locken Spezialgeschäft .Grade er Straße 19 MBIERs ??7 Ssm ^ssdiutz Endung men bietet ® ckemo^i *BS5, '*■ - Für Seid bis zu /»Brho- mi Gebirge. !ten KrankenKaaeon ÄM K-S SS* MltchiL mögen der offenen han< n Münchow'fche Union- Io Kindl in Gießen wirb li 1929, nachmittags 4.30 -„erfahren eröffnet, da sii Fähigkeit und ihre Zah- dargetan bat. i Louir Allhoss sen. io m Konkursverwalter er- 5573D ingen sind bis zum dem (Beruht anzmelden. Befchlußfasfung über du es ernannten oder du ren Berwalters sowie über ints Wubigerausschusse- falls über bie im § 132 ina bezeichneten (Segen- t der a^tmel- ,en auf n den 25.3uli 1929 ültogr 8K Uhr -ichneten (Berichte, i anberaumt. en welche eine zur K^ .j e Sache in Besitz M Masse etwas schuldig finb, sie aus der Sache abg SÄ® $!». Äss-' I3'*SX w. «“ 22.S»” 1929. --• itsvergeb"A> arbeite"-^ ßieferun8 uw tzböde" " •*s»**** und DX iq29, Zreitag, 28. Juni 1929 1Z9. Jahrgang Nr. M Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 % mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags, veilaaen Die Illustrierte Yietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Srantfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfilSlr-vuch. und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. sta nd ,K y f f h ä u s e r" hat, rote er bekannt bunbes und kann, für sie eine Ausnahme zuzulassen, muhten daher diesem höheren staalspolitifchen Gesichtspunkt untergeordnet werden." Ber lin, 28. Juni. (WTB.) Der Herr Reichspräsident und die Reichsregierung ver- öffentlichen folgende Kundgebung: An das deutsche Volk! Der heutige Tag ist ein Tag der Trauer. Zehn Jahre sind verflossen, seit in Versailles deutsche Friedensunterhändler gezwungen waren, ihre Unterschrift unter eine Urkunde zu sehen, die für alle Freunde des Rechts und eines wahren Friedens eine bittere Enttäuschung bedeutete. Zehn Jahre lastet der Vertrag auf allen Schichten de^ deutschen Volkes, auf Geistesleben und Wirtschaft, auf dem Werk des Arbeiters und des Bauers. Ls hat zäher und angestrengter Arbeit und einmütigen Zusammenstehens oller Teile des deutschen Volkes bedurft, um wenigsten» die schwersten Auswirkungen des Versailler Vertrages abzuwenden, die unser Vaterland in feinem Dasein bedrohten und das wirtschaftliche Gedeihen ganz Europas in Frage stellten. Deutschland hat den Vertrag unterzeichnet, ohne damit anzuerkennen, dah das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei. Dieser Vorwurf lähl unser Volk nicht zur Ruhe kommen und stört das vertrauen unter den Rationen. wir misten uns eins mit allen Deutschen in der Zurückweisung der Behauptung der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege und in der festen Zuversicht, dah dem Gedanken eines wahren Friedens, der nicht auf Diktaten, sondern nur auf der übereinstimmenden und ehrlichen Ueberzeugung freier gleichberechtigter Völker beruhen die Zukunft gehört. Berlin, den 28. Juni 1929. Der Reichspräsident. (gez.) von Hindenburg. Die Reichsregierung. des Deutschen R e i ch s k r i e g e r - Zehn Jahre Versailles. Von Dr. Johannes Becker, ehem. Reichs- und Staatsminister, M. d. X Ein Jahrzehnt ist in diesen Tagen verflossen, seitdem die Nationalversammlung zu Weimar das (gez.) Müller, (gez.) Stresemann. (gez.) Groener. (gez.) Lurtius. (gez.) Dr. Wirth, (gez.) Dr. Schätzet, (gez.) Dr. hilferding. (gez.) Severing. (gez.) Dietrich, (gez.) o. Gu6rard. (gez.) Dr. b. c. Stegerwald. Der Kyffhäuferbund an die Reichsregierung. Aufruf zum Kampf gegen die Kricgs- fchuldlüge. Berlin, 27. Juni. (Privatmeldung.) Der 23 o r» Reichspräsident und Reichsregierung am zehnten Jahrestag von Versailles. Eine amtliche Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge am Tage der Trauer. Friedensdiktat von Versailles zu genehmigen be* schloh. Wer an jenen denkwürdigen Verhandlungen wie der Verfasser teilgenommen hat, der wird die Kämpfe, die unter den Parteien und innerhalb einzelner von ihnen um diesen Entschluß geführt wurden, nie vergessen. Ein dramatisches Schauspiel war es, zu beobachten, wie man sich von dem einmütigen Wider st and, der sich in jener denkwürdigen Sitzung im Festsaal der Bibliothek zu Berlin unter Führung der (Regierung so einhellig in Empörung und Ent-. Stadt Danzig gegen ihren ausgesprochenen Willen vom Deutschen Reiche. Schwere seelische und wirtschaftliche Belastungen sind für unser Land eingetreten. Aber die Freie Stadt Danzig hat in den vergangenen zehn Jahren die ihr durch den Vertrag auferlegten Pflichten loyal erfüllt. Arn heutigen Gedenktage senden wir dem deutschen Volke unsere brüderlichen Grütze, wobei wir fest stellen, datz die nunmehr zehnjährige Trennung die innere und kulturelle Verbundenheit der Danziger Bevölkerung mit dem deutschen Volke in keiner Weise hat beeinträchtigen können. — Das Haus nahm diese Erklärung stehend entgegen und vertagte sich sodann zum Zeichen seines Gedenkens um eine Viertelstunde. Der Protest des Rheinlands. Eine machtvolle Kundgebung auf dem Kölner Domplatz. Köln, 27. Juni. (WTD.) Anläßlich des 10. Jahrestages von Versailles hatten die Zentrumspartei, die Deutsche Volkspartei, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Demokratische Par- tei und die Wirtschaftspartei heute zu einer Kundgebung vor dem Dom aufgerufen, die einen sehr eindrucksvollen Verlauf nahm. Bereits lange vor der angesehten Zeit hatte sich auf dem Platz und in den angrenzenden Straßen eine ungeheure Menschenmenge eingefunden. Die Kundgebung wurde mit den wuchtigen Klängen der Domglocken eingeleitet. Sodann sang der Kölner Männergesangverein den Chor „Flamme emporI" In seiner Ansprache betonte alsdann der Parteisekretär des Zentrums, Stadtverordneter Schueven.u a.: In dieser historischen Stunde und an dieser denkwürdigen Stätte hat sich heute Kölns Bürgerschaft versammelt, um inmitten des brandenden Verkehrs einer modernen Großstadt eine Feierstunde zu begehen ernsten Gedenkens, lauten Protestes und festen Glaubens an die deutsche Zukunft. Wir fordern für unsere Brüder in den abgetretenen Gebieten das Selbstbestimmungsrecht. Indem wir aufrichtig, laut und feierlich das Bekenntnis zum ehrlichen Frieden ablegen, verlangen wir auch die Abrüstung der anderen. Große Teile des Rheinlandes leiden heute noch unter der fremden Besatzung: Macht die Bahn frei zu wirtschaaftlicher Verständigung! Räumt endlich deutschen Boden! Protest ist der Zweck unserer Kundgebung; Protest und immer wieder Protest gegen die im Friedensvertrag einseitig sest- gelegte Schuld Deutschlands; ein flammender Einspruch des ganzen Volkes und die Forderung nach Revision dieses Vertrages, der mit dieser Bestimmung steht und fällt. In Freiheit und Gerechtigkeit wollen wir unser Reich bauen, bereit zum friedlichen Wettkampf mit den Völkern der Erde. Herr, mach uns frei! Mit dem vom Kölner Männergesangverein vorgetragenen Riederländischen Dankgebet, dessen letzte Strophe von der vieltausendköpfigen Menge mitgesungenen wurde, und mit dem Deutschlandlied fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Ein unverständliches Verbot. KeincBersailles-Kundgebungen in Preußen Berlin, 27. Juni. (Telun.) Das preußische Kultusministerium hat an das preußische Staatsministerium die Anfrage gerichtet, ob unter das vom preußischen Staatsministerium vor einigen Tagen erlassene Verbotvonbehördlichen Sonderkundgebungen am 28. Juni für die preußischen Staatsbeamten auch die Universitäten fielen. Diese Anfrage ist vom preußischen Staatsministerium bejahend beantwortet worden, so daß am 28. Juni in Preußen Kundgebungen der Universitäten nicht statt- finden. Die Frage, ob auch die Schulbehörden unter dieses Verbot fallen, war bereits vorher eindeutig im bejahenden Sinne entschieden. Das preußische Kultusministerium hatte auf diese Entscheidung insofern keinerlei Einfluß, als es sich um einen Erlaß des preußischen Staatsministeriums handelt, der ohne eine Kabinettssihunz erfolgt ist. Das preußische Staatsministerium sucht seine eigenartige Haltung mit folgender Mitteilung an die Presse zu begründen: „Das preußische Slaatsminiskerium Hal im Anschluß an das Vorgehen der Reichsreglerung Sonderoeranstallungen jeder Art für unzweckmäßig erachtet, um die Geschlossen- heil der Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung in keiner Weife zu beeinträchtigen. Die preußische Slaatsregierung ging dabei von der Auffassung aus, daß die Gefühle der ganzen Ration am würdigsten und aulorila- ‘ Hoffen durch den gewählten Repräsentanten des I Volkes, den Reichspräsidenten, zum Ausdruck gebracht werden. Begreifliche Wünsche einzelner Stellen, z. B. von Schulen und Hochschulen, gibt, an die Reichsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß der Reichskriegerbund Kyff- häuser es sich zur Aufgabe gemacht habe, im Jahre 1929, das den zehnjährigen Jahrestag der erzwungenen Unterschrift Unter das Diktat von 23erfailles bringe, das deutsche Volk zu einem planrnä - feigen und kraftvollen Kampf gegen die Kriegsschuldlüge aufzurufen. Der Bund fühle sich dazu berufen, weil er sich frei fühle von allen parteipolitischen Absichten und weil seine Mitglieder sich ganz besonders in ihrer Soldateneyre verletzt fühlten .durch die Mantelnote, die ihnen verbrecherische Kriegsführung oorroirft. Es sei zu hoffen, daß die von dem Bund seit längerer Zeit eingeleitete Bewegung gegen die Kriegsschuldlüge durch die Kundgebungen am 28. Juni d. I. neue Stoßkraft gewinnen und über alle Parteiunterschiede hinweg jeneEinig - feit erjroinaen werde, die allein die 'Möglichkeit zu der Geschlossenheit des handelns nach außen gibt. Einigkeit im Wollen sei vorhanden, nur der Weg sei umstritten. Schon jetzt sei der Beweis erbracht, daß jeder erfolgversprechende Schritt der Regierung zur Beseitigung der Lüge den größten und freudigsten Widerhall in allen Kreisen der Be- völkeruna finden würde und daß es an der Zeit sei, in großzügiger Weise die Zweifel der Welt zu zerstreuen. Im Namen seiner drei Millionen Mitglieder bitte der Kyffhäuscr-Bund die Reichsregierung dringend, jedes mögliche Mittel anzuwenden, um als notwendige Vorbedingung jeder Völkerversöhnung die Versailler Kriegsschuldthese zu Fall zu bringen. Danzig und Versailles. Eine Kundgebung der Freien Stadt. Danzig, 27. Juni. (WB.) Im Volkstag wurde zu Beginn der heutigen Sitzung anläßlich der zehnten Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages eine von sämtlichen deutschen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten unterzeichnete Erklärung abgegeben, in der es u. a. heißt: Der Friedensvertrag löste die fast rein deutsche Bevölkerung dep Freien heute als ein Symptom der Revolte gegen den diejenigen, die offenen Landesverrat an ihrem europäischen Statusquo oder als das Vorspiel deutschen Vaterlande verübten, des Schuhes der zu einer Renaissance des deutschen Jmperialis- Defahungsbehörde auch vor deutscher gerichtlicher mus zu bezeichnen. Es handelt sich einfach um Verfolgung erfreuen. Dazu kam ein ungeheu« eine Aeußerung zu den Akten, deren rer wirtschaftlicher Druck, der das be- fentimentalen Ursprung wir verstehen setzte Gebiet blutleer machte, feine Beziehungen müssen, und nicht um einen politischen zum unbesetzten Deutschland durch Schaffung einer Akt, der greifbare Folgen nach sich I Zollgrenze abschnitt, dem Eingang auslän-. ziehen soll. I bischer Waren durch das berühmte Loch int 1 ■ I Westen Tür und Tor öffnete und durch aus-« Diese Erklärung scheint jedoch nicht geeignet gewesen zu sein, die Krittk zu entkräften. Dieses um so weniger, als dem Verbot auch die Rede des berühmten Historikers I rüftung gegen das Diktat unserer -Feinde am RnH?Ä,sBe^line Sa " 12- Mai 1919 gezeigt hatte, in einzelnen Parteien Ellern Das „B er11 nc t£ a ge I Beßlich in öer Mehrheit der Rational- in^der" Bebänd- st a n d aus dem Volk heraus zu hoffen, wie er runl Anael^7nb!it e i N e b ö ch st u n. notwendig geworden toäre, wenn man das Diktat glL-Il ch- S-LdÄi°enhättet? S?lbst»°r. unl-r-r F-md- -rb gc l-h n. hätte. Leicht ist da. g* hi» mnfinohonhorr nmt- mals niemandem das Ja geworden, und auch die lich-n Derttetel d-z'Zeich^ nicht ^ar.eicn unb bie M^rdn-.-n die sich za-inen, an Racheschwüren beteiligen. Die Republik habe ° e ^€rrJ^>ä>er^ aber mit ihrem Ausweichen vor dem Tage Scheidung.und ihrer ettoaigen folgen &etoufet bDn Versailles eine arofee Gelegenheit Wir waren ja wehr- und waffenlos. Der Femd “ r) SÄ un» Ö an Surüd- ™ =anbe “"m 5b‘a Haltung widerspreche, Gott sei Dank, dem Reiches schon beseht das ganze übrige Reichs-. Empfinden des Volles und dem der akademischen gebiet stand ihm Juaend — Der Lokalanzeiger" nennt das fwnsmaßnahmen wehrlos offen. Die berühmte Verbot ein® ä ft b e t Tntm ü n M gu n” W-ltmainung und das berüchtigte W-ltgewiffen. Allenfalls würdig eines Kaffernvolkes, das es das man in den vorhergegangenen Monaten nicht anders verstehe, als daß der älnsegen immer mehrmals angerufen ha e, unferer Gntr^ von oben komme. Riederschmetternder könne auch tung im besten Falle teilnahmslos, vielfach ober die innere Verlogenheit der Derfassungsfeier nicht aktiv sich beteiligend oder doch mindestens schaden- gekennzeichnet werden, zu deren Lob und Preis ir°y 3U- am 11. August alle staatlichen Dienststellen schon Seit jenen Tagen ist der von allen so sehr er- seit Monaten Himmel und Hölle in Bewegung sehnte Frieden bei uns in Deutschland leide« setzten. — Ungeteilte Zustimmung findet der Re- nicht eingekehrt. Auch heute, zehn Jahre nach gierungsstandpunkt in der „Vosfischen 3ei- Friedensschluß, ist ein großer Teil deutschen t u n g , die erklärt, es hätte der Regierung nicht Landes von fremden Mächten besetzt, leidet die zugemutet werden können, die Verantwortung deutsche Wirtschaft in stärkstem Maße unter den für Tendenz und Verlauf von Kundgebungen zu Auswirkungen jenes berüchtigten Vertrages. Die tragen, die von den rechtsstehenden Parteien I französische Politik, der es nicht gelang, das und Verbänden zu innerpolittschen Agitattonen linke Rheinufer dem französischen Staatsgebiet hätten ausgenuht werden sollen. Rach der „Voss, territorial einzuverleiben, hat dieses, sein Jahr* Ztg." ist aber der Senat der üniberfität Berlin Hunderte altes Ziel nicht aufgegeben, sondern für Freitag zusammenberufen, um zu der Frage es in diesen zehn Jahren konsequent mit allen, Stellung zu nehmen, ob es nicht richtiger ge- freilich erfreulicherweise vielfach ungeeigneten wesen toäre, für die Veranstaltung in der ilni- Mitteln stets verfolgt. Die Besatzung der drei versität eine besondere Anweisung zu treffen. Zonen am Rhein verfolgte ja nicht, wie man uns K ’ff z heute glauben machen wollte und will, den Zweck, JvOrifCr (i vöO* FrankreichsGrenzen vor einem Einfall zu schützen. , Dies Ziel war mit der Entwaffnung und Cnt- Französische Blatter zur Kundgebung nannung Deutschlands auf der einen Seite und der Reichsreglerung. der Aufrüstung vor allem Frankreichs auf der Paris, 28. 