisse Herbheit des Hauptthemas den Charakter auf. Dieser Grundgedanke leitet auch die Durchlührung und läßt das mehr heitere zweite Thema nicht zur vollen Auswirkung kommen. Rur zum Schluß lichtet sich das Bild auf. — Das in der symphonischen Form übliche Menuett findet in dieser Gedankenwelt Mozarts keinen Platz zur Auswirkung: es würde die einheitliche Grundstimmung des Werkes beeinträchtigen. Einem gewissen Maß von Heiterkeit gibt das finale (Presto) Raum. Das Kopfthema muß sich erst nach Moll wenden, um dem zweiten Thema Eingang zu gewähren. Die Durchführung zeigt einen ähnlichen Charakter wie die des ersten Satzes. Rach einer starken Steigerung finkt auch hier die Stimmung ab, um dann zur Wiederkehr hinzuleiten. — , In eine heroische Welt führt Beethovens Es-Dur-Klavierkonzert ein. Die unruhigen Zeiten mit ihren kriegerischen Ereignissen um 1809 finden hier einen geistigen Aie- verschlag. Energische Rhythmik prägt diefem Werk ein besonderes Wesen auf. Für Beethovens Konzerttechnik stellt es den Höhepunkt dar mit seiner symphonischen Verwebung von Solopart und Orchester. In der Zwiesprache zwischen beiden Klangkörpern gewinnen wir tiefe Einblicke in des Meisters musikalisch - geistige Welt. Spielerischer Virtuosität wird kein Raum gewährt, streng muß sich der Solist dem geistigen Geschehen des Werkes unterordnen. Die Kadenzen, die sonst dem Solisten Gelegenheit geben, in das feste Gefüge des Werkes einzugreifen und nach eigenem Geschmack und Können hinzu- zusügen, hat Beethoven in diesem Falle vollständig ausgeführt vorgeschrieben, um damit jeden eigenmächtigen Eingriff in das Werk abzuwehren. Andererseits führt'aber der erste Sah mit rauschenden Akkorden Spieler und Orchester quasi improvisierend im Wechselspiel ein; dann erst beginnt das eigentliche Tutti-Vorspiel des Orchesters. Dem martialischen Hauptthema entwächst ein Seitenthema, das sich nicht in schroffen Gegensatz zu ihm stellt, sondern dem Charakter des Hauptthemas eine Wendung ins Gesangliche verleiht. Mit einer Abwandlung nach lls-Moll führt es der Meister ein, um es dann im Verlauf des Satzes in vollem Dur-Glanze erstehen za lassen. 2m zweiten Satz (Adagio un poco mosso, tt-Dur) sollen nach e.ner Aeutze» rung Czernys Beethoven religiöse Gesänge frommer Wallfahrer vorgeschwebt haben. In das leise, ersterbende Verhallen dieses Satzes klingt mit kühner, harmonischer Rückung (bl-Dur — lls-Dur) das Hauptthema des letzten Satzes pianissimo hinein, zunächst träumend, um dann aber mit voller Gewalt und Energie das Rondo des Schlußsatzes voll überschäumender Kraft zu eröffnen. Beethovens C-Moll-Symphonie kann als der Gipfelpunkt seiner reinen Instrumentalwerke gelten. Durch die Gröhe der ihr innewohnenden Tendenz und durch die überraschende Klarheit ihres Aufbaues. Von Anfang an hat das Werk stets den Hörer widerspruchslos voll in seinen Bann geschlagen und seine Wertgeltung bis im unsere Zeit bewiesen. Lind so ost man ihm auf dem Programme begegnet, so wird man niemals eine Ermüdung der Hörer feststellen können, sondern stets wird es mit unveränderter Frische und Kraft immer wieder etwas ungeahnt Reues zu geben vermögen. Lagen für die Eroica noch gewisse programmatische Bindungen vor, so wendet sich diese Sympho. ie dem Allgrmein-Menschiichen zu. Ob man in ihr nun das Schicksalserleben als solches erkennen will, (Schindler berichtet, dah Beethoven die Eingangstakte der Symphonie mit den Worten gedeutet habe: „So pocht das Schicksal an die Pforte!") oder das Ringen um die Hier, berichtet dagegen von einem jungen Ratio» nalökonorn, der in Reuyork hintereinander Teller- abwäfcher, Tollettenreiniger, Krankenhauswärter gewesen und jetzt Fahrstuhlboy mit geringem Gehalt geworden ist. Roch nie war drüben die Lage des Arbeitsmarltes so schlecht wie im vergangenen und diesem Jahr. Das ist es, was die Auswanderer, die hinauswollen, nicht begreifen: Deutschland ist übervöikert und arm. Lind draußen leben weniger Menschen auf weiterem und reicherem Boden, liegt soviel ungenutzter Reichtum. Lind trotzdem gibt es für sie auch dort keine Arbeit! Aber die Statistiken und Tabellen der Reichsstelle für das Auswanderungswesen sind unerbittlich und wahr, ihnen müssen sie es schon glauben. Richt umsonst unterhält die Reichsstelle enge Beziehungen zu allen europäischen und außereuropäischen Ländern; so ist sie insbesondere über die Lage des Arbeitsmarktes und die Bodenpreise, über die Lebensbedingungen und Fortkommensmöglichkeiten sehr genau und aktuell informiert. Es liegt in dieser Reichsstelle ein Berg von Material auf gestapelt. Lind in all diesen Schriften steht eigentlich nichts, als dah dieAussichten für Auswanderer irn allgemeinen schlecht sind, so schlecht, dah sich ein Auswandern in der Mehrzahl aller Fälle nicht verlohnt. Diese Tatsache ist bezeichnend für das Schicksal vieler Hoffnungsvollen: die deutsche Rückwanderung aus Argentinien ist größer als die Einwanderung. In Rordamerika, in Kanada und in den Vereinigten Staaten, herrscht die Arbeitslosigkeit ebenso stark wie bei uns, — nicht gemildert durch irgendwelche Arbeitslosenunterstützung. Aussichten, in Li. S. A. gut fortzukommen, haben in der Hauptsache nur einige Kategorien qualifizierter Handwerker, Fleischer, Backer, Maurer, manchmal auch Schuhmacher usw. und weibliche Hausangestellte. Lieber die Verhältnisse in Kanada liegen in diesen Archiven Berichte von Auswanderern, die ihre eigene Sprache sprechen. In Kanada, dem englischen Dominon, bestehen im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten keine EinwanderungS- schwierigkeiten. Es ziehen dorthin in der Hauptsache Landarbeiter und landwirtschaflliche Beamte, die hier keine Beschäftigung finden. Da schreibt einer dieser Ausgewanderten: „Wir laufen herum von Farm zu Farm und betteln unS durch. Dann finden wir irgendwo Arbeit. Lieber- all das gleiche auf der Farm: Knochenmühle 12, 14 Stunden Arbeit am Tage. Das Geld ist auf- ?egessen, wenn man an die nächste Arbeitsstelle omnit Im Sommer geht es ja noch, aber der Winter! Sieben Monate dauert der Winter in Kanada, sieben Monate keine Arbeit. (Manche arbeiten als Holzfäller, aber bei der Kälte und der Schwere der Arbeit krepieren sie gewöhnlich.) Dann laufen in Vancouver die Arbeitslosen herum. Die Stadt ist belagert von Hungrigen. Jeder muh hartherzig fein, wenn er selbst etwas behalten will." In Süd-Amerika haben qualifizierte, allgemein begabte Handwerker, wie Eisen- oder Holzarbeiter, gute Aussichten. In Afrika, in der Südafrikanischen Union und in den ehemaligen deutschen Kolonien, (wo Deutsche jetzt ungehindert einwandern dürfen), bestehen gute Fortkommensmöglichkeiten nur für Ansiedler, die sich mit 20 000 bis 40 000 Mark dort eine Wirtschaft kaufen können. So bleibt wenig Erfreuliches, was die Beratungsstelle zu berichten weih, und viele, die kommen, gehen ernüchtert wieder nach Haus, und bleiben zu Haus. Wahrscheinlich zu ihrem Glück. OerakademischeTeil derpapstseier. Die in vornehmem Rahmen gehaltene Pap st feier für die Gießener Katholiken fand gestern abend im Kath. Vereins- Hause statt. Schon geraume Zeit vor Beginn hatte sich der Festsaal rasch gefüllt, so daß Späterkommende keinen Platz mehr fanden und wieder umkehren muhten. (Für sie soll am nächsten Sonntag die Feier wiederholt werden.) Um der Veranstaltung einen würdigen Verlauf zu sichern, hatte man ein gediegenes Programm aufgestellt, bestehend aus Instrumental- und Vokalmusik, Festrede und Ausführung eines Cal- deronschen Dramas. Die Durchführung des musikalischen Teiles hatten der Giehener Orchesterverein unter Geltung seines Dirigenten, Kapellmeister H. Weller, und der katholische Kirchenchor übernommen. Als Festredner war der Päpstliche Hausprälat, Geistl. Rat E i ch von Dingen gewonnen worden. Die Aufführung des ergreifenden Weihespiels lag in den Händen der katholischen Spielgemeinschast. Mit dem Krönungsmarsch aus „Die Folkunger" von F. Kretschmer, gespielt vom Orchesterverein Gießen, wurde der Festabend eröffnet Unter den herrlichen Klängen dieses vortrefflich zu Gehör gebrachten Marsches hielten die Fah- nenaborLnungen der studentischen Korporationen Hasso-Rhenania, Rasiovia und Unitas-Cheriskia, sowie des kath. Gefellenvereins, des kath. kaufmännischen Vereins und des Iünglingsvereins ihren Einzug in den schon geschmückten Saal und nahmen in den Seitengängen vor der Bühne Aufstellung. Rachdem der Marsch verllungen war, entbot Amtsgerichtsdireltor Ke Iler allen Erschienenen herzlichsten Willkomm. Insbesondere begrüßte er den Hochwürdigen Herrn Festredner, die Hochwürdige Geistlichkeit, die Vertreter der Studentenschaft und der Vereine und alle Mitwirkenden und ging dann kurz auf den Zweck der Feier ein, wobei er zur Treue und Anhänglichkeit an den Hl. Vater und die Kirche aufforderte. Im Anschluß hieran sang der Kirchenchor recht eindrucksvoll die schöne Glucksche Hymne: „Lech' aus deines Himmels Höhen". Mit Zartheit und Innigkeit vorgetragen, folgte dann das wundervolle Larghetto aus Beethovens 2. Sinfonie. Es leitete zu der folgenden Fc st rede des H 0 ch w. Herrn Prälaten E i ch über. Er, der erst vor kurzem von einer Rom- reise zurückgekehrt war, konnte in zündenden Worten von Papst und Papsttum sprechen. Jeder Gläubige, der nach Rom kommt, so führte der Festredner etwa aus, wird von ganz eigenartigen Gefühlen be- herrscht, fei es, daß er in der Krypta des ersten Papstes weilt, sei es, daß er hinabsteigt in die blutgedrängten Märtyrergrabstätten der Katakomben, oder sei es, daß er hinwandert zum Riesenbau des Amphitheaters, in dessen weiter Arena die ersten Christen chre Glaubenstreue mit dem Tode besiegelten: immer und immer wieder wird innigste Liebe und mächtige Begeisterung in seinem Herzen zu seiner heiligen Kirche und ihrem Oberhaupt entfacht werden. Ganz besonders ist dies im gegenwärtigen Iubiläumsjahre der Fall, das wegen der Aussöhnung von Vatikan und Quirinal auch ein Triumphjahr geworden ist. Welche Bedeutung das Papsttum insbesondere in feinen drei letzten Vertretern hat, schilderte hieraus der Redner recht wirkungsvoll und anschaulich unter Hinweis auf die Tiara, die drei- fache Papstkrone, in der er versinnbildet sieht Christi !Keid), Christi Liebe und Christi Frieden, und führte dies unter Zugrundelegung der Wahlsprüche der drei letzten Päpste Pius X., Benedikt XV. und Pius XI. näher aus. Mit der