Nr. 228 Erstes Blatt 179. Jahrgang Samstag, 28. September 1929 Erscheint läglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vczugrprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspscnnig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfle unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten : Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Srantfurtam Main 1168«. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: Vrühl'sche Unlversltüts-Vllch- Mld Sleindnrckerei R. Lange in Gießen, ächrlstlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°/« mehr. Ehefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lauge. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blurnfchein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Zurück zur Sachlichkeit. Der Reichskanzler ist soeben, von langer, schwerer Krankheit genesen, wieder in Berlin eingetroffen. Auch der Außenminister hat nach längerer Abwesenheit von der Reichshauptstadt die Dienstgeschafte wieder ausgenommen. Rach wohl mehr als vier Monaten ist das Reichskabinett wieder einmal vollzählig beisammen. Das Interregnum ist der Politik denkbar schlecht bekommen. Die heimkehrenden Minister finden eine Lage vor, die sich nur als Sam pfaller gegen alle charakterisieren läßt. Das darf nicht wunder nehmen, wenn man schaudernd miterlebt hat, wie die amtierende Reichsregierung feit dem Frühjahr alle Zügel schleifen ließ und schließlich sogar, wie bei der Reform der Arbeitslosenversicherung, freiwillig auf jede Führung verzichtete. Von den feineren Graden politischer Führung, von der zielbewußten Zusammenfassung des politischen Willens der Ration, wie sie der Augenblick erfordert hätte, ganz zu schweigen. Die Regierung insgesamt und jeder Minister im einzelnen sind froh, wenn ihr Ressort möglichst weit aus der Schußlinie der öffentlichen Kritik bleibt. Läßt sich das nicht vermeiden, so ist man empfindlich über jedes scharfe Wort, ohne das es nun einmal in der Politik nicht abgeht. Man wünscht seine Ruhe und leistet zweifellos nach bestem Wissen und Gewissen fleißig und eifrig seine nicht leichte Ressortarbeit. Jeder tut an seiner Stelle sein Bestes oder wenigstens das, war er dafür hält. Aber von einer überlegenen, planmäßigen Führung der Reichsgeschäfte, wie sie dieser Sommer erfordert hätte, hat man beim besten Willen auch gar nichts gespürt. So tritt nun in wenigen Tagen der Reichstag zusammen, um über die Reform der Arbeitslosenversicherung zu beraten, aber heute noch stehen sich die Anschauungen der Parteien über die Art dieser Reform unvermindert schroff gegenüber, und niemand weiß im Grunde zu sagen, warum man gerade dem Plenum des Reichstags zutrauen soll, die Patentlösung zu finden, die alle befriedigt. Und kommt cs darüber zu einer Regierungskrisis, fällt die Große Koalition auseinander, auch dann wird niemand sagen können, was geschehen soll. Das Zentrum zwar bereitete sich unter Führung von Kaas schon darauf vor, in einer veränderten Situation die ihr gemäße Stek- lur.a zu beziehen. Aber Volks pari ei und De^ütschnationale haben sich mit einem Eiser, den man wohl nur im deutschen Bürgertum für einen Streit im eigenen Lager aufzubringen den Mut hat, ineinander verkeilt, daß man heute jedenfalls nicht weiß, wie beide wieder nebeneinander auf die Regierungsbank zu bringen wären, wenn die politische Situation dies einmal erfordern sollte. Als die Deutsche Dolkspartei im vergangenen Jahre sich nach langem Zögern entschloß, zum zweiten Male mit den Sozialdemokraten die Große Koalition zu bilden, da geschah es doch wohl mit der Absicht, den Versuch zu machen, die Sozialdemokraten zumindest auf eine mittlere Linie herüberzuziehen und sie zu größerer Beachtung der Interessen des Bürgertums zu zwingen. Man kann nicht behaupten, daß ihr dies gelungen sei. Die Volkspartci hat es weder erreicht, daß sie zum Mit- rcgicren in Preußen zugelassen wurde — einstmals als Voraussetzung oder wenigstens selbstverständliche Folge ihres Eintritts in die Große Koalition im Reich gedacht — noch vermochte sie die seit Jahren geforderte und vor der Pariser Sachverständigenkonfe- renz unaufschiebbar gewordene Reform der öffentlichen Finanzwirtschaftdurchzusetzen. Die Früchte dieser Versäumnis mußten wir in Paris und auf der Haager Konferenz ernten, auf der wir reparationspolitisch kaum so mäßig abyeschnitten hätten, wäre unsere finanzielle Rüstung stärker gewesen. Aber dabei blieb es leider nicht. Run soll die Volkspartei in offenbarer Verkennung ihrer eigentlichen Aufgabe in dieser Koalition anscheinend auch noch dazu mißbraucht werden, die Propaganda der Linken zu besorgen. Wir haben kein Hehl daraus gemacht, daß wir das Volksbegehren des Reichsausschusses für- unzweckmäßig, ja innen- wie außenpolitisch geradezu für gefährlich halten. Wir haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß unsere Ansicht über Aufgaben und Methode einer „nationalen Opposition" von der des Herrn Geheimrat Hugenberg erheblich abweichen. Wir freuen uns, heute seststellen zu können, daß diese abweichende Auffassung offenbar auch von weiten Kreisen derer geteilt wird, die man eigentlich hinter dem Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren hätte vermuten müssen. 3n der Christlich-nationalen Bauernpartei, im Reichslandbund und sogar im Stahlhelm hat der sog. Zuchthausparagraph starke Dedenken erregt, ein in seiner vaterländischen Gesinnung gewiß unverdächtiger Mann, wie Graf Westarp, Vorsitzender der dcutschnatio- nalen Reichstagssraktion, schweigt sich über das Volksbegehren aus und der „Jungnationale Ring", hinter dem wir wohl die Kreise vermuten dürfen, die einst der Wahl Hugenbergs zum Parteivorsihenden widerstrebten, greift in einer vielbeachteten Flugschrift „Der Riedergang der nationalen Opposition", die Taktik des neuen Kurses scharf an. Er verlangt nicht mehr und nicht weniger als den Sturz Hugenbergs als ein Hemmnis der nationalen Sammlung. Die künftige nationale Opposition werde nicht mehr Rebellion und Egoismus, nicht mehr Hatzgesang und Ressentiment, sondern Einordnung und Gemeinschaftsgefühl sein. Werde die nationale Opposition nicht bald neue Träger finden, dann werde Deutschland in den wichtigsten Jahren ohne nationale Opposition dastehen. Die Kampffront des Reichsausschusses für das Volksbegeh- te" ift also keineswegs so umfassend und in sich geschlossen, wie man nach den großzügigen Vorbereitungen annehmen müßte. Immerhin ist es Oie Forderungen der deutschen Städte. Ausbau der Selbstverwaltung. - Finanz- und Steuerreform. - Kein Verzicht auf Aufnahme von Anleihen. — Oer preußische Innenminister über die kommunale Eigenwirtschaft. Frankfurt a. M., 27. Sept. (WTV.) Im Festsaal des Palmengartens wurde heute früh die Jahresversammlung des Deutschen Städte- tages eröffnet. Präsident M u I e r t begrüßte die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden und erstattete sodann sein Referat über „Sinn und Form der Selbstverwaltung". Die Selbstverwaltung ist nur denkbar, wenn sie von dem Vertrauen aller Kreise der Bevölkerung getragen wird. Aktive Mitarbeit der Bürger in der Gemeinde, verantwortungsbewußte Führung der Aufgaben der Gemeinde wird am besten dieses Vertrauen erhalten und kräftigen. Selbstverwaltung bedeutet Selb st Verantwortung. Einer einheitlichen Regelung der Grundzüge der Verwaltung muß eine örtliche Bewegungsfreiheit für die praktische Durchführung der Aufgaben entsprechen. Rur dann ist es möglich, das Ziel jeder Reform zu erreichen, die gesamte örtliche Verwaltung in der untersten Instanz in der Hand der Gemeinde zusammenzufassen. Die lebendige Kraft der Selbstverwaltung wird wesentlich bestimmt durch die Lage ihrer Finanzen. älnzusarnrnenhängende Teillösungen des Finanzausgleichs brachten den Gemeinden, als den politisch Schwächsten, weitere Verschlechterungen ihrer finanziellen Lage. Die jüngsten auhenpolilischen Verhandlungen werden hoffentlich den Weg frei machen, um nunmehr die dringend notwendige systematische Neuregelung der Finanzfragen durchzuführen, hierbei müssen auch die Mängel der jetzigen Regelung für die Gemeinden, die sich auch für die Volkswirtschaft nachteilig ausgewirkt haben, beseitigt werden. Die Einkommensteuer, bas Rückgrat jeder modernen Steuer- und Finanzpolitik, muß weiterhin Reich, Ländern und Gemeinden gemeinsam zu- stchen, wobei es Aufgabe dec- Reiches als b?c Unparteiischen sein muß, die Abgrenzung des Anteils von Ländern und Gemeinden einheitlich und gerechter als bisher durchzuführen. Dor einer erheblichen Senkung dieser Steuer müssen deshalb die Rückwirkungen auf Länder und insbesondere auf Gemeinden besonders sorgfältig geprüft werden. Die Frage der Deckung der Ausfälle muß in einem solchen Falle vorher gelöst sein, damit nicht unvorhergesehene Schwierigkeiten und schwere Schäden erwachsen. Eine bewegliche, von eigener Verantwortlichkeit getragene Gemeindepolitik verlangt, daß die Gemeinde auch das S e l b st b e stimmungsrecht und damit die Verantwortlichkeit für die Bereit st ellung der Einnahmen hat. Für das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer muß eine richtige Form gefunden werden, die dem Steuersystem und den praktischen Erfordernissen entspricht. Dadurch wird am besten der jetzt auf die Gewerbe st eue r ausgeübte finanzielle Druck erleichtert. Die Nachteile einer teilweisen Ueberfpannung der Realsteuern dürfen nicht zu der Forderung führen, sie ganz abzuschafsen. Noch heute bildet die Gewerbesteuer die gerechtfertigte Abgeltung der besonderen Lasten, die der Gemeinde durch die Gewerbebetriebe auf fast allen Gebieten der öffentlichen Arbeit erwachsen. Die Städte wünschen aber auch ihrerseits die Gewerbesteuer überall dort zu vermindern, wo sie zu hoch angespannt ist. Sie sind dazu bereit, aber aus eigener Kraft nicht in der Lage. Das Ausmaß des Abbaues wird also von der höhe der Betrage abhängen, die das Reich auf Grund finanzieller Erleichterungen den Gemeinden zu diesem Zweck überweist. Wohnungsnot und Wohnungselend bedingen eine Festlegung der Hauszins st euer auf längere Zeit. Diese Steuer mutz alsdann von den Härten befreit werden, die ihre jetzige Form noch vielfach aufweist. Eine Erleichterung der direkten Steuern wird eine Erhöh ungeinzelnerindirekterSteuern nach sich ziehen. Hierbei kann man an der © e - tränke st euer nicht vorübergehen. Angesichts der Bedrängnis unserer wirtschaftlichen und finanziellen Lage ist hier eine Desteuerungsmöglich- feit gegeben, die für die Wirtschaft am erträglichsten ist. Die öffentliche Finanz- und Steuerpolitik mutz als eine Einheit betrachtet und beurteilt werden. So kann es auch zu keinem Ergebnis führen, wenn gelegentlich die Höhe der Beiträge kritisiert wird, die die kommunalen Werke zum städtischen Haushalt abliefern. Solange der Finanzausgleich die Gemeinden zu dieser Einnahmequelle nötigt, können d i e Tarife, so erwünscht es an sich wäre, nicht herabgesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Gestaltung des kommunalen Anleihemarktes. Bleibt auch der Jahreszuwachs an kommunalen Anleihen'hinter den entsprechenden Zahlen der Friedenszeit nicht unerheblich zurück, so macht doch die Gesamtlage unseres Geldmarktes größte Zurückhaltung auf diesem Gebiete zur kommunalpolitischen Pflicht. Die allgemeine Finanzlage und die besonders schwierigen Verhältnisse der Städte haben schon im letzten Jahre zu erheblichen Einschränkungen auf den meisten Gebieten kommunaler Arbeit geführt. Gleichwohl werden die Städte auch weiterhin ernsteSpar- samkeit üben. Sie bekunden damit ihre enge Verbundenheit mit der gesamten Wirtschaft, von der sie zugleich ein wichtiger Teil sind. ( Der preußische Innenminister Grzesinski übermittelte der Tagung die besten Wünsche dec preußischen Staatsregierung. Auf programmatische Ausführungen könne er diesmal verzichten, weil er VorIufammentn'tt des Reichstags. Reichskanzler Müller bereitet die Versicherungsdebatte vor. Das Defizit der Arbeitslosenversicherung. Eine halbe Milliarde aus Reichsmitteln. Berlin, 28. Sept. (Priv.-Tel.) Das Reichs- arbeitäminifterium hat dem Reichstag nunmehr die Begründung zum Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und die Begründung zum Entwurf eines Gesetz« s über befristete Qlenbe- t u n g e n der Arbeitslosenversicherung vorgelegt, lieber die Aufwendungen des Reiches für die Arbeitslosenversicherung wird in der Begründung u. a. mitgeteilt, daß die Ausgaben in dem zweiten Haushaltsjahre der Arbeitslosenversicherung ihre Einnahmen um 479 Millionen Reichsmark überschritten haben. Dabei sind die Aufwendungen des Reiches und der Reichsanstalt für die Sonderunterstühungen mit eingerechnet. Die starke Beanspruchung von Reichsmitteln — 265 Millionen Mark in der Versicherung, 105 M llionen Mark in der Sonder- fürsorge, zusammen rund 370 Millionen Mark — hat wesentlich dazu beigetragen, die ohnehin schwierige Kassen läge des Reiches in den Winter- und Frühjahrsmonaten des Jahres 1929 zu v e r s ch ä r f e u. Es besteht weitgehendes Einverständnis darüber, daß sich das nicht wiederholen darf. Die Darlehnshilfe des Reiches kann nur für Fälle ernster Rotlage oder zur Befriedigung vorübergehender Geldbedürsnisse in Anspruch genommen werden. Zu den hier angeführten Zahlen kommen noch die Beträge, die das Reich für die Krisenfürsorge hat zahlen müssen, so daß die gesamten Aufwendungen an Reichsmitteln für die Arbeitslosigkeit rund eine halbe Milliarde Mark betragen. Anhaltende Ebbe in der Reichskaffe. Berlin, 28. Sept. (Priv.Tel.) Wie wir aus guter Quelle hören, hat sich die Lage der Reichskasse auch in den letzten Wochen nach keiner Richtung hin gebessert. Da keine neuen Einnahmen hereingekommen sind und die Ausgaben in der letzten Zeit sogar noch größer wurden, kann man vielleicht eher von einer gewissen Verschlechterung der Kassenlage des Reiches sprechen. Der kommende Quartalsultimo wird reibungslos befriedigt werden können. Trotzdem arbeitet man im Reichsfinanzministerium aber ununterbrochen an der Finanzreform, um den sonst nicht ausbleibenden schwierigen Situationen der Reichskasse nach Möglichkeit vorzubeugen. Oie Volkspartei beharrt auf ihrem Standpunkt. Reform ohne Beitragserhöhung. Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Die Reichstagsfraktion der.Deutschen Dolkspartei billigt nach eingehender Besprechung der Vorschläge zur Reform der Arbeitslosenversicherung einmütig die Haltung ihrer Vertreter im Sozialpolitischen Ausschuß. Sie hält an der Auffassung fest, daß ein Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung unter Wahrung aller berechtigten sozialen Gesichtspunkte ohne Beitragserhöhung und ohne neue Belastung des notleidenden Reichshaushaltes möglich ist, wenn die von der Deutschen Volkspartei wiederholt gegebenen Anregungen zur Grundlage der Reform gemacht werden. Sie erblickt in der Sanierung der Arbeitslosenversicherung die erste notwendige Maßregel zur Herbeiführung einer Gesundung der deutschen Wirtschaft und der Wiederherstellung geordneter Rcichssinanzen. Sie beauftragt ihre Vertreter, die Verhandlungen in diesem Sinne weiterzuführen. Oer Reichskanzler nimmt die Besprechungen aus. Berlin, 27. Sept. (Privat.) Reichskanzler Müller hat iin Laufe des Tages die angekündigten Einzelbesprechungen über die politische Lage abgehalten, und zwar zunächst mit den Ministern Wissell und Dr. Hilfer- ding, ferner mit Reichsjustizminister von Guerard und später mit Reichsauhenminister Dr. Stresemann. Außerdem empfing der Kanzler Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion. Der Sinn der Besprechungen ist, daß der Kanzler sich nach seiner langen Abwesenheit zunächst einmal über die politische Lage und bte Auffassungen der Koalitionsparteien informieren will. Dabei liegt es auf der Hand, daß die Frage der A r b e i t S- lofenref orm stark im Vordergrund aller Un* terhaltungen steht, die natürlich auch der Vorbereitung der morgigen Ministerbesprechung gelten. durchaus begreiflich, daß die in dem Volksbegehren scharf angegriffene Regierung und die hinter ihrer Politik stehenden Parteien zur Abwehr schreiten, wenn sie es eben nicht daraus ankommen lassen wollten, die uneinheitliche Stimmung im gegnerischen Lager sich auswirken zu lassen. Daß nun allerdings d i e „Enthüllungen" der Rationalliberalen Korrespondenz, über die wir ausführlich berichteten, dazu das geeignete Mittel waren, möchten wir bezweifeln. Das parteiosfiziöse Organ der Deutschen Dolkspartei wird inzwischen selbst einigermaßen überrascht sein über die Wirkung seiner Veröffentlichungen, die an sich keineswegs den sensationellen Charakter trugen, zu dem ihnen erst eine sensationslüsterne Presse mit viel Eifer verhalfen hat. Man wollte mit den Enthüllungen über Gespräche deutschnationaler Politiker mit Franzosen offenbar beweisen, daß die Deutschnationale Dolkspartei eine Politik mit doppeltem Boden treibe, wenn sie coram publico gegen die offizielle Verständigungspolitik zu Felde zog und Männer des Jungdo und der Linksparteien wegen ihrer Besprechungen mit dem „Erbfeind" anprangerte, hinter den Kulissen jedoch es selber nicht verschmähte, in Paris ihre Fühler auszustrecken und sich mit dem „Erbfeind" an den Verhandlungstisch zu sehen. Man wollte ferner beweisen, daß diese außenpolitischen Gespräche mit Leuten von jenseits der Grenze hinter dem Rücken des Auswärtigen Amts geführt worden seien und geeignet gewesen wären, die Politik der Reichsregierung Empfindlich zu stören. Aber wenn diese Offensive der Rationalliberalen Korrespondenz das Volksbegehren treffen sollte, so hatte man wieder einmal eine falsche Front. Wir wollen ganz absehen von der Person des Herrn Arnold Rech berg, der sich politisch zur Linken zählt, und in heller Begeisterung über den deutsch-französischen Kali- und Eisenpakt schon seit Jahren in unzähligen Artikeln in deutschen wie französischen Blättern mit dem Gedanken eines analogen Militärbündnisses krebsen geht. Aber auch Herr Dr. Klönne ist nun einmal nicht Hugenberg. Der Dortmunder Industrielle, den man zum gemäßigten Flügel der Deutschnationalen Volkspartei rechnen muh, ist ein WirtschaftsMrer von Rang, der sein Ansehen als ernst zu nehmender Politiker in seinen Besprechungen mit Wirtschaftlern und Abgeordneten der Gegenseite durch törichte Vorschläge oder zu weitgehende Konzessionen kaum aufs Spiel gesetzt haben dürfte. Und warum sollte cs grundsätzlich Politikern der Rechten versagt sein, die gleiche deutsch-französische Verständigung, die die amtliche Politik der Reichsregierung sich zum Ziel gesetzt hat, in Gesprächen mit Leuten ihrer Interessensphäre auf a n d e re Weise anzustreben, noch dazu, wenn sie versuchen, dabei mehr herauszuschlagen, als es dem Auswärtigen Amt gelungen ist? Ist es vielleicht ein Vorrecht der Herren Breitscheid und ®eorg Bernhard, in schwebende Verhandlungen des Außenministers hineinzupfuschen? Davon kann doch offenbar bei Klönne gar nicht die Rede sein, der noch dazu, ohne daß er dazu! verpflichtet war, das Auswärtige Amt entgegen jetzt erhobener Beschuldigungen über das Ergebnis seiner Gespräche mehrmals eingehend unterrichtet hat. Der Begeisterungssturm der Linken, das Frohlocken Hugenbergs, der von der Cnthüttungsaklion eine Entlastung von der gemäßigten Opposition in der eigenen Partei erhoffen darf, und das toenig' entzückte Echo, das! die Veröffentlichungen der Äationalliberaleni Korrespondenz in der Presse gefunden hat, die der Volkspartei nahesteht, sollten doch zu denken geben, ob dieser Feldzug klug war. Wir jeden- salls versprechen uns nichts von einer Fortsetzung dieser Art des Kampfes. Wenn des politische Gegner gelegenllich gleiche Methoden beliebte, so ist das noch lange kein Beweis dafür, daß diese Methoden gut und nachahmenswert sind. Kehren wir nicht bald auf allen ©eitert auf den Boden sachlicher Politik zurück, so müssen wir in eine Krisis hineinschlittern, aus der heute noch niemand weiß, wie wir wieder herauskommen sollen. i?»- _ ___। dem Dortrag des Präsidenten Mulert durchaus zu- ■ stimmen könne. Die wechselseitige Verbundenheit zwischen Stadt und Land müsse noch viel stärker anerkannt werden, als es bisher der Fall war. St (ar müsse aber auch erkannt werden, daß die Gemeinschaft Pflichten und Opfer und die Zurückstellung von Einzelinteressen gegenüber denen der Gesamtheit fordere. Leider werde diese Erkenntnis auch in den Kreisen der Selbstverwaltung noch vielfach ver- mißt. Für das Verhältnis der Gemeinden zu Staat und Reich und zur Wirtschaft werde eine Neuregelung erforderlich sein, in deren Rahmen als dringendste Aufgaben der nächsten Zukunft die V e r w a l - twngsreform und die Schaffung eines wirklichen Finanzausgleiches zu erwähnen wären. Bezüglich der wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen habe ich wiederholt in der Oeffentllchkeit erklärt, daß ich jeden Der- such, diese Betätigung der Kommunen einzu- engen, aufs schärfste bekämpfen werde. Die Gemeinden haben das Recht auf wirtschaftliche Betätigung stets angesehen als einen Zweig der Selbstverwaltung, und die Staatsregierung wird dafür sorgen, daß dieses Recht nicht verkümmert wird. Die preußische Staatsregierung hält mit mir die Angriffe der Privatwirtschaft auf die kommunale Wirtschaft für gänzlich ungerechtfertigt, denn die kommunale Wirtschaft erfüllt eia öffentliches Bedürfnis und Hal das gleiche Recht wie die Privatwirtschaft, im Interesse ihrer Betriebe an den öffentlichen Kreditmarkt heranzutreten. Eine Belastung des Kreditmarktes kann schon deshalb nicht stattflnden, weil ja die Aufgaben der kommunalen Betriebe Lebensbedürfnisse der Bevölkerung befriedigen, die bei Richtbestehen der kommunalen wirtschaft von der Privatwirtschaft übernommen werden müßten. Die Demokratie bringt eS mit sich, daß auch die Wahlen zu den kommunalen Körperschaften mit politischer Leidenschaft geführt werden. Ich glaube, das schadet nichts; denn erst im Kampfe wachsen die Kräfte, und im Dingen um eine Macht, die immer wieder erobert werden muß, bewährt sich schließlich das Gute und Richtige. Alleroings hat sich leider bet unS in Deutschland im politischen Kampf immer mehr eine Methode entwickelt, die den politischen Gegner nicht mehr mit sach- lichen Argumenten, sondern mit brutalen Gewaltmitteln, mit Beschimpfungen und Verleumdungen bekämpft. Hiervon sollten alle anständigen Menschen abrücken. Dem Gemeinwohl wird damit bestimmt nicht gedient, sondern nur geschadet. Ich möchte deshalb als meinen Wunsch für den Kommunalwahlkampf zum Ausdruck bringen, so heftig auch die Parteien in den einzelnen Gemeinden sich befehden, so mögen sie doch nie vergessen, daß gerade die kommunale Arbeit im Gemeindeparlament und in der kommunalen Verwaltung auf ein und dasselbe Ziel gerichtet sein muß, ein Ziel, dem alle zur positiven Mitarbeit berufenen Kräfte zu dienen haben, dem Wohle der örtlichen Gemeinschaft und damit auch dem Wohle des ganzen Volkes. Der Versammlung wurde sodann eine Entschließung vorgelegt, die die Notwendigkeit einer Aeugestaltu ng des Steuersh st ems und einer endgültigen Ordnung des Finanzausgleiches betont und u. a. besagt: „Für die Gemeinde ist es unerläßlich, zur Er- ledlgung ihrer Aufgaben auch weiter an den Anleihemarkt heranzutrelen. (Ein Verzicht aus den Anleihemarkt würde weitere Rückwirkungen auf den wirtfchasts- und Arbeitsmarkt Hervorrufen. Die Ge- meinden werden ihre Bestrebungen verstärken durch freiwillige Verständigung, den gegenwärtigen Marktverhälwissen Rechnung zu tragen. Der Zwang, durch Anleiheberalungsstellen slaatlicherseits einzu- grelfen, ist abzulehnen. Die Gemeinden fordern von dem kommenden Finanzausgleich die wieder- herftellung der Grundlagen einer selbständigen Finanzwirtschaft und die Eröffnung ausreichender eigener und beweglicher Einnahmequellen. Eine erhöhte Beteiligung an der Einkommen- steuer entspricht ihren gesteigerten Aufgaben und Lasten. Die Gewerbe st euer wird auch künftig einen wesentlichen Bestandteil der kommunalen Steuersystems bilden, wo in einzelnen Ländern die finanzielle Rotlage der Gemeinden zu einer Ueber- fpannuug der Gewerbesteuer geführt hat, ist sie ohne schematische Zwangsmaßnahmen und unter ausreichendem Ersah für die entstehenden Ausfälle organisch umzugestalten. Der Ausbau der Ge - kränkesteuer ist unerläßlich. Der Lrnsl der finanziellen Lage erfordert, daß die notwendigen Maßnahmen mit größter Beschleunigung durchgeführt werden." Weitere Hastentlaffungen in der Bombenaffäre. ' Berlin 27.Sept. (WTB.) Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Luetgebrune (Göttingen) sind gestern vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I Berlin, Landgerichtsdirektor Dr. Ma- sur, die in der Dombenattentatangelegenheit an- geschuldigten Landvolkangehörigen, Hofbesitzer H a m k e n S, Diplomlanowirt Muthmann und Siedler Matthes aus der Haft entlassen worden. Die Haftentlassung ist erfolgt, weil ein dringender Tatverdacht an den Sprengstoffattentaten bei diesen Angeschuldigten nicht mehr vorliegt und im übrigen Fluchtverdacht nicht mehr begründet ist, weil eS sich um Hof- und Grundbesitzer handelt. Gegen die jetzt aus der Haft Entlassenen liegt nicht mehr der Verdacht eines Verbrechens, sondern nur noch eines Vergebens gegen daS Sprengstoffgesetz und wegen Unterlassung einer Anzeige vor. Die freigelassenen Hamkens und Muthmann wurden unmittelbar nach der Entlassung von Beamten der Politischen Polizei erneut fest- genommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo sie in der Angelegenheit des O l - oenburger Spreng st offanschlageS vernommen wurden. Hamkens wurde nach dem Verhör wieder entlassen. Das Verhör MuthmannS dauerte in den späten Abendstunden noch an. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat sich die Polizei zu dieser Maßnahme all Srmittlungsbehörde der olden- burgischen Gericht« genötigt gesehen. Da der Die VetrugsaMre der Gebrüder Sklarek. Berlin, 27. Sept. (2DB.) Die drei Gebrüder Sklarek sind nach ihrer Verhaftung durch Beamte des Letrugsdezernats bis in die tiefen Nachtstunden hinein über die Art und die höhe der Betrügereien vernommen worden. Die Sklareks haben bisher jede Schuld zu be st reiten versucht, doch haben die Polizeibeamten den drei Brüdern aus den Abrechnungen der Bezirksämter, die sie inzwischen über die Stadtbank vom Magistrat erhalten hatten, nachweisen können, daß zwar einige Angestellte der Sklareks um die Betrügereien gewußt haben müssen, daß aber im wesentlichen die Angaben, die der Oberbuchhalter Lehmann erhalten hatke, um danach die Buchführung vornehmen zu lassen, von den Inhabern dec Firma s e l b st st a m m t e n. Der Buchhalter Friedrich Lehmann, der seit Jahren bei den Gebrüdern Sklarek tätig war, hat ein Geständnis abgelegt, in welcher weise die Betrügereien verübt worden sind. Lehmann Hot mit Wissen der Gebrüder Sklarek seil längerer Zeit die Fäl- schungenbetrlcben. Er fertigte größere Aufträge an, die zunächst von Schreibmaschinendamen mit der Maschine ausgeschrieben wurden. Dann ließ er die Aufträge noch einmal handschriftlich aus st eilen, versah sie m l t den gefälschten durchgepausten Unterschrif- len der beiden Beamten, die zeichnen und gegenzeichnen mußten, und wartete ab, bis eine An- zahl kleinerer echter Aufträge einging. Mit diesen zusammen übergab er seine gefälschten Formulare, die auch die Unterschriften der Gebrüder Sklarek trugen, der Sladlbank, die sie ohne nähere Prüfung in Bausch und Bogen bezahlte. Rach dem Geständnis des Lehmann ist diese Unterschiebung nicht nur einmal, sondern des öfteren vorgenommen worden. Die drei Gebrüder Sklarek sowie der Buchhalter Lehmann werden noch heule wegen fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung und Betruges dem U n - tersuchungsrichler vorgeführl werden. Der Unlersuchungsrichter beim Polizeipräsidium hat gegen die ihm vorgeführten drei Gebrüder Sklarek sowie ihren Geheimsekretär und Buchhalter Friedrich Lehmann den Haftbefehl ausgesprochen. Alle vier werden in das Moabiter Untersuchungsgefängnis übergeführt roerben. Es besteht Aussicht, den Verlust, den die Sladt- bank erlitten hat und der sich nach den zunächst allerdings nur oberflächlichen Berechnungen auf 6 bis 9 Millionen Mark beziffert, durch die Werte zu decken, die den Sklareks gehören. Die drei Brüder verfügen nckchweislich in ihrem Abzahlungsgeschäft und In der kleidervertriebsgesell- schoft über ein Warenlager von rund 3 Millionen Mark. Der Renn st all der beiden Brüder dürfte einen wert von mindestens einer Million Mark repräsentieren. Ferner besitzen die Sklareks in Berlin zehn Miethäuser, von denen sie selbst drei bewohnen, die fürstlich ousge- slallet sind, und Kun st schätze aller Art bergen. Der wert dieser Gebäude wird insgesamt von der Stadlbank auf 6 Millionen Mark veranschlagt. Schließlich haben die Sklareks auch an die Stadt Berlin noch reelle Forderungen für Lieferungen in höhe von mehreren hunderttausend Mark. Bei einer vorsichtigen Bewertung dieses Besitzes wäre es also möglich, den Schaden abzudecken. Herr Leo Gklarek. Kritik der Berliner Presse. (Berlin, 28.Sept. (LU.) Aus dem Leben Leo Sklareks berichtet der „Lokal-Anzeiger", daß dieser ein gern gesehener Gast in den Lokalen am Kurfürstendamm gewesen sei. Mit Vorliebe habe er französischen Sekt getrunken, von dem die Flasche 45 Mark kostet. Das Auto Leo Slareks sei oft genug nachts unterwegs gewesen, um die von Leo Sklarek gewünschten Damen herbeizuholen, die ihm und seinen Gästen etwas vortanzen mußten. — Das „Berliner Tageblatt" weist besonders darauf hin, daß der Kreis, der an dem Skandal Verantwortlichen noch nicht abgeschlossen ist. Den Fall der Monopolverlängerung anführend, sagt das Blatt, die moralische Verantwortung für die Monopolverlängerung laste auf der Anschaffungsgesellschaft. Die „D A Z." betont, daß der neue Skandal auf Kosten der Steuerzahler wieder bei einem Unternehmen erfolge, mit dem die Stadt Berlin allen Warnungen der wirtschaftlich Einsichtigen zum Trotz das private Gewerbe und den privaten Wettbewerb ausgeschaltet habe. Bei dieser Gelegenheit müsse erneut auch die Frage aufgeworfen werden, welche Gründe die Kommunalverwaltungen veranlaßten, gewisse Lieferungen gewissen Firmen für lange Iahre monopolistisch zu garantieren. Oldenburger Sprengstofsanschlag nicht der Zuständigkeit der preußischen Gerichte unterliegt, konnte dieser Fall nicht an den preußischen Untersuchungsrichter, Landgerichtsdirektor Ma- sur, abgegeben werden. Das Bombenattentat auf den Reichstag. Ernst von Salomon angeblich als Täter erkannt. Berlin, 27. Sept. (TU.) Das Bombenattenlat auf den Reichstag, bas bisher noch nicht aufgeklärt werben konnte, wirb neuerbings mit bem in Berlin verhafteten Ernst von Salomon in Verbinbung gebracht. Ein gewisser L. hatte feiner- zeik bei der Polizei ausgesagt, bah er in bet Nacht vom 31. August zum 1. September beim Branden- burger Tor zwei Männer beobachtet habe, von benen einer ein großes viereckiges Paket unter bem Arm trug. Einige Zeit später kamen bie Männer ohne Paket roieber und fuhren von ber Dorotheenstrahe mit einem Auto, bas bort gehalten hatte, weg. Wieber einige Zeit später hörte er bie Explosion. Bei ber heutigen Vernehmung vor bem Untersuchungsrichter, Lanbgerichtsbirektor Masur, erklärte nun L. mit aller Bestimmtheit, baß er in Ern st von 5 a l o - tnon einen ber Männer aus ber Attentatsnacht wiebererkenne. Ehrhardt über seine außenpolitischen Besprechungen. Berlin, 27. Cept. (LU.) KapitänChr- Hardt teilt mit: „Ich denke gar nicht daran, meine Unterredungen mit französischen Politikern im Hause Rechberg in Abrede zu stellen oder sie gar dadurch zu beschönigen, daß ich dem Auswärtigen Amt gewissermaßen Meldung erstattet hätte. Ich kann mich unterhalten mit wem ich will, ohne jemanden davon zu unterrichten. Ich bin der Ansicht, daß Deutschland versuchen muß, s i ch zunächst mit feinem größten Gläubiger, Frankreich, der jederzeit mit Wassen- ?etoa(t seine Forderungen eintreiben kann, ehr- ich ohne Hintergedanken äu verständigen. Die Kleineren müssen Dann zwangsläufig folgen, ob das Herr ©trefemann macht, oder Herr Rechberg, oder sonst jemand, ist mir gleich Hauptsache ist, daß jemand den großen Wurf wagt. Für mich geht es nur um Deutschland, um keine Person." Oie sozialen Folgen der Bankenfusion. Eine Entschließung des Deutschen Bankbcamtenvcreins. 