Nr. 98 Erster Blatt 179. Jahrgang Samstag, 27. April 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmarli und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlsurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen DrnSimd Verlag: Vrlihl'sche UniaerlitStr-viich. und Steinönidcrei N. lange in Sietzen. rchnstleitung und Seschästsltelle: Schul-tratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Thcfredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Schuhmauern um die deutsche Währung Der Kampf um die Todesstrafe Von unserer Berliner Redaktion. Das Schicksal der Todesstrafe im Strafrechts- ausschuh des Reichstages steht noch nicht fest. Es hat sich insofern jetzt eine etwas merkwuroige Lage ergeben, als der neue Reichsjustizmimster von Guerard im Gegensatz zu feinem Vor- ganger Koch-Weser sich als Anhänger der vorläufigen Beibehaltung der Todesstrafe erklärt hat. Die Mehrheftsver- hältnisse sind noch unklar. Trotz lebhafter Agitation gewinnt es den Anschein, als ob die Stimmen im Reichstage gegen die überstürzte Abschaffung dieser Strafe sich zu mehren beginnen. Dabei find die Vertreter der einzelnen Parteien nicht mal unter sich einig. Der Vorsitzende des Strafrechtsausschusfes, der alte Vorkämpfer der Strafrechtsreform, Professor Dr. Kahl, ist bekanntlich ein Gegner der Todesstrafe. Sein Parteifreund, der Volksparteiler Dr. Wunder- l i ch wußte dagegen gute Gründe für deren Beibehaltung vorzubringen. Er fand es unbegreiflich, daß man sich über die Hinrichtung einer ganz kleinen Anzahl von Schwerverbrechern aufrege in einer Zeit, in der Millionen während des Weltkrieges ihr Leben lassen mußten und m der im Bürgerkrieg Deutsche auf Deutsche geschossen hätten. Sehr berechtigt ist die Forderung, daß der Reichsjustizminister endlich mal eine Statistik über die in den letzten Fahren wirklich v o l l st r e ck t e n Todesurteile vorlegen möge, wobei die Straftaten hinzuzufügen feien. Man kann gegenüber den heutigen agitatorischen Bestrebungen auf eine restlose Beseitigung der Todesstrafe nur immer wieder darauf Hinweisen, daß die sogenannte Volksmeinung hier doch etwas anders denkt. Das Rechts- gesühl des Volkes verlangt für abscheuliche Bluttaten eine drastische Sühne. Dabei mag man zugeben, daß die Formalien der Vollstreckung eines Todesurteils alles andere als schön sind. Schließlich aber hat die Gesellschaft doch em Recht daraus, gegen solche verbrecherische Elemente geschützt zu werden, zumal es erwiesen ist, daß die Einsperrung im Zuchthause in vielen Fällen nicht genügt, um die Menschheit auf die Dauer vor dem Verbrechertum zu schützen. Dazu ist die Zahl der Ausbrüche und der nicht wieder ergriffenen Zuchthäusler allzu groß. Bekannt ist Napoleons I. Argument gegen die Abschaffung der Todesstrafe: „Que messieursles assassins commencentl" Die Herren Mörder sollen damit anfangen. 3n diesem knappen Wort liegt mehr als alle langatmigen Auseinandersetzungen erklären können. Es handelt sich eben um eine Notwehrmaßnayrne der Höhung begründet, weisen sehr deutlich daraus hm, daß es in erster Linie die mit der Steigerung der Daroesannuität auf 2,5 Milliarden verbundenen ungewöhnlich starken Devisenabflüsse für Reparationszahlung waren, die die Verschlechterung der Gold- und Devisenreserve der Reichsbank verursachten und zu dem Entschluß einer Diskonterhöhung zwangen. Wenn die Reichsbank nicht schon früher zu diesem Ausweg griff, so einmal wohl deshalb, um sich nicht dem Vorwurf des Auslandes auszufetzen, die Sachverständigenkonferenz durch ein alarmierendes Moment wie eine Diskonterhöhung agitatorisch zu beeinflussen. Der Reichsbankpräsident war ja eben gleichzeitig auch deutscher Sachverständiger in Paris und diese Doppelstellung machte offenbar die Reichs- Es kann sich nicht wiederholen, weil die Reichs- bank nicht dem Reiche gehört, vielmehr seit 1924 ein selbständiges, unter Aufsicht eines in« ' ' ‘ i Verwaltungsrats bank nicht frei in ihren Entschlüssen. Zum anderen wollte sie gewiß auch, wenn es irgend angängig war, eine Beunruhigung der Wirtschaft vermeiden, so- lange die Möglichkeit bestand, daß bei einem günstigen Ausgang der Reparationskonferenz gewisse Erleichterungen eintreten könnten und eine Diskonterhöhung bis auf weiteres unterbleiben konnte. Erst als es sich zeigte, daß mit einem positiven Ergebnis der Konferenz nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu rechnen war, entschloß sich die Reichsbank zu einem Schritt, dessen Notwendigkeit sie schon früher erkannt hatte. Die Pariser Presse dreht also geradezu den Spieß um, wenn sie in ihrem Hetzfeldzug gegen Dr. Schacht diesem aus der verzögerten Diskonterhöhung einen Strick zu dreyen sachverständigen prophezeit worden, daß die lieber» tcaqunq der an den Reparatiosagenten abgeführten deutschen Reparationszahlungen in Devisen an die empfangsberechtigten Gläubiger über kurz ober lang zu Schwierigkeiten fuhren müsse. Auch die Väter des Daroesplans haben ja schon hiermit gerechnet und deshalb den sog. Transfer-schütz eingebaut, der eben verhindern soll, daß das bet dem »D. A. Z." schreibt u. a.: Wir konstatieren ein Gerede über angebliche Inflation. Seit dem Reichsbankgesetz von 1924 hat bet Staat feinen Einfluß mehr auf bie Notenausgabe. das fiskalische Defizit ist überhaupt nicht mehr in der Lage, eine Inflation hervor- zurufen. Wenn die Zahlungsmittel einen gewißen Betrag im Verhältnis zu dem Gold- und Devisenbestand der Reichsbank überschreiten, dann muh die Reichsbank zwangsläufig den Diskontsatz erhöhen, wenn das nichts hilft, womöglich Kredite einschränken. Das ist nicht Inflation, sondern Deflation. Das Reichsbankgesetz ist weder zu umgehen noch zu erschüttern. Es ist durch internationale Staatsvertrüge gesichert, und mit ihm die Währung. Und selbst wenn die Vorschriften des Reichs- bankgesetzes nicht so streng gesichert wären, wurde die Persönlichkeit eines Mannes wie Dr. S ch a ch t, der bekanntlich an dem Aufbau der jungen deut- schen Währung hervorragend beteiligt gewesen ist, für das Bewußtsein der deutschen Oeffent- lichkeit eine besonders große Sicherung für die Stabilität der Mark barftellen, nachdem er in den letzten Wochen in Paris geradeaus im Interesse der deutschen Währung vorbildlich seinen Mann gestanden hat. — Die rechtsorientierte „Berliner Börsenzeitung" bemerkt u. a.: Ls ist gar keine Frage, daß gestern in weitestem Umfange Ungftfäufe in Devisen und ausländischen Noten und ebenso Angstoerkäufe in deutschen Lffekten aus breitesten Kreisen ftait- gefunden haben. Gestern haben in der Tat größere Umwandlungen von französischen Markguthaben in fremde Valuten, hauptsächlich in Dollar, ftattgefunden. Ls liegt auf der Hand, daß diese Maßnahme sozusagen auf höheren Befehl zu einer unbefriedigenden, in vielleicht noch unübersehbaren, Kompromißlösung zu kommen. Die Beibehaltung des Dawes- plans ist gewiß immer noch das kleinere Hebel gegenüber einer voreiligen, überstürzten und vielleicht undurchführbaren Reparationsregelung. Dabei dürfen wir uns allerdings nicht verhehlen, daß dieses — trotz der möglicherweise materialreichen und zukunftweisenden Berichte doch ergebnislose Ausein- andcrgehen der Sachverständigenkonferenz auf die finanz- und wirtschaftspolitische Lage Deutschlands nicht ohne nachteilige Rückwirkungen bleiben wird. Wir sehen ab von der Baissebewegung, die in der vergangenen Woche an den deutschen Börsen einsetzte. Sie ist, abgesehen von dem zweifellos stark mitsprechenden spekulativen Moment, eine natürliche Reaktion auf allzuweit gesteckte Hoffnungen, die man hier in durchaus unbegründetem Optimismus für den Ausgang der Reparationskonferenz hegte. Ernster sind die folgen für die Kreditlage Deutsch- Gesellschaft. auf die gerade in der heutigen verwilderten Zeit nicht verzichtet werden kann. Spatere glücklichere Zeiten mögen darüber vielleicht anders denken. Oer Antrag Kahl. Berlin, 26. April. (B.D.Z.) Im Reichs- tagsausschuh für die Strafrechtsreform wurde am Freitag die Aussprache über die Todesstrafe fortgesetzt. Vorsitzender Dr. Kahl (D. V.) beantragte folgenden § 245: „Wer einen anderen tötet und die Tat mit Ueberlegung auSfuijrt, wird mit lebenslänglichem Zuchth aus bestraft." Als § 246a soll eingefügt werden: Ein wegen Mordes zu lebenslanger Zuchthausstrafe Verurteilter ist im Falle einer Begnadi- gung in S icherungsv e rw ahrung zu überführen. Die Entlassung aus der Sicherungsverwahrung darf das Gericht nur cmord- nen, wenn durch sie die öffentliche Dich e r- beit nicht gefährdet wird. Das Gericht hat hierüber nach Ablauf von drei Jahren und je vor Ablauf von drei weiteren Jahren zu entscheiden. Bei der Entlassung kann das Gericht dem Entlassenen einen Aufenthaltsort anweisen, ihm besondere Pslichten auferlegen oder ihn unter Schutzaufsicht stellen. Das Gericht kann die Entlassung ans der Sicherungsverwahrung widerrufen, wenn der Entlassene den von dem Gericht getroffenen Anordnungen gröblich zuwiderhandelt." Abg Dr. Ehlermann (Dem.) beantragte Skktbe Saitling für Örn § 245 unb erftärtt, der Mörder müsse aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen werden, aber der Zeitpunkt für die Abschaffung der Todesstrafe fei gekommen. Abg. Dr. Wunderlich (DDP.) hielt es für unbegreiflich, daß in einer Zelt, wo ein Menschenleben so gering im Werte stehe, man sich darüber aufrege, daß im Jahre 24 Schwerverbrecher auf dem Schafott endigten. Er werde für die Vorlage eintreten. Abg. Iürrifsen (WP.) trat entschieden für die Beibehaltung der Todesstrafe ein. Abg. Wegmann (Z.) erklärte, solange die Todesstrafe reichsgesetzlich bestehe, dürfe lern Iustizminister erklären, er würde lern Todesurteil vollstrecken lassen. Das sei keine loyale H a n d h a b u n g des Reichsgesehes. Abg. Dr. R o s e n f e l d (Soz.) erklärte, die So- ziall>emokratie müsse in konsequenter Verfolgung ihres Willens auf Befeitigungder Todesstrafe für den Antrag Kahl stimmen. von französischer Seite aus erfolgt sind. 3n solch einer Situation ist cs die unabweisbare Pflicht aller einsichtsvollen und verantwortlichen Stellen, zur Ruhe und Besonnenheit zu mahnen. Die demokratische „Vossische Zeitung" spricht von der gänzlich unbegründeten Nervosität, die breite Massen in den letzten Tagen ergriffen bat. Im 'Auslande bezweifelt man jedenfalls in den hierfür allein maßgeblichen Finanzkreisen keineswegs die unverminderte deutsche Kreditwürdigkeit. Was sich die Sätze im Einklang mit der internationalen Geldvcrsteifung während der letzten Monate gehoben haben, ist selbstverständlich. Wesentlich ist nur, daß die Offerten nach Deutschland zu genau so kulanten Sätzen erfolgen, wie ins übrige Ausland, und das ist unbestreitbar der rfall. Das ist der beste Beweis dafür, wie unerschütterlich stark das Vertrauen in die absolute Sicherheit der deutschen Währung ist. — Das e r. liner Tageblatt" stellt fest, daß die Reid-s- bank die erforderlichen Mittel in der Hand hatte, um, wenn der Weg der Diskontheraussetzung nicht . ausreichen sollte, durch eine schärfere Sichtung des ihr angebotenen Wechselmaterials die Verknappung des Geldmarktes zu beschleunigen und dadurch zu erzwingen, daß wenigstens ein Teil der inzwischen in Privathand übergegangenen Devisenbestände an sie zurück fließt. Wenn die Reichsbank freilich zu einem solchen Schritt gezwungen werden wurde, so könnte dies wenig erwünschte Folgen nicht nur für die gesamte Wirtschaft, sondern a u ch f u r di c - jenigen Kreise Haden, die jetzt aus einer übernervösen Stimmung Dev »s en hamster n. Für diese, durch die Pariser Pamk- madjerei genährte Heberneroosttät liegt, das mutz erneut betont werden, auf währungspolitischem Gebiete nicht der geringste Anlaß vor. Transfer und Diskont. Um die Pariser Konferenz der Reparationssach- verständigen ist es ruhig geworden. Man weiß, daß i a 1' " /. mit einem greifbaren Ergebnis nicht mehr zu rech- neu sein wird, auch wenn es den Bemühungen des _ m in dieser Woche eingesetzten Redaktionskomitees wider Seit Beginn der Sachverstaitengenko f 3 Crmorten gelingen feilte, einen gemeinsamen Be- teilweise schon srnher laßt die Ka egom van Ze,I^ richt an die Regierungen der Gläubigerstaaten und S-Nossen, die sich Mit Vorliebe Uber Dinge reden Deutschlands, die Auftraggeber der Sachuerständigen, hort, non denen sie nichts u rsteht, sichi über die zustande zu bringen. Sie Reparatioustonserenz ist ° Ia h r d UN ad er den i s ch en Wahrung SÄ'm i"rt?ch a fViÄ I ürtcrung des Reparationsproblems, die Prüfung der von dem Wesen der ^°t^ EEiFSSS »mb BSsSx-ife m SÄfKsSWS» «SM“ schriftlichen Gesichtspunkten orientierte Lösung des I unoerannr. Reparationsproblems noch nicht reif war. Das bedeutet zweifellos eine schwere Enttäuschung, namentlich für Deulschland, das sich durch Herabsetzung sei- , iprnnHnnnf »ulammenaeletzten ner Tributleistungen - denn hierbei nach dem französischen Sprachgebrauch von Reparationen zu I stehendes Unternehmen is, J sprechen, ist durchaus irreführend — r v setzung einer seinen ivirtschastlidM Möglichkeiten entgegenkommenden Zahlungsweise gewisse Erleichterungen für die Zukunft versprechen durste. Aber auch gerade Deutschland muß froh sein, daß es in frage aufbieten werden. ..... „ ... h.. Denn wie dringend eine vernünftige .. Daroesplanes inzwischen geworden ist, das beweis die Vorgänge der letzten Tage zur Genüge. Diskonterhöhung der Reichsbank um ein volles Prozent in einer Zeit sinkender WMscyosl-- qeDaur oer -------------- konjunktur ist zweifellos ein ernstes Warnung 9, Uebertragung öer Reparationszahlungen an fignal, wenn auch das Toben der Pariser Presi sur cr notrocnöigcn Erwerb fremder Devisen völlig deplaciert ist, die darin ledigttd) einen V Reparationsagenten auf dem mternatio« such des deutschen Reichsbankprasidenten sehen ro. , du^ch leicht entstehende Ueberangebot der die Sachverständigen zu bluffen und gar dle Rep 9)larf beren Kurs beträchtlich druckt und rationszahlungen zu sabotieren. Hier bedarf es wirk- dcwd Währung in Gefahr bringt, Die Aus- lich nicht erst der Sabotage. Es war vorauszuse^ ;übr£ngen mit denen die Reichsbank die Diskonter- und ist oft genug von deutschen und neutralen Fmanz- suyrui y , tpnnratinnen au I lieytruuc» unwnwi)iii»ii >>-, ------ für die VON ihm aus- uKurÄftX gegebenen Banknoten eine ganz bestimmte, und durch F st | y QtIen Erfahrungen der Welt ausreichende Gold- und Devisendeckung besitzen muß, und weil es somit nicht ausreichend gedeckte Banknoten in Deutschland überhaupt nicht geben kann. Paris 3" einem klaren, eindeut^en.Mißerfolg, ge- ! 2m Jahre ^13^wo b^^ttoendigkeit zu jederzei- kommen .st, statt daß man den Versuch unajm, T Effektiveinlösung der Banknoten in Gold ge- 1 '^en Wirkungen | g»b£n bitie Reichsbank bei Jahresende einen Goldbestand von 1170 Millionen, einen Notenumlauf von 2593 Millionen. Die Golddeckung betrug also rund 45 v. H. Ende 1925, im ersten Jahre des neuen Reichsbankstatuts, belief sich der Goldbestand auf 1208 Millionen, der Notenumlauf auf 2960 Millionen: d. h., die Golddeckung betrug 40,8 vom Hundert. Gestern, d. h. am Tage der Diskonterhöhung, betrug der reine Goldbestand (ohne Deckungsdevisen) 2178,9 Millionen, der Umlauf an Reichsbanknoten 3919 Millionen: rechnet man den Nest der Rentenbankscheine mit 441 Millionen hinzu, so ergibt sich immer noch eine reichlich fünf- zigprozentige Deckung in ®olb, b. b- mehr als irgendwann in Friedenszeiten unb auch mehr als in ben ersten beiden Jahren nad) Inkrafttreten des Dawesabkommens. . Obwohl sehr starke Abflüsse von Gold und De- £Le- vifen vorher erfolgt waren, weil die Ansprüche ,------- .,-o- i - f. ~ des Reparationsagenten die Bedürfnisse des lanbs auf dem internationalen Geldmarkt. Wir wer- Reiches unb die saisonmähigen Auslandzahlungen den davon nod) zu sprechen haben. , der Wirtschaft außerordentlich große Summen Schuld an dem Mißlingen der Konferenz tragt crforbcrten ist also die Währung als solche noch wohl neben der offensichtlich ungenügenden Vorbe- immet ci’nc der be st gesicherten der reitung durch die Gläubigermächte die oben schon qjj c j t ynb sie wird es auch bleiben, angebculete Tatsache, daß „unabhängige" Sachver- bie geschlichen unb statutarischen Bestimmun- ftänbige, deren Ausgabe es war, bie wirtschaftliche un& j)ie Kontrolle der Reichsbank ein Herab- Leiftungsfähigieit bes Sd)ulbners zu prüfen, ei es P fen unter £>ie 40 Prozent der Deckung gar auf direkte Veranlassung ihrer Aiistraggeber, fei es ni(bt ermöglichen. Deshalb schreibt ja der Dawes- aud) nur unter dem Druck einer erstaunlld) geschickt mjan g^ch vor, daß automatisch der Transfer- unb einljeitlid) „gemachten" öffentlichen Meinung, fcbul in Kraft zu treten, d.h. die Abziehung namentlich Frankreichs, sich herbeiließen, bie po ih= b£)n SeDifcn für Reparattonszwecke zu unter- schen Forberungen der Gläubiger zu vertreten. bleiben hg^, sobald dadurch eine Gefährdung der Schuld ist aber gewiß auch die betont starke Zu - Währung hervorgerufen werden kann. Einstweilen ruckhaltung der Amerikaner, deren Sach- man im Wege der Diskonterhöhung eine verständige jedesmal bann schleunigst von Washmg- Drosselung der Ansprüche an die Devisenton zuruckgepfissen wurden, sobald man dort beftän^e unt> damit auch die Notendeckung der glaubte, daß sie sich durch die Einräumung von Reichsbank vorzunehmen versucht: genügt das Konzessionen zu weit vorgewagt haben konnten. ni(bt fo tritt das Verbot für den Generalagenten Mag man in Amerika auch Grund haben, cme Ver- -n Äraft weitere Devisen zu kaufen, so daß guickung des Reparationsproblems mit der Frage ^diglich der normale Ausgleich der Wirtschaft, der interalliierten Kriegsschulden abzulehnen, so hat 6cr ti(jb mit den Mitteln der Diskontpolitik in doch gerade die Pariser Sachverstandigenkonserenz -eE)em gatIe regeln läßt, übrig bleibt. Es liegt mr Evidenz bewiesen, wie eng beide miteinander ~ ein i n g von Schuhmauern um verknüpft sind. Die europäiischen Alliierten begrün- bie deutsche Währung, der zwar nicht den ihre Forderungen an Deutschland mit ihrer verhindern kann, daß sich unsere Zahlungsmittel eigenen Verpflichtung zur Rückerstattung der Kriegs- I verknappen unb daß hohe Zinsen unsere Wirt- schulden an die Vereinigten Staaten. Von der bedrücken, der aber in je&cm öaUe unb Summe dieser Sd)ulbcn gehen sie aus und schlagen bei a[ten irgendwie denkbaren Möglichkeiten als hierzu erst das, was sie für sich selbst alsTributleistung, einc absolute Sicherung der Vollwerttgkeit und angeblich als Beitrag für den Wiederaufbau, bean- Standes der Mark fungiert furueben Es unterliegt keinem Zweifel, baß lebe Man sollte deshalb das törichte Geschwätz ver- Konzession, bie Amerika seinen Schulbnern machte, gntwortungsloser und sachunkundiger H-laumacher, der Konferenz einen starken Impuls gegeben batte. &ag ^eignet ist. dem deutschen Ansehen und der Washingwn hat bas strikte abgelehnt. Die offen - deutschen Wirtschaft schweren Schaden ^fugen, tewe Meinung Amerikas widerstrebt aus das hef- mit Mitteln des Gesetzes verfolgen und tigste jedem Schuldennachlaß. Vielleicht verspricht toD man auf derartige Redensarten ftofet, föfort man sich durch diese finanziellen rZesseln, bie man Quf bad energischste eingreifen. Eine neue Inden europäischen Mächten übergeftreift hat, einen flQtion ist unmöglich, aber eine Schädigung des heilsamen Druck in der Richtung einer von Amerika e Volkes durch Beeinträchtigung des Sicher- SSI»lu,4eu4mD8' Warum die Nervosität? beschränken bars, fonbern m gan3 ontreten un^ DicBcrlmerPresse mahnt zurBesonnenheit ^warn.^AnMäuicn m auTb« "Ln E-LiIch-n"S°ch°Ä°rik°di-- E'LL^Y-nm°'r,t und an 6en Owen Young unb Pierpont Morgan, m Pans bie- Gff^enmärkten am <*mtag nimmt ein Teil ber sen Eindruck bekommen haben, und daß sie nach rßer(incr Blätter ausführlich Stellung. Die ihrer Rückkehr über ben Atlantik ihren nicht geringen Einfluß in ber Richtung einer großzügigen Im tiatioe Amerikas in ber nun rmmal innerlich aus das engste verbundenen Schulden- und Reparati sucht und ihm oorwirft, er habe die schwierige Devisenlage der Reichsbank absichtlich herbeigeführt, um den Dawesplan ad absurdum zu führen und seine Theorie von einer verminderten Zahlungsfähigkeit Deutschlands den Sachverständigen schlagkräftig zu beweisen. Die Reichsbank weist in ihrem Kommunique auch auf die Anspannung an den internationalen Geldmärkten hin. Namentlich die Dis- kontpolitik des Federal Reserve Board, der amerikanischen Zentralnotenbank, hat den noch der Diskontermäßigung der Reicbsbank im Januar dieses Jahres vorausgesehenen Abfluß kurzfristigen Aus- landkapitols unerwartet gesteigert, da das Anziehen der amerikanischen Geldsätze selbstverständlich einen starken Rückstrom amerikanischen Kapitals zur Folge hatte. So befand sich die Reichsbank in einer Zwangslage, wenn sie — wie sie selbst ausführte — genötigt ist, „der deutschen Wirtschaft neue Zinsbe- lastunaen in einer Zeit aufzuerlegcn, in der die Wirtschaft zu ihrer Belebung Zinsermäßigungen brauchte". Denn das ist die besonders prekäre Seite dieser Diskonterhöhung, daß sie in eine Zeit sinkender Konjunktur fällt, in eine Zeit ausgesprochener Wirtschaftsdepression. Die leichten, kaum erst spürbaren Ansätze zu einer Belebung der Wirtschaft, die von saisonmäßigen Einflüssen aus- gehen, werden von der Verteuerung des Geldes in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Wie weit die Aussicht auf neuen Zustrom von Auslandkrediten auf den höheren Zinssatz hin sich erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Sollten die Auslandkredite ausbleiben, ergäben sich für den Reparationsagenten bei der Uebertragung der deutschen Reparationszahlungen neue Schwierigkeiten. Es zeigt sich dann erneut mit aller Deutlichkeit, daß der Transfer eben nur mit geborgten Devisen funktioniert, nicht aber mit Devisen, die Deutschland aus eigener Kraft aufbringt. Dann würde aber auch der Transfer- schütz in Kraft zu treten haben, der bei einer Gefährdung der deutschen Währung durch die Devisen- Übertragung an die Gläubiger dem Reparations- a^cnten die Pflicht auserlegt, die an ihn abgelieferten Tributzahlungen nicht über fünf Milliarden Goldmark anzusammeln, wenn Barüberweisungen sich ohne Gefährdung des Morkkurscs als unmöglich erweisen. Damit tritt eine Stockung im Transfer ein, der Reparationsagent muß die angefammel- ten Kapitalien in der Form von Oblogationen oder anderen Kreditarten in Deutschland anlegen, sie kommen also der deutschen Witschaft wieder zugute. Soweit ist es aber noch nicht, und es wäre zu wünschen, daß sich inzwischen bei unseren Gläubigern die Einsicht von der wirtschaftlichen Unmöglichkeit des gegenwärtigen Zustandes zu dem Entschluß verdichte, durch eine vernünftige Revision des Dawesplans zur Gesundung der europäischen Wirtschaft den Grund zu legen. Sozialpolitische Initiative der Unternehmer. Denkschriften zur Arbeitslosenversicherung und Lchlichtungsreform. Berlin, 26.April. (Priv.-Tel.) Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zu den am meisten umstrittenen Problemen der Sozialpolitik neuerdings eine Reihe eingehender Denkschriften ausgearbeitet, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Es handelt sich dabei vor allem um eine Denkschrift zum Problem der Arbeitslosenversicherung, deren Reform in der nächsten Zeit Gegenstand intensiver wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen sein wird. In diesen Kämpfen soll die Denkschrift der Arbeitgeber eine klare Front schaffen. Es wird im wesentlichen eine Reform der Versicherung im Sinne einer schärferen Kontrolle der Unter» stützungszahlungen gewünscht und eine E r - Höhung der Beitragssätze, wie sie jetzt die Sozialdemokraten fordern, abgelehnt. Man befürchtet, neben den schwerwiegenden Belastungen der Wirtschaft durch eine solche Beitragserhöhung eine Verzögerung, ja sogar eine Gefährdung dieser dringend notwendigen Reform. — Gleichzeitig i[t jetzt auch eine neue Denkschrift jur Frage der Schlichtungsreform fertiggestellt worden, die vor allem auf der veränderten Rechtslage durch die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts im Konflikt der Eisenindustrie basiert. Auch zu dem viel diskutierten Problem der Rot der älterenAn- gest eilten ist eine sehr umfangreiche Untersuchung ausgearbeitet worden. Die Lohnbewegung bei der Reichsbahn. Eine Erklärung der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner. Berlin, 26. April. ( Priv.