Aufforderung, stets fest und treu zur Kirche und Papst zu stehen, schloß der Hochw. Prälat seine eindrucksvollen Aussührun- Freiheit des Willens, um das Erschließen des letzten Grundes menschlicher, geistiger Kräfte; stets wird uns das Werk etwas von der Kraft des Prometheus künden, etwa das FausHsche im Geiste der Musik erschließen. Wenn Beethoven die Tonart C-Moll wählt, so liegt darin stets ein persönliches Moment, denn dann hat er immer aus seinem ureigensten Innern heraus an die letzten Gründe menschlichen Seins gerührt. Sie ist das Medium für das Bekennen seines persönlichen Welter-- lebens. Daß es für den Meister ein Ringen war, um das, was er sich als Problem gesetzt hatte, in klarster Eindeutigkeit und hehrster Größe auszusprechen, das beweist die lange Zeit der Jahre, die er an seiner Aufgabe geschafft hat. Die ersten Anfänge des Werkes mögen bis zum Jahre 1800 zurückreichen, aber erst in den Jahren 1807/08 sand er die Form, um dem Triumphgesang des menschlichen Willens in monumentalen Ausmaßen und organischer Durchdringung Kündung zu verleihen. Lapidar, im klopfenden Rhythmus gibt das Einaangsmotiv das Motto für das weitere Geschehen und zugleich das Material für das Erwachsen des Eingangssahes. Die dröhnenden Schläge des Grundmotives finden ein nachzittern- des Echo bei den Streichern, das immer mehr an» schwillt. Ein abermaliger Schicksalsruf läßt einen klanglichen Gipfelpunkt erwachsen, der Kampfruf des Schicksals findet nun den Helden bereit: das zweite Thema gibt feine persönliche Bestätigung dazu. Man könnte es fast als die leibliche Schwester des Hauptmotives ansehen, so gleich erscheint es ihm; in seiner Dur-Formung kündet es Tatkraft und Wärme des Seelischen; das Schicksalsmotiv grollt hinein. Heldischer Sieger- Willen strahll sich in rauschenden Diolinpassaaen aus. Die Durchführung wird zur Abbildung des Kampfes, angetrieben durch das Grundmotiv. Als Kampfgruppen stehen Bläser und Streicher sich in einander beantwortenden Akkordgruppen gegenüber. Die Kämpfer scheinen zu ermatten, ihre Antworten versinken klanglich; ein abermaliges Aufraffen und ein kurzes Erschlaffen. Dann aber türmt sich um so mehr der Kampfeswille auf, die Wiederkehr beginnt. Doch diesmal rah der erste 1 Einhalt ge/ietrnden Fermate ein Ausdruck menschlicher Wehmut des kraftgestählten Helden in der Kadenz der Oboe. Wieder erhebt sich der Impuls äu höchsten Steigerungen, ein Klagen in den Holzbläsern und mit hämmernden Akkorden behält das Schicksal mit seinem Mott die Oberhand. Wie in der Kompfespause die Hoffnung sich friedlichen, freundlichen Gefllden zuwendet, so kündet das Andante con moto das Hoffen des Helden und das visionsartige Erleben künftigen Sieges. Aber immer wieder grollt das klopfende Schicksal hinein; dreimal in neuer klanglicher Variation und Figuration zieht die Themengruppe an uns vorüber. Da, ein Stocken, wie eine Frage klingt das Pochen des Dominantakkordes der Streicher. Allmählich finden sich die Holzbläser dazu, und in triumphaler Größe erklingt der Siegesgesang. Roch ist es aber kein Sieg, sondern nur die Hoffnung auf ihn, und ihr Absinken und Steigen führt diesen Sah zu Ende. Der Blick wendet sich wieder realer Wirklichkeit zu, schaudernde Zweifel zeigen sich in den aufsteigenden Gängen der Celli und Bässe. Zwar scheint die melodische Fortsetzung des Gedankens schon Trost zu spenden, da gibt sich der Gegner zu erkennen, das Schicksalsmotiv mit seinem unerbittlichen Klopfen wird durch die Hörner wieder wach und beherrscht den weiteren Verlauf des Satzes. Ein trioartiger Mittelsatz wird durch groteske Figuren der Celli und Bässe, die ein umschleiertes Bild des Eingangsthemas in Dur abbilden, eingeführt. Ein Fuaato wird zum Ausdruck des Ringens, Holzbläserfigaren zerflattern; das Cingangsthema geistert ün Pizzikato einher, von den Holzbläsern klingt das Schicksalsmotiv hinein. Da ertönt plötzlich im dreifachen Pianissimo der gehaltene As-Dur-Akkord der Streicher, die Pauke hämmert in dumpfem, klopfendem Rhythmus, ein Ausdruck unheimlicher Stille, ein Ahnen des Kommenden; die Violinen erwachen; ein mächttges Kreszendo erhebt sich und mit voller Gewalt bricht der Siegesjubelgesang herein. Ihm gibt das Hinzutreten von drei Posaunen, der Piccolo,löle und des Kontrafagotts leuchtendes gesättigtes klangliches Gepräge. Die vier Themen dieses Satzes sind von lapidarer Einfachheit und gerade dadurch der bestimmteste, eindeutigste Ausdruck für die Große des Triumphes. Roch einmal, gcra'je als der Siegeshymnus seinen Höhepunkt erreichen will, wachen die Zweifel mit einer Reminiszenz des dritten Satzes auf, doch sie sind bald überwunden; der Kämpfer kann nun nach völliger Riederringung der gegnerischen Kräfte seinen Sieg feiern. Lind diese Begeisterung wächst zu einem klanglichen Rausch, zu einem dithyrambischen Siegesjubel in der Stretta aus. „Die L-Moll-Symphonie, so oft gehört im öffentlichen Saal, wie im Innern, übt unverändert ihre Macht auf alle Lebensalter aus, gleich wie manche große Erscheinungen in der Ratur, die, so oft sie auch Wiederkehr en, uns mit Furcht und Bewunderung erfüllen. Auch diese Symphonie wird nach Jahrhunderten noch wiederklingen, ja gewiß, so lange es eine Welt und Musik gibt." (Robert Schumann.) Dr. H. gen. Als Zeichen dieses Treugelöbnisses wurde hier- auf stehend von allen Anwesenden das Papstlied gesungen. Nach dem Vortrage von Beethovens Ouvertüre zu „(Egmont" ergriff der Hochw. i)err Geistl. Rot Bayer das Wort, um allen, die zum Gelingen des Festabends mitgewirkt hatten, im Namen der katho- uschen Gemeinde innigen Dank zu sagen. Seine weiteren Darlegungen galten dem Papsttum in den ersten drei Jahrhunderten. Nachdem der Kirchenchor zwei Papstlieder zu Gehör gebracht hatte, zogen unter den Klangen des Krönungsmarsches die Fah- nendeoutationen ab. Damit hatte der erste Teil des Festabends sein Ende erreicht. Der zweite Teil, der C a l d e r o n s „Das Nachtmahl des Balthasar" zur Darstellung brachte, wurde eingeleitet durch die Ouvertüre „Der Wasserträger" von Cherubini. Das Bühnenstück, das in seinen allegorischen Fiyuren zeigt, wie furchtbar die Entweihung des Heiligen sich auswirkt, wurde äußerst wirkungsvoll aufgeführt. Die Darsteller zeigten sich chrer schwierigen Aufgabe voll gewachsen, und ihr ganzes Spiel ließ erkennen, mit welcher Liebe und Eingabe sie sich in den Geist und die Eigenart ihrer Rollen vertieft hatten. Ihnen, wie allen Mitwirkenden gebührt herzlicher Dank. Die vorzüglichen Leistungen verdienen auch am kommenden Sonntag einen vollbesetzten Saal. Nun liegt die Papstfeier der Gießener Kacholiken hinter uns. Mögen dieser in allen Teilen wohlgelungenen und würdigen Veranstaltung eine lange und nachhallige Wirkung beschieden sein. Oberheffen. Landkreis Gießen. ± Klein-Linden, 28. Oft. Am Samstagabend fand im Gasthaus „3ur deutschen Eiche" die ordentliche Mitgliederversammlung des hiesigen Spar- und Darlehnskassen- Dereins Raiffeisen e. G. m. b. S). statt. Der Verein zählt zur Zeit 223 Mitglieder: er ist am 11. Mai 1923 gegründet worden. Zunächst wurde der Bericht über die vom 2. bis 8. dieses Monats durch einen Derbandsrevisor vorgenommene gesetzliche Revision verlesen. Der Revisions- bericht schließt mit nachstehendem Gesamtergebnis: Dant der guten und zuverlässigen Arbeit der gesamten Verwaltung kann das Ergebnis der • gesetzlichen Revision als außerordentlich befriedigend bezeichnet werden. Der Verein nimmt heute trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens eine Stellung ein, die für die ganze Ortschaft sehr bedeutungsvoll ist und die außerdem als in jeder Meise gut fundiert und gesichert zu bezeichnen ist. Dann wurde zu der Frage der Umwandlung des Vereins von der unbeschränkten in beschränkte Haftpflicht Stellung genommen. Rach Klärung aller mit der Umwandlung im Zusammenhang stehenden Fragen stimmten alle anwesenden Mitglieder für die Umwandlung. Eine weitere Deschlußfaisung ergab die Beibehaltung des seitherigen Geschäftsanteils in Höhe von 10 Mark und einer Haftsumme von 400 Mark für jedes einzelne Dereinsmitglied. Weiter hatte sich die Versammlung mit der Entwicklung in der Rationalisierungs!rage, die von der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse in Berlin, als Geldinstitut für alle landwirtschaftlichen Genossenschaften des Deutschen Reiches, in die Wege geleitet wurde, zu befassen. Hier wurde nach längerer Beratung einstimmig der Anschluß an den „Bezirksverband der Raiffeisengenossenschaften in Oberhessen, Wetzlar und angrenzender Gebiete" beschlossen. — Am gestrigen Sonntag wurde des Gedenktages der am 28. Oktober 18ö6 erfolgten Einweihung unserer evang. Kirche durch Pfarrer Bremmer im Gottesdienst gedacht. Der Kirchenchor trug zur Verschönerung der Gedenkfeier in altgewohnter Weise bei. Ehrwürdige Alte unserer Gemeinde, die seinerzeit an der Einweihungsseier teilnahmen, entsinnen sich noch gut, daß man damals bei der Einweihung der Kirche, die von dem zusammenhängenden Häuserblock etwas abseits auf einem Höhengelände errichtet war, oft sagte, man hätte doch die Kirche im Dorf lassen sollen. Heute, wo sich unser Dorf mindestens um das Vierfache in allen Richtungen vergrößert hat, steht unsere Kirche mitten im Dorf. " Grohen-Linden, 29. Olt. Der Altveteran von 1870/71, Johannes Weber, geb. 12. Januar 1847, und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Pirr, geb. am 31. Januar 1346, begehen am 31. Oktober das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Sie erfreuen sich beide noch körperlicher und geistiger Frische. Frau Weber konnte noch bis vor mehreren Jahren täglich nach Gießen fahren, wo sie am Selterstor einen Obststand hatte. Sie wird in Gießener Kreisen noch in Erinnerung sein. Das Jubelpaar kann aus eine Rachkommenschast von sieben Kinder (3 tot), 24 Enkel (1 gefallen) und 16 Urenkel zurückblicken. *1* Geilshausen. 28. Oft Für die kommende Gemeinderatswahl wurden hier neun Wahlvorschläge mit je einem Bewerber abgegeben. Da unsere Gemeindevertretung aus neun Gemeinderatsmitgliedern besteht, braucht eine Wahl nicht stattzufinden. — Beltershain, 28. Oft. Zur Gemeinderatswahl gingen zwei WahlVorschläge ein. — Da die Reklamation gegen die Wahl des Bürgermeisters Hartmann ab- gelehnt wurde, hat nunmehr Bürgermeister Hartmann die Bürgermeisterei übernommen. K Deltershain, 28. Oft. In unserer Kirche wurde am gestrigen Sonntag das Erntedank- f e st gefeiert. Der Raum des kleinen Kirchleins erwies sich als zu klein, um die zahlreiche Festgemeinde zu fassen. Lehrer und Organist Meidt hatte mit den Kindern zvel Chöre ein- geübt, die die Kinder ebenso wie die Verse de- Erntespiels in gewohnter Exaktheit vortrugen. Der Pfarrer predigte über den Dank der Dal, die Forderung des Erntefestes. — Reinhardshain. 