Nr. 125 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 29. Mai 1929 Erschein! läglich,autzer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte (Biefjener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis fiir 2 Wochen: 1 Reiä)smark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprechanjchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Srantfurtam Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen • Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Giehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchufttrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Kord und Karben. Die I. » G. - Farben haben die öffentliche Meinung mit der Mitteilung überrascht, dah sie 40 v. H. des Kapitals der deutschen F o r d - Automobilgesellschaft übernommen haben. Rein finanziell gesehen ist das keine so große Sache, denn das Kapital dieser Ford- Gesellschaft beträgt rund 15 Millionen Mark, während das Grundkapital der I.-G.-Farben 1100 Millionen Mark ausmacht. Aber unter den Kraftwagenfabriken Deutschlands ist eine mit 15 Millionen Mark ausgestattete Gesellschaft immerhin ein Riefe, die zur Zeit wohl nur von den Opel-Werken überragt wird. Allein Opels sind den umgekehrten Weg gegangen, denn sie haben eine Interessengemeinschaft mit General-Motors gebildet, während der schärfste Wettbewerber von General-Motors, also Ford, eine Verbindung mit dem größten deutschen Industrieunternehmen gesucht und gefunden hat. Don außen gesehen könnte es scheinen, als ob der deutsche Markt für Kraftfahrzeuge aller Art eine besondere Anziehungskraft böte. Wenn es so wäre, müßte es der deutschen Kraftwagenindustrie glänzend gehen, während tatsächlich das Gegenteil der Fall ist. Die deutsche Kraftwagenindustrie hat organisatorisch Gewaltiges geleistet, obwohl sie unter einer Ungunst der Verhältnisse arbeitet, wie das in keinem anderen durchindustrialisierten Lande der Fall ist. Dabei hat die deutsche Kraftwagenindustrie diese Entwicklung ohne ausreichenden Zollschutz fertig gebracht, was aber wieder nicht bedeutet, daß es auch ohne Zölle geht. Die Zölle für Kraftwagen und Kvaftwagentelle find im Handelsvertrag mit Italien gebunden, so daß sie also auch allen Ländern zu teil werden, mit denen Deutschland im Meistoeaünstigungsoerhältnis steht. Der Nutznießer ist indessen nicht Italien gewesen, sondern in der Hauptsache die VereinigtenStaaten, die es fertiggebracht haben, die Einfuhr von Kraftwagen nach Deutschland von Jahr zu Jahr zu steigern. Indessen gibt die Einfuhrstatistik hier kein zuverlässiges Dito. So sinv im Jahre 1928 rund 18 000 Kraftwagen nach Deutschland eingeführt worden, darunter 12 300 aus der Union. Trotz der Ungunst der Witterung sind in den ersten drei Monaten 1929 schon 5000 Kraftwagen für den Personenverkehr nach Deutschland hereingebracht worden, was, wenn die Entwicklung so anhält, für das ganze 2ahr eine gewaltige Zunahme der Einfuhr bedeuten wird. Dazu kommen aber noch die Fahrzeuge, die Ford und General-Motor bisher in ihren eigenen Fabriken im Inlands hergestellt oder doch zusammengefügt haben, wobei sie sich aber immerhin die technischen Erfahrungen ihrer Hauptfabriken zunutze machen konnten. Die deutschen Zölle für Kraftfahrzeuge können also glatt übersprungen werden. Die deutschen Kraftwagenzölle sind überdies so gestaffelt, daß sie für den ausländischen Wettbewerb geradezu einen Anreiz bieten, sich auf dem deutschen Markt festzusehen. Insbesondere ist es der leichte Wagen, der mühelos die Zollsätze überspringen kann, zumal dann, wenn die Herstellung am fließenden Band die Gestehungskosten herunterzudrücken vermag. Wenn nicht hier eine Aende- rung eintritt, so erleben wir schon in absehbarer Zeit, daß die deutsche Kraftwagenindustrie vor dem ausländischen Wettbewerb die Waffen strecken muß. Unsere eigene Ausfuhr von Kraftfahrzeugen aller Art ist verhältnismäßig gering, jedenfalls geringer als die Einfuhr. And wenn Ford und General-Motors sich erst in Deutschland häuslich niedergelassen und gründlich eingerichtet haben, so wird die Ausfuhr aus Deutschland in der Hauptsache von diesen beiden Grobfabriken bestritten werden. Es ist kein Ersatz, daß Ford und General-Motors zur Herstellung ihrer Fahrzeuge deutsches Material benutzen wollen, denn der Verdienst, der doch schließlich die entscheidende Rolle spielt, fällt doch Ford und General-Motors zu. Dabei bandelt es sich um eine Jndustriegruppe, der die denkbar größten Zukunftsmöglichkeiten vorbehalten sind, da die Automobilisierung des gesamten Verkehrs noch lange nicht beendet ist. Sodann sorgt der Verschleiß der Kraftfahrzeuge ohne dies dafür, daß immer neue Wagen für die abgenutzten Fabrikate eingestellt werden müssen. Daß Europa diese großen Zukunftsmöglichkeiten bietet, das wird ja besonders deutlich durch die großen finanziellen Anstrengungen, die Ford und General-Motors machen, sich dies Absatzgebiet zu sichern. Ford will ja eine zweite Fabrik in Deutschland errichten, daß zu einer Zeit, wo deutsche Automobil- abriken ihre Geschäftsjahre mit Verlust abschlie- zen. Was nützt es viel, wenn die deutschen Zölle ür Kraftfahrzeuge erhöht werden, wenn die schärften Wettbewerber der deutschen Industrie sich nun auch dieses erhöhten Schutzes erfreuen. Daß die kapitalkräftigste deutsche Industriegesellschaft, die I.-G.-Farben, sich mit 40 v. H. an den Fordunternchmungen beteiligt hat, verhindert nicht, daß es nicht das deutsche Volk sein wird, das mit dieser Entwicklung zufrieden sein kann. Ohne Gegenleistung wird Ford für die Lieberlassung des Aktienpaketes nicht zu haben gewesen sein, zumal es sich zunächst doch nur um ein Sprungbrett handelt, von dem aus der Sprung auf den europäischen Markt ausgeführt werden soll. Es ist doch bekannt, daß Ford das Llnternehmen der J.-G.-Farben in Reuhork irgendwie unterstützt hat, sei es finanziell oder technisch oder beides zusammen. Wenn die I.-G.- Farben sich in Llebersee weiter ausdehnen wollen, so wird das in dem einen und anderen Falle nicht ohne finanzielle Hilfe von dritter Seite abgehen können. Allein, wer bürgt dafür, daß die Hermann Müller siegi auf dem Parteitag. Oer Streit um den Panzerkreuzer.—Fraktionszwang für die Reichsminister?—Es wird zur Magdeburg, 28. Mai. (WTB.) Auf dem sozialdemokratischen Parteitag wurde heute vormittag die Aussprache über den Bericht des Partei- oorstandes fortgesetzt. Mit lebhaftem Beifall empfangen, nahm dann Reichskanzler Müller das Wort, der u. a. ausführte: Das Maß von Kritik, das hier geübt worden ist, würde ich ganz ver- stehen, wenn man gezwungen gewesen wäre, festzustellen, daß die Partei während des Jahres Regierungstätigkeit Mitglieder verloren hat. Ich hoffe, daß der Magdeburger Parteitag sich den realen Sinn für das in der gegenwärtigen Gesellschaft Mögliche erhält. Eckstein hat gesagt, wir sind nicht für den Staat, sondern nur für d i e Arbeiterklasse verantwortlich. Das schlägt allem ins Gesicht, was wir seit zehn Jahren getan haben und was unsere großen Vorkämpfer gewünscht haben. Wir sind viel zu gute Sozialisten, um Freude an der Koalitionspolitik zu haben. Sie ist aber eine politische Notwendigkeit. Man darf auch nicht vergessen, wie schwer es war, überhaupt zu einer festen Mehrheit für die Regierung zu kommen. Daß nicht soviel erreicht werden konnte wie bei einer fest gebundenen Regierung, ist klar, daß nichts erreicht worden ist, ist aber falsch. Es wird immer so dargestellt, als ob wir nur aufgaben und die anderen ihre Ziele erreichten. Ich wünsche den Rednern von gestern, daß sie einmal Mäuschen spielen könnten, wenn der Wirtschaftsausschuß der Deutschen Volkspartei sich mit Herrn (Eurtius unterhält. Es wird weiter gesagt, das Zentrum werde seine Wünsche beim Konkordat durchsetzen. Wenn das Zentrum seinen Willen beim Konkordat durchsetzen würde, bann würde das preußische Konkordat so aussehen wie das bayerische. Tatsächlich wird es aber nicht so aussehen. Das ist ein Beweis dafür, daß die kluge Zentrumspolitik sehr wohl weiß, was man in einer Koalitionsregierung erreichen kann. Irn Wahlkampf haben wir selbstverständlich Ziele ausgestellt, für die wir als Sozialisten kämpfen. Wir dürfen aber unseren Wählern nicht vorgaukeln, daß diese Ziele in einer Koalitionsregierung erfüllt werden können. Es ist kein Zwei- fek, daß der Panzerkreuzer in der Wahlagitation im Mittelpunkt gestanden hat und, gemessen an dem Objekt, vielleicht zu st a r k. Mir war nach den Verhandlungen, die wir im Laufe des Juli über die Regierungsbildung geführt haben, klar geworden, daß der Panzerkreuzer gebaut würde. Ich habe auf dringendes Verlangen der Fraktionsmehrheit mit der Fraktion g e st i m m t, obwohl es eigentlich gegen den Sinn und Gei st der Weimarer Verfassung ging. Der Reichskanzler kann in einer Frage von so großer politischer Bedeutung nicht gegen seine eigene Vorlage stimmen. Solche Experimente dürfen nicht zu oft wiederholt werden. Es ist ganz unmöglich, nachdem die Abmachungen für die Große Koalition getroffen sind, davon abzugehen. Von Fraktionsoder Parteidisziplin ist dabei nicht die Rede. Ich bin jederzeit bereit, die Konsequenzen zu ziehen, wenn es verlangt wird. Der Parteitag beschloß entsprechend dem Anträge des Vorstandsmitgliedes Vogel mit 256 gegen 138 Stimmen, über den Berliner Antrag, der die zweite Rate für den Panzerkreuzer ablehnt und für die Mini ft er Fraktionsdisziplin verlangt, zur Tagesordnung überzugehen. Damit sind alle Anträge über den Panzerkreuzer und über die Zurückziehung der Minister erledigt. In der Nachmittagssitzung sprach der Reichstagsabgeordnete Dittmann als Berichterstatter über das Wehrprogramm. Die Kommission empfehle Annahme des Entwurfes in der bekannten abgeänderten Form und Ablehnung aller hierzu gestellten Anträge. Dittmann sprach dann über die allgemeine Stellung der Partei zur Heeresfrage. Anfänglich fei die Partei mit dem Liberalismus konform gegangen; dann fei das Schlagwort aufgekom- Tagesordnung übergegangen. men: Diesem System keinen Mann, keinen Groschen! Besonders habe Bebel den preußischen Militarismus, sein Kasernenheer und seinen Kadavergehorsam heftig bekämpft. Auch im kapitalistischen System der Vorkriegszeit märe die Partei bereit gewesen, Mittel zu bewilligen, wenn eine Aenderung des Heeressystems eingeleitet worden wäre. Im Kriege sei dann die Spaltung gekommen. Heute nun bestimme der vom Volk gewühlte Reichstag die Heeresform. Der preußische Militärstaat habe sich selbst umgebracht. Die Lösung komme durch die Forderungen des Sozialismus; dies müsse auf demokratischem Wege geschehen. Gewalt werden wir nur anwenden, wenn Gewalt hemmend auf die Demokratie einwirkt. Eine solche Möglichkeit ziehen wir in Rechnung und stellen uns daraus ein. Die Gründung des „Reichsbanners" ist ein Beweis dafür. Die Sozialdemokraten lehnen das Rezept der Kommunisten der Zertrümmerung des Bestehenden ab. In den Begriff des Bestehenden gehören auch das Heer und die Polizei. Die Sozialdemokratie betrachtet die bestehenden Einrichtungen vom Stand- punkt des kommenden Besitzenden aus. Warum sollen die Wandlungen, die sich bei der Justiz vollziehen, beim Heer unmöglich sein? Die Entwicklung der Waffentechnik hat eine Aenderung der geistigen Verfassung der Soldaten herbeigeführt. Die Partei würde falsch handeln, wenn sie einen künstlichen Gegensatz zu dem Heere schaffen würde. Berlin, 28. Mai. (WB.) Der große Anleihe- betrugsprozeß gegen Stinnes und Gen. hat heute vor dem Erweiterten Schöffengericht des Amtsgerichtes Berlin-Mitte begonnen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Arndt. Die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Berliner. Als Schöffen fungieren eine Ehefrau und ein Elektriker, als Hilfsschöffe ein Schneider. Als Vertreter von Behörden wohnen der Verhandlung u. a. bei: Ministerialdirigent Rorden vom Reichsfinanzministerium, Landgerichtspräsident Dransfeld und Staatsfinanzrat S ch u l h e n ft e i n. Dem Hauptbeschuldigten Hugo Stinnes stehen acht Verteidiger, den übrigen sieben Beschuldigten zwölf Verteidiger zur Seite. Man rechnet damit, daß das Verfahren etwa vier Wochen dauern wird. Der Angeklagte Schneid, der Sohn eines Wiener Casshausbesitzers, erflärt, dah er von banktechnischen Dingen nichts verstehe. Er schildert ausführlich, dah er im Kriege als österreichischer Derpflegungsosfizier tätig war und hernach wegen Flecktyphus entlassen wurde und sich dann privatim mit der Versorgung des österreichischen Heeres beschäftigte, wobei er sehr gut verdient habe. Rach dem Kriege seien aber die Kriegsgewinnler in Oesterreich s o ft art ersaht worden, dah er beschloß, nach Deutschland zu gehen. Sein Vermögen habe in Dollars Millionenbeträge umfaßt. In Berlin habe er sich u. a. mit Baugeschäften befaßt. Dabei sei er mit dem Bankier Kunert in Berührung gekommen, der später eigene Affären gehabt hat, weshalb sich das Baugeschäft zerschlug. Durch die Vermittlung eines Dunkelbaum sei ihm 1925 mitgeteilt worden, Kunert wüßte sehr gute Geschäfte mit dem An - leiheablösungsgesetz. Da er kein Bankfachmann sei, habe er den ihm bekannten Bankier D o r e g l e r mit Kunert in Verbindung gebracht, und Doregler habe auch zugegeben, dah das Geschäft seriös sein könne. Schneid schildert dann, Doregler und Kunert hätten den Während des Referats ging ein von Dr. Levi, Rosenfeld und Seydewitz sowie von weiteren 80 Delegierten unterzeichneter neuer Programmentwurf ein, in dem es u. a. heißt, daß die Partei im kapitalistischen Staat d i e Länderverteidigung ab lehnen müsse. Wenn ein Land, in dem das Proletariat die politische Macht erobert hat, in der Llebergangs- zeit zur klassenlosen Gesellschaft von anderen, noch von der Bourgeoisie beherrschten Staate» angegriffen wird, so ist das Proletariat verpflichtet, seine Klasseninteressen gegen alle Angriffe mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Debatte, für die sich 29 Redner zum Wort gemeldet haben, wird durch den Abgeordneten Levi eröffnet, der den Antrag der Opposition begründete. Häbler, Karlsruhe, erklärt, auch die Reutraltät, von der in dem Entwurf die Rede sei, würde zu einem Kriege führen. Auch ein kleines Heer von Technikern habe heute eine große Bedeutung. Jeder Krieg wurde heute e i n Krieg für d i e kapitalistische Klasse sein und sich im Kern gegen das Proletariat richten. — K ü n st l e r, Berlin, erklärt als Mitglied der Minderheit der Wehrkommission den verbesserten Antrag der Kommission für unannehmbar. Dr. Leber, Lübeck, wendet sich gegen die Ausführungen Levis. Wer den Optimismus nicht hat, Frieden in die Mehrheit zu bringen, der muß sich vorbereiten auf den Krieg; aber wir sagen, der Krieg muß nicht fein. Ist an der Spannung, die zwischen Arbeiterklasse und Wehrmacht herrscht, die Wehrmacht allein schuld? Plan gehabt, in denjenigen Ländern, die für den Altbesitz in Frage kamen, und zwar zunächst in Italien, wo man von der Aufwertung noch sehr wenig gewußt habe, den Altbesitz zu sarn- rnelnund zulombardieren und dann von den Altbesitzinhabern sich dafür einen erheblichen Teil des Aufwertungsbetrages a b t r e t e n zu lassen. Die Frage sei gewesen, ob diese Bevorschussung etwa gegen das Auswertungsgeseh verstoße. Deshalb sei er, Schneid, zum Reichs- fchuldenamt um A u s k u n f t e r t e i I u n g gegangen. Dann schildert Schneid ausführlich, wie Doregler, Kunert, Dunkelbaum und er selbst nach Italien gefahren seien, um die Möglichkeit des Geschäftes zu prüfen. Es folgte eine Reise nach Paris, doch hätte sich zunächst auch hier kein Ergebnis gezeigt. In Berlin habe dann der Teilhaber des Pariser Bankhauses, Gläser, bei Schneid vorgesprochen und habe das Interesse seiner Firma an dem Geschäft bekundet, wobei nun gleich die mysteriöse Behauptung auftauchte, er, Schneid, hätte gute Beziehungen zur Reichsschuldenver- waltung. Schneid erklärt u. a.: Aus geschäftlichen Gründen benutzten wir diesen Trick; irgendwelcher Beziehungen zu Beamten habe ich mich nicht gerühmt. Wir haben diese Vermutung ruhig geduldet und keinen Einspruch dagegen erhoben. In Wien erstattete dann einer unserer Unter» agenten, ein gewisser Makeirer, der eigentlich Apfelbaum hieß und Deserteur war, Anzeige bei der deutschen Botschaft. Dadurch ,ii& die Behörden zum ersten Male mit der Sache besaßt worden. In Berlin wurde ich dann beobachtet. Don unrichtigen oder konstruierten Bescheinigungen von Danken ist niemals die Rede gewesen. Ich hatte dann noch in Paris Geschäfte zu erledigen — ich bin nicht etwa geflüchtet — und kaufte nach Erledigung dieser Geschäfte eine Flugkarte nach Berlin. Ich kam aber nicht zu ihrer Benutzung, weil ich vorher in Paris verhaftet wurde. Beginn des Gttnnes-prozeffes. AchtpersonenwegenKriegsanleihebeirugsaufderAnklagebank I.-G.-Farben diese Hilfe nicht eines Tages damit bezahlen müssen, daß sie Ford ebenfalls Einfluß auf das deutsche Unternehmen einzuräumen haben. Hier liegt eine Gefahr, der nur dann zu entgehen ist, wenn unsere Wirtschaftspolitik sich mehr als bisher darauf besinnt, die Interessen der deutschen Wirtschaft zu wahren. Es besteht kein Grund, über das Eindringen von Ford und General-Motors irgendwelche Genugtuung zu empfinden. Oie Arbeitslosenversicherung. Die Gegensätze im Reichskabinett. Berlin, 28. Mai. (Priv.-Tel.) Rach den bisher vorliegenden Dispositionen soll sich das Reichskabinett, das diesmal seine übliche Montagssihung wegen des Sozialdemokratischen Parteitages ausfallen lassen muhte, am kommenden Freitag erneut mit dem vorliegenden Entwurf des Reichsarbeitsmini ft ers zur Reform der Arbeitslosenversicherung beschäftigen. Bereits in der ersten Beratung vergangener Woche sind die grundlegenden Gegensätze, die innerhalb der Koalition um dieses Problem vorhanden sind, mit unverhüllter Deutlichkeit in die Erscheinung getreten. Wie wir von gutunterrichteter Seite Horen, ist man in den Kreisen der Volkspartei zunächst entschlossen, an der These festzuhalten, daß eine Beitragserhöhung, wie sie Wissell im Rotfalle vor- sieht, eine getarnte Steuererhöhung bedeute, die prinzipiell zu bekämpfen fei. Ebenso fest ist die Haltung bei der Frage der Saisonarbeiter, wobei nach dem vorliegenden Entwurf das Gesetz über die Sonderfürsorge für berufsübliche Arbeitslosigkeit weiterbestehen soll, so daß das Reich — und hiergegen wenden sich die Gegner besonders scharf — in Zukunft wenigstens bis zum Ablauf des nächsten Winters ohne Einschränkungen weiter zahlen müßte. Lind schließlich ist auch die 3eitf rage der Reform heftig umstritten, da der Reichs- arbeitsminister für alle grundlegenden Aenderun- gen erst die bis frühestens Mftte Juni vorliegenden 'Ergebnisse der großen statistischen Llnterf'uchung abwarten will. Der eigentliche Kämpf um die Reform der Arbeitslosen- versicherung ist also heute erst in feinem Anfangsstadium, und seine polllischen Auswirkungen — worüber man sich auch im Kabinett klar ist — find einstweilen unübersehbar. Was geschieht mit den Etatresten? Ter Rechnungshof verlangt Sicherung gegen zweckwidrige Verwendung. Berlin, 28. Mai. (VDZ.) Dem Reichstag ist jetzt die Denkschrift des Rechnungshofes des Deutschen Reiches über die Prüfung des Reichshaushalts 1926 zugegangen. Da in der Oeffentlichkeit immer wieder Befürchtungen laut werden, dah d ie Etatreste eine über das Bedürfnis hi n a u s g e hend e Höhe erreichen und dann möglicherweise von den Ressorts zu Zwecken verwendet werden, die mit den im Haushaltsplan vorgeschriebenen nicht in Einklang stehen, ist eingehend geprüft worden, inwieweit die Befürchtungen gerechtfertigt sind. Die Gesamtsumme der Reste im ordentlichen Haushalt betrug im Rechnungsjahr 1926 430,6 Mill. Mark. Der Rechnungshof saht in dieser Frage seine Ansicht dahin zusammen, dah die erwähnten Befürchtungen in der Oeffentlichkeit im großen und ganzen nicht begründet sind. Er hält es aber für notwendig, dah jede nur mögliche S icher ung dagegen getroffen werde, dah über die Reste in einer den Zweckbestimmungen des Haushaltsplanes zuwiderlaufenden Weise verfügt werde. Das Auswärtige Amt hat in den Rechnungsjahren 1925 und 1926 die ihm durch den Haushaltsplan bewilligten Ausgabemittel bei einer Reihe von Titeln zum Teil sehr erheblich überschritten. Das bedeute, dah die Veranschlagung und Bewilligung von Mitteln im Reichshaushaltsplan ihres Wertes wesentlich entkleidet werden. Kommt es zur Stillegung -er Kinotheater? Der Kampf gegen die Lustbarkeitsstcuer. Berlin, 29. Mai. (Priv.