6 t u 11 g a r t, 27. Sept. (WB.) Der Deutsche Dankbeamtenverein, Gau Württemberg- Baden, hatte eine öffentliche Kundgebung ein* berufen, in.der zu den Entlassungen, die sich aus der Fusion der Deutschen Bank und der Disc on togesellsch af t ergeben müssen, Stellung genommen wurde. Es wurde eine Entschließung angenommen, die auf die Beunruhigung auf den Stuttgarter Bankbeamten hinweist. Man müsse mit der Sch liest ung von fast 100 (Niederlassungen rechnen. Die seit Iahren unter dem fortgesetzten Personalabbau in sozialer und seelischer Hinsicht stark notleidendeDankangestell- tenschaft werde erneut den größten Sorgen ausgesetzt, da die gegenwärtige Wirtschaftslage ein Unterkommen der abgebauten Beamten in anderen Berufen ausschließe. Da die Fusion ihre Begründung keineswegs in einer wirtschaftlichen Rotlage eines der beiden Institute finde, sei zu fordern, dast den Abgebauten ausreichende Pensionen zugebilligt würden, oder daß die beteiligten Institute ihre Geschäftsverbindungen ausnuhen, um die Ueberführung der Abgebauten in andere Positionen sicherzustellen. Schließlich wird die Erwartung ausgedrückt, daß die Reichsregierung sich mit den sozialen Auswirkungen der Fusion besaht. Ehrenwache" der Rheinlandkomrnission. Wiesbaden, 28. Sept. (priv.-Tel.) wie nunmehr bestimmt feststeht, wirb der militärische Schuh bet Rheinlanbkommission nach ihrem Umzug aus 300 Soldaten und 25 Gendarmen bestehen. Beschlagnahmt wurden vorläufig ein Exerzierplatz, die Wilhelm-Heilanstalt, die von der Reichsvermögensverwaltung errichteten Wohnungen und 19 größere Privat- wohnungen. Macdonalds Abreise nach Washington. Die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz. London, 27. Sept. (WTB.) Macdonald ist heute abend nach Southampton abgefahren, um sich an Bord der „Derengaria" nach Amerika einzuschiffen. Auf dem Bahnhof hatten sich die Mitglieder des Kabinetts, der amerikanische Botschafter General Dawes und andere Mitglieder des diplomatischen Korps eingefunden. Macdonald erklärte vor der Abreise: Ich erwarte nicht, daß mein Aufenthalt in Washington zum Eintreten einer sensationellen Wendung führt. Ein Grund dafür ist der, daß die laufenden Verhandlungen über die Abrüstung zur See soweit gefördert sind, daß sie nun auf die breitere internationale Plattform gebracht werden müssen. Wenn alles gut geht, wird bald nach Reujahr eine Fünfmächtekonferenz abgehalten werden. Wenn sie erfolgreich ausgeht, wird sie der Vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes einen ins Gewicht fallenden Beitrag für die Abrüstung zur See liefern. Die Vorbereitende Abrüstungskommission würde dann die Möglichkeit haben, ihre allgemeinen Arbeiten fortzusehen, und es wird später dem Völkerbund möglich sein, die allgemeine internationale Abrüstungskonferenz einzuberufen, auf die der Völkerbund schon seit langem hingearbeitet hat. Der Premierminister fügte hinzu: Ich habe immer das Gefühl gehabt, daß eine persönliche Fühlungnahme zwischen den tatsächlich für die Führung der Regierungsgeschäfte verantwortlichen Kreisen in Washington und London dringend notwendig ist, wenn das Verstehen zwischen beiden Völkern in einem so weitreichenden Maße gefördert werden soll, wie wir es wünschen. Der König an den Premierminister. London, 27. Sept. (WTB.) Der König hat an den Premierminister Macdonald anläßlich der Reise nach den Vereinigten Staaten folgendes Geleitwort gesandt: »Am Abend Ihrer Abfahrt wünsche ich Ihnen eine gute Reise. Alle herzlichen Wünsche sind bei Ihrer Abreise zugegen, handelt es sich doch um einen Schritt zur Förderung jener erfreulichen Beziehungen zwischen zwei großen Volkern, deren Bestehen bei allen Menschen guten Willens ein Glaubensartikel fein muß." Premierminister Mac dv- nald antwortete: »Ich bin Eurer Majestät tief dankbar für das liebenswürdige Gedenken und das Wohlwollen, mit dem Eure Majestät mir Ihre besten Glückwünsche zu einer Reise übersandt haben, die, wie ich hoffe, eine sich fruchtbar erweisende Neuerung sein wird." Aus aller Welt. Uebersall auf ein Auto vor ben Toren Berlins. Aus der Chaussee Berlin—Lichtenrabe wurde ein verwegener Raubüberfall auf ein Automobil verübt. Um 20.30 Uhr sahen zwei Gärtner aus Lichtenrade ein zertrümmertes Auto im Chaussee- graben liegen. Auf dem Führersitz, zwischen Steuerrad und Rückwand hilflos eingeklemmt, hing ein Mann, der halb bewußtlos war und leise Schmerzensrufe von sich gab. Die Gärtner alarmierten sofort das Rettungsamt. Der Mann wurde als der Fuhrunternehmer Willi chegener aus Berlin feftgeftellt. Als der Verletzte nach längerer Behandlung schließlich das Bewußtsein zurückerlangte, gab er folgende Schilderung: „Ich fuhr die.Lichtenrader Chaussee entlang, als plötzlich vor mir die Scheinwerfer eines anderen Autos aufleuchteten. In dem Augenblick als der fremde Wagen an mir vorüberfuhr, fühlte ich plötzlich einen brennenden Schmerz in den Augen. Es kam mir noch zum Bewußtsein, daß mir irgend ein ätzen- des Pulver, vielleicht auch Pfeffer, ins Gesicht geschleudert worden war — dann verlor ich bie Gewalt über das Steuer, mein Wagen prallte gegen einen Baum und rutschte in Den Chausseegraben ab. In diesem Augenblick fielen zwei Männer Über mich her, würgten mich, schlugen auf mich ein und raubten mir meine Brieftasche, in der sich 400 Mark befanden." — Hegeners Zustand ist so ernst, daß man ihn ins Krankenhaus transportieren mußte. Feuertod von secys Geschwistern. In Danforth (Maine) kamen bei einem Brande, der ein Wohnhaus zerstörte, sechs Geschwister im Alter von einem bis zu acht Iahren ums Leben. Die Eltern waren auswärts auf Arbeit. Drei Todesopfer eines Automobilbrandes. In Vorkfhire geriet ein Automobil infolge einer Motorexplofion in Brand. Von den Insassen kamen drei Frauen in den Flammen umS Leben. Zwei Frauen erlitten schwere Verletzungen. Fünf Streckenarbeiter getötet. Ein Güterzug ist bei St. Michel—de-Maurienne entgleist, wodurch die Strecke gesperrt war ursd die Züge auf dem Rebengleis weitergeleitet werden muhten. Als um 5 Llhr der erste Morgenzug von St. Michel—de-Maurienne die Strecke passierte, wurden fünf serbische Eisen- bahnarbeiter, die mit den Ausbesserungsarbeiten beschäftigt waren, vorn Zuge ersaht und sofort getötet; zwei weitere wurden schwer verletzt. Meuterei in einem Staatsgefängnis in Honduras. Die Gefangenen des Staatsgefängnisses Ma- cala sind nach einer Meuterei ausgebro- ch en. Sie verschanzten sich an der Stadtgrenze und leisteten den gegen sie entsandten Regierungstruppen in einem erbitterten Feuergefecht zähenWiderstand. Drei Offiziere und mehrere Soldaten der Regierungsttuppen wurden schwer verletzt. Es gelang, die Meuterer aus ihrer Stellung zu werfen und ins Gebirge abzudrängen. Im ganzen sind 250 Gefangene entkommen. »Lüettcrvocaussage. w 55z M toruna. ÜÄL 2L LOI Iberdeen- 7^7 75 o' Ml. Oie Weiterlaae. _Soir ■J& freitaa, 27.Sept. 1929 7h abds. woiKtntos. O neuer. <> naiD Deoecn. ® woikiq. e oedeext v Schnee a Graupeln. ■ MeDei K 6eWitter.@Windstilie.-O' seh» eicnter Os» -nassiQC» Südsüdwest (5 sturmoener nordwest die »feite fliegen mit dem winde. Pie oeiden Stationen stehenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Limen veromdeo Oru mit gleiche^ Nif Meeresniveau umoereennete» Luftdruck wand O I 43-t® Die warme Luft, die durch das neue isländische Fallgebiet zum Vordringen kommt, hat das westliche Deutschland erreicht und dort Temperaturanstieg verursacht. Während in Mittel- und Süd- deutschland sich die heutigen Morgentemperaturen zwischen 3 und 10 Grad bewegten, zeigt der Westen Temperaturen von über 10 Grad. Aachen meldete heute morgen sogar 15 Grad Wärme. Die Warm- luftwelle wird bei ihrem weiteren östlichen Vordringen auch bei uns Erwärmung bringen, die sich in der kommenden Nacht bemerkbar machen wird. Dabei setzt langsamer Barometerfall ein, und der hohe Druck wird weiter abgebaut. Jedoch tritt noch kein Witterungsumschlag ein, sondern nur Bewölkung tritt vorläufig auf. Wettervoraussage für Sonnt a g: Aufkommende Bewölkung, trocken, wärmer, besonders nachts. Wettervoraussage für Montag: Wolkiges Wetter, Temperaturen zwischen Tag und Rächt mehr ausgeglichen, meist trocken. Lufttemperaturen am 27. September: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 6,7 Grad; am 28. September: morgens 2,7 Grad. Maximum 19,7 Grad, Minimum 1,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm (tiefe am 27. September: abends 16,4 Grad; am 28. September: morgens 10,4 Grad Celsius. Sonnenschein- dauer 8n Stunden, ®Ute B ; iu eine?W > hoffe, . 1 Seit ZL 'er aus S^ubt sgÄ L7-s r ;mnnnet form et, h längerer^11? -M ■ "erlor ich foje n> M E gegen w Wanner über ^Uafchr^^ i;ner5Manbihk ‘*)ous transportieren elchwlflem. 1 bei einem'Branbe 's«HS Geschwistn 8 ru acht Iah, 1 touren auSwärt- ifomobllbtanbei. ein Automobil in, " 'Swnb. 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Ich tat es, drehte mich dann aber vorsichtig um. Da wußte ich, warum ich stehen bleiben sollte. Hinter uns hatten sich nämlich inzwischen etwa zwanzig Leute angesammelt, die alle nach dem Hause schauten und wohl irgend eine Ueberraschung erwarteten. Als es so zwischen 50 und 60 Zuschauer waren, verliehen mein Freund und ich stillschweigend den Platz. Don der Hauptstraße aus (djauten wir noch einmal zurück, da standen die Leute immer noch und warteten. Was ist das nun? Neugier, Nachahmungstrieb oder die Sucht, etwas Ungewöhnliches zu erleben? Ich habe damals herzlich gelacht und geglaubt, das wäre nur in Italien möglich. Wenn wir aber den Versuch machen, uns in einer deutschen Stadt, einerlei in welcher, mitten auf die Straße zu stellen und nach dem Himmel, nach einem Baum oder Gott weiß, wohin zu schauen, bann bekommen wir bald Nachfolger. Ueberall finden sich Leute, die auch etwas sehen wollen. Fußgänger, die es scheinbar eilig haben, bleiben plötzlich stehen, schauen und haben Zeit. Alle erwarten etwas. Aber bei welchen Gelegenheiten werden die Men- schen nicht „angesteckt"? Es will eben so langsam anfangen zu regnen. Du spannst deinen Schirm auf. Kaum sieht es der Herr hinter dir, schon deckt auch ihn der Schirm. Dabei regnet es noch gar nicht. Umgekehrt, es will eben aufhören, du klappst den Regenschirm zusammen, flugs tun es auch die andern. Gewohnheit, unbewußter Herdentrieb? denkst du. Ja, uns Menschen verbindet scheinbar doch ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Hast du schon einmal in der Eisenbahn bemerkt, welche Folgen es hat, wenn ein Reisender seine Tasche aufmacht und anfängt, zu frühstücken? Folgt nicht eine ganze Anzahl nach? Haben sie wirklich alle Hunger? Du ziehst bei großer Hitze deinen Rock aus. Bald sitzen alle Herren des Abteils in Hemdsärmeln. ,, ... Daß Gähnen auch Menschen, die gar nicht müde sind, ansteckt, hast du sicher schon erfahren. In einer munteren Gesellschaft fängt ein Herr ganz vor- sichtig hinter der vorgehaltenen Hand leise an zu gähnen. Schau dir die andern an! Bald findet er Nachahmer. Oder irgend eine Dame sagt: „Ich muß jetzt nach Hause, ich werde erwartet." Werden dann die andern nicht auch erwartet? 3n einem Laden verlangst du Zahnpasta, Rasierseife oder etwas Aehnliches. Der Verkäufer legt dir eine ganze Menge verschiedener Fabrikate vor. Während du noch aussuchst, kommt ein Herr und verlangt eine bestimmte Sorte. Sofort bist du auch überzeugt, daß dies das richtige ist und sagst: .Geben Sie mir diese auchl" 3a, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagst du, glaubst aber immer, das gälte nur für die anderen. So ganz sicher bist du deiner aber nicht: denn unzählige Male wirst du dich dabei ertappen, daß du einem andern etwas .nachmachst". Umgebung, Erziehung und viele andere Umstände zwingen gar oft dazu. Schau dir die Kinder an, wie sie die Erwachsenen nachahmen! Sollte bei uns nicht ein bißchen von der Kinderkrankheit zurückgeblieben sein? Gewiß geschieht es meist unbewußt, vielleicht sind wir erfüllt von anderen Gedanken und tun mechanisch das, was unsere Augen gerade wahrnehmen. Deshalb brauchen wir noch lange nicht den zerstreuten Professor vorzustellen, der mit den anderen Leuten auf den Bahnhof marschiert und dort nicht mehr weih, ob er angekommen ist, oder ob er abreisen will. Sein Lachen wirkt ansteckend, sagst du von einem Bekannten, und hast recht. Aber es gibt noch viele Gelegenheiten, bei denen du dich „anstecken" lassen kannst, hoffentlich nicht zu deinem Schaden. Wer Zeit hat und will sich seine Mitmenschen einmal genau ansehen, dem wird immer wieder auffallen, wie gern und wie leicht sich unsere lieben Mitbürger in äußeren Dingen führen lassen und unbewußt das tun, was sie gerade bei anderen bemerken. Eine Fahrt in der Elektrischen, oder in der Eisenbahn, ein Abend in launiger Gesellschaft, sie geben dir tausend Beispiele für die Richtigkeit der „Ansteckungsgefahr". •• Gießener Ferienkurse 1 929. Am Tage der Eröffnung (30. September) wird Prof. Dr. D i e t o r einen Bortrag über Lessing halten (10 Llhr, Universität, 1. Stock), zu dem alle Anteilnehmenden freien Zutritt haben. Der Stundenplan für die künstlerischen Veranstaltungen wurde bereits im Anzeigenteil des „Gießener Anzeiger" vom 21. September mitgeteilt; der Stundenplan der in der ersten Wochenhälfte für die Kursteilnehmer veranstalteten Vorträge ist in der Geschäftsstelle der Ferienkurse (Sekretariat der Universität, Dismarckstratze 22) einzusehen. Ebendort werden die zur Teilnahme an allen Veranstaltungen (Vorträge, LehrauSflüge, Theater, Kockzert usw.) berechtigenden Teilnehmerkarten (25 Mk.) ausgegeben. Dünsberg-3ubil2um. Zur Feier des 30jährigen Bestehens des Dünsbergturms und -Hauses ist für morgen bekanntlich eine Veranstaltung auf dem Dünsberggipfel vorgesehen. Wer die Beteiligung an dieser Feier mit einer schönen Herbstwanderung verknüpfen will, sei auf folgende Wegemarkierungen zum Dünsberg aufmerksam gemacht: ab Bieber schwarzer Punkt 1% Stunden (Variante weißer Strich) über Obermühle gelber Strich 1% Std. oder ab Obermühle über Forsthaus Bieber, schwarzer Punkt, 2 Stunden; ab Krofdorf roter Strich über Fellingshausen 2 Stunden; gelber Strich durch den Krofdorfer Forst 2 Stunden; ab Lollar roter Keil über Alteberg— Waldhaus 3% Stunden. Andere nicht markierte Zugänge: ab Gießen über Himberg, Forsthaus Haina, nördlich zum gelben Strich von Bubenrod—Wetzlar; oder über Himberg nach Hohensolms, von da schwarzer Punkt. Heber Rapo- leonsnase durch den Krofdorfer Forst zum roten Keil; oder über Seemühle bei Krofdorf gelber Punkt über Waldhaus zum roten Keil. ** Das neue Wieseckbe11. Mit den (Ein- bämmungs- und Regulierungsarbeiten an der Wie- seck zwischen Garten- und Bismarckstraße ist man jetzt nach beinahe vierwöchiger Arbeit fertig geworben. Das Bett bes Flüßchens hat seinen natürlichen Reiz behaltem Die einbämmenbe Ufermauer ragt nur wenige Zentimeter über bem Wasserspiegel her- vor. Auf ben abgeschrägten Ufern wirb noch Gras gepflanzt werben. ** Eine R i e s e n k a r t o f f e l würbe uns gestern aus Großen-Linben überbracht. Das Kartoffelmonstrum ist 26 cm lang, hat einen Umfang von 25 cm unb wiegt 2 Pfunb unb 55 Gramm. Gewachsen ist bieser Kartoffelriese auf bem Acker ber Witwe Menges, Wirtin „Zum Ritter" in Großen- ßinben. *’ Der Gießener W ochenmarkt wird vom 1. Oktober ab an den Markttagen jeweils von 8 bis 14 Uhr abgehalten. ** Die Alice-Schule veranstaltet vom 21. Oktober ab Kurse im Weißnähen und Schneidern, sowie im Bügeln und Kochen. 3m heutigen Anzeigenteil wird zur Anmeldung von Schülerinnen aufgefordert. weitere Lokalnachrichten Im 2. Blatt Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 29. September. 18. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Becker; zugleich Chri- stenlehre für die Neukonfirmierten der 'Markus- gemeinde; 9.30: Pfarrassistent Schlaudrafs; 11: Kin- derkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarrassistent Schlaudraff. — 2ohanneskirche. 8: Pfarrer Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Iohannesgemeinde; 9.30: Pfarrer Bcchtolsheimer; Beichte unb hl. Abenbmahl für bie Lukas- unb 3o- hannesgemeinbe; 11: Kinberkirche für bie Lukas- gemeinbe; 8: Bibelbesprechung im Iohannessaal; Pfarrer Lic. Waas. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Ausfcld; 10.45: Kinberkirche. Pfarrer Ausfeld. — Llisabelhkleinkinderschule. 8.15: Christenlehre für bie Neukonfirmierten ber Petrus- gemeinbe; 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; hl. Abendmahl für die männliche Jugend; Kollekte für die Jugendarbeit. — wieseck. 9: Beichte; 9.30: Predigt; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Alien-Buseck. 9.30: Beichte; 10; 11: hl. Abendmahl; 1.30:. — Kirchberg. 10: Kirch- berg; 11: letzte Christenlehre für bie männliche 3u« genb; 1.30: Lollar. — Hausen-Garbenteich. 9.30: Hausen; 10.30: Garbenteich; Feier bes hl. Abend- mahls. — Wahenborn-Steinberg. Orbentliche Kirchenvisitation burch Herrn Oberkirchenrat Wagner. 10: Hauptgottesbienst (Kirchenchor); 1: Iugendgottes- bienst (Schülerchor). — Lich. 9 30: Pfarrer Dr. Hey- mann. — Rieder-Bessingen. 10.30: ßcfegottesbienft. katholische Gemeinden. Samstag, den 28. September. Gießen. 16.30 unb 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 29. September. 19. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion ber kaufmännischen Beamtinnen unb Gehilfinnen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Prebigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Prebigt. — fjungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Jlibba. 8.30: Hochamt mit Predigt. Gießen. Irn Oktober ist Rosenkranzandacht Dienstag und Freitag um 20 Uhr, an den übrigen Tagen um 7 Uhr. — Donnerstag, 17.30 Uhr, ist Beicht- gelcgenheit. — Freitag, 6.30 Uhr, ist Segensamt. eonntan5btrnftb.'Heruc tt. '(pothrfeu am 29 9.29 Dr. Meyerhofs. Dr. Klewltz. Engel-Apotheke. Zahnarzt: Dr. Ganter. 'D FRANKFURTER HYPOTHEKENBANK Gegründet 1862 Aktienkapital.................................. 10005000 Reichsmark Gesetzlicher und außerordentlicher Reservefonds..... 6500000 Reichsmark Gesamter Darlehensbestand.................rund 209000000 Goldmark Gesamtumlauf der Goldp'aidbriefe und Goldkommunalobligationen......................rund 195000000 Goldmark Einladung zur Zeichnung. Wir legen hiermit zur öffentlichen Zeichnung auf: • Goldmark 5 Millionen • unserer 8°/o Goldpfandbriefe Reihe 13 nicht rückzahlbar vor 1.Oktoberl934. Zinsscheine April-Oktober (in Hessen mündelsicher) zum Vorzugskurse von 98,50 (Eörsenkurs dieser Reihe 97%). Zeichnungen auf diese Goldpfandbriefe können an der Kasse der Bank (Gallusanlage 8) oder durch Vermittlung sämtlicher Banken und Bankgeschäfte vom 1. bis 21. Oktober 1929 einschließlich erfolgen; früherer Zeichnungsschluß bleibt vorbehalten. Wir empfehlen ferner zu dauernder Kapitalanlage unsere • S’/oGoldkommunalobligationen Reihe 2 nicht rückzahlbar vor 1. April 1933. Zinsscheine April-Oktober (in Preußen mündelsicher) zum jeweiligen Frankfurter Börsenkurse — heute 93% Die Goldpfandbriefe und Gol^kommunalobligationen sind an derFrankfurterBörse amtlich notiert; seitensderRelchs- bank sind sie zum Lombardverkehr in Klasse A zugelassen. Die Stücke sind sofort lieferbar. Unsere Goldpfandbriefe und Goldkommunalobligationen lauten auf Goldmark (1 Goldmark = 1/2790 kg Feingold), sie sind eingeteilt in Abschnitte zu GM. 5000, 2000, 1000, 500 und OO. Frankfurter Hypothekenbank. Frankfurt a. M„ 28, September 1929. Gallusanlage 8 Fernsprecher Hansa 191 u. 192 80190 Technikum Jlmenau Thür. Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Wissenschaftliche Betriebsfähig. Werkmeisterabtelluna Drucksachen aller Art liefert die Srühf sch» Drntftret Fast neuer Rock und braune Halbscbnhe fett Sonntag abhanden gekommen. Der Finder erhält Be- lobnung.Schr.Meld. unter 06203 a.d.G.A. AAAAAAAAAAAA 3000 Hit von Selbstgeb. geg. nute Sicherheit zu leihen gesucht. Sehr. Angebote unt. 06214 an den Gieß. Anz. gepflegtundge/und... Das macht PFEILRING Lanolin SEIFE fli/ammen mit der bewährten PFEILRING CREME. Die rechte Körperpflege für TUutter und Kind. PFEILRING Eanolin SEIFE Gesellschaftsverein e. V. (Klub). Die Bücherei ist neu geordnet worden Vor dem endgültigen Abschluß und der Herausgabe d. neuen Bücherverzeichnisses bitte ich d. verehr liehen Vereinsmitglieder, etwaige Wünsche wegen Ergänzung d. Bücherbestandes im Laufe d. kommend. Woche schriftl. an mich zu richten u. bei d. Geschäftsstelle des Vereins abgeben zu wollen. 8Q14D Der Bibliothekar: Gros. MM SMÄU Schönster Ausflugsort Gießens. Täglich frischer WWW M MUaWl Der AutoomntbuS fährt täglich unt _______3.30 Uhr ab Ludwigsvlatz »>,nD Shv VorteM - Werden Sie Mitglied des seiner Berusskrankenkasse und Lebensversicherung. — Geschäftsstelle Gießen, B n bnborSkolonnndcn. 53371? Original Sack Di Maschinen neuester Konstruktion Pflüge mit neuest. Körpern für alle Bodenarten Acker- und Saateggen Düngerstreuer für alle Dungarten Kartoffelgraber neuest Konstruktion,für1 u.ZZugtlere Kartoffeldämpfer Strohschneider Hydr. Obstpressen, Obstmühlen sowie alle Maschinen und Ersatzteile für d. Landwirtschaft M. 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Schott« Btrohe’l--7 Grau-und (yjeiß-Stü^ SSh^ LL men-6'®6 ecber&&_-—/ 7V19V Nr. 228 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 28. September 1924 Diktaturen im Nahen Osten. Außenpolitische Umschau. Don Or. Otto Hoehsch, 0. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. 5t 3n Litauen und in Polen spielen sich merkwürdige Vorgänge ab, die in Kowno wie in Warschau beinahe das gleiche Problem der Diktatur stellen. 3n Litauen ist der Ministerpräsident Woldemaras, der seit dem 17.Dezember 1926 als Diktator Litauen regierte, plötzlich mit seinem Kabinett zurückgetreten. Das Attentat im Mai, das sich zum ersten Male gegen die Person des Diktators selbst richtete, war ein Alarmsignal, um so mehr, als die politische Polizei in diesem Falle vollständig versagte. Die Oppositon hat sich unversöhnlich gezeigt und die Hartnäckigkeit von Woldemaras, die sein hervorstechendster Zug ist, nur noch gesteigert. Man glaubte, dah dieses Attentat seinen Ursprung in der litauischen Emigration hatte, die sich mit polnischer Duldung in Wilna unter der Führung von P l e s ch - kaitis gesammelt hat. Nun ist derselbe Plesch- kaitis beim Ueberschreiten der deutsch-litauischen Grenze unter sonderbaren Begleitumständen am 5. September verhaftet worden. Was hat er vorgehabt? Stimmen wurden sogar laut, dah er Spitzel im Dienst nach beiden Seiten hin gewesen sei. Kurz, es bedarf nicht vieler Worte, um zu erklären, dah in Kowno eine starke Spannung war. In ihr sind Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze zwischen Woldemaras einerseits und den Ministern sowie dem Staatspräsidenten Sme- tona andererseits entstanden. Die inneren Zusammenhänge sind nicht bekannt. Ebenso sieht man noch nicht klar, was wird. Die neue Regierung Tubelis redet zwar von einem Reformprogramm, aber unterscheidet sich bisher nicht wesentlich von der bisherigen. Und wird Woldemaras dauernd, wie er gesagt hat, vom politischen Leben sernbleiben? Die Borgänge sind ein Beweis dafür, wie wenig sicher diese modernen Halbdiktaturen sind. Gewih regierte Woldemaras selbstherrlich den Staat, aber es gab nach wie vor die Parteien, auch den Landtag. Cs war eine Schwäche, dah die Partei, die die seine ist, ausgerechnet die allerschwächste im Sejm war. Aber eigentlich ist das doch ein Widerspruch, dah ein Diktator überhaupt mit einer parlamentarischen Partei so in Zusammenhang ist! Auhenpolitisch vertrat Woldemaras seinen Staat kenntnisreich, zielbewuht und energisch. Das hat den anderen nicht gefallen, nicht dem Völkerbund, bei dem die litauischpolnische Spannung fortwährend eine Rolle spielt, und nicht den Polen. Aber die Schuld von Woldemaras war das nicht. An der W i Ina» krise, die fortwährend weiter schwelt, trägt der Völkerbund die Schuld. Und dah das kleine Litauen argwöhnisch und zäh der Gefahr gegenüber steht, von dem mächtigen Polen im ganzen so übergeschluckt zu werden, wie das mit Wilna geschah, da? ist sehr begreiflich, und noch mehr, dah es sich dagegen wehrt. Leicht freilich zu verhandeln war mit Woldemaras nicht. Das hat die deutsche Politik auch gespürt. Wir haben aber jetzt die bekannten Verträge, die das richtige Verhältnis herg.'stellt haben und nur der Fortbildung bedürfen. Wir haben freilich nach wie vor zwischen den beiden Staaten die Memelfrage, die Woldemaras immer im selben unbefriedigenden Zustande gelassen hat. In Kowno betonte er die Rechte des Memelstatuts, und in Memel betrieb und betreibt sein Gouverneur die Litauisierungs- Politik, die erst eben dem Präsidenten des Landtags Grund zu sehr berechtigten Beschwerden wieder gegeben hat. War die Diktatur Woldemaras in Litauen nicht frei von grotesken Zügen, so ist es die von Pilsudski in Warschau auch nicht. Was ist das jetzt für ein sonderbarer Artikelwechsel! Der Dramaturgisches. 