28. Oft. Da zur Gemeinderatswahl nur ein WahlVorschlag einging, ist eine Wahl nicht erforderlich. Die Liste enthält die seitherigen Mitglieder des Gemeinderates. = Saasen, 28.Oft Zur Wahl des Gemeinderats gingen bei uns drei CB a ß t - Vorschläge ein. s Saasen, 28. Oft. Da unsere Kirche auf dem Deitsberg noch nicht fertig ist, feierten wir das Erntedankfest am gestrigen Sonntag im Saale der Witwe Schmitt, den die Besitzerin für diesen Zwe^ in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Kinder hatten mit allerlei Arbstlichem Schmuck den Saal hergerichtet und einen Altartisch mit den Erntegaben aufgestellt. Der große Saal war völlig durch die Festgemeinde besetzt. Lehrer und Organist Huber, der auch die Schmückung des Saales geleitet hatte, hatte mit den Mädchen ein Erntefestspiel eingeüht, das durch Wort und Lied einen tiefen Eindruck auf die Gemeinde machte. Das Spiel war der Dorfkirche 1926 entnommen und sollte zur rechten Dankbarkeit aufforbem. Auch die Predigt des Pfarrers über em Psalmenwort aus Psalm 50 zeigte als rechten Ernte- dank den Dank der Tat an den Brüdern in der Rot. Wenn sie auch alle lieber das Fest in unserem Gotteshause gefeiert hätten, so war doch diese Feier eine wirkliche Feierstunde. * Llch, 29. Oft. Am Donnerstag, 31. d. M., von 1 Uhr nachmittags ab, wird das neue Selbstanschlußamt in Betrieb genommen. Spätestens zu dieser Zeit, besser kurze Zeit vorher, müssen bei allen Sprechstellen an den besonders bezeichneten Stellen von den Teilnehmern die Drähte geschnitten, oder die Umschalterhebel nach rechts umgelegt werden. Wer dies unterläßt, stört den Betrieb des neuen Amtes und bleibt deshalb unter Umwänden längere Zeit ohne Sprechmöglichkeit, weil solche Anschlüsse gesperrt werden müssen. Das nachträgliche Schneiden der Drähte oder Umlegen der Umschalterhebel muß dem Amt von einer Rachbar- sprechstelle aus mitgeteilt werden, damit der Qtn» schluh geprüft und die Sperre aufgehoben werden Eann. Der Fernsprechbetrieb wird am 31. wegen der Arbeiten zur Betriebsüberleitung in der Zeit von 1 bis etwa 2 Uhr völlig ruhen. Unmittelbar nach dieser Zeit, sowie an den beiden folgenden Tagen muß sich jeder Teilnehmer in der Benutzung des Fernsprechers auS technischen Gründen möglichste Beschränkung auferlegen. Mit der Detriebsüberleitung treten die neuen Anschluß- nummem in Kraft. s. Trais-Horloff, 28. Oft. Eine Haus- s ammlung für die Epileptiker-An- ftalt in Rieder-Ramstadt ergab in unserem Kirchspiel den ansehnlichen Betrag von 77 Mk. Davon entfallen auf Trais-Horloff 23 Mark, auf die beiden Filialgemeinden Inheiden und Utphe je 27 Mk. U Rodhe im a. d. Horloff, 26. Oft. Bei der Aufstellung der Kandidaten für den Gemeinderat einigte man sich in unserem Orte auf eine Einheitsliste. Diese enthält folgende Ramen: 1. Wilhelm Kröll II., Landwirt: 2. Karl Schäfer, Landwirt: 3. Otto Kröll II., Landwirt; 4. Wilhelm Misar, Schmiedemeister: 5. Karl Spies, Steiger: 6. Karl Hofelds Schreinermeister: 7. Heinrich Rudel, Landwirt. Sämtliche Mitglieder treten neu in den Gemeindevorstand ein; die bisherigen hatten freiwillig ihr Amt niedergelegt. — Der hiesige Männergesangverein „Sängerkranz" hielt dieser Tage seine ordentliche Generalversammlung ab. Der erste Vorsitzende H. Rudel erstattete zunächst den Jahresbericht, wobei er besonders auf die schönen gesanglichen Erfolge des Vereins im abgelaufenen Jahre bei dem Wertungssingen in Laubach und bei dem Gesangswettstreit in Ridda — der Verein errang hier den 1. Preis, den Ehrenpreis, den Höchsten Ehrenpreis und den Dirigentenpreis — Hinweisen konnte. Auch die durch den Vereinsrechner H. R a g e I vorgenommene Rechnungsablage gab ein befriedigendes Bild; einer Jahreseinnahme von 551,10 Mk. stand eine Jahresausgabe von 505,60 Mk. gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 45,45 Mk. verblieb. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die Ergänzungswahl des Vorstandes, die durch Zuruf erfolgte, erbrachte die Wiederwahl des seitherigen Vorsitzenden H. R u d e l und des Schriftführers A. H o f in a n n. Für den bevorstehenden Winter wurde die Abhaltung eines öffentlichen Wintervergnügens (Theaterabend) beschlossen. Der Verein, der im kommenden Jahre auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblickt, will aus diesem Anlaß eine Vereinsfahne anschaffen und deren Weihe mit einem größeren Sängerfest im kommenden Sommer verbinden. Als Zeitpunkt wurde der 18., 19. und 20. Juli bestimmt. Da die letzte festliche Veranstaltung in unserem Orte schon sehr weit zurückliegt (Kriegervereinsfest 1897), dürste mit einer guten Beteiligung zu rechnen sein. Kreis Friedberg. 5 Friedberg, 26. Oft. Für die bevorstehende Stadtratswahl sind insgesamt zehn Wahlvorschläge eingereicht worden. Die Aussiollung ist nach Polt schen ober wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Die folgenden politischen Parteien beteiligen sich am Wahlaufmarsch: Sozialdemokratische Partei, Zentrum, Deutsche Volkspartei, Demokraten, Kommunisten, Deutschnationale Dolksparlei, Evangelische Volksgemeinschaft. Offiziell nicht beteiligt ist die Wirtschaftspartei. Die an ihr interessierten Kreise haben die vereinigte Liste der Handwerker, Kaufleute, Haus« und Grundbesitzer eingereicht. Richt politisch sind der Wahlvorschlag der Mieter, für den aber Listenverbindung mit der Sozialdemokratie besteht, und die „Bürgerliche Liste". — Zur Kreistagswahl liegen 8 Wahlvorschläge vor, und zwar: Evang. Volksgemeinschaft (Spitzenkandidat Stadtrat Einbrodt, Butzbach): vereinigte Liste des Landbundes und der Deutschnationalen Volkspartei (Spitzenkandidat Dr. v. Helmolt, Rieder-Wöllstadt): Kommunistische Partei (Spitzenkandidat Kaufmann Oppenheimer, Butzbach): Sozialdemokratische Partei (Spitzenkandidat Schreinermeister Schaub, Büdesheim): Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Spitzenkandidat Kaufmann Ulrich, Friedberg): Deutsche Volkspartei (Spitzenkandidat Geh. Justizrat Windecker, Friedberg): Zentrum (Spitzenkandidat Bürgermeister Möbs, Rieder- Mörlen): Demokratische Partei (Spitzenkandidat Fabrikant Heil, Butzbach). < Butzbach, 28. Oft. Der Autoverkehr Butzbach und Umgegend, hat auch in dem abgelaufenen Vierteljahre Juli bis September wieder mit einem Verlust, der sich auf annähernd 10000 Mark beziffert, abgeschlossen. Die von den beteiligten Gemeinden geleisteten Garantiesummen mußten im vollen Umfange in Anspruch genommen werden. Abschreibungen auf die Fahrzeuge konnten in dem Vierteljahr »richt vorgenvmmen werden. I Stein'urth, 28.DEL Der Versand der Rosenpflanzen hat begonnen. Täglich man- dem nun wieder die bekannten Rosenballen per Post und Bahn nach allen Teilen Deutschlands und viele auch ins Ausland. Die Pflanzen zeigen in diesem Jahre trotz der großen Trockenheit starke Triebe, sehr gute Bewurzelung und ein gesundes Aussehen. Das Ausmachen auf Aeckern in trockener Lage macht freilich in diesem Herbste besonders viele Mühe. Kreis Schotten. f Gedern, 28. Oft. Am vergangenen Samstag fand im kleinen Saal des Dergwirtshauses dahier eine Lehrerkonferenz des Bezirks Gedern statt. Rach der Begrüßung erstattete Obmann Häusel, Gedern, Bericht über die am 30. September in Frankfurt a. M. stattgehabte Vertreterversammlung, auf welcher die neuen Satzungen des Hessischen Landeslehrervereins beraten und festgelegt wurden. Rach kurzer Aussprache hielt Lehrer Steher, Her- chenhain, einen Vortrag über das Thema: „Der Sprechchor bei der Gedichtbehandlung'. Als nächster wichtiger Punkt stand auf der Tagesordnung die Besprechung der Dienstanweisung für die Kreis schulämter. Rach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten konnte die Konferenz geschlossen werven. Ober-Schmitten, 26. Oft. Zum drittenmal seit Einführung der Listenwahl war es hier möglich, durch Aufstellung einer Einheitsliste die Gemeindewahl auszuschalten und der örllichen Bevölkerung den Wahlkampf zu ersparen. Don den ausscheidenden Gemeinderatsmitgliedern stehen wieder acht auf der neuen Liste. Für den Landwirt Wilhelm Diehl- mann I., der aus gesundheitlichen Rücksichten eine Wiederwahl ablehnte, wurde der Landwirt Wilhelm Diehlmann II. in Vorschlag gebracht. Die neue Gemeindevertretung sieht sich vor ernste Aufgaben gestellt. Wohnungsproblem, Ortsbebauungsplan, Kanalisation und Straßenbau sind drängende Fragen, die im Rahmen des Möglichen gelöst werden müssen. In diesem Zusammenhang muß auch der Feldbereinigung gedacht werden, wenn sie auch außerhalb des Aufgabenkreises der Gemeindevertretung steht. Ihre Durchführung sollte ernstlich erwogen und nicht länger hinausgezögert werden. Es wäre verfehlt, wollte man den angrenzenden Gemarkungen die Initiative überlassen, die Regulierung der Gemarkungsgrenzen in ihrem Sinne vorzunehmen. J_ Ober-Lais, 27. Oft. Zur Gemeinderatswahl sind hier drei Wahlvorschläge eingereicht worden. Bei den beiden vorhergehenden Gemeinderatswahlen hatte man sich auf eine Einheitsliste geeinigt. In gleicher Richtung gehende Versuche waren diesmal leider zum Scheitern verurteilt. — Die höchstgelegenen Häuser unseres Dorfes konnten bisher des Segens der Wasserleitung nicht teilhaftig werden, da der Hochbehälter unserer Leitung zu tief liegt. Diese Häuser werden jetzt an die Wasserversorgung unseres Forsthauses angeschlossen. Dort ist auf dem Speicher ein Behälter eingebaut, der durch eine Elektropumpe stets gefüllt gehalten werden kann. Mit dieser Einrichtung werden langjährige berechtigte Klagen der betreffenden Familien zum Verstummen gebracht. § Stumpertenrod, 27. Oft. Schon über vier Monate lang ist die hiesige Pfarrstelle verwaist, seitdem Pfarrer S ö d l e r, der sieben Jahre lang, zuerst als Verwalter, dann als definitiver Pfarrer hier gestanden, Mitte Juni nach Hopfgarten übergefiedelt ist. Der Pfarrdienst in unserem Kirchspiel, zu dem als Filialort noch Köddingen gehört, wird seitdem hier abwechselnd von den Pfarrämtern Groß- Felda und Ulrichstein, in Köddingen vom Pfarramt Meiches versehen, auch wurden die Sonn- tagsgottesdienste an beiden Orten häufig von den betreffenden Lehrern als Lesegottesdienste gehalten. Mit Freuden begrüßt man nun Die kürzlich vom Landeskirchenamt vollzogene Ernennung eines neuen Geistlichen für unsere Pfarrei, des Pfarrassistenten Geißler zu Offenbach a. M., der in den ersten Rovember- tagen seinen Dienst als Pfarrverwalter hier antreten wird. Pfarrer Geißler ist in Watzenborn bei Gießen geboren, er kehrt also nun in seine Heimatprovinz Oberhessen zurück. 