Nr. 150 Erster Blatt 179. Jahrgang Samstag, 29. Juni 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis sür2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. GletzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Mnh>erfttäts:Bu(fr und Steindruckerel R. Lange in Sietzen. Schristlettnn, und Seschästsstelle: Schulftratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer ols zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr» Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Gesamtliquidation. In scharfem Galopp hat der Reichstag sogar unter Zuhilfenahme der Nachtstunden den Haushaltsvoranschlag und eine Anzahl weiterer Vorlagen und Anträge durchgejagt, um beizeiten in die Sommerferien gehen zu können. Ueberwältigend ist der Eindruck, den die parlamentarische Gesetzesmaschine auf den nur passiv beteiligten Staatsbürger macht, auch dann nicht gerade, wenn sie unter Hochdruck steht. So sind die letzten Arbeitstage des Reichstags vor- übcrgehetzt, ohne daß im Grunde sehr viel wesentliche Dinge sich der Erinnerung tiefer eingeprägt hätten. Reichsetat, Agrarprogramm und Zottoorlagen, Republikschutzgesetz, Sperrgesetz für Aufwertungsstrei- tigkeiten der Standesherren, sogar der ominöse Panzerkreuzer A brachte sich noch einmal in Erinnerung. Jede einzelne Frage wichtig genug an sich, Gegenstand lebhafter Debatte in Ausschüssen wie Plenum, aber die Hetzpeitsche des parlamentarischen Betriebes sorgt schon dafür, daß die Anteilnahme der großen Masse des Volkes an innerpolitischen Problemen nicht ungebührlich groß wird, daß ein jeder sich nur um das kümmert, was ihn selbst und seinen Geldbeutel betrifft. So beschränkt sich das Interesse der Oeffentlichkeit fast ausschließlich auf die Außenpolitik und man ist auch im Parlament daran gewöhnt, außenpolitische Debatten, wie sie regel- mäßig bei der Beratung des Etats des Auswärtigen Amts zu erfolgen pflegen, als „große Tage" zu be- zeichnen. Auch diese Woche hat einen solchen gebracht und man wäre fast geneigt, ihn in einem gewissen Sinne sogar erfreulich zu nennen, wenn nicht die ohnehin nur zarten Ansätze zu einem Zusammenspiel zwischen Opposition und Regierung nur bei der ersten Rednergarnitur zu bemerken gewesen wären. Allzu schnell trat wieder jener Mangel an Regie ein, der bei uns in so peinlichem Maße chronisch ist. Das Parlament hat monatelang auf eine außenpolitische Debatte gewartet. Sollte sie in diesem Augenblick nach dem Abschluß der Pariser Gutachterkonferenz und während der Vorbereitungen für die Reparations- und Räumungskonferenz der Regie- rungen irgendwelchen Zweck haben, mußte zwischen Regierung und Opposition mit verteilten Rollen gespielt werden. Dem Führer der deutschnationalen Reichstagsfraktion muß man es lassen, daß er seine Aufgabe richtig erkannt hatte. Graf Westarp übte an der Außenpolitik der Regierung scharfe und in manchen Punkten gewiß nicht unberechtigte Kritik, aber er hütete sich wohl, jene Grenzen zu überschreiten, die einer verantwortungsbewußten Opposition von der Verpflichtung gezogen sind, in jedem Augenblick selber zur Uebernahme der Regierung bereit zu sein. Dieser gute Eindruck erfuhr allerdings durch den zweiten Redner der Deutschnationalen, Freytagh-Loringhoven, eine betrübliche Abschwächung. Seine maßlosen, persönlich zuge- spitzten Angriffe gegen den Reichsaußenminister ließen jeden Willen für positive Mitarbeit vermissen, zu der auch eine richtig verstandene Opposition zwingen sollte. Beide Gruppen, Regierungskoalition wie Opposition dienen doch, wenn auch auf verschiedenen Wegen, demselben Ziele. Es war tiefbeschä- mend, daß Stresemann auf England als Vor- bild Hinweisen mußte, wo bei einem Empfangsessen für den neuen amerikanischen Botschafter Dawes, der regierende Außenminister der Labour Parin und sein konservativer Vorgänger den fremden Gast einrahmten in schöner Symbolik für die in den Zielen unwandelbare Kontinuität jeder nationalen Außenpolitik. Im übrigen hat Stresemann es glücklich vermieden, in seiner Entgegnung auf die Kritik des Grafen Westarp nun etwa wider Willen zum Verteidiger des Youngplans zu werden. Er hat mit gleicher Schärfe wie der Redner der Opposition die wirtschaftliche Unmöglichkeit des Pariser Gutachtens anerkannt und es abgelehnt, die Garantie für die Möglichkeit der Durchführung des Abkommens zu übernehmen. Sehr viel konnte von Regierungssette nicht gesagt werden, da ja die Verhandlungen über die Reparationsfrage mit der Pariser Konferenz der Sachverständigen noch keineswegs zum Abschluß gekommen ftnd. Aber immerhin hat doch der Außenminister das CommuniquL der Reichsregierung über den Beschluß, den Poungplan als Grundlage wei- terer Verhandlungen anzunchmen, das reichlich geheimnisvoll von dem „notwendigen Zusammenhang mit der G e s a rn t l i q u i d a t i o n der noch schwebenden Fragen aus dem Weltkrieg" sprach, dahin er- läutert, daß hierunter sowohl die Rheinland- räumung roic bie Regelung der Sa ar f r age zu verstehen sei. Aus der weiteren Debatte ging mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hervor, daß die Parteien des Reichstags, Koalition wie Opposition, sich darin einig sind, daß die bedingungslose Räumung des Rheinlandes die selbstverständliche Voraussetzung für die Zustimmung zu einer neuen Reparationsregelung auf Grund des Poung- plans ist. Der Außenminister selber hat sich dafür stark gemacht, daß die Annahme irgendeiner Ver- söhnungs- oder Ausgleichskommission nach erfolgter Räumung für die deutsche Regierung außerhalb jeder Diskussion stehe. An der Zumutung irgendeiner ständigen Kommission würde Deutschland die ganze Verhandlung scheitern lassen. Rheinische Blätter, durch trübe Erfahrungen gewitzigt und hellhörig, glauben auf das Wort „ft ä n- d i g" in Stresemanns Munde den Ton legen zu sollen und meinen, darin könne vielleicht die Konzession einer Rheinlandkontrolle wenigstens b i s 1 9 3 5 enthalten fein. Es wäre gut, auch in diesem Punkt umgehend volle Klarheit zu schaffen, der Außenminister würde für eine solche Deutung bei keiner Partei des besetzten Gebiets auf Verständnis stoßen. Deutschland fordert die Räumung der Rheinlande „gratis und frank o", nicht „per Nachnahme", wie ein Redner der Reichstagsdebatte das deutsche Mindestprogramm treffend charakterisierte. Dr. Schacht über das Ergebnis derparifer Konferenz. Oer Reichsbankpräsideni rechtfertigt die Haltung der deutschen Sachverständigen. München. 28. Sunt (Priv.-Tel.) Der Führer, der deutschen Delegation auf der Pariser Konferenz Dr. Schacht ist aus der Zurückhaltung, die er und die übrigen Mitglieder der Delegation sich bisher öffentlich auferlegt haben, herausgetreten und hat in München vor dem Deutschen Industrie- und Handelstag in einer ausführlichen Rede seine Zustimmung zu dem Boung- Plan begründet. Er ist dabei streng sachlich geblieben, die Bitterkeiten, die den deutschen Sachverständigen das Leben erschwert und schließlich eine Zustimmung aufgezwungen haben, die sie wirtschaftlich nicht rechtfertigen konnten, find von ihm nur kurz gestreift. 2lber in Andeutungen hat er doch zu erkennen gegeben, daß der entscheidende Grund für den unbefriedigenden Ausgang nicht in der schlechten Vorbereitung, nicht in dem vorzeitigen Zusammentritt der Konferenz, sondern in Der mangelnden — politischen und moralischen — Wider st andsfähig- keit des deutschen Volkes liegt. Hätten wir nein sagen wollen, dann wären die Sachverständigen wieder einmal Offiziere ohne Soldaten gewesen. Sie hätten eine wirtschaftliche Krisis hervorgerusen von unübersehbares Ausmaß, ohne die Gewißheit, daß wir den Kampf durchhalten und nicht doch nach Wochen oder Monaten zusammenklappen würden; dann um den Preis, daß wir die Bedingungen annehmen müßten und inzwischen viel Zeit und Kraft verloren hätten. Es ist verständlich, daß Dr. Schacht über die Geheimgeschichte dieser Konferenz möglichst wenig sich äußerte, daß er alles, was ihm da auf der Zunge liegen mochte, herunterschluckte; darüber offen zu sprechen, ist die Zeit noch nicht gekommen. Das wird erst möglich sein, wenn das Schicksal des TZoung-Plans auf der kommenden politischen Konferenz endgültig entschieden ist. Auch der Reichsbankpräsident ist aber der Meinung, daß der Voung-Plan nicht ewig baue n, sondern daß er nur ein neues Provisorium ist, das in späteren Zähren geändert werden muß. Er scheint dafür seine Hoffnungen ausschließlich auf die Amerikaner zu sehen, denen er ein sehr gutes Zeugnis ausstellt. Er lehnte die Konstruktion — wie sie auch Dr. Stresemann kürzlich angedeutet hat —, daß die Amerikaner die Absicht hätten, Europa zu kolonisieren, entschieden ab, hat vielmehr aus den zahllosen Unterhaltungen mit Owen QJoung den Eindruck gewonnen, daß die Amerikaner bereit sein werden, mit sich reden zu lassen, sobald sie sich davon überzeugt haben, daß Deutschland sich ehrlich bemüht, seinen Verpflichtungen nachzukommen, daß die übernommenen Verpflichtungen aber über unser Leistungsvermögen hinausgehen. Dazu ist indessen — und hier liegt offenbar der Kernpunkt — erforderlich, daß wir endlich einmal unser eigenes Haus in Ordnung bringen, daß die sinnlose Verschwendung, wie sie in den letzten Zähren im Großen und im Kleinen getrieben wurde, aufhört und an ihre Stelle strengste Sparsamkeit tritt, verbunden mit den Bemühungen, die eigene Leistungsfähigkeit nach innen und nach außen zu steigern. Wir hoffen, daß diese Mahnung von allen Parteien verstanden und möglichst beschleunigt in die Lat umgeseht wird. Eine dreifache Steigerung der Steuerlasten und eine Vervierfachung der sozialpolitischen Leistungen kann sich ein Volk, das solche Kriegsentschädigungen zu zahlen hat, nicht leisten. Wenn diese Erkenntnis nicht Gemeingut wird, dann ist der Zusammenbruch die unvermeidliche Folge. Schachts Rechenschaftsbericht gibt nachträglich auch den Zweiflern die Gewißheit, daß die deutschen Znteressen in Paris in den allerbesten Händen gewesen sind. Schacht macht das schon Wir können grade deshalb die emsigen Bemühungen der Franzosen, die Konferenz der Regierungen so schnell wie nur irgend möglich zusammentreten zu lassen, nur mit Argwohn und Skepsis verfolgen. Nach den unerfreulichen Erfahrungen, die wir auf der Pariser Konferenz der Sachverständigen haben machen müssen, die in einem psychologisch ungünstigen Moment und sachlich unzureichend vorbereitet zusammentrat, haben wir nicht den geringsten Anlaß, uns wiederum in eine Konferenz hinein hetzen zu lassen, über deren Programm noch keineswegs Klarheit herrscht, geschweige denn, daß in direkter Fühlungnahme der beteiligten Kabinette auch nur über irgendeinen Punkt Einigkeit erzielt wäre, wie z. B. über die politischen Konzessionen, die Deutschland als eine conditio sine qua non für seine Zustimmung zum Poungplan ansieht. Deutschland kann und darf sich nicht wieder auf irgendwelche vage Versprechungen Briands hin in Verhandlungen einlassen, deren Ziel es ist, von Deutschland neue Zahlungen ohne ©egen« l e i ft u n g e n zu erpressen und Rheinlandräumung wie Saarbefreiung von neuen deutschen Opfern abhängig zu machen. Frankreich hat natürlich alles Interesse an einem beschleunigten Zusammentritt der Negierungskonferenz. Einmal hat es im August die große Zahlung an Amerika zu leisten für das zu Ende des Krieges in Frankreich verbliebene Heeres- material. Wenn auch nun Poincarä sich durch einen Beschluß der Kammer zu neuen Verhandlungen mit Washington über eine Hinausschiebung des Zahlungstermins hat „zwingen" lassen, so ist doch noch keineswegs ausgemacht, daß diese Verhandlungen mit seinen Feststellungen über das erteilte Mandat und über das Verfahren klar, unter welchen die Sachverständigen sich mit Reichsregierung und W ir tsch as tsf Üh rern in Verbindung gehalten haben. Er bringt das Ziel auf die Formel: Erleichterung einer rein politischen Abmachung durch die Zuziehung unpolitischer, aber im Wirtschaftsleben starkes Vertrauen und Ansehen genießender Männer. Die Beschränkung ergibt sich aus der anderen Formel: Llnmöglichkeit für die Sachverständigen, Fragen der großen Politik aufzurollen. Ebenso klar treten die Grenzen in Erscheinung, innerhalb deren sich überhaupt die freie Entfaltung einer gutachtlichen Schätzungsarbeit ermöglichen ließ. Sein eigenes Verdienst geht aus den Ausführungen Schachts besonders da hervor, wo er aufzeigt, wie er sich um die Bemessung der L e i st u n - gen entsprechend den gebotenen Steigerungsmöglichkeiten der deutschen Leistungsfähigkeit bemüht hat. Scharf wird er in der Zurückweisung der Kritik in ihrem Charakter als Beeinflussungsversuch, und seine bekannten, vernünftigen Gedankengänge über die zweckmäßigere Gestaltung der internationalen Rohstoffwirtschaft kommen in dem Bedauern zum Ausdruck, das er gegenüber den Einwendungen ausspricht, die sich gegen jedes deutsche Bestreben zum Erwerb überseeischer Rohstoffquellen richten. Weiter stellt er die These von der wirtschaftlichen und politischen Sicherung durch möglichst lange dauernde Erholungspausen auf, mit deren Hilfe die Tleberwindung von Krisen möglich wird. Zn diesem Sinne will er auch offenbar die Annahme des von ihm selbst als schwer und unerfreulich empfundenen neuen Reparationsplans gewürdigt wissen, dessen Sicherungen er eingehend und sachverständig darlegt. Seine Ausführungen gipfeln in dem Hinweis auf die Bedeutung eines endgültigen Reparationsabkommens, sei es auch noch so schwer, für den internationalen wirtschaftlichen und politischen Frieden und in der entschiedenen Forderung nach der gleichzeitigen, also sofortigen und bedingungslosen Räumung deS Rheinlandes und der Wiederherstellung voller Souveränität über daS deutsche Reichsgebiet an der Saar. „Der Poungplan wird ein Friedensinstrument fein“, so schließt die eindrucksvolle Rede, .oder er wird überhaupt nicht sein." Die Ausführungen Dr. Schachts, gerade toegert ihrer ruhigen und sachlichen Art in der Darstellung der materiellen Vorgänge und andererseits wegen der Schärfe, mit der an einzelnen Stel-/ len gegen Irrtümer, Mißgriffe und Fehlmahnahmen Einzelner vorgegangen wird, stellen das bisher wichtigste Dokument zur Beurteilung der Sachverständigenarbeit und zur Bewertung des neuen Reparati onsplans dar. Sie weisen den Plan an die richtige Stelle als eine bloße Grundlage der künftigen politischen Verein-, barungen. Man wird deshalb noch vielfach Veranlassung haben, auf diese Ausführungen zurückzugreifen. Frankreichs Ersuchen um Zahlungsaufschub. Wenig Aussichten. Re u y o r k, 28.3uni. (WB.) Rach einer Meldung der Associated Preß aus Washington hat der französische Botschafter Claudel dem Staatssekretär Slimson heute nachmittag den Wunsch der französischen Regierung übermittelt, die London als Tagungsort der Konferenz gesichert? London. 29. Juni. (WTB. Funkspruch.) In amtlichen Kreisen Londons ist die Ansicht vertreten worden, daß die französische Regierung in ihrer Antwort, deren Hebergabe übrigens bis gestern abend noch nicht erfolgte, sich der Sache nach, wenn auch roiberroiUig, mit der Zusammenkunft der Konferenz in London abfindet. Der „Daily Telegraph" begrüßt, daß die Konferenz in der Londoner Atmosphäre abgehalten werden wird und daßihrvorsihender ein Premierminister sein werde, der in der Lage sei, einen mäßigenden Einfluß bei der Erörterung von Fragen auszuüben, die wahrscheinlich zu scharfen Meinungsverschiedenheiten führen würden und zwar werde die Frage der Rheinlandräumung wohl die crux der Konferenz bilden. Deutschland habe mit Rachdruck betont, daß es den Sachverständi- genplan als Grundlage der Erörterung über die Reparationsfrage nur unter der Voraussetzung der Beendigung der Rheinlandokkupation annehme. In Frankreich scheine die Ansicht weiter vorzuherrschen, daß man diese Konzession gegenüber den Bedingungen des Versailler Vertrages nur machen dürfe, wenn i m Austausch dafür Deutschland seine Einwilligung dazu erteilt, daß ein Aeberwachungs- ausschuh anstelle der Truppen im Rheinland tritt, während Stresemann seinerseits erklärt habe, daß die deutsche Regierung eher die Verhandlungen scheitern lassen werde, als sich damit abzufinden. Die Zurückziehung unserer eigenen Streitkräfte, so stellt „Daily Telegraph" zum Schluß fest, ist übrigens gesichert und unsere Regierung widersetzt sich entschlossen irgendeiner neuen Form von Aeberwachung durch ausländische Organe im Rheinland. Die Lage ist so, daß wahrscheinlich die diplomatischen Fähigkeiten Macdonalds und feines Ministers des Auswärtigen bis zum äußersten beansprucht sein werden. Aber da Großbritannien der Sache des Friedens riesige finanzielle Opfer gebracht hat, wird die Stellung des englischen Vertreters als Vermittler dementsprechend stark sein. Oie Vorbereitung der politischen Konferenz. Berlin, 28.Juni. (WB.) Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung, die in* folge der Erkrankung des Reichskanzlers wieder unter dem Vorsitz des Reichsmini st ers des Auswärtigen abgehalten wurde, mit den vorbereitenden Arbeiten für die sich aus dem Abschluß der Pariser Sachverständigenberatungen ergebende politische Konferenz. Ls nahm dann die Berichte der Reichsminister des Auswärtigen und der Finanzen entgegen und befaßte sich insbesondere mit den die einzelnen Organifa- tionsfomitees betreffenden Perfonalfragen. Das Reichskabinett stellte dann einmütig die für die Haltung der deutschen Delegation maßgebenden Voraussetzungen fest. den in Paris gewünschten Erfolg haben werden. Poincarä braucht also sehr bald Geld und dazu soll ihm der Poungplan dienen, der ja die Kommerzialisierung eines Teils der deutschen Reparationszahlungen ermöglichen soll. Zum andern furchtet man in Paris in wachsendem Maße ungünstige Auswirkungen vom Regierungswechsel in England. Noch sitzen zwar in der Downing Street Männer der alten Richtung als ständige Sekretäre, und auch in Paris selbst ist noch Sir William Tyrrell Mittler der doch feit den Tagen Chamberlains etwas abgekühlten Gefühle Englands zu dem französischen Alliierten, aber die parlamentarischen Labourminister setzen täglich mehr ihren Einfluß durch. Ist erst die Sommersitzung des Parlaments beendet, glaubt das Kabinett. Macdonald sich den außenpolitischen Aufgaben mit größerer Intensität widmen zu können, als dies jetzt geschehen könnte. Aber grade das fürchtet Poincarä und macht daher alle Anstrengungen, die Reparationskonferenz noch vor August zusammenzubringen. Frankreich widerstrebt auch in plötzlicher Vorliebe für neutrale, von der Presse der beteiligten Parteien unbeeinflußte Orte der Wahl Londons als Tagungsort für die Konferenz der Regierungen. Man wünscht offenbar nicht den Vorsitz Macdonalds und mißtraut der britischen Atmosphäre. Schließlich — und das ist für die Pariser Diplomatie vielleicht der entscheidende Grund, den Zu« sammentritt der Konferenz übers Knie zu brechen — hofft man in Paris, oaß bei einer Konferenz, die ohne vorbereitende und sondierende Fühlungnahme der Kabinette jetzt schon, spätestens Mille Juli, wie es die Pariser Presse propagiert, zusammentrete, die Gelegenheit für einen Ueberrumpe«. lungsversuch besonders günstig sei. Man wird den Poungplan durchpeitschen, und rechnet mit seiner Annahme durch Deutschland, ohne vorher über Rheinlandräumung und Saarbefreiung sprechen zu brauchen, ge- schweige denn sich in diesen beiden Punkten Binduii- gen auferlegen zu müssen. Wir möchten wünschen, daß auch in der Wilhelm« straße diese riesengroße Gefahr voll erkannt märe, die die öffentliche Meinung Deutschlands so sehr beunruhigt, daß mir nämlich unzureichen d vorbereitet und ohne Programm in eine Konferenz hineinschliddern, auf der uns die Gegner mit sehr bestimmten Zielen und genauer Marschroute gegenübertreten. Wir hätten auch gehofft, aus den Erklärungen Stresemanns im Reichstag grade zu diesem Punkt etwas Beruhigendes zu hören. Mer der Außenminister lehnte es ab, über seine Besprechungen in Madrid und Paris, dis doch wohl wesentlich der Vorbereitung der Reparationskonferenz gedient haben, etwas zu sagen. So bleibt der deutschen öffentlichen Meinung nichts übrig, als immer und immer wieder ihre Forderungen zu präzisieren und mit aller Energie vor Uebereilungen zu warnen, die für eine Reparationsregelung doppelt unheilvoll sein mütz- ten, an der mitzuwirken, Deutschland sich aus eine# nem freien Willen bereitgefunden hat und für Die sie zum ersten Make selbst die Verantwortung übernehmen soll. ef Sechs Zahre Gefängnis für Mnaffe Friedländer Der preußische SIMM stimm! dem Konkorda! zu Oie Wetterlage. WML Freitag. to'8Junl1929,7h aDds. «nnayen Kundgebungen zum 28. Juni 1W wend La Coruna - Uhr über “.a O Dl in Ion bei all Ur eil in bet Idt flei Äc «ei Ofii mi< toe •Ä zu D lei In uni D D-> bis 3ui @a wef im bis slür und obe uni Pa G Dc qui link fäui aini Icick jag< Uni sink sie cinfl Da i peln Don |chr< sie' |tüi um slie ma nflj Tel fern Sch men ein in i auffi non bet E Iche die hab oft auf: mar aus unb 1 Die 2Iel otte L leit trw Berlin, 28. 3uni. (Funkspruch.) 3m Tot- schlagsprozetz Manasse Friedländer verkündete am Freitagnachmittag Landgerichtsdirektor Ohne- sorge nach mehr als dreistündiger Beratung unter größter Spannung folgendes Urteil des Schwurgerichts: „Der Angeklagte wird wegen Totschlags in zwei Fällen und wegen unberechtigten Besitze« und Führung einer Schußwaffe zu einer Strafe von s echs Jahren Gefängnis kostenpflichtig verurteilt. Die Untersuchungshaft wird ihm im vollem Umfange angerechnel." Der Vorsitzende wies in der Urteilsbegründung darauf hin, daß das Gericht eine Notwehrhandlung des Angeklagten verneint habe: es sei der Ansicht, dah tatsächlich ein rechtskräftiger Angriff Waldemars vorgelegen habe, aber der Appell an den Revolver sei falsch gewesen, denn der Angeklagte habe noch genug andere Wege gehabt. Zwar habe sich der Angeklagte nur unklar über den Erwerb der Waffe geäußert, doch habe er selbst zugegeben, mit dem Gedanken gespielt zu haben, sie einmal gegen den Bruder anzuwenden. Es habe sich also nicht um eine aus Furcht begangene Tat gehandelt, sondern um eine Handlung, der ein seit langem gehegter Plan vorausgegangen sei. Daher habe auch der im Gesetz bezeichnete Hot* wehrexzeh vom Gericht für diesen Fall a b- gelehnt werden müssen. ES liege ferner kein Anhaltspunkt dafür vor, dah der Angeklagte im Augenblick der Tat sich in einem Zustand befunden habe, der die Anwendung des § 51 ermöglichen könnte. Danach sei festzustellen gewesen, daß der Angeklagte sowohl seinen Bruder als auch dessen Freund Földes vorsätzlich getötet hat. Eine Riesenkundgebung im Berliner Stadion. Berlin, 28. Juni. (WTB.) Um 7.30 abends versammelten sich im Stadion weit Berlin, 28.Juni. (Funkspruch.) Der Staatsrat stimmte, wie gestern schon kurz gemeldet, am Freitag dem Staatsoertrag zwischen Preußen und dem Vatikan mit 44 Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten gegen 36 Stammen der Arbeitsgemeinschaft und der Kommunisten bei einer Enthaltung in der Arbeitsgemeinschaft zu. Der Antrag, in das Gesetz eine Sperrfrist bis zum Vertragsabschluß mit der evangelischen Kirche einzubauen, wurde gegen 32 Stimmen der Arbeitsgemeinschaft abgelehnt. Kultusminister Dr. Becker hatte erklärt: Wir würden den Vertrag nie abaeschlossen haben, wenn wir in einem vertragslosen Zustand eine bessere Situation für den Staat gesehen hätten. Ich bin auch der Meinung, daß der Einfluß, den wir heute auf die Bischofswahlen haben, sogar weiter geht als die Reichsverfassung. Es ist zweifellos keine Minderung des staatlichen Einflusses darin zu sehen, daß z. B. ein neuer Erzbischof ausgenommen ist und daß in Zukunft drei maßgebende Leute in Rom die Interessen der deutschen Kirche wahrnehmen können. Es bedeutet auch keine Schwächung, wenn deutsche Theologie Studierende in Rom ausgebildet werden. Wir als ein Staat mit Millionen katholischer Untertanen wollen auch in Rom zum Wort kommen und in unserem katholischen Klerus auch Leute haben, die mit den deutschen Verhältnissen vertraut sind. Wenn das nicht der Fall wäre, würde viel eher «ine Romanisierung zu befürchten sein. Die Abmachungen über die katholische Fakultät sind günstig. Von einer Beeinträchtigung der Lehr- freiheit kann keine Rede sein. Es ist selbstverständlich, daß wir bei der Ausbildung Rücksicht nehmen müs- sen auf die katholische Kirche. Der Wille der Staats- regierung ist nunmehr, möglichst schnell auch mit den evangelischen Kirchen zu einer 23er« 60 000 Menschen zu einem eindrucksvollen Protest gegen den Frieden von Versailles und gegen die Kriegsschuldlüge. Schon um 6.30 Uhr waren alle Anrnorschstraßen verstopft durch die zahlreichen geschlossenen, mit Musik marschierenden Verbände der verschiedensten Art. Es beteiligten sich an der Kundgebung u. a. der Kyffhäuserbund, der die Krieger des alten Heeres umfaßt, viele Tausende Stahlhelmer, die Berliner Studentenschaft, die Vereinigten Vaterländischen Verbände, die Offiziersbünde, eine große Anzahl nationaler Arbeiterorganisationen, außerdem eine große Anzahl von Gruppen der politischen Parteien, so der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Nationalsozialisten. Außerdem nahmen große Teile der Berliner Jugendbewegung, Pfadfinder, Iungsturm, Deutsche Freischar und andere Bünde an der Kundgebung teil. 3n der Hauptloge deS Stadions hatten eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten Platz genommen, unter ihnen Parlamentarier, Führer des alten Heeres, Vertreter Eine Kundgebung der Deutschen Siudenienschast Protest gegen den preußischen Maulkorberlaß. Berlin, 28. 3uni. (TU.) Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft teilt mit: „Das preußische Staatsministerium hat die Abhaltung der Kundgebungen anläßlich der zehnten Wiederkehr des Unterzeichnungstages des Versailler Diktates an allen Hochschulen Preußens in letzter Stunde untersagt. Die akademische 3ugend erfüllt es mit Schmerz und Befremden, daß die Hochschulen unb die Professorenschaft damit verhindert werden sollen, dem einmütigen Willen des deutschen Volkes, ehrlich und aufrecht die Lüge von Deutschland- Kriegsschuld zurückzuweisen als die berufenen Vertreter von der hohen Warte der Wissenfchaft und Wahrheit aus, Ausdruck zu geben. 3m Namen der gesamten Studentenschaft, insbesondere der Studentenschaft der preußischen Hochfchulen. erhebt der Vorstand der Deutschen Studentenschaft Einspruch gegen den Versuch, die der deutschen Universität um der Wahrheit willen zustehende Unabhängigkeit zu verletzen und den Männern die Stimme zu verbieten, die der Negierung das geistige Nüstzeug in die Hand geben, mit der Waffe de sRechtesDeutschlands Ehre und Ansehen wiederherzustellen. Die akademische 3ugend wird ungeachtet dessen auch in Preußen am 28. 3uni ihrem Willen zum Kampfe gegen das Friedensdiktat Ausdruck geben.“ der evangelischen und katholischen Kirche, einer großen Reihe von Handwerkerorganisattonen und der Berliner Turnbewegung. Das weite Rund des Stadions war mit großen schwarzen Trauerbannern ausgestattet. Zu Beginn der Kundgebung verlas außerordentlich eindrucksvoll der Schauspieler M e i n i ck e die Botschaft, die Reichspräsident v. Hindenburg bei der Einweihung des Tannenberg. Denkmals erliest. Dann hielt der zweite Vorsitzende des Hauptkriegerverbandes, Rechtsanwalt Voß, eine Rede, in der er im einzelnen auf die Unschuld Deutschlands am Kriege und damit auch auf die Unmöglichkeit des Diktats von Versailles hinwies. Dieses Diktat habe in der Geschichte der letzten 3ahrtausende nur ein einziges Gegenstück, nämlich die Bedingungen, die Rom Carthago auferlegte. Er ging dann auf die Kriegsschuldlüge ein und verlas Stimmen von Kriegsschuldforschern aus allen Nationen, die feststellen, dost Deutschland keine Schuld am Kriege trage. Nach ter Rede verlas Meinicke eine Entschließung. Dann stieg mächtig das Niederländische Dankgebet zum Abendhimmel empor. 3nzwischen waren im weiten Rund die Fackeln aufgeflammt. Ein außerordentlich eindrucksvoller Anblick bot sich den vielen Zehntausenten und veranlaßte sie zu impulsiv hervorbrechenten Kundgebungen. Als die Nacht hereinzubrechen begann, schloß die Feier mit dem großen Zapfenstreich. OerÄtrbeiisausschußDeuischer Verbände. Eine Kundgebung im Reichstag. 25 e r I i n, 28. Juni. (WTB.) Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände beging die zehnjährige Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Diktates heute abend mit einer Kundgebung im dicht- gefüüten Plenarsitzungssaal des Reichstages. Der Präsident des Arbeitsausschusses, Gouverneur a. D. Dr. Schnee, M. d. R., betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die Kriegsschuldlüge das moralische Fundament des Gebäudes von Gewalt und Unrecht, von Unterdrückung, Knechtung und Aussaugung bilde, das durch das Versailler Dik- tat errichtet sei. Der Arbeitsausschuß Hove seit seinem Bestehen den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge geführt auf der Grundlage der Aktenveröffentlichung und der Arbeit hervorragender Kriegsschuldforscher. Aber immer wieder erhebe in einigen Ländern die ftänbigung zu gelangen. Wenn aber bet Staat auf oic Wünsche ber evangelischen Kirchen eingeht, muß er von ihnen auch bte Binbungen verlangen, bie bte katholische Kirche ohne weiteres eingegangen ist. Ich weiß nicht, ob auf biesem Stanbpunkt bie Vereinbarungen mit den evangelischen Kirchen so leicht fein werben. Ich möchte wissen, was bie evangelischen Kirchen sagen wollten, wenn auch in ihren inneren Angelegenheiten ber Staat noch so hinein regieren könnte, wie es z. B. bei ber katholischen Kirche bezüglich der Wahl zu ben Domkapiteln ber Fall war. Ich kann aber nochmals versichern, baß bie Regierung ben absoluten guten Willen hat, so schnell wie möglich mit ben evangelischen Kirchen bie paritätische Stellung herbeizuführen. Der Ausschußberichterstatter, Dr. M e e r f e I b (Soz.), wies barauf hin, baß es im Wesen bes Staatsvertrages liege, baß man ihn nicht ändern könne, sondern entweder annehmen oder a b l e h n e n müsse. Aenderungsanträge seien im Ausschuß zugunsten der Vorlage abgewiesen worden. Mitberichterstatter Dr. K. Jarres (Arbeitsgem.) erklärte, er gebe zu, daß durch die Ausführungen des Kultusministers bie beftefjenben Siebenten im wesentlichen hinweggeräumt seien. - Er persönlich könne nur erklären, baß er niemals ein Gegner bie- ses Vertrages gewesen sei. Man müsse jeboch zugeben, baß burch ben Vertrag ber Stanbpunkt des Staates gegenüber ber Kirche wesentlich g e • schwächt fei. Bezüglich der Ausbildung ber Geist- liehen habe ber Kultusminister bte Siebenten badurch zerstreuen können, baß er erklärte, auch die in Rom ausgebilbeten Geistlichen müßten ein beutsches Reifezeugnis haben. Schließlich würbe ber Ausschußantrag angenommen, der besagt, daß gegen bas Konkorbat Einwen- düngen nicht zu erheben seien. Der Reichspräsident im Dom. Berlin, 28. 3uni. (TU.) 3m Rahmen der aus Anlaß ter 10. Wiederkehr des Tages von Versailles im ganzen Reiche abgehaltenen Kirch e n f e i e r n versammelte sich am Freitagabend im Berliner Dom, von dessen Türmen die umflorte Kirchenfahne wehte, eine große Gemeinde, um in andächtiger Form dieses Trauer- tageS zu gedenken. Eine besondere Weihe erhielt die Feier durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten, der das Gotteshaus in Begleitung des Staatssekretärs Meißner aufsuchte. Auch eine Reihe von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden sowie mehrerer politischer Parteien waren erschienen. Oberdomprediger Dr. D u r g h a r t, der Vizepräsident des evangeilschen Oberkirchenrates, legte seiner Rede die Dibeiworte des Apostels Paulus zugrunde: Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir vertagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir sind niedergedrückt. ober wir kommen nicht um. O woixenios. ® ntner. <$naf» PtdetM.» woixiq. ® oedtm w Sehnet a Graupeln, e Nebel K Gewitter.(§)Windstiiie.