3ur Winterspielzeit 1929/30. Dom Dramaturgen Or. Karl Ritter. Die Bedrängnisse des Theaters durch das Gespenst des Films sind abgewehrt. Der neue Gegner — Tonfilm — versucht einen zweiten Angriff, der noch stärker ist und noch bedrohlicher erscheint. Man hat aber gelernt. Die Abwehr darf nicht, wie es das Theater beim Film versucht hat, geschehen, indem die Mittel der Konkurrenz übernommen werden. ... „Die lebende Kulisse" (Film im Theater), die rein optisch wirkenden Szenen (in fast episch aneinandergereihten Serienbildern), revueartige, literarische Gebilde u. a., sondern nur, indem es sich wieder ganz auf sich selbst stellt. Das Hauptmittel des Theaters ist und bleibt die Illusion, die durch Menschenatmosphäre belebt wird. Der typische Theaiergeruch. ein Gemisch von Schminke, Schweiß, Farbe hat genau so eine animalische Ursprünglichleit, wie etwa der der Menagerie, des Zirkus, des Tierkäfigs. Die Atmosphäre des Menschen ist das Element des Theaters. Wenn dieses nun durch das Technikum eines nervenüberspannten Regisseurs erstickt wird, wird auch das Theater als solches erstickt. Die Entwicklung der letzten Theaterjahre hat das gezeigt. Alles sensationelle Aufpeitschen, aller Raubbau mit Rervepmitteln, die hohe Skala eines artistischen Bühnenfiebers brachten nicht über den Tag hinaus. Das rein Spielerische wurde wohl gelöst, aber nicht ein Kern positiven Lebens blieb zurück. Rauschhaft, wie die Zeit, gebärdete sich auch das Theater. Es muh Einhalt geboten werden, indem nicht zappelnde Rervenbündel als Figuren auf die Bühne gestellt werden, sondern erdhafte, gesunde Menschen, die sich ausatmen, bewegen und sich dem Parkett gegenüber menschlich beweisen können. Ein möglichst ungroßstädtisches Benehmen wird auch die Großstadt erobern. Während heute noch Georg Kaiser, Bert Brecht, Walter Mehring mit dem Großstädter liebäugeln, indem sie aus eigenen literarischen Fragmenten eine Revue erschaffen, die sich auf Hauen und Stechen mit den alten Lebensnormen stellt, versuchen bereits Zuck - m a Der, Ortner, Diehenschmidt u. a. wieder den alten, großen Acker, der fernab von der Großstadt liegt, zu pflügen, zu bearbeiten, zu reuten. Es ist ein fruchtbares Stück Land geblieben. eine gute Scholle, ein fetter Boden ... Marschall schreibt einen großen Artikel in der Regierungspresse am 22., und der sozialdemokratische Sejmmarschall D a s z h n s k i antwortet darauf am 24. sehr offen, sehr bestimmt und mit recht interessanten Aufklärungen über die ganze Situation. Was bedeutet dies? Man hat das Gefühl, daß der Marschall Pilsudski nach irgendeiner friedlichen Lösung der innenpolitischen Spannung sucht. Es ist auch hier nicht viel mehr als eine Halbdiktatur. Die faktische Gewalt ist in der Hand des Marschalls, seiner Offiziere und der Armee ohne Frage. Aber wenn irgendwo, bewahrheitet sich in Polen das alte bekannte Wort, dah man mit den Bajonetten alles machen kann, bloß nicht darauf sitzen. Cs gibt keinen besseren Vergleich für die Lage in Polen als dieses Bild. Die Kompromißversuche erst über die Budgetberatung, dann über die Frage der weiteren Behandlung der festgefahrenen Der« fassungsrevision zeigen das. Der Sejm ist schlecht behandelt worden und wird schlecht behandelt vom Marschall, sowohl wie von dem Oberstenkabinett, das jetzt Polen regiert. Aber der Sejm existiert noch, die Parteien ebenso und ihre Auseinandersetzung und ein Hin und Her, das wir eben mit dem Ausdruck Halbdiktatur bezeichnen. Sie teilt mit Litauen und anderen gleichen Verhältnissen anderswo die Eigenschaft, daß sie den Staat weder nach innen noch nach außen wesentlich vorwärts bringt. Wir sehen einen Hauptgrund für die merkwürdige bald schroffe, bald Kompromisse suchende Haltung Pilsudskis neben seiner eigentümlichen Persönlichkeit in der inneren Lage Polens, die namentlich wirtschaftliche Experimente irgendwelcher Art nicht gestattet. Und das ist und bleibt doch der wundeste Punkt und die schwächste Stelle, daß das polnische Regierungsshstem von heute, unter wirklich günstigen wirtschaftlichen und finan'jeden Bedingungen. das Land in dieser Beziehung nicht ins Gleichgewicht und in Ordnung bringt. Der letzte Dierteljahrsbericht des amerikanischen Fi- nanaberaterd Deweh bestreitet zwar eine Krise, aber günstig ist seine Beurteilung des polnischen Wirtschaftslebens in keiner Beziehung. Daß Polen es nicht versteht, in geregelte Wirtschaftsbeziehungen mit seinen beiden großen Rachbarn zu kommen und die Lage hierin.gleichfalls stagniert, streifen wir nur. Außenpolitisch ist es nicht viel anders. Man hat zwar im Haag erreicht, daß Polen in den Voung-Plan mit einer halben Million pro Jahr auf 37 Jahre eingeschaltet ist, unter der Voraussetzung, daß nun zwischen ihm und Deutschland in jeder Beziehung reiner Tisch gemacht wird. Aber die Gesamtberatung im Haag hat sich ohne Polen vollzogen. Man hat seinen Anspruch, der allerdings auch so unberechtigt war wie irgend möglich, ignoriert, bei Gesprächen über die Rheinlandräumung irgendwie beteiligt zu werden. Und wenn die Folge der Haager Konferenz (in Verbindung mit den neuen Beziehungen zwischen England und Amerika) eine gewisse Isolierung Frankreichs ist, so trifft das auch Polen, vor allem da zur gleichen Zeit England, sich von Frankreich lösend, mit Polens Rachbar, Rußland, wieder Verhandlungen anbahnt. So ist der Staat in einer unbehaglichen Situation: er kommt in der inneren und äußeren Politik nicht voran. Und das ist jedenfalls klar: das parlamentarische System, das das wieder erstehende Polen übernahm wie alle die neuen Staaten nach dem Weltkrieg, hat die nächsten Aufgaben nicht zu lösen vermocht. Aber die Halbdiktatur, verkörpert in der eigenartigen Persönlichkeit Pilsudskis. vermag es auch nicht. Sie findet vor allem nicht, worauf es uns ja ankommt. den Weg zu einer Verständigung mit dem großen Rachbar im Westen, mit Deutschland. der doch nun einmal für Polen der nächste ist und für Polens ganze Zu tuns ts- enttoidlung unter allen Umständen wesentlich und bedeutungsvoll bleibt. Deutschlands größte Bank. Das vereinigte Erbe von Hansemann und Siemens. — Wo Helfferich/Mankiewitz und Gwinner gewirkt haben. Don Herbert Ruland. Spät, in bescheidenem Umfange und militärisch nicht immer glücklich, ist Italien unter die Kolonialmächte getreten. Sein heutiger überseeischer Besitz beträgt 2 Millionen Quadratkilometer mit 3 Millionen Einwohnern. Davon entfallen auf Libyen allein 1 Million Quadratkilometer mit 825 000 Einwohnern. Der Rest verteilt sich auf Erytrea, Somaliland und den Dodekanes, dessen griechische Einwohner, was die politischen Rechte betrifft, Farbigen gleichgestellt sind. Der größte und weitaus wichtigste Besitz ist Libyen. 2^achdem Crispi sich vergeblich bemüht hatte, in Rord-Asrika Fuß zu fassen (Tunis), eroberten die Italiener im Kriege mit der Türkei nicht ohne Mühe den Küstenstrich von Tripolis und der Cyrcnaica. 2m Weltkriege wurde die Besetzung auf wenige Hafenstädte beschränkt und eigentlich er ft unter dem saszistischen Regime begann die wirkliche „Pazifizierung" des Landes, die sich heute etwa bis zum 29. Breitengrade erstreckt. Was das neue Regime in wenigen Jahren in dieser Kolonie geleistet hat, ist erstaunlich und nur durch die Einordnung der Kolonie in eine große Staatspolitik zu erklären. Es handelt sich um das, was die Italiener „Demographia“ nennen. Man könnte es mit Dolkspolitik oder planmäßiger Nutzung und Entwicklung der Volkskräfte annähernd übersehen. Es scheint, und ist ein beredtes Zeugnis für die staatsmännische Weisheit Mussolinis —, daß Demographie allmählich wich- und vor allem ... das Theater hat wieder Möglichkeiten, Fleisch und Blut auf die Bühne zu stellen, was ihm keine Konkurrenz nachmachen kann. Historisch sehe ich die Entwicklung ähnlich wie die der Literatur um die Wende des 17./18. Jahrhunderts. Der Schwulst nach dem Dreißigjährigen Krieg, die Schlesier, die Hamburger Opernmonstren, die tändelnden Anakreontiker werden abgelöst durch die Schweizer Dichter. Haller erkennt die starken Kräfte in der Bauernbevölkerung, besingt wieder die Alpen mit den einfachen, wunschlosen Menschen, die in ihrer Primitivität dem großen Wunder Ratur am nächsten stehen. Die moderne Theaterentwicklung der nächsten zehn Jahre kann man nicht feststellen. Cs wird aber aller Voraussicht nach eine starke Ernüchterung auf die barocken Ausmaße des Großstadttheaters hin eintreten. Das Volksstück (phantasievoll, aber der Ratur nahestehend), das taktvolle Kulturstück (ohne Tendenzhetzerei), die plaudernde Komödie, die Legende werden über Optik, Akustik und deren technische Verbundenheit hinaus, das Leben im dreidimensionalen Raum bedächtig und tief einatmen. Ein Herbst, eine Schaukel, eine Grammophonplatte. Don Otto 3off. Wenn man im Sommer altmodisch genug war, um eine Schaukel in die offene ßaubentür zu hängen, wenn man das Grammophon unermüdlich aufzog, am späten Abend noch und in die Rächt hinein, — und wenn es nun Herbst wird, und wenn es nun Winter wird, und man abermals altmodisch ist, das welke Laub und ein graues Schweigen zwischen unseren Herzen und dem Himmel zu bemerken, — dann ist dies schon ein kleiner Roman an sich: man hat es nicht notwendig, etwas zu erfinden. Roch hängt die Schaukel in der offenen Laubentüre; auf dem Tische liegt noch die Grammophon- platte. Aber die Schaukel hängt schief, der Sitz ist auf der einen Seite tiefer gerutscht, und oben, unter dem Türbalken, hat eine Spinne ihre Fäden zu dem einen Seil hinübergezogen. Sagen wir es offen: es ist ein blamabler Anblick. Aber schließlich, es ist ja auch Herbst, wer kommt denn noch in eine Laube, wer wird sich dann noch auf eine Gartenschaukel sehen, der Wind ist frostig, und außerdem haben die Vögel auf das Sitzbrett — tiger genommen wird, als Wirtschaft und Sozialpolitik. Wichtiger als Demographie aber — weil nämlich die Voraussetzung für sie — erscheint die Erziehung und Durchdringung des Volkes mit saszistischen Gedankengängen. Libyen ist ein nahegelegenes und scheinbar aussichtsreiches Feld für demographische Bestrebungen. Dis vor kurzem gab es zwei Derwal» tungßgebiete: Tripolis mit der gleichnamigen Hauptstadt und die Cyrenaica mit Benghasi. Seitdem die Landverbindung zwischen beiden Städten einigermaßen gesichert scheint, sind die beiden Gebiete unter dem Rainen Libyen zu einer Kolonie vereinigt. An ihrer Spitze steht der Marschall D a d 0 g l i 0. Sein nächster Mitarbeiter während des Weltkrieges und der Dot- schafterzeit in Brasilien, General Siciliani. fungiert als Dizegouvemeur in Benghasi. Der bisherige Gouverneur von Tripolis ,d e Bono, ist Unterstaatssekretär im Kolonialministerium. Dessen Vorgänger wiederum, Graf V 0 l p i, wurde Finanzminister. Mussolini selbst verwaltet das Kolonialministerium. Schon aus dieser Personalpolitik ist die Bedeutung und Sorge für die Kolonie ersichtlich. Kein europäischer Staat befindet sich in so günstiger geographischer Lage seinen Kolonien gegenüber wie Italien. Syrakus, der Haupthafen des Mutterlandes für Libyen, liegt noch günstiger als Marseille. Die Durchdringung der Kolonie, deren Grenzen ja nur im Rorden un- „Ich bedauerte ja immer", sagt die Grammophonplatte vom Tisch herüber, „ich bedauerte ja immer, daß ich nichts von dem Dialog verstehn konnte, wenn ich gerade meine „Mondnacht in Rio de Janeiro" zum besten gab. Aber sobald man singt, kann man nicht gleichzeitig hören. Außerdem sprachen die Beiden so leise, dah es schon indezent war. Run. das ist ja auch selbstverständlich, bei einem Tango, der prima ist." „Damals war mein Sih noch horizontal geschnallt", seufzt (die Schaukel. „Er war glatt und stank nach Politur und Kaufhaus. Haben Sie gesehn, wie federleicht die Dame auf ihm hin und herschwebte? Haben Sie diesen zierlichsten aller Füße gesehn, wenn sie sich jedesmal mit einem Heinen Druck vom Boden abstieß? Und wie sie lächelte! Es gibt heutzutage nicht mehr viele Mädchen, die zu lächeln verstehn, wahrhaftig." „Cott fei Dank! Es ist an der Zeit, dah sie endlich aufhören, sich bis in das Greisenalter als Backfische aufzuspielen. Aber in diesem Falle fand ich die Koketterie befonders unangebracht. Der Bengel, der neben ihr stand, hatte ja alle Contenance oerloren. Wie er sich krampfhaft an die beiden Seile anhielt: für einen jungen Mann von amerikanifchem Zuschnitt einfach lächerlich!" „Ich werde immer daran denken, was die Beiden gesprochen haben“, schwärmte unentwegt die Schaukel. „Selbst wenn mein Sih dereinst ganz schlapp hinunterhängen sollte, werde ich noch daran denken. Er beugte sich ihr nach und sagte: „Warum lachen Sie über mich? Immer entfliehn Sie mir wie ein Reh. Aber ich, ich werde Ihnen nachjagen, gleich einem Jagdhunde, und ich werde Sie —„Rein, mein Herr, Sie werden mich nicht fangen", das sagte nämlich sie und sie lachte sehr überlegen dazu. „Sie werden mich nicht fangen, weil ich mich, wenn Sie mich erreicht haben, in eine Taube verwandle, die hochfliegt." — „Gut", erwiderte er, — „und wenn ich zu einem Falken werde und auf Sie hinabstoße ?" — „Auch das wird Ihnen nichts nützen", und sie gab sich mit den Zehenspitzen einen neuen, kleinen Schwung, aber schon ausnehmend kokett, das muß ich zugeben, — „und zwar wird es Ihnen deshalb nichts nützen, weil ich mich blitzschnell von der Taube in einen Fisch verwandle. und nun schwimme ich, unten am Grunde der Donau, tief, tief unten, da schwimme ich, leicht und froh und kühl, und ahne nicht, daß es überhaupt Falken gibt“. — „Ich bin doch schon längst ein Hecht geworden, und Sie dürsten aus der Schule wissen, mein gnädiges Fräulein, daß die Hechte böse Kreaturen sind und die mittelbar gegeben sind, wird noch viel Zeit erfordern. Itallen stützt sich in seinem Vorgehen rechtlich auf das Prinzip der sogenannten türkischen Erbschaft, d. h. das Recht, sich alle die Gebiete einzuverleiben, welche seinerzeit den Türken in irgendwelchem, meist fiktiven Abhängigkeitsverhältnis standen. Daher kann es südlich des feftgelegten Teiles der tunesischen Grenze leicht zu Reibereien mit den Franzosen kommen. Frankreich ist ja bestrebt, ein zusammenhängendes Kolonialgebiet zu schaffen, das Afrika vom Rordwesten nach Südwesten durchzieht. Also von Algier über Französisch-West-Afrika. Französisch-Aeq uatorial- Afrika, den belgischen Kongo nach Madagaskar« Aber unüberbrückbar sind die Gegensätze nicht« Im Altertum und bis in die türkische Zeit führten die Karawanenstraßen aus dem Tropengebiet des T'ad-Sees durch die Wüste nach Tripolis am Mittelländischen Meer. Seit dem Dau der Linie Cano—Lagos am Golf von Guinea hat Tripolis dies entfernte, aber große Hinterland verloren. Ueberdies wird die englische Politik in der glücklichen Lage sein, eine vermittelnde und Frankreich wahrscheinlich stützende Haltung einzunehmen. Während eine unorganisch-zentralistische Politik die künstliche Romanisierung Südtirols anftrebt, werden ähnliche Bestrebungen der Franzosen in Tunis auf das lebhafteste verurteilt und ihnen die Berechtigung hierzu mit dem formal-juristischen Einwand abgesprochen, dah es sich nicht um eine Kolonie, sondern um ein Protektorat handele. Man fürchtet, durch die Französierung der dort lebenden Italiener wertvolle Volkskräfte zu verlieren. Der demographische Grundgedanke der italienischen Kolonialpolitik offenbart sich heute deutlich im Gegensatz zu dem Wirtschaf llich-militäri- schen der benachbarten Franzosen. Die diesbezügliche italienische Literatur spricht den Franzosen überhaupt das Recht auf ein so großes Kolonialreich ab, da es in schroffstem Gegensatz zur Menschenarmut des Mutterlandes stehe. Denn über» völkerte Länder hätten den ersten Anspruch auf Kolonien. — Aber noch ein anderer Gegensatz zu den französischen Methoden wird in Theorie und Praxis bewußt gepflegt: aus Mangel an Rassegefühl, aus der Rotwendigkeit, dem Menschenmangel abzuhelfen, im Glauben an die alles überwindende Kraft ihrer Zivilisation suchen die Frastzosen künstliche Franzosen zu schaffen — und versündigen sich hiermit am eigenen Volke und an Europa. Während Frankreich die Stellung des weißen Menschen untergräbt, gehen die Italiener planmäßig in umgekehrter Richtung vor. Es ist bemerkenswert, daß sie nach den Engländern das europäische Volk mit dem stärksten Rassegefühl sind. Dieser gesunde Trieb wird von der Kolonial- Verwaltung in jeder Richtung gefördert und alle Blutmischung energisch unterbunden. Man kann wohl behaupten, daß Nordafrika in den abendländischen Kulturkreis hineingehört. Als Algier, Tripolis und Aegypten wieder unter europäische Oberhoheit kamen, kehrten sie zu einem in spätem Altertum bestehenden Zustande zurück. Europa wird jenseits des mittelländischen Meeres verteidigt. Wenn Italien am Nordrande Libyens eine Men- schenmauer zu errichten bestrebt ist, so treibt es nicht nur gesunde nationale, sondern ebenso europäische Politik. Auf die Dauer haben ja auch nur solche Bestrebungen Erfolg, die — vom voll- liehen ausgehend und in diesem verankert — doch über das eigene Volk hinausgehende Aufgaben erfassen und Verantwortungen für sich und andere enthalten. Die Demographie stößt aber auf andere Schwierigkeiten. Nur relativ kleine Teile des großen libyschen Raumes kommen für eine Kolonisation im wahren Sinne des Wortes in Betracht. Es ist dasselbe Gebiet, das eine der Kornkammern des Römischen Reiches bildete, das blühende Hafenstädte besaß und dessen Garnisonen den ständigen An- Heinen Fische auf fressen, und wenn es auch bloß aus Liebe wäre." — „Fressen die Hechte auch Muscheln? Sie werden es mir nicht glauben: ich habe mich nämlich schon längst in eine Muschel verzaubert." — „Wenn ein Hecht verzweifelt ist, dann verschlingt er auch Muscheln mit Haut und Schale." — „Zu spät, zu spät, mein Lieber. Ich habe mich eins, zwei, drei in ein riesiges Fischnetz verwandelt, das Fischnetz wirst sich Ihnen entgegen, — und fängt Sie." — „Das haben Sie doch schon längst getan!“ — und wirst Sie an Land! Dort können Sie meinetwegen verschnappen." Auf diese Antwort aber hielt er die Schaukelnde an, beugte sich tiefer und blickte ihr in die Augen: „Es wäre poetischer", sagte er beinahe melancholisch, „wenn Sie den Aermsten erlösen wollten. Der Hund, der Falke, der Hecht, — sie alle waren ja bloß die Metamorphosen eines verzauberten Prinzen!" — „So sehen Sie aus," war ihre Antwort." „Aha! dieses „So sehen Sie aus" habe ich auch gehört", unterbrach hier die Grammophonplatte die Erzählung; „und dann ließ der Courmacher die Seile los, nahm die Puppe um den Hals, und sie küßten einander. Aber was den Dialog selbst anbetrifft, so hätte ich ihn mir moderner vorgestellt, sagen wir schmissiger. Was soll die Romantik? Wenn man sich schon um eine Frau reiht, dann verwandelt man sich doch lieber in einen Aufsichtsrat oder einen Fassadenkletterer als in einen Falken. Und außerdem paßt das Ganze nicht zu meiner „Mondnacht in Rio".“ „Ich fand es sehr schön,“ sagte die Schaukel. „Aber ich bitte Sie! Hat nicht der junge Mann acht Wochen später eine Andere geheiratet, weil die um ein paar Mille schwerer war? Und was die kleine Hexe anbetrifft, — nun, fie hat er ja fchließlich niemals allzu genau genommen. — Sie aber sollten sich mit derartigen Märchen gar nicht erst abgeben. Die Menschen lieben das nicht und lassen Sie dann hier in der Kälte mit Staub, Spinnweben, zerbrochener Schnalle und — verzeihen Sie das harte Wort — sogar mit Spahendreck hängen." Die Schaukel schwang leise und liebenswürdig. „Hat man nicht auch Sie vergessen? Haben die Spatzen nicht auch auf Ihnen ihre Difitkarte abgegeben? Und zu allem Ueberfluh find Sie nicht sogar zersprungen? Ob man also romantisch ist oder neu — sachlich —“ Aber hier blies der Wind die Schaukel in die Höhe; und sie fand es auch überflüssig, über die ganze Geschichte noch ein Wort zu verlieren. drang nomadisierender Wüstenbewohner abwehrten. Man hat bis jetzt nicht einwandfrei feststellen können, aus welche Weise es den Römern möglich war, die Wasserfrage zu lösen. Denn, von ihr hängt letzten Endes die Besiedlungsmöglichkeit des Landes ab. In Tripolis kommen etwa 45 000 Quadratkilometer für geschlossene landwirtschaftliche Siedlungen in Frage, ein Gebiet so groß wie Ostpreußen. Das ist nicht viel, wenn man es mit den Räumen auf anderen Kontinenten vergleicht, aber doch von großer Bedeutung, wenn es gelänge, nicht weit vom Mutterlande ein Reu-Italien zu schaffen, in dem Hunderttausende Brot und Arbeit fänden. Die Anfänge sind bescheiden, aber der Gang der Entwicklung in den letzten fünf Jahren ist ein außerordentlich schneller. So wurden von 1914 bis 1922 nur 3600 Hektar verteilt. 1928 aber betrug das Ge- famtareal der Konzessionen in Tripolis 92 000 Hektar. Heute sind es 160 000 (mit 550 Familien). In der Cyrenaica liegen die Verhältnisse ähnlich; nur ist die Entwicklung eine langsamere. Dabei ist zu berücksichtigen, daß alle Oasen in Händen der Araber sind. Das bedeutet, daß der Neusiedler weder Bäume, noch vor allem Brunnen auf seinem Grund« vorfindet. Das Wasser liegt in dem genannten Siedlungsgebiet meist nicht tief unter der Oberfläche. Maschinen oder Windmotore heben es. Die Regierung ist bestrebt, nicht zu siedeln, sondern zu kolonisieren; das heißt, der Bauer muß um seinen neuen Besitz mit der Natur hart kämpfen. Die Steppe wird nicht verschenkt, wenn auch der Preis ein geringer und ratenweise Abzahlung möglich ist. Von Bedeutung sind weitgehende Steuerfreiheiten. Wer seinen Acker nicht bestellt, dem kann er, ohne Entschädigung des investierten Kapitals, in abgekürztem Verfahren wieder abgenommen werden. Derartige, eine erzieherische Wirkung ausübende Fälle sind nicht allzu selten. Die Besitzsorrn ist eine gemischte. Neben kleinen bäuerlichen Betrieben entstehen große Güter. Unter allen Umständen aber soll eine ungesunde Latifundienbil- düng verhindert werden, d. h. die Erteilung von Konzessionen an Personen oder Gesellschaften, die sich damit begnügen, Vieh zu halten und von einigen Arabern hüten zu lassen. Daher ist auch jeder Konzessionär verpflichtet, auf je 30 bis 400 Hektar, — das Land ist in Siedlungszonen geteilt, — je eine Arbeiterfamilie anzusetzen, in deren Eigentum nach einer bestimmten Reihe von Jahren im allgemeinen die Hälfte des Areals übergehen soll. Gebaut wird Getreide, zur Zeit fast ausschließ, lich Weizen, der Ende April geschnitten wird. Eine große Aussicht hat die Kultur der sogenannten Ägrumi (Orangen und Zittonen) sowie der Mandeln und Oliven; von letzteren sind bereits je 300 000 Bäume gepflanzt, ferner wurden über zwei Millionen Weinstöcke angesetzt. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse ähneln denen Siziliens ganz außer- ordentlich. Dies «rleicktert die bäuerlichen Siedlungen. Eine Schwierigkeit besteht für die Zukunft allerdings vielleicht darin, daß die Erzeugnisse der Kolonie die des Mutterlandes nicht ergänzen, fern» dern ihnen gleichen. Was Italien fehlt, ist Getreide (Weizen und Roagen) und Vieh. Beide Dro- du"te haben in der Kolonie nicht allzugroße Mög- lichkeiten. Der landwirtschaftliche Export des italienischen Staates wird wahrscheinlich durch die Kolonie einst erheblich zu steigern sein. Aber es ist fraglich, ob sie Italien zu einem landwirtschaftlich autarken Lande machen wird. Man rechnet in der Kolonie damit, Kartoffeln und Gemüse einen Monat früher auf den europäischen Markt bringen zu können, als es das Mutterland kann, ohne daß diesem damit Konkurrenz gemacht wird. Seit dem vorigen Jahre werden Kartoffeln, wenn auch in bescheidenem Umfange, nach Deutschland ausgeführt. (Trotz des außerordentlich schnellen Baümwuchses bat man sich darauf beschränkt, nur die Dünen (2000 Hektar) mit Buschwald aufzufor- sten, und doch wären vielleicht weitergchende Versuche in der Richtung nicht erfolglos.) Die besten Siedler scheinen die Italiener aus Tunis zu sein, der Zahl nach überwiegen zur Zeit naturgemäß Einwanderer aus Sizilien; es folgen Norditaliener, während Mittelitaliener zurückbleiben. Alle Erfahrunaen sind nicht alt und doch kann bereits mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, daß die Besiedlung des hierzu geeigneten Teiles der Kolonie außerordentlich er folgver- sprechend ist und daß alles geschieht, um ihr den bäuerlichen Bevolkerungsüberschuß Italiens in Zukunft zuzuführen — Eine volkskonservative Auf- fassung von den Gesamtfragen der Politik, die im zunehmenden Maße Mussolini zu erfüllen scheint, findet einen ihrer stärksten Ausdrücke in seiner Kolonialpolitik. pädagogischer Rundfunk beim Frankfurter Gender. Der hessische Minister für Arbeit und Wirt- schast teilt mit, daß der Ausschuß für den Pädagogischen Rundfunk beim Frankfurter Sender Richtlinien ausgearbeitet hat, nach denen den beiden bisherigen Vortragsreihen „Elternstunde" und „Jugendbewegung" ab 1. Oktober ein „P ä - dagogischer Rundfunk" hinzugefügt wird, die unter dem Romen „Erziehungund Bildung" zusammengefaht werden. Mit Rücksicht auf sahungsgemäße Bestimmungen werden int Pädagogischen Rundfunk Frankfurt, abgesehen von Dingen, die für sein Gebiet besonders wichtig sind, nur Grziehungs» und Bildungsfragen von allgemeiner Bedeutung behandelt. Aus den bisher vorliegenden Vorschlägen wird ein vorläufiger Vortragsplan ausgestellt. Am Schlüsse jedes Vortrags wird um Einsendung von Wünschen gebeten, die bei der Aufstellung neuer Vortragsreihen berücksichtigt werden sollen. Der Minister weist alle staatlichen Erzieher empfehlend auf die Vorträge hin. Turnen, Sport und Spiel. Die Tchlagballmcisterschaft der hessischen höheren Schulen. WSN. D a r m st a d t, 27. Sept. Auf dem Sportplatz der Liebig-Oberrealschule kam gestern das Entscheidungsspiel um die Meister- schast im Schlagball an den höheren Schulen Hessens zum Austrag. Die Auf- bauschule Friedbera siegte dabei mit 75:ol Punkten über die Aufbauschule Alzey und errang damit das Ehrenbanner des Hessischen Philologenvereins. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 7 0 vom 27. September enthält: Straßensperre; Sttohensperre-Aufhebung; Flugveranstaltung in Gießen; Die Bildung einer öffentlichen Wasser-Genossenschaft; Wiesenrundgänge int Herbst 1929; Vorbeugungsmahregeln gegen Feuersgesahr; Sperrung Der Ortsdurchfahrt Beuern; Gießener Ferienkurse; Dienstnachrichten. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 28. September 1929. Großflugtag in Gießen. Unter den Piloten des morgigen Flugtages befindet sich der Vorkämpfer der deutschen Sportfliegerei, Antonius Raab. Raab ist Kriegs- flieget. 3m Jahre 1919, bei Gründung der ersten Deutschen Luftverkehrsgesellschaft, trat Raab in die Dienste dieser Gesellschaft und flog hier auf allen internationalen Strecken. 1923 richtete Raab die erste deutsche Rachttiegsfliegerschule in Breslau ein und leitete diese mit guten Erfolgen. 3n dieser Zeit brachte er durch feine sensationelle Landung mit Dem Sportflugzeug in Berlin — Unter Den Linden — seinen Ramen in den Mund Der breiten Öffentlichkeit. Wenige Tage später landete er auf Dem Stadion. 3m 3ahre 1923 holte sich Raab im internationalen Wettbewerb in Prag den ersten Preis im Kunstfliegen gegen stärkste internationale Konkurrenz. Bekannt sind auch noch verschiedene fliegerische Bravourstücke Raabs, Umsteigen von Flugzeug zu Flugzeug, vom Flugzeug ins Motorboot usw. Dipl.-3ng. Kurt Katzen st ein ist Sieger im B.Z.-Preis der Lüfte, Preisträger im Sachsenrundflug, sowie im Sütereutschlandflug, Unterflieger Der nur 4 Meter hohen Fuldabrücke in Kassel; dies finD Leistungen, die ihn zu einem unserer bekanntesten Sportflieger machten. W. Gaus, ein Gießener Pilot, ist einer der jüngsten Sportflieger, der trotz seiner 20 3ahre schon mit Erfolg an internationalen Flugtagen teil» nahm. Außer diesen Piloten sind noch verschiedene bewährte Flugzeugführer Der Raab-Katzen- steinwerke hier anwesend. Besonders zu bemerken ist, daß das Bleriot-Flugzeug ein Originalflugzeug aus dem 3ahre 1909 ist. Es handelt sich um dieselbe Type, mit der Bleriot als erster den Kanal überflog, mit Der Pe » g o u t als Erster Loopings machte, mit der weiter Die ersten Passagierflüge ausgeführt wurden. Wir verweisen nochmals auf den Vorverkauf zu Den ermäßigten Preisen. Besonders zu beachten ist, daß auf Die Vorverkaufskarten, als auch aus die Karten Der Tageskasse Freiflüge zur Verteilung kommen. • Die Anhängerflugzeuge f ü r Den Schlepp zug, sowie Der historische Dleriot- Eindecker sind mit Der Dahn von Kassel ein» getroffen. Die Flugzeuge werden am heutigen Samstag von Der Dahn nach Dem Flugplatz gebracht und Dort am Rachmittag montiert. Derkchrsordnung jür den Flugtag. Für Die Dauer Der morgigen flugsportlichen Veranstaltung auf Dem Flugplatz hat das Kreisamt für Die Zeit von 13.30 Uhr bis 18 Uhr folgende Straßensperrungen beim Flugplatz ungeordnet: 3m Süden: Straße Gießen—Rödgen von der östlichen Grenze der aus Dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Uebersührung der Bahnlinie Gießen—Fulda. 3m Osten; Bahndamm von Kreuzung Bahnlinie Gießen—Fulda, Straße Rödgen bis zum Ostrande des Waldes, genannt Der 3unEem» strauch, sodann in nordwestlicher Richtung Durch Den Wald bis zur Struppmühle. 3m RorDen: Von Der Struppmühle dem Lauf der Wieseck entlang bis zur Gansmühle.' Die Straße Wieseck—Al.n°2useck ist nur für Den Durchgangsverkehr geöffnet. 3m Westen: Von Der Gansmühle in füD» westlicher Richtung von Wieseck nach Dem Trieb führenden Weg entlang, Ostrand Der auf Dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Straße Gießen—Rödgen. Für die Dauer der Sperrzeit ist das Betreten des innerhalb der obengenannten Grenzen liegenden Gebietes nur mit Ausweisen der Flugleitung, oder nach Lösung der von dieser ausgegebenen Eintrittskarten und lediglich auf den von der Flugleitung hierzu bestimmten Zugangswegen gestattet. Die Straße Gießen—Rödgen ist von 13.30 bis 18 Uhr nur für Den Durchgangs verkehr von Gießen nach Rödgen und umgekehrt geöffnet. Der von dem Stadtwald unmittelbar nach dem Flugplatz führende Feldweg wird von 15 bis 18 älhr für jeglichen Verkehr gesperrt. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mark bestraft. Daten für Sonntag, 29. September. Sonnenaufgang 5.56 Uhr, Sonnenuntergang 17.44 Uhr. — Mondaufgang 0.46 Uhr, Monduntergang 16.56 Uhr. 1758: der englische Admiral Nelson in Burnham- Thorpe geboren; — 1868: der Industrielle und Minister Walther Rathcnau in Berlin geboren; —1913: der Ingenieur Rudolf Diesel gestorben; — 1919: die Sängerin Adelina Patti in London gestorben. Bornotizen. — Tageskalender f ür Samstag. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oeffentliche Versammlung, 20.15 Uhr, Uniöer» sitäts°Cas6. — Gießener Rudergesellschaft „Has- sia": Generalversammlung, 20 Ähr, Bootshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Dame in Schwarz" und „Hoppla, Vater fiehts ja nicht". — Astoria-Lichtspiele: „Der Schrecken der Prärie" und „Versuchung". — Tageskalender für Sonntag. Flughafen Gießen: Großer Flugtag, 13.15 Uhr. — Öffentlicher Vortrag „Liebig als Mensch", 11.15 Uhr, im Liebig-Museum. — Dessauer Kinderchor: Konzert, Volkshalle, 15 Uhr. — Spiel-Dgg. 1900: Vereinsmeistersch aften, 14 älhr. — Dünsberg-Derein, Feier des 30jährigen Bestehens, nachmittags auf dem Dünsberg. — Reichspartei des deutschen MittelstanDes (Wirtschaftspartei): Oeffentliche Versammlung, Thema: „Bringt der Voungplan Dem Mittelstand steuerliche Erleichterungen?", 13.30 Uhr, Cafe Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Dame in Schwarz" und „Hoppla, Vater fiehts ja nicht". — Astoria-Lichtspiele: „Der Schrecken der Prärie" und „Versuchung". e — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Feuchiwangers Rachdichtung von „Vasantasena" erschien zum erstenmal im 3ahre 1916. 3n vielen Hunderten Aufführung ?en hat das Stück seit jener Zeit eine starke Zugraft bewiesen. 3m 3ahre 1893 erschien eine erste deutsche Bühnenbearbeitting des Werkes durch Emil Pohl. Feuchtwanger stellte aber fest, daß Diese Bearbeitung kaum mehr mit dem Original etwas gemeinsam hat, außer Den Ramen. Trotzdem hatte auch Diese verballhornte Fällung einen recht guten Theater erfolg. Die Feucht» wangersche Rachdichtung, Die am Gießener Stadttheater zur Erstaufführung gelangt, unterscheidet sich von Den früheren Aufführungen Des Werkes dadurch, daß sie einige Aenderungen berücksichtigt, Die Die Bühnenpraxis ergeben hat. In Szene gesetzt wurde Das Schauspiel von Ober» spielleiter Hans Sannert Die Titelrolle spielt Trude Heß. Es wirken ferner mit, Die Damen: Doering, Jahn, Jüngling, Scherer, und die Herren: Arzdof, Dommisch, Fallot, Heitzig, Hub, Hais, Haeser, Linkmann, Ritter, Schubert, Zigel. Das Bühnenbild: Karl Löffter, Kostüme: Kurt Huber, Inspektion: Anton Wahlen. — Für Mittwoch, 2. Oktober, ist die Operette „Boccaccio" von Suppe vorgesehen. Direktor Baars, der für Die diesjährige Spielzeit verpflichtet ist, regelmäßige Operettengastspiele zu geben, wird das erste Mal mit Dem neuen Operetten-En- sernble sich mit „Boccaccio" vorstellen. Diese Reu- Inszenierung des Frankfurter Operettentheaters wurde wegen seiner erstklassigen Besetzung und der modernen Regieauffassung als erste Vorstellung des Ensembles gewählt. — Freitag, 4. Oktober (1. Vorstellung im Freitagabonnement): „Grand Hotel", Lustspiel von Paul Frank. — Als nächste Reueinstudierung folgt „Die Frau, die jeder sucht", Lustspiel von Georg Hirschseld. — Ilm vielen Anfragen zu antworten, teilt die Intendanz Des Stadttheaters mit, Daß Anmeldungen zum Abonnement täglich entgegengenommen werden. — Oeffentliche Versammlung Der Wirtschaftspartei. Die Reichspartei Des deutschen Mittelstandes (W.rtschaftspartei), Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Sonntagvormittag eine öffentliche Versammlung, in der Bäckermeister Drewitz, M. D. R. und Vorsitzender der Reichspartei, über Voungplan und Mittelstand sprechen wird. Man beachte die heutige Anzeige. — Der Dessauer Kinderchor wird auf seiner Konzertreise durch Hessen, Rheinland und Westfalen am morgigen Sonntag um 15 Uhr ein Konzert in der hiesigen Volkshalle veranstalten, bei Dem etwa 150 kleine Sängerinnen und Sänger mit- wirken werden. Auf Die Veranstaltung sei besonders hingewiesen. •• Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet. ** Erntedankfest imStadtmifsions- saal findet am morgigen Sonntagnachmittag und Abend statt. 