2n unserer Pfarrei, die sich stets durch sehr reges kirchliches Leben ausgezeichnet hat, sieht man seiner Ankunft allgemein mit freudiger Spannung entgegen, und freut sich, nach so langer Zeit wieder einen eigenen Geistlichen zu bekommen. Preußen. Kreis Wetzlar. CO Groß-Rechtenbach, 27. Oft. Auf Antrag mehrerer Ortseinwohner wegen Entwässerung ihrer Grundstücke hat der Gemeinderat beschlossen, die Entwässerung des westlichen Teiles des Ortes gemäß einem von dem Kreistiefbauamt in Wetzlar aufgestellten Projekt durchzuführen. Die Ausführung der Arbeiten noch in diesem Herbst erwies sich insbesondere deshalb als notwendig, weil das Kulturamt gelegentlich des Umlegungsverfahrens in der Mitte des Dorfes eine unterirdische Kanalisationsanlage hergestellt und dabei die seitherigen oberirdischen Abflußeinrichtungen beseitigt hat. Für die Gemeinde ergab sich hieraus die zwingende Rotwendigkeit. die Abwässer von allen Seiten her der Kanalisation des Kulturamtes zuzuführen, weil diese am tiefsten Punkte des Ortes verlegt ist. Bei starkem Regenwetter, Schneeschmelze usw. wären sonst eine ganze Anzahl Gehöfte überschwemmt worden da das Wasser den früheren oberirdischen Abfluß nicht mehr hat. Da ferner die Gemeinde schon in den nächsten Jahren an den Dau einer zentralen Wasserverso r g u n g s a n l a g e h:ranzutreten gedenkt, hat der Gemeinderat gleichzeitig beschlossen, daß die Wasferleitungsrohre und die Wasserleitungs- hausanschlüfse in der Provinzialstraße gleich mitverlegt werden. Auf diese Weise wird ein späterer nochmaliger Aufbruch der Provinzialstraße vermieden und ferner eine wesentliche Ersparnis an Wasserleitungsbaukosten erzielt. Die Gesamtkosten der Kanalisationsanlage einschließlich der Verlegung der Wasserleitungsrohre, sowie der Wasserleitungshausanschlüsse sind auf 20 000 Mk. veranschlagt. Dieser Betrag mußte, da der Gemeinde eigne Mittel zunächst nicht zur Verfügung stehen, bei der Landesbank der Rheinprovinz im Anleihe Wege ausgenommen werden. Die Kosten der Verzinsung und Tilgung der Anleihe werden zur Hälfte in Form von Kanalgebühren auf die Besitzer der an die Kanalanlage angeschlossenen Hausgrundstücke umgelegt. Aus die öffentliche Ausschreibung der Arbeit waren 8 Angebote eingegangen. Durch einstimmigen Beschluß des Gemeinderats wurde die Ausführung des Projekts dem Bauunternehmer Zöller in Dornholzhausen übertragen, der die Arbeiten bereits in Angriff genommen hat. Die Starkenburger Provinzialstraßen. WSR. Darmstadt, 26. Ott. Einem umfangreichen Ter ich t über den Bau und die Unterhaltung der Provinzial st raßenderPro- vinz Starkenburg im Jahre 1929 ist zu entnehmen, daß in diesem Jahre für diese Zwecke 7 940 400 Mark aufgewendet wurden, gegenüber 4 384 400 Mark im Jahre 1928. Sämtliche in Angriff genommenen Straßenzüge wrrd.en den Bedürfnissen des heutigen Verkehrs entsprechend ausgebaut. Die gewalzten Straßen sind mit einer teils schweren, teils leichten Befestigung versehen worden. Das Durchgangs st raßen- netz ist zu 75 Prozent ausgebaut. Der Rest der Durchgangsstraßen kann in langsamem Tempo fertiggestellt werden, da er sich teils in einem Zustand befindet, der sofortige Herftel- lunig nicht notwendig macht, während zum andern Dell die geringe Verkehrsdichte erfordert, daß zunächst wichtigere Bezirksstraßen den Vortritt im Ausbau erhalten. Ausgesührt wurden in diesem Jahr rund 83 Kilometer Durchgangsstraßen. Die Frankfurter Villeneinbrecher als Sprengstoffdiebe. WSR. Frankfurt a. M., 28. Oft. Die Frankfurter Villeneinbrecher, denen man schon etwa 150 Einbrüche nachweisen konnte, haben auch gestanden, daß sie am 17. Juli d. I. bei der Firma Dyckerhvff & Söhne in Amöneburg in einen Schuppen eingebrochen sind, sich daraus 21/i Kilo Ammonit, 100 Sprengkapseln und Zündschnur aneigneten und den gesamten Raub in der Rähe des Tatortes vergraben haben. Die Rachforschungen ergaben die Richtigkeit der von den Einbrechern gemachten Angaben, so daß der bestohlenen Firma der gesamte Sprengstoff wieder zugeflellt werden konnte. Die seinerzeit aufgetauchte Vermutung, dieser Einbruch sei auf politische Motive zurückzuführen, war also falsch. Die Diebe wollten den Sprengstoff für ihre Einbrüche verwenden, haben ihn aber aus Furcht vor Entdeckung unberührt in dem Versteck liegengelassen. Die Gefahren des Weinkellers. WSR. Ober-Ingelheim, 28. Ott In Groß-Winternheim hat der n e u e W e i n ein Opfer gefordert. Als der 51jährige Landwirt Eduard Dieser, der Bruder des Bürgermeisters, seinen Weinkeller aufsuchte, wurde er von dem vom neuen Wein ausströmenden Gas überwältigt. Mehrere Landwirte versuchten, den ohnmächtig gewordenen Mann zu retten; dabei kamen sie selbst in Lebensgefahr. Während es gelang, die hilfsbereiten Landwirte ins Leben zurückzurufen, mißlang es bei Eduard Dieser. Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Gießen, 23. Oft. Eine auswärtige Geschäftsfrau hat, da sie sich in Schwierigkeiten befand, einen Wechsel gefälscht und weiter in Zahlung gegeben. Der Wechsel wurde später nicht eingelöst. Sie wurde, da seither unbestraft und da sie sich in einer Rotlage befand, unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt. Ein mehrfach wegen Zechbetrugs vorbestrafter Koch hatte sich wegen des gleichen Delikts, nunmehr begangen im Rückfall, zu verantworten. Die nach dem Gesetz geringste Strafe beträgt drei Monake Gefängnis. Das Gericht erkannte, um dem Angeklagten einen Denkzettel zu geben, auf vier Monate Gefängnis. Ein vielfach und schwer wegen Eigentumsver- gehen vorbestrafter auswärtiger Arbeiter hat ckine größere Anzahl Bestellscheine gefälscht und sich darauf Provision geben lassen. Strafe: fünf Monate Gefängnis. Ein Maier hat eine Arbeitsbescheinigung gefälscht und versucht, damit daS Wohlfahrtsamt zu beschwindeln. Es wurde gegen ihn auf sieben Wochen Gefängnis crlannt und diese Strafe durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt; der Haftbefehl wurde auf gehoben. Eine längere Beweisaufnahme beanspruchte eine Verhandlung gegen einen Handwerker, welcher der Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem Mädchen von acht Jahre beschuldigt wurde. Trotz seines Leugnens wurde er durch einen eingehenden und überzeugenden Beweis, der sich teilweise auf Indizien stützte, überführt und zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Angellagt wegen Rotzuchtsversuchs war ein Weißbinder. Rach Vernehmung einer ganzen Anzahl von Zeugen beschloß das Gericht auf Antrag des Staatsanwalts, diesem die Akten zurückzu- geben zwecks Anstellung weiterer Ermittelungen und Aufklärung verschiedener in der Verhandlung neu ausgetauchter Punkte. (Schluß des daktionellen Teils.) Das Lieblings-haarwafchmillel der Bubiköpfe ist nun das milde Helipon geworden, und zwar wegen seiner bequemen Einteilung der Waschportionen. Jede Bubikopf-Packung enthalt 3 abgeteilte Waschungen für 30 Pf. (Die andere Packung „Für langes Haar" enthüll 2 Vollwaschungen.) Wenn man dazu die wunderbar verschönernde Wirkung des Helipons beobachtet, so begreift man, wenn viele Verbraucher ganz offen ihre Meinung zum Ausdruck bringen mit den Worten: „Helipon sagt mir am meisten zu!" 1646v 2 CREME MOUSON • macht sie in weniger? Standen glättend geschmeidig Kübler’s Sweater, Anzüge,Kleidchen Schlupfbeinkleider Hygienisch — Elegant — Dauerhaft M. 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Cs ist SrC 11 lief hn U ueJ bann die n Kl- °Z7>- Sy» LH- ZW suk 5,^41 i beJ’ < selbst. 1 dc tviche? fr l >7K°ch Dort s, sch Besicht er „Er uni [«fe Sm d-s. & Sun *nit .c.Oc. iff > - Aas ihr samos s in allen W sichtigen M bei weitem spielte. 21u deutschen, avherorbenli so kam es a soviel sichere berühmter E versiebt, Xüdcnmw sticht überleg- von HoHmank in betSäufctt btt Spielauto- die Seiten we Zum ersten Sr der zweiten e Eigentor des u der mit einem fallenden linket ins eigene Sc erreichbar. ®l verein eine Rechtsaußen t frei vor dem und vergab t Einen Strafst Spieler mit s neben den P Gästehüter gl hie Germanen Hintermannsch, gelten. Gen Ä der Dunkelheit weiteren beide erfolge blieben 19008 beit: bandsspiel ges Steinbach burd Spielern. Lmsi den wundern, nur ganz fnap weise sogar m Eine sehr fd aus dem He dortige Ligarc Treffern. Recht spanne fQaftäfpie sangs dominier gezeichnet und mit 4:0 Tress« Hintermannsch, Gästen xu bte: für Gießen ti' en nUDa||er= einen lgschrcmt, ator, drei wat mit e.rie (drei W Stroh- 'tühle mit iit Stan- eberhang. mit zwei Wasch-' b, zwei einen chränke, - sechs lenzen, lMertep- rza Nr? - Laden- \nad). dahier, "gsweile 8904D leibtische, !«i Pia. °hmaschj. mar @Q. ager, 20 dürften, Schärf, roupons nen an- 'schrank, toioleFiiei heißt, nur 50 Pf kosLtet und bei mir zu haben Ist PiOlSM Reiönshiiiis Krcozplate 5, emMieueUe' toti6 2te*» wer- S^rets. «• Wechsler Bä* ^räen Sie sein. w.enn ich r>|° .7? Um kleines Schritt- 1Ä a?fmerksam = mache, das Gießen taWIlÄta 1 3383. fertittirHv liitaMr fei so len Sie mgs- en Sie Bedarf ns an feinere Bltaträodier n.!ImM,Ucßs Wer, Mita Prunns (ItoelM) MnMhi empfiehlt preiswert Gärtnerei Dönges Gießen um Muboroer Stru'e 87 Mt foiort >n S®t. ter ieß. Anf. 