3uni. TV. FuEpruch., Sie °"d°r-n Seite in »allein Stange erreicht Ser Kundaobuna der Reichsreaierunq französischen Politck wahres Ziel blieb vielmehr, anläfjlid) der zehnjährigen Wiederkehr des durch das BUt^l der fctjung Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrages p o l 11 i s ch e n E i n f l u h im R he i nlan d e von Versailles wird nur von einigen Blättern und darüber hinaus zu gewinnen, die Bevolke-, besprochen. Das „Echo de Paris" schreibt: »unb naefe reif 8u Riemals hat Deutschland mit solcher Kühnheit ^fischen Plane,, und dazu die Besatzung zerllich die Revision der Bestimmungen von Der- und räumlich möglichst lange auszudehnen. Was sailles gefordert. Das ist die erste Auswirkung Sur^Erreichung dieses Zieles in den letzten zchn des Amstandes, daß in England die Regie- fahren: alles versucht wurde haben wir im b« rung an die Männer der sozialistischen letzten Gebiet am eigenen Leibe an Hab und Gut Internationale übergegangen ist, auf dem und an unserer Seele schaudernd erfahren müssen. Gebiete der internationalen Politik. - Der „P e ° Das übrige Deutschland bat ja nur von der Ferne tit Parisien" erklärt: In diesem Augenblick, Gelegenheit gehabt die Rot tm Westen zu beob- wo man zur allgemeinen Liquidation des Krieges achten. Vergessen sollte man aber auch dort nie, schreitet, werden derartige Kundgebungen noch tote fferaöe oer W e st en dabei für gan- ungezügelter erscheinen; ohne für Deutschland Deutschland gestritten und gelitten hat von irgendwelchem praktischen Ruhen zu sein, , Zunächst brachte die Besatzung nach den Be-, können sienurdieruhigere Atmosphäre ftunmungen des Friedensvertrages nach der Art, st ö r e n, die zu schaffen den Staatsmännern nach wie man sie auslegte, im besetzten Gebiet eine jahrelangen Anstrengungen gelungen ist. — „Fi- starke Einschränkung, um nicht zu sagen eine volle garo“ schreibt: Diese der systematischen Ver- Aufhebung der deutschen Souve- hetzung dienenden Manöver sind bedauerlich, tarntet. Kein deutsches Gesetz durfte ohne die Wenn Deutschland schweigend über seine Genehmigung der Desrihungsbehorden veröffent^ Riederlage trauern würde, hätte niemand licht oder gar angewendet werden. Kein deutscher etwas dagegen einzuwenden, aber diese Em- Beamter konnte fein Amt im besetzten Gebiets pörung, dieser Haß, dieser Wunsch, den Rache- antreten oder ausüben, ohne daß dem die gleichen durst zu entfachen, diese Art und Weise, das Behörden vorher zugestimmt hätten. Die R h e i n- befiegte Deutschland hinzustellen, als sei es einer l a n d k om m i s s i o n in Koblenz übte durch Bande von Würgern ausgeliefert, sind schwer- ihre berüchtigten Ordonnanzen ein beson- wiegende Anzeichen, die eine Mentalität verraten, deres Gesetzgebungsrecht aus, und die Kriegs- die sich nicht ändert. — Das „Oeuvre" schreibt: gericht e der Besatzung sorgten dafür, der Be- Das kaiserliche Deutschland und nicht das deutsche völlerung recht eindringlich zu zeigen, wie sie Volk trägt die schwere Verantwortung für die im „Friedenszustand" lebten, und dazu kam ein Politik, die zum Kriege führte. Trägt es sie ganz? starker politischer Druck. Meinungs- und Wer würde das zu behaupten wagen. Die Ge- Versammlungsfreiheit war stark beschichte wird sich vielleicht später klar darüber schränkt. Die Dresse stand unter so starker Zenaussprechen. Heute muh man jedenfalls verhüten, für, daß ihr oft sogar einfache Meldungen bean-. daß diese deutsche Kampagne gegen die Derant- standet wurden, die sie aus französischen Zeitunwortung am Kriege nicht dem sehr realen gen übernahm. Die Ourete sorgte dafür, daß sich Zweck der Durchlöcherung des Der- niemand mehr vor politischer Denunzia- trages von Dersailles dient, der törich- Hon sich erfühlen konnte. Ausweisungen tertoeife auf der These von der Schuld Deutsch- politisch oder sonst Derdächtiger waren an der lands aufgebaut ist. — Die „Volonte" schreibt: Tagesordnung. Vor Vertreibung von Haus und Es wäre ein Mißgriff, die deutsche Geste von Hof war niemand sicher. Tlmgekehrt konnten sich gedchnte Hanbelsspivnage auch in Bie Betriebsgeheimnisse der Industrie usw. im besetzten Gebiet einzudringen versuchte. Die deutsche Regierung und die arme Bevölkerung waren allen diesen Bedrückungen gegenüber wehrlos. Der Versuch, die materiellen Lasten, die das Versailler Diktat uns auferlegte, abzutragen, wurde von allen Regierungen, die seit der Revolution Deutschlands Geschicke leiteten, ehrlich und restlos gemacht. Was wir zu leisten unter dem Druck der Bajonette in Versailles versprochen hatte, ging aber über unsere Leistungsfähigkeit. So fchritt man von der anderen Seite zu Zwangsmaßnahmen. Den Verhandlungen in London im Frühjahr 1922 folgte, als Deutschland seine Leistungsfähigkeit ehrlich bekannte, die Besetzung der Sanktionsstädte Düsseldorf und Duisburg, und dieser Besetzung folgte, als Deutschlands Leistungen versagten und es nicht gelang, mit unseren Kriegsgegnern zu einer neuen Verständigung zu kommen, der Ruhreinbruch im Ianuar 1923. Mit einem, mit allem Kriegsmaterial modernster Zeit ausgerüsteten gewaltigen Heeresaufgebot zogen Franzosen und Belgier in dieses, nur friedlicher Arbeit gewidmete Gebiet ein, und führten dort monatelang ein Regiment, wie es zivilisierte Mächte auch im Krieg nicht gewagt hätten, über eine freidliche Bevölkerung zu bringen. Völlige Erdrosselung der Wirtschaft war die unmittelbare Folge des Einmarsches. Schwere gerichtliche Urteile wegen der geringsten angeblichen Verfehlungen, mehr als 130 000 Ausweisungen friedlicher Bürger, Kriegsgerichtsurteile, die die Betroffenen jahrzehntelang in die schlimmsten französischen Zuchthäuser und Verbannungsorte verschickten, und so manches Todesurteil waren die „Meilensteine" in diesen Kämpfen, deren Gebiet sich bis nach Dortmund hinaus ausdehnte. Allein, in diesen Kämpfen erwachte die deutsche Seele zum ersten Male seit dem unglücklichen Kriegsende, raffte sich die Bevölkerung einmütig — und zwar aus sich heraus und ohne behördliche Weisung — zum Widerstand auf, der zwar nicht mit der blanken Waffe geführt werden konnte, aber döch im sogenannten passiven Widerstand dem Gegner zeigte, daß die rheinische Bevölkerung einig war im Dulden, einig, wenn sie glaube, damit dem gesamte Daterlande zu dienen. Das Lied vom braven Manne wiederholte sich praktisch in jener Zeit in tausendfacher Zahl, und der Gesang der Wacht am Rhein, den eine lausendköpfige Menge anläßlich des Thhssen- Vrozesses an die Ohren des Kriegsgerichts im Mainzer Iustizgebäude klingen lieh, drang doch auch bis an die Arbeitsgebäude der Pariser Ministerien und dorthin, wo die französische öffentliche Meinung fabriziert wurde. Das Todesurteil gegen Schlageter, das dem Kriegsgericht von bleicher Angst vor deutschem Heldenmut diktiert war, löste einen Schrei der Entrüstung nicht nur in allen deutschen Landen, sondern auch im vorurteilslosen Ausland aus, konnte aber den Mut der Bevöllerung km besetzten Gebiet nicht brechen. Der Ruhrkampf war ein Heldenkampf ohnegleichen, dessen Geschichte noch zu schreiben ist: gerade, weil er passiv bleiben muhte, war er doppelt schwer zu führen und kann sich deutschem Heldenmut im Krieg würdig an die -Seite stellen. Und wenn er schließlich ohne Ergebnis zusammenbrach, so war es dem Grunde nach wiederum nur die materielle deutsche Rot, die ihn nicht weiterführen ließ. Vergeblich war dieser Kampf aber nicht. Denn was fett jener Zeit für Deutschland an bescheidenen Fortschritten erreicht worden ist, geht auf jenen Kampf zurück, er brachte auch unseren Gegnern wiederum Achtung vor Deutschland und seiner Bevölkerung bei, die in jener Zeit ja nicht nur mit dem äußeren Feind, sondern ebensosehr auch mit dem Kommunismus uflö Separatismus ju ringen hatte und beide Feinde siegreich zu Boden schlug, trotzdem sie sich im besetzten Gebiet in starkem Maße der Unterstützung der Franzosen zu erfreuen hatten. Den Kämpfen an der Ruhr folgte zunächst eine üble Zeit des Waffenstillstandes. Aus der Tiefe der deutschen Rot rang sich das Volk durch Schaffung einer eigenen Währung und Konsolidierung seiner Wirtschaft aus eigener Kraft mühsam empor. Die Dawes- gesehe und der Locarnopakt brachten uns, mag man im einzelnen über sie denken wie man will, wenigstens zunächst eine, wenn auch nur vorübergehende Erleichterung. Daß die Dawes- lasten auf die Dauer nicht zu tragen waren, mußte jedem klar sein, der ihre Höhe, die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Schwierigkeiten, die ihrem Export entgegenstanden, und heute noch entgegenstehen, klar sein. Die Erkenntnis hat sich inzwischen durchgesetzt, und so kam es in diesem Frühjahr zu Verhandlungen im einer sogenannten unabhängigen Sachverständigenkommission. über deren Ergebnis demnächst die deutsche Vollsvertretung sich wird schlüssig machen müssen. Schwere Lasten sollen auch danach dem deutschen Volk für zwei Generationen zugemutet werden. Ob und inwieweit sie tragbar sind, soll hier nicht näher besprochen werden. Eine Forderung muh aber gerade anläßlich des zehnjährigen Erinnerungstages an den Versailler Abschluß klar und eindeutig her- ausgestellt und vom deutschen Volke einmütig erhoben werden: Wollen wir endlich zu einem wirklichen Frieden mit unseren Gegnern kommen, dann muß auchderlehtefremdeSoldatvom deutschen Boden verschwinden und die letzte Kontrollmaßnahme abgebaut werden. Saar und Rhein müssen frei und in vollem Umfang der deutschen Souveränität unterstellt werden. Zehn Iahre lang haben wir unter schwersten materiellen und sonstigen Obfern gezeigt, daß es uns ernst ist mit der Absicht, wieder in einen wahren Friedenszustand mit untereren Kriegsgegnern zu kommen. Runmehr ist die Reihe an den anderen, durch die Tat zu beweisen, daß sie von den gleichen Absichten beseelt ist. Weg mit den Maschinengewehren, weg mit den Bajonetten, weg mit den Kanonen vom deutschen Rhein und der deutschen Saar? so rufen wir den fremden Staatsmännern zu, die seither dos Bekenntnis zum Frieden nur allzuoft auf den Lippen trugen, nun aber Gelegenheit haben, dieses Bekenntnis i n d i e T a t umzusehen. Oie deutsche Wissenschaft und Versailles München, 27. 2uni. (TU.) 3n der Festsitzung der bayerischen Akademie derWisfen- schäften anläßlich ihres hundertsiebzigsten Stiftungsfestes, kam der Präsident Geheimrat Dr. Eduard Schwartz, auch auf die Rotlage der wissenschaftlichen Sammlungen zu sprechen und erinnerte dabei an das Furchtbare, das dem deutschen Volk >>or zehn Oahren widerfahren sei. Gewiß solle sich eine wissenschaftliche Körperschaft nicht mit Politik befafsen, aber als Dienerin und Pflegerin der deutschen Wissenschaft habe die Akademie das Recht und die Pflicht zu bekennen, daß eine unabhängige Wissenschaft niemals in einem Volke gediehen sei und gedeihen könne, das sich den Willen zur Wehrhaftigkeit rauben lasse und das darauf verzichte, sich zu behaupten gegen fremde An mahung und fremde Unterdrückung. Frankreichs amerikanische Schuld Die Kammer verlangt Hinausschiebung des Zahlungstermins. Paris, 27. 3unt (WTD.) 3n der Kammer kam es zu einer überaus lebhaften, stellenweise dramatischen Debatte über die Schuldenfrage. Poincarö verlangte zunächst die Vertagung der vorliegenden 3nterpellationen über die interalliierten Schulden und die Reparationen, da die Berichterstattung der Regierung vor den zuständigen Kammerausschüssen noch nicht abgeschlossen sei. Hiergegen sprach sich der Abgeordnete Franklin-Bouillon aus und re$te an, bah die Regierung mit Amerika neue Verhandlungen aufnehmen solle, zu dem Zweck, den Termin des 1. August auf den 31. Dezember mit Rücksicht auf den Voung-Plan zu verlegen. Er fügte unter großem Beifall hinzu: Ich will nicht glauben, daß ein so großes Land wie Amerika den Appell a n die Gerechtigkeit nicht vernehmen wird. Nach der von der ganzen Kammer mit lang an- haltendem Beifall aufgenommenen Rede Franklin- Bouillons erklärte Ministerpräsident P o i n c a r 6: Wenn mir meine Stellung nicht eine gewisse Zurückhaltung auferlegte, so würde ich mich gern der warmherzigen Rede Franklin-Bouillons anschließen. Ich kann jedoch der Kammer schon jetzt sagen, daß wir.die Verhandlungen, zu denen wir aufgefordert werden, nicht erst seit Monaten, sondern s e i t I a h- ren führen. Man hat uns die Verlegung des Termins verweigert, aber ich will gern noch einen Versuch unternehmen. Wenn es Ihnen lieber ist, werde ich gerne diese undankbare Aufgabe anderen überladen. (Zahlreiche Rufe: Nein, Nein!) Ich werde die Verhandlungen schon morgen wieder aufnehmen, indem ich unserem Vertreter in Washington mitteile, daß ich dem einmütigen Willen der Kammer gegenüber- stehe. Unter Verzicht auf die sofortige Beratung der Interpellationen legte Franklin-Bouillon hierauf unter dem Beifall des Hauses einen entsprechenden Entwurf vor, der in einer weniger kategorischen Fassung die Aufnahme neuer Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zur Verschiebung des Fälligkeitstermins des 1. August verlangt und in einfacher Abstimmung angenommen wurde. Leon D l u m hatte trotz der Ermahnungen, die Franklin-Bouil- lon und Louis Marin an ihn richteten, erklärt, daß die Sozialisten nicht für diese Entschließung stimmen werden. Die Debatte spielte sich i n einem Zustand des patriotischen Ueberschwanges ab, an dem die gesamte Kammer mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten teilnahm. Rach einem ,Widerstandsversuch" hat Poincare, so schreibt der „Po- pulaire" begriffen, daß ergegendieseStrö-r mung nicht ankämpfen könne. Wenn er sich dem Vorschlag widersetzt hätte, würde seine Regierung einfach hinweggefe-gt worden sein, sie hätte nicht einmal 50 Stimmen erhalten. Die sozialistische „(Sre Rovelle" nennt den Vorschlag Franklin-Bouillons demagogisch. Es habe sich eine Mehrheit in der Kammer gebildet gegen die Tatsache, der Unterschrift Frankreichs Ehre zu erweisen. Man dürfe die Allianzen und Freundschaften Frankreichs, seinen Kredit und die Zukunftsmöglichkeiten, nicht in der Bravo.ir- stimmung eines Abends der Demagogie aufs Spiel setzen. Annahme des Etats im Reichstag. Oer Reichstag geht in die Gommerferien. — Das Sperrgesetz. - Oie Hilfsmaßnahme für die Landwirtfchast. - Oie Verlängerung des Republiksthutzgefehes wird abgelehnt. Berlin. 27. Iuni. (D. D. Z.) Im Reichstag werden eine Reihe von Vorlagen zurückgestellt. weil die Drucksachen den Abgeordneten nicht rechtzeitig zugegangen sind. In namentlicher Abstimmung wird mit 240 gegen 172 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei neun Enthaltungen öle zweite Rate des Panzerkreuzers angenommen. Die sozialdemokratischen M i - nister haben im Gegensatz zur Frattion f ü r bie De w illigung gestimmt. Hierauf werden dieMißtrauensanträge gegen den Reichsau henmini st er gegen Deutschnationale, Rationalsozialisten, Christlich- Rationale und Kommunisten abgelehnt. Ls folgt die dritte Beratung des Sperrgesehcs für Rechtsstreitigkeiten über ältere staatliche Renten. Der preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff weist die Behauptung zurück, daß Preußen sich mit dem Sperrgesetz einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschaffen wolle. Es handelt sich lediglich darum, daß die preußischen Staatseinnahmen nicht zur Befriedigung unberechtigter Ansprüche verwendet werden sollen. Es ist unberechtigt, wenn den hessischen Standesherren im Gegensatz zu allen anderen Staatsbürgern eine beinahe hundertprozentige Aufwertung gewährt wird. Hm volle Klarheit zu schaffen, würde die preußische Regierung es begrüßen, wenn im Gesetz gesagt würde, daß Schiedsverträge die Anwendung des Gesetzes nicht hindern. Der oolksparteiliche Antrag, das Gesetz in der Einleitung als verfassungsändernd zu bezeichnen, wird ab gelehnt. — In der namentlichen Schlußabstimmung wird das Gesetz mit 260 gegen 170 Stimmen bei sechs Enthaltungen endgültig a n - genommen. Für das Gesetz haben Zentrum, Demokraten, Sozialdemokraten, Kommunisten und Deutsche Bauernpartei gestimmt. — Präsident Lobe stellt fest, daß die Annahme mit einfacher Mehrheit erfolgt sei. Oie Landwirischastechilfe. Der handelspolitische Ausschuß legt einen Gesetzentwurf vor, der den Mühlen den Zwang zur Vermahlung einer gewissen Mindest menge In l a n ds w e ize n aufer- legt. In einem weiteren Gesetzentwurf, den der Ausschuß vorlegt, wird die Regierung ermächtigt. für sechs Monate ein" Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handelsvertrag in Kraft zu sehen, das die Mehlzölle gegenüber dem jetzigen Sah erhöht. Abg. Frau Sender (Soz.) bezeichnet die vorliegenden Entwürfe als ein ungeeignetes Mittel zur Hilfe für die Landwirtschaft. Der richtige Weg wäre das Getreidemonopol, aber dafür seien die Mittelvarteien leider nicht zu haben gewesen. Dir Sozialdemokraten würden schematischen Zollerhöhungen nicht zustimmen. Zu erstreben sei eine enge Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften mit den Arbeitergenossenschaften. Die sozialdemokratische Fraktion bedauere die Kündigung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages. Vor weiteren Kündigungen müsse die Regierung gewarnt werden. Abg. Schiele (Dn.) meint, die bisherigen Methoden hätten der Landwirtschaft nicht die notwendige Hilfe gebracht. Der kolossale W e i - zenüberschuh Amerikas drängt auf den deutschen Markt ein. Er kann bei der deutschen Landwirtschaft Verluste erzeugen, die in die Hunderte von Millionen gehen. Beim Roggen stehen die Dinge fast noch schlimmer. Demgegenüber ist die Aufhebung der Zwischenzölle eine völlig unzulängliche Maßnahme. Wenn die Mehreinnahme aus den Zöllen nicht für die Landwirtschaft, sondern für soziale Zwecke verwendet werden soll, so ist das wieder einerein politische Verquickung von nicht zusammenhängenden Dingen. Leider sind aus der Regelung auch Schmalz, Speck und Gerste herausgelassen. Wir hoffen, daß die Verhandlungen mit Finnland so guten Erfolg haben, daß wir uns die Kündigung des Vertrages ersparen können. Bei der Viehwirtschaft werden ungeheure Verluste gemacht. Die überflüssige Einfuhr von Vieh muß gedrosselt werden. Das Unricht, das der Landwirtschaft angetan wird, kann schlimme Folgen für die ganze deutsche Wirtschaft haben. Die 20 Millionen deutscher Landwirte sind heute erwacht, und sie werden sich mit alten gesetzlichen Mitteln wehren, denn sie wollen nicht untergehen. Reichsernührungsmlnister Dietrich: Bei Schmalz und Speck würde die Aufhebung der Zwischenzölle eine kaum nennenswerte Wirkung haben. Der Schwedenvertrag ist gekündigt worden, so daß im übrigen die Bahn frei ist. 3m Verhältnis zur früheren Reichsregierung hat die jetzige Regierung sehr viel mehr Positives für die Landwirtschaft geleistet. Wir haben die Kartoffel-, Butter- und Zuckerzölle erhöht und gehen auf vielen anderen Gebieten vor. Ein großes Programm für die Landwirtschaft kann ich an einem Sonntagvormittag machen, aber um nur einen einzigen Punkt durchzusetzen, braucht man einen Reichstag und eine Koalition. Abg. Hermes (Ztr.): Es ist leicht, als starker Mann den Landwirten die Weltisolierung zu predigen. Gedeihen kann die Landwirtschaft aber nur in enger Zusammenarbeit mit den übrigen Wirtschaftsschichten. Unter der jetzigen Regierung ist zugunsten der Landwirtschaft eine grundlegende Umstellung unserer Wirtschaftspolitik erfolgt wie nie zuvor. Wir sind nicht Gegner von Futtermittelzöllen. Das bisherige Ergebnis sehen wir nur als eine Etappe an auf dem Wege, der weitergegangen werden muß. Angesichts der Belastung der Verbraucherschaft durch die Zollerhöhungen verlangen wir einen Gesetzentwurf, wonach die Zollmehreinnahmen verwendet werden sollen zum Zwecke der Förderung von Bauvorhaben sowie der Gewährung von Mietzuschüssen an minderbemittelte und kinderreiche Familien. Abg. Tanhen (Dem.): Die Deutschnationalen haben durch ihre Propagierung des Getreidemonopols den Marxismus gefördert. Wir sind grundsätzliche Gegner des Monopols. Der freie Getreidehandel kann neben den Genossenschaften nicht entbehrt werden. Er hat auch nicht besonders verteuernd gewirkt, denn sonst wäre der Getreidehandel nicht so verarmt, wie es tatsächlich der Fall ist. Die Sozialdemokraten können gegen das vorliegende Ermächtigungsgesetz nicht die Brotpreiserhöhung ins Feld führen, denn bei Einführung des von ihnen verlangten Monopols wäre die Brotpreiserhohung ebenso gekommen. Abg. v. Syb el (Chr.