*O' sehr «Kniet 0$i ^5 massiger Südsüdwest <5 stürmucncr Nordwest öie »feite fneoen mit dem Winde. Die oei den Stationen stenenden Zar» ten geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit fllcubc^ —.1 neeruniveau umoertrnncle» Luftdrutfc Wettervoraussage. Der vom norbwestlichen Hochdruckgebiet vorgescho- bene Hochdruckteil, ter sich bis über die Alpen erstreckt, beherrscht zur Zeit die Wetterlage. Sein Einfluß fcheint wieder dem Ende zuzuyehen, denn im Südwesten über Frankreich drängt eine neue Druckstörung vor. Sie dürfte auch in unserem Gebiet zu erneuter Bewölkung führen, wobei gelegentlich Ge- roitterftörungen nicht ausgeschlossen sind. Die Temperaturen, die anfänglich wenig Aenderung ersah- ren, dürften für später wieder fallende Tendenz zeigen. Wettervoraussage für Sonntag: Wieder Uebergang zu wolkigem Wetter, warm, Neigung zu Gewitterstörungen und Niederschlägen. Wettervoraussage für Montags Wechselnde Bewölkung, leichte Abkühlung, strichweise noch leichte Niederschläge, teilweise gewit- terhafter Art wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 18,9 Grad Celsius, abends 12,6 Grad: am 29. Juni: morgens 14,2 Grad. Maximum 21,4 Grad, Minimum 6,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 28. Juni: abends 20,4 Grad , am 29. Juni: morgen» 13,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer zehn Stunde» Kriegsschuldlüge ihr Haupt unb v e r h l n b e r e b 11 wahre Befriedung der Welt. Deshalb erfordere das gemeinsame Interesse des gesamten deutschen Volkes die W e i t e r f ü h r u n g des Kampfes gegen die Lüge des Artikels 231. Dann kamen die Redner der verschiedenen Frak- tionen zum Wort. Schultz-Bromberg von der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. B e l l (Zentrum), Dr. Haas (Demokrat), Dr. Moldenhauer (Deutsche Volkspartei), Bayersdörffer (Bayer, Dolkspartei), M o l l a t h (Wirtschaftspartei) unb als letzter Rebner Hepp (Christlich-Nationale Bauern- Partei). Sobann verlas Dr. Schnee eine Entschließung, bie unter stürmischem Beifall einstimmig zur Annahme gelangte. Aus aller Well. Dom Lutherischen Dellkonvenl. Die Freitagsitzung bes Lutherischen Weltkonvents fanb ihren besonderen Charakter burch bie Er- nennung von b r et Ehrendoktoren ber evangelischen Fakultät ber ungarischen Elisabeth- Universität in Debenburg. Die mit bieser Auszeichnung Bebachten sinb: Lanbesbischof Dr. Jhmels- Dresben, Erzbischof S o e b e r d l o m - Upsala unb Prof. Dr. Moreheab- Neuyork. Als vierter Träger der Auszeichnung gesellt sich der Vorsitzende des Gustav-Adolf-Vereins, Prof. Dr. R e n ö t o c f f - Leipzig zu, ber jeboch nicht in Kopenhagen weilt. Die feierliche Uebereichung der Diplome nahm Prof. Proehle mit einer Ansprache vor, in der auf bie Bedeutung der ungarischen evangelischen Kirche hin- wies, bie 1923 in Debenburg eine eigene von Staats wegen errichtete unb ber ungarischen Elisabeth-Universität angegltebertc evangelische lutherische Fakultät erhalten hat. Der ungarische Unterrichtsminister, wie auch ber Reichsoerweser hätten zu den Ernennungen ben ersten seit Bestehen ber Fakultät ihre Zustimmung erteilt. Was bas Strafmaß anlangt, so hatte das Gericht zu prüfen, ob dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubiUigen waren. Wenn man alle Momente berücksichtige, so ergebe sich daraus, daß der Angeklagte sicher auf seinen Bruder in höchstem Maße erbittert gewesen sei, unb daß die Handlung nicht eine wohlüberlegte gewesen sei, sondern eine Affekthandlung. Deshalb seien ihm auch mildernde Umstände zugebilligt worden. Auf der anderen Seite sei aber die Tat sehr schwer gewesen. Besonders falle ins Gewicht, daß der Angeklagte den Földes ohne Grund erschossen habe. Möge der Bruder ihn in Zorn gebracht haben, für den Freund sei das nicht zutreffend gewesen. Deswegen hab« die Strafe selbst bei Zubilligung mildernder Umstände nicht gering sein können. Das Gericht habe für jeden einzelnen Fall auf vier 3ahre Gefängnis erkannt, und diese Strafe zusammen mit der Strafe wegen unbefugten Waffenbesitzes in eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis zusammengezogen. 3m Anschluß an die Verkündung des Urteils stellte der Vorsitzende die Frage, ob Anträge wegen des Haftverfahrens gestellt würden, was ter Verteidiger ablehnte, da dies angesichts der Höhe ter Strafe zwecklos sei. Er bat jedoch, in weitestgehendem Maße Bewährungsfrist zuzubiUigen. Rach kurzer Beratung verkündete das Gericht den Beschluß, daß es sich zur Zeit nicht in der Lage sehe, dem Angeklagten Bewährungsfrist zuzubiUigen. Der Staatsanwalt hatte für jeden Fall des Totschlages drei 3ahre Gefängnis und für den unerlaubten Waffenbesitz drei Monate Gefängnis beantragt und diese Einzelstrafen in eine Gesamtstrafe von fünf 3ahren und einem Monat Gefängnis zusammenzuziehen beantragt. Zahlung ber im August fälligen Schuld Frankreichs für die Cieferung amerikanischen Kriegsmaterials trotz Nichlralisizierung des französisch- amerikanifchen Schuldsnabkommens bis Lude des Jahres aufzuschieben. 3m Staatsdepartement verhehlt man sich nicht die Schwierigkeit, die der Erfüllung eines derartigen Derlangens entgegensteht, da der Kongreß zur Zeit nicht tage und ein Aufschub in der von Frankreich gewünschten Form ohne Zustimmung des Parlaments, ja gegen dessen ausdrückliche Bedingung, daß Frankreich vor dem 1.August ratifizieren müsse, kaum möglich sei. Das Schicksal des landwiri- schafilichen Noiprogramms. Ein Rückblick des Landbundpräfidcnten Schiele auf das im Reichstag Erreichte. Berlin, 28.3uni. (TU. Funkspruck.) Reichsminister a. D. S ch i e l e hatte die Presse zu einer Besprechung über die in der Agrarvorlage im Reichstage erzielten Erfolge geladen. Schiele erläuterte,bie wirtschaftlichen unb politischen Druckmittel, die es bewirkten, daß nur äußerst bescheidene Erfolge erzielt wurden. Die B e- triebsverluste der Landwirtschaft betrugen jährlich 1,5 bis 1,75 Milliarden, die Schuldenlast der letzten fünf 3ahre ist in der Landwirtschaft auf neun Milliarden Mark angestiegen, eine Summe, bie einem ganzen 3ahresumsah lanbwirtschastlicher Produkte in Deutschland entspricht. Zweck und Ziel des landwirtschaftlichen Notprogrammes sei es, bie landwirtschaftlichen Betriebe möglich st b a l b wieder lebensfähig zu machen. Denn je später man zur Sanierung schreite, um so schwieriger würde es sein, etwas zu erreichen. Bei Durchführung des Notprogramms lagen politisch -ungünstige Verhältnisse vor. Hierzu sei hinzu- gekommen, daß auch ber Ernährungsminister von parteipolitischen Hemmungen nicht frei fei. 3n dem milchwirtschaftlichen Programm sei erreicht worben, was zu erreichen möglich gewesen sei. Auch in ber Kartoffelvorlage unb für ben Zuckerrübenbau ist wertvolles erzielt worden, während die erzielten Erleichterungen für den deutschen Getreidebau völlig unzureichend seien. Hier seien die gewünschten Erfolge an den koalitionsparteilichen Rücksichten der Regierungsparteien gescheitert. Entscheidend aber für eine wirksame Hilfe bleibe nunmehr die Kündigung bet in Frage kommenden Handelsverträge. Eine Provokation Danzigs. Polnische Filmaufnahmen vor der Marienkirche. Danzig, 28. Juni. (WTB.) Gestern versuchten polnische Photographen vor ber M a - rienkirche einen Film aufzunehmen, in dem vor Danziger historischen Denkmälern unb Bauten polnische Schauspieler in polnischen Uniformen auftreten. Die Volksmenge, bie sich dabei ansammelte, glaubte in bieser Filmaufnahme offenbar eine Fälschung bes beutschen CharaktersberStabtDanzigzu erblicken unb nahm eine brohenbe Haltung ein, worauf bie Polizei eine Fortführung ber Filmauf- nahmen verbot. Die Schauspieler würben in Schutzhaft genommen. Heute vormittag ersuchte bie polnische Filmgesellschaft zur Fortführung der Film- aufnahmen um ein Polizeiaufgebot: bem Ersuchen wurde aber im Hinblick auf die.Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit nicht stattgegeben. Von amtlicher Seite wird betont, daß das Vorgehen ter polnischen Filmgesellschaft geeignet fei, bas EmpfindenberDanzigerBevölkerung gerate am heutigen Trauertage aufs tiefste zu verletzen. Schwedischer Königsbesuch in Estland. Reval, 27. Juni. (TU.) Am Donnerstagoormit- tag liefen, von Salutschüssen empfangen, bie schwe- bischen Kriegsschiffe mit König Gustaf an Bord, in ben Revaler Hafen ein. Der König wurde im Hafen vom estlänbischen Staatsältesten mit einer Ansprache in deutscher Sprache begrüßt. Der König dankte ebenfalls deutsch für den herzlichen Empfang. Estländische Schulkinder überreichten dem König einen Blumenstrauß und brachten einen Willkommensgruß in deutscher Sprache dar. Der Staatsälteste geleitete ben König burch bas reich geschmückte Reval zum Katharinentha- ler Schloß burch ein Spalier von Truppen, Schutzkorpsangehörigen und zahlreichen Vereinen. In ber Bevölkerung Estlands herrscht über ben Besuch bes schwebischen Königs größte Begeisterung, um so mehr als zahlreiche kulturelle, wirtschaftliche und historische Bande Estland mit Schweden verknüpfen. Zehntausende find aus allen Teilen des Landes nach Reval geeilt, um an den Begrüßungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Am Donnerstagnachmittag fand eine Festsitzung im est- ländischen Parlament statt. Hier wurde ter König in estnischer Sprache vom Vorsitzenden des Parlaments begrüßt. Der König antwortete in schwedischer Sprache. Anschließend fand ein F e ft g o 11 e s - dienst im Dom statt. Hierauf begab sich ber König in bie schwebische Kirche, wo ihn bie schwebische Bevölkerung Estlanbs begrüßte. Am Abend fand im Außenministerium ein Festessen statt. Anschließend veranstaltete die akademische Jugend zu Eyren des Königs einen Fackelzug. UeberaU, wohin der König kommt, wirb er mit Hochrufen begrübt. Als sich ber König auf dem Balkon des Katharinenthaler Schlosses zeigte, trugen die Kundgebungen direkt stüünischen Charakter. Vor einer bürgerlichen Regierungskoalition in Mecklenburg. Schwerin, 28. 3iml (WB.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, sind Verbandlungen zur Bildung einer bürgerlichen Koalitionsregierung in Mecklenburg zwischen allen rechtsgerichteten Parteien, ter Nationalen Einheitsliste, den Nationalsozialisten und dem Bauernbund, ausgenommen worden. Es besteht berechtigter Grund zu ter Annahme, daß sich bei diesen Fraktionsgruppen kaum Differenzen grundsätzlicher Art im Verlause der Unterhandlungen ergeben werten. Daher kann mit einem erfolgreichen Ergebnis ter Koalitionsbestrebungen gerechnet werden. Einem au6 diesen drei Fraktionen der Rechten gebildeten Regie- rungsblock, welcher 26 Landtagsabgeordnete hinter sich hätte, würde eine Opposition von 25 Abgeordneten ter Mitte und ter Linken gegen- •Inij'v VM. 13 3cmr bii iV| M Sb n w’ c>Q” I L sjssss #•*•* -alissagk' . ,cho- s-»Äk«- Ä"$w WM ?¥?ä lviedrk i nlag-, s^Ks i> ?rain «", kN KÜE AMtL Jifl*"* das 'ftv\»2^8ä$a Probedoee und Broschüre „Ratschlage emea Arztoe" durch DEUTSCHE A.-G. FÜR NESTLE ERZEUGNISSE. BERLIN W 57 **VomSchulhausncubauindenEich- gärten. Die Arbeiten am Schulhausneubau in den Eichgärten sind in den letzten Monaten so weit gediehen, daß man gleichmäßig schon über das zweite Obergeschoß des ganzen Baues angelangt ist. Das imposante Gebäude ist im Gesamtbau aus dunklen (blauroten) Klinkern hergestellt, die Fenster- Pfeiler wurden in Hellen Gailschen Steinen aus- geführt, wodurch die Fassaden ungemein belebt wer- den. Der westliche Flügel (nach der Stadtscite zu) ist so weit gediehen, daß schon ein Teil der Dach- fonftruttion- angebracht werden konnte. Der Südflügel erhebt sich dagegen nochmals um eine Geschoßhöhe. Der ganze Bau dürfte noch während der Sommermonate unter Dach kommen. Die Bauarbeiten werden von den Boufirmen Birkenstock & Schneider und M. Abermann ausgeführt. — Gleichzeitig wird an dem Ausbau der Wolf- st r a ß e in der Richtung nach der Straße „In den Eichgärten" zu gearbeitet, so daß dieser Straßenteil auch noch im Laufe des Sommers fertiggestellt wird. •• Das Einschlagen von Feuermeldern scheint immer noch nicht aufhoren zu wollen. Während erst vor einiger Zeit ein hiesiger Student wegen Beschädigung eines Feuermelders erheblich bestraft worden ist, hat die Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochcnmarkt Pfund: Kochbutter von 150 an; Butter 190 bis 200; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 30 bis 35; Weißkraut 30 bis 35; Aus der provinzialhauptsiadt. Gießen, den 29. Juni 1929. Am Oorsbach. War er nicht eigentlich der Mittelpunkt unserer Iugendzeit, der rieselnde Dach, der hinter unserm Garten vorbeifließt? 3a, er war es im Sommer, wenn wir barfuß in dem kühlen Wasser wateten, im Winter, wenn uns die blanken Schlittschuhe bis hinaus zum Teich trugen. Dei Fruhlings- stürmen, wenn das Wasser die Ufer überspülte und wir mit langen Stelzen hindurchmarschrerten, oder unsere Wassermühlen laufen ließen, immer und immer war er unser treuer Kamerad, daS Paradies unserer 3ugendtage. Ging dann unsere Wanderung hinauf zum Wold, wo er unter hohen Buchen aus der Erde quillt und in munteren Sprüngen zum Tale ellt, links und rechts von uralten Weidenbüumen umsäumt, dann wußten wir nicht, was zuerst beginnen in der Fülle des Lebens. An kleinen, seichten Stellen, wo das Wasser zur Ruhe kommt, jagen in fröhlicher Llngebundenheit die Forellen, älnser Schatten fallt auf den Bachspiegel, husch! sind sie verschwunden. Aber wir Buben wußten sie schon zu fassen. Unter den Steinen, unter den eingelegten Holzbalken, gar manche haben wir da erhascht, trotz des Verbotes. Aber auch zappelnde Krebse fischten wir aus dem kühlen Raß. Vom Ufer her verirrten sich einzelne Heuschrecken und hüpften ins Wasser. Bald waren sie von den Fischlein verspeist. Wie oft hoben wir auf den alten Weiden- stümpfen gesessen, mit dem Messer in der Hand, um uns Pfeifen zu schneiden. Don oben sah der fliehende Doch noch viel schöner au« als wenn man am Ufer sitzt. Die fetten und wohlgenährten Dlätter der Sumpfdotterblume, die einen Teil des Wassers bedeckten, wie glänzten sie so feucht! Daneben auf schlanken Stielen die Schwertlilien mit ihren goldenen Dlüten. Summende 3nsekten überall. Ein lauter Plumps! ein Frosch sprang ins Wasser. Auf den Steinen in der Flut sitzt eine Dachstelze und wippt unaufhörlich mit ihrem Schwänzchen. Sie läßt sich von uns Knaben nicht stören. Schwer duftet der Daldrian. Cs waren herrliche Stunden, die wir am rauschenden Dache verleben durften. Wir haben die Rester in den Düschen am Ufer fest gestellt, haben auf die Libellen 3agd gemacht, und wie oft haben wir unsere Sprungkünste versucht, um aufs andere Ufer zu gelangen. Und wie oft fiel man dabei ins Wasser! Die Schuhe und Strümpfe aus; zum Trocknen an die Sträucher gehängt, und dann hinein in das kühle Wasser! Wenn aber erst eine Ringelnatter auf tauchte! Die Schreie der Kleinen, das wichtige Gesicht der Aclieren: „Vielleicht war's doch eine Kreuzotter?" O du goldener Dach, all unsere 3ugendselig- keit nahmst du mit deinen Wellen mit dir und trugst sie hinaus ins Land. Und heute? 3ch war wieder einmal in meiner Heimat. 3m Walde ist es noch der alte liebe Geselle, aber in den Wiesen schlängelt er sich nicht mehr dahin, sondern in schnurgerader Linie durchschneidet er den Grund. Die Büsche und Weidenbäume sind alle verschwunden. Kahl und trostlos anzuschauen sind die Dochwiesen. Und im Dorfe selbst haben sie ihn links und rechts mit starken Betonmauern eingefaßt, damit er bei Frühlingswettern nicht in die Keller eindringen kann. Schade! Die Kinder können nicht mehr mit Stelzen hinein, sie können kaum noch die kleinen Gründlinge fangen. Ueberall Ordnung und scharfe Grenzlftzien. Roch einmal: Schade! Aber unsere 3ugend gibt so schnell nicht nach. 3m Walde fand ich sie. Da hatten sie aus Reisig und Erde einen breiten Damm gebaut und das Wasser hinübergeleitet in eine flache Mulde. Das war ja nun zwar kein Schwimmbad, aber bis zur Brust reichte es an den tiefen Stellen. Ein munteres Bild: Da mitten im Wald die kleinen Kerle im Adamskostüm. Ob die Mütter alle damit einverstanden waren? Aber ich freute mich über die fröhlichen Wasserpantscher. Und wenn wir alle unsere Dorfbäche einsperren, die Buben finden doch einen Ausweg, sie wissen sich zu helfen. Und es ist gut so. 3ch saß noch lange im Duchenschatten an der Waldquelle und lauschte dem Murmeln des Wassers. Roch klang cs wie einst in der 3ugenbzeit: Du murmelst so. mein Dach, warum? Du trägst seit alten Tagen ein seltsam Märchen mit dir um und mühst dich, es zu sagen; du eilst so sehr und läufst so sehr, als müßtest du im Land umher, man weiß nicht wen, drum fragen. Mörcke. älteren Ursprungs aus Privatbesitz Augefü^rf worden. Der Besuch der für Gießen und Umgebung besonders interessanten Veranstaltung wird deshalb wiederholt empfohlen. ** Markusgemeinde. Arn morgigen Sonntag ab 15 Uhr hält die Markusgemeinde ihre Gemeindeseier auf der Liebigshöhe ab. Ein reiches Programm mit Musik, Spiel und Gesang der Jugend, Reigen der Kinder verspricht einen schönen Nachmittag mit viel Freude für alle. Eine Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge veranstalten die Stadt- ratsfraktionen der Deutschen Volkspartei, der Mittelstandsvereinigung, der Freien Vereinigung (Deutschnationale Vollspartei und Zentrum) und der Deutschen Demokratischen Partei am nächsten Mittwoch um 20.30 Uhr im (Safe Leib. Al- Redner wurde Universitätsprosessor Dr. R o - l o f f von der LandeSuniversität getoomum, der durch seine wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Erforschung der Kriegsschuldlüge sich in Deutschland einen bekannten Ramen gemacht hat. Zu der Kundgebung ist die gesamte Einwohnerschaft eingeladen. Der Eintritt ist frei. Man beachte die heutige Anzeige. ** Vom Schützenfest. Die Vorbereitungen zu dem großen Schützenfest vom 6. bis 14. 3ull sind — wie man uns berichtet — bis auf Kleinigkeiten beendet. Das schon in großen Zügen einmal mitgeteilte Programm erfährt insofern eine kleine Aenderung, als der für Dienstag, 9.3uli, vorgesehene Turn- und Sportabend in der Volkshalle auf Freitag verlegt worden ist, und am Dienstag der eigentlich für das Stadttheater engagierte Kuban-Kosakenchor in der Volkshalle fingen wird. DaS ursprünglich für Freitag geplante Orchesterkonzert fallt somit auS. Weiterhin ist jetzt festgelegt, daß der Gießener Schützenverein das von Frankfurt kommende BundeS- banner am SamStag, 6.3uli, festlich mit Musik vom Bahnhof abholen wird. Der Verein marschiert 18.45 Llhr vom Cafö Leib durch Walltor- straße, Marktplatz, Schulstraße, Sonnenstrahe, Kreuzplatz, Seltersweg, Frankfurter Straße, Lie- bigstrahe zur Bahn, von dort 19.30 Uhr durch die Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuzplah, Reuenweg, Reuen-Däue, Gartenstraße, Kaiser- allee zur Volkshalle, wo dann die feierliche Uebergabe des Banners durch den DundeSvor- fihenden Prof. Dr. Popp, Frankfurt a. M., an den Schützenverein Gießen ftattfinbet. Der Fe st - z u g am Sonntag, 7.3uli, vormittags, findet Aufstellung mit der Spitze in der Steinstrahe, Richtung Marburger Straße, Walltorstrahe, Kirchenplatz, Marktplatz, Schulstraße, Sonnen- strahe, Kreuzplah, Seltersweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Alicenstraße, Ludwigstraße, Lud- wigsplatz, um den Ludwigsplah im Gegenzug durch Ludwigstraße, Dleichstrahe, Südanlage, Gartenstraße, Kaiserallee zum Festplatz, wo der Zug vom Protektor, Staatspräsidenten Dr. h. c. Adelung und dem Ehrenausschuh abgenommen wird. (3m übrigen verweisen wir auf die heutige Anzeige.) Die Eintrittspreise sind trotz der Fülle des Gebotenen äußerst gering und bewegen sich zwischen 30 Pf. und 1,20 Mark. Am günstigsten stehen sich Dauerkarteninhaber, die für die Dauerkarte, die au sämtlichen Veranstaltungen auf Festplah uno in der Festhalle zum Eintritt berechtigt, nur 5 Mark im Vorverkauf bezahlen. Zwei weitere Beikarten für Angehörige im Preise von 2 Mark können zu jeder Vollkarte gelöst werden. Der Vorverkauf beginnt heute in den kenntlich gemachten Verkaufsstellen. ** Die Sprech st unden des D b c r b ü r • germcifters finden bis auf weiteres nur Dienstags und Freitags von 11 bis 12 Uhr statt. Man beachte die heutige Bekanntmachung. ** Die neuen Preise für Elektrizität, die ab 1. Juli Gültigkeit haben, werden im heutigen Anzeigenteil von der Stadtverwaltung bekannt- gegeben. " Ein Kochkursus der Aliceschule wird im heutigen Anzeigenteil angekündigt. In- teressenten seien auf die Anzeige hingewiesen. ** Straßensperrungen. Vom Oderhessi- scheu Automobil-Club (A. v. D.), Gießen wird niitge- teilt: Die Sperrung der Straße Gießen — Reiskirchen von Kilometer 7 bis 9,6 (Abzweigung Großen-Bufeck) ist ab 30. Juni a u f g e h ob e n. Dagegen bleibt die. Sperrung der Strecke von Kilometer 9,6 bis Reiskirchen noch bestehen. Umleitung nach wie vor über Lich—Grünberg. — Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Erbenhausen im Zuge der Straße Homberg—Kirtorf ist ab 30. Juni auf- gehoben. Polizei erneut einen Arbeiter F. QL abgesaht, der an drei Stellen der Stabt Feuermelder eingeschlagen und die Feuerwehr mißbräuchlich alarmiert hat. Das Amtsgericht Gießen verurteilte den Täter wegen Sachbeschädigung zu sechs Wochen Gefängnis. Diese 'Bestrafung mag zur Warnung dienen! ee Gin Trauergeläute von den Türmen unserer evangelischen Kirchen fand gestern nachmittag von 3 Ubr bis 3.15 älhr als Trauerkundgebung aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages der älnterzeichnung des Versailler Diktats statt. •• Ein Vortrag über elektrisches Kochen fand auf Einladung des städtischen Elektrizitätswerkes und der PrometheuS-A.-G. am Mittwochabend in Heuchelheim statt. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach dort Frau Dr. 3acvb von der Prometheus-A.-G. über die elektrisch beheizten Prometheus-Kochapparate und ihre vielfachen Vorteile für den Küchenoetrieb der Hausfrau. Die Vortragende betonte dabei den Ruhen der in diesen Apparaten neukon- ftruierten geschlossenen Hochleistungsplatte, bei der es nach verhältnismäßig geringem Stromverbrauch zur Zubereitung der Speisen möglich ist, durch die in der geschlossenen Kochplatte aufgespeicherte Hitze bei Kleinschaltung oder bei völliger Aoschaltung des Stromes und fast unbegrenzter Haltbarkeit größte Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Die Vortragende bereitete nach der Beschreibung der neuen Kochapparate auf einem ein reichhaltiges Mahl, bestehend aus Grün- kernsuppe, Gulasch mit Kartoffeln, jungen Erbsen und Stachelbeerkompott; während sie in einem zweiten Apparat bzw. nach der Fertigstellung des ersten Essens unmittelbar anschließend in dem gleichen Apparat Rostbeef hersteUte, Fisch dünstete, Kuchen buk, Schmalzgebackenes bereitete, Marmelade kochte usw. Sämtliche Speisen wurden in sehr kurzer Zeit und bei größtenteils kleingeschaltetem bzw. völlig ausgeschaltetem elektrischem Strom genutzfertig hergesteUt und fanden beim Herumreichen der Kostproben an die große Zuhörerschaft allgemein volle Anerkennung. Die kochtechnischen Vorteile dieser Apparate, die der Hausfrau ein angenehmes Wirken in der Küche ermöglichen, waren nach allem, was man bei diesem Demonstrationsvortrag sah, überzeugend. Don der Rednerin wurde weiter betont, daß bei der Anschaffung dieser Appa- rate den Käufern weitgehendes Entgegenkommen zuteil werde, außerdem wurden noch einige andere elektrisch beheizte Haus- und Küchengeräte besprochen. Am Schlüsse des Vortrages wurde noch ein Film vorgeführt, der den wohlgelungenen und für die Sache der Rednerin erfolgreichen Abend gut abschloh. ** 9ungfUegergruppe Gießen. Am Donnerstag ist der Leiter der Segelfliegerschule auf der Wasserkuppe (Rhön), Herr S t a m e r, in Gießen gewesen, um im Auftrage der Rhön-Rossitten- Gesellschaft das neue Segelflugzeug, an dem unsere Gießener Jungfliegergruppe seit 4 Monaten arbeitet, einer Baufestigkei'tsprüfung zu unterziehen. Diese Prüfung muß im Rohbau ausgeführt werden, ehe die Bespannung der Flügel und des Rumpfes erfolgt. Unsere Gießener Jungflieger hatten die Genugtuung, von dem Prüfer die Anerkennung zu er- hallen, daß das Flugzeug den an Gleit- und Segelflugzeuge gestellten Bedingungen entspricht. Ein Fackelzug derBurschenschafter zu Ehren des Geh. Hofrats Professor Dr. Haupt, der heute seinen 75. Geburtstag begeht, findet heute abend statt. Der Abmarsch erfolgt um 9 Uhr ab Oswaldsgarten durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Seltersweg, Südanlage, Goethestraße, Ludwigstraße, Bismarckstraße bis zur Universitäts- bibliothek, zurück zur Liebigshöhe, wo ein Kommers zu Ehren des Jubilars ftattfinbet. ' Zum Oleibergfcft, das offensichtlich unter der besonderen Gunst des Wettergottes heute und morgen nachmittag und abend auf der Burg Gleiberg ftattfinbet, hat der Dramaturg unseres Stadttheaters, Dr. Karl Ritter, zwei Festzüge inszeniert. Diese Aufführungen auf der Burg Gleiberg bringen 10 Gruppen, die vom Bauerschen Gesangverein durch Chöre belebt werden. Die Instrumentalmusik bietet der Orchesterverein unter der Leitung von Curt V a r g e s , künstlerischer Beirat ist Karl Löffler, die historische Beratung erfolgte durch Dr. Walbrach. Heute nachmittag ist Volksfest, heute und morgen abend große Burgbeleuchtung. Zu dem Feste ist auch ein photographischer Wettbewerb unter den hiesigen Photographen ausgeschrieben worden, der zu einer Prämiierung der zehn besten photographischen Aufnahmen von dem Feste führen soll. ** Oberstes sischer Kunstverein. ES fei nochmals auf die derzeitige Gleiberg-Ausstellung im Turmhaus am Drandplah hingewiesen, welche mit der heute und morgen stattfindenden 3ubiläumsfeier des Gleiberg-Vereins verbunden ist und bis Sonntag, 14. 3uli, dauert. Sie ist zu den üblichen Zeiten zugänglich. Seit Eröffnung der Ausstellung sind dieser noch verschiedene Bilder Spinat 20.bis 25; Römischkohl 15 bis 20; grüne Dohnen 35 bis 40; gelbe Dohnen 50 bis 60; Spargel 50 biS 90; Erbsen 25 biS 35; Mischgemüse 10 bis 15; Tomaten 50 bis 100; Zwiebeln 10 bis 15; Rhabarber 10 bis 15; alte Kartoffeln 5,5, neue Kartoffeln 15 bis 20; ausl. Aepfel 45 biS 70; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 35 bis 50; Stachelbeeren 25 bis 30; Johannisbeeren 35 bis 40; Erdbeeren 60 bis 100; Honig 40 bis 50; junge Häyne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 13; Dlumenkohl 30 bis 80; Salat 5 bis 10; Salatgurken 25 bis 60; Einmachgurken 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 10 biS 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 15; das Dund: gelbe Rüben 10 bis 20; rote Rüben 15 bis 20; Radieschen 10 bis 15; der Schoppen: Walderdbeeren 60 bis 65; das Pfund: Abrikosen 50 bis 65 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 4,50 Mk. Oer Matthias-Tempel. Einer Anregung des Staatsrats Dr. Weber folgend, hat die Provinz Oberhessen — wie schon kurz gemeldet — zur Erinnerung an ihren allzu früh verstorbenen Provinzialdirektor Matthias, unter dessen Amtsführung die Vollendung des Lißberger Wasserkraftwerks fiel, ein Erinnerungszeichen errichten lassen, das sich oberhalb des Stauweihers im Hillers- bachtal zwischen Hirzenhain und Liß- ber g auf waldiger Anhöhe erhebt. Ein rnässiver, bollwerkartiger Unterbau von 5 Meter Durchmesser aus dem an Ort und Stelle gewachsenen (Basalt aufgebaut, bildet eine Plattform, die von einem Schutz- und Aussichtstempel gekrönt wird, dessen Holzwerk aus den staatlichen Waldungen der Oberförsterei Konradsdorf stammt. Abgesehen von dem mächtigen, Vi Meter starken Mittelpfosten, der achttantig behauen ist, sind alle anderen Konstruktionstelle aus Ratur- Rundholz gezimmert. Als Dachdeckung wurde die einheimische Holzschindelung gewählt. Don der vor dem Dollwerk angelegten Terrasse führen beiderseits massive Steintreppen zur Tempelplattform. Der Dildschmuck auf der eingelassenen Steinplatte in der Dorderwand des Unterbaues ist von Künstlerhand geschaffen und bringt zum Ausdruck, wie aus der Wasserkraft die elektrische Kraft gewonnen wird. Eine ebenfalls künstlerisch ausgeführte kleine Bronzetafel auf der Rückseite deS eichenen Mittelpfostens enthält die Widmung der Provinz. Die Arbeiten wurden nach dem Entwurf des Hochbauamts Büdingen unter dessen Leitung ausgeführt. Die Zufahrtstraße und die ZugangS- teege wurden von dem Forstamt Konradsdorf hergerichtet und mit Ruheplatz und Kochgelegenheit für alte und junge Wanderer verbunden. Don dem Tempel genießt man eine schöne Aussicht durch den Duchenwald auf den Weiher. Die feierliche Uebergabe des SrinnerungS- malS findet am 7. 3uli, Vr12 Uhr, statt, an der die Bevölkerung teilnehmen kann. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Gleiberg-Verein: Familienfeier auf Burg Gleiberg, ab 3 Uhr nachmittags. — Ruder-Regatta des Süddeutschen Ruderoerbandes e. V.: Vorrennen, 17 Uhr. — Schützenverein Gießen: Außerordentliche Generalversammlung. — 8.30 Uhr, Schützenhaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Männer vor der Ehe", „Du sollst nicht stehlen", Karpathen-Ballett (Tanz- Revue). — Tageskalender für Sonntag. Gleiberg-Verein: Volks- und Heimatfest auf Burg Gleiberg, 2 Uhr nachmittags. — Ruder-Regatta: Hauptrennen, 14 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Männer vor der Ehe", „Du sollst nicht stehlen" und Karpathen-Ballett (Tanz-Revue). Maulkorberlatz, trnH. der Sä jrk der Wissenschaft jÄu geben. 3m 2a- ftr 'Eelvndere LÄ Beulen, wföcn Studenten- m versuch, die der rr Wahrheit teiltet kett zu verletzen me zu verbieten, die Wug in die Hand SÄ echte «Deutsch- ledcrherzusiellen. Vie "geachtet dessen auch ihrem Dillen jum knsdiktat Ausdruck De?/ l°dezg?A°lber! 8r0l. \ä'U(8,Sb« ®01b Zentrum), ^dörll. ?LUer iMtspitfÄ«. **Q?ft* iebung Welt. IDelttonwnf. herischen Welllonventr iratter durch die Er- hrendoktoren der ungarischen Elisabeth- ie mit dieser Auszeich- 'bischof Dr. Jhmcls- rblom-Upsala und ujorf. Air vierter Trä- 1 sich der Vorsitzende ns. Dr.Rendtocss- in Kopenhagen weilt. :r Diplome nahm Pros, e vor, in der aus die vangelischen Kirche hin- eine eigene von Stoots oarischen Elisabeth-Uni- M lutherische Fokul- Unfmifymiet, c hätten zu den er- Metzen Mercedes-Benz Achtzylinder Typ „Nürburg“ Vorbildlich für Eleganz und gediegene Ausstattung der Karosserie! Daimler-Benz Im In- und Ausland, in Wiesbaden, Düsseldorf, Wien, Budapest, Sofia, Baden-Baden, erhielt Typ „Nürburg“ in den letzten Wochen bei internationalen Schönheitswettbewerben die höchsten Auszeichnungen. In Budapest erhielten 2 Wagen dieses Typs das Goldene Band als Grand Prix d’honneur. 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Folgende Chöre wollen die Vereine mitbringen: O Schutzgeist: Deutschland,mein Vaterland; Wo gen Himmel Eichen ragen; Schenkenbachs Reiterlied; Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein und Wie s daheim war. — Die Herren Vorsitzenden werden zu einer kurzen Besprechung um 8 Uhr gebeten. Um restloses und pünktliches Erscheinen aller Sangesbrüder bittet Der Gauvorsitzende. ___________________________________________________ 5655D ♦The Foor Ramblers Original holländische Künstler-Kapelle ist ab 1. Juli für dasTheater-Cafd Ernst Ludwig verpflichtet. Der künstlerische Ruf, der dieser Kapelle vorausgeht, verbürgt ganz erlesene musikalische Genüsse, denn jedes Mitglied der Kapelle ist ein Künstler und Universalmusiker. Das Zusammenspiel ist feinfühlig und mustergültig. Darum sind die Leistungen der ,,FOUR RAMBLERS" schlechtweg nicht zu übertreffen, mag sich diese als Vermittlerin vornehmer Konzertmusik heiterer Stimmungsmusik und rassiger Jazzmusik betätigen. Ueberzeugen Sie sich selbst, daß die obigen Andeutungen nicht zuviel versprechen, durch Besuch des u4045 Theater Cafe Ernst Ludwig 3H.BRÜCH INH. TH. WEINEST giessen, Brandplafy $ (ALTES SCHLOSS) * IO SCHAUFENSTER * Jflöbel in einfachster bis feinster Ausführung Teppiche f Dekorationen Bequeme i Teilzahlung Wollen Sie neu-, um- oder anbauen? oder eine hochuerzinSliche Hypothek durch eine billige ablösen, oder haben Sie 1932 eine Auswertiingshyvolhek auszuzahlen, dann wenden Sie sich wegen Finanzierung dieser Angelegenheit auf alle Fälle an fiat! Seiden, Men, SlevhM.tr». WeWed. Mlnre möchte einem alt. alleinstehenden bess. Herrn den Haushalt fuhren. Schriftliche Angeb. unt. 04089 an den Gieft. Anz. erb, WIWlk ilMWIW mit la Zeugn. und besten Referenzen, t ungekünd. Stellung, wünscht sich nach Gieften oder nähere Umg. zu oerändern. Schriftl. Angeboten. 04131 a. d. Gieft. A»^». 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Bisher haben zum Anschluhproblem fast ausschließlich Politiker das Wort gehabt. Die Frage ist jedoch nicht nur eine politische, sondern vor allem eine eminent kulturpolitische, kulturelle. Es wird dabei weiteste Kreise interessieren, was ein österreichischer Dichter, einer der leidenschaftlichen Dorkämpfer der Anschlußbewe- gung über den kulturellen Gegensatz von Rord und Süd und über die stimmungs- mähigen Momente des inneren Anschlusses zu sagen hat. Es tut uns Oesterreichern gut, einmal aus den engen Pfählen unseres unmöglichen Staatsgebildes herauszukommen. Eine Dortragsreise führte mich quer durch Deutschland bis an die Grenze im Rorden und rief mir alles ins Gedächtnis, worüber ich mir schon theoretisch den Kopf zerbrochen hatte, alles, was uns bindet, alles auch was uns trennt. 