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M., konnten dasTreffen verdient mit 2:0 Toren (Halbzeit 0:0) für sich entscheiden, denn sie waren den Gießenern durch ihr famoses Kombinations» und Stellungsspiel in allen Phasen des Kampfes überlegen. Berücksichtigen muß man dabei allerdings, daß 1900 bei weitem unter der Form des Borsonntaas spielte. Auffallend war jedoch bei den Süddeutschen, trotz des herrlichen Feldspiels, die außerordentliche Schußschwäche des Angriffs, llnb so tarn es auch, daß die Spielvereinigung ebensoviel sichere Torchancen herausarbeitcte, als ihr berühmter Gegner, aber auch hier wurde alles versiebt. Die Frankfurter begannen mit dem Aückenwind und waren anfangs im Feldspiel leicht überlegen. Bei 1900 machte sich das Fehlen von Hohmann und vor allen Dingen von Katz in der Läuferreihe sehr nachteilig bemerkbar, denn der Spielaufbau litt sichtlich darunter. Als man die Seiten wechselte, stand das Spiel noch 0:0. Zum ersten Treffer kamen die Gäste in der Mitte der zweiten Spielhälfte, und zwar durch ein Eigentor des linken Verteidigers der Blauweißen, der mit einem wuchtigen Abschlag den eigenen fallenden linken Läufer anschoß, von dem der Ball ins eigene Tor sprang, für den Torwart unerreichbar. Gleich darauf bot sich dem Platz- Verein eine glänzende Ausgleichschance, der Rechtsaußen trat aber, wohl in der Aufregung, frei vor dem gegnerischen Tor über den Ball und vergab damit die einzigartige Gelegenheit. Einen Strafstoß aus 16 Meter setzte derselbe Spieler mit scharfem Schuß nur um Millimeter nebelt den Pfosten, einen ebensolchen hielt der Gästehütcr glänzend. Es dunkelte bereits, als die Germanen nach äleberspielen der Gießener Hintermannschaft unhaltbar ihr zweites Tor erzielten. Den Rest des Spieles konnte man infolge der Dunkelheit nicht mehr recht verfolgen. Die weiteren beiderseitigen Bemühungen um Torerfolge blieben unbelohnt. 1900s dritte Mannschaft bestritt das Ver- bandsspiel gegen Steinbachs erste Elf in Steinbach durch ein Mißverständnis nur mit acht Spielern. Umsomehr muh das günstige Abschneiden wundern, denn die acht Gießener unterlagen nur ganz knapp mit 3:2 Toren, nachdem sie zeitweise sogar mit 2:1 in Führung gewesen waren. Eine sehr schwache vierte Elf 1900s unterlag auf dem Heuchelheimer Platz gegen die dortige Ligareserve außerordentlich hoch mit 12:2 Treffern. Recht spannend verlief das Zugendgesellschaftsspiel 1900 I. gegen Dillenburg I. Anfangs dominierte die Spielvereinigung 1900 ausgezeichnet und lag auch bis kurz nach der Pause mit 4:0 Treffern in Führung. Schnitzer in der Hintermannschaft verhalfen dann aber auch den Gästen zu drei Toren, so daß man sich mit 4:3 für Gießen trennte. V. f. B. Daß. dieLigamannschaft in Wetzlar einen sehr schweren Stand haben würde, war vorauszusehen und auch in der Freitagsvorschau Liebe in Ketten. Roman von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 24 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wie, um Himmels willen, kam Felix dazu, diesen Menschen hierherzubringen?" fragte sie sich. „Sollte er etwas erfahren haben? Begann jetzt schon Isoldes Rache?" Doch da hatte Felix seine junge Frau erblickt. Er schwenkte grüßend die Mütze und rief jauchzend ihren Hamen. Da richtete Käthe sich auf. Sie preßte berde Hände auf das Herz. „Mut!" raunte sie sich zu. „Besser letzt als später! Es ist eine Schicksalsfügung. Vielleicht erkennt er dich nicht wieder!" Und sie winkte mit der einen Hand zurück und lief dann die Wege entlang, bis sie Felix erreichte, der sie liebevoll an seine Brust zog. Käthe schaute über seine Schulter hinweg nach Klausen. Sie sah ihn nicht und war froh darüber. Run durfte sie sich ganz der Seligkeit des Wiedersehens hingeben, und als Felix ihr tief in die blauen Augen schaute, ehe er sie küßte, da las er in ihnen die reinste Liebe, und auch sein Herz jubolte auf. Alle Zweifel schwanden aus seiner Seele. Er wußte, daß sein Weib ihn nie, nie betrügen würde, ihn nie betrogen haben konnte. Hastig flüsterte er ihr zu, wie sehr er sich nach ihr gesehnt habe: doch dann besann er sich, daß er nicht allein gekommen war. ,Ich habe *.t dem Ingenieur in Berlin zu tun gehabt und konnte es nicht über mich bringen dir nicht .Guten Tag!' zu sagen," rief er. , Wirst du mir zürnen, weil ich Herrn Klausen mitgebracht habe, um ihn dir vorzustellen?" Er schämte sich dabei wieder, daß eine ganz andere Absicht ihn bewogen hatte: aber er nahm sich vor, seiner Frau so bald wie möglich alles zu beichten, und damit entschuldigte er sich vor sich selbst- _ Ruch Käthe tat sich allen Zwang an, um nicht wieder schwach zu werden, und so ging sie am Rrme ihres Gatten dem Manne entgegen, der ihr Gluck so schrecklich bedrohte. . Dort stand er! Sie sah von weitem, daß sein Gesicht ganz unbewegt war. und sie atmete auf. „Er kemit mich nicht mehr!" rief es m ihr, und das gab ihr drn Wut, ihm unbefangen entgegen- Lieber Herr Klausen, das ist meine Stau" sagte Felix Surnau, vor Gluck strahlend. „Und das. Käthe, ist der Herr Klausen, den Altberg mir ab treten will, um auf Turnau einige Reuerungen zu schaffen, die dringend notig er« lcheinen." schon gesagt. Trotzdem glaubte man. ihr allgemein doch einen Sieg, wenn auch nur einen knappen, zutraucn zu können, da man mit Recht sagen kann, daß sie in technischer und taktischer Beziehung der Elf des Sportvereins unbedingt einiges voraus hat. zumal diese gerade in den letzten Verbandsspiclen verhältnismäßig schlecht abgcschnitten hat. Cs überraschte deshalb etwas, daß D. f. B. nur ein Unentschieden (2:2) erringen konnte und damit einen wertvollen Punkt verlor. Das Treffen konnte trotz seines wechselvollen Verlaufs nicht gefallen, sondern enttäuschte in mancherlei Hinsicht sehr. Abgesehen davon, daß es ihr nicht gelang, sich auf den zu schmalen Platz einzustellen, fand sich die Gießener Mannschaft im übrigen doch recht bald und war etwa zwanzig Minuten lang dem Gegner glatt überlegen, der es lediglich seiner geschickten Verteidigung und einer guten Dosis Glück zu verdanken hatte, daß er in dieser Zeit nicht schon mit einigen Toren ins Hintertreffen (am. D. f. B. spielte den weitaus besseren Fußball, aber auch viel zu weich und energielos, um seine zahlreichen Angriffe mit Erfolg abschließen zu können. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichener: beiderseits wurden eine Reihe von Torchancen herausgearbeitet, aber auch ausgelassen, so daß das Resultat bei der Pause noch 0:0 lautete. Rach dem Wechsel ging D. f. B. wieder aus sich heraus und diktierte das Spiel. Wetzlar wurde stark bedrängt und konnte trotz zahlreicher Verteidigung nicht verhindern, daß Gießen innerhalb kurzer Zeit zweimal einschoh. Don da ab nahm das Spiel wenig schöne Formen an. Die Mehrzahl der Spieler der V. f. B. - Elf legte sich verständlicherweise größtmöglichste Reserve auf, um sich vor Schaden zu bewahren. Die Folge davon war, daß Wrtzlar etwas aufkam und einen schlecht abgewehrten Ball des Gießener Torhüters zum ersten Gegentor einsenden konnte. Wenig später ließ sich der Spielleiter bestimmen, dem Plah- berein einen Elfmeter wegen Handspiel zuzusprechen. Sportverein erzielte auf diese Weise den Ausgleich. Bis zum Schluß lag D. f. B. dann wieder fast ständig im Angriff und machte verzweifelte Anstrengungen, den Sieg doch noch an sich zu reißen, ohne daß es ihm gelang, an dem Ergebnis von 2:2 noch etwas zu ändern. Handball im Männerturnverein (D.T). T.D. Wehlar 1. —M.T.D. 1- 4:1 (2:0). Das erste Verbandsspiel in der Rachrirnde führte die erste Mannschaft des M.T.V. am Sonntag in Wetzlar mit der ersten des dortigen Turnvereins zusammen. Die Gastgeber steltten auf eigenem Platze eine schwer zu schlagende Mannschaft ins Feld, zumal sie durch verfchie- dene neue Leute in letzter Zeit sehr an Spielstarke zugenommen hat. Die M.T.D.-Mannschaft kannte man gegen den vorhergehenden Sonntag nicht wieder: die Hintermannschaft leistete sich verschiedene Deckungsfehler, die den Wetzlarern auch jeweils zum Erfolg verhalfen. Da sich auch der M.T.V.-Sturm zu keiner einheitlichen Handlung zusammenfinden konnte, wurde das Spiet von den Gastgebern verdient gewonnen. Die wenigen schwachen Würfe, die auf das Wetzlarer Tor gingen, waren eine sichere Beute des guten Wetzlarer Torhüters. T. u. Spv. Butzbach 1. —M.T.D. Gießen 2. 4:3 (3:1). Die zweite Mannschaft des Männerturnvereins trug in Butzbach gegen die erste Mannschaft des Berndt Klausen hielt schon lange die Mühe in der Hand und verbeugte sich nun tief und fast ehrfurchtsvoll vor der, die doch dem Gesetz nach seine Frau war. Er küßte flüchtig die Hand, und als er sich aufrichtete, war in feinem Gesicht nicht zu lesen, was in seinem Innern vorging. Unwillkürlich hatte Felix Surnau die beiden doch beobachtet, obwohl er sich bittere Vorwürfe deshalb machte, erst recht, als er gewahrte, daß sie sich als vollkommen Fremde gegenüberstanden, und in seinem Herzen wuchs der Zorn über die Verleumdung, mit der Isolde ihn zu beeinflussen versucht hatte. Trotzdem wandte er seinen Blick nicht von den beiden, als er nun sagte: „Ich hoffe, es wird keine Störung verursachen, wenn ich Herrn Klause einlade, mit uns zu speisen. Willst du es übernehmen, Tante Adelheid zu verständigen und sie zu fragen, wann ich ihr Herrn Klausen präsentieren darf?" Käthe nickte. Sie war ja so froh, daß nun endlich diese furchtbar quälende Sorge von ihr genommen war. Berndt Klausen hatte sie nicht wiedererkannt, dessen war sie nun sicher, und so war sie ihm gegenüber sehr liebenswürdig, sagte, wie sehr ihr Gatte seine Fähigkeiten gerühmt habe, und er erwiderte ebenso höflich einige Worte. „ _. Ruch Tante Adelheid gewann den besten Eindruck von dem jungen Manne, und als sie dann zu vieren bei Tische sahen, da konnte Käthe schon wieder silberhell auflachen. Felix Surnau aber dachte nicht mehr an den Argwohn, der ihn kurze Zeit gemartert hatte. Und als er am nächsten Sage mit Klausen Nvn- nenwerth wieder verließ, da war er vollkommen überzeugt, daß dieser seine Frau nod)_ nie gesehen. geschweige denn irgendein Verhältnis zu ihr gehabt hatte. Käthe aber war so von Herzen froh, daß ne, als Felix schon im Auto saß, ihm noch zurief: „Rimm dich in acht, daß ich dich nun nicht ebenfalls einmal überrasche!" „Du wolltest nach Surnau kommen?" erwiderte er freudig überrascht. „Tue es, Käthe, tue es! Roch sind die Arbeiter nicht dort eingezogen: wir können noch herrliche Sage dort verleben." „Vielleicht komme ich!" sagte sie, und schaute ihn verheißungsvoll an. „Es wird dir sicher sonst einsam!" „Meine Gedanken sind doch immer bei dir! versicherte Felix. Es schwebte ihm auf der Zunge, ihr zu sagen, daß Isolde bei ihm gewesen war. Er wußte nicht, warum er auf einmal wieder an dieses Weib dachte, das er nun tief verachtete: aber et schwieg. .. 3n vollster Harmonie schieden die beiden Gatten. Felix Xumau ahnte nicht, daß das Gift der dortigen Turn- und Sportvereins das fällige Derbandsspiel aus. Rach ziemlich verteiltem Spiel mußten sich die Gießener vor dem Sabcllen- (5 r ft en mit nur 4:3 beugen. Da dem Spielverlauf ,iach das Resultat auch ebensogut umgekehrt hätte lauten können, kann die M.S.V.