-Ratl. Dp.) führt aus: Die jetzt vorgeschlagene Regelung sei durchaus unzureichend. Es fehle namentlich jeder Schuh für den Roygen. Angesichts der drohenden Katastrophe müsse man aber nach dem letzten Strohhalm greifen, und die vorliegende Regelung annehmen. Damit schließt die Aussprache. Die Vorlage über den Vermahlungszwang wird gegen Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Das Ermächtigungsgesetz zum Wegfall der Mehlzwischenzölle im deutsch-französifchen Handelsvertrag wird angenommen. Eine Zentrumsentschließung auf Der- Wendung der Zollmehreinnahmen zugunsten der minderbemittelten, besonders der kinderreichen Familien wird mit 255 gegen 159 Stimmen bei 25 Enthaltungen angenommen. hierauf wird die namentliche Schluhabstim- tnung über das Republikschuhgeseh vorgenommen. Für das Gesetz werden 263 Stimmen der Regierungsparteien, dagegen 166 Stimmen der Rechten, der Kommunisten und der Dictfchafts- partei abgegeben. Zwei Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Die für die Verlängerung des Republikfchuhgefehes erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht, und das Gesetz tritt am 22. Juki außer Kraft . Reichsinnenminister Severing bittet ums Wort. Als er die Rednertribüne betritt, rufen die Rationalsozialisten: „Severing abtreten, Gummiknüppeldiktator!" Die Kommunisten machen ähnliche Zurufe. Mit Mühe gelingt es dem Minister, sich verständlich zu machen. Er erllärt: Durch die Ablehnung der Verlängerung ist eine Lücke entstanden, deren Ausfüllung unerläßlich ist. Wir sind uns llar darüber, daß es unmöglich ist, in diesem Tagungsabschnitt eine neue Vorlage einzubringen. Die Regierung wird dem Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt ein neues Gesetz vorlegen. — Bei diesen Worten erhebt sich von neuem großer ßärm bei den Rational- fozialisten und Kommunisten. Die Rationalsozia- listen rufen fortwährend: „Gummiknüppeldiktator, abtreten!" Vizepräsident Graefe versucht vergeblich, für Ruhe zu sorgen, und verläßt schließlich in dem allgemeinen Lärm seinen Sitz, wodurch die Sitzung unterbrochen wird. Rach etwa zehn Minuten eröffnet Präsident Löbe die Sitzung wieder. Minister Severing erinnert unter Hört! Hört!-Rufen der Mehrheit daran, daß der Führer der Wirtschaftspartei Abg. Drewitz in der 3nflationszeit ihm als preußischen - 3nnenminister um verstärkten Schutz des Mittel ft andes vor dem Terror der Radikalen von rechts und links ersucht habe. Diesem Schuh habe auch das Republikschuhgeseh gedient, dessen Fortbestehen jetzt von der Wirtschaftspartei abgelehnt worben sei. Don den Kommunisten und Rationalsozialisten werde offiziell zugegeben, daß sie ihre Ziele m i t Gewalt erreichen wollen. Der Staat aber, so fährt der Minister unter dem Beifall der Mehrheit fort, ist nicht machtlos. Die Verfassung liefert ihm noch Waffen gegen den Terror. Wenn das Republikschuhgeseh fällt, dann ist noch der Artikel 48 der Verfassung da. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien: die Kommunisten rufen dreimal „Rotfront".) Aba. Dr. B r e d t (W.-P.), von den Sozialdemokraten mit dem Zuruf empfangen: „Der Sieger des Tages!", führt aus, die Aufrechterhaltung von Ruh^, und Ordnung sei auch ohne Republikschuhgeseh möglich. Die Wirtschaftspartei sei zu ihrer Haltung veranlaßt worden dadurch, daß die Regierungsparteien den Wunsch der Wirtschaftspartei auf Aussetzung der Abstimmung über die Bodenreformentschließung glatt abschlugen. Die Wirtschastspartei mache nicht grundsätzlich Opposition, aber sie müsse verlangen, daß die Regierungskoalition auch auf sie die nötige Rücksicht nehme. Gegen 10 Uhr abends beschließt das Haus, noch die Gieuernovelle zu erledigen. Die Rovelle zur lex Brüning will das 1300 Millionen übersteigende Aufkommen aus der Lohn st euer nicht mehr zur Steuersenkung verwenden, sondern für die knapp- schaftliche Pensionsversicherung und für die Invalidenversicherung. — Die Rovelle zur Zucker- st e u e r befreit den Futterzucker von der Steuer und ermächtigt den Reichsfinanzminister, auch den zur Herstellung von Lebens- und Genußmitteln verwandten Zucker von der Steuer zu befreien. Die Rovelle zur lex Brüning wird in zweiter Lesung angenommen, ebenso die Rovelle zur Zuckersteuer. Angenommen wird ein Antrag I des sozialpolitischen Ausschusses auf löprozentige Erhöhung der Steigerungssätze bei der (Invalidenversicherung. Der Ausschußantrag, wonach die Arbeiten der Sachverständigen zur Begutachtung der A r b e i t s - . losenversicherung so beschleunigt werden sollen, daß die Novelle in der ersten Augusthälfte vorgelegt werden kann, wird genehmigt. Weiter finden Ausschußanträg« Annahme, auf Fahr- preisoergünstigungen für Schwerkriegsbeschädigte, Kinder undI u ge n d- l i ch e hinzuwirken. Präsident Lobe beraumt eine neue Sitzung für fünf Minuten später, d. h. Freitagfrüh 0.30 an, * auf deren Tagesordnung die Schlußabstimmung über den Etat und die dritte Beratung der Agraranträge steht. In dieser neuen Sitzung werden die Entwürfe über den Vermahlungszwang und über die Ermächtigung zur Inkraftsetzung der deutsch-französischen Vereinbarung wegen des Mehlzolles in dritter Beratung angenommen und verabschiedet. Bezüglich des Mehlzolles wird noch eine Aenderung beschlossen, wonach der Mchlzoll so festgesetzt werden soll, daß die bisherige Relation zwischen dem Dertragssatz zwischen Mehl und dem Weizenzoll erhalten bleibt. Das Gesetz über den Mahlzwang wird dahin ergänzt, daß der Reichsernährungsminister zeitweilig die Prozentsätze der Vermahlung zu ändern oder 'die Bestimmungen außer Kraft zu setzen hat, wenn die Entwicklung des Getreide- oder Brotpreises dieses erfordert. Es folgte die namentliche S.ch lußobstimmung über de n Gesamtetat. Abg. M o l l a t h (Wirtsch.-P.) gibt eine Erklärung ab. wonach feine Partei es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren könne, für diesen absoluten Defizitetat die Verantwortung zu übernehmen. Für den Etat stimmen nur d i e Regierungsparteien. Der Llal wurde in dritter Lesung mit 243 gegen 152 Stimmen bei einer Stimmenthaltung bewilligt. Präsident Löbe: Unsere Verhandlungen haben sich in den Tag hinein erstreckt, an dem vor zehn 3ahren das Versailler Diktat unterzeichnet worden ist. (Die Kommunisten verlassen den Saal, während sich die Abgeordneten der übrigen Parteien von den Sitzen erheben.) 3n diesem Diktat wurde Deutschland d i c Alleinschuld am Kriege zugeschoben. Der Protest, den vor zehn 3ahren die Regierung in Weimar gegen diese Beschuldigung erhob, besteht auch heute noch fort. (Beifall.) 3nzwischen mehren sich in der ganzen Welt, auch bei unseren ehemaligen Gegnern, die Stimmen, die sich gegen diese Beschuldigung wenden, die sie für u n- bewiesen und unbeweisbar halten. (Beifall.) 3ch will deshalb in diesem Augenblick nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß es der weiteren Aufklärung gelingen möge, recht bald die Beseitigung dieser Beschuldigung zu bringen, die von keinem unparteiischen Gerichtshof der Welt noch gegen Deutschland erhoben werden würde. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident schließt dann um 145 Uhr dis Sitzung, er erbittet und erhält die Ermächtigung, die nächste für August vorgesehene Sitzung einzuberufen. , J W Baren-wK Jan ffayeir ■Seydtstr ■RörJ Thorsh- Donnerstag, d.27. Juni 1929,7haDds. Kaltluft kühlt es sich nachts ab, tagsüber nimmt Samstag: Sonntag: ntwahesse Naflfrfiche.' Jean Weisel, Lieben, Sonnenairabt 6, Telephon Nr. 88 . Für die Geiundheit Wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 27. Juni: mittags 12,6 Grad Celsius, abends 10,3 Grad: am 28. Juni: morgens 11,6 Grad. Maximum 13,4 Grad, Minimum 6,2 Grad. — Erdtemperoturen in 10 cm Tiefe am 27. Juni: abends 14,1 Grad: am 28. Juni: morgens 12 Grad. — Sonnenscheindauer % Stunde. Amtlicher Reisewetterdienst Aus aller Welt. Schweres Explosionsunglück in einer Pretzburger Gummifabrik. 3n der Gummifobrik der Firma hoermes in Preß- »cg wurden durch eine Explosion von Benzol- t impfen sieben junge Arbeiterinnen getötet und zehn Arbeiterinnen teils schwer, teils eicht verletzt. Der durch die Explosion entstandene Btanb konnte von der Feuerwehr nach zweieinholb- liinbigen Bemühungen durch Sand gelöscht werden. Der explodierte Kessel enthielt etwa drei Aent- if ner eines Gemisches von Gummi und Benzol. Die Lxplosion ist wahrscheinlich auf einen Funken zu- iiiikzuführen, der in das Ventil eindrang, aus dem Dämpfe der trocknenden Ware entwichen. Sämtliche Gegenstände bildeten nach der Detonation einen mästen Trümmerhaufen. Unter den Trümmern Ingen stöhnend die verletzten und die bis auf die Sfcleftc verkohlten und verbrannten Leichen. Oer Totschlag-Prozeß Friedländer Erzieher und Eltern werden als Zeugen vernommen. Die nützlichsten Reisegefährten. Literatur C133 kostento» .©laooföt'-Verkauf sslelle: W. Herbert Marktplatz 2 ö&EEEsäüuuL nimm -Salz Self 100 Jahren unübertroffen geg. alle Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden, Sodbrennen etc. 250 g 0.60, Tabletten 0.25 u. 130. Nur echt m. d. Bilde des Erfinders. Berlin W 57. Turnen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Gießen. Am morgigen Samstag tritt in Marburg die Ligamannschaft der 1900er der dortigen vom V.f.D. 05 Kurhessen im Rückspiel entgegen. DaS Vorspiel in Gießen verlor 1900 3:2. Die Spiele Vereinigung ist zur Zeit wieder im Kommen: daS beweisen ihre fünf in diesem Monat gegen namhafte Gegner errungene Siege. Sie wird sich diesmal in Marburg nicht so leicht schlagen lassen. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Das 15. Bezirksfest des Arbeiter-Turn- und -Sportbundes (9. Kreis 3. Bezirk) findet am kommenden Samstag, Sonntag und Montag in Heuchelheim statt. 2lm Samstagnachmittag 4 Uhr beginnen bereits die Wettkämpfe, die jedoch kurz nach 6 Ahr unterbrochen werden. Gegen 7 llfjc findet eine Sitzung des technischen Ausschusses und der Kampfrichter statt. Ab 8 Ahr ist ein Kommers auf dem Festplah, bei dem sämtliche Heuchelheimer Gesangvereine einen Massenchor singen werden. Anschließend finden Sondervorführungen einzelner Bezirksvereine statt. Sonntag früh 7 Ahr ist Antreten sämtlicher Teilnehmer (weit über 500) zu den einzelnen Wettkampfarten. Rur die Altersklasse tritt gegen 9 Ahr an. 10.30 Ahr findet die Vorprobe zu. den Massenfreiübungen statt. Nachmittags wird sich der Festzug durch den Ort bewegen. Aach Eintreffen auf dem Festplah finden die Massen- freiübungen statt. Dann folgen Ansprache, turnerische Vorführungen und Volksfest. Schmeling schlägt paolino hoch nach Punkten. Aeuhork, 27. 3uni. (WTD.-Drahtbe richt.) 3m Vankee-Stadion bei Aeuyork wurde in der Aacht zum Freitag zwischen dem deutschen Meister Max Schmeling und dem Spanier P a o l i n o die Vorentscheidung um die Weltmeisterschaft im Boxen aller Gewichtsklassen ausgetragen. Der Kampf endete mit einem hohen Punktsiege des Deutschen, der von den 15 Runden 9 für sich entschied und nur 3 an seinen Gegner abgab, während 3 Runden unentschieden blieben. Max Schmeling wurde von den 50 000 Zuschauern stürmisch gefeiert. Er hat sich nun für den Endkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewichtsboxen qualifiziert. jedoch die Erwärmung wieder zu. Wettervoraussage für Wolkig mit Aufheiterung, nachts kühl, tagsüber wärmer als seither, trocken. Wettervoraussage für Zusammenbruch der Deutschen Volkserholungsheime G.m.b. h. Die Berliner Stadtverordneten haben in geheimer Sitzung davon Kenntnis genommen, daß itc „Dsvo" (Deutsche Volkserholungsheime G. m. Wh. H.) vor dem Zusammenbruch steht. Die W S ladt will die von ihr übernommene Bürgschaft von 250 000 Mark, die mit Zinsen auf 400 000 Mark angewachscn ist, dadurch wieder Aurüd* < chatten, daß sie die Liquidation der Gesell- Ichaft und den Verkauf der Grund stücke zugunsten der Stadt veranlaßt. — Die Devo ist !i>or einigen 3ahren mit großen Mitteln aufgezogen worden. 3hr Leiter ist der Stadtverordnete Kein au, ein städtischer Beamter, der zur Ler- tung dieser Gesellschaft beurlaubt wurde. Eine Unzahl Pensionen und Hotels an der See und m Gebirge gehört dieser Gesellschaft, die dadurch finanziert wurde, daß ihre Mitglieder Anteile zeichnen mußten. Eine Sanierung der Gesellschaft ist nach Lage der Dinge ausgeschlossen. Die Rettung des deutschen Ozeanfahrers Paul Müller. Der Deutsche Paul Müller, der in einem kleinen Segelboot den Atlantischen Ozean von Hamburg nach Florida ü berquecte und an der amerikanischen Küste un- oit Charleston Schiffbruch erlitt, ist nun» inehr in Charleston eingetroffen und er- zLhlt, er sei am vergangenen Dienstag in einen s hweren Sturm geraten und hab« sein Boot in Brand gesteckt, um auf diese Weise ein Ilotsignal zu geben. Das Boot trieb sodann bei ;g Mawah auf den Strand zu, geriet in die Brandung und zerschellte. Da keine Hilfe kam, ver- luchte Müller schwimmend die etwa 10 Kilonieter entfernte 3ohnsinsel zu erreichen, auf der er ein Haus bemerkte. Als er die Hälfte der ! etrede zurückgelegt hatte, nahm ihn der Deutsch- I r.nerifaner Fritz Ströbel, der ihm in einem «uderboot entgegengefahren war, auf. Das Ret- I mgsboot wurde jedoch durch einen neuerlichen Sturm nach der unbewohnten Snakeinsel vcr- s-hlagen. Don dort aus gelang es den Schiff- b»rüchigen, Charleston zu erreichen. Wettervoraussage. Allmählich gewinnt der hohe Druck von Westen j her Einfluß auf unsere Wetterlage. Die Bewölkung I ifi bereits zurückgegangen, und westlich der Elbe harscht vielfach heiteres Wetter. Im Bereich hohen Druckes hoben wir zunächst mit mehr aufheitern- b*=m Wetter zu rechnen, wenn auch zeitweise noch Bewölkung auftritt. Durch die noch zufließende Berlin, 27.Juni. (WB.) Im Brudermordpro- gegen Manasse Friedländer bekundete Prof. Dr. >i,7anz B i o l e t, der Friedländer ein Jahr lang l nterrichtet hat, daß Manasse Friedländer sich der Schule und den Lehrern gegenüber ablehnend gezeigt habe, ohne daß er aber sich dabei unhöflich Dfrer unfreundlich betragen hab«. Ihm persönlich ci Manasse Friedländer nicht sympathisch gewesen, daß er das näher begründen könne. Vielleicht ei es auf den finsteren Gesichtsausdruck des Schü- re zurückzuführen. Manasse Friedländer sei von Mitschülern und Kollegen mehrfach als jähzornig ?e;eichnct worden. Er sei gelegentlich wegen seiner 'xmdartigen Aussprache von Mitschülern gehänselt w orben. Der Vater des Angeklagten erklärte, daß er vx>n 7 uf)r bis 21 Ahr im Geschäft und nur am 2ittagslisch mit seinen Söhnen zusammen gerne* ser und deshalb wenig Gelegenheit gehabt 'hebe, das Verhältnis zwischen ihnen zu beobach- ien. Seit Tibor Földes sich an Waldemar ..»geschlossen habe, sei das Verhältnis zwischen feinen beiden Söhnen schlechter geworden. den letzten Jahren hätten die Brüder nicht vriteinander gesprochen. Acht Tage vor dem Vor- fdü sei er mit Manasse ausgefahren. Manasse lei sehr niedergeschlagen gewesen. Der Vater hot angenommen, daß der Grund in Manasses Stellungslosigkeit zu suchen sei. Vor etwa zwei 3ahren habe er Waldemar dabei überrascht, wie er den älteren Bruder, den er über das Bett geworfen hatte, ohrfeigte. Er habe beide daraufhin geohrfeigt und gesagt, er wolle es nie wieder erleben, daß sich Brüder prügeln. Auch die Mutter äußert sich mit überraschender Schärfe über den unheilvollen Einfluß, den der ebenfalls von Manasse erschossene Freund Waldemars, Tibor Földes, auf die Beziehungen der beiden Brüder gehabt habe. Die Beziehungen zwischen Waldemar und seiner Mutter waren ungleich wärmer als die zwischen Manasse und der Mutter. Wenn Waldemar nach Hause gekommen sei, so berichtete die Zeugin, habe sie mit ihm Tee getrunken und er habe ihr alle Erlebnisse aus der Schule, aus dem Konservatorium und aus dem Sportklub erzählt, Manasse sei einganzver- sch lasse ner Mensch gewesen, den sie über- Haupt nicht habe verstehen können. Die Kinder hätten immer Pistolen als Spielzeug gehabt. Wenn sie aber von Manasses Waffe gewußt hätte, hätte sie sie ihm weggenommen. Auf die Frage des Verteidigers: „Ist also das Gefühl des Angeklagten, daß Sie Waldemar lieber gehabt hätten als ihn, berechtigt gewesen?" erklärte die Zeugin weinend: „Vielleicht. Ich verttaue nur auf Gott, daß er mir das Kind wiederschenkt. Ich bin schuldig, weil ich Tibor nicht hinausgeworfen habe, der unser ganzes Familienglück zerstörte." nungen vorgesehen. Mit dem Rohbau soll noch in diesem 3ahr begonnen werden, die Fertigstellung dürfte im Spätsommer des nächsten Jahres erfolgen. Die auf Grund eines engeren Architektenwettbewerbs eingegangenen und von der Bank angekauften Entwürfe sind im Sitzungssaal des Gewerbehauses. Kirchstr. 