3d> bin, bei Gott, nicht der erste, der dies tut. Sicher auch nicht der Eigenartigste und Geistreichste. Was ich hier sage, ist vielleicht vor mir schon von manchem anderen gesagt worden. Ich weih es nicht. Ich meine nur, darüber kann nicht oft und vielfach genug gesprochen werden. Und schließlich hat doch Wohl jeder das Recht, sich zu dieser uns allen im Herzen brennenden Frage zu äußern, vorausgesetzt, daß er guten Willens ist und die Liebe hat. Süddeutschland. Hier sind wir Wohl daheim, hier pulst der gleiche Rhythmus wie in Oesterreich. Wenigstens ein Teil davon. Wir müssen nur ganz sorgsam in uns hineinlauschen, denn in uns braust ein reicheres und daher verwirrenderes Orchester als in München und Stuttgart. Man höre einmal unsere Philharmoniker! Abgesehen von aller technischen Vollendung, die natürlich in ein anderes Kapitel gehört, besteht ihr viel gerühmter Zauber wohl aus dem berückenden Reichtum. Der Grundklang ist sicher deutsch. Aber viel andere Schattierungen spielen wohl noch darein, das magyarische Feuerrot, das slavische Dunkelviolett, das polnische Gelb, italienische, spanische, türkische Farben mengen sich zu einer Skala von berückender Schönheit. So dirigierte Mahler. Er holte alles dies heraus. Hören wir das Münchener Orchester, so bleibt nur der deutsche Grundton übrig, vom General Knap- pertsbusch kommandiert. Den müssen wir auch aus uns heraushören, müssen zur Erkenntnis kommen, daß er allein Basis und alles andere Rebenwerke ist. Zum Süddeutschen führen viele Brücken. Auch zum Mitteldeutschen noch. Am nächsten von allen steht uns wohl der Rheinländer. Ein großer Strom, Weinberge, und etwas fremde Blutmischung hier wie dort, impulsives offenes Temperament, dies sind so starke Gemeinsamkeiten, daß sie das Trennende, Realismus und Weltfreude trüben, sentimentale Romantik und ein wenig verhüllten Weltschmerz bei uns, vergessen lassen. Das wird im ersten Augenblick be- sremdend erscheinen, denn in der landläufigen Meinung ist ja der Oesterreicher ein Sanguiniker, die lustige Person des Welttheaters schlecht weg. Wer uns aber.näher kennt, weiß, daß dies eigentlich nur Maske ist. Im Grunde genommen hockt in uns ein tieferPessimismus. Alles das „Raunzerische" des Oesterreichers ist daraus zu erklären. Er ist im Grunde gar kein Querulant, sondern eigentlich ein tief unglücklicher Mensch, einer, den man jahrhundertelang zu einer gewissen äußerlichen Zufriedenheit dressiert hat, während er im Innern das dumpfe Gefühl trug, daß er eigentlich doch zu etwas Besserem geboren fei und seine Tage verludere. Keiner, dcr nach der deutschen Einigung innerhalb des geeinten Landes leben durfte, wird Nachts über Berlin. Von Michael Geyer. In der Zufohrtstraße zmn Flugplatz tragen alle Strahenbahnmasten an der Spitze rote elektrische Lampen — eine flimmernde Girlande längs des Tempelhofer Feldes. Am Flughafen bekommen wir die Erklärung für diese festliche Beleuchtung: es sind neue Signale, die den Piloten bei Racht- landungen vor Hindernissen warnen sollen. Aus der Dunkelheit des Platzes, die von verstreuten roten, weihen und grünen Lichterir nur wenig unterbrochen wird, schimmern die stählernere Körper der großen Iunkersmaschinen, die die neuen Rachtflugcinrichtungen der Luft-Hansa in der Praxis vorführen sollen. Ein paar hundert Meter, während das Flugzeug am Boden rolit und sich gegen den Wind dreht, wird man noch gehörig durch und durch gerüttelt — und plötzlich find wir über Berlin. Der erste Eindruck ist fast eine Enttäuschung, riesige schwarze Klumpen, dazwischen verstreut eine Anzahl winziger Licht- Pünktchen. Erst nach und nach schälen sich Einzelheiten heraus. Die Friedrichstraße: ein Heller Strich von Rorden nach Süden: der Potsdamer Platz: ein Rundtanz von zahllosen Glühwürmchen. Ganz langsam kriecht eine glitzernde Schlange durch die finsteren Häusermassen: ein Stadtbahnzug. Weiter im Süden der Stadt wird die Orientierung schwieriger. Rur hier und da erkennt man einzelne Strahenzüge an ihren Lichtreklamen, die schwach heraufschimmern. Mir fällt das Wort „Lichtmeer von Berlin" ein. So sicht das also von oben aus! Plötzlich taucht ein rot eingefaßtes Quadrat vor uns auf. Mitten darin ein grün- weih-roter Streifen der etwas schräg läuft. Eine Rakete wird abgeschvssen, die Motoren sehen aus: das Tempelhofer Feld. Im Gleitflug geht die Maschine nieder. Etwa 50 Meter über dem Erdboden läßt der Pilot die Magnesiumlichter, dre an den Enden der Tragdecke angebracht sind und elektrisch entzündet werden, aufflammen. Wie starke Scheinwerfer beleuchten sie taghell das Gelände und ganz sicher setzt die Maschine genau neben dem grün-weiß-roten Streifen auf den Boden. Die Rachtlandung ist gelungen. Die Bedeutung eines absolut sicheren Rachtflug- verkehrs liegt auf der Hand. Der Vorteil des Flugzeugs gegenüber allen anderen Verkehrsmitteln liegt in seiner Schnelligkeit. Auf langen Streckens deren Bewältigung auch einem Flugzeug im Laufe eines Tages nicht möglich ist, ging aber bisher fast überall der Zeitgewinn zu einem großen Teil wieder verloren, da nachts sich ganz in die Sttmmung der von der großen Weihnachtsbescherung ausgesperrten Kinder versehen können, die dumpf oder klar das Bewußtsein trugen, daß sie ein Schicksal getroffen hätte, das sie doch nicht ganz verdienten. Aus dieser immer währenden latenten wunden Sehnsucht, der wir nur selten Worte leihen konnten und durften heraus, sind viele unserer scheinbar so widersprechenden Eigenschaften zu erklären, die der gefestigte, auf sicherem deutschen Boden stehende Deutsche mißdeutet und nicht versteht. Aus diesem wunden Gefühl des Ausgestoßenseins wurden andererseits wir wieder > von vornherein in eine Oppositionsstellung gedrängt, wuchs eine krankhafte Empfindlichkeit in uns, die uns mehr als feinhörig für Mihverstehen und Mißdeuten machte. Wir waren weniger mißtrauisch gegen Süddeutsche, weil wir denn doch noch das Gemeinsame herausfühlten. Aber ein wenig innerliches Frieren ergreift einen jeden von uns, der nach R o r d- de u t s ch l a n d kommt. Dagegen hilft keine groß- deutsche Gesinnung, kein noch so gefestigtes Dolks- bewußtsein, das ist eine triebhafte Regung, wie ein wahrhaftes körperliches Frieren, dagegen kein Kraut gewachsen ist. Trotzdem ist alles das, was gegen die Rorddeutschen bei uns im allgemeinen ins Treffen geführt wird, ins Reich der Fabel zu verwerfen. Sie sind gar nicht kalt, sie sind nicht unliebenswürdig, im Gegenteil. In Schleswig-Holstein habe ich mir nie allein ben Mantel angezogen, ich habe mich nie über Gebühr mit drei Koffern abgeschleppt, wenn kein Träger zur Hand war, immer war ein Hilfsbereiter, ein tätig Hilfsbereiter zur Stelle, der mit einer stillen Selbstverständlichkeit und jeden Dank abwehrend, mir diesen Liebesdienst erwies. Richt nur mir, dem unkundigen Gast, sondern jedem, der es nötig hatte. Allerdings zeigten sie nur Interesse, solange als er diese Hilfe nötig hatte, .bann waren sie wieder Fremde. Bei uns ist es umgekehrt. Da zeigen die Leute so lange ein brennendes Interesse, als sie nicht aus ihrer Bequemlichkeit gestört werden, dann versiegt das mitunter. Die Rorddeutschen sind auch nicht materialistischer veranlagt als wir. Sie sind nur tüchtiger und konzentrationssähiger. Auf uns, die wir ein wenig Reigung zum Verströmen haben, wirkt diese geschlossene Festigkeit, dieses starre System der Persönlichkeit immer ein wenig unheimlich. Auf sie, die Gefestigten, mutz dagegen unser aus- gebreiteles Wesen manchmal schäm- und gleich- gewichtslos wirken, ungefähr so, wie uns der Italiener in manchem abstößt. Wir stoßen sie aber nicht ab. Sie sind viel zu klug, als daß sie nicht wüßten, daß wir eine Wesensart repräsentieren, die der ihren entgegengesetzt, aber doch als eine gewisse Ergänzung willkommen ist. Der Harte sehnt sich mitunter eher nach der Weichheit, als der Weiche nach der Härte, obwohl auch er diese ergänzende und zusam- menraffende Eigenschaft als nötig empfindet. Unb wir beobachten gar oft, daß der Meister der Linie nach Farben Sehnsucht trägt, indes der Kolorist, berauscht von der Farbenfülle, die Linie vernachlässigt. Lind so läßt sich vielleicht die primitivste Art, der Gegensatz zwischen Rord und Süd, als ein Gegensatz zwischen Linie und Farbe, zwischen Plastik und Malerei bezeichnen. Es gibt Zeichner unter den Rorddeutschen, die einen feinen Silberstift führen, der Holsteiner Storm war ein solcher, und der Dithmarscher Brahms. Es gibt Plastiker unter ihnen, wie Bach und Hebbel. Der Süddeutsche Schubert ist Maler wie sein Freund Schwind, Bruckner hat sich, manchmal vergessend, dem farbigen Cinzelgedanken hingegeben, ehe er sich wieder zum Gigantischen aufritz. Der Mitteldeutsche Wagner steht klug wägend in der Mitte und läßt jeder der beiden Grundeigenschaften ihr Recht angedeihen. Deshalb hat er in seinem Siegeszug so bald ganz Deutschland erobert. nicht geflogen wurde. Auch bei der Post- und Frachtbeförderung durch Flugzeuge machte sich dieser Mangel stark bemerkbar. Gibt man z. B. in Berlin am Abend einen gewöhnlichen Brief nach London auf, so trifft er fahrplanmäßig erst am nächsten Abend in London ein und wird am übernächsten Morgen dem Empfänger zugestellt. Wird der Brief durch Flugpost befördert, so bleibt er dis zum nächsten Morgen liegen, kämmt am Rachmittag in London an und kann im günstigsten Falle am Abend dem Empfänger zu- gestellt werden, findet aber auch erst am nächsten Morgen seine Erledigung. Die Losung des Problems, einen gesicherten und regelmäßigen Racht- flugverkehr zu schaffen, ist also geradezu eine Lebensfrage für die Luftfahrt. Rächtliche Flüge stellen den Piloten vor eine ganze Reihe von bedeutenden Schwierigkeiten. Vor allem ist es die Frage der Orientierung, die natürlich nachts erheblich schwerer ist als bei Tage. Dazu kommen noch die Gefahren der Landung, bei der der Pilot den g cf amt en Flugplatz übersehen muß, um die Auslaufstrecke berechnen zu können, bei der er auch die Windrichtung kennen muß, da ja die Maschine nur gegen den Wind auf den Boden gesetzt werden kann, und die Vermeidung von Hindernissen aller Art. Alle diese Probleme sind heute in völlig befriedigender Weise gelöst, und man geht in Deutschland daran, neben der einen vorhandenen Racht- pasfagierlinie Berlin—Königsberg eine ganze Reihe weiterer Rachtflugverbindungen auszubauen. Zur Streckenorienticrung für den Piloten werden in Abständen von etwa 30 Kilometern starke Drehscheinwerfer aufgebaut, die bei günstigem Wetter etwa 100 Kilometer weit reichen. Dazwischen befinden sich etwa alle vier Kilometer rote Leuchtröhren. Bei jedem Scheinwerfer soll em Rotlandungsplah vorgesehen werden, der nachts mit allen Hilfsmitteln versehen ist. Tie Rachtlandungsvorrichtungen sind bis jetzt am weitesten auf dein Flugplatz Tempelhofer Feld ausgebaut. Das gesamte Rollfeld ist mit roten Reon-Leuchtröhren eingefaßt. In der ganzen Umgebung des Flugplatzes sind alle in Betracht kommenden Hindernisse durch elettrische Beleuchtung kenntlich gemacht. Außer dem Windrichtungsanzeiger, der durch starke Scheinwerfer erhellt wird, befindet sich auf dem Flugplatz selber ein 400 Meter langer leuchtender Landestrich, der dem Piloten die genaue Wind- und Lmrde- richtung angibt und aus transportablen grünen, weihen und roten Denzinglühlichtlampen besteht. Zwei riesige Reon-Leuchtkörper auf dem Turm des Verwaltungsgebäudes blinken den Morse- | buchstaben B und zeigen so dem Piloten an, daß Wagner. — ES scheint jetzt Mode zu werden, gegen ihn Sturm zu laufen. Der Derdi-KultuS, der nun allenthalben ausbricht, scheint eine Anti- Wagner-Aktton zu fein, also in Wahrheit eine anti-deutsche Angelegenheit. Uns, die wir den Großen aus Bayreuth lieben, scheinen „üble Streiche" zu drohen. Man mag im allgemeinen über den „Ring", den „Tristan , ja sogar „Par- sifal" seine Einzelmeinung haben, bei den „Meistersingern" darf es wohl bei jedem Deutschfühlenden nur eine Stimme geben. Und da fällt mir ein norddeutsches Erlebnis ein. Ich saß als einziger Südländer in einer Gesellschaft von echten Rordlandssohnen, und mich wollte schon wieder das verdammte seelische Frieren anwehen, von dem ich eingangs gesprochen habe. Richts schlug Brücken. Kein politisches, kein historisches Gespräch. Da fiel das Wort Rürnberg, das Wort Wagner, das Wort Meistersinger. Und mit einem Male leuchtete die verborgene- innere Wärme meines Rachbarn aus seinen eben noch kühlen Augen, und ich sah darin einen Widerschein meiner eigenen, um so viel lauter und Heller sich gebärenden Glut. Am nächsten er sich über dem Flughafen Berlin befindet. Außerdem soll noch ein starker Scheinwerfer, der eine Viertel Milliarde Kerzen entwickelt, dem Piloten den Weg weisem Von einer besonderen Beleuchtung des Rollfeldes durch Scheinwerfer, wie sie in England und Frankreich üblich ist, hat man abgesehen. Die zur Landung erforderliche Beleuchtung führt jedes Flugzeug in Form von Magneliumlichtern, die an den Enden der Tragflächen befesttgt sind, selbst mit. Damit ist auch die Möglichkeit gegeben, daß der Pilot sich bei etwa Vorkommen den Rotlandungen besser über das Landungsgelände orientieren kann. Die bisherigen Erfahrungen haben bewiesen, daß alle diese Einrichtungen zur Durchführung eines geordneten und vollkommen sicheren Racht- flugverkehrs absolut ausreichen, und man wird sich wohl bald mit der gleichen Ruhe in das Rächt- flugzeug sehen können, wie man heute den Rächt- fchnellzug besteigt. ©er Tausender des Kaisers. Vor einiger Zeit wurden in Frankreich die neuen Tausdndfrankscheine herausgegeben. Die neuen Geldnoten sind im Vierfarbendruck her- gestellt, um Fälschungsversuchen nach Möglichkeit oorxubeugen. Die Pariser Zeitungen haben anläßlich der Premiere des neuen Tausenders einen netten Vorfall aus der Zeit Rapoleons III. aufgefrischt. Damals waren die Banknoten zwar nur mit schwarzem Aufdruck versehen, jedoch mit derartigen technischen Hilfsmitteln verfertigt, daß Falsifikate zunächst gar nicht aufkamen. Dis eines schönen Tages ein gewisser Herr Daguerre die Kunst des Photographierens erfand. Jetzt stand der Geldfälschung cn gros nichts mehr im Wege; jeder, der nur über einen photographischen Apparat und eine Druckmaschine verfügte, konnte mit Leichtigkeit Geld zu Hause fabrizieren. Die Falsifikate schossen wie die Pilze aus der Erde und die Banque de France konnte bald ein kleines Museum für die „Drucksachen" einrichten. Ende 1861 würdigte sogar die Kaiserin Eugenie diese interessante Sammelstelle ihres hohen Besuches. Ein besonders gelungener falscher Schein gefiel ihr so gut, daß sie ihn mitnahm, um das beinahe einwandfreie Stück ihrem Manne zu zeigen. Zu Hause angelangt, legte die Kaiserin das Falschgeld auf den Schreibtisch des Herrschers, der nicht in seinem Arbeitszimmer war. Am nächsten Tage gewährte der Kaiser einem armen Bittsteller eine Audienz und schenkte diesem den Tausendfrankschein, der zufällig auf seinem Tische lag. Der Mann zog beglückt ab und wurde eine Tage standen die Meistersinger" auf dem Spiele plan. Rebeneinander faßen wir beide, der Rord- deutsche und der Süddeutsche, die noch gestern ein Abgrund des Richtverstehens getrennt hatte. Richts mehr trennte uns. All unser Mißverstehen warfen wir in die rauschenden Wogen dieser Musik, in der alles lebt, die Stimme des Meeres, der schlesischen Tannenwälder, des Rheins und der Donau, alles, das ganze Deutschland, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. In diesem Augenblick, nicht des De- geisterungsra usches, der ist romantisch, sondern des tiefen, stillen, ruhigen beseligenden Glückes, das durch unferc Adern strömte, wie wilder schwerer Rheinwein, habe ichs erkannt: Alles, was uns trennt, alle unsere Gegensätze und Verschiedenheiten sind lächerlich Hein und versinken vor dem Machtwort einer großen Stunde, die von dem Worte Deutschland erfüllt ist. Denn dieses Wort ist nicht nur ein geographischer Begriff, ist nicht nur Wald, Stadt, Strom und Meer, es ist weit mehr. Es ist ein Gedanke, der in den Sternen leuchtet, zu denen wir alle im gleichen vertrauenden Glauben emporschauen. Stunde später beim Einwechseln der großen Rote — verhaftet. Bei feiner Vernehmung beteuerte er. das Geld vom Kaiser zu haben. Das wollte natürlich fein Mensch glauben: glücklicherweise fiel aber Eugenie die Sache mit dem Tausender wieder eilt, man forschte der Angelegenheit nach und befreite den unschuldigen „Geldfälscher" aus seiner unangenehmen Lage. Er erhielt eine „waschechte" Banknote und obendrein hundert Franken Schmerzensgeld. ©er Knigge für den amerikanischen Gentleman. Der seelige Knigge, der in seinem „Umgang mit Menschen" so weise Lebensregeln für den guten Ton und die beste Art des Fortkommens ausgestellt hat, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die Ratschläge vernehmen konnte, die der amerikanische Professor Robert Roggers den Studenten des Instituts für Technologie von Massachusetts gegeben hat. In einer Ansprache, die in Reuyorker Blättern großes Aufsehen erregte, teilte er den jungen Leuten einige Hinweise mit, „wie man ein Gentleman wird und Erfolg im Leben hat". Unter den Geboten des Professors seien einige hervorgehoben: „Kaufe dir niemals einen Anzug, ohne zugleich ein Paar Extrabeinkleider mitzukaufen. Laß den Anzug jede Woche bügeln. — Kaufe niemals ein Paar Schuhe, ohne passende Schuhleisten dazu zu erwerben. — Trage niemals denselben Kragen am Abend, den du am Tage getragen hast. - - Heirate die Tochter des Chefs und nicht die Dureaudarne. Cs ist ebenso leicht. — Suche Beziehung zu den herrschenden Klassen; junge Leute, die es zu etwas bringen, heiraten immer in Kreise, die sozial etwas hoher stehen. — Stärke mit allen Mitteln dein Bewußtsein der Ueberlegenbeit. Begehre stets nach den besseren Dingen und wende dein Geld daran, -Unternehmungen zu unterstützen, die es wert sind. — Trage stets eine Haltung zur Schau, durch die du bezeigst, daß du dich für besser hältst als die andern. Äiinrn dir den Politiker und den Alkoholschmuggler zum Vorbild, und es wird dein eigner Fehler fein, wenn du in späteren Jahren nicht zur herrschenden Klasse gehörst." Prof. Roggers warnte seine Hörer davor, Verstand für das Wichtigere zu halten als Willen: ein zweitklassiger Verstand und ein erstklassiger Willen brächten größere Erfolge im Lebenskampf als ein erstklassiger Verstand und ein zweitklassiger Willen. „Suche in einen guten Klub zu kommen," war fein Schlußrat, „iß wie ein Gentleman und vor allem: verkehre mit Gentlemen." ✓ ■ t Vor 10 Jahren in Versailles. Von Kurt Freiherr« von Lersner, vorm. Präsidenten der deutschen Friedensdelegation. Versailles, am 28. Juni 1919: Französische Truppen aller Waffengattungen, besonders schwere Artillerie, ziehen stundenlang unter unseren Fenstern vorbei. Fast jeder der zahlreichen Offiziere und viele Soldaten werfen einen frohlockenden Blick herauf nach unseren Zimmern, den historischen Zimmern der Marquise de Pompadour. Die Straße, bisher durch mannshohe Stacheldrahtzäume abgesperrt, ist zum ersten Male freigegeben. Mit jeder Trikolore oder Standarte reiten die Kommandeure und marschiert die Musik, die bet uns sofort die stolze Marseillaise intoniert. Kanonengerassel, Geschwindschritt der französischen Infanterie, Pferdegetrappel. Dom frühen Morgen an ist ganz Versailles im Jubel, umrauscht von zahllosen blau-weiß-roten Flaggen, die in der strahlenden Sonne luftig flattern, ileberall lachende, fröhliche Gesichter. Denn heute soll Friede werden. Der Weltkrieg endet ja heute, llnb Friede auf Erden —. Wirklicher Weltfrieden. Rur bei uns, in unserem „Hotel des Reservoirs", da sieht es anders aus. Morgens waren die Reichsminister Hermann Mülle r und Dell angekommen, die im Auftrage des Reiches und der Rationalversammlung das Friedensdiktat von Versailles unterzeichnen mußten. Wahrlich eine bittere, schwere Ausgabe! Da die ganze große deutsche Friedensdelegation, die aus Mitgliedern aller Parteien — vor allem aber aus Sozialdemokraten, Zentrum, Demokraten — bestand, einstimmig gegen d i e Annahme der Versailler Bedingungen gestimmt hatte, konnte von irgendeiner Teilnahme am Akte der Anterzeichnung für unS natürlich keine Rede sein. Gegen 3 Ahr begeben sich die Reichsminister von einem jüngeren Herrn geleitet, wie zur Beisetzung eines Toten in den Spiegelsaal Ludwigs XIV, im Versailler Königsschloß. Dort, im gleichen Saale, hatte Bismarck vor einem halben Jahrhundert unter dem Jubel ganz Deutschlands den Traum des ganzen deutschen Volkes erfüllt und das deutsche Kaiserreich proklamiert. Still wird es In Versailles. Totenstill. Die zahllos aufmarschierten Truppen treten ins Gewehr. Das ganze Volk wartet. Richts regt sich mehr. Alles hält den Atem an. — Auch wir wenigen, zurückgebliebenen Deutschen atmen nicht, warten. Aber ein anderes Warten wie das unserer Kriegsgegner. Wie Blei senkt sich's herab. Ans schleicht das kalte Grausen durch die Adern. Ist es denn faßbar, ist es denn möglich? Heute soll es wahr werden, was das fürchterliche gelbe Buch vom 7. Mai und 16. Juni, „die Friedensbedingungen" Clemenceaus, gefordert hatten? Geraubt: Elsaß-Lothringen, deutsch zu drei Vierteln: Moresnet.Eupen-Malmedy rein deutsch; Posen, Danzig und der westpreußische Korridor weit überwiegend deutsch; das Memelland rein deutsch: das Hittschinerland rein deutsch: unsere Kolonien. Ansicheren, unter der Aufsicht der Ententetruppen stehenden Bestimmungen unterworfen: Oberschlesien, Rordschleswig, Teile von Ost- und Westpreußen. Das Saargebiet soll in Frankreichs Hand fallen, wie die ganzen Saargruben. Das Rheinland, auf lange Jahre beseht, schwer bedroht: vier große rechtsrheinische Brückenköpfe für Jahre, vielleicht Jahrzehnte okkupiert. Oesterreich darf sich nicht mit uns vereinigen. Vernichtung unserer Handelsflotte und unseres Aeberseehandels. Beschlagnahme unserer Auslandvermögen und Auslandwerte. Zahlung der Kriegskosten der gesamten Welt. Zwangsweise, kostenlose Lieferung eines Drittels unserer Kohlenförderung. Entlassung unseres ruhmreichen Heeres bis auf einen verschwindenden Rest. Vernichtung unserer Kriegsflotte und Marine. Vollständige Zerrüttung unseres Wirtschaftslebens. Völliger Ruin unserer Finanzen. Harter Frondienst unseres ganzen Volkes auf viele Jahrzehnte. Auslieferung des Kaisers und hunderter verdienstvoller Heerführer und Generale, Hindenburgs, deutscher Fürsten und Staatsmänner zur Aburteilung an Leib und Leben. Trotz der entsetzlichen Hungerblockade Abkieserung von Hunderttaufenden von Milchkühen. „Während mehrerer Jahrzehnte hat Deutschland unausgesetzt eine Politik getrieben, die darauf hinzielte, Eifersucht, Haß und Zwietracht zwischen den Rationen zu säen, nur damit eS seine selbstsüchtige Leidenschaft nach Macht befriedigen konnte" — ein vorbedachter Angriffs-, EroberungS- und Anterjochungskrieg uns. uns, in die Schuhe geschoben —; w i r allein- schuldig am Ausbruch des Weltkrieges, wir das friedliebendste Volk Europas, unsere Regierung, die jahrzehntelang den Krieg verhindert, die nie an Krieg gedacht hatte: wir waren zu böswilligen, beutegierigen, blutdürstigen Verbrechern gestempelt. Dies und Hunderte von anderen aufgezwungenen Friedensklauseln, deren polittsche oder wirt- schaftliche Tragweite noch gar nicht zu übersehen waren, sollten jetzt Wahrheit, Wirklichkeit, Tatsache werden. Diese fürchterlichen „Friedens- bedingungen" trotz Wilsonpunkten, trotz Wilson- Programm, trotz Lansings, des amerikanischen Staatssekretärs, amtlicher, feierlich im Ramen der Ententeregierunden gegebenen Versicherungen. Der uns verheißene „Friede der Gerechtigkeit und des Wiederaufba ues" war vergessen, versunken und statt dessen wurde — Versailles die „magna Charta" Europas. Dafür hatte Deutschland vier Jahre gekämpft, gefochten, geblutet. Dafür lag unsere blühende Äugend unter dem Rasen. Dafür war all das namenlose KriegSelend über uns gekommen. Ein „vae victisl", das einen siegestrunkenen Drennus schamrot hätte werden lassen. Einstimmig hatten nicht nur alle Mitglieder der deutschen Friedensdelegation, sondern auch sämtliche Parteien der Vationalversammlung im Mai gegen die „Friedensbedingungen" von Versailles protestiert. Mit den schärfsten Worten hatte das Haupt der damaligen Reichsregierung, der Reichsministerpräsident Philipp Scheidemann, das „befristete Todesurteil^, den „Hexenhammer", den „Mordplan" von Versailles gegeißelt. Ganz Deutschland war noch vor wenigen Wochen einig und geschlossen in der Verurteilung und Ablehnung des Versailler „Friedens" gewesen und nun nahm dasselbe Deutschland dennoch das drakonische Diktat an. Trotz klarstem Sonnenschein und wärmstem Wetter fühlen wir tiefe Finsternis in uns. Schwarze, schwere Wolken scheinen uns zu umgeben, wie dichter stickiger Rebel, der uns am Atmen hindert. Endlos dünkt die entsetzliche Stunde. Zaudernd, trovfenweis verstreichen die Minuten. Immer noch diese Totenstille. Gaumen, Stirne, Augen brennen. Der Puls fliegt. Jeder Rerv spannt sich. Plötzlich zerreist ein dröhnender Schuß die bange Stille. Hunderttausendstimmiges Vivatrufen. Alle Glocken läuten. Die Marseillaise. Vive la France! Jubeln. Jauchzen. Die 101 Kanonenschläge des französischen Siegessaluts. Immer lauter der Jubel, das Glück der Menge. Bald hört man Bewegung in die Messen kommen. Siegestrunken ziehen viele Tausende bei uns vorbei und rufen freudig herauf: „Le Boche paiera tout! — Der Deutsche zahlt all^l" Dange, bittere Zweifel an der ewigen Gerechtigkeit durchbeben unsere Brust. Eine neue Zeit bricht am Versprochen der gerechte, Wiederaufbauende Frieden — und das deutsche Volk versklavt auf viele Jahrzehnte hinaus. Wer diese furchtbaren Stunden fühlend erlebt hat, den hat „der Menschheit ganzer Jammer" angepackt. Das war Versailles. 10 Jahre, 10 bange schwere Jahre sind seit diesem Tage vergangen. Genau so, wie wir es damals gefühlt und vorausgesagt haben — wenn nicht schlimmer — ist alles eingetroffen. Roch heute das halbe Rheinland und drei rechtsrheinische Brückenköpfe beseht, Ostpreußen und das Saargebiet von uns getrennt. Der wertvollste Teil Oberschlesiens entrissen und all die Grenzlande in die Hand unserer Gegner trotz Wilson „verschoben, wie Steine in einem Brettspiel". Roch auf ein halbes Jahrhundert Trioutzahlungen und Frondienst des deutschen Volkes — und heute verlangt die Welt bon uns, daß wir begeistert dem zustimmen sollen, was sie „große Erleichterungen" im Augenblick nennt — und vergißt dabei, daß eine noch ungeborene Generation Deutscher verblassen wird, bevor die deutschen Kriegsentschädigungszahlungen aushören sollen. Wie hat unser bekannter Verhandlungsgegner aus Versailles, der englische Änterstaatssekretär Professor I. M. Keynes, über den Versailler Frieden geurteilt: Die Politik, ein großes zivilisiertes Volk in Abhängigkeit und Schuldfron zu führen, es auf viele Jahrzehnte hinaus in der Knechtschaft halten zu wollen, ist nicht nur ungerecht und unsittlich sondern auch kurzsichtig und dumm. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 30. Juni, von 17,30 bis gegen 23 Ähr: Abschieds-Zyklus Clemens Krauß: Die Meistersinger von Rürnberg. Montag, 1. Juli, von 19,30 bis 22,45 Ähr: Die Fledermaus. Dienstag, 2.» von 19,30 bis gegen 22,30 Ähr: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Mittwoch, 3., von 19,30 bis 22,30 Ähr: Pulcinella : hierauf Der Jahrmarkt von Sorotschintzi. Donnerstag, 4., von 20 bis 22,45 Ähr: Cavalleria rusticana; hierauf: Der Bajazzo. Freitag, 5., von 19 bis nach 22,30 Ähr: Die Jüdin. Samstag, 6., von 19,30 bis gegen 23 Ähr: Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Sonntag, 30. Juni, von 20 bis gegen 22,15 Ähr: Der Mann, der seinen Ramen änderte. Montag, 1. Juli, von 20 bis gegen 22,15 Ähr: Katharina Knie. Dienstag, 2., von 20 bis gegen 22,15 Ähr: Der Mann, der seinen Ramen änderte. Mittwoch, 3., von 20 bis gegen 23 Ähr: Wilhelm Teil. Donnerstag, 4., von 19 bis gegen 22 Ähr: Wilhelm Teil. Freitag, 5., von 20 bis gegen 2,15 Ähr: Der Mann, der seinen Ramen änderte. Samstag, 6., von 20 bis gegen 22,15 Ähr: Kater Lampe. Blindenkonzert. Das Konzert blinder Künstler am Donnerstagabend im Saale des Caf6 Leib war bis auf den letzten Platz besetzt, ein erfreuliches Zeichen für das Interesse, das man den künstlerischen Darbietungen vom Schicksal schwer geprüfter Menschen entgegenbringt. Änverständlich aber ist das Verhalten einiger Zuhörer auf der Galerie, die sich während der Beethoven-Sonate ungeniert laut unterhielten und somit bewiesen, daß sie den Ernst der Veranstaltung nicht begriffen hatten. Die Vortragsfolge war recht ge- schmack- und stilvoll zusammengestellt. Beethovens 1. Sonate(O-Dur) für Violine und Klavier stand an der Spitze. Gustav P r o b st (Violine) und Fräulein Leonore Müller (Klavier) spielten sie mit großer Hingabe und feiner Ruancierung. Ihr Zusammenspiel war ausgeglichen und sauber. Die Romanze in 0-Dur von Beethoven, die Reverie von Dieuxtemps und eine Ballettszene von Deriot wurden von Herrn P r o b st ebenfalls mit sicherer Auffassung und gutem technischen Vermögen wiedergegeben und von Frl. Müller trefflich begleitet. Zwischen den einzelnen Violin- stücken sang Frl. Ellen Propst (Sopran) Lieder von Schubert, Mendelssohn und Brahms. Ihre recht ausdrucksvolle Stimme ist tragfähig und hat Kraft. Schuberts „Wohin?" und Brahms' „Von ewiger Liebe" hinterließen einen besonderen Eindruck. Zum Schluß sang sie noch zwei Lieder von Goltermann und Reinicke mit Violin- und Klavier-Begleitung. Auch diese Stücke Hangen abgerundet und im Zusammenspiel sicher. Ganz besonders verdient aber die Leistung der Pianistin (Leonore Müller) hervorgehoben zu werden, die ihrer schweren Aufgabe, die mannigfachen und nicht immer leichten Begleitungen aus dem Gedächtnis zu spielen, in verblüffender Weise gerecht wurde. Gerade das Auswendigspielen von Begleitungen erfordert neben zähem Studium besondere Befähigung und Gedächtniskraft, die hier in großem Matze vorhanden ist. Den drei Ausführenden ist zu wünschen, daß sie auch an anderen Orten immer so gut besuchte Konzerte haben. Das Publikum war recht dankbar für die verschiedenen Darbietungen und spendete herzlichen und wohlverdienten Beifall. Tagung des Hessischen Sparkaffen- und Giroverbandes. WER. Lauterbach, 27. Juni. Hier fand die Hauptversammlung des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes statt. Der Vorsitzende, Iustizrat Dr. Reh, erstattete nach kurzen Begrüßungsworten den Geschäftsbericht, in dem festgestellt wird, daß die fortschreitende innere und äußere Stärkung der Sparkassen auch im Jahre 1928 angehalten hat. Auch sind in 1928 die Spareinlagen weiter gewachsen. Sie betrugen Ende 1928 166 674 000 Mk. gegen 114 752 000 Mk. im Jahre 1927. Somit ist ein Zuwachs von 51 922 000 Mk. festzustellen. Bemerkenswert ist weiter, daß die Sparkassen sich mehr und mehr der Ausgabe langfristiger Darlehen zugewendet haben. Der Förderung des Wohnungsbaues haben sich die Sparkassen im verflossenen Jahre besonders gewidmet. Insgesamt betrugen die für Wohnungsbauzwecke gewährten Darlehen etwa 27 Millionen Mark. Sehr rege war auch die Tätigkeit der Sparkassen auf dem Gebiete der Lebensversicherung. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Entwicklung der hessischen Sparkassen im vergangenen Jahre befriedigend gewesen ist. Im Anschluß an die Erstattung des Geschäftsberichts hielt Direktor Seipp einen Vortrag über „Die Geldwährung". Er hob besonders hervor, daß der Voung-Plan unsere finanziellen Verpflichtungen endlich geklärt habe, so daß wir uns danach einstellen könnten. Weiter folgte noch ein Vortrag über das neue Sparkassengeseh, der für die Teilnehmer der Tagung von Interesse war. — Im Anschluß an die Tagung fand die Einweihung des neuen Lauterbacher Sparkassengebäudes statt, dessen kassentechnische Einrichtung unter den Bezirkssparkassen des Hessenlandes seinesgleichen sucht. Erweitertes Schöffengericht Gießen. Gießen, 26. Juni. Änter Ausschluß der Oefsentlichkeit wurde gegen einen Familienvater verhandelt, der versucht hatte, ein geisteskrankes Mädchen zu mißbrauchen. Der Angeklagte ist noch unbestraft. An dem fraglichen Morgen hatte er ziemlich viel Lllkohol zu sich genommen. Änter Zubilligung mildernder Ämstände wurde gegen ihn auf eine Gefängnis st rase von vier Monaten erkannt. Auch die nächste Verhandlung fand wegen Gefährdung der Sittlichkeit hinter verschlossenen Türen statt. Ein 55jähriger Mann wurde wegen an seiner Stieftochter begangener Blutschande zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter, der bei einer mit der Ausführung von Installationsarbeiten beauftragten Firma Hilfsarbeit leistete, hatte, dieser mehrere Kilogramm Reublei entwendet. Zwar bestritt er den Diebstahl und will nicht gewußt haben, daß er in den Besitz des bei ihm Vorgefundenen und beschlagnahmten Reubleis gewesen ist. Doch wurde dem Angeklagten nachgewiesen, daß er mit Änterstützung eines anderen Arbeiters sich das Blei verschafft hatte. DaS Gericht erkannte gegen ihn wegen Rückfalldiebstahls auf vierMonateGefängnis.. Aus der Äntersuchungshaft vorgeführt wurde ein sehr häufig vorbestrafter Gelegenheitsarbeiter, der seit feiner letzten Entlassung aus der Strafanstalt als Landstreicher umhergezogen ist und durch Diebstähle und Betteln sein Leben gefristet hat. Im Frühjahr war er auch in dem hiesigen Obdachlosenasyl, wo er geherbergt hatte, eingebrochen, wobei ihm eine Reihe von Gegenständen in die Hände fieL Zuvor hatte er auch auswärts zwei Diebstähle begangen. Schließlich gelang es, ihn in Offenbach festzunehmen, wo er sich unter einem falschen Ramen im Gefangenenbuch eintragen ließ. Wegen eines schweren Rückfalldiebstahls, zweier einfacher Diebstähle und wegen intellektueller Ärkundenfäl- schung wurde er unter Zubilligung mildernder Ämstände zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt, außerdem erhielt er wegen Landstreicherei und Bettelns Haftstrafen von je zwei Wochen. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 25. Juni. Zum zweitenmal wurde gegen einen Landwirt aus der Ämgegend verhandelt, weil er auf der Straße nach Rödgen in der Rähe des sog. Professorenrcks in zwei Fällen den Fußsteig mit seinem Pferdegespann befahren hat. Es'handelt sich um eine geteerte Fahrstraße, deren Benutzung namentlich an der hier fraglichen Stelle nach Ansicht des Angeklagten und auch anscheinend nach Ansicht einer großen Reihe von an dem dortigen Straßenverkehr beteiligten Landwirten aus Rachbarorten für Pferdefuhrwerke gefährlich sei insofern, als dort infolge der durch den starken Autoverkehr veranlaßten Glätte die Pferde zu Falle und die Landwirte leicht zu großem Schaden kämen, und tatsächlich auch schon zu solchem gekommen seien. Deshalb will der Angeklagte gezwungen gewesen fein, die Fahrstraße zu verlassen und das Bankett zu befahren: er will gewissermaßen in einem Rotstand gehandelt haben, der seine Freisprechung begründe. Die Beweisaufnahme ergab, daß die fragliche Stelle allerdings schon Anlaß zu Beschwerden gegeben hat, so zu solchen des Tierschutzvereins und von Pferdeversicherungen, daß auch das Passte^ ren der dortigen geteerten Straßenstrecke mit geringem Gefälle infolge der Glätte für ben Angeklagten mit Schwierigkeiten verbunden gewesen sein mag, daß dieser aber doch recht wohl in der Lage war, den Schwierigkeiten, welche, will die Baubehörde nicht ganz auf den Oberflächenschuh der Straßen verzichten und nicht nur dem Fuhrwerksverkehr Rechnung tragen, trotz dahingehender Versuche nicht zu vermeiden sind, mit Erfolg zu begegnen und das Fuh- bankett zu meiden. Der Angeklagte hat aber nicht gebremst, auch die Zügel nicht angezogen, er blieb auch auf dem Wagen sitzen, obwohl er als vorsichtiger Fuhrmann an der fraglichen ihm bekannten Stelle hätte absteigen müssen, um das Pferd, wenn es nottat, am Kopfe zu führen. Rach alledem lag für den Angellagten nach Ansicht des Gerichts keinerlei Strafausschließungsgrund, namentlich kein Rotstand, dessen Voraussetzungen gänzlich fehlten, höchstens ein Strafmilderungsgründ vor. Eine gegenteilige Ansicht würde im Straßenverkehr zu den bedenklichsten Konsequenzen führen. Der Angeklagte erhielt Geldstrafen von je 3 Mark. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 28. Juni. Der Kreisarzt hat wegen Scharlachgefahr die Schließung der Wetzlarer Volksschulen angeordnet. J Wetzlar, 27.Juli. Ein tragischer Zusammenstoß eines Automobils mit einem Radfahrer ereignete sich heute mittag in der Bahnhofstraße, Ecke Bannstraße. Der Sohn des hiesigen Kommissärs Neuhaus kam mit seinem Personenkraftwagen aus der Stadt und wollte zum Bahnhof. An der Kreuzung der Bahnhofstraße mit der Bannstraße kam aus dieser der Arbeiter Kolb auf seinem Fahrrad, um ebenfalls in die Bahnhofstraße einzubiegen. In diesem Augenblick kam der Kraftwagen heran, und es gab einen fürchterlichen Zusammenstoß. Der Versuch des Kraftwagenführers, im letzten Augenblick zu bremsen, mißlang: der Wagen packte den Radfahrer und drückte ihm mit den Rädern den Kopf so stark zusammen, daß Teile des Gehirns herausgepreßt wurden. In schwerverletztem Zustande wurde der bedauernswerte Mann in das nahe gelegene Hotel Kaltwasser verbracht, wo er kurze Zeit darauf verschied. Sofort eingeleitete polizeiliche Feststellungen und photographische Aufnahmen werden über die Schuldfrage Klärung herbeiführen. Oie $rau im Streit erstochen. Frankfurt a. M., 28. Juni. (WTD. Draht- bericht.) Der Arbeiter Josef Grün aus der Gneisenaustraße, der bei seiner Schwiegermutter mit Frau und Kind wohnt, erstach in der vergangenen Rächt nach einem vorauf gegangenen Streit seine Frau mit einem Küchenmesser und verletzte fein ach tjähr iges Töchterchen. Er stellte sich dann selbst der PolizeL Berliner Börse. Berlin, 29. Juni. (WTB. Funffpruch.) Rach- dem schon gestern abend das Geschäft sehr stillen Charakter gehabt hatte, ist man auch heute vormittag zurückhaltend. Man nennt vorläufig ziemlich unveränderte Kurse, rechnet aber mit Deckungen am Tietz-Markt, durch die auch die Allge- meinftimmung dann eine Besserung erfahren könne. Besondere Anregungen liegen heute nicht vor. An Kursen hörte man Siemens 396 bis 397 (etwa) und Farben 239,5 (etwa). Am Devisenmarkt nannte man heute London gegen Paris 123,89, London gegen Madrid 92,65, London gegen Spanien 34,25, London gegen Amsterdam 12,08, London gegen Schweiz 25,2025, London gegen Kabel 4,8485, London gegen Berlin 20,3460. Kabel gegen Berlin 4,1950, 4,1955, und Tokio gegen Kabel 43,70._____________________________ Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Für unverlangt cingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. /Hfl ■ h // dank der unerredden^uaLiiät und ausgereiftesten Jconstruktion - veqHändiSche llüsc/uncnfabrik. dfy, ‘Pfauen E VOM AG -fr. ■ Vertretung: Georg Karl Reit, GIESSEN, Marburger Straße 34, Fernsprecher 298. Während der Reisezeit empfiehlt sich die Aufbewahrung von Wertpaketen im feuersicheren Panzerraum der Bezirkssparkasse Gießen ____________________________________________________5256D Alien-Buseck Verkaufedas Oppersche Anwesen Haus, Scheune, Stallung, Garten. Sofort beziehbar! mmd Näheres Gießen Braugafse 6 Mieren AlMlN» werd, sachgemäß u. preiswert gestimmt u. revar. OüertÄ Giebell.vloMÄl Telephon 2403. Verkant v. neuen u. gebt. Klav. DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl’eche Druckerei Wir suchen Platz-Inspektoren und Bezirks-Vertreter besonders für Gießen und das nördliche Oberhessen Wir gewähren Gehalt bzw. Zuschuß und Provisionen evtl, auch Tagegelder. 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Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. Juni 1929, nachmittags 2 Uhr, vom Leichenhaus aus statt. I »ergeb. MedP lilung. Sb blusen ............... Kindersweater, B'wolle Mk. 1.25,1.-, -. Mk 1.50, 1.25, 1. In tiefer Trauer: Heinrich Fink Wilhelm Wasenbach Witwe 28. Juni 1929. Gebr. Kahl Gietzerr. Donnerstagabend IO8/* Uhr wurde uns unser einziges heißgeliebtes gutes Kind, un ser liebesTöchterchen, Enkel- eben und Nichtchen Unterziehhosen, Baumwolle............. Schlüpfer, Baumwolle, farbig, Gr. 44/48 ... Waschseide, farbig, Gr. 44/48 ............ Atlas und zweifach Mako, farbig, Gr. 44/48 Die trauernden Hinterbliebenen: Frau S. Ruhl nebst Kindern einen röschen Erfolg erzielt Diente« «g» euch Frau B.Backmans,Wiesbaden, indem eie echreibte 28 Jahre litt ich an einem blüechenartigen Geeichteaue- ....Mk. 1.25 ....Mk. 1.50 ....Mk. 1.75 ....Mk. 2.25 ....Mk. 2.75 ....Mk. 3.00 ....Mk. 3.00 Mk. 1.25,1.00 Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. Juni, mittags 12 Uhr, vom Sterbehause Marktstraße 28 aus statt. Familie Familie Heuchelheim, Wieseck, den im blühenden Alter von 191/* Jahren durch den Tod entrissen. In unsagbarem Schmerz Gießen (Älicenstraße 22a), den 29. Juni 1929. Die Beerdigung findet in Mainz statt. 4ZZ 3*268ZZ»an | den ges gesch. filmen. Io Men iJboüeba bestimm Im der Med.-Drogerie HaUS Binden- öurfi H. Elies. Med.-Drogerie Wtnlerhoti, Kreuzplatz 9/io, Germania -Droterle, Frankfurter Str. 39, KrCUI- Drojerie, Bahnhofstr. 51, Löwen-Dreier!e, Sciters- weg 79a.__________1074V Kinderwesten Wolle und Wolle mit Seide.. .Serie III Franz Reinschmidt und Frau Milly geb. Flöring Heute morgen entschlief sanft nach schwerem Leiden mein guter Mann, unser lieber treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Damenstrümpfe Mako, felnfädig, schwarz, alle Größen Seidenflor, farbig, weiß und gemustert Waschseide, farbig mit kleinen Fehlern Waschseide, farbig, Silberstempel.... Bembergseide, farbig, fehlerlos....... 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Für die uns so zahlreich bewiesene Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Gatten, meines gutenVaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels sagen wir allen, besonders Herrn Pfarrer Bönning für die trostreichen Worte, dem Orts- und Kirchenvorstand, dem Männergesangverein Harmonie und der Spar- und Darlebnskasse für die dargebrachten Kranzspenden unseren aufrichtigsten Dank. Margarete Balßer geb. Schwalb Familie Wilhelm Balßer XVI. Ich habe mit Obermeyerl Medizinal« (Kerbatfeifß bei meinend Heute morgen 5'/, Uhr entschlief sanft nach kurzem Kranksein unsere liebe treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Marie KröckWwe. geb. Luh Mk. 12.50 9.50 7.50 Damenpullover Wolle und Wolle mit Seide, mit und Serie V IV III Spezial- Abteilung S lOU^I ■ ( Kleider, Mäntel, Kostüme, Hüte, QPlUAISI Blusen,Unterwäsche, Strümpfe, OvBI"61 i fcw | Handschuhe und Kleiderstoffe. 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Juli 1929, 18(nachm. 6) Uhr,i.Stadthaus Bergstraße Nr. 20, Sitzungssaal Die Vorsitzende: Frau Wilhelmine Kramer [5631D Gutgebende Gastwirten in Glehen oder Umgegend zu kaufen ecf. Angebote unter04132 an d.Gieh. Anz. erb. la gulgenMles lcoaeues M Söckchen, einfarbig, B'wolle, Gr. 1—3......Mk. Kinderschlüpfer Kinder-Unterkleider Waschseide, farbig, Gr. 60—90 .........Mk. 2.75, 2.25 Waschseide mit Schlüpfer, Gr. 70-80 .......Mk. 3.— Kinderhemdhosen, B’wolle, weiß, Gr. 75—100 50—70 Mk. 2.30 2 - Kinderkleidung Restposten Anzüge u. Kleidchen, Sporthemden, Sport- \% Jnh >;K, W E j W W; V • '' Ä- Ml fr ^GEWALTIGSTE v- X zuarbeii Sri; ferne, i Friede ik Fr Ä Ausbau §cr )om it- .6 »u iber d kn 25 . zeit di Dritcre in öer iundes )kler 1 jähe dr Frau' Steifen Sie Ent . spiimis 9elcgiei m diese n 25 i eu.'e ei Wall gut "ichnich '•4. Fort '»DvN F.nappt Hieb ste ..QBoj Sie nich ane pri »2ch Die!o •flnlen, ..Ha, Md bi teufen?' •*** Statt Start en! geb. Müller 29. 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Zuli 1929, abends 87- Uhr, im Cafe Leib Redner: Universitäts-Professor Dr. Mloff Montag, den 1. Inti, nachmittags ab 2 llbr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28; • Damen - Halb- und Spangen • Schuhe, Kinder-Halb- und Spangen - Schube, Ludwig Harimeh, Auktionator und Tarator, Neuenweg 28, Tclevbon 1414. Or. Walter Reukauf Diplom-Handelslehrer Gießen Grabenstraße 11 Dehlar, Lrühlsbachstraße 14 Frankfurt o. M., Dertheioier Str. 7 Für alle Glückwünsche und Geschenke, die uns anläßlich unserer goldenen Hochzeit in so reichem Maße zuteil wurden, sagen wir herzlichsten Dank Christoph Vmgleb und Frau Margarethe Lollar, den 29.3uni 1929 Oie Verlobung unserer Tochter Aenne mit Herrn Dipl.-Hanbelslehrer Or. Walter Reukauf beehren wir uns anzuzeigen. Lehrer an der kaufm. Fortbildungsschule August Wehrheim u.Frau Lina Frankfurt a.M. Äreltegaffe 5 04103 Samstag: Gesellschafts-Tanz (schwarz.Anzug) Sonntag: Nachm. Konzert, abds. Abend-Tanz Mariechen Seipp Leonhard Huth Verlobte Gr.-Duseck (z.Zt. Frankfurt a.M.) Älierheiligenstr. 18 Asbest- Platten, 1.2,3.4 und 5 mm wieder am zu Mk. 3.50 Gesandten-Suppe Ostend.Steinbutt,TirolerTunke KalbskoteletteFeinschmeck.Art Pfirsich Melba Kundgebung gegen die Kriegsschuld-Lüge Abendessen zu Mk. 3.50 Känguruhschwanzsuppe in Tassen Hummer-Mayonnaise Milchmast-Hahn mit Sellerie, Nußkartoffel Pudding Rothschild Für die uns anläßlich unserer Silber-Hochzeit von vielen Freunden und bekannten Übersandten Glückwünsche sprechen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank aus Friedrich Eckhardt, Lokomotivführer und Frau Gießen, den 29.3uni 1929. Emmy Heß Walter Schafmeister Auflösung der Preleanfgabe: Die weißen Rosen von Ravensberg — 1773 Rosen — I. Preis, 1770, Fr. von Witzleben II. Preis, 1768, Frau L. Beck, Bahnhofstraße 17 III. Preis, 1782, Frl. Olga Kretschmar. Marktplatz 22, mußte durch Los entschieden werden. Die Preise können im Bureau des Lichtspielhauses in Empfang genommen werden. Meine Verlobung mit Fräulein Aenne Wehrheim gebe ich hiermit bekannt zu Mk. 2.20 Gesandten-Suppe gespickte Ochscnlende Bearnais, garniert Pfirsich Melba thützenfeft so. MrvaNKKsMetzV« Dr. Meyerhoff praktiziert wieder am Montag, dem 1. Juli oooo m. auf 1. Hypothek gcs. Schr. Ang. u. 04066 an den Gieß. Anz. III. Aal der Bühne! Tanz-Rsvne ÜWSwöll- Ballett Berlin N W 40 im Iuni 1929 Heidestraße 55/57 Bahnhofs-Restaurant Sonntag, den 30. Juni 1929 Mittagessen Br. Marie Gürtler Aerztin wohnt jetzt Stephanstr. 46 Fernsprecher 218 Sprechstunden 9—11; 2 — 4 04106 Ab Mittwoch, den 3. Juli Wolga-Wolga Wcltereignie 5667C Tamtztag, den V. Juli. 15—19 Uhr: Empfang der auswärtigen Gäste am Bahnhof. 19% Uhr: Abholung des Bundcsbanners am Bahnhof. 20—24 Uhr: Bcgrüßungsabend und Uebergabc des Bundcsbanners in der Volkshalle unter Beteiligung von Fahnenabordnuugen der bereits eingetroffcnen Vereine. Lonntog, hcn 7. Juli. 8—10% Uhr: Empfang der auswärtigen Gäste am Bahnhof. 10%—12% Uhr: Festzug durch die Straßen der Stadt. 13—15 Uhr: Festesten in der Volkshallc mit Militärmusik unt. Leitung d. Herrn Lberrnujikmstr. Löber. 16—19 und 20—23 Uhr: Konzert der Gießener Reichswchrkapellc in der Volkshalle. Anschließend Tanz. 16—19 Uhr: Tanz auf dem Festplatz. Montag, den 8. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppenkonzert in der Volkshalle. 13 Uhr: Gemeinschaftliches Schützenesscn in der Volkshalle. 16—19 Uhr: Festplatzkonzert. 20—23 Uhr: Ehrcnabcnd für Gäste aus dem besetzten Gebiet unter Mitwirkung eines Massenchors der Gießener Gesangvereine und der Gießener Reichswchrkapellc in der Volkshalle. Anschließend Tanz. DicnStag, den 9. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppcnkonzcrt in der Bayrischen Bierlwlle. 13 Uhr: Gemeinsames Schützenesscn auf dem Schützenhaus. 20—22 Uhr: Konzert des Kuban-Kosakenchors aus Petersburg in der Volkshallc. Anschließend Tanz. Mittwoch, den 10. Juli. 11 —13 Uhr: Frühschoppenkonzert auf dem Schützenhaus. 13 Uhr: Gemeinsames Schützenesscn in der Volkshallc. 16—18 Uhr: Tanztee mit 2 Jazzkapellen auf dem Schützenhaus. 20—23 Uhr: Varieteabend mit einer Kette internationaler Attraktionen in der Volkshallc. Anschließend Tanz. Donuerötag, den 11. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppcnkonzcrt in der Bayrischen Bierhallc. 13 Uhr: Gemeinsames Schützenessen in der Liebigshöhe. 20—23 Uhr: Konzert der Marburger Militärkapelle unter Leitung des Herrn Musikmeisters Große in der Volkshalle. Anschließend Tanz. Freitag, den 12. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppenkonzert in dem Schützenhaus. 13 Uhr: Gemeinsames Schützencssen in der Volkshalle. 20—23 Uhr: Turnerische und sportliche Vorführung mit Konzert in der Volkshallc. Anschließend Tanz. TamStag, den 13. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppenkonzert mit anschließ. Schützenesscn auf dem Schützenhaus. 15—17 Uhr: Jugendfcstzug und Veranstaltungen auf dem Festplatz. 20—23 Uhr: Stimmungsabend in der Volkshallc unter Mitwirkung des rheinischen Humoristen Herrn Hauth. Anschließend Tanz. Sonntag, den 14. Juli. 11—13 Uhr: Frühschoppenkonzert mit anschließendem Schützenesscn in der Volkshallc und Preisverteilung. 15 Uhr: Beginn der Füllung für den Luftballon. 16% Uhr: Aufstieg der Elvira Wilson mit ihrem Freiballon. 16—19 Uhr: Volksfest mit Konzert und Tanz auf dem Festplatz. 20—24 Uhr: Volksfest mit Tanz in der Festhalle. 22 Uhr: Großes Feuerwerk mit Zapfenstreich auf dem Festplatz. Anschließend Tanz. Ferner täglich: Verteilung von Punktbechern. Ab 20—24 Uhr: Tanz auf dem Festplatz. Ab 21 Uhr: Jazzband und Tanz in der Weinklause (aus der Empore der Bolkshalle). Springen derLcuchtfontäne auf dem Festplatz. Aenderungcn im Programm Vorbehalten. Vorverkauf für Dauerkarten, Beilarten und Fcstkarten: Wilhelm Möser, G. m. b. H., Bahnhofstraße, Selters- >vcg. Vcrkehrsbüro, Torhaus. E. Weyel, Kreuzplatz. E. Ehallicr, Neuenweg. Nid)ter, Frankfurter Straße. H. Noll, Mäusburg. E. Richter, Buchackcr Nachf., Neuen Säue. 5655D Wettannahme für in- und ausländische Pferderennen Gießen, Bahnhofstraße 52, Telephon 396 Sonntags geöffnet von 11-2 Uhr LEITER S. LOEB Am Sonntag, 30. Juni 1929, finden große Pferderennen statt in: Hamburg-Horn (Derby), Paris (Grand Prix), Dortmund Leipzig, Stuttgart Annahme von Wetten in beliebiger Höhe Größte Gewinnmöglichkeiten. Auszahlung der Gewinne einen Tag nach den Rennen. Rennsportzeitungen und Nachschlagewerke liegen zur unverbindlichen Einsichtnahme auf. Resultate werden noch am selben Tag der Rennen in meinem Büro bekanntgegeben. LICHTSPIELHAUS nur noch heute und morgen da« Riesen Programm Lieferwagen« führten 5-30 Str. 03750 Telephon 1169. UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIO laEiWellM’/o 9Pfd..Mk.6.30frank. Damplkttaelabrik Rendsburg. 4538D fliiiiiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiiin I. Dergr. Lacherfolg II. Lilian Harvey in Männer Du sollst vor der Ehe nicht stehlen Alieeschul-Verein Die Mitgliederversammlung findet Dienstag, 9. Jult 1929, 17 Uhr. im Schulhause Steinstraße 10 starr. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht 2. Rechnungsablage 3. Borstandswahl 5659D Der Vorstand. M- unö (gartenban-Berein Giese». Sonntag, d. 30. Jnnl Besuch der Obst- •|N und Gartenbau- ■ !i,A schule Sckwalben- ’ÄlK stein bet Baldntn- nein. Abs. 10.3411., Sonnragsk.Gteß- SgfV/ Limburg-Balduin- ^9@/ stein. Rücks. 18.53, K */ Ank. Gießen 21.24 X Ubr, 2 res. Wagen. Unsere Mitglied. Nr. 150 Drittes Blatt DerderlinerFrauenkongreß. Von E. Schmitt-Hauser. Der 11.Kongreß des „Weltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit", der Dom 17. bis 23. 3unt in Berlin stattgefunden hat, 56S0D ^bachstraßr u Mn NW 40 55/57 \ franffuria.Ji, ÄgäjjTT .............., 04103 iben befnnnt )elm iepper eb. (Mer 0), 30.3uni 1929 04112 rllbts-Sschreitvon •fanbtta QlOifoOnföt ^rzliGen Dank aus Lofomotivjübrer -leun-anWa *Q|tcfC^ ist zu Ende. Die Tagung war eine Rückschau über das, was die Arbeit des Weltbundes in den 25 Jahren seines Bestehens erreicht, und - galt der Formulierung dessen, was er sich als weitere Ziele gestellt hat. Berlin ist die Stadt, in der vor 25 Jahren die Gründung des Weltbundes erfolgte. Rur wenige Länder waren an ' dieser Gründung beteiligt, denn die Hauptaufgabe des Weltbundes, die Erlangung des Frauen st immrechts galt selbst in Frauen- lreisen vielfach als eine unmögliche Forderung. Die Entwicklung dieser 25 Jahre hat dem mutigen Optimismus der Gründerinnen Recht gegeben: Delegierte aus 45 Ländern aller Erdteile sind zu dieser Jubiläumstagung zusammengetreten und in 25 dieser Länder ist das Frauenstimmrecht eute eine Tatsache. In den zweieinhalb Jahr» hnten seines Bestehens hat der Weltbund seinen ufgabenkreis weit über das ursprüngliche Ziel -.cweitert und umschließt heute wichtige politische, soziale, wirtschaftliche und ethische Einzelgebiete, an deren Gestaltung die Frauen der ganzen Welt mit der ihnen gemäßen Wesenheit mitzuarbeiten als ihr Recht empfinden und fordern. Friede undFreiheit, das sind die Leitsterne, denen die Frauen des Weltbundes folgen. Friede den Völkern, und beiden Geschlechtern die Freiheit zur Entwicklung ihrer ethischen, geistigen und sozialen Fähigkeiten. In den Ramen der sechs Ausschüsse, in denen sich der innere Aufbau des Weltbundes gliedert, sind die Programme ausgedrückt, die ihre Tätigkeit bestimmen. Ein Ausschuß erstrebt „gleiche Sittlichkeit für Mann und Frau" und „Be- kämpfung des Mädchenhandels". Ein Ausschuß für „gleiche Arbeitsbedingungen für Mann und Frau" will Gleichwertigkeit d,er Schul- und Berufsbildung für beide Geschlechter, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit: er bekämpft die Beschränkung der Berufsarbeit der verheirateten Frau. Eine radikale Minderheit in diesem Ausschuß hat beim Kongreß eine Entschließung eingebracht, die die Abschaffung oder Abänderung folgender „äleber- einkünfte (Konventionen) und Empfehlungen (Re- kommendationen) der Internationalen Arbeitsorganisation beim Völkerbund fordert, soweit sie erwachsene Frauen betreffen: Rachtarbeit der Frauen (1919); Schuh von Frauen und Kindern gegen Bleivergiftung (1919); Rachtarbeit von Frauen in der Landwirtschaft (1921); Gebrauch von Dleiweih im Malergewerbe (1921).“ Diese Ueberspitzung des Prinzips, die sich auch für Aufhebung aller Schutzmaßnahmen für die werdende Mutter und ihr Kind einsehte, fand jedoch bei der Mehrheit des Kongresses keine Unterstützung. Der Frage der „F a m i l i e n z u l a g e n" widmet sich ein Sonderausschuß. Es wird gefordert, daß die Familienzulagen, die dazu bestimmt sein ; sollen, die Aufbringung der Mittel für die Aufzucht der Kinder aus anderen Mitteln als dem Lohn des Vaters aufzubringen, an d i e Mutter gezahlt werden sollen. Zur weiteren Beratung dieser schwierigen und verwickelten, oft ineinander übergehenden Fragen wird die Bildung eines besonderen Ausschusses beschlossen, dem die weitere Bearbeitung und Material- sammung obliegt. Daß wir Deutsche an dem „Ausschuß für Frieden und Völkerbund" angesichts unserer politischen Lage ein ganz besonderes Interesse nahmen, ist selbstverständlich, ebenso selbst- Aels'riWWMlMn. Vornan von Edgar Wallace. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wollen Eie wirklich sagen, daß ich nicht geschnappt bin?" stieß Fred ungläubig hervor und t blieb stehen. .Was mich anbetrifft," antwortete Larry, „sind Sie nicht geschnappt, falls nicht Sergeant Reed eine private Verabredung mit Ihnen hat." „Ich auch nicht, Sir," Lächelte der Sergeant. „Wie kommen Sie denn überhaupt auf den Gedanken, daß Sie verhaftet sind, Fred?" ,Ra, da schlag' doch einer lang hin," stotterte Fred verdutzt. „Was soll denn das nun be- ; deuten?" . „Kennen Sie dann jemand in dem Heim? , Ich kenne das Heim ebensowenig wie n Kuhstall," antwortete Fred. „Ich habe einen Milchmann nach dem Wege fragen müssen.' Sie Hütten sich an einen Schutzmann wenden sollen," murmelte Larry. „Es gibt 'ne ganze Passe hier." , . ,,, _ „Für meinen Geschmack zu viel, war sreds bissige Antwort. „Hören Sie mal, Mr. Holt, sagte er plötzlich ernsthaft, „Sie sind ein anständiger Mensch, und ich bin sicher, Sie wurden mich nicht reinlegen." . «,-rr Larry überging das Kompliment mit Stillschweigen. . . . „Run?" fragte er. Fred tauchte m eine semer inneren Taschen und brachte einen Brief hervor. „Was halten Sie davon, Sir?" fragte er. Larry öffnete den Brief, der an Fred Grogan adressiert war, und las: „Man wird Sie morgen verhaften. Larry Holt hot den Haftbefehl. Kommen Sie morgen früh halb sieben nach Todds Heim, Lissom Lane, und fragen Sie nach Lew. Der wird Ihnen Mit- ieilunaen machen, die es Ihnen ermöglichen, zu entwirren. Seien Sie vorsichtig, daß man Ihnen | nicht nachfolgt, und erzählen Sie niemand, wohin Sie gehen." Der Brief war nicht unterzeichnet. Larry wollte ihn schon an Fred zurückgeben, als er sich eines Besseren besann. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich den Brief behalte?" fragte er. „Rein, Sir, behalten Sie ihn ruhig. Aber, Mr. Holt, fragte er unruhig, „wollen Sie mir nicht sagen, ob da irgend was Wahres dran ist, daß ich gefaßt werden soll?" Larry schüttelte den Kopf. „Soweit mir bekannt ist, sind Sie nicht auf der Liste, und ich habe ganz sicher keinen Haftbefehl gegen Sie. Tatsächlich," fügte er hinzu, „lauten die Auskünfte über Sie jetzt so gut, daß Sie, Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 29. Zuni 1929 verständlich, daß der Ausschuß irgendwelche positiven Errungenschaften in der Friedensfrage nicht vorzuweisen hatte. Trotzdem soll nicht verkannt werden, daß der Ausschuß bemüht ist. die Ideen der Völkerverständigung und der Befriedung der Welt: Schiedsgerichtsbarkeit, Abrüstung, Kellogg-Pakt usw. bei den Regierungen und im Völkerbund zum Durchbruch zu verhelfen. In der von Dr. Bakker van Bosse, der Vizepräsidentin der Minderheitenkommission beim Völkerbund, vertretenen Resolution findet sich als Artikel 3 die Forderung, „daß militärische Besetzungen ebenso wie Bedrückungsmahnahmen auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet" künftig ausgeschlossen sein müßten. Während Mme. Malaterre-Seillier, Paris, sich persönlich für die Annahme der Resolution ohne Einschränkung einsetzt, protestierte namens der französischen Delegation deren Führerin Maitre, Verone, gegen diesen Artikel 3, weil seine Fassung statutenwidrig sei, da er sich mit politisch-nationalen Fragen befasse, die die Satzungen des Bundes von der Erörterung aus- schließe. Sie verlangte eine „neutrale" Formulierung. Der Antrag gelangt gegen die Stimmen der französischen Delegation zur Annahme. Hier zeigt sich eine sehr merkliche Schwäche der vom Bund erstrebten Verbreitung der Friedensidee. Gerade wenn man ernsthaft ihre Durchsetzung will, wird man die Tatsächlichkeiten nicht scheu umgehen dürfen, gerade aus dem konkreten Fall werden die Argumente genommen werden müssen. Wie bekannt, haben sich die Frauen der Deutsch- nationalen Partei, sowie Verbände stark rechts gerichteter Anschauung offiziell von der Teilnahme am Kongreß ferngehalten. Erfreulicherweise waren aber doch eine ganze Anzahl der Führerinnen aus diesen Gruppen sowohl bei den Arbeitssihungen des Kongresses als auch bei den Empfängen der Reichs- und der preußischen Regierung, der Stadt, der Frauenorganisationen wie der Privathäuser zu bemerken. Es kam auf diese Weise doch eine Berührung der beiden Anschauungswelten zustande: der eindeutig nationalen und der mehr und minder international gerichteten. Die sonstigen Ausschüsse: für die Arbeit in den Frauenstimmrechtsländern und für weibliche Polizei brachten manches Bemerkenswerte vor das Forum des Kongresses und namentlich der letztere fand auch bei seinem öffentlichen Vortragsabend stärkstes Interesse beim Publikum. Ebenso die beiden vom Ausschuß veranstalteten öffentlichen Kundgebungen des Ausschusses für Frieden und Völkerbund. Die erste bei Kroll, dem Tagungsort des Weltbundes unter Teilnahme von Vertretern der Reichsregierung. Von den Rednern des Abends war es Gertrud Bäumer, deren gedankenreiche, von tiefem Ernst durchglühte Ansprache auf die Kluft hinwies, die zwischen der Idee des Friedens und ihrer Verwirklichung trotz Völkerbund und zahlloser Konferenzen auch heute noch, zehn Jahre nach Kriegsende, zwischen Deutschland und den übrigen Ländern klaffe. Die Kundgebung in der Volksbühne trug ein mehr künstlerisches Gepräge, und zwar mehr der Ideologie als der Realität zugewandt. Wenn man das Ergebnis des Kongresses zu fassen sucht, so wird es für diesmal wohl nur in der menschlichen Bedeutung dieser Zusammenkunft von zweitausend Frauen aus allen Weltgegenden, aus allen Teilen Deutschlands in der deutschen Reichshauptstadt liegen. Afrika, Asien, Australien. Amerika und Europa waren wahrhaft zu einem Weltbund vereinigt. Man sah Inderinnen in ihrer schwermütigen Schönheit, ihren farbigen, wallenden Seidengewändern, Japans Kimono, Stickereitleider vom Balkan, aus falls Sie ehrlich bleiben würden, ohne jede Furcht vor der Polizei leben könnten." „Klingt verdammt uninteressant für mich," war Freds Antwort, als er mit gesenktem Kopf in eine Seitenstraße einbog. 14. Coram Street 280 war ein Mietshaus, in dem Mrs. Fanny Weldon zwei Räume bewohnte, von denen einer auf die Coram Street, der andere auf eine Seitenstraße ging. Sie lebte gut, bezahlte gut, verursachte wenig oder gar keine Um* stände und hielt ihren Ramen frei von jeder üblen Rachrede. Sie war in Wahrheit der Hauptmieter, und ihre Wirtin würde alles Mögliche tun, um Hr gefällig zu sein, vorausgesetzt natürlich, daß der gute Ruf von Rr. 280 nicht zu leiden hätte. Dieser weibliche Hochstapler hatte eine vielbeschäftigte Rächt hinter sich, aber trotzdem war es ihr nicht möglich, den ganzen Tag hindurch zu schlafen. Sie stand um drei Uhr nachmittags auf und fing an, sich mit den Arbeiten zu beschäftigen, die für alle Frauen immer von Interesse sind. Da war ein Hut zu garnieren, eine seidene Bluse mußte geplättet werden; sie hatte verschiedenes auszubessern und zu stopfen. „Sie sind heute nacht spät nach Haus gekommen, Mrs Weldon," sagte die Wirtin, als sie ihr eigenhändig den Tee brachte. Fanny nickte. „Um genau zu sein, bin ich heut nacht überhaupt nicht ins Bett gekommen," sagte sie. „Ich war tanzen. Wie spät ist es denn?" „Sechs Uhr. Ich dachte, Sie schliefen noch, und da Sie nicht klingelten, wollte ich Sie nicht stören." , „ „Heute abend gehe ich aber früh zu -Bett, gähnte Fanny. „Was gibt's Reues?" „Richt Diel, liebes Kind," sagte die Vermieterin mit berufsmäßiger Mütterlichkeit. „2m Zimmer gegenüber," sie wies mit dem Daumen nach der Tür, „wohnt jetzt ein junger Mann. Ein Herr aus 'Manchester, sehr ruhig. Mrs. Hoopec hat sich mal wieder über das Essen beklagt." Und sie begann den täglichen Pensionsklatsch zu er- ^Schicken Sie mir irgendwas Kaltes nach oben," sagte Fanny. „Ich will zeitig zu Bett gehen. Morgen habe ich eine sehr wichtige Verab- ^Si erdachte an die Verabredung mit Larry Holt, der sie mit sehr gemischten Gefühlen ent- gegensah. Um halb acht zog sich Fanny aus und legte sich hin Sie war todmüde und schlief beinahe tm gleichen Augenblick, als ihr Kops das Kisten berührte Der Schlaf der Bösewichte ist in den meisten Fällen nicht weniger tief und ruhig als Rorwegen und Schweden und elegante Pariser Mode, wie das bescheidene Kleid der ganz in sachlicher Arbeit aufgehenden Frau — nur den früher belächelten Typus der vermännlichten Frau, den sah man nicht. Im Gegenteil, der Kongreß hat es unmißverständlich ausgesprochen: den Mann zu kopieren, würde man für eine Schwäche halten. Die Frauen des Weltbundes wollen ja gerade ihre frauliche Wesenheit in den Dienst der Völker und Staaten stellen. Empfänge über Empfänge fanden statt. Die Arbeit des Kongresses war oft allzu sehr von geselligen Veranstaltungen umrankt, diese Veranstaltungen mitunter ein wenig zu prunkvoll, zu sehr eine schöne Fassade, als daß hinter ihr die deutsche Rot irgendwie zu spüren gewesen wäre, von der die fremden Gäste zwar viel hörten, aber nur dann etwas gewahrten, wenn sie sich von der Geselligkeit frei machten und sich den Führungen widmeten, die die soziale Kommission des deutschen Zweiges des Weltbundes durch Berlin veranstaltete. Auch die deutsche Jugend nahm am Kongreß teil — 1500 Jugendliche waren da, die den Willen hatten, sich in die Ideenwelt der reifen Frauengeneration einzufühlen. Aber als auf der Schlußsitzung des Kongresses ihre Führerin zu einer Ansprache das Wort nahm, da wurde klar, daß man über das Rebeneinander nicht hinausgekommen war. Die Jugend sieht in der Arbeit und vielfach auch in den Zielen des Weltbundes im wesentlichen nur den Kampf gegen den Mann, den sie aus dem Gemeinschafts- crlebnis der Jugendbewegung, die beide Geschlechter als gleichwertige Kameraden ins Leben wachsen läßt, ablehnt. Die jetzt herangewachsene Generation wird nun ihrerseits zu beweisen haben, ob das Gemeinschaftsgefühl in denWetter- stürmen des Lebens sich als so Wurzelhaft erweist, daß Mann und Frau wirklich „Seif an Seit'" in die neue Zeit hineingehen. Man hat sich in diesen Tagen leitet zu wenig persönlich um diese horchende und suchende Jugend bemüht — zu viel Ansprüche wurden von osti- ziellen Stellen und von Organisationen an die Zeit und die Kräfte der führenden Frauen des Weltbundes gestellt, aber es ist schade, daß eS darum zu einem Mißverstehen kam. Der Vorstand des Weltbundes ist der gleiche geblieben: die liebenswürdige Präsidentin Mrs. Corbett A s h b h ist einstimmig wiedergewählt unb Deutschland ist wiederum durch Adele Schreiber-Krieger und Dorothee v. Velsen in ihm vertreten. Der erste internationale Kongreß nach dem Kriege in Berlin! Bezeichnenderweise waren es Frauen, die zuerst den Weg zu uiu3 fanden. Passage durch den Panamakanal. Von Kurt Zeserich. Die bisher bewegte Karibische See hat sich allmählich beruhigt, lieber Nacht ist sie glatt geworden. Das Schiff läuft längs der Küste von Panama, aus deren Wäldern ein junger Morgen silberne Nebelschleier zieht. Es ist noch früh, aber schon flimmert die feuchte Luft unter der unerbittlichen Sonne des blauen Aequatorhimmels. Wenige weiße Wolken ziehen über ihn hin. Die flache Dünung glitzert in schmerzhaft grellem Licht. Erschreckt springt manchmal eine Schar fliegender Fische aus dem Bugwasser auf ... schwirrende, metallschimmernde kleine Leiber! An Backbord liegen die Berge der Sierra Quebrandja. Mit dem Glas erkennt man den dichten tropischen Urwald. Palmen und graue Baumriesen überragen ihn noch. Ein Boot mit fischenden Negern zieht an uns vorüber und über der amerikanischen Kanalzone erhebt sich ein Flugzeuggeschwader und steuert auf die Ubootflottille zu, die sich hier draußen auf der wiegenden See zu sonnen scheint. Langsam geht an unserm Fockmast zur Begrüßung das Sternenbanner hoch. Eine Stunde später schiebt sich das Schiff durch die Oeffnung des langen Breakwater in den Außenhafen von C6lon. Unter dem Schatten hoher Kokospalmen liegt die Stadt. Neue schöne Häuser, leicht und einfach wie man sie in den Tropen baut. Don See aus ein liebliches Bild. Lotsensignal und Quarantäneflagge werden gesetzt. „Maschine langsam voraus!" Dann dröhnen die Kolben schleifender; keuchend wie das Aufatmen eines erschöpften Nenners. Fünfundzwanzig Tage sind wir durch Seemeilen und Seemeilen gestampft. Endlose Wege ... „Stopp!" ... Das erste Mal „stopp" seit Europa! In einer Wolke von Rost saust polternd die Ankerkette zu Wasser. Welch ein Genuß es ist, wieder einmal Land betrachten zu können, nach dem wochenlang ewiggleichen Atlantikhorizont. Wie schön dieser Strand ist ... lächelnd und hell strahlen die Häusergruppen. Heber ihnen beugen sich stille Palmen. Elegante Boote kommen längsseit, und über das Fallreep klettern einige Herren, schlank, blond, in der der Gerechten und Tugendhaften. Aber Fanny war übermüdet und träumte. Schreckliche Träume von drohenden Ungeheuern, von riefen* hohen Gebäuden, auf deren äußerstem Dachrand sie sah, von Männern, die sie mit langen, blitzenden Messern verfolgten — und sie warf sich, ruhelos im Bett hin und her. Dann träumte sie, sie hätte einen Mord begangen:'sie hätte Gordon Stuart ermordet. Riemais zuvor hatte sie den Ramen Gordon Stuart gehört, bis ihn Larry erwähnt hatte, und sie stellte sich Stuart als einen weichlichen, jungen Mann vor. Aber jetzt war der Tag der Hinrichtung gekommen, träumte sie, man schleppte sie au i ihrer Zelle, die Hände auf den Rücken gefesselt, und langsam schritt sie an der Seite eines weißgekleideten Priesters in einen kahlen Raum hinein. Und dann erschien der Henker, und er hatte das höhnische Gesicht Jakes des Blinden. Sie fühlte den Strick um ihren Hals und versuchte zu schreien, aber er zog sich enger und enger, würgte sie, erstickte sie. Sie wachte jäh auf. Zwei Hande lagen um ihren Hals, und in dem ungewissen Lichtschein einer Straßenlaterne blickte sie entsetzt in die ausdruckslosen Augen des blinden Jake. Cs war kein Traum — es war Wirklichkeit. Sie versuchte, sich zu bewegen, aber in seinen enormen Händen war sie machtlos. Eins- seiner Knie preßte sich auf ihren Leib, und er sprach leise in zischendem Flüstern, das nur für ihr Ohr bestimmt war: „Fanny, du hast mich verraten! — Du hast mich verraten, du Schlange. Du hast mich hinter eiserne Gardinen bringen wollen. Den armen blinden Jake! Ich weiß alles. Ein guter Freund bei Todd hat mir alles erzählt. Und jetzt bist du geliefert, Kleine!" Sie kämpfte vergebens nach Atem, sie konnte keinen Schrei, kein Wort hervorbringen, sie fühlte, wie ihr Blut in den Schläfen hämmerte, wie die grausamen Hände sich immer mehr und mehr zusammengezogen. Plötzlich flammte das Licht auf. ,Der junge Mann aus Manchester', der das Zimmer gegenüber gemietet hatte, der geduldig die ganze Rächt hindurch auf die leisen Schritte Jakes's des Blinden gewartet, weil er wußte daß er kommen würde, um sich an der Verräterin zu rächen, der junge Mann aus Manchester' — Larry Holt, stand in der Tür, und sein langer Browning war auf den Würger gerichtet. „Hände hoch, Jake", sagte er, und Jake der Blinde drehte sich mit einem tiefen Knurren herum. Es klang wie das Fauchen eines gestellten Tigers. 