3n unserem heutigen Anzeigenteil wird zu diesen Feiern eingelaDen. Arbeitsjubiläum. Heute begeht Der Schneider Wilhelm Schreineraus Wieseck sein 25. Arbeitsjubiläum bei der Firma Frensdorf zu Gießen. Der Jubilar hat sich in dem Vierteljahrhundert seiner Tätigkeit bei der Firma Frensdorf Die Wertschätzung Der Geschäftsleitung sowie seiner Arbeitskollegen erworben. ** Die 3agD in Hessen. Der hessische Minister Des 3nnem hat die Schonzeit für Hasen für Das ganze Gebiet des Volksstaates Hessen bis zum 15. Oktober einschließlich verlängert, ebenso Die Schonzeit für Fasanen. Die Schonzeit für Rebhühner beginnt am 1. Rovernber. * Modenschau bei Rowack. Das Modehaus Carl Rowack im Seltersweg veranstaltete am Donnerstag und gestern nachmittag, sowie zum letzten Male am heutigen Samstag, 18 Uhr. in den Räumen seines Geschäftshauses eine Modenschau, die am Donnerstag und gestern von der Damenwelt außerordentlich stärk besucht war. Gestern reichte der ursprünglich vorgesehene Platz für Die Gäste offensichtlich nicht aus, denn eine ganze Reihe von Stühlen mußten „angebaut" werden, um allen Bfucherinnen und auch Besuchern Sitzgelegenheit bieten zu können. Der Firmeninhaber ließ durch acht Damen Die neuesten Schöpfungen Der Mode den außerordentlich interessierten Besuchern vorführen. Herr Arzdorf vom Stadttheater wirkte als Ansager und gesellschaftlicher Änterhalter mit, Herr Linkmann vom Stadttheater bemühte sich gleichfalls in den Dorführungspausen um die heitere Unterhaltung der Gäste. Angefangen bei der Morgentoilette der Dame bis zu den großen Abendkleidern wurde von den Vorführungsdamen eine Fülle von Schöpfungen der neuen Mode gezeigt, und zwar in der Reihenfolge: Reizende Pyjamas und Morgenröcke, sodann Vormittags- und Hauslleider, Straßen-- und Lauslleider, ferner elegante Sttahenkleiter, geschmackvolle und vornehme Rachmittags- und Teekleider und Darauf eine Fülle von Abendkleidern, von Den einfacheren jugendlichen bis zu Den apartesten und elegantesten aus Crepe de Chine, Crepe Satin, Crepe Georgette, Brokat, mit Spitzen verarbeitet und von einer entzückenden Formgestaltung. Zwischenhinein sah man noch sehr schöne Mäntel mit reichern Pelzbesatz und ferner „Die Dame im Regen", schöne Regenmäntel. Die vielseittgen Modeschöpfungen veranlaßten die prüfenden Damen häufig zu Beifallskundgebungen, denn sowohl in der Materialverarbeitung, wie in der Formgestaltung zeugten die vorgeführten Kleidungsstücke von bestem Geschmack und guter Qualität. Entzückende Hüte neuesten Formats hatte zu Den Kleidern und Mänteln jeweils passend das Hutgeschäft von Elise Bock gestellt, die Frisuren, Perücken in schönen Wasserwellen, und die Schminken stammten aus dem Friseurgeschäft Koch, die wundervollen Blumenarrangements lieferte das Blumenhaus Dietz. Man sagt sicherlich nicht zuviel, wenn man behauptet, daß die Vorführung der Modeschöpfungen für das Haus Rowack ein voller Erfolg war. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 29. Sept., von 19,30 bis 23 Uhr: Aida. Montag, 30., von 19,30 dis 22,45 Uhr: Die Fledermaus. Dienstag, 1. Okt.» von 20 bis nach 22,30 Uhr: Turandot. Mittwoch, 2., von 20 bis nach 21,30 Uhr: Salome. Donners- tag, 3., von 20 bis nach 22,30 Uhr: Madame Butterfly. Freitag, 4.: Geschlossen. Samstag, 5., von 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus und Eurydike. Sonntag, 6., von 20 bis 22,30 Uhr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Montag, 7.. von 20 bis nach 22,30 Uhr: Orpheus und Eurydike. Schauspielhaus. Sonntag, 29. Sept., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Montag, 30., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Dienstag, 1. Okt., von 20 bis nach 22 Uhr: Frau Vidal hat einen Geliebten. Mittwoch, 2., von 20 bis " nach 22 Uhr: Frau Vidal hat einen Geliebten. Donnerstag, 3.. von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Freitag, 4., von 20 bis nach 22,15 Uhr: Das Gerücht. Samstag, 5., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Sonntag, 6., von 20 bis 22,45 Uhr: Pariser Leben. Montag, 7.. von 20 bis gegen 23 Uhr: 1 Die andere Seite. Oberheffen. Landkreis Gießen. *Großen-Linden, 27. Sept. Die Sechziger in unserem Orte beabsichtigen, nachdem sie von einer Fünfzigerfeier im Jahre 1919 abgesehen hatten, eine Wiedersehensfeier zu veranstalten. Es ist an einem Sonntag ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch vorgesehen, sodann sollen Kranzniederlegungen auf den Gräbern der bereits heim- gegangenen Schulkameraden erfolgen, am Nachmittag soll eine frohgestimmte Veranstaltung die Sechziger- feier abschließen. Die Vorbereitung dieser Sliters- kameradenfeier erfolgt unter Der Leitung von Philipp B e p p l e r, Hierselbst. * Allendorf (Lah n), 28. Sept. Heute begeht die Witwe Elisabethe Volk ihren 8 4. Geburtstag. Von den Nachkommen der Jubilarin, die schon seit 38 Jahren Witwe ist, leben noch drei Kinder, acht Enkel und vier Urenkel. ... :—: Beuern, 27. Sept. Am nächsten Sonntag wird Die Einweihung des von unserm einheimischen Künstler Wilhelm Arnold geschaffenen Gesallenen-Ehrenmals statt* finben. Vormittags 10 Uhr findet in der Kirche ein Gedächtnisgottesdienst statt, an dem sämtliche hiesigen Vereine mit ihren Fahnen geschlossen teilnehmen werden. Rachmittags 2 Uhr stellt sich der Zug bei Der Bürgermeisterei auf, 2.15 Uhr ist die Feier am Denkmal. — Bei Der 03er Weigerung des Gemeindeobstes wurden trotz reichlicher Vorräte recht hohe Preise erzielt. Besonders Die besseren Sorten waren sehr begehrt, die oft mit 12 Mark pro Zentner am Baurn bezahlt wurden. :—: Aus Dem CBu f e de r Tal, 27. Sept. Die Kartoffelernte ist in unserem Tale beendet. Der Ertrag kann als recht gut, die Qualität als vorzüglich bezeichnet inerten. Die besten Erträge lieferten wohl die gelben und weißen Sorten, während die roten, wie Vater Rhein. Die wohl Die Trockenheit nicht so gut vertragen können, nicht so dick geworden waren. Auch Die Otenwälder Blaue war sehr stark entwickelt; so wurden Knollen im Gewicht von zwei Pfund geerntet. Der ©rünfutterman- g e l spitzt sich immer mehr zu. Die Dickwurzblätter und Die noch vorhandenen Reste teS Futtermaises bilden zur Zeit noch das einzige vorhantene ©rünfutter. Die Roggensaat hat bis jetzt noch nicht begonnen. Da infolge ter Trockenheit eine planmäßige Deackerung nicht möglich ist. Auch viele Stoppeläcker sind infolge der harten Kruste, die sich durch die lange Trockenheit gebildet hat. ungeackert liegengeblieben. -s- Rüddingshausen, 27. Sept. Gestern abend ereignete sich hier ein Slutounfall, der sehr gefahrvoll aussah, zum Glück aber noch glimpf- lich verlief. Das Lastauto eines Frankfurter Obst- Händlers, das mit oollbepackten Obftkörben hochbe- laden war, kam in der Mitte des Dorfes, am sog. Berg, infolge Aussetzens des Motors zum Stehen und anscheinend infolge Versagens der Bremsen zum Rückwärtslaufen. Der schwere Wagen sauste mit immer mehr zunehmender Geschwindigkeit den Berg herunter und gegen einen ßeiter- wagen, der durch die Wucht des Anpralls mitsamt dem Auto gegen einen Gartenzaun stieß, wobei Leiterwagen und Gartenzaun natürlich zerbrachen. Das Auto sauste in den Garten hinein und riß hier noch einen starken Baum um, kam dann aber glücklicherweise zum Stehen. Don den Insassen des Autos erlitt eine Frau, die bei Dem Zusammenprall mit dem Leiterwagen aus dem Auto gesprungen und dabei gestürzt war, Verletzungen, die zum Glück nur leicht waren; die beiden anderen Insassen des Kraftwagens blieben unversehrt. Das Auto hatte bei der gefährlichen Fahrt keinen Schaden erlitten, auch der Motor konnte alsbald wieder in Gang gebracht werden, jo daß nach dem Ordnen der Autolast die Fahrt nach Frankfurt fortgesetzt werden konnte. + Grünberg, 27. Sept. Am Donnerstagabend fand hier ein F a ck e l z u g zu Ehren des von hier scheidenden Oberstudiendirektors Angelberger statt. Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle bewegte sich ein langer, mit Fackeln und Lampions ausgostatteter Zug vom Marktplatz vor die Wohnung des Scheidenden. Beteiligt waren die Realschüler mit ten Lehrern, ter Verein ehemaliger Grünberger Untersekundaner (Degus), die Feuerwehr, der Kriegerverein, ter Turnverein und die beiden Gesangvereine. Da ter Scheidende in einzelnen Vereinen, in denen er sich besonders verdient gemacht hatte, schon mit Ehrungen bedacht war und da auch im Gemeinderat, dem er angehörte, schon mit ehrenden Worten seine Wirksamkeit gewürdigt worden war, so sollte durch diese Feier nochmals seitens aller Vereine und auch ter Stadt die öffentlich« Wertschätzung tes Scheidenden hervorgehoben werden. Dies betonte auch der Redner, Pfarrer G r a u l i n g , der im Namen der Stadt und der Vereine nochmals die Verdienste und das Wirken tes f^errn Angelberger für die Stadt und die Oeffentlichkeit hervorhob. Tief bewegten Herzens dankte Herr Angelberger für die Ehrung und versprach, Grünberg, das ihm in seiner 24jährigen Tätigkeit an der von einer Höheren Bürgerschule zur Oberrealschule emporgestiegenen Anstalt zur zweiten Heimat geworden sei, auch fernerhin in gutem Angedenken zu behalten. Musikstücke ter Feuer- wehrkapelle und zwei Chöre ter vereinigten Gesangvereine umrahmten die Feier, die mit den Teilnehmern fast ganz Grünberg auf die Beine gebracht hatte. # Bellersheim, 27. Sept. Die Obst* versteigerung an Der Provinzialstraße Trais-Horloff nach Bahnhof Obbornhofen—Bellersheim erbrachte gute Preise. Es muh allerdings Dabei berücksichtigt werden, daß es sich hier vorzugsweise um erstklassiges Tafelobst handelt, nämlich Holländerreinette, Landsbergerund Baumannsreinette. Es kostete Der Baum,_ je nach Behang und Sorte, 6 bis 11 Mk. Als Käufer traten neben Leuten von hier und Der Umgebung noch Einwohner von Hungen auf. Kreis Büdingen. △ Ridda, 27. Sept. Vor Drei 3ahren verlief Die Wahlbewegung für ©«meinte* rat«-, Kreis- und Provinzialtagsmitglieder sehr ruhig, weil Einheitslisten für Die Kandidaten aufgestellt waren und sich deshalb eine eigentliche Wahlhandlung erübrigte. Diesmal scheint aber eine rege Wahlbewegung hier ein* zusetzen. Die Sozialdemokraten wollen Einheits* listen nicht mehr mitmachen. Seither hatten sie von zwölf Sitzen tes Gemeinterats fünf~ inne, sie glauben aber mehr beanspruchen zu können. Ferner verlangen sie an die Spitz« der Stadtverwaltung einen Berufsbürgermeister und werden einen dementsprechenden Antrag demnächst stellen. Der Ortsgewerbeverein wünscht auch eine stärkere Vertretung in ter Gemeinde^ Kreis- bzw. Provinzialverwaltung und will ebenfalls diesmal mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf treten. Eine Mitgliederversammlung wird in Kürze hierzu Stellung nehmen. Dem Vernehmen nach hat der Sozialdemokratische Wahlverein bereits genauere Deschlüsse gefaßt. y. Bad Salzhausen, 27. Sept. Mit Ende dieses Monats wird die hiesige Badesaison für dieses Jahr geschlossen. Obgleich die Zahl der Kurgäste im Mai und in der ersten Hälfte des Juni im Vergleich zu früheren Jahren etroas geringer war, kann doch das diesjährige Kurgeschäft als gut bezeichnet werden, weil in den drei letzten Monaten infolge des überaus günstigen Badewetters der Zugang an Badegästen stets so groß war, daß nicht nur alle Räume des Kurhauses und der übrigen Gasthäuser, sondern auch die Privat- pcnsionen ständig völlig belegt waren. Dazu kamen noch die vielen Gäste des Kaufmanns-Erholungsheims, des Blinden- und Kinderheims. Erfreulicherweise war auch eine beträchtliche Zunahme des Passantenverkehrs wahrzunehmen, die zweifellos auf den sehr günstigen regelmäßigen Autoverkehr des Zweckoerbands Nidda—Ulfa zu- rückzuführen ist. Die Besucher der hiesigen Konzerte, Künstlervorträge und Tanzvergnügen konnten bequem und billig mit den großen Verkehrsautos die Fahrt nach unserem herrlichen Badeort ausführen. Auch viele Kranke der weiteren Umgebung benützen die günstige Fahrgelegenheit, um hier eine Badekur durchzumachen. Die allwöchentlich Mittwochs im Kurhaussaal abgehaltenen, seit diesem Jahr« eingeführten Tanzabende erfreuten sich eines guten Besuches seitens der Kurgäste und aus den be- nachbarten größeren Orten. Wie gewöhnlich war auch am letzten Sonntag der große Schlußball ttn Konzertsaal im Kurpark sehr gut besucht. Nidda und die Nachborgemeinden ibaren dabei besonders stark vertreten. Das Blinden- und das Kaufmanns- Erholungsheim werden noch einige Zeit eine Anzahl ihrer Gäste behalten, während das Kinderheim mit Ende dieser Woche geschlossen und der Badebetrieb am 30. September eingestellt wird. Es muß anerkannt werden, daß die Badeverwaltuna stets bemüht war, für das Wohl und die Annehmlich» keilen der Badegäste bestens zu sorgen, und daß der Kur- und Verkehrsverein Bad Salzhausen-Nidda unermüdlich bestrebt ist, die Weiterentwicklung unseres Badeortes zu fördern. — Gestern wurde hier von der Badedirektion das O b st von den staatlichen Grundstücken in unserer Gemarkung versteigert. Die Preise waren verhältnismäßig gut. Der Zentner besserer Tafeläpfel kam am Baum auf 7 Mark durchschnittlich zu stehen, Wirtsct^ftsobst etwa auf 5 Mark. Bei der Obstversteigerung an der Provin- zialstraße Nidda - Salzhausen - Geiß-Nidda - Grund- Schnalheim stellte sich der Zentner Tafeläpfel durchschnittlich auf 5 Mark. An der von hy?r entfernteren Strecke nach Berstadt war der PreiV noch billiger. # Echzell, 27. Sept. Don herrlichstem Welter begünstigt, hielt der „hiesige Turnverein sein diesjähriges A b t u r n e n. Die gebotenen Leistungen gingen weit über den Durchschnitt ländlicher Turnerei hinaus. Die Hauptvreisträger waren in der Oberstufe Adolf Rühl I.Preis, Hermann Reih 2. Preis und Gustav Schäfer 3. Preis. 3n der Turnerinnenriege errang Hilda Herz- b e r g e r im Geräte- und volkstümlichen Turnen den l. Preis. Erster Sieger in der Unterstufe war Gustav M o g k, während in der Schülerriege Wisli Muth und von den Schülerinnen Hedwig Dinding die höchste Punktzahl erreichten. — Der Ortsvorstand hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, in der Flur „Am Breul" einen sechs Rormalmorgen großen Turn- und Fe st platz anzulegen. Die hiesigen Vereine haben sich bereit erklärt, das Gelände einzuebnen. AMerkenfritz,27. Sept. Die Gemeinde Tier- kensritz, in der seit ein paar Jahren eine rege Bautätigkeit herrscht, baut nun auch eine Wasserleitung. Obwohl Merkenfritz ein ungeheures Quellgebiet besitzt, das Hirzenhain, Lißberg, Eckartsborn, Wippenbach, Ortenberg, Selters und Konradsdorf speist, hat es selbst keine Quelle, die durch natürlichen Druck der Gemeinde Wasser spendet. Nun hat die fürstliche Standesherrschaft Bir- ftei.i ihr eine Quelle im sog. Steinchen gegeben, die so stark ist, daß das Wasser eine Turbine treibt, die das Trinkwasser auf einen hochgelegenen Platz drückt und so der Gemeinde endlich die Wohltat einer Wasserleitung bringt. Es ist sehr anzuerkennen, daß die kleine Gemeinde keine Mühe und Kosten scheut, auch in diesem Punkte fortschrittlich weiterzuschreiten. Kreis Alsfeld. -s- Höingen, 27. Sept. Gestern fand hier bi« Versteigerung des Gemeindeobstes statt. Der Behang der Bäume war durchweg gering. Es waren von auswärts, wie immer, keine Steigerer erschienen; so blieben die Preise wieder verhältnismäßig niedrig. Von gutem Obst kam der Korb auf 2 bis 3 Mark, bei Kelterobst auf etwa 50 Pf. bis 1 Mark. Die paar Birnbäume erhielten höhere Gebot« als sonst. Einer der gut behangenen Birnbäume kam auf 9,50 Mark. — Die Zw« t - schen zeigen hier teilweise sehr starken Behang und werden nun geerntet. Sie werden z. Zt. nach Dreihausen, Kreis Marburg, zu 5,50 Mk. den Zentner geliefert. 4 Gontershausen, 27. Sept. Bei der hiesigen Gemeindeobstversteigerung blieben die Preise allgemein recht niedrig. Gar nicht begehrt waren Birnen; so kamen Birnbäume mit Über 20 Körben guter Honigbirnen im Durchschnitt auf 3Mk. Bessere Gebote erhielten Tafeläpfel, doch blieben auch hier die Preise hinter denen anderer Orte weit zurück. So stellte sich ein Baum mit vielleicht 25 Körben schöner Tafeläpfel auf 30 Mark. Es kamen rund 140 Nummern zum Ausgebot. Der Erlös stellt sich auf 400 Mark. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 27. Sept. Wie die „Hess. Landesztg." mitteilt, soll der Ausschuß für das Volksbegehren wegen der Vorgänge bei der Versammlung für das Volksbegehren, die bekanntlich von der Polizei geschlossen wurde, Strafantrag gegen den Prcssereferenten im hessischen Innenministerium Dr. K. Mieren- dorf wegen Hausfriedensbruchs gestellt haben. Preußen. Kreis Wetzlar. * Dutenhofen, 27. Sept. Eine junge Dame, die mit dem Zuge 1,17 Uhr von hier nach Gießen fahren wollte, wurde auf dem hiesigen Bahnhof von einem plötzlichen Unwohlsein befallen. Sie lehnte bereits halb ohnmächtig an einem Ständer, als sie, anscheinend von dem Luftzuge des einfahrenden Zuges plötzlich nach dem befahrenen Gleise zu gerissen wurde und zu Boden stürzte. Ein in der Rähe stehender Herr Müller aus Gettenau, der in Gießen au Besuch weilt, riß die Dame noch schnell aus der gefahrvollen Rähe des noch fahrenden Zuges zurück und verhütete dadurch ein schweres Unglück. # Oberkleen, 25. Sept. Um eine geordnete Krankenpflege für die Gemeinde einzurichten, hat die hiesige evangelische Kirchengemeinde mit der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde Kleeberg ein Abkommen getroffen, nach welchem das Arbeitsgebiet der von der Gemeinde Kleeberg angestellten Kranken- schwerer sich nunmehr auch auf den Bezirk der evangelischen Gemeinde Oberkleen erstreckt. Rach dem Abkommen steht die Krankenschwester der Gemeinde Oberkleen an zwei Tagen der Woche, und zwar Montags und Donnerstags, uneingeschränkt zur Verfügung. Bei besonderen Anlässen, wie z. D. bei Ausbruch ansteckender Krankheiten, Unglücksfällen und dergleichen, wird die Krankenschwester auch an anderen Wochentagen ihren Dienst in der hiesigen Gemeinde versehen. 3m übrigen wird die Schwester ihre Tätigkeit im Einvernehmen mit dem Pfarrer ausüben. Von den Gesamtkosten der Einrichtung trägt die Gemeinde Oberkleen ein Drittel; außerdem zahlt sie einen jährlichen Zuschuß von 50 Mk. für Heizung und Wohnung der Schwester. Die zur Ausübung der Krankenpflege benötigten Medikamente und 3nstrumente werden von jeder Gemeinde besonders beschafft. Kirche und Schule. § ulrich stein , 24. Sept. Vorgestern toutb« hier und im Filialort Feldkrücken durch den Superintendenten von Oberhefsen, Oberkirchenrat Wagner, eine ordentliche Kirchenvisitation g halten. Die Visitation nahm am Samstag mit einer Einsichtnahme in den Religionsunterricht an beiden Orten ihren Anfang, die sich in den einzelnen Klassen auf eine Prüfung der Kenntnis in biblischer Geschichte. Katechismus und Kirchenlied erstreckte. 3m Gottesdienst des Sonntags richtete der Visitator nach der Predigt des Ortsgeistlichen über3ohs. 9. 1—7 Worte eindringlicher Mahnung zu ernstem christlichem Lehen in lÄnigkeit des Geistes und des Glaubens an die Gemeinde, auf Grund von Ephes. 4, 1—6. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte sodann die zahlreiche Gemeinde der Prüfung der Katechismuslehrpflichtigen und der Schulkinder, die sich auf dem Gebiet der Kirchengeschichte und des Katachismus bewegte. 3n einer Sitzung der Gemeindevertretung und des Kirchenvorstandes wurde hierauf der Stand des kirchlichen Lebens in beiden Gemeinden einer eingehenden Besprechung unterzogen. Dabei wurde in Feldkrücken besonders betont, daß eine gründliche innere Wiederherstellung der schönen, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. stammenden Kirche in nächster Zeit dringend notwendig sei. Hierfür werden bereits seit einiger Zeit nach Kräften Mittel gesammelt. 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Welch reiche Erfahrung, welch ungewöhnlich feines Gefühl für die Eigenheiten des Materials gehört doch dazu, solch eine Meistergeige zu bauen. - Ähnliche Eigenschaften muß übrigens auch der Zigarettenfachmann besitzen; er muß das variable Rohmaterial genau kennen und gut aufeinander abstimmen, wenn eine Tabakmischung von reinem Geschmack entstehen soll. Eine große Zigarettenfabrik von Ruf arbeitet in unserer süddeutschen Heimat: WALDORF-ASTORIA ist ihr Tlame und ihr Meisterstück die OBERST SÜDDEUTSCHLANDS GUTE FÜNFER im 62. Lebensjahr. Der neue Mantel Gießen, Berlin, Offenbach a. M., den 28. September 1929. Beachten Sie unsere Fenster 8020V 7998A Gießen, den 28. September 1929. 802 )D Nachruf! Familie Wilhelm Bach Gießen, den 28. September 1929. 8018L U N Meine innigstgeliebte Frau, unsere seelengute Mutter und Großmutter DIE DEUTSCHE WELTMARKE «Ingenieur Heinrich Brinkmann, Bahnhofstr. 56 Gießen, den 27. September 1929. 79700 A v-A ¥ Bitte kommen Sie und hören Siel U ist am 24. September nach kurzem Krankenlager im 75. Lebensjahre an Herzschwäche sanft entschlafen. Auf Wunsch der Verewigten fanden die Trauerfeier und die Einäscherung in aller Stille statt Blumenspenden und Beileidsbesuche im Sinne der Entschlafenen dankend verbeten. Die Einäscherung findet in aller Stille statt Architekt Hans Meyer, Baurat und Senator h. c. Dr. phiL Wolfgang Meyer Else Detmering, geb. Meyer Arnulf Meyer Familie Ludwig Uhl Familie Prof. Dr. Jean Uhl Hertha Meyer, geb. Zondervan Rolf Detmering, Major im Reichswehrministerium und zwei Enkelkinder. Anläßlich des Geschäftsüberganges an meinen Sohn Hermann Stein bitte ich, das mir gewährte Vertrauen auch auf ihn übertragen zu wollen. Jakob Stein. 7998D Wir bieten an: Vornehme und gediegene Mäntel in moderner Form, neuesten Geweben und Farben zu billigsten Preisen und bekannten Qualitäten Prüfen Sie bitte unverbindlich! Das Wichtigste von der Funk-Ausstellung: die neuen Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Dr. Christian Roese Gymnasial-Oberlehrer i. R. Steins Saalbau, Lieh Ich bitte davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß ich mit dem heutigen Tage die von meinem Vater seit 40 Jahren betriebene Gastwirtschaft in Lieh übernommen habe. Todesanzeige! Meine hebe Schwester, unsere unvergeßliche gute Tante, Großtante und Schwägerin Fräulein Lina Schäfer ist Mittwochnacht nach kurzer Krankheit im 80. Lebensjahr sanft verschieden. Dem Wunsche der Verblichenen entsprechend fand die Einäscherung in aller Stille statt Die trauernden Hinterbliebenen: August Schäfer nebst Familie Elisabeth Wallenfels Wwe. nebst Familie Ludwig Vogt nebst Frau. Heute nacht entschlief nach kurzer schwerer Krankheit meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter und Schwester, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Meyer geb. Uhl Frau Auguste Marie Roese geb. Wilhelm SerforgeDetnStnd und Deine Familie durch Abschluß einer Lebensversicherung. Diese dielet billig und sicher die größte fonfinenfole Gegenseitigkeilsanstalt Rnatalt»- Oermb'gen 330 Milttonen Örhweijerironhen _ Schweizerische LebensversicHe^ - runps-uRentemmstattinZürich Bejlrtsölremon Zranksorl. Salferftr. 18. Sei. Taunus 55L Znsoeklor OelutiH Zlscher. gleln-£iuöen. Gestern haben wir unser liebes, im 80. Lebensjahr sanft entschlafenes Fräulein Lina Schäfer auf ihren Wunsch in aller Stille zur letzten Ruhe geleitet. Die Entschlafene war annähernd 50 Jahre lang unserem Geschäft eine treue Mitarbeiterin von vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und unserer Familie bis zu ihrem Tode in seltener Liebe und Treue zugetan. — Wir werden sie nicht vergessen. Telefunken - Geräte führe ich jeden Nachmittag unverbindlich vor. , Gebr.lmheuser guten Qualitäten Gleichzeitig lade ich zu dem morgen, anläßlich der Lieber Kirchweihe stattfindenden Tanzvergnügen freundlichst ein. Hermann Stein. MeMhieterslepng deS Landwirlschastskammer • Ausschusses für Oberbessen in Lauterbach, am Mittwoch, 9. Oktober 1929. Zur Berstetgerung find gemeldet rund 60 Bullen der Hessischen Fleckvtebrasse. Beginn d. Berstetgerung 11 UbrvormttlagS. Gemeinden und Zuchtgenosienschasien ist hier beste Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben. 7942D Glesien. den 26. September 1929. Landwirtschaftütammer-LluSschuß für Oberheffen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen Frau Marie Seipp geb. Petri sowie für die Trostworte des Herrn Pfarrers sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Seipp II. und Kinder. Muschenheim, den 27. September 1929. 8OI SD Nachhilfe für unt. Klassen in Matbem» Franz, u. Englisch erteilt bllltgst. Schrinl. Angebote unt. 06181 an den Gies;. Anz. erb. SlDdienrelerendar erteilt gründ!. Nachhilfe zu mähig. Preis. Schr. Angeb. unter 06193 a. d. 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MSv I- virst 8Qnflai| ich i heutigen tschaft in .»*;■**, ■tsSÄ Kien-^29 faMtl Ob SUNUCHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM 1 Pfund 55 Pfennig ’s kandierten Kornkaffee" das gesunde deutsche Familiengetränk Daher nur verworrenes Regierungssystem von Bleiröhren verteilt es an die Untertanen, die zumeist keine Ahnung haben, wo der Guasto steckt. Der Guasto ist ein römisches Lieblingswort und glänzt häufig an Briefkästen, Telephonen, Automaten und wie die komplizierten Gebilde d er Reuzeit alle heitzen. Guasto heißt soviel wie kaputt. Wer daran schuld ist, daß in Rom 5 Regentropfen genügen, um das Licht zum Erlöschen, und 10, um Die Straßenbahn zum Erliegen zu Dringen, das läßt sich schwer nachweisen, denn es sind zwei Gesellschaften, die sich um das Primat streiten, aber wer an dem Wasserguasto schuld ist, das weih man: der unaktuellen Zeitungen eingeschriebene Briefe, dringende Vorladungen aufs Steueramt, Telegramme und ähnliche Reliquien beschaulicher Ratur. Stehenden Fußes begibt man sich auf die diesbezüglichen Postämter und erfährt, daß wenig- stens die Postanweisungen, für deren Einlösung liebenswürdige Einladungen vorliegen, längst heimgefunden haben, an unbekannt gewordene Absender zurückgegangen sind. Licht, Licht! Knipsknips — es geht natürlich nicht. Telephon. Aber nein, mein Herr, wir haben das Licht nicht abgesperrt, da muh etwas kaputt fein! Telephon. Dedaure, wir reparieren nicht, das ist Ihre Privatsache, bei uns wird nichts kaputt. Feststellung durch den Mann in blauem Arbeitsanzug und prima Lackschuhen: abgeschnitten. Telephon: Sie haben ja doch abgeschnittenl Kunstpause. Roch eine. Gewih haben wir abge- schniiten, weil die letzte Rechnung nicht bezahlt worden ist! Die Rechnung hat zwar niemand zu Gesicht bekommen, aber das geht eben auf Ferienkonto. Am nächsten Tag dramatische Auszüge bei der Elektrizitätsgesellschaft. Es stellt sich heraus, dah sie der Einfachheit wegen auch gleich den Zähler mitgenommen haben. Infolge- wovon der alte Abonnent zum neuen Kunden wird, der nach irgendeines regolamento uner- forschlichem Ratschluß nicht wie ein neuer Kunde, sondern wie ein Bittsteller zu behandeln ist. Gesuch um Einrichtung des elektrischen Lichtes, Protokolle, Instanzengang... 3n Rom haben die Dächer oder die Dachterrassen seltsame Verzierungen, die sich die wenigsten Pilger erklären können. Sehen wie Zylinderhüte aus, zuweilen zu Batterien aneinandergereiht, sind aber serbatoi, Wassersammler. Fadendünn sickert das Rah aus dem schönen Tivoli hinein, wird von der Sonne hübsch an- Berliner Börse. Berlin. 28. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr kamen Umsätze bisher kaum zustande, man nannte aber eher etwas schwächere Kurse, da von dem schwachen Schluß der gestrigen Neuyorker Börse eine gewisse Verstimmung aus- geht. Auch der ericht über die Arbeitsmarktlage zeigt keine Verschlechterung, und die Goldabgaben aus England haben trotz der Diskonterhöhung nicht aufgehört. Von Kursen hört man Hamburg Paket 119 (Brief), Norddeutscher Lloyd, Siemens 372 zu 373 und J.-G.