16, zur Einsichtnahme für Interessenten offengelegt. Besichtigungszeiten sind aus der heutigen Anzeige ersichtlich. *• Die Wartehalle der elektrischen Straßenbahn auf dem vorderen Trieb an der Volkshalle (gegenüber dem Schützenhaus) ist jetzt im Rohbau fertiggestellt: sie ist mit einem flachen Dach versehen worden. Der zweiflügelige Bau birgt im nördlichen Teil des Westflügels (Front nach der Volkshalle) die Transformatorenstation, einen Raum zur Abgabe von Milch und Erfrischungen, den Äassenraum sowie den Warteraum. In dem Süd- flügel sind die Aborträume, für Frauen und Männer getrennt, untergebracht. Da der Bau nur ein Stockwerk hoch ist, ist ein Teil der Toiletteräume eine Treppe tief gelegt. Gegenwärtig ist man mit dem Anschluß an das Wasserrohrnetz beschäftigt. Die Fertigstellung des Gebäudes dürfte nur noch kurze Zeit beanspruchen. ü in einffiVmln8 toutjb pMer Ab. hn °uil- 1 töiffLet agefe-ot 141 *>ag»gi, der öffentlichen Detterdienststelle Gießen. Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern vorherrschend kühl, regnerisch: heute morgen 10 Grad, Aordwind, wollig. — Berchtesgaden: Gestern vorherrschend kühl und regnerisch: heute morgen Aordwestwind, 12 Grad, wolkiges Wetter. Küste (Westerland a. Sylt): Gestern vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 14 Grad, Aordwind, heiter. — Borkum: Gestern teils heiter, teils wolkig: heute morgen 13 Grad, Westwind, wolkiges Wetter. — Helgoland: Gestern teils heiter, teils wolkig: heute morgen 10 Grad, Aordwestwind. wolkiges Wetter. Baden (Baden-Baden): Gestern vorherrschend kühl, meist trübe; heute morgen 13 Grad, Ostwind, wolkiges Wetter. — (Freiburgs Gestern vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 12 Grad, Nordwind, wolkig. Rhein gebiet (Köln): Gestern vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig: heute morgen zwölf Grad, Windstille, heiter. — (Koblenz): Gestern vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig: heute morgen Nordwestwind, 12 Grad, wolkig. Schlesien (Schreiderhau): Gestern vorherrschend kühl, veränderlich mit Schauern; heute morgen 10 Grad, Westwind, wolkig. Aus der Provinzialhaupistadt. Gießen, den 28.3uni 1929. Das Gleiberg-Festspiel im Gtadttheater Des Gleibergs festliche Farben wehten gestern über dem Gießener Stadttheater zu Ehren des Glei- dergvereins, der die Reihe froher Feste zum Gedächtnis des denkwürdigen Tages, an dem vor fünfzig Jahren die Burg Gleiberg aus der Hand der preußischen Krone in seinen Besitz überging, mit der Aufführung eines von Rudolf Schmeling aus diesem Anlaß verfaßten Textspiels begann. Der Autor hat mit gutem Blick aus der an interessanten Ereignissen überreichen Geschichte des Gleibergs eine besonders packende Szene heraus- gegriffen und mit dichterischer Freiheit wirkungsvoll gestaltet. Es ist eine der düstersten Stunden deutscher Geschichte. Gegen den römischen Kaiser, den Salier Heinrich IV., wenden sich am Ende seiner Tage neben Papst, Fürsten und Städte auch die eigenen Söhne. Heinrich V., schon zu Lebzeiten des Vaters zum deutschen König gekrönt, sucht Bundesgenossen gegen den kaiserlichen Vater. Als Spielmann verkleidet, weilt et auf dem Gleiberg, um dessen Herren für seine Sache zu gewinnen. Don den auf der Burg gemeinsam regierenden Dettern ergreift der ältere Graf Hermann feine Partei, der jüngere dagegen wendet sich leidenschaftlich gegen den königlichen Empörer, der in seinem Inkognito bei Mechtild, dem schönen Durgsräulein nebenbei auch noch zarte Eroberungen macht. Am ein Haar wäre das Liebesspiel ihm teuer zu stehen gekommen, doch rechtzeitig rückt das Heer des Königs vor die Burg, seinem Herrn Gehorsam zu verschaffen. Den Grafen Dietrich bannt der Spruch des Königs in die Ebene an das Afet der Lahn, wo aus seiner Siedekung unser Gießen entstehen sollte, die Gräfin Mechtild, die nach dem königlichen Spielmann keinem anderen ihr Herz schenken mag, erbittet sich vom Vater den Schiffenberg jenseits des Flußtals, wo sie ein Kloster zur Ehre Gottes und zur eigenen Ruhe gründen will. Das ist in wenigen Strichen die Handlung des Festspiels, das Paul Gehre vom Stadttheater mit viel Geschick und Verständnis für die Bühnenwirksamkeit in drei hübsche Bilder gebracht hatte. Für die Rolle der beiden Grafen Gleiberg waren Otto Knur vom Stadttheater und der ehemalige Oberspielleiter Adolf Seietb gewonnen worden. Paul Gehre selbst hatte den Kellermeister, die komische Figur des Stückes, übernommen. Ein reizendes Durgfräulein, blond und blauäugig, war Luise Decker, Geo D u s e b e r g ein liebedurstiger Spielmann und streitbare König, weitere Rollen waren Marie Wagner, Hermann Gantenberg, Lisbeth Krauskopf und Heinz 3 m m e l anvertraut. Karl Löffler hatte ein lokalgetreues Bühnenbild geschaffen. Für die Musik zeichnete Paul Schuh verantwortlich. Das zahlreiche, festlich gestimmte Publikum folgte der | wirkungsvollen Aufführung mit sichtlichem 3nter- esse und feierte zum Schluß lebhaft Autor sowohl wie Schauspieler. Ein würdiger Auftakt für weitere Feststunden! Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Männer vor der Ehe", „Du sollst nicht stehlen" und „Gastspiel des Karpathen-Balletts" (Tanz-Revue). — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterdureau wird uns geschrieben: Am 2. Juli findet die Uraufführung von Miles Mallesons „Liebe auf den zweiten Blick" statt. Diese Komödie ist nach dem Roman „Safety First" von Margot Neville verfaßt und von Held ins Deutsche übertragen. Die Uraufführung hat die Intendanz des Gießener Stadttheaters allein erworben. Es handelt sich also nicht nur um eine deutsche, sondern überhaupt um die Uraufführung des Werkes. Die Spielleitung hat Oberspielleiter Hans Tannert. * ♦* Sperrung der B o-o t s h a u s st r a ß e. Dom Polizeiamt wird mitgeteilt: Wegen der Ruderregatta des Gießener Ruderclubs ,Ha|'sia 1906" ist die Bootshausstraße vom Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft bis zur Wißmarer Straße (Bahnüberführung) am Samstag von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag den ganzen Tag für den Publikums- 'verkehr gesperrt. ** Spendet für dieBahnhofsmissionl Am Samstag und Sonntag veranstaltet die Bahnhofsmission am hiesigen Bahnhof eine Sammlung. Jedermann sollte diese segensreiche Arbeit unterstützen, die jedem Hilfsbedürftigen zugute kommt, einerlei zu welcher Konfession oder Weltanschauung er sich bekennt. Die Bahnhofsmlssion, ein Netz, das alle größeren Bahnhöfe des In- und Auslandes umschließt, leistet alle Dienste unentgeltlich. Auf rechtzeitige, genaue Anmeldung werden alleinreisende Kinder, junge Mädchen, Blinde und Alte unbedingt sicher betreut und befördert. Darum gebe jeder gerne sein Scherflein. ♦* Die Aeubaupläne derHandels- unb Gewerbebank Gießen in derGoethe- strahe, auf dem früher Zurbuchschen Gelände, haben izunmehr greifbare Gestalt angenommen. Geplant ist ein dreistöckiges Gebäude mit etwa 27 Meter Straßenfront. 3m Erdgeschoß finden die Bankräume Aufnahme. Das erste Obergeschoß ist vom Gewerbeverein und der Hand- werkskammernebenstelle auf lange 3ahre gemietet worden und wird nach deren Wünschen eingerichtet. 3m zweiten Obergeschoß sind Woh- pwoiicenios. ©neuer. ®nait> DedecKt, © woixig. ch oeaecKl » Schnee trauern e neDei K6ew1Uer.@U1n05biie.-Qt sehr «icnier O$i jS massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwesl Oie »lene fliegen mit dem Winde. Pie ooden Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Limen VerDindeo OrU mit gleichet» Mil neeresniveau umgcrtchoeleo Luftdruck aßnahmt für gelehnt. =mung da. (Leb. ^erungsparteien: die »Lvtsront".) k-), dva den Sozial- us empfangen: .Der t aus, die Aufrecht- Ordnung sei auch möglich. Die Wirt- Haltung veranlaßt egierungsfarteien den irtei auf Aussetzung DodeMfvmentfchlie- Ae Dirtschastspartei Opposition, aber sie i Aegiermgskoalition e Rücksicht nehme, chließt das Hans, noch Novelle zur lex Brüning will steigende Auskom- :uer nicht mehr zur entern für die knapp- ung und für die In« Novelle zur Zucker- Mucker von der Steuer hssinanzministei. auch Lebens- und Senuß- r von der Steuer zu lex Brüning wird in n, Md Sie Novelle ien wir6 ein QIntrair M aus M tei der Mali- nach die Arbeiten der idjtung der Arbeits- j beschleunigt werte" der ersten AuguMle ird genehmigt. Weiter nnahme, auf Fa iur Schwer- jnder Untugend- eiiw neue Sitzung b jsteitagsrüh Ö.30 an, -Ä >l und dew Mahl. Gesetz ub ^^rnah' I, daß. Der- oder Wicklung , ö6ti erfortert mA 'rantvortung n nur >nd MenE'! vrgSsfi AuiriA 5^0'iM (Dei aU-I bei unle^ ö‘T _ ___ _ —1 _ beginnt Montag Modehaus LflH IM OWBCK den 1. Juli 20.00 durchweg bis zu 40" 30" Aus unserer Abteilung Stoffe während des Ausverkaufes folgendes Sensations-Angebot! — Reste 5187A Cr&pe de Chine, Kunstseide, herrliche moderne Muster, 100 cm breit, per Meter Woll-Mousseline, nur diesjährige Muster, 60 cm breit, per Meter .. Wie immer wird Ihnen der Ausverkauf Nowack ganz außergewöhnliche Vorteile bringen. Das gesamte Lager ist einer strengen Prüfung unterzogen worden u. haben wir einige 100 Frühjahrs- Kleider und Mäntel aussortiert, die wir zu nebenstehenden Ausverkaufs-Preisen abstoßen. Außerdem gewähren wir auf alle anderen regulärenWaren während des Ausverkaufes einen Rabatt von Kommen Sie während des Ausverkaufs vormittags 50 bocbeleg. 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Wie vom Donner gerührt starrte Flimmer- Fred ihn an und ging dann — mit eigenem Risiko für sich selbst — die wenigen Stufen rückwärts hinunter. Larry, den Kopf auf einer Seite, betrachtete ihn mit dem interessierten Ausdruck eines wißbegierigen Huhnes, das eine ganz neue Art Wurm vor sich sieht. „Wer von uns beiden läuft eigentlich dem anderen nach? Sie mir, oder ich Ihnen?" fragte er freundlich. „Unb warum so frühzeitig aus dem Bett, Fred? Haben Ihre — hm — Geschäfte Sie die ganze Rächt in Anspruch genommen?" Fred fand keine Worte. Er war den ganzen langen Weg von der Jerrnhn Street bis Paddington zu Fuß gegangen, hatte alle erdenkbare Vorsicht angewendet, um nicht verfolgt zu werden, und nun--Endlich fand er seine Stimme wieder. „Also 'ne Falle war es?" sagte er bitter. „Das hätte ich mir eigentlich denken können. Aber gegen mich liegt doch nichts vor, Mr. Holt." „Doch! Eine ganze Masse," sagte Larry scherzend, der unbewußt die Tür des Heims hinter sich geschlossen hatte. „Doch, Fred! 3d) kann Ihr Gesicht nicht leiden, ich kann Ihre Schmucksachen nicht sehen und Ihr Personalbericht ist mir direkt ekelhaft. — Was steckt dahinter, Fred? Kommen Sie so früh, um persönlich den armen Blinden einen freiwilligen Beitrag zu überbringen? Haben Sie endlich mal Gewissensbisse bekommen?" „Lassen Sie doch den Unfinn, Mr. Holt," knurrte Fred und ging zu Larrys Lleberraschung mit ihm mit. „Wollten Sie denn nicht nach dem Heim gehen?" fragte er. „Ree," sagte Fred bissig. Schweigend gingen sie ihres Weges. Ein sehr nachdenklicher Fred zwischen den beiden Polizeibeamten. Sie hatten schon die breite Edgware Road erreicht, bevor er seine Gedanken gesammelt hatte. „Ich habe keine Idee, warum Sie mich mitgenommen haben. Sie können mich doch für 'ne alte Geschichte nicht nochmal fassen?" „Stimmt. Ich habe tatsächlich keine Ahnung, warum Sie eigentlich mit uns mitlaufen. Aber Sie haben uns ja selbst Ihre liebwerte Begleitung aufgedrängt, und da jetzt noch niemand unterwegs ist, der sehen könnte, in welch respektabler Gesellschaft ich mich bewege, kann ich Sie ganz gut noch eine Weile ertragen." (Fortsetzung folgt), Zreitag, 28. Zuni 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) El 149 Zweites Blatt itii Wontag er- * is-Angebot! teste einem ame- 5)1 lö 00 Nachdruck verboten. 1! Fortsetzung. einer deut- und verab- Sie finden meinem Lager essanteste Stunde, die ich bisher in schen Schule erlebt habe," sagt er schiedet sich dankend. Die Klasse fühlte sich. Sie hatte iir die Hälfte s eigentlichen Wertes sarzival nicht wie sonst zu neuem Leben »ecken. Die Klasse blieb stumpf. „Riemand kann zum Gral gelangen, als wer zum Gral berufen ist, rikanischen Professor und Abgeordneten gegenüber den deutschen Standpunkt vertreten und behauptet. Daß auch auf feiner Seite das Bestreben war, der deutschen Sache gerecht zu werden, wurde gefühlt und dankbar anerkannt. Für uns hatte die Stunde einen unbestreitbaren Gewinn; sie hat und festgemacht in dem Ziel: Fort mit Versailles! Aber auch auf den Amerikaner schien sie nicht ohne tieferen Eindruck geblieben zu sein. Vielleicht erinnert er sich noch einmal, wenn er wieder seinen Sih im amerikanischen Repräsentantenhause eingenommen haben wird — an die deutsche Geschichtsstunde. noch dazu sehr schlecht, der die schlimmste Sorte von Blinden, die es in ganz London gab, hier zusammenbrachte. Sie wissen. Blinde sind in ihrer Art wundervoll, tapfer und geduldig, und die meisten sind in gewisser Weise eine direkte Offenbarung für all die Glücklichen, die sehen können. Leider gibt es aber auch andere, verkommen, vertiert, der Abschaum der Erde. Wahrscheinlich haben Sie von den .Toten Augen' gehört?" „Heute morgen zum ersten Male," antwortete Larry, und der andere nickte. „Wir sind diese Menschen losgeworden und haben jetzt nur anständige, alte Hausierer hier, wo alles nur mögliche für sie getan wird. Möchten Sie sich vielleicht das Heim ansehen?" „Sie kennen also den blinden Iake nicht?" „Ich habe niemals von ihm gehört," sagte Chrw. Iohn Dearborn, „aber wenn Sie bitte mitkommen wollen, können wir uns ja erkundigen." Das Heim bestand aus vier Schlafräumen und einem gemeinsamen Wohnraum, der Tabakrauch ausdunstete, und in dem die Insassen sich aufhielten. Larry tonnte kaum einen Schauder unterdrücken, als er um sich blickte. „Einen Augenblick bitte," sagte Dearborn, als er mit den beiden Herren in den Gang getreten war, und ging noch einmal in das Zimmer, kam aber bald wieder kopfschüttelnd zurück. „Riemand kennt den blinden Iake persönlich, und nur einer hat überhaupt etwas von ihm gehört." Sie gingen nach dem ersten Schlafsaal hinauf. „Ich bezweifle, daß Sie noch mehr zu sehen wünschen," sagte Dearborn. Larry hob lauschend den Kopf. „Es kam mir vor, als ob ich jemand stöhnen hörte." „Ganz recht," entgegnete der Vorsteher. „Das ist ein trauriger Fall. Oben sind kleine Räume für die Laute, die in der Lage sind, ein wenig mehr wie ihre anderen Leidensgenossen zu zahlen. In einem wohnt ein Mann, der, wie ich befürchte, geistig nicht ganz normal ist. Ich habe schon darüber an die zuständigen Behörden berichten müssen." „Können wir nach oben gehen?" fragte Larry. „Aber mit dem größten Vergnügen," gestand nach kurzem Zaudern Ehrw. Dearborn zu. „Das einzige, was ich befürchte," fuhr er im Vorausgehen fort, „ist