-Tel.) Der Protestkampf gegen die Lustbarkeitssteuer, der seinen Höhepunkt in der Androhung der Schließung sämtlicher Kinotheater des Reiches erreicht hat, dürfte bereits in den nächsten Tagen zur Entscheidung kommen. Die Lichtspieltheaterbesitzer halten an ihrem Standpunkt fest und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sie in ihrem Vorgehen auch die Llnterstühung anderer Vergnügungsunternehmen, also Varietes, Kaffeehäuser usw. finden werden. Es hat bereits eine Umfrage bei den zuständigen Organisationen stattgefunoen, ob sie sich einmütig mit den Lichtspieltheaterbesitzern solidarisch erklären. Diese Umfrage ist bereits in zustimmendem Sinne beantwortet worden. Besonders kritisch ist die Situation im Augenblick für die Reichshaupt st a d, t, da zunächst hier mit der Schließung begonnen werden soll und erst wenn sich dieses Vorgehen den Behörden gegenüber als nicht nachdrücklich genug erweisen sollte, ist auch an eine Schließung der Betriebe im Reiche gedacht. Lieber die Haltung, die bei diesen Kampfmaß- nahmen die Behörden einnehmen, verlautet noch nichts positives, es muh abgewartet werden, wie sie sich zu den angedrohten Kampfmahnahmen verhalten. In unterrichteten Kreisen herrscht allerdings die Auffassung, dah das Vergüügungs- gewerbe seine angedrohten Mahnahmen nur schwer wird durchführen können, da es wirtschaftlich nicht leistungsfähig genug ist, um auf Wochen oder gar Monate hinaus den beträchtlichen Einnahmeausfall tragen zu können. Immerhin verhehlt man sich auch dort keineswegs, dah, falls es tatsächlich zur Durchführung des „Streikes" kommen sollte, eine Situation heraufbeschworen wird, die sich auf die Gesamtwirtschaft sehr nachteilig auswirken wird. Die Geneigtheit der Behörden, dem Vergnügungsgewerbe entgegenzukommen, scheint aber vorläufig noch nicht so weit zu gehen, dah an eine Aufhebung der Vergnügungssteuer zu denken ist. Aus dem Gesehgebungsausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 28. Mai. 3m Gesetzgebungsausschuß stand ein Antrag der Abgeordneten Hamann und Genossen (Komm.) zur Beratung, der die Abschaffung der Prügelstrafe in den hessischen Schulen wünscht. Die Ausschußberatung zeigte, daß man allgemein auf dem Standpunkte steht, daß eine Aenderung des bestehen- 'den Volksschulgesetzes, das diese Strafe noch aufführt, angezeigt ist. An eine Aenderung der in Frage kommenden Paragraphen kann aber nach Mitteilung der Regierung erst bei einer künftigen Neuregelung des ganzen Gesetzes gedacht werden. Nach Mitteilung der Regierung sind die Strafen in den Schulen außerordentlich zurück« aegangen. Der Ausschuß erklärt den kommunistischen Antrag mit sechs gegen vier Stimmen durch die Regierungsantwort für erledigt. Der Fall Jakubowski erneut vor Gericht. Der Neustrelitzer Mordprozeß gegen die Gebrüder Rogens. Reustrelitz, 28.Mat. (WTB.) Heute vormittag begann vor dem Schwurgericht Reustrelitz der Prozeß gegen Rogens und Gen. wegen Mordes. Den Brüdern Fritz und August Rogens aus Palingen legt die Anklage zur Last, daß sie den kleinen unehelichen Sohn des Landarbeiters Jakubowski, Ewald Rogens, umgebracht haben. Wegen des Mordes an diesem Kinde ist Jakubowski vom Schwurgericht Reustrelitz am 26. März 1925 zum Tode verurteilt und trotz der Beteuerung seiner Llnfchuld am 15. Februar 1926 in Strelih-Alt hingerichtet worden. In der Voruntersuchung sollen die beiden Angeklagten Rogens ihre Beteiligung an der Mordtat zugegeben haben. Aus der Anklagebank erscheint weiter Frau Kähler (verwitwete Rogens), die Großmutter des Ermordeten, die das Verbrechen b e g ü n st i g t haben soll. Diese und die beiden Angeklagten Rogens sind weiter wegen Meineides angeklagt. Der Frau L ü b k e, geborene Kreutzseldt, wird zur Last gelegt, daß sie die jetzt Angeklagten nach der Tat begünstigt habe. Der Pferdeknecht B ö ck e r ist auf Grund seiner Aussagen im früheren Jakubowski-Prozeß wegen Meineides angeklagt. Es sind insgesamt 128 Zeugen geladen. 28 Pressevertreter aus allen Teilen Deutschlands haben sich angemeldet. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Peters (Rostock), die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Weber (Reustrelitz). Dor Eintritt in die allgemeine Beweisaufnahme fragte der Derhandlungsleiter die Angeklagte Frau Kähler, ob sie sich schuldig fühle, den Mord begünstigt und einen Meineid geschworen zu haben. Frau Kähler bejahte diese Fragen in vollem Umfange. Der wegen Mordes angeklagte Fritz N o g e n s wurde vom Borsitzenden befragt, ob er bekennen wolle, daß er einen F al scheid geschworen, und ob er eingestehen wolle, oei dem Mord an dem kleinen Ewald Nogens Beihilfe geleistet zu haben. Der Angeklagte antwortet mit 3 a. Aüch den wegen Mordes angeklagten August Nogens aber Vorsitzende, ob er sich schuldig fühle. ,'t Nogens gibt nur den Meineid zu, entgegen seinem früheren Geständnis aber bestreitet er nachdrücklicy, beim Morde an Ewald Nogens Hilfe geleistet zu haben. Die Angeklagte Frau Kähler, verwitwete Nogens, schilderte den Hingerichteten 3akubowski als einen gutmütigen Mann, der mit seinen Kindern und dem Vieh gut umgegangen sei. Nebenkläger Rechtsanwalt Dr. Brandt: „Sie haben Jakubowski in früheren Verhandlungen geradezu entgegengesetzt geschildert." Für diesen Wider- svruch kann die Angeklagte keine Erklärung geben. Vorsitzender: „3akubowski soll gesagt haben, er würde, wenn er nur ein Kind statt zwei hätte, sich leichter verheiraten können." Angeklagte Kähler: „3a, das hat er gesagt." Es werden bann bie verschiebenen Heiratspläne bes 3akubowski erörtert. Auch ber Angeklagte Blöcker erklärte auf Befragen, baß er von einem Unterbringungsversuch der Kinder wisse. Der Angeklagte Fritz 91 o g e n s gab auf Befragen an, daß der Hingerichtete 3akubowski über die lieber« nähme der Kinder Ewald und Anni Nogens mit ihm gesprochen und ihm angeboten habe, er könne alle Sachen von ihm bekommen, wenn er für Ewald sorge. Auf bie Frage bes Vor- sitzenden: „Haben Sie in dieser Aufforderung 3a- kubowskis, Ewald zu übernehmen, eins verschleierte Anbeutuna gesehen, baß Sie Ewalb ermorden sollen?", antwortete der Angeklagte mit 91 ein. Auf bie weitere Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten August Nogens, wer zum ersten- mal davon gesprochen habe, daß Ewald Nogens von ihnen umgebracht werden solle, er oder 3a- kubowski, antwortete dieser, daß 3akubowfki zum ersten Male am Pfingsttag den Mord angeregt habe. August Nogens verwickelte sich aber im Laufe der weiteren Verhandlung in Widersprüche. Er sagt auf die Frage des Vorsitzenden: „Haben Sie nicht gesagt, daß man mal sehen wollte, ob man den kleinen Ewald nicht los würde?" — „3a!" August Nogens — einer der früheren Hauptbelastungszeugen im 3afu« bowski-Prozeß — wurde hieraus gefragt, ob er noch andere Personen des Mordes beschuldigt habe. Als er schwieg, wurde festyestellt, daß der jetzt wegen Meineides angeklagte Böcker und andere von August Nogens des Verbrechens beschuldigt worden sind. Weiter stellte ber 91ebenfläger Dr. Brandt folgende Fragen an Fritz Nogens: „Sie haben früher zugegeben, Sie hätten mit Ihrem Bruder eine Unterredung gehabt, und damals hätten Sie den Mord genau durchgespro- ch e n. August Nogens hat auch bei dieser Unterredung gesagt, daß Jakubowski noch allein der Tatzeuge sei und daß man vereinbaren müsse, alles auf Jakubowski abzuschieben, da er ja tot fei. Sie haben doch dabei abgemacht, daß Sie sich gegenseitig möglichst schonen wollen bei den Aussagen vor Gericht/' Fritz Nogens gab zu, daß dies« Vereinbarungen in der von Dr. Brandt geschilderten Art getroffen worden sind. August Nogens bestritt das ganz entschieden. Fritz Nogens blieb jedoch bei feiner Behauptung. Lieber ihr Verhalten am Mordtage erklärte Frau Kähler: „Ich hatte Angst vor Jakubowski, daß er mir ein Leid tun würde, wenn ich nicht seinem Willen entsprach, am Mordtage zu verreisen. Jakubowski bedrohte mich, dah er sowohl mich tote das Kind kaputt machen werde." — Oberstaatsanwalt Dr. Weber stellt dazu fest, daß die Angeklagte früher gesagt hätte, sie habe aus Not gehandelt. Der Vorsitzende legte Frau Kähler die folgende Frage vor: „Frau Kähler, waren Sie nicht auch damit einverstanden, daß Ewald wegen der großen Rot verschwinden sollte oder war es die Drohung des Jakubowski, die Sie veranlaßte, am Mordtage fortzureisen?" Frau Kähler: „Das habe ich nur wegen der Drohungen Jakubowskis getan." Vorsitzender: „Wenn Sie solche Angst vor Jakubowski hatten, warum haben Sie dann gesagt, Sie würden dafür sorgen, daß er hingerichtet würde. Das läßt sich doch schlecht mit der Angst vor Jakubowski vereinbaren. Können Sie dafür eine Erklärung abgeben?" — Die Angeklagte schwieg. Die pariser Konferenz. Paris, 28. Mai. (WTB.) Havas berichtet: Die Sachverständigen haben heute neue Besprechungen über die Zahlenfrage und die Annuitäten staffel abgehalten. Voung hatte eine lange Unterredung mit Dr. Schacht. Die Delegierten suchen vor allem 1. nach neuen Mitteln, um die Fortführung des Da - wesplanes zu ermöglichen, ohne dah durch das Inkrafttreten des Voung-Planes eine Zahlungssteigerung eintritt, 2. eine Formel dafür, dah mit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Boungplanes nicht die Kosten für das Besatzungsheer fortfallen, und zwar, um die Regierungen in dieser Hinsicht nicht zu binden, 3. die durch den Houngplan notwendige Deckung der Schulden sicherzustellen Uit» ter Sicherung des Betrages für die Reparativ-» neu, und zwar unter Anwendung des Systems, das eine progressive Mobilisierung ermöglicht. Andererseits werden die Besprechungen zwischen den verschiedenen Delegationen übe» oie den Vorbehalten von Dr. Schacht zu gebende Fassung und die verschiedenen, dadurch aufgeworfenen Probleme fortgesetzt. Die Sachverständigen bemühen sich, dieses Studium so schnell wie möglich zu erledigen, damit es bereits beendet ist, falls eine Einigung über die Zahlenfrage erfolgen sollte. Die .Information" verzeichnet als Ausdruck eines Sachverständigem „Wir sind auf einer Rasierklinge. Jedermann beginnt über die nimmer endende Diskussion müde zu sein. Eine sensationelle Verhaftung in China. Haussuchung im sowjetrussischen Generalkonsulat in Charbin. London, 28. Mai. (WB.) Wie Reuter aus Peking meldet, hat die chinesische Polizei eine Haussuchung im s o w j e t r u s s i s ch e n K o n- fulat In Charbin (Mandschurei) veranstaltet und das ganze Personal einschließlich des Generalkonsuls f e ft genommen. Die Polizei war auf der Suche nach Beweisstücken gegen den nun für Empörer erklärten „christlichen" General F e n g y u h s i a n g. Die Haussuchung wurde von etwa hundert chinesischen Polizisten vorgenommen, die unvermutet in das Gebäude eindrangen. Die verriegelten Türen wurden erbrochen, worauf die russischen Beamten versuchten, eine groß« Menge von Schriftstücken zu verbrennen. Hierbei geriet auch die 3nneneinrichtung in Brand, und die Feuerwehr mußte gerufen werden. Die Polizei nahm alle Anwesenden, darunter 45 Russen, fest. Unter den Festgenommenen befindet sich der sowjet- russische Generalkonsul in Charbin, Mer i ul off und der Generalkonsul von Mukden, Riznechoff ferner drei russische Frauen. Die chinesische Polizeibehörde in Charbin veröffentlicht eine Erklärung, in ber es heißt, baß bie Haussuchung vorgenommen worden fei, weil der Verdacht bestanden habe, daß eine geheime Zusammenkunft der Dritten Internationale im Konsulat abgehalten worden fei. Ferner wird erklärt, daß man auch Waffen und Opium oorgefunben habe. Oie Beisehungsfeierlichkeiten für Sunjoisen. London, 29. Mai. (WTD.- Funkspruch.) „Times" meldet aus Schanghai: Gestern traf der in weißen, blauen und goldenen Farben gehaltene Sonderzug mit der Leiche Su nj a t - s e n s, des ersten großen Führers der jung- chinesischen Rationalpartei Kuomintang, der 1911 zum ersten Präsidenten der Republik China gewählt war, in Pukau gegenüber "Nanking ein. Familienangehörige und Staatsminister trugen den Sarg auf den Bahnsteig, wo ein Altar errichtet war. Cs folgte eine kurze Zeremonie, die aus den üblichen Verbeugungen und einem drei Minuten währenden Schwelgen bestand. Die Witwe Sunjatsens war anwesend. Später wurde der Sarg auf einem Kanonenboot über den Vangtse geführt, während die Forts 101 und die ausländischen Kriegsschiffe 21 Kanonenschüsse abfeuerten. Die Leiche wird jetzt drei Tage lang im Hauptguartier der Kuomintang aufgebahrt bleiben. Etaatsminlster werden die Ehrenwache halten, und das Publikum wird zugelas- fen werden. Dann erfolgt die endgültige Beisetzung. Vr. Coround und Methusalem, der Hecht. Von Otto Ehrhart, Dachau. Dr. Coround aus Iärvadal am Faellesfoß war Arzt. Ein kleiner, kräftiger, blonder Herr, mit roten Backen, blonden Haaren und gutmütigen Kornblumenauaen, der einer guten Praxis im Iärvada-Kirchspiele Vorstand. Er besaß eine verhängnisvolle Vorliebe für die Fischerei, die ihn weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt machte. Wer ihm einmal nur beim Angeln zugesehen hatte, erkannte sofort, daß es sich bei ihm nicht um simples „Fischefangen" handelte, sondern daß er diese Art Beschäftigung zu einer ungemein spannenden, virtuosen Kunstfertigkeit erhoben hatte. Ob er nun gerade im Fjaeldbaek auf Oerret, im Gundelf auf Lachse oder, anläßlich seiner Sommerferien, von Bord eines Fischdampfers aus, auf Hochfeeraubfifche angelte: man fühlte sofort einen merkwürdigen Kontakt zwischen ihm und seinen Deutetieren, deren eigenartig-wildes, gieriges, launenhaftes oder auch kühles Wesen er wohl wie nie ein Mensch 'vor ihm erfaßt hatte. Wenn sich Dr. Coround auf einen bestimmten Fisch kaprizierte, konnte man mit Bestimmtheit sagen: der Fisch war sein. Mit Methusalem, einem kapitalen Hecht unschätzbaren Alters, der vornehmlich in den Gum- pen und Wirbeln des Faellesfoß ein wahres Herrscherdasein führte, verhielt es sich freilich anders. Richts beweist wohl mehr die Leidenschaft des Doktors, als wenn ich sage: er habe sich bloß jenes Hechtes wegen nach Iärvadal versehen lassen: und nichts bezeichnet dann besser den Charakter Methusalems als die Tatsache, daß es ihm fast fünfzehn Jahre lang gelungen war, sich den gerissenen Fallen und Listen seines Feindes immer wieder zu entziehen. In dieser Zelt, in der Dr. Coround dem Hecht oft wochenlang nachgespürt hatte, lernten die beiden sich und ihre Gepflogenheiten genau kennen. Methusalem wußte genau, was er von dem zweibeinigen Wesen, das dem Rest seiner alten Tage wie ein Schatten anhing, zu erwarten hatte, und Dr. Coround war oft wie krank nach dem seltenen, mit unerhörter Klugheit begabten Fisch. Wo der Faelleself seine breiten Wassermassen dröhnend in das Iärvadal hinunterschieht, wo der den Faellesfoß bildet, hat er gewaltige, vielmetertiefe Gumpen in den felsigen Boden gewühlt. Din ewiger Rebel steht über den dampfen- den Gründen, durch den die ganze Umgebung — Bäume, Büsche und Felsen — wie mit sprühendem. funkelndem Diamantstaub beschlagen sind. Der Lärm der stürzenden Wasser ist so laut, daß sich Dr. Coround jedeSmal, wenn er hier fischte, imprägniert» Watt« in die Ohren tat Anders hätte er wohl kaum das Schwingen der unaufhörlich erschütterten Luft ertragen. An einem kühlen Maimorgen hängt der Himmel noch grau über den Wassern. Die diesige Luft hat alle Konturen mit weichen, milchigen Schleiern verhüllt. Zwischen den Erlen, die am Rande der felsigen Gumpen geistern, hockt reglos — wie ein Baumstumpf, den die Wasser- massen dorthin gespült haben — ein Mensch. Der schmale Ausschnitt des Gesichtes, der unterm Südwester hell hervorleuchten müßte, ist mit feiner, grüner Watte verhüllt. Aehnlichen Schuh tragen auch die Hände, die die starke, grau» lafierte Angelgerte halten. Dr. Corounds Augen bohren sich steil in die glasklare, von silbernen Perlen durchzogene Tiefe, umfangen saugend einen straffen, gut anderthalb Meter langen, dunklen Körper, der zwischen Sand und wehenden Wasserpflanzen wie verankert über dem Grunde liegt. „ Fünfzehn Jahre", denkt Dr. Coround, „muß ich dieses sehen: den grausamen Kops mit den falten, schneidend scharfen Lichtern, diese gefräßige Krokodilschnauze vor dem harten, stahlnervigen Leib, der nichts als eine einzige, ungeheure Falle ist. . . Ob er fühlt, daß ich heute da bin? LInsinn — dann würde er grinsend abstreichen. Ich kann mir seine hämische Visage gut vorstellen, wenn er mich in dieser meiner neusten Verkleidung wieder entdeckte. Dann legt er sich schräg auf die Seite, gerade so, daß ich die leicht geöffnete Flucht feiner fängigen Kinnladen bewundern könnte: und in seine Augen käme jenes infame Licht, das mich allmählich rasend machen kann. Langsam, oh, nur nicht schnell, wie um mir meine Bedeutungslosigkeit zu zeigen, schwömme er fort. Run, ich will mich nicht aufregen lassen. Man muß vor allem ruhig bleiben . . . Der Ruhigere siegt. . ." Der Coround, wieder ganz kühl, taxiert sach- llch: wenn der Hecht hier steht, hat er Hunger. Gestern und vorgestern hat er wenig gefangen. Er wartet darauf, dah Forellen oder Bauche stromaufwärts ziehen . . . Etwas anderes nimmt er heute wohl kaum an . . . Ich will es mit einem fettigen, pfündigen Barsch versuchen . . ." • Es ist heller geworden. Die Wasser beginnen golden zu sieden. Goldene Pfeile durchfliegen den Himmel, und hoch über den Wäldern beginnt es blau und fern zu tagen. Der Baumstumpf zwischen den Erlen ist ganz Nein geworden. Run ist er fort . . . Sprüngig, überspannt von Hunger und Gier, lauert Methusalem in der Tiefe. Wenn er ein Paar Tage in den Gumpen gejagt hat, scheinen diese von allen Lebewesen verlassen. Aber er weiß genau, daß unter den großen Steinen, unter die er nicht gelangen kann, Hunderte von guten Fischen stehen. Er muß warten, geduldig warten, bis sich irgendwo eine unvorsichtige iSl^Qe regt.., Methusalem» Flanken jind noch lange nicht so prall wie im letzten Herbste, und er wird noch oft sein eigenes Gewicht an Fischen fressen müssen, bis er wieder auf der Höhe ist. Ein blankes Stück Holz treibt vorüber, er fährt darauf zu, stoppt enttäuscht und bleibt dann reglos in der Strömung liegen. Richts! Seine Augen schimmern giftig, denn irgendeine trübe Erinnerung vergällt ihm das Blut. War es nicht erst im letzten Frühjahr gewesen, als ihn der Hunger ebenso grausam quälte, wo er an der Angel des ekelhaften Zweibeins hing? Damals riß die Leine, und die Haken konnte er bann an einem gesunkenen Baumstamm abstoßen. Seit dieser Zeit beißt er vorsichtig, aber doch zähe an, und erst, nachdem er die Deute genau gesehen hat, hackt er gierig reihend nach. Er könnte jetzt gut ein Dutzend pfündiger Forellen vertragen und schielt böse unter das Wasser- wurzelwerk der Erlen hinüber, wo die Heinen, blitzenden Karauschen spielen. Wehe, wenn sich eine vergessen sollte! — Er sieht vieles, der alte Hecht, eines aber scheint er nicht bemerkt zu haben: dah oberhalb der Gumpe wieder ein Baumstumpf angeschwemmt worden ist, der langsam wächst und schier unmerklich höher steigt... Der Hunger ist groß. In den Augen Methusalems leuchtet nichts als blanke Gier... * Eine Weile später schnellt hinter der Gumpe ein Fisch in die Luft. So sieht es wenigstens aus. Wie wenn er von einem Raubfisch verfolgt würde. Dann stößt er schnell gegen die Gumpe vor, um dort bei den Erlentourzcln Schutz und Llnterstand zu suchen. Man sieht es ihm ja an, der dicke Barsch ist krank, er taumelf! Das Ufer soll er nicht gewinnen! Kurz vor den Wurzeln wird er hitzig von hinten ersaßt, zurück- gerissen und eine Sekunde lang wie überlegend festgehalten. Dann schlägt der Hecht zu ... schluckt, reißt und fühlt dabei plötzlich, daß sich ber Köder mit kräftigem Ruck nach vorn bewegt. Er will ihn sofort wieder ausstoßen und erreicht damit nur, daß ihm Dutzende scharfer Widerhaken in bie Eingeweide bringen. Methusalem hängt fest. Dr. Corounds letzter Kniff mit den versteckten, automatifchen Angelhaken hat geholfen! Steil schnellt ber Fisch in bie Luft, um sich mit einem gewaltigen Schlage von ber Angel zu befreien, aber es hilft nichts — ber ihn gefangen hat, ist Meister in solchen Dingen, und es gibt jetzt nur noch eines für ihn — den Tob! * Drei Stunben lang kämpfen die beiden an den Wassern des Faelleself auf und ab. Jedesmal, wenn der Arzt die Leine einholen will, um den tödlich Verwundeten an Land zu drillen, trotzt der Hecht aufs neue und fährt ab. Er muh über ungeheure Kräfte verfügen! Dr. Coround ist dann nicht etwa ärgerlich, sondern eher froh. Wenn er überlegt, daß das heiße Spiel, das er volle fünfzehn Jahre erwartet hat, bald vorüber ist, kann er sich einer bitteren Aejignativn nicht «wehren. Wenn u dtesen. den ältesten Recken der nordischen Gewässer, gefangen hat, wird es nichts mehr geben, daS ihm die Wasserwald begehrlich macht. Mit diesem Fange, fühlt er, hat ein Lebensabschnitt seine Erfüllung gefunden. Der Faellesfoß und seine Leidenschaft wird ihm nichts mehr zu bieten haben, der Elf ist tot für ihn. « Breit und träge rollen die Wogen des Faelleself. Willig nimmt er, waS man ihm droben im Hochland auf die Schultern bürdet, und führt es in das Tal hinab. Tausende von Stämmen kann er so tragen, und die Leute des IärvadalS brauchen das Holz nur dort, wo sie es benötigen, aufzusangen. Daß der Doktor das vergessen hat! Dah man jeden Mittwoch und Freitag die Sperre löst, um die gestapelten Hölzer abzulassen! Er ist so bet ber Sache, daß er es sicher ganz vergessen hat. Fest steht er, den Rücken ben Fällen zugewendet, bis zu ben Hüften int reihenden Wasser und müht sich lässig, ben matten Hecht gegen das Land zu ziehen. Er würbe am liebsten den ganzen Tag so stehen. Man versteht es ja. Aber so kann er natürlich nicht sehen, baß broben unter der blauen Höhe bereits bie ersten Stämme über bie Kimmung schnellen, sich überschlagend tiefer stürzen und Hatschend gegeneinander stohend in den Elf hlnauStreiben. • Dr. Coround ist nicht feige... Wie er den ersten Stamm zischend an sich vorüberschiehen sieht, erbleicht er wohl ein wenig. Dann aber wirst er rasch die Gerte beiseite, kappt die Leine und befestigt sie an seinem Gürtel. Mutig wirft er sich in den Strom, um vor den Stämmen schwimmend das Land zu erreichen. Er ist ein guter Schwimmer, und alles ginge gut, wenn sich Methusalem, gleich nachdem er bie schlaffe Leine verspürte, nicht stromaufwärts gewendet hätte. Rur so ist es möglich, daß sich ber Arzt, mitten im Strome, durch den immer noch trotzenden Fisch festgehalten fühlt. Er sucht nach seinem Messer, um bie Leine zu durchschneiben, unb sieht dabei, mit starrem Blick, fast visionär, wie nahe vor ihm ber Körper bes Hechtes aus den schäumenden Wogen ersteht. Verwirrt schließt er bie Augen — er hat die giftigen Lichter, bas hämisch grinfenbe Maul bes Viehes ganz nah« vor sich —. dis ihm ber schwere Baumstamm mit dumpfem Krachen vor die Stirn schlägt... • Zwei Tage später fanden Fischer, bie singend In ihren Booten blitzende Netze vom Grunde eines Altwassers lösten, Dr. Corounds Leiche. Don der Angelleine wie verschnürt, mit halbem Blicke nach oben, so lag er im Schlamme der stillen Buch^ Auf seinem Leib aber hockte — wie wenn ihn das Untier also spinnenhaft gefesselt hätte — ein böses, hämisch grinsendes Wesen, daS sie zu Tode erschreckte, und in dem dann einer von ihnen endlich Methusalem, den alten Hecht vom Saelltfe tii «danntih v) ZT" w Ä*i» 'ini®**, W k-Ä hSuMu® Io £•«*% l ^Haftung ^slschen rrbin. - Reuter avz eine ' ch-nKon- .