-Farben 213 zu 213,5 zirka. t Strümpfe halten länger durch Pflege mit Mensch, ärgere dich nicht! Experimente über die Gallenabsonderung. Von Or. Th. A. Maaß. Acrger in der Hypnose. Ganz anders aber ist die Sachlage, wenn das gleiche in der Hypnose geschieht, wo die eigene Willens- und Verstandestätigkeit sowie das Erinnerungsvermögen weitgehend ausgeschaltet ist, wo namentlich die nur zu berechtigte Kritik, daß das, was einem ein anderer einreden will, gewöhnlich nicht wahr ist, durch den aufgezwungenen Willen des Einreders, durch die Suggestion, völlig zerschmettert ist. Da wird jedes Wort, ohne erst unter die kritische Lupe genommen zu sein, als bare Münze gewertet, wird jeder Auftrag, sofern seine Erfüllung nicht in zu ausgesprochenem Widerspruch zur Wesenheit, zur Tiefenpersönlichkeit des Hypnotisierten steht, willig oder widerstrebend ausgeführt. Hm nun den Einfluß seelischer Vorgänge auf die Gallenabsonderung zu studieren, suggerierte Dr. W i 11 k o w e r der hypnotischen Beeinflussung gut zugänglichen Patienten allerlei Affekte, wie Trauer, Freude, Angst und Aerger, und stellte dabei mittels einer eingeführten Darm- sonde den Gang der Gallenabsonderung fest. Diese Versuche, die für die Versuchsperson in körperlicher wie auch seelischer Beziehung vollkommen harmlos verlaufen, ergaben nun Resultate, die für die Entstehungsmöglichkeiten und Beeinflußbarkeiten von Gallenstörungen von weittragender Bedeutung sind. Es zeigt sich nämlich, dah die Suggestion der genannten Gemütserregungen stets einen deutlichen Einfluh auf den Verlauf der Gallensekretion hatten, und dah diese Beeinflussungen, je nach der Art des suggerierten Affekts, vollkommen wesensverschieden sein können. Durch Freude, Trauer und Angst wurde der Gallenabfluh in den Darm deutlich angeregt. Wurde aber Aerger suggeriert, so wurde er bis zum völligen Versiegen gehemmt. Damit ist der Möglichkeit des Grün- und Gelbwerdens vor Aerger eine wissenschaftliche Stühe gegeben: Die Wirkung des im Wachzustand, wirklich eintretenden Aergers unterscheidet sich in keiner Weise von der des suggerierten. Rur ist es leider nicht selten, dah der Alltag, besonders das Berufsleben, überreichlich mit Aerger gesegnet ist, dah dieser dort ein ständig wiederholtes Begebnis, wenn nicht gar eine Dauerinstitution darstellt. Gelbsucht. Das Gelbwerden, die Gelbsucht, kommt aber so zustande, dah die Gallenflüssigkeit, statt frei in Den Darm abzufliehen, zum Tell in den Blutkreislauf übertritt und von hier aus den Geweben, besonders dem Auge, die eigentümliche Verfärbung mitteilt. So ist es keinesfalls von der Hand zu weisen, dah der Aerger, dessen ab fluh hemm ende Wirkung auf die Galle durch die hypnotischen Versuche einwandfrei dargetan ist, in genügender Stärke und häufiger Wiederholung, besonders natürlich bei leicht aus dem Gleichgewicht zu werfenden Personen, schließlich zu gelbsuchtartiger Hautverfärbung führen kann. Ebenso ist dadurch wahrscheinlich gemacht, daß unter den Gallenerkrankungen erzeugenden Ursachen das seelische Moment zum mindesten als Rom, Mitte September. Alle Jahre wieder, so um die Sommerwende herum, wenn es anderswo einfach nicht warm werden will, wenn die Rosen triefen wie Schwämme und der Himmel nur die Wahl zwischen Gummimantel und Pelz läßt, wandern die nordischen Ferienträume nach dem sonnigen Süden und die Fremden in Italien nach Rorden. Wir sind ja so italienmüde! Richts Faderes als der ewigblaue Himmel, nichts Lästigeres als die Wärme. Unsere Sehnsucht ist ein saftiggrüner Wiesengrund, ein tropfender Wald, schwarzes Bier und blonde Frauen — mit einem Wort: alles Richtitalienische. Mit den Schwalben kehren wir dann zurück, heim nach Rom. Und das ist keine fröhliche Heimkehr, denn nun erkennt man erst so recht bitter, was es in und um Rom herum alles nicht gibt. In Entsagung verkehrt sich, was droben eine Selbstverständlichkeit war. Italien scheint auf einmal unermeßlich arm, arm an Schönheiten und Einrichtungen, ohne die ein moderner Mensch nicht mehr leben zu können glaubt. Es ist etzt noch schwerer als im Juli, sich zu be- cheiden, unerträglich scheint es, sich in die römi- chen Sitten zurückfinden zu müssen. Der Hotel- remde ahnt ja nicht, dah es neben dem Italien, das er vorfindet, noch ein ganz anderes gibt, in dem wir hausen. Er hat sein Dach und kriegt sein Essen ganz ähnlich wie in Bamberg ober Honolulu, die Reiseindustrie ist ja längst international mechanisiert. Wir aber fühlen uns immer fremd unter dem Volk und zu Hause erst recht in der Fremde. Droben war alles so frischgewaschen und aufgeräumt, der Wagen rollte auf geteerten Straßen dahin wie durch eine Stube, in jedes Wasser konnte man sich hineinlegen wie in ein Bett, es gab Wiesenwege und schattige Bänke in unseren angeblich so schrecklich finsteren, teutonischen Forsten man ah im Freien und hatte über der österreichischen Gemütlichkeit und der schweizerischen Gediegenheit und dem betörenden Sommerfrischenleben Deutschlands schier vergessen, dah es Leute gibt, die nach Rom pllgern... , Dis mit dem Ueberschreiten der italienischen Grenze der Wagen in das Schuttbett einer Straße sauste und der erste Gummi platzte und Staub und Hitze wie Wegelagerer aus dem Hinterhalt sprangen. Mißmutig des Morgens ans Steuer, schlapp am Abend herunter und dazwischen eine andere Welt, die einem geradezu unverständlich dünkt. Du siehst eine immense Wasserfläche durch den grauvioletten Dunst schimmern, du streichelst schon dein Dadebündel und hältst in seligem Ausrollen am trasimenischen See. Kein Segel weit und breit, fein Paddelboot, kein Rixenlachen. Richt eine Dadehütte, nicht ein Strandcafö, nichts, nichts, was irgendwie zur Rast einlaben würde. Der Gedanke, daß Mann, Frau und Hund zusammen baden könnten, ja, sei es auch nur schicklich nacheinander, stirbt wie das Licht stirbt im Staub. Wo seid ihr, ihr heiteren Gärten mit weißen Möbeln? Ihr Sprungbrette im Blauen? Ihr träumenden Boote mit eingezogenem Ruder? Die Landschaft, ausgelaugt, verdorrt, erstickt in monatelanger Marter, die Landschaft röchelt nur noch. Ein Gräberfeld die Apenninen, aber je näher Rom kommt, um so trostloser die Berge. Das ist keine Steppe mehr, denn eine Steppe kann immer noch blühende Disteln tragen, das ist Wüstenlandschaft. Hang über Hang, Buckel an Buckel gleichmäßig braungelb, baumlos, starr, tot. Man denkt an Tripolitanien und stoßt den Gashebel auf den Grund. Plötzlich ein Himmelsweiser, eine in fernster Ferne aufragenbe Faust: bas Wahrzeichen Der unsterblichen Stabt, bie Peterskuppel. 3toanjtg Kilometer noch, mit bebenben Flanken halten, doch ein wenig freudig erregt die 40 Pserde — und schon klingt dem Fahrer ber wohlbekannte Refrain ins Ohr: Lei e in contravenzione! Strafe! Warum? Hier barf nicht gehalten werden. Bei der Abreise vor einigen Wochen durfte man's noch, inzwischen haben sich bie Automobile ■unb Damit bie Beschränkungsvorschriften kar- nickelhaft vermehrt, ilnD wenn ich ihn nicht schon zweimal geschrieben hätte, so fiele mir jetzt Stofs für meinen ersten Artikel in die Hand: Das Verkehrsproblem in Rom. Wie jede Stadt unteres weislich eingerichteten europäischen Haushalts, wartet auch Rom mit einer Fülle jener lieber- Löschungen für den Heimkehrer auf, die für Den Wihblattzeichner eine Einnahmequelle bitten. Sprechen wir nicht von dem Magazin an Mor- genbrotchen, das sich mangels Abbestellung angesammelt. von dem Milchflaschenheer, das Die ganze Treppe beseht hat und den vielen Rech- nungen — denn die letzteren wären auch sonst gekommen unb bie Frühstücksversorgung kennt man hier nicht. Bleiben wir bei den drei Hcmpt- elementen unseres täglichen Lebens: Post, Licht und Wasser. . . Es ist gut, sich über die Ferien einen großen Briefkasten einzurichten. Dicke Drucksachen kann nämlich das Rachsendeamt nicht leiden, pfund- schwere Sonntagszeitungen betrachtet es als eine Beeinträchtigung seines Wohlbefindens und übersieht sie. Ich habe daher die Garage als Briefkasten eingerichtet. Frau Rachbarin wirft den ganzen Einlauf durch das Fenster, fo daß ich bei der Rückkehr nur den Rolladen hinaufzustoßen habe, um von einer Lawine verschlungen zu werden. Dies geschehen, kommt -die erste Sichtung: friedlich schlummern zwischen den schrecklich der Laien schon immer. Es ist interessant und erfreulich zu beobachten, wie die medizinische Wissenschaft, nachdem sie sich von der freiwillig eingegangenen Beschränkung befreit hat, nur das gelten zu lassen, was mit den üblichen Methoden der Physik und Chemie, mit Waage und Registrierinstrumenten sicherzustellen wäre, vieles anerkennen muß, was sie bisher als Aberglauben ober Ausgeburt der Phantasie mit einem ironischen Lächeln abtat. Grün und gelb vor Wut. Ilm nun auf den Aerger zurückzukommen — unb auf diesen kommt man bekanntlich, auch wenn man längst darüber hinweg zu sein glaubt, immer wieder zurück — also zwischen dem Aerger unb der G a lle n a bs o n de run g bestanden für die Volksweisheit schon immer nahe Zusammenhänge. Vor Aerger soll-einem die Galle nicht nur vergehen, sondern sogar platzen können. Ebenso wie durch Gallenstörungen, soll man auch durch ordentlichen Aerger grün und gelb werden können. lieber solche Vorstellungen konnte ein Mediziner der glücklicherweise überwundenen Periode des physikalisch-chemischen lleberrealismus nur lächeln. lind nun wird aus der Berliner Ersten Medizinischen Klinik der Beweis erbracht, dah dabei gar nichts zu lachen ist, sondern daß bie Dolksanschauung, auch hier, wie dies so häufig der Fall ist, einen durchaus ernsten Hintergrund hat. Reben dem Aerger, den einem die Tücke der Menschen und Objekte bereitet, neben dem eingebildeten Aerger, der ohne äußere Veranlassung aus dem unbewußten Trieb und Wunsch, sich zu ärgern, entsteht, gibt es noch eine dritte Sorte, den eingeredeten Aerger. Würde man jemandem bei wachen Bewußtsein einreben wollen, er hätte sich mit feiner nagelneuen hellgrauen Frühjahrshose auf eine frisch- gestrichene Dank gesetzt, und diese sei nun durch einen grünen Oelfleck aufs häßlichste verunziert, fo wird er, im Bewußtsein, dah an der Geschichte kein wahres Wort sein kann, da er erstens keine hellgraue Hose trägt, zweitens auf keiner frisch- gestrichenen Bank gesessen hat, unb drittens gar kein Fleck vorhanden ist, die ganze Sache mit mehr oder minder gutem Humor als einen nicht besonders geistvollen Scherz auffassen. gewärmt und dient, wenn es Badetemperatur I begünstigender Faktor in Betracht gezogen wer- ~ • - * ' ** " den muß. Praktisch ergibt sich der Hinweis, daß von Gallenkranken unb zu dieser Erkrankung nei- genber Patienten Gemütserregungen aller Art nach Möglichkeit fernzuhalten sind. So selten unb verwunberlich auch zunächst die Deeinslussung eines Abscheibungsvorganges durch rein seelisches Geschehen erscheinen mag, fo steht er doch keineswegs ohne Parallelen da. Es sei nur an die bei Angstgefühl fo häufig zu Kalk. Der gibt dem Acqua Marcia fein abnormes Gewicht und verstopft alle Röhren. Das Regie- rungsfystem in Ordnung zu bringen, um eine Kabinettskrisis zu vermeiden — das ist das Gebot der nächsten Tage. Aber fo viel Platz hat keine Zeitung, um alle die häuslichen Abenteuer eines römischen Heimkehrers aufzunehmen. Ueberdies wäre es gar nicht schön, denn dann würde dieser Artikel ohne Pointe schliehen. Die Pointe pflegt sich aber in Rom schon nach etwa einer Woche einzustellen und sieht der Vorstellung, die sich Italienschwärmer von der Tiberstadt machen, zum Verwechseln ähnlich... Muh denn immer gebadet sein? Ist eS nicht viel schöner, vor seinem feurigen Espresso auf der Piazza Colonna zu sitzen, wenn die Tagesglut vorüber ist und aus unbestimmten Lilastunden die Ewigkeit strahlt durch den Schutt der Zeit? War nicht Beatrice jenes Mädchen in Arezzo, in Perugia, in den kleinsten Städten? Ach was, bie fleinen Scherereien des Alltags! Rom bleibt doch Rom. Soll es denn nicht anders geartet sein als Bamberg ober eine deutsche Dutzend- svmmerfrische? O du der Wunder volle Roma! Roch eine Woche unb das Lamento wäre ungeschrieben geblieben... gewärmt und dient, wenn es Badetemperatur I erreicht hat, zur Erquickung der durstigen Kehlen, | wie man so sagt. Ein geradezu Parteienhaft Heimkehr nach Rom Don unserem römischen E.-Korrespondenten. beobachtenden Schweihausbrüche erinnert Auch eine subjektive Beobachtung, die sicher viele schon an sich selbst gemacht haben, dah bei heftigem Aerger eintretende eigenartige Spannungsund Druckgefühl in der Magengegend, dürfte in Der geschilDerten, psychisch ausgelösten Verkrampfung Der Gallengänge oder anDerer Organe DcS gleichen Innervierungsgebietes eine annehmbare Erklärung finDen. Eifersucht und Blutkörperchen. Aber nicht nur AusscheiDungsvorgänge unterliegen einer so starken seelischen Beeinflussung. Sogar das Blutbild, Die Menge Der in einer Blutprobe enthaltenen weihen Blutkörperchen, erfährt durch (suggerierte) Gemütsbewegungen deutliche, meßbare Veränderungen. Wurde im durch Hypnose erzeugten somnambulen Zustand, Der Eindruck von Freude, Trauer, Angst, Wut oder Eifersucht hervorgerufen, fo war fast regelmäßig eine starke Vermehrung Der weihen Blutkörperchen in Dem entnommenen Blutstropfen festzustellen. Die Eifersucht erwies sich in Dieser Beziehung als besonDers wirksam. Wesentlich verstärkt wurde Die Beeinflussung Des BlutbilDeS Durch Gemütserregungen, wenn der Versuchsperson Der hypnotische Befehl gegeben tourDe, Die eingebilDete Erregung still und bewegungslos über sich ergehen zu lassen und ihr nicht durch heftige Körperbewegung Luft zu machen. Woraus sich ergibt, Dah ein allzu stoische- Ertragen, ein Insichhineinfressen aller Erregung nicht Das unbeDingt Richtige ist, sondern ein kräftiges Abreagieren, ein bißchen Serumtoben Den schäDlichen Einfluß auf Die Körperfunktionen hinDert. Geträumter Groll. Richt nur in Der Hypnose selbst war die Beeinflussung des Blutbildes durch die eingebildeten Gemütserregungen zu erzielen. Wurde dem Hypnotisierten der Befehl erteilt, xu einem späteren Zeitpunkt eine seine Eifersucht erregende Begebenheit zu träumen, so war das Ergebnis Das gleiche: Die Zahl Der weißen Blutkörperchen erfuhr bloß Durch Den Traum eine Vermehrung! Hier ist also toieDer mit überjeugenDer Klarheit Der Beweis erbracht, Daß seelische Vorgänge beDeutsamsten Einfluß auf körperliche Geschehen haben können. Dann aber zeigte sich erneut, Daß unter Diesen der Einbildungskraft — Suggestion ist nichts anDeres als künstlich erregte und gelenkte Einbildung — eine überragende Stellung zu- kommt. Schon früher konnte in untoi Der legten Untersuchungen Dargetan toerDen, Daß allein Durch ihr Wirken Warzen, also gewebliche Reubildun- gen, zum Schwinden gebracht, automatische, zwangsläufige Körperfunktionen wie Stoffwechsel und Temperaturregulierung in überraschendster Weise beeinflußt werden können. Das sind alles Dinge, die auch Die stärkste Willenskraft, der Stolz Der meisten Menschen, niemals zu Wege bringt, während es die gern etwas verächtlich behandelte Einblldungskraft ohne weiteres schafft. Will man die seelischen Kräfte nach ihrem Stärkegrad einordnen, so müssen also Trieb und Einbildungskraft weit vor der reichlich überschätzten Willenskraft rangieren. wirklicher Grund zum Aerger vorhanden I ist, ob solcher nur im eigenen Willen und in Der | Einbildung besteht, ist in der Auswirkung ziemlich gleichgültig: Man ärgert sich halt! Der in Brandmalerei ober Kreuzstich ausgeführte Spruch: „M e n s ch, ärgere dich n i ch t!“ war einmal als ebenso sinniger wie künstlerisch hochstehender Wandschmuck äußerst beliebt. Sein erzieherischer Wert war aber nicht besonders hoch zu veranschlagen. Genau so gut hätte die Wand durch ein drakonisches Atemverbot geschmückt sein können, denn ein bißchen Aerger ist für die meisten Menschen gleiche Lebensbedingung wie die Luft. Die heute von Der zünftigsten Wissenschaft angenommene Lehre von Der Zusammengehörigkeit Der geistig-seelischen Persönlichkeit mit der Kör- perkonstitÄion bestand in Der Dorstellungswelt Jktvv Seelig's Korn-Kaffee ß Die hochwertigen Extraktstoffe, welche das Roggenkorn besitzt und die so außerordentlich dazu geeignet sind. Kornkaffee als gesunden Ersatz für echten Kaffee zu verwenden, werden bei „Seeligs Koro Kaffee" durch die wertvolle Kandierung konserviert Met I Der K mit einer machende oaäletei holungss nimmt c 'Bot läuft tüchWe alte De von der werden. Herr de sreuM fiierft Sport C Eine soeben n Anhalte M. Nie Diklia ( lein eine dem L kpitus" L°hn seh eimnZri s: w\ Genie'» men..vl überfiel' stunde r seine < forderte Heinen men. $ Haar g seiner der E>> Dumme kam dir und - lich gok Boden t die fünf men ihr konnte \ noch T würdigt dröhnte mischten meintet schlagen Gemeind wem S Ihre Os jetzt gefä grauen t unähnlich Klüinpch< beileibe den gefoi in einem mit einer sten Een unklug c schaltend« zugeben, die Aus paritätisä glittet l Ter tie 'ih ^et bi. ,?Ues n man , ?■ w 6942A Tischbestellunsen erbeten. Telephon 2725 zu RM. 2.20 Geflügelcremsuppe Helena, Kalbskotelette Feinschmecker Art, Pfirsich Melba za KM. 3.50 Geflügelcremsuppe Helena, Zanderfilet Admirals Art,gefüllter Puter Dubarry, Pfirsich Melba Abendessen zu KM. 3.50 Kraftbrühe Viktoria Hummerpastetchen Kalbsmedaillon Rachel Omelette Rothschild BahnMsu2O4 Benekestr.6—8 Telephon 2096 Beste Kurlage, behagliches Heim fürKur- gäste. Passanten und Wochenende, 76 Z. 95 B. Neuzeitl. eingerichtet, vorzügliche Verpflegung. Preis 9—11M. B VOLKSHALLE Sonntag, den 29. September, nachm. 3 Uhr „KONZERT Volkslieder alter und neuer Zeit singt der Dessauer Kinderchor anläßlich seiner diesjährigen Konzertreise durch Hessen, Rheinland und Westfalen. Programme im Vorverkauf i. Gewerkschaftshaus, Oberh.Volkszeitung, Musikhaus Challier lieber 50000RM. täglich zahlten wir in den letzten Monaten unseren Versicherten für Krankheitsschäden AWW MlMlWAlM Am Sonntag, dem 29. September, vormittags io Uhr 30 spricht im Caf6 Leib Reichstags-Abgeordneter Bäckermeister Hermann Drewitz Vorsitzender der Reichspartei des deutschen Miftelstandes (Wirtschaftspariei) über das Thema -. Vvlnst dev Nounsvlan dem LNitteMand An die Bezirksdirektion der Vereinigte Kranken versicherungs-Aktiengesellschaft Gießen Kaplansgasse 18 Telephon 1510 Ich bitte Sie um unverbindliche Zusendung Ihres Prospektes — bzw. unverbindlich bei mir vorzusprechen. I Stadtmissionssaal, Löberstr.14 Sonntag, den 29. September, nachmittags 3 Uhr und abends 81/« Uhr: Erntedankfest total rnit Cafe und Te- rasse, Fremdenzimmer usw. zu verpachten. 7158V W. Weeber, Abtlg.: Vermietg., Butzbach. Gried- ler Straße Nr. 23. Schreibarbeiten undVerviellälligungen durch 8004V Frau Alma Vogt, Wichen, Marktpl. 8, Eing. Wagengasse. fiammehäger £oöinot erfahren.Fachmann, fonnnt wieder nach Gienen u. Umg. und vertilgt unter schrtft- hd). Garant. Reiten, iränseu.fämil.Ungeziefer. Dankschr.aus gan; Deutschland. Bestellung, erb. sos. unt. „Lobinat“ a. d. Geschst. d. G.A. 7-eiD Sfaff Karten! Ihre Vermählung zeigen an Heinz Röhrig Dora Röhrig geb. Knipper Gießen, Stephanstr. 30 Arnshain den 28. September 1929 U6159 1 Staff Karten! Ihre Vermählung geben befannf Eugen Kuhn | Minni Kuhn geb. Herrmann Lich, den 28. September 1929 t 06173 ....................................................................—— I78OV Das Spedialhaus für Damenbekleidung und . Pelä-Ronfehtion JranEfurfa.rD^ (B o e t h e s t r'a s s e 9 — 11 bietet Jhnen^etjt juBeglnn1 der fierbst» und CDinter-Salson. Die allergrösste ^usroahl Die aeschmacbpollsten formen Die besten Qualitäten 'Die grösste Prelsroürdlghelt Nr. 228 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 28. September (929 Geschichten aus aller Welt. Der Herr Gcmeinderat erhält Anschauungsunterricht. (r) Amsterdam. Mynheer Lohten, (eines Zeichens allgewaltiger Gemeinderat des holländischen Aestchens Zwael- men, verliest in bester Stimmung seinen Klub. Da überfielen ihn — es geschah zur elften Racht- stunde — vier maskierte Männer, verbanden seine Augen mit einem schwarzen Tuch und forderten den zu Tode Erschrockenen auf, einen kleinen Spoz4erqang mit ihnen zu unternehmen. Mit der Versicherung, es würde ihm kein Haar gekrümmt werden. Dem Mynheer blieb in seiner Zwangslage nichts anderes übrig, als der Einladung Folge zu leisten. Der nächtliche Vummel begann. Aach der ersten Viertelstunde kam die zweite, bald verstrich eine volle Stunde und — der Weg wurde immer schlechter. Aatür- lich gost es in Strömen und der durchweichte Boden war kaum gangbar. Da hielt auf einmal die fünfköpfige Gesellschaft. Die Entführer nahmen ihrem Gefangenen das Augentuch ab, er konnte scststellen, dah er sich auf der Landstraste nach Doekoel befand. „3ft das eine menfchen- würdige Landstraste, Herr Gemeinderat?", erdröhnte die Stimme der Maskierten im gemischten Chor. „Wie oft wurde schon im Gemeinderat die Verbesserung des Weges vorgeschlagen? Wer war immer dagegen? Sie, Herr GemcinderatI So geht das nicht länger, und wenn Sie nicht an Ort und Stelle schwören, Ihre Opvosition aufzugeben, dann spazieren Sie jetzt gefälligst weiter mit uns. Bis zum Morgengrauen wird aus Ihnen ein durchaus menschenunähnliches. bis über die Ohren kotbedecktes Klümpchen!!!" Dazu hatte nun Mynheer Lohten beileibe keine Lust: ohne Bedenken leistete er den geforderten Cid. Worauf ihn die „Banditen" in einem Auto nach Hause brachten und sogar mit einer Kiste Zigarren beschenkten. In der nächsten Gemeinderatssihung war der wackere Lohten unklug genug, sein nächtliches Abenteuer unter schallendem Gelächter den Versammelten preiszugeben. In der Folge fastte man zwei Beschlüsse: die Ausbesserung der Landstraste und die — paritätische Verteilung der Zigarren an die Mitglieder des Gemeinderates ... Ter ticrfrcundliche König von Spanien. (g) Madrid. Der König von Spanien überraschte sein Volk mit einer für spaniche Begriffe geradezu epochemachenden Verordnung, wonach öffentliche Tier- auälerei verfolgt und mit 50, im Wiederholungsfälle mit 100 Peseten bestraft wird. Man nimmt allgemein an, dah die Verordnung als Vorläufer eines generellen Verbotes der berüchtigten Stierkämpfe zu bewerten sei, die ihre alte Volkstümlichkeit immer mehr einbühen und von den intellektuellen Kreisen längst verurteilt werden. Wenn sich der König schon als Schimn- herr der Tiere zeigt, so hofft man, daß der tierfreundliche Herrscher im Laufe der Zeit auch — stierfreundlich wird und diesem blutigen Sport Einhalt gebietet. Jntelligcnzprüfung. T. Athen. Eine unglaubliche Räubergeschichte hat sich soeben mal wieder in Griechenland ereignet, und zwar diesmal unmittelbar vor den Toren der Stadt Athen selbst. Dort erschien im Dorse Willia bei einem Gutsbesitzer, der drei Söhne sein eigen nannte, eine Räuberbande, die nach dem Vorbilde der berühmten „Räuber von Epirus" den gerade allein anwesenden ältesten Sohn festnahm und verschleppte. Unter Todesdrohungen wurde das Opfer gezwungen, vom sicheren Port aus seinem geängstigten Vater einen Brief zu schreiben und ihn zu bitten, umgehend Lösegeld in Höhe von 80 000 Drachmen flüssig zu machen. Dem besorgten Vater gelang es auch mit unendlicher Schwierigkeit, 30 000 Drachmen aufzu- bringen, die er den Räubern an dem verabredeten Treffpunkt zukommen liest. Und zwar — Rätsel der menschlichen Seele! — durch seinen zweiten Sohn. Selbstverständlich kam dieser den Räubern wie gerufen, er wurde ebenfalls in Verwahrung genommen und die Lösegeldsumme entsprechend hinaufgeseht. Einem on dit zufolge soll sich jetzt der alte Herr, der sich wahrscheinlich nicht durch ein übermäßig hohes Mast von Intelligenz auszeichnet, mit dem Gedanken tragen, diesen Betrag, und zwar wieder in Raten, den Herrn Räubern durch seinen dritten Sohn zu übermitteln ... x Die kleine Postmeisterin nnb der große Diktator. (g) Rom. Cignorina Rosetta Ravanelli zählte zwanzig Lenze und war bis vor kurzem beim Hauptpostamt der „ewigen Stadt" als weibliche Hilfskraft angestellt. Eine fleißige kleine Postnicisterin, die gewiß nicht im Traum daran dachte, dast eines Tages ihr Aame fett gedruckt dura) alle Zeitungen Italiens gehen und letzten Endes dazu beitragen würde, die Popularität Mussolinis — wenn auch indirekt — zu fördern. Das brave Fräuleinchen hatte eine einige Untugend: Mussolini hat es chr angetan! Ihr Interesse für den Duce war geradezu krankhaft. Lind da ihr nie die Freude vergönnt war, den Helden ihrer Mädchenträume persönlich zu sehen — fast sie doch tagein tagaus hinter dem Schalter — wählte sie einen anderen Weg, um diese krank- Sonnfag, 29. September. 7 Llhr: Von Hamburg: Hafenkonzert von dem Dampfer „Deutschland" der Hamburg-Amerika- Linie. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche Frankfurt am Main. 11: Stunde der Jugendbewegung: „Ziele und Ausgaben der weiblichen Jugendpflege auf dem Lande", Vortrag von Bezirksjugend- pslegerin Käte Schmidt. 11.30: Konzert der Stadtkapelle Aschaffenburg am Ludwigsbrunnen. 12.30: Elternstunde: „Rationale Aufgabe der Landerziehungsheime". Vortrag von Kurt Hahn. 14: Stunde der Jugend: Ein lustiger bunter Rachmittag von Liesel Simon. 15: Stunde des Landes. 16.45: Vom Stadion Frankfurt a. M.: Fußball-Repräsentativspiel Süddeutschland gegen Westdeutschland. 17.45: Aach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. . 19.05: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Pater Stanislaus von Dunin-Borkowski S. I. liest aus seinen Miniaturen erzieherischer Kunst". 19.35: Das Frankfurter Opernhaus vom 29. September bis 5. Oktober. 19.45: Sportnachrichten. 20: Von Stuttgart: Heitere Dialoge. 20.30: Von Stuttgart: „Die Schweizer Hütte". 21.30 bis 22.45: Von Stuttgart: älnterhaltungskonzert. 23 bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 30. September. 12.15 älhr: Schallplattenkonzert: Operetten und Schlagermusik. 13.15 bis 13.30: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: Aus Sport und Spiel: „Wintersport", Vortrag von Dr. Paul Laven. 16.15: Hausfrauen-Aachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauen - Verein. 17.05: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Aassau und Waldeck: „Warum soll die Frau ein Interesse an den Wahlen haben?", Vortrag von Frau Dr. Anna Schultz, Rechtsschuhstelle für Frauen. 17.30 bis 18: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Lesestunde. 18.30: „Die Einheitsbewertung 1928“, Vortrag von Kataster-Sekretär Herrmann. 18.50: Umzugstag, Mikrophon-Reportage. 19.20: Englische Literaturproben. 19.35: Englischer Unterricht. 20 bis hafte Aeugierde wenigstens einigermaßen zu stillen: sie öffnete kurz entschlossen zwei Privatbriese. Der eine war an den Ministerpräsidenten selbst, der andere an seine Gattin, Donna Rachele Mussolini, gerichtet. Das war nun kein Scherz mehr, juridisch sogar ein Doppelverbrechen: Verletzung des Briesge- heimnisscs und gleichzeitig der Deamtenpflicht. Aatürlich kam die Sache bald heraus. Man witterte eine antifafzistische Verschwörung, mobilisierte die Kriminalpolizei und die Faszisten- detachements und — ertappte die gefährliche „Attentäterin" kurz darauf beim Oeffnen eines dritten Brieses. Große Aufregung, große Empörung. Dann: Schutzhaft, Verhör und — Gelächter. Die kleine große Sünderin gestand unter dicken Tränen die „Beweggründe", vielmehr den einzigen Beweggrund: sie sei eben in Mussolini unsterblich verliebt. — Da das dumme Mädel durch die Oeffnung der an sich belanglosen Privatbriefe keinerlei „Staatsgeheimnisse" erfahren hat, kam es mit einer verhältnismäßig geringen Strafe davon: sechs Monate Zuchthaus! Das Arteil war rechtskräftig und die Gemüter beruhigten sich — sowohl Frau Justitia wie Herr Mussolini konnten nunmehr ruhig schlafen. Da kam die große, ganz große Aeberraschung: Mussolini „winkte' und Rosetta wurde begnadigt! Begründung: der eigentliche Beweggrund der verbrecherischen Tat sei verzeihliche menschliche Schwäche" gewesen. Unö Mussolini hat nun einmal Verständnis für Schwächen anderer! Der Knalleffekt ist restlos gelungen: das Volk klatschte Beifall und die Zeitungen brachten Leitartikel über das große Herz des großen Mannes. Mussolini tnumphator siegte auch diesmal. Röschen wird wohl zum Film gehen. Die kleine Postmeisterin ist ja über Rächt eine Persönlichkeit geworden... 22.30: Aach Stuttgart: „Die Zirkusprinzessin", Operette in drei Akten von Julius Brammer und Alfred Grünwald, Musik von Emmerich Kalman. 22.45 bis 24: Aach Stuttgart: „Gespenster", echt und imitiert. Dienstag, 1. Oktober. 13.15 bis 13.30 Uhr: Werbekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: Instrumental-Soli. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: Aus dem Wunderreiche der Aatur: „Der Mikrobenjäger", Vortrag von Dr. Höfer (für Kinder vom 12. Jahre ab). 16.15 bis 18: Aach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.15: Von Kassel: Gespräche Prominenter aus „Dichtung und Rundfunk". 19: Von Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund von Garteningenieur Karl Hinze. 19.10: Äur für Frankfurt: Zehn Minuten Wanderratschläge für den Taunusklub. 19.20: Funkhochschule: „Erste Hilfe bei Verletzungen und Blutungen", Vortrag von Stadtarzt Dr. Görisch. 19.40: Vortrag über Hans Thoma. 20: Von Stuttgart: Sinfoniekonzert. 21: Don Stuttgart: Herbstgesang. 22: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Klassische Operetten. 23 bis 24: Don Stuttgart: Unterhaltungskonzert. Mittwoch, 2. Oktober. 10.40 bis 11.10 Mf)r: Schulfunk: Gegenwartsstunde: „Die Dilbeler Quellen", Dortrag von Rektor F. Hürten und Rektor K. Wehrhan. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: „Das deutsche Dolkslied". 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: Aus dem Buche der Sage und Geschichte: „Die Füße im Feuer und andere merkwürdige Geschichten", vorgetragen von Rektor K. Wehrhan. 18.10: „ Funk-Kritik". 18.30: Dortrag von Hans Aeuert. 18.45: „Polemik" von Herbert Jhering, Berlin. 19.05: Französische Literaturproben. 19.20: Französischer Sprachunterricht. 19.45: Senckenüerg-Diertelstunde: „Der herbstliche Laubfall", Dortrag von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. M. Möbius. 20: Aach Stuttgart: Kammermusik. 21 bis 22: Don Stuttgart: „Das jüngste tschechische Lied". 