die Ausdrucksweise des Mannes, die Sie sicherlich abstoßen wird." In einem kleinen, viereckigen Raum lag ein vertrockneter, alter Mann, in den Sechzig, der sick) ruhelos in seinem Bett hin- und herwarf, unaufhörlich plapperte — und mit einer unsichtbaren Person zu sprechen schien. Larry hörte seine Worte und wunderte sich. „Du Biest! Du Feigling!" stammelt« der Mann dabei ist Ihre Visitenkarte „Außenpolitische Fragen spielen bei der Präsidentenwahl in Amerika kaum eine Rolle." Alnd in ehrlicher Verwunderung fügt er hinzu: „Eine solche Kenntnis ausländischer Verhältnisse, wie ich sie hier eben festgestellt habe, findet man in amerikanischen Schulen nicht." „Leider haben wir auch diese Kenntnis bei Wilson vermissen müssen; doch das sollen Ihnen die Schüler sagen," füge ich an. Da hageln die Antworten: „Er wußte nicht, daß Danzig eine deutsche Stadt ist! Er wußte nicht, wo Oberschlesien liegt!" Da sind wir wieder bei dem Versailler Diktat. Die Schicksalsstunde in der Spiegelgalerie wird ^raufbefchworen. „Warum gerade dieser Ort?" frage ich, und die Antwort lautet: „Wo das Deutsche Reich gegründet wurde, sollte auch sein Untergang besiegelt werden." Da erhebt der Gast lebhaften Einspruch; er hat die Antwort mißverstanden und verwechselt die Absicht der Feinde mit dem Ergebnis. Erregt ruft er: „Das ist zu stark! Deutschland geht nicht unter! Das deutsche Volk lebt und arbeitet! Wir haben großes Vertrauen zu ihm!" Ich danke ihm für die uns ehrende Meinung und kläre das Mißverständnis auf: „Wir sprechen von der Absicht unserer Feinde, die nur allzu deutlich aus dem Friedensvertrag von Versailles erkennbar wird. Daß sie nicht Wirklichkeit werde, dafür wird mit uns auch dieses junge Geschlecht sorgen." Da läutet die Glocke die neue Stunde ein. Der Gast bittet, noch ein Schlußwort an die Klasse richten zu dürfen. Gerne gewähre ich es ihm. „Ich habe einen Sohn, so alt wie Sie," sagt er zu den Jungen. „An ihn mutz ich denken, wenn ich Sie so vor mir sehe, und schrecklich ist mir der Gedanke, datz die Iugend der Völker in einigen Jahren in einem neuen Krieg sich gegenüberstehe. Der Krieg darf sich nicht wiederholen; darum muh man für den Frieden sorgen. Amerika will den Frieden!" „Deutschland toill ihn auch, Herr Professor," sage ich, „aber uns fehlt noch eine Voraussetzung. Hören Sie noch aus dem Munde der Schüler; denn wir haben uns im Unterricht auch eine Meinung über den Frieden gebildet." Roch einmal drängt sich alles zur Antwort. Es ist, als wolle jeder dem scheidenden Gast noch eine Mahnung mit auf den Weg geben: „Man kann einem Volke nicht alles nehmen und sagen: Run halte Frieden!" — „Der Versailler Vertrag ist eine Ungerechtigkeit!" „Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden!" Der Professor wehrt ab: „Ich habe viel gelernt in dieser Stunde, sehr viel. Ich werde daran denken. Es war die inter- Deutsche Zungen über Versailles! Der amerikanische Professor in der deutschen Geschichtsstunde. — Deutsche Zungen über Amerikas Schuld am Ausgang des Krieges. - Erst Gerechtigkeit, dann Völkerversöhnung. Von Otto Grigoleit. im Bett. „Gehenkt wirst du. Denke an meine Worte! Gehenkt wirst du dafür!" „Es ist wirklich schrecklich," sagte Ehrw. Iohn Dearborn und wandte sich mit bedauerndem Kopfschütteln ab. „Ditte hier entlang, meine Herren." Aber Larry rührte sich nicht vom Fleck. „Gut, Iake, aber du wirst dafür bezahlen, denke an meine Worte. Das wird dir teuer zu stehen kommen! Die sollen ihre dreckige Arbeit allein machen! Ich habe das Papier nicht in seine Tasche gesteckt, das kann ich dir sagen." Larry trat in das Zimmer hinein, beugte sich über den Mann und ergriff seinen Arm. „Lassen Sie meinen Arm los, Sie tun mir weh," beklagte sich dieser, und Larry lieh ihn los. „Wachen Sie auf,“ sagte er, „ich möchte Sie sprechen." Aber der Mann schwatzte weiter, und Larry schüttelte ihn von neuem. „Lassen Sie mich in Ruhe," brummte der Alte. „Ich will nicht noch mehr Unannehmlichkeiten haben." „Wie heißen Sie?" fragte der Detektiv. „Ich will nicht noch mehr Unannehmlichkeiten haben," wiederholte der Mann. „Er phantasiert," sagte Iohn Dearborn. „Er bildet sich ein, daß man ihn beschuldigt, einem seiner Freunde unten einen Streich gespielt zu haben." „Aber er sprach von ,3afe‘,“ warf Larry ein. Das ist richtig, wir haben einen 3ake unten — 3ake Horleh. Möchten Sie ihn sprechen? Er ist ein kleiner Kerl, und in seiner Art ganz amüsant." Larry ging enttäuscht die Treppe hinunter und verabschiedete sich von seinem Führer. „3ch freue mich sehr, einen Besuch von der Polizei gehabt zu haben," sagte 3ohn Dearborn. „3ch wünschte nur, wir könnten auch andere Leute überreden, sich für und zu interessieren. Sie haben nun einen kleinen Einblick in unsere Arbeit tun und selbst sehen können, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen haben. Würden Sie aber vielleicht," fügte er hinzu, „bevor Sie gehen, mir mitteilen, warum Sie Iake, den Blinden, suchen? — Meine Leute kommen mir ja sonst vor Reugierde über den Grund dieses polizeilichen Besuches um." „Wenn es weiter nichts ist," lächelte Larry. „Es liegt die Anklage einer Frau gegen ihn vor, sie zu einem Verbrechen angestiftet zu haben." Der chn begleitende Polizeibeamte starrte ihn verblüfft an. Cs war wider allen Gebrauch bei der Polizei, den Angeber zu verraten. Larry öffnete die Haustür und blieb noch einen Augenblick stehen, die Hand auf dem Türknopf. „Verzeihen Sie bitte eine Frage, Mr. Dearborn, die 3hnen vielleicht peinlich ist," sagte er sanft. „Sind Sie selbst auch ...?“ „O ja," sagte der andere heiter. „3ch bin vollständig blind. Di« Gläser trage ich nur aus Da lenkt der Professor ein. „Die Blockade, das war der Hunger," sagt er, „und in Amerika wußte man nicht, wie einem hungernden Volk zu Mute ist." Die Klasse nimmt das Wort auf: „3n Deutschland hungerte nicht nur das Volk in der Heimat, sondern auch das Heer an der Front. Die Soldaten waren geschwächt und entkräftet in vierjährigem Kampf. Da kamen 1918 zur äleberzahl der Feinde noch zwei Millionen Amerikaner, jung, kräftig, aufs beste ausgerüstet, und gaben den Ausschlag." Da steht das Urteil plötzlich fertig vor uns. Einer spricht es aus: „Amerika entschied den Krieg!" Unwillkürlich richteten sich alle Blicke auf den fremden Gast. Für Augenblicke herrscht tiefes Schweigen in der Klasse, eine Stille, in der die Schicksalswende unseres Volkes diesen 3ungcn bewußt wird, wie selten in einer Unterrichtsstunde. Dann greife ich ein und leite über zu Waffenstillstand und Friedensschluh. Wieder nimmt der Amerikaner lebhaften Anteil; aber er sucht kein Wort der Entschuldigung für den Präsidenten Wilson. Die Preisgabe der 14 Punkte, die Vorspiegelung eines Friedens ohne Sieger und Besiegte, das Eingreifen in die innerpolitische Entwicklung Deutschlands durch das Erwecken falscher Hoffnungen, — nichts wird ihm geschenkt. Ich habe mich ganz zurückgezogen und wache nur darüber, daß die harte Wahrheit der Tatsachen den Takt nicht verletzt, den man dem Gast schuldig ist. Die Lehrstunde wird zu einer Auseinandersetzung zwischen den Schülern und dem amerikanischen Professor. Von Wilson, dessen völliges Unterliegen in Versailles von den Schülern betont wird, kommt das Gespräch auf die Vertreter der Ententeregierungen Cle- menceau und Lloyd George. „Was macht Lloyd George jetzt?" fragt er, und es scheint, als wollte er ablenken. Da antwortet ein Junge — es ist ein Tag nach den englischen Wahlen: „Der liest jetzt die Zeitung und sieht nach, wie die Wahl ausgefallen ist." „Welche Partei hat wohl die meisten Aussichten?" „Die Labour-Parth," sagt ein findiger Kopf, der die Ueberschriften der Morgenblätter auf dem Schulwege an einem Zeitungsstand gelesen hat. „OI Sie kennen auch die politischen Verhältnisse in anderen Ländern!" meint erstaunt der Amerikaner, „können Sie mir auch die amerikanischen Parteien nennen?“ Da kommt für einen Augenblick auch der Humor in dieser Stunde zu seinem Recht; denn die erste Antwort lautet: „Die Rassen und die Trocknen I“ Dann stellt ein anderer die Sache richtig. Man nennt dem Gast die Ramen der letzten Präsidenten und sagt ihm, daß nach Wilsons Abgang nur Republikaner gewählt seien. Da bekennt er stolz: „Ich bin selbst Repräsentant, also Abgeordneter, der republikanischen Partei!" Ich benutze die Gelegenheit und frage ihn, ob । sich wohl die dauernden Riederlagen der cuneri- kanischen Demokraten aus dem Versagen Wilsons in Versailles erklären lassen. | Doch er verneint: siufzte ich ärgerlich. Da geht die Tür auf. Mit dem Rektor tritt ein ftember Gast in die Klasse, groß, hager, glatt rasiert, Hornbrille. .Professor F. vom Rockefeller-Jnstitut in Reu- hock!" stellt der Rektor vor, „besucht deutsche 6bulen und möchte gern eine Geschichtsstunde hören." .Wir haben zwar jetzt Deutsch; aber wir wollen ti versuchen", sage ich und erwäge ein Thema. Die Augen der Jungen sind heller geworden, betrachten neugierig den Gast, der inzwischen tyat) genommen hat, und richten sich dann fra- jmb auf mich. .Was wird er wohl nehmen?" lese ich aus den gtfpannten Mienen. Ob sich der Gunst der Stunde etwas abgewin- rcn läßt für den Gast und die Schüler? denke i6 und komme zum Entschluß. Da ist das Sjema: .Amerikas Teilnahme am Welt- stieg und den Friedensverhandlun- gen! Wir wollen zusammenstellen, was uns baten bekannt ist!" Da geht ein Ruck burch die Klasse; aber auch in den amerikanischen Professor kommt Leben. ..Ich bin Amerikaner; das Thema interessiert mich sehr; aber bitte keine Rücksicht!" sagt er und rieft näher an die Klasse heran. Ein paar einleitende Fragen, und das Unter- rchtsgespräch ist im Gange. Gründe für den Bilitritt Amerikas in den Krieg werden genannt: Lreuelpropaganda, äl-Dootkrieg, dann das Geld. „Amerika wollte das Geld nicht verlieren, Has ihm die Ententestaaten für feine Muni- Iion8lieferung schuldeten", sagt einer. Da hält es den Amerikaner nicht mehr; leb- ha t meldet er sich zum Wort. „Darf ich sprechen, darf ich sprechen?" „Bitte!" sage ich und trete zurück. „Richt das Geld! Richt das Geld!" ruft er cregt, während die Jungen ihn ungläubig an» |it>2n. Aber die Wirkung der Lügenpropaganda htent er kräftig. Sie habe den Boden vorberei- kl; doch der Hauptgrund sei der Ll-Bootkrieg gtüDcfen. Jetzt drängen die Jungen: „-Die Schiffe waren gewarnt!" „Sie führten Ilunitionl" „Schlimmer als der A-Dootkrieg war he Blockade, die Amerika duldete!" Geheimrat Prof. Or. Haupt. Zum 75. Geburtstag. Geheimrat Herman Haupt, der bekannte Forscher der studentischen Geschichte und besonders der Geschichte der Deutschen Burschenschaft, feiert am 29. 3uni feinen 7 5. Geburtstag. Er ist in Mittelfranken geboren und studierte von 1871 ab in Würzburg Philologie und Geschichte. Gleich vielen anderen Gliedern der Familie trug er das Band der Burschenschaft Arminia und hat sich bis heute eingehend mit der burschenschast- lichen Geschichte befaßt; ist er doch der Gründer des Archivs der Deutschen Burschenschaft und der Gesellschaft für burschenschaftliche Gefchichtsfor- schung, der Herausgeber der „Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung und des bur- schenschaftlichen Handbuchs, der Verfasser zahlreicher Schriften und Aufsätze. 1885 übernahm er als erster fachmännischer Direktor die Leitung der ^Iniverfitäts-Dibliothek Gießen, für deren inneren und äußeren Ausbau er 36 3ahre lang alle Kräfte einsehte. Seine Verdienste um dieses 3nstitut fanden allenthalben die gebührende Anerkennung; bei seinem Ausscheiden 1921 ernannte ihn die älniversität zum Ehrensenator. Aber seine Forschertätigkeit gab er, wie erwähnt, nicht auf und wirkt noch jetzt als Herausgeber der „Hessischen Biographien" und in historischen Kommissionen und Vereinen, die ihn z.T. zum Ehrenmitglied ernannt haben, auch für die deutsche Geschichte. Möge es ihm vergönnt fein, noch manches Jahr rüstig zu arbeiten! Man kann nie wissen!" sagte ich mir, noch be* die Mehrheit eines hohen preußischen Land- |tq8 den Antrag ablehnte, der 10. Wiederkehr H Tages von Versailles auch in den Schulen p gedenken. Deshalb hielt ich es für geraten, in diesem Jahr der Versailler „Vertrag" lchiplanmähig an der Reihe war, noch gründ- schcr als sonst Zustandekommen und Inhalt dises Dokuments, das Vertrag heißt und doch jdner ist, in meiner Klasse — es ist erste einer LUtelschule — zu behandeln. Mit welchem Er- j)lg? DaS sollte sich bei günstiger Gelegenheit Vioeifen. Die Deutschstunde schleppte sich hin. War der lärme Junitag daran fchuld oder etwas an- kred? Jedenfalls konnte ich des alten Wolframs Umbauten im Gießener Bahnhof. Erweiterung der Halle im Empfangsgebäude Gießen. Die Vergrößerung der Bahnhofs-Empfangshalle wird begonnen und im Laufe dieses Sommers durchgeführt. Zunächst wurden die Räume des ehemaligen Fürstenbaues zu den Bahnhofsbureauräumen umgebaut. In die bisherigen Bahnhofsbureauräume wird die Stationskasse und dann die Gepäckabfertigung aus der Halle in die freiwerbenden Räume der Stationskasse verlegt. Es läßt sich hierbei nicht vermeiden, die vom Dahnhofsplatz zugänglichen Abvrt zu schließen. Rotaborte sind am Wartesaal 3. Klasse errichtet. Der Warte- s a a 1 3. K l a s s e wird sofort oh neSperre zugänglich. Die Sperre für die Züge nach Oberhessen und Wetzlar wird aus der Halle in den Durchgang zum Bahnsteig 4 verlegt. Die Handgepäckstelle wird mit der Gepäckabfertigung bereinigt und der dadurch freie Raum mit einem neuen Anbau zu den neu zu erstellenden, von der Halle aus zugänglichen Aborten benutzt. Im endgültigen Zustand wird eine vom Dahn- hvfsplatz aus zugängliche Exprehgut-Annahme- ftetle eingerichtet und der noch in der Halle verbliebene Sperrenteil parallel zum Bahnsteig 1 gelegt unter Freilassung des Zugangs zum Wartesaal 1. und 2. Klasse von der Halle aus. Erweiterung der Güterumlabeanlagen im Lahnhof Gießen. Die stetige Güterverkehrssteigerung im hiesigen Bahnhof bedingt ständige Erweiterungen. Rachdem im Jahre 1927 größere Erweiterungen der Gleisanlagen im Güterbahnhof vorgenommen und in diesem Frühjahr die Verladeanlagen der Eilgutabfertigung erweitert wurden, werden nunmehr die sehr stark beanspruchten älmladean- l a gen bei der Güterabfertigungvergrößert. Die dazu erforderlichen Gleisveränderungen sind in Kürze beendet, so daß der Platz zur Verlängerung der älmladehalle um 50 Meter frei wird. Außerdem werden 300 Meter Rampenkanten neu hergestellt. „ Wollen Sie nicht bitte näher treten." Es kni die Stimme eines gebildeten Mannes. Er km groß und kräftig gebaut, und sein glatt- nsiertes Gesicht zeigte eine außergewöhnliche Etccnge des Charakters. „Ich bin John Dearborn - Reverend John Dearborn," stellte er sich beim Somnschreiten vor. „Wir haben leider wenig Mud)er hier. Ich fürchte, Todds Heim ist nicht k|enber8 beliebt." Ser frohe Ton der Worte ließ deren Bitter- 6it vergessen. Sie kamen von einem starkgeistigen Tanne, der über der Sache zu stehen schien. 2irH machte er keine Anspielung auf die frühe Btunbe, die sie für ihren Besuch gewählt hatten. .Wir müssen den Gang noch etwas weiter Nt langgehen, meine Herren," sagte er. „Ich höre m den Fußtritten, daß Sie zwei Personen sind 4- Vorsicht — hier ist eine Stufe." Er stieß eine Tür auf, und sie traten hinein. 5Zimmer war behaglich möbliert. Das erste, Vas Larry auffiel, waren die kahlen Wände, U er sich mit einem gewissen Gefühl der Pein huan erinnerte, daß Bilder für Blinde keinen 3 stand still. .Das ist mein Diktaphon," erklärte er, als er fid> ihnen mit einem Lächeln zuwandte. „Ich bin literarisch tätig und diktiere in den Apparat, von '.tu dann meine Worte abgehört und mit der iHreibmaschine geschrieben werden." „Hun, meine Herren," sagte Ehrw. John Dear- ben, als er selbst Platz genommen hatte, „was icclchafft mir das Vergnügen Ihres Besuches?" ..Ich bin Beamter von Scotland Bard," stellte sch Larry vor, „mein Rame ist Holt." Ter ändere verbeugte sich leicht. .Ich hoffe, keiner meiner unglücklichen Schuh- Msrhlenen ist in Alnannehmlichkeiten geraten?" „Das weih ich selbst noch nicht genau,“ sagte Sarrt). „3m Augenblick suche ich einen Mann mit -Hamen Jake der Blinde." „Der blinde Jake?" erwiderte der andere langsam. „Id) glaube nicht, daß wir einen solchen Hamen in unserem Heim gehabt haben, toenig- sens nicht, solange ich die Leitung habe. Unb ih bin jetzt vier Jahre hier. Dor meiner Zeit birtbc bas Heim von einem Mann geleitet, und jffer roßen und Rabatt r.Lederwaren-Vertt'eb iödei . q Teleph°n Cksfatti"1 W* r'W he B,die*L- zu tragen- jel vZrH« ’S «Sf-3 MeiMaoonMm Roman von Edgar Wallace. 