15. Einen Augenblick standen beide Männer regungslos. dann streckte Jake langsam seine Hände in die Höhe. weißen Leinenanzügen, mit Strohhut und Hornbrille. H. S. A. ° Hafenbeamte, der Arzt und der Agent. Er fragt nach unseren Wünschen. Ja, natürlich... Panamahut, Bananen, Mangos, Eiscreme, Camelzigaretten! Langentbehrte Genüsse für Seefahrer! Eine Schar Neger wird an Bord gebracht, um im Kanal die Schleusenarbeiten für das Schiff zu leisten. Dann kommt auch der Lotse: Spitzbäuchlein, blaue Brille, Strohhut mit Schnur, ältlich, lächelnd und freundlich. „Pilot of Panama" oder Professor der Zoologie? »Man weiß es nicht recht. Dann steuern wir langsam in den Kanal, dessen Bau so viel Schweiß und Arbeit gekostet hat. lieber feine Herstellung haben erste Ingenieure gegrübelt und die Geschichte seines Gründungsskandals hat die Welt einmal aufhorchen lassen. Die Vereinigten Staaten haben den Bau vollendet und sie haben ihn gut vollendet. Aber ja! Mit Dollarmillionen läßt sich vieles erreichen! Flaches Land zieht vorüber, ein Durcheinander tropischer Pflanzen. Magrovenwurzeln säumen die Ufer, wunderliche weiße Vögel mit langen, schön- geschweiften Schwanzfedern kreisen um die Spitzen der Masten. Ga tum-lock, die erste Schleuse! Drüben, nicht weit entfernt, entsteigen junge Menschen dem neue- sten „Fordtyp". Blonde Mädchen winken uns mit Golfschlägern zu. Es sind Stenotypistinnen derCom- misfary-Division of the Panama Canal, erklärt uns der Lotse. (Welche Stenotypistin in Europa hätte Zeit, vormittags Golf zu spielen?) Neu sieht alles aus in den locks, frisch gestrichen, sauber, unbenutzt. Und dennoch zieht unablässig ein Schiff nach dem anderen durch diese Schleusen, vom Atlantic zum Pazific und vom Pazific zum Atlantic. Vom frühen Morgen bis in die Nacht herein kommen und gehen sie, es gibt keinen Aufenthalt, denn die großen Schiffsagenturen in London und Neuyork haben es eilig und dem wird hier Rechnung getragen. Am langen Betonpier macht der Dampfer fest. Der Lotse gibt mit den Händen Zeichen, und die Neger befolgen seine Befehle, stumm, richtig, sofort. Jeder kennt feinen Platz, seine Arbeit und er führt sie „Sie haben wohl ein kleines Schießeisen?" grollte er. „Mr. Holt, Sie werden sich doch nicht an einem armen, alten Mann bergreifen?“ „Kommen Sie langsam vorwärts," sagte Larry, „und machen Sie keine Dummheiten, oder es wird Ihnen leid tun.“ „Es tut mir jetzt schon leid genug“, brummte der Mann. Es war wunderbar, ihn zu beobachten. Er bewegte sich so leicht wie ein junges Mädchen, und sein außerordentlich entwickelter sechster Sinn ermöglichte es ihm, jedes Hindernis in seinem Wege zu vermeiden. Larry war in einer schwierigen Lage. Der Mann kam langsam auf ihn zu und brachte so die halb ohnmächtige Frau auf dem Bett in seine Schußrichtung. Er war fest entschlossen, zu schießen, falls der Mann Widerstand leisten sollte, aber jetzt war ihm dies unmöglich, auch nicht um sein eigenes Leben zu retten, ohne Fanny Weldon zu gefährden. Andererseits wäre es aber unbillig Don ihm gewesen, Don dem Blinden Unmögliche^ zu Dcrlangen und zu erwarten, daß dieser sich ihm auf einem anderen Wege näherte, als es die Anordnung der Möbel im Zimmer gestattete. Aber die wirkliche Gefahr, die ihn bedrohte, erkannte Larry erst, als es zu spät war. Der große, starke Mann kam langsam mit hochgehaltenen Händen Dorwärts. Die eine kam in Berührung mit der elektrischen Hängelampe. Und plötzlich, beDor Larry sich Rechenschaft geben konnte, was Dorging, schloß sich die eine Hand um die elektrische Birne, die unter dem Druck mit betäubendem Krachen zersprang, und das Zimmer lag in Dunkelheit. Jetzt zu schießen wäre Wahnsinn gewesen, und Larry — einen Fuß Dorwärtsgestellt — spannte all seine Muskeln zusammen, um den Anprall des Körpers, der sich jetzt auf ihn stürzen würde, aufzufangen. Und dann war er in den Griffen des blinden Jake. Diana hatte nicht übertrieben, als sie Don seiner riesigen Kraft sprach. Sie war erschreckend, unmenschlich, und Larry, doch selbst ein kräftiger Mann, fühlte seine Kräfte schwinden. Was das Resultat dieses Kampfes gewesen wäre, wagte Larry sich auch später kaum auszudenken. Hier aber kam eine Unterbrechung: der Klang einer sich öffnenden Tür auf dem oberen Treppenabsatz und die Stimme eines Mannes. Der blinde Jake hob den Detektio in die Höhe wie ein Bündel Lumpen und schleuderte ihn in die Ecke des Zimmers, wo er keuchend und halb betäubt liegenblieb. Einen Augenblick später wurde die Tür aufgerissen und Jake flog die Treppe in Windeseile hinunter, schneller als ein Mann im Dollen Besitz seines Augenlichtes es je gewagt hätte. (Fortsetzung folgt) sefte deutsche Bezugsquelle. GLAHUT >jOO8£_ KUR CIGARETTEN X-: " »• M W- führerscheinfrei RM. 850.— x\ <{>"J 'f£'t AMH Ä'W S'tSfvV-. IRIUMPH r-:^/ w/l H UM KMA QUALITÄT . 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Das ist bas Bild des Kanals bis Culebra-cut. Da kommen vereinzelt Häuser in Sicht, felsige Ufer steigen auf und die Passage wird schmal. Unmittelbar neben der Bordwand ziehen Krokodile durch schmutziges Wasser. Andere bilden streckenweise an Land ein sinniges Soalier. Die Nachmittagssonne strahlt über Culebra. Graubraun wächst uns der hohe Felsen entgegen. Beim Bau des Kanals war die Bewältigung dieses Kolosses die größte Schwierigkeit. Immer wieder gab das brock- MWaag, Seltersweg 60 5660D ___________________________________ Epoche hat Frankreich ja mit einer Reihe der bedeutendsten Frauen begnadet. Die Frauen um Franz I., seine hochgebildete, während der Religionskriege unentwegt für die Versöhnung der Konfessionen sich einsetzende Schwester Marga- rete von Anjouleme, spätere Königin von (Navarra und deren Tochter, die sittenstrenge, eifrige Hugenottin Jeanne d'2llbret, ebenfalls Königin von (Navarra und Mutter des späteren Königs Heinrich IV., dann die Frauen um Heinrich II., seine Gattin, die herrschsüchtige, ehrgeizige Catarina Medici, Mutter dreier französischer Könige, und seine schöne Geliebte Diane von Poitiers und schließlich die Frauen um Heinrich IV., seine Gattin, Margarete von Valois, Tochter Heinrichs II. und der Catarina Medici, seine der Wissenschaft und Dichtung zugeneigte Schwester Catharine von Bourbon und seine Geliebte Gabriel l e d'E st r 6 e s, schließlich die unglückliche Elisabeth von Valois, Tochter Heinrichs II. und der Catarina Medici, als Gemahlin Philipps II. von Spanien auch einem breiten Publikum aus Schillers Don Carlos bekannt. — Sie alle haben in der Geschichte ihrer für die Entwicklung der modernen französischen Kultur bahnbrechenden Zeit eine bedeutsame Volle gespielt. Ihre in diesem mit feinem Geschmack ausgestatteten und gut illustrierten Buche zusammengetragenen Briefe werden füglich auf große Anteilnahme stoßen. — Friedrich von O p p e l n - B r o n i - kowski: Schlüssel und Schwert, ein Papstleben aus dem Cinquecento mit 16 Lichtdrucktafeln. Geh. 6,80 Mark, geb. 8,80 Mark. Verlag G. Grote, Berlin. (213) — Dies neue Werk unseres, den Lesern des „Gießener Anzeigers" durch zahlreiche literaturhistorische und politisch-historische Aufsätze bekannten Mitarbeiters hält äußerst glücklich die Mitte zwischen historischem Bericht und historischem Roman. Das Leben und die Zeit des großen Papstes Sixtus V. sind an sich schon so spannend und farbig, daß die Erzählung dieser fünf kurzen Jahre seiner Herrschaft wie ein fesselnder Roman anmutet. Vom einfachen Fastenprediger aus niedrigem Stande steigt Montalto zur Kardinalswürde auf und wird im Widerstreit der Meinungen innerhalb des Konklave von der Faction der Medici zum Papst erhoben. Aus dem schlichten Greis wird ein gewaltiger Herrscher, der sich große Ziele steckt und auf allen Gebieten in wenigen Jahren Ungeheures leistet. Das Buch, das mit einer Reihe wertvoller zeitgenössischer Bilder geschmückt ist, ist außergewöhnlich fesselnd. aus. Alles geschieht schweigend. Sonntäglich mutet cs an. Die Neger tragen dicke Lederhandschuhe. Alle amerikanischen Arbeiter in der Kanalzone tragen sie. Man pflegt seine Hände, man zieht sich gut an, verdient Dollars und hat keine Sorgen. So manchen Hafen der Welt habe ich kennengelernt auf großen Reisen, und überall habe ich Armut und Elend gefunden; aber die Arbeiter und Beamten dieses Kanals kennen sie nicht. Man hat ihnen schöne luftige Häuser erbaut, man bezahlt sie gut, denn: „Hohe Löhne haben Amerika reich gemacht", hat einmal der amerikanische Völkerbundsdelegierte in Genf gesagt. So oft ich den Panama-Kanal passiert habe, nie sah ich, wie gewöhnlich an anderen Küsten, zerlumpte Menschen. In den Gesichtern hier steht Zufriedenheit, und ihr fröhliches Wesen steckt an. Man muß sich Überlegen: welcher Hafenarbeiter Europas käme auf die Idee, während seines Tagewerkes lederne Handschuhe anziuiehen? Er kann es sich gar nicht leisten! Aber die Neger hier tragen sie und es macht ihnen nichts, sie an den stählernen Trossen zu zerschleißen. Sie verdienen Dollars und kaufen neue! Treidelwagen rollen heran, und kaum hat man den letzten an das Schiff gekoppelt, so öffnet sich schon das riesige graue Tor der Schleuse, der Dampfer wird hereingezogen, die Flutventile geöffnet. Brodelnd und schnell hebt sich der Wasserspiegel. Keine Minute geht verloren, die nächsten Torflügel gehen auseinander, die Treidelwagen rücken an, wieder brodelt das Wasser, so geht es fort durch zwei, drei Abteilungen. Jeder Augenblick ist kostbar, denn schon drängen wieder andere Schiffe nach. Dennoch geht alles ruhig und ohne Hast. G a • tum-lock ist passiert und das Schiff zieht dem künstlichen Seebecken des C h a g r e s r i v e r zu. Diesem kleinen Fluß verdankt eigentlich der Kanal seine Existenz, er versorgt Fahrstraße und Schleusen mit Wasser. „Full anead“ singt der Lotse, „ganze Kraft", antwortet klingelnd der Maschinentelegraph. An Backbord schnauft eine Eisenbahn durch idyllische Siedlungen, die Landschaft wird herrlich. lieber die Hügel ziehen sich tropische Wälder, Schlingpflanzen klettern an silbergrauen Riesen weitoerästelter Bäume empor. Aus dem Buschwerk flattert ein Pärchen grüner Wellensittiche auf und läßt sich verliebt auf der Reeling nieder. Kleine Inselchen schieben sich in das anmutige Bild. Auf ihnen ist tropische Pflanzenwirrnis, Palmen, Mangroven und dickes Ge- ftrüvp. Durch dos seichte Ufer stelzt gravitätisch eine Reiherschar, und im warmen Morast sonnen sich, den Rachen halb geöffnet, dösende Krokodile; Wasservögel suchen ihnen das Ungeziefer aus ihrem dicken Lederwams. Der Lotse hält uns einen langen Dortrag über das Leben dieser Tiere. Dem Zoologieprofessor wird er immer ähnlicher. „Und das Fleisch der jungen Krokodile. Sir! Ein Genuß! Probieren Sie bei Gelegenheit!" Er schnalzt mit der Zunge, der navigierende Gourmand, und seine guten Aeuglein blitzen. Man konnte sie wein- selig nennen, wenn ihr Besitzer nicht zu dem unglücklichen Volke der Prohibition gehören würde! Aus dem Wasser ragen hier und da die Aeste des im Chagres-river ertrunkenen Waldes. Graue Pelikane fallen wie schwere Sleine aus der Lust, ver- schwinden unter dem ans .nischenden Wasserspiegel, wenn sie auftauchen, lassen sie aus dem weiten Beutelschnabel zappelnde Fische den Schlund heruntergleiten. Immer schöner und wilder werden die .Ufer.'Seltsame Bäume wölben über stille Buchten einen grünen Baldachin. Spärliche Sonnenstrahlen — Clara Diebig: Die mit den tausend Kindern. Roman. Ganzleinen geb.7Mk. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. (141) Mit tiefem Ernst spürt Clara Diebig in ihren letzten Romanen den Problemen der Zeit nach. Heute weit mehr denn je wird die Frau von ihrer eigentlichen Lebensaufgabe in den Beruf abgedrängt, aber auch heute mehr denn je such t die Frau ihren eigenen Kreis, sucht ihre geistige und wirtschaftliche Unabhängigkeit im Beruf, nicht ohne daß es an Versuchen fehlte, Ehe und Beruf zu vereinigen. Aber man kann nicht zween Herren dienen. Das erfährt auch die kleine VolksschuUchrerin, die sich in mit Liebe erfüllter Arbeit an den im Sumpf der Großstadt von Krankheit und Verderbnis bedrängten, aufwachsenden Geschöpfen des Berliner Vordens zur Klarheit durchkämpft. Mit unendlicher Zartheit und verstehender Güte schildert Clara Viebig die Gestalten ihres Romans, wie sie ihr das Leben des Alltags in seiner ganzen Differenziertheit geboten hat. Jede an den brennenden Fragen ihrer Zeit interessierte Frau wird gern zu diesem Buch greifen. — John Galsworthh: Ein Heiliger. Roman. Verlag Paul Zsolnay, Wien IV. (171) Das ist fast ein Kriegsroman, aber weit ab von dem, was heute Mode ist. Der überwältigende, aUes umstürzende, umwertende, befreiende, lösende Eindruck des Kriegsgeschehens geht auch an den festen, so fundamental dünkenden Rönnen der britischen Gesellschaft nicht spurlos vorüber. Lind es waren nicht immer die schlechtesten, unwertesten, die in diesem Brodeln der Zeit nach dem Sinn des Lebens suchten, nach einen anderen Sinn, wie. ihn die Väter erkannt hatten. Der Glaube an die ethische Gesetzmäßigkeit dieses Lebens und die echte große Liebe, die keine Hemmungen, keine Vorurteile kennt, was führt vorwärts? — Das Buch ist ein echter Gals° wvrthtz, in der Problemstellung tote in den Charakteren. Sehr viel Güte, Milde, Abgeklärtheit liegen in diesem Buch. — Frauenbriefe aus der französischen Renaissance, gesannnelt imd übertragen von Curt Sigmar Gutkind, mit sieben Tafeln und vier Faksimiles. Hyperion- Verlag, Leipzig. Preis 6,50 Mk. (71). — Diese bislang wenig bekannten Renaissance-Briefe stehen zwar an formaler Eleganz und beweglichem Charme hinter den oft publizierten Damen- - briefen aus dem Zeitalter des Sonneickönigs zurück, aber ald wichtigste Quelle für die psychologischen Hintergründe des 16. Jahrhunderts bieten sie viel des Interessanten. Gerade diese «euzeUlM etaeeeWtete WerWötte zweistöckig, mit je 120 qm Fläche, sowie geräumigem Dachboden und großem Lagerschuppen, besonders für Schreinerei geeignet, ganz oder geteilt alsbald krankheitshalber zu vermieten. Schöne 4-Zimmer-Tauschwohnung vorhanden. Gute maschinelle Schreinereieinrichtung kann evtl, zu günstigen Bedingungen übernommen werden. Schriftliche Angebote unter 04124 an den Gießener Anz. erbeten. Verdienst!Eine sehr loh- • • gemäße Einnahmequelle sichern Sie sich © durch nebenberufliche Empfehlung von Kaffee. 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Der Postmaster os Cristobal sendet die für uns angekommenen Briefe, Briefe aus aller Welt, wie auch die Besatzungen der Transozeanfrachter sich aus den Hafenstädten Der ganzen Welt zusammenfinden. Aber für jeden sind es Briefe aus der Heimat. An einer Leine schaukelt der Postsack über die Reeling und mit einem Male kann man es kaum erwarten, bis er geöffnet ist. Mit hastigen Händen greift jeder nach seinen Briefen. Während ich die meinen lese, zieht das Schiff an fruchtbarem Hügelland vorüber, an weißen Wollen« und Palmenhainen. Die Tropensonne versinkt in bleichen Wolken und macht aus dem uns entgegenkommenden nagelneuen Hapagdampfer eine plumpe Silhouette. Dann ist es dunkel. Die Nacht kommt schnell in den Tropen. Miraflores ist die letzte Schleuse. Sie entläßt uns in den Pazific. Lange noch leuchten uns die Perlenketten ihrer elektrischen Bogenlampen nach. Plötzlich beginnt es in Strömen zu regnen. Ein Panama-Wolkenbruch. Hoch steht das Wasser auf Deck. Aber so plötzlich wie er kommt, zieht er auch von dannen und es ist wieder klarer Himmel. Eine halbe Stunde noch bleiben wir vor Balboa liegen. Aus dem schwarzen Schatten der Stadt leuchten die Lichter wie zu einem Sommerfest. In den Sternenhimmel ragen die Umrisse einiger Palmen. Ein Motorboot bringt den bestellten Proviant längsfeit. Wintschen ziehen ihn ächzend an Bord. Dann passieren wir langsam die Leuchffeuer des amerikanischen Forts, der Lotse verabschiedet sich. „Good bye, Herr Professor!" Die Nacht hat einen roten Schimmer, und über dem Urwald ist Wetterleuchten. Wir aber schlingern durch die lange rollende Dünung des Stillen Ozeans, den ewigen Sternen vom „Kreuz des Südens" zu und einer fernen, fernen Küste. Grober Sailon-Ansverkanl vom 1. bis 16. Juli 1929 |f nllf Weiß-Stück ■Svk MW 9 von bester Quali- DvImBEB tät und größter W WWkWWWW Ergiebigkeit zu biUigstemPrell C. 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Rot und golden rollt die Sonne über die schwarze Woldfinsternis empor und feuert ihren starken Blick in das uralte Geheimnis der hohen Wälder, die von den Bergen des Bayerischen Waldes nach Böhmen und Oesterreich hinab- steigen. Der goldene Durst des Lichtes stäubt in die Wipfel, der Fittich des Frühwindes streicht leise und ein wenig schläfrig über die zackigen Fichtenkuppen. Bon den harzig glänzenden Zweigen trieft goldflüssiges Licht, der Himmel über dem Riß das Waidsteigs färbt sich glasblau. 3m Wald an beiden Wegseiten flackern die Schatten bizarr, unmutig und weichen vor der schärfer werdenden Sonne. Kniehoch und zuchtlos steigt das Heidelbeer- kraut, in dem niemals eine Ernte gehalten wird. .Heber die wüst hingewälzten grauen, moosbeschlagenen Granitblöcke dunkelt der dichtstämmige Wald empor, der keine Forstkultur kennt. Die rauhe Flechte klettert die starken, mastbaumschlanken Hochwaldfichten hinauf und friht sich bis in die junggrün aufzuckende Krone. Alle Moosbärte hängen zottig im Geäst, das weit auslangt und sich tausendfach verfitzt und verheizt. Die Seele des Waldes atmet Mittelalter, düstere, wilde Zeit des Dreißigjährigen Krieges: alte Holzschnitte haben so schwermütige, krausbärtige, wilde und riesige Bäume. 3ch möchte im Abend unter ihnen ein Zigeunerfeuer flackern sehen, düsterrot züngelnd, phantastisch, in wilder Romantik. Altersschwache Stämme brechen nieder, im dumpfen Fall aufge- haltcn von einem jungen, aufstrebenden Baumgeschlecht. Fohl schimmern die von der Der- wesung entschälten Bäume. Kreuz und quer sanken die Toten des Waldes in den Moosgrund: der Moder zermürbt sie, der Wurm zernagt sie, die Feuchtigkeit quillt in ihr hohles Mark, das Beil des Winters hat sie gespalten, das Feuer des Sommers versengt und gebleicht. Sie werden zu Asche, ohne daß sie die Lohe verbrannte. Durch ihren Staub und Zunder kriechen die Wurzelschlangen, rostig und grün rollt sich das Farnkraut auf. die Moosdecke wächst über sie fort, Jahr um Jahr. Waldhüter und Holzfäller entfachen hier nicht ihre lustigen Feuer im Mittag. Der Wald kennt nicht den Schrei der Säge und das Kerbzeichen des Rodmeisters. Er lebt geheimnisvoll, tief und grün, in einer großen, urwaldhaften Einsamkeit. Phönixgleich rauscht sein tiefes Leben durch die Zeit: er verzehrt sich selbst, mystisch und unablässig, und keimt und toäcbit aus seiner fruchtbaren Asche hervor. Unnahbar rauscht er auf den Bergen, wo die Stein- ungeheuer sich ducken und die Maren Wildbäche gurgeln. Der bayerische Grenzpfahl ist von Dogelkalk geweißt. Hier stoßen drei Länder zusammen: Bayern, Oesterreich, Tschechien: drei Schritte im Winkel und ebensoviele Länderstriche sind durchquert. Der Himmel ist enzianblau. Der Frieden liegt im Wald vergraben: seine alte, steingeschmückte Goldkrone blitzt unter Moos im Steingeröll. Der Wind kommt und duftet nach Harz und Rinde. Tiefer im Osten glänzt der Himmel durch die Bäume. Breiter wirft sich jetzt wehende Luft herein, die blaue Brust des Himmels säugt mit strahlendem Licht ein offenes Land: Böhmen. Die Fichtenwaldung stürzt in die Tiefe und umfängt einen glänzenden, langgestreckten See, der wie ein blauer Edelstein in den böhmischen Wäldern schillert. Hier rauscht Stifters herrlicher „Hochwald", gebadet im Licht, hier stürzt die „steile Felswand" hinab, nach der der Dichter sich sehnte, hier haben ihm deutsche Freunde in den Jahren 1876/1877 einen Obelisk gesetzt: „Adalbert Stifter, dem Dichter des „Hochwald". Auf diesem Anger, an diesem Wasser ist der Herzschlag des Waldes." Die zweite, seinem Werk entnommene 3nschrift, ein Klang von Weltvergessen und Raturverloren- heit: „Liege in hohes Gras gestrecket, schaue sehnend nach der Felswand". Hier auch in der Rähe muh des Dichters schöne Waldstelle „Der betriebene Tännling" grünen, „ein großer Fleck, der auf der Seite des böhmischen Landes liegt". Einen Tännling nennt man in der Gegend eine junge Tanne, die jedoch nicht größer sein darf, als daß sie noch ein Mann zu umfassen imstande ist. Wenn nun ein Wanderer wirklich zu der Stelle geht, auf welcher es „zum beschriebenen Tännling" heißt, so sieht er dort allerdings eine Tanne stehn, aber dieselbe ist kein Tännling mehr, Zu dem Dornröschenschloß, das auf dem bekannten Bilde Hbbelohde s vom schlafenden Dornröschen dargestellt ist, hat der Maler den Schloßhof von Weilburg a. d. Lahn als Motiv benutzt. Weilburg ist eines der verträumtesten romantischen Städtchen an der Lahn, für das schon Goethe geschwärmt hat. 3n einer Kapelle zu Altötting, dem berühmten bayerischen Wallfahrtsort, ist einer der berühmtesten Feldherrn des 32jährigen Krieges, Tilly, beigeseht. Hinter einem Glassarg schläft der Feldherr: sein Leichnam macht heute einen mumienartigen Eindruck, die Gewandung ist aber noch tadellos erhalten. 3n der Schatzkammer von Altötting befindet sich das „Goldne Röß'l", die wertvollste und reichste französische Goldschmiedearbeit aus der Zeit der Spätgotik um das Jahr 1400. Der reale Goldwert des Schaustücks beträgt 19 000 Mk.. der Kunstwert wird aber auf mehrere Millionen Mark geschäht. 3n Lorch in Württemberg steht vor dem 1102 gegründeten Kloster eine 1000jährige Linde, die Barbarossa-Stausen-Linde genannt Sie grünt in jedem Frühjahr und spendet weitsondern ein riesenhaft großer und sehr alter Baum, der gewaltige Aeste. eine rauhe, aufgeworfene Rinde und mächtige in die Erde eingreifende Wurzeln hat. Den Ramen „beschrieben" mag die Tanne von den vielen Herzen, Kreuzen, Ramen und anderen Zeichen erhalten haben, die in ihrem Stamme eingegraben sind. Der beschriebene Tännling steht mitten in dem stillen Walde und die anderen Tannen stehen tausendfach und unzählig um ihn herum. Ost mögen sie noch größer und mächtiger fein als er. Der Wald, dem sie angehören, ist ein Teil jener dunkelnden, großen und starken Waldungen, die über den ganzen emporgehobenen Landstrich gebreitet sind, der sich zwischen Böhmen und Bayern dahinzieht. Der Blick fliegt über ein Helles, sanftes Tal: in der verblauten Ferne windet sich die silberglänzende Schlange der Moldau und in der östlichen Tiefe schlagen die blaßblauen Wogen böhmischer Berge empor. Bier Stunden entfernt an der Moldau liegt Stifters Geburtsort Oberplan, in dem er 1805 als Sohn eines Leinenwebers zur Welt kam. 3n Linz war er Schulrat für Oesterreich. 1868 starb er. Richt jeder Magister wirkte so lebendig ins Volk wie er. der sich durch seine heiße Raturliebe die Unsterblichkeit erdichtete, lieber der Felswand raunt und geistert sein sonnendurchglühter, atmender, vogeljauchzender, unsterblicher „Hochwald". Seine Felsblöcke schlafen. Seine Wasser klingen... Sein See leuchtet aus blitzendem Traum. Der panische Myrgen öffnet ein zärtliches Herz. Der heilige Geist der Erde flammt aus Säften und Seimen: seine feurigen Zungen tönen lautlos, leuchtend und voller Waldweisheit... hin Schatten, obwohl sie der Blitz zweimal traf, am 1. Rovember 1755 (Erdbeben Lissabon) und 1. Rovember 1870 (Einnahme von Metz). 3n Tittmoning an der Salzach ist im Kanonikatsgebäude ein vorzüglich erhaltener, mehrfarbiger Mosaikfußboden mit geometrischen und anderen Mustern aus der römischen Kaiserzeit erhalten. Ein Gartenzaun aus Walfischknochen ist nicht alltäglich. Auf der Rordseeinsel Borkum besitzt ein Fischergehöft eine solche Einzäunung. Die Walfischknochen sind in die Erde gerammt, eine Erinnerung an die Zeit, da von Borkum aus noch Walfang betrieben wurde. Ein ncncs Naturschutzgebiet. Die im Kreise Verden bei Kirchlinteln gelegene Nomelsener Machangelheide ist jetzt zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Das Gebiet wurde vor dem' Weltkrieg zuerst von Bremer Wandervögeln entdeckt, die hier unter den tausenden herrlicher , Machangelbäume ein kleines Wochenendheim eingerichtet hatten. Heute steht an der Stelle ein schlichtes I Denkmal der Gefallenen dieser Wandereroereinigung. Reisen im Ausland. Von Liesbet Dill. Nachdruck verboten. Wir sollten uns doch einmal von der Vorstellung frei machen, daß es irgendwo im Auslande für uns Deutsche billiger sei... Aus diesem Grunde zieht es viele über die Grenzen ihres Landes hinaus. Eie haben einmal irgendwo gelesen, oder einer hat ihnen erzählt, wie billig sich's jetzt mit deutscher Reichsmark in Jugoslawien lebt, in Paris hat man den Damen die seidenen Kleider — und was für Kleider! — gar geschenkt.... 3n 3talien gibt es Pensionen, da lebt man für ein paar Lire am Tage: und für Oesterreich sind wir ein Balutaland. Dort gilt der Schilling wie bei uns die Mark. Und dann reist man hin. und will teilnehmen an dem großen Ausverkauf, der Inflation, an denen noch andere Länder verdauen ... Aber man findet überall dasselbe ... Heberall in jenen Ländern hat man inzwischen dieselbe Bewertung der Dinge vorgeiwmmen, und den Ausverkäufen hat man längst Barrieren gesetzt ... Cs gibt keine Ausverkäufe mehr. 3ch fand in Wien an Geschäften ein Schild: „Ich verschleudere Schuhe": aber wenn man hineinkam, fand man dieselben Preise wie bei uns. Die billigen Schuhe waren weder schön noch haltbar, und die schönen waren sehr feuer. Schuhe für 40 bis 50 Schillinge kann man in derselben Art bei uns kaufen, ohne daß man über die Grenzen fährt und sie noch verzollen läßt... Was für Sagen waren über das billige Frankreich verbreitet. Als man hinkam, fand man die Preise den unseren durchaus angemessen. Wenn auch Vereinzelte so geschickt waren, Kleider für 25 Mark zu finden, und in den besten Hotels für 20 Franken ein Zimmer bekamen: ich selbst habe in Paris in kleinen Hotels, deren Einrichtung und Sauberkeit durchaus nicht immer unseren landläufigen Begriffen entsprechen, obwohl man jetzt überall fließendes Wasser bis in die Mansarden dort vorfindet, für ein einbettiges Zimmer immer sechs bis zehn Mark bezahlt, in großen, eleganteren Hotels hundert Franken, also 16 Mark ohne Frühstück oder Bad. In der französischen Provinz, der Bretagne, im Innern Frankreichs, bekommt man ganze Pension von vierzig Franken ab, die ausgezeichnet ist, aber vierzig Franken sind acht Mark, und dafür hat man auch bei uns, im Harz, in Thüringen, an der Ostsee, ja auch an der Rordsee in der Vorsaison, in Badeorten wie Wiesbaden, eine sehr gute ganze Pension. Billiger in Frankreich sind nur die Autos, die Eisenbahn, und in Badeorten die Quellenbäder, die mit Wäsche und Trinkgeld 75 bis 90 Pfennige kosten. Heber d i e „M e n us" in Frankreich wird immer viel gefabelt. Wer viel im Lande dort herumreist, nicht allein in dem. für Frankreichs Verhältnisse durchaus nicht allein maßgebenden Paris, wird zwar vielgängige, blenbcnMange Speisefolgen vorfinden, von denen er aber kaum satt wird. Zwei junge Deutsche, die im Frühjahr eine Radfahrreife durch Südfrankreich machten, berichteten mir, sie seien nirgends satt geworden. Als sie in Marseille einen Burger fragten, wo Zur Haustrinkkur: bei Nierenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker 1928: 22000 Badegäste in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstr. 6 Telephon 88 und durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. 44oov Kmt Mikätmgen faTUece u. DLase Badeschriften: durch die Niederlage Wissen Sie das? Grünberg in Hessen anmutig gelegen zwischen Vogelsberg und Wetterau. btetclErholungsuchenden schöne, schattige Spazierwege durch daß einzigartig bcrrlidje Brunnentab die gepflegten Anlagen des BerkehrsvercinS mit prachtvollen Ausblicken auf Wetterau u. Taunus, A. nah. Stadtwald. Gut bürgert. Verpfleg.» Gelegenbetten. Näb.d. den Verkedravsreta. Besuchen Sie 4«64d toteg(Mn) diePerled. Ohmtales Auskunft: Der Verkehrs-Verein Sommerfrische «nso Domäne Schiffenberg auf waldiger Höhe gelogene histor. Stätte aus 112d, mit herrl. Fernsicht. Angenehmer Ausflugs- und Erholungsort. Pensionspr. RM. 6.-. Eisenbahn-Station Schiffenberg,a. d.Strecke Gießen-Gelnhausan. 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Er führte sie dann in eine Fischerkneipe, wo man zu billigen Preisen das berühmte Marseiller Fischgericht ■ Bouillabaise bekam, aber auch von diesem Gericht wurden die Jungens nicht satt. England gilt als sehr teuer. 3n London bekommt man in der Innenstadt ein schönes Hotelzimer mit Bad, Heizung und Licht und erstem Frühstück, das einem reichlichen Mittagessen gleichkommt, und den ganzen Tag vorhält, für nur zehn Mark... England und Holland sind gewiß nicht &uüg, aber man bekommt dort etwas für sein Geld. Man wird keine Aeberraschungen erleben bezüglich der Preise, aber auch kaum Enttäuschun- gen, tote in sogenannten „billigen Ländern",^ für Die wir ein Dalutaland sind oder noch sein könnten... Italien hat seit dem Kriege aufgehört, billig zu sein. Die Pensionen, die sich 7wch mit 25 Lire Tages Pension empfehlen, werden von den deutschen Gasten selten weiteremp- fvhlen. Italien ist einfach teurer geworden, sicher so teuer wie bei uns. Die Schweiz ist reell, großartig in dem, was sie bietet, aber billig ist sie auch nicht mehr: sie kann es auch nicht sein. Löhne und Mieten sind in der Schweiz sehr gestiegen, das wirkt natürlich auf die Preise. Lind das billige Oesterreich? Ein Zimmer in einem erstklassigen Hotel in Wien, mit Ofenheizung, bezahlt man gewöhnlich mit 15 Schillingen. Drei Schillinge fünfzig für das erste Frühstück, das aus einer Tasse Kasse und zwei kleinen Gebäckstücken besteht: Mittag zu essen unter fünf, sechs Schillingen ist mir nie gelungen, nicht im einfachsten Restaurant. Das Backhuhn oder das Wiener Schnitzel erscheint paniert, ohne Soße oder sonstige Zutaten, mit Salat, Kartoffeln und Kompott, vorher einer Suppe und nachher einer Mehlspeise, dem Trinkgeld für Zählkellner, Zubringekellner und Wasserträger, einem Glas Wein, Bier oder Selters, kostet es sieben, acht Schillinge. Dafür kamt ich in Berlin bei Dresse! frühstücken. Die berühmten Mehlspeisen waren meist schon gestrichen, wenn man um halb zwei Uhr zum Essen kam. Es gab „Linzer Torte", vom Konditor an der Ecke geholt, oder immer den fetten Krapfen mit Weintunke. Der Besuch des Eafäs ist in Oesterreich auch recht teuer. Die Tasse „weißen" Kaffee achtzig Groschen, das Stück Kuchen vierzig bis sechzig, Trinkgeld usw., also teurer als bei uns. Und dann einzelnes, eBeispiel im Theater die Garderobe. Ein an- iger Parterreplatz kostet zwölf Schillinge, der Portier rechnete zwei Schillinge für Besorgung dazu, macht vierzehn Schillinge, dann die Garderobe, welche stückweise bezahlt wird! Jedes Stück 70 Groschen im Burgtheater, also Mantel, Hut, Schirm, Gummischuhe 2 Schillinge 80. Ueber so etwas ärgert sich der Fremde, das nennt er „Repp" ...In den Restaurants wird man sonst nicht geneppt, oder ich bin in diesen nicht gewesen. Haarwaschen, das bei un3 mit Frisur für drei Mark gemacht wird, kostete dort 7 Schillinge 50, mit SrinfgeU) 8 Schillinge! Das sind ungefähr . 