22.30: Funkstille. Rundfunkprogramm. Das Eisenbahnunglück. Von Siegfried von Vegesack. Endlich habe ich ein Eisenbahnunglück erlebt, ein richtiges Eisenbahnunglück. Anhalter Bahnhof, ab 7.53, D-Zug nach Mün- chen. Aiernals denke ich an eine Gefahr, wenn ich einen Zug besteige. Als ich aber diesmal in der Mitte, gleich hinter dem Speisewagen, meinen Platz einnahm, kam mir der beruhigende Gedanke: gut, dah ich nicht ganz vorn oder ganz hinten sitze, die ersten und letzten Wagen sind immer die gefährlichsten. Alles war, wie es immer auf Eisenbahnfahrten ist: man sitzt, blättert sorglos in einer Illustrierten, steht im Gang, starrt auf die vorüberjagenden Kartoffeläcker, Felderstreifen, Wiesenstücke, die sich wie auf einer großen rotierenden Scheibe drehen, denkt an allerlei, aber nicht an den Tod, der unsichtbar dicht hinter den Rädern herrast. Ich denke an ein kleines blondes Mädchen mit Schulranzen, das mich auf der Ferienheimfahrt in Regensburg erwartet. In jedem Abteil hocken, wie in einem Käfig, die Passagiere. Keiner spricht mit keinem ein Wort. Jeder ist eine Welt für sich, durch seelische Abgründe, unübersteigbare Mauern vom Aachbar isoliert und getrennt. Aber im Gang lehnt ein verliebtes Pärchen am Fenster, drückt sich innig die Hände: Reise in den Süden, Reise ins Glück. Etwas weiter steht eine junge Dame in Hellblau. Braunes, halblanges Haar bauscht sich im Wind, Sonne liegt auf dem schmalen, blassen Gesicht, den geschlossenen, von langen Wimpern überschatteten Augen, dem vollen, lächelnden Mund. Dann kommt der Ober vom Speisewagen und verteilt die Plätze zum Mittagessen. Wird das Schicksal gnädig sein? Rein, das Schicksal im Speisewagen ist immer dumm und verständnislos. Mein Gegenüber ist ein blonder Jüngling mit leeren Froschaugen, sicher Reisender in Dauerwurst. Die Dame in Hellblau sitzt drüben in der Ecke, eingekeilt neben einer überquellenden Matrone. Ich kann nur ihren Racken, den dichten Haarschopf, und dann und wann, wenn sie sich zur Seite wendet, einen Schimmer ihrer weihen Wange, den Schatten ihrer schwarzen Wimper sehen. Der Wagen leert sich. Cs wird schon abgeräumt. Ich schwanke hinaus, laviere durch den schlingernden Gang bis zu meinem Abteil. Der Zug rast mit irrsinniger Geschwindigkeit. Unö in diesem Augenblick geschieht es. Was geschieht? Das ist schwer zu sagen. Zuerst gibt es einen Ruck, dah ich an die Wand fliege, und gleich darauf einen Stotz auf die andere Seite, der mich gegen die Tür schleudert. Es ist. als wäre der Wagen betrunken geworden, als hüpfe er bald auf den linken, bald auf den rechten Rädern. Eine Damenstimme kreischt. Irgendwo kracht ein Gepäckstück zu Boden. Fensterscheiben klirren. Dann plötzlich: ein Ruck, — und der Zug hält. Dieses plötzliche Halten des Zuges in rasender Fahrt wirkt wie ein Wunder, und ist auch das Wunder, das eine größere Katastrophe verhinderte und vielen, — vielleicht auch mir, — in diesem Augenblick das Leben rettete. Ich strecke den Kopf zum Fenster hinaus. Auf dem Bahndamm wimmelt es schon von Menschen. Alles rennt nach hinten. Unheimlich hängen die letzten Wagen schief zur Seite geneigt. Jemand ruft aufgeregt: „Ist ein Arzt im Zuge?" Unö wie eine Lawine pflanzt sich der Ruf fort, von Wagen zu Wagen: „Ist ein Arzt im Zuge? Ist em Arzt un Zuge?" Ich klettere die Stufen hinunter, bin nun auch ein Teil der erregten, neugierigen Masse, die nach hinten drängt. Die vier letzten Wagen sind entgleist. Die Räder haben sich tief in den Schotter eingegraben. Dohlensplitter liegen umher, die Wagen hängen so schief, dah sie sich über das Rebengeleis neigen. Irgend jemand soll verletzt sein. Und der Koch im Speisewagen soll sich verbrüht haben: grabe als er den Kaffee kochte, wurde ihm das siedende Wasser über die Hände gegossen. Sonst ist alles glimpflich abgelaufen. Es bilden sich Gruppen. Einige lassen sich am Bahndamm gemütlich nieder, spielen Picknick. Kinder pflücken Blumen. Jemand hat schon einen photographischen Apparat gezückt, hockt hinter dem letzten überhängenden Wagen und macht interessante Rahaufnahmen für eine Illustrierte. Ein junger Mann wiederholt unermüdlich, mit der Stimme eines geübten Fremdenführers: „Sehen Sie sich die Schienen an: dies ist das Allerinteresfanteste!“ Und tatsächlich: die Schienen, diese langweiligen. ewig geraden, ewig korrekten eisernen Geleise sehen interessant genug aus: sie laufen, wie von Kinderhand mit dem Bleistift hingekrihelt, schief und krumm im Zick-Zack über den Bahndamm. Die vier letzten Wagen, — und leider auch der Speisewagen, — werden abgehakt. Run kann ich keinen Kaffee trinken. Und die Gänge sind vollgestopft mit Menschen. Aber alle, alle sind plötzlich eine grohe Familie geworden. Jeder teilt jedem seine besonderen Erlebnisse mit. Man bietet einander Zigaretten an, reicht Feuer. Stullen und Würste werden ausgekramt und mit schmatzendem Behagen verzehrt. Aber nach und nach schrumpft das Abenteuer, das große Erlebnis zu einer Zug - Derspätung zusammen: „2a, wir haben Derspätung, zwei Stunden Der- spätung!" Zwei Stunden, — das ist ärgerlich. Und das ist sehr viel für ein kleines Schulmädchen, das allein auf einem großen Bahnhof wartet. Das verliebte Pärchen steht wieder im Gang, eng aneinander geschmiegt, Hand in Hand: Reise in den Süden, Reise ins Glück. Die Dame in Hellblau lehnt am Fenster mit geschlossenen Augen. Keiner kennt keinen. Alles ist wieder fremd. Ein unsichtbarer, unheimlicher Passagier hat uns einen Augenblick gestreift. Aber nur gestreift. Und nun hat er taktvoll den Zug wieder verlassen. Und das kleine blonde Mädchen mit dem Schulranzen auf dem Rücken wird nicht umsonst auf ihren Dater gewartet haben. Lande nie auf einem Tulpenbeet! Endlich, nach mehreren Monaten, hat die bekannte französische Pilotin Maryse Hiltz von den holländischen Behörden ihr Flugzeug wiederbekommen, das man ihr unbarmherzig beschlagnahmt oder, besser gesagt, gepfändet hatte. Das junge Mädchen war auf einem Fluge über Holland gezwungen worden, eine Rotlandung vorzunehmen. Wie das nun bei derartigen aeronautischen Dorgängen einmal ist, blieb chr nicht Donnerstag, 3. Oktober. 12.15: Schallplattenkonzert: Volkstümliches Or< chesterkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde öer Jugend. „Das deutsche Volkslied, wie man es sammelt und singt", vorgetragen von Constanze und Elisabeth Speyer, Bad Homburg v. ö. H. 16.15 bis 18: Von Stuttgart Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Dücherstunde. 18.30: Von Kassel: „Das Wesen der modernen Polizei", Vortrag von Regierungspräsidenten Dr. Friedensburg. 18.50: „Wie liest man den Parlamentsbericht einer Zeitung?", Vortrag von Ministerialrat Hans Goslar, 'Berlin. 19.10: Schachstunde. 20 bis 22.30: Aus dem Frankfurter Opernhaus (nach Stuttgart): Madame Butterfly (Die kleine Frau Schmetterling), Tragödie einer Japanerin (drei Akte) von L. Jllica und G. Giacoso. Deutsch von Alfred Drüggemann. Musik von Giacomo Puccini. 22.45 bis 24: Don Kassel nach Stuttgart: Der blinde Passagier. Funkgroteske in einem Akt von Paul Leuchsenring. Freitag, 4. Oktober. 12.15: Schallplattenkonzert: Unvergängliche Walzer. 13.15 bis 13.30: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: „Die Berufsberatung der Jugend als sittliche Pflicht und wirischastliche Ausgabe" von Dr. h. c. Engler, Präsident des LandesarbeitS- amtes Hefsen. 16.15 bis 18: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Lesestunde. 18.30: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Dialog aus dem Alltagsleben: „Man schenkt sich..." 18.45: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 19.05. Stenographischer Fortbildungskurs us. 19.25: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.45: Filmwochenschau. 19.55: Von Köln: „Westdeutschland", Reportage. 21.30: Don Stuttgart: Konzert des Philharmonischen Orchesters. 22.30 bis 24: Von Stuttgart: Militärmusik. Samstag, 5. Oktober. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: Aus Opern. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. Aus dem deutschen Liederkranz. 16.15 bis 18: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Lesestunde. 18.30: Briefkasten. 18.40: Esperanto- Unterricht. 19: Stunde des Arbeiters. 19.20: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Der Sternhimmel im Oktober. Der Aufbau eines Rormalstemes", Vortrag von Pro- fefsor Edmund Sittig. 19.50: Rach Stuttgart: Zeitberichte XI. Mussolinis Rede vor der Fafzisti- schen Versammlung am 14. September, bearbeitet von Actualis. 20.30 bis 22.30: Rach Stuttgart: „Das Wolkenbrettl", Rundfunk-Kabarett. 22.45 bis 0.30: Rach Stuttgart: Tanzmusik. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Aufbringungspflicht. Durch das Induftrie-Be« lastungsgesetz vom 30. August 1924 wird den Unternehmern der industriellen und gewerblichen Betriebe usw. nach Maßgabe dieses Gesetzes die Last der Verzinsung und Tilgung von 5 Milliarden Goldmark auferlegt, die als eine öffentliche Last durch eine Hypothek an erster Stelle gesichert ist. Durch die zweite Durchführungsverordnung vom 4. Dezember 1925 ist der Kreis der Belasteten neu festgelegt worden, die Bemessungsgrundlage, die Freigrenze, die Umlegung der Beträge usw. lieber Einzelheiten der umfangreichen gesetzlichen Vorschriften wird das Finanzamt Auskunft geben können. L. M. Die Redakteure haben Wohl gelegentlich ihre Freude an einem schöngeschnittenen Bubikopf. Sie können Ihnen aber nicht verraten, mit welchen Mitteln eine Dubikopfrnüde ihr Haar zu schnellerem Wachstum bringen kann, um wieder langbezopft zu werden. Vielleicht erkundigen Sie sich wegen wirksamer Düngungsversuche bei einem Meister des Faches. Daten für Montag, 30. September. Sonnenaufgang 5.58 Uhr, Sonnenuntergang 17.41 Uhr. — Mondaufgang 2.13 Uhr, Monduntergang 17.15 Uhr. 1857: der Dichter Hermann Sudermann in Matzicken geboren. allzu viel Zeit, sich einen geeigneten Platz für öie Landung auszusuchen, und so ging sie einfach auf einem wunderschönen Tulpenbeet nieder, das natürlich von der Maschine um und um gepflügt wurde. Darauf wurde das Flugzeug beschlagnahmt und als Pfand zurückbehalten. Vergebens wies öie Pilotin öarauf hin, öatz sie von oben — unö Wohl mehr noch in öer Aufregung, aber so etwas verschweigen auch Französinnen — öas Tulpenbeet nicht gesehen habe. Damit verletzte sie nur Öen nieöerlänöischen Rationalstolz, öenn ein hollänöisches Tulpenbeet h a t man einfach zu sehen, besonöers im Sommer, wenn öie Farbenpracht am schönsten ist. Unö fo verlangte man öenn von Demoiselle Hilh Öas runöe Sümmchen von 10 000 Framen, wiörigenfalls. ... Schließlich einigte man sich auf 6000 Franken, öas Flugzeug touröe herausgegeben, unö so mancher holländische Tulpenzüchter fleht jetzt den Himmel an, er möchte im kommenden Lenz auf einem seiner Beete einen Aeroplan notlanöen lassen... Hochschulnachnchten. Der durch die Uebersiedlung von Prof. R. Roeßle nach Berlin erledigte Lehrstuhl der Pathologie an der Universität B a s e l ist dem ordentlichen Professor Dr. Werner Gerlach in Halle angeboten worden. Gerlachs Arbeiten betreffen besonders Entzündung, Infektion und Immunität. Wiesbadener von Geburt, studierte er in Tübingen, München, Jena und Basel. Seine Lehrer waren G. Herxheimer (Wiesbaden), Borst (München) und Rößle (Basel). Von 1920 bis 1924 bekleidete Gerlach eine Assisten» tenstelle bei Professor Rößle in Jena und Basel und erwirkte seine Zulassung als Privatdozent für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie in der Basler Medizinischen Fakultät. Michaelis 1928 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius und Direktor des Pathologischen Instituts in Halle als Nachfolger von Geheimrat R. Beneke. Zum ordentlichen Professor der organischen Chemie an der Technischen Hochschule zu Darmstadt ist als Nachfolger des emeritierten Professors H. Fischer Privatdozent Dr.-Ing. Clemens Schöpf von der Universität München berufen worden. Dr. Schöpf, der aus Gersfeld (Rhön) gebürtige Chemiker, bekleidete eine AssistentensteUe am Chemischen Laboratorium in München. (Salomon) Seltersweg 81 Für Betten Zahlungs-Erleichterung 7954A 06)63 Müller. 7931V 7949C statt: 8003D 7952V Eintritt kann jederzeit erfolgen 06183 6785 D Lager. 5 für Ein- und Auszahlungen geöffnet. Oer Vorstand Wölfer. Fourier. 794SD Neueröffnung am 1. Oktober 1929,11 Uhr Dauerwellen, Wasserwellen, Maniküre, Braut- u. Gesellschaflsfrisuren, Haar« schneiden, Parfümerie-Toilettenartikel Nur geschultes Personall Leni Ranft Goethestraße 29 p. Gießen, den 27. September 1929. Baugenossenschaft 1894, e. G. m. b. h. Gießen Unsere Werkstätte fertigt für Sie an: Kleider für Haus, Straße und Gesellschaft, Mäntel, Kostüme und Kinderkleider bei best. Verarbeitung und angemessenen Preisen. Wir bitten bei vorkommendem Bedarf um unverbindlichen Besuch Kleiderwerkstätte Gießen Grete Prange staatl. geprüfte Damenschneiderin Asbest- Platten 1,2, 3,4 und 5 mm, wieder nm Bekanntmachung Die Lieferung von 400 Zentner Hafer Rindvieh- und Schweinemarkt. Nm TienStag.dem 8. Oktober findet In (fiebern Rindvieb' und Scbweine- markt statt. Austrieb von 7,/,-8l, Uhr. Gedern, den 23. September 1929. Hess. Bürgermeisterei Gedern. WMe AlilMlllW SWN-SlM Unsere Kaffe ist vom 1. Oktober d. Is. ab WIR M 9 W1W Fischerei-Verpachtung. Am Samstag, dem 5. Oktober 1929, vor- mittags 11 Ufr, im Rathaus, wird die Gemeindefischerei mit schönem Forellen» bestand auf zwölf Jahre verpachtet. Ruppertenrod, den 28. September 1929. Die Bürgermeisterei. 794ID Pelzmäntel Kragen, Garnituren werden tadelloöge- ändert, ausgeb. sowie neu angefertigt. Billige Preise. Schr. Angeb. u. 06191 a. d. Gieß. Anz. erb. Dienstag, den 1. Oktober 1929, Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt; Mittwoch, den 2. Oktober 1929, Schweinemarkt. Auftriebszeit an beiden Markttagen von 1% bis 9 Uhr vormittags. Auf dem Rind- viehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Mittwoch, den 2. Oktober 1929, findet auch gleichzeitig Pserdemarkt statt. Gießen, den 28. September 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Steiners Paradies-Betten Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Montag, dem 7. Oktober d. 3., nachmittags Uhr, daselbst einzureichen. 7937D Damen-Salon Neumann Bahnhofstraße Nr. 29 Bekanntmachung. Der Wochenmarkt beginnt von Dienstag, den 1. Oktober 1929, ab vormittags um 8 Uhr und endigt um 14 Uhr. 7932C Gießen, den 28. September 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. private MUWRMUMvkhW Gießen, Seltcrsweg 73 (staatlich genehmigt) Älb l.SStobev r Beginn meiner Kurse in M und MeMnen lorole alle onmit oerömiöenen HtßeKen für Berufsausbildung in der Oamenfchneiderei Mrkms fflt leAUA Mmlm« und IlnroBtterlnnra Bekanntmachung. Betr.: Flugoeranstaltung in Gießen am 29. September 1929. Nachstehende Polizeiverordnung bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 27. September 1929. Der Oberbürgermeister. 3.23.: Dr. Seid. Polizeiverordnung. Auf Grund des Art. 65 des Gesetzes, betr. die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen vom 8. Juli 1911, werden im Einvernehmen mit der Provinzialdirektion Oberhessen für die am 29. September 1929 auf dem Flughafen in Gießen stattfindende Flugveranstaltung innerhalb der von dem Herrn Reichsverkehrsminister bestimmten Flughafenzone folgende Sicherheitsmaßnahmen angeordnet: Während des 29. September 1929 wird für die Zeit von 13.30 Uhr bis 18 Uhr das innerhalb der nachstehend näher bezeichneten Grenzen liegende Gelände polizeilich gesperrt: 3m Süden: Straße Gießen—Rödgen von der östlichen Grenze der auf dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Ueber- führung der Bahnlinie Gießen—Fulda. 3m Osten: Bahndamm von Kreuzung Bahnlinie Gießen—Fulda, Straße Rodgen bis zum Ostrande des Waldes, genannt der Junkernstrauch, sodann in nordwestlicher Richtung durch den Wald bis zur Struppmühle. 3m Norden: Von der Struppmühle dem Lauf der Wieseck entlang bis zur Gansmühle. Die Straße Wieseck—Alten-Bu- seck ist nur für den Durchgangsverkehr geöffnet. 3m Westen: Von der Gansmühle in südwestlicher Richtung von Wieseck nach dem Trieb führenden Weg entlang, Ost- rand der auf dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Straße Gießen—Rödgen. § 2. Für die Dauer der Sperrzeit ist das Betreten des innerhalb der obengenannten Grenzen liegenden Gebietes nur mit Ausweisen der Flugleitung oder nach Lösung der von dieser ausgegebenen Eintrittskarten und lediglich auf den von der Flugleitung hierzu bestimmten Zugangswegen gestattet. § 3. Die Straße Gießen—Rödgen ist von 13.30 bis 18 Uhr nur für den Durchgangsverkehr von Gießen nach Rödgen und umgekehrt geöffnet. § 4. Der von dem Stadtwald unmittelbar nach dem Flugplatz führende Feldweg wird von 15 bis 18 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt. § 5. Den Anweisungen der Polizeibeamten ist Folge zu leisten. § 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden mit Geldstrafe bis zu 90 RM. bestraft. 7994C Gießen, den 26. September 1929. Kreisamt Gießen. 3.23.: Dr. Braun. WlNMnMM"NL Ausskotmng Mein u.orclsroen öle Brtlhi'ltfie Unlo.-Brufferei. fi. fange. Sieben, öthulftr. 1. Oeffeniliche Mahnung. Das 1. und 2. Ziel Kanal-, Straßen- reinigungs- und Müllabfuhrgebühren 1929 wird hierdurch zur Zahlung bis spätestens 10. Oktober 1929 einschließlich gemahnt. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Gießen, den 28. September 1929. Stadtkasse Gießen: Rothamel. ist zu vergeben. Bedingungen können bei der unterzeichneten Verwaltung eingesehen werden. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift „Angebote für die Haferlieferung" mit dem Muster bis zum 7. Oktober 1929, vormittags 11 Uhr, einzureichen. In den Angeboten find die Bedingungen anzuerkennen. Zuschlagsfrift sechs Tage. Das einzureichende Hafermuster, 1 kg enthaltend, muß, getrennt von dem Angebot verpackt, mit der Aufschrift „Muster zum Angebot für Haferlieserung" versehen sein. Gießen, den 27. September 1929. Verwaltung der Veterinär-Kliniken und -Institute. Kartoffellieferung. Die Lieferung von zirka 1500 Zentner reiner „3ndustrle"-Speisekartoffeln, großfallende und gelbfleischige Ware, sollen im Wege des öffentlichen Anerbietens vergeben werden. 7940D Die Kartoffeln müssen gesund und hand- oerlesen sein. Die Bedingungen können während der Dienststunden hier eingesehen werden. Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Kartoffellieferung" bis zum Samstag, dem 5. Oktober 1929 vormittags 10 Uhr hier einzureichen. Die Lieferungsbedingungen, die von uns gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden können, find ausdrücklich anzuerkennen. Gießen, den 26. September 1929. Direktion der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Gießen. I.D.: Dr. Frank, Medizinalrat. Bekanntmachung Der nächste Viehmarkt in Gießen findet CarlSchunck Miwbolz ofenfertig, Anrcuer- boU, eichene Gartenpfosten. 3. Wellhöser, ffetitibr.23137WgD Bekanntmachung. Auf Grund der Umleaungsordnung vom 21. September 1920 (G. S. S. 453) wird beabsichtigt, die vermengt liegenden oder unwirtschaftlich gestalteten Grundstücke der Gemarkung Fellingshausen (Kreis Biedenkopf) behufs besserer Bewirtschaftung einer Umlegung zu unterziehen. Der Umlegungsbezirk soll unter Ausschluß des größten Teils der beiden Ortslagen Fellingshausen und Bieber die ganze Gemarkung Fellingshausen umfassen, und zwar: 8008D die Kartenblätter 1—6, von Kartenblatt 7 die Parzellen 1—6, 8—27 30-32, 35—42, 264, 276, 525/277, 234—239, 278,278a, 279—335, 196—203, 576/204, 574/205, 575/205, 206, 210—213, 221—223, Kartenblatt 8 mit Ausnahme der Parzellen 648—651/72, 586/72, 73—89, 90—103, 107—126, 533—539, die Kartenblätter 9, 10 und 11 nebst Beiblatt, von Kartenblatt 12 die Parzellen 4—22, 127, 130, 132—138, Kartenblatt 13 mit Ausnahme der Parzellen 104/79, 105/80, 106/80, 107/80. Vom Präsidenten des Landeskulturamts in Kassel zum Kommissar ernannt, habe ich zur Anhörung der Beteiligten über die Voraussetzungen der Umlegung und die Bildung des Umlegungsbezirkes Termin anberaumt auf Freitag, den 8. November 1929 vormittags 10% Uhr, in der Gastwirtschaft von Heinrich Haus in Fellingshausen. Einwendungen müssen im Termin mündlich angebracht und begründet werden. Dillenburg, den 20. September 1929. Der Kommissar: Menk, Regierungs- und Kulturrat. Arbeitsvergebung. Für den Neubau der Wohnungen im Schwarzlachgebiet sollen die kanalisations-, Jnstallations- und Wasserleitungsarbeiten unter Zugrundelegung der RDO. vergeben werden. 8017C Zeichnungen und Bedingungen liegen auf unserem Bureau während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum Verdingungstermin Samstag, dem 5. Oktober 1929 vormittags 10 Uhr an das Städtische Hochbauamt, Asterweg 9, einzureichen. Zuschlags- und Bindefrist: drei Wochen. Gießen, den 28. September 1929. Städtisches Hochbauamt: G r a v e rt. Vergebung von Vauarbeiten. Für den Neubau von 42 Wohnungen an der Liebigstraße sollen vergeben werden: die inneren und äußeren Deihbinder- arbetten (Tünch- und Anstreicherarbeiten) und die Schreinerarbeiten. Angebotsformulare und Näheres durch Architekt B. D. A. Hamann, Bergstraße 11. la neues Sauerkraut ver Pfund 20 Pf. Neue hollänviiche Vollhennge ver Stück lö Pf. 3.1. MW Marklstraße Nr. 4. Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 15. Oktober neue Kurse. , Anmeld, fägl. /SSM, JctU kau teil S i c Ihre Pelze am billigsten. Umarbeitung und Reparaturen in der Kürschnerei Adolf Evers nur Schottstrane 7 1 Stock 1. 06190 die besten Besichtigen Sie die H ggus der die gesündesten Paradies-Betten-Ausstellung die schönsten Goethestraße IlaiMaiuvH Räumungs-Ausverkauf ■MMnHBnHHUnHHQKOUBHaUMnanHBE Wegen Aufgabe des Artikels in Gardinen »n»Wi in ihm i iiaa— Beginn: Am 30. 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Auszieh- und andere Tische, Stühle und 1 Divan 1 Küchengarnitur, Küchenschrank, Tisch, Stühle, ein Nieschel's Patent-Wellsieb-Grubeherd, zwei Stehleitern, 2 gebr. Waschtische, 1 Kochkiste Außerdem: (büdsee-Indianer-Waffen, 1 geschnitzte Banttruhe, div. Spiegel,! Dogeikäfigständer mit Käfig, 1 Regulator, 1 Schreibtischsessel, 2 Nähtische, 3 Teppiche, versch. Blattpflanzen, 3 Lorbeerbäume, Kakteen, 1 zirka 3 Met. hohe Edeltanne und sonst. Blattgewächse,Spiegel, Nipp-, Porzellan-, Ausstellsachen, wie v. a. Lesichtlgung Montag von 1-6 Uhr, Dienstag von vor- mittags 11 bis nachmittags 6 Uhr erwünscht. Versteigerung bestimmt und pünttlich. £. Lttthosf gerichtlich beeidigter Taxator und Auktionator 8001V er er*Weg81 TO57A Ferner große Auswahl: Betten-Bär - Bieten Telephon 271 Marktstrabe 29 Kinder mann #7791 ö tttt 79J9A Staatlich beaufsichtigte, breiNassige den gesetzlichen Vorschriften entsprechend, in Stand: Name: UW Straße:. 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Auch sonst mag die zukünftige Entwicklung Deutschlands betrachtet werden wie man will, die Ausbildung der Massen des deutschen Volkes in fremden Sprachen im Laufe der nächsten zehn Jahre erweist sich als eine bedingungslose Notwendigkeit. * * * Daß die bisherigen Wege der fremdsprachlichen Ausblldung im Verhältnis zu ihren Ergebnissen zu viel Zeit, Geld und Energie kosten, ist bekannt. Weitblickende Kreise haben sich daher zusammengeschlossen, um akademisch und beruflich voll ausgebildete Lehrer aus England, Frankreich, Spanien und Rußland zu engagieren. Denn diese vier Fremdsprachen sind für uns Deutsche vom größten Wert. Unter Leitung dieser hervorragend qualifizierten Lehrer sollen Ausblldungs- kurse auf Grund modernster Methoden eingerichtet werden. Anfängerkurse: für Personen ohne jede fremdsprachliche Vorbildung. Fortgeschrittenenkurse: für Personen mit Vorkenntnissen, sei es in Mittelschulkenntnissen oder Selbststudium. Konversationskurse: für Personen mit guten Vorkenntnissen, solche mit Auslandsaufenthalt oder guter Sonderblldung. Um allen Wünschen gerecht werden zu können, sollen Vormittags-, Nachmittags- und Abendkurse eingerichtet werden. Die Kurse werden dadurch Herren und Damen der Gesellschaft, Mittelschülern und Berufstätigen zugänglich. Die Einteilung in die einzelnen Gruppen wird der Lehrkraft überlassen. * * * Der Arbeitsplan dieser Kurse sieht in großen Linien folgenden Ausbildungsgang vor: 1. Aufnahme der Sprache durch Hören, Lesen, Schreiben. — Allmählicher Abbau der Muttersprache. — Organische Aufnahme des hochwerUgen Wortschatzes,der wissenswerten Satzlehre unter Zugrundelegung von Originaltexten und unter Berücksichtigung der Analogie (Wortverwandtschaft). 2. Sprechübungen, allmähliche Entwicklung der Sprachfunktionen. Anwendung in der Praxis, Übungen. Literarische Vorlesungen. Cours de diction. Einführung in die fremde Kultur, geographische Kenntnisse, Wirtschaft. Abschließende Übungen in Konversation, Stll, Rechtschreibung. 3. Handelskorrespondenz. Anleitung zum Studium der ausländischen Fachorgane für die verschiedenen Berufe usw. 4. Anleitung für das spätere selbständige Weiterarbeiten zu Hause, ohne welches auch gute Erfolge wieder verloren werden. Die Unterrichtskurse werden unterstützt durch die Einrichtung von Konversationsabenden und periodische Abhaltung von Gesellschaftsabenden, welche unter Leitung der akademischen Lehrkräfte stehen und dadurch von kompetenten Persönlichkeiten geleitet und auf dem erforderlichen Niveau gehalten werden. Zu diesen Menden werden nur diejenigen Mitglieder zugelassen, deren Vorkenntnisse von ihrem Lehrer als genügend betrachtet werden. Allen, die bestrebt sind, sich auszubllden und vorwärts zu kommen, soll sodann noch die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts geboten werden. Die ganze Ausbildung ist naturgemäß nicht ins Ausland verlegbar; es muß vielmehr die wichtigste Grundlage durch ein- bis zweijährige Heimatkurse geschaffen werden. Zum letzten Schliff, zur Vollendung der heimatlichen Vorbildung, käme eine zirka dreimonatige Auslandsverschickung in Frage; Maßnahmen, die solche Ferienkurs? im Ausland finanziell, zeitlich, beruflich, organisatorisch und pädagogisch möglich machen, werden später genau besprochen. Auf alle Fälle sind bereits jetzt schon einflußreiche Persönlichkeiten in London, Paris usw. für die Vorbereitung derartiger Kurse verpflichtet. Täglich, ja stündlich fremdsprachlichen Einflüssen ausgesetzt, gemeinsames Wohnen, Leben und Lernen, eingehendes Studium der Bevölkerung, Geographie, Wirtschaft und Kultur unter Leitung ausgesuchter Lehrer ermöglichen es, auf schnellstem Wege zu erreichen, was bisher nur durch ein langjähriges Studium zu erreichen war, um so mehr, als unsere Heimatkurse in jeder Hinsicht auf diese Auslands- oder Schlußkurse hinarbeiten. Jedenfalls ist das Resultat dieses Ausbildungsprogramms für den Tellnehmer das gleiche wie das eines halb- oder ganzjährigen Pensionsaufenthalts im Ausland. Außerdem ist für die ständige Einrichtung eines Ferienaustausches für Kinder, Erwachsene, Lehrer und Schüler und Angehörige aller möglichen Berufe Sorge getragen, zumal sich diese Ferienaustausche leicht mit geringen Kosten durchführen lassen. Demselben Zwecke dient die Briefwechselvermittlung zur Schulung in fremder Korrespondenz, sowie einer Reihe anderer zweckmäßiger Einrichtungen. Alle Veranstaltungen, die lediglich unseren Teilnehmern zugänglich sein werden, verfolgen in ihrer Gesamtheit den Zweck: 1. Möglichst rationelle Anleitung zum Sprechen der fremden Sprachen, 2. möglichste Vervolllommnung durch kürzeren oder längeren und erschwinglichen Auslandsaufenthalt und ständige Weiterarbeit zu Hause, 3. Unterstützung bei der Ausnutzung erworbener Fähigkeiten im Berufsleben. * * * Wir bezwecken die Ausbildung der Massen in fremden Sprachen, die Ausbildung draußen für den Alltag, für den Kampf und das Fortkommen im Berufsleben. Personen, welche nicht den festen Willen haben, mit allem Ernst an die Arbeit zu gehen, und nicht die, dazu nötige Ausdauer besitzen, bleiben im Interesse der Wißbegierigen und Strebenden lieber fern. * * * Warum von uns nur ausländische akademische Lehrer angestellt werden? — Well wir es fordern und unsere Schüler es verlangen, um der klassischen Aussprache und der souveränen Sprachbeherrschung willen, die man nicht dadurch erwirbt, daß man eine geringere oder größere Anzahl von Jahren in allen möglichen Berufsstellungen im Auslande verbrachte, sondern die einem angeboren sein muß und die in der Bildung der hohen Schulen des Heimatlandes kultiviert werden mußte. * * ♦ Die Beteiligung an unseren Kursen wird jedermann pekuniär möglich gemacht. Wir bieten 1% Stunden aktiven und 1% Stunden passiven Unterricht in der Woche, mit dem Recht, an allen weiteren Unterrichtsgruppen als Hörer teilzunehmen, also mindestens 12—15 Stunden im Monat, bei Mehrtagskursen noch mehr. Wir erheben dagegen nur einen Monatsbeitrag von 5.— RM. Nur unsere weitverzweigte Organisation mit Sektionen in allen Städten setzt uns in die Lage, dem ausbildungsuchenden Deutschen derartige Vorzüge bieten zu können, bei normalem Monatsbeitrage, der für jedermann erschwinglich ist und gern gegeben wird für derartige Leistungen von ernsllich Vorwärtsstrebenden, und nur mit solchen müssen wir rechnen, um unseren Ruf hochzuhalten, iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini Fremdsprachkurse unter Leitung ausländischer akademischer Lehrer sollen im Oktober 1929 in Gießen eingeführt werden. Schlußtermin für Anmeldungen Donnerstag, den 10. Oktober 1929. Alle Bürger, welche sich selbst oder ihren Kindern, alle Geschäftsleute, welche chrem Haus und ihren Angestellten, alle Verbände und Vereine, welche ihren Mitgliedern eine zeitgemäße und tadellose Ausbildung zuteil werden lassen wollen, bitten wir, sich bis spätestens Donnerstag, den 10. Oktober, im Anmeldebureau, Bahnhofskolonnaden (GOA), einzuzeichnen, wo auch alles Nähere zu erfahren ist. Levdirrand Maes Äezirksgescha'stsführer ehrenamtlicher Leiter des kn Gründung begriffenen Zremdsprachklubs Gießen und Umgebung Sahnhofskolonnaden (GOA) Telephon 4124 Nr. 228 Mftes Blatt Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Samstag, 28. September 1929 Lernt fremde Sprachen! Es gibt Wohl kaum eine Frage, die schneller beantwortet werden tarnt, heißen doch die ersten Gedankenverbindungen, die wir heute an den Begriff fremde Sprachen knüpfen: „Geschäfte im Ausland und mit dem Ausland, Export, Import." So liegt auch der Hauptwert der Kenntnis fremder Sprachen für die meisten in der Möglichkeit, sic im Berufe auszunühen; in der Stellung, die sie gerade innchaben, oder auf einem Posten, den sie sich gerne erringen möchten. Zieht man noch die Vorteile in Betracht, die gutes Sprachwissen ebenfalls in reichlichem Mähe mit sich bringt, so gibt es schließlich keinen einzigen Beruf in dem Sprachwissen nicht großen Ruhen bringen würde. So gibt es schließlich niemanden, der nicht gut daran tun würde, sich für fremde Sprachen zu interessieren. Der kaufmännische Angestellte steht hier natürlich an erster Stelle, ist er doch der Mittler bei den meisten geschäftlichen Verhandlungen mit dem Auslande. 