-Tel.) Bekanntlich schweben seit Wochen die Lohnverhandlun- g e n zwischen der Reichsbahn und ihren Arbeitern. Dabei hatte sich die Reichsbahn auf den begreiflichen Standpunkt gestellt, daß trrtz der Anerkennung der Notlage der Arbeiterschaft gegenwärtig keine Möglichkeit zur Befriedigung ihrer Forderungen bestehe, da die reparationspolitische Lage dies ausgeschlossen erscheinen lasse und da außerdem jeder Gedanke an eine weitere Erhöhung der Tarife im Interesse der deutschen Wirtschaft und auch des reisenden Publikums unmöglich sei. Eine Führerkonferenz der Gewerkschaften Deutscher Eisenbahner hat sich nun gestern wiederum mit dem Stand der Lohnbewegung bei der Reichsbahn beschäftigt. Auf der Konferenz ist einmütig die Auffassung zum Ausdruck gekommen, daß die Notlage der Eisenbahnarbeiter unbedingt eine alsbaldige und befriedigende Erledigung der Lohnfrage erforderlich mache. Im Bewußtsein ihrer Verantwortung erwarten die verantwortlichen Führer, daß die Reichsbahnverwaltung dem Ernst der Lage Rech- nung trage und ihren ablehnenden Standpunkt auf. gebe. Eine Veschleppung der Bewegung sei nur geeignet, die Lage zu verschärfen. Deshalb werde erwartet, daß die von den Spitzenorganisationen eingeleiteten Schritte zu einer friedlichen Verständigung alsbald zu einem positiven Ergebnis führen, bevor von dem lebten, bann unvermeidlich werdenden gewerkschaftlichen Mittel, dem allgemeinen Der- kehrsstreik, Gebrauch gemacht werde. — Es muß der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß es noch im letzten Augenblick gelingt, diese neue schwere Erschütterung der deutschen Wirtschaft zu v e r m e i d e n. Denn es wäre nicht abzusehen, wie sich ein Ereignis, wie ein allgemeiner Verkehrsstreik auf die Gesamtlage auswirken müßte. Anlagepflicht für Gparkaffengelder? Berlin, 27. April. Zur Milderung der schwierigen Kassenlage des Reiches denkt man, wie da« .Derl. Tagebl." mitteilt, Oer Sozialetat im Reichstag. Die Reform der Arbeitslosenversicherung. Berlin, 26. April. (D. D. Z.) Der Reichstag nimmt in dritter Lesung den Gesetzentwurf auf Anleiheermächtigung an. Bei der dann fortgesetzten zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wendet sich Reichsarbeitsminister Wiffell gegen die Vorschläge zum Abbau der Sozialversicherung. Bei solchen Vorschlägen werde immer übersehen, daß mit der Güterwirtschaft auch die Menschenwirtschaft verbunden sei. Ohne Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft in voller Leistungsfähigkeit sei eine nutzbringende Wirtschaft nicht möglich. Die Sozialversicherung habe sich in der Vorkriegszeit geradezu als eine Voraussetzung des wirtschaftlichen Fortschritts bewährt. Jetzt sei der deutsche Versicherungsgedanke europäisches Gemeingut geworden. Die Möglichkeit des Mihbrauchs in einzelnen Versiehe- rungszweigen sei überall vorhanden, nicht nur in der staatlichen Sozialversicherung. Die Sozialversicherung sei nicht Staatshilfe, sondern organisierte Selbsthilfe. Die deutschnatio- nalen Arbeitnehmer hätten sich schon kräftig zur Wehr gesetzt gegen die von der deutschnationalen Parteileitung gegen die Sozialpolitik unternommenen Angriffe. Die ungünstige Lage des deutschen Arbeitsmarktes ist zurückzuführen auf das Abglei - t e n der Konjunktur und auf die abnorme und lange andauernde Kälte des letzten Winters. Die Arbeitslosenversicherung ist durch die damit verbundene gewaltige Steigerung der Arbeitslosigkeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Reich mußte mit Darlehen einspringen. Die Reichsanstalt habe eine Kommission eingesetzt zur Aufdeckung und Abstellung der in der Arbeitslosenversicherung bestehenden Mißstände. Lieber die Sonderregelung für die beruf südliche Arbeitslosigkeit lasse sich jetzt noch nichts Abschließendes sagen. An einem Ausbau der Arbeitsvermittlung werde ständig gearbeitet. Dabei werde besonders der Verbesserung der Verhältnisse auf dem Lande lebhaftes Interesse zu- gewandt. Zum Ausgleich der Konjunkturschwan- Inngen bemühe sich das Arbeitsministerium gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium um eine zweckmäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge. Abg. Dr. Brauns (3.) erklärt, den Schlachtruf der Wirtschaft gegen die Sozialpolitik lehne das Zentrum entschieden ab, es stimme vielmehr den Ausführungen des Ministers rückhaltlos zu. Die Einbeziehung solcher Kreise, die sich selber helfen können, in die Sozialversicherung müsse abgelehnt werden. Eine Verbilligung der Sozialverwaltung sei zu erstreben, aber eine Zusammenlegung der Versicherungsämter mit den Finanzämtern wäre dazu ein ungeeignetes Mittel. Bei der Saisonarbeiterfürsorge seien zweifellos Mißstände vorhanden, aber hierbei sollte man sich vor allem gegen die Scheinarbeitsverträge für Bauernsöhne wenden, mit denen die Versicherung unberechtigt ausgenutzt wird. Bevor das Ergebnis der von der neuen Kommission vorzunehmenden Llntersuchung vvrliegt, sollte man mit Kritik und Forderungen zurückhalten. Die übertriebene Kritik am Schlichtungswesen habe sich als unberechtigt erwiesen. Der Redner begrüßt die Erhöhung der laufenden Unterstützung für die Kleinrentner und wünscht baldigen Ausbau der Gesetzgebung auf diesem Gebiet. Abg. Aufhäuser (Soz.) führt aus, die Berechnung des deutschnationalen Abgeordneten Haßlacher über den Prozentsatz der Eoziallasten sei falsch. Tatsächlich betrage die Soziallast 15,23 Prozent vom versicherten Lohn, also vom Gesamtlohn höchstens 10 bis 12 Prozent. Die Wirtschaft handele nad) dem Grundsatz: Lerne Lagen, ohne zu leiden! Steigender Lohn und Sozialpolitik lägen auch im richtig verstandenen Interesse der Wirtschaft. Denn sie würden eine vernünftige Kapitalbildung fördern und durch Stärkung der allgemeinen Kaufkraft den Jnlandmarkt erweitern. Die Arbeitslosenversicherung müsse leistungsfähig erhalten werden. Auch die Arbeiterschaft würde für eine diesen Zwecken dienende befristete Beitragserhöhung Verständnis haben. Das Washingtoner Arbeitszeitabkommen müsse schleunigst ratifiziert werden. Abg. Or. Moldenhaner (O. B.) erklärt, die Volkspartei fei immer für eine verständige Sozialpolitik gewesen. Aber dabei dürften die Grenzen der Leistungsfähigkeit der geschwächten deutschen Wirtschaft nicht überschritten werden. 3m Arbeitsministerium schienen diese Grenzen nicht immer richtig beachtet zu werden. Die Volkspartei begrüße die unabhängigen Gewerkschaften als einen wichtigen Bestandteil der deutschen Wirtschaft, aber sie wende sich dagegen, daß unter dem Schlagwort „Wirtschaftsdemokratie" eine einseitige Herrschaft der Gewerkschaften über die Wirtschaft erstrebt wird. Die Reform der Arbeitslosenversicherung sei notwendig. Sie solle nicht auf eine Schädigung der Arbeitslosen hinauslaufen, aber sie solle die M i ß» bräuche beseitigen, die jetzt bestehen. Besonders dringlich sei eine Reform der Bestimmungen für die Saisonarbeiter. Eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung oder zu anderen Sozialversicherungen lehne die Volkspartei ab. Sie halte aber durchaus fest an der Sozialversicherung, denn das amerikanisch« System des individuellen Sparens sehe ganz andere Verhältnisse voraus, als sie in Deutschland bestehen. Hier müsse man versuchen, das individuelle Sparen neben dem Fortbestehen des Versicherungssystems zu fördern. 3m Schlichtungswesen müsse die freie Vereinbarung der Parteien gefördert und vom Staat möglichste Zurückhaltung geübt werden. in parlamentarischen Kreisen an einen Gesetzentwurf. der die Sparkassen und andere öffentliche Geldinstitute verpflichten soll, einen Teil ihrer Gelder in Anleihen des Reiches und der Länder anzulegen. Unter diese Anlagepflicht würden auch die Vorzugsaktien der Reichsbahn fallen, Die bei dieser Gelegenheit in einem recht umfassenden Umfange mobilisiert werden dürften. 3edoch soll in irgendeiner Form dafür Vorsorge getroffen werden, daß das Stimmrecht dem Reiche verbleibt. Baldwin bereitet ein neues Kabinett vor. Chamberlain bleibt noch zwei Jahre? London, 27. April. (WTB. Funkspruch.) Wie „Daily Telegraph" erfährt, hat Baldwin, da er mit einem Sieg der Konservativen bei den kommenden Wahlen rechnen zu können glaubt, sich bereits mit der Frage der Umbildung des Kabinettes beschäftigt. Die Verteilung der wichtigsten Portefeuilles soll bereits geregelt sein. Chamberlain wird n o ch w e i - Ure zwei 3ahre als Staatssekretär deS Auswärtigen tätig fein. Wie verlautet, hat Baldwin den Wunsch, daß dann der derzeitige Dize- könig von Indien, Lord 3 r w i n, sein Rachfolger wird. Lord 3rwins Amtszeit als Vizekönig läuft im 3ah re 1932 ab. Er wird jedoch im Laufe dieses Sommers zu einem Besuch nach England kommen, um mit den Mitgliedern der Regierung Fühlung zu nehmen. Staatsstreichpläne in Rumänien. Man wünscht eine Militärdiktatur. Budapest, 26. April. (WB.) Das demokratische Blatt „Adeverul" veröffentlicht sensationelle Enthüllungen über die Absicht gewisser rumänischer Militärkreise, in Rumänien einen Staatsstreich durchzuführen und eine D i k- tatur ähnlich wie in Südslawien zu prollamieren. Diese Absicht wird damit motiviert, daß die Regierung Maniufür die Verteidigung der Landesinteressen zu schwach sei, und daß auch der Regentschaftsrat seinen Aufgaben nicht gewachsen wäre. Man müsse daher die Verwaltung der Erbschaft des Königs Ferdinand übernehmen, um sie dem König Michael anläßlich seiner Großjährigkeit unberührt übergeben zu können. Die erste Manifestation dieser Bewegung der Militärkreise soll am 3ahrestage der Schlacht bei Maraschesti, am 9. Mai dieses 3ahres, stattfinden. 3n Regierungskreisen wird diese De- wegung mit einer gewissen Sorge betrachtet, doch hofft man, sie unterdrücken zu können, da die Regierung überzeugt ist, in der Verteidigung Ö€S1?Jer^a^un9 und der Demokratie auf öie iln- lerAHung des ganzen Landes rechnen zu können Auch die liberalen Kreise sollen bereit sein, Der Regierung im Kampf gegen die Militärdiktatur beizustehen. Aus aller Welt. Da» Explofionsuuglück in der Nürnberger Bleiftiftfabrif. Das schwere Explosionsunglück in der Mars-Blei» ftiftfabrit ist anscheinend durch eine Explosion oder spontane Entzündung des zum Ueberziehen der Bleistifte benutzten Lacks herbeigeführt worden. Der Lack wird im Spritzverfahren durch von Arbeiterinnen bediente Maschinen auf die Bleistifte aufgetragen. Während die Maschinen im Betrieb waren, war gleichzeitig an einer Maschine ein Schlosser damit beschäftigt, mittels einer elektrischen Bohrmaschine ein Loch zu bohren. Man will nun beobachtet haben, daß an dieser Bohrmaschine sich plötzlich eine kleine Flamme zeigte. Die Lösungsmittel, mit denen der Lack zersetzt ist, haben nun anscheinend Gase und Dämpfe entstehen lassen, die sich an der kleinen Flamme entzündeten und sofort unter heftiger Detonation eine riesige Stichflamme erzeugten, von der im Augenblick die zunächst stehenden Arbeiterinnen e i n g e h ü l l t waren, unter der Belegschaft brach eine Panik aus, die die Flucht sehr erschwerte, zumal da das Feuer an den vielen laufenden von fertigen Bleistiften und an den Lack» Vorräten reiche Nahrung fand und sich mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Raum verbreitete. Ueberschwemmung an der Küste Schleswig-Holstein». Ein gewaltiger W e st st u r m hat an der Westküste Schleswig-Holsteins große Lleberschwem- mung hervorgerufen. So wurde daS ganze Vorland bei £ u f u m überflutet. Das Wasser steht bis an die Kronen der 3nnendeiche. Einzelne Hallig-3nfeln wurden von Der plötzlichen Sturmflut überrascht, so daß zahlreiche Viehbestände nicht rechtzeitig auf die höher gelegenen Hügel gerettet werden konnten und verloren gingen. Allein an der 3nsel Rordstrand mürben 50 ertrunkene Schafe angetrieben. Auf der Elbe wurde durch den hohen Wellengang im Lauenburger Hafen ein Schleppdampfer gegen einen eisernen Kahn geschleudert und zum Sinken gebracht. Bei einem Hotelbrand umgekommen. Das dreistöckige Hotel „Germania" in H e y d e ° trug, das der Hotelbetriebs-A.-G. in Memel gehört, ist vollständig niedergebrannt. Auch die zum Hotel gehörenden Nebenräume sind zum Teil ein- geäschert. Ein 19 Jahre alter Handlungsgehilfe, der in einer Kammer im dritten Stockwerk des Hotels wohnte, hat den Tod gefunden. Zwei junae Mädchen erlitten beim Abspringen aus ihrer Schlafkammer schwere Verletzungen. Das Feuer ist vermullich in der Mädchenkammer zum Ausbruch gekommen. Vie ehemaligen Kriegsgefangenen beim Reichsfinanzminister. Wie die Arbeitsgemeinschaft der Vereinigungen ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands, E.V., mittcilt, empfing RcichSfinanzminister Dr. Hil- f er Ding kürzlich Die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft. Gegenstand der Aussprache bildeten Die gesamten materiellen Rechtsansprüche der ehemaligen Kriegsgefangenen. Deren Vertreter wandten sich entschieden gegen die Absicht Der Regierung, Die gesamten Guthabenansprüche der ehemaligen Kriegsgefangenen zum GrunDstock einer sozialen Stiftung zu machen. Riemals Dürfe durch eine soziale Geste, Die man auS Verlegenheit konstruiere, Der ZustanD Der zehnjährigen Llnaewihheit verewigt werden, in Der sich die ehemaligen Kriegsgefangenen bis heute hinsichtlich Der tatsächlichen Vertretung ihrer Rechte Durch Die bisherigen Reichs regie« rungen befänden. Die Fragen Der „Wiederaufbau" forDcrungen und der Sanitätsgebühren wurden besonders erörtert. Als positives Ergebnis der Verhandlungen wurde beschlossen, bereits Anfang Mai im 16. Ausschuß des Reichstages Die gesamten Fragen in Gemeinschaft mit Vertretern Der Kriegsgefangenen und Der Reichsregierung zur Verhandlung zu stellen. Der Bundestag Der Arbeitsgemeinschaft Der Vereinigungen ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands E. V. findet vom 24. bis 27. August 1929 in Offenbach a. M. statt. Schaden ist erheblich. 1400-Iahrseier der Benediktinerablei Montecassino. An der 1400-Jabrfeier der berühmten Benedit tiner-Abtei Montecassino wird Kardinalstaatssekretär Gasparri im Auftrage PiusXI. als päpstlicher Legat teilnehmen. Nach den letzten Mittei lungen scheint die erwartete Reise des Papstes nach Cassino für die nächste Zell nicht vor gesehen zu fein. Kardinal Gasparri begibt sich in einem ihm zur Verfügung gestellten Sonderzuge noch Cassino. Längs der Bahnstrecke werden Truppenteile des italienischen HeeresSpo l i e r bilden, und seine Ankunft soll durch Ar- tilleriefalven begrüßt werden. Während der Kardi nalstacllssekretär die Abtei betritt, wird dort b i c päpft lic^e Flagge gehißt. Die kürzlich wie derhergestellten päpstlichen Gemächer des Klostergebäudes find für den Aufenthalt des Legaten vorgesehen. Zu gleicher Zeit wird auch der Abtprimas der Benediktiner und Abt von S. Anselmo in Rom. Freiherr von Stotzingen, sich nach Montecassino begeben. Den Mittelpunkt der religiösen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Abtei bildet das große Pontifikalamt, das Kardinal Gasparri Zelebrieren wird, und an dem außer zahlreichen Abgesandten der verschiedenen Benediktiner- Klöster hohe geistliche Würdenträger sowie die Spitzen der Militär» und Zivilbehörden von Cassino teilnehmen werden. Oberst Bauet schwer erkrankt. Wie ein Berliner Abendblatt meldet, ist Der bekannte Oberst Bauer, Der sich seit einiger Zeit in Der chinesischen Hauptstadt Banking als Berater Des Staatspräsidenten Tschiangkaischek befindet, an Den Pocken erkrankt und liegt schwer danieder. Die englische Presse hat immer wieder behauptet, Daß Oberst Bauer Der militärische Berater Tschiangkaischeks im chinesischen Bürgerkrieg war. Demgegenüber muß betont werben, Daß Die 3nteressen Des Oberst Bauer von jeher vorwiegenb aus wirtschaftlichem Gebiete lagen unD Daß er Tschiangkaischek getabe in Fragen Der wirtschaftlichen und industriellen Reorganisation Chinas unterstützen wollte. Die ältesten Meine der Mell. 3m Weinmuseum zu Speyer befindet sich eine Glasamphore mit flüssig erhaltenem römischen Wein, Der ungefähr aus Dem 3ahre 300 nach Ehr. stammt. Durch verharztes Olivenöl ist dieser Wein gegen Lust abgedichtet. Ob er allerdings noch genießbar ist, Darf wohl bezweifelt werben. Man fand diese Glasamphore mit zwölf weiteren Glasgefäßen in zwei Sarkophagen zu Speyer. 3m gleichen Museum findet man Weine aus den 3ahren 1540, 1631, 1687, 1723 und 1822, meist Geschenke aus der Hofkellerei München des Königs Ludwig III. von Bayern. Aus dem 3ahre 1750 sieht man eine Originalflasche mit Wein aus einem Grundstein in Freimsheim (Pfalz). Die Wetterlage. TaTärürür HoHoyan. O ■Röst O r o 7 Parts. 40 Freitad, d.26. April 1929,7h abds. Qwolkenlos, oneuer. (jnaiö otoecM.» wolkig. • oedeckt. «Regea * lehnte a Graupeln, a NeDei K Gewitter (g)WinostiHe.«<>, $eW «eietiter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwesl Oie diene fliegen mit dem winde Oie neiden Stationen stehenden Zeh- @ u» 45 43 o 5^ O —/-Jan njyei ten geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem, «ut neeresmveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Eine Randstörung an der Westseite des ausgedehnten südskandinavischen Druckfallgebiets hat sich zu einer selbständigen Störung entwickelt, die yeute morgen über der Nordsee lag. An der Südseite der Fallgebiete vorgedrungene wärmere Luft hat in unserem Bezirk einen Temperaturanstieg von etwa 3 bis 4 Grad gebracht und im nördlichen Deutschland außerdem zu Regen- und Schneefällen gefüyrt. Die leichte Erwärmung wird nur vorübergehend fein, denn an der Rückseite der Nordseestörung fließen bereits kältere Luftmassen südwärts. Erneutes Aprilwetter setzt ein. Unter finkenden Temperaturen und wechselnder Bewölkung mit Aufheiterung treten mehrfach Regen» und Schneeschauer auf. Wettervorhers age für Sonntag: Wieder kühleres, unbeständiges Wetter mit Regen- und Echneeschauem. Wettervorhersage für Montag: Roch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 26. April, mittags 9,2 Grad Celsius, abends 5,8 Grad; am 27. April: morgen« 7,8 Grad. Maximum 9,5 Grad, Minimum 1,4 Grad. — (Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. April: abends 9,3 Grad; am 27. April: morgens 6,1 Grad. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. die BULGADIA eine Zigarette bieten, die auf der Höhe sonstiger 8-Pfg.-Zi- garetten steht. ___ Stadt. (Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt) Kindes willen — der Wahrheit die Ehre geben. Denken wir bei all unserm Tun daran, daß in der jungen Menschenseele durch Fehler der Eltern schwerster Schaden angerichtet werden kann, der meist nicht wieder gutzumachen ist. W. Bornotizen Aus -er Provinzialhauptstadt. Giehen, den 27. April 1929. Du und dein Kind. Mein Junge und ich fuhren in der Elektrischen einer rheinischen Großstadt. Der Schaffner kam und sagte mit einem Blick auf den Kleinen: „®r ist doch noch nicht sechs Jahre alt?" „Ra- tiirlch." sagte ich, „er wird nächstens schon acht." Ich muhte also Fahrscheine für zwei Erwachsene nehmen. .Warum stellen Sie eigentlich diese merkwürdige Frage?" forschte ich weiter, „wenn ich j a gesagt hätte, wäre die Elektrische um 15 Pfennig gekommen." „Mir kann's doch einerlei sein," war die Antwort M.ein Junge meinte nachher geringschätzige „Der Schaffner glaubt, ich wäre noch keine sechs, ist der aber dumml" Ia, der Schaffner brauchte keine Gewissensbisse zu haben, aber wir Eltern. Sollen wir wirtlich, um einige Pfennige zu sparen, im Bei- sein unserer Kinder lügen? Selbst wenn es auf der Eifenbahn etliche Mark ausmacht, müssen wir doch unbedingt bei der Wahrheit bleiben, nicht an den Geldbeutel denken, sondern an unsere Kinder. Wer viel mit der Dahn fährt, weih ja, wie leicht sich manche Leute diese Sache machen, und wie leicht sie sich dann entschuldigen: Die "Reichsbahn kann doch bestehen. Die Kinder verraten ja allerdings, wenn ihnen nicht vorher Stillschweigen besohlen wurde, sehr oft die Karten, und das mitsahrende Publikum hat Zeit und Muhe, darüber Betrachtungen anzustellen, wer nun zu verdammen ist. der neugierige Schaffner, oder die kurzsichtigen Eltern. Leider wird der Schaffner in den meisten Fällen verurteilt. „Es geht ihn ja gar nichts an!“ — Auch hier finden wir, wie so oft, wenn es um Sachen der Allgemeinheit geht, eine sehr leichtsinnige Moralauffafsung. Wie würden solche Herrschasten austrumpfen, wenn wir versuchen wollten, sie persönlich um eine Kleinigkeit zu schädigen! denn eine Schädigung ist es doch, ob es nun die Reichsbahn oder den einzelnen 6c- . Slora-Monwlexa das Blut- und Rervenregenerationsmiltel aus hochwertigen Heilkräutern hat die heilvollsten Einwirkungen auf den menschlichen Gesamtorganismus und ist bewährt bet Kopfleiden und körperlichen Beschwerden aller Art Preis RM. 2.—. Aufklärende Broschüre liegt jeder Packung bei. Zn haben in den Apotheken: bestimmt in der Engel- Apotheke Giehen, Marktplatz.02566 Sonn,NNSdientt o. Rerne n.Apotbeken am28 4.2t, Dr. Schäffer. Dr. S. Klein. Engelapoiheke. Zabnnrzt: Dr. Haubach. D Kaufen Sie das Doppdpaket Sie sparen/ LUX SEIFENFLOCKEN SUNUCHT GtSELLSCHAFT A.G. MANNHtlM US18.it mit einer Reihe von Arbeitsvergebungen für städtische Bauten, sowie mit der Dergebung von Lieferungen an städtische Werke zu beschäftigen haben. , _ ' Kreisschulrat Wilhelm Loos. Man berichtet uns: Mit dem Beginn deS neuen Schuljahres schied aus dem Diehener Schuldienst der seitherige Leiter der Pestalozzischule, Herr Rektor Wilhelm Loos, der zum Kreis- schulrat in Groh-Gerau ernannt wurde. Rahe- zu 7 Jahre hat er an der Spitze dieser Schule gestanden und während dieser Zeit mit besonderer Tatkraft und Umsicht das gerade in der Rachkriegszeit ganz neue Aufgaben stellende Amt ausgeübt. Alle Bestrebungen, die darauf hm- zielten, die durch die Folgen des Krieges körperlich geschädigte Jugend gesundheitlich zu fordern fanden bei ihm stets allseitige Unter« stühung So wurde unter seiner Leitung das Hilfs- und Förderklassensystem weiter ausgebaut. Wie sehr seine pädagogische Befähigung von der Schulbehörde eingeschäht wurde, beweist der älm- stand, dah man ihm die Leitung einer Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer des Kreises Giehen übertrug. Auch auf schulmethodischem Gebiete hat sich Herr LooS als Mitherausgeber der Monatsschrift „Im Strome der Arbeitsschule in der Lehrerwelt einen guten Ramen gemacht. Wie sehr er bestrebt war, ein gedeihliches Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus zu erzielen, wird den vielen Teilnehmern an der Schubertfeier 1928 in lebhafter Erinnerung sein. 3n einer kurzen, würdigen Feier verabschiedete sich Herr Loos von seinen Mitarbeitern, die ihm zum Andenken an seine seitherige Wirkungsstätte eine Radierung .,Alt-Giehen" überreichten. Mit Wilhelm Loos verläßt uns ein Schulmann, de sen Wirlungszeit wohl zeitlich begrenzt war, dessen Rame aber in der Gießener Schulgeschichte un- Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 28. April. Tantate. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Mahr-, Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthausgcmcmdc: 9.30: Pfarrer Becker: 11: Kinderkirche für die Mar- kusgemeinde: Pfarrer Becker. — Johanneskirche. 8: Pfarrer Bechtolsheimer; Christenlehre für die Neu- konfirmierten der Lukasgerneinde, 9.30: Pfarrer Ausfeld: 11: Kinderkirche für die Johannesgemeindc; Pfarrer Ausfeld: 8: Bibelbesprechung im Johannes- (aal; Pfarrer Lic. Waas. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz: Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde. — Elisabeth- Kleinkinderschule. 8.30: Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde; 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden, 11: Kindergottesdienst: 1.30: Hauptgottesdienst. — wieseck. 9: Beichte: 9.30: Pre- digtaottesdienst, im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Alten-Vuscck. 9.30: Beichte: 10; 11: hl. Abendmahl. — Trohe. 1.30; 2.30: Christenlehre; 3: Beichte; 3.30: hl. Abendmahl. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Mainzlar; 1.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; hl. Abendmahl; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9.30: Kinderkirche; 1: Hauptgottesdienst. — Cid). 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 2: Stiftspfarrer tic. Schorlemmer. katholische Gemeinden. Samstag, den 27. Aprit Giehen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 28. April. 4. Sonntag nach Ostern. Giehen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lid). 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Echzell. 