^ließlich Die Rt, l5Rung wuw Wen oorgenorr, ft.*«» krochen, DD. 9«n, eine groß, rennen, hier. : in Kranb, und -n. Die $olüei 15 Mi«, fift R der (ootet- Mer iutoH Mw Polizei« «ine Erklärung, ng norgenommen anben habe, doß mfunft bet im Konlulat ab« erklärt, daß man gefunden habe. Weifen i. D. * Funkspruch) i: Gestern traf jl&enen Farben liche Sunjat« rerS bet jung- intang, bet 1911 ublik China ge« rt Äanking ein imlnlster trugen io ein Altar er« e Zeremonie, die und einem drei t bestand. Ne ». Später wurde boot über den rts 101 unb b'v ronenschM c« drei Lage lang nintang aufge* erben die $tcn' m wird zugckl' enbgüülgc Sei' —__gT. islhen Sevaffer, nebt geben, da» .acht. Mit Lesern Mitt feine Sr- ) unb feine Lei- zu bieten haben. ogenteM* i ihm dwbenZ ürdet, und fuhrt " von StL'Me te des IärvadaÜ ; sie es benovgeu, _ Mil Daß man Sperre M,u° na vetgeffe" g ö W A°°-"d “ Aus aller Welt. InternationalerTierschutz-Kongrctz in Wien 3m festlich geschmückten Saale des Wiener Militärtasinos am Schwarzenbergplah wurde der denkwürdige Internationale Tierschuhkongreß durch den Präsidenten Dr. E. Melkus in Anwesenheit des Bundespräsidenten Mikl a s, der bei der österreichischen Regierung beglaubigten Gesandten und der Delegierten der Tierschuhorganisationen aller Länder in feierlicher Weise eröffnet. Vertreter aller Länder und Sprachen behandelten die aus der Tierschuhbewegung bekannten Themen während der vier Tage dauernden Verhandlungen in über 50 Ein» zelvorträgen. üniversitätsprofessor 11 b e (Graz) hob die Wechselbeziehungen zwischen Alkoholis- mus und Tierquälerei pertror, Horst Kuhlwein von Rathenow (Berlin) versuchte nachzuweisen, daß Tierdressur keine Tierquälerei darstelle, namentlich dann nicht, wenn man auf die Eigenheiten der Tiere eingehe und die Tiere mit Liebe behandele. Miß Lind af Hageby fordert eine Reform im Schlachten der Tiere und des Tiertransportes. Sie wendet sich auch gegen die Pelzmode, die durch den qualvollen Fang der Pelztiere Anlaß zu furchtbaren Tierquälereien gibt. Die Herzogin von Hamilton and Brandon, die als bekannte Tierschützerin ein internationales Bureau für Tierschutz in Genf errichtet hat, hebt hervor, dah sie über eine Spende von etwa 20 000 Mark verfügt, die auf einige Jahre verteilt, in Form eines Robelpreises der aktivsten Ticrschutzbe- wegung verliehen werden könnten. Maitre Les- p i n e (Paris) fordert ein Verbot der Stierkämpfe und Verbesserung der traurigen Lage der Grubenpferde. Prof. Dr. L. Oehninger (München) fordert die vollständige Beseitigung der Vivisektion. E. Os berg (Malmö) spricht über Tiertransporte zu Wasser und zu Lande. Rur eine internationale Regelung der Tiertrans- porte kann die Tierquälereien herabmindern. Vct.-Rat Dr. Schapper (Steyr) geißelt die Massentierquälereien in der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit besonderer Berücksichtigung der Kastration von Haustieren durch Laien. Dr. Albrecht, Hamburg, sprach über die Bedeutung des Tierschutzes in der Jugenderziehung und forderte die Aufnahme des Tierschuhgedankens in die Lehrpläne der Schule. Magnus S ch w a n t j e hält die Exzesse der Grausamkeit ebenso schlimm, wie die Sittlichkeitsdelikte und möchte dies bei der Filmzensur berücksichtigt wissen. 3. L. C a t h e r, London, warf die Frage auf: .Haben wir Frieden?" Der grausame Krieg gegen manche Tiere, von denen viele Arten bereits vollständig ausgerottet worden sind, müssen unterbleiben. Oberrechnungsrat Kratz, Darmstadt, fordert in längeren Ausführungen ein Verbot des Kupierens der Pferde sowie ein Verbot der Einfuhr und des Verkaufs kupierter Pferde. Graf Wilhelm Leiningen Westerburg, Wien, verteidigte die weidgerechte 3agd gegen die Forderung der radikalen Richtung auf gänzliches Verbot des 3agens von Wild. Universi- tätsprofessor G r o a g , Wien, besprach das traurige Los der Kettenhunde. Dr. Richard K a p e l - l e r, Wien, beleuchtete Raturfrevel und Tierquälerei vom Standpunkte der Psychologie und psychoanalytischer Forschung. Geistlicher Rat 3ungbauer, Wien, sprach über Kirche und Tierschutz. Rau (Cannstatt) trat für ein Verbot jeglicher Verstümmelung der Haustiere ein. Miß Lind (London), Krämer (Berlin), D r. Müller (München), sowie Präsident D r. Melkus nahmen sür den Standpunkt des Dr. Klein (Lennep) Stellung, wonach es für Tierschühler in der Verwerfung des betäubungslosen Schachtens überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten mehr geben könne. Alle Tierschuhvereine der Welt treten sür Schlachtmethoden mit Betäubung ein. Dr. Schilling (Wien) betont, daß Tierschutz eine Frage der Erziehung ist. Reben Kirche und Schule, muß vor allem die Presse, der Rundfunk und der Film in den Dienst der Tierschuhsache gestellt werden. Er wendet sich sodann auch gegen gewisse Hebertreibungen in der Tierschuhpropaganda, die mehr schaden als nützen könne. Aniversitätsprofessor Dr. Krämer (Gießen) sprach über Tierpsychologie und Tierschutz und erntete reichen Beifall für die interessanten Ausführungen. Rachdem inzwischen der deutsche Gesandte, Graf Lerchenfeld, die deutschen Delegierten empfangen hatte, erfolgte die Schlußsitzung und Abstimmung über die gestellten Anträge. Line Beleidigung des Reichsoberhaupts. Nachdem bereits vor einiger Zeit Reichs, kanzler Müller unb Reichswirtschaftsminister Dr. (5 urtius ihre anfängliche Zusage zur Teilnahme an ber Meißener Tausendjahrfeier zurückgezogen hatten, hat sich nun- mehr auch die sächsische Regierung ent« schlossen, zu der Feier keinen Vertreter zu entsenden. Wie verlautet, sind diese Absagen auf die Ablehnung der Verleihung des (5 h r e n b ü r g e r r e ch t e s an den Reichspräsidenten v. Hindenburg durch die Meißener Stadtverordneten zurückzuführen. Man erblickt darin in den maßgebenden Stellen eine Beleidigung des Reichsoberhauptes. Schlichlungsverhandlungen im Ruhrbergbau. Unter dem Vorsitz des Schlichters Professor B r a h n begannen in Essen die Schlichtungsverhandlungen über den Tarifvertrag und das Arbeitszeitabkommen für den Ruhrbergbau. Zur Erledigung der wichtigen Punkte des Manteltarifs und des Arbeitszeitabkommens wird eine Schlichterkammer gebildet werden müssen, die voraussichtlich erst gegen Mitte des Monats 3uni zusammentretcn wird. Oberleutnant Schulz im Moabiter Gesängniskrankenhaus. Oberleutnant Schulz ist aus Gesundheitsrücksichten aus dem Essener Untersuchungsgefängnis in das Krankenhaus des Moabiter Untersuchungsgefängnisses überführt worden. Die Ursache der Katastrophe auf dem Lückendorfer Dergrennen. Wie die sächsische Staatskanzlei mitteilt, haben die vorläufigen Ermittelungen über das Unglück beim Lückendorfer Bergrennen ergeben, daß die Ursache für das plötzliche ruckartige A b b i e gen des verunglückten Wagens von der geraden Rennstrecke nach halblinks auf einen Bruch des rechten Lenkhebels zurückzuführen ist. Die Straße war an der Unglücksstelle vollkommen in Ordnung und wies keine Schlaglöcher und Unebenheiten auf. Es wird erwogen, Zuverlässigkeitsfahrten und ähnliche Veranstaltungen von Kraftfahrzeugen zu Prüfungszwecken, soweit sie mit einer Geschwindigkeitsprüfung verbunden sind, in Zukunft auf öffentlichen Wegen nicht mehr zuzulassen. Sturmkatastrophe auf den Philippinen. Der südliche Teil des Verwaltungsdistrikts Manila ist in diesen Tagen von einer Sturmkatastrophe heimgesucht worden, bei der nach den jetzt abgeschlossenen amtlichen Untersuchungen zehn Personen getötet wurden, während über oas Schicksal von 33 Personen überhaupt nichts in Erfahrung zu bringen war. Sechs Dörfer wurden von dem unaufhörlich niederströmenden Regen unter Wasser gesetzt, wobei etwa 15 Häuser von den Fluten weggespült wurden. wenn aus Theater Ernst wird. 3n dem von Zuckmayer bearbeiteten amerikanischen Schauspiel „Rivalen", das im Berliner Theater in der Königgräher Straße nicht zuletzt durch die Darstellung der beiden männlichen Hauptrollen durch Fritz Kortner und Hans Albers zu einem großen Theatererfolg wurde, hat jetzt Fritz Kortner seine Rolle niedergelegt, weil das Verhalten seines Partners derartige Formen annahm, daß ein weiteres Zusammenspielen für ihn nur mit schweren körperlichen Schädigungen verbunden wäre. Albers jagte sich so in seine Rolle hinein, daß er den etwas brutalen Geist des von ihm dargestellten Rivalen von der Bühne auch hinter die Kulissen trug, so daß es des öfteren zu schweren handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden „Rivalen" kam, bei denen der an Körperkraft und Boxergewackdtheit überlegene Albers zum Schaden Fritz Kortners stets Sieger blieb. Um sich weiteren Mißhandlungen durch seinen Gegenspieler Albers, der Spiel und Wirklichkeit verwechselte, zu entziehen, hat Kortner dem Direktor Barnow - sky schriftlich mitgeteUt, daß er die Rolle nicht mehr spielen werde. Sie wird wahrscheinlich anderweitig beseht werden. Tagung der hessischen Polizeibeamten. WSR. Darmstadt, 27. Mai. Gestern sand hier der 6. ordentliche Derbandstag des Landesverbandes der Polizeibeamten Hessens statt. Die Tagung wurde durch den ersten Derbandsvorsihenden, Polizeiinspektor Schmidt (Mainz) eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache unter den Ehrengästen insbesondere den hessischen Minister des 3nnem, Leuschner, willkommen hieß, dem er das besondere Vertrauen der ihm unterstellten Polizei aussprach. Rach einer Reihe weiterer Begrüßungsansprachen ergriff Minister des 3n- nem, Leuschner. das Wort und führte u. a. aus, daß er als Minister soweit wie möglich die Polizeibeamten unterstützen werde. Daß ein Teil der Wünsche natürlich unerfüllt bleiben mußte, läge zunächst schon in der schwachen Finanzkraft des Staates begründet, bann müsse man aber auch Rücksicht auf die andern Beamten nehmen, und endlich könnten natürlich keine Wünsche berücksichtigt werden, die etwa dem 3ntereffe des Staates zuwiderlaufen. Minister Leuschner kam dann auf den Sonder- d i e n st zu sprechen. Es sei im Anfang sehr schwierig gewesen, den Sonderdienst in die achtstündige Dienstzeit einzufügen, da es sowieso an Polizeibeamten mangele; es fehlten etwa 180. 3etzt ließe sich der Dienst eher durchführen, die Polizei habe es nötig, bei ihrem schweren Beruf Körper und Geist zu trainieren. Selbstverständlich wolle er möglichst alle Härten vermeiden. Er werde darauf achten, daß mit dem Sonderdienst kein Mißbrauch getrieben werde. Man möge ihm vertrauen, er werde die Polizeibeamten nicht verlassen, ihre Belange vertreten, alles Rötige tun und nichts versäumen. Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen. Dr. Mierendorff ergriff hierauf das Wort zu seinem Vortrag „Der Beamte im Volks st a a t“. Der Beamte wisse, daß bei ihm die Exekutive liege, aber er wisse auch, daß er Diener des Volkes sei, nicht einer kleinen Gruppe Herrschender. Der Redner kam dann auf die Einstellung des Beamten dem Staat gegenüber zu sprechen, dem der Beamte treu ergeben fein müsse. Weiter streifte er die Stellenbesetzung und forderte, daß vor allem die Leistungen bei der Einstellung und Beförderung zu entscheiden hätten. Der Referent schloß mit dem Wunsche, die Beamtenschaft möge auch weiterhin zeigen, daß sie sich in den neuen deutschen Dolksstaat hineingefunden habe. Die verschiedenen Vertreter der einzelnen Gruppen brachten ihre besonderen Wünsche vor. Rach Erstattung des Kassenberichts und der Berichte der Kassenprüfungskommission kamen insgesamt 64 vorliegende Anträge und einige Dringlichkeitsanträge zur Abstimmung, die sich in der Hauptsache mit der Besoldung, Laufbahnrichtlinien und Prüfungen, Dienstplan, Tagegeld, Dienstkleidung und Ausrüstung befaßten. Die Anträge wurden größtenteils nach kurzer Debatte angenommen, oder dem Vorstand zur Erledigung überwiesen. Es wurde u. a. beschlossen, die Mitgliedschaft beim Deutschen Deamtenbund wieder zu erwerben. Die Wahl ergab zum 1. Verbandsvorsitzenden Polizeimeister Mink, 2. Vorsitzender wurde Polizeihauptwachtmeister Flechsenhar, Kassierer Polizeimeister Dietrich. Schließung der Frankfurter Kinotheater? WSR. Frankfurt a. M, 28. Mai. Die Krise in den Lichtspieltheatern ist mittlerweile chronisch geworden. Eine gut besuchte Versammlung des Landesverbandes der Lichtspieltheaterbesitzer von Hessen und Hessen-Rassau befaßte sich neben wichtigen Fachfragen vor allem auch mit der Frage einer Schließung sämtlicher Betriebe während der Sommermonate. Schon vor einigen Monaten erschien eine Kommission von Theaterbesitzern bei dem zuständigen Dezernenten des Magistrats, um wegen einer Ermäßigung bzw. einem vollständigen Erlaß der Der- anügungssteuer zu verhandeln, aber die Angelegenheit wurde hinhaltend behandelt. Frankfurt verfügt über 42 Lichtspieltheater, die rund 500 Angestellte beschäftigen. Schätzungsweise nehmen diese rund 40 Theater während der schlechten Sommermonate zusammen 300 000 bis 400 000 Mark ein und führen monatlich ungefähr 45 000 bis 50 000 Mark an Lustbarkeitssteuer ab. Diese Theater dürften zusammen zwischen 360 000 und 480 000 Mark Spesen haben, ohne die Vergnügungssteuer mitzurechnen. Es käme also eine ilnterbilanj von 80 000 bis 130 000 Mk. im Monat in Frage. 3n einer Entschließung, die einstimmige Annahme fand, wurde beschlossen, sämtlichen Angestellten zum 1. 3uIi z u kündigen. Da diese 500 Kinoangestellten etwas mehr als ICO 000 Mark im Monat verdienen, hätte die Stadt bei einer Schließung der Theater nicht nur einen Schaden von rund 50 000 Mark an entgangener Vergnügungssteuer zu tragen, sondern müßte auch noch monatlich Die gleiche Summe an Erwerbslosenunterstützung aufbringen. Hinzu kämen Verluste an städtischen und staatlichen Abgaben, Einkommen- und Umsatzsteuer, und falls es im gesamten Frankfurter Filmverleihbezirk wirklich zu einer Schließung kommt, ist auch die Tätigkeit der Filmverleih- firmen, die ebenfalls etwa 200 Angestellte be* fchäftigen, lahmgelegt. Oie Wetterlage. Mr«rrtni R01J ö Noröoyan. L itocxm 755 la Corufia 2 fctenslag, dpe.to 1929, 7h abds 22 zo !l 7 J o .— -janrtayeir 0woiKenM». O neuer, o naib Dedecat.» «voikig. • oedecxi •RegBa * Schnee a Graupeln. s Nebel KGew1tter.@u1nd5niie.KS «h» •eichtet Ost jS massiger Südsüdwest q stürmischer nordwesS Oie Pfene fliegen mit dem Winde. Pie beiden Stationen stenenden Zab» len geben die Temperatur an. Pie Linien Verbinden Orte mit gleichen} Meeresniveau umgereznneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Transport kühler Luftmassen nach Mitteleuropa dauert fort. Sie werden sich weiter südwärts auch über unseren Bezirk durchsetzen und einen Temperalurrückgang bringen. Dabei kommt es neben Bewölkung auch zu Riederschlägen, die jedoch mehr vereinzelt auftreten dürften. Mit dem Abzug der Ostscestörung, die sich zunächst durch Aufnahme warmer ßuftmaffen in ihr Störungsbereich noch verliefen wird, wird der hohe Luftdruck im Rordwesten sich weiter nach dem Kontinent ausbreiten. Dabei dürfte für später wieder meist heiteres und trockenes Wetter zu erwarten sein, so daß der Witterungsumschlag nur 1 bis 2 Tage anhält. Wettervoraussage für Donnerstag: Kühles, wechselnd wolkiges Wetter mit strichweisen Riederschlägen, teilweise auch ge- witterhafter Art. Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, Temperaturen wieder langsam etwas ansteigend. Lufttemperaturen am 28. Mai: mittag« 25.0 Grad Celsius, abends 16.6 Grad Celsius; am 29. Mai: morgens 17.3 Grad Celsius. — Maximum 26.3 Grad Celsius, Minimum 11.0 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 14 Stunden. Erdtemperaturen am 28. Mai: abends 28.4 Grad Celsius; am 29. Mai: morgens 19.6 Grad Celsius. COTY Die er den "vorübttE 8 Son LMM" - denkst ein -hcn- n «Mm MH ÄW w -neiden. ÄA aus d*!1 hie rtt Mil-d lebtet, Mw NIN "N t." rKsS IM AUFTRAG DER FIRMA COTY S. A. PARIS GEBEN WIR FOLGENDES BEKANNT: Die unterzeichneten Anwälte haben wegen der gegen Herrn Coty erhobenen Angriffe gegen die verantwortlichen Redakteure verschiedener Tageszeitungen Beleidigungsklage erhoben. Sämtliche Verfahren haben ausnahmslos damit geendet, daß die Beklagten die beleidigenden Behauptungen gegen Herrn Coty Zurücknahmen. In der am 20. April 1929 vor dem Amtsgericht Frankfurt a. Main stattgefundenen Verhandlung konnten wir dem Gericht eine in unseren Händen befindliche Original-Korrespondenz zwischen dem Syndikus des Verbandes der deutschen Seifen- und Parfümerie-Fabrikanten e. V. Berlin und einem Berliner Werbefachmann zur Kenntnisnahme vorlegen. Aus diesem Schriftwechsel geht unzweideutig hervor, daß der Syndikus des obenbezelchneten Verbandes den Werbefachmann gegen Entgelt beauftragt hat, Artikel gegen Coty in die Presse zu lancieren. Weiterhin ergibt sich aus diesen Schriftstücken, daß diese Artikel volkswirtschaftlich kaschiert und so aufgemacht werden sollten, daß die ernsthafte Presse und mit der Angelegenheit etwa sonst sich beschäftigende Persönlichkeiten die wirklichen Hintergründe nicht durchschauen konnten. Der nachstehende, an den erstunferzeichnefen Anwalt gerichtete Brief bedarf in diesem Zusammenhang v/ohl keines weiteren Kommentars: Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt 1 18. 4. 1929 Wie loh erfahren habe , soll in das von Ihnen eingeleitete Gerichtsverfahren, betreffend die Angriffe gegen Coty, auoh meine Person hineingezogen werden. Es entspricht zwar den Tatsachen, daß ich im Auftrage des Verbandes Deutscher Feinseifen- und Parfümerie - Fabrikanten e. V., Berlin NW 40, Beethovenstraße 2, vertreten durch dessen Syndikus, Herrn Dr. Hoffmann, eine von dieser Seite auch finanzierte Presse - Propaganda gegen Coty durchgeführt habe. Nachdem ich aber jetzt die ganze Propaganda gegen Coty als einen Konkurrenzkampf erkenne, habe iohmioh entschlossen, künftighin von jeder weiteren direkten und indirekten Betätigung gegen Coty abzusehen. Ich bitte Sie daher ergebens! , von einer Hereinziehung meiner Person in einen Prozeß Abstand zu nehmen. Hochachtungsvoll gez . H . Seh. Wir haben auf Grund des letzten Satzes des vorstehenden Schreibens die volle Nennung des Berief schreiben unterlassen. DR. MAX ALSBERG Berlin,den20.Mei 1929 DR. MARTIN MANASSE RECHTSANWALT UND NOTAR RECHTSANWALT UND NOTAR im Alter von 29 Jahren. Großen-Buseck, den 27. Mai 1929. 474801 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Konrad Schmidt V. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Mai 1929, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehaus aus statt Heute verschied nach langem, schwerem Leiden ganz unerwartet unser lieber Bruder, Schwager, Onkel und Pate Herr Wilhelm Schmidt I. Altersvereinigung 1862-1912 Am 27. d. M. ist unser lieber, treuer Alterskollege Albert Gürtler heimgegangen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung land in der Stille statt. Der Vorstand. 47790 Bekanntmachung. Am INonlag, dem 3., und Dienstag, dem 4. Juni 1929, jedesmal von 1 Uhr mittags an, werden im Hofe des Anwesens Asterweg 25, eine große Anzahl teilweise sehr gut erhaltener, aus Nachlässen herrühren- der Gegenstände, wie Möbel, Kleidungsstücke, Küchengeräte u. dgl. mehr öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert 4747D Gießen, den 23. Mai 1929. Der Oberbürgermeister (Wohlfahrtsamt): Dr. Seid. Bekanntmachung. Die Hebregister für die Beiträge zu den Kosten der Industrie- und Handelskammer für 1929 liegen zehn Tage lang, und zwar vom 30.7Nai bis 8. Juni d. I. von 10 bis 12 und 3 bis 5 Uhr auf unserem Bureau zur Einsicht offen. 4756D Einwendungen gegen den Inhalt der Hebregister sind innerhalb dieser zehntägigen Frist schriftlich vorzubringen. Nach Ablauf dieser Frist wird über die vorgebrachten Einwendungen entschieden. Gegen die Entscheidung ist innerhalb zweier Wochen Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt zulässig. Gießen, den 28. Mai 1929. Industrie- und Handelskammer Gießen. 3.23.: Klingspor, Kommerzienrat. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rabertshausen für das Rj. 1929 liegt vom Mittwoch, dem 29. Mai ab, eine Woche lang auf dem Dienstzimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht der Beteiligten offen. Während der Offenlegungsfrist können schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen vor- gebracht werden. 4764D Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen worden, zu der auch die' Ausmärker beizutragen haben. Rabertshausen, den 28. Mai 1929. Hessische Bürgermeisterei Rabertshausen. Reichhardt. 1: Kl rm 246 224 110 31 Los 9: Kl. 1b Los 10: Kl. 2a Los 11: Kl. 2b Los Los Los Los Stück, 46,68 fm Stück, 76,57 fm Stück. 