5«7A Die Beratung des Gießener Voranschlags für 1929. Annahme -es Etats gegen -ie Stimmen -er Wirtschaftlichen Vereinigung und -es Kommunisten. - Kompromißlösung über die Steuer- un- Waffergel-erhöhung. Finanzzuschlag zu -en Elektrizitätspreisen. * Gießen, 27. Juni 1929. Der Stadtrat beschäftigte sich heute in dreistündiger Beratung mit dem Voranschlag für 1929, der nach einer ausgedehnten Generaldebatte mit allen Stimmen gegen die der Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Kommunisten angenommen wurde. Die Aussprache drehte sich insbesondere um die Erhöhung des Wassergeldes und die Heraufsetzung der Grund- und Gewerbesteuer. Es kam dabei teilweise zu einer lebendigeren Aussprache, die aber erfreulicherweise sich stets in den Grenzen des Parlamentarischen bewegte. Wir werden auf diese Verhandlungen noch besonders zurückkommen. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. Hamm, Justizrat Dr. Rosenberg, Kommerzienrat K l i n g s p o r und 32 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist sehr gut besetzt. Nachruf für Prof. Or. Krausmüller. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmet Oberbürgermeister Dr. Keller dem allzu früh verstorbenen Stadtratsmitglied und Vorsitzenden der Stadtrotsfraktion der Deutschen Dolkspartei, Pro- fefsor Dr. Krausmüller, folgenden, vom Hause der Presse und den Zuhörern stehend angehörten Nachruf: „Am 23. Mai verstarb unterwartet das Stadtratsmitglied Herr Professor Dr. Krausmüller, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Deutschen Volkspartei. Er hat neben seinem Hauptberufe in zahlreichen Ehrenämtern auf den verschiedensten Gebieten segensvoll gewirkt. Aber in ganz besonderem Maße ist er unser gewesen. Denn was ihm besonders lieb und teuer war, was ihn in tiefster Seele bewegt und ergriffen hat, das war doch die Mitarbeit im Stadtrat an den Geschicken unserer Stadt Gießen. Da war in der Fülle und Mannigfaltigkeit kommunaler Aufgaben, Hoffnungen und Sorgen keine einzige, die ihm nicht vertraut gewesen wäre. Auf allen Gebieten der kommunalen Verwaltung hat dieser vortreffliche Mann helfend und förderns gewirkt. Und seine Tätigkeit war eine segensreiche. Wir alle schätzten im Stadtrate die Gewissenhaftigkeit und den Fleiß seiner Arbeit, die Sachkenntnis, die kollegiale Gesinnung, die Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender und das ehrliche Streben nach Ausgleich. In der Geschichte des Stadtrates der Stadt Gießen wird das Andenken an diesen gemeinsinnigen Mann in hohen Ehren bewahrt bleiben: denn er war eines der hervorragendsten Mitglieder des Gießener Stadtrates und einer der besten Bürger unserer Stadt." Namens der Fraktion der Deutschen Dolkspartei sagt Stadtratsmitglied Horn dem Oberbürgermeister herzlichen Dank für die liebevolle und warmherzige Ehrung ihres verstorbenen Führers. Amtseinführung des Stadtratsmitgliedes Gottmann. Hierauf erfolgt in der üblichen Weise durch den Oberbürgermeister die Verpflichtung und Amtseinführung des als Nachfolger von Prof. Dr. K r a u s - müller berufenen neuen Stadtratsmitglieds G o t t m a n n. Nunmehr wendet sich das Haus dem Hauptpunkt der Tagesordnung, der Beratung des Voranschlags für 1929 zu. Es wird einstimmig beschlossen, zunächst in eine Generaldebatte einzutreten. Als erster Redner spricht SiadLratsmitgl. Mann (Soz.) Der Redner beschäftigt sich zunächst kurz mit den allgemeinen Finanznöten des Reiches, der Länder und der Gemeinden, sowie mit den starken Be- lastungen der Wirtschaft. Er betont, daß die Finanz, schwierigkeiten der Städte durch die Kürzung der Steuerüberweisungen des Reiches an die Länder und Gemeinden immer mehr gewachsen seien. Sodann erinnert der Redner an den vom vorigen Jahre in das neue Haushaltsjahr herübcrgenom- menen erheblichen Fehlbetrag. Dem Finanzausschuß sei mitgeteilt worden, daß die Stadtverwaltung zur Zeit in starkem Maße die zur Fortführung der Ge- schäfte benötigten Mittel sich durch Darlehen bei den Banken beschaffen müsse, wodurch der Stadt große Zinslasten entstünden. Der Redner bedauert dann — lediglich als ein Beispiel — die sehr knappe Be- Messung der Vermögensrechnung, die es nicht möglich mache, die durchaus berechtigte Forderung der Bürgerschaft auf stärkere Straßenunterhaltung zu erfüllen: weitere Beispiele der Unzulänglichkeit der Mittel seien die Verschlechterung in der Anlagenpflege und die noch lange nicht hinreichende Betätigung in der Wohnungswirtschaft. Bei dieser ge- spannten Lage des Voranschlags sei es Aufgabe jeder Fraktion gewesen, vor der Stellung von Anträgen tief in die Dinge einzudringen und mit Anträgen sehr vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Statt dessen hätten dem Finanzausschuß über achtzig Anträge Vorgelegen, mit denen er sich in sieben Sitzungen habe beschäftigen müssen. Den meisten Anträgen habe nicht stattgegeben werden können. Der Rebner bemängelt sodann, daß der Beamten- apparat hier auf einem so niedrigen Stand gehalten wurde, wie nirgends in Hessen, und daß infolgedessen die Arbeitskraft der Beamten übermäßig angespannt und die Verwaltungsberichte bis jetzt erst bis zum Jahre 1925 teilweise herausgebracht worden seien. Angesichts dieser Sachlage sei es un- verständlich, daß die Mittelstandsvereinigung durch einen Antrag die Arbeitskräfte der Stadt noch mehr verringern wolle. Die Sozialdemokraten hätten alle Anträge der Mittelstandsfraktion, die hier anschei- nend die Führung habe, übernehmen wollen, ablehnen müssen. Der Redner polemisiert dann gegen die Mittelstandsfraktion und bemerkt, auch die Mehrheit des Finanzausschusses habe sich für die Mittelstandsanträge nicht erklären können. Ohne jeden Vorbedacht Hobe die Mittelstandsfraktion Anträge eingebracht, die von den Antragstellern nicht einmal hätten erläutert werden können. Diese An- trogsteller seien leicht über die Sache hinwegge- gangen und hätten die Durchführung Der beantragten Streichungen einfach dem Finanzausschuß und der Stadtverwaltung zugeschober^ Der Stchne; be» dauert dann, daß auch eine Anzahl Anträge der Sozialdemokratie im Finanzausschuß keine Mehrheit finden konnte ., begrüßt aber, daß z. B. Anträge auf Streichungen beim Wohlfahrtsetat keinen Erfolg hatten. Weiter bringt er Bedenken dagegen vor, Daß aus den städtischen Werken so hohe Beträge — jetzt ungefähr 740 000 Mark jährlich — herausgeholt werden, wodurch die Gefahr entstehe, daß die Tarife der Werke allmählich zu hoch würden: vor der Fortsetzung dieses Weges sei zu warnen. Das Wassergeld, das heute noch wesentlich unter dem Vorkriegspreis liege, habe der Finanzaus- schuß mit Wirkung ab 1. Juli auf die Vorkriegshöhe von 25 Pf. je Kubikmeter festgesetzt. Er begrüßt, daß Anträge der Sozialdemokratie auf Prüfung der Möglichkeiten zur Errichtung einer Waldschule und auf eine Aenderung der Badeverhältnisse im nächsten Jahre (Schaffung eines zeitgemäßen Licht- und Luftbades) Annahme gefunden habe. Die Finanzausschußmehrheit sei auch dafür, daß im nächsten Winter die Straßenbahn geheizt werde. Die Zustimmung zu einer Steuererhöhung in beschränktem Umfange und zur Erhebung eines höheren Wasser- gelbes, sowie zu dem Finanzzuschlag zu den Elektri- zitätsvreisen sei seiner Fraktion nicht leicht geworden. An dem auf diese Weise erzielten Kompromiß habe niemand eine rechte Freude. Der Redner bemängelt zum Schluß, daß der Voranschlag so spät vorgelegt wurde und fordert für die Zukunft die rechtzeitige Vorlegung des Haushaltsentwurfes. Trotz aller Bedenken werde seine Fraktion die Verantwortung für den Etat übernehmen und ihm zu- ftimmen. Stadiraismiigl. Horn (OBp.) erklärt zunächst, daß die Befürchtungen im vorigen Iahre, das Iahr 1929 werde ein Krisenjahr wie noch nie zuvor werden, leider zur Wirklichkeit geworden seien. Der Voranschlag weise ein düsteres Bild auf. Der Verwaltung könne man aber die Schuld hierfür nicht auf» bürden, denn die Ursachen für diese Gestaltung des Voranschlags lägen in der Entwicklung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse. Immerhin sei aber das Bild unseres Voranschlags noch nicht so düster, wie man es in anderen Städten sehe. Man müsse der Stadtverwaltung dankbar dafür sein, daß sie in vielen Stücken große Mäßigung gezeigt und keinen schlimmeren Voranschlag vorgelegt habe. Mit dem bisherigen Tempo von Steuerungen werde man künftighin nicht mehr einderstanden sein können, weil dazu die Deckungsmöglichkeiten nicht gegeben seien. Rühmend sei hervorzuheden, daß der Voranschlag ein klares Bild gebe und Aufschluß darüber bringe, daß von der Verwaltung nach guten und klaren finanzpolitischen Gesichtspunkten gearbeitet werde. In Uebereinstimmung mit dem Vorredner bemängelte auch er, daß der Voranschlag so spät vorgelegt worden sei. Aber im Gegensatz zu dem Vorredner müsse er betonen, daß die volksparteiliche Fraktion geglaubt habe, überall in dem Voranschlag etwas sparen zu können. Deshalb habe seine (des Redners) Fraktion zahlreiche Anträge gestellt. Sie sei dabei von dem Grundsatz ausgegangen, daß es möglich sein mühte, mit den Bureau» und Derwal- tungskosten des Vorjahres auszukommen, und sie hegte dabei die Hoffnung, daß die volksparteilichen Anträge die Zustimmung der anderen Fraktionen finden würden. Seine Fraktion sei auch dafür, daß eine Waldschule errichtet werde, und zwar in Oberhessen, damit die erholungsbe- bürftigen Kinder nicht nach dem Heuberg oder dergleichen gebracht werden müßten, womit große Kosten verbunden seien. Auch hinsichtlich der Dadeeinrichtungen werde seine Fraktion bereit sein, etwas Besseres zu schaffen. Weiter habe seine Fraktion z. B. beantragt, Abstriche beim Theater zu machen, wo 13 000 Mk. gestrichen wurden, ebenso sei sie für Ersparnisse bei den Kanälen gewesen. Leider sei das Letztere nicht möglich geworden, weil hier zu viele Erneuerungen notwendig geworden seien: als das überzeugend nachgewiesen wurde, habe: seine Fraktion diese Anträge zurückgezogen. Unmög» liches habe die Fraktion der Deutschen Volks- Partei nicht beantragt; sie habe nur das Ziel verfolgt, Ersparnisse zu machen, um den Voranschlag ohne Steuererhöhung auszugleichen. Leider seien diese Anträge nicht so durchführbar gewesen und leider könne man ohne eine Steuererhöhung nicht auskommen. Aber das Verdienst habe auch die volksparteiliche Fraktion, daß die Steuererhöhung beschränkt werden konnte, und daß man sich sagen könne, was jetzt als Kompromiß vorgelegt werde, könne nicht so als Härte empfunden werden wie die Vorschläge der Verwaltung. Seine Fraktion erkenne an, daß von der Stadtverwaltung gut, richtig und korrekt gewirtschaftet werde. Trotzdem müsse er sagen, wenn man im Vorjahre gewußt hätte, was in diesem Iahre vorgelegt werde, so würde seine Fraktion gegen manchen Antrag gestimmt haben: er wisse nicht, ob man dann z. 2. dem Umbau der Westanlage und der erheblichen weiteren Kapitalaufwendung für den Flughafen zugestimmt habe. Cs müßten bessere Zeiten kommen, bis man wieder soviel Geld aufwenden könne. Seine Fraktion sei bereit gewesen, offen und ehrlich zu prüfen, wie weit sie gehen könne, auch in dem Bewußtsein, den Mitbürgern Leistungen bis an die Grenze des Alleräußersten zumuten zu müssen. Handel, Gewerbe und Industrie hätten schwere Lasten zu tragen. Die Volkspartei sei nach schärfsten Prüfungen und nach langen Erwägungen bis an die Grenze des Aeuhersten gegangen. Sie habe bis zuletzt den ehrlichen Makler gemacht. Es sei ein Kompromiß geschlossen worden, das auch seine Fraktion nicht befriedige. Trotzdem müsse sie sich mit diesem Kompromiß einverstanden erklären. Er begrüßte es, daß im Finanzausschuß eine Plattform gefunden worden fei, zu der die meisten Fraktionen ihre Zustimmung glaubten geben zu können. Würde das nicht geschehen, so würde die Lage unserer Mitbürger nicht verbessert, sondern verschlechtert worden fein. Der Redner ersucht dann darum, diesem Kompromiß zuzustimmen. Dadurch werde unserer Stadt noch die Möglichkeit gegeben werden, ihre Aufgaben durchzuführen. Wer das Tempo dürfe nicht mehr so gehalten werden, wie man es noch im vorigen Iahre gewünscht habe; eS müsse verlangsamt werden, denn man könne nicht mehr M Sina WMahMetat hab.« ep noch zu bemerken, daß man leider jetzt nicht weitergehen und noch mehr tun könne. Der Wohlfahrtsetat mache jetzt schon eine sehr beträchtliche Summe im Gesamtvoranschlag aus. Cs dürfe nicht zugelassen werden, daß das Wohlfahrtsamt mit unberechtigten Forderungen seitens mancher Personen in Anspruch genommen werde. Siadiraismiigl. Schrnahl (Fr.'Bgg.) weist darauf hin, daß der Voranschlag bisher schon so sparsam wie möglich aufgestellt war. Es sei das Verdienst des Oberbürgermeisters Dr. Keller und des Stadtrats, daß unsere städtischen Finanzen so pfleglich behandelt worden seien. Weil bisher schon so sparsam gewirtschaftet worden sei, sei es jetzt doppelt schwer, noch weitere Ersparnisse zu machen. Seine Fraktion habe auch eine Reihe von Anträgen auf Erhöhung der Einnahmen und Senkung der Ausgaben gestellt, sie habe aber bei der Beratung einen Teil dieser Anträge wieder zurückziehen müssen, weil von der Verwaltung erklärt wurde, daß bei den betr. Einnahmen des Vorjahres die Etatansätze nicht erreicht und bei den betr. Ausgaben die Anschläge schon überschritten worden seien. Der Redner bespricht hierauf eingehend die Anträge seiner Fraktion, wobei er betont, daß es auch dank dieser Anträge möglich war, die Höhe des durch Steuern zu deckenden Fehlbetrages herabzusetzen,' zum Teil richtet sich bei dieser Besprechung die Kritik des Redners gegen Anträge der Mittelstandsvereinigung, denen seine Fraktion trotz größten Wohlwollens nicht habe zustimmen können. Wenn die Verwaltung ausdrücklich betont habe, daß sie schon im Vorjahre mit den veranschlagten Ausgabebeträgen nicht habe aus- fommen können, so gehe es nicht an, in diesem Iahre noch weniger anzusetzen, so sehr man sich auch gegen eine Steuererhöhung sträube. Beim Wohlfahrtsetat seien viele Ausgaben, denen man sich nicht entziehen könne und dürfe. Im übrigen müsse man doch auch wenigstens etwas Vertrauen zur Verwaltung haben. Der Redner wendet sich weiter gegen eine Herabsetzung der Erneuerungsstöcke. Es fei ein Verdienst des Oberbürgermeisters, daß wir diese Erneuerungsstöcke haben. Wenn große Ausgaben in den Werken entstünden, sei es doch besser, zur Deckung auf diese Fonds zurückgreifen zu können, als das Geld unter starker Zinsbelastung auf dem Geldmarkt aufzunehmen. Einer Reihe von sozialdemokratischen Anträgen habe seine Fraktion nicht zustimmen können. Bei einer Betrachtung der neuen Einnahmemöglichkeiten betont der Redner, daß eine Heraufsetzung des Wasserpreises naheliegend gewesen sei; vor dem Kriege habe das Wasser 25 Pf. je Kubikmeter gekostet, wenn es bisher für 20 Pf. abgegeben worden sei, so sei das außerordentlich billig, und die jetzige Festsetzung auf den Vorkriegspreis sicherlich nicht zu teuer. In anderen Städten koste das Wasser noch mehr als hier. Für eine Gaspreiserhöhung fei feine Fraktion nicht gewesen, den Finanzzuschlägen zu den Clektrizitätspreisen habe sie zugestimmt, diese Zuschläge feien aber nur vorübergehend. Mit den Gewerbesteuerfätzen bleibe unsere Stadt noch hinter den anderen hessischen Städten zurück, auch das kleinere Marburg ziehe mehr aus der Gewerbesteuer heraus als hier geschehen solle. Weiter betont der Redner, es müsse doch einmal hervorgehoben werden, daß auch die Lohn- und Gehaltsempfänger zu den kommunalen Lasten mit beitragen, ja sie seien sogar die pünktlichsten Steuerzahler, denn ihre Steuern würden schon vorn Verdienst abgezogen. Von einem Mitglied der Mittelstandsfraktion sei zugegeben worden, daß die Gewerbesteuer zu einem Teil wieder auf die Waren abgewälzt werde. Der Redner schließt sich im übrigen der Beanstandung seiner Vorredner wegen des späten Vorlegens des Voranschlags an und fordert, den Voranschlag künftighin so rechtzeitig vorzulegen, daß er bis zum 1. April verabschiedet sein könne. Zum Schluß bringt der Redner nochmals das Vertrauen seiner Fraktion zur Verwaltung zum Ausdruck, empfiehlt eine gewisse Rationalisierung im Derwaltungsbetrieb zur Senkung der Unkosten und an oas Haus, den Voranschlag möglichst einstimmig anzunehmen. Giadiraismiigl. Nicolaus (Mittelst.