-Mannschafk stolz auf dieses Ergebnis sein. 1. Igd. T.D. Wetzlar-1. 3gb. M.T.D. Gießen 0:5 (0:3). Die 1. Jugend des M.T.D., die bei der 1. Jugend des S V. Wetzlar zu Gast war, konnte ihren Siegeszug fortsetzen. Rach jederzeit überlegenem Spiel errang sie einen glatten 5:0-Sicg. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Tv. 1846 I — Sb. Rauheim I 2: 3 (0: 2). Daß die Rauheimer auf eigenem Platze schlecht zu schlagen sind, muhten die 1846er am vorigen Sonntag erfahren. Bei Halbzeit lag der Gastgeber schon 2:0 in Führung. Dann aber legte Gießen ein mächtiges Sempo vor, das innerhalb zehn Minuten zwei Sore und damit den Ausgleich brachte. Sroh weiteren überlegenen Feldspiels gelang es den Rauheimern, drei Minuten vor Schluß im Anschluß an eine Ecke das entscheidende Sor zu erzielen. Die Jugend spielte planlos und hat es vollkommen verdient, daß die kleinen Rauheimer die Punkte errangen. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 1. Jugend — D. f. L. Wetzlar 1. Jugend 8:1 (3:1). o. Die erste Iugendmannschast der Spielvereinigung 1900, die schon vor einigen Wochen im Spiel gegen den Lokalgegner V. f. B. Gießen in ausgezeichneter Form war, bewies diese auch am Sonntag gegen den spielstarken V. f. L Wetzlar. Die V. f. L.-Iugend. seit Jahren im hiesigen Gau ungeschlagen, mußte sogar eine ganz empfindliche Schlappe hinnehmen. Etwas gemildert wird die Niederlage allerdings durch den Umstand, daß Wetzlar mit nur zehn Mann antrat. Aber auch mit kompletter Mannschaft wäre ein sicherer Sieg des Plahvereins, dessen Elf in fast allen Seilen gut beseht war und die vor allem sehr produktiv spielte, nicht in Frage gestellt gewesen. Schiedsrichter Birkenstock hakte das Spiel fest in der Hand. Mannschastskampf im Fechten im Turngau Hessen (D. T.) Tv. Wetzlar siegt knapp vor Tv. 1860 Vad-Rauheim. bpw. Ein beachtliches kurnsportliches Ereignis war der Mannschaftskampf im Florett, den die Fechterschar des Surngaues Hessen — wie gestern schon kurz berichtet — am Sonntag in der Surnhalle der Oberrealschule zu Gießen durchführte. Was technisch und ästhetisch geboten wurde, war zum Teil recht gut. Besonders die gleichwertigen Mannschaften von Wetzlar und Bad-Rauheim konnten durch sichere Klingenführung gefallen. Aber auch die Sgm. Friedberg hat sich gut gehalten, und selbst dem Mtv. Gießen darf man die Anerkennung nicht versagen: in Anbetracht der Satsache, daß feine Mannen das Durchschnittsalter der Seilnehmer weit überragten, hat er sich recht tapfer geschlagen. Die teilnehmenden Fechterriegen hatten die folgenden Altmannen xur Kampfstätte entsandt: M tv. Gießen: Bürck, Vogel, Hennig: Sv. Wetzlar: K. Mulch, H. Mulch, Hövels: Sv. 1 860 Bad-Rauheim: Hahn, Berlich. Pfeffer: Sgm. Friedberg: Brack. Fran- fenberger, Stein. Die Kampfleitung lag in Händen von Gausechtwart Kühn (Friedberg), dem als Kampfrichter die ehemaligen Gaufechtwarte K. Roll (Gießen), R i e h s ch (Bad- Rauheim) und G r o o s (Marburg) und die Fechter Vaubel, Maltzan, Holzheimer, 3ö r b (Gießen) und Feige (Bad-Rauheim) zur Seite standen. Vom GauturnarMchuß wohnte ©aufrauenturntoart R. Paul (Gießen) der Veranstaltung bei; Gauober turnwart Will, der am Erscheinen verhindert war, ließ durch den Gaufechtwart grüßen und dem Sreffen echt turnerischen Verlauf wünschen. Der Kanipf bestand aus 54 Einzelgefechten und stellte damit hohe Anforderungen an Körper und Geist der einzelnen Fechter, von denen lebet neun Waffengänge zu bestehen hatte. Cs Verleumdung ein ganz furchtbares, tückisches Gift ist, das ständig in dem Menschen frißt, dem es einmal eingeträufelt ist. Käthe aber winkte den Davonfahrenden nach, solange sie den Wagen sehen konnte, und als sie dann allein war, war sie sehr froh, daß sie weder Verth noch Herrn von Bodenstein etwas von dem gebeichtet, was sie die ganze Zeit über so bedrückt hatte. Sie war noch nicht ganz sicher, ob Berndt Klausen sie nicht doch wiedererkannt hatte: aber sie sagte sich, daß er, auch wenn dies der Fall gewesen sein sollte, allen Grund hatte, zu verschweigen, was zwischen ihr und ihm stand. Er selbst trug doch allein die Schuld, daß sie nicht in Wahrheit seine Frau geworden war. Sein böses Gewissen würde jttjn zum Schweigen veranlassen. Wie dem aber auch sein mochte, Käthe war wie erlöst, und so kam es, daß sie tatsächlich eines Sages mit Sante Adelheid nach Surnau fuhr und Felix überraschte. Sie sah Berndt Klausen nicht wieder, da er auf Altberg weilte, und auch jetzt erzählte Felix ihr nichts von dem Besuch Isoldes. Er kam sich schuldbeladen vor, weil er diese Frau überhaupt aiigehört hatte, und erst recht, daß er nicht den Mut finden konnte, Käthe alles zu beichten. Eines Sages hielt es ihn nicht mehr: er mußte Käthe beichten. „Du muht mir etwas verzeihen. Schah, etwas, was ich dir verschwiegen habe. Isolde von Kletten war bei mir. Sie war angeblich auf der Durchreise, und so unwillkommen sie mir war, ich konnte ihr doch nicht die Sür weisen. Sie ist jedoch am nächsten Morgen vor Sau und Sag wieder abgereist." „Und vorher, Felix?" forschte Käthe. „Was sollte vorher gewesen sein?" entgegnete er ausweichend. „Wir haben zusammen gespeist und sind dann ein wenig in den Park gegangen.“ Da er schwieg, und da Käthe wohl merkte, daß er etwas verhehlte, drang sie nicht weiter in ihn. Sie wußte ja selbst, wie peinlich manche Fragen werden können; aber sie erschauerte bei dem Gedanken, daß ihre Sobfeinbin Felix ausgesucht hatte, unb war überzeugt, bah es nur aus Haß gegen sie geschehen war. „Sie hat mich bei ihm verleumden wollen!" sagte sich Käthe, und war froh, daß sie Felix alles gebeichtet hatte, was er hatte wissen dürfen, bis auf das letzte — und da war jede Beichte überflüssig geworden. Um ihn zu beruhigen, schlug sie ein anderes Thema an und merkte, wie froh et darüber war. Sie lächelte jedoch: bertn sie hakte nun wieder die beglückende Ueberzeugung, daß Felix sie wahrhaft liebte, und diese Gewißheit gab ihr die vollkommene seelische Ruhe zurück. Mit keinem Worte kam sie in den nächsten Tagen auf Isolde wurde auf fünf Treffer gefochten. — In der ersten Runde kreuzten Tv. 1860 Bad-Rauheim — Tgde. Friedberg die Klingen. Die besser geschulten unb kampferfahreneren Rauheimer gingen gleich in Führung unb konnten die Drei ersten Siege für sich buchen. Im dritten und vierten Gang holte Friedberg etwas auf, vermochte aber im weiteren Verlauf des Kampfes den Ausgleich nicht mehr herbeizuführen. Rach dem neunten Gefecht verliehen die Mannschaften den Fechtboden mit dem Ergebnis von 6:3 Siegen für Bad- Rauheim bei einem Trefferverhältnis von 33:22. Die ersten zwei Punkte des Kampfes wurden für Dab-Rauheim gebucht. — Dann begegneten sich bie Mannschaften von To. wehlar — 2Hfo. Gießen. Die Wetzlarer schlugen den Gegner hoch mit 8:1 Siegen. Das Trefferverhältnis 42:26 bezeugt aber, baß bie Mtv.er sich der überlegenen Wetzlarer Drei nur mit angestrengtestem Kampfeswillen gebeugt haben. Bürck gewann gegen H. Mulch 5:2, Bürck, Vogel und Hennig machten auch dem Wetzlarer Hövels den Sieg nicht leicht. Selbst der treffliche Wetzlarer K. Mulch mußte es sich gefallen lassen, von Vogel vier Tresser zu erhalten. — Die dritte Runde sah als Gegner 2Tlfo. Gießen — Tv. 1860 Bad-Rauheim, dessen Mannschaft mit den besten.Siegesaussichten an dem Gesamtkampf teilnähm. Das Ergebnis konnte nicht gut anders lauten, als bas ber vorherigen Begegnung: Bad-Rauheim gewann hoch mit 8:1 Stegen bei einem Sref- ferverhältnis von 43:21. Auch hier war es Bürck, der ben Gießenern ben einen Sieg holte. — Näher an ben Sieg kam von Kletten zurück, und Felix war ihr aufrichtig dankbar dafür. Er selbst fuhr oft nach Altberg hinüber, auch wiederholt nach Berlin: aber Käthe dachte nicht daran, Surnau zu verlassen, selbst, nachdem Sänke Adelheid nach Wiesbaden abgereist war. Sie fühlte sich so sicher, daß sie niemals bestrebt war, neuen Begegnungen mit Berndt Klausen auszuweichen: wohl aber schien dieser sie zu meiden. Und wieder einmal war Felix in ber Hauptstadt. Käthe hatte einen längeren Spaziergang unternommen und war schließlich müde geworden, so daß sie sich im Walde auf einen Baumstamm setzte, der gefällt am Wege lag. Sie spielte mit dem Sonnenschirm, den sie mitgenommen hatte, und dachte an allerlei unb nichts, als plötzlich ein Schatten auf die seltsamen Kritzeleien fiel, die sie mit der Schirm- spitze in den Boden gezeichnet hatte. Ohne groß zu erschrecken, schaute Käthe auf. Aber ihr' war, als müßte das Herz ihr ftill- stehen, als sie Berndt Klausen vor sich stehen sah- In dieser Sekunde wußte sie auch, daß nicht ber Zufall ihn hierhergeführt hatte. Dieser eine Blick in sein Gesicht verriet ihr, daß er sie wiedererkannt, baß sie sich zu früh dem Gefühl vollkommener Sicherheit hingegsben hatte. „O mein Gott!" dachte sie. „Was will er von mir?