66,99 fm Stück, 29,67 fm 2: Kl. 3: Kl. 4: Kl. la 1b 2a 2b 15,44 fm Los 14: Nuhknüppel: Fichte 1. Klasse 17,7 rm, 12,39 fm. Das Holz ist mit Rinde gemessen und wird zur Zeit entrindet. Die Verkaufsbedingungen liegen zur Einsicht auf dem Bureau des Gemeindevorstehers zu Lühel- linden offen. Das Holz ist gerückt, lagert an guten Abfuhrwegen, in der Nähe der Kreisstraße Gießen — Grohen-Linden. Diesbezügliche Angebote find, getrennt für jedes einzelne Los pro Festmeter, verschlossen mit der Aufschrift „Holzsubmis. sion" bis zum Samstag, 1. Juni l. I., nachmittags 5 Uhr, auf dem Bureau des Gemeindevorstehers zu Lützellinden einzureichen, wo in Gegenwart etwa erschienener Bieter die Eröffnung stattsindet. Forfthaus Hüttenberg, 25. Mai 1929. Seipp, Förster. Holzsnbnlission. Nachverzeichnetes Nutzholz aus dem Markwald der Gemeinde Lützellinden soll aus dem Wege schriftlichen Angebots verkauft werden: 4706D Eichen-Abschnitte, Güteklasse N: Los 12: Kl. 3 2 Stück, 1,49 fm Los 13: Nuhschcil: Fichte 2. Kl., 19,3 1 Stück, 0,13 fm 2 Stück, 0,47 fm 3 Stück, 0,98 fm 1 Stück, 0,52 fm Fichlen-Langholz, Güteklasse N: Los " ............. 5: Kl. 3a 3 Stück, 3,92 fm Fichten-Langholz, Güteklasse F: Los 6: Kl. la 1 Stück, 0,17 fm Los 7: Kl. 2a 2 Stück, 1,20 fm Fichlen-Abschnitte, Güteklasse N: Los 8: Kl. la ' ----- | Vermietungen] Ben. möl l. Wobn- und Schlafzimmer i. svl. z. verm. 03383 Dammstr. 41 v. Ollllllllllllllllllllllllllllllllll Schöner, großer Raum (neu Hergerichten für alle Zwecke geeignet, au vermieten. 03346 E. Nenzel.Schützen- siraüe 2 , b. Hütten- bergers Bleiche. Illllllll!llllllllllllllllllllllllll MetMg 73 große Werkstatt, g. als Laaer mit Bureau für so ort zu vermieten. 4257D Näheres: A. Beeker, Keplerstraße Nr. 9. Telephon Nr. 1043. 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März 1929 hat sich die unterzeichnete Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftpflicht umgewandelt. Gläubiger, welche diesem Beschluß widersprechen, wollen sich bei der Genossenschaft melden. 4727D Staufenberg, den 14. März 1929. Landw. Konsumverein e. G. m. b. H. Ludw. I u n a V., N. Becker III., Wilh. Heibertshausen. TKobel in einfachster bis feinster Ausführung Teppiche/ Dekorationen Bequeme i Teilzahlung__s MMtih. UH.BRÜCH INH. TH. WEINCAT giessen, Brandplatj 'ALTES SCHLOSS) * Seefische bluttrisch und billig in strammer Eis- und Maitenpackntig direkt vom Fischereihafen. Fisch ist Sommernahrnng. Psnnd von 25 Pfennig an. Berkaus: Donnerstag Harkt 03395 Sürgens Weier munde- Fiirbcreibafen Donnerslag, den 30. 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Mat 1929. Heinrich Gerlach, Schmiedemeister. Bosch tadecLel verloren. Abzngeb. gegen Belohnung b. TriukauS. Seltersweg 50. eilt Gießen. Sonntag, 2. Juni. Jugendwanderung: Wettenberg — Slrof« borfer Jorst. Abmarsch 8 Ubr Labnbrücke. 4760D Verein verlrietiener Eisaß-Lolli ringer Der Ausflug nach Annerodnndetnicht am 2. Juni, sondern nm [03385 16. Jun, statt. Der Vorstand« Örcheslsrverein Donnerstag abend BlaS- Probe. 4™D Ter Vorstand. Stadttheater Donnerstag, 30. Mat, 32.fflittrooM0.-Brn. von 19* ? bis 22 Ubr Zum letzten Male MWIlUft Schivant in 4 Giriert von Blumenihal und Kadeibnrg. .Hornhaut, A beseitigt s 1 Packung Kukirol mit dem Garantieschein kostet 75 Pfg. Verlangen Sie aber ausdrücklich das neue Kukirol mit dem Garantieschein, denn Sie erhalten dann Schwielen und Warzen schnell, sicher und unblutig KnklrolVerkaulsstelle: Kreuz-Drogerie, Bahnhofstraße 5L Nr. 125 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 29. Mai 1929 Spanien während der Weltausstellung. Von E. von Llngern-Gternberg. Di« Eröffnung der Weltausstellung in Barcelona hat die Augen der ganzen Welt auf Spanien gelenkt. Auch das Deutsche Reich hatte Gelegenheit, sich nach langen Jahren wieder vor einem großen internationalen Forum zu zeigen und zu beweisen, daß deutsche Leistungen nicht ihren Wert verloren haben. Leider sind die Kredite, die der Reichstag für die Weltausstellung bewilligt hat, so gering, daß das Reich im Wettbewerb mit den anderen Nationen nur einen bescheidenen Platz einnehmcn kann, und daß der deutsche Sonderkommissar für die Ausstellung, Dr. von Schnitzler, manche bereits belegten Plätze aus Geldmangel den Spaniern wieder zurückgeben mußte. Die Sparsamkeit hat den Nachteil, daß die französische Propaganda auf und für die Weltausstellung, die noch durch den gleichzeitigen Besuch der französischen Flotte in Barcelona verstärkt wird, kein Gegengewicht findet, wenn auch sicherlich alles das, was der deutsche Handel und Industrie zur Schau stellen, auch ohne Reklame volle Anerkennung findet. Bon allen Regionen Spaniens ist Katalonien am meisten dem französischen Einfluß geöffnet, und zwar nicht nur wegen der geographischen Lage, sondern, weil die Katalaner sich mit den Kastiliern nicht allzugut vertragen, weil ihnen die Zentralisation Madrids unbequem ist, weil sie ihr kulturelles Eigenleben betonen, ihre eigene Sprache, das Katalanische (die langue d’oc der Troubadoure) sprechen, und weil sie sich in manchen Dingen den Südfranzosen näher verwandt als den Spaniern fühlen. In Würdigung dieser psychologischen Grundlage hat Frankreich seine Expositur auf der Weltausstellung in Barcelona besonders glänzend gestaltet. Ob die Ausstellung alles das erfüllen wird, was versprochen worden ist und was von ihr erhofft wird, bleibt abzuwarten. Roch sind nicht alle großartigen Anlagen vollendet und inanch« Pavillons stehen lc«r. Immerhin war der Gesamteindruck der prunkvollen Eröffnungsfeier durch den König ein Erfolg und ein Triumph für Spanien: General Primo de Rivera konnte die offiziellen und inoffiziellen Vertreter des Auslandes durch den Augenschein davon überzeugen, daß in dem von ihm regierten Lande Ruhe, Ordnung und Fortschritt herrschen, und daß die Schauermären, die noch vor wenigen Wochen über die Zustände in Spanien von den Feinden der Diktatur verbreitet wurden, einer überhitzten Phantasie entsprangen. Aus Anlaß der Ausstellung wurden die Vorlesungen in den meisten Universitäten, die wegen der Studentenunruhen und wegen der Haltung eines Teils der liberalen Professoren geschlossen worden waren, wieder ausgenommen. Ueber die Dummeiungenstreiche der akademischen Jugend wurde der Schleier der Vergessenheit gebreitet und auch der letzte Operettenputsch des ersten leichten Artillerieregiments fand feinen Abschluß. Das Kriegsgericht Ciudad Real fällte zwar sieben Todesurteile und vierzehn Offiziere wurden auf Lebenszeit ins Zuchthaus geschickt, aber diese schweren Strafen werden schwerlich zur Vollstreckung kommen. Primo de Rivera hat niemals, im Gegensatz zu anderen Diktatoren der Neuzeit, ein politisches Verbrechen mit dem Tode ahnden lassen, und auch diesmal wird die königliche Gnade nicht ausbleiben. Als nach dem Artillerieaufstand vom Jahre 1926 der Kommandeur der Artillerieakademie in Segovia zum Tode verurteilt wurde, wurde ihm gleichzeitig mit dem Urteil die volle Begnadigung verlesen. Sicherlich wird Spanien den vielen Ausländern nicht das grausige Schauspiel von Hinrichtungen geben. Neben der Ausstellung in Barcelona wird die Aufmerksamkeit durch den Kongreß der Völkerbundsliga in Madrid gesesielt. Die Sensation hat der Vertreter Argentiniens, Sr. S i v o r i gegeben, indem er sich gegen die Bevormundung des amerikanischen Kontinents durch die Vereinigten Staaten auflehnte, dieMonroe-Doktrin als eine imperialistische Waffe Washingtons bezeichnete und die Streichung des Paragraphen 21 der Dölkerbundsfatzungen verlangte, in dem die Monroe-Doktrin als nicht im Gegensatz zum Völkerbundsstatut stehend, bezeichn t wird. Der Vertreter Spaniens, Sr. E l o r r i e t a , summte dem Argentinier bei und auch die Delegierten der ande- ren lateinamerikanischen Staaten erklärten, daß ihre Regierungen nicht länger die Fesseln der Monroe- Doktrin dulden wollten. — Dieser Sturm gegen die Monroe-Doktrin in Madrid fällt mit der Eröffnung der pa n iberischen Ausstellung in Se- o i'l l a zusammen, deren Sinn und Zweck es ist, alle Völker spanischen und portugiesischen Blutes unter der gelb-rot-gelben Fahne des Mutterlandes £ versammeln und die p a n i b e r i s ch e Ein- • i t der panamerikanischen, deren Ausfluß die onroe-Doktrin ist, entgegenzustellen. Es gab eine Zeit, wo die halbe Erde spa- n i s ch war, und wo die Schotten Karls V. und Philipp II. über der alten und neuen Welt lagen. Spanische Vizekönige beherrschten in den Goldländern der Mayas Landesstrecken, die größer als Kaiserreiche waren. Die Zeiten sind zwar oorüber, aber die spanischen Sitten und Traditionen, vor allem die spanische Sprache als Lebendiges Bindeglied sind geblieben. Es ist nun eine der Hauptaufgaben der Außenpolitik Primo de Riveras gewesen, die locker gewordenen Bande zwischen Spanien und den flügge gewordenen Tochterländern zu festigen und das Gemeinsamkeitsgefühl der Völker spanischen Blutes zu stärken. So ist denn die paniberische Ausstellung m Sevilla nicht nur eine glänzende wirtschaftliche Schau, sondern sie ist ein Ereignis von politischer Bedeutung. Die Synthese einer allspanischen Kultur wird dort zur Geltung gebracht und den Lateinamerikanern wird das Rückgrat in ihrer Auflehnung gegen die Fesseln der nordamerikanischen Bevormundung gestärkt. Die Schwäche der paniberischen Politik Primo de Riveras liegt darin, daß es ihm nicht gelungen ist, zwischen Spanien und den früheren Kolonien gesunde wirtschaftliche Grundlagen für eine Annäherung zu schaffen. Der spanische Handel mit Süd- und Mittelamerika ist verhältnismäßig gering. Es gibt außer der „Transatlantico" auch keine größeren spanischen Schiffahrtslinien, die den Verkehr nach Südamerika vermitteln. Aus Sevilla soll jetzt nach Buenos Aires eine direkte Fluglinie „Colon" eingerichtet werden, die von der Regierung eine Subvention von sechs Millionen Pesetas erhält, aber auch diese Linie dürfte keinen erheblichen praktischen Wert für den Ausbau der spanisch-süd- amerikanischen Beziehungen haben. Der nordamerikanische Dollar übt das Pfandrecht in Lateinamerika aus und er wird sich nicht so leicht aus seiner Vor- Machtstellung durck die Peseta und durch schöne Rede verdrängen lasten. Aber wie dem auch sein mag, so ist Spanien durch seine Kongresse und Ausstellungen jetzt doch ganz besonders ins Gesichtsfeld des Auslandes gehoben worden. Es zeigt sich als moderner, fortschrittlicher Staat, in dem Ordnung und Ruh« herrscht, in dem die sozialen Gegensätze keine Reibungsflächen bieten, und das einen würdigen Platz in der großen Völkerfamilie Europas einnimmt. Deutscher Pfadfinderbund. Bundcslager bei Potsdam Pfingsten 1929 Alle zwei Jlahre sammelt der Deutsche Pfadfinderbund, der schon seit nahezu 20 Zähren der größte Pfadfinderbund Deutschlands ist, seine Mitglieder zum Bundestag. Das diesjährige Pfingsttreffen hatte die Berliner Landesmark des Bundes mustergültig vorbereitet. Am Großen Seddiner See bei Potsdam reihte sich Zelt an Zelt, um fast 4000 deutsche Pfadfinder — darunter auch 27 Angehörige des Horstes Gießen — aufzunehmen, die aus allen Teilen des Reiches zusammengekommen waren. Auch aus dem uns durch das Versailler Diktat entrissenen Danzig und Oberschlesien, ferner aus Innsbruck und dem besetzten Rheinland nahmen Gruppen an dem Bundestag teil. Am ersten Pfingsttag eröffnete der Bundes- führer das Lager und ließ feierlich das Dundes- banner aufziehen. Darauf verlas er folgenden Gruß des Reichspräsidenten: „Den ■ bei Potsdam versammelten deutschen Pfadfindern entbiete ich herzlichste Grütze. Liebe zum Vaterland und zur schönen deutschen Heimat sind die besten Grundlagen für das Her- anwachsen aufrichtiger Menschen und guter Staatsbürger. von Hindenburg." Bei strahlendem Frühsommerwetter verlebten die Zungen nun sieben Tage heiteren Spiels und ernster Arbeit. So brachte der zweite Pfingsttag die großen Wettkämpfe des Bundes, die bei jedem Treffen ausgefochten werden. Die Hessen konnten beim Schwimmen, den Pfadfinderwettkämpfen und der P f a ö* sinder st reife den ersten Platz erringen, während andere Landesmarken beim Singwettstreit und vielerlei sportlichen Hebungen Sieger waren. Rach dem anstrengenden Lagerdienst jedes Tages vereinigte der Abend den ganzen Bund kurze Zeit ums Feuer, das Banner wurde eingeholt, und bald schliefen alle dem neuen Tag entgegen. Den Höhepunkt des Lagers bildete der Aufmarsch des Bundes in Potsdam. Dor der Garnisonkirche bekannten sich der Deutsche Pfadfinderbund und der Grotzdeutsche Zugend- bund zum Geist der Pflichterfüllung und Vaterlandsliebe. Ein stummer Vorbeimarsch an der Gruft des großen Königs beschloß die Feier. Als das Danner zum letztenmal eingeholt wurde, war jeder der Teilnehmer um ein tiefes Erlebnis reicher. Alle kehrten mit frischen Kräften und im Bewußtsein der hohen Aufgaben der deutschen bündischen 3ugenb in ihre Heimat zurück. Kommunale Gemeinschaftsarbeit zwischenVad-Aauheim undIriedberg <£ Bad-Nauheim, 28. Mai. In der Heu- tigen Stadtratssitzung wurden zwei wichtige Beschlüsse gefaßt, die für die kommunalpoli- tisck^e Entwicklung unseres Gemeinwesens von größter -Ledeutung sind. Einmal wurde der Vereinbarung mit der Nachbarstadt Friedberg über Errichtung eines gemeinsamen Städteausschusses zugestimmt. Der „überstädtische" Ausschuß besteht nach der Vereinbarung, die noch die Zustimmung des Friedberger Stadtrats finden muß, aus zwan - z i g Mitgliedern (von jeder Stadt 10) und wird sich beschäftigen mit kommunalpolitischen Aufgaben allgemeiner Art, bei denen durch Zusammenarbeit Erfolge entweder zuverlässiger, oder »i— M'niHiniin. mn~ Mimin--nrar*"~**7*~^_~ Wrlklaus um Ellinor. Vornan von (Senta Neckel. Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6. 8. Fortsetzung Nachdruck verboten. Auf einer weihgetünchten Wand lief unaufhörlich ein Rcklamefilm. unaufhörlich wurden den Menschen Sprüche und Ramen eingehämmert, die sich im Gehirn mechanisch fest saugen. „Soap! Melk! Best Butter — here, you are, here you are!“ Selbst der phlegmatischste Mensch mit den ruhigsten Aerven mußte in Schwingungen geraten, beim Anblick dieser infernalischen Großstadtsymphonie. „Wie ist das schönl", sagte Mabel Peers und schaute mit glänzenden Augen um sich. Dann suchte sie mit entzückender Koketterie aus der Speisekarte die raffiniertesten Dilikatessen zusammen, knabberte vergnügt Salzmandeln und sprach von Gott und der Welt. ..Wissen Sre, Mr. Johnson," sagte Mabel und schob mit unnachahmlicher Gebärde eine köstliche Frucht in den Mund, „nachher gehen wir aber noch in den Spielsaal. Spielen ist meine Leidenschaft. O, nein; ich spiele nicht hoch, offen gestanden, ich habe kein Geld dazu. Ich bin in Geldsachen immer ehrlich, was nutzt es, einem andern etwas vorzumachen, ich spiele, weil ich spielen muß, es macht so ungeheuer viel Spaß. Silan muß etwas riskieren, man muß im Leben einmal alles auf eine Karte setzen, allein schon, um dieses Gefühl kennenzulernen, sonst stirbt man ja vor Langeweile!" „Und wenn man dann verliert, kleine Mabel? „Run, dann verliert man! Was liegt daran? Es bietet sich stets eine neue Chance, und eines Tages wird man gewinnen!" Mabel lächelte ihr hübsches Gegenüber verliebt an. Sie fand den Zungen goldig, er war so herzerfrischend jung. Und sie war doch grade so einsam, und etwas fürs Herz mußte der Mensch doch haben — und Mabel Peers hatte ein sehr weites Herz. Ellinor hob das Glas. „Also trinken wir auf diese Chance, kleine Mabel" Der Reporter Zules Smith saß hinter einer Palmengruppe verborgen und ließ Ellinors Tisch nicht aus den Augen. Smith war einer von den Menschen, der, selbst unfruchtbar, sich von jeher auf fremde Zdeen gestürzt hatte, um sich daran zu erwärmen, sich zu entflammen und sich über die eigene Dumpfheit und Leere hinwegzutäuschen. Er wußte, das Leben war heiß und schnell, wahnsinnig und mörderisch, er wußte, Tausende warfen es weg, weil sie nicht damit fertig werden konnten. Er aber wollle leben. Er wollte sich nicht herausdrängen lassen aus der Gruppe derer, von denen die Welt sprach. Erst heute abend wieder, in der Metropolitan Opera, als er die upper five Hundred in ihren Logen hatte sitzen sehen, hatte der Ehrgeiz ifjn wieder angefallen wie ein wildes Tier. Er kannte die Menschen, er kannte dieses Heer von Zeitungslesern. die sich dreimal täglich ihre Seele mit den Schicksalen unbekannter Menschen heizten. Er wußte, nur wenige Auserwählte konnten sich den Luxus leisten, selbst etwas zu erleben. Fast allen fehlte Geld, Zeit und Mut, das Leben ließ ihnen nichts. Sie wurden fortgerissen vom sausenden Schwungrad der Zeit und wer nicht aufpaßte, der wurde an die Wand gedrückt und totgequetscht, wer den Atem verlor, der stürzte ab und blieb zerschmettert liegen, und keiner drehte sich nach ihm um. Mitgefühl war Luxus geworden, denn keiner hatte Zeit, Geld und Mut, sich um den anderen zu kümmern. Eine neue Melodie ging jetzt durch die Welt, eine tolle, wilde Melodie, man konnte schon beinah sagen ein Gassenhauer. Und Zules Smith wußte, daß nur der rücksichtslose Mensch vorwärts kam. Zules Smith kannte von Zugend auf nur einen Plan: Vorwärts! Er lebte elender als ein Hund. Und eines Tages war er einer von den tausend Zeitungsjungen, die an den Abenden die Ramen üjrcr Blätter in die Luft bellen. Keiner konnte den schmalen blassen Zungen mit den stets hungrigen Augen leiden, aber keiner verschloß sich auch vor der Tüchtigkeit dieses Bengels, der die frechste Schnauze Reuyorks sein eigen nannte. Abend für Abend starrte er zu den hellerleuchteten Fenstern der Zeitungspaläste hinauf und ertoußte, daß der Tag kommen müsse, wo auch er da oben sitzen würde und vom Redaktionstisch aus die Well regieren würde. Zn seinen freien Stunden lernte er. was das Hirn nur aufnehmen konnte. Er stürzte sich auf fremde Sprachen und saugte die Vokabeln auf wie ein Löschblatt die Tinte. Sein Ehrgeiz schüttelte chn. Seine tollen Wünsche hielten ihn wach, wenn ihm im grauen Morgendämmern die Augen zufallen wolllen. Er kannte keine Pause, keine Erholung, keine Liebelei und keinen Schlaf. Er scharrte die paar verdienten Cents zusammen und legte sie nutzbringend an. Keine Demütigung und Züchtigung des Lebens konnte ihn mürbe machen. Er schluckte sie herunter und dachte an die Zukunft. Er schlief in einer elenden Baracke mit drei Pennbrüdern zusammen. Zm Winter froren ihm die Hände steif, so daß er kaum seine Zeitungen halten konnte. llnö eines Tages hatte er es geschafft. Er sprach fließend französisch und deutsch. Er kaufte sich einen neuen Anzug und neue Schuhe, band sich einen sauberen Kragen um, und ging zum Chefredakteur des „Herald", stellte sich vor, und hatte das Glück, angenommen zu werben, denn der alte Zeitungsmann hatte auf den ersten Blick gesehen, daß in dem Burschen eine Vitalität steckte, die man nutzbringend verwenden konnte. Endlich konnte Zules Smith frei atmen. Und der junge Reporter schuftete, daß ihm das Blut in den Ohren sauste. Er tnußte, keiner konnte ihn leiden. Er war auch jetzt noch hysterisch sparsam, er gab nie einen Pfennig Trinkgeld, er hatte den Mut, die frechste Anspielung eines Kellners zu übergehen. Er hatte nur eine Leidenschaft: Geld zu verdienen. Er schikanierte seine Leute genau so, wie man ihn einst getreten hatte, er kämpfte gegen den Strudel, um hoch zu kommen. Aber das Hochkommen war verdammt schwer, die Zeiten, wo man in Amerika aus nichts Millionenvermögen machte, waren längst vorüber. Doch Smith wußte, daß augenblicklich eine große Chance sich bot, mit einem Schlag 100 000 Dollar zu verdienen. Ellinor! An dem Tag, als man ihm im Gebäude der „Cvening Review" die Tür gewiesen hatte, da hatte es sich in ihm festgesetzt wie ein glühender Stein: Rur ich werde Ellinor finden. Und an dem Tag, als jeder Quadratfuß Reuyorks von Ellinors Bild bedeckt war, da hatte auch er es verstanden, von sich reden zu machen. Er hatte einen wahren Feldzugsplan ausgearbeitet, aber er Wechte niemand in seine Pläne ein. Er sah, wie die Menschen sich Ellinors wegen heiße Köpfe redeten, er sah die Parteien, die für und wider waren. „Bluff, Bluff, the greatest Bluff ot the world!