5 Mark... Schöne Kleider sieht man allerdings, in echt Wiener Geschmack, fein, dezent, gutgeschnitten, ausgestellt in der Kärntnerstraße: sehr reizvolle Sportkleider unZ> schicke Mäntel, aber teuer für jemand, der aus dem Rheinland oder Berlin kommt, wo es doch wahrhaftig nicht billig ist. Die ßd)ertoaren betrachtete ich mir lange. Ich hätte so gern etwas unterwegs gekauft. Ich bilde mir Sann immer ein, ich hätte Wunder was gefunden, viel billiger als daheim, viel schicker, viel schöner natürlich. So sind wir Frauen nun einmal. Aber die Preise! Unmöglich. Mag sein, daß sie länger halten, die $afd>en und Schuhe, weil sie so schön sind, die Preise waren mir zu hoch...Ich fragte nach Jumper, Sportwesten: vierzig, fünfzig, sechzig Schillinge das Stück. Dafür kaufe ich sie hier auch und brauche sie nicht heimzuschleppen. In P r a g hat mir der Fiaker, der mich in das Hotel, das dem Bahnhof gerade gegenüberliegt, fuhr, für die paar Minuten zwanzig Kronen abverlangt. Es war das eleganteste, modernste Hotel Prags, das fünf Mark kostete, aber die Wände waren so dünn, daß ich das Abendgebet eines Inders anhören mußte, das stundenlang dauerte: ich bin.schließlich öarü&er eingeschlafen, denn es nahm kein Ende. Es gibt aber noch weniger angenehme Geräusche als indische Gebete, und die härt man durch die dünnen Wände auch... Weder Hotelpreise, noch das Essen, 35 Kronen und dreigängiges Durchschnittsessen, noch die Autos, noch sonst etwas habe ich in Böhmen billig gefunden. Und von den berühmten böhmischen Pflaumen, die es dort so massenhaft gibt, daß sie wie Kohlen verfrachtet werden auf Schiffen, hat man keine einzige zu sehen bekommen, weder getrocknet, noch Husch, noch als Kompott. Rur Fleisch und Fleisch. Bon Vitaminen ist den Köchen dort scheints nichts bekannt. Ueberhaupt die Phantasie der Köche, wo ist sie? Derschwuu- den und vergessen... Das Backhuhn tour der Barometer für die Preise. Im vornehmen Ho el kostet es sechs oder fünf Schillinge, im Beissel drei..., und es schmeckt genau wie ein gebackenes Huhn bei uns. Im ganzen kann ich nach meinen Erfahrungen behaupten, daß man in den teue* rcn Ländern, der Schweiz, England un& Holland, wer täglich herumreist und viel sehen will, oft die Stadt wechselt, also ohne „ganze Pension", die Woche mit 250 bis 300 Mark auskommt, in O e st e r r ei ch mit 200 bis 250, in Frankreich mit 120 bis 180 Mark. Aber keine Luxushotels, nicht erster Klasse und, statt Autos, meist Straßenbahn... Wer in fremde Länder reist, um einmal andere Luft zu atmen, unter anderem Himmelsstrich neue Landschaften, neue Menschen, neue Bilder, fremde Verhältnisse zu studieren, wird immer auf ferne Kosten kommen. Aber im ganzen gilt immer noch das Wort Gobineaus: „Wie manchen mühsamen Weg muh man machen, um Dinge zu sehen, die man trockenen Fußes daheim hätte ebenso gut sehen können.. Wanderfahrten. Herborn — Fleihbach — Greifenstein — Diana- bürg — Ehringshausen. Wir fahren mit Sonntagskarte nach Herborn, durchschreiten die freundliche Stadt, die m>ch manche altertümliche Schönheiten birgt, gehen auf der Werkenbacher Straße an den Gebäuden der Heil- und Pflegeanstalt vorüber und ersteigen den „Merkenbacher Stich", wandern dann abwärts, um bei einer scharfen Wegebiegung geradeaus über Viehweiden in einer Stunde nach dem Dorf Fleißbach zu gelangen. Ein schwarzes Wegzeichen führt uns von hier durch schönen Mischwald aufwärts in einer weiteren Stunde nach der Burgruine Greifenstein (Wirtschaft Simon). Aus dem Trümmerhaufen ragen noch als gewaltige Zeugen einer großen Vergangenheit die beiden Bergfriede in die Höhe. Das schlichte Kirchlein, von dessen Eingang man einen prächtigen Fernblick hat, zeigt im Inneren schöne Stuckarbeiten. Blauen Strichen nach wandern wir in höchstens zwei Stunden durch herrlichen Duchenhochwald an der Heilstätte Elgeshausen vorüber nach dem Jagdschloß Dianaburg mit gastlicher Försterei. Vom Turm hat man eine umfassende Aussicht auf die bewaldeten Bergkuppen der ganzen Gegend. Don der Dianaburg leiten uns schwarze Dreiecke in einer knappen Stunde nach unserem Endziel Ehringshausen. Gießen — Vetzberg — Fellingshausen — Duns- berg — Lieber. Ein wenig bekannter Zugangsweg zum Duns- berg ist der folgende, allerdings, da wenig Schatten, nur an kühlen Tagen zu empfehlen. Wir gehen die Rodheimerstrahe bis zum Windhof entlang. Gleich hinter dem Anwesen verlassen wir die Straße und gehen nach rechts einen breiten Feldweg weiter, überschreiten die Bahn, später die Krofdorf—Kinzeiibacher Straße und erreichen in I1/2 Stunden das hochgelegene Dorf Vetzberg (gute Einkehr bei Gastwirt Becker). Hier versäumen wir nicht, der Burgruine, die uns zur Zeit der Heckenrosenblüte wie ein Dornröschen- schloh anmutet, einen Besuch abzustatten. Ein überraschend schöner Rundblick von dem alten Gemäuer entschädigt uns reichlich für den etwas steilen Aufstieg. Von Vetzberg fuhrt uns ein Feldweg vorerst durch freie Gegend, später durch das Detzberger Wäldchen (am Waldrand hübscher Rückblick) nach dem anmutig im Tale gelegenen Fellingshausen. Hier treffen wir rote Striche, die uns in bequemem Aufstieg auf den Dünsberg führen. Rach genügender Augenweide von der Plattform des Turmes folgen wir dem Zeichen weiter, das uns, zumeist durch Wald, gegenüber der Steinmühle in das Biebertal bringt. Rach wenigen Minuten erreichen wir die Reehmühle (bekannter Ausflugsort) und unser Endziel Bieber. Dauer der Wanderung höchstens 4 Stunden. Reisewinke. Reisen nach England. Eine vorteilhafte Gelegenheit, England kennenzulernen, bietet sich bei einer der von dem Mitteleuropäischen Reisebureau Frankfurt a. M. im Hauptbahnhof geplanten 3 Mer-Sonderfahrten nach England, beginnend am 14. Juli, 4. August und 1. September d. 3. Man weiß im voraus genau, daß 220 Rm. anzulegen sind, weiß aber auch genau, was dafür geboten wird. — Der Preis dieser siebentägigen Reise schließt ein: Fahrt Frankfurt a. M. und zurück (Eisenbahn 3. Klasse Schnellzug, Schiff 1. Klasse), Unterkunft in erstklassigen Hotels, volle Verpflegung, Rundfahrten, Beförderung in Autos, belgisches Visum, Eintrittsgelder, Führung durch den Reiseleiter und Lokalführer, sämtliche Trinkgelder usw. Die Rückfahrt kann evtl, innerhalb 30 Tagen auch einzeln angetreten werden. Rundfunkprogramm. Sonntag, 30. Juni. 7 bis 8: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8 bis 9: Morgenfeier, veranstaltet von der evangelischen Landeskirche. 11 bis 11.30: Stunde der Jugendbewegung: „3ugend und Dolksbildung", Dortrag von Friedrich Koepp vom Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung. 11,30 bis 12: Eltern- stunde: „Religiöse Eindrücke aus der 3ugendzeit großer Männer", Vortrag von Konradine Kahl. 12 bis 13: Konzert der Kapelle Humm-Melchior vom Cafe Rumpelmaher. 14 bis 15: Stunde der Jugend. 15 bis 16: Don der Frankfurter Ruder- regatte Funkreportage vom Start, Rennverlauf unö Ziel. 16 bis 16.30: Günther Birkenfeld, Vorlesung aus eigenen Werken. 16.30 bis 17.30: Stunde des Landes: 1. „Der Aufstieg der Begabten auf dem Lande", Vortrag von Schulrat Kreuzberg, Boppard: 2. „Die Maschine im Weinbaubetrieb", Vortrag von Dr. W. Heuckmann. 17.30: Vom Frankfurter Opernhaus: Abschieds- Abend Clemens Krauß: Die Meistersinger von Rürnberg, in drei Aufzügen von Richard Wagner. Anschließend bis 0.30: Don Berlin: Tanzmusik. Montag, 1. Juli. 6.30: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Aus „Lohengrin—Tannhäuser". 15.05 bis 15.35: Stunde der 3ugenö: Aus Sport und Spiel: „Freiluftsport". Der Einfluß von Licht, Lust und Sonne auf unseren Körper. Eine Unterhaltung zwischen Tum- und Sportlehrer Heinrich Täppel und Dr. Paul Laven, für Kinder vom 10. 3ahre ab. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunk-Orchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.50: „Die schönsten Kurzgedichte der Weltliteratur", Original und eigene Übertragungen von Dr. Ludwig Harald Schütz. 18.50 bis 19.10: Vortrag von Dr. Paul Stefan, Wien. 19.10 bis 19.40: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes: „Paul Claudel und fein Werk", Vortrag von Dr. Rielen. 19.40 bis 19.50: Englische Literaturproben. 19.50 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15 bis 20.45: Rach Stuttgart: „Emilie vor ihrem Brauttag", Kantate für eine Altstimme und kleines Orchester von 3osef Math. Hauer. 20.45 bis 21.15: Literarische Veranstaltung aus Slings „Richter und Gerichtete". 21.15: Konzert des Rundfunk-Orchesters. Dienstag, 2. Juli. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: „Fantasien und Potpourris". 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Die schöne Umgebung von Frankfurt a. M. bzw. Kassel. 17 bis 18.30: Rach Köln: Konzert des Rundfunk- Orchesters. 18.55 bis 19.15: Von Kassel: Stunde der Landwirtschaftskammer Kassel. 19.15 bis 19.35: „Die Wiener Genesis und ihre Bedeutung für die kunstwissenschaftl. Forschungen, 1. Vortrag von Alfred Conradt. 19.35 bis 19.55: Funkhochschule: „Gesundheit und Ehe". Vortrag von Pwfesso« Raecke. 19.55 bis 20.15: Schachstunde. 20.15 bis etwa 20.45: Sinfonie-Konzert. Anschließend: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 30. Juni. 5. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Mahr: zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde: 9.30: Pfarrer Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfarrer Becker. — Jo- hanneskirche. 8: Pfarrer Müller; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinder 9.30: Pfarrer Ausfeld: 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; Christenlehre für die Neukonsirmierten der Luthergemeinde. — Elisabefh-Kleinkiuderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 10.45: Kinderkirche. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst. — Wiefeck. 9.30, 10.45: Kinderkirche. — Alteu-Bufeck. 10; 11: Christenlehre. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 1.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenteich. 9.30: Hausen, Christenlehre; 11? Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9: Kinderkirche: 10: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche 3u- gend: 12.45: Kindergottesdienst; 2.15: Gottesdienst in Nieder-Bessingen. katholische Gemeinden. Samstag, den 29. Juni. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 30. Juni. 6. Sontag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beickte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Andacht; 3.15: Firmungsunterricht für die auswärtigen Firmlinge. Für die in Gießen wohnenden Firmlinge wird der Firmungsunterricht Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gehalten, und zwar für alle, die um 6 Uhr kommen können, um 6 Uhr, für alle, die um 6 Uhr nicht kommen können, um 8 Uhr abends. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten 10.30: Hochamt mit Predigt. jfraelilische Gemeinden. jsraelitische Rellgionsgemeinde. Gottesdienst tni der Synagoge (Südanlage). Samstag, 29. Juni 1929. Vorabend 7.45 Uhr; morgens 8.30; abends 9 und 9.40 Uhr. jsraelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 29. Juni 1929. Freitag abend 7.50 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 9.40. —* Wochengottesdienst morgens 6.15; abends 7.15 Uhr. SonntanSdtenst>.Äer.;tc»uAvotdeken am30.6.29 Dr. Schäffer. Dr. Neumann-Spengel. Hirschapotbeko. Habrmrzt: Dr. Haubach. ,8D Wenn Sie mit Dr. Thomxsons Seifenpulver einweichen und mit (vzonil kochen ZDHIL XXX. Verbandsschießen Mittesrhein,Baden,pfalz 6. bis 14. Juli 4929 in Gießen Gegen Gicht-, Stein, u. Stoffwechfelleiden! - Ermäßigte pauschal!.: Die ersten 3 Wochen (Mindestd.: Pauschalpr. M. 189.- / 4. Woche Dif. 61.25. Bewilligung v. Kreditkuren auf Antrag 3m KurhauS: Wochenpauschalpreis Mk. 80.50; im Dadehof: Wochenpauschale Mk. 105.—. 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Da Marburg über eine weit größere Auswahl an guten Leichtathleten verfügt, werden sich Gießens Studenten strecken müssen, um ehrenvoll abzuschneiden. Währender Wettkämpfe zeigen die Gießener Turnlehrerstudenten eine Sondervorführung neuzeitlicher Körperschule und Bodenübungen. Ob, wie im Dorjahr, die studentische Reitabteilung mitwirkt, wird vom Wetter und der dadurch bedingten Beschaffenheit des PlaheS abhängen. Den Abschluß der Wettkämpfe bildet ein Handballspiel der Universität Gießen gegen die Universität Marburg. Daß unsere Studenten spielen können, beweisen die Spiele gegen die Stadtmannschaft. Wenn der Sturm endlich einsieht, daß er weitmaschiger und auch eifriger spielen muß, wird es möglicherweise zum erstenmal zu einem Erfolg gegen die spielstarken Marburger führen können. Das Spiel beginnt etwa 17 ilfjr. Feinden, boit Gemeinden. i» 29. Juni. " Beichte. • Sonlag nach Pfingsten. 7; W; 8: Rom« Predigt: 11: Messe mit iNMiungsunterricht für je- Für die in Siehe« 5 der Fimungsunterricht ' Donnerstag gehalten, und ühr kommen können, um Ühr nicht kommen können, rünberg. 9.30: Messe mit Hochamt mit Predigt. - digt. - Ilidda. 8,30: hoch, ollen 10.30: Hochamt mit Gemeinden. emeinde. Gottesdienst in ). Samstag, 29. Juni 1929. gens 8.30; abends 9 und esellschasl. Sabbatfeier den ibenb 7,50 Uhr; Samstag 4; Sabbatausgang 9.40.— । ns 6.15; abends 7.15 Uhr. icu-Avotbeken am30.K.29 m-Spengei. Hirschavotheke. Dr. Haubach. ”D t Dr. Thomxsons er einweichen )zonil kochen N Vierten’juW ^ri. Kecker; ii. JMäns. ML .? die männliche Ju. l,e* MS: «oÄj 2347V Nr.150 fünftes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dverhesfen) Turnen, Sport und Spiel. Erfolge der Gießener Llniversitätsfaustballmannschast. Am vorigen Samstag und Sonntag wurde in Karlsruhe die Faustballmeisterschaft des südwe st deutschen Hochschulkrei- s e s ausgetragen. Unter den sechs gemeldeten Mannschaften war auch Gießen in der Auf- stellung: W. Reih (Wingolf), R. Günther (Chattia), C. T.rapp, Wilhelm und Walter Loh (A. T. D.) Rheinfranken) vertreten. Am Freitag hatte die Mannschaft auf der Hinfahrt in Friedberg noch Gelegenheit, in einem Gesellschaftsspiel mit der Technikumsmannschaft ihr Können äu prüfen. Gießen konnte dieses Spiel mit 43:34 für sich entscheiden. 3n Karlsruhe waren bis auf die Marburger alle anderen Mannschaften unbekannte Größen. Es mußte sich daher jede Mannschaft auf ihren Gegner in der kurzen Spielzeit möglichst rasch einstellen, um durch Ausnuhen seiner Schwächen zum Sieg zu gelangen. Während Karlsruhe und Darmstadt der Gießener Mannschaft verhältnismäßig schwache Gegner waren, stand das Spiel 'gegen Tübingen lange zweifelhaft. -Zumal der Tübinger Dorderspieler machte ihr durch seine vorzüglichen Angaben und Rückschläge viel zu schaffen. Aber die beiden vorhergehenden Spiele hatten den Giehnern das noch fehlende -Zusammenspiel gebracht, und so wurde Tübingen mit 38:30 Fehlern geschlagen. Der Samstag sah die Marburger und Gießener Mannschaft mit gleicher Punktzahl an erster Stelle. Am Sonntagmorgen regnete es wie Bindfaden, für Faustball nicht das schönste Wetter. Doch dank der vorzüglichen Plahanlage beeinträchtigte es die Spiele in keiner Weise.'Das erste Spiel sah G i e - ßen gegen Freiburg. Hier war der Schnurspieler als besonders gefährlicher Gegner bekannt, aber er hatte seinen schlechten Tag. Mit 40:29 muhte sich auch Freiburg geschlagen bekennen. Inzwischen hatte auch Marburg wieder einen Sieg über Darmstadt davongetragen, und Gießen und Marburg gingen in ihr Spiel mit gleicher Punktzahl. Auf beiden Seiten ein vorsichtiges Spiel, wie es nur Mannschaften mit guten Kräften fertig bringen. Rur wenige Minuten konnte eine der Mannschaften einmal mit einem größeren Dorsprung führen, für gewöhnlich war nur ein Punkt Unterschied. Dieses Spiel endete mit Gleichstand 30:30. Rach kurzer Pause mußten die beiden Mannschaften erneut zum Entscheidungsspiel antreten. Wiederum vorsichtiges Spiel, das die höchsten Anforderungen an die Rerven stellte, aber keiner versagte und wurde aufgeregt, wechselndes Geschick auf beiden Seiten, das sich in den letzten Minuten durch einige leichtsinnige Fehler der Gießener m i t 24:21 f Ü r Marburg entschied. Obwohl die Gießener von vornherein sich darüber klar waren, daß Marburg die geschlossenere Mannschaft stellte, schon allein dadurch, daß es die Mannschaft der A. T. D. Marburg war, die bei den Spielen des Gaues Hessen die Gießener 1846er geschlagen hatte, hat sie ihr den Sieg nicht leicht gemacht. Die Marburger Mannschaft wird nun den 5. Hochschulkreis bei den Meisterschaften in Münster i. W. Vertretern Gpielvereimgung 1900 Gießen. 1900 Liga kombiniert — Fußballmannschaft der Universität 2:1. ö. Am Mittwochabend standen auf dem 1900- Sportplah diese Mannschaften erstmals in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Das Spiel war schnell und schön, dazu vorbildlich fair. Der gut amtierende Schiedsrichter Dittmar vom D.f.B. Gießen brauchte fast kaum einzugreifen. Aus 1900s erster Garnitur waren Hohmann und Katz, sowie Sack und Graubner erseht. Die beiden Ersten wirkten mit Erfolg in der Universitätself mit. Die Spielvereinigung hatte es verstanden, diese Lücken recht gut auszufüllen. Lediglich der rechte Angriffsflügel fiel ab und vergab die Aussicht auf einen weit höheren Sieg. Bei der Universitätsmannschaft sah man über die Hälfte 1900er. Brambach im Tor hielt trotz einer gleich zu Beginn zugezogenen Fingerverlehung ausgezeichnet. Die recht knappe Riederlage ist sein Verdienst. Der beste Mannschaftsteil bei den Studenten war die Läuferreihe, die bei häufiger Ueberlastung ein recht brauchbares Spiel lieferte. Hierbei überragte der Mittelläufer Lorbacher alle seine Mitspieler. Dank seiner körperlichen Verfassung und Größe blieb er Im Kampf mit dem Gegner fast ständig Sieger. Mit seinen famosen Kopfbällen und weiten, genauen Vorlagen auf die Flügel beherrschte er das Spielfeld. Der Sturm wär im Feld recht gut, versagte aber vor dem Tore der Blauweihen vollständig. 1900 lieferte ein aufopferndes, eifriges Spiel und war auch ständig leicht überlegen. Von der Angriffsreihe sah man zahlreiche schöne Torschüsse, öfters wurde aber zu viel Einzelspiel getrieben und dadurch vorher erlangte Chancen wieder zunichte gemacht. Die Universitätsmannschaft erzielte aus einem Gedränge das Führungstor. Einen Handelfmeter verschenkte der 1900-Mittelstürmer offensichtlich, da das Handspiel des Studenten nicht absichtlich geschah. In der zweiten Spielhälfte erzielte der Plahverein durch Mittelstürmer und Halbrechts auf Flanken des Rechts- und Linksaußen zwei wunderschöne Tore und damit den Sieg. Oer Sport am Sonntag. Deutsche Fußballmeisterschaft. Die Zwischenrunde. Der Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft geht weiter. Insgesamt hatten sich 16 Vereine für die Endspiele qualifiziert, acht davon sahen nach dem berühmten und auch berüchtigten Pokalsystem bereits in der Vorrunde alle ihre Hoffnungen scheitern. Die übrigen acht Bewerber um den Meistertitel werden sich nun am kommenden Sonntag in der Zwischenrunde gegenüber- stehen. Cs wird einen heißen Kampf geben. Schon allein die Paarung der einzelnen Vereine hat dem Spielausschuß des Deutschen Fuhballbundes viel Kopfzerbrechen bereitet. Erst der Abend vor dem Länderspiel gegen Schweden brachte die Lösung, die folgendermaßen lautet: in Fürth: 1. F.C. Nürnberg — Tennis/Bo- russia Berlin. — Schiedsrichter: Peters, Hamburg; in Altona: Hamburger S. D. — Sp. Dg. Fürth. — Schiedsrichter: Fissenenwerth, Köln; in Breslau: Breslauer S. C. 03 — Bayern München. — Schiedsrichter: Röhrbein, Berlin; in Dortmund: Schalke 04 — Hertha/B. S. C. Berlin. — Schiedsrichter: Maul, Rürnberg. Man wird leicht versucht sein, dem l.F. C. Nürnberg auf Grund seiner 1: 0°Niederlage gegen die Frankfurter Eintracht nicht als einen sicheren Sieger in Fürth gegen die Berliner Tennis- Borussen zu sehen. Doch bis jetzt verstand es der Club noch immer, wenn es galt, mit Bravour zu kämpfen und auch zu siegen. Aehnlich verhält es sich mit der Spielvereinigung Fürth, die in Altona gegen den deutschen Altmeister, den Hamburger S. V., anzutreten hat. Ist die Aufgabe, die den Kleeblättlern dort gestellt wird, wesentlich schwerer als in der Vorrunde, so darf man dennoch von ihrem durchschlagskräftigen Sturm einen knappen, aber verdienten Sieg erwarten. Der dritte süddeutsche Vertreter Bayern München hat in Breslau den Breslauer S. C. 08 zum Gegner. Bei aller Achtung vor dem spielerischen Können der Südostdeutschen dürfte es zu einem Sieg gegen die Bayern nicht langen. Damit ist also die Möglichkeit gegeben, daß alle drei süddeutschen Vereine, die an den Endspielen beteiligt sind, in die Vorschlußrunde gelangen. Wer aus dem Kampf in Dortmund zwischen Schalke 04 und Hertha/D. S. C. Berlin als Sieger hervorgeht, ist schwer zu sagen. Beide Vereine haben bewiesen, daß sie über ein ausgezeichnetes spielerisches Können verfügen und beide Vereine haben auch schon manchesmal ihre Anhänger enttäuscht. Vielleicht spielt bei dem Endergebnis in diesem Spiel das Glück eine größere Rolle. Unö Glück muh man haben, auch im Fußballspiel. Mendsporlwerbetag in Wehlar. Die letzten Sonntage vor der allgemeinen Fußballsperre sind von den beiden Sport-Großorgani- fationen, Deutscher Fußballbund und Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik dazu ausersehen, durch grotzangelegte Werbeveranstaltungen den Sportgedanken zu verbreiten und vertiefen. Der Westdeutsche Spieloerband hat zum Jugendsportwerbetag den kommenden Sonntag bestimmt, der in Wetzlar durchgeführt wird. Sämtliche Vereine des Gaues entsenden etwa 400 bis 500 Jugendliche und Schüler, die in Fußball-, Handball- und Leichtathletikkämpfen um die vom D. F. B. und D. Sr. B. als Siegeszeichen ausgesetzten ' Wimpel streiten werden. Nach den Jugendspielen findet ein Fußball-Städtespiel der Aktiven Gießens und Wetzlars statt. Die Spiele. V. f. D. 2. Igd. — Wetzlar Sp. V. 2. Igd.» V. f. D. 3. Igd. — 1900 3. Igd., V f. B. Schüler — Wetzlar Spv. Schüler, Braunfels 1. Igd. — Großen-Buseck Igd., Büblingshausen Igd. — Holzhausen Igd., Burgsolms Igd. — Leihgestern Igd., Leun Igd. — Steinberg Igd., Ehringshausen Igd. — Heuchelheim Igd., Lollar Igd. — Weilburg Igd., 1900 2. Schüler — D. f. D. 2. Schüler, 1900 2. Igd. — Werdorf 1. Igd., ©rünberg 1. Igd. — Aßlar 1. Igd., Niedershausen 1. Igd. — Niederweisel 1. Igd., V. f. D. 1. Igd. — Niedergirmes 1. Igd., Laubach 1. Igd. — Butzbach 1. Igd. Bunter Rasen, ausgeführt von den Leichtathletikabteilungen der Vereine: V. f. L. Wetzlar, Wetzlarer Spv., Sp. Vgg. 1900 Gießen, V. f. D. Gießen und Weilburg. Leichtathletikkämpfe aller Jugendklassen. Sp. Vg. 1900 1. Igd. — Wetzlarer Spv. 1. Igd. (Fußball), Sp. Dg. 1900 Schüler — D. f. L. Wetzlar Schüler (Handball), Sp. Dg. 1900 Schüler — Unterlegener vom Schülerspiel D. f. D. — Wetzlarer Spv. vom Dormittag, (Fußball), Schiedsrichter: Kreuter- @rünberg. Städtespiel der Aktiven Gießen — Wetzlar. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. o. Don der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik sind für den morgigen Sonntag die Landesmeisterschaften angesetzt. Sie kommen für Westdeutschland in dem Duisburger Stadion zum Austrag. Da dieses Jahr verbandsseitig nur die an den Duisburger 'Wettkämpfen mit Erfolg teilgenommenen Leute zu den deutschen Meisterschaften gemeldet werden, wird sich auf der Duisburger Kampfbahn die westdeutsche Elite restlos einfinden. Don der Spielvereinigung 1900 Gießen werden auf Grund ihres seitherigen guten Abschneidens, insbesondere bei den Dezirksmeisterschaften, an den Start gehen E. Schäfer im Kugelstoßen, H. Peters und R. Bepperling über 800 Meter. Unter normalen Verhältnissen kann man Schäfer schon einige Chancen einräumen. Auf Grund einer in der vorigen Woche erschienenen Aufstellung über die drei besten Westdeutschen in den einzelnen Disziplinen ist er zur Zeit als Zweitbester anzusprechen. Vor ihm steht Le mperle (Köln), dicht hinter ihm rangiert Werring (Gronau). Allerdings hat der 1900er in den letzten Wochen sehr wenig Trainingsmöglichkeit gehabt, was einen {leinen Formrückgang bewirkt haben kann. — Die beiden Mittelstreckler Peters und Depperling werden auf ein zahlenmäßig sehr starkes und in der Leistung ausgeglichenes Feld stoßen. Da ein ausgesprochen überragender 800- Meter-Mann in Duisburg wahrscheinlich nicht am Start sein wird, muß notwendigerweise die Taktik eine entscheidende Rolle spielen. Ob in dieser Beziehung die beiden Gießener den westdeutschen Grohstadtvertretem die Waage halten können, erscheint sehr fraglich. Immerhin darf man bet der derzeitigen Form der 1900er erwarten, daß sie sich wacker schlagen. Faustballspiele der Turnerinnen im Gau Hessen O. T. Nachdem im vergangenen Jahre die spielerische Tätigkeit der Turnerinnen nachgelassen hatte, scheint sie jetzt erneut aufzuleben. Um dies zu unterstützen, trägt der Gau Hessen am kommenden Sonntag in Gießen die Meisterschaft im Faustball der Turnerinnen aus. Leider ist die Mannschaft des Marburger Bezirkes durch ihr De- zirksturnfest verhindert. So werden nur die Mannschaften der T. G. Friedberg, Mtv. Gießen und Tv. 1846 Gießen um den ersten Platz kämpfen. Die beste Mannschaft wird dann zusammen mit dem Gaumeister der Männer, zur Zeit Friedberg, am 14. Juli den Gau bei den Gauverbandsspielen vertreten. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Die 1. Mannschaft empfängt am nächsten Sonntag auf dem Universitätsplatz die 1. Mannschaft der Turngemeinde Friedberg. Die Gäste sind in diesem Jahre zur Meisterklasse aufgerückt. Sie verfügen über eine beachtliche Spielstarke. Tritt 1846 ohne Ersatz an, dann dürfte es das Treffen für sich entscheiden. — Vorher stehen sich die zweiten Mannschaften beider Vereine gegenüber. Der Spielausgang ist offen. Was sie werden wollen. Berufswünsche der Volksschüler Oberheffens. Die Berufsberatungsabteilung des Arbeitsamts Gießen hat anfangs dieses Jahres an die Entlast sungsklassen sämtlicher Volksschulen des Arbeits- amtsbezirks, der mit Ausnahme der Schützer und Bilbeler Gegend die ganze Provinz Oberhessen umfaßt, zum Zwecke der Berufsberatung soviel Schüler-Personalbogen hinausgegeben, als Knaben und Mädchen zu Ostern 1929 aus der Schule entlassen wurden. Teil 1 dieser Personalbogen war vom Kind in der Schule selbst auszufüllen und enthält unter anderem die Frage: „Was willst du wer- d e n?" Auf Grund dieser Personalbogen wurden von 1766 Knaben 71 verschiedene Berufswünsche feftgefteUt. Es wollten werden: Unbestimmt 187 Landwirt 160 Kaufmännische Berufe 140 Schlosser 132 Dekorationsmaler und Weißbinder 119 Maurer 109 Schreiner 97 Bäcker 78 Metzger 72 Friseur 64 Autoschlosser 57 Elektriker 55 Schuhmacher 50 Schneider 42 Spengler und Installateur 31 Gärtner 28 Buchdrucker und Schriftsetzer 27 Dienstknecht 27 Wagner 21 Schmied 18 Schreiber 17 Bleibt zu Hause 15 Zimmermann 15 Hilfsarbeiter 15 Sattler 14 Mechaniker 14 Konditor 13 Aufbauschule 12 Förster 12 Eisendreher 10 Koch 9 Pflasterer 8 Kellner 7 Techniker 6 Bildhauer, Handelsschüler, Polsterer und Tapezierer, Uhrmacher je 5 Musiker, Lackierer, Feinmechaniker je 4 Dachdecker, Optiker, Beamter, Müller, Schleifer je 3 Dekorateur, Dentist, Kupferschmied, Plattenleger, Buchbinder, Glaser, Former, Stukkateur, Schindler, Zeichner, Hutmacher, Weber je 2 Schornsteinfeger, Töpfer, Ziseleur, Goldschmied, Geometer, Schäften- wacher, Lehrer, Drechsler, Steinmetz, Gastwirt, Soldat, Meßgehilfe, Matrose, Schweißer je 1 Dieser Statistik der Berufswünsche haften natürlicherweise gewisse Mängel an. Nicht alle angegebenen Berufswünsche sind ernst zu nehmen. Manche Jungen geben einen bestimmten Berufswunsch an, nur weil der Freund, der Schulkamerad denselben geäußert hat. Andere wieder, noch unentschieden, schreiben irgendeinen Beruf hin, der ihnen gerade einfällt. Nicht selten kommen Ratsuchende zur Berufsberatung mit einem ganz anderen Berufswunsch, als sie auf dem Personalbogen angegeben haben, ober sie haben überhaupt keinen bestimmten Berufswunsch mehr. Soweit Schüler zur Beratung kamen, wurde die Aenderung der Berufswünsche in der Statistik schon berücksichtigt. Im großen und ganzen dürfte diese Zusammenstellung der Berufswünsche trotz ihrer anhaftenden Mängel doch wichtige Hinweise geben, sowohl in bezug auf die Berufsberatung selbst, als auch arbeitsmarktpolitisch. Betrachten wir einige Zahlen. Von Hunderten in Frage kommenden Berufen nur 71 verschiedene Berufswünsche. Daß 187 Jugendliche nicht wissen, was sie werden sollen, nimmt bei der Unzahl von Berufen, den schlechten Berufskenntnisfen und den un- sicheren Wirtschaftsoerhältnissen nicht Wunder. 160 geben Landwirt als Berufswunsch an.. Die Personalbogen weisen aus, daß die betreffenden Eltern durchweg auch Landwirte sind. Dazu kommen 27, die als Dienstknecht iij der Landwirtschaft unterzukommen wünschen. Bedenken wir, daß 53 v. H. der erwerbstätigen Bevölkerung Oberhessens in der Landwirtschaft beschäftigt sind, so wäre zu wünschen, daß noch mehr Jugendliche in der Landwirtschaft verblieben. 119 Schüler wollen Weißbinder, 109 Maurer werden. Diese Berufe, ebenso der Schuhmacher- und Schneiderberuf, sind meist als Ergänzungsberufe gedacht neben der später von den Eltern zu übernehmenden Landwirtschaft, die nicht mehr groß genug ist, um eine Familie zu ernähren. Eltern und Jugendliche bringen dies bei der Berufsberatung immer wieder zum Ausdruck. Viel zu viel Schüler, 140, darunter solche mit schlechtestem Schulzeugnis, wollen in die kaufmännischen Berufe, die schon übergenug von Handelsschülern höherer Lehranstalten begehrt werden. Auch die Berufe des Friseurs, Autoschlossers und Elektrikers werden verhältnismäßig zu oft gewünscht. Erfreulich ist, daß nur 15 Hilfsarbeiter werden wollen, wie aus den Personalbogen hervorgeht, meist Kinder aus aller- ärmsten Familien. Von 1747 Mädchen wurden folgende Berufswünsche geäußert: Unbestimmt 697 Schneiderin 322 Hauswirtschaft 215 In der eigenen Landwirtschaft 158 Verkäuferin 132 Bureauangestellte 99 Ungelernte Arbeit 27 Friseuse 21 Weißnäherin 18 Kinderpflegerin 17 Krankenschwester 8 Modistin 8 Kindermädchen ung. 8 Büglerin 6 Lehrerin 5 Strickerin 2 Dentinstin 1 Malerin 1 Gymnastiklehrerin 1 Blumenbinderin 1 Beim Betrachten der Statistik der Berufswünsche der Mädchen muß die große Anzahl derjenigen auffallen, die keinen bestimmten Berufswunsch haben. Dies beweist, daß auch hier berufskundliche Besprechungen dringend notwendig sind, um zu zeigen, welche Berufsmöglichkeiten den Mädchen überhaupt gegeben sind. Allerdings ist auch in Betracht zu ziehen, daß sicher ein großer Prozentsatz der Mädchen keinen bestimmten Berufswunsch äußerte, weil sie noch einige Zeit zu Hause bleiben, um sich zu kräftigen und dann für einen Beruf zu entscheiden, oder weil sie Überhaupt im elterlichen Haushalt oder in der eigenen Landwirtschaft bleiben wollen. Die Zahl der Mädchen, die im elterlichen Betriebe verbleiben, wird in der Praxis wohl höher sein, als die Statistik angeben kann. Der am meisten begehrte Beruf ist „die Schneiderin". Wenn auch die Aussichten für diesen Beruf durch die sich immer stärker ausbreitende Konfektion nicht mehr günstig sind, so hoffen doch viels Mädchen, besonders vom Lande, hierin noch ausreichende Beschäftigung zu finden. Sehr viele wählen dieses Handwerk auch, weil es selbst bei Führung eines eigenen Hausstandes ausgeübt werden kann, oder weil die erlernten Fertigkeiten auch für eigenen Bedarf Verwendung finden können. Daß 215 Mädchen, rund 10 v. H., einen hauswirtschaftlichen Beruf ergreifen wollen, wäre an und für sich ein erfreuliches Zeichen; doch find hierbei auch sehr viele Mädchen vom Lande mitgezählt, die Hausangestellte in der Stadt werden wollen und auf diese Weise dem flachen Lande verloren gehen. Große Anziehungskraft üben, besonders in den Städten des Arbeitsamtsbezirks, die Berufe der Verkäuferin und Bureauangeftellten aus. In der Stadt Gießen allein wollen rund 32 o. H. der Mädchen Verkäuferin werden. Diese Vorliebe für die kaufmännischen Berufe, die in allen Städten zu beobachten ist, ist natürlich dort besonders groß, wo die an sich geringe Zahl der Berufsmöglichkeiten für Mädchen durch Wegfall industrieller Betriebe noch mehr beschränkt wird, da hier die Möglichkeit des Erlernens und der Ausübung von handwerklichen Berufen in Fabriken und fabrikähnlichen Betrieben nicht gegeben ist. 56 44 DI Herborn Gießen H.KAESS NACHF 2. erteilen. 5620V 3. Ein Posten Herren-Socken, Fantasie-Muster, Jetzt Paar Mk, 1.40 5589D Nur zu haben in der Löwen-Drogerie Wilh. Kilbinger Nacht. Seltersweg 79 a Voranmeldungen erbeten. Medizinaldrogerie und Parfümerie Paul Tester / Bad-Nauheim Parkstrabe 10 / Telephon 2316. Verlangen Sie ausführliche Druckschrift von d. Schulleitung Gießen, Goethestraße32 4640A Der Wasserpreis ermäßigt sich für jeden Kubikmeter bei einem monat- lichen Verbrauch von 350— 750 cbm um 1 Rpf. Mein Bureau befindet sich jetzt GoethestraBe 30 pari. 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Pr. erteilte Gcsamtprokura gilt nunmehr für den Geschäftsbetrieb der Firma im allgemeinen. 5627D Gießen, den 25. Juni 1929. 1 Hessisches Amtsgericht. 