11: Messe mit Predigt. Giehen. Donnerstag, nachmittags 5.30 Uhr, ist Beichtgelegenheit. — Freitag, 6 Uhr, ist Segensamt. — Freitag, abends 8 Uhr, ist Maiandacht. wo er mit dem Motorrad zu Fall kam. Der Fahrer erlitt stark blutende Verletzungen tm Gesicht, das Motorrad wurde beschädigt. Der rücksichtslose Kraftwagenführer fuhr leider unerkannt in Anzeige. * LU. Bon der Landes-Universität. Die erste feierliche Immatrikulation findet am Montag 12 älhr im Universitätsgebäude, Lud- wigstraße, statt. Rach den bisherigen Einschreibungen ist ein starkes Semester zu erwarten. Die zweite und letzte Immatrikulation ist auf den 13. Mai festgesetzt. . . ♦* Künftig „St ab trat" und ,,'etabt» ratsmitglich". Die Stadtverwaltung teilt den Mitgliedern des Stadtparlaments soeben mit, daß nach Artikel 33 des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Gemeindebeamten die Bezeichnungen „Stadtverordnetenversammlung" durch „Stadt- r a t" und „Stadtverordneter" durch „Stadtrats- Mitglied" ersetzt worden sind. •• Eine öffentliche Sitzung des Stadtrates findet am kommenden Dienstag, nachmittags 4 Uhr beginnend, im Sitzungssaale des Stadthaufes, Bergstraße, statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende wichtige Dorlagen: Die Errichtung städtischer Wohnungsbauten in der Schwarzlach. Endgü'ckige *£eranla- qung der Gewerbesteuer für das Ri. 1928. Erhebung einer Filialsteuer in der Stadt Gießen. Gesuch des Dolkshallevereins um älebernahme des Fehlbetrages des Geschäftsjahres 1928 auf die Stadtkasse. Reubau einer Wartehalle mit Rebenanlagcn und einer Transformatorenstation an der Dottshalle. Reubefestigung der Kaiserallee vom Alten Rödger Weg bis zum Schuhenhaus. Daneben wird sich der Stadtrat noch vergessen bleiben wird. **StraßenbauarbeitenimWetzl ar e r Weg. Seit einigen Tagen sind im Wetzlarer Weg umfangreiche Erneuerungsarbciten am Bürgersteig im Gange. Es werden dort neue Bordsteine bzw. die alten reguliert, ferner die Gehsteige mit Guhasphalt hergerichtet. Nach dem Abschluß der Arbeiten an den Bürgersteigen wird die Fahrbahn mit SJlansfelber Schlackensteinen gepflastert werden, wodurch die bisherige starke Staubbildung beim Fährverkehr m dieser Straße endlich unterbunden wird. Es ist erfreulich, daß diese Straße, die bisher in ihrem Gewände nicht gerade angenehm wirkte, nun auch mit einem neuen Kleide versehen wird. Dom Reubau der Schule in den Cichgärten. Eine rege Bautätigkeit herrscht gegenwärtig an dem im Herbst vorigen Jahres begonnenen Reubau der Schule in den Eichgär- ten Rachdem schon in den Wintermonaten viele Taufende von Ziegelsteinen und sonstige Baumaterialien zur Baustelle gefahren wurden, sind die Arbeiten jetzt bereits soweit gediehen, daß die Grundmauern aus der Erde ragen. In das Innere des Baues sind Feldbahngleise gelegt, auf denen in Loren die Erdmassen nach außen befördert werden und der in den elektrisch betriebenen Betonmischmaschinen hergestellte Beton zur Weiterverarbeitung mit dem Stabeisen an die Holzverschalungen gebracht wird. In einem Teile des Baues ist man bei den Erd- arbeiten auf Wasser gestoßen, das mittels elek- trisch betriebener Pumpe nach außen gcUitct wird Die Bau arbeiten werden von den Baufirmen Birkenst ock & S ch n e id e rund Martin Aberm ann auSgeführt. Die Bauleitung hat das Städtische Hochbauamt. Zu gleicher Zeit wird auch an dem unteren Teil der Wolfstraße nach dem zum Philosophenwald führenden Atege zu, an der Herstellung der Straße weitergearbeitet. Hm den neuaufgeschütteten Stratzenteil befahren zu können, ist er teilweise mit Eichen» schwellen ausgelegt. , *• Cin Verkehrsunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 5.30 Uhr in ter Äaifcr- -Allee (Ecke Georg-Philipp-Gail-Straße). Gin Motorradfahrer aus Großen-Duseck fuhr auf dem Rachhausewege auf ter rechten Seite die Kcuser- ANee hinauf. Plötzlich bog ein Kraftwagen aus ter Georg-Philipp-Gail-Straße auf ter linken Seite scharf in die Kaiser-Allee ein und kam dem Motorradfahrer in die Fahrbahn. Ein Zusammenstoß schien unvermeidlich, jedoch gelang es dem Motorradfahrer noch im letzten Augenblick, in die Georg-Philipp-Gail-Straße einzubiegen, Die Hauptleidtragenden aber sind stets die Kinder. Wir verlangen im Leben, in der Familie, kurz überall, die reine Wahrheit Unzählige Male predigen wir: „Wer einmal lugt, dem glaubt man nicht"... oder ..Lügen haben kurze Beine." Und nun? Wir wünschen Unterordnung, wir sagen immer wieder: „Das mußt du so machen, wie wir." In allen wichtigen An- gelcgenhciten sollen sich unsere Kinder, an uns wenden, Vertrauen sollen sie zu uns haben. Und nun sehen sie, wie ihr Vorbild (das sollen die Eltern doch sein!) gar nicht das tut, was es selbst von ihnen fordert. Der starke Glaube an die Vollkommenheit der Eltern, der besonders bei kleinen Kindern noch vorherrscht, wird völlig erschüttert, wenn sie merken, wie ter Vater oder die Mutter sich durchlügen. Es muh ja zugegeben werden, dah das Reisen, besonders bei groben Strecken, für manche Eltern recht kostspielig ,st. Das darf aber keine Entschuldigung fern. Das Kind selber hat ja kaum eine Ahnung von dem Wert des Geldes, es hört nur die Lüge. Unermeßlicher Schaden wird dadurch ange- richtet. Richt nur. dah das Kind auf diese Art und Weise selber das Lügen lernt, nein es kann auch zu jeder Zeit seinen Eltern vorhalten: Ihr macht es ja ebenso! Die Sache verschärft sich natürlich noch mehr, wenn die Eltern den Kindern vorschreiben, die falschen Angaben auf die Frage des Schaffners zu wiederholen. Das ist die einfachste Art, unsere Kinder an das Lugen zu gewöhnen. Wir sind bann gar nicht mehr weit von dem Falle entfernt, der wohl als Scherz erzählt wird, dah nämlich das Kind auf die Frage, wie alt es sei, antwortet: In der Schule bin ich sechs, in der Eisenbahn vier, zu Hause aber fünf Jahre alt. Tleberall wird bitter über den Mangel an Gemeinsinn geklagt: man regt sich auf, wenn die Anlagen zerstört, oder tue Ruhebänke beschmutzt werden. Mit Recht! Wenn man aber all die kleinen Summen, um die öffentliche Einrichtungen durch falsche Angaben geschädigt werten, zusammenzählen wollte, würde man staunen über die Höhe dieser Zahl. Aber für uns Eltern handelt es sich noch um viel mehr: es geht um die Erziehung unsererKinder, und da müssen wir unter allen Umständen — um des — Xagesfalenber für Samstag. Er- öffnungsoorfteUung des Zirkus Hagenbeck, 8.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Hellseherin"; auf der Bühne Claire Pitta. — Astoria-Lichtfpiele: Harry Piel in „Die Mitternachtstaxe". — — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Katharina Knie", 19 bis 21.15 Uhr. — Zirkus Hagenbeck, 3.30 und 8.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Hellseherin"; auf der Bühne Claire Pitta. — Astoria-Lichtfpiele: Harry Piel in „Die Mitternachtstaxe". — Abschiedsvorstellungen imStadt- t h e a t e r. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die nächsten drei Tage bringen fol- gende 2Lschiedsvorstellungen: Sonntag, 28. Avril, verabschiedet sich Ali st Kr ahm e r in ,.Ka- tharina Knie": Montag, 29. April, ist die Iu- biläums- und Abschiedsvorstellung von Rudolf Goll mit „Großstadtluft": Dienstag, 30. April, spielt Julius Baste in „Dame Kobold". — Qlm Mittwoch, 1. Mai, findet das diesjährige Abfchiedsgastsviel des Reuen Operetten-TheaterS Frankfurt a. M. statt. Zur Aufführung gelangt Emmerich Kalmans Operette „Die Herzogin von Chikago"". Die Aufführung erfolgt in der Pre- mierenbesehung mit den Damen Domes-Orth und Itter, sowie mit den Herren Rador, Fels, Reul, Diestel, Klüfer, Schreiner, Hanschmann und Bal- dus. Spielleitung: Oberregisseur Wiesner. Musikalische Leitung: Kapellmeister Fries, Tanzarrangements: Tanzregisseur Klüfer. — Der Goethe-Bund schreibt uns: Den Bemühungen der Intendanz des Stadtheaters und des Vorstandes des Goethe-Bundes ist es gelungen, die im In- und Auslande rühmlich bekannten Haah-Derkow-Fe st spiele für den 10. Mai zu einem Gastspiel nach Gießen zu gewinnen. Gerade ter „Totentanz", ter neben dem ,.Paradeisspiel", dem Spiel vom Sündenfall, zur Aufführung kommt, ist es, der die Haah-Ber- kow'Spiele in aller Welt bekannt gemacht hat. Heberall hat dieses nach Dilderdrucken aus dem 15. Iahrhundert bearbeitete Spiel dieselbe starke I Wirkung gehabt. In Gießen sind die Festspiele von früher her bestens bekannt. So dürfte das Gastspiel von den hiesigen Kunst- und Theaterfreunden lebhaft begrüßt werden. (Siehe heutige Anzeige.) — Bund „Haus und Schule . Am Montag, 29. April, abends 8 Uhr, spricht im Io° Hannessaal der Dundessekretär Otto aus Frankfurt a. d. Oder über das Thema: „Sichtbare und verborgene Miterzieher"". Wan beachte die heutige merika __ hat es verstanden von jeher Hand auf die kostbarsten bulgarischen Tabake zu legen, Deutschland aber sowie die übrige Welt hatten das Nachsehen. Erst unserem Unternehmen ist es gelungen, durch unsere Organisation in Bulgarien diese hochwertigen Edeltabake auf Jahre hinaus für Deutschland zu sichern. Hierdurch können wir in unserer __ BULGARIA-KRONE 2 TEU5CHER | 2 führerschein freie ui] toll Wortiler Erna Hermann Schleenbecker im 19. Lebensjahre. Rosen 02622 3832D] Persönlichkeit Todes-Anzeige NWeWrnz L Müller HI., Schreieenneisler im 88. 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April 1929 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 98 Zweites Blatt war der Rückgang der ehelichen I im Säuglingsalter, in Fragt man nach ersten Lebensjahre in • nalistische Motive. stehenden Altersjahren: Rückgang 339 398 1923 1924 1925 1926 1927 8,2 7,9 8,1 1919 13,4 1921 11,8 1922 11,1 469 202 8,1 7,8 7,8 7,7 4,1 9,4 7,1 7,7 7,7 8,5 1872—75 219 316 284 302 270 199 1924') 1925 1926 1927 Der 40,86 37,90 37,16 32,61 28,96 21,10 21,40 20,20 18,90 in den Jahren 1901-02 1922 Länder Preußen Bayern Sachsen Württemberg Baden Hessen die Geborenen auf 1000 der Be- oölkerg. Erst gebürten 192 400 der Reichsgrllndung beträgt, ehelich Lebendgeborenen im den folgenden Jahren: 1880—81 1890—91 1900-01 1910-11 1912—13 1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 meisten anderen Kulturstaaten gemein hat. Es tarn im Deutschen Reiche 1913 150 182 157 140 138 93 Sieben Jahre vorher: Ein Zug, der viel toun- derlichcr war. Da gingen Männer in verschlissenen Kleidern und sie taumelten mehr, als sie gingen, sie schleppten Kameraden auf Krücken 1907 1909 1911 1913 1915 1917 Die Ursachen mehr auf ganz Hauptsache in 1876-80 1886—90 1896-00 1906—10 1911—13 Geld der Inflation, keiner so ehern und hinreißend bisher das absurde Geschehnis eingekreist als Robert Reumann in seinem Roman „Sintflut" (Engelhorns Verlag, Stuttgart). Robert Reumann, der diesen harten Griff getan, hatte bisher nur sein Handgelenk legitimiert. Zuerst mit lyrischem Fingerspiel, einem Gedicht- band, dann mit der heiteren» Stiläfferei „Mit fremden Federn", diesem berühmt gewordenen Parodienbuch. Aber schon in der sehr gelungenen Rahmennovelle „Die Pest von Lianora" spürt man den geborenen Fabulisten, und in der zündenden Reportage seiner „Jagd auf Menschen und Gespenster" einen brennend klugen, scharfäugigen Beobachter. All dies aber bloß Vorbereitung. nur Fingerspiel: hier, in diesem Roman, zeigt er zum erstenmal die Faust. Mit einem klirrenden Stoß zerschlägt er die Mattscheibe der Vergeßlichkeit, mit einem prachtvollen, unerbittlichen Ruck reiht er die Tür auf zur Kloake jener Fäulniszeit. Er schont dabei nicht unsere Rerven. Gestank schlägt einem entgegen, gräßliche Gärung, schwefliger Geruch von Sodom und Gomorrha. Aber mit festem Fuß stapft der Erzähler hinein in diesen phosphoreszierenden Sumpf und zieht uns unerbittlich mit. Dis zu den Knien watet er weiter durch den ganzen Stall des Augias, den ganzen Unrat fegt er heraus ans Licht, unnachgiebig, unbarmherzig. Er greift der Zeit bis an die Eingeweide und schwemmt sie mit Lauge durch. Sentimentale seien gewarnt: in diesem Buche geht es durchaus ungemütlich zu. nichts wird verdeckt und verschönert, nichts verschwiegen und gemildert, nicht eine falsche Wiener Gemütlichkeit in die Schwindelcpoche hineingeschwindelt, sondern eher das Phantastische noch übersteigert, das Fiebrige überhitzt. Mit Aquarellfarben kann man keine Apokalypse malen; Goya und der Höllenbreughel sind darum die wahren Vorbilder des Erzählers Robert Reumann für diesen wilden Hexentanz ums Geld. Ausgezeichnet schon die rein technische Anlage des Werkes. Eine Kindheit in einem Vorstadthaus. Vorn die Fabrik, gute, brave Geschäfte, gemächliche Leute, rückwärts Arme und Aermste. Dies Oben und Unten. Vorn und Rückwärts, Arm und Reich, Bürger und Proletarier. Jude und Christ natürlich sorgsam geschieden. Aber auf den Rinnsteinen des Hofes, auf Den Bauplätzen nebenan spielen Die Kinder gemeinsam. Sie verbinden die Gegensätze, und dank ihrer blickt man gleichzeitig in alle Türen, die wohlverschlossenen in der Bevölkerung, noch die Heiratshäufigkeit hat bei uns eine Abnahme erfahren. Während des Krieges ist sie stark zurückgegangen. Das Bersäumtc ist jedoch in den ersten Nachkriegsjahren vollkommen nachgeholt worden, und jetzt haben wir wieder — wie die folgende Aufstellung zeigt — bei uns die gleiche Heiratshäufigkeit wie etwa vor dem Kriege. Im Deutschen Reiche kamen auf 1000 Einwohner Ehe schlicßungen in den nebenstehenden Jahren: war ganz mit goldenem Sand bedeckt. Helme und Panzer und blanke Degen, man konnte sie nicht zählen, blitzten in der Sonne. Und das Volk balgte sich um eine Handfläche Platz und turnte an Kandelabern und Fensterkreuzen herum und schrie aus vollem Halse: Evviva. evviva — hoch der König — unser guter König, der siegreiche — evviva la Regina! Die Königin — ach ja, ich habe falsch an- gefangen, man kommt etwas durcheinander. Also der Zug der Königin verlieh punkt 10 Uhr den Quirinal und genau 10 Minuten später folgte Der Zug des Königs. An seiner Rechten sah der Kronprinz, der. volljährig geworden, zum erstenmal der Eröffnung einer Legislaturperiode beiwohnen durfte. Und da ist das Königs- töch ter lein, um dessen Hand sich so viele gekrönte Freier bewerben, und da — und da — Aber ich muh die Beine unter den Arm nehmen, wenn ich noch rechtzeitig in Den siebenmal versperrten Zauberberg hineinschlüpsen will, in den Montecitorio. Rom, April. So lange Rom steht, und das ist, wie man weih, schon ziemlich lange, hat noch kein Sterblicher der Unsterblichen ein solches Geschenk zu Füßen gelegt: eine so unbestrittene Herrschaft. Eine Einheitsregierung, wie sie der Duce dem König am 2682. Geburtstage der Urbs oder Urbe, ein Wort, das die Quiriten groß schreiben. vorstellte. Ein Parlament, das nur eine Seele, bei einem vierhundertfachen Mund nur eine Stimme hat. Die Römer machten sich auf, den seltsamen Tag zu feiern. Ihre nie zu viel besungene Sonne schlug den blauen Mantel auf und stand da in augenblendender Schönheit und Reinheit wie die schaumgeborene Göttin. Ein überirdischer Frühlingstag... Wir, die Mensch, n der dröhnenden Waffenschmieden und der belfernden Volksvertretungen. wir mit den Ohren, die klingen vor dem Marktgeschrei der um Kriegstribute Feilschenden, wir mit den allzu wissenden Augen. Den übersatten Köpfen und den hungrigen Herzen, wir erlebten ein Märchen: ... Es läuteten die Glocken, mit himmelhallendem Bum-baum-baum die größte des Kapitols, da fuhr der König aus seinem Schlosse heraus. Sechs Rosse zogen den Wagen, und die Straße und locker angelehnten, in die guten Stuben und in die Mansarden. Das ganze Vorspiel dieses Romans überwölbt eine Kindheit, und diese dauert bis zum August 1914. Dann kommt ein Loch. Ein schwarzer Fleck, absolute Leere, ein Richts: die fünf Jahre Krieg. Kein Wort über ihn. keine Zeile; erst später wird man wissen, was diese fünf Jahre verändert und verwandelt haben. Der eigentliche Roman setzt erst ein, wie der Eisenbahnzug den Helden (wie schlecht paßt ihm dieses Wort!) im Viehwagen, in zerschlissener Uniform über die Grenze zurück- führt. Er kommt an mit leeren Taschen und einem gaftbitteren Herzen, beschäftigungslos, fremd, aus- geheimatet und starrt das alte Haus, in dem er aufgewachsen, an wie die Kuh den neuen Zaun. Alles ist anders geworden, die Fassaden, die Geschäfte, die Menschen. Der kleine Schokoladenhändler im Vorderhaus ist gigantischer Unternehmer, Marke Omnia, er handelt mit Wolle und Seide, mit Getreide, mit Papieren und Richt- Papieren, das heißt, mit wertlosen Aktien. Der wackere deutsche Beamte, bei dem er aufgezogen war. ist seine rechte Hand, die Greifhand, der kleine eingctoanDerte, halbverhungerte Samuel Klein die linke, die Versteckhand, die Denkhand geworden, ein Trio, das auf der zum Zerreißen gespannten Saite des Wiener Elends musiziert. Alle drei sind sie, jeder in seiner Art. aufgeftiegen aus den kleinen Verhältnissen ins scheinbar Gigantische auf Kosten Unzähliger, die ringsum verhungern, alle drei besessen, betrunken von der Tollgier nach dem Mehr und Mehr. Und nun sieht man, wie diese Eiterblase (diese vergiftete Jauche aus fremdem Blute) schwillt und schwillt zu immer krankhafterer Größe, wie der Organismus des ganzen Staates durch dieses ge- schwürige Konzerngewächs fiebrig geschüttelt wird, bis die Beule endlich platzt. Aber schon hat ihn selbst, den hundearm Zurückgekehrten, das Fieber gefaßt, er wird mitgerissen, dieser unheldische Held, in eine jener kartenhaft aufgetürmten Unternehmungen, wo mit allem gehandelt wird und mit allem betrogen, wo aus nichts Geld gemacht wird und Geld wieder zu nichts; aus dem Viehwagen, mit dem man ihn heimtransportierte, schwingt er sich in ein eigenes Auto, saust immer hoher Die Serpentinen der Macht und des Erfolges hinauf, bis er plötzlich über einer zu kühn genommenen Kurve an die Schranken des Gesetzes anrennt und abstürzt. Aehnliches ist oftmals erzählt worden, aber niemals so spezifisch die wienerische Inflation geschildert mit ihren spannweiten Gegensätzen, die gräßliche Rähe Dom "Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Weltkriege war die deutsche Dolkszahl von rund 25 auf rund 68 Millionen Köpfe gestiegen. Der für die größere Volkszahl erforderliche Rah- rungsspielraum war geschaffen worden namentlich durch die großen Fortschritte der Landwirtschaft in dieser Zeit und durch die zunehmende Verflechtung Deutschlands in den Welthandel und den Weltverkehr, die es ermöglichte, die bei uns fehlenden Rahrungs- und Rohstoffe im Austausch gegen Fertigwaren, gegen Erzeugnisse deutscher Arbeit, in steigendem Maße einzuführen. Freilich nicht in allen Perioden des vergangenen Jahrhunderts ist es in gleich erfolgreicher Weise gelungen, das deutsche Wirtschaftsleben so weit vorwärts zu entwickeln, um dem ganzen Volkszuwachs in der eigenen Heimat Unterhalt und Fortkommen zu verschaffen. Das war besonders in den Jahrzehnten 1840'50 und 1880'90 nur in so unzureichendem Maße möglich, daß in diesen Perioden Millionen von deutschen Auswanderern die Heimat verlassen mußten, um sich in fremden Ländern, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Existenz zu gründen. Dies waren auch vor allem die Zeiten, in Denen unter Dem Einfluß Der Lehren von Malthus bei uns von einer Gefahr Der UeberDölf crung gesprochen wurde, in denen man ein geringeres Volkswachstum für wünschenswert erklärte und auf Mittel und Wege sann, um Die Volkszunahme in ein langsameres Fahrwasser zu lenken. Hat man doch im Jahre 1848 bei uns einen Verein zur Förderung Der deutschen Auswanderung ins Leben gerufen, ber dann den für die damaligen Anschauungen über diese Frage bezeichnenden Ramen „Rationalverein" führte. Als Dann so etwa von Der Mitte der neunziger Jahre ab im Zusammenhang mit der steigenden Entwicklung von Handel und Industrie der große Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens cinsehte, als Dann die Auswanderung auf ein recht geringes Maß zurückging, wir sogar zeitweilig einen Einwanderungsüberschuß zu verzeichnen hatten, da begannen jene pessimistischen Auffassungen stark zurückzu- treten, wenn sie auch keineswegs ganz aufhörten. Freilich begannen sich auch vom Ende der neunziger Jahre ab etwa in dem Volkswachstum Deutschlands, sowie demjenigen der meisten anderen Kulturstaaten Wandlungen zu zeigen, die zunächst schwach waren und ohne größere Dedeutung zu sein schienen, die aber doch immerhin Tendenzen in sich schlossen, die im Hinblick auf das weitere Voltswachstum zum Rachdenlen zwangen. Es handelte sich um den jetzt bereits, wenn auch nicht sehr start einsehenden Geburtenrückgang, Der Dann weiter anhielt und vornehmlich in Der Rachkriegszeit besonders starke Formen annahm. Dieser Geburtenrückgang war für das Wachstum der Be- völkerung zunächst ohne größere zahlenmäßige Bedeutung: denn die Sterblichkeit sank, dank Der großen Fortschritte von Hygiene und Wohlstand in dieser Zeit, noch rascher als die Geburtenziffer, so daß das Volkswachstum damals dauernd an Stärke zunahm. Den Ursachen Dieses Geburten zunächst der Gedanke nahe, an der Eheschließungen zu jämmerlichster Entbehrung neben polizeilich verbotenen. frenetisch verschwenderischen Unterhaltungen bei herabgelassenen Gardinen, die Spannungen innerhalb derselben Familie zwischen krassen Verdienern, teeren Snobs, überzeugten Kommunisten, das ganze Aus und Ab. Kreuz und Quer. Hinauf und Hinunter, Die vollkommene Durchmischung unD Durchschichtung in Der riesigen Maschine Inflation, Die gleichzeitig Geld zerbröselt und Seelen zerquetscht. Mit einer bewundernswerten Menschen- und Spifodenfülle belegt Robert Reumann zahlenmäßig genau und exakt alle Formen dieser Geistverwirrung um) Wertverwirrung innerhalb der verschiedensten Gesellschaftsschichten. aber schon selbst ergriffen von jener Besessenheit des Mehr und immer noch Mehr, schaufelt er in diesen Hexenkessel noch alles Phantastische des letzten Jahrzehnts hinein, alles, was sich an Frechem und Absurdem, an Pathetischem und Perversem im geschüttelten Ge« fäß der Zeit herausdestillierte. Die ganzem „Fälle" Der Rachkriegszeit, Der Fall Haarmann, Die Episode Bekessy. die feisten Figuren unserer Pseudo-Sünnes. Der fünfzehnte Juli, alles Das wird in diese schon überfüllte Sphäre noch gewaltsam hineingedrückt, nur um sie noch irr- witziger, tollwütiger erscheinen zu lassen. Manchmal werden durch solche Ueberfülle Gestalten in ihren Dimensionen verzerrt, das Dämonische der Figuren noch überdämonisiert: der große Schieber Abel wird zu einem Fedor Karamasow, und sein Sohn Aljoscha, hier Ruben genannt, noch dazu Homosexueller, Hellseher und Kokainist. Ach, was pelzt er alles hinein: Häuser gehen in Flammen auf, Menschen werden gemordet, Verschwörungen geplant, schon spürt man manchmal Durch Die überhitzten Hitzigkeiten Den angebrannt öligen Geruch von Kolportage, und noch immer schaufelt Der Unermüdliche neuen Ekrasit und Dynamit in sein Geschütz. Freilich, er kann sich rechtfertigen, Daß gerade Die großen epischen Meister wie Balzac und Dostojewsski nur durch Outrierung, durch UeberDimenfionierung erst rechten Raum für ihre Riesengestalten fanden, aber von Dostojewski stammt auch das weise Künstlerwort: „Es gibt nichts Phantastischeres als die Wirklichkeit."' Wo der Dichter Erlebnis groß zu sehen berufen ist, bedarf es keiner gewaltsamen Steigerung mehr und das Zuviel an Wahrhaftigkeit mindert Die reine und endgültige Wahrheit. Und dabei ist gerade die Darstellung des Wirklichen, die Abschilderung des Geschäftlich-Sachlichen Die Genialität Dieses Romans. Rie, auch 1000 verheiratete Frauen eheliche Geburten 307,1 302,6 286,1 227,0 202,3 198,2 187,2 166,2 150,2 146,0 146,3 136,7 129,1 Zweit- und Viert- und Drittgeburten Spätcrgeburtcn Oer Geburtenrückgang und das deutsche Bevölkerungsproblem Von Dr. Paul Mombert, o. ö. Professor der Siaatswissenschasten an der Universität Gießen. 166,8 162,5 157,8 128,0 116,5 100,3 97,8 89,0 81,4 79,0 78,2 75,4 70,4 Rückgang Der Sterblichkeit auch ist, so wird er in Öen letzten Jahren in seinen Wirkungen für das Volkswachstum durch den Rückgang der Geburten mehr als aufgehoben. Man mißt den Umfang der Geburtenhäufigkeit am besten an der sog. Fruchtbarkeitsziffer, der allgemeinen, indem man alle Geburten mit allen im gebärfähigen Alter stehenden Frauen oder der 'ehelichen, indem man alle ehelichen Geburten mit der Zahl der im gebärfähigen Alter stehenden Ehefrauen vergleicht. Diese Methode wird von der folgenden Tabelle eingeschlagen. Man ersieht aus ihr deutlich, daß besonders die eheliche Fruchtbarkeit einen ganz besonders starken Rückgang aufweist, eine Entwicklung, die Deutschland mit den ') Von 1924 ab für das neue Reichsgebiet. rückgaiiaes, so liegt einen Rückgang. , . . Denken. Aber weder der Anteil der Verheirateten 1901 1903 1905 1927 97 121 88 77 79 68 kann dieser 4,7 des Geburtenrückganges liegen viel anderein Gebiete. Sie liegen in Der zeigt die folgende Tabelle. Es betrugen im Deutschen Reiche im Jahresdurchschnitt der nebenstehenden Perioden gleichmäßig in allen aber besonders stark dem — wie wir aus der folgenden Tabelle ersehen — Die Sterblichkeit im allgemeinen heute nur noch etwa ein Drittel derjenigen wie in den ersten Jahren nach Es starben von 1000 Von zahlreichen Gesichtspunkten aus Rückgang der Sterblichkeit nicht hoch -genug gewertet werden. Das gilt vor allem auch in wirt fchaftlicher Hinsicht, weil nun weit mehr Menschen ins arbeitsfähige Alter hineinwachsen und weit mehr Arbeitsfähige dem Leben erhalten bleiben. Von dem Umfang dieser Fortschritte geben die deutschen Sterbetafeln ein Bild, von denen die folgende Aufstellung einen Auszug für einige ausgewählte Altersklassen bietet. Es betrug für das männliche Geschlecht die mittlere Lebensdauer in den neben- feiHtjjtibenn. ?e' tylt HC: ""»w Eilen cru.Duü, ineiabuiqeb 1 DÖTlagi., !8ect_oy ^auchies " AM U«W Men bttu »citaukn. Mussolinis großer Tag. Eröffnung des faszistifchen Parlaments. — König und Duce Von unserem römischen ^-Korrespondenten. der 'Abnahme des Willens zum Kinde, in dem Streben, die Familie nicht über ein gewisses Maß hinaus anwachsen zu lassen. Zum Teil hängt der besonders starke Rückgang in den Nachkriegsjahren unstreitig auch mit der Not läge vieler Kreise der Bevölkerung zusammen, hauptsächlich auch mit der Wohnungsnot in Den Großstädten. Aber doch nur zum Teil. Sonst könnte man sich nämlich nicht die Tatsache erklären, daß und warum der Geburtenrückgang zuerst und in stärkstem Maße gerade in den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung aufgetreten ist. Es handelt sich vielmehr um Zusammenhänge, die ßch aus Der einfachen Notlage allein heraus nicht erklären lassen, es handelt sich um die Wirkung einer ganz anderen geistigen und psychologischen Einstellung als sie frühere Zeiten gekannt haben. Diese neue Gesinnung ist nicht leicht in wenigen 'Worten darzustellen. Auf der einen Seite ist es der moderne Zug, der immer weitere Kreise der Bevölkerung erfaßt, der auf eine bessere und behaglichere Lebensweise hindrängt, die sich leichter bei wenigen als bei zahlreichen Kindern erreichen läßt. Auf der anderen Seite handelt es sich jedoch auch, wie das Brentano einmal ausaedrückt hat, um eine Art von verfeinerter Kindesliebe, ein gewisses hoch gesteigertes Verantwortungsgefühl gegenüber den Nachkommen, wobei in erster Linie Das Streben, das immer weitere Kreise der Bevölkerung ersaßt, eine Rolle spielt, seinen Kindern eine möglichst gute Erziehung und Ausbildung zu geben und sie im Leben dann über Die eigene soziale Stellung der Eltern hinaus zu heben. Es ist der Zug nach oben auf der sozialen (Stufenleiter, der in diesem i Streben nach einer Kleinhaltung der Familie zum Ausdruck kommt, und der gerade in den letzten Jahren immer steigende Macht erlangt. Bei dem Geburtenrückgang handelt es sich demnach — wenn auch daneben manche anderen Momente eine Rolle spielen — in allererster Linie um ökonomisch-ratio- Alten s»»* ssfejg A* eteiln i)ranllliet 'M Altersstufen erfolgt. Er war auf Frauen im gebär- in den fähigen Alter Jahren Geburten überhaupt agab^.llbr ÄW rbimben mit msichicneo liiiün M 29. Avril, wbi 8 Mr $111« Lisch, ersordi. DienstanM. BeiEosTinao idttheater säS 19 ms2ihU«r Hier MN vOt[ ul Zuckntayer. *129 Mil ÄnnSnii 5*1 «SÄ* Unfreie »mit fort ■'Nen. Il&tt »ÄS Am stärksten „ „ Fruchtbarkeit in Den Großstädten und unter ihnen in Berlin. Wir sind auch in Deutschland auf dem Wege zu einer Kleinhaltung der Familie, ein Weg, den in Europa zuerst Frankreich eingeschlagen hat. Die Ehen mit einer größeren Anzahl von Kin dem sind bei uns in starkem Rückgang begriffen. Im Freistaat Sachsen waren von 1000 Geburten Roman der Inflation. Robert Neumann: „Sintflut". Von Stefan Zweig. Die Phantastischen Tage Der Inflation, Da Geld wie Gummi sich Dehnte, Werte wegschmolzen wie Eisstucke auf Der Herdplatte, Da Unten und Oben, Armut und Reichtum innerhalb weniger Stunden sturzhaft ineinander übergingen — Diese irrwihi- gen Tage sinD den meisten heute nur mehr gc- spensterhaft gewärtig, ein Alptraum, ein tolles Feuer- und Schattenspiel. Aber anderserts sind sie noch zeitlich zu nahe, Diese Tage, zu gestrig, zu vorgestrig, als daß die Historiker sie schon wissenschaftlich bewältigt hätten. Roch fehlt, hier in Oesterreich und überall, Das richtige Museum Des Krieges und Der Rachkriegszeit mit den Photographien Der verfallenden Hauser, der aus- gelcerten Auslagen. Der auggeDorrten Menschen, noch fehlt Die klinische wissenschaftlicye Analy^ jener Tollwutzeit. Bereits wird es mühsam, sich an jeDe einzelne Schwankung nnD Schwellung zu erinnern, unD doch ist es anderseits zu früh m Geschichtswerken wie eine fremde Epoche unsere vorgestrige zurückzulernen; Darum bedeutet diese Zwischenzeit ideale Bildnerepoche für Den Künstler. Er kann, ehe Die Vergangenheit ganz zum Dokument wird, also papierkalte Anschauung, noch aus eigener Erinnerung Die Epoche zeichnen, einzelne Fälle zum Typischen erheben, zufällige Wirklichkeit zum gültigen Werk. UnD >"an steht. geraDe jetzt beginnt in Der Deutschen Epik der Krieg erst zu sprechen, zehn 3ahre nachdem Die letzten Kanonen gebellt, Die letzten Mörser Mord in Die Welt geschmissen haben. unD letzt auch erst scheint die Zeit gekommen, seine letzte Zvige- trankheit, die Inflation, künstlerisch aufs Korn zu nehmen. Gestreift im Vorübergehen oder mit Der Blendlaterne angelichtet hat btefen Morbus viennensis schon mancher: unser v?r.narbener Freund Paul Zifferer hat in seiner „Kaiserstadt einen solchen Querschnitt durch die Übergangszeit mit Der khm besonDers eigenen Sorgfalt und Sauberkeit vorgezeichnet. Raoul Auernheimer in einem Roman einzelne Dieser Umschaltungen mit Figuren ironisch umritten, Felix Braun in seiner „Agnes Altkirchner" manche Krise lyrisch untermalt aber keiner von ihnen hat so zentral des Problem an Der Wurzel gefaßt, beim Geld, in Der tollwütigen Gier nach Dem sich blähenden unD schwinDenDen, Dem plötzlich vom Himmel fallenDen unD über Rächt in nichts zerfliehenDen Das hat sich nun nach Dem Kriege wesentlich geändert. Zwar ist auch in Diesen Jahren noch Die Sterblichkeit bei uns in erfreulichem Ausmaße gesunken unD manche llcberlegungen sprechen Dafür, Daß sie auch noch weiter zurückgehen lüirD. Die Geburtenhäufigkeit jeDoch ist in Den letzten Jahren in weit stärkerem Ausmaße zurückgegangen, so Daß wir . heute viel geringere Geburtenüberschüsse haben, als in früheren Jahren. Ein Bild Dieser Entwicklung I lano 275 RM. kauten. 