“ schrien die einen. Die andern aber verteidigten ihren Standpunkt und schrien, daß sie die anderen übertrumpften: „Ronsens, kein Bluff, Mac Stanley weiß, was er will, und Ellinor wird uns 100 000 Dollar schenken!" Es lag haarscharf auf der Hand: Diese Spekulation des alten Stanley war die grandioseste Zeitungsreklame aller Zeiten. Und Smith wuhte, daß Stanley schon Tausende an der Sach« verdient hatte, weil die Auflage der „Evening Review" um das Zehnfache gestiegen war. Smith faß ganz allein an seinem Tisch und saugte durch einen Strohhalm Zitronenlimonade. Er freute sich, daß er endlich einmal einen Augenblick ruhig sitzen konnte, beim diese letzten zehn Tage war er kaum einen Moment zur Ruhe gekommen, diese Ellinor hatte es einem verdammt schwer gemacht, sie zu finden. mit geringerem Kräfteaufwand erreicht werden können; mit Einzelaufgaben der Selbstverwaltung, die zum Nutzen beider Städte am besten gemein- sam gelöst werden: mit der Pflege eines freundnachbarlichen Verkehrs und infolgedessen gegebenen» falls auch mit dem Ausgleich von Gegensäken. Durch den andern Beschluß wurde dem Beitritt der Stadt Bad-Nauheim zum Rheinischen Regionalplanungsoerband zugestimmt. Diesem Verband, der am 12. April unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Landmann in Frankfurt a. M. gegründet wurde, traten ferner bei die Städte Darmstadt, Friedberg, Frankfurt am Main, Hanau, Hornburg, Mainz, Offenbach und Wiesbaden. Die Stadtratssitzung nahm ferner die neue städtische Besoldungsordnung an und genehmigte den von der Stadtverwaltung vorgelegten Stellenplan. — Für Instandsetzung des Saales im ehemaligen Gasthaus „Z u m Rit» ter" wurden bis zu 6 0 0 0 Mark bewilligt. Der Saal soll in der Hauptsache Vereinen und Jugendorganisationen für ihre Versammlungen zur Verfügung gestellt werden. Aus der Provinzialhauptfiadi. Gießen, den 29. Mai 1929. Kinder als Helfer im Garten. Bei genügender Aufsicht und guter Anleitung können schon Kinder i m Alter von 7 bis 8 Zähren sich im Garten recht nützlich erweisen, besonders im Kampfe gegen Ungeziefer und Unkraut. Der Vorteil ist ein doppelter, nämlich für den Garten und nicht weniger für die Kinder selbst. Mit Vorliebe helfen die Kinder beim Ablesen der Raupen und Larven. Zeigen sich an den Stachelbeersträuchern die Larven der Stachel- beerwespe, oder an den Kohlpflanzen die Kohlraupen, so sind die Kinder unbezahlbare Heiser. Ihren scharfen Augen entgeht kein Tier, und chre kleinen Finger greifen geschickter zu, als die meist arbeitssteise, harte Hand des Erwachsenen. Einige gut angelernte Kinder können in dieser Beziehung in wenigen Stunden Großes leisten. Sie lernen leicht durch die Reihen der Pflanzung gehen, ohne die Pflanzen zu schädigen. So habe ich einmal mit Kindern einem Landwirt sein Rapsfeld gerettet vor den Verwüstungen durch den Rapsglanzkäfer, ebenso eine Kohlpflanzung vor dem Kahlfressen durch Raupen. — Weiter lernen die Kinder sehr bald das ilntraut mit zwei Fingern unterhalb des Wurzelhalses fassen, damit die Wurzeln mit herauskommen, sie werden darüber belehrt, wie dadurch doppelte Arbeit gespart wird. Sie lernen hocken und knien, ohne die Füße zu bewegen, damit sie auf den hinter ihnen liegenden Beeten keinen Schaden anrichten. Bald lernen sie auch die Schädlinge kennen und sie von den nützlichen Znsekten, wie z. D. vom Marienkäferchen und den nützlichen Laufkäfern, unterscheiden, ebenso das Unkraut von den Kulturpflanzen, wie sie auch bald die nützlichen Dogeiarten im ©arten kennenlernen. Dadurch lernen sie praktische Raturkenntnis, die für ihr ganzes Leben Wert hat. Die Deobach- tungsgabe und die Sinne werden früh geschärft, sie gehen bald offenen Auges durch die Ratur und sehen dann vieles, an dem andere achtlos vorübergehen, sie lernen früh arbeiten und sich nützlich erweisen. So hat der große Raturforscher Drehm in seiner Zugend den Grund gelegt zu seinen eminenten Forschungen in der Tierwelt, indem ihn sein Vater schon in der Kindheit die Vogelwelt des Gartens kennen lernte. Der Gartenfreund wird seinem Kinde zur Belohnung ein Beet zur eignen Bewirtschaftung Überlassen. Durch die Freude, die erlangten Er hatte Reuyork kreuz und quer durchstreift, war in allen Luxushotels gewesen, hatte die finstersten Kaschemmen besucht, ohne eine Spur zu finden. Er hatte das eine Hausmädchen der Stanleys in Philadelphia, wo Stanleys ihren Wohnsitz hatten, bestochen, ihm die Ramen der Bekannten zu verraten, wo Stanleys in Reuyork verkehrten. Und an der Hand dieser Ramen hatte er unter irgendeinem Vorwand diese Leute aufgesucht, ohne den geringsten Erfolg. Er war Untergrundbahn gefahren so oft, wie noch nie in feinem Leben, hatte sich stundenlang an den Brennpunkten des Verkehrs aufgebaut, und jedes Auto beobachtet. An dem Tag, als angekündet worden war, daß Ellinor im Lafahette Einkäufe machen würde, da war er der erste, der dort war, und er war der letzte, der abends das Haus verließ. Zmmer war es erfolglos gewesen. Aber nun ist seine Stunde gekommen. Da drüben sitzt Ellinor, greifbar nahe, er braucht bloß hinzugehen und zu sagen: „Hallo, Ellinor Stanley, wo sind die 100 000 Dollar?" Er weiß selber nicht, warum er es nicht tut, er weiß selber nicht, warum er auf dem Sessel sitzen bleibt und Zitronenlimonade durch einen Strohhalm saugt. Er weiß nichts, er hat nur das Gefühl einer unendlichen Ruhe. Wieder nimmt er gierig einen Schluck. Rur durch einen Zufall hat er Ellinor heute abend entdeckt. Zedes ankommende Auto vor der Metropolitan Opera hatte er beobachtet, denn er wußte ja, daß Ellinor kommen würde. Der Regen hatte ihn bis auf die Haut durchnäßt, geduldig war er stehen- geblieben, was machte ihm ein bißchen Regen? Er hatte schon ganz andere Sachen erlebt. Er dachte nur an seine erste Reportage, da hatte man chn stundenlang im Schneegestöber herum- geheht, und damals hatte er nicht die Aussicht auf ein Riesen vermögen. Er hatte an dem Abend schon fast die Hoffnung aufgegeben, keine der ankommenden Damen war Ellinor gewesen, er hatte ein scharfes Auge. Dann war auf einmal ein junger Mann aus dem Auto gestiegen. Run, das war nichts Besonderes, es waren viele junge Männer im Auto gekommen, aber dieser junge Mann hatte mit einer so unnachahmbaren Gebärde den Frackmantel zusammengerafft, wie es eben doch nur eine Frau tun konnte, und als dieser junge Mann dann noch mindestens zehn Minuten lang vor dem Garderobespiegel gestanden hatte, da stand es für Zules Smith fest, daß das nur eine verkleidete Frau sein konnte. Und im Laufe des Abends war ihm die Gewißheit seiner Annahme klar geworden und er hatte sich dem schicken jungen Mann an die Fersen geheftet und ließ ihn nicht aus den Augen. (Fortsetzung folgt.) Keim kniffe auch praktisch a uSz uüben, und durch die Erfolge, die das Kind durch seine eigne Arbeit erzielt, wird seine Freude an der Gartenarbeit erhöht, und diese Lust und Liebe zur Arbeit, am Gedeihen und Wachstum der Pflanzen, die Freude an der Aatur überhaupt, behält dann der Mensch fürs ganze Leben. Größere Knaben lernen auch bald das Veredeln der Vosen und der jungen Bäume und freuen sich über den ersten gelungenen Erfolg. Viele Kinder treiben sich oft ohne Aufsicht in den Straßen umher und verüben allerlei mutwillige Unarten, sie verfolgen nützliche Tiere, nehmen Vogelnester aus usw. Die unterrichteten Kinder des Gartenfreundes werden das nicht tun, sie werden vielmehr ihre Kameraden belehren und davon abhalten, ünö schließlich ist der Aufenthalt im Garten, wenn das Kind auch seine Schulaufgaben in der Gartenhütte erledigt, die Arbeit im Garten, in der freien, frischen, gesunden Luft, im Sonnenschein, der Gesundheit des jungen Menschen recht förderlich. Darum herein in den Garten mit den Kindern, aber eine gewisse Aufsicht, besonders bei jüngeren Kindern, mutz dabei immer walten. Gr. Oer Ausklang -es Entomologen-Kongresses. Obwohl am Samstagmittag der offizielle Teil der Entomologentagung bereits beendet war, fanden sich am Sonntag früh um 8 älhr 118 Teilnehmer auf dem Ludwigsplahe ein, um der Einladung der Stadt Gießen zu einer Fahrt nach dem Hoherodskopf Folge zu leisten; ein Beweis für das große Interesse, das dieser Fahrt entgegengebracht wurde. Und man kann wohl sagen, daß die gehegten Erwartungen weit übertroffen wurden. Von herrlichem Wetter begünstigt ging die Fuhrt über Lich, Laubach zum Taufstein, wo auf halber Höhe die Teilnehmer ausstiegen, um zu Fuß über den Taufstein zum Hoherodskopf zu wandern. Aach einer längeren Mittagsrast, bei der Oberregierungsrat Dr. Morstatt den Dank aller, die an der Tagung teilgenommen hatten, beredten Ausdruck gab, wurden die Autos, die zum Hoherodskopf nachgekommen waren, wieder bestiegen. Die wundervolle Fahrt durch die schönsten Partien des Vogelsbergs zurück nach Gießen wurde nochmals in Laubach zu einer Kaffeepause und Besichtigung des Schlosses unterbrochen. Die Rückkehr fand etwa um 7 Uhr statt. Die Befriedigung über die schöne Fahrt, wie über den Verlauf der ganzen Tagung fand darin ihren Ausdruck, daß man vielfach die Meinung hörte, diese 3. Wanderversammlung sollte eigentlich die letzte sein, da sie von keiner folgenden mehr erreicht, geschweige denn übertroffen werden könne. Daten für Donnerstag, 30. Mai. Sonnenaufgang: 3.51 Uhr, Sonnenuntergang: 20.04 Uhr; Mondaufgang: 0.53 Uhr, Monduntergang: 9.40 Uhr. 1266: Der italienische Dichter Dante Alighieri in Florenz geb. (gest. 1321). — 1431: Die Jungfrau von Orleans wird in Rouen verbrannt (geb. 1412). — 1640: Der Maler Peter Paul Rubens in Antwerpen gest. (geb. 1577). — 1778: Der französische Dichter und Schriftsteller Francois Marie Arcuet de Voltaire in Paris gest. (geb. 1694). — 1853: Der Maler Vincent van Gogh in Brabant geb. (gest. 1890). Vornotizen. — Tageskalender f ü r Mittwoch. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Weiberkrieg". — Das Deutschtum im Ausland ist uns in der Aachkriegszeit näher gerückt, als es vor dem Kriege war. Die alljährlichen Versammlungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland werden immer stärker besucht, und seine Arbeit gewinnt in unserem Volk immer breitere Basis, wie die Pfingstversammlung in Kiel wieder gezeigt hat. Gleicherweise gewinnt damit auch das Grenz-Deutschtum erhöhte Bedeutung. Als solches steht uns besonders nahe Oesterreich mit seinen Grenzgebieten nach Süden und Osten, Tirol und Steiermark. 3n die Südoststeiermark, und zwar in das Leben der evangelischen Gemeinden in und um Graz wird ein Vortrag führen, den Pfarrer Vespermann aus Graz beute abend 1 »9 Uhr in der Stadtkirche hält und auf den auch an dieser Stelle hingewiesen sei. (Siehe heutige Anzeige.) — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Winterspielzeit findet in dieser Woche ihren Geschichten aus aller Welt. Aachdruck auch mit Quellenangabe verboten! Das größte Marmorstück dem größten Italiener. (g) Rom. Schon vor etwa Jahresfrist hat die vereinigte Marmorindustrie von Carrara das größte Marmorstück, das seit Menschengedenken ausgehauen worden ist, dem Ministerpräsidenten angeboten. Das wunderbare Stück weist eine Länge von rund zwanzig Meter und eine Breite, sowie einen Durchmesser von etwas über drei Meter auf: sein Gewicht beträgt 430 Tonnen. Die gigantische Marmorsäule soll im Stadion zu Rom aufgestellt werden, zur ewigen Erinnerung an Italiens Aufstieg und die große Zeit unter dem Duce. Der Transport ist bereits seit sechs Wochen im Gange, wobei vorläufig noch nicht einmal die erste Etappe, nämlich die von Carrara zum Hafenort Avenza, zurückgelegt wurde. Allein das Schutzgehäuse aus zähem Oelbaumholz kostete 60 000 Lire. Einschließlich aller Arbeiten verschlingt die Beförderung nach Avenza runde zwei Millionen: die Straße mußte ausgebessert, verstärkt, ja sogar durch Dynamit-Sprengungen verbreitert werden. 600 Facharbeiter und 60 Paar Zugtiere arbeiten im Schweiße ihres Angesichts, um dem Marmor-Denkmal von Mussolini auf die Beine zu helfen. In etwa zwei Wochen dürfte das Wunderstück der weltberühmten karrarischen Brüche Avenza erreicht haben. Daselbst übernimmt die Marineleitung den weiteren Transport, den achtzig Brückenschiffe und drei große Kriegsschiffe besorgen werden. Man sieht, es werden weder Kosten noch Mühe gescheut, um Mussolinis Ruhm in würdiger Form zu verewigen . . . Hollywooder „Bartologie". (a) Aeuyork. Ob bas Darttragen der Männer vom ästhetischen Gesichtspunkte aus zu befürworten oder abzulehnen ist, kann jede männliche Krone der Schöpfung mit sich selbst abmachen. In Hollywood aber werden lediglich aus Geschäftsgründen Bärte getragen. Ein ausgewachsener Bart ernährt nämlich im Filmdorado unter Umständen eine mehrköpfige Familie, insbesondere dann, wenn sein glücklicher Inhaber überdies über einige schauspielerische Qualitäten verfügt. Die Branche weist nach einer kürzlich erschienenen Statistik runde 400 Bärte verschiedenster Art auf, die von den Regisseuren fallweise „beschäftigt" werden. Es gibt Großherzogsbärte, Künstlerbärte, Profefsorenbärte und sogenannte Chet- tobärte, die für biblische Massenaufnahmen geradezu unentbehrlich sind. Geklebte Bärte würden die Stileinheit stören: gerade aus diesem Grunde werden die naturbehaarten Gesichter geschäht und auch recht anständig bezahlt. Die barttragenden Statisten erhalten je mach der Größe und Güte ihres Gesichtsschmuckes sieben bis fünfzig Dollar Tagesgage. Allerdings wurden in letzter Zeit die Preise stark gedrückt: es meldeten sich nämlich dilettantische „Därtlinge" und betrieben ihr Dartgeschäft nebenberuflich. Um diesem unlauteren Wettbewerb vorzubeugen, gründeten die Derufsschauspi^ler, deren Existenz lediglich auf ihrem Bart aufgebaut ist, in aller Form einen Bartschutzverein. Die Mitglieder müssen eine fünfjährige „dartschaüspielerische" Vergangenheit nachweisen. Die Dilettanten sollen im Aotfalle zwangsgemaßregelt bzw. zwangsent- bartet werden. Der hohe Fahrgast. (r) Brüssel. In einem belgischen Blatt wird folgende Anekdote vom jetzigen belgischen König erzählt. Er besuchte in dem Jahre Dor seiner Thronbesteigung den deutschen Kaiser in Potsdam, und zwar inkognito. Da er alles! vermeiden wollte, was die öffentliche Aufmerksamkeit hätte auf ihn lenken können, äußerte er den Wunsch, daß ihn niemand an den Bahnhof begleite, wenn er seine Rückreise antrete. Der belgische Kronprinz begab sich also allein und zu Fuß vom Reuen Palais zum Bahnhof Wildpark. Sein Salonwagen sollte an den O-Zug Berlin—Brüssel angeschlossen werden. Als der zukünftige belgische König auf den Bahnsteig kam, sah er, daß sich mitten in dem schon haltenden l)-Zuge ein mit Blumengirlanden geschmückter Waggon befand. Ohne diesem ^Imstande weitere Aufmerksamkeit zu schenken, bestieg Leopold ein Abteil erster Klaffe. Aach einigem Warten wurde er gewahr, daß die Abfahrtzeit schon längst verstrichen war. *S)cS> verwunderte den Kronprinzen sehr. So etwas» in dem vorbildlich pünktlichen Deutschland? Gr verließ also sein Abteil und wandte sich an den Stationsvorsteher: „ Fährt der Zug nicht pünktlich ab?" „Aein," antwortete der Beamte schroff, „gedulden Sie sich bitte." „Aber ich Habe keine Zeit zu versäumen und möchte rechtzeitig an meinem Ziel ankommen!" „Ja, sehen Sie denn nicht, lieber Mann, daß hier etwas Außergewöhnliches vor sich geht?" schnauzte der Beamte den Kronprinzen an. „Wic erwarten einen hohen Fahrgast!" „Das ist, alles recht schön und gut,“ erwiderte Leopold, ^aber dann muß dieser hohe Fahrgast auch pünktlich erscheinen!" „Mein Herr!" antwortete der Beamte von oben herab, „ss handelt sich um den Kronprinzen von Belgien L“ «Ach so, um den handelt es sich!" erwiderte lachend der Kronprinz. „Aa, dann können Sie den Zug ruhig abfahren lassen, denn der belgische Kronprinz bin ich selb st I“ Abschluß. Rudolf Goll, der beliebte erste Komiker und Spielleiter des Gießener Stadttheaters, scheidet mit dieser Spielzeit aus dem Verband des hiesigen Stadttheaters aus, um sich aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand zu begeben. Er tritt morgen, Donnerstag, das letztemal in dem Schwank „Großstadtluft" als Cru- sius auf. * • Das Maienblasen am heutigen Mittwochabend 19 Uhr vorn Turme der Iohannes- kirche aus, das zum letzten Male in diesem Jahre stattfinden wird, bringt folgende Darbietungen: 1. „O, Gott, du frommer Gott" von Loh. Herrmann, 2. „Das treue deutsche Herz" von Otto, 3. „Deutschland, Deutschland über alles" von Haydn. Der Dläserchor des Evangelischen Arbeitervereins, der seine Kraft und fein Können in bereitwilliger Weise für das diesjährige Maienblasen zur Verfügung gestellt hat, darf mit Genugtuung vermerken, daß er zahlreichen, mit diesen Abendmusiken eine Freude bereitete^ die ihm herzlich gedankt wird. ** S i c GießenerStudentenhilfe veranstaltet am kommenden Freitagabend in öcr Reuen Aula der Universität einen öffentlichen Vortrag über das Thema „Der Studentenhavs- gedanke". Vortragender ist Dr. T i l l m a u s - Dresden, der stellvertretende Geschästsführer der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft. 3m Anschluß an diesen Vortrag wird Prozessor Dr Eger unter Beifügung von Lichtbädern über den Bau des Gießener Studentenhauses am Leihgesterner Weg berichten. Im Hinblick auf die große Bedeutung dieses Hilfswerkes für unsere Stadt und angesichts der am nächsten Sormtag stattfindenden Grundsteinlegung des Giüßener Studentenhauses sei dieser Vortrags- abemd dem Besuche unserer Mitbürger dringend empfohlen. ** D i e Wagengasse, deren bisheriger Zu- stcmd als viel benutzte Derbin!>ungsstraße zwischen Mäusburg und Schulstraße von weiten Kreisen der Bürgerschaft unangenehm empfunden wurde, wird nunmehr in zeitgemäßer Weise hergestellt. Seit heute morgen wird das alte holperige Pflaster entfernt. Anschließend wird die Straße mit Gußasphalt versehen, ferner soll auch ein Bürgersteig geschaffen werden. Die Arbeiten werden etwa vier Wochen dauern. Die Neugestaltung dieser Straße wird sicherlich allgemeinen Beifall finden. ** Die TheologischeKonferenz tagt am morgigen Donnerstag im Johannessaal. Auf der Tagesordnung stehen ein Vortrag von Professor Dr. Becker (Darmstadt): „Die Seelsorge am Kranken- und Sterbebett im 17. Jahrhundert. Ergebnisse aus Forschungen in einem oberhessischen Adelsarchio", und ein Vortrag von Privatdozent Lic. Fascher (Marburg): „Das Problem der Exegese in der Gegenwart". ** Von, Tode des Ertrinkens gerettet. Ein ernster LInglücksfall ereignete sich gestern abend auf der Lahn oberhalb des Wehres bei den Mühlen. Dort war der zwölf Jahre alte Sohn des Bäckermeisters Müller, Bahv hofstratze, entgegen einem Verbot seines Vater« in die Lahn gegangen, um zu baden. Der Kleine, der nicht schwimmen kann, wurde von der Strömung abgetrieben und rief natürlich um Hilfe, worauf der in feinem nahegelegenen Garten arbeitende Vater in die Lahn nachsprang, um fein Kind zu retten. Hierbei kam aber auch der Mann, der anscheinend des Schwimmens nicht ganz kundig war, in die Gefahr des Ertrinkens, jedenfalls versank er in der Flut und konnte erst nach anstrengenden Bemühungen mehrerer Ruderer wieder an die Oberfläche und an Land gebracht werden. An dem bereits besinnungslosen' Manne mußten längere Zeit Wiederbele», bungsversuche, zu deren Vornahme auch die Freiwillige Sanilätskolonne vom Roten Kreuz herbeigerufen wurde, zur Durchführung kommen, bis es gelang, ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen. Jedoch hatte der Bedauernswerte schon sehr viel Wasser zu sich genommen, so daß feine ■ilcberfüfjrung in die Medizinische Klinik zur weiteren ärztlichen Versorgung notwendig war. Der Junge war schon bald nach dem Versinken seines Vaters durch andere Retter wieder an Land gebracht worden. ® e r ®ifSn&aI)ner-5)eim ft ölten« peretn hielt feine diesjährige Hauptversammlung am Sonntag im Hotel Hopscld ab. Aach dem Geschäftsbericht des ersten Schriftführer Weber kann die allgemeine Lage des Heimstättenvereins als fest bezeichnet werden. Die Genossenschaft zählt 161 Mitglieder und besitzt 42 Etagenwohnungen, die zum Teil im Wetzlare« ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahme* fällen nicht gewährleistet werden! VERLAS DES 61ESSENER ANZEIGERS Weg, in der Klinik-, Ihering- und Wilhelm- strahe errichtet wurden, außerdem am Wartweg in vier Doppelhäusern weitere acht Wohnungen. An Baugelände nennt der Verein am Wartweg rund 20 000 Quadratmeter Gelände sein eigen. 3m abgelaufenen Geschäftsjahr wurden vier Doppelhäuser am Wartweg erbaut. Aeu eingeführt wurden im Laufe des 3ahres 1928 die Errichtung von Sparguthaben, die nunmehr den Betrag von 10 250 Mk. erreicht haben. Die Genossenschaft ist im August 1928 dem Bund Deutscher Bodenreformer beigetreten. Anschließend machte der Schriftführer die Mitteilung, daß es am 27.3uni d. 3. zehn 3ahre werden, daß die ersten Anregungen zur Gründung einer Genossenschaft durch den Auffichtsratsvorsitzenden L a n d- m a n n gegeben wurden. Die Eintragung crfolg/c dann am 18. Oktober 1919. Der Redner dankte besonders der Stadt Gießen und der Reichsbahndirektion Frankfurt für ihre seitherige Unter» stühung und sprach den Gründern der Genossenschaft für ihre tatkräftige Mitarbeit Dank aus. Eine besondere Feier anläßlich des zehnjährigen Bestehens soll nicht stattfinden, doch ist die Herausgabe einer Denkschrift geplant. Die Dilanz- schluhsumme, die 1924 168 000 Mk. betrug, ist im 3ahre 1928 auf 517 428,24 Mk. gestiegen. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigte in Aktiva und Passiva 24616,56 Mk. Zu dem Bauvorhaben 1 9 2 9 berichtete der Vereinsvor- sihende, Bauinspektor Schmidt, u. a.: Beabsichtigt ist, auf dem Gelände am Wartweg die Erstellung von insgesamt 45 Wohnungen, von denen 11 in diesem 3ahre erbaut werden sollen. 