-Dg.) betont einleitend, die Vorwürfe des fozialdemokrati- fchen Redners bestärkten seine (Redners) Fraktion in der Auffassung, daß ihre Stellungnahme richtig gewesen fei. In den vergangenen Jahren habe man ich leichter mit einer Erhöhung der Steuern abge- unden. Wenn die Sozialdemokratie die heutige wirt- chaftliche Lage ansehe, werde sie wohl auch verstehen können, warum seine Fraktion ihre Anträge gestellt habe. Die Gebäudesteuer und das Wasseracld seien eine Belastung, zu deren Mittragung der Mitbenutzer des Hauses infolge der Wohnungszwangsgesetzgebung nicht mit herangezogen werden könne. Wenn seine Fraktion sich gegen Die Erhöhung Der OrunDfteuer und Des WassergelDes stemmte, so sei Das nur geschehen, weil sie es als eine Ungerechtigkeit ansehe. Daß immer nur eine Wirtschaftsgruppe zu diesen Lasten herangezogen werDe unD Die Mit- benutzer Davon frei bleiben. Aus Gerechtigkeitsgefühl solle man Diese Stellungnahme zu würDigen Der- stehen. Wenn Die Möglichkeit gegeben werDe, Diese Beträge umzulegen, Dann stimme seine Fraktion zu, um auch ihrerseits Der Verwaltung Diejenigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die sie zur Führung Der Geschäfte notwendig habe. Einzig und allein aus Den erwähnten GrünDen habe feine Fraktion Diese Steuer- bzw. Gebührenerhöhung abgelehnt, auch um DaDurch gegenüber Der Regierung zum AusDruck zu , bringen, Daß sie endgültig aufräumen müsse mit Der Wohnungszwangswirtschaft, Diesem letzten Heber- bleibsel aus Der Kriegszeit. Zu Der Frage Der Ge- werbesteuer habe er gesagt, bei Der Gewerbesteuer bestehe Die Möglichkeit, sie abzuwälzen, aber Diese Möglichkeit werDe beschränkt Durch Die Konkurrenz. Für feine Fraktion habe es sich Darum gehanDelt, Durch eingehenDe Prüfung Des Voranschlags zu untersuchen, ob nicht Ersparnisse erzielt werben tonnten, Durch Die eine Steuererhöhung sich entmeDer auf ein Minimum herabDrücken lasse ober sogar völlig überflüssig werben könne. Aus btefen Erwägungen heraus seien Die Anträge seiner Fraktion erst nach reiflicher Prüfung unD Heberlegung gestellt worDen. W tetttpji NW »Mr feig AgtjiH- des Vorjahres heruntergegangen, fonDern sei zum Teil noch Darüber geblieben. Hinsichtlich Der Rebuzie. rung Der Beamtenzahl sei seine Fraktion Der Mei, nung, Daß bei entsprechenber Organisation an Den Beträgen für Hilfskräfte bis zu 50 o. H. eingespart werben könnten, ohne baß es notroenbig sei. Die Beamten unerträglich zu belasten. Seine Fraktion habe bie Herabsetzung ber Kosten für bie Bauämt« beantragt, weil biefe Ausgaben gegenüber Dem Vor- jähre eine Erhöhung um 17 000 Mark erfahren hätten. Der Antrag, Die Mieten für Die stäDtischei Wohnungen heraufzusetzen unD DaDurch Die Zuschüsse Der Stabt zu senken, sei leider im Finanzausschuß abgelehnt worden. Beim Wohlfahrtsamt habe seine Fraktion eine Kürzung um 15 000 Mark beantragt, Dafür aber sich einoerftanDen erklärt. Daß jährlich 5000 Mark für Die Kosten einer WalDschule zurück- gelegt würden. Im Prinzip sei seine Fraktion mit Der Errichtung einer WalDschule einoerftanDen unter Der Voraussetzung, Daß Die entsprechenDe Verminbe- rung ber Ausgaben auf ber Gegenseite eintrete. Bei Der Straßenbeleuchtung hätten 10 000 Mark ge- strichen werben können, ba bie Unterhaltungskosten zu hoch angesetzt seien. Die Beleuchtung ber Stadt brauche bagegen keine Einschränkung zu erfahren. Seine Fraktion könne sich einoerftanben erklär» mit ber beantragten Erhöhung Des Preises für Elektrizität, aber nicht zustimmen werbe sie ber (Er- Höhung Des WassergelDes, Der OrunDfteuer unD der Gewerbesteuer. Die Anträge seiner Fraktion (eien nicht eingebracht worDen, um Den Voranschlag zu Fall zu bringen, fonDern um bei Der Festsetzung Des Etats ehrlich mitjuarbeiten. Durch ihre Spar- samkeitspolitik habe seine Fraktion Die Interessen Der StaDt förDern wollen. Da Diese Anträge nicht berücksichtigt worDen seien, könne seine Fraktion bie Verantwortung für Den Etat nicht mit übernehme«. Siadiratsmitgl. Fischer (Dem.) nennt als eigentliche Ursachen für den sehr angespannten Voranschlag einmal die Auswirkungen des verlorenen Krieges und sodann die schwierige allgemeine Wirtschaftslage. Die Grundsätze unserer städtischen Finanzpolitik, die von Oberbürgermeister Dr. Keller gegeben wurden, seien richtig und gesund. Das Haus solle alles daransehen, daß diese Grundsätze auch weiterhin fest- gehalten würden, und es solle darin dem Ober, bürgermeister folgen. Seine Fraktion habe keine Anträge zum Voranschlag gestellt, das sei ihr aber nicht leicht geworden. Immer wieder hätten er und seine politischen Freunde den Voranschlag geprüft, aber keine andere Gestaltungsmöglich, reit gefunden, und deshalb hätten sie von Qlnträ. gen abgesehen. Sie seien aber entschlossen gewesen, im Finanzausschuß jeden Vorschlag ehrlich ;yu prüfen und das Mögliche zu verwirkliche«. Viel sei aber aus den vielen Anträgen nicht als brauchbar herausgekommen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen weist der Redner u. a. darauf hin, daß in unseren Volksschulen noch Klassen mit 56 und 58 Kindern bestehen. 3n diesem Iahre habe man noch darüber hinwc;- kommen können, im nächsten Iahre werde bej vielleicht nicht mehr möglich sein, und dann würden neue Lasten entstehen. Deshalb habe et nach dieser Richtung hin für dieses Iahr von Anträgen abgesehen. Der Drehpunkt der bisheriger Aussprache sei nach seiner Meinung der gewesen: war der mit dem Kompromiß der Finanzausschuß. Mehrheit gezeigte Weg der richtige, oder war ti der von Herrn Ricolaus gezeigte Weg? Der vom Stadtratsmitglied Ricolaus gezeigte Weg lei ein Weg mit kleinen Mitteln. Bei einer kritisch» Betrachtung eines Teiles der Anträge der Mid telstandsfraktion kommt der Redner zu dem Ergebnis, daß diese Anträge undurchführbar feien Weiter warnt er vor einer ständigen weiter» Inanspruchnahme der Werke, die zu schwer» Bedenken Anlaß gebe. Dadurch würden btt Tarife immer mehr erhöht, und es sei da zr überlegen, ob manche Unternehmungen in unserer Stadt Dann noch konkurrenzfähig bleib» würden. Mit dem von der Sozialdemokratie beantragten Abbau der Studienanstalt erflärt sich der Redner nicht einverstanden. Weite 2ürge& kreise, die früher sehr gut situiert waren, müßten heute ihre Töchter Berufe ergreifen lasten und dazu gehöre eine gute Schulausbildung. Diesen Kreisen der Bürgerschaft müsse genau so geholfen werden, wie den anderen. Seine Frakti»' habe seinerzeit für die Errichtung dieser Qlnftal gestimmt, und sie werde auch heute wieder b® für stimmen. Bei einer Besprechung der Streichung am Theateretat hebt der Redner heroa. daß Gießen den kleinsten Zuschuß zum Theater leiste, und doch müsse mit Freuden vermerk werden, daß sich das künstlerische Riveau unseres Theaters sehr gehoben habe. Es sei aber ein skandalöser Zustand, daß bas Gießener Theater einer so niedrigen Zuschuß von der Regierung erhav, während man Darmstadt und Mainz viel, viel mH gewähre. Wenn man für die dortigen Theater - bei Mainz sei es noch zu verstehen — so viel Erk habe, so dürfe man Gießen nicht als Stiefkind ** handeln. Mit dem Umbau der Westanlage und Unterstützung des Flughafens erklärt sich der ner einverstanden. Hinsichtlich der Steuerhöhung er seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß in b'.r fern Augenblick die Steuererhöhung habe beschloss^ werden müssen; er ist aber überzeugt, daß das. nö in dem Kompromiß festgelegt worden ist, veralt' wartet werden kann. Wer das nicht begreifen köirr oder wolle, dem sei nicht zu helfen. Seine Frakt» habe sich zunächst mit der Erhöhung des Was«!' gelbes und der Grundsteuer einverstanden erklär!, dagegen eine Erhöhung der Gewerbesteuer prfK abgelehnt: erst im Verlaufe der Finanzausschl' beratungen habe sie auch eine mäßige HeraufsetzMl; der Gewerbesteuer als letztes Mittel zum S&q gleich des Voranschlags ins Auge gefaßt. ÄH Nicolaus und seine Fraktion hätten sich bageef f bereit erklärt, bie Erhöhung ber Gewerbesteuer nt' zumachen, unb zwar als erstes DeckungsmiA Das müsse er boch feststellen. Für bie bemofrati® Fraktion sei es selbstoerstänbliche Voraussetzurt gewesen, baß bie Wassergelberhöhung hätte M' I gelegt werben sollen: aber bas sei später als gelt?’ kich nicht zulässig bezeichnet worben. Mit bem Wav> schulprojekt ist ber Rebner einverstanden. Er ist ><■ Ueberzeugung, baß bie Mehrheit bes Hauses ev ber Annahme des Kompromisses den rechten gehe, wenn ihr auch bie Entscheibung schwer p^'i Im Bewußtsein seiner Verantwortung müsse rc1 biA EuHHeidung treten, und dabei mäste M eiw notöenbii Rede irbeiten. Lurch ihre Gn io v. k . *2 Der direkte We^ Günstige Verzinsung von Spargeldern Verwahrung, Verwaltung von Wertpapieren Vom Produzenten an die Smmem Im weiteren 5 ingen weist der Aedner l unseren Volksschulen r 58 Kindern bestehen. um nrt toruta M \ Mm Jahre werde t iöM srin, Md tat tMn. Deshalb habe - jin sür dieses Jahr von - >r Drehpunkt der bisher,- einer Meinung der npromihderFinanzaM m d-r richtige, oder war lus gezeigte Weg? icolaus gezeigte Weg Mitteln köeiemcrstit^ eiles der Anträge der A mf der Redner dem iträge undurchführbar » !r Ler ständigen ^Ddiurch würden' ÄÄ-gä SsSfiS! SÄLS?« ÄLk'S'Ä n-rde auch 9*“* M tat hebt f, m 2^ -insten ELn iü|fg mit p1 TJihCdU um^ tN^TÄ ( srKZT Ministerialdirektor Liebel t- WSA. Darmstadt, 27. 3uni. Ministerialdirektor Philipp liebel ist heute nacht plötzlich gestorben. QIm 24. Dezember 1864 in Dieburg geboren, ging er später zunächst in den Schuldienst. Vorübergehend trat er dann aus dem Staatsdienst auS und wurde am 22. Februar 1919 Präsident des Hessischen Landesschuldenamts, am 1. Lanuar 1920 Präsident des Hessischen Landesernährungsamts, und vom 1 April 1922 ab bis zu seinem Tode war er Ministerialdirektor im Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, und zwar Vorsitzender der Av- teilung für Ernährung und Landwirtschaft, liebel war langjähriger Präsident des Hessischen Bauernvereins und gehörte auch dem Arbeitsvergebung. 'F«r die Feldbereinigung Bernsfeld Ic'Jt n auf der Bürgermeisterei zu Berns- |(b die Herstellung verschiedener Gräben, ta Liefern und Verlegen von Zement- fihcen und Lhaussierungsarbeiten unter ftnroeis auf die Reichsverdingungsord- tun g in drei Losen vergeben werden. Die fcbungungen können auf der hessischen Frgermeifterei Bernsseld eingesehen und ft Leistungsverzeichnisse kostenlos, soweit kr Vorrat reicht, von dort bezogen wer- dn Lröffnungstermin: Montag. 8. Juli, vormittags 11 Uhr. Zuschlagsfrist 14 Tage. Fre ie Auswahl bleibt vorbehalten. ®eßen, den 24. Juni 1929. 5582D hessisches Kulturbauamt. tz, Steinbach. Regierungsbaurat. Schweizerkäse m 1.80 Emmentaler schä"hte 0.68 NeueKartoif.,3 pfd. 035 Matjesheringe 3 st 035 r Umständen auch den Mut zur Unpopularität Stadtraismiigl. Kästner (Kom.) d! sich gegen die Steuererhöhuna aus. fordert h und Vermögenssteuern, polemisiert gegen die bheitsfront von Schmahl bis Mann", kritisiert : Äohlfahrtsetat und am Wohnungsbau, lehnt । Dosserpreis und schließlich auch den ganzen 17Ö00 kS0*«« den für A'« !???urchdie^M 8Äion Gne scharfe Auseinandersetzung Kion.Qn kJUnnt sich im Anschluß an diese Veden zwi- ■"& " dem Stadtratsmitglied Oticolauä einet- und den Stadtratsmitgliedcrn <5 i f eß e r, „ n hl Mann und Goerh andererseits. McolauS noch am Donnerstagvormittag erklärt habe, er werde sich bei seiner Fraktion für die Freigabe der Abstimmung einsetzen. Herr F i - scher hält gegenüber den Aeußerungen des Herrn Aicolaus seine Darstellung vollkommen aufrecht, während Herr Aicolaus zugibt, daß er von einem Vorbehalt nicht gesprochen, weil er eben diesen als selbstverständlich angesehen habe. Herr Goerh bemerkt noch, es treffe zu, daß Herr Aicolaus davon gesprochen habe, daß die Gewerbesteuer auf die Verbraucher abgewälzt werden könne. Aach einigem weiteren Hin und Her schließt die Generaldebatte. Eine Spezialberatung wird vom Hause nicht gewünscht. Darauf folgt Oie Abstimmung. Der Voranschlag, der in den Endsummen mit 8 668 011,57 Mark abschließt, wird gegen die Stimmen der Mittelstandsfraktion und gegen die Stimme des Kommunisten in der vom Finanzausschuß fest- gelegten Fassung en bloc angenommen. Das Was. sergeld wird mit Wirkung ab l.Juni auf 25 Pf. je Kubikmeter erhöht. Weiter wird ein Finanzzuschlag zu den Elektrizitätspreisen wie folgt beschlossen: 3 Pf. je Kilowattstunde für Lichtstrom, 2 Pf. für Kraststrom, 10 Pf. monatlich für Zählermiete: Ertrag insgesamt 50 000 Mark. Die Erhöhung der Gemeindeumlagen wird wie folgt festgelegt: 1. G r u n d st e u e r für bebauten Grundbesitz auf 25 Pf. je 100 Mark Steuerwert: 2. Grundsteuer für unbebauten Grundbesitz auf 35 Pf. je 100 Mark Steuerwert: 3 Gewerbe st euer vom Kapital auf 55 Pf. ie WO Mark Steuerwert: 4. Gewerbe st euer vom Ertrag auf 220 Pf. je 100 Mark Steuerwert. F e ft« setzung öer Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz auf den vorjährigen Satz von 77 Pf für je 100 Mark Steuerwert. Der alsdann noch verbleibende Fehlbetrag soll wie folgt gedeckt werden: Erhöhung des Aufkommens an Grund- | Plintn-innarategSaSS“ Photo-Arheiten s erwerb st euer um weitere 10000 Mark: Er« Höhung des Auskommens an Wertzuwachs- ft euer um 5000 Mark: Ermäßigung der Ausfälle an Steuern um 4000 Mark, Ermäßigung desZufchusses für d i e S t r a ß e n- bahn um 3000 Mark: Ermäßigung des Reservefonds um 5000 Mark. Die Theater- deputation wird ersucht, in eine Nachprüfung darüber einzutreten, ob etwa eine Erhöhung der Eintrittspreise möglich ist. Weiter wird die Vorlage einer Denkschrift gefordert über die höhe der Baukosten für eine Walderholungs- ftätte mit Schuld etrieb für 50 bis 60 Kinder, die Derpflegungs- und Betriebskosten der An- statt und einen Vergleich mit den seitherigen Kosten der Erholungskuren (ohne Badekur). Die ab l.Juli 1929 vorgesehenen neuen Richtsätze in der Wohlfahrtsfürsorge sind bis spätestens 1. Oktober 1929 einer Nachprüfung zu unterziehen. Damit ist die Etatberatung beendet. Das Haus wendet sich nunmehr der Beratung weiterer Vorlagen zu, über die wir noch berichten werden. Zwangsversteigerung. K. 60/28 Am Donnerstag, dem 29. August, vormittags 9 Uhr, wird auf dem Amtsgericht Gießen, Zimmer 106, das im Grundbuche von Gießen den August Körbel Eheleuten in Rauschenberg zu je zugeschriebene Anwesen firofborfer Straße 75 Flur 33, Ar. 29 = 74 qm hofreite Flur 33, Ar. 30 = 2306 qm Grabgarten, geschätzt auf 17760 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 5584V Gießen, den 24. Juni 1929. I. A. des Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______ Lfcncr Einstimmigkeit zwischen allen F a t ti on cn vorher erzielt worden wäre. Da itr Einstimmigkeit aber nicht zustande gc- tnmen sei, habe auch die Bereitwilligkeit zur ti 5fcung der Gewerbesteuer seitens der Alittel- |. d-sfraktion ihre Grundlage verloren. Don den Sildlratsmitgliedern Schmahl und Goerh ovd dagegen betont, daß Herr A Molaus in fraglichen Ausschußsihung an seine Erklärung |fl Bereitwilligkeit zur Erhöhung der Gewerbe- tewr keinerlei Bedingung oder Vor- iu6 leßung geknüpft habe; an Hand von Äi'stlichen Auszeichnungen aus jener Sitzung ttlc-n diese Rehner besonders sest, daß eine Wfie Bemerkung des Herrn Aicolaus niemals »tnicht worden sei. Die von Herrn Fischer in n' um ben $oran|d)iaq;ilontnen zu. -n um bei her • Mein diesjähriger SAISON AUSVERKAUF beginnt am Montag, dem 1 .Juli / Punkt 8 Uhr Groß sind die Vorteile, die er Ihnen bietet Reichstag (von 1909 bis 1912, und dem HcsN« schen Landtag (von 1905 bis Dezember 1924) an. ilm die Organisation und Hebung der hessischen Landwirtschaft hat sich der Verstorbene große VerdieHÜe erworben. Unter seiner Leitung wurden namentlich auch die Fachschulen in Oppenheim und Friedberg ausgebaut, sowie die früheren landwirtschaftlichen Schulen zu Landwirtschaftsämtern ausgestaltet und wesentlich vermehrt. Dem hessischen Weinbau war er ein stets bereiter Freund und Helfer. Mit dem Ministerium trauern die hessische Landwirtschaft und deren staatliche Einrichtungen um den so schnell und früh Dahingeschiedenen. Daten für Samstag, 29. Juni. Sonnenaufgang 3.46 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 11.10 Uhr. 1798: der italienische Dichter Giacomo Graf Leo- pardi in Recanati, Mark Ancona, geboren.________ Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.__, Weizengries - Pfund 0.27 Vollreis la.....Pfund 0.26 Tafelreis.......Pfund 0.40 Orangen soianßevomit 3^0.65 Aepfelwein la Liter 0.60, Flasche o. Glas 0.60 I sowie unserer vollendeten Organisation lassen I wir Ihnen durch billige Preise und unser Rück- I vergütungs - System zugute kommen. — Inder I S&F-Filiale erhalten Sie das Beste für wenig ■ Geld und außerdem noch: Das S&F-Sparbudi mit 4% Rückvergütung I Sie sparen also an jeder Mark 4 Pfennig extra. Sammeln Sie SAP- Sparmarken! 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Z.-G.-Zarbenindustrie A.-G. Zufriedenstellende Geschäftsentwicklung. Noch dem Vierteljahresbcricht der I. - G. - F a r b e n i v d u st r i e A.