025S5 i. Förster, oiiiTQhe kb. eiben- ichse Mifl Au verk. lüdet, 0S9» ‘ti.ett.233 vannwrik. iflt Wagen Heu '»uneben. )! Mach. ' i Beniner 'NI' UND izensttoh ben. 0252? Mack 97, ereine ml Jim lal Die Der GeburtenGestorbenen überschuß auf 1000 absolut auf 1000 Der Be- Der Be- völkerg. oölkerg. 27,74 578154 13,12 25,80 583172 12,10 22,43 800430 14,73 18,49 887127 14,12 16,81 804544 12,16 12,90 511745 8,29 12,60 547808 8,80 12,30 493541 7,90 12,60 402949 6,40 r Sterb.ichkeit ist Dabei ziemlich Altersjahre 1871—72 bis 1880—81 1901—10 1924—26 0 35,58 44,82 55,96 5 40,39 55,15 60,09 10 46,51 51,16 55,63 20 38,45 42,56 46,70 30 31,41 34,55 38,56 40 24,46 26,64 30,05 50 17,98 19,43 21,89 60 12,11 13,14 14,60 70 7,34 7,99 8,74 80 4,10 4,38 4,77 90 2,34 2,35 2,68 Aber so erfreulich' und so bedeutsam Dieser starke mit, sie fuhren Sterbende in billigen Mietsdrosch- fen daher, sie waren und wollten sein die Schatten. die die vorausgetragenen schlotternden Menschengerippe warfen, ilnb die Totenschädel grinsten und man kam in Zorn, in bleichen Zorn und schlug mit den Gerippen auf die Soldaten ein. die Stahlhelme trugen. Bajonette vorstreckten, auf Pferden sahen und mit blankem Eisen da- zwischenhieten. Parlament in Waffen! Sturm der Kriegsverstümmelten und Schwindsüchtigen aus den Montecitorio! Giolitti gestürzt. Mussolini ein rasender Achill, als Abgeordneter ein Republikaner, der demonstrativ der königlichen Eröffnung fernbleibt. Die rote Revolution im Kampfe mit der schwarzen. Rirgends ein Halt mehr. Rom zitternd vor jedem Feind, der vor den Toren steht... Damals geriet mein Bleistift unangenehm ins Getümmel, ich fand das Pflaster vor dem Montecitorio reichlich hart und sah mich eines bürgerlichen Rockes entblößt — heute lieh man den Herrn in Schwarz und Zylinder in einem siebenfachen Spalier Spießruten laufen, denn nicht einmal das Luxusauto, das ich bei der Eröffnung der nächsten Legislaturperiode haben werde, hätte vassieren dürfen. Reidische Blicke folgten dem Glücklichen, dem es so peinlich zumute war wie in der bekannten Traumsituation: „ich wandle im Hemde vor staunenden Damen". Denn schamlos nackt war mein Frack, während man in Rom noch niemals so viele Orden, Sterne, Kreuze und bunte Bögel aller Art versammelt sah. Das nächstemal will ich zuvor in den Lunapark gehen und den Lukas hauen. Dos Ergebnis hänge ich mir dann an. Man halte nämlich gesiebt bei der Kartenverteilung, o wie hatte man gesiebt! Auf Herz und Rieren wurden die Eingeladenen geprüft, fast so scharf, wie die Vierhundert, die heute dem König präsentiert wurden, bei der Wahl für die faszistische Kammer. An den Fingern einer Hand konnte man die Vertreter der gesamten Presse deutscher Zunge herzählen, die kleineren Rationen zu berücksichtigen erwies sich als unmöglich. Der gesamte Senat erhielt für seine Familienangehörigen nur siebzig Plätze. Mit weit weniger muhte sich das Heer bescheiden. Was im übrigen die Tribünen füllte, war auserlesene Gesellschaft und da Jugend und Frühling den Tag beherrschten, blühte es ringsum von schönen Frauen und pumpernden Backfischherzen. Wenn Orden ein sichtbarer Beweis für politische Erfolge sind, dann muh die europäische Politik unserer Zeit eine Strahe unerhörter Triumphe durchlaufen haben, denn in der Diplomatenloge klirrte cs wie in einem Ritterarsenal von schimmernder Wehr, von Panzerhemden aus lauter Orden. Manche der Helden konnten sich nur mühsam bewegen. Auch die Botschafter betont demokratischer Staaten glaubten des Flitters nicht entbehren zu können, nur die Vertreter Rußlands und der Vereinigten Staaten sielen durch Verzicht angenehm auf. Zurückgezogen, zwischen zwei Säulen eine unbewegliche gelbe Buddhabüste: Asien. Es kann warten, auf ven Anschluß verzichten, den zum Beispiel der rote Fez Aegyptens bei der Dame Europa in der Rcbenloge sucht. In der Mitte des Saales, dort, wo sonst Präsidenten und Minister auf pyramidenhaftem Aufbau ihres Amtes wallen, der Thron. Roter Baldachin. Neun rote Sessel darunter, vor dein größeren in der Mitte ein seidenes Fußkissen. Ihm wird der König den Fuß in den Nacken setzen: Symbol des Volkes. Hörte man's nicht so in Zeiten, die nun schon sieben Jahre oder sieben Jahrhunderte zurückliegen? Zu beiden Seiten je ein Riese in blankem Harnisch und Helm, mit gezogenem Pallasch. Ueberlebensgroße Tempelwächter. Die Männer in Frack, schwarzer Weste und weißer Binde, so lautet für alle ohne Ausnahme die Zivilvorschrift, drücken sich daran vorbei wie an Säulen. Von der Empore hängen zwei Teppiche mit dem soeben aus der Taufe gehobenen n e u e n S t a a t.s - wappen ab: der Schild Savoyens von zwei Liktorenbündeln flankiert. Verschmelzung von Monarchie und F a s z i s m u s , das ist der bei Zola nicht, ist eine Börfenszene, das Hinaufpeitschen einer wertlosen Aktie durch Selbstsuggestion und Massensuggestion so hinreißend, so gleichzeitig wahr und dichterisch geschildert worden, wie hier in einem Meisterkapitel. Aie, auch bei Balzac kaum, ist der sachliche Verhalt großer Schiebungen so sinnlich einleuchtend und gleichzeitig kommerziell exakt zur Anschauung gebracht worden; bis in die Vieren hinein hat dieser Robert Reumann in Geschäfte, Betriebe, Bündelungen, Affären und Seelenschwindeleien der Inflation gesehen, cs ist eine wahre Lust, nachzulesen, wie er eine Bestechung, eine Schiebung, eine Erpressung schildert — niemals kalt oder ironisch, sondern immer ingrimmig genau, leidenschaftlich beteiligt, wie Dichter sonst nur an ihren Liebesszenen und geistigen Diskussionen. Gerade diese dokumentarischen Schilderungen, wo die Zeit nicht mehr im Hohlspiegel verzerrt gesehen, sondern gleichsam unter die Lupe genommen wird, machen seinen breitströmigcn, lausendwelligen Roman zu einem der wichtigsten Bücher, die wir seit Iahren aus Wien bekommen haben, halb Epos, halb zorniges Pamphlet der Schieberjahre, reich an unvergeßlichen Einzelheiten und kühn in der Wölbung. An der Größe Der Anlage ist hier ein junger Künstler selbst groß geworden und schon in diesem ersten Roman erreicht er durch Lleberlegenheit der Konzeption, abwechslungsreiche Fülle der Figuren, weitgespannte Kontrastierung jenes Welthafte, das wahrhaft wichtigen, epischen Gebilden immer notwendig ist. Uno auch dort, wo er noch ins Maßlose, ins Lletermähigc sich verliert, geschieht es nur durch Leidenschaft, durch eine gewaltsam zurückgehaltene und doch wieder feurig vorbrechende Erbitterung über dos Verbrecherische jener Zeit nnb das Gebrechliche unserer Welt — die einzige Leidenschaft also, die selbst im Llebermaß immer Dem Künstler ziemt und die allein erst jedes literarische Werk menschlich legitimiert. Hochschulnacknchten. Professor Dr.°Ing. Georg Madelung, Abteilungsleiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, ist zum ordentlichen Professor auf dem neuerrichteten Lehrstuhl für Luftfahrt an der Technischen Hochschule Berlin ernannt worden. — Die venia legendi für Pharmakologie und Physiologie wurde an der Technischen Hochschule in Darmstadt dem Dr. phil. et med. Rudolf Hintzelmann erteilt 9er Gießener Tierschutzverein im Jahre 1928. Der Gießener Tierschuhverein hielt vor kurzem seine ordentliche Hauptversammlung ab, in der man feststellen konnte, daß der Verein auch int Iah re 1928 zielbewutzt gearbeitet hat. Dem Iahresbericht, erstattet vom 1. Schriftführer des Vereins, Oberreallehrer i. R., G. Straub, entnehmen wir auszugsweise folgendes: Die Witgliederzahl des Vereins betrug am 31. Dezember 1928 378. Der Vorstand hielt 5 Sitzungen ab. In seiner Zusammensetzung traten insofern kleine Aende- rungen ein, als für Fräulein Ida D i n gelbe i n . die eines Augenleidens wegen eine Wiederwahl abgelehnt hatte, Frau Univ.-Professor Dorn kämm, und für Kaufmann L. Döll, der von Gießen weggezogen ist, Polizeikommissar W. Schmidt in den Vorstand gewählt wurden. Iene gehörte seit 1919, dieser seit 1923 dem Vorstände an. Der 1. Vor'ihmte, Lehrer i. R. W. Fritzel gab seinem ^ebauern über das Ausscheiden der beiden eifrigen Mitglieder aus dem Vorstande beredten Ausdruck. Die satzunas- gemäß ausscheidenden übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt; kooptiert wurden Kreisveterinärrat Dr. Monnard und Univ.- Reitlehrer L. S ch ö m b s. In der Sitzung vom 15. Oktober 1928 gedachte der 1. Vorsitzende des 80. Geburtstages des Lehrers i. R. L. Spitz. Er beglückwünschte ihn, das langjährige Mitglied des Vereins und seines Vorstandes, herzlichst. Vor allem hoffe und wünsche er, es möge ihm vergönnt fein, noch etliche Iahre erfolgreich für die stumme Kreatur wirken zu können. Die Anzeigen wegen Tierquälereien und wegen roher Mißhandlungen häuften sich während des Iahres. Sie sind auf das anerkennenswerte Bestreben der Augenzeugen zurückzuführen, Tierquäler der verdienten Strafe zuguführen. Alle Falle wurden alsbald geprüft. Wenn Belehrung oder Verwarnung versagt hatte, oder wenn schwere Verfehlungen Vorlagen, bann wurde die zuständige Behörde ersucht, die Schuldigen zu bestrafen; doch wurden erfreulicherweise Mißhandlungen vielfach schon durch persönliche Einwirkung der Vorstands- oder der Vereinsmitglieder verhütet. Ihnen sei hier gedankt ob ihres mannhaften Eintretens für die hilflosen Geschöpfe. Richt minder dankbar sei an dieser Stelle auch der Behörden und der Presse gedacht, bet denen der Vorstand stets Unterstützung gefunden hat. Der von stud. M. Küster um des Tierschutzes willen eingerichtete und geleitete sogenannte Aeberwachungsdienst tourte aufgehoben, weil der Erfolg den gehegten Erwartungen nicht entspwchen hat. Der Tierschutzverein richtete im ..Gießener Anzeiger" an die Fuhrwerksbesiher die Ditte, ihm mllzuteilen, wenn sich irgendwo Wege in so schlechtem Zustande befinden, daß die Zugtiere Heberanftrengungen ausgesetzt sind. Er werde sich bemühen, an zuständiger Stelle auf Beseitigung der Lletelstänte hinzuwirken. Schon seit Iahren bemüht man sich in Gießen um die Errichtung einer Fahrschule. Am 2. Iuli 1928 befaßte sich der Vorstand aufs neue mit dieser Angelegenheit. Auf Antrag des Herrn W. L ö b e r wurde die Errichtung ter Fahrschule auf unbestimmte Zeit vertagt. Um der Einwohnerschaft Gießens den Verkehr mit dem Tierschuhverein zu erleichtern und dadurch reger zu gestalten, hatte stud. M. Küster beantragt, inmitten ter Stadt eine Geschäftsstelle zu errichten; aber auch dieser Antrag muhte auf absehbare Zeit zurückgestellt werden. Der vom Verbände der Tierschuhvereine des Deutschen Reiches herausgegebene Kalender für 1 929 wurde in rund 3500 Exemplaren an die Mitglieder und die Schulen verteilt. Der städtische Gärtner L. Diehl versah auch im vergangenen strengen Winter die öffentlichen Futter st ellen gewissenhaft mit Vogelfutter. Daß die schwer bedrängte Dogelwelt ungewöhnlich lange auf den Beistand des Tierschutzvereins sowie die Fürsorge gütiger Tierfreunde und Rothelser angewiesen war. ist klar ersichtlich aus dem Verbrauche von etwa 250 Kilogramm Vogelfutter seitens des Vereins. Der Vorstand hatte beschlossen, auch in diesem Jahre Prämien für treue Tierpflege und tatkräftigen Tierschutz zu verleihen. Die Verteilung der Preise fand Weihnachten im Kaufmännischen Vereinshause statt. Bevor die Ehrengaben — vier Diplome und 21 Geldspenden im Betrage von je 5 Mk. — dxn edlen Tierfreunden überreicht wurden, hielt der erste Vorsitzende eine längere Ansprache. Rach der Ansprache des Herrn W. L ö b e r und der des Kriminalwachtmeisters M ö b u s war die eindrucksvolle Feier beendet. Dankbar sei aller gedacht, durch deren Spenden es dem Vereine ermöglicht wurde, Rot und Leid der Tiere wirksamer zu bekämpfen. Rach dem Stande vom 31. Dezember 1928 betragen die Einnahmen des Vereins 1551,15 Mark, seine Ausgaben 1544,50 Mk., so daß ihm ein Kassenvorrat von 6,65 Mk. verbleibt. Sein Gesomtvermögen ergibt den Stand von 1862,45 Mark. Die Rechnung ist von den Herren D. Heil und W. R i e b e l geprüft und für richtig befunden worden. Ohne Einspruch wurden der Kassenbericht und ter Geschäftsbericht genehmigt. Sinn dieses Tages. Zuiveilen hört man den Flügelschlag der Geschichte. Zuweilen huscht ein Schatten über das sonnendurchschienene bunte Glasdach und ängstliche Gemüter denken an unübertreffliche Attentatsmöglichkeiten und zucken zusammen. Aber es find nur Flieger. Man hört sie nicht. Plötzlich verstummt das Gemurmel der Erwartung, unter dem nach und nach die Senatoren und die frisd)gebackenen Abgeordneten ihre Plätze eingenommen haben, die durch keine Parteimauern mehr getrennt sind. D i e K ö n i g i n ! Alles springt auf und zerkralll die neuen Handschuhe. Die Prin- zessinnen! Die unendlich hohe und schlanke Herzogin von Puglien, ganz in Silbergrau und BlaßlilaI s)lid)t lange, hat auch die Auffahrt des Souveräns das Haus des Volkes erreicht. Die Majestät! Der erste Soldat Italiens! In dem Sturm, der ihn an den Thron trägt, vergißt er nicht, zuerst zu feiner Frau hinaufzugrüßen und, das ist der zweite gewinnende Zug, das ominöse Seidenkissen mit militärischer Verachtung mit dem Stiefel wegzuschleudern. Er will nichts Besonderes haben. Acht Prinzen nehmen zu seiner Rechten und Linken Platz, alle in hoher Uniform. In den Sturm ist, etwas zu frühe gekommen, Mussolini hineingeraten, so daß man erst auf ihn aufmerksam wird, als er mit klarer Stimme das Hohe Haus im Namen des Königs zum Sitzen einlädt. Das ist seine Stunde, das sein großer Tag. Wie er so bastelst vor dem Throne, in seiner neuen golddurchwirkten Ministeruniform, die grüne Schärpe von der rechten Schulter zur linken Hüfte, im Glanze des Annunziatenorbens, der ihn zum „Vetter des Könias^ machte, den Dreispitz unter dem Arm, eine beoeutfame Mappe in den Händen, sind die letzten Ecken und Kanten, die er aus Schmiede und Schulzimmer, von der Straße und aus dem Gefängnis mit auf seine einsame Höhe trug, von ihm abgefallen, er ist ein vollkommener Weltmann geworden. Der große Kanzler. Der Führer. Dux. Nun ruft er v die Vierhundert auf, Namen für Namen, daß sie schwören. Als die Reihe an ihn selber kommt, hebt er den Arm: Giuro! Als sich einer der Vierhundert verplappert und statt des Giuro! fein gewohntes Presente! ruft, Ludwig Thoma spielt Tarock. Von Walter Ziersch. Am Tegernsee ist schlechtes Wetter. Die Wolkenfehen hängen um die Berge, und der Regen rieselt eintönig hernieder. Schlecht gelaunt hocken die Sommerfrischler auf ihren Zimmern, die aufgewcichten Straßen sind wie ausgestorben. An ber Besitzung Ludwig Thomas, oben in Tusten bei Rottach, knarrt von Zeit zu Zeit die Gartenpforte, um verwitterte Gestalten, wohlverwahrt gegen bie Rässe in derbem Loden, einzulassen. Der Tarock geht zusammen, es ist das richtige Wetter dazu. Gespielt wird in dem großen, zu ebener Erde gelegenen Wohnzimmer des Hauses, ber ganz in ungeteiltem Fichtenholz gehaltenen sogenannten Bauernstube, bie aber mit dem Rechen voll sauber geputzter Büchsen und Flinten und den vielen Iagdtrophäen an den Wänden eher wie das Wohnzimmer eines Forstmannes aussieht. Ludwig Thoma und sein brüderliches Faktotum Peter, der tagsüber stets im Hause ist, warten schon an dem wuchtigen Ecktisch im Herrgottswinkel auf die Tarocker. Mein Rachbar, Emil G a n g h o f e r, der Bruder des Schriftstellers, und ich sind die ersten, wir haben den nächsten Weg von Egern herauf. Die Pfeifen sind in Brand gesetzt, das Spiel beginnt.^ „Hast auch ordentlich Geld eingesteckt? Heut' wirst ausgesackelt, Tünncs", verkündet mir Ludwig Thoma, indem er mich, den Rheinländer, nach einer der Figuren des Kölner Hänneschen- Theaters benamst. Er schiebt mit gekrümmten Armen die Fäuste gegeneinander: „Hin mußt werden." Ich habe durchaus keine Angst vor dem Verlieren. Peter und Emil spielen mittelmäßig und sind so gut wie bar Geld. Der Tarock geht gemächlich seinen Gang, bis Ganghofer und ich durch grobe Fehler Peters nacheinander einige Spiele gewinnen. Da fliegt der Hausherr auf: „Himmelherrgottsakrament, Peter, du spielst scho, daß an Hund jammert. Tua doch bei Assen außa, des Assenschonen is scho bös Allerschlechtst. I sags wias is." Peter nusselt in feinen Bart: „So, und wann i eahna d' Zehner sreispüll', bann schimpft du aa.“ Kurz, die beiden Hackeln sich und keiner gibt nach. Da, grab im rechten Moment öffnet sich bie Türe, und Michel Sengt, der Direktor des Tegem- seer Bauerntheaters steckt den Kops ins Zimmer: „Grüah God beiananb. Leut, heut spiel'n ina an Talerblock." Er macht bazu ein Gesicht wie als „Dusterer" im „Gewissenswurm". Lubwig Thoma ist gleich Feuer unb Flamme: „Dös is g'scheit, dös tean ma, mir spiel'n jetzt an recht scharfen Tarock." Er stockt. Mit Sengt ist Pauli Kiem, der rassige blonde Guitarrenvirtuose des Ensembles erschienen, ein Tarockmatador, den Thoma den Professor n?nnt, und den er gerne dabei haben möchte. Emil hat schon verstanden, und da er sein Geld wieder hat. tritt er willig aus. Der scharfe Tarock hat sich konstituiert, Ludwig Thoma ist wie umgetoantelt. Er ist lustig und sprüht von übermütiger Laune. Dabei ist er ganz bei der Sache und denkt über jede Karte, die er ziehen will, reiflich und angestrengt nach, um schließlich mit einem energischen ,.So wird's gemacht und net anders!" zum Entschluß zu kommen und auszuspielen. Manchmal haut er triumphierend auf den Tisch, daß die Aschenbecher und Gelbschalen tanzen, unb gibt jeder Karte ein lautes Kraftwort mit. Manchmal aber legt er mit listigem Lächeln zart und behutsam eine Karte nach der anderen hin. Wenn Thoma ein Spiel verliert, schiebt er ein wenig verlegen die Karten beiseite. Wenn er geben unb passen muh, blickt er interessiert in die Karten seiner Rachbarn. Dem Spieler schiebt er die drei Karten einzeln zu, die besten zuletzt, um ihn zu necken. Lind fein Spiel vergeht ohne Leichenreden. Ieder Fehler wird erbarmungslos ans Licht gezogen. Auch hier verficht der Hausherr temperamentvoll seine Ansichten, läßt aber auch die anderen zu Worte kommen. Dabei fallen derbe Worte, die nicht gerade für Damenohren bestimmt sind. Dazu wird gequalmt, daß man den Tabakrauch mit Messern schneiden kann. Wir merken nichts davon. Endlich erklärt der Hausherr: „Leut', jetzt machen ma Pause. Ieht wird erst Kaffee getrunken. Die Theres hat schon zweimal durchs Türl gelinst." Er weist auf bie Klappe zur Küche. Gehorsam helfen wir alle abräumen. Ein junges Landmädl deckt den Tisch mit blütenweißem, hausgewebtem Linnen und bringt den Kaffee, der nirgendwo so gut ist, wie im Hause Thoma. Cs gibt dazu frisch abgekochten Rahm und selbstgemachte Butter von eigenen Kühen und ein köstliches Bauernbrot, ilnb nirgends habe ich die Poesie gemütlicher Kaffeestünden so stark empfunden wie in Ludwig Thomas Bauernstube. Wenn Thoma zur Redaktionssitzung des „Simplicissimus" nach München kam, war er oft zum Skat im Cafe Hoftheater, wo die Herren lächelt Musiolini nicht mit den andern, wie es sonst seine Gewohnheit ist, sondern wiederholt den Namen des Abgeordneten. Zu feierlich dünkt ihm ter Augenblick. Herrlich, wie fein Cäsarenschädel aus dem Gewimmel von Köpfen, die man sieht und vergessen hat. hcrausbricht. Lind da nun ter König sich flüchtig erhebt, um dann die Brille aufzusehen und sitzend die Thronrede zu verlesen, während der Duce steht wie ein Standbild, unverrückbar gegossen für die Iahrhunterte, in herber Gelassenheit, Sieger vom Scheitel bis zur Sohle, da begreift man wieder einmal, warum dem König die Liebe, ihm aber die Begeisterung gehört. So hoch hat er die Stirne noch nie getragen wie in dieser halten Stunde, während seine, des einstigen Rebellen wohlgemeihelten Worte vom König Italiens ausgesprochen werden. Friede über R o m! König und Papst versöhnt! Das ist sein Werk. E i n Staat, eine Kirche, e i n Volk! Das war sein Ziel. Eine Regierung, eine Presse, eine Partei! Das hat e r erreicht. Doch sein Blick haftet nicht an der Stunde des Triumphes, er brli.yt schon wieder vor, er umfaßt nächste, allernächste Zukunft: „Da alle Abrüstungsversuche mißglückt find, ist es Pflicht des Staates, ohne Verzug alle Vorkehrungen zur Verteidigung des Vaterlandes zu treffen. Die Regierung wird dann eine Politik Oer aufrichtigen unb konkreten Freundschaft zu allen Volkern betreiben, wenn bie berechtigten Interessen Italiens konkret und aufrichtig anerkannt sind!" Ieht hört man die Flieger, hört den Donner der Geschütze vom Monte Mario Her, sieht das ganze Haus rasen und weiß, daß es nur eines Winkes von Mussolini bedarf und ein Fünfzig- millionenvolk steht aus wie ein Mann und greift zu den Waffen. Der Duce sieht nicht aus, als ob er vor den Rie-wieter-Krieg-Stammtischen kapitulieren würde. Gemessenen Schrittes folgt er dem König, der wiederum nicht vergißt, seiner Letenskamerabin zuzunicken, während das Gio- vinezza! ber Faszistenhhmne durch den Montecitorio braust. Der Rat der Vierhundert ist eröffnet. Draußen wartet der Frühling. Achtzigtausend Avanguardisten, junges Blut, kampieren im Freien. Morgen erhalten sie bas Gewehr, sinb Männer, treten in den Kampsfaszio über. Wer von den alten Rompilgern, wer erkennt diese „Kinder des Südens", dieses Italien noch? Verband hessischer Kaffeehausbesiher. — Dad-Rauheim, 25. April. Der Verbandstag des Verbandes hessischer Kaffeehausbesitzer, ter heute hier seinen Abschluß fand, erfreute sich eines zahlreichen Besuches aus dem ganzen Land. Ehrengäste nahmen in größerer Zahl an den Verhandlungen tell, so Kreisdircttor Rechthien (Friedberg), Bürgermeister Dr. A h I (Bad-Raucheim), Äegierungsrat Wolf (Gießen), die dem Ver- bandstag den Gruß ihrer Behörden entboten. Verbandsvorsitzender Tischler (Darmstadt) leitete dic Tagung. Verbandsdirektor Geiß- Hardt (Berlin) hielt das Hauptreferat über „Die allgemeine Wirtschaftslage im Spiegel des gastronomischen Gewerbes". Er behandelte die steuerlichen Gewerbes". Er behandelte die steuerlichen Lasten, die das gesamte Gewerbe zu tragen habe und kam zur Forderung einer Derwcll- tungsrcform. da eine erhebliche Verminderung der hohen Vertoallungskosten notwendig sei. Erfreulich sei, daß die Wiedereinführung der Ge« meindcgetränkefteuer und die Erhöhung der Bier- steuer verhindert werten konnte. In der Aussprach forderte Schmitz (Darmstadt) die Verlängerung der Polizeistunde, die Aushebung des unhaltbaren Backverbots am Sonntag und die Heranziehung der Fachverbänte bei Konzessionserteilungen. Regierungsrat Wolf (Gießen) erklärte, daß auch die Polizeiämter die Aufhebung der Feierabendstunde begrüßen würden. In einem weiteren Referat sprach Der- bandsbircktor Geisthardt über die Abmachungen zwischen dem Reichskartell der Musitveran- vom Bau verkehrten. Besonders mit Dreher spielte er gern und freute sich königlich über die Sprüche des guten Konrads: I woah net. was dös is, alltoeil bin i da Petschierte. Schon von meinen frühesten Jugendtagen an verlier i im Kartenspiel." Später haben wir viel mit Georg Quert gespielt, Skat und Tarock. Da ging's auch „zünftig" zu. Hier ein Brief von Thoma aus dieser Zeit: ..Lieber Lünnes, am Donnerstag kommt der bekannte Schriftsteller Ludwig Thoma nach München. Die Mitglieder des Schriftstellersuppenvereins (so nannte er mich, weil ich die Llnterstühungsrasse des S. D. S. mitoertoaltetc) haben präsent zu fein. Programm: Mittags Pfälzer Weinstube. Auch kann in einem vornehmen Schieberkafsee Mokka angeboten werden. Abends: Erhöhte Festlichkeit. Vielleicht läßt sich der hohe Gast zum Kartenspielen herab. Der ordinäre Süddeutsche Georg Queri kann ebenfalls eingeladen werden. Selber wohnt in Starnberg. Anzug: Gesellschaftsanzug. Alles Weitere am Festplah. Aenderungen im Programm ausgeschlossen. Laut Llnterschrift: Der Obige.