751—1500 „ „ 2 1501—2500 „ „ 3 2501—6000 „ „ 4 6001 und mehr 5 Die Preisermäßigung tritt nur ein, wenn der Wasserverbrauch auf einem Grundstück oder auf mehreren wirtschaft- lich zusammengehörigen Grundstücken durch einen Wasseroerbrauchenden erfolgt. Die Entscheidung, ob diese Voraussetzungen vorliegen, erfolgt ausschließlich durch das Städtische Wasserwerk. Sind mehrere Zu- leitungen vorhanden, so ist der von jedem Wassermesser anaezeigte Wasserverbrauch getrennt zu berechnen. 5639D Das Wassergeld ist monatlich, bei kleinerem Verbrauch vierteljährlich zu entrichten. Diese Bestimmungen treten am l.Juli 1929 in Kraft. Gießen, den 28. Juni 1929. Städtisches Gas- und Wasserwerk. S t e d i n g. 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Juni 1929 die Strompreise und Elektrizitätszählergebühren um folgende Zuschläge erhöht: 5670C a) der Strompreis von 45 Pf. um 3 Pf. je Kilowattstunde: b) der Preis für Kraftstrom (25 bis 10 Pf.) um 2 Pf. je Kilowattstunde: c) die Elektrizitätszählergebühr um 10 Pf. je Zähler und Monat. Die erhöhten Strompreise und Elektrizitätszählergebühren werden erstmals bei der Zählerablesung im Monat August 1929 erhoben. Gießen, den 28. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seid. Bekanntmachung. Betr.: Wasserpreis. 1. Der Preis des vom Städtischen Wasserwerk bezogenen Wassers beträgt 25 Rpf. Wlenvnsieigenlng des Landwirtschaftskammer-AusschusseS für Oberhessen am Montag, dem 8. Juli, vormittags 11 Llhr, in Alsfeld. Gemeldet sind rund 40 Lullen der Hess. Fleck- vi'ehrasse. Gemeinden und Zuchtgenossenschaften ist hier beste Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben. 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Neben dem Druck hoher Steuern und sozialer Abgaben lastet auf der deutschen Wirtschaft eine starke Inanspruchnahme durch öffentliche Verwaltungsaufgaben, die dringend dec Ein- scyränkung bedarf, weil dadurch unverhältnismäßig viel Arbeitskräfte der Wirtschaft produktiver Tätigkeit entzogen werden, und zwar oft zur Erledigung von Ausgaben, die von Rechts wegen der öffentlichen Verwaltung zufallen. In erster Reihe gilt dies von der ©teuer» ve rwaltung, insbesondere derjenigen der Lohnsteuer. Während in der Vorkriegszeit die Einkommensteuer der Gehalts- und Lohnempfänger von den Finanzbehörden selbst eingezogen worden ist, haben dies heute für sie die Unternehmer zu tun. Welche Mühe und Kosten damit für sie verbunden sind, geht daraus hervor, daß die Summe des Lohnsteueraufkommens in Deutschland mit etwa 1,3 Milliarden Mark im Iahre anzunehmen ist und daß dieser große Betrag in lauter kleinen Einzelzählungen vereinnahmt wird. Mittlere Betriebe haben für diesen Zweck besondere Beamte einstellen müssen, während sich bei großen Werken mit vielen Arbeitern und Angestellten dazu d i e Einrichtung ganzer Bureaus nötig gemocht hat. ohne das) «dafür irgendwelche Entschädigunggewährtwürde. Wenn die Behörde der Wirtschaft deren tatsächliche Aufwendungen für diesen Zweck vergüten müßte, dann würde sich vermutlich zeigen, daß die prozentualen Steuererhebungskosten, die das Reichsfinanzministerium in jedem Iahre bekanntgibt, zu Lasten der Wirtschaft ein viel zu günstiges Bild von den hierfür gemachten Aufwendungen geben. Eine nicht minder unbequeme Belästigung stellt für die Wirtschaft die Tätigkeit des Duchprü- fungsdienstes der Reichsfinanzverwaltung dar. Wenn er auch den Betrieben kaum bare Ausgaben verursacht, so nimmt er doch dem Unternehmer oder einem seiner leitenden Angestellten viel kostbare Zeit weg, denn nicht selten dauern solche Betriebsprüfungen mehrere Wochen, in denen dem Steuerbeamten stets eine Auskunftsperson zur Verfügung stehen muh. Wenn dies auch zu vielen Klagen Anlaß gegeben hat, so haben die Interessenvertretungen der Wirtschaft sich doch damit abgefunden, weil diese Einrichtung im Interesse des Wettbewerbs eine gewisse Gleichmäßigkeit der Besteuerung gewährleistet. Dieser Vorteil geht jedoch immer mehr verloren, je mehr Fortschritte die Äeber- f rem düng der deutschen Wirtschaft macht, da die Gewinnberechnung der Betriebe, deren Verwaltung im Auslands sitzt, durch Verrechnung mit dieser der Nachprüfung entzogen werden kann. Besonders schlimm ist aber für die Wirtschaft die Vielseitigkeit der Steuergesetzgebung, die es dem einzelnen Unternehmer trotz zeitraubenden Studiums unmöglich macht, sie ohne den Beistand eines Steuerfachmannes, der ihm auch wieder Ausgaben auferlegt, zu überblicken. Diese Kosten kann er sich nicht ersparen, weil ihm bei der Behörde für jede Frage ein Spezialist gegenübertritt, dem er beim besten Willen nicht die gleiche Sachkenntnis gegenüberstellen kann, da er schließlich noch „nebenbei" ein Geschäft zu versehen hat. Welche Arbeit die Steuerpflicht dem gewerblichen Unternehmer auferregt, geht daraus hervor, daß z. B. in Deutschland nicht weniger als etwa 3 5 0 verschiedene Steuergesehe bestehen, von denen rund 30 auf das Reich, 150 auf die Länder und 170 auf die Gemeinden entfallen, die alle dafür natürlich Steuererklärungen verlangen und mit deren Nachprüfung dem Unternehmer vielfach kostbare Zeit rauben. Dafür, in welchem Umfange dies auch von anderen Verwaltungen geschieht, hat jüngst Nr. 19 Geschichten aus aller Welt. Hier werden Spielzeuge verliehen. (a) Neuhork. Spielzeug-Verleihgeschäste ist die neueste Errungenschaft unseres Zeitalters der neuen Sachlichkeit. Die an sich nicht von der Hand zu weisende Idee stammt von einem Iugendrichter in Neuyork, der die Erfahrung gemacht haben will, daß die jugendlichen Verbrecher der ärmeren Schichten lediglich infolge ihrer Langeweile auf die schiefe Ebene geraten sind. Es ist psychologisch verständlich, so meint der menschenfreundliche Richter, daß die ohne Aufsicht in der Wohnung oder gar auf der Straße umherlungernden, gänzlich unbeschäftigten Kinder in Ermangelung von Spielzeugen sich selbst eine Betätigung suchen, auf daß sich ihre Phantasie austobe. Nun wurde in Neuyork probeweise das erste Spielzeug-Ver- leihgeschäst eröffnet, das gegen geringes Entgelt moderne und täglich desinfizierte, folglich hygienisch einwandfreie Spielzeuge den armen Kindern zur Verfügung stellt. Man erhofft von dieser Einrichtung einen nicht zu unterschätzenden Rückgang der Verbrechen von Iugendlichen. Ein königliches Almosen. (r) Amsterdam. Ein betrübliches Erlebnis hat nach dem „Soe- rabaja-Handelsblad" die Frau eines höheren niederländischen Kolonialbeamten gehabt. Sie gab der europäischen Kolonie eine solenne Soiree und war gerade mitten in dem aufregenden Geschäft, ihre in den schönsten Toiletten heranstro- menden Gäste zu empfangen, als sich ihr ihr fünfjähriges Söhnchen näherte, sie am Rock zupfte und ihr flüsternd mitteilte, auf der Hintertreppe hocke ein armseliger, mitleiderregender Bettler, der um einen Eent bitte. Die Dame, die sich von ihren Pflichten im Augenblick nicht losmachen konnte, raunte dem Knaben zu: „In meinem Schlafzimmer auf dem Toilettentisch liegt mein Portemonnaie; gib dem Bettler das Geld! Man soll sich immer klar und bestimmt ausdrücken, sonst wird man falsch verstanden. Das sollte diese Dame erfahren. Denn sie mußte wenig später, als sie in einer Tanzpause lhr Boudoir aufsuchte, um Atem zu holen, die schreckliche Entdeckung machen, daß ihr fünfjähriger Bub dem natürlich schon längst über alle Berge Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Samstag, 29. Juni 1929 der .Bauwelt" ein besonders anschauliches Beispiel geliefert. Dort wird der Weg geschildert, den in Berlin ein Antrag auf Baugenehmigung im behördlichen Instanzenzug durchlaufen muh; obwohl es sich bei dem Beispiel um ein ganz normales Projekt handelte, hat die Genehmigung des Bauplanes nicht weniger als 7 Monate (von Mitte Mai 1928 bis Mitte Dezember 1928) gedauert, so daß die Absicht, mit der Bauausführung im Hochsommer 1928 zu beginnen, auf das Frühjahr 1929 verschoben werden mußte. Die Hauptakten zu dem Antrag muhten 6 Instanzen ungefähr 30 Wochen lang durchlaufen; die Nebenakten hatten 10 weitere Behörden zu passieren. Zur Beschleunigung der Genehmigung hat der Architekt insgesamt 110 persönliche Besuche und Verhandlungen auf sich nehmen müssen. Leider ist es nicht möglich, die beim Antragsteller und bei den Behörden entstehenden direkten und indirekten Geldaufwendungen feftAuftellen. In diesem Zusammenhangs muh auch Oie Sozialversicherung erwähnt werden, die insgesamt 83,4 Millionen beitragspflichtige Personen mit einer jährlichen Deitragssumme von rund 5 Milliarden Mark umfaht. Auch diese ungeheuere Summe wird in zahllosen kleinen Einzelbeträgen aufgebracht, die auch wieder wie bei der Lohnsteuer von der Wirtschaft ohne Entschädigung für die ihr dadurch ent- verschwundenen eingeborenen Bettler den gesamten Inhalt der Börse, 18 Hundertgulden- scheine, als „Almosen" verabreicht hatte... Wenn ein Ei auf Reisen geht. (a) Neuyork. Der Farmer Fairbank in Monticelli (Iowa) hatte eine vierzehnjährige Tochter Miriam. Eines Tages, als das kleine Fräulein die für den Neu« yorker Wintermarkt bestimmten Eier verpackte, zerbrach es sein Köpfchen über volkswirtschaftliche Probleme und kam auf den eigenartigen Gedanken, auf ein Ei die Bitte zu schreiben, der Käufer in Neuyork möge ihr mitteilen, was er für das Dutzend bezahlen mußte. Bald darauf erhielt Miriam, die Wißbegierige, ein Telegramm aus Brooklyn: Frau Beatrice Ganis brachte ihr wunschgemäß zur Kenntnis, daß sie bei ihrem Stammhändler 60 Cents für zwölf Stück frische Hühnereier zahlte. Miriams Baker nahm aber nur 18 Cents dafür; folglich wurden an einem Dutzend über zweihundert Prozent verdient. Der Columbus, der diese Eierstage losen konnte, wurde noch nicht geboren. Das Huhu — die Hühner. (g) Rom. Die Ehegattin eines der höchsten Turiner faszistischen Würdenträger, die neben ihren gesellschaftlichen Talenten auch das einer Geflügelzüchterin betätigt, entdeckte eines Morgens bei einer Inspektion ihrer kleinen Hühnerfarm, daß ihre Lieblingshenne, ein prachtvolles, schwarz- weiß gefedertes Huhn, spurlos verschwunden war. Damen find nun einmal immer für sensationelle Erklärungen, und so konnte das schwarz-weiße Huhn nur gestohlen sein. Also galt es, die Polizei auf die Fährte des gewissenlosen Diebes zu hetzen, der es gewagt hatte, ihr, der Frau des gefürchteten faszistischen Chefs, das Lieblingstier zu rauben. Die Dame telephonierte nicht nur den Vorsteher des zuständigen Reviers an — mit gemeinen Polizisten brauchte sie sich- doch nicht abzugeben! —, sondern auch einige Ressortleiter des Turiner Polizeipräsidiums und den Herrn Polizeipräsidenten selbst. Alle angerufenen Beamten äußerten am Fernsprecher ihr Entsetzen über die unerhörte Missetat und verschworen sich hoch und heilig, alles in ihren Kräften Stehende zu versuchen, um des Täters und feiner Deute habhaft zu werden. stehende Arbeit und Kosten vereinnahmt werden. Daß diese nicht unerheblich sind, kann man daraus schließen, daß die Verteilung und Verwaltung dieser Beträge ein Personal von rund 7(1000 Köpfen erfordert, das bei einem Durchschnittsgehalt von 200 Mark im Monat fast 175 Millionen Mark im Iahre erfordert. Wenn man nun noch daran denkt, wie stark d.ie ganze behördliche Regelung des A r b e i t s - Verhältnisses den Unternehmer durchTarif» und Schlichtungsverhandlungen und Termine vor Arbeitsgerichten in Anspruch nimmt, dann wird klar, wieviel unproduktive Arbeit er zugunsten unserer öffentlichen Verwaltung leisten muh. Man versteht bann aber auch, daß er sich gegen deren weitere Aufblähung wehrt und auf Vereinfachung drängt. llnfallversicherungöverbant) der Gemeinden. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft K o » rell hat die Städte Alzey, Bad-Nauheim, Butzbach, Bensheim, Bingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Heppenheim, Mainz, Offenbach, Oppenheim und Worms zur gemeinsamen Durchführung der Unfallversicherung zu einem Versicherungsverband Am Mittag begannen sich die Wirkungen dieses polizeilichen Feuereifers in geradezu überraschender Weise zu zeigen. Dis drei Uhr nachmittags hatten der Polizeipräsident, seine Ressortchefs, verschiedene Reviervorsteher und andere Leute, die von der Missetat gehört hatten, der bestohlenen Dame — visrzehnmal je ein gestohlenes schwarz-weißes Prachthuhn überbracht. Der „Täter" allerdings war nicht gefaßt worden, dafür aber hatten die Geflügelhändler in diesem Tage, mitten in der toten Saison, ein verblüffend gutes Geschäft gemacht. Und, was das Allerschönste an der ganzen Geschichte ist, das eigentliche, wirklich verschwunden gewesene Huhn stellte sich noch am -selben Nachmittag aus einem Nachbarsgarten wieder ein, wohin es einem majestätischen, bunten Hahn zuliebe einen kleinen Ausflug unternommen hatte. Herr Eisenbahner. (p) Konstantinopel. Hafian, Achmed, Mehmed, Mustapha, Nuri usw., das sind die türkischen Rufnamen, die unter zehnen alle mindestens einmal vorkommen. So heißt der Vater, und so heißt der Sohn. Spaßig ist es, wenn man einmal einer türkischen Gerichtsverhandlung beiwohnt und dann hört, wie sich die Personalienaufnahme so eines armen türkischen Delinquenten abspielt. „Wie heißt du," so fragt der strenge Gerichtsherr den Gesetzesübertreter, und „Hassan" lautet die Antwort. „Welches ist dein Datername?", und „Achmed" Hingt es herüber. Der Mann kennt also von sich und seinem Vater nur den Rufnamen. So ist es nicht etwa nur im niederen Volke, sondern überall, und es hat sich deshalb in den türkischen Schulen auch der Brauch eingebürgert, die Schüler einfach nach Nummern zu führen. Es gab eben bisher im Türkischen mit wenig Ausnahmen überhaupt keine Familiennamen. Wo sie ausnahmsweise bestehen, da sind sie entweder von dem Vornamen oder von der Tätigkeit irgendeines Vorfahren der Familie gebildet worden. Agaoglu, der Sohn des Olga, Saradschoglu, der Sohn des Sattlers, das sind so einige der bekanntesten türkischen Familiennamen, wozu dann noch mehrfach solche kommen wie Hassanoglu Achmed, Hassans Sohn Achmed, wobei aber schon jede Differenzierung aufhört, da ein derart gebildeter Name in jeder Schulklasse, in jeder zusammengeschlossen als einer Körperschaft deS öffentlichen Rechts. Der Verband ist Träger der reichsgesetzlichen Unfallversicherung für die nachstehenden Betriebe und Tätigkeiten seiner Mitglieder: a) Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten, Entbindungsheime und sonstige Anstalten und Einrichtungen der Wohlfahrtspslege und im Gesundheitsdienst; b) Laboratorien für naturwissenschaftliche, medizinische oder technische Untersuchungen; c) für Schauspiel-Unternehmungen, Schaustellungen, Musik- und gesangdeklamatorische Vorführungen. Lichtspielbetriebe und Rundfunksendebetriebe; d) für Bauarbeiten und Tätigkeiten bei nicht gewerbsmäßigem Halten von Reittieren oder Fahrzeugen in anderen als Eisenbahnbetrieben und c) für Röntgeneinrichtungen. Ein koloniales Ehrenmal in Oberheffen? = Bad-Nauheim. 27. Iurn. Kurz nach dem Weltkriege ging von Kolonialdeutschen, die hier Zuflucht gefunden, der Gedanke aus. zur Erinnerung an die koloniale Betätigung Deutschlands hier ein Kolonialdenkmal zu errichten. Gedacht war ein Ehrenmal in Gestalt der ostafrikanischen Veste Mpapua, das gleichzeitig als Kolonialmuseum Verwendung finden sollte. Der ehemalige Ostafrikaner Oberstleutnant Fonck hatte dafür bereits seine umfangreichen ostafrikanischen Sammlungen zur Verfügung gestellt. Pläne für das zu errichtende Reichs-Kolonialehrenmal lagen bereits vor und waren auch zu einem Modell gestaltet, das mit den Fonckschen Sammlungen längere Zeit ausgestellt war und den Beifall aller Kolonial- freunde fand. Dis Stadt war von der verkehrswerbenden Kraft der geplanten kolonialen „Saalburg" überzeugt und erklärte sich daher nach Beschluß der Stadtverordnetenversammlung bereit, das Gelände für das Ehrenmal, das auf dem nahen Lichtenberg, unweit des Johannisbergs, einen würdigen Platz finden sollte, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Stadt trat mit der Bad» und Kurverwaltung auch dem eingetragenen Verein „Kolonial-Ehrenburg" als Stifter bet, der im ganzen Reiche schon zahlreiche Stifter, Mitglieder und Freunde zählte und bereits über ansehnliche Mittel verfügte, die zunächst dazu verwandt werden sollten, den Gedanken des Kolonialdenkmals im ganzen Reiche zu propagieren. Die Presse der verschiedensten Richtungen erwärmte sich auch schon für den Plan. Da kam die Inflation, verschlang die für Werbezwecke bestimmten Geldbeträge in Höhe von 16 000 Mark und zwang damit den Verein, seine Tätigkeit nach vielversprechendem Anlauf wieder einzustellen. Eine Mitgliederversammlung des Vereins Kolonial-Ehrenburg, die jetzt unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Dr. Fuhr stattsand, hatte nun über Auslösung oder Fortbestand des Vereins zu beschließen. Man entschied sich dahin, die Vereinstätigkeit wieder neu -u beleben, den Plan der Errichtung eines Ehrenmals weiter im Auge zu behalten und von neuem für den Gedanken zu werben, damit er in wirtschaftlich besseren Zeiten zur Ausführung kommen könne. Der Aufsichtsrat wird in nächster Zeit zusammentreten, um die Finanzierung der Propagandatätigkeit zu beraten. Man ist sich bewußt, daß städtische Mittel für den ideellen Plan, dessen Ausführung allerdings einen in wirtschaftlicher Hinsicht nicht zu unterschätzenden Anziehungspunkt für den Fremdenstrom schaffen würde, kaum in Anspruch genommen werden können, solange lebenswichtigere kommunale Aufgaben zu lösen sind. Rur interessierte Verbände und auch Einzelpersonen im ganzen Reich können das Werk schaffen. Es sollen daher die Fäden wieder geknüpft werden, die durch die Inflation zerrissen tooröen sind; vor allem will man die großen kolonialen Körperschaften, wie die Deutsche Kolonialgesell- schaft, den Bund für koloniale Erneuerung, den Kolonialkriegerdank usw. zunächst wieder für den Plan gewinnen und zur Mitarbeit heranziehen. Kompagnie ein paarmal vorkommt. Eine Statistik, eine einwandfreie Volkszählung ist mit so mangelnder Unterscheidung der Personen und Familien natürlich nicht durchzuführen. So beschloß nun die türkische Regierung, auch hier zu modernisieren. Im zuständigen Ausschuß der Nationalversammlung liegt jetzt ein Gesehesantrag zur Beratung vor, nach welchem jeder erwachsene türkische Staatsbürger jetzt einen Familiennamen zu wählen hat, der obligatorisch auf seine Nachkommen übergeht. Schon jetzt beginnt also das Suchen nach dem neuen Familiennamen, der nicht immer leicht au finden ist. Ganz schlau aber war eine Türkin, die kurz nach dem Tode ihres Mannes einen Knaben auf der Reise in der Eisenbahn gebar. Sie legte dem Iungen einfach den Namen Demirjoldschu — Eisenbahner bei. Goldene Zähne. (s) P ra g. Rund um die Liebe gibt es auch noch heut, in unserem ach so realistischen Zeitalter, noch gar viel Absunderliches. ... Wenn auf ländlichen Festlichkeiten, oder auch anderswo, heißblütige Liebhaber Tische, Stühle, Gläser kurz und klein und sich selber die Schädel blutig schlagen, um der Angebeteten die Stärke des Gefühles zu zeigen, so ist das durchaus nichts besonderes. Die karpathorussischen Bäuerinnen aber verlangen andere und eigenartigere Liebesbeweise von ihren Verehrern. Richt dem Nebenbuhler, der Liebsten selbst muß der karpathorussische Bursch ein paar Zähne ausschlagen, wenn er wahre Zuneigung für sie empfindet. Bei den Karpathorussinnen gilt es nämlich seit einigen Iahren als besonders schön und als Zeichen von Wohlhabenheit, wenigstens zwei Goldzähne zu besitzen. Schöne, sichtbare goldene Schneidezähne. Da die Mädchen sich nun aber fast alle durchweg prachtvoller, bewundernswert gesunder Gebisse erfreuen, lehnen natürlich die meisten Zahnärzte ihren Klientinnen zu deren großer Betrübnis die verlangte Schönheitsoperation, vollständig fehlerlose Vorderzähne zu ziehen und durch goldene zu ersehen, ab. Worauf allmählich der schöne Brauch entstanden ist, vom Anbeter als Pfand der Liebe ein paar ausgeschlagene Vorderzähne — je mehr, je besser — zu verlangen, damit der gute Ruf von Schönheit und Reichtum gewahrt bleibe. Der Goeche-Almd im Mre 1928/29. Man schreibt uns: Mit dem abgelaufenen Vortragsprogramm 1928 29 beschließt der Goethe- Bund zugleich eine fünfzehnjährige Betätigung. Das Vortragsprogramm brachte reiche Abwechslung. Vier Dichterabende vermittelten wiederum die persönliche Bekanntschaft mit Persönlichkeiten unserer zeitgenössischen Dichtkunst. Am ersten Dichterabend hatte der flämische Dichter Felix Timmermans schnell die Herzen seiner zahlreichen Zuhörerschaft gewonnen. Am nächsten Dichterabend sprach Frank Thieß über das aktuelle Thema „Krisis und Neuordnung der Ehe". Seine tiefschürfenden, feinsinnigen, in formvollendeter Rede wiedergegebenen Ausführungen sanden starken Beifall. Zum dritten Dichterabend konnte der Bund Carl Zuckmaher als Gast in seiner Mitte beqtühen. Das starke Interesse, das den Bühnenwerken des Dichters allseits entgegengebracht wird, bekundete sich auch bei der persönlichen Vorlesung des Dichters aus seinen weniger bekannten Prosa- und lyrischen Werken. Den Abschluß bildete die Vorlesung des Dichters Anton Wildgans aus seinen Werken. Ein Abend, eigen in seiner Art, mit einem sehr beschaulichen und feinabgestimmten Inhalt. Das Zustandekommen einer engen Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Stadttheater und dem Goethebund verlieh der Dundesarbeit im vergangenen Vortragsjahr eine besondere Bedeutung. Im Rahmen dieser Arbeitsgemeinschaft wurde zunächst ein Kammerzyklus mit vier literarisch und dramaturgisch interessanten Darbietungen, wie sie der allgemeine Spielplan des Theaters nur selten bringen kann, veranstaltet. Als erste Morgenfeier ging Goethes Lustspiel „Die Mitschuldigen" und als zweite Morgenveranstaltung „Der Ackermann aus Böhmen" von Iohann von Saaz unter der persönlichen Spielleitung des Intendanten in Szene. Die erste Morgenfeier wurde in stimmungsvoller Weise durch Mozarts Serenade in O»Dur eingeleitet, gespielt vom Collegium muficum unserer Universität unter Leitung seines Dirigenten Dr. Temesvarh. Für die dritte Veranstaltung war die bekannte Spielschar des Theaters der Musikalischen Komödien Erich Fischers gewonnen worden. Den Abschluß des Kammerspielzhklus bildete das Gastspiel der Kammersängerin Anna Bahr-Mildenburg. Unter dem Titel „Schauspiel in der Oper" zeigte die Meisterin in Szenen von Gluck bis Richard Strauß in einzigartiger Weise das Problem des Zusammenhangs von Wort, Ton und Geste. Des weiteren erbrachte die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater ein Gastspiel der Haas-Derkow- Festspiele mit dem „Paradeisspiel" und dem „Totentanz". Unvergeßlich für jeden, der Zeuge dieser eigenartigen und ergreifenden Kunstdarbie» tung fein konnte. Schließlich war im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft mit dem Stadttheater noch vorgesehen die gemeinsame Veranstaltung von dramaturgischen Einführungsvorträgen zu besonders interessanten Aufführungen des Stadttheaters. Der Dramaturg des Stadttheaters Dr. Ritter hielt einen Vortrag über „Das moderne Theater" unter besonderer Berücksichtigung des Spielplanes des hiesigen Stadttheaters. Auch die Vortrags - Vereinigung brachte im vergangenen Winter ein wertvolles Vortragsprvgramm. Der Goethe-Bund nahm zusammen mit dem Kaufmännischen Verein und dem Ortsgewerbeverein regen Anteil an der Ausgestaltung dieses volksbildnerischen Vortragswesens. Es war gelungen, den bekannten Asiensorscher Dr. Wilhelm F i l ch n e r zu einem Lichtbildervortrag über die Erlebnisse seiner letzten Indienexpedition nach Gießen gewinnen zu können. Dr. Filchner gab an Hand guter Lichtbilder einen spannenden Ueberblid über seine Forschungsreise, ihre kostbaren Ergebnisse und ihre unzähligen Gefahren. Die folgenden Vorträge brachten den Physiker Wilhelm Pauck, der über das aktuelle Thema der Aetherwellenmusik sprach und an Hand einer wertvollen und umfangreichen Apparatur die Probleme des musikalischen Klanges zeigte. Auf ein feinabgestimmtes Weihnachtskonzert der Darmstädter Madrigal- Vereinigung unter Leitung ihres Dirigenten Professor Dr. Noack folgte ein Lichtbildervortrag von Emma Kott mann über den Bodensee. Mit einem heiteren Abend des Vortragsmeisters Emil Kühne schloß das Programm der Vortrags-Vereinigung. — Zum Schluß bedarf noch eine Veranstaltung des Bundes wegen ihrer originellen Ausgestaltung der besonderen Erwähnung: der literarische Gesellschaftsabend in den Räumen des Gefellschaftsvereins, zu dem die bekannte Sprechkünstlerin Resi Langer mit einer Chansonrevue „Geist-Wih-Humor" als Gast eingeladen worden war. So hat der Goethe- Bund eine reiche Fülle künstlerischer Gaben und kostbare Stunden geistiger Erbauung feinen Freunden und Mitgliedern geschenkt. 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Der Rektor, der Senat und die Studentenschaft der Hessischen Landesuniversität zu Gießen hatten für gestern vormittag zu einer Kundgebung gegen dieKriegsschuld- lüge des Versailler Diktats in die Reue Aula des Universitätsgebäudes eingeladen. Dieser Aufforderung waren der akademische Lehrkörper, Vertreter von Behörden, viele Bürger und die studentischen Korporationen mit Fahnen in so großer Anzahl gefolgt, daß der weite Raum der Aula voll beseht war. Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Herzog eröffnete die Kundgebung mit einer Ansprache, in der er sagte: Ein ernster und trüber Gedenktag vereint uns heute. Auf zehn Jahre unter der Herrschaft eines von Haß diktierten, auf ßüge ausgebauten, durch Rechtsbruch erpreßten Vertrages schauen wir zurück, und zwei Lebensalter der Schuldknechtschaft sehen wir vor uns. Rur die Hoffnung auf den endlichen Sieg der Wahrheit und des Rechts kann unser Volk vor dumpfer Verzweiflung und mattem Knechtssinn bewahren. Wir aber, die als Lehrer und Jünger der Wissenschaft die Pflicht haben, die Wahrheit zu suchen und zu künden, wir müssen ihr auch zum Durchbruch helfen. Wir Lehrer, die als gereifte Männer den Krieg und seine Vorgeschichte erlebt haben, wissen, daß die Schuld daran zu Unrecht auf unsere Schultern gelegt ist. Ihr Kommilitonen, deren Jugend und Alter damit belastet sein soll, müßt alles versuchen, die La st abzuschütteln. Eure Kindheit war erfüllt von den Heldentaten des deutschen Heeres, dem durch den Schandvcrtrag die Ehre abgesprochen wurde. Darum müssen wir beide zusammenhalten, um mit den Waffen der Wissenschaft und des Ehrgefühls den Kampf um die Wahrheit zum siegreichen Ende zu führen. Leitsterne sollen uns dabei die Worte unseres Dichters sein: Richtswürdig ist die Ration, die nicht Ihr Alles freudig seht an ihre Ehre. Warum sollen sie denn nicht für unser großes Volk gelten? Wir sehen es täglich, daß nur die Zwietracht es daran hindert, die ihm mit dem Heldentum zugleich in die Wiege gelegt ward. Diesem Hebel muß die deutsche akademische Jugend zuerst zu Leib gehen und unser Volk zusammenführen durch Vorbild und Dienst. Helft es zusammenbringen zu dem Eid des neuen Bundes: Wir wollen sein ein einzigVolk vonDrüdern, In keiner Rot uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Lind uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Das sollt ihr nicht nur in dieser Feierstunde geloben, sondern es im Alltagsleben halten, bis wir Einigkeit und Recht und Freiheit wiedergewonnen haben. Hierauf sprach, von Sr. Magnifizenz dem Rektor mit herzlichen Worten begrüßt, der von unserer Universität im Hinblick auf seine hlchen Verdienste im Kampfe gegen die Kriegsschuldlüge zum Ehrendoktor der Philosophie ernannte Major a.D. Dr.h.c. von ÄZegerer,Berlin über die Lüge unserer Kriegsfeinde von der deutschen Alleinschuld am Weltkrieg. Der Redner beleuchtete zunächst die Politik der europäischen Staaten in den beiden Jahrzehnten vor Dem Kriege, die zu einer erheblichen Störung des Gleichgewichts zu Ungunsten der Mittelmächte führte. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Entente cordiale zwischen England und Frankreich, an die Einspannung Belgiens in die englische Einkreisungspolitik gegen Deutschland und an die Hinlenkung der Blicke Japans auf Kiautschou. Weiter wies er hin auf das russische Streben nach dem Besitz von Konstantinopel und der Dardanellen, auf das unheilvolle Wirken des Panslawismus, ferner auf die Annektion Bosniens kmrch Oesterreich-Ungarn und auf Italiens Besitzergreifung von Tripolis. Hierauf beleuchtete er die aus dem Attenta. von Serajewo entstandene politische Weltkrise, die trotz aller deutschen Friedensliebe und eifriger Bemühungen der deutschen Regierung um die Erhaltung des Friedens doch den Ausbruch des Weltkrieges zur Folge hatte. Er schilderte überzeugend das Intrigenspiel in Rußland zur Herbeiführung der Kriegserklärung, die kriegslustige Haltung Frankreichs und die hinterhältige, jedoch von entschiedener Deutschfeindlichkeit geleitete Politik Englands. Er belegte weiterhin die Tatsache, daß von Paris und London die erfolgversprechenden Schritte zur Erhaltung des Friedens bei der russischen Regierung nicht unternommen worden waren, im Gegensatz zu der Haltung der deutschen Regierung, die sowohl in Petersburg wie in Wien alle Kräfte einsehte, um den Weltbrand zu verhüten. Aus allen diesen Tatsachen, die durch die Lügenpropaganda der feindlichen Presse in den Kriegsjahren für die objektive Geschichtsforschung nicht aus der Welt geschafft werden konnten, geht mit zwingender Kraft die Schlußfolgerung hervor, Daß bie Behauptung von der deutschen Schuld am Weltkrieg eine Lüge ist. Wohl habe die deutsche Politik vor und während des Krieges Fehler gemacht, aber der Krieg sei für Deutschland kein Angriffskrieg, sondern nur ein Verteidigungskrieg gewesen. Rach Weltherrschaft habe Deutschland nie gestrebt, wohl aber berechtigterweise nach Weltgeltung. Aus dieser Sachlage gehe hervor, daß das Versailler Diktat auf einer erlogenen Grundlage aufgebaut sei, und daraus ergebe sich unsere Berechtigung, die Revision dieses Vertrages zu fordern. Das Ausland werde heute schon vielfach dem deutschen Standpunkt in der Kriegsschuldfrage gerecht, es komme jetzt nur darauf an, daß das deutsche Volk in dieser für seine Existenz auf Generationen hinaus entscheidenden Frage einig zusammenstehe und mit allen Kräften danach strebe, die Lüge von der deutschen Alleinschuld am Weltkriege aus der Welt zu schaffen. Der Redner forderte zum Schluß seiner Ausführungen von allen Deutschen ein mannhaftes und überzeugendes, von reiner Wahrheitsliebe getragenes Eintreten für das Recht des deutschen Volkes in dieser Sache. Im Anschluß an die mit großem Beifall aufgenommene Rede wurde nach einer kurzen Ansprache des Vertreters der Studentenschaft folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Wissenschaftliche Forscher in allen Ländern sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Versailler Kriegsschuldthese heutigen Tages nicht mehr zu halten ist, da sie auf lückenhaftem, entstelltem, falschen und teilweise gefälschtem Material beruht. Die Beseitigung dieser Versailler Kriegsschuldlüge dient der Verständigung der Völker Iu,nd dem wahren Frieden. Solange sie bestehen bleibt, werden die fremden Völker, namentlich soweit sie durch den Krieg gelitten haben, in dem falschen Glauben erhalten, daß die Zerstörungen, die der Krieg mit sich gebracht hat, nur durch die Deutschen verursacht worden sind, während die Geschichte sie lehren müßte, daß die Zerstörungen eine Folge des Krieges waren, für den sie in erster Linie die Verantwortung tragen. Eine Beseitigung der Versailler Kriegsschuldlüge, an deren enger Verbundenheit mit dem Versailler Vertrag kein Zweifel besteht, ist notwendig, um moralisch eine Revision des Friedensvertrages v o r z u be r e i te n. Gegenüber dem Waffen still st andsab- kommen bildet der Versailler Friedensvertrag einen Rechtsbruch, den der Feindbund mit der falschen These von der Verantwortlichkeit am Krieg zu begründen versucht hat. Don der deutschen R egierung muh erwartet werden, daß sie das Recht des deutschen Volkes, die Versailler Kriegsschuldlüge zu beseitigen, zur Geltung bringt und dieses Ziel mit allen zu Gebote stehenden Mitteln der Wissenschaft und Politik zu erreichen versucht." Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde die würdige und eindrucksvolle Kundgebung beendet. Oberheffen. Landkreis Gießen. Q] Lollar, 28. Juni. Das Gebäude, in dem seit Jahren die P o st mietweise untergebracht ist, ging durch Kauf an die Postbehörde über. — Die B. Nuhn A.