-G. nahm deren Gesamtgcschäft auch im zweiten Vierteljahr 1929 eine zufriedenstellende Entwicklung. Das Geschäft in Farbstoffen und in der Färberei - Hilfsproduktion kann als allgemein befriedigend bezeichnet werden. Der Jnland- umfatz bewegte sich trotz der wenig günstigen Beschäftigung der sarbstoffvcrbrauchenden Industrien, vor allem der Textilindustrie, auf etwa gleicher Hohe wie in der entsprechenden Periode 1928. Der Absatz im europäischen Ausland nahm einen normalen Verlauf, wenngleich die in einzelnen Ländern noch wie vor bestehenden erheblichen Einfuhrschwierigkeiten hemmend wirken. Der Auftragseingang aus Süd- und Mittelamerika kann als gut be- zl-ichnct werden. In dem Geschäft nach dem fernen Osten ist nach der in Kraft getretenen Erhöhung der chinesischen Zölle ein Abflauen cingetreten Außerdem machen sich die innerpolitischen Vorgänge in China nachteilig bemerkbar. Der Absatz in Schwerchemikalien und Zwischenprodukten hielt sich im wesentlichen auf der gleichen Höhe wie im ersten Vierteljahr. Der Umsatz in Lösungsmitteln und Lacken hat sich weiter günstig entwickelt. In pharmazeutischen Produkten ist das Auslandgeschäft unverändert gut. Die Nachfrage im Inland bewegte sich auf der gleichen Höhe wie bisher. Beim Photogeschäft sind sowohl im Inland als auch im europäischen Ausland steigende Umsätze festzustcllcn. Auch in Kinofilmen waren die Fabrikationsanlagen vorwiegend für dos Ueberfee- gefchäft voll beschäftigt. In der K u n st s c i d e ist es gelungen, die Auslandkonkurrenz weiter aus dem deutschen Markt zu verdrängen und die Umsätze zu steigern. Auch im Auslandgeschäft waren trotz verschärfter Konkurrenz Fortschritte zu verzeichnen. Die derzeitigen Auftragseingänge lassen eine ausreichende Beschäftigung der Betriebe auch für die nächste Zeit erwarten. Abendbörse traten Abschwächungen bis zu 1,5 Prozent ein. Am Elcktromarkt gaben Siemens- Schuckert, Lechwerte und A.E.G. bis 1,5 Prozent nach. Gut behauptet eröffneten dagegen Gesfürel und Chade.Aktien. Etwas gebessert lagen Felten. Farben verloren 1,5 Prozent. Montanwerte still und zumeist bis 1 Prozent schwächer. Am Dankenmarkt büßten Aeichsbank 1 Proz. ein. Svenska minus 2 Mark. Etwas Interesse bestand für Adlerwerke und Wayß & Freitag, die bis 1 Proz. an^iehen tonnten. Renten still. Deutsche Anleihen uneinheitlich. Don Ausländern Türken gut behauptet. Auch im Derlaufe war keine Ge. schäftsbclebung festzustellen. Die Stimmung blieb lustlos, und die Kurse lagen, da die Kulisse Der* schiedentlich weiter etwas Abgaben vornahm, erneut unter Druck, doch gingen die Abschwächungen kaum bis zu 1 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld in Anbetracht des heutigen Zahltages mit 8,5 Prozent etwas gesuchter. Am Devisen-' markt lag das Pfund international fest. Auch Paris lag sehr fest, dagegen Holland schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1950, gegen Pfund 20.3575, gegen Paris 123.88, London gegen Kabel 4.8501, gegen Mailand 92.68, gegen Madrid 34.25, gegen Holland 12.0813. Berliner Börse Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Derlin, 28. Juni. Im heutigen Dormittagsverkehr war die Dörse durch eine große äln- sicherheit infolge der Kursbewegung am Tieh-Aktien-Markt beherrscht. Die zufriedenstellende Geschäftsentwicklung bei der J.-G.-Farben, die Erhöhung der französischen Kohlenpreise und das Abkommen der Disconto-Gesellschaft mit Dulgarien konnten dagegen keine Wirkung ausüben. Die ersten Dotierungen waren jedoch nicht so schwach, wie vorbörslich befürchtet wurde. Die Kursverluste hielten sich meist in 1- bis 2prozen- tigen Grenzen. Das Hauptinteresse konzentrierte sich wieder auf Tietz, die weiter stark angeboten waren und etwa 12 Prozent verloren. Auch DMW. waren erneut rückgängig. Glanzstoff verloren bis zu 6 Prozent, Demberg 5,5 Prozent, Polyphon 5,5 Prozent und DMW. 4 Prozent: Westeregeln, RWD., Siemens lagen dagegen nur bis 3 Prozent schwächer. Durch Kursbehauptung zeichneten sich Deutsche Waffen und Maschinen Augsburg-Dürnberg aus. Anleihen abbröckelnd. Ausländer wenig verändert. Der Pfandbriefmarkt war uneinheitlich. Geld war zum heutigen Zahltag versteift. Tagesgeld 9,5 Prozent, vereinzelt aber auch 8,75 Prozent. Monatsgeld 9,5 bis 11 Prozent. Dach den ersten Kursen konnte sich die Tendenz auf die Veröffentlichung _öer Schacht-Rede, die in Dörsenkreisen günstig 8uf- genommen wurde, etwas bessern. Später lagen die Kurse jedoch erneut unter Druck, da der bestehende Ordermangel keine Geschäftsbelebung aufkommen ließ. T o l l u 5 , A. - G. für Bergbau und Hütten betrieb, Frankfurt a. M. Die Gesellschaft erzielte im Jahre 1928 aus Zinsen, Wertpapieren, Beteiligungen usw. einen Gewinn von 0,567 (0,53) Millionen Mark. Anderseits beanspruchten Unkosten 0,325 (0,27) Millionen Mark. Aus dem verbleibenden Reingewinn von 271 653 (270 000) Mark (einschließlich 29 317 Mark Vortrog) werden bekanntlich wieder je 8 v. H. Dividende auf 2.925 Millionen Mark Stamm- und 75 000 Mark Vorzugsaktien vorgeschlagen. 31653 (29 317) Mark sollen oorgetragen werden. Frankfurter Börse. Frankfurt, 28. Juni. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Tendenz: abgeschwächt. — Dachdem schon an der gestrigen Abendbörse die Tendenz nach unten neigte, zeigte sich auch heute zu Deginn des offiziellen Marktes an der Börse eine st a r k e L u st l o s i g k e i t. Anregungen lagen nicht vor. Auch Orders sollen nur in ganz geringem Umfange vorgelegen haben. Die Spekulation war daher sehr zurückhaltend und schritt zu Abgaben, so daß die Tendenz er-, neut etwas zur Schwäche neigte. Verstimmend wirkte vor allem die schwache Verfassung der Kaufhaus-Aktien, und die Tendenz wurde auch in erster Linie hiervon in Mitleidenschaft gezogen. Ferner verstimmte der uneinheitliche Verlauf der gestrigen Deuyorker Dörse. Auch mahnte der heutige Zahltag, obwohl die Lage hier schon jetzt ziemlich geklärt sein dürfte, verschiedentlich zur Zurückhaltung. Gegenüber der gestrigen Frankfurter Getreidebörse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt a. M., 28. Juni. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Der Produktenmarkt verkehrte heute in stiller Haltung. Die wieder schwächeren Auslandnotierungen verstimmten, das Geschäft wurde hiervon stärker beinflußt. Umsätze kamen daher nur in ganz geringem Umfange zustande. Die Preise wurden jedoch von der schwächeren Veranlagung nicht berührt. Angebot kam nur in ganz geringem Umfange an den Markt, doch sind die Forderungen etwas niedriger. Tendenz ruhig. — Es wurden notiert: Weizen 24.25, Doggen 22.25, Sommergerste 23, Hafer (int.) 22, Mais 20.50 bis 20.75, Weizenmehl (südd. Spez. 0) 30.50, Doagenmehl 29.50 bis 30.50, Weizenkleie 10, Doggenkleie 11.25. Preußen. Kreis Wetzlar. B Aus dem Kreise Wetzlar, 26.Juni. Die Oberpostdirektion zu Frankfurt a. M. beabsichtigt, in der nächsten Zeit Landkraftposten, die sich in anderen Gegenden bewährt haben, auch in einem Teile des Kreises Wetzlar einzurichten. Vom Po st amt Wetzlar aus sollen die Postsendungen mit einem Kleinkraftwagen werktags zweimal und Sonntags einmal zu den Landorten gebracht und dort die aufgelieferten Sendungen abgeholt werden. Dadurch hofft man eine erhebliche Deschleunigung und Verbesserung des Postverkehrs der Landbevölkerung zu erzielen. Voraussetzung ist jedoch, daß es gelingt, an allen Landorten Personen zu finden, die zur Uebernahme einer Poststelle gegen eine angemessene Entschädigung bereit sind. Diese Poststelleninhaber sollen nicht nur Postsendungen annehmen und ausgeben und sie mit dem Kraftwagenführer austauschen, sondern nach Ankunft der Hauptpost auch die Sendungen im Ort und an außerhalb des Ortes gelegene Gehöfte, die . vom Kraftwagen nicht berührt werden, werktäglich einmal zustellen. Wenn auch der Wunsch der Landbevölkerung nach zweimaliger Postzustellung vorerst noch nicht erfüllt werden kann, so wird doch der Devölkerung Gelegenheit geboten, Sendungen, die mit der Dachmittagspost eingehen, bei der Poststelle abzuholen. Wie die früheren Landbriefträgerwagcn, so sollen auch die Landkraftposten, soweit es die Ladung erlaubt, ein bis drei Personen mitbefördern. Die Poststellen sollen ferner an das Fernsprechnetz angeschlossen werden. Als Orte, die in eine Landkraftpost zu- sammengezogen werden, kommen u. a. zunächst in Frage: Mudersbach, Garbenheim. Dorlar, Klein- Dechtenbach, Münchholzhausen, Hörnsheim, Dorn« Holzhaufen, Ebersgöns und Oberkleen. Letzte Nachrichten. Annahme des Konkordats im preußischen Staatsrat. Berlin, 28. Juni. (IDIB. Drahtbcricht.) Der preußische Staatsrat hat heute mit 44 Stimmen dcc Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrum» gegen 36 Stimmen der Arbeitsgemcin. schuft und der Kommunisten bei einer Stimmenthaltung das Konkordat angenommen. Gchach-Ecke. Bearbeitet von W Orb ach Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 218. Don L. Knotek. 2. Preis im zweiten Problemturnier des Weltschachbundes, London 1927/28. Dreizügerabteilung. 8 6 5 2 4 3 rA h 8 7 6 5 3 4 2 Schwarz, d e d e Weiß. a b S h a b Ä MM Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 6 Steine. Kb8; De8; Te2; Lf6, g8; Sc8. Schwarz: 9 Steine. Kc5; Dh3; Lh5; Sal, f7; Bb4, b7, g3, g4. Endspiel Nr. 76. Lehrreiche Partiestellung. Das folgende interessante Schlußspiel stammt aus der ersten Runde des Bremer Turniers 1927. 5 3 8 6 4 2 7 Q 8 6 3 2 4 Schwarz: Schönmann. a b c d e r g h a b c d e t g h Weiß: Wagner. Weih: 9Steine. Kel; Td2; Ldl; Ba3, b2, d4, e5, f4, b2 Schwarz: 9 Steine. Kf8; Tal; Ba5, b7, d5, e6, f5, H6 Das vorstehende Endspiel sollte, nach den in der Partie angestellten genauen Analysen, mit Remis enden: der Führer der schwarzen Steine, welcher sich jedoch mit diesem Resultat nicht zufrieden geben wollte, fiel in die folgende, vorn Gegner gestellte tückische Falle. Es geschah: 1. Kel-f2 2. Kf2-g3 3. Kg3-h4 4. Kh4-h5! 1. Tal-bl 2. b7-b5 3. a5-a4 Auf den ersten Augenblick erscheint dieser Zug als ein grober Fehler, aber wie man sogleich sehen wird, ist er die Folge einer genauen Berechnung. 4. . 4. Tblxdl Hiernach ist Schwarz rettungslos verloren. 5. Td2xdl 5. Lc4-e24- 6. Kh5xh6 6. Le2xdl 7. Kh6-g6 7. Kf8-g8 Auf 7 Ke7 gewinnt der Vormarsch des b-Bauern den Läufer dl und später noch den Bauern c6. • 8. Kg6-f6 9. Kf6xe6 10. Ke6Xd5 11. Kd5-d6 12. e5-e64- oder 11. 13. Kd6-e5 14. h2-h4 8. Kg8-h7 9. Kh7-g6 10. Kg6-f7 11. Ldl-h5 12. Kf7-e8 .... Kf6 12. Kd7 usw. 13. Lh5-g4 14. Ke8-f8 15. Ke5-f6 Aufgegeben. Lösung des Problems Rr. 214. Don S. Herland. 1. Sd3-e5i, Ke4xe5 2. Dh3-c3+ usw. 1. ..., Ke4-f4 2. Se5-g6+ usw. 1 f6xe5 2. Lg8-117-4- usw. 1. ..beliebig 2. Se5-c4 usw. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. 3n einer Hamburger Schifferkneipe saßen zwei brave Kapitäne und erzählten sich die Abenteuer ihrer Fahrten. „Einmal is es mich schlimm ergangen," sagte der eine. „Das war bei Teneriffa, da wollte ich nachts mit das kleine Boot nach dem Schiff zurückrudern, und da bin ich in eine reißende Strömung geraten, die hat mir auf das offene Meer getragen, und da bin ich drei Tage und drei Dächte hcrumgeirrt auf das Meer und hatte ich nichts an Bord wie man bloß drei Kisten Appelsinen und ein büschen Zwieback.. „Ich hab' ganz was Aehnliches erlebt," berichtete der andere. „Das war bei Rio, da habe ich mir mit mein Boot verirrt in die Dunkelheit. Vier Tage und vier Dächte bin ich rumgepaddelt und habe nichts an Bord gehabt als wie man bloß ein Fäßchen Rum." „Da, du hattest doch wenigstens was zu leben!" meinte trübselig der mit den Apfelsinen. Uebertreibungcn. „Aber Fräulein, was bringen Sie mir da für eine kleine Portion Eis. Die kann ich ja in meinem hohlen Zahn unterbringen.“ „Da, Sie wollen wohl für Ihre fufzig Pfennige gleich Schlittschuh darauf laufen!" Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinssuh 8,5 Prozent. Datum 5% Di. ReichSanlethe o. 1927 . Dt. Unl.-öl51öt.-Sd)ul6 mit Aur lof.-Rechten £tigl. offne MuSlof.-SRedjte . - • 7% gtantf. Hyp.-Bk. Soldpf. un kündbar bis 1932...... 4Vi% Rheinische Hyp.-Bank Lian > Solbpf............ ei.E.G. abg. yorkriegr. Obligation, rückzahlbar 1932 . . 4% Schweiz. Bunbesi»AnU. . - 4% Oeslerreichiiche Goldne.. . - 4,20% Gelten. Silberne..... 4% Oesterreich, elnbeitl. Otte. . . 4% Ungarische Gvldrte...... 4% Ungarische StaatSr. o. 1910 . *!4% ve-rgl. von 1913 4% Ungarische Rronentte 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdaddahn-Anl., Serie I . 4% deSgl. Serie 11....... 4% Rumänen eonvert. Rte. . - - 4%% Rumänen (SolbanL von 1913 eilig. Deutsche Ehenbadn . . Hamburg-Amerika Paket ... 6 Vamb.-Sübam. Tampfsch. . . 8 1'anso Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd 8 eilig. Deutsche EreditanN. . . 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Hanbeisgefelllch. . . 12 Lommerz- und Prioat-Bank . 11 Darm st. u. Nationalboni . 12 Deutsche Bank . . lu Dirkonto-Gesellschast BnL . . 10 Dre-dner Bank . . 10 VNtteldeutsche Ereditbauk ... 9 vietallbank.........e «elchtbank........W ,,ranlfuNo. M. Berlin Schluß- 1-Uhr. Schluh-Anfang «urt Sur« Surr Surr 27-6. 28.6. 27 6. 28 6. 87,25 — 87,5 — 50,9 — 50,9 50.9 10,25 10,13 10,4 10,13 85,75 — — — 79,65 — — — 90 — — — 99,75 — — — - — 29,7 — 2,5 — — — — — — — 23,25 — 23,3 23,2 ■— — ■ — ■ ■ — — — 22.4 — 1,85 — 1,85 — 8,3 — 8,1 — - _ 8,05 8 8 — 8.1 — 8,75 — — 17 — _ _ _ — 122,5 122,75 122,4 — — 194,5 193,5 — — 159,25 157,5 114,75 114,25 114,75 114,5 128,5 — 128,5 128,25 — — 131 130,75 — — 224,5 224 187,5 187 187,5 187 279,5 —— 279,25 279 172,25 — 172,75 171,75 158 — 157,9 157,75 164,5 164 164,75 164 — — — — _ — _ —- 332 331 334,25 331 Frankfurt a. M. Berlin Schluß, Kurs 1 Uhr- Sure Schlun- ftute Anfang. Sure Datum 27.6. 28.6. 27.6. 28.6. A.E.G........ . £ 192,75 192,5 193,25 192.4 Bergmann..... — —— 221,75 220,4 Elekrr. Lieferungen. 10 — —— 128 157,5 Licht und Kraft . . 10 220 219,75 220 219,5 Reiten & Guilleaume . 6 135,5 136 136 _ Gef. f. Glefti. Untern.. 10 225 225 225,5 225,5 Hamb. Gleltr. Werke 10 - 143.5 Rhein. Elektr..... — 153 152 Schief. Elektr. . . . 10 — — 195,75 194 Cchucken..... . 8 — 250.5 241,25 240 Siemen; & HalLke . 12 399,5 393 400,5 398 Transradio ..... . 8 149.5 148 Lahmeher 4 Co.. . 10 171 — 170,25 BuderuS...... _ 75 75,75 74,5 Deutsche Erdöl . . . 6 118,75 118 119 118,4 Essener Steinkohle . . t> — — 135,25 133 Gelsenkirchener . . t Vi I 4 141 —— 141,4 142 Harpcner...... . r> 146,5 146,25 146.5 Hoesch Eilen..... . 8 — — 134,5 134 Ilie Bergbau .... . 8 221 — 221 220 Klöcknermerl? . . . . . 7 110 109,75 109,5 110 Köln-Neuesjen.... . *< — 131,25 130,25 Vlanneemonn .... . 8 123.65 122,75 123,4 122,75 Monsfelder..... 7 140 — 140 139 Lberschlej. Eilend. Bedarf . 5 •— — — Lberschles. Sokswerke . l> — — 112,75 112,75 Bhonir Bergbau. . bV? 98.75 98,25 98,65 98,5 Rbeinitche Braunkodlen. 10 293 293 292,75 Rheinstahl . . . f. Jahr 4'/; 130.25 — 129,75 129,25 Riebeck Montan . . / . t — — Bereinigte Stahlw. . — 103,75 104,5 104,5 Otavi Minen . . . . 2 sh — 70,5 70,5 Kali Aschersleben . lu 244 243 244,5 242,75 Kali Westeregeln. . 10 254 248,5 Kaliwerk Salzdetfurth 15 13 — 413,5 411 I. G- Farben-Industrie 12 241,75 240,25 241,75 240 Dynamit Nobel . . . . 5 — - _ Scheideanstall.... . 9 164 163.5 — — Goldschmidt .... . 5 77 77.25 76,75 Rütgerswerke .... 89.5 88,5 88.4 88 Metallgejelljchast. . . 11 129,5 — 130 Frankfurt o. 971. Benin Schluß Kurs 1-Ubr. fl ure Schtuk- tture Anfang, Kurs Takum 27.6. 28 6. 27.6. 28 6. Philipp Holzmann..... 114 — 114 112 Heidelberger Eement . . . . 10 137,5 —— — — Eement Karlstadt..... . 8 179 — — — Wayg & Freitag...... 10 — 103,75 104,5 — Schultheis Patzenhofer . . . 15 — — 313 310 Cftioetk-......... 12 — — 251.5 249 2?lntw. 58,215 58,335 58,235 58.355 Gbrtftiania - 111,69 111,91 111,72 111.94 Kopenbagen 111,66 111,88 111,69 111,91 Stockholm . 112,33 112,55 112,38 112.60 HelftngforS. 10,537 10,557 10.533 10.553 Italien. . . 21,935 21,975 21.94 21,98 London. . . 20,322 20,362 20.332 20.372 Reuvork . . 4,192 4,200 4,1925 4.2005 Paris.... 16,395 16,435 16,41 16.45 Schwei; . . 80,67 80,83 80,64 80.80 Spanien . 59,26 59,38 59,31 59.43 Japan . . . 1,841 1,845 1,837 1,841 Rio de Jan 0,496 3,498 0.497 0,499 Wien in D-» Test- abgelt 58,945 59,065 58.59 59,07 Prag . . . . 12,418 12,438 12,412 12,432 Belzrad . . 7.365 7,379 7.365 7.379 Dudavesi. . 73.08 73.22 73.09 73,29 Bnlgarien . 3,027 3,033 3,027 3,033 Lissabon . . 18,73 18,77 18,73 18,77 Tan;ig. . . 81,29 81,45 81,31 81,47 Äonftanttn. 2,013 2,017 2,014 2,018 Athen. . . 5,425 5,435 5,426 5.435 Canada . . 4,157 4,165 4,156 4,164 Urnatuü). . 4,036 4,044 4,036 4,044 Can o . e . 20,845 20,885 20,855 20,895 Ab Montag, 1. Juli Saison-Ausverkauf Wir bieten Ihnen wie immer grobe Vorteile! 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