“ Da sah sie, bah er sich vor ihr verneigte, nicht ehrerbietig wie an ben borangegangenen Sagen —nein, nur leicht, nachlässig, vertraulich fast; dabei sagte er halblaut: „Guten Sag. Käthe!" Da wußte sie, daß alles, alles vergebens gewesen war. Jetzt war die Stunde da, die sie gefürchtet batte, seit dieser Mann zum zweiten Male in ihrem Leben auf getaucht war. Zugleich aber erwachte in ihr der feste Wille, sich durch ihn ihr Glück nicht zertrümmern zu lassen. Sie dachte an die Verzweiflung, die sie in London um seinetwillen hatte erleiden müssen, als er sie schnöde verlassen hatte. Tiefste Empörung war in ihr. Aber sie hatte zu ihrer Verteidigung keine andere Waffe als — Lüge. Erlogen war es, als sie nun hochmütig auf- stand, als ihre blauen Augen ihn voll Entrüstung anblitzten, und sie hatte Mühe, ihrer Stimme einen harten Klang zu geben, als sie hervorstieß: „Herr Klausen, was unterstehen Sie sich?!" Doch er lächelte nur, nicht einmal spöttisch, sondern fast nachsichtig, und so erwiderte er: „Darf ein Marrn seine Frau nicht mit ihrem Vornamen anreden?" (Fortsetzung folgt) Alto. Gießen — Friedberg hercm. Friedberg gewann nur knapp mit 5:4 Siegen (Trefferverhältnis 34:33). Bürck war zweimal siegreich, während Hennig und Vogel le einen Erfolg budjcn konnten. — 3n der fünften Runde standen sich Wetzlar — Friedberg gegenüber. Friedberg verteidigte sich nicht mehr so ehrenvoll wie im Treffen mit Dad-Rau- heim. Mit dem im Verhältnis sehr hohen Ergebnis von 6:1 Siegen (41:22 Treffern) verließ Wetzlar den Kampfboden, um sich in der letzten Runde des Tages dem ebenbürtigen Gegner Dad-Rouheim zu stellen. Der Kampf zwischen Vad-Rauheim und Wetzlar, der zu Beginn zwei Mannschaften mit gleicher Punktzahl gegenübersah, wurde als Lnischeidungskampf äußerst spannend, zum Teil auch recht hart geführt. Das Ringen um die Punkte begann mit drei aufeinanderfolgenden Einzels legen Wetzlars. Bad-Rauheim strengte sich dann merklich an, und nach dem sechsten Gefecht stand der Kampf wieder aus Anentschieden. Rach dem siebenten Treffen lag Wetzlar in Führung, und mit der achten Partie schaffte Rauheim von neuem den Ausgleich. So wurde das neunte Gefecht der Runde als letzte Begegnung des Tages zum spannenden Entscheidungsgefecht. Der Linkshänder Pfeffer (Dad-Rauheitn) und Hövels (Wetzlar) standen sich gegenüber. Schon führte Pfeffer 4:1 und der Endsieg schien den Rauheimern gewiß. Aber Hövels holte nicht nur überraschend auf, er versetzte dem Gegner auch nvch den siegbringenden Stoß. Die Runde endete mit 5:4 Siegen (36:39 Treffern) für Wetzlar, das damit zum Sieger des Tages wurde. — Demnach lautet das Gesamtergebnis 1. Tv. Wetzlar 6 Punkte, 21 Siege, 87 erhaltene Treffer; 2. Tv. 1830 Dad-Rauheim 4 P., 18 S., 79 Tr.; 3. Tgm. Friedberg 2 P.. 9 ©., 112 Tr.; 4. Mtv. Gießen 0 P., 6 S., 119 Tr. Der beste Einzelfechter des Kampfes war K. Mulch (Wetzlar), zur Seit unstreitig der beste Florettfechter des Gaues, mit acht Siegen und einer Riederlage. Es folgen im Rang: Hövels (Wetzlar), ein junger Fechter, der Zukunft hat, mit acht Siegen; Hahn (Dad-Rauheim) und Berlich (Bad-Rauheim) mit je sieben Siegen. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Doctenheim I — Gießen I 16:0. Gießens 1. Mannschaft, die zur Zeit eine Krise durchmacht, hatte es am Sonntag gewagt, nur mit acht Mann eine aussichtslose Fahrt zum jetzigen Svitzenführer der ersten Kreisklassengruppe, Franksurt-Bockenheim, zu unternehmen. Das Resultat ist aus diesen Gründen leicht verständlich, gehört doch Dockenheim zu den besten Kreisklassenmannschasten. Wohl machte Gießen alle Anstrengungen, eine hohe Riederlage abzuwenden, es konnte jedoch nid)t verhindern, daß Dackenheim bei Halbzeit schon neun Tore vorgelegt hatte. Auch nach dem Wechsel zeigte Dockenheim weiter sein erfolgreiches Spiel, um nach und nach mehr zu einem gemütlichen Spiele überzugehen. Dei Schluß hatten sie dann doch obiges Resultat hergestellt. Gießen Ib — Wieseck I 1.8. Auf dem Tr:eb standen «ich beide Mannschaften im vorletzten Spiel der ersten Klasse gegenüber. Während Gießen mit zehn Mann an trat, sah man Wieseck mit Ersah für seinen Linksaußen. Der Anstoß der Einheimischen wurde abgesangen und in präzisem Spiel konnte der flinke Sturm der Gäste bereits nach toenigen Sekunden durch seinen Mittelstürmer in Führung gehen. Gießen konnte nicht verhindern, daß nach fünf Minuten das Resultat 2:0 lautete. Dei Halbzeit lautete das Resultat 5:0 für Wieseck. Rach Seitenwechsel hatte Gießen umgestellt und konnte vorerst die flinken Angriffe der Gäste abwehren, ohne aber seinerseits zu einem Erfolge zu kommen. Dann stellte ler Linksaußen der Gäste das Resultat auf 6:0. Ein Elfmeter tourie von den Gästen verschossen. Gießen wurde nun im Spiel körperlicher, doch stellle der flinke Sturm der Gäste das Resultat auf 8:0. Erst zwei Minuten vor Schluß gelang es lern Mittelstürmer der Einheimischen, durch einen schönen F'a hschuß seiner Mannschaft das Ehrentor ?u re"en. Waldgirmes I — Watzenborn I 1:2. 3n Waldgirmes lieferten sich beide Gegner ein schönes Spiel. Watzenborn hatte sich als Reuling bereits eine beachtliche Spielstärke zu eigen gemacht, aber auch Waldgirmes zeigte ein ansprechendes Spiel. Obwohl die Gäste zeitweise überlegen waren, gelang es ihnen nur zweimal, dem guten Torhüter der Einheimischen das Rach- sehen zu geben, während diese nur ein Tor aufholen konnten. Wieseck II — Rodheim I 6:1. Auf dem Wiesecker Sportplatz standen sich diese Mannschaften gegenüber. Rodheim stellte sich komplett, Wieseck mit Ersah. Dom Anstoß weg zog Wieseck vor des Gegners Tor. und in der ersten Minute schon hieß es 1:0. Rodheim spielte nun sehr eifrig, doch erhöhte Wieseck sein Resultat bis Halbzeit auf, drei Tore, dem Rodheim nur eines entgegensetzen konnte. Auch nach Seitenwechsel ließ das Spiel nicht nach, und Wieseck konnte infolge seines technisch besseren Spieles das Resultat bis Schluß auf 6:1 stellen. Die erste Jugendmannschaft Wieseck fertigte ihren Gegner, die Jugend Rodheims, auf eigenem Platze mit einer 3:0 Riederlage ab. Wirtschaft. Reue Kursstürze in Reuyork. Reu York, 28. Olt. (WTB.) Sehr schnell ist an der Effektenbörse auf den schwarzen Donnerstag ein schwarzer Montag gefolgt, dessen Ur- sachen z. T. in den Auswirkungen des letzten Kurseinbruches zu suchen sind. Dei wiederum sehr großen Umsätzen gaben die Kurse bis zu 45 Dollar nach. 3m Verlause der Dörse einsehende Stühungversuche der Danken erwiesen sich als erfolglos. * Bankier Heinrich Emden f. Bankier Heinrich Emden, der Inhaber des 1875 gegründeten Bankhauses Heinrich Emden in Frankfurt a. M., ist gestern im Alter von 77 3ahren gestorben. Heinrich Emden war nicht nur in Bankkreisen, sondern auch in der Oeffentlichkeit allgemein angesehen und beliebt; er war Ehrenbürger der Universität Frankfurt a. M., Ehrenmitglied der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät und lange Zeit Vorstandsmitglied des Vereins Frankfurter Privatbankiers. Der Verstorbene hat sich auch publizistisch betätigt durch Herausgabe der Wochenschrift „Finanzherold". * Weiter langsame Zunahme der Arbeitslosigkeit. 3n der ersten Oktober- Hälfte ist die Zahl der Hauptunterstühungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung von 749 000 auf 784 000, d. h. um rund 35 000 oder 4,7 Prozent gestiegen. Die Zunahme beschränkt sich wieder ausschließlich auf die Männer und belief sich bei diesen auf 36 000 oder 6,3 Prozent. Bei den Frauen fand auch dieses Mal eine, wenngleich sehr geringe Abnahme (um rund 700 Personen) statt. Von den Hauptunterstützungsempfängern in der Krisenunterstützung wurden sowohl männliche wie weibliche Unterstützte betroffen. Sie wiesen zusammen eine Zunahme um 3000 Personen oder 2 Prozent auf und erreichen damit eine Zahl von 165 000. * Eine Erklärung der Dornier- Werke. Die Geschästsleitung der Dornier- Metallbauten G. m. b. H. gibt bekannt: Die in einem Teil der Presse verbreitete Rachricht, daß die Firma Dornier-Metallbauten G. m. b. H. 60 v. H. ihrer Werkangehörigen zum 1. Januar £U kündigen beabsichtige, ist unzutreffend. Es ift allerdings notwendig, Einschränkungen infolge der derzeitigen Konjunktur vorübergehend vorzunehmen. Von einer Schließung kann nicht die Rede sein, im Gegenteil kann auf Grund der in letzter Zeit erzielten Erfolge, insbesondere mit dem Flugschiff „Do X“, damit gerechnet werden, daß bereits in kurzer Zeit wieder größere Einstellungen notwendig werden. * Der Zusammenbruch der Kieler Bank. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, hat sich aus der Untersuchung der Vorgänge, die zur Zahlungseinstellung der Kieler Bank geführt haben, ergeben, daß zahlreiche Angestellte der Bank auf Kosten des Instituts sich in Spekulationen eingelassen haben. Die außerordentlich hohen Verluste, die sie dabei erlitten Haben, wurden von der Bankleitung übernommen und in einem Sonderkonto geführt. Wie weit gegen diese Angestellte vorgegangen werden wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. * Insolvenz Jakob Dreysuh in Frankfurt a. M. Die mit der Revision bei der insolvent gewordenen Mehlhandelsfirma Jalob Dreyfuß, Frankfurt a. M.. beantragten Treuhandgefe.lschaften, die Deutsche Waren- Treuhand-A.-G., Hamburg, und die Deutsche Treuhand-A.-G. für Warenverkehr, Berlin, laden nunmehr die Gläubiger zu einer ersten Gläubigerversammlung am 31. Oktober ein. In dieser Versammlung wird über das Ergebnis der bisherigen Prüfungsarbeiten Bericht erftatiet und den Gläubigern das Ziffernmaterial, das bis 6a» 5;n ermittelt war', en ist, unterbreitet werden. Wie wir erfahren, wird es jedoch noch nicht möglich sein, endgültige Dilanzzahlen, namentlich was die Debitoren betrifft, vorzulegen; die Gläubiger- Versammlung ist in erster Linie einberufen worden, um Richtlinien für das weitere Verhalten der Gläubiger sestzulegen. • Gemeinschaftsgruppe der Hypothekenbanken. Bei der zur Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken gehörenden Deutschen Hypothekenbank, Meiningen, und der Preußischen Boden-Credit-Actienbank fanden gestern die üblichen Aufsichtsratssihungen statt, in denen über das Ergebnis der ersten drei Vierteljahre 1929 berichtet wurde. Gtarke Kursrückgänge. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Oft. Tendenz: schwach. — Rachdem man sich über die letzte Krisenstimmung in Reuyork hinweggesetzt hatte und damit rechnete, daß dort durch Stützungen solchen Vorkommnissen eine Schranke gesetzt sei, sah man sich heute vormittag getäuscht, als man erfuhr, daß schon wieder ein beträchtlicher Kurseinbruch eingetreten war. Selbstverständlich wurde die Börse erneut aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogen, und ganz enorme Kursrückgänge waren hier die Folge. Hinzu kam noch die ßuftfoHgfeit, die auch schon an der gestrigen Abendbörse geherrscht hatte, so daß die Reportgeldaufschläge wieder verloren gingen und noch um einige Prozent unterschritten wurden. Das Geschäft bewegte sich bei immer geringer werdender Aufnahmelust in sehr bescheidenem Rahmen. Die zunehmende Arbeitslosigkeit im Reiche trug ebenfalls zur Verstimmung bei. Die empfindlichsten Verluste hatten die Spitzenwerte aufzuweisen. So waren am Elek tr omarkt Siemens mit minus 9,5 Prozent stark angeboten. Schuckert verloren 11,25 Prozent, Gessürel 5 Prozent, Bergmann 6,75 Prozent, AEG. 3,25 und Licht & Kraft 2,5 Prozent. Lahmeysr blieben knapp behauptet. Deutsche Linoleum gaben 7 Prozent nach, und die gestern erstmalig zur Rotiz gelangten Aku-Werte hatten einen Verkarst von 6 Prozent aufzuweisen. Am Chemiemarkt eröffneten J.-G.