-G. beabsichtigt das Wiesengelände (etwa 10 000 Quadratmeter), das zwischen dem Wohnhause und dem Lagerschuppen am Auweg liegt, von der Gemeinde käuflich zu erwerben. Der Gemeinderat erteilte in seiner jüngsten Sitzung die Genehmigung zum Verkaufe zum Preise von zwei Mark für den Quadratmeter. * Rödgen, 27. Juni. Am vorigen Sonntag nahm der hiesige Männergesangverein „Harmonie" an dem Gesangswettstreit zu Höchst an der Nidder teil. Er errang in der Abteilung B, Klasse 2, den zweiten Preis mit 135 Punkten, außerdem den Dirigentenpreis mit 216 Punkten. Im Hauptehrenpreissingen stand der Verein im Wettbewerb mit sämtlichen Vereinen der Landklassen, darunter solche von doppelter Sängerzahl, und erhielt mit 81 Punkten einen ersten Hauptehrenpreis. Diesen Erfolg verdankt der Verein nicht zuletzt der intensiven Arbeit seines Dirigenten Kurths (Gießen). Kreis Büdingen. I! Büdingen, 27. Juni. Am Marktdienstag des Johannis Marktes waren etwa 60 Stück Rindvieh und etwa 350 Schweine zum Verkauf oufgetrieben. Die Schweinepreise waren hoch und bewegten sich für größere Tiere zwischen 50 bis 80 Mark. Infolge der bereits begonnenen Heuernte war zur Rindvieh- prämiierung nur ein Teil der in Aussicht stehenden Tiere vorgeführt worden. Folgende Züchter erhielten Preise: Für Rinder: 1. Preis Aug. Mäser, Selters, 3. Preis Aug. Mäser, Selters. Für trächtige Kalbinnen: 1. Preis Rich. Raumann, Dudenrod, 2. Peter Dörr IV., Orleshausen, 2. Ludw. Ragel, Lorbach, 3. Ehr. Stürz, Lorbach, 3. Joh. Aug. Kraft, Bleichenbach, 3. Rich. Raumann. Dudenrod; Anerkennung: Wilh. Leo HL, Rinderbügen; Anerkennung: Förster Faust, Büdingen-Papiermühle. Kühe mit ein bis zwei Kälbern: 1. Preis Hch. Henrich II., Hainchen, 2. Gg. Hch. Schwab, Bindsachsen, 2. Hch. Velten, Roßbach, 3. Ludw. Albrecht, Büdingen, 3. Aug. Mäser, Selters, 3. Otto Komp, Büches: Anerkennung: Hch. Dörr V., Diebach a. H. Kühe, trächtig, mit drei und mehr Kälbern: 3. Preis Wilh. Ragel, Dudenrod, 3. Otto Komp, Büches, 3. Ludw. Ragel, Lorbach, 3. Johs. Razarenus, Orleshausen. Familien: 3. Preis Ludw. Ragel, Lorbach. Der starke Geldmangel wirkte sich recht empfindlich auf die Kauflust der Marktbesucher aus. R i d d a, 27. Juni. Der hiesige Krankenpflegeverein hielt kürzlich im Gasthaus zur „Krone" unter Leitung seines Vorsitzenden, des Rektors i. R. G a h e r t, die diesjährige Hauptversammlung ab. Rachdem der Vorsitzende die Erschienenen begrüßt hatte, trug er den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Der- einsjahr vor. Aus diesem ist zu entnehmen, daß die Hilfe der beiden Krankenschwestern besonders in dem letzten Winter bei den vielen Grippeerkrankten außerordentlich stark in Anspruch genommen wurde. Sie haben zusammen 2762 Krankenbesuche und Hilfeleistungen und 31 Nachtwachen ausgeführt und stets ihre Pflichten gewissenhaft erfüllt. Der Verein zählt gegenwärtig 454 Mitglieder, der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt 3 Mark. Rach der von dem Rechner, Kaufmann August L a m p a s, vorgetragenen Rechnung ergab sich bei 2671,60 Mark Einnahmen und 2513,41 Mark Ausgaben ein barer Ueberschuh von 158,19 Mark. Wegen geschäftlicher Ueber- bürdung bat der Rechner um Entlassung von seinem Amte. An seiner Stelle wurde Lehrer i. R. Domm zum neuen Vereinsrechner gewählt und Herrn L a m p a s für seine langjährige treue und gewissenhafte Amtsführung vom Vorsitzenden herzlichster Dank ausgesprochen. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt. Das Vermögen des Vereins beträgt 7546,54 Mk. Es besteht außer einem größeren Kasseguthaben noch aus einem wertvollen Bauplatz. Man plant, darauf später ein Haus zu bauen, das neben den Wohnungen der beiden Schwestern noch mehrere Krankenzimmer enthalten soll, worin aus Ridda unbemittelte Kranke oder solche, die keine Familienpflege erhalten können, Aufnahme finden sollen. # Echzell, 28. Juni. DaS Fest des 2 5 j ä h - rigen Bestehens des hiesigen Ziegenzuchtvereins, verbunden mit der silbernen Jubelfeier des Kreisziegenzuchtvereins, hatte trotz der Ungunst der Witterung einen guten Besuch aufzuweisen. Die Prämiierung der vorgeführten Tiere hatte folgendes Ergebnis: Klasse 1: Aeltere Böcke: 1. Preis Gemeinde Berstadt: 2. Gemeinde Leidhecken: 3. Gemeinde Ridda. Klasse 2: Böcke, 1 bis 2 Jahre alt: 1. Preis Gemeinde Echzell: 2. dieselbe: 3. Gemeinde Berstadt: 4. Gemeinde BorZdorf. Kl. 3: Ziegen, 3 Jahre und älter: 1. Ehrenpreis Züchter Adam Ebel, Echzell: 1. Preis Züchter Phil. Ostheim, Echzell: weitere 1. Preise: Heinrich Wagner II., Echzell, August Kimpel, Bingenheim: 2. Preise: Otto Grünbaum, Ober-Widdersheim. Georg Kräuter, Ridda: 3. Preise: Tobias Rohl, Blofeld, Philipp Ostheim, Echzell, Karl Jungemann, Bingenheim, Wilhelm Repp, Bingenheim, Heinrich Schweitzer, Gettenau, Hrch. Karl Schmidt, Dauemheim. Klasse 4: Ziegen, 2 Jahre alt: 2. Preise Wilhelm Möbs III., Echzell, Ludwig Stein, Ridda, Hermann Schudt, Leidhecken. Klasse 5: Ziegen, 1 Jahr alt, milchgebend: 1. Preise: Adam Ebel, Echzell, Otto Repp, Bingenheim, Adam Ebel, Echzell: zweite Preise: Adam Ebel, Echzell, August Kimpel, Bingenheim, Wilhelm Helfrich, Bingenheim, Konrad Haub, Echzell; 3. Preise: Förster Dinding, Echzell, Ludwig Stein, Ridda, Heinrich Wetzstein, Ridda. Klasse 6: Zeitziegen: 2. Preis Heinr. Karl Schmidt, Dauernheim. Klasse 7: Mutterlämmer: 1. Preise: Adam Ebel, Echzell; Heinrich Mogk I., Echzell; 2. Preise: Heinrich Wilhelm Mogk II., Echzell, Heinrich Mogk I., Echzell, Phil. Ostheim, Echzell, Heinr. Mogk V., Echzell, Karl Repp, Dauemheim; 3. Preise: Heinrich Wagner II., Echzell, Heinrich Lahm, Echzell, Wilhelm Schuchmann, Bingenheim, Karl Repp, Bingenheim, Karl Strauch, Borsdorf, Georg Kreuder, Ridda, Heinrich Karl Schmidt, Dauemheim, Karl Gelhaar, Bingenheim. Kreis Schotten. Laubach, 27. Juni. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der von der Oberförsterei Laubach vorgelegte Wirtschaftsplan über die städtischen Waldungen für das Rechnungsjahr 1930 genehmigt mit dem Ersuchen, an den Reubauten der Waldwege zweitausend Mark weniger vorzusehen. Ingenieur Friedrich Schmidt hatte vor fünf Jahren ein Gelände am Lardenbacher Weg am sog. „Froschloch" erworben, um dort ein Elektrizitätswerk anzulegen. Da die zur Bebauung festgesetzte Frist verstrichen ist, beharrte der Gemeinderat auf seinem Beschluß vom 31. Januar 1924, wonach das betreffende Gelände von der Stadt zurückgekauft wird. Kaufmann Hermann Diehl hatte der Stadt seinen Bau mit Gelände und Kaffeebrennerei an der „Unter» Pforte' zum Kauf angeboten. Der Gemeinderat lehnte jedoch den Kauf ab. Wie man hört, beabsichtigt ein hiesiger Geschäftsmann das Gelände anzukaufen ^zur Errichtung einer Autogarage. — Die feuchte Witterung hat das Sehen der Dickwurz sehr gefördert. Diese Pflanzung ist jetzt nahezu beendet. Dagegen hindert die feuchtkalte Witterung die Einbringung der Heuernte. Da viele Wiesen weit abliegen, so bietet diese Ernte viele Schwierigkeiten. Das diesjährige Heu ist von guter Beschaffenheit; die Menge aber läßt viel zu wünschen übrig. Rheinhessen. WSR. Worms, 28. Juni. Die zehnjährige Schülerin Gertrud Gimbel war in ihrer elterlichen Wohnung in der Rolhstraße mit Geschirrspülen beschäftigt. Das Mädchen stellte sich dann in den Spül st ein am Fenster, um etwas aufzuhängen. Cs bekam dabei das lieber- gewicht und stürzte durch das Fenster in den Hof. Die Derlehungen waren so schwer, daß der Tod alsbald eintrat. Daten für Sonntag, 30. Juni. Sonnenaufgang: 3.46 Uhr, Sonnenuntergang: 20.20 Uhr. — Mondaufgang: 0.01 Uhr, Monduntergang: 12.25 Uhr (letztes Viertel). 1807: der Dichter Friedrich Theodor Vischer in Ludwigsburg geb. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 45 vom 28. Juni enthält: Voranschlag der hessischen Handwerkskammer. — Preishüten des Vereins für Deutsche Schäferhunde, S. D.. Ortsgruppe Gießen. — Der Vorsitz der Miet» einigungsämter im Amtsgerichtsbezirk Hungen. — 10. Verfassungstag. — Kraftfahrzeugverkehr in der Gemeinde Hungen. — Erhebung einer Filialsteuer in der Stadt Gießen. Große Baupläne des Elektrizitätswerkes. • G ie hen, 27. Juni 1929. Der S t a d t r a t beschäftigte sich nach der Genehmigung des Voranschlags — vgl. den Bericht in der Freitag-AuSgabe — in seiner heutigen Sitzung noch mit folgenden Vorlagen: Arbeitsvergebungen. Die Gußasphaltarbeiten für das Jahr 1929 werden der Firma Konrad Rübsamen zu ihrem Angebotspreis übertragen. Mit den Jnstallationsarbei- te n für das Transformatorenhaus mit Wartehalle und Bedürfnisanstalt bei der Dolkshalle wird die Firma G g. Appel- Gießen zu ihrem Angebotspreis von 4944.32 Mt. beauftragt. Die Zimmerarbeiten für das Marktlaubengebäude werden an die Firma B. R u h n in Lollar zum Angebotspreis von 18 383 Mk. vergeben. Die Zimmerarbeiten für den Reubau der Pestalozzischule werden der Firma M. Abermann tn Gießen zu ihrem Angebotspreis von 16 762 Mk. übertragen. Mit der Ausführung der Eisenkonstruktion für die Pestalozzischule wird die Firma Dönges G. m. b. H. in Darmstadt zum Angebotspreis von 4650 Mk. beauftragt. Ausbau des elektrischen Leitungsnetzes. Für den weiteren Ausbau des Leitungsnetzes innerhalb der Gemarkung Gießen wird ein Betrag von insgesamt 129 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag seht sich wie folgt zusammen: a) für die Beschaffung von 4500 Meter 20-KV-Kabel rd. und 4500 Meter Telephonkabel rd. 60 000 Mk.; b) für die Beschaffung von sieben Transformatoren und 22 Oelschaltern, sowie für die erforderlichen Dauarbeiten 69 000 Mk. Die Lieferung der Kabel wird der Firma Vereinigte Zünder- und Kabelwerke A.-G.,Meißen, zu ihrem Angebotspreise übertragen. Zur Vergebung der unter oben b) genannten Lieferungen und Arbeiten wird die Betriebsdeputation ermächtigt. Anschaffungen für das Kabelneh. Zur Beschaffung der für die Verstärkung des Kabelnetzes erforderlichen 10 200 Meter Kabel, 4150 Me^er Mittelleiter und 1800 Meter Mittelleiter wird ein je zur Hälfte auf die Rj. 1928 und 1929 zu verrechnenden Kredit von rund 175 250 Mk. bewilligt. Die Lieferung wird übertragen: für 10 200 Meter Kabel den Vereinigten Zünder- und Kabelwerken in Meißen zum Angebotspreis von rund 157 750 Mk., für 4150 Meter und 1800 Meter Mittelleiter der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft Gießen zum Angebotspreis von rund 17 500 Mk. Für die Beschaffung von 2000 Meter Verteilungskabel wird ein Kredit von rd. 16 200 Mk. zur Verfügung gestellt. Lieferung von der min- destfordemden Firma Vereinigte Zünder- und Kabelwerke A.-G. Meißen. Für die Lieferung der für die Umstellung der Stromversorgung des Bahnhofs Gießen von Gleichstrom in Drehstrom und die Herstellung einer Verbindung mit der Transformatorenstation am Aulweg erforderlichen 2300 Meter Hochspannungskabel wird ein Kredit von 24 844,60 Mk. zur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird zu dem Angebotspreis von 10 802 Mk. für 1000 Meter den Vereinigten Zünder» und Kabelwerken A.-G. in Meißen übertragen. Zur Beschaffung von 90 000 Stück Kabelabdeck- fteinen wird ein Kredit von 4230 Mk. bewilligt. Lieferung von den Gailschen Tonwerken zu Gießen. Für die Beschaffung von je 4 Stück 4-, 6- und 8fachen Kabelkästen wird ein Kredit von 7570 Mk. zur Verfügung gestellt. Lieferung von der Firma H. Köttgen & Co.. Bergisch-Gladbach. Für die Herstellung von etwa 5000 Mk. Kabel» gräben toirö ein Betrag von 31 196,28 Mk. zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten werden von der Firma M. Abermann in Gießen zu ihrem Angebotspreis von 31 196,28 Mk. ausgeführt. Für die Beschaffung von etwa 500 Kubikmeter Lahnsand wird ein Kredit von 6000 Mk. bewilligt. Die Lieferung erhält zum Angebotspreis von 12 Mk. für den Kubikmeter die Firma Konrad Rübsamen, Gießen. Umschaltung und Ausbau des Ortsnetzes Klein-Linden. Die Umschaltung des Ortsnetzes Klein-Linden von 208/120 Volt auf 380/220 Volt und der Reubau einer Transformatorenstation wird genehmigt. Der für die Durchführung der Umschaltung, den Reubau des Transformatorenhauses und die Beschaffung eines Transformators, eines Oel» schalters und von 530 Zählern erforderliche Kredit von 30 300 Mk. wird zur Verfügung gestellt. Zur Vergebung der Arbeiten und Lieferungen wird die Betriebs-Deputation ermächtigt. Gleisbefestigungen '.m Skrahenbahnbekrieb. Für die Befestigung der Strahenbahngleise in einer Reihe von Straßen mit Mansfelder Schlacken-Pflasterfteinen wird ein auf die Jahre 1928 und 1929 zu verteilender Kredit von 86 000 Mark bewilligt. Dieser Betrag ist vorläufig aus Anleihemitteln zu bestreiten und ab 1931 in jährlichen Raten von 10 000 Mk. aus Mitteln des Straßenbahnbetriebes wieder zu ersehen. Die Kraftwagenhalle in Krofdorf. Für die Erbauung und Erweiterung der Kraftwagenhalle in Krofdorf wird ein Betrag in Höhe von 2066,41 Mk., für den Erwerb des Grund und Bodens 1409,25 Mk., zusammen 3475,66 Mk. zur Verfügung gestellt. Diegehaus „hinter der Meslanlage". Für die Errichtung eines Wiegehauses mit Bedürfnisanstalt und Wohnung für den Wieger „Hinter der Westanlage" wird ein Kredit von 10 000 Mk. bereitgestellt. Beschaffung von Mahnen. Zur Beschaffung von 50 neuen Fahnen (23 in Reichs- und 25 in Landesfarben) als Ersah für alte und beschädigte Fahnen wird ein Kredit von 750 Mk. bewilligt. Ein Abrüstwagen für den Flugplatz. Für die Beschaffung eines Abrüstwagens für den Flugplatz mit den zum Löschen und Bergen erforderlichen Materialien und Werkzeugen wird ein Betrag von 1000 Mk. zur Verfügung gestellt. Spielplatz für die Goelheschule. Der Goelheschule wird als Spielplatz eine Geländefläche von etwa 9470 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Der erforderliche Kredit von 400 Mark wird bewilligt. Gemeinde-Anfallversicherungsverband. Dem Hessischen Städte-Unfallversicherungsve» band tritt die Stadt Gießen bei. Beitritt zum Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen. Die Stadt Gießen tritt dem Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen von 1929 ab als Mitglied bei. Der jährliche Beitrag beträgt zur Zeit 20 Mk. Schankkonzessionsgesuche. Es werden befürwortet die Gesuche von August L a m m, Westanlage 7, Friedrich Jörg, Aster» weg 7, Paul Adler, Plockstraße 5 unö Anna Schmitt geb. Mank, Kanzleiberg 7. Nachtragsvertrag mit dem Schühenvereln. Dem mit dem Schühenverein Gießen abgeschlossenen Rachtragsvertrag vom 25. September 1928 wird zugestimmt. , Schluß der öffentlichen Sitzung, 4 Gardinen Matratzen Dorhangstoffe Federbetten Waschkleiderstoff Steppdecken Schürzen Kinderbetten Frottiersachen Bettwäsche Badeanzüge Hauswasche Tischdecken Taschentücher Beginn Montag, den 1. Juli 0.35 0.90 0.58 1.25 0.95 0.95 1.90, 1.35 gebogt 5596A Damen-Gummlschürzen 0.42 Grobe Posten Haushaltartikel weit unter Preis Marktstr. 17 I. HEILBRONNER Rittergasse 8 Beachten Sie geil, meine 4 Schaufenster 0.42 0.48 Damen-Wäsche Taghemden. Nachthemden. 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Zuni 1929 Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. 3n dieser Woche zeigte der Frankfurter Pro» duktenmarkt schon ein wesentlich verändertes Bild. §>ie Hausse an den überseeischen Märkten regte cn und stimmte zuversichtlich. Es war auch bald eine Geschästsbelcbung festzustellen, bei teilweise ganz beträchtlichen Preissteigerungen. Das schiech- letc Wetter blieb aber ebenfalls nicht ohne Ein» flufo, was sich besonders am Lieferungsmarkte auswirkte, denn hier schritt der Export verschiedentlich zu Deckungskäufen. Das Angebot nahm nie besonders große Formen an, aber die en den Markt kommende Ware von feiten der Provinz war im Preise ziemlich hochgeschraubt, |n daß die Forderungen von dieser Seite schwer nurchzuholen waren. Die Beteiligung außen- flehender Kreise war noch gering, auch die Händ» kr zeigten noch in gewissem Sinne eine nicht zu rerkennende Zurückhaltung, doch war man über ton neuerlichen Umschwung zufrieden. Don den landwirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen erwartet man eine allgemeine Erleichterung. 3n der zwei- len Hälfte der Woche wurde das herauskom- irnendc Material schon leichter ausgenommen. Die Pendenz war fest. Besonderes Interesse bestand für Weizen. Die Umsätze erreichten ein gröhe- k'6 Ausmaß. Aber auch Roggen wurde gebucht, doch blieb hier der Gewinn bescheidener, hauptsächlich dürften die Mühlen als Haupt» raufet aufgetreten sein. Recht lebhaft war der Absatz von Mehle. 3m Vordergrund« stand R o g» lenmeht bei einer enormen Besserung von 1,25 Mark. Aber auch das Weizenmehlge- kchäft stand kaum zurück, besonders gesucht waren niederrheinische Qualitäten. 3n S o m m e r- aerste und Hafer war die Umsahtätigkeit -ur mäßig. Dagegen hatte der Futtcrmittelmarkt Lege red Geschäft aufzuweisen. Besonders Mais Lüc Futterzwecke war gesucht, und zwar in erster Linie von landwirtschaftlicher Seite. Weizen- 'leie sowie Roggenkleie traten nach einer Lrrübergehenden Abschwächung und Dernach- Ilissigung ebenfalls in den Vordergrund, und der anfängliche Rückgang wurde sogar noch über» pritten. I vorübergehend war die Stimmung wieder leich- Ikr, doch wurde, nachdem erneut festere amerikanische Meldungen eintrafen, die Tendenz wieder Isrcundlich. Das Geschäft war aber klein. Rur Iriuzelne Gctreidearten traten in den Vordergrund und zogen weiter an. Dies waren vor gllem Brotgetreide, Roggenmehl und Futtermittel. Immerhin waren gegenüber der vergangenen lDvche teilweise ganz erhebliche Besserungen zu leerzeichnen, was immerhin ein Anzeichen einer gisgemeinen Besserung und günstiger Zukunft llein dürfte. Verglichen mit den Rotierungen der Irecflangenen Woche gewannen Weizen, Mais für Futtermittel und Weizenmehl, niederrheinisches, |k 0 75 Mark. Roggenmehl zog sogar bis zu r bis 1,50 Mark an. Roggen, Weizenmehl, Wei- fctn-' und Roggenkleie logen bis zu 0,50 Mark [kltcr. Die Woche schloß zu folgenden Rotie- liungcn: Weizen 24,25, Roggen 22,25, Sommer- Ifceftc 23, inl. Hafer 22, Mais für Futterzwecke k).5O bis 20,75, Weizenmehl 33,50, Riederrh. |;3,25. Roggenmehl 29,50 bis 30,50, Weizenkleie p, Roggenkleie 11,25 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. I Sic Lustlosigkeit deb vergangenen Woche über- piLg sich auch in der neuen Berichtwoche auf die I Stimmung. Anlaß boten vor allem hierzu die Ile 1)1 geringen Antragsbestände, so daß das Ge° I'iäft zu manchen Zeiten fast vollkommen stag- l-teitc. Es traten zumeist an fast allen Tagen I^rsabbröckelungen ein, die jedoch nie ein größe- |k8- Ausmaß onnahmen, aber doch im Laufe der »Drche nicht ohne Bedeutung blieben. Der Grundirr der Börse zeigte aber immerhin eine nicht iiu verkennende Widerstandsfähigkeit. Auch die I ^slandegekommene Reichsanleihe, deren lüiOdalitäten als nicht gerade günstig bezeichnet I (erben können, mochte einen schlechten Eindruck, pe Stimmung wurde alsbald jedoch etwas ländlicher, da der Schiedsspruch im I^uhrbergbau gute Rohstahlproduktions- gesteigerte ^lmsahtätigkeit bei verschiede» tu Autofirmen, der weiter bessere Kaliumsah, i? zumeist festere Reuyorker Börse und vor allem fber die seit längerer Zeit wieder erstmalig a k - ive Außenhandelsbilanz für den Monat Mai. von besonderer Bedeutung waren. Das Geschäft erfuhr aber trotzdem keine nennenswerte Belebung, da der Hauptanreiz, die Auslandorders, dem Markte fehlte. Die Spekulation war zumeist zurückhaltend, und schritt auch, da verschiedentlich wieder ungünstigere Rachrichten eintrafen, zu Abgaben, so daß die Kursgestaltung Schwankungen unterlag. Am Liquidationstage verschanzte sich die Spekulation hinter große Reserviertheit, doch blieb das erwartete Angebot aus, was aber in erster Linie auf den geringen Engagementsumfang zurückzuführen war. Auch konnte man feststellen, daß aus diesem Grunde die Hcbertoinbung des Ultimos keine Schwierigkeiten bieten wird und man war daraufhin freundlich und zuversichtlich gestimmt, doch traf erst später, als man sich hiervon zu Genüge überzeugt hatte, eine Geschäftsbelebung ein. Vereinzelte Auslandaufträge und vor allem Znteressenkäufe von Rheinischer Seite, unter Bevorzugung von Montanpapieren, trugen zur Geschäftsbelebung bei. Der Reichsbankausweis, der wieder eine Entlastung aufwies, wurde mit Befriedigung ausgenommen, Abgaben waren kaum noch zu beachten, nur Glanzstoffpapiere waren zeitweise aus den bekannten Gründen weiter angeboten; man hatte sich in Börsenkreisen hinsichtlich der Vorkommnisse, die allgemein als nachteilig empfunden werden, immer noch nicht ganz beruhigt. Erst gegen Ende der Woche konnte man eine Auswirkung der günstigeren Momente feststellen. Die meisten Märkte hatten immerhin beachtenswerte Besserungen zu verzeichnen, so dgß die im Verlaufe der Woche eingetretenen Rückschläge zumeist aufgehoben wurden, teilweise sogar konnte das Riveau der vergangenen Woche überschritten werden. Man konnte feststellen, daß die Kulisse sich wieder lebhafter am Geschäft interessierte und Reuengagements in größerem Umfange vornahm. Montan- werte waren besonders bevorzugt. Aber auch vereinzelte Elektropapiere, und zeitweise Reichs* banlanteilc erfreuten sich einer recht regen Hm* sahtätigkeit. Die Erfindung des künstlichen Gerbstoffes durch die 3.-G.-Farbenindustrie und die Verständigung auf dem Stickstoffgebiete hatten für den Chemiemarkt recht rege Rachfrage zur Folge. Doch traten wieder auf Gewinnmitnahmen Abschwächungen ein. Bei einem Vergleich der Kurse mit der vergangenen Woche waren im großen und ganzen nur Erholungen von 1 bis zu 2 Prozent zu verzeichnen: denn den infolge des Monatswechsels aufgeschlagenen Report muß man besonders berücksichtigen und nicht als Gewinn rechnen. 4 bis 6 Prozent fester lagen Gelsenkirchen, Harpener, Salzdetfurth, Mannesmann, Phönix und Zellstoff Waldhof. Bis zu 20 Prozent mußten Vereinigte Glanzstoff einbüßen. Reichsbank gewannen 5 Prozent. Schifsahrtspapiere bis zu 4 Prozent. Renten zumeist geschäftslos. Deutsche Anleihen lagen leicht gedrückt. Rur für Schutzgebiete machte sich etwas mehr Interesse geltend. Ausländer waren verschiedentlich bevorzugt: und hiervon besonders Anatolier und Zolltürken. — Am Geldmarkt war Tagesgeld angespannter und höher, aber immerhin konnte der Rachfrage genügt werden. — Am Devisenmarkt war die Mark abgeschwächt, doch trat auch hier gegen Ende der Woche wieder eine Besserung ein. Das Pfund lag international fest. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmartt. Dos Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt hielt sich in dieser Woche in den engsten Grenzen. Der Auftrieb war in fast allen Viehgattungen stärker als in der Vorwoche. Auf dem Rinder markt war der Auftrieb für die jetzige Jahreszeit etwas zu stark. Da auch die Rach- frage von feiten des Exports nur gering war, und auch die Metzger große Zurückhaltung bekundeten, verlief der Handel sehr langsam und eher schleppend. So verblieb naturgemäß auch etwas größerer Lieberstand. Die Preise gaben in allen Gattungen nach. Auch Kälber hatten in dieser Woche sehr starken Auftrieb aufzuweisen, so daß auch hier das Geschäft sehr ruhig verlief. Bei nachgebenden Preisen konnte der Markt jedoch geräumt werden. Die Beschickung des Schweinemarktes war wenig verändert. Rach mittelmäßigem Geschäft und etwas anziehenden Preisen wurde ausverkauft. Fett- schweine sind nach wir vor schwer verkäuflich. — Schafe waren auch in dieser Woche immer noch zu wenig am Markte, um eine Preisnotierung zustande zu bringen. Die Tatsache, daß die Schafzucht in der Umgegend stark zurück- gegangen ist, bedingt seit einigen Wochen den sehr schwachen Auftrieb. — Der Gesamtauftrieb bestand ans 1706 Rindern, darunter 396 Ochsen, 106 Bullen, 633 Kühen und 430 Färsen, ferner aus 1778 Kälbern. 160 Schafen und 5080 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 156 Rinder, 174 Kälber, 69 Schafe und 3 Schweine mehr angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Klasse al) 60 bis 62, a2) 57 bis 59, bl) 50 bis 56; Bullen a) 55 bis 59, b) 50 bis 54; Kühe a) 48 bis 51, b) 42 bis 47, c) 35 bis 41, d) 25 bis 34; Färsen a) 60 bis 63, b) 56 bis 59, c) 50 bis 55; Kälber b) 76 bis 79. c) 70 bis 75, d) 60 bis 69; Schafe nicht notiert; Schweine b) 79 bis 82, c) 81 bis 84, d) 81 bis 84, e) 78 bis 81. Im Vergleich mit den Preisen der letzten Woche gaben Ochsen, Färsen und Kälber je 3 Mk.. Kühe 2 Mk. und Bullen 1 Mk. im Preise nach, während Schweine bis zu 2 Mk. anziehen konnten. * DieHessischeLandesbank — Staatsbank — in Darmftadt empfiehlt im heutigen Anzeigenteil ihre reichsmündelsicheren 8-v. H.-Gold- Hypothekenpfandbriefe und 8-v. H.-Gold-Schuldverschreibungen zur Kapitalsanlage. * Preußische Zentral - Bodenkre- dit-Aktiengesellfchaft. . Anläßlich des Quartaltermins bietet die Gesellschaft im heutigen Anzeigenteil die Erweiterungsausgabe ihrer neuen 8 Prozent Zentral-Goldpsandbriese v. I. 1928 zum Kurse von 97,50 Prozent zur Kapitalsanlage an. Die Pfandbriefe werden außer in Berlin und Frankfurt a. M. auch an anderen Börsen bereits amtlich notiert. Eine Kündigung ist frühestens zum Oktober 1934 zulässig. Die Goldpfandbriese der Zentralboden sind bekanntlich bei der Reichsbank in Klasse A beleihbar. Die Stücke lauten über Beträge von 100 bis 5000 Goldmark. * Franksche Eisenwerke A k t. - G e s., Adolfshütte b. Dillenburg. In dem Bericht über das Geschäftsjahr 1928, dem zweiten der Firma als A.-G., wird u. a. ausgesührt, daß der Gesamtumsatz im In- und Auslande gegenüber den Vorjahren angemessen gesteigert werden konnte. Das Auslandgeschäft werde durch fortgesetzte Selbstkostenerhöhungen, denen die Wirtschaft machtlos gegenüberstehe, außerordentlich erschwert, nach einer Reihe von Ländern sogar völlig unmöglich gemacht. Es wurde ein De- triebsüberschuß von 1.293 (1.002) Mill. Mark erzielt. Andererseits erforderten Steuern und Lasten 0.367 (0.312), Zinsen 0.159 (0.160) und Abschreibungen 0.335 (0.196). Rack) 145 000 Mark (90 000 Mk.) Rückstellungen verbleibt ein Reingewinn von 286 479 (244 436) Mk., woraus 7 (6) Dividende auf 4 Mill. Mk. Aktienkapital verteilt werden. Angesichts der bereits vorliegenden Aufträge und der eingehenden Bestellungen wird für 1929 unter dem üblichen Vorbehalt mit keinem ungünstigeren Ergebnis gerechnet. * Philipps-Werke A. - G., Frankfurt a m M a i n. Wie WTB.-Handclsdienst erfährt, beabsichtigt die Philipps-Werke A.-G., ihre Fabrikation von Frankfurt a. M. nach Aschaffenburg zu verlegen. Gleichzeitig damit soll eine Beschränkung ihres Betriebes auf die Pianofabrikaton vorgenommen werden. Die Fabrikation soll in die Räume der Firma Arnold in Aschaffenburg verlegt werden. Die Fabrikgebäude der Philipps Ä.-G. werden an die holländische Radio-Philipps überaehen. * Der Austritt der Firmen Henschel und Maffei aus öem Lokomo - tivausfuhrverband r e ch t s k r ä f t ig. Bekanntlich haben die Firmen Henschel und Maffei im März ihre Mitgliedschaft bei dem Lokomotivausfuhrverband mit sofortiger Wirkung gekündigt mit der Begründung, daß die Firmen Borsig und Schwarhkopff bei der Hereinholung des serbischen Auftrages über HO Lokomotiven die im Verbände festgesetzten Preise erheblich unterboten hätten. Der Lokomotivausfuhrverband hatte daraufhin Klage beim Kartellgericht eingereicht mit dem Anträge, die sofortige Kündigung der Firmen Henschel und Maffei für unbegründet zu erklären. Rachdem die beklagten Firmen dem Kartellgericht eine aktenmäßige Darstellung der Vorgänge eingkreicht hatten, ist nunmehr, wie WTD.-Hondelsdienst erfährt, die Klage leitend des Lokomotivaussuhrverbandes zurückgenommen worden. Damit ist der sofortige Austritt der beiden Firmen aus dem Verbände rechtskräftig geworden. Der Verband hat auf eine Widerlegung der von Henschel und Maffei erhobenen Vorwürfe verzichtet. • Sarotti-Restle. Die Sarotti-A.-G. hat mit der Restle-Gesellschast eine Vereinbarung getroffen, wonach Sarotti von Restle die Fabrik in Hattersheim übernimmt und zunächst für zehn Jahre das ausschließliche Recht der Fabrikation und des Vertriebs der Marken Restle, Peter Cailler und Kohler in Deutschland erhält. Restle verpflichtet sich gleichfalls auf 10 Jahre, keinerlei Fabrikation oder Vertrieb von Kakao und Cchoko- ladeerzeugnissen in Deutschland zu unterhalten, oder sich zu beteiligen. Die Sarottimarken werden in unveränderter Weise gepflegt. Im Zusammenhang damit soll eine außerordentliche Generalversammlung der Sarotti-A.-G. eine Kapitalerhöhung um nom. 3,5 Mill. Mark beschließen. Als Gegenwert für die Hattersheimer Fabrik dienen nom. 2,5 Mill. Mk. junge, ab 1. Januar 1930 dividendenberechtigte Sarotti» aktien, welche Restle innerhalb von fünf Jahren ohne Zustimmung von Sarotti nicht veräußern' darf. Der Ucbergang erfolgt ab 1. Juli 1929 ohne Llebernahme von Debitoren und Kreditoren. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29.Juni. Tendenz behauptet. — Zum Wochenschluß eröffnete die Börse i n sehr stiller Haltung. Anregungen lagen nicht vor, die Tendenz war nicht unfreundlich, doch trat infolge der Orderlosigkeit keine Geschäftsbelebung ein. Die etwas festere Reuyorker Börse von gestern machte einen günstigen Eindruck. Auch über die gestrige Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in München wurde debattiert und mit Befriedigung ausgenommen. Gegenüber der gestrigen Abendbörse waren die Kursveränderungen gering und verteilten sich gleichmäßig nach beiden Seiten. Am Elektromarkt eröffneten AEG., Chade-Aktien, Elektrische Lieferung leicht gedrückt, während Felten und Siemens flut behauptet, sogar eine Kleinigkeit gebessert waren. I.-G.-Farben lagen knapp behauptet, Rütgerswerke etwas fester. Montanwerte geschäftslos. Die wenig zustande gekommenen Werte zur ersten Notierung lagen etwas hoher. Von Autowerten lagen Daimler etwas gefragter, aber wenig verändert. Glanzstoffaktien eher angeboten und 2 v. S). niedriger. Renten still. Auch im Verlaufe litt das Geschäft unter dem Ordermangel. Aus diesem Grunde bröckelten die Kurse leicht ab. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt war die Lage unverändert, bis auf Kleinigkeiten. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1955, gegen Pfund 20,3450, London gegen Kabel 4,8495, gegen Paris 123,89, gegen Mailand 92,69, gegen Madrid 34,25, gegen Holland 12,0775. Berliner Börse Berlin, 29. Juni. Der offizielle Beginn der heutigen letzten Samstagbörse vor der Sommer- Unterbrechung zeigte das erwartete ruhige Bild. Durch den hohen katholischen Feiertag und den frühen Beginn beeinflußt, war der Orderrnangel bei den Banken noch geringer als sonst. Irgendwelche Anregungen lagen nicht vor. Die hohen Geldsätze in Reuyork dürften allerdings nur eine vorübergehende Erscheinung fein, selbst die gestrige Effektenbörse ließ sich nur wenig beeinflussen und verkehrte in sehr fester Haltung. Eine gewisse Beruhigung geht von der etwas festeren Haltung des Tietz-Marktes aus, der sich, anscheinend auf Deckungen der Spekula tion, etwas erholen konnte. Auch daß durch den höheren Pfundkurs die Goldexporte aus England vorläufig zum Stillstand gekommen find, sand Beachtung und trug zu einer etwas freundlicheren Stim- miing bei. Die Kursgestaltung war aber dennoch keine einheitliche. Im allgemeinen waren die Veränderungen gering. Mix & Genest, Karstadt, Tietz, Stollberger Zink, Schubert & Salzer und Rütgerswerke waren etwas befestigt. Glanzstosf, Polyphon, Ilse Bergbau und Kaliwerte waren dagegen schwächer. Deutsche Anleihen behauptet. Sluslänbcr ge- schäftslos. Der Pfandbriefmarkt lag uneinheitlich. Der Geldmarkt war auch heute ziemlich angespannt. Tagesgeld über Ultimo 9 bis 12 v. H., Monatsgeld 9,5 bis 10,5 v. H. Auch im Verlaufe lagen die meisten Märkte ohne Geschäft. Die Geschäftsstille und ein Baissevorstoß, der heute am Polyphonmarkt einsetzte, verstimmten wieder und führten allgemein zu Kursabbröckelungen. Polyphon verloren zeitweise 6 v. H., Glanzstoff 4 v. H. und Kaliwerte bis 2 o. H. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) R. 1929. Bei einem Streitobjekt von 3200 Mk. betragen die Rechtsanwaltsgebühren erster Instanz dreimal je 109 Mk.. desgl. die Gerichtsgebühren dreimal je 62 Mk. In zweiter Instanz betragen erstere Gebühren dreimal je 141,70 Mk., letztere Gebühren dreimal je 93 Mk. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbanldiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. M Frankfurt a. M. Berkin Schluß. Kurs l-ui)f Kurs Schluh-lülnfang Kurs Kurs Datum «28.S. 29 6. 28 6. 29 6. 9t. Reichsanleihe v. 1927 . . 87,25 — 87,5 — , »nt.-Ablol.-SchuId mit AuL 50,9 _ 50,9 — ■ti. ohne AuSlos.-Rechie • - - ^ranlf. Hyp.-Bk. Soldpf. Uw 10 — 10,13 10,25 tilgbar bl« 193 ' ..... 85,75 ---- Rheinische Hyp.-Bank Li Schweiz. BundeSb>Lnl.. . 99,75 — — > -lrsterreichijche fflolbtte.. . - 29,65 — — ■°°i Gelten. Silberrte. . - 2,5 — 2,4 — ri Oesterreich, einbeltl. Rie 1.8 —— — >Ingart)che Goldrle.. 23,05 — 23,13 — ' Xirujuhe Stoatsr. o. 1910 . — 22,25 .ilngariidie fitonenrtc..... 1,85 — 1,85 1,8 '-Nrt. gollanleihe v. 1911 . - 7,75 7,75 7,75 — '> türtiiche Bagdadbahn-Anl., 7,75 ceie l . . — — 8 L8 - 7,95 7,75 I'^Eönen ronvert. Rie. - - > »Rumänen ffiolbanl. von 1913 — — — 17,5 — *1 Beundie iSiienbatin . . tt!he Bonk . . io 278,5 — 278.5 278,5 171,25 — 171,75 171,6 toito.CBefeiiitfcflU flnl_. , io '^ner Bank . . io 157,75 — 157,75 157,25 164 164 164 164 • m>rut|d)f (Stebilboni ... 9 NA-bonk........g — — •tinbanf . . ...... 12 — —- 331,5 331 Frankfurt a. M Berlin Schluh Kurs 1 Uhr- Kure Schluß- .« uri Anfang- Kurs Talum 28.6. 29 6. 28-6. 29-6. Elektr. Lieferungen.....10 Licht unb üTari......1° Felten & Guilleaume. .... 6 Ges. f. Elektr. Untern.» ... 10 Hamb. Slektr. Werte .... 1<' Rbein. Elektr.........'' Schlei. Elektr........1" Schuckert...... 8 Siemens & Halske . . . . . 12 Transrablo . . ....... 8 Labmever & Co..... . 10 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ... f. Yi 3-4 Harpener..........6 Nlje Bergbau........* Köln-Neuesjen........9 ManneLmana........® Mansfclder ••■■••••? Lbersch'.es. Eisenb. Bebars. . . b Lberschles. Kokswerke.....6 Phönir Bergbau......t>V$ Rheinische Braunkohlen. . . 1" Rheinslahl ... f. % Jahr tte und *le,d®e,»»0” to* »' ?«0S.OS OirnieWW „,„.9. IraeMnde«-- ,„0 taiantoe«'".,, . ^ssen ^issefi scboEt....... Wissen»“»^ s..-,_ ^^asWemi-»*^ " rottierttoher isi039 J^tucher 095 OA^ n .. htocher ^ 050 039 u V4\scWcnö1 ,.