3n erster Linie ist die Errichtung von Dier- zimmerwohnungen inS Auge gefaßt, deren Miete nach den vorläufigen Feststellungen mit etwa 80 Mk. pro Monat veranschlagt ist. lieber den Baubeginn konnte noch nichts Endgülsiges bestimmt werden, da hierüber die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Bei der VorstanoS- wahl wurde der erste Schriftführer Webe« ***>? e. L Dieser vollendete Sedhszylmder Sportwagen kostet nur 3900Mark Lxer 8 PS Opel ist eine der reifsten und gelungensten Sechszylinder- Konstruktionen. Die kraftvolle, geschmeidige Maschine bezwingt mühelos und ohne Schalten die Skala der Geschwindigkeiten vom langsamen Schritt des Fußgängers zum donnernden Tempo des D-Zugs. Dabei sind die 8 PS Opel nicht nur die preiswürdigsten, sondern auch die absolut billigsten Sechszylinder- Wagen auf dem deutschen Markt? OPEL 20-A33d«8^ >D AM OPy. A.G„ RDSSEI£HE1MAJ& a eirtgege KUR18 AARtf W im m ^Mt^EMWWWWMWA QyMÄ S^W M MM Ö|X K E5kÄ zum I ANZEIGERS der Ausgaben 4182,81 Mk. erbrachten einen £ r a t desGietefw ickmäBIg am tiekufoahmi in Ausnahme. ?istet werdenl nungsabschluh für 1 927. Bürgermeister Schomber eröffnete die Sitzung und legte den Vorsitz in die Hände des Gemeinderats, der als Vorsitzenden sür diese Sitzung das älteste Besuche empfohlen. Oberheffen. Landkreis Gießen. Wieseck, 29. Mai. Der Gemeindel befaßte sich, gestern abend mit dem R e ch ■ (Sandgruben und Wiesen) äleberschuh von 7355,97 Mk. Die Waldungen einen Ueberschuh von 22 659,96 Mk. Jagden und Fischereien ergaben 1550 Mk., Schäsereien und Weiden erforderten einen Zuschuß von 378,49 Mark. Die Wasserversorgung konnte nur durch Aufnahme eines Darlehens von 15 000 Mk. mit einem Detriebsüberschuß von 13 130,38 Mk. ' und Wilhelm« m am Mrweg icht Wohnungen, in am Dartloeg mbe sein eigen, r wurden vier baut. Heu ein« Jahres 1928 die )ie nunmehr den haben. Die Sc« bcm Bund $eul« in. Anschließend ittcilung, daß cs werden, daß die j einer Genossen« Renten Land« tragung erfolg Aedner baue bet Reichsbahn« eiiherige Unter« rn der Genossen« irbeit Dank aus. des zehnjährigen doch ist die Her« mf. Die 2)ilanj« Hl. betrug, ist im , gestiegen. Die leigte in Aktiva |u dem Hau« )»r Jereinsvor« t u.a.: Heab« V Wartweg die Löhnungen, von üX werden sollen. )tung von Hier« saht, deren Mte ungen mit cN '&Ü6^ tführerDeber Mitglied Karl Kreiling wählte. Gemeinderechner M ö b u s erstattete hierauf den Bericht, ouS dem folgendes hervorgeht: Als Rechnunas- rest aus 1926 verblieben 20 952,55 Mk. Die Einnahmen aus Gebäuden ergaben nach Abzug Die Grundstücke Waffen« ^tdersavwl. %ab. 2?a<6 I ^chnstsühreiä n»ben. Jo und besitzt etl m Detzkr« en. Drx Mrs rlich u? ötti« lpra^ar« Jtt 4’2 JS iiS ^r?2and fT.M die ’Ä* , ^i'nik Ma wtwendig 5 dem DersuA wieder * Trais a. d. L d a.. 29. Mai. Zu dem gestrigen Bericht über die Filmvorführung im hiesigen Turnverein „Gut Heil" wird uns mitgeteilt, daß das Kreisschulamt Lauterbach durch seine Lichtbildstelle nicht den Film beschafft, sondern nur den DorsührungsaHparat mit Zubehör auf Antrag des Vereins, sowie eine Film- zugobe geliehen hat. Die Beschaffung der übrigen Bildstreifen hat der Verein selbst veranlaßt. + ®tünberg, 28. Mai. In der jüngsten G e« meinderatssihung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren acht Gemeinderäte anwesend. Die Instandsetzung des Kessels der Heizungsanlage in der Volksschule war am 11. Oktober 1928 der Firma Appel. Gießen, übertragen worden. Die Ausführung konnte aber im Winter wegen Herbeischaffung von Ersatzteilen und um eine Unter» richtsunterbrechung zu vermeiden, nicht ausge- sührt werden. Sie soll nun so weit vorgenommen werden, daß der Kessel auseinandergenommen wird, um den Umfang der nötigen Reparatur feststellen zu können. Ein entsprechender Betrag soll in den Voranschlag eingestellt werden. — Die Baufluchtlinie für die Verlängerung der ©arten ft raße bis zur Schulstrahe wird festgesetzt. Die Pläne dazu werden demnächst offengelegt. Das zur Verlängerung benötigte Gelände soll von den Besitzern zu dem seither hier üblichen Preise für Strahengelände von 1,50 Mk. für den Quadratmeter angekauft werden. — 3m Jahre 1919 schenkte ein geborener Grünberger, namens Konrad Schäfer in Dresden, der Stadt den Betrag vonlOO 0 0 0 Mark mit der Bestimmung, daß er während seiner Lebenszeit im Zins genuß des Kapitals bleibe. Unter dieser Summe war u. a. eine Hypothek von 20 000 Mk. auf ein Haus in Bautzen, welche im 3ahre 1923 mit Zustimmung des damaligen Bürgermeisters gelöscht wurde. Der Erblasser will nun die Stadt für den Zinsverlust haftbar machen und läßt darauf Hinweisen, daß die Stadt Grünberg von dem jetzigen Hauseigentümer, das ist die Stadt Bautzen, Aufwertung bzw. Verzinsung der gelöschten Hypothek fordern könne. Die Angelegenheit soll städtischerseits Rechtsanwalt Lind zur weiteren Behandlung übertragen werden. — Der gegen das Daugeschäft Konrad Bock schwebende Prozeß am Landgericht in Gießen, der noch aus der Zeit des Bürgermeisters 3 ö ck e l her» rührt, soll durchgeführt werden. — Bei der im 3anuar erfolgten Uebergabe der Dürgermeister- geschäfte an Beigeordneten Keller durch einen Beamten des Kreisamtes stellte dieser das Fehlen eines Bandes des Reichsgesehblattes fest. Rach Reuanschaffung dieses Bandes auf Veranlassung des Kreisamts tauchte später auch der fehlende Band wieder auf. Der Gemeinderat sieht von einer Haltbarmachung des Bürgermeisters für die Kosten der Reuanschaffung (etwa 9 Mk.) ab, da es heute nicht mehr möglich ist, den Vorgang restlos aufzuklären. V Watzenborn-Steinberg, 28. Mai. Am Sonntag unternahm der hiesige Frauen- verein seinen diesjährigen Sommerausflug nach dem Kloster Arnsburg, um sich dort mit den Vereinen von Muschenheim und Birklar äu» sammenzusinden. Leider waren die Mitglieder des Muschenhecmer Vereins durch einen Trauerfall zum größten Teil am Kommen verhindert, dagegen waren die Mitglieder von Birklar in stattlicher Zahl erschienen. Rach dem gemeinsamen Kaffee unter den schattigen Bäumen unternahm man einen Rundgang durch das Kloster. 3n der Ruine, dem sog. „Paradies", fangen die Vereine zwei gemeinsame geistliche Lieder und sprach Pfarrer S t a u b a ch (Watzenborn-Steinberg) ein kurzes Degrühungswort. Anschließend konnte man einen lehrreichen Gang durch die Rettungsanstalt für die Kleinen antreten. Rur allzu schnell verflogen die anregenden Stunden, und man ging mit dem Versprechen: „Aus Wiedersehen in diesem Sommer auf dem Schiffenberg" auseinander. )( L i ch, 28. Mai. Am Sonntagvormittag unternahmen der EvangelischeFrauenkranzl und der P o s a u n e n ch o r einen Ausflug nach Ortenberg und Bad Selters. 3n Ortenberg wurde zunächst der Gottesdienst besucht, bei dem auch der Posaunenchor mitwirkte, während Pfarrer Le h i n g die eindrucksvolle Predigt hielt. Darauf fanden Besichtigungen des reizenden Städtchens und seiner schönen Umgebung statt. Rachmittags unternahm man in Gemeinschaft mit dem Ortenberger Frauenverein einen Spaziergang nach Bad Selters, wo man im Garten des Kurhauses bei Kafsee und Kuchen noch einige schöne Stunden verbrachte, wobei die Licher Besucher von dem Frauenverein Ortenberg trefflich bewirtet wurden. Pfr. Le hing sprach herzliche Worte der Begrüßung, Stiftsdechant Kahn dankte für alle Liebe, die die Sicher bei ihrem Besuch erfahren hätten. Rur allzu rasch ging bei Konzert des Posaunenchors die Zeit dahin. Mit einem nochmaligen Blick auf Ortenberg „in lichter Schönheit wundersam und traut“ und herzlichem Dank für die Gastfreundschaft der Ortenberger Frauen tourtid Abschied genommen. Alle Der« wiedergewählt, neugewählt wurde Herr Fleischhauer zum ersten Kassierer. Als Beisitzer wurden die Herren Pauli und B e d e r t gewählt. Die Wahl des Aufsichtsrates brachte eine längere Aussprache, da mehrere Aufsichtsratsmitglieder ihre Aemter abgaben. Hier wurden gewählt: Simon, W. Luh, W. Becker, Troß, Hedrich, Aug. Müller, Düdenbender, Ed. Schneider, Philipp und Schleider. Hieran schloß sich ein Referat des ersten Schriftführers Weber über „Reue Wege zur Weiterentwicklung der Genossenschaft", dem eine rege Aussprache folgte. •• Der Bläserchor des Cvang. Arbeitervereins veranstaltete am Sonntag auf dem Schiffenberg ein gut besuchtes Konzert. Geboten wurden Musikvorträge von Beethoven (Porkscher Marsch), Wagner (Brautchor aus Lohengrin), Mendelssohn-Bartholdy (Jägers Abschied vom Walde), Munkel (Paraphrase über „In einem kühlen Grunde") usw. Der Chor bot unter Leitung von L. R i e b c r g a 11 anerkennenswerte Leistungen, die reichen Beifall fanden. ** E i n Gas-Lehrvortrag mit Vorführung von Roeder-Gasherden fand gestern nachmittag in den Geschäftsräumen der Eisenhandlung I. V. Häuser, Am Oswaldsgarten, statt. Wie man uns berichtet, machten die leicht faßlichen Erläuterungen der Vortragenden Dame den Vortrag sehr interessant. Das Kochen, Braten und Backen überraschte die Gäste in jeder Beziehung. Sauber, schnell und billig wurden Braten, Fische, ein ganzes bürgerliches Mittagessen und Kuchen in kürzester Zeit hergestellt. Der nächste Vortrag, der heute nachmittag um 4 Uhr beginnt, sei unseren Hausfrauen in Einnahme er cheinen. Der Zuschuß zur Erwerbslosenfürsorge beträgt 309,37 Mk., zur allgemeinen Verwa tung 24 444,66 Mk., zum öffentlichen Sicherheitsdienst 9628,20 Mk., zur öffentlichen Gesundheits- und Wohlfahrtspflege 4611,25 Mark, zur Armenpflege 6628,15 Mk., zu den Schulen 7240,30 Mk., zur evangel. Kirche 4434,65 Mark, zum Gemeindefriedhof 1306,80 Mk., zu den Straßen 13 821,43 Mk., zu den Kanälen 17 000,95 Mark, zu landwirtschaftlichen Zwecken 6025,38 Mark. Die Grenzverhältnisse stehen mit einer Reineinnahme von 8215,19 Mk. zu Buch. Flüsse. Bäche und Gräben erfordern eine Ausgabe von 534,84 Mk. Bei der sozialen Fürsorge ist eine Mehrausgabe von 9746,17 Mk. zu verzeichnen. Die Wohnungssürsorge erforderte einen Zuschuß von 7472,45 Mk. Die Steuern und Abgaben der Gemeinde betragen 8521,09 Mk. An Sonder- fteuem wurden vereinnahmt 3105,80 Mk. Die Anteile an Reichssteuern betrugen 23 656,01 Mk., Gemeindeumlagen wurden 56 518,80 Mk. erhoben, wovon wieder 2683,57 Mk. erlassen wurden. Der Ausgleichsfonds beträgt 9073,42 Mk. Die Gesamteinnahmen im Rechnungsjahr 1927 betragen somit 477 758,04 Mk., die Ausgaben 449 516,17 Mark, mithin verbleibt ein Einnahmerest von 28 241,87 Mk., der sich wie folgt zusammenseht: a) barer Vorrat 27 326,82 Mk.. b) liquidierte Ausstände 915,05 Mk. Das Vermögen setzt sich wie folgt zusammen: Grundstücke: Einnahme 1193,84 Mk., Ausgabe 3489,59 Mk.: Kapitalien und Emeuerungsfonds: Einnahme 14 021,58 Mk., Ausgabe 4813,04 Mk.; Verkehrswesen (Autobetrieb): Ausgabe 6912,79 Mk. Summa: Einnahme 15215,42 Mk.. Ausgabe 15 215,42 Mk., welche sich gegenseitig vergleichen. Y Mainzlar, 28. Mai. 3n der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, zu der auch der Schulvorstand eingeladen war, stand als wichtigster Punkt die Besetzung der zweiten L e h r e r st e l l e an der hiesigen Schule auf der Tagesordnung. Um die Stelle hatten sich 14 Bewerber gemeldet. Die Gemeindevertretung und der Schulvorstand haben, wenn auch mit knapper Mehrheit, ihren Wunsch geäußert. Don wann ab die Besetzung der Stelle erfolgt, kann mit Bestimmtheit nicht angegeben werden. ließen in dankbarer Freude über den schönen Tag das liebliche Riddertal. Kreis Büdingen. △ Ridda, 28. Mai. Gestern fand hier die erste Heu- und ©rummetgraSberWeigerung von städtischen ©rasgärten, Wegen und Bachrainen statt, wobei gegen voriges Jahr f a st die doppelten Preise geboten wurden, obgleich der Grasbestand noch weit zurück ist. Cs hatten sich zahlreiche Steigliebhaber auch aus Rachbardörfern eingefunden. Die Dörrfuttervorräte sind bei den meisten Landwirten aus- gebraucht. Manche müssen noch Heu kaufen. Hierfür werden 6,50 Mk. ab Scheune für den Zentner bezahlt. Ein durchdringender Regen wäre für die Felder und Wiesen sehr nötig. Die Hauptversteigerung der Grasnuhung von den städtischen Wiesen findet erst später statt. Kreis Schotten. _ S Laubach, 27. Mai. Gestern und vorgestern en die Gauel und2desRadfahrer- bundeS Oberhessen (Sitz Hungen) in unserem Städtchen ihr diesjähriges G a u f e st ab. Die Feier nahm einen glänzenden Verlauf. Die Zahl der Festteilnehmer betrug gegen 1500. Am Samstagnachmittag sand Empfang der auswärtigen Gäste auf dem Festplatz, der „Hälle", statt. Abends bewegte sich ein stattlicher Fackelzug unter den Klängen der Laubacher Stadtkapelle durch die Hauptstraßen des Städtchens zum Fest- platz, worauf hier ein Begrühungskom- mers unter Mitwirkung der Laubacher Vereine stattfand. Arn Sonntagmorgen 5 Uhr erschallte der Weckruf, um 6 Uhr erfolgte der Start zum Rennen. Um 13 Uhr fand die Aufstellung des stattlichen „K or s o" - Fe st zu aes statt, an dem sich 46 Vereine mit insgesamt gegen 550 Mann beteiligten. Der Zug bewegte sich durch die Hauptstraße nach der „Hälle“. Hier trug Frl. Frieda Wagner (Laubach) einen an- sprechenden Festprolog vor, dem eine warme Begrüßungsansprache des Chrenvorsihenden Schä - s e r (Hungen) folgte. Bürgermeister Högy begrüßte herzlichst namens der Stadt die Festversammlung und wünschte einen schönen Verlauf der Feier. Hierauf hielt Cifenbahnassistent W a h l, der Vorsitzende des hiesigen Radfahrer-Dereins (gegründet 1927) die Festansprache. Hierauf folgte allgemeine Volksbelustigung. Um 18 Uhr wurden die Preise verteilt. Es konnten insgesamt 23 Vereine prämiiert werden. Beim Rennfahren, Klasse A (77 Kilometer) erhielt den 1. Preis: Jäger (Ulfa), den 2. Preis: Kraft (Alsfeld); den 3. Preis: H e n z (Ettingshausen). Beim Rennfahren Klasse B (58 Kilometer) erhielt den 1. Preis Schmidt (Ulfa), den 2. Jung (Angenrod), den 3. Arnold (Wermertshausen). In der Jugendklasse (38 Kilometer) wurde Erster: Schade (Leusel bei Alsfeld), Zweiter: Rink (Hattenrod), Dritter: Schmiermund (Leusel bei Alsfeld). 37 Rennfahrer waren am Start angetreten. Beim Korso-Fe st zug erhielten Ehrenpreise: Klasse Al: Radfahrerverein Leusel; Klasse All: Radfahrverein Ronnenrod; Klasse B; Bettenhausen; Klasse C: Ettingshausen; Kl. D; Berstadt; Kl. E: Queckborn. Im Reigen- fahren erhielt den Ehrenpreis Klein-Linden, den 1. Preis Dettenhausen, den 2. Laubach. Die Rennleitung hatte Schäfer (Steinbach), die Festleitung Wahl (Laubach). Don 20 Uhr ab fand wieder allgemeine Volksbelustigung statt. — Der ©au 3 (Bez. Alsfeld) unternahm eine Wanderfahrt nach Laubach. / © e d e r n , 28. Mai. Der hiesige Krieger- verein hielt dieser Tage unter der Leitung seines Vorsitzenden Karl Diehl XII. seine diesjährige Generalversammlung ab. Zu Beginn der Dersammlung wies der Vorsitzende daraus hin, daß am 9. Juni 55 Jahre seit Gründung des Vereins verflossen sein werden. Rach einem Gedenken an die gefallenen und verstorbenen Vereinsmitglieder erstattete Kam. Maar den Rechnungsbericht. Einer Einnahme von 1047,63 Mk. steht eine Ausgabe von 1010,34 Mk. gegenüber. Dem Rechner wurde mit Dankes- toorten Entlastung erteilt. Einmütig wurde einer Beitragserhöhung von 3 Mk. auf 4 Mk. pro Jahr zugestimmt. Weiter wurde beschlossen, auf der Herbsttagung des Bezirks den Antrag zu stellen, im nächsten Jahre eine eintägige gemeinschaftliche Rheinfahrt des ganzen Bezirks Ortenberg durchzuführen. Zum zweiten Vorsitzenden des Vereins wurde einstimmig Gendarmerieinspektor i. R. W ö r n e r gewählt. Leider konnten in dieser Versammlung nicht die üblichen Auszeichnungen für langjährige, treue Mitgliedschaft vorgenommen werden, da die Herstellung der neuen Ehrenzeichen noch nicht beendet ist. Es kommen für 50jährige Mitgliedschaft Altbürgermeister Karl Rispel VI., Joh. Friedr. Hof, Christ. Hof, Joh. D ond o r s und Wilh. Weih in Betracht. Das 40er°Chren- zeichen werden 14, das 25er 51 Kameraden erhalten. Uebcr das Kleinkaliberschießen sprach Forstrat K o t t m e i e r als Vorsitzender des hiesigen Kleinkaliberschühenvereins. Weiter brachte & idig« und»11!” Gesd’*',; en 54* mne^ aller Erdteile in Gold- und Silberdruck: Die FREUDE Länder• und Städtewappen des KURMARK-RAUCHERS. S>ntÄL-*AZtDOr*fN -AMSCHUNO Ah Repr5$€wtatiansp eeken g f»r Cireheett rwd ScfcetAttstA JTORS*RX. P B fVAPB ACKUNO» foftff» 6ure guteMun^e Jure gute Cigarette TÄGLICHER KURMARK-GRUSS sparet 6ad? jedwedes Wort. der Vorsitzende einen Ausruf gegen die Krieg-« schuldlüge zur Kenntnis der Versammlung. Kam. Beyer regte an, das ganze Versailler Diktat nach und nach im Dereinsorgan abzudrucken, damit jedermann die Gelegenheit erhält, sich über die maßlosen Bedingungen dieses Schandvertrag» zu orientieren, um sich dadurch gefühlsmäßig stärker gegen die Kriegsschuldlüge einstellen zu können. Mit einem dreifachen Hoch auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg als dem obersten Echirmherm des KriegervereinSwesen» fand die Versammlung ihr Ende. Starkenburg. WSR. Groß-Gerau, 28. Mai. Seit einiger Zeit ist die Polizei verschiedener Orte Starkenburgs Einbrecher auf der Spur, die hauptsächlich in Gustavsburg, ©insheim, Bischofsheim und Mörfelden schwere Einbrüche verübt haben. Rachdem in ©ustavsburg und GinSheim vor einigen Tagen mehrere Einbrecher in die Keller und von den Hinterhäusern in die Wohnungen eingedrungen waren und dabei Heinere Erfolge hatten, verübte wahrscheinlich die gleiche Bande in Bischofsheim bei einer Lehrersfamilie einen groß angelegten Einbruch, bei welchem Anzüge, Uhren, Wäsche, Kleider und wertvolles Silberzeug gestohlen wurden. In Mörfelden wurde am Tage darauf in eine ©üterhalle eingebrochen und auch von dort Waren mitgenommen. Die Polizei nahm in allen Fällen sofort die Verfolgung auf. Da aber sämtliche Spuren geschickt verwischt wurden, gelang es bisher nicht, genaue Feststellungen zu machen. Aus der Art der Einbrüche geht hervor, daß man es mit einer Berufseinbrecherbande zu tun hat. Preußen. Kreis Biedenkopf. XX Rv dheim a. d. Dieber, 28. Mai. Die Konfirmanden des Jahrganges 1883 veranstal- am Samstag hier eine Sechziger- Zusammenkunft, die einen stimmungsvollen Verlauf nahm. Die Feier fand in den Räumen des Gastwirts Dechthold statt. Alterskamerad Wilhelm Keller, jetzt in Saubringen wohnhaft, hielt eine fein durchdachte Ansprache, die allgemein starken Anklang fand. Bei Speis' und Trank, dem Austausch froher 3ugenberinnerungen, Gesang und Tanz verlebte man einige schone Stunden. Eine gemütliche Schlußfeier am Sonntag* nachmittag in Vetzberg bildete den Ausklang dein allen Teilen wohlgelungenen Wiedersehen». Kreis Wetzlar. x. p. Oden Haus en a. d. L., 28. Mai. Am l.Juni tritt unser Pfarrer Köhler in den Ruhestand. Ein Augen- und Halsleiden zwang ihn, vor Erreichung der Altersgrenze frühzeitig fein Amt und feinen Beruf aufzugeben und damit auch die geliebte Stätte seiner Wirksamkeit, zu verlassen. Aus Anlaß seine» Scheidens fand am Sonntag eine kirchliche Feier statt, in der Pfarrer Köhler seine Abschiedspredigt hielt. Er sprach über 2. Kor. 13, 13. In seiner Predigt ließ er noch einmal kurz die 16 Jahre seines Wirkens in Odenhausen an dem geistigen Auge der Gemeindeglieder vorüber- ziehcn. Eine wehmütige Stimmung bemächtigte sich der Gemeinde, galt es doch, Abschied zu nehmen von einem allseitig beliebten Seelsorger voller Herzensgüte. Diese Trauerstimmung stei« gerte sich noch, als die Gemeinde das Lied an- stimmte: „Zieht in Frieden eure Pfade". Im Ramen der Gemeinde dankte der Organist, Lehrer Reinhardt, dem Scheidenden für sein segensreiches Wirken und sprach ihm und seiner Familie die besten Segenswünsche für das fernere Ergehen aus. Er überreichte ihm zum Andenken an die Stätte seines Wirkens das Bild der Kirche. Umrahmt wurde die Feier durch den Gesang eines Mädchenchors, der das Lied fang: „Einen goldenen Wanderstab" und das Lied des hiesigen Darum mit vr.Thompsons Seifenpulver einweichen und mit (vzonil kochen OZOHIL Gesangvereins: „Nun zu guter Letzt", mit dessen Akkorden die Feier schloß. O Dornholzhausen. 28. Mar. Die hiesige Spar- und Darlehnskasse hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Die Jahresrechnung für 1928 wurde vom Rendanten, Lehrer Watz, vorgetragen und von der Versammlung gut» geheißen. Vorstand und Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die statutengemäß ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Die Verteilung des Reingewinns erfolgte in der Weise, daß 10 Prozent Dividende zur Verzinsung der Geschäftsanteile gewährt und der Rest dem Reservefonds zugeführt wurde. Um den Sparsinn zu beleben und der Kasse in noch größerem Maße eigene Mittel zuzuführen, wurde nach lebhafter Aussprache beschlossen, den Sparmarkenverkauf einzuführen. Rach Abschluß der Verhandlungen fand noch ein gemütliches Zusammensein statt. — Seinen 8 8. Geburts- t a g feierte der älteste Einwohner des hiesigen Ortes, Anstreichermeister Hrch. M a ck. M. erfreut sich noch guter körperlicher und geistiger Frische. Mit 70 Jahren erlernte er noch das Radfahren. Dis vor wenigen Jahren huldigte er noch der Jagd. Heute noch verrichtet er Arbeiten in dem landwirtschaftlichen Betriebe seines Schwiegersohnes. M. war lange Jahre Direktor des hiesigen Konsumvereins und ist heute noch Mitglied der größeren Kirchenvertretung. — Aus dem Amtsverkündigungsblait. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 3 6 vom 28. Mai enthält: Straßensperre. — Schlachthausanlage des Metzgers Rudolf Jakob zu Inheiden. — II. Hessisches Sängerbundesfest Darmstadt. — Ortsbausahung der Gemeinde Reiskirchen. — Die Wasserversorgung in der Gemeinde Hausen. Büchertisch- — HeinrichSohnreh-Duch. Ausgewählt und herausgegeben von Dibliotheksrat Dr. Hans R o t h'h a r d t, Berlin. Deutsche Landbuchhandlung. — 257. — Am 19. Juni vollendet Heinrich Sohnrey in fabelhafter geistiger und körperlicher Frische sein siebzigstes Lebensjahr. Zur rechten Zeit erscheint in hübschem Band eine Auslese seiner Dichtungen und Schriften. Dr. Hans Roth- hardt schickt in konziser Form eine Würdigung des Volksfreundes und Dichters voraus. Was Sohnreh als sozialer Reformator für die ländliche Wohlfahrtspflege getan hat, ist überragend, ist für die Dauer bestimmt. Man denkt an Grillparzers Worte: „Was fetzt ihr ihnen Bilder von Stein, als könnten sie jemals vergessen sein? Wollt ihr sie aber wirklich ehren, so folgt ihrem Beispiel und horcht ihren Lehren I" Der Dichter Heinrich Sohnreh ist mit dem Denken und Empfinden des Volks aufs engste verbunden. In seinen weitverbreiteten Romanen weih er seinen Erlebnissen eine eigenartige packende Form zu geben. Ein Verstehender, Mitfühlender begleitet er seine Gestalten, spürt die verborgensten Quellen auf. Dichtung und Wirklichkeit gelangen bei ihm zu vollkommener Synthese. Aus dem Heimatboden strömt die gesunde Kraft, die alle seine Werke erfüllt, Hnd immer merkt man: aus freudiger Seele steigt er zur Höhe der Erkenntnis empor. Lust und Leid, Glück und Unglück des Volks wecken ein Echo in ihm. Sein Schaffen wird von den Humanitätsgedanken der besten Geister des 18. Jahrhunderts durchweht: ein Menschenfreund, hochbegabt, gütig und opferbereit. Er verdient es, daß das deutsche Volk ihn an feinem Jubeltag ehrt. A. B. — Dicki Baum: „Der Eingang zur Bühn e". Verlag Ullstein, Berlin. (188.) Vicki Baums Erstlingsroman „Der Eingang zur Bühne" ist in neuem Gewände erschienen. Im Mittelpunkt dieses Romans unter jungen, kunstbegeisterten Menschen stehen die Figuren zweier Mädchen, temperamentvoll, begabt, stark die eine, hingebend, zart und zerbrechlich die andere. Zwischen ihnen der Mann, Lehrer und berühmter Sänger, der beiden zum Schicksal zu werden droht. Und dahinter die große Welt der Gesellschaft, der Opfer, aller bunten Lebensträume, nach denen die Jugend verlangend greift Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. 