3n vielen Geschäften müssen Briefe in fremden Sprachen geschrieben, mutz mit den ausländischen Geschäftsfeunden, die nach Deutschland kommen, in ihrer Sprache verhandelt werden:-man denke nur an die Leipziger Messe, internationale Kongresse u. dgl. m. Der Angestellte, der seiner Firma hier guta Dienste leisten kann, der auf Grund seiner Kenntnisse in der Lage ist, seiner Firma vielleicht überhaupt erst einen gangbaren Weg ins Ausland zu bahnen, er kann eines klingenden Er-« folges sicher sein. Geht er dann noch in seinem eigensten Interesse dazu über, an Hand ausländischer Berichte und Zeitschriften usw. die Wirtschaftslage der Absatzgebiete zu studieren, die Produktionsstatistiken der Rohstoffgebiete zu verfolgen, so ragt er immer aus der Reihe seiner Kollegen hervor, und jede Firma wird versuchen, eine so wertvolle Kraft mit allen Mitteln zu halten. Aber alle diese Erfolgsmöglichkeiten hat der tüchtige Angestellte nur, wenn er gute Sprachkenntnisse besitzt. Auch dor Ingenieur handelt und verhandelt mit dem Auslande, reist in fremde Länder, er beaufsichtigt Bauten und Montagen, er, seine Monteure und Helfer, müssen oft fremden Arbeitern Anweisungen geben, um die Arbeiten zu fördern, er muh die fremde Fachpresse studieren, um die Fühlung mit den Fortschritten des Auslandes zu bewahren. Wie will er alle diese Bedingungen erfüllen, einen entsprechenden, gutbezahlten Posten ausfüllen, wenn er die fremde Sprache nicht beherrscht? Bei den Behörden, der Post, der Dahn, den Zollämtern, den Ministerien, auch außerhalb des auswärtigen Amtes, sind Sprachkennt- nisse in den mittleren und höheren Stellen nicht nur nützlich, sondern direkt erforderlich, wie kürzlich ein Ministerialerlaß ausdrücklich erklärt hat. Auch die vielen Mithelfer in den Bureaus, die Stenographen und Maschinenfchreiber, die fremdsprachige Briefe aufnehmen und schreiben, die Registratoren und Karteibeamten, die den Briefwechsel ordnen, auswerten, sie alle können Sprach- kenntnisse zu ihrem Ruhen verwenden. Der Auswanderer schlietzlich hat ohne Sprachkenntnisse im sremden Lande mit den größten Schwierigleiten zu kämpfen, feinem Fortkommen stellen sich, wenn er die Landessprache nicht beherrscht, die größten Hindernisse entgegen. Heute steht die Welt dem Deutschen fast überall wieder offen, von Kanada bis zu den süd- amerikanischen Staaten sind tüchtige Kräfte, z. B. aus der Landwirtschaft, sehr gesucht. Selbst die Erholungsstunden nach der täglichen Arbeit haben ihren Gewinn aus Sprachkenntnissen. Wen würde cs nicht reizen, Shaw, Holland, Claudel, um nur ein paar Ramen zu nennen, in ihrer DerMpompeWpym. Von Paul Rosenhayn. 3 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Alles blickte auf den Neger, der gesenkten Kopfes vor sich hinstarrte. „Ich möchte ein paar weitere Schritte m das Dunkel tun, das um diese Dinge liegt," sagte Staatsanwalt O'Cardigan. „Der Angeklagte hat uns erzählt, der Blitz habe in das Hausboot eingeschlagen. Nun: aus dem Grunde des Ontario-Sees sind die Trümmer des Hausboots gefunden worden. Diese Trümmer weisen Spuren von Schüssen auf. Ferner ergibt der Befund des Holzes, datz das Feuer nicht von außen, sondern von innen gekommen ist. Vielleicht kann uns der Angeklagte dieses Rätsel erklären?" Wieder schwieg Pompejus Phm: sein Dertei- digxer, der die drohende Stimmung im Saal fühlen mochte, sagte lakonisch: „Der Blitzschlag ist nur eine Vermutung von Phm. Er war unterwegs. als das Gewitter ausbrach." Eiligen Schritts kam der Gerichtsdiener auf den Richtertisch zu, eine schmale Visitenkarte in der Hand. Der Richter las sie aufmerksam und hob überrascht den Kopf. „Mir wird ein interessanter Besuch gemeldet, meine Herren. Joe Jenkins bittet um die Erlaubnis, uns ein paar Worte zu sagen." Lind indem er sich antwortheischend umsah, beschied er dem Gerichtsdiener mit einer Handbewegung: „Ich lasse Mr. Jenkins bitten!“ Der Verteidiger sah auf Pompejus Phm, der unruhig, erwartungsvoll, mit dem scheuen Lächeln aufkeimender Hoffnung, den Kopf zur Tür wandte. Er sah auf Staatsanwalt O'Cardigan, der spöttisch den Blick erwiderte; und er blickte hinüber zu Elise O'Cardigan, die in nervöser Erregung auf ihren Mann sah. Die Tür ging auf; Joe Jenkins trat ein. Atemlose Stille legte sich über den Saal. Alles blickte auf den Mann, der sich vermessen hatte, einer furchtbaren Anklage, die in allen Einzelheiten gesichert schien, eine unerwartete Wendung zu geben. Eine Beschuldigung, die erbarmungslos auf ein bestimmtes Ziel z-usteuerte, in ihven Fundamenten zu erschüttern. Der Mann, der hier eintrat, sah nicht aus wie jemand, der große Dinge vor hat. Er schien von einer eiligen Autofahrt zu kommen; der Helle Ledermantel stand halb offen, die Mühe mit der Autobrille steckte zusammengefaltet in der Tasche. Er ging lächelnd und unbefangen, während seine grauen Augen flüchtig durch den Raum schweiften, auf Richter Higgins M und gab iHm die Hand. Muttersprache zu lesen und sich ganz gefangen nehmen zu lassen von ihrer Eigenart, von Der Atmosphäre ihrer Gedanken und Ideenwelt, die nur durch ihre eigenen Worte fühlbar ist, die keine Llcbersehung, selbst die beste nicht, restlos wiederzugeben vermag. Wen lockte es nicht, auch fremde Völker ganz in ihrer Eigenart zu verstehen, ihren oft anders gearteten Gefühlsgängen nachzuspüren und so seinen Gesichtskreis, seine Menschenkenntnis um ein erhebliches zu vermehren? Auch dieser Gewinn ist nur möglich, wenn man mit den fremden Sprachen vertraut ist. ■ So lohnt es sich auf jeden Fall und für jeden einzelnen, gleichgültig auf welchem Posten er steht, sich mit dem Erwerb gründlichen Sprachwissens zu befassen. Die Frage ist nur, toie man zu gutem Sprachwissen kommt? Mit Hilfe von Selbstunterrichtsbriefen, Grammatiken und „Guten Tag, Jenkins," sagte der. „Wir sind neugierig, was Sie uns bringen werden!" Der Detektiv blickte hinüber zu Elsie O'Cardigan und lächelte ihr zu. Sie winkte freundlich zurück; aber der Ausdruck ihres Gesichts war zweifelnd und gezwungen. „Darf ich fragen, ob Mr. Mac Comb schon ausgesagt hat?" fragte Jenkins. „Gewiß," sägte der Richter. „Leider kann er nicht allzu viel bekunden. Denn er ist erst am Morgen nach der Tat von der Reise zurück- gekehrt." „Erst am Morgen nach der Tat?" wiederholte Joe Jenkins. „Dars ich den Zeugen Mac Comb am eine kleine Szene erinnern, die sich am Abend des Llnglücks zugetragen hat?" „Da wäre ich neugierig,“ sagte Glsies Vater, indem e>r auf den Detektiv zuging. „Nun, Mr. Mac Comb, vielleicht haben Sie diese Kleinigkeit inzwischen vergessen. Am Abend des 13. Iutzi, um V2IO, klingelte in Ihrem Arbeitszimmer das Telephon. Auf Ihrem Schreibtisch standen zwei Apparate: das Stadttelephon — und daneben ein kleines Mikrophon, das die Verbindung mit dem Hausboot bildete. Stimmt das, Mr. Mac Comb?" „Ja," antwortete dieser erstaunt. „Sie meldeten sich mit Ihrem Namen — Sie waren sichtlich betroffen, denn der Anruf konnte nur von Ihrer Frau, vom Schiff, kommen; mit Ihrer Frau aber hatten Sie schon seit langer Zeit kein Wort mehr gesprochen. Zu Ihrem Erstaunen aber meldete sich am Telephon nicht Mrs. Mac Comb, fonbern eine männliche Stimme." „Darf ich fragen, Mr. Jenkins," der Staatsanwalt erhob sich, „woher Sie das alles wissen?" „Nehmen wir einmal an, ein Dienstbote hätte gelauscht." „Der Dienstbote könnte im günstigen Falle die Antworten des Herrn Mac Comb gehört haben. Mcht aber die Worte des Anrufenden." „Das stimmt. Immerhin: auch das, was Herr Mac Comb geantwortet hat, ist in mancher Hinsicht bemerkenswert. Soll ich die einzelnen Antworten hier anführen? Oder will Mr. Mac Comb vielleicht freiwillig die ganze Unterhaltung wiedergeben?" Mae Comb, aus dessen Gesicht das Rot gewichen war, sagte leise: „Mr. Jenkins hat die Wahrheit gesagt. Ich will die -Unterhaltung, soweit ich sie im Gedächtnis habe, wiederholen." Der Verteidiger erhob sich mit einem Ruck. Herr Mac Comb hat uns versichert, er wisse nichts von den Einzelheiten jener Unglücksnacht. Er sei erst am nächsten Morgen heimgekehrt. Mr. Mac Comb hat demnach eine falsche- Aussage gemacht." sonstigen Lehrwerken jedenfalls nicht. Die Anwendung solcher ungeeigneter Werke bedeutet geistigen Leerlauf, Zeit- und Energievergeudung, geistige Zermürbung und Mißerfolg. Eigentlich gibt es nur zwei Wege, die zur vollkommenen Beherrschung einer Drache führen: 1. Aufenthalt im Ausland und 2. fortgesetzte Lektüre fremdsprachlicher Texte unter Leitung ausgebildeter Lehrkräfte des fremden Landes, die ihre Muttersprache in voller Höhe einer um- fassenden Bildung sprechen. Umständlich und kostspielig ist der erste Weg. Der zweite ist zugänglicher und kommt für die große Mehrzahl der Sprachinteressenten zur Zeit allein in Frage. Denn Grundbedingung für die Beherrschung einer Sprache ist, daß man sie fehlerfrei hört, bevor man sie selbst richtig zu lesen, zu sprechen, zu schreiben versucht. Mac Comb nickte. „Sie haben recht," sagte er 'leise. „Warum ich die Unwahrheit gesagt habe, werde ich Ihnen später erflären. An jenem Abend also, kurz nach V2IO, meldete sich eine männ- liche Stimme: ein Unbekannter. Er sagte: „Wollen Sie mir eine Unterredung von einer Viertelstunde gewähren, Mr. Mac Comb?" Wieder erhob sich der Verteidiger. „Ihre Frau hatte also Besuch an Bord ihres Hausbootes? Männlichen Besuch?" „Ohne Zweifel." „Was antworteten Sie?" „Ich lehnte ab. Darauf erwiderte jene Stimme: „Dann haben Sie alles, was kommen wird, sich selbst zuzuschreiben." „Was taten Sie nun?“ fragte der Staatsanwalt unruhig. „Ich hatte ein Gefühl der Furcht bekommen. Irgendein Unglück stand bevor, das sagte mir der Instinkt. Ich nahm meinen Mantel und ging hinunter zum^ Hausboot; es lag über eine Stunde vorn Hause entfernt. Als ich anlangte, stand das Doot in Flammen." „Stimmt das, was uns Mr. Mac Comb gesagt hat," wandte sich der Verteidiger an Joe Jenkins, „mit Ihren Informationen überein?“ „Ja.“, „Sie wollten uns erklären, Mr. Mac Comb, warum Sie uns vorhin die Unwahrheit gesagt haben.“ „Ja,“ sagte Mac Comb mit einem tiefen Aufatmen. „Der Grund ist traurig genug. Ich fühlte mich schuldig am Tode meiner Frau. Hätte ich an jenem Abend nicht Nein gesagt, so wäre vielleicht die Katastrophe vermieden worden." „Das läßt sich hören," sagte der Staatsanwalt. Joe Jenkins schüttelte den Kopf. „Ich finde: Mr. Mac Combs Erklärung ist völlig widersinnig. Sein Schuldgefühl wird dadurch nicht kleiner, daß er dem Gericht eine falsche Darstellung gibt — nicht größer, wenn er die Wahv- he'it sagt. Welches also war der Grund, Mr. Mac Comb, der wahre Grund, der Sie veranlaßte, eine falsche Aussage zu machen?" „Ich könnte die Beantwortung dieser Frage, die von einem Unberufenen kommt, ablehnen," sagte Mac Comb; „aber das würde vielleicht zu falschen Deutungen führen. Sie fragen, warum ich die Unwahrheit gesagt habe. Nun: ich war mir natürlich bewußt, daß ein gewisser Verdacht auf mich fallen mußte. Meine Frau hatte mich betrogen — ich hatte es erfahren — eine Eifer- suchtstat war naheliegend. Darum habe ich der Einfachheit halber gesagt, ich sei erst am andern Morgen eingetroffen. So ging ich allen Fragen aus dem Wege." Wieder nahm der Staatsanwalt das Wort. „Ich glaube im Namen aller zu sprechen» wenn Gewerbe- imd Mschinenbauschule Gießen. Ein Rückblick vor dem ttmzug nach der pestalozzischule. Die Gewerbe- und Maschinenbau- schule Gießen ist hervorgegangen aus der „Erweiterten Handwerkerschule", die durch den Landesgewerbeverein unter Mitwirkung des Hofkammerrats Hofmann in Gießen im Jahre 1837 gegründet und am 14. Januar 1838 mit 18 Schülern, welche Zahl sehr rasch auf 43 stieg, eröffnet wurde. Der Landesgewerbeverein übernahm sämtliche Kosten der ersten Einrichtungen und bestritt auch während einer längeren Reihe von Jahren alle Ausgaben für die Unterhaltung der Anstalt. Es wurde zunächst nur Unterricht im Zeichnen an den Sonntagen durch Kreisbauauf- seher S ch ä ck e r erteilt. Die Schüler genossen den Unterricht unentgeltlich, da das Lehrerhonorar nach Maßgabe der Schülerzahl von dem Landesgewerbeverein bezahlt wurde. Nachdem sich in Gießen ein Lokalgewerbeverein gebildet hatte (1841), ging die Aufsicht über die Schule, die bisher der Großh. Provinzialbaumeister geführt hatte, auf den Vorstand des Lokalgewerbevereins über. Vom Jahre 1842 an wurde auch eine Abendschule für Rechnen, Geometrie usw. errichtet, und von den zahlungsfähigen Schülern wurde Unterrichtsgeld erhoben. Die Stadt stellte nunmehr die Unterrichtslokale. In dieser Weise hat die Handwerkerschule in Gießen fortbestanden, bis deren Umbildung in eine erweiterte H a n d w erker s chu le (1877) begann. Für die erweiterte Handwerkerschule wurde ein Hauptlehrer angestellt. Diesem war vorerst die Verpflichtung auferlegt worden, auch an zwei Wochennachmittagen Unterricht in . der Handwerkerschule zu Friedberg zu erteilen. Indessen zeigte es sich bei der weiteren Entwicklung der beiden Anstalten in Gießen und Friedberg bald, datz von dieser Anordnung abgesehen werden mußte. Störend war für die Schule in Gießen, datz ihr nicht von vornherein Unterrichtslokalitäten seitens der Stadt zur dauernden Benutzung überwiesen wurden, daß vielmehr mehrfache Lokalwechsel eintraten. Die seinerzeit im Alten Gewerbehaus, Asterweg, benutzten Unterrichtslokale genügten nur notdürftig. Aus der erweiterten Handwerkerschule entwickelte sich dann die dreisemestrige Gewerbeschule mit Tagesunterricht, hauptsächlich für Schüler aus dem Baugewerbe, daneben auch für solche aus dem Metallgewerbe. Sehr glücklich für die Entwicklung der Schule war die Tatsache, datz der Gewerbeverein in der Kirchstraße im Jahre 1909 ein eigenes Gewerbehaus erstellte, in welchem 9 Schulräume zur Verfügung gestellt werden konnten. Diese Räume reichten für den Umfang der Gewerbeschule mit einer Zahl von durchschnittlich 80 Gewerbcschülern und etwa 200 Fortbildungsschülern vollständig aus. Als nach dem Kriege in allen handwerklichen Kreisen das Bestreben nach einer intensiveren Ausbildung rege wurde, nahm die Schülerzahl sehr stark zu, auch infolge der Angliederung einer viersemestrigen Maschinenbau sch ule, und es mutzten alle möglichen Räume dazu gemietet werden. Als im Jahre 1922 die Verstaatlichung des Fortbildungsschulwesens kam und hierdurch die Schülerzahl der gewerblichen Fortbildungsschule auf etwa 900 stieg, war die Raumnot so groß, daß unbedingt seitens der Stadtverwaltung Schritte zur Abstellung dieser Not getan werden muhten. Da inzwischen auch die Schülerzahl an der Gewerbe- und Maschinenbauschule auf etwa 600 gestiegen war, wurde zuerst erwogen, für diese Schulgruppen ein eigenes neues Schulgebäude in der Crednerstratze zu errichten. Später kam man hiervon ab und arbeitete Pläne aus für die Erweiterung des Gewerbehauses. Inzwischen übertrug im Jahre 1928 das „Gesetz über die öffentlichen Unterrichtsanstalten für freie und angewandte Kunst und die öffentlichen technischen und gewerblichen Unterrichtsanstalten mit Staatsunterstühung" die Trägerschaft der Gewerbe- und Maschinenbauschule auf die Stadt Gießen. Dieses Gesetz verpflichtet den Träger, für die nötigen Unterrichtsräume zu sorgen. Aus all diesen Heberlegungen und Notwendigkeiten entwickelte sich der in diesem Sommer ausgeführte Bauplan. Das ehemalige Gewerbe- Haus in der Kirch st ratze wurde von der Stadt käuflich erworben. Der Gewerbeverein selbst benutzt zur Zeit noch die früheren Räume, bis er in den ersten Stock des im Bau begriffenen Gewerbebank-Gebäudes in der Goethestrahe ein» ziehen kann. In dem Gewerbehaus und in Dem neu erstellten Anbau werden dann die gewerbliche und die allgemeine Abteilung der Fortbildungsschule und die Mädchenfortbildungsschule untergebracht, während die Gewerbe- und Maschinenbauschule die alte Pestalozzi- fchule (Stadtknabenschule) bezieht, nachdem letztere in das neue Schulgebäude in den Eichgärten umgezogen ist. Zur Zeit ist die Gewerbe- und Maschinenbauschule un> auch die gewerbliche Fortbildungsschule in dem ersten und zweiten Stock der alten Klinik untergebracht. Die eben skizzierte Lösung der Raumfrage bringt der Anstalt nun endlich die Grundlage für einen geordneten Schulbetricb. Vor allem sind die Schwierigkeiten für die Unterbringung der zahlreichen Abteilungen und der Lehrwerkstätten behoben, und zwar Maschinenbauschule mit Ingenieurkursus, Elektro-Abteilung, Abteilung für autogene Metallbearbeitung, Abteilung für Baugewerbe, Schreinerfachschule, Malerfachschule, Abteilung für Kunsthandwerker und Graphiker, Töpferei und keramische Versuchswerkstätte, Schuhmacherfachschule. Die stetige Entwicklung der Anstalt ist ein Zeichen für den Geist, der hier herrscht, und für die Tätigkeit des Lehrerkollegiums. Sie wird sicherlich auf dieser Grundlage weiter gedeihen. Freiwillige Feuerwehrleute sind keine Beamten. Sine für viele Gemeinden, aber auch für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren sehr wichtige Entscheidung hat am 16. April 1929 das Reichsgericht gefällt (Aktenzeichen R. G. 479 28), der folgender Sachverhalt zugrunde lag: Der Beklagte ist Mitglied der „Freiwilligen Feuerwehr." Bei einem Brande wurde er von seinem vorgesetzten Brandmeister beauftragt, ein Rohr schnellstens herbeizuschaffen. Auf der Fahrt zur Brandstelle stieß er mit dem Rohr so heftig gegen den Hinterkopf des auf dem Fahrdcünm gehenden Klägers, daß dieser hinstürzte und schwer erkrankte. Der Beklagte bestritt ein Verschulden und machte außerdem geltend, daß er sich zur Zeit des Zusammenstoßes als Gemeindebeamter auf einer Dienstfahrt befunden habe und daher gemäß Artikel 131 der Rcichsverfafsung nicht persönlich haftbar sei. Das Landgericht trat dieser Ansicht bei und wies den Kläger ab, nicht aber das Oberlandesgericht und das Reichsgericht. Dieses folgerte: Selbstverständlich sind die einzelnen Feuerwehrleute bei Ausbruch eines Schadenfeuers nicht nur der Polizeibehörde, sondern auch ihren unmittelbaren Vorgesetzten, dem Branddirektor und dem Brandmeister, Gehorsam schuldig. Dadurch und durch ihre ilnterorönung unter die Polizei werden sie aber nicht Beamte, weil sie nicht traft eigener hoheitsrechtlichcr Gewalt „öffentliche Obliegenheiten erledigen." Deshalb läßt fich ihre Deamtencigenschaft auch nicht aus dem Gesichtspunkts der staatlichen Fürsorge Verleiten; denn diejenigen Beamten, denen sie obliegt, sind zugleich auch mit der den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr fehlenden Befugnis zur Anwendung staatlicher Macht- oder Zwangsmittel ausgestattet. Der Feuerwehrverein mitzt auch selbst den Wehrmännern keine Deamteneigen- schäft zu. Das erhellt daraus, daß er sie gegen Drandunfälle versichert und zugleich die Haftpflichtversicherung übernommen hat. Durch die Erteilung eines Drandhilfeauf- trages seitens des Wehrführers oder der Polizei wird also zwischen der Gemeinde und dem beauftragten Mitglieds der freiwilligen Feuerwehr ebensowenig wie vorher durch feinen Eintritt in fie ein Deamtenrechts- und Beamtentreuverhält- nis geschaffen. Der einzelne Feuerwehrmann tritt lediglich zu dem Feucrwehrverein in rechtliche Beziehungen. Der Beklagte ist daher mit Recht als derjenige, der die Körperverletzung und Gesundhcitsschädigung herbeigeführt hat, in Anspruch genommen. Schadenersatzpflichtig ist er aber nur, wenn und soweit ihn ein Verschulden trifft. Ein solches hat der Berufungsrichter ohne Rechtsirrtum festgestellt. ich hier erkläre, datz niemand im Ernst an Herrn Mac Combs Schuld glaubt.“ „Ich komme jetzt zum zweiten Teil meiner Mission," sagte Joe Jenkins. „Darf ich Lilian Stone hereinholen'?" „Die Zeugin Lilian Stone ist hier?" fragte ber Richter. Joe Jenkins ging zur Tür und kam mit der jungen Dame zurück. Ihre Erscheinung, dunkelblond, helläugig, wirkte in diesem Raume skandinavisch-fremdartig. „Run, Mrs. Stone?">der Richter sah ihr aufmerksam entgegen. „Mr. Jenkins behauptet, datz Sie uns Interessantes zu erzählen hätten." Der Staatsanwalt nahm das Wort. „Niemand kann Sie zwingen, Mrs. Stone, Dinge zu bekunden. die Sie irgendwie belasten könnten. Sie haben das Recht, Ihre Aussage zu verweigern." „Mrö. Stone," sagte Joe Jenkins, „hat nicht die Absicht, von diesem Recht Gebrauch zu machen." Der Verteidiger hatte sich erhoben und war auf die Zeugin zugegangen, die verstohlen den Angeklagten betrachtete. „Ich muß eine Erklärung abgeben,“ sagte sie mit leiser Stimme, „die, so leid es mir tut, die Verstorbene in ein anderes Lichc rückt." „Was wünschen Sie, Angeklagter," wandte sich der Richter an Pompejus Pym, der mit weit- aufgerifsenen Augen auf die Zeugin starrte. „Lilian Stone," murmelte der Reger, „Lilian Stone — das war der Name, der auf jenem Brief stand. Auf jenem Brief, den ich am lln» glücksabend an Claytvn zur Post gebracht habe!" „Frau Stone — haben Sie am 14. 3uni einen Brief von Mrs. Mac Comb erhalten?" Lilian Stone nickte. „Ich machte eines Tages eine niederschmetternde Entdeckung: mein Cßer- lobter — Wilbur Perry — stand in Beziehungen zu einer verheirateten Frau. Zu Frau Manuela Mac Comb. Heimlich forschte ich nach dem Näheren. Frau Mac Comb war, darin mochte eine gewisse Entschuldigung liegen, feit fast zwei Jahren allein. Bevor sie heiratete, war sie Schauspielerin in Neuyork gewesen; mein Verlobter hatte sie zu jener Zeit an einem Broadway» Theater fennengelemt.“ „Was taten Sie, als Sie die Entdeckung machten, datz Frau Mac Comb die Geliebte Ihres Verlobten war?" fragte der Verteidiger. „Ich fuhr nach Clahton und stellte Frau Mac Comb zur Rede. Sie war außer sich: Perry hatte ihr angeblich verschwiegen, daß er verlobt war." „Ich vermute," sagte der Staatsanwalt, „datz Sie nunmehr Ihre Beziehungen zu dem Ungetreuen lösten?" (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. Oie Lage am Geldmarkt. Neben der Tatsache der Verschmelzung Deutsche Bank-Disconto-Gesellschaft bildete die Erhöhung der englischen Bankrate den interessantesten Gesprächsstoff der Börse. Die Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von England bon 5,5 um 1 auf 6,5 v. S). kam, obwohl schon längst erwartet» doch vielen überraschend. Bis dahin hatte man angenommen, daß man in London um die Erhöhung herurnkornrnen und mit Rücksicht auf den Quartalsultimo mit der Heraufsetzung des Diskontsatzes noch warten werde. Infolgedessen war die Stimmung am Geldmarkt bis Donnerstag verhältnismäßig zuversichtlich. Die Lage wurde speziell durch das fortlaufende Angebot von kurzfristigem ausländischem Geld gekennzeichnet. Wenn sich die Bank von England rasch zu dem Entschluß der Diskonterhöhung gedrängt sah, so dürfte das darauf zurückzuführen sein, daß die Goldverluste speziell in den Tagen vom 23. bis 25. September außerordentlich groß waren. Die Notendeckung war dadurch ganz erheblich zurückgegangen. Abgesehen davon, daß die Diskonterhöhung eine fehr schwere Belastung der englischen Wirtschaft darstellt, wird aber durch die Maßnahme der ganze internationale G e l d m a r k t u n d d a d u r ch w i e d e r d i e gesamte internationale Wirtschaft beeinflußt. Die nordischen Staaten sind teilweise dem Beispiel Londons bereits gefolgt, und auch in Holland und Belgien, die in engen Beziehungen zum englischen Geldmarkt stehen, dürfte die Frage der Diskonterhöhung bald aktuell werden. Weniger dagegen für Frankreich und die Schweiz, die immer noch den niedrigsten Diskontsatz auf der ganzen Welt haben. Für die Lage auf den deutschen Geldmärkten dürfte die Anziehungskraft, die London jetzt mit seinem Prozentsatz von 6,5 v. H. ausüben wird, nicht allzu belastend werden, höchstens daß sich die Faserungen für ausländisches Geld vielleicht um J bis i v. H. erhöhen dürften. Für London selbst wird sich die Diskonterhöhung wohl dahin auswirken, daß erhebliche Beträge von Neu- yark aus nach London zurückfließen. Trotzdem gibt aber die Lage, im Ganzen gesehen, immerhin zu einigen Besorgnissen Anlaß, denn die Spanne zwischen dem deutschen und englischen Diskont beträgt jetzt nur noch 1 v.H. Was die G e l d f ä tz e anbetrifft, so war Tagesgeld gestern leicht versteift, so daß sich der Satz um 1 v. H. auf 7 bis 9,5 o. H. erhöhte: es war aber im allgemeinen weiter reichlich zu haben. Geld auf einige Tage über Ultimo war mit 9,5 bis 10,5 o. H. zu hören. Monatsgeld für Börsenfirmen stellte sich überwiegend auf etwa 9} und im allgemeinen auf 91 bis 101. Für langfristiges Geld bestand nur geringes Interesse, da anscheinend die Geldgeber, bevor sie mittel- und langfristige Geldausleihungen vornehmen, die Rückwirkung der Diskonterhöhung in London abwarten wollen, besonders im Hinblick darauf, daß die Diskontspanne zwischen London und Paris jetzt 3 v. H. beträgt. Im allgemeinen ist zu sagen, daß, obgleich die Städte weiter starke Nachfrage nahmen, der Ouar- talsultimo im großen und ganzen nicht allzu schwie- .rig überwunden werden dürfte. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Zu Beginn der neuen Derichtswoche nahm die Llnsicherheit und Lustlosigkeit weiter überhand, denn man war hinsichtlich der in letzter Zeit sich anhäufenden ungünstigen Momente immer noch nicht beruhigt. 3m Gegenteil, man war so gestimmt, jede auftauchende Meldung zu glauben, was richtig bezeichnend für die jetzt bestehende katastrophale Nervosität war. Geschäft kam nur noch in einzelnen Fällen zustande, zeitweise konnte man eine fast völlige Stagnation beobachten. Aufnahmelust bestand überhaupt kaum: das herauskommende Material wurde nur zögernd ausgenommen, so daß bei der schwachen Börsenverfassung immer weitere Verluste eintraten, die so rasch nicht ausgeglichen werden können, da der schon längere Zeit bestehende Pessimismus durch neu hinzukommende Finanzaffären weiter an Boden gewann. Die Insolvenz eines Berliner Bankhauses nährte die unglaublichsten Gerüchte. Trotzdem verschiedene Dementis ausgegeben wurden, trat immer noch keine Beruhigung ein, die Lage verschlechterte sich vielmehr weiter, da die schwächeren Auslandbörsen, die ungünstigen Geldmarktverhältnisse in Neu- York, sowie der Finanzskandal in London einen nachteiligen Eindruck machte. Die Lage spitzte sich immer mehr zu, als zu guterlebt noch das Gerücht auftauchte, die Frankfurter Sparkasse von 1822 wäre in Zahlungsschwierigkeiten geraten, und zwar wurde gemutmaßt, daß dieses von jeher sehr solide Unternehmen an den Verlusten bei der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs 2I.-G. beteiligt sei. In Verbindung hiermit sprach man sogar von Schwierigkeiten bei der Nassauischen Landesbank. Die Stimmung an der Börse wurde panikartig. Nach kurzer Zeit war man in der Lage, die Haltlosigkeit der Gerüchte zu erlangen, was aber anfangs nur eine Teilberuhigung zur Folge hatte. Eine Erholung trat aber immer noch nicht ein; die Verluste wurden immer größer; denn die Affäre Hatry in London scheint weitere Kreise zu ziehen. Aber die bestehende Lustlosigkeit war trotzdem nicht gerechtfertigt; denn nach amtlichen Erklärungen dürften deutsche Qßerte kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Nur Siemens wurden hierdurch stärker berührt. Aber auch die Orderlosigkeit trug zur allgemeinen Depression bei. Die aktive Handelsbilanz im August machte gar keinen Eindruck, ebenso die höheren Kaliabsahschätzungen für den Monat September. Die Dörsensituation wurde so schlimm, daß ein Einschreiten der Danken erforderlich wurde. Dieser Beschluß und die Bereitwilligkeit der ©rofibanfen, erforderlichenfalls eine Stützung der Börse vorzunehmen, hatte einen plötzlichen Tendenzumschwung zur Folge. Auf einmal zeigte sich wieder größeres Interesse, und die in letzter Zeit so stark vernachlässigten Werte traten bei ganz erheblichen Besserungen in den Vordergrund. Die Beruhigung machte weiter erhebliche Fortschritte, wozu eine neuere Erklärung der Danken beitrug. Gegen Ende der Woche trat jedoch in Reaktion der plötzlichen Kurssteigerungen ein Rückschlag ein, zumal einige Momente Vorlagen, die verstimmend wirkten. Vor allem waren dies erneut auftauchende Befürchtungen einer evt. Diskonterhöhung der Dank von England infolge der großen Goldabzüge. Auch wieder starkes Angebot in Glanzstoffaktien — angeblich soll die geplante Kunstseidesitzung nicht stattfinden — drückte auf die Stimmung. Glanzstoff verloren sofort 13 Prozent. Die übrigen Märkte lagen nur geringfügig schwächer. Erneuter Orderinangel und ^lltimovorbe- reitungen hemmten das Geschäft. Zum Wochenschluß war die Haltung weiter stark gedrückt, da man infolge der großen Goldabzüge mit einer Erhöhung der Londoner Diskontrate rechnet. Als diese Tatsache bekannt wurde, schritt die Kulisse wieder zu Abgaben, so daß vereinzelte Werte beträchtliche Verluste aufwiesen. Glanzstoff waren jedoch gut gehalten. Auf der anderen Ce'.t: überraschte es daß Fusionsgerüchte auftauchten. Man sprach von einem eventuellen Zusammenschluß der Diskontogesellschaft und der Deutschen Dank. Dies trug etwas zur Besserung bei, so daß die Hinaufsehung der Diskontorate von England an Einfluß einbüßte. De sonders Diskontoacfellschaft waren gesucht und schnellten in die Höhe, während Deutsche Dank nur leicht gebessert lagen. Dies war aber vor allem auf das Bestreben zurückzusühren. einen Kursangleich bei den betreffenden Banken herbeizusübren. Später wurde die Stimmung wieder etwas freundlicher, und es ergaben sich überwiegend feine Besserungen. Bei einem Vergleich gegenüber der vergangenen Woche wurden die Verluste zumeist wieder ausgeglichen. Glanzstoff lagen 12 Proz. höher. Danken kräftig erholt. Geld war zum Ultimo höher und gesuchter. (8 Prozent.) Devisen lagen kaum verändert. Das Pfund erholte sich international. Auch die Mark war fester. Renten still. Nur für Schutzgebiete und besonders für Ablösungsschuld o. Option bestand recht rege Nachfrage bei anziehendem Kurs. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. An der mißlichen Lage am Frankfurter Produktenmarrt hat sich wenig geändert. Die zumeist schwächeren Auslandnotierungen verstimmten selb'.verständlich, aber es bot sich wenig Gelegenheit, bei irgendwelchen Schwanlungen die Chancen auszunuhen; denn die'Händler blieben reserviert, da vor allem immer noch die Käufer fehlten. Das Angebot an Auslandware war nicht bedeutend und dringend. Die Provinz zeigte sich bei ebenfalls großer Zurückhaltung nur wenig geneigt, irgendwelche Konzessionen zu bieten. Nur die Mühlen bekundeten vereinzelt etwas Nachfrage, aber in der Hauptsache nach Weizen. Dieser konnte gegenüber der vergangenen Woche etwas an^iehen. Die nicht gerade günstigen Saatenstanosberichte m. chten ebenfalls kaum einen Eindruck. Es traten in fast allen Getreidearten empfindlichere Verluste ein. Roggen lag stärker gedrückt. Auch Futtermittel büßten erheblich ein, da genügend Sommerfutter noch vorhanden sein dürfte. Kleie war vereinzelt etwas gesucht, so daß auch der Rückgang hier dementsprechend geringer blieb. Das schleppende Mehlgeschäft führte nach wie vor zur allgemeinen Klage. 