“. Den letzten Skat mit Thoma und Queri spielte ich in der Bauernstube in Tuften. Damals war Ludwig Ganghofcr dabei. Dieser hatte einen Skat konstruiert, von dem er behauptete, er gäbe auch dem Spieler mit den schlechtesten Karten Chancen. Mit „Iungfrau" und „Jüngling" und viel Ramschrunden Das war nichts für den guten Queri, der nicht mauern konnte und immer auss Ganze ging. Er stand am Schluß über 2000 minus. Wir spielten um 2 Pfennig den Punkt, also ein anständiger Verlust. Queri quälte: „Roch drei Runden doppelt!" Dann ging's vierfach, achtfach. Am Schluß war Queri der höchste Gewinner und Ganghofer ber einzige Verlierer. Queri freute sich wie ein Schneekönig und schenkte mir — eine Biermarke. „Die kannst du als 50-Pfennig-Stück ausgeben", sagte er. Ich habe die Diermarke verwahrt als Erinnerung. Denn ein halbes Jahr später war Queri tot. Ein Jahr später Ludwig Ganghofer und wieder ein Jahr später auch Ludwig Thoma. Sein Bruder Peter folgte ihm bald, Emil Ganghofer war schon vorausgegangen. Die Zeit ist anders, ist ernster geworden. Wer denkt noch an Thalerblocks und Skatrunden achtfach? Lind die meisten anderen Mitspieler von damals haben ja auch still die Karten aus der Hand gelegt. Die Kleinkinderfürsorge auf dem Lande J. GLUCKERT ozohil Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Somstag nachmittag geschloffen. 31 3802V Haben Sie offene füße“ Schmerlen 7 Jucken? Stechen ? Bronnen? Dann gebrauchen Lie die toufenbmro bewährte ünlversalhedsa he ..Gentarli* Wirkung überraschend. Br. L50 u.2,7d^ Devot in Gießen: in allen Avoibeken. Hanptnlederla’te: Engelapotheke Gleßan. ( mit Dreher mglich über d-c lvoah not lvas •rte. Schon von m verlier i m Zwanglose Besichtigung der äußerst reichhaltigen Ausstellung in kompletten Zimmern und Einzelmöbel erbeten. Günstige Preise, nur eigenes Fabrikat, daher Garantie für Qualität Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 2 8 vom 26. Tlpril enthält: Die Ausgabe von Goldpfandbriefen durch die Hessische Landesbank: Die Gebühren der Aushauer in den Landgemeinden des Kreises Gießen. Darum mit Vr-Thoinxsone Seifenpulver einweichen und mit Ozonil kochen ZUCKERKRANK? dann nur „INSUROL“ KAin Diätzwang Einzigartig. Direkt verblüffende Erfolge. Verlangen Sie sofort haben Deutsch» Vltal-flesellschaA m. b. H., Berlin 35, Ratnenower Straße 73.___ x—Was ist Togal?—> Togal-Tabletten sind ein hervorragendes Mittel bei Rheuma, Gicht, Ischia«, Grippe, Nerven» u. Kopfschmerz, Erkältung«» Krankheiten I Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Ärzte, darunter viele bedeutende Pro- fesioren, die gute Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt In allen Apotheken Mark 1.40 0.46 Chiii.. 12.6 Llth . 74,3 Add. acet. saL ad 100 Amyl Feuerlöscher trocken, für Garagen, noch einige Stücke, sehr billig. 02605 Babnbosftr. 491. jausbesiher. )iiL Der Der- hessischer reute hier seines zahlreichen d. Krengälte : JerhaMM- )icn (3tiebc Lad-Aachem), die bem Trr- -tben entboten, t (Damstabti reltor Geih- .ptreferat über ün Spiegel des behandelte die >clte die steuer- werbe zu tra- einer DerWeb DenninbuMg venbig lei. Er- chrung der 6f* öhung der Diel' In der Aus- stabil die Der- e. die 21* ;ots amSonn- ichverbände bei igard Dolf e Polizeiämter inbc begrühm :ot sprach Del' die Abmachun- -t Malüveran' Ea tsnmödsl besonders Friedhof-Bänke. Sessel usw. Edgar Borrmann, Eiehsn Muskator Vertretung u. Fabriklager für Oberhesien und anschließende Kreise 2432u (Sefffiflelfflcm SKtmar, ®leften Muskator-Erzeugnisse zn haben b.H. Dort. Bischoflen. 8Ml gebr. geg. bar_ zu laut, Angebote mit VretS- anaabe unter 3731D o. d. Gieß. Anzetger. Georg Quer ngs auch .N >cnno aus Mtf nnerstag k°vM na Äoma na°> ? Schriftsteller' ch. weil ich ^mitverwaUetc' ’Jmt- Dittags CflWW- in einem w E 4--D-2 r Obige au-tete- ^fl9rten nichts, l et onntc12000 Sch.lub Punv. :nntfl inrige, Lenkt- BftS’S t . lannlt ,te er- y$efln nnnen^t. Sin und 'a»> .„ Äer w * Sr 2 betn Se- i-gÄ fahrend .Zückbar z^bcr Hx. iur Eohle i** Ä 1 D°»! $Qi cil»Ml J*c Stal* •*t tot. tt $ •®a «Ke dvrkehrungen Geländes crnnblchch iU berechtig- wnkret und t den Donner brr, sieht das es nur eines > ein Fünfzig, ^sn und greift nicht aus, als «Stammtischen Drittes folgt vergißt, seiner nd das Groden Monte- Ändert ist er- ling. Achtzig- Im, tampieren das Gewehr, isafzio über. n, Wer erkennt Italien noch? Berliner Börse. B e r l t n, 27. April. (WTD. Funkspruch.) Aach den starken Abschwächungen von gestern abend kam heute vormittag der zu erwartende Umschwung als die Markmeldungen wieder günstiger lauteten und man wissen sollte, daß die Devisenkurse von der Reichsbank auf zu gestern unveränderter Basis auch heute festgesetzt werden wür- den. Die Spekulation schritt au Deckungen, die gegen die niedrigen gestrigen Abendkurse bi« zn dreiprozentige Erholungen zur Folge hatten. An Kursen sind zu hören A. ®. G. 161 Deld, Siemens 361 Geld. I.-G.-Farben 235,5, Elektrisch Licht & Kraft 201 Geld, Reichsbank 292,5 Geld. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 124,16 zu 124,19, London gegen Mailand 92,55. London gegen Spanien 33,70, London-Kabel 485,25 zu 485,30, London gegen Berlin 20,48 zn 20,52 etwa, und Kabel gegen Berlin 4,2180 zu 4,2190. lichen Fürsorgerinnen oft nicht aus, das große Masi der verlangten Arbeit zu erfüllen. Auf ie 18 000 Einwohner der ländlichen Kreise kommt nur eine Fürsorgerin, auf je 170 000 ein hauptamtlicher und auf je 41 000 Einwohner ein nebenamtlicher Fürsorgearzt. Das ist. besonders in Anbetracht der weiten Entfernungen, zu wenig, um durchreisende Arbeit zu leisten. Da ist die Hilfe der Gemeindekrankenpfleaerinnen. der Hebammen und der charitativcn Frauenvereine unentbehrlich. wie ja auch das Reichsjugendwohl- fahrtsgeseh die Mitarbeit der freien LiebeStätig- keit vorsieht. Es würde vielleicht richtig sein, durchweg den gesamten Gebietskreis der Mütter-. Säuglings- und Kleinfinderfürforge auf dem Lande einem Gesundheitsamt oder einer Gesundheitsabteilung bei den Kreiwohlfahrtsämtern unter ärztlicher Beratung verantwortlich zu unterstellen, da ja auch ein Kreis dieser Aufgabe in besonders geeigneter Weise deshalb Nachkommen kann, weil er als Ausgleichslastenträger die wirtschaftlichen Differenzen zwischen den einzelnen verwaltungsfreisangehörigen Städten und Gemeinden auszugleichen imstande ist. Bon ebensogrosier Wichtigkeit wie die Vermehrung der Zahl der Kreisfursorgerinnen ist die Hebung der K le i n tin de r a n st al ten. Wie Arzt und Fürsorgerin Mittelpunkt der Kindergesundheitspflege sind, so sollte der Kindergarten vor allem auf dem Lande Grundlage und Ausgangspunkt der Erziehungsfursorge für das Kleinkind werden. Ist doch die ländliche Mutter in der Regel neben ihren häuslichen Pflichten und der Kindererziehung iwch mit der Mitarbeit in Feld und Garten belastet. Dadurch wird aber oft die Betreuung des Kleinkindes stark beeinträchtigt. Auch ist sich manche Mutter dessen oft gar nicht so recht bewußt, einen wie schweren Schaden diese Dernachlässigung für das Kind selbst bedeutet. Zwar läßt sich hier durch geeignete Wohlfahrtspflege, durch Belehrung der schulentlassenen Mädchen, durch Aufklärung und erzieherische Einwirkung der Familienmutter viel helfen, aber darüber hinaus bleibt die Kleinkinderanstalt, toeldje die Kleinen für einige Tagesstunden der überlasteten Mutter abmmmt, gerade auf dein Lande unentbehrlich. Jedoch sind diese Bewahrungsanstalten oder Kleinkinderschu- lcn der ländlichen Kreise meist noch sehr des Ausbaues und der Derbesserung bedürftig, bis sie tatsächlich ein der Erziehungsfürsorgc für das Kind wertvoller Faktor werden können. Haltet und der Genossenschaft deutscher Tonsetzer. I Beim Festessen in den Räumen des Teichhause« war auch der Präsident des Reichsverbandes der | Kaffeehausbesitzer und verwandter Betriebe. Peter Stüber (Berlin) anwesend, der zum Ehrenmitglied des hessischen Verbandes ernannt wurde. ' Aus der Provinzialhauptstadt G i e h e n, den 27. April 1929. Daten für Sonntag, 28. April. Sonnenaufgang 4.39 Uhr, Sonnenuntergang 19.17 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 6.44 Uhr. 1758: der amerikanische Staatsmann James Monroe in Westtnoreland geboren; — 1853: der Dichter Ludwig Tieck in Berlin gestorben. — 1896: der Geschichtsschreiber Heinrich von Treitschke in Berlin gestorben. Taten für Montag, 29. April. Sonnenaufgang 4.37 Uhr, Sonnenuntergang 19.18 Uhr. — Mondaufgang 0.33 Uhr, Monduntergong 7.27 Uhr. 1871: der Zeichner Otto Speckter in Hamburg gestorben. Gießener Wochenmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt: Butter 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 20 bis 30, S"inat 40 bis 50. Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Feldsalat 200 bis 250, Tomaten 80 bis 100. Zwiebeln zO bis 25, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 40 bis 90, Kartoffeln 6, ausländische Aepfel 40 bis 80. inländische Aepfel 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 bis 80. Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund. Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 90 bis 100. Eier 11 bis 12. Blumenkohl 40 bis 100, Salat 20 bis 40, Salatgurken 80 bis 100. Lauch 10 bis 20. Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück; Radieschen 25 bis 30 Pf. das Bund; Kartoffeln 5,50 Mark der Zentner. ** Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 1 Uhr geöffnet. »* Berussjubiläu m. Der Schmied Theodor Stein ist am 30. Mai 25 Jahre beim hiesigen Städtischen Gas- und Wasserwerk tätig. ** Die Siedlung der „©agfatj (Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten- Heimstätten). die am Wiesecker Weg errichtet wird, hat seit Beendigung des Frostes eine gute Weiteren Wicklung genommen. Sieben von den neun Baublocks sind bereits im Rohbau fertiggestellt, auf den beiden letzten, welche erst später, nach Beseitigung der Wellhöferschen Scheuer angefangen werden konnten, ist gegenwärtig der Zimmermann dabei, das Dachwerk aufzuschlageit. Infolge präzisen Zusammenarbeitens der an den Bauarbeiten beteiligten Firmen konnte der erste Rohbau bereits nach 3 Wochen, noch vor Ein- tritt des Frostes, die übrigen nach dem ^rost in weiteren drei bis vier Wochen fertiggestellt werden. Trotz des noch rauhen Aeuheren macht die neue Siedlungsgruppe mit ihren schmucken Schieferdächern schon jetzt einen gefälligen Eindruck. Das bisherige gute Trockenwetter läßt eine baldige Inangriffnahme der Ausbauarbeiten erhoffen. Die Errichtung der gesamten Siedlung ist der Firma W. Abermann schlüsselfertig übertragen. Diese hat von den bisherigen Rohbauarbeiten die Maurer- und Zimmerarbeiten selbst ausgesührt und die Spengler- und Dachdeckerarbeiten von der Firma Karl Lapp ausführen lassen. Auch bei der Vergebung der Ausbauarbeiten konnte die Firma Abermann als Gene- ral-Unternehmern ausschließlich weitere hiesige Handwerksbetriebe berücksichtigen. ' E i n Feueralarm rief gestern nachmittag die Feuerwache nach einem Hause In Löbers Hof, wo in einer Wohnung ein mit Kleidern angefüllter Kleiderschrank in Brand geraten war. Beim Eintreffen der Feuerwache hatten die Wohnungsinhaber die Flammen zum Glück schon gelöscht, so daß die Wache nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte und alsbald zum Depot zurückkehren konnte. ** Von der Jagd im Kreise Wetzlar. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat für den Umfang des Regierungsbezirkes Koblenz (einschließlich Kreis Wetzlar) den «ckstuß der Schonzett für Reh- böcke auf den 29. Mai festgesetzt, so daß der 30. Mm der erste $agbtag ist. Der Beginn der Schonzeit für Birk-, Hasel- und Fasanenhähiie ist auf den 18. Mai festgesetzt, so daß der 17. Mai der letzte Jagdtag ist. Tpielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 28. April, von 17.30 bis gegen 23 Uhr. Die Meistersinger von Rürn- berg. Montag. 29. April, von 19.30 bis 22.45 Uhr: Die Fledermaus. Dienstag. 30. April, von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr. Die verkaufte Braut. Mitwoch. 1. Mai, von 20 Uhr bis 22.45 Uhr: Cavalleria rusticana. Hierauf: Der Bajazzo. Donnerstag, 2. Mai, voil 19.30 bis 22-15 Uhr: Der fliegende Holländer. Samstag. 4. Mai, von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Der Wildschütz. Sonntag, 5. Mai, von 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Zigennerbaron. Montag. 6. Mai. von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Cvsi fan tuttc. Schausvielhaus. Sonntag, 28. April, von 16 bis 18 Uhr: Gastspiel der Gruppe junger Schausvieler Berlin: Revolte im Erziehungs- Haus. Von 20 bis 22 Uhr: Gastspiel der Gruppe junger Schauspieler Berlin: Revolte im Er- ziehungshaus. Montag. 29. April, von 20 Uhr bis 22.15 Uhr: Katharina Knie. Dienstag. 30. April, von 20 Uhr bis 22 Uhr: Gastspiel der Gruppe junger Schauspieler Berlin: Revolte im Erziehungshaus. Mitwoch, 1. Mai. von 16 bis 18 Uhr: Gastspiel der Gruppe junger Schauspieler Berlin: Revolte im Erziehungs- Haus. Don 20 Uhr bis 22 Uhr: Gastspiel der Gruppe junger Schauspieler Berlin: Revolte im Erziehungshaus. Donnerstag. 2. Mai. von 20 Uhr bis 22.15 Uhr: Die schwarze Kugel. Frei' Während in den Städten dank der immer vollkommener werdenden Organisation der Jugendämter die Fürsorgebestrebungen für das Kleinkind sich verhältnismäßig leicht durchführen lassen, stehen dem Ausbau der ländlichen Wohlfahrtspflege im allgemeinen und der K l e i n k i n d e r f n r s o r g e im besonderen noch immer große Schwierigkeiten entgegen. Es fehlt vor allem für die Ro>Wendigkeit einer planmäßigen Kleinlindcrfürsorge vielfach noch das rechte Derständnis. aber es mangelt auch an beruflich geschulten Hilfskräften, an einer durchgreifenden Organisation und nicht zuletzt an den nötigen Geldmitteln. Wie dringend notwendig es ist. hier Besserung zu schaffen, ersieht man aus einer auf amtlichen Quellen beruhenden Statistik, die der frühere Kreiskommunalarzt Dr. Coerper veröffentlicht hat. Danach waren von den rund 21.', Millionen in deutschen Landkreisen lebenden Kleinkindern zwischen 2 und 6 Jahren nur 87 880 in Fürsorge, also weniger als der vierzehnte Teil. Die Prüfung der Pflegestellen und die fort- | laufende Ueberwachung der in Familien untergebrachten Pflegekinder gehört in der Regel zu den Aufgaben der Kreisfürsorgerm. Sie kommt vor allem mit einer erheblichen Anzahl fürsorgebedürftiger Kleinkinder, an die sonst auf dem Lande oft schwer heranzukommen ist. in Berührung und hat es in der Hand, die nötigen Hilfsmaßnahmen für sie einzuleiten. Schon bei der Auswahl der Pflegestellen muß sie darauf bedacht sein, welche Gntwicklungsbedingungen in gesundheitlicher und erzieherischer Hinsicht das Kleinkind braucht, zumal die Pflegekinderverordnungen die Genehmigung einer Pflegestelle u. a. davon abhängig machen, daß sie eine Gewähr für die richtige Erziehung des Kindes bietet. Ergänzt wird diese sorgfältige Auswahl der Pflegestellen durch eine regelmäßige Ueberwachung, die Mängel in der Pflege und Erziehung rechtzeitig aufzudecken und Abhilfe zu schaffen ermöglicht. Die Hausbesuche von feiten der Fürsorgerin sind unentbehrlich, denn nur dadurch ist es möglich, rachitische, tuberkulöse, infektiös erkrankte, nicht vollsinnige, in der geistigen Entwicklung zurückgebliebene Kleinkinder aufzuspüren und rechtzeitig ärztlicher Beratung und Fürsorge zuzusühren. Diese nachgehende Fürsorge ift um so wichtiger, als auf dem Lande im allgemeinen das Beratungsstellenwesen noch wenig ausgebaut ist. und die weiten Entfernungen ein regelmäßiges Borstellen der Kinder sehr erschweren. Ebenso reicht die Zahl der länd- tag, 3. Mai, von 20 bi« 22.15 Uhr: Katharina Änie. Samstag. 4. Mai, von 19 Uhr bis 21.15 Uhr: Helden. Von 22 Uhr bis gegen 23.30 Uhr: Jazz auf 4 Flügeln. Gastspiel ErNar-Quartett. Sonntag, 5. Mai. von 20 Uhr bis 22.30 Uhr: Katharina Knie. Montag, 6. Mai, von 20 Uhr bis 22.45 Uhr: Was Ihr wollt. Büchertisch. — Arthur Schubart: Iuaend. »Kinder" geschichten für Erwachsene. 242 Seiten 8°. Verlag von Ad. Bonz & Eomp.. Stuttgart. Geheftet 4 Mark, gebunden 6 Mark. (156.) — Goethe: Schriften über die Ra- t u r. Geordnet und ausgewählt von Gunther Ipsen. 345 Seiten, Kl. 8° mit 2 Abb. Leinen 3.50 Mark. Kroners Taschenausgabe Band 62. Tllfred Kröner Verlag. Leipzig. (155.) — Dieser Band gibt den mit Spengler wiederentdeckten Goethe, dessen gestaltenerfüllte Schau auf die gesamte Olatur heute groß neben sein dichterisches Werk tritt. Gr ordnet Goethes Schriften zur Allgemeinen Raturwissenschaft, Erdkunde. Botanik, Zoologie und Farbenlehre nach den leitenden Grundgedanken und erreicht so, indem, er von ihnen her die weniger wichtigen Schriften auöschÄdet, eine außerordentliche Einheit und Klarheit des Zusammenhangs. Gunther Ipsen, bekannt durch die Herausgabe von Goethes Ra- turwissenschaftlichen Schriften in der Gesamtausgabe des Insel-Verlages, gab dem Bande eine klare Einführung, ein erläuterndes Verzeichnis aller Fachausdrücke und ein Register bei. So dient der Band jedem, der den viel genannten, doch kaum verstandenen Morphologen Goethe zusammenhängend kennenlernen will, und vervollständigt aufs wünschenswerteste jede Goethe- ausgaoe. ** Der Hessische A p o t h e k e r v e r e i n be= j geht am 9. Mai sein 90jähriges Bestehen durch einen akademischen Festakt im Beisein der Spitzen staat- | sicher und städtischer Behörden sowie prominentester Vertreter der wissenschaftlichen und praktischen Pharmazie aus dem Reich. Die Feier findet in Darmstadt in den Räumen der Vereinigten Gesellschaft statt. Der Zirkus Hogenbeck gibt heute abend auf Oswaldsgarten seine Erössnungsuorstellung. In zahlreichen anderen Städten, zuletzt in Wetzlar, konnte dieses mit einer Eroß-Raubtierschau verbundene Zirkusunternehmen große Erfolge erzielen. Man darf wohl annehmen, daß auch hier das Interesse für Hogenbeck recht groß sein wird. ** Landstürmer-Zusammenkunft. Die Kameraden des ehemaligen Landsturm-Infanterie- Votaillons Friedberg (XVIII/10) treffen sich am Sonntag, 5. Mai, in Vilbel zur diesjährigen Zusammenkunft. Vllbel, das erstmalig zur Zusammenkunft der ehemaligen Landstürmer bestimmt wurde, hat einen guten Ruf als Tagungsort. Für Unterhaltungen mancherlei Art find Vorbereitungen getroffen. so daß auch die diesjährige Zusammenkunft bei allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. (Man beachte die heutige Anzeige.) ** Eine Zuchtvieh-Versteigerung des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen findet am 8. Mai in L a u t e r b a ch statt. Zur Versteigerung sind rund 60 Fleckoiehbullen angemeldet. Interessenten feien auf die heutige Anzeige hm- qewiesen. . ' Ein großes Reifeprogramm der Hamburg-Süd wird im heutigen Anzeigenteil angekündigt. Interessenten an den geplanten Seereisen seien auf die Anzeige besonders hingewiesen. Gebrauchter, mittel- schwer., n. gut erhalt. 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Jahrhundert, bearbeitet von Gottfried Haass-Berkow. Musik nach deutschen und italienischen Meistern) MITGLIEDER DES GOETHE-BUNDES erhalten ab Montag, 29. April, bis Samstag, 4.Mai, gegen Einlösung des Gutscheines Nr.5 an der Theaterkasse Karten zu bedeutend ermäßigten Preisen: Mk. 2.- für Sperrsitz, Reihe 1-7, I. Rang, Logen und Vorderplatz, Mk. 1.50 für die übrigen Plätze. 3808D LichtsDielhaus / Babnhofstrage 34 Sonntag, den 5. Mai, vormittags 11.15 Uhr: Künstlerische Morgenfeier der Gymnastiksdiule Erna Schumann I. Teil: Filmvorführung aus dem Gebiet der Körperkultur II. Teil: Einzeltänze und Gruppenstudien Karten vorverkauf: Musikalien-Handlung Challier und Lichtspielhaus. — Preise der Plätze: Mk. 3—, 2.50, 2.—. 1.50. 1—. Schülerkarten ermäßigt. 37780 Seltersweg 38 Fernsprecher 128 RM.150.- London-Schottland Reise 22. Juni von Hamburg über London, Leith/Edinburgh 1. 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Astoria-Lichtspiele -Vur noch heute und morgen: Harry Piel in. Die Mitternachtstaxe Verstärkten Orchester! 38IOC Montag, 29. April, abends 87- Llhr, findet im „Cafe Leib" eine Versammlung zur Aufklärung über die geplante Bebauung und die Förderung der Interessen des Nord-Osiviertels statt. Oie Bewohner des Nord-Ostviertels und sonstige Interessenten werden hierzu eingeladen. 3. A.: Oie Stadtverordneten Molaus, Haubach, Balzer. 38,50 Wenn Sie nach AMERIKA auswandern wollen, so fragen Sie zuerst unseren Vertreter, der Ihnen kostenlos Auskunft über die Einreisebestimmungen, Beschaffung des Visums u. a. erteilt und Ihnen bei der Platzbclegung behilflich ist. WHITE STAR LINIE Vertreten durch: Wilh. Julimann i.Fa.Cebr.Jullmcnn, Gießen, Bahnhoistr. 65, Telephon 1542; — Heinrich Greiff, Alsfeld, Schwabeuröder Straße 37; — Anton Stahlhofen, Nidda, Bahnhofstraße. 3840V Canadian Pacific Das größte Verkehrsnetz der Welt! 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Wien-M Montag, den 29. April, abds. 8 Llhr im Lohannessaal. Vortrag von Bundessekretär Otto, Frankfurt a. d. Oder: 37950 Sichtbare und verborgene Miierzieher. Freunde des Lundes willkommen. Oer Vorstand. Leihgestern 37870 Berlin W 57, pallasstr. 23 III im April 1929 Die Verlobung ihrer Tochter Gertrud archlteften Herrn Max Sigter in Berlin beehren sich anzuzeigen Pfarrer Lic. Jäger und Frau Auguste geb. Meuter Willi Schößler Clara Schößler geb. Leib Vermählte Gießen (Kaiserallee 39), den 27. April 1929 38O5D Gießen (Wetzlarer Weg 51), den 27. April 1929 Karl Appel und Frau £ini geb. Kreuter Vermählte 02582 Ihre Vermählung geben bekannt Hermann Ester, Äergerw.-Fnspektor Elisabeth Ester geb.Mder verw. Jochem Dortmund Gießen 02590 I Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen : Aufmerksamkeiten unseren herzlichsten Dank Heinrich £ef?r und Frau Elisabeth geb. Fuchs : r Lollar, den 27. April 1929. r .....__ ................... ...???? 0...» Wie wohnen wir gesund und lvirtschastlich? Ueber diese üffueHc Frage findet am kommenden Sonntag, 28. ds. Mts., vormittags 11 Uhr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ein Vortrag mit Filmvorführungen statt. Wir empfehlen unseren Mitgliedern d. Besuch dieser Veranstaltung wozu Eintrittskarten 37950 zu 30 pf. an der Kaffe erhältlich sind. Baugenossenschaft 1894 zu Gießen, e. G. m. b. H. Eisenbahner-Heimstättenverein, e. G. m. b. H., Gießen. 21jährige tüdit. Schneiderin welche längere Zeit in einem ar. Geschäft atsSchneiderinläiig war, sucht Kunden f. in u. auffer ö. Hause. Zu erfragen in der Geschästsst. d. G. 21. Mr nimmt ein 6 Wochen alles fiitiö in Wege? MonatI. 35-40 Mk. Schr. An fr. u. 02584 a. d. Gteh. Anzeiger. Bahnhols-Reslaurant Frische Hummern 3488A Restaurant OywivUtw- Volkshalle "“Ä'IS Karten zu 11.50,2.-: Vorverkauf Verkehrsbüro Sellersweß 93,Telephon 196 1929! Großes Gastkonzert^ unter pcrsönL Leitung de« früh. K. u. K. Hofball- musikdirektors .V..-., /? ■ ■ 38110 SehloB-Caf6 Marburg Inh. 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Ruhig und leidenschaftslos hat der Rhein in den ihm vorgeschriebenen Dahnen feine Schollen und Eisinseln zrun fernen Meer getragen. Hufatmend öffnet sich die Erde den warmen Strahlen der Lenzsonne. Die Menschen taten das ihre, um aus Zimmern und Betten die letzten Spuren des Frostes hrrauszuklopfen. Schadhafte Decken, Dächer, Rohre wurden ausgebessert, verwitterte Mauern aufgefrischt, verblichenes Fachwerk, Türen- und Fensterstöcke mit leuchtend frischer Farbe überzogen. Run stehen die Häuser, Hotels und Pensionen im Sonntagsstaat mit hellen Gardinen itnb blanken Fensteraugen zum Empfang der Gäste bereit. Hier hißt der Frühling immer ein paar Wochen früher als anderwärts feine himmelblauen Fahnen. 