3n Gießen: Mittwoch, 29. Mai, 4.30 bis 7 Uhr Beichte. — Donnerstag, 30. Mai, Fronleichnamsfest. 6.30 Uhr Beichte. 7 Uhr Messe. 8 Uhr Kommunion. 9 Uhr Hochamt. 9.45 Uhr Prozession. 11 Uhr Messe. 2 Uhr Festandacht mit Segen. Freitag und Samstag, abends 8 Uhr, sakramentalische Andacht. 3n Hungen: 8 Uhr Hochamt mit Predigt. 3n Lich: 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 3n Nidda: 8.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Berliner Börse. Berlin, 29. Mai. (WTB. Funkspruch.) Rach dem glatten Verlauf des gestrigen Liguidations- tages ist die Tendenz eher freundlicher. Die Spekulation hatte bereits gestern abend Rückkäufe vorgenommen, die sich an der Börse heute wahrscheinlich fortsehen dürften. Aus Paris liegt nichts Reues vor, die gestrige Reuhorker Börse war auf die Gelderleichterung, die gerade jetzt vor dem Ultimo beachtenswert ist, fest und lebhaft. Man nannte an Kursen: Farben 245,75. Siemens 377 und Salzdetfurth 394. Am Devisenmarkt nennt man: London gegen Kabel 4,8500, London gegen Madrid 34,25, London gegen Mailand 92,66, London gegen Berlin 20,3450, Kabel gegen Berlin 4,1945. Geschäftliches. kauft deutsche Maschinen! Die deutsche Technik ist der ausländischen in vielen Teilen überlegen. Das zeigt sich in nahezu allen Industriezweigen, besonders auch im Bau der landwirtschaftlichen Maschinen. Die Erfahrung spielt natürlich eine wesentliche Rolle. 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Mai (929 Aus Natur und Technik OT6AI Im großen Kreis der Suchende, in den kleinen Kreisen Beispiele für die Anordnung der Suchlampen. bekannt <111929 03388 t Gruppen von zwar bestehen Gemisch > Auto-Oel , Gießen, re und hoffentlich wird aus dem Angebot ein Auftrag! Solche Vorfälle ereignen sich täglich in großen Geschäften, da leitende Herren nicht immer an ihrem Platze sein können und auch nicht immer sagen, wo sie in der nächsten halben Stunde zu finden sein werden. Aus diesem Grunde hat man bei Siemens & Halske eine Vorrichtung erdacht, a6: . i mit der man dem Gesuchten gewissermaßen einen Boten mit Lichtgeschwindigkeit nachschicken kann, der ebenso geschwind zurückkommt und gleich Antwort mitbringt. Eine solche Anlage kann überall dort angelegt werden, wo eine selbsttätige Haus- fernsprcchvermittlung vorhanden ist, deren Teilnehmer sich also genau wie die den öffentlichen Selbstanschlußämtern angeschlossenen Teilnehmer chre Verbindungen durch das Drehen der bekannten Vummernscheibe am Apparat selbst Herstellen. Die Anlage sieht so aus: Man bringt in allen Teilen des Gebäudes — in den Fluren, den einzelnen Bureaus, im Lager, im Hof usw. — farbigen Signallampen an, und solche Gruppen je nach der Zahl gewöhnlich gerade um diese Tageszeit stark überlastet — und eine neue Verbindung könnte vielleicht Stunden dauern — und dann ist der Geschäftsfreund sicher schon längst weggegangen! Aber Herr Schmidt ist nicht an seinem Platze und auch schon nicht mehr beim Herrn Meyer, zu dem ec vor einigen Minuten gegangen war. Und im Schreibzimmer ist er nicht, der Kassierer ustadt 20. envnit M M berg. Ile tat rozent all von an und 'reisen Nachdruck verboten. Große Aufregung im ganzen Geschäft! Herr Prokurist Schmidt wird äußerst dringend gesucht, denn der Chef braucht ihn, um dem Hamburger Geschäftsfreund, den er endlich glücklich am Fernsprecher erwischt hat, noch ein paar Angebote zu machen, und die Leitungen nach Hamburg sind ipe nm Bezug* riebastolfe Grün-weiß—Herr Schmidt! Personensuchanlage in Verbindung mildem Hausfernsprecher Von Ingenieur Walter Iaekel. D i l d 2. Hausvermittlung mit Zusahkasten für die Suchanlage in einem Psörtnerzimmer. der Personen, die gesucht werden sollen, aus 2, 3 oder auch mehr Lampen (Bild 1). Ferner gehört zu der Anlage noch eine kleine Einrichtung, die als wesentlichen Bestandteil einen „Wähler" enthält, wie man ihn auch in Selbstanschluh- vermittlungen hat. Jeder Person, die außer an ihrem Arbeitsplätze auch an alten anderen Stellen des Geschäftes erreichbar sein soll, wird nun außer der Rufnummer für ihren Fernsprecher noch eine „Suchnummer" zugeteilt, die man gewöhnlich, damit sie leicht zu merken ist, am besten immer um 20 oder 30 höher wählt als die „Rufnummer". Will man jemanden erreichen, dec nicht an seinem Platze ist, so wählt man zunächst eine bestimmte Ziffer, die in die Suchanlage führt, und darauf seine Suchnummer. In diesem Augenblick leuchten die überall verteilten Signallampen auf, und zwar in einer bestimmten Zusammenstellung, die der Suchnummer entspricht. Der Gesuchte ersieht hieraus, daß gerade er gemeint ist, geht zum nächsten Hausfernsprecher, wählt die Rümmer der Suchanlage und ist sofort mit dem Rufenden verbunden, während die Signallampen erlöschen. Die Anlage steht nunmehr für das nächste Suchen bereit. Damit keine Lampenzeichen übersehen werden, kann man bei jeder Lampengruppe noch ein hörbares Signal anbringen, und zwar nimmt man hierzu in Geschäftszimmern etwa einen Ticker, dessen Ticken erfahrungsgemäß ausreicht: im Lager, in der Werkstatt oder in anderen geräuschvollen Räumen verwendet man eine Glocke oder sogar eine Hupe. Die Lampen bringt man in verschiedener Weise an: In Geschäftszimmern läßt man sie wohl etwas in die Wand ein, in einem Laden hängt man sie vielleicht um die elektrische Uhr Serum, im Hof bringt man sie, natürlich in wasserdichten Gehäusen, an einer Gebäudeecke an, damit sie von möglichst vielen Stellen auS gesehen werden können. Mit 4 Lampen kann man hat ihn auch nicht gesehen. Lehrlinge flitzen umher, Klingeln schrillen. Türen schlagen, bis man ihn endlich bei Besichtigung der neuen Sendung im Lager findet, seelenruhig, denn er weiß nicht, wieviel Aufregung er, ohne es zu wissen, verursacht hat. Schnell gehts zum Chef, für dieses Mal klappt es gerade noch mit dem Ferngespräch, man den Anschluß nicht verlieren wollte. Aber die Stadt, der vor 100 Jahren der Untergang drohte, — sie war auf dem Posten. Sie kam nicht nur mit — sie war an der Spitze, zu jeder Zeit, und sie ist es, wie der Augenschein lehrt, auch noch heute trotz ihrer Kleinheit, trotz der Schwierigkeiten der Ratur, trotz der übermächtigen Konkurrenz des reicheren Auslands und trotz des Weltkrieges. Unter solchen Umständen, so wird man zugeben, mag zum Stolz auf das Erreichte doch vielleicht ein wenig mehr Grund vorhanden sein, als an mancher andern Stelle der Welt, wo man es leichter gehabt hat. Schließlich geht es hier ja um Dinge, die für das Deutschland von heute einige Lebenswichtigkeit besitzen. Es wird gewiß niemand bestreiten, daß das Straßburger Münster, ein Bild von Dürer oder eine Beethovensche Sonate in der Rangordnung der Kulturwerte höher stehen als Werke der Technik. Aber muß man daraus schließen, daß alles Malen, Dichten und Musizieren an sich immer und überall wertvoller sei als das Bauen von Schiffen und Schleusen? Gerade Männer, die etwas von solchen kulturellen Werten verstanden, haben nicht unbedingt dieser Meinung gehuldigt. Die Schleuse des Reuen Hafens in Bremerhaven hat zuerst der Marschendichter Hermann Allmers vor ganz Deutschland als „ein Werk, großartig und staunenerregend" gepriesen, ein Mann, der im übrigen aus seiner Meinung über moderne Kulturlosigkeit schon damals — es war 1857 — kein Hehl gemacht hat. Roch wertvoller aber und immer wieder denkwürdig bleibt die Tatsache, daß schon die erste Hafenanlage in Bremerhaven regstes Interesse und Bewunderung bei einem viel größeren Fürsten im Reiche des Geistes erregt hat: bei Goethe. Es will doch etwas heißen, wenn der Achtzigjährige sich aus Bremen so dringend eingehendere Rachrichten über das „großartige Unternehmen" erbittet, und noch bedeutungsvoller ist es, daß sich gerade bei dieser Gelegenheit einmal der sonst so seltene Ton eines patriotischen Stolzes bei ihm findet: wenn er sich freut, nach so vielen Berichten über englische Docks, Schleusen und Kanäle endlich auch einmal von einem deutschen derartigen Werke zu hören. Ganz gering kann er dergleichen Dinge also wohl doch nicht geschäht haben — wofür es zuletzt auch noch andere Beweise gibt. Wir wollen keine allzu weitgehenden Schlüsse daraus ziehen, aber zu unserem Tröste wollen wir Kinder einer unromantischen Zeit es immerhin vermerken, daß Faust, nachdem er es bei Helena nicht allzu lange ausgehalten hat, den „höchsten Augenblick" keineswegs in der Erringung einer Dichterkrone sieht: vielmehr wird er bekanntlich — Wasserbauingenieur. Und erst in diesem Berufe wird er reif genug, um zu der Erkenntnis zu kommen, mit der sein Dichter — weniger, wie uns scheinen möchte, für die vergleichsweise gemütliche und poetische Welt seiner Zeitgenossen als für die kommenden, härteren und ruhelosen Jahrhunderte — der Weisheit letzten Schluß verkündet: »Rur der verdient sich Freiheit und das Leben, Der täglich sie erobern muh." wö 3^" „Mi en! Mlchen in i d) tn nahe,,. tzchh. J? ben 2» tung Mi- '.Fabrikat der 1 hohe Qua. deutsche Brauchbarkeit ^rtWen. 2? Ftaw. geben btr V Rinbbei Mich schönen Men. Der Kampf gegen den Lärm. Von Or. Hellmut Thomasius. In der Entwicklung des neuzeitlichen Lebens liegt es begründet, daß urplötzlich Gebiete in den Vordergrund des technischen Interesses treten, deren Entstehen uns vorher kaum zum Bewußtsein kam. Ein derartiges Gebiet, das augenblicklich nach den mannigfachsten Richtungen hin bearbeitet wird, ist der Lärm und alles was damit zusammenhängt. Aerzte, Physiologen, Juristen und nicht in letzter Linie die Techniker wenden ihm seit kurzem chre Aufmerksamkeit zu. In Amerika ist man in einer ganzen Anzahl von Laboratorien und technischen Betrieben mit der Ergründung seiner Ursachen und mit der Durchbildung von Mitteln beschäftigt, um ihn zu vernichten oder doch wenigstens abzudämpsen. Die englische Aerzte-Gesellschaft hat eine besondere Kommission zum Studium des Lärms, seiner physiologischen Wirkungen und der Verfahren zu seiner Verhütung eingesetzt. Deutschlands größte technische Vereinigung, der „Verein Deuftcher Ingenieure'', hat sich an einem Preisausschreiben beteiligt, das die Bekämpfung des Straße^ lärms zum Gegenstand hat. Außerdem hat fiep noch eine Antllärm-Liga gebildet, der gleichfalls viele Techniker sowie Aerzte angehören. Der Kampf gegen den Lärm ist also auf der ganzen Linie und in den verschiedensten Staaten gleichzeitig entbrannt. Sein Ziel besteht darin, der Menschheit ein ruhiges und von allen störenden Geräuschen freies Dasein zu schaffen, ohne daß dadurch die Entwicklung des Verkehrs und der Technik irgendwie gehindert wird. Das H eine schwere Aufgabe. Der Verkehr nimmt zu. Die Leistungen dec Maschinen steigern sich ins Ungeahnte. Dabei muß notgedrungen dec Lärm zunehmen. Ec muß auch vielseitiger werden. Es sei nur an den Luftverkehr und an die Propellergeräusche erinnert, die jetzt aus der Höhe auf uns eindringen, in der es früher so ruhig war. Inmitten dieses ständig anschwellen- den Lärms, dessen Symphonie aus so vielen verschiedenartigen Instrumenten erklingt und dessen im Fortissimo ertönendes Finale noch gar nicht abzusehen ist, inmitten dieses Lärms also soll der Mensch ruhig leben, schlafen und arbeiten. Er Deutsche Seeschleusen. Von Or. G. Beffell. Unmittelbar an der Columbus-Kaje in Bremer- Haven, dem europäischen „Bahnhof am Meer", wo die Reisenden direkt aus dem O-Zug in die großen Ozean-Schnelldampfer des Rorddeutschen Lloyd „umsteigen", wurde am 4. Mai der Grundstein zu einem neuen riesenhaften Werke gelegt, das bestimmt ist, den modernen Derkehrseinrich- tungen dieses ersten deutschen Passagierhafens die letzte Vollendung zu geben. Es ist die R o r b s ch l e u s e, die auch den größten Passagierdampfern, vor allem den beiden neuen Riesendampfern „Europa" und „Bremen", ein Einlaufen in die Binnenhäfen ermöglichen soll und die mit einer Länge von 372 Meter und einer Einfahrtsbreite von 45 Meter die zweitgrößte Seeschleuse der Welt werden wird. Es ist die fünfte Schleuse, die in dem eben erst hundert- lährigen Bremerhaven erbaut wird, und jedes dieser Bauwerke ist in seiner Art zu feiner Zeit eine technische Spitzenleistung gewesen. Vor genau 101 Jahren hat der Gründer Bremerhavens, der bremische Bürgermeister Johann Smidt, mit denselben Werkzeugen, die auch diesmal benutzt wurden, den Grundstein zur Schleuse des „Alten Hafens, der ersten Seeschleuse in Deutschland, gelegt. Die Schleuse des „Reuen Häsens" war, zwanzig Jahre später, bereits die breiteste auf dem ganzen Kontinent, und das dritte Decken, der Kaiserhafen, erhielt 1897 sogar für die damalige Zeit die größte Schleuse der Welt. So bleibt Bremen nur einer alten und guten Tradition getreu, wenn auch die neue Bremerhavener Schleuse wieder zu den allerersten Leistungen auf diesem Gebiet, sowohl ihrem Ausmaß wie ihrer Anlage nach, gehört. Rur von der Schleuse in Vmuiden (Amsterdam) wird sie noch an Gröhe übertroffen, während die berühmten Schleusen von London und Liverpool ebenso wie die des Panamakanals nicht unbeträchtlich hinter ihr zurückbleiben. Ist aber nicht die Freude an diesen Dingen, der Stolz auf etwas, was über kurz oder lang wieder überholt werden wird, schließlich doch nur ein Ausfluß des Zahlenwahnsinns und der Rekordsucht unseres technischen Zeitalters? Run, man wird sagen dürfen, daß zum mindesten hier die Sache doch ein klein wenig anders liegt. Denn der Stadt, die alle diese Werke unternahm, wurde vor 100 Jahren und auch später noch von mehr als einer Seite ihr Ende als Seehandelsplatz prophezeit, weil sie, abgeschnitten vom Meer, an einem versandenden Flusse tief im Binnenlands gelegen sei. Es geschah das zu einer Zeit, als in Technik und Wirtschaft eine Entwicklung begann, wie die Welt sie noch nicht erlebt hatte. Gerade das Wachstum der Schleusen, das ja nur der Steigerung der Schisfs- gröhen folgt, stellt diese Entwicklung recht anschaulich dar. Ungefähr 300 Registertonnen betrug im Höchstmaß der Raumgehalt der Schiffe, für die man 1830 die 50 Meter lange Kammer- schleuse in Bremerhaven eröffnete. Aber der erste Schnelldampfer, den ein halbes Jahrhundert später der Rorddeutsche Lloyd nach Amerika sandte, die „Elbe", war bereits genau fünszehnmal so groß mit seinen 4500 Bruttoregistertonnen. Rach weiteren 50 Jahren haben die modernen Ozeanriesen wiederum das Zehnfache von dieser Gröhe erreicht: die heutige „Bremen" ist mit 46 000 Bruttoregistertonnen dem Raumgehalt nach einhundertfünzigmal so groß wie die größten Schiffe, denen die Schleuse von 1830 noch genügte! Es war, wie man sieht, kein bequemes Tempo tn dieser Entwicklung, zumal in den letzten Jahrzehnten. Die Länge der Kaiserschleuse wurde während der Projektbearbeitung von 80 auf 200 Meter hinaufgesetzt: als sie sieben Jahre später vollendet war, reichte sie schon für die damaligen größten Schiffe nur gerade eben noch aus. Da galt es denn allerdings scharf auf dem Posten zu fein, wenn Dagegen erwies sich als vorteilhaft, den hohlen Raum zwischen den beiden Wänden überhaupt nicht auszusüllen. Er ist mit einer ruhenden Luftschicht erfüllt, die den Schall nur in geringem Maße durchläht. Die ruhende Luftschicht ift auch ein guter Wärmeisolator. Wir haben also hier den Fall, daß Isolation gegen Wärme sowohl wie gegen Schall durch das gleiche Mittel herbeigeführt werden kann. Der Hohlraum wirkt scheinbar als Resonanzboden. Er wirft den Schall nach der Richtung zurück, aus der er kam. Im übrigen hat sich das bei der Gewinnung des Rohrzuckers zurückbleibende ausgelaugte Zuckerrohr als vorzüglicher Schalldämpfer erwiesen. Bei Versuchen, durch Doppelwände und eine Füllung von Zuckerrohr Schalldichtigkeit zu erreichen, hat sich ergeben, daß diese aufgehoben wird, wenn Metallteile, also Rägel oder Schrauben, durch die Wand hindurchgehen. So klein diese auch sind, so sehr begünstigen sie die Fortleitung des Lärms. Dadurch wird die Technik vor eine neue Aufgabe gestellt. Was man bisher zusammennagelte oder zusammenschraubte, wird in Zukunft, bei der Herstellung schalldichter Räume, auf eine andere Weise miteinander verbunden werden müssen. Eine ganz besondere Bedeutung werden dereinst vielleicht schwebende Räume erlangen. Berühren sich Wände und Decken eines Raums, so wird jede von außen her kommende Schallwelle durch die Wand auf die Decke bzw. den Fußboden übertragen. Sie gelangt dann nicht nur durch die Luft, zu unserem Gehörorgan, sondern auch vom' Fußboden her durch die Knochen unseres Körpers. Diese leiten als feste Körper den Schall nach dem Gehör weiter. Schaltet man also diese Art der Fortleitung aus, so muß der Lärm geringer werden. Reue Bauarten wurden erprobt, bei denen der Fußboden nicht mehr unmittelbar mit den Wänden in Verbindung steht, sondern für sich aufgehängt ist. Dadurch wurde eine überraschend starke Wdämpfung des Schalls herbeigeführt. Wenn dann noch die Wände undurchlässig waren, gelangte man sogar zu vollkommener Geräuschlosigkeit. Freilich ift es fraglich, ob man hohe Gebäude durchweg mit hängenden Fußböden oder gar hängenden Räumen wird ausführen können. Vorerst aber werden diese wahrscheinlich in zahlreichen Sonder- sätlen Verwendung finden, also z. D. für wissennpgchSllf s-lS&S soll den geistigen Anforderungen genügen, die gleichfalls immer höher geschraubt werden. Dabei läßt sich an den Maschinen selbst verhältnismäßig wenig ändern. Für ihre Durchbildung sind die Leistung und die Wirtschaftlichkeit maßgebend. Ob diese unter Geräusch oder geräuschlos erzielt werden, steht für den Techniker nicht in erster Linie. Freilich, man baut geräuschlose Schreibmaschinen und ähnliches. Dabei ist der Gesichtsvunkt der Absatzsteigerung maßgebend. Riemand aber wird eine Lokomotive oder eine Spinnmaschine ober eine Stanze zur Bearbeitung von Metallblech nur deshalb erwerben, weil sie geräuschloser arbeitet. Bei ihnen kommt es auf Eigenschaften wesentlich anderer Ratur an. Angesichts dieser Sachlage wird man davon absehen müssen, von einer veränderten Bauart unserer Maschinen viel zu erhoffen. Wo Leistung und Wirtschaftlichkeit nicht beeinträchtigt werden, wird man versuchen, einen geräuschlosen Gang herbeizuführen. Im übrigen aber muß das Augenmerk tn erster Linie darauf gerichtet bleiben, unsere Wohnstätten und unsere Umgebung derart auszugestalten, daß der nun einmal nicht vermeidbare Lärm uns nicht erreichen, daß er uns nichts anhaben kann. Wir stehen noch ganz am Anfang der Lärmbekämpfung. Aber tatsächlich läßt sich schon erkennen, daß die Bestrebungen bereits die eben angebeutete Richtung eingeschlagen haben. Auch einige sehr bemerkenswerte Ergebnisse sind erzielt worden. Vor allem handelt es sich darum, die Frage der schalldichten Wand zu lösen. Versuche wurden angestellt, die Abdichtung gegen den Lärm mit ähnlichen Mitteln herbeizufüh- ren, tote sie auch gegen den Wärmeaustausch verwendet werden. Die Wand des Eisschranks, das mit einer Asbest schicht umhüllte Dampfrohr wurden zum Vorbild. Doppelte Mauern entstanden. Der Zwischenraum zwischen ihnen wurde mit Sägespänen, Korkmehl und ähnlichem aus- gefüllt. Es hat sich aber gezeigt, daß ein guter Wärmeisolator durchaus nicht immer ein guter Lärmisolator zu sein braucht. Die Schallwellen verhalten sich anders als die Wärmestrahlen. Ein Stoff, der diese zurückwirft, hindert jene noch lange nicht, ihn zu durchdringen. Cs konnte sogar festgestellt werden, daß manche gut bewährte Wärmeisolatoren geradezu als Schallverstärker wirken. schaftliche Laboratorien, in denen akustische Untersuchungen ausgesührt werden, für Räume zu musikalischen Studien und ähnlichem. Sollte sich der hängende Raum ober der hängende Fußboden für den Gebrauch der Allgemeinheit nicht eignen, so winkt eine andere Hoffnung. In einzelnen stark belebten Straßen unserer Großstädte ist cs bereits so weit gekommen, daß man kaum mehr ein Fenster offnen kann. Der fjereinbringenbe Lärm stört bei der Arbeit und hindert bas gegenseitige Verstehen bei Unterhandlungen sowie das Abhören am Fernsprecher. Viele Menschen müssen deshalb heute schon einen großen Teil ihrer Zeit in geschlossenen Zimmern verbringen. Bei seinen Untersuchungen sand der Physiker Dr. R e w s v m , daß es für jede Tonhöhe eine bestimmte Spiegelform gibt, durch die die Schallwellen vollkommen zurückgeworfen werden. Hätten die von der Straße hinaufdringen-« den Geräusche stets die gleiche Tonhöhe, so müßte es möglich sein, eine Fläche zu konstruieren, die sie derart zurückwirft, daß nichts davon in den Raum einbringt. Durch zahlreiche Untersuchungen hat Dr. Rewsom gefunden, daß für Strahenge- räusche nur ein bestimmter Tonbereich in Betracht kommt, der kaum jemals nach oben ober unten überschritten wird. Er verwendet zwei Glasspiegel, die über die ganze Breite des Luftraums hinwegreichen, der durch Cmporfchieben des Schiebefensters über dem Fensterbrett entsteht. Die Spiegel sind einander zugekehrt, so daß zwischen ihnen ein breiter Luftraum bleibt Beim Innern ist die konkave Seite gegen die Straße gerichtet, beim äußeren die konvexe. Dec Krümmungshalbmesser ist bei beiden verschieden. Die Schallwellen, die von dem einen nicht gefaßt werden, werden durch den andern nach außen zurückgeworfen. Die Verwendung zweier Spiegel ermöglicht, ben ganzen Tonbereich des Straßenlärms zu beherrschen. 