2Iber gerade diesmal litt Weizenmehl hierunter weniger, desto mehr war Roggenmehl vernachlässigt, was aber auch mit dem Rückgang von Roggen in Zusammenhang zu bringen ist. Im Vergleich mit den Notierungen der vergangenen Woche zog Weizen eine viertel Mark an. Roggen lag 0,60 Mark, Sommergerste eine halbe Mark, Mais für Futterzwecke eine Mark, Weizenmehl eine halbe Mark, Roggenmehl eine Mark und Weizen- und Roggenkleie je eine viertel Mark schwächer. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 24,25 bis 24,35, Roggen 19,25 bis 19,40, Sommergerste 20,75 bis 21, Hafer (inl.) 19. Mais 19,50, Weizenmehl 37,25 bis 38, niederrh. 37,25 bis 38. Roggenmehl 27,25 bis 29, Weizenkleie 11 bis 11,10, Roggenkleie 11,25. Wochenbericht vom Frankfurter Schtachtviebmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt verzeichnete auch in dieser Woche wieder regeres Geschäft, wobei namentlich am Rinder- und Schweinemarkt die Ilmsatztätigkeit stärker war. Mit dem Deginn der kühlen Jahreszeit dürfte sich das Geschäft allgemein etwas heben. Auf dem R i n d e r m ar k t war die Beschickung etwas schwächer als in der Vorwoche. Die Nachfrage von feiten der Metzger und des Exports konnte jedoch befriedigt werden. Für gute Qualitäten bestand wieder verstärktes Interesse. Bei anziehenden Preisen wurde der Markt nahezu geräumt. Kälber hatten anfangs der Woche etwas regeres Geschäft auszuweisen, während am Nebenmarkt das Geschäft wieder stark nachließ, obwohl der Auftrieb etwas geringer war. Bei kleinen Preisbesserungen konnte der Markt geräumt werden. Schafe hatten in dieser Woche trotz des erheblich größeren Auftriebs reges Geschäft. Die Preise konnten zu Beginn des Marktes stärker anziehen, gaben aber im Verlaufe ihren Preisgewinn wieder her, so daß die Notierungen gegenüber dem letzten Nebenmarkt bis zu 2 Mark niedriger lagen. Nur beste Mast- hämmel erzielten Preise über Notiz. Am Sch Weinemarkt war die llmsahtätigkeit ziemlich lebhaft; bei wenig veränderten Preisen wurde ausverkauft. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1552 Rindern, darunter befanden sich 294 Ochsen, 96 Bullen, 649 Kühe und 380 Färsen, ferner aus 1652 Kälbern, 555 Schafen und 4981 Schweinen. Im Vergleich mit dem Austrieb der vergangenen Woche waren 255 Rinder und 75 Kälber weniger angetrieben, während 154 Schafe und 60 Schweine mehr zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Marl: Ochsen a 1) 60 bis 62, a 2) 55 bis 59, b)50 bis 54. Dullen a) 54 bis 57, b) 49 bis 53. Kühe a) 46 bis 49, b) 42 bis 45, c) 37 bis 41, d) 30 bis 36. Färsen a) 60 bis 62, b) 55 bis 59, c) 50 bis 54. Kälber b) 73 bis 81, c) 74 bis 77, d) 66 bis 73. Schafe a) 46 bis 50, b) 40 bis 45, c) 30 bis 39. Schweine b) 83 bis 90, c) 89 bis 91, d) 88 bis 90, e) 86 bis 89. Verglichen mit den Preisen der letzten Woche konnten Rinder bis zu 2 Mark und Kälber zu 1 Mark anziehen, während Schafe geringfügig nachgaben. Schweine blieben gut behauptet. * Geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit. Vom 31. August bis zum 15. September ist die Zahl der Haupchnterstützungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung von rund 726 000 auf 735 000, also um 9000 oder 1,3 Prozent gestiegen. Diese Zunahme erstreckt sich allein auf die männlichen Hauptunterstühungs- empfänger, die um 16 000 Personen angewachsen sind, während die unterstützten Frauen um 7000 abgenommen haben. Diese verschiedenartige Entwicklung bei den beiden Geschlechtern dürfte größtenteils auf die Belebung in denjenigen Industriezweigen zurückzuführen sein, die besonders weibliche Arbeitskräfte beschäftigen. Die Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenunter- stühung haben in der ersten Septemberhälfte um rund 2000 Personen zugenommen. Ihre Zahl belief sich daher Mitte des Monats auf rund 159 000. * Heber 5 Milliarden in den preußischen Sparkassen. Nach amtlichen Ermittelungen bezifferten sich die Einlagen in den preußischen Sparkassen Ende August auf 5178,1 Millionen. Durch Vergleich der Ein- und Rückzahlungen ergibt sich ein Zuwachs von 88,8 Millionen. Der Bestand der Giro-, Scheck-, Kontokorrent- und Depositeneinlagen stellte sich zur Derichtszeit auf 888,8 Millionen Mk. * Die Oesterreichische Nationalbank erhöht die Dankrate. In der gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten und Dundesministers a. D. Dr. Richard Reisch abgehaltenen Sitzung des Generalrates der Oester- reichischen Nationalbank wurde nach dem Antrag der Geschäftsleitung im Hinblick auf die Iproz. Hinaufsetzung der Dankrate in London beschlossen, den Zinsfuß für den Eskompt von Wechseln, Warrants und Effekten mit Wirksamkeit ab 28. September l. I. von V/2 auf 8V2 Proz. zu erhöhen. Entsprechend der Erhöhung der Es- kompträte wurden auch die Sähe im Darlehensgeschäft um 1 Proz. hinaufgeseht. * Elektrizitäts-A. -G. Dorrn. W. Lahrn e h e r & C 0., Frankfurt a. M. In der gestrigen Aussichtsratssihung wurde die Bilanz nebst Gewinn- und Derlustrechnung für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 1928/29 genehmigt. Der äleberschuh beträgt einschließlich Vortrag aus dem Vorjahre 2 440 139 (i. D. 2 032 869) Mark, woraus wieder 6 Prvz. Dividende auf die Vorzugsaktien und 12 (i. V. 10) Prozent auf die Stammaktien verteilt werden sollen. Die G.-V. findet Anfang Noveknber statt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 28. Sept. Tendenz: geschäftslos. — Zum Wochensckluß eröffnete die Börse ausgesprochen geschäftslos, da sich der bestehende Ordermangel stark fühlbar machte. Auch ging von der gestrigen schwachen .icuqorter Börse eine starke Verstimmung aus. Dies wirkte sich aber in der Kurs- geftaltung wenig aus, da von der letzten Bankfufion und neuen Fufionsgerüchten eine gewisse Widerstandsfähigkeit ausgeht. Nur in Bankwerten war das Geschäft etwas lebhafter. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich bei wenig zustande gekommenen Erstnotierungen zumeist Aenderungen in geringem Umfange. Die Allgemeintendenz war nicht unfreundlich, doch blieb die Spekulation äußerst reserviert. Die Verschlechterung am Arbeitsmarkt und die weiteren Goldabgaben der Bank von England konnten vorläufig keinen bemerkenswerten Eindruck machen. Am Elektromarkt eröffneten AEG., Chade- attien, Schuckert und Siemens leicht gedrückt. Etwas Interesse bestand weiter für Elektrische'Lieferungen mit plus 2 v. H. Glanzstoff waren bei einem Verlust von 3 v. H. wieder etwas stärker angeboten. Montanwerte fast geschäftslos. Chemiewerte lagen leicht gebessert. Auch am Schiffahrtsmarkt war das Geschäft auf verfrühte Fusionsversionen nicht mehr so lebhaft, doch eröffneten diese Werte eine Kleinigkeit hoher. Das Hauptinteresse an der heutigen Börse konzentrierte sich aus dem schon erwähnten Grunde auf Bankwerte. Führend waren Dresdner Bank mit plus 3,5 0. H. Deutsche Bank und Disconto-Gesell- schäft eröffneten je 1,75 0. H., Bayrische Hypothekenbank 1,5 v. H. hoher, während Commerzbank 1,5 v.H. nachgaben. Renten still, Schutzgebiete leicht erhöht. Neubesitzanleihe etwas schwächer. Im Verlause wurde das Geschäft allgemein etwas lebhafter. Die Stimmung war freundlich, die Spekulation zeigte einiges Deckungsbedürfnis zum Wochenschluß, so daß sich das Kursniveau heben konnte. Gelsenkirchen zogen 2 v. H., Siemens 2,5 v. H., Schuckert 1 v. H. und Stahlverein 1,25 v. H. an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 0. H. notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1900, gegen Pfund 20,365, London gegen Kabel 4,8530, gegen Paris 123,83, gegen Mailand 92,71, gegen Madrid 32,75, gegen Holland 12,0950. Berliner Börse Berlin, 28. Sept. Die unter Schwankungen schwache gestrige Reuyorker Börse wurde im heutigen Vormittagsverkehr als Hauptverstimmungsmoment genannt. Außerdem fanden die anhaltenden Goldabzüge aus England, eine Verschlechterung der Arbeitsmarktlage und das Dementi der Hapag hinsichtlich der.Freigabegerüchte Beachtung. Nicht ganz ohne Einfluß auf die Stimmung blieb ferner die Sklarekaffäre, zumal man nicht weiß, ob nicht noch Börsenengagements bestehen, die hierdurch zur Auflösung kommen könnten. Bei fast vollkommener Geschäftslosigkeit zeigten dann die ersten offiziellen Notierungen der heuti m Samstagbörse abbröckelnde Tendenz. Die Banken brauchten aber kaum zu intervenieren, da an keinem Markte nennenswerte Ware herauskam. Einige Werte verloren 1 bis 3 v. H., Svenska 3 Mark und Polyphon 7 v. H. Schiffahrtswerte, aber besonders Kanada-Zertifikate, eröffneten auf angeblich enttäuschte Freigabehoffnungen ebenfalls schwächer. Deutsche Anleihen abbrockelnd. Ausländer geschäfts- los. Am Pfandbriefmarkt herrschte Widerstandsfähigkeit. Der Geldmarkt war weiter versteift. lagesgelb 8,75 bis 10,5 v. H., Geld über Ultimo 9 bis 10,5 v.H., Monatsgeld 9,25 bis 10,5 v. H. Für Warenwechsel erfuhr man keinen zuverlässigen Satz. Das Geschäft wurde, vom Bankenmarkt ausgehend, allgemein lebhafter. Außer Deckungen konnte man am Elektro-, Schiffahrts-, Kali- und Bankenmarkt auch lebhafteres Interesse beobachten; das Kursnioeau hob sich um 1 bis 3 v. H. Trab zunehmender Glattstellungen seitens der Spekulation zum Wochenschluß blieb die Stimmung freundlich, und das erhöhte Kursniveau konnte sich im allgemeinen behaupten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankfurt a M. Berlin Schiub- Kurk i-Utjr Kurs Schiub- Nurs Anfang- Kur) Datum 27-9. 28 9. 27-9. 28.9. 6% Dt. Reichdanleihe v. 1927 . Dt. Anl.-Ablöi.-Lchuld mit Au» 87,5 — 87,5 — los.-Rechten........ 53,4 — 53,25 53,2 Tekgl. ohne AuSios.-Rechte . . . 7% Frank! Hyp -Bk. Goldpf. un 10,3 10,1 10,1 10 kündbar bis 1932...... V/i% Rheiniiche Hyp.-Bank Ltyu Gvibpj............ 85,5 — — 76,9 — — O.G.QJ. ahg. VorkriegS-Obligation. rückzahlbar 1932 88 — — 4% Schweiz. Bunde«b.-Anl.. . — — — — 4% Lesterretchilche Boldrte.. . 27,75 — 27,25 — 4,20% Lestcrr. Silberne. . . 2,35 _ 2,3 — 4% Ceflerreld). elnheitl. Rtr — — 4% Ungariidic (MolOrte..... 22 22,1 22 — 4% Ungarijche Siaatsr. v. 1910 . 19,75 _ 4y,% öeügl. von 1913..... 21,5 21,75 —— 4% Ungarische flroncnrte.. . . 1,8 — 1,8 1,75 4% Lück. HoUanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. i ,25 — Serie 1........... 7,25 — 1,35 _ 4% beffgl. Serie II...... 7,25 — 7,35 _ 4% Rumünen convert. Rte. . . . 7,45 7,4 4y,% Rumänen (Solbanl. von 1913 14,9 — 15 — eilig. Deutsche Eilend abu . . «y, Hamburg-Amerika Paket ... 7 Hamb.-Sübam. Dampffch. . . 8 Hanta Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 illlg. Deutsche (JteBitanfL . . 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handeldgclellsch. . - 12 Commerz- und Privat-Ban! . 11 Darmst. u. Notionalbant . 12 Deutjche Bank......10 Di-konio-Aciellschast Ant.. - 10 Dresdner Bank......10 Metallbau i...... • • ♦ 6 Reichsbank ..«••••• 12 119 119,25 120 118,5 — 181 —- — 161 — 11.25 111,4 H1,5 109 127 —- 127 126,75 129 — 128,5 128,5 -12 —— 909,75 210,25 81,75 180,25 180,7. 180,25 272,25 272,5 72,25 271,5 165,25 167 165,25 «— 165,25 167 165,25 166 161 164,25 161 163 291,5 — 291 290 Frankfurt a Berlin < chiub- Kurs kUür Schiub! Kurs I Anfang. Kur Datum 27-9. 28 9. 27-9. 28-9. A.E.G...........c Bergmann.........0 (Sieht. Lieferungen.....io Licht und Kraft......1° Felten L Guilleaume. . . . ?y, Gel. f. Elektr. Untern.. . . . io Hamb. Elektr. Werke .... io Rhein. Elektr.........9 Schlei. Elektr........io Schuckert.........11 Siemens & Halske.....16 Transradio ......... 8 Lohmeyer 4 To. ..•••• 10 Buderus...... 5 Deutsche Erdöl ...... 6 Esfener Steinkohle ...... 8 Geilenkirchener ...... 8 Harpener....... . . • 0 Hoefch Eilen........6vj Ulfe Bergbau.......10 Kiöcknerwerke........ Küln-Ncueffen........7 Mannesmann........7 ManSfelder.........7 cberich'.ef. Eilend. Bedarf . . . Oberfchlei. KokSwcrke.....7 Phönix Bergbau......6Vt Rheinische Braunkohlen. . . 10 Rheinltahi........6 Riebeck Montan...... Beceinigte Stahlt» .... Otavi Dtinen......167. Kali Atcheröleben.....i Kali Westeregeln......u Sollwert Salzdetfurth ... 15 fl. ®. Farben^ndustrie ... 18 Dynamit Nobel.......6 Schelveanslalt. . ......9 Goldschmidt ........5 RütgerLwerke ........ 6 Melallgesellschaft. ...... 8 191) 222 169 203,5 135,5 203,5 223 374,75 177 72,25 112,75 139 215 114,25 111 133,5 106 273 119,5 113,25 228,75 234,5 386 213,75 152,75 73 79 126,25 189,75 171 222,5 374 177 272 214 189,25 220,5 169,5 202 135,5 202,75 144 182,5 221,25 372,5 141 175,5 72 113,25 140,75 139,5 143,75 128 215,5 114,5 124,4 111,25 132,13 81 102,4 105,75 273,13 U9J> 113,75 69,5 228 233 386 1 13,4 101 73 78,9 26,75 189,25 220,5 169,5 201,25 135,75 203 143,5 144 221 372 177 71,75 112,5 138,25 138,25 128,6 214,5 114,25 123,75 109,13 132,4 102,5 104,9 272,5 119,5 113,25 69,25 233 383,5 212,25 102,25 70,25 79,25 Banknoten Frankfun a <. Berlin schiub- i-Uhr Schiub- Anfang. Kurs flnr Kurs Kurs Datum 27.9. 28-9. 27.9- 28 9. Pyutpo Hoizmann .... • • • 99,0 — 99,5 98,75 HetdeiberaerEement. . . . 11' 126,5 — — — Eement iiarlstadt .... . 1«' 180 —— — — Wayb 4 .vreltog..... . s — — — — Schultheis Patzenhofer . . . 1: — — 286,5 285 Ostwerke........ . 18 — — 225 224 Per. Glanzstoff..... . 1« 307 304 306,, 303 Bemberg........ 14 — — 245 243,5 Zelistof. Woldhos .... io y» — — 230,75 230,25 Zellstoff Aschaffenburg . . 2 — — 149,75 148,5 Eharloilcnburger Wager . . . 8 — — 100 98,25 Deiiauer Gas...... . . S — — 183,75 182,5 Daimler Motoren .... — — 44 44 Deutlche Maichinen-Fabrtk — —— 51,5 51,25 Adlerwerte Kleoer .... . . 0 41 — 41 — Ludw. Loewe...... . 11 — — 194 193,5 Rat. Automobil..... , . 1 — — 22,5 — Lrenslcin 4 Koppel . . . . . 6 — — 82,25 82,5 Leonhard lieg..... . 10 — — 193 194,5 Bamag Meguin..... . . 0 — — — Frankl. Maichinen .... . . 4 .0,5 — 51 — Gritzner...... • . . 6 58 — 56,75 — Heyllgenstaedt..... 3,7 — ■ — Funghans........ Lechwerke. ...... . . 6 . . »- 106 106 57,5 — Maintrailwerke..... . . 8 i06,3 —— — — Miau....... . . . . ll 128 — 126,25 126,25 Dlelanulmer...... . . f — — — — Peters Union...... . . 8 — — — — Gebr. Roeder...... . ll 108,5 — —— — Boigi & Haeffner .... . . 9 222 — 222 — Südd Zucker...... . 10 158,5 — 157,5 —- Berlin, 27- September Geld Brief Amerikannche Noten..... 4,18 4,20 Belgische Noten ....... 58,10 58,34 Dänische Noten ...... 4 111,48 111,92 (rnalüctie Noten ....... 20,302 20,382 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphitche Auszahlung. Berlin, 27. September Geld Brief Französische Noten - 16,405 16,465 167,88 168,56 italienische Noten...... 2L97 22,05 Norwegische Noten ..... 111.48 111,92 Deutsch Oestcrr , a 100 Kronen 58,78 59,02 Rumänische Noten...... 2,482 2,502 Schwedische Noten...... 112,08 112,52 80,72 81 94 Spanische Noten....... 61,78 62^02 Tschechoslowakische Noten . . 12,38 12,44 Ungarische Noten 72,90 73,20 27. September 28. September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brie Geld Bries Ami't.-Non. 168,18 168,52 168,24 168,58 Buen.-AireS 1,758 1,762 1,759 58,365 1,763 Brss-Antw 58,31 58,43 58,485 Cbristiania. 111,69 111,91 111,69 111.91 Kopenhagen 111,73 111,95 112,54 111,76 111,98 Stockholm . 112,3z 112,32 112,54 Hcliingfors. Italien. . . London. - . 10,535 21,945 10,555 21,985 10,535 21,94 10,555 21,98 20,336 20,376 20,343 20.383 Neunork . . 4,1920 4,200u 4,1920 4,2000 Paris.... ,6.415 16,455 16,43 16,47 Schwei, . . 80,825 80,985 80,85 81,01 Spanten . 62,01 62,13 62,03 62,15 Japan . . - 2,008 2,012 2,008 24)12 -Hiß de Jan .4975 0,4995 0,497 0,499 Wien in D-- Seit- abgest 38,95 59,07 58,95 59,07 Prag . . . 12,411 12,431 12,41 12,43 Belirad . . / ,383 7,397 7,385 7.399 Budapest. . .3,11 73,25 73,14 73,28 Bul arten 3,035 3,041 3,035 3,041 Liffabon 18,73 18,77 18,73 18,77 Danzig. . . dl, 36 81,52 81,34 81,50 Konstantin- ,025 2,029 2,024 2,028 Athen. . - 5,425 5,435 5,425 5,435 Canada 4,159 4,167 4,159 4,167 Uru uat) . > 4,096 4,104 4,096 20,865 4,104 20,905 Cairo . . - 20,86 20,90 Großer T eppich-Ausverkauf Wegen Erweiterung meines Tapeten- und Linoleum-Geschäftes unterstelle ich mein gesamtes Lager in: Teppichen, Bettvorlagen, Verbindungsbrücken, Läuferstoffen, Chaiselonguedecken, Fellen, Reise- und Autodecken einem großen Ausverkauf Bedeutend herabgesetzte Preise! 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Mehr Aerzte in alle Parlamente! sollte es deshalb bei den bevorstehenden Wahlen heißen, deren Ausfall von weittragender, ja entscheidender Bedeutung für lange Zeit sein wird. Eine auffallende Erscheinung der derzeitigen Marktlage sind nicht nur die geringen Preise, sondern vor ollen Dingen die geringe kauf- tust, die es dem Landwirt unmöglich machen, sich durch Berkaus von Getreide Barmittel zu verschaffen. Der Roggen ab so tz ist bei dem geringen nationalen Verständnis für den Verbrauch von Er- zeugnissen der einheimischen Landwirtschaft in hiesiger Gegend besonders schwierig, da nur vereinzelt Großmühlen noch vorhanden sind, die überhaupt Roggenmchl Herstellen. Die Mehrheit der Großmühlen befaßt sich heute nur mit der Herstellung von Weizenmehl. Bei dem durch die lang anhaltende Hitze in diesem Jahre stark gesteigerten Bierverbrauch hat der Notruf der hessischen Landwirtschast. Oer Dorstand der Hessischen Landwirischastskarnrner zu der Lage der Landwirtschast Landwirt bestimmt auf einen guten Absatz seiner Braugerste gerechnet. Das Gegenteil ist der Fall. Trotz des anzunehmenden Bedarfs ist Braugerste kaum abzusetzen. Nachfrage besteht fast nicht. Man kann es deshalb verstehen, wenn in den Kreisen der braugerstebauendcn Landwirte die Ausfassung vertreten wird, daß hier Bestrebungen ihre Auswirkung haben, die einen niedrigen Brauaerste- preis zur.Folge haben sollen. Während die Braugerste im Monat August des Jahres 1913 17,25 Mk., in 1927 26,32 Mk. und 1928 27,69 Mk. kostete, war der Durchschnittspreis für denselben Monat im Jahre 1929 nur 22 Mark. Außer bei Getreide sind auch bei Kartoffeln die Preise sehr niedrig. Das O b st ist in vielen Fällen überhaupt nicht, oder oft nur zu solchen Preisen abzusetzen, die eine Aberntung nicht lohnen. Für einen Teil des Gemüses liegen die Verhältnisse gleich ungünstig. Die G u r k e n e r n t e ist in vielen Gemarkungen eingestellt, da die Preise nicht einmal die Erntekosten decken. Zu dieser allgemeinen ungünstigen Preislage kommen noch die Folgen einer feit Jahren nicht beobachteten Trockenheit, die nicht nur eine große Mißernte an Grün- und Dürrfutter, sondern auch an Rüben zur Folge hat. Dem Landwirt ist es kaum möglich, mit seinem Futter- vorrat feinen Viehbestand zu erhalten. Die Rindoiehpreise sind gering, Zuchtvieh kaum abzusetzen. Die Milchpreise stehen in keinem Verhältnis zum Milchertrag und dem Aufwand für Futtermittel. Die Aussichten für eine normale Kartoffel- ernte sind infolge der seit Woä)en anhaltenden Trockenheit gering. Alles zusammengefaßt ergibt sich ein äußerst ungünstiges Bild über die derzeitige Lage der Landwirtschaft. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer bedauert, daß bis jetzt seitens der Reichsregierung besondere weitere Maßnahmen zur Behebung der Notstände nicht getroffen sind. Die Landwirtschaft erkennt dankbar an, was von der Reichsregierung mit der Durchführung des Notprogramms zur För- derung der Landwirtschaft beabsichtigt ist. Zum großen Teil können sich diese Maßnahmen, z. B. soweit sie die Organisation des Absatzes und der Standardisierung betreffen, erst in einigen Jahren auswirken. Die hessische Landwirtschaftskammer macht ferner darauf aufmerksam, daß alle Maßnahmen zur Verbesserung des Absatzes und der Schäftung von Markenware so lange nicht zu einer Besserung der Lage der Landwirtschaft führen können, als nicht alle einheimischen Zweige der Landwirftchaft, und zwar nicht nur der Getreide-, Rüben- und Kartoffclbau, sondern vor allen Dingen auch der Obst-, Gemüse- und Weinbau, sowie die Viehzucht und Milchwirtschaft einen ausreid^nben Schuh gegen die Einfuhr aus dem Auslande erhalten. Jede Mühe des deutschen Landwirts. Obstund Gemüsebauers, sowie des Winzers ist erfolglos, wenn ihm nicht für feine Erzeugnisse, auch Markenerzeugnisse, ein Preis gezahlt wird, der für seinen Betrieb wirtschaftlich ist. Die diesjährigen Preise für die Mehrheit der landwirtschaftlichen Er- zeugnisse bleiben weit hinter diesen Forderungen zurück. Die Einfuhr aus dem Ausland drückt die Preise inländischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse unter die Erzeugungskosten. Gegen die zum Ausdruck gebrachte Auffassung, daß in erster Linie die von Kleinbauern betriebenen Sonderzweige der Landwirtschaft (Wein-, Gemüsebau, Milchwirtschaft) zu fördern feien, da damit der Mehrheit der landwirtschaftlichen Kleinbetrieb« geholfen würde, und kein besonderes Interesse vorläge zur Unterstützung der vorwiegend getreidebauenden größeren Betriebe, weist der Vorstand der Landwirtschaftskammer mit allem Nachdruck darauf hin, daß der Klein - und Mittel- l betrieb ebenso wie der größere Betrieb an der Gesamtlage der Landwirtschaft inArbeiterkolonie Aeu-Michstein. Jahresversammlung des Vereins zur Beschäftigung Arbeitsloser. Dieser Tage sand in der Arbeiterkolonie Veu-Lllrichstein bei Homberg an der Ohm die diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins für Hessen und Hessen-Vas- fau zu r Beschäftigung Arbei tsloser statt. An der gut besuchten Versammlung nahmen u. a. Ministerialrat Linkenheld (Darmstadt), Oberkirchenrat Wagner (Gießen), die Provinzialdirektoren G r a e f und Gebhardt, Landesrat H ä r i n g von Kassel, Regierungsrat Strack von Alsfeld, Stadtdirektor Schrauth (Darmstadt) und der evangelische und katholische Anstaltsgeistliche teil. Der Vorsitzende, Geheimrat Best (Darmstadt), berichtete über die Entwicklung der Arbeiterkolonien, die meist nach dem Vorbild der zuerst von Dodelschwingh ins Leben gerufenen Kolonien Wilhelmsdorf und Bethel bei Bielefeld eingerichtet sind. Die Arbeiterkolonien wollen arbeitswilligen, aber arbeits- und heimatlosen Männern Heimat und Arbeit und Willensschwächen Vaturen sittlichen Halt bieten und sie zu einem geordneten Leben zurückführen. Der Gedanke, Arbeit statt Almosen zu gewähren, hat in ganz Deutschland zur Errichtung von Arbeiterkolonien geführt. 3n den 47 Kolonien finden zur Zeit rm ganzen 6700 Kolonisten Wochen-, monate-, ja selbst zahre- lang Llnterkunst, Verpflegung und eine ihren Kräften angemessene Arbeit. Die Landwirtschaftsbetriebe der Kolonien sind meist mustergültig Lurchgeführt und erzeugen nicht nur die zum Selbstverbrauch der Kolonisten nötigen Werte, sondern führen auch große Mengen von Vah- runqsmitteln der Gesamtheit zu. Tausende werden durch ihre Hilfe davor bewahrt, daß sie auf den Landstraßen oder dem Pflaster der Großstadt verkommen. , . , Die Arbeiterkolonie ^eu-Lllrrch- st e i n ist von dem Verein für Hessen und Hessen- Vassau zur Beschäftigung Arbeitsloser im Jahre 1885 auf dem Hofgut Veu-Lllrichstein bei Homberg a. d. Ohm errichtet worden. Die Aecker und Wieseii wurden melioriert, die baulichen Anlagen erweitert, ausgebaut und für die besonderen Zwecke der Kolonie eingerichtet. 1916 ging das Gut käuflich in das Eigentum des Vereins über. tercf fiert ist. Das Interesse der Kleinbesitzer an einem ausreichenden Getreide-, Vieh», Kartosfel» usw. Preis ist dasselbe wie beim größeren Land« wirt. Der Vorstand der Landwirtschastskammer hält di« Bekanntgabe der Lage der Landwirtschaft in aller veffentlichkeit für notwendig, da in weiten Kreisen der Verbraucher ein wirkliches Verständnis für die schwierige Lage der Landwirtschaft nicht vorhanden ist Er fordert den deutschen Verbraucher auf, im Interesse der gesamten nationalen Wirtschaft nur solche landwirtschaftliche Erzeugnisse zu oer* brauchen, die der deutsche Boden hervorbringl, und nicht Auslanderzeugnisse. Er fordert ferner von allen dazu berufenen Stellen, daß schleunigst die Maßnahmen getroffen werden» die die Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe möglich machen. Insbesondere ist es notwendig, dafür Sorge zu tragen, daß den Landwirten der Absatz ihres Getreides zu einem rentablen Preis« möglich gemacht wird durch eine wirkungsvoll« Durchführung des Bei« Mahlungszwanges, damit die Beimahlung von Jnlandsweizen - gleichmäßig sich auf das Jahr verteilt. Er fordert ferner in kürzester Frist die Schaffung von Lagerscheinen und wenn nötig von Lagerhäusern, die dem deutschen Land- wirt die Beleihung seines Getreides möglich macht, ohne es zu niedrigen Preisen abgeben zu müssen. Er ist ferner der Auffassung, daß es Ausgabe der Getreidehandelsgesellschaft ist, in umfangreicherem Maße wie seither den Aufkauf von einheimischem Getreide auf dem freien Markt durchzuführen, um dadurch den Bestrebungen der heut« weniger kauflustigen Kräfte entgegenzutreten. Die ausreichende und schleunigste Bereitstellung von Mitteln, die im Reichshaushalt vorgesehen sind für den genanntem Zweck, ist dringend erforderlich. Reichsregierung und Parteien des Reichstages werden gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß die Einfuhr von Auslandgetreide aller Art bei dec hervorragenden deutschen Ernte gemindert wird. insbesondere kann die Einfuhr von Futtergetreide beschränkt werden. Die noch in großem Ausmaße vorhandene Ein* fuhr von Gemüse (Tomaten usw.) und Obst (Weintrauben usw.) wird noch begünstigt durch entgegenkommende Abfertigungsbestimmungen der deutschen Reichseisenbahn beim Umschlag von aus dem Ausland eingeführten Erzeugnissen, und die Umstellung in der Milchwirtschaft wird erschwert durch die dauernd große Einfuhr milchwirtschaftlicher Erzeugnisse aus dem Ausland. Di« Handelsverträge mit bestimmten Staaten begünstigen die Einfuhr von Dieh zum Schaden der heimischen Landwirtschaft. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer mutz ferner mit Bedauern feststellen, daß die begünstigt« Einfuhr von ausländischen Erzeugnissen einen großen Schaden für di« Erzeuger bedingt, aber dem deutschen Verbraucher keinen Vorteil bringt Zu der vorstehend geschilderten ungünstigen Marktlage landwirtschaftlicher Erzeugnisse kommen die steigenden Schwierigkeiten der Kreditbeschaffung. Die Beschaffung langfristiger Kredite" ist durch bi« geringe Ausnahme. Fähigkeit des Geldmarktes für Pfandbriefe oder Obligationen entweder unmöglich gemacht, oder nur zu untragbaren Geld- und Zinssätzen durchführbar. Persönliche Kredite können nur in geringem Umfange gewährt werden. Die Landwirtschaft ist am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Schnelle durchgrer- sende Hilfe ist erforderlich, soll nicht eine dauernde Schädigung unserer gesamten nationalen Wirtschcftt eintreten. landsweizen hat die Möglichkeit geboten, daß sich die Bäckereien in umfangreicher Weise für längere Zeit mit Mehl und die Mühlen in größerem Umfange mit Inland- und Auslandweizen versorgen konnten. Die Getreideläger der Mühlen sind überfüllt mit Getreidemengen, die sie vor Erhöhung des Zolles und der gesetzlichen Festlegung des Bei- mahlungszwanges eingelagert haben. Diese Maßnahme hat nun zur Folge, daß die Nachfrage nach Mehl durch die Bäcker gering ist. Die Mühlen, bestrebt, nur in dem Maße wie sie Mehl absetzen, deutschen Weizen herein'zunehmen, kaufen deshalb nur in geringem Umfange. Dazu kommt, daß die Angebote der deutschen Landwirtschaft aus Kapitalmangel groß sind. Am Frankfurter Markt wird der Weizen aus Gegenden angeboten, die in der Regel kein Getreide auf dem Frankfurter Markt zum Verkauf bringen. Die angegebenen Verhältnisse bedingen eine Zurückhaltung der Mühlen beim Ankauf von Weizen. Die Landwirtschaft hat ferner das Gefühl, daß nur einige wenig« Mühlen die Aufkäufe am Markt tätigen, demgegenüber eine große Anzahl von Verkäufern stehen. Naturgemäß muß ein solches Ueberangebot gegenüber «irrigen wenigen Käufern, in Verbindung mit den obengenannten Erscheinungen, zu einem Preisdruck des Getreides führen. Der Vorstand der Hessischen Landwirtschastskammer befaßte sich in seiner letzten Vorstandssitzung besonders mit der derzeitigen Lage der Landwirtschaft. Ucbereinftimmenb wurde hierbei fest- gestellt, daß die Lage der Landwirtschaft noch nie so schwierig gewesen ist, wie in der gegenwärtigen Zeit, infolge von Mißernten und ungünstigen Preisen. Nachdem schon in den letzten Jahren die Landwirtschaft gezwungen war, eine erhebliche Schuldenlast aufzunehmen, ist die Hoffnung, bei der diesjährigen gut eingebrachten Mittelernte eine entsprechend« Einnahme zu erzielen, vorerst zunichte gemacht worden. Die landwirtschaftlichen Betriebe, die in ihrer Mehrheit schon im Laufe des Jahres nicht über die erforderlichen Barmittel zur Deckung der wichtigsten Ausgaben verfügten, sind jetzt gezwungen, um nur die dringlichsten Schuldverpflichtungen zu erfüllen und um Barmittel für die Unterhaltung des Betriebes au erhalten, ihre Getreideernte an den Markt zu bringen.. Die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. wie Getreide, Kartoffeln. Gemüse. Obst, wein, bleiben weit hinter den Vorkriegspreisen zurück unter Berücksichtigung der Geldentwertung und der hohen Steuern und Abgaben, sowie sonstiger Lasten, ganz abgesehen von den erhöhten Ausgaben für den landwirtschaftlichen Betrieb und die Bedürfnisse des täglichen Lebens. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer nahm Kenntnis von den durch die Geschäftsführung feit- bet Anstalt statt, bei der die Mitglieder sich anerkennend über die Einrichtungen aussprachen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. M Das ist keine Übertreibung! Sie werden es selbst bestätigen, wenn Sie © zum täglichen Geschirrabwaschen benutzen, wenn Sie © zur Reinigung aller stark verfetteten Haus- und Küchengeräte aus Glas, Porzellan, Metall.Holz undStein versuchen.wenn Sie sehen, wie rasch © das Fett auflöst und strahlende, blitzende Sauberkeit zurückläßt, wenn Sie sehen, wie vielseitig diese neuartige Hilfe ist. die alles viel schöner und gründlicher macht, als je ein anderes Mittel zuvor. 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