3n der Eifel unb im Westerwald halt der Winter mit rauhen Winden und eisigen Rächten noch lang das Keimen und Sprießen zurück, und so drängt sich die sonnenhungrige Menschheit in dem kleinen Paradies zwischen Godesberg und Honnef zusammen. Ein unendlicher Zauber umweht dieses Land, das die Rheinländer mit Stolz ihr „Rizza" nennen. Im kleinsten Raum ist alles vereint, was das Auge beseligen und das Herz erfreuen kann, und was sich sonst nur bruchstückweise als Teil einer Landschaft genießen läßt. In bewegtem, heiterem Spiel windet sich der Strom zwischen den grünenden Ufern. Aus blütenbesprenkelten Matten und knospenden Gärten tauchen liebliche Ortschaften aus. Alte Mauern, neugierig gereckte Türme, freundliche Fachwerkhäuser grüßen den Beschauer. Enge Gassen laufen eilfertig die Kreuz und die Quer, hinunter zum plaudernden Fluß, hinauf zu den Bergen, hinein in die Seligkeit stiller Waldgründe und scheu erwachender Täler. AuS sorgsam beschnittenem Rasen flammen die Krokusse. Aurikeln und Primeln blühen. Die Bäume und Sträucher tragen dicke goldne Knöpfe, und während die Magnolien noch in geschlossenen Kelchen das Geheimnis des Lebens bewahren, bedecken die Kletterrosen altes, graues Mauerwerk mit duftig grünen Schleiern. Wie entzückend sind alle diese Ortschaften, die ihre Tore weit den im Alltag erschlafften Städtern offnen: Godesberg, Königswinter, Honnef, die Insel G r a f e n w e r t h. die wie ein Märchenbild über öen Wassern schwebt - man weiß nicht, wer die Schönste im Lande ist. Wer aber öen Menschenstrom, das glatte Parkett, die Jazzmusik, die auf die Fremden zugeschnittenen Hotels flieht, sucht das Dörfchen Rhöndorf auf. das sich gar selig zwischen Berg und Fluß gebettet hot. Witten auf der Landstraße, ohne Rücksicht auf die Verkehrsbedürsnisse einer atemlos voran- hastenden Zeit, steht eine alte Wallfahrtskapelle. Ihr gegenüber ein trauliches Gasthaus mit dunklem Gebälk, [leinen, freundlich blinzelnden Fenstern. schmalen, steilen Treppen und niederen Stuben. Der Ort hat nichts von seinem Reiz und seiner Ursprünglichkeit eingebüßt. Die Jugend tanzt wie ehedem den „Möhnewibbel" und ^Reichsverweser", und am 1. Mai werden noch immer nach alter Sitte die Mägdelein um bares Geld versteigert, wobei die Maid, die den ^höchsten Preis" erzielt, zur Maikönigin erkoren wird. Ueber dem Rhein erheben sich als Taschenausgabe eines Gebirges die Sieben Berge mit sanften Kämmen, steilen Gipfeln, abstürzen- den Schroffen, Hellen Buchenhängen und zerfetzten Burgen. Obwohl die Berge nur drei- bis vierhundert Meter hoch sind, hat man überall, auf dem Oelberg. der Löwenburg, dem Petersberg, das Gefühl des Obenseins, der Gipfelfreiheit. Ungehindert schweift der Blick zu den Rachbarbergen, über vorgelagerte Kuppen, Da liegt, von der Höhe der Adalbert-Stifter-Warte aus gesehen, Karlsbad im ersten Frühlingssonnen- fchein. lief unten die schmale Tepl, munter dahin- platschernd — es mühten eigentlich Forellen in ihr au fischen sein. Die aber werden wohl durch die stark alkalischen Sprudelabwässcr verscheucht, wagen sich daher kaum in die Mauern der alten deutschen Stadt, der die Tsched>en bisher immer noch nicht ihr Gepräge aufdrücken konnten. Bon unten herauf schallt gleichmäßiges Klopfen und Hämmern, wie wenn viele fleißige Hände am Werke wären, den Berg abzutragen. So böse meinen sie es aber nicht, vielmehr sind alle ehrlich bemüht, das schöne Bad in ein neues Gewand zu stecken. Und das ist besonders interessant, weil es ein unbekanntes Bild ist: der Reisende kennt die Kurorte der großen Welt nur von ihrer besten Seite aus. Hier aber wird jetzt dem Beschauer das andere Gesicht des Badeortes vermittelt, die Stadt der vielen Sprudel und Quellen macht sich bereit, ihre Gäste zu empfangen. Erster Gang durch die schmalen Straßen und die steilen Gassen Karlsbads: da ist Haus beinahe an Haus gereiht, von denen ein jedes ein Gerüst trägt. Maler und Anstreicher bemühen sich um die Wette, mit ihren Künsten den Fronten ein neues Gesicht zu geben; Wind und Wetter haben ihr zerstörendes Werk getan und viele Furchen und Risse hineingegraben. Das dauert nur ganz kurze Zeit, da werden die Leitern schon wieder entfernt, und die neue Pracht der Fassade bietet sich den Blicken der Bor- übergehenden. In den Läden sind Handwerker eifrig dabei, herauszureißen und einzubauen, Pfeiler zu entfernen und neue Träger einzuzieben, Schaufenster einzusetzen und mit bunter Farbe dem Ganzen einen netten Anstrich zu geben. Das alles darf nur kurze Zeit dauern. Denn schon werden dik fleißigen Hände an anderen Stellen verlangt. Auf den breiten Serpentinenwegen, die durch die hochgelegene Stadt führen, sieht der vorzeitige Kurgast Reihen von Lastwagen, die mit Baumaterialien be- i laden, irgendeinem der zahlreichen Neubauten zu- fulitfcnartig sich vorschiebendes, im sanften Rhythmus auf- und abschwingendes Land hinab zum blauen, gleißenden Strom. Einer der beliebtesten AuSflugspunkte ist der Drachenfelsen mit seiner sagenumwobenen Ruine und seiner weit über dem Wasser hinausragenden Terrasse. Die Menschen sitzen im Freien, unter knospenden Bäumen, im warmen Glanz der Sonne, und vertilgen Berge von Kuchen und köstlicher Schlagsahne. In den Gläsern leuchtet das alte „®ra- chenblut". Der ,Sänger vom Rhein" im breitrandigen Hut. mit wehendem Schlips, schlägt die Laute an und singt von Liebe und Wein, von Glück und Leid, vom Rhein und immer wieder vom Rhein. Wer dächte noch an den langen, schweren Winter, an Krankheit md Kohlen- mangel? Frühling ist's! streben. Was hier alles einzuhölen ist! Bis in die längsten Tage hinein hat der Winter mit Schnee, Eis und Kälte gewütet, so daß es fast unmöglich schien dort, wo man im Herbst mit lleberzeugung und Hoffnung den Grundstein gelegt hatte, jetzt noch die vielen Pläne zu Ende zu führen. Auf den Baustellen tobt nun ein Heer von Handwerkern durcheinander, um in angespanntester Tätigkeit das Werk doch noch rechtzeitig zu vollenden. Unberührt von all dem Hasten und Treiben der Vorbereitung zum Empfang der Gaste sind allein die Sprudel und Quellen der Stadt. Schon längst sind sie sauber abgefangen und in steinerne Leitungen eingefaßt, um pflichtgetreu Tag um Tag das gewohnte Maß der heilkräftigen Wasser aus den Tiefen der Erde an das Licht^zu befördern. Und heute wie morgen stehen junge Mädchen bereit, dein Kranken den Becher mit dem vorgeschriebenen Quell* wasser zu füllen. Morgens freilich frieren sie, oder stehen sie dick eingepackt und sehen wahrhaftig nicht so aus, wie man sich Brunnenfeen gemeinhin vor- zustellen pflegt. Wenn aber die Sonne im Laufe des Tages fleißig ihr Werk getan hat, die Temperatur im Tal der Tepl steigt, und alle, Einwohner und Kurgäste, freundlichere Gesichter annehmen, dann find auch die kleinen Mädchen am Sprudel zugänglicher; der blaue Schimmer des Frostes ist von ihren Lippen genommen und flink und behend wird jeder hingereichte Becher gefüllt. Denn das ist das Beschwerliche der großen Bäderstadt: Die Morgenluft ist recht rauh, weist noch Frosttemperaturen aus und macht den Gang zum Brunnen zu einer ungemütlichen Sache. Hat der Kurgast aber die schwere Pflicht des Vormittags durch Einnehmen eines ober mehrerer Gläser Brunnens erfüllt, dann winkt ihm schöne Belohnung zunächst einmal in dem Frühstück, das die Karlsbader Gastwirte nun einmal in vollendeter Weise Herrichten können, zum andern durch den Spaziergang in die nähere ober weitere Umgebung der Quellen* stabt. Draußen vor der Stadt, im Garten des Post- Hofes, wo schon die Konzerte des Symphonie- Qrchesters begonnen haben, von deren Mitgliedern die Karlsbader behaupten, es seien die besten Mu* fiter des Landes, sammelt sich der größere Teil der Kurgäste, um klassische Musik zusammen mit gutem Karlsbader Kaffee und duftigem böhmischen Weißgebäck zu verdauen. Viele sind cs zwar noch nicht, die Jahreszeit ist wohl doch noch ein wenig zu rauh, aber mancher Kranke darf ja nicht zögern und nimmt daher die Witterung des Aprils entschlossen mit in den Kauf. Was so an Gästen bis jetzt ein* getroffen ist, stammt aus allen Ländern der Welt, selbst Eroten sind vertreten. Und das dollarschwere Amerika" natürlich, das mit Dienerschaft und Gefolge angekommen ist und diese nun ihrer Langeweile überläßt. Sehr vermißt werden die Russen, die nach der Meinung der Karlsbader Einwohner, die cs ja schließlich wißen müßen, vor dem Kriege die besten Gäste abgegeben haben, jetzt aber ihre Grenzen nicht mehr überschreiten dürsen. Die Reichs- deutschen werden gefühlsmäßig herzlich willkommen geheißen, denn Karlsbad ist eine deutsche Stadt geblieben, obwohl die tschechoslowakische Regierung in Prag nichts unversucht gelassen hat, um ihren Einfluß auf die widerspenstige Bevölkerung auszuüben. Genutzt haben die Manöver nichts, nur Anlaß zum öadjen haben sie gegeben. Mag an Besuchern kommen, was will; jetzt werden die ersten Frühlingstage kräftig ausgenutzt, um der Stadt das somn,erliche Festgewand anzulegen. Durch das ständige Steigen der Besucherzahl in den letzten Jahren hat die Kurverwaltung Mut zu großen Dingen gehabt, die jetzt rasch zu Ende geführt werden. Auf daß schon in den nächsten Wochen der Werberuf in alle Welt gehen kann: Karlsbad ist gerüstet, das Spiel kann beginnen! Wanderfahrten. Erdhaufen — heminerich — Rodenhaufen — Frankenbach — Bieber. Wir fahren über Rieder-Walgern nach dem im oberen Salzbödetal schön gelegenen Erdhausen, durchschreiten das Dorf und folgen schwarzen Strichen, die uns alsbald in den Wald führen. Am Waldrand prächtiger Rückblick auf Erdhausen, Gladenbach, den Rimberg und die Silberne. Wir gehen am Fuße der Koppe entlang und treffen nach kurzer Zeit blaue Punkte, die uns in mäßiger Steigung auf den 476 m hohen Heminerich bringen. Die Aussicht von oben ist allerdings beschränkt, doch bietet der Blick auf Duns- berg, Hohensolms und die Westerwälder Berac Ersatz für den gehabten Aufstieg. Zum Abstieg wählen wir jetzt rote Striche und fomr. en wieder auf unsere zu erst begangene schwarze Strichmarkierung, auf der wir nach dem am Fuße des Berges gelegenen Rodenhausen gelangen. Das Zeichen geht dann über Wiesen und auf aufwärts durch den Wald nach der Landstraße, auf der wir nunmehr weiterschreiten. Wir kommen an einer mächtigen Eiche, der sogenannten Zigeunereiche, sowie an der anmutig am Waldrand gelegenen Wirtschaft Eiserne Hand vorüber, wo mir das Zeichen verlassen, und genießen hübsche Ausblicke, namentlich auf Hohensolms und später in die Marburger Gegend. Nachdem wir Frankenbach durchwandert haben, erreichen wir beim Jsselicheid den Das Spiel kann beginnen. Borsaison in Karlsbad Von Ernst Wesner. ^^5 ZWtvS— S'WaWwM anmutig gelegen aui einem südlichen Ausläufer des Rothaar- «birges. Prächtiger Schloß- und Stadtpark. Hochwaldreiche herrliche Umgebung. Sitz des Fürsten zu Sayn-Wittgenstein- Berleburg. Mächtiges sehenswertes Schloß. Beste Unterkunft und Verpflegung in guten Hotels Gasthäusern und Privat. Mäßige Preise. Nähere Auskunft durch den Verkchrsverein, Telephon 51. Prospekt auf Wunsch gratis. BAD-SELTERS (Oberhessen) heilt Leber- und Gallenleiden, Magen-, Darm- u. 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Wir Derlufieii jetzt bie La.:dsl.uße unb gehen am Waldrand entlang, um nach rechts in das liebliche Dünsbachtal zu kommen und stets am Fuße des Dünsbergs her durch das Biebertal unser Endziel Bieber zu erreichen. Dauer der Wanderung fünf Stunden. Schotten — Ludwigsbri'nnen — hoherodskopf — Schotten. Wir fahren mit Sonntagskarte nach Schotten. Am Schloß, der Kirche und dem Rathaus vorüber steigen wir auf die Höhe zur Staatsstraße, von der man reizende Blicke in das Niddatal und auf die Höhen des Vogelsberges genießt. Die Markierung, grüner Strich, der wir nachgehen, schneidet mehrfach die vielgewundene Landstraße durch Wiesenpfade ab. An Götzen vorüber gelangen wir nach geraumer Zeit zum Ludwigsbrunnen, einer hübschen Quellenanlage, von der man einen herrlichen Ausblick hat, namentlich auf das im Grunde gelegene Rudingshain und das entferntere Schotten: auch Bilstein, Hoherods- kopf und Tautsteinturm sind sichtbar. Hier treffen wir das rotweiße Band, dem wir nunmehr bis zum Schutzhaus Charlottenhöhe im Distrikt Poppenstruth, wo der Hochwald beginnt, nachgehen. Wo das Zeichen rechts abbiegt, gehen wir geradeaus und kommen alsbald auf die lange Oberwaldschneise (gelbes Kreuz), auf der wir jetzt bis zum Hohcrodskopf weitergehen. 9m Klubhaus des VHE. ist gute Unterkunft. Der Abstieg erfolgt grünen Ringen nach über Breungeshain und Michelbach nach Schotten. Dauer der Wanderung fünf Stunden. Heifeliferatur. — Schwarzwald, Odenwald, Heidelberg, Stuttgart. Mit 18 Karten, 12 Plänen und 2 Rundsichten. 17. Auflage. _ 1929. Sn Leinen geb. 5.50 Mark. (Meyers Reisebücher.) Verlag Bibliographisches Institut A.-G, Leipzig. (69). — In der vorliegenden 17. Auflage dieses seit 50 Jahren beliebten Schwarzwaldführers finden wir erstmalig die besonderen Bedürfnisse der mit eigenem Automobil reisenden Echwarzwaldbesuchcr berücksichtigt, und zwar durch Angabe der Autowege bei jeder Reiseroute sowie der Autoparkplähe und Autoreparaturwerkstätten bei allen wichtigeren Orten. Der Text, der mit dem kartographischen Teil eine gründliche Reubearbeitung erfahren hat, ist durch Zerlegung größerer Reisewege übersichtlicher gestaltet worden. Sehr zu begrüßen ist auch die Einfügung einer eingehenden Beschreibung von Stuttgart. Eine neue, erweiterte Odenwaldkarte ergänzt das Kartenmaterial. Reu ist endlich auch eine reichhaltige tabellarische Liebersicht der Wintersport- Plätze, die vielen Sportfreunden willkommen sein wird. — In der Sammlung der von der Reichsbahn- zentrale für den Deutschen Reiseverkehr herausgegebenen Deutschen Verkehrsbücher ist als 23. Heft „Ostpreußen" erschienen. Das Heft umfaßt 64 Seiten Text mit 24 Bildbeigaben und behandelt die eigentliche Provinz Ostpreußen, die ehemalige Pro- n • ' Wcstpreußen, das Memelgebiet und den Freistaat Danzig. Beigegeben ist dem Hefte eine kartographisch getreue mehrfarbige Landkarte mit allen wichtigeren Ortschaften. Höhenzügen, Flüssen, Eisenbahnstrecken und Autolinien. Oberheffen. Landkreis Gießen. Y Mainzlar, 26. April. Die an der Pro- vinzialstraße Mainzlar—Staufenberg stehende, im Bolksmund bezeichnete „hohe Pappel" wurde dieser Tage gefällt. Die Spitze des Baumes war schon seit Jahren abgebrochen und in dem Geäst der Krone hängen geblieben. Der starke Ast bildete besonders bei stürmischem Wetter eine stete Gefahr für den Verkehr. — Trotz der wechselvollen unfreundlichen Witterung hat man bei uns mit dem Sehen der Kartoffeln begonnen. Lim die Erträge zu steigern, wird von den Landwirten erfreulicherweise viel neues Saatgut, besonders norddeutsches, verwandt. Die Preise bewegen sich hier zwischen 5 bis 6 Mark pro Zentner. ft. Aus dem Seental, 26. April. Während das Wintergetreide gut durch den Winter getommeh war, ist durch die letzten kalten Tage ein gewisser Still st and im Wachstum der Winterfrucht zu beobachten. Dasselbe gilt vom Klee, der selten so gut überwintert hat, wie dieses Jahr. Durch die anhaltende Trockenheit und Kälte will immer noch kein rechtes Leben in der Natur aufkommen. Viele Wiesen haben immer noch ihre graue, winterliche Farbe. Die Aussaat der Sommerfrucht ist in unserer Gegend so ziemlich beendet. Das Land hat sich im allgemeinen recht gut bearbeiten lassen. Gegenwärtig sind unsere Landwirte mit dem Setzen der Frühkartoffeln beschäftigt. Kreis Friedberg. 2$. Bad-Rauheim, 26. April. Zu der gestrigen Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für 1 9 29 im hiesigen Stadtrat sind noch folgende Einzelheiten von besonderem Interesse zu berichten: Die Gemeindeumlagen bringen 213500 Mk. ein. Dabei sind folgende Steuersätze zugrunde gelegt: Grundsteuer 0,14 Mk. auf 100 Mk. des Gebäudegrundwertes und 0,30 Mk. auf 100 Mk. des unbebauten Grundbesitzes: Gewerbesteuer: vom Anlage- und Betriebskapital ein Ausschlag von 0,70 Mk. auf 100 Mk. Steuerkapital: vom Ertrag ein Ausschlag von 3 Mk. auf je 100 Mk. Gewerbeertrag. Don wichtigen Ausgaben der Betriebsrechnung seien einige Rubriken genannt: Polizei 30 000 Mk.: Straßen 61 000 Mk.: Straßenbeleuchtung 37 000 Mk.: Reinigungswesen 79 000 Mk.: öffentliche Anlagen 11 000 Mk.: allgemeine Zwecke des Bades 12 000 Mk.: Arbeiterabteilung 220 000 Mk.: Müllabfuhr 27 000 Mk.: Seilbau 90 000 Mark. Demgegenüber betragen die Kosten der allgemeinen Verwaltung mit 207 300 Mk. eine verhältnismäßig geringe Summe im Gesamtetat. Die Wohlfahrtspflege erfordert 266 200 Mk.: für die Schulen sind zusammen 140 000 Mk., für die Wohnungsfürsorge 183 400 Mk. angeseht. Die Dermögensrech- n u n g sieht vor 132 600 Mk. in Einnahme und Ausgabe. Als Hauptposten auf der der Ausgabeseite erscheint die Förderung des Kleinwohnungsbaues mit 112 000 Mark. Genehmigt wurden auch die Voranschläge für die städtischen Eigenbetriebe. Die Abschlußziffern betragen in Einnahme und Ausgabe: Gaswerk 335 100 Mk.: Elektrizitätswerk 350100 Mk.: Wasserwerk 177 400 Mk.: Krankenhaus 149 000 Mk. — Die Bestimmungen über die Gewährung von Baudarlehen in 1929, die den Stadtrat schon einmal beschäftigten, wurden in neuer Fassung vorgelegt und genehmigt. Hervvrzuheben ist daraus, daß die Oie Trägerschast der gewerblichen Llnterrichtsanstalten. Im Regierungsblatt Nr. 2 vom 1. Februar 1929 ist das neue hessische Gesetz über die öfsent- lichen Unterrichtsanstalten für freie und angewandte Kunst und die tech- nifchen u n u gewerblichen Unterrichts- an ft alten mit Staatsunterstützung, das für die gewerblichen Lehranstalten von einschneidender Bedeutung ist, erschienen. Nicht geringer ist seine Bedeutung für die Gemeinden als Träger dieser Schulen. Schon seit Jahren hatte sich das Bedürfnis herausgestellt, die restlichen und finanziellen Verhältnisse der gewerblicyen Lehranstalten auf eine einwandfreie gesetzliche Grundlage zu stellen, nachdem die Regierung in den letzten Jahren dazu über» gegangen war, mit einzelnen Schulen jeweils besondere Verträge abzuschließen, ein Verfahren, das zu erheblichen Unstimmigkeiten führte insofern, als einzelne Gemeinden mit Gewerbeschulen auf diese Vorschläge eingingen, andere sie aber ablehnten. Das neue Gesetz vom 14. Dezember 1928 teilt die hier in Frage kommenden Unterrichtsanstalten in zwei Gruppen ein: in die öffentlichen Schulen für freie und angewandte Kunst und in die öffentlichen technischen und gewerblichen Unterrichtsan st alten. In die erstgenannte Gruppe gehören die Kunstgewerbeschulen in Mainz und die Kunstgewerbeschule in Offenbach. Der zweiten Gruppe gehören die rem technischen und gewerblichen Anstalten an, insbesondere fallen hierunter die Gewerbeschulen. Das neue Gesetz findet Anwendung auf alle zur Zeit seines Erlasses bestehenden Unterrichtsanstalten der beiden vorgenannten Gruppen, mit Ausnahme der höheren Landesbauschule in Darmstadt, der Fachschule für Elfenbeinschnitzerei in Erbach und der Webschule in Lauterbach. Letztere sind reine Staatsanstalten. Eine der wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes ist die Regelung der Luderen Verfassung der Schule. Jetzt ist Träger der Llnter- richtsanstalt die politische Gemeinde, der Kreis oder ein Zweckverband politischer Gemeinden. Früher waren vielfach bei den Gewerbeschulen noch nominell die örtlichen Gewerbevereine Träger der Schulen, während in Wirklichkeit die Gemeinden den hauptsächlichsten finanziellen Anteil trugen, da sie im Laufe der Zeit in wachsendem Maße an den gewerblichen Anstalten beteiligt wurden. Die früher bestehende Llnbe- stimmtheit fort durch die ausdrückliche Feststellung beseitigt werden, daß die Llnterrichtsan- st alten eine Gemeinde-, Kreis- oder Zweckoerbandseinrichtung sind. Der Plan, die Handwerkskammer zum Träger von gewerblichen Lln- terrichtsanstalten zu machen, stieß, wie die Regierungsvorlage bemerkt, auf unüberwindliche Bedenken. Es ist selbstverständlich, daß den Trägern der Llnterrichtsanstalten im Hinblick auf die mit der Trägerschaft verbundenen erheblichen Verpflichtungen ein entsprechender Einfluß zugestanden wird. Daher bestimmt Art. 7 des neuen Gesetzes: „Der Träger der Schule hat diese vermögensrechtlich zu verwalten, den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben, sowie am Ende des Rechnungsjahres die Rechnung aufzustellen: bei der Anstellung des Leiters sowie der Haupt- und nebenamtlichen Lehrkräfte mitzuwirken: das Bureau- und Hauspersonal anzunehmen: über Anträge des Kuratoriums zu entscheiden, die ihn vernwgensrechtlich verpflichten wollen." Die Aufsicht über die unter das Gesetz fallenden Llnterrichtsanstalten wird von der Regierung durch die Aufsichtsbehörde ausgeübt. Dieser wird ein Landesausschuß beigegeben, der sie in Fach- und Llnterrichtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu beraten hat. Der Träger der Schule muß eine Schul- s a tz u n g erlassen, die der Genehmigung der Aufsichtsbehörde bedarf. Für die Verwaltung jeder Anstalt ist ein K u r a t o r i u m zu bestellen, das an die Stelle der jetzigen AussichtsrLte oder Schulvorstände tritt. Das Kuratorium besteht aus dem Vertreter des Trägers der Llnterrichts- anstalt als Vorsitzenden, dem Leiter der Anstalt, einer Vertretung der Lehrerschaft und den durch die Schulsatzung sonst noch zu bestimmenden Mitgliedern, von denen mindestens drei von der Gemeindevertretung, den Gemeindevertretern des Zweckverbandes oder dem Kreistag aus deren Mitte gewählt werden müssen. Für geeignete Vertretung der beteiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist Sorge zu tragen. Die Wahlperiode der gewählten Mitglieder soll sich tunlichst der Wahlperiode der kommunalen Körperschaft anpassen. Der Leiter der Schule, sowie die mit Staatsdienereigenschaft anzustellenden Lehrkräfte werden von der Regierung ernannt und angestellt. Die vertraglich angestellten Lehrkräfte, das Bureaupersonal, Hausmeister und Amtsgehilfen werden durch den Träger der Lln- terrichtsanstalt angenommen. Die Einstellung vertraglich angestellter Lehrkräfte bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Die sachlichen Kosten einer Llnterrichts- anstalt fallen dem Träger insoweit xur Last, als sie nicht durch Zuschüsse gewerblicher Bereinigungen, öffentlich-rechtlicher Körperschaften oder durch Zuwendungen anderer Art gedeckt werden. Die persönlichen Kosten gehen zu Lasten des Trägers der Llnterrichtsanstalt. Der Staat leistet zu diesen Kosten Zuschüsse in Höhe der Hälfte der Aufwendungen, die durch Schulgeld, Zuschüsse Dritter und durch etwaige sonstige hierfür bestimmte Einnahmen nicht gedeckt werden. Lieber Schulgeld, Freistellen, Erlaß und Stundung rückständigen Schulgeldes trifft die Aufsichtsbehörde im Benehmen mit dem Träger der Llnterrichtsanstalt nähere Bestimmungen. Der Voranschlag bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Das Gesetz ist ab 1. April 19 28, also rückwirkend, in Kraft getreten. Es gilt hinsichtlich der Verteilung der Kosten auch für die Rechnungsjahre 1923, 1924, 1925, 1926, 1927. Die Vorsehung der finanziellen Rückwirkung des Gesetzes war nach Ansicht der Regierung aus zwei Gründen notwendig. Einmal ist ein Teil der Gemeinden, darunter gerade diejenigen, in denen sich die größeren und kostspieligeren Schul- körper befinden, den finanziellen Anforderungen, wenn auch unter Wahrung des Rechtsstandpunktes, nachgekommen: ferner würden sich für den Fall, daß die Rückwirkungsklausel nicht Gesetz geworden wäre, für den Staat Folgen von außerordentlicher finanzieller Tragweite ergeben. Die seither ohne budgetmäßige Deckung vom Staat geleisteten Vorschüsse müßten übernommen werden, dazu wären, mindestens aus Gründen der Billigkeit, den loyalen Gemeinden die seither geleisteten Zahlungen zum erheblichen Teil zurückzuvergüten. Hieraus ergäbe sich ein der Deckung harrender Fehlbetrag von etwa 500 000 Mk. (bis zum Rechnungsjahr 1927 einschließlich), um deren Bewilligung die Regierung dann vorstellig werden müßte. Llnterrichtsanstalten der hier in Frage kommenden Arten dürfen nur mit Genehmigung der Regierung errichtet werden, wobei die Bedürfnisfrage in erster Linie maßgebend ist. Eine Anstalt kann durch Beschluß der Regierung aufgelöst werden, wenn sich der Träger den ihm aus diesem Gesetze erwachsenden Pflichten entzieht, oder wenn die von der Aufsichtsbehörde im Interesse der Erreichung des Lehrzieles, der Beschaffung und Einrichtung der Llnterrichtsräume und der Gesundheit und Sittlichkeit gestellten Forderungen unerfüllt bleiben, oder wenn die Anzahl der Schüler derart herabsinkt, daß ein Mißverhältnis zwischen der Zahl der Schüler und der an der Llnterrichtsanstalt zu verwendenden Lehrkräfte besteht. Beleihungsgrenze für den Eisenbau von 60 auf 70 Prozent erhöht wird. — Rachdem die Bestimmungen über die Bestellung einer Wohnungsdeputation durch kreisamtliche Verfügung genehmigt find, erfolgte die Wahl von 6 Mitgliedern, die zur Hälfte Hausbesitzer und zur Hälfte Mieter sind. — Für Errichtung einer Orientierungstafel mit Stadtplan am Bahnhof wurden 1000 Mk. bewilligt. Die Anlage kann während der Dunkelheit beleuchtet werden. Kreis Büdingen. il Büdingen, 26. April. Der Gemeinde rat hat in seiner jüngsten Sitzung zunächst über die aus 1925 bis 1928 restierenden Baukosten für städtische Wohnhäuser beraten. Die Finanzkommission wurde beauftragt, eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit vorzunehmen. Den Mitgliedern des Gemeinderats war im letzten Rechnungsjahr je ein gedrucktes E r l ä u - terungsheft xum städtischen Voranschlag ausgehändigt worden. In diesem Jahre soll jedoch davon Abstand genommen werden, da noch genügend Exemplare vorhanden find, welche handschriftlich berichtigt werden sollen. Alsdann wurde über die Auszahlung der Projekt- kosten zum Dahnbau Düdingen—Lan» genbergheim beraten. Es sollen hierüber mit dem Kreisamt erneut Verhandlungen geführt werden. Lim die Bautätigkeit auch in diesem Jahre zu heben, hat der Gemeinderat beschlossen, die R e u b a u g r u n d st ü ck e für fünf Jahre steuerfrei zu lassen. Bis jetzt sind nur drei neue Wohnhäuser projektiert. Die beiden D o p - pelwohnhäuser. welche die Stadt in der Hannerstraße erbauen ließ, sind fertiggestellt und bewohnt. Die dem Gemeinderat nunmehr vorliegende Wirtschaftsrechnung schließt mit 23 272 Mk. ab und wurde genehmigt. Jede Wohnung — bestehend aus zwei Zimmern mit Küche und Kammern — stellt sich somit auf rund 5800 Mk. Städtische Reubauten sind auch in diesem Jahre nicht vorgesehen. Die Frankfurter Ferienvereinigung „Hauen- st e l n" beabsichtigt das auf dem Erlenkippel neu erbaute Ferienheim zu verkaufen. Der Gemeinderat ist damit einverstanden, hält jedoch sein Vorkaufsrecht nach wie vor aufrecht. Dem Stadtrechner i.R. W. Eberhardt wurde für seine Amtsführung Entlastung erteilt und die Rückgabe der gestellten Kaution genehmigt. 