-Farben 2,75 Prozent, Deutsche Erdöl 3 Prozent und Goldschmidt 1 Prozent schwächer. Auch am Montanmarkt waren die Kursrückgänge ziemlich enrpfindlich. Voran schritten Mansfelder mit minus 4 Prozent, RH einst aHl und Mannesmann mit je minus 3 Prozent. Phönix und Klöckner gaben 1,5 Prozent naa). Ron lokalen Werten waren Fvankfurter Maschinen gut behauptet, und Metallgesellschaft lagen nur geringfügig schwächer. Schiffahrtswerte bis 2 Prozent niedriger. Am Bankenmarkt Com- merz-bank 3 Prozent und Reichsbank 2 Prozent niedriger, während Barmer Bank und Deutsche Dank gut gehalten waren. Von Glanzstoff-Aktien waren Demberg 3 Prozent niedriger. Am variablen Markte bestand einiges Interesse für Junghans, bei einer Besserung von 2 Prozent. Renten leicht nachgebend. Im Verlaufe machte sich neues Deckungsbedürfnis geltend, und die Kursgestaltung besserte sich allgemein etwas. Deutsche Linoleum gewannen etwa 3 Prozent zurück, während an den übrigen Märkten die Besserungen kaum über 1 Prozent hinausgingen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7,5 Prozent gesuchter. Monatsgeld 8,25 bis 9,25 Prozent. Am Devisenmarkt lag der Dollar weiter schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1765, gegen Pfund 20 376, London gegen Kabel 4 8790, gegen Paris 123 8250, ge^en Mailand 93,10, gegen Madrid 34,90, gegen Holland 12,09. Berliner Börse Berlin, 29. Oft. Wie nicht anders zu erwarten war, lag auch die heutige Berliner Börse nach den erneuten Kurseinb.üchen im Auslande ausgesprochen schwach. Schon Frankfurt hattr gestern abend die rückgängige Kursbewegung in Reuyork und Amsterdam mitgemacht. Gegen die letzten Rotierungen der Abendbörse ergaben sich aber heute noch weitere, teilweise erhebliche Kursrückgänge. Das Angebot war heute vielleicht gar nicht einmal so besonders groß. Aber sechs Millionen Verkaufsorders summieren sich auch und beeinflußen bei deo geringen Aufnahmetätigleit die Märkte. Jedenfalls sind die Reports per Ultimo Rovember, die in den Kursen enthalten sind, verloren gegangen. und darüber hinaus traten nicht selten Verluste bis zu 10 Prozent ein. So verloren, vom Report abgesehen, Salzdetfurth 9, Deutsche Linoleum 7,5, Chade-Aktien 7,5, Siemens 11,5, Pvlyphon 9,5, Evenska 5 Mk. usw. Außerdem waren Reichsbank und Terger mit 1,5 Prozent gedrückt. Die Kunstseidenwerte lagen im Einklang mit Amsterdam besonders schwach. Demberg (Minus—Minus) verloren 9 Proz. und die neu in den Termin eingeführten Aku i ebenfalls Minus-Minus) 18 Proz. Als Ausnahmen sind Gebrüder Junghans, die 2 Proz. gewannen, zu bezeichnen. Deutsche Anleihen relativ lpiderstands- fähig. Auch Ausländer meist behauptet. Geld war zum Ultimo gefragter. Tagesgeld 7 bis 9 Proz., Monatsgeld 9 bis 10,5 Proz., Geld über Ultimo 8,5 bis 10 Proz., Warenwechsel etwa 7,75 Proz. Rach den ersten Kursen war es weiter schwächer, angeblich kam noch an den verschiedenen Märkten Cxekutionsware heraus, so daß erneut Verluste von 1 bis 3 Proz. eintraten. Konti Gummi lagen weitere 3 Prozent niedriger, RWE. minus 3 Prozent, Polyphon und Salzdetfurth verloren weitere 4 Proz., Reichsbank 2, Siemens 2 usw. Die Berichte über die heutige Fisions-Eeneral.'versamm- lung der Dedi-Dank konnten nicht als Anregung dienen, da die Börse augenblicklich Sorge hat, wie sie über den Zahltag kommt. Man rechnet auch zu den Kassakursen zu EeDbeschaffungs- zwecken mit weiteren Glattstellungen. Berliner Prodnktenmarkt. Berlin, 28. Ott. Der deutsche Getreidemarkt geht weiterhin, von den Meldungen von Ueberfee nur wenig beeinflußt, seinen eigenen Weg. Die vom Federal Farm-Board für die USA. angekündigte großzügige Farmerhilfe vermochte dem hiesigen Markt keine Anregung zu bieten, da man der Meinung ist, daß die bisherigen heftigen« Preisschwankungen ter nordamerikanischen Terminmärkte nicht durch mangelhafte Emtesinanzie- rung hervorgerufen waren. Die schwierigsten Folgen der angekündigten Maßnahmen war eins wesentliche Erhöhung der Cifofserten für die nordamerikanischen Weizensorten, der kanadische Farmerpool blieb dem Markte wieder fern. Die argentinischen Ablader hatten ihre Forderungen dagegen nur mäßig erhöht. Hier war Interesse für Auslandweizen weiter nicht vorhanden. Das inländische Angebot von beiden Brotgetreidearten ist nach wie vor nur ziemlich gering, dis Mühlen bekunden sowohl für Weizen als auch für Roggen geringe Konsumnachfrage, so daß die Preise am Effektiv- und am Lieferungsmarkt nur unbedeutende Veränderungen erfuhren. Weizen- und Roggenmehle sind anscheinend vom Konsum etwas besser gefragt. Die Mühlen klagen jedoch darüber, daß die abgegebenen Gebote keine Rechnung lassen. Hafer und Gerste ruhig, aber in den Preisen ziemlich stetig. Es wurden! notiert (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 227 bis 228 (ruhig), Dez. 247 bis 248, März 261 (/Brief); Roggen, märkischer, 172 bis 177 (ruhig), Dez. 194,50 bis 195 bis 194,50, März 208 bis 205,50; Braugerste 195 bis 215 (ruhig): Futter- und Jndustriegerste 172 bis 188 (rüfrig); Hafer, märkischer, 164 bis 174 (ruhig), Oft. 175, D.z. 183, März 192,50 (Geld), Kunst und Wissenschaft. Molo bleibt Vorsitzender der Dichter-Akademie. Berlin, 28. Okt. (TU. Funkspruch,) Die Sektion für D i ch t f u n ft der Preußischen Akademie der Künste hat in ihrer Hauptversammlung am Montag Walter von Molo zum Vorsitzenden und Ludwig Fulda zum stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 78 vom 25. Oktober enthält: Die Bekämpfung von Viehseuchen. — Das Ergebnis der Hauptkörung. — Anlegung von Dampfkesseln. — Die Eröffnung des ordentlichen Lehrganges 1929/30 an den landwirtschaftlichen Schulen. — Bahnsteigverlängerung des Haltepunkte^ Garbenteich. — Dienstnachrichten. Kurszettel der Berliner und Frankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Datum • rantfurt a •” Iberlfr Damm 'rantfurt a Berkir -ch utz. .8 i . Ur Mir 29. 1 . -chluv Kur -8 ihifang- 0 11 r 29. U djiufr ffme 28 । Ub Jhir. 9 Schlug Kur. 8 > Anfang- Kur 29. iv 6 eu Iche .he.m on ........ 7% Deutsche ReichSanleihe von 1929 ......... Ti. vm ab!6l.-Gd)ulo mit Auo loL-IHediirn . . Tp"o' '•hn * iRn/fifn 8% Heil. Bolksstaat von 1929 (rüdjnl)Ib. 102%) . . . Oberwellen Provinz - Anleihe mH «u.'!oi..S>echtcn..... Deutsche Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1 ... 8% firanlf. Hyp.-Vank Goldpse XIII unkündbar bis 1934 . 7% Franks. Hvp.-Bank Goldpse. unkündbar bis 1932 ..... Rheinische Hyp.-Banl Liqu. Goldpse....... 8% Pr. Landeovsandbrlesaiistalt. Psandbriese R. 17..... 8% Pr. Landespsanbbrietanstalt, Komm.-Obi. N. 18..... 7% Pr. Landecpsandbriesanklall, Pfandbriefe R. 10 8Ll ti) cum. yvrrneue-Obllgatton rückzahlbar 1932 4% Oeiterretchtlche Goidrre 4.80% Oflerr Obrrrt- 4% Ocsterreichilche Einheitliche Rente.......... 4% Ungarische Goldne.. . . 4% Ungarische Staaisr. o. 1910 4y»% besgl. von 1913 . . . 4% Ungarische Kronenrte.. . . 4% XürL Zollanleche v. 1911 . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie 1..... 4% deSgl. Serie II 6% Nu manische veretnh. Rente von 1903 ‘ . . . . 4R mantiche veretnh. Rente von 1913 . . ..... 4% Rumänische veretnh. Rente . 87,5 99 50 9,3 89,5 47 48 94,75 85,5 76 98 95 89 27 21,8 19,13 2,1 7,5 7,5 7,5 8,6 13,75 7,1 i 1 i 1 1 8| 1 1 1 1 II 1 | 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 87,5 99 50,1 9,3 89 43 98 95 89 3,4 z,15 21,9 9,25 -,15 7,6 7,8 7,75 8,65 13,9 7 —4 —4 *-~J CD CO *4 Oi II 1 83 g£lKS 1 IS 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 üamburg.Amerita Tatet '< pamb Südam. Dampslch. . t- Hansa Daml ssülss.....10 Norddeutscher Lloyd.....f Ailg Deutsche Creditanst. . 10 Barmer Bankverein .... 1< Berliner Handewgesclllch. . . 1« Commerz, und Privat-Bank . 11 Tarmst. u. Nationalbanl . 1 Teuiiche Bant......1' Didconlo-Geleklschast, Lnt. . 1< Dresdner Bank......1< Skeichsbam .....1 A.E.G . . Bergmann . . Elellr. Lieferung rgelellschaft 1> Licht und Straft 1; stellen L Guilleaume. ... 7^ Gei. I. Eleltr. Untern.. ... 10 Hamb. Eleltr -Werke .... 1 Rhein. Elektr.........ti Schlei. Eiet! ......lu Schuckert & Go. .....11 Siemens & Halske ..... 16 TranSradto.........8 Lahmeyer »To.......10 Buderus..........6 Deutsche Erd AI ....... 6 Essener Steinkohle......f Geilenkirchener ....... 8 Harpener.........0 Hocsch Eilen........6Vi stiie Bergbau ...... 10 filddncrroerte ........ Röln-Oleueiien . .... 7 Mannesman-' -Röhren .... 7 tWam'lcIBct Bergbau.....7 Oberich'ei. Euem,eoars . . . . Cbcddilei. NokSwerke.....7 Phönix Bergbau......6V, Rheinische Braunkohlen. . . 10 Rheinstaip.........6 «iebeck Montan...... 108,9 104 119,25 120 168,5 251 160 160 >51,5 262 168 116 168 143,5 176,75 299,5 166,5 62 96,5 128,5 136 209 114 104 251,5 101,75 107 102,5 120 165,5 160 160 149,75 260 164,75 191 160 163 171,5 290 166 93,5 126 134 92 94,5 110 102,25 99 109 165,5 47,75 104,25 118,75 120 180 167,5 250,5 160 160 151,25 268 169 197,65 158 162,5 117 168 126,5 144 157,5 176,5 303,5 122 61,5 95,25 127 128,5 137 113 209,25 93,25 111 97,5 .12,25 67 91 04,4 253 102 105 107,6 146 103 119,25 120 179 166 246,25 160 160 150 260 166 192 154 160,13 116 164 124,75 143 155 174 292 119,75 61,5 93,5 125 125 134 113,25 91 109,25 96 111,5 88,5 103 247 99 •Iranlfurt a M Berlin Banknoten. ^chlug- Kur» Uw Kur Schlug Kur. Anfang- Kur Berkin, 28. Oktober Geld Brief Amerikanische Noten Belgische Noten ...... Dänische Noten ....... Gnalildie Noten ........ 4,168 58,20 111,73 20,338 16,431 168,07 21,83 111,63 58,53 2,473 •11,93 80,74 59,73 .2,335 72,83 — Jtanffur 4,188 58,44 112,17 20,418 16,491 168,75 21,91 112,07 58.77 2.493 •12,37 81,06 59,97 12,395 3.13 a. M. Datum 28. 10. .9. 11). 28 । • 29 i Bereinigte Siahlw Otavt Minen . . 16'/, ITai werke AicherSieben . . b Km werke Westeregeln . . . io RaJiw. i e Salzoeiiurth . 15 3. ® flarben-ZndusktS ... 12 Dynamit Nobel.......6 Echeideonsiall........ *j Goldschmidt........b Rütgerswerke........6 Metatlgeielklchafk......8 Philipp Hmzmann . ... 1 Jemen werk Heidelberg ... 10 Temeniwcrk Karlstadt ... 10 May« 4 ag .... 8 Schuithet« Patzenyoser ... 15 Oflroerte........ • 12 Ber. Glanz stoff..... 18 Bemberg....... . '■* Melifloii Waldhos .... 18y» gcllstojs Aichasjcnburg . . iz Charlottenburger Wchser ... 8 Dessauer Ga».......9 Daimler Motoren ..... . v Deuische Linoleum ..... äj' rm-ti.- ttl Q i ..... o luoid. Loew 1« Rat. Automobil . . ..... o Crenflein 4 Koppel.....6 V-onhatb Tietz ..... 10 Nranks. Maschtne« ...... 4 Grttzner..........6 Heyiigenstaedk .......o stungyan». 6 Cedi inerte. . 8 Main traf twerv Höchst a. M. 8 Miag. 10 Gebe. Roeder.......10 Boigt » Haefsna......9 Südd. Zucker.......10 iTT 200 206,5 313,5 176,75 135 61 69 115 207 198 >32,5 242 350 46,25 5,5 52 102 122 106 222 145 4» a> co —*