75 v. H. des von der Straße kommenden Lärms werden durch diese Einrichtung vernichtet. Die Technik geht also nach den verschiedenstem Richtungen hin vor, um des immer mehr an- wachsenden Lärms Herr zu werden. Ihre Bemühungen reichen erst verhältnismäßig kurze Zeit zurück. Aber das, was bis jetzt geleistet wurde« läßt erhoffen, daß bereits richtige Wege gefunden sind, um zu dem gesteckten Ziel zu gelangen. 8L». jer Lund. urgverei"- o33S schon 15 Personen suchen, mit 6 Lampen sogar 63. Die Leistungsfähigkeit der Anlage steigt noch bedeutend, wenn man eine sogenannte Flackervorrichtung verwendet, so daß also die Lampen sowohl ruhig brennen als auch Flackerlicht geben können. Dann kommt man mit 4 Lampen auf 80 Personen und mit 6 Lampen auf 728 Personen. Wie schon bemerkt, lassen sich solche Anlagen bei allen selbsttätigen Hausfernsprechanlagen einbauen. Das bedeutet aber keine wesentliche Einschränkung in ihrer Anwendungsinöglichkeit, denn Hausvermittlungen gibt es schon für 10 Teilnehmer, und zwar sind solche sogenannten „Kleinautomaten" nicht größer als etwa ein Apothekenschränkchen. Linser Bild 2 zeigt eine solche selbsttätige Klcin- vermittlung mit dem Zusahkasten für die Such- anlage in einem Pförtnerzimmer. Kirche und Schule. Zreie vollskirchliche Vereinigung für Hessen. Sn Frankfurt a. M. fand dieser Tage die aus ollen Teilen des Landes zahlreich besuchte Jahres-Hauptversammlung der Freien volkskirchlichen Vereinigung für Hessen unter dem Vorsitz von Pfarrer Dr. Müller. Rüsselsheim, statt. Don der Kirchenregierung war anwesend Geheimerat Stroh, Darmstadt. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Sahres- bericht von 1928. Das Sahr zeigte eine reichliche Tätigkeit in Versammlungen und Sitzungen, nicht nur anläßlich der kirchlichen Wahlen. Die Mitgliederzahl ist etwas gestiegen. Verstorben sind 4 Mitglieder, eingetreten 21. Dos Gedächtnis der Heimgegangenen Geh. Forstrat Reih, Darmstadt, Rechnungsrat Rothermel,Darmstadt, Oberbürgermeister i. R. (Söttetmann, Mainz, und Pfarrer B o n i n , Worfelden, wurde in der üblichen Weise geehrt. An den Jahres- bericht schloß sich eine Aussprache an. Pfarrer Hartmann, Groh-Arnstadt, gab den Kassenbericht. Der Vorsitzende hielt alsdann ein Referat: „Rückblick und Ausblick". Das Evangelium Sesu und eine Kirche, in der es laut und rein für die Gegenwart verkündigt wird, war der Standort für beides. Der künftige Superintendent von Starkenburg dankte dabei seinen Mitarbeitern in den letzten sieben Sohren seines Vorsitzes in der Vereinigung. Der Ausblick erhofft bessere Zeiten mit weniger Schwierigkeiten, besonders auch auf wirtschaftlichem Gebiet für die Pfarrer. Cs gelang der Gruppe, auch in der Kirchenregierung die ihr gebührende Stellung zu erholten. Sn der Pflege des sozialen Gedankens gelte es, die ewigen Werte den der Kirche Der- lorengegangenen wieder lieb zu machen und in den-Gemeinden für die Ostasienmission und den Diakonieverein zu wirken. Die in der neueren Theologie' vielleicht aufkommende Gefahr eines eschatologischen Pessimismus sei mit dem Geist Luthers und Speyers 1529 zu bekämpfen. Rach dem mit starkem Bei fall aufgenommenen Vortrog dankte einer der Gründer der Vereinigung, Geheimerat D. Berger, Darmstadt, mit herzlichen Worte dem nun aus dem Amt des Vorsitzenden scheidenden Oberkirchenrat D r. Müller, als einem theologisch festfundierten, bekenntnisfreudigen, dabei auch dem Gegner gerechtwerdenden sachlichen Manne. Unter ihm erhielt die Vereinigung einen neuen Aufschwung. Seine herzlichen Segenswünsche fanden starken Beifall und wurden herzlich von dem scheidenden Vorsitzenden erwidert. Der Vorstand tonröe neugewählt: aus der Provinz Oberhessen gehören ihm an: Oberstudiendirektor Faber, Friedberg; Pfarrer Hechler, Alsfeld; Professor Hepding, Gießen: Lehrer Heusohn, Lorbach; Dekan a. D. D. Saudt, Friedberg, und Dekan Schmidt, Grünberg. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 28. Mai. Sn der Strafsache gegen R. wurde heute vormittag in der Vernehmung der Geschädigten, meistens Arbeiter und kleine Handwerker, fortgefahren. Sie schilderten, wie es die Angeklagten verstanden hatten, ihr Vertrauen zu gewinnen, und wie sie dann nach Hereingabe der verlangten Hypothekenbriefe und der Wechsel von H. unb R., so oft sie in ihrer Bedrängnis wegen des versprochenen Geldes vorsprachen, meist wieder mit leeren Händen und Taschen fort- geschickt oder schließlich durch Auszahlung kleinerer Beträge vertröstet wurden, bis ein großer Teil von ihnen nach Prolongierung ihrer dem Angeklagten gegebenen Geldbeschaffungsakzepte schließlich feststellen mußte, daß sie nennenswerte Gegenleistungen überhaupt nicht erhalten hatten, dagegen aber in mehrfacher Hinsicht, nämlich aus ihrer Hypothek, ihren Wechseln und manchmal auch noch aus ihrem Giro, das sie auf den von dem Angeklagten anstatt baren Geldes empfangenen Wechsel gesetzt hatten, in Anspruch genommen wurden, wodurch sie zum Teil ganz erheblichen Schaden erlitten. Zu den einzelnen Fällen werden dann die Buchsachverständigen gehört, die die Konten, soweit solche vorhanden, nachgeprüft hatten. Sie äußerten sich auch gutachtlich über die Buchführung der Angeklagten und faßten sich dahin zusammen, daß von einer Buchführung keine Rede fein könne; sie sprachen ihr vielmehr jegliche Beweiskraft ab. Der Staatsanwalt beschäftigte sich zunächst mit den persönlichen Beziehungen von H. und R. zueinander. Er führte dann unter Hinweis auf die höchstrichterliche Rechtsprechung aus, daß auch der Angeklagte R., den er nach einer Zeugenaussage als die treibende Kraft in geistiger Beziehung bezeichnete, strafrechtlich ebenso verantwortlich sei, wie der frühere Mitangeklagte H. Auch R. müsse wegen betrügerischen Dankerotts bestraft werden. Dann ging er auf die Beurteilung der einzelnen Fälle über und beantragte, die Berufung des R. kostenfällig zu verwerfen, die in erster Snstanz ausgesprochene Verurteilung des R., abgesehen von einem Fall, in dem er Freisprechung beantragte, aufrechtzucrhalten, im übrigen aber R. in noch vier weiteren Fällen, in denen er bisher freigesprochen war, wegen An- treue zu bestrafen. Ter Verteidiger bestritt, daß R. in der Absicht der Gläubigerbenachteiligung die Bücher unübersichtlich habe führen lassen, er könne höchstens wegen eines Konkursvergehens bestraft werden. Die Entscheidung hierüber überlasse er aber dem Gericht. Darauf behandelte er in tatsächlicher und rechtlicher Beziehung die einzelnen dem R. zur Last gelegten Straffälle und beantragte insoweit die Freisprechung des R., da ihm bezüglich keines Falles eine strafbare Handlung ausreichend nachgewiesen werden könne. Der Angeklagte R. bat das Gericht, ihm fein Recht zu geben. Ec habe sich nicht strafbar gemacht, denn er habe alles getan, was er habe tun können, damit niemand von den Kunden Schaden erleide, was auch nie in seiner Absicht gelegen habe. Rach mehrstündiger geheimer Beratung verkündete kurz vor 10 Ahr abends das Gericht folgendes Urteil. R. wird wegen Konkursvergehens, Betrugs in einem Fall und Untreue in acht Fällen zu einer Gesamtstrafe von 1 Sahr 4 Monat Gefängnis verurteilt. Auf die Strafe wird 1 Sahr der erlittenen An- tersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Sm übrigen wurde R. freigesprochen. Wirtschaft. Oie Erhöhung der Bankzinsen. Während man ursprünglich annahm, daß die Berliner Stempelvereinigung lediglich die Debetzinsen unter grundsätzlicher Aende- rung der bisherigen Berechnungsart erhöhen würde, hat sie beschlossen, die Debet- und Kreditsätze um 1 Prozent zu erhöhen. Der Beschluß ist einstimmig gefaßt und sofort den Bankiervereinigungen im Reich übermittelt worden. Wenn diese Erhöhung per 1. Suni in Kraft tritt, so werden sich von diesem Zeitpunkt ab die Mindestsätze für Sollzinsen auf 9,5 Prozent, die Habenzinsen für Konten in provisionspflichtiger Rechnung auf 5,5 Prozent, für provifionsfreie Konten auf 6 Prozent stellen. Bei den Sollzinsen tritt noch die übliche Provision von V6 Prozent pro Monat hinzu. Es war schon seit längerer Zeit mit diesem Schritt der Banken gerechnet worden, und der Vorschlag der Berliner Stempel- Vereinigung bildet infolgedessen keine lieber« raschung. Die Gründe zu diesem Schritt entbehren nicht einer gewissen Mrrechtigung, so bedauerlich auf der anderen Seite die Verteuerung der Bankgelder für die Wirtschaft im gegenwärtigen Zeitpunkt auch fein mag. Die Debetsähe der Banken richteten sich bisher immer nach dem Reichsbankdiskont, der als der Landeszinsfuh zu gelten und als solcher der tatsächlichen Lage des Geldmarktes zu entsprechen hat. Die durch die von der Reichsbank durchgeführten Kreditrestriktionen eingetretenen Verhältnisse haben jedoch diese Bedeutung des Reichsbankdiskontsatzes für die Debetsätze der Banken aufgehoben, insofern als der Reichsbanksah nicht mehr den Sätzen des Geldmarktes entspricht, sondern im Gegenteil nicht unbeträchtlich hinter den Sätzen des offenen Marktes zurückgeblieben ist. Mit andern Worten, der derzeitigen Lage des Geldmarktes würde ein höherer Diskontsatz der Reichsbank als der gegenwärtige entsprechen. Diese Lage hat sich bei den Banken dadurch bemerkbar gemacht, daß die täglich fälligen Gelder, für die die niedrigeren Ein- 1 nahmesähe gelten, in letzter Zeit immer stärker in die höher verzinslichen (9 Prozent) langfristigen Gelder umgewandelt worden sind. Der Schritt der Banken bedeutet nichts anderes als die Angleichung ihrer eigenen Zinspolitik an die tatsächlichen Verhältnisse des Geldmarktes, die durch Angebot und Rachfrage bestimmt werden. Wenn die Reichsbank bei befriedigender Auswirkung ihrer Reftriktionspolitik diese wieder aufheben wird, so ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer Diskonterhöhung zu rechnen, der dann durch die Erhöhung der Dankzinsen um 1 Prozent von den Banken bereits Rechnung getragen wäre. Sn diesem Falle würde dann wieder die feste Relation der Debetzinsen zum Reichsbankdiskont Platz greifen, d. h. 1 Prozent über dem jeweiligen Reichsbankdiskont. Aebrigens sollen die Sparkonten bei den Danken, wie bisher, mit 6 Prozent verzinst werden. * Aebernahme von deutschen Kunstseideaktien durch die Fisa. Anläßlich der für den 28. Mai bevorstehenden Einführung von Zertifikaten von Altien der Fisa zu Paris (Societe Financiere Snternationale de la Soie Artificielle) wird in dem bei dieser Gelegenheit ausgegebenen Prospekt mitgeteilt, daß ungefähr die Hälfte des Kapitals der Gesellschaft in Kunstseideaktien der verschiedensten Unternehmungen angelegt worden ist, und zwar in der Hauptsache in Aktien der folgenden Unternehmungen: Glanzstoff, Bemberg, Enka, Tubize und Tomaszow. * Die Beschäftigungslage bei den Opelwerken. Die Opelwerke in Rüsselsheim beschäftigen zur Zeit eine Belegschaft von ungefähr 12 000 Mann, gegen 13 500 Mann zur selben Zeit des Vorjahres. Die arbeitstägliche Automobilproduktion beläuft sich auf etwa 250 Wagen. Das Werk ist auf eine Produktion eingestellt, die ungefähr das Doppelte dieser Ziffer beträgt. Fahrräder werden zur Zeit täglich 2000 hergestellt. Hier könnte die Tagesproduktion etwa dreimal so groß fein, wenn der technische Betrieb voll ausgenuht würde. Wie man hört, hängt der hinter ber Höchstleistung zurückblei- bende Amsatz damit zusammen, daß infolge des strengen Winters und der allgemein schlechten Wirtschaftslage eine Absatzstockung auf dem Auto- und Fahrradmarkt eingetreten ist. * Frankfurter Maschinenbau A. - G. d o r in. Pokorny & Wi t tekind, Frankfurt a. M. Die gestrige G.-V. genehmigte den bereits bekannten Abschluß dieser Gesellschaft für das Geschäftsjahr 1928, wonach eine Dividende • 'non 4 Prozent (i. V. 6 Proz.) auf 6,6 Mk. Millionen Stammaktien und wieder 6 Prozent auf 318 000 Mk. Vorzugsaktien zur Verteilung gelangen. * Zell st off-Fabrik Waldhof, Mannheim. Sn der gestern abgehaltenen a. G.-D. wurden die Anträge der Verwaltung einstimmig genehmigt und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Wie -bereits bekannt, werden aus dem 4 740 585 Mk- betragenden Reingewinn 7 Prozent Dividende auf 700 000 Vorzugsaktien Lit. A, 6 Prozent auf 1 825 000 Vorzugsaktien Lit. B, 131/s Prozent Dividende auf 30 150 000 Mark Stammaktien, 4,5 Prozent Zinsen auf 590 000 Mk. Genußrechte und 1,5 Prozent Tilgung auf 590 000 Mk. Genußrechte ausgeschüttet, 150 000 Mk. der Hinterbliebenen-, Mters- und Snvaliden-Anterstützungskasse zugewiesen und der verbleibende Rest von 376 685 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen. Heber die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres äußerte sich der Vorsitzende recht befriedigend. * Bürbach Kaliwerke A.-G. Sn der G °V. der Bürbach Kaliwerke A.-G. wurde der Abschluß für 1928 (12 Prozent Dividende) genehmigt. Wenn nicht außergewöhnliche Amstände das Kaligeschäft stark schädigen würden, hätten die Aktionäre in Zukunft mit einer Mindestdividende von 10 Prozent zu rechnen, und auch die Aufrechterhaltung der 12prozentigen Dividende sei wahrscheiülich. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Mai. Tendenz: freundlich. — Nachdem der Ultimo reibungslos überwunden ist, schritt die Spekulation zu Rück- deckungen und auch verschiedentlich zu Reuenga- gements. Die Stimmung war freundlich und zuversichtlich, da auch die Aufträge von feiten des Auslandes weiter an Umfang zunehmen. Das Geschäft nahm, namentlich in Spezialwerten, recht lebhafte Form an, und es traten hier teilweise ganz erhebliche Besserungen ein. QLber auch die Rebenmärkte wurden hiervon mitgezogen, und die Gewinne gingen gegenüber der gestrigen Abendbörse bis zu 2 Prozent. Auf der anderen Seite machte der 1 unveränderte Stand der Reparationsverhazid- lungen kaum einen. Eindruck. Wan steht den Verhandlungen immer noch pessimistisch gegenüber. Die Geschäftstätigkeit wurde dadurch kaum berührt, im Gegenteil, die Kulisse schritt in vereinzelten Werten weiter in beträchtlichem Ausmaße zu Snteressenkäufen. Am Geldmarkt war Geld stark gesucht, jedoch machte sich eine gewisse Entspannung bemerkbar. Sm Vordergründe des Snteresses standen wieder Elektrowerte, doch erweiterte sich der Kreis der Favoriten, für die auch heute das Ausland größere Rachfrage bekundete. Chade- Aktien eröffneten 11 Mk., Bergmann 5 Prozent, Siemens 5.5 Prozent, Rheag 3 Prozent, Elektrische Lieferungen und Schuckert je 2,5 Prozent höher. AEG. lagen dagegen etwas im Hintergrund und gewannen nur 1,25 Prozent. Auch Kaliwerte waren weiter gefragt und bis etwa 4 Prozent fester. Sntercffe bestand noch für Zell- stoffwerte, die bis 3,5 Prozent anztehen konnten. Die regere Bautätigkeit hatte auch für Bauunter- nehmungen lebhafte Rachfrage zur Folge. Banken still. Am Montanmarkt gingen die Besserungen nur bis 1,5 Prozent. Auch am Rentenmarkt war die Geschäftstätigkeit etwas reger. Deutsche Anleihen lagen erheblich höher. Von Ausländern waren nur vereinzelte Werte gefragt. Sm Verlaufe machte die Befestigung Fortschritte. Die Spekulation schritt weiter zu Deckungen, und die Kurse zogen erneut an. Besonderes Snteresse wandte sich auch heute dem A.E.G.-Markt zu, bei einem Gewinn von 2,5 Prozent. Stürmische Nachfrage setzte auch plötzlich am Farben markt ein, und die Kurse konnten sich um 2 Prozent befestigen. Die übrigen Märkte lagen jedoch teilweise nur gut behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt waren nennenswerte Veränderungen nicht zu verzeichnen. Die Mark war fest. Man nannte: Mark gegen Dollar 4.1938, gegen Pfund 20.331, London gegen Kabel 4.8502, gegen Paris 124.06, gegen Mailand 92.65, gegen Madrid 34.25, gegen Holland 12.0613. Berliner Börse. Berlin, 29. Mai. Schon der heutige Vormittagsverkehr war nach der glatten Abwicktüng des gestrigen Liquidationstages freundlich, und die Börse eröffnete in ebenfalls recht freundlicher Stimmung. Vereinzelt lagen Kauforders vor, und die Spekulation nahm, wie bereits gestern abend, weitere Rückkäufe und einige Meinungskäufe vor. Aus Paris war nichts neues zu berichten. Anregend wirkte der ununterbrochene Rückgang der Arbeitslosigkeit. Auch die feste gestrige Reuyorker Börse stimmte freundlich. Rur am hiesigen Geldmarkt konnte man eine stärkere Nachfrage feststellen. Tagesgeld war mit 8 bis 10 Prozent, Monatsgeld mit 10 bis 11,5 Prozent gesucht. Der .Ultimo dürfte kaum noch Schwierigkeiten bereiten. Sm Vordergründe standen Elektroaktien unter Führung von AEG., Bergmann, Siemens und Schuckert; ferner Spritaktien auf Zusammenschlußversionen in der Drauindustrie, Polyphon, Kaliwerke, die wieder von Frankreich gekauft wurden, und verschiedene andere Spezialwerte. Auch Farben waren lebhafter und fester. Kunstseidenwerte waren auch heute gefragt. Sehr fest lagen Schubert & Salzer plus 12,5 Proz. auf den großen amerikanischen Auftrag, auch Reichsbank, die 5 Proz. gewannen. Sarotti plus 4 Proz. und Körting waren gefragt, ebenfalls Schuckert auf die höhere Dividende und den guten 03erid)t. Schwach' lagen nur Sunghans bei einem Verlust von über 4 Proz. Deutsche Anleihen lagen fester. Ausländer nicht einheitlich. Pfandbriefe still und bis jetzt kaum verändert. Nach den ersten Kursen blieben AEG., Kaliwerke und RWE. gefragt und konnten 1 bis 2 Proz. anziehen. An den übrigen Märkten schritt die Spekulation eher zu kleinen Glattstellungen, so daß sich die Kurse nicht überall behaupten konnten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 29. Mai. Der Produktenmarkt verkehrte heute auf das anhaltende schwächere Ausland in weiter ausgesprochen flauer Haltung. Käufer und Verkäufer halten sich im allgemeinen sehr zurück, jedoch kommt für Brotgetreide, für Futtermittel und auch vereinzelt für Mehl größeres Angebot heraus, das aber nur bei weiter nachgebenden Preisen Absatz findet. Weizen und Roggen verloren je 0,25 Mk, Hafer 0,50 Mk. Die übrigen Mehle und Futtermittel ebenfalls 0,25 Mk. rückgängig. Cs wurden notiert: Weizen 23,25 bis 23,50; Roggen 22; Sommergerste für Drauzwecke 23; inl. Hafer 22,50; Mais (gelb) für Futkerzwecke 20; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 31,50 bis 32; Roggenmehl 28,25 bis 28,75; Weizenkleie 11,75; Roggenkleie 12,25 Mk. Tendenz: flau. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. —^Reichsbankdiskonl 7,5 Prozent, Lombardzinssuh 8,5 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schluß- Kure 1-Uhr- Kur« Schluß- Kurs Anfang Kurs Schluß- Kurs I Uhr- Kur« Schluß- Kurs Anfang- Kurs Datum 28.5. 29-5- 28 5- 29 5. Datum 28-5- 29 5. 28- 5. 29- 5- 6% tt. fieidjiarUei^e d. 192? . Dt. Anl.-Ablös.-Schuld mit All? los.-Nechten......... LeSgl. ohne Slu6lof.-91e Heyligenstaedi ....... 0 Mainkraftwerke ....... 8 Miog...........10 Rekarsulmer........8 PeterS Union ........ 8 vebr. Roeder ....... 10 Voigt 4 Haefsner......8 Südd. Zucker........8 Dan 110 134,75 173 427 180 52 51,5 75 112,13 106 119 115 110 209 148,75 knoten 4» roui i i l 1 i i i i i i i i i i i i i ä i i i i aiZ i i i i s i i 107,75 106 292,75 236 424 332 246,5 177 201 52 48,75 43,5 194 28 85 284,75 51,5 75.65 119 114 209 149 110,25 298 243,75 434 340 251,5 179,5 109,25 204,9 51,6 49.9 44 198 28,5 87,5 290 119,5 2 2 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Skdten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . - Devisenmarkt Berlin Telegraphische 28. Mai 29. Mai Amtliche Notierung Geld 1 Briet Amtliche Geld iotieruna Brief «mit.. Ron. Buen.-AireS Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . HelüngtorS. Italien. . . London. . . Neuyork . . Paris.... Schweiz . . Spanien. . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D> £eft. abgest Prag . . . . Belgrad .. Budapest. . Bulgarien. Lissabon . Danzig. . . Konstantin. Athen. . Canada . Uruguay. Lairo - - 168,48 1,757 58,21 111,67 111,64 112,04 10,531 21,935 20,324 4,1910 16,38 80,685 59.20 1,863 0,4975 58,865 12,414 7,365 73,04 3,027 18,88 81.26 2,031 5,445 4,156 4,066 20,847 168,82 1,761 58,33 111,89 111,86 112,26 10,551 21,975 20,364 4,1990 16,42 60,845 59,32 1,867 0,4975 58,985 12,434 7,379 73,18 3,033 18,92 81,42 2,057 5,455 4,164 4.074 20,887 168.43 1,756 58,195 111,61 111,61 112,01 10,53- 21,93 20,316 4,1890 16.37 80,63 59,08 1,863 0,497 58,83 12,411 7,365 73,01 3,027 18,85 81,12 2,024 5,445 4,156 4,066 80,842 168,77 1,760 58.315 111,83 111,83 112,23 10,55 21,97 20.356 4.1970 16.41 80,79m 59,2(P 1,867 0.499 58,95 12,431 7,379 73,15 3,033 18,89 81,38 2,028 5,455 4,164 4.074 20,884 Berkin, 28- Mai Geld Brief Amerikanische Noten..... Belgische Noten ........ Torrische Noten........ Englische Noten........ 4.179 58,13 111,43 20.306 4,199 58,37 111,57 20,386