5auerbarf) bei Nidda, 26. April. Im Verlauf der hiesigen Feldbereinigung wurde zwecks Gradlegung und Vereinfachung der Gemarkungsgrenzen ein Waldbestand im Tausch- 1 wege vom Fiskus erworben. Das Gelände soll abgeforftet und i.i Ackerland verwandelt werden. Die Bereinigungsarbeiten, die mit ziemlicher Großzügigkeit durchgefiihrt werden, sind soweit vorgeschritten, daß ein Teil der Hauptwege bereits fertig- gestellt, der andere im Dau begriffen ist. In zwei Jahren soll das ganze Werk beendet sein. Die hiesige Gemeinde, die durch größeren Waldbesitz begünstigt ist, führte in der Inflationszeit die K a n a l i s a t i o n des Dorfes durch, die sich deshalb als notwendig erwies, weil der Entwässerungsgraben nicht ausreichte, die Regenmassen bei einem Gewitter abzuführen. Ueberschwernrnungen großer Ortsteile waren die Folge. Die Kanalisation hat diesen Uebelstand ganz- lich beseitigt. Kreis Schotten. # Freienseen, 26. April. Gestern wurde der Frühjahrsmarkt, Schweine - und Krämer m a r k t, abgehalten. Insgesamt waren 85 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Ein flotter Handel entwickelte sich, so daß in kurzem Zeitraum der größte Teil des Bestandes umgefetzt wurde. Die Preise bewegten sich für acht bis zehn Wochen alte Ferkel zwischen 40 und 50 Mark. Der Krämer- markt kam nicht zur Auswirkung, da sich keine Verkaufsstände eingefunden hatten. Kreis Alsfeld. x» Nieder-Gemünden, 26. April. Gestern fand hier die vorletzte Holzversteigerung des hiesigen Bezirks statt. Zur Versteigerung kam Rutz- und Brennholz aus verschiedenen Distrikten der Försterei Hainbach. Vier Raummeter Buchenscheiter 1. Klasse wurden mit 39 bis 40 Mk. bezahlt. Duchenknüppel 1. Kl. mit 28 Mk., Eichen- und Hainbuchenknüppel 16 bis 18 Mk., Buchenstöcke 20 Mk., Duchenreisig 2. Kl. 5 Mk., Buchenreisig 3. Kl. 2 Mk. Besondere Kauflust zeigte sich für 1,80 Meter lange Eichenpfosten zur Errichtung von Weideplätzen. Zwei Raummeter kosteten 10 bis 12 Mk. mr. Grebenau, 26. April. Durch die ungünstige Witterung der letzten Tage ist hier die gerade wieder beginnende Bautätigkeit fast vollständig lahmgelegt worden. Eine ganze Anzahl von Bauarbeitern ist dadurch ohne rechte Arbeit, und viele Leute, die in anderen Jahren um diese Zeit vollauf Beschäftigung hatten, find jetzt gezwungen, wieder die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch zu nehmen. An Arbeit fehlt es gerade in hiesiger Gemeinde nicht. Reben einer Anzahl Umbauten und Reparaturarbeiten an Wirtschaftsgebäuden werden im Laufe dieses Jahres wieder vier neue Wohnhäuser entstehen. Zwei davon find Reubauten, während die beiden anderen Ersatzbauten für abgebrochene alte Wohngebäude sind. Starkenburg. WER. Groß-Gerau, 26. April. Der 47jäh- rige verheiratete Fahrradhändler Ludwig, der mit Ausbesserung des Daches beschäf- tigt war, stürzte aus großer Höhe von der Leiter und erlitt einen schweren Schädelbruch. Er sollte ins Krankenhaus verbracht werden, erlag aber schon unterwegs seinen Verletzungen. Preußen. Glück im Unglück. Kassel, 27. April. (WTB. Funkspruch.) In Kassel stieß ein vollbesetzter Autobus gegen eine Brüstungsmauer, durchbrach die Drü st u n g und blieb in etwa zehn Meter Höbe über dem Abgrund hängen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, so daß die etwa.2 0 Personen unversehrt geborgen werden konnten. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 26. April. Der Leichen- f u n d in einer Iag.hu.tte be.Braur.f els-Oocrndorf, wo am Mittwochinorgen der Wetzlarer Fabrikant Dipl.-Ong. Groß tot aufgefunden wurde, hat nunmehr seine Aufklärung gefunden. Als Ergebnis der heute abend abgeschlo.senen bteuägigcn Ermittelungen, die sich jedesmal bis in die Rächt hineinzogen, steht einwandfrei fest, daß es sich nicht um ein Verbrechen, sondern um einen Selbstmord handelt. Allem Anschein nach hat sich Groß mit Blausäure vergiftet. D W i ß m a r, 26. April. In der jüngsten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurden der neugewählte Gemeindevorsteher Hch. Schwalm und fein Stellvertreter Ludwig Bittendorf in ihre Äemter eingeführt. Zu der Fertigstellung des im sog. Eisenbahnschacht von der Gemeinde im vorigen Jahre angelegten Sportplatzes wurden noch 200 Mark bewilligt. Die Anlage des Platzes kostet dann rund 4700 Mark. Die Gemeinde wird dazu eine Staatsbeihilfe von rund 2000 Mark erhalten. Beabsichtigt ist noch, den Sportplatz mit einer Bedürfnisanstalt zu versehen, für deren Ausführung die Vertretung zunächst einen Kostenanschlag wünscht. Bezüglich der Gewerbe st euer prüfte die Vertretung, ob das bisherige Verfahren, Gewerbeertragsteuer und Gewerbekapitalsteuer zu erheben, beizu- behalten ist, oder ob an Stelle der Kapitalsteuer die Lohnsummensteuer treten soll. Schließlich kam man zu dem Entschluß, für dieses Jahr von der Lohnsummensteuer nochmals abzusehen und der Gemeindeumlage wieder die bisherigen zwei Steuerarten zugrunde zu legen. <> Hochelheim, 25.April. Der Spar- unb Darlehnskassenverein Raiffeisen e. G m.u.H, hielt am Samstagabend in der Gastwirtschaft von Philipp Jung seine diesjährige Generaloer s a m m l u n g ab, die zahlreich besucht war. Der Vorsitzende Reitz richtete herzliche Begrüßungsworte an die Mitglieder sowie an die Gäste, Hauptgeschäftsführer I o l k (Frankfurt a. M.) und Geschäftsführer H a a f (Gießen). Die Bilanz wurde von dem Vereinsrechner B i r k e n st o ck bekanntgegeben. Die Spareinlagen bezifferten sich im abgelaufenen Ge schäftsjahr auf 150 000 «Mark, ein Zeichen dafür, daß sich auch in unserer Gemeinde der Sparsinn immer mehr verbreitet. Die Zahl der Mitglieder beträgt 135. Hauptgeschäftsführer Iolk (Frankfurt) hielt einen Vortrag über den „Zusammenbruch der Raiffeisenbank, wobei er den hierüber verbreiteten wilden Gerüchten entgegentrat und die wirklichen Ursachen des vor mehreren Jahren schon erfolgten Zusammenbruchs in sachlicher Weise schilderte. Der Vortrag wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. In einem Dortrage des Ge sckäftssührers H a a k (Gießen) unterstrich dieser die Ausführungen des Vorredners. Den geschäftlichen Verhandlungen folgten noch einige Stunden gemüt lichen Beisammenseins. > Dornholzhausen, 25. April. Am Sonn- tagnachmittag fand in der Gastwirtschaft Schiefer- ftem eine Versammlung des hiesigen Kriegerve r e i n s statt, in welcher die dem Verein aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens vom Khff- häuserbund verliehene Fahnenschleife durch den Vorsitzenden des Kriegerverbandes „Hüttenberg", Förster G r a ß e (Oberkleen), überreicht wurde. Die am 16. und 17. Juni stattfindende Feier des 50jährigen Jubiläums des KriegervereinS, mit der das Derbandsfest des KriegerverbandeS „Hüttenberg" verbunden ist, soU in dem Garten des Gastwirts Schieferstein abgehalten werden. Letzterem wurde auch die Festwirtschaft übertragen. Dis jetzt haben 24 Kriegervereine ihre Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt. — Zeugnis von der allgemeinen Geldknappheit in der Landwirtschaft legte eine am Samstag stattgehabte Grundstücksversteigerung ab. Ein auswärts wohnender Besitzer woUte zwei in der hiesigen Gemarkung gelegene Grundstücke versteigern, es wurde jedoch auf keines ein Gebot abgegeben. ~ Riederklee n, 26. April. Die Pro - vinzialstraße Wetzlar — Butzbach wird in diesem Jahre auf der restlichen Strecke in unserem Orte von der Gastwirtschaft Ohly bis zum Dorf ausgang nach Dornholzhausen zu mit K le i n p f l ast e r versehen, nachdem im vorigen Jahre die Teilstrecke vom Schneiderberg bis zur Gastwirtschaft Ohly ebenfalls mit Kleinpflaster neu hergestellt wurde. Die Gemeinde will den im vorigen Jahre von der Kleebachbrücke bis zur Gastwirtschaft Ohly auf der östlichen Straßenseite hergestellten Bürgersteig ebenfalls in diesem Jahre bis zum Dorfausgang nach Dornholzhausen durchführen. Mit beiden Arbeiten soll in Kürze begonnen werden. * Riederkleen, 26. April. Als Abschluß des Winterhalbjahres feierte die E v a n g. Frauenhilfe Riederkleen dieser Tage ihr I a h r e s f e st, das zweite seit ihrem Bestehen. 2m Gasthaus Ohly hatten sich an blumengeschmückten Tischen etwa 60 Frauen versammelt, dazu über 30 Mädchen des Evang. Mädchenbundes. Der Abend stand unter dem Leitgedanken: „Das deutsche Volkslied". Der Ortsgeistliche, Pfarrer K u l k e, sprach über Wesen und Wert des Volksliedes. Manche wohlbekannten, aber auch fremdgewordenen, alten Lieder kamen dabei zur Sprache. Der Mädchenbund ergänzte den Vortrag durch ein lebendig dargestelltes Zwiegespräch: „Schlager und Volkslied" und durch verschiedene Chöre unter Leitung der Pfarrfrau. Rach der Kaffeepause folgte eine Aufführung: „In der Welt ist's dunkel, leuchten müssen wir", durch die der Leitgedanke weitergeführt und an der erwecklichen Kraft eines schlichten, frommen LiedeS die Bedeutung des rechten Singens anschaulich gemacht wurde. Rach einer Sch'u'zandacht über Matth. 5, 16 klang der eindrucksvolle Abend aus in das vom Mädchenchor gesungene, alte Wächterlied: „Hört ihr Herrn, und laßt euch Mbürgc Bann 1 ilMa lä lichen Mge"^ ballen. tzBerea M- Dergin iNüchiN. «her n uhren Erstaun W e Sßf an mittB gangen verse mit, dc werden Hinsichi W dies sich d hier i Lchri lin । sprech denen schloss sch L der L mende elnnaf D.fii einen hinge hielt ein • renz gelei! 5)efc eine Äons I Evar fluni Elte 12: 13.1 €tai mak Ä Alle I I / j I s I k 3n netty v, j Die Bulgaria-Zigarettenfabrik bittet 2954v in ndler und der XXX.Derbandsfchießen Mittelrhe n,Baden,pfalz 6. bis 14. Juli 1929 in Gießen____________ rrprhniknmlaae InbenIeur-Schule I uFm Miscmnenotu Eiet fr 9- /ecnnimoc+u. ritt Di u. SPG lieben eö Los 1. Kiefer Fichte Lern so 834 38Z4V Los 18. Gegen Hühneräu gen L beim Spülen der Wäsche Henkels Sil zu nehmen. Etwas Sil, kalt aufgelöst, dem ersten Spülwasser zugesetzt, entfernt schnell alle Seifenreste und verleiht der Wäsche einen i 3 3 32 148 61 30 3 ' Wasehbatten> Fianxenkfltel Leiterwagen Sehiebkarrea Killerei Sommerkoni Bleidiitr. 10 V besonders klaren k Schein. Toninoustnt Setreeile WerMmenUr-Afclelleeee» stid-Kn.f.lenrpiinefreL 2a. 2b- 3a. la- lb. 2a- 2b. 3a. 3b- Los 16. „ 17. 3. „ 489 ,, - 14,67 ,, an die Abfuhrwege geruckt Kirche und Schule. Wg. Schotten. 26. April. Zur zweiten diesjährigen Pfarrkonferenz hatten sich die Geistlichen des D e k a n a t s S ch o t t e n hier vollzählig eingefunden. Nach Eröffnung mit Schriftlcsung und Gebet durch Pfarrer Breun- lin (Burkhards) erfolgte eine ausgedehnte Besprechung dienstlicher Angelegenheiten, unter denen besonders das vom Landeskirchentag beschlossene und vom Ministerium genehmigte Gesetz über das wegen der finanziellen Notlage der Landeskirche demnächst zur Erhebung kommende Kirchennotgeld einen breiten Raum einnahm Der Landeskirchentagsabgeordnete Pfr. D Fritsch (Ruppertsburg) erstattete sodann einen interessanten Bericht über die Derhand- lungen des letzten Landeskirchentags. Zum Schluh hiett Pfarrverwalter Frölich (BabenhausenII) ein Referat über „Kommunismus". Die Konferenz war die letzte von Dekan V o l p (Laubach) geleitete, da Dekan Bolp auf dem Schottener Dekanatstag vom 3. April aus Altersruclsichten eine Wiederwahl abgelehnt hatte. Die nächste Konferenz soll nach Pfingsten stattfinden. Achtung! Gastwirte und Hoteliers! Runvfunkprogramm Sonntag, 26. April. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Zv hi Den in iffen AD'i'hehen v Orooenen rogerien: Kreuzpintz 9/10. Properie Winterhoff Lindenplatz 5, Ernst Noll Se. tersweir 08a, II. Flsres. 3505V KrissolinoE Das einzige vollkommene Reinittunj?« mittel für Gläser u.1 ierdruckleitunsren. Wo noch nicht eingeführt, bitte Offerte einfordern! j79lV All einige Hersteller: Emil Weters, Drogen n. Chemikalien Neii-I men borg, KarlwtraBe 33 Holzsnbuiission. Aus den Waldungen der Gemeinde ® beschäs. sonder ^elbruch ^tben. er. Zungen. Dl Scholls 7mo~Pads itzon und Orennen nicht Sie sind dünn und tragen nicht auf. Schon Siljum Bleichen pichen. Oberndorf, Fabrikant »urde, bat Als Er- orritagigen sitz ? um rinrn M nach hat giftet. Ssten Sitzung In9 wurden Schwalm endorf in ellung der im e im vorigen wurden noch Satzes kostet irö dazu eine galten. Seiner Seöürf-- führung die i°8 wünscht, iste die Der- rwerbeertrag- cheben, beizu- pitalsteuer die lich kam man on der Lohn- lind der Te- zwei Steuer- Spar.und seifen e.A TastwirM eneraloer war.DerLor- lungsmode an iauptgefchasts- lefchästosührer >on dem Der- gegeben. Die etaufenen Oe- Zeichen dafür, der Spürsinn )er Mitglieder ff föranffurt) menbrud) bcr r verbreiteten )it w'Mchen chon ersvigten schilderte. Der ig mit großem rtrage des Ec- strich dieser die n geschäftliche" -tunden gemkit ril Am Loim- haft Schiefer- . 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April 1929. hessisches Amtsgericht. Aulogaragen! 3n der Nähe der Kliniken und des Bahnhofs sind neuzeitliche Garagen (Jetttvalherrttttg) alödald zu vergeben. — Tankstelle und Oelstation vorhanden. August Frensdorf • Frankfurter Straße 31 / Telephon 215 im Frühjahr eignet sich !aum ein andere« vMnel so gut tote Pfarrer Heumann'S Balsamisch» Villen eiartr I, mll» Dotfunfl "XDTL X— I »o^entoeg etarfr N. ttfl|llg . . uo | etHrr1cn6. 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Seit einiger Zeit horten die Raucher zu ihrer Verwunderung von den Zigarettenhandlern, daß Bulgaria-Zigaretten ausverlauft feien. Diese überraschende Tatsache hat ihren Grund darin, daß der Um|atz dieser betannten Fabrik in wenigen Wochen auf das Doppelte gestiegen ist. Die Raucher werden gebeten, zu verzechen, daß sie infolgedessen einige Zeit die gewohnten guten Sorten entbehren und andere Marken rauchen muhten. Gleichzeitig werden sie um Geduld gebeten, denn weitere neue Maschinen von moderner, aeradezu raffinierter Konstruktion ermöglichen in aller Kürze wieder den ungeheuren Bedarf der Bukgaria tagtäglich zu decken. Ferner b.ttet diese Zigarettenfabrik ihre Gefchästs- freunde, die Zigarcttenhändler, zu entschuldigen, daß ihnen durch das Fehlen der Bulgaria-Zigaretten ein Verdienst entgangen ist, und daß sie ihre Kundschaft nicht so gut wie sonst bedienen konnten, sondern gegen ihre Ueberzeugung andere 'arten verkaufen Stund« der Jugend: Michel Angelo, ein Drama in zwei Akten von Friedrich Hebbel. 15.30 biS 17.15: Don Turin: Fußball-Ländcrkampf Italien gegen Deutschland. 17.15 bis 17.35: .Um die Rentabilität der Landwirtschast", Dortrag von Direktor Dr. Albert Pfisterer, Geschäftsführer des Nassauischen Landbundes. 17.35 biS 18: Stunde des Landes. 18 biS 18.45: Don Königs- Wusterhausen. Vortragszyklus, „Gedanken zur Zeit'", „Dehnung und Heimstätte", Zwiegespräch von Pros. Dr. Dredt und Dr. h. c. QL Damaschke. 18.45 bis 19.45: Stunde des Rhein-Mainischen Derbandes für Dolksbildung: 1. „Das neue Jahr des Frankfurter Künstlertheaters", kurze An- spräche von Intendant Hans Meißner. 2. „Aus einer Diaspora deutschen Schrifttums", Dortrag von Batty Weber (Luxemburg). 19.45 bis 20.30: Die Vergessenen", Deutsche Dichter des 17. und 18 Jahrhunderts. 20.20: Robert Koppe^Abend. Anschliehend: Sportnachrichten. Darauf bis 0.30: Don Berlin: Tanzmusik. Montag, 29. ApriL 6.30: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Orchestermusik. 15.05 bis 15.35: ©tun.c der Jugend: Aus Sport und Spiel: „Rennfahrer vor dem Mikrophon". 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.35 bis 18.05: Nach Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters: Opernmusik. 18.10 bis 18.30. Lesestunde. 18.50 bis 19.10: „Die heilige Hildegard", Dortrag von Dr. Leo Sternberg. 19.10 bis 19.30: „Städtische Kulturpolitik , Dortrag von Stadtrat Dr. Michel. 19.30 bis 19.40: Englische Literaturproben. 19.40 bis 20: Englischer S Fachunterricht. 20 bis 20.20: Steno- gra hischer Fortbildung-lur us für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 20.30: Don Stuttgart: „Das Musikantenmädel"', Operette in drei Qlkten von Bernhard Buchbinder. Musik von Georg Jarno. Dienstag, 30. April. 6,30: Morgengymnastik. 13,30: Schallplatten- Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Haus- srauendienst. 17 bis 18,30: Rach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters: Lehar. 18.30 bis 18.40: Don Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund: „Dachgärten", Dortraq von Garteningenieur Karl Hinze. 18,40 bis 19: Don Kassel: „Kassel und seine Grünflächen", Bortrag von Stadtgartendirektor Stier. 19 bis 19,20: Das neue Pergamon-Museum in Berlin", Bortrag von Studiendirektor Dr. Majer-Leonhard. 19 20 bis 19,40: Schachstunde. 19,40 bis 20: F^nkhochschule: „Blindenfürsorge", Vortrag von Prof. Dr. Igersheimer. 20 bis 21,40: Veranstaltung des Frankfurter Tonkünstler-Dundes: Die Kunst der Fuge, von Joh. Seb. Dach, für den Konzertgebrauch eingerichtet von Dr. Hans David. 21,40: Nach Stuttgart: „Orpheus", em S.uck von Rudolf Leonhard. Anschliehend: Schallplattenkonzert: In neunzig Minuten um die Erde. Mittwoch, 1. Mai. 6 30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: „Aus einer Schmiede". 13,15: Schallplattenkonzert: Paul Whiteman mit seinem Orchester. 15 05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Vom Schlarafienland" und andere lustige Geschichten, für Kinder vom 10. la Schlacken-1 sand leicht, mittel und schwer lief, oro ' v: imö btllign -9.81) Heiiir.Schlierb cii Bieberb. Giesen, Tel. Rodbeim 6. Los 19. „ 20. „ 21. Das Hotz ist an die Abfuhrwege geruckt und ohne Rinde gemessen. Die Angebote sind schriftlich, nach Losen getrennt und verschlossen mit der Aufschrift „III. Sub- Mission" bis zum Donnerstag, dem 2. Mat, nachmittags 4 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Derkaufsbedingungen eingesehen werden können. Eröffnung erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Bieter. Annerod, am 24. April 1929. Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. S biS 9: "Morgenfeier, veranstaltet von Evangelischen Landeskirche. 11.30 bis 12: Elternstunde. „Bericht über das letzte Viartestahr der Elternstunde", vorgetragen von Rektor Wehrhan. 12 Bruckner-Zyklus, Sinfonie Nr. 9 in O-MolL 13.15 bis 14.15: Von Kassel: Ein Gang durch die Staatliche Gemäldegalerie, Kassel: .Landschaftsmaler vor dem Mikrophon". 14.30 bis 15.30: 0,75 fm 0,55 „ 2,68 „ 3,31 „ 6,00 „ 47,31 „ 39,36 „ 31,61 „ 3,97 „ 1,73 „ 1,77 „ 7,18 „ 18,87 „ 17,76 „ 1,44 „ Abschnitte (Güteklasse A). Wethtanne 3a-Kl. 2 St. = 1,16 fm „ 3b- „ 1 „ = 0,91 „ Abschnitte (Güteklasse N). Kiefer 4b-Kl. 1 St. - 0,60km Derbftangcn. Fichte 1. Kl. 342 St. = 30,78 km „ 2. „ 276 „ - 16,56 „ Warum mehr bezahlen! ttnrk an. Hocbelegantee, eUrkea JO Tourenrad, Luxnsmndell mit raRglgero Babmenban, acehs Jahre Garantie, mit Kreilanf and Rücktrittbremse, rotem Gummi, M Mk. Lampe,gelb.Nlckelfeder BÄ satteUn-Pompe a.Glocke^y 8 bar Verband überallhin. 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Am Wittwochnachmittag muhte ein Bewohner der Dergerstrahe die unangenehme Wahrnehmung machen, dah chm ein Mansardeneinbre- cher mehrere Anzüge und zwei Taschenuhren gestohlen hatte. Zu seinem gröhten Erstaunen erhielt der Bestohlene am nächsten Tage einen Brief aus Offenbach, in dem drei Pfandbriefe lagen und worin der Einbrecher mitteilte, dah er den Einbruch nur aus Not begangen und die Sachen im Pfandhaus versetzt habe. Die Scheine schicke er deshalb mit, damit die Sachen wieder eingelöst werden könnten und dem Bestohlenen in dieser Hinsicht kein Schaden entstehe. Jahre ab. 15,55 M8 16,05: HauSfrauenbienst. 16,35 bis 18,05: Don Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters. 18,10 biS 18,30: Bücher- stunde: „H. G. Wells". 18,30 bis 19,30: Feierstunde des Kulturkartells der modernen Arbeiterbewegung. 19,30 biS 20,30: Don Stuttgart: Dichtung der Lebenden. 20,30: Volkstümliche Kammermusik. Anschließend: Konzert deS Orchesters arbeitsloser Berufsmusiker. Donnerstag. 2. Mai. 6,30: Morgengymnastik. 12,30: Schallplatten- Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Dichtungen aus der nassauischen Heimat, vorgetragen von Ria Dolland, Niederwalluf a. Rh. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Zum 25. Todestag Anton Dvoraks. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18 30 bis 18,40: Nur für Kassel: „Zehn Minuten Blick in die Welt". 18,40 bis 19: Von Kassel: Stunde der LandwirtschafIskammer Kassel: „Die Bedeutung des Waldes für die deutsche Volkswirtschaft", Vortrag von Oberförster Mahr. 19,30: Dom Staats-Theater Kassel: „Der fidele Bauer'", Operette in einem Dorspiel und zwei Akten von Viktor Leon, Musik von Leo Fall. Anschliehend: Gesangskonzert. Jreilag, 3. Mai. 6.30: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Neuestes. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfraucndienst. 16.35 bis 17.15: Hausfrauen-Nachmittag. veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. 17.15 bis 17.45: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Nassau und Waldeck: „Jugendverem und Elternhaus", Vortrag von Charlotte Cohn. 17.45 bis 18: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lcsestunde. 18.30 bis 18.45: Diertelstuhde der Deutschen Reichspost. „Aus dem Frankfurter Fernsprechbetrieb", Dortrag von Telegrapheninspektor Neuer. 18.45 bis 19.25. Dortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a.M.-Hanau: „Aktuelle sozialpolitische Fragen": 1. „Die Arbeitsmarktlage und die Reform der Arbeitslosenversicherung". 2. „Die Derhandlungen über das kommende Ar- beitsschuhgeseh". Vortragender: Dr. Köbner. 19 45 bis 20.05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 20.05 bis 2015: Film-Wochenschau. 20.15 bis 21,30: Konzert des Rundfunkorchesters 21.30: Rundfunk-Singstunde, von Vrofessor Fritz Jode. Anschliehend: Don Kassen „Dariationen". Samstag, 4. Mai. 6.30: Morgengymnastic. 12.30: Schallplattenkonzert: Volkstümliche Musik. 12.45 bis 13.15: Schulfunk: Englisch, vorgetragen von William L Wood und Toni Haug. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Liederkranz, Liedervorträge Frankfurter Schulen: Ra- diloschule. Chorleiter W. Seih. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.55: Briefkasten. Ächtung r Ächtung r Hausfrauen! Fort mit den veralteten Waschmethoden. 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Die Stadtverordneten- (jetzt Stadtrat-) Versammlung vom 22. März d. 3. hatte bekanntlich die Vorschläge der Stadtverwaltung zum Wohnungsbauprogramm einhellig genehmigt und damit auch den Absichten der Verwaltung auf Bebauung der Schwarzlach zugestimmt. Diese Absichten gehen nicht nur dahin, in jenem Bezirk 60 Kleinwohnungen zu schaffen, sondern sie wollen auch von vornherein durch die Art der Baublockbestimmung eine grob zügige Baulandaufschliebung in der Schwarzlach und nach dem Rodberg zu in die Wege leiten. Bei dieser Einstellung, der auch wir zustimmten, konnte sich die Stadtverwaltung aus die Wünsche einer Versammlung von Rord-Ost-Bewohnern vom 18. Oktober v. 3. be- rusen, in der nachdrücklich die endliche großzügige Baulandausschliehung im Rordostviertel, insbesondere auch in der Schwarzlach und am Rodberg gefordert worden war. Die Verwaltung wurde mit ihrem Plane aber nicht nur den Wünschen des Rordostens gerecht, sondern sie entsprach damit auch einem Gebot der Gerechtigkeit, auf die das Rordostviertel nach der jahrelangen besonderen Berücksichtigung aller anderen Stadtteile — gegen die wir keine Einwendungen erheben wollen — Anrecht hatte. Den gleichen Weg wie die Verwaltung gingen die Stadtratsmitglieder — manche wohl in Erinnerung an die Zusagen in jener Rordost-Versammlung —, als sie den Plänen des Bauprogramms für 1929 zustimmten. Dann aber kamen einige Sitzungen des städtischen Bauausschusses, aus dessen Verhandlungen allerlei Interessantes bekanntgcworden ist. Hier machten sich plötzlich andere Meinungen gegenüber der Baulandaufschliebung in der Schwarzlach geltend und führten schliehlich zu einem Mehrheitsbeschluß, der dahin ging, die ursprünglichen Pläne der Stadtbauverwaltung zu verwerfen, dafür vorerst nur die freien Bauplätze zwischen der Ederstrabe, dem Asterweg und der Schottstrabe zu bebauen, aber von einer Verlängerung des Asterwegs in Richtung Rodberg -- die den Anfang der Baulandaufschliebung bedeuten würde — bis auf weiteres abzusehen. Die Stadtverwaltung erklärte sich mit der -Umbiegung ihres Projektes nicht einverstanden, Wohl weil sie sich — nicht mit Unrecht — sagte, dah auf diese Weise die heutige Peripherie der Stadt in diesem Viertel einen gewissen Abschluß erfahren würde und damit die Baulandaufschliebung in jenem Gelände auf mindestens einige Jahre wieder gute Wege haben werde. Da sich die beiden Ansichten — Bauausschußmehrheit einerseits, Stadtverwaltung andererseits — unverändert entschieden gegenüberstanden, wurde die Angelegenheit von der Stadtverwaltung auf die Tagesordnung der kommenden Stadtratssitzung genommen. um die Entscheidung des Plenums ein» zuholen. Diese Wendung der Dinge, durch die auch eine Verzögerung bei der Inangriffnahme des Wohnungsbauprogramms eingetreten ist, bedauern wir. Ricmand wird bestreiten können, daß der nordöstliche Stadtteil schon seit einer ganzen Reihe von 3ahren gegenüber anderen Stadtteilen zu kurz gekommen ist, und daß daher die Forderungen jenes Viertels auf endliche gleich- Vornan einer Nacht Don paul Rosenhayn. „Das ist fabelhaft", sagte Doktor 3ulsrud mit einem anerkennenden Blick auf den Schläfer dort drüben. x , „ 3m übrigen schläft er nicht, er tut nur so. "Ist so etwas möglich? 3ch sehe einen alten, häßlichen Mann in tiefem Schlaf — und Sie, der Rechtsanwalt Aage Lund, der scharfsinnigste Denker von Dänemark, erklären mir: der Mann ist gar nicht alt. ebensowenig ist er häßlich und ebensowenig schläft er. Zu welchem Zweck geschähe das alles?" Aage Lund dämpfte seine Stimme zu einem Flüstern. „Ich will 3hnen sagen, wie dieser Mann heißt. Es ist der Staatsrat Ole Krenh. Der Staatsrat..., der berühmte Staatsrat Kr'entz? Der heute abend das große Fest gibt?" Auch dieses Fest, aus dem tout Copenhague heute tanzt, ist nur eine seiner — ich finde, weiß Gott den Ausdruck nicht — sagen wir einmal: eine 'seiner Inszenierungen. Wissen Sie, was eine Drehbühne ist?" "Mch? wahr: während das Licht der Scheinwerfer auf den sichtbaren Teil dieser Drehbühne fällt, während olles auf dies kleine Segment starrt, aus dem sich eine interessante Komödie abspielt - während dieser selben Zeit ist.der Re qisseur damit beschäftigt, auf dem r"ckwartigen Teil dieser Drehbühne, den der Zuschauer nicht sieht etwas ganz Besonderes aufzubauen Em solcher Regisseur ist der Staatsrat Kreny. Er ist, wenn ich so sagen darf, der Erfinder der politischen Drehbühne." _ „ ~ „Das ist recht interessant", sagte Doktor Auls - rud. „Aber was hat der Fall der Marfa Er- molieff mit Politik zu tun?" Aage Lund warf einen schrägen Q^id auf den jungen Kollegen, den dieser zu seinem Gluck nicht bemerlte. „Daß dieser Krenh," sagte er leise. ..plötzlich hier auftaucht, beunruhigt mich, vie werden sehen, die Sache nimmt eine Wendung zum Bösen. Wo Krenh ist. gibt es eine Ueber- raschung. Rein: eine Ueberrumpelung. -tas m auch nicht das richtige Wort. Wo ^.ren$ £int* tritt, wird aus einem Sonnentag neblige Dämmerung." , , _ „ Er sieht, weiß Gott, nicht danach aus. *Das eben ist seine Stärke. Er kennt feine Eitelkeit Ich habe nie einen Menschen gesehen, der persönlich von einer solchen Bescheidenheit wäre wie Krenh. Er weiß genau, daß Eitelkeit Schwäche ist. Er hat keine Schwächen. Er hat eme schöne Frau. Sie glaubt, dah er sie liebt, m mäßige Berücksichtigung bei der Schaffung von neuen Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Belebung berechtigt sind. Bei dem jetzigen Plane der Stadtverwaltung handelt es sich ja nicht nur darum, auch im Rordostviertel Wohnungen zu bauen, die man dort natürlich begrüßt, sondern es ist — das muß man sich immer wieder vor Augen halten — über das heutige Wohnungsbauvorhaben hinaus die 3ngangsehung einer großzügigen Baulandaufschließung beabsichtigt, wozu die Verlängerung des Asterwegs in die sog. Schwarzlach hinein den ersten Abschnitt bildet, dem Dann im Laufe der nächsten 3ohre weitere folgen müssen. Dadurch wird dem Rordosten die berechtigte Forderung durch die Stadtgesamtheit zuteil, die bisher mit gleichem Recht auch anderen Stadtteilen gewährt wurde. Es wird dort für zahlreiche Familien neue Wohngelegenheit geschaffen, den Geschäften und Gewerbebetrieben des Rordostens werden dadurch neue Absatzgebiete und gesteigerte Cinnahmemöglichkeiten erschlossen, auf die sie lange genug warten mußten, und dadurch wird die wirtschaftliche Auftriebskraft geschaffen, die man im Stadtteil Rord- oft bisher so schmerzlich vermißt hat. Reben diesen Gründen spricht aber noch ein anderer sehr wesentlicher Gesichtspunkt für die Verwirklichung des Verwaltungsprojekts auf Erschließung der Schwarzlach. Der weilaiis größte Teil dieses Baugeländes gehört nämlich der Stadt. Hierdurch wird es einerseits möglich fein, die Wohnungen billiger zu erstellen als dort, wo man Bauland in Anspruch nehmen muß, bei dem sich gewisse spekulative 3nteressen besonders bemerkbar machen, zum andern wird es durch die Heranziehung dieses städtischen Baugeländebesihes zur Bebauung möglich werden, die dort im Grund und Boden investierten Kapitalien zu einem großen Teile durch Abgabe von Gelände an Dau- lustige zu mobilisieren und die freigewordenen Gelder dann wieder an anderen Stellen unserer Kommunalwirischaft produktiv einzusehen. Hierdurch könnten neue Kreditaufnahmen der Stadt unnötig werden, ein Gesichtspunkt, der gerade jetzt angesichts der durch die Diskonterhöhung gekennzeichneten weiteren Verschärfung der Geldmarkt- und Wirtschaftslage von besonderer Wichtigkeit ist. Wie man sieht, sprechen also nicht nur Erwägungen der ausgleichenden Gerechtigkeit, sondern auch Gründe von sehr starker finanzwirtschaftlicher Art für die Durchführung des Schwarzlachprojektes der Stadtbauverwaltung. Man darf sich dabei auch nicht etwa durch die Tatsache beirren lassen, daß erst noch einige Straßenausbauten notwendig sind, um die Dauland- erschlietzung in größerem Maße durchzuführen. Derartige Strahenausbauten sind in anderen Stadtvierteln zu Zeiten einer städtischen Finanzlage, die damals auch nicht gerade rosig war, ebenfalls durchgeführt worden, und man hat recht daran getan, wegen solcher Teilaufgaben nicht die Projekte selbst fallen zu lassen. Was aber damals für die anderen Stadtteile recht und billig und vertretbar war, wird man heute dem Schwarzlachprojekt fraglos auch zugestehen müssen, zumal hierbei, wenn wir recht unterrichtet sind, die Verrechnung der Straßenbau- kosten zu Lasten früherer Rechnungsjahre gehen soll, also aus bereits bewilligten Krediten gedeckt und eine Reubelastung der Steuerzahler nicht zur Folge haben wird. Angesichts aller dieser Umstände darf wohl der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß die Stadtratsverfammlung am kommenden Dienstag sich für die Vorlage der Stadtverwaltung aussprechen und damit dem Rordostviertel den schon längst fälligen wirtschaftlichen Auftrieb geben wird. Wahrheit ist sie ihm völlig gleichgültig. Er hat eine herrliche Villa, er sammelt die seltensten Antiquitäten: alles dient lediglich dazu, die Auf- mertfamfeit von seinem eigentlichen Metier ab- zulenten." „Aber welches ist denn nun eigentlich sein Metier?" „Sein Metier... sein Metier ..." Aage Lund kam nicht dazu, den Sah zu vollenden: denn in diesem Augenblick ging laut und schrill das Klingelzeichen durch den Korridor, das den Wiederbeginn der Schwurgerichtssitzung an» kündigte. Mord oder Selbstmord? Die Gerichtsdiener hatten den großen Saal während der Pause gelüftet. Run lag kühl und frisch die herbe Rachtluft über dem dunklen Raum. Die Dinge hatten ihre quälende Rervosi- tät verloren: jetzt aber lag es wie kalte Feindseligkeit in der Luft. Das Richterkollegium, neu gestärkt, erfrischt, von neuem bereit, zu hören und zu richten, die Gesichter ein wenig bleicher als sonst, erschien wie ein erbarmungsloses Tribunal — die Erfrischung schien nur den Zweck gehabt zu haben, die Urteilsschärfe neu zu festigen. -Alles war robuster geworden in dieser Viertelstunde. Undifferenzierter. Auch der Zuhörerraum hatte sich von neuem gefüllt. Kopf an Kopf drängte sich nun in dem engen Rechteck. Man sah neue Gesichter: vom Sechstagerennen waren Besucher herübergekommen, im Frack, im Decolletee: manche, die den ersten Teil der Sitzung fiebernd verfolgt hatten, fehlten. In der vordersten Reihe saß eine junge Dame, deren Gesicht unverkennbare Ähnlichkeit mit der Angeklagten hatte: rechts und links von ihr zwei Herren, mit denen sie sich flüsternd unterhielt. ___ . Stille entstand plötzlich: die kleine Tur tn der getäfelten Wand ging auf, Marfa Ermolieff wurde hereinaeführt. Die 3ustizsoldaten geleiteten sie an ihre Bank: während sie sich niedersehte, schweiften ihre Augen über den Zuhörerraum: sie lächelte verwirrt der jungen Dame dort drüben zu. Der Vorsitzende, der unruhiger aus vorhin zu sein schien, nahm das Wort. „Der Gerichtshof hat beschlossen, den Prozeß Ermolieff auf alle Fälle in dieser Rächt zu Ende zu führen. 3ch behalte mir vor. die Sitzung erforderlichenfalls wiederum zu unterbrechen: das Urteil dürtte in den frühen Morgenstunden zu erwarten fein." Der Protokollführer schlug das Aktenstück auf und nahm ein Telegramm heraus, das er dem Präsidenten reichte. Eine Wendung," sagte dieser, „eine vermutlich sehr wichtige Wendung hat sich ergeben, die ich Oer Bezirksverein Nordost an den Stadtrat. Der Vorstand des Bezirksvereins R o r d o st hat sich mit folgendem Schreiben an die Mitglieder der Stadtratsversammlung und an die Stadtverwaltung gewandt: Mit Genugtuung hat der Dezirksverein Rord- ost aus den Verhandlungen des Stadtrates über das Dauprogramm 1929 in der vorigen Sitzung entnommen, daß nach den Vorschlägen der Stadtverwaltung eine großzügige- Bebauung der Schwarzlach mit dem Ziele einer durchgreifenden Geländeaufschliehung in diesem Sommer in Gang gebracht werden soll. Weiterhin hat der Vorstand unseres Vereins mit Freude vermerkt, daß diese Vorschläge des städtischen Bauprogramms die einhellige Zustimmung der Stadtratsversammlung gefunden haben. Mit um so größerem Befremden hat nun der Vorstand des Rordost-Vereins in den letzten Tagen erfahren, daß von einigen Mitgliedern des Stadtrates im Dauausschuh ein Beschluß herbeigeführt wurde, demzufolge bad Bauprojekt der Stadtverwaltung hinsichtlich der Tendenz der Geländeausschließung eine grundlegende Aenderung erfahren soll. Wir möchten nicht verfehlen, heute schon den entschiedensten Einspruch des Rordost- DiertelS gegen diesen Dauausschußbeschluh. der eine erneute starke Zurücksetzung des RordostenS gegenüber allen anderen Stadtteilen in sich schließt, hiermit zu erheben. Rachdem in der Rordost-Versammlung im Eafä Leib vom 18. Oktober 1928 seitens der Herren Vertreter der Stadtverwaltung und seitens der anwesenden Herren Stadtverordneten demRord- ost-Viertel ausdrücklich volle Unter- stühung bei der Durchsetzung seiner berechtigten Forderungen auf Aufschließung von Bauland fest zugesagt worden ist, geben wir uni der bestimmten Erwartung hin, daß diese Zusagen jetzt eingelöst werden und das Bauprojekt der Stadtverwaltung in unveränderter Weise, wie bereits genehmigt, zur Durchführung kommt. Der Vorstand des Rordost-Vereins. Wirtschaft. Oer Stand der deutschen Handelspolitik Der einschneidende Wandel, der sich durch die Zerschlagung alter und die Schaffung neuer Staaten, die Abtennung von Gebietsteilen und die Umgestaltung des Staats- und Wirtschaftssystems einzelner Mächte im und seit dem Kriege vollzogen hat, ist fast in noch höherem Maße auf wirtschaftlichem, als auf politischem Gebiete wirksam geworden. Es galt deshalb in den abgelaufenen Jahren, also besonders seit dem 10. Januar 1925, an dem Deutschland nach dem Versailler Diktat die Möglichkeit zum Abschluß von Meistbegünstigungsverträgen, zu einer souveränen Handelspolitik überhaupt zurück- erhielt, ein ganz neues handelspolitisches Vertragsnetz aufzubauen. Dabei sind besonders im abgelaufencn Jahre namhafte Fortschritte gemacht worden, so daß man heute die Welt mit einigen Ausnahmen und mit vielen Unzulänglichkeiten als wieder in einigermaßen geordneten handelspolitischen Beziehungen zu Deutschland ansehen kann. Diese Beziehungen gliedern sich in vier Gruppen: Staaten, in denen Handelsverträge mit Meistbegünstigung und Vertragstarif, d. h. Bindung der wesentlichen Zollpositionen gegenüber Deutschland bestehen. Zweitens Staaten, in denen Handelsverträge oder Handelsabkommen mit Meistbegünstigung, aber ohne Vertragstarife errichtet sind. Drittens Staaten, in denen deutsche Güter die Meistbegünstigung zwar praktisch genießen, aber Verträge darüber nicht bestehen. Und endlich viertens solche Länder, wo die deutschen Waren mangels irgendwelcher Abmachungen die Höchstzölle zahlen, d. h. den Sätzen des sogenannten Generaltarifs unterworfen sind. In die erste Gruppe gehören fast alle für uns wichtigen Mächte mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Amerika, England und seiner Dominien und Kolonien, der Niederümde und Dänemark. Es ist also die weitestgehende Form der handelspolitischen Verständigung erzielt mit: Belgien, Finnland, Frankreich, Grieckxenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Oesterreich, Schweden, Schweiz, Spanien und der Türkei. Der Zahl nach ist die zweite Kategorie, also die Meistbegünstigungsverträge ohne Tarifbindungen, aber die umfangreichste. Hierhin gehören u.a. die Verträge mit Argentinien (seit 1857 bestehend!), Chile (seit 1862), den meisten süd- und mittelamerikanischen dem Gericht anzuzeigen habe. Don Bord des Dampfers „Eva Sullivan" ist ein Radiogramm eingelaufen. 3ch will es 3hnen im Originaltext vorlesen." Er breitete das Blatt vor sich auf der grünen Tischfläche aus; wieder legte sich Totenstille über den Saal. „Radiogramm — Dampfer Eva SuUivan eintreffe heute nacht um in der fache marfa ermolieff die letzten zufammenhänge aufzullaren sofort nach landung des dampfers komme ich zum gericht bruno riebinger“ Raunen ging durch den Saal: der Vorsitzende blickte nachdenllich auf die Botschaft: mit der ihm eigentümlichen harten und kurzen Handbewegung strich er sich den weißen Spihbart. „Bruno Riedinger", wiederholte er nachdenklich — „Bruno Riedinger: unter diesem Rainen hat sich der Ermordete ins Fremdenbuch eingetragen. Das Gericht hat Grund, anzunehmen, daß Bruno Riedinger nicht fein richtiger Rame ist. obwohl feine Wäsche mit den Initialen B. R. gezeichnet ist. Aber: Bruno Riedinger ist auch der Rame, unter dem ein anderer am Vormittag des Mordtages Kopenhagen im Flugzeug verlassen hat. 3cncr Mann, von dem uns der Hoteldirektor erzählt hat. er habe seltsame Augen gehabt. Wenn nicht alles täuscht, dürfte uns von feiten dieses Herrn Riedinger eine ilcbcrrafd>ung werden." Er sah hinüber zu der Angeklagten — und er sah, dah sie das Gesicht dem Zuhörerraum zu- gewandt hatte. Mit dem Instintt des Krimrna- liften folgte er ihrem Blick. Dort drüben saß eine junge Dame. die. wie er mit Erstaunen konstatierte, der Angeklagten ausgesprochen ähnlich sah. Die Blicke der beiden Frauen hatten sich ineinander versenkt: der Herr, der zur Rechten jener Frau faß, zog eben die llijr unö flüsterte der Dame eine Bemerkung zu: fie blickte verwirrt auf, angezogen von den Augen des Vorsitzenden: zugleich erwachte auch Marfa Ermolieff aus ihrer Versunkenheit. Der Vorsitzende mochte fühlen, daß hier dunkle und seltsame Beziehungen lagen: er lieh feine hellen Augen mit einem fchnellen forschenden Blick über Den Saal gleiten. Plötzlich fiel ihm ein bekanntes Gesicht auf. Dort drüben, neben dem Polizeipräsidenten, sah der Staatsrat Krenh. „Wir kommen jetzt zur Ausrollung der Mordtat selbst. 3ch habe den ganzen Fall natürlich in meinen Akten. Aber im 3ntcresse der Herren Geschworenen würde ich die Angelegenheit lieber aus der lebendigen Darstellung des Herrn Polizeipräfekten hören: wir gewinnen auf diese Weise nicht nur von der Sache selbst, die ja einigermaßen feststeht, sondern auch, wenn ich so sagen Staaten, China, Dänemark, Großbritannien, Japan, den baltischen Randstaaten, Mexiko, Den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika, ferner verschiedenen britischen Mandatsgebieten und Dominien. Ohne Handelsvertrag genießen deutsche Waren die Meistbegünstigung u.a. in Aegypten, Brasilien, Britisch- Jndien, dem irischen Freistaat und Rumänien. Dem Generaltarif aber sind sie nur in drei Zollgebieten unterworfen: in Australien, Canada und Polen, und zwar einschließlich Danzigs, das mit Polen in einem gemeinschaftlichen Zollgebiet verbunden ist. Natürlich sind diese Verträge und Abkommen, auch soweit sie in die gleiche Kategorie gehören, untereinander nicht gleichartig und in ihrer Wirksamkeit je nach der Zollpolitik des betreffenden Landes günstiger, oder ungünstiger für uns. Außer- dem find mehrere der neueren Verträge, so z. B. der am 1. September 1928 mit der stidafrikanijchen Union abgeschlossene Meistbegünstigungs-, Handelsund Schiffahrtsvertrag noch nicht ratifiziert, dieser insbesondere noch stark umkämpst. Gleiches gilt von dem Vertrage mit Litauen, abgeschlossen am 30. Oktober 1928. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Der am Freitag vergangener Woche als sicher erscheinende Abbruch der Reparationsverhandlungen in Paris traf die Börse gänzlich unerwartet. Wie schon im Bericht der Vorwoche erwähnt, hatte ein allgemeiner Optimismus Platz gegriffen, der die Kvlisse verschiedentlich zu neuen Engagements veranlaßt hatte. Als dann die unerwartete Nachricht eintraf, schritt die Spekulation zu Realisationen, die Baissiers benutzten die allgemeine Verwirrung zu Leerverkäufen, und auch außenstehende Kreise kamen schließlich mit Abgaben an den Markt. Da anderseits naturgemäß kaum Aufnahmelust bestand, traten für die führenden Werte, vor allem für Elektrizitätsaktien, Montanpapiere, Kaliwerte, Banken und J.-G.-Farben, Kursrückgänge von 10 bis 20 v. H. ein. Die Befürchtungen, daß die durch diese starken Kursverluste verringerte Effektendeckung am herannahenden Ultimo weitere Verkäufe verursachen werde, rief neue Abgaben hervor. Vor allem jedoch verwies darf, von den Imponderabilien einen zusammenhängenderen Eindruck. Herr Präfekt — würden Sie die Freundlichkeit haben, uns darüber Vortrag zu halten." Sophus Andersen erhob sich und trat mit einer kurzen Verbeugung an die Schranke. „Am 8. September ist der Mord geschehen." Rechtsanwalt Julsrud erhob sich. „Herr Präfekt. Sie sprechen crpodiktisch von einem Mord. Wäre es nicht möglich, daß ein Selbstmord vorläge?" „Rein, Herr Verteidiger. Der Befund läßt zweifellos auf Mord schließen." Aage Lund assistierte seinem Kollegen: „Was hallen Sie für die zweifellosen Merkmale des Mordes? Worin unterscheiden sie sich nach Ihrer Meinung von den Kennzeichen des Selbstmordes?" „Run" — der Polizeipräfekt zuckte die Achseln — „das Fehlen einer Waffe läßt zum Beispiel einen Selbstmord als ausgeschlossen erscheinen." „Ich danke", sagte Doktor IulSrud. „Das Fehlen einer Waffe", wiederholte Aage Lund sinnend. „Hat man nicht von Fällen gehört, Herr Präfekt, in denen die Waffe gefehlt hat — und in denen gleichwohl Selbstmord vorlag?" „Ich wüßte keinen solchen Fall." „Dann Darf ich Ihnen ein wenig zu Hilfe kommen. Ich kann Ihnen Fälle berichten, in denen ein Selbstmörder Ursache hatte, einen Mord vorzutäuschen. Zum Beispiel: Versicherungsbetrug. Zum Beispiel: Rache eines Verschmähten — sei es an der Geliebten — sei es an Dem glücklicheren Rebenbuhler. Man kennt sein ausbalancierte Vorrichtungen. Die Waffe im Augenblick Der Tat verschwinden machen. Wäre es nicht denkbar, daß eine solche Vorrichtung hier im Spiel wäre?" „Ich wollte fast," sagte der Präfekt leise, „ich könnte diese Frage mit Ja beantworten. Selbst wenn ich eine solche vortäuschende Absicht unterstellen würde, so sprächen doch immerhin weitere Momente für Mord. Vor allem: die Anwesenheit einer zweiten Person. Rämlich der Angeklagten." .....in Deren Gegenwart sich immerhin Herr RieDinger — nennen wir ihn vorläufig so — erschossen haben könnte." „Welchen GrunD sollte in diesem Falle Fräulein Ermolieff haben, ihre Aussage über den Fall zu verweigern?" „Welchen Grund . . . welchen Grund ... der Grund, den sie hat und den sie verschweigt, kann ebenso gut zu ihren Gunsten wie zu ihren Ungunsten . . „Darf ich bitten, Herr Präfekt", unterbrach der Vorsitzende Die Debatte. (Fortsetzung folgt.) man darauf, daß nunmehr bet einem Mißerfolg der Pariser Konferenz eine Diskonterhöhung der Reichsbank unaufschiebbar sei, und zwar rechnete man mit einer Heraufsetzung von 1 v.H., verschiedentlich sogar um 1,5 v. sj. Bei den sich täglich verringernden Deckungsbeständen der Reichs? bank infolge der unverändert anhaltenden Gold- und Devisenverkäufe konnte man mit Recht kaum annehmen, daß trotz aller Bedenken hinsichtlich der mit einer Diskonterhöhung verbundenen Schäden für die darniederliegende deutsche Wirtschaft diese Maßnahme länger hinausgeschoben werde. Demgegenüber konnte die Erleichterung der Geldmarktlage in Reuyork und die dortige feste Börse kaum eine Wirkung ausüben. Verhältnismäßig wenig Eindruck machten auch die günstigen Meldungen über die I.-G.-Farbenindustrie; bei der allgemein herrschenden Depression verursachten die Nachricht von einem Uebereintommen der I.-G. mit der Standard Oil Co. of New Jersey und das deutsch- französisch-schweizerische Farbenabkommen nur vorübergehend eine leichte Erholung der Farbenaktie. Die Geschäftstätigkeit blieb im allgemeinen gering. Als später, entgegen den Befürchtungen, bekannt wurde, daß die ivachoerständigenkonferenz nicht abgebrochen, sondern vertagt wurde und einige, wenn auch nur sehr geringe Aussichten dafür bestehen, daß evtl, doch noch eine Verständigung erzielt werden kann, wurde die Haltung vorübergehend freundlicher, und die Kulisse schritt zu Deckungskäufen, aus denen besonders I.-G.-Far- ben. Elektrowerle und Kalioktien Nutzen ziehen konnten. Bald jedoch setzte sich wieder eine pessimistischere Beurteilung der Situation durch. Dazu kam, daß infolge der Diskonterhöhungen in Oesterreich und in Ungarn die Befürchtungen hinsichtlich einer baldigen Heraufsetzung des Reichsbankdis- kontes sich verstärkten, zumal in dieser Woche erneut 120 bis 140 Millionen Gold abgegeben worden sein sollen. Weiterhin mahnte der bevorstehende Ultimo stärker zur Zurückhaltung. Die Tatsache, daß der Tagesgeldmarkt zunächst relativ leicht blieb, fiel gegenüber den Besorgnissen, daß der neue Schatz- anweisungskredit der Banken an das Reich in Höhe von 170 Millionen Reichsmark sich am Geldmarkt stark fühlbar machen wird, nicht ins Gewicht. Am Wochenschluß nahm die Reichsbank die erwartete Diskonterhöhung um 1 v. H. auf 7,5 v. H. vor. Die Folge davon waren nicht etwa neue Kursrückgänge, sondern allgemein trat bei zeitweise lebhafterem Geschäft eine Erholung ein. Man führte an, daß die Diskonterhöhung durch die niedrigeren Kurse bereits vorweggenommen sei, und verwies anderseits auf einige günstige Nachrichten, wie die weitere Besserung der Ardeitsmarkt- lage und die weiter feste Haltung der Neuyorker Börse. Nach den neuerlichen Abschwächungen ergaben sich auf den meisten Märkten Erholungen von 1 bis 5 v. H. und darüber. Neubesitzanleihe, die zeitweise bis auf 9,80 v. H. gesunken waren, konnten sich dagegen im Kurse kaum bessern. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Auch in dieser Woche war von einem Geschäft am Frankfurter Produtrenmarkt nichts Wesentliches zu berichten. Die Tendenz war äußerst zurückhaltend, zumeist blieben die Preise unverändert, nur vereinzelte Getreidesorten gaben unter dem Druck der Geschäftslosigkeit und der meist schwächer lauten» den Auslandnotierungen etwas nach. Das Angebot von Inlandware mar in dieser Woche sehr knapp, und in erster Linie blieb die Mehrzahl der Preise aus diesem Grunde behauptet. Im großen und ganzen richteten sich die Händler oder die beteiligten Kreise nur wenig nach den Auslandmärkten. Trotz des sehr kleinen Angebots und den entgegenkommenderen Forderungen von feiten der Provinz war keine Geschäftsbelebung festzustellen. Nur für spätere Sichten machte sich etwas regeres Interesse bemerkbar. Mehle waren etwas stärker angeboten, und bei dem schleppenden Absatz waren Preisverlufte nicht zu vermeiden. Zum Wochenschluß war die Stimmung jedoch wieder freundlicher, da erheblich höhere Aus- lanbnoticr ungen nicht ohne Einfluß blieben. Bei der Festsetzung der Preise trat jedoch keine Aen- berung ein, infolge der weiter bestehenden Geschäftsstille. Nur für Lieferungsware bestand weiter vermehrtes Interesse. Das Angebot fand ziemlich leichte Unterkunft, da es immer noch gering blieb. Im Vergleich mit den Notierungen der vergangenen Woche blieben Weizen, Roggen, Sommergerste, Hafer (inländischer), Mais für Futterzwecke und Roggenmehl gut behauptet, während Weizenmehl eine halbe Mark und Weizen- und Roggenkleie bis zu einer viertel Mark nachgaben. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 23,75, Roggen 22,75, Sommergerste 24, Hafer (inländischer) 24 bis 24,25, Mais für Futterzwecke 22,50 bis 22,75, Weizenmehl 32,75 bis 33, Niederrh. 32,25 bis 32,50, Roggenmehl 30,25 bis 31,25, Weizenkleie 13,40, Roggen- Ucie 14 bis 14,25 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Geschäftstätigkeit am Frankfurter Schlacht- Viehmarkt war in dieser Woche ziemlich klein. Trotzdem der Auftrieb am CRinöcrmarEt geringer war, jedoch der Rachfrage genügte, und auch der Export wieder größere Käufe vornahm, verblieb nach ruhigem Handel bei gut behaupteten Preisen ilcberftanb. Schweine hatten nach wie vor schlepvendes Geschäft, was wohl auf die stärkere Beschickung in dieser Woche zurückzuführen war. Bei etwas nachgebenden Preisen konnte der Markt jedoch geräumt werden. Obwohl der Auftrieb am Kälbermarkt auch kleiner war, konnte sich kein regeres Geschäft entwickeln. Der Markt wurde bei etwas anziehenden Preisen geräumt. Schafe ruhig, ausverkauft. Hier wurde infolge des geringen Auftriebs von einer Preisfestsetzung durch die Aotierungskommission Abstand genommen. Der Gesamtaustrieb bestand aus 1501 Rindern, darunter 327 Ochsen, 67 Bullen, 635 Kühen und 391 Färsen, ferner aus 1501 Kälbern, 137 Schafen und 5275 Schweinen. Bergischen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 366 Rinder, 296 Kälber und 97 Schafe weniger, dagegen 297 Schweine mehr angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Klasse AI 58 bis 61, II 53 bis 57, B 46 bis 52. Bullen A 53 bis 55. B 48 bis 52. Kühe A 44 bis 48, B 40 bis 43, C 35 bis 39, D 30 bis 34. Färsen A 58 bis 61, B 53 bis 57, C 48 bis 52. Kälber B 75 bis 80, C 70 bis 74, D 60 bis 69. Schafe wurden aus dem obenerwähnten Grunde nicht notiert. Schweine B 71 bis 74. C 72 bis 75, D 70 bis 74. 3m Bergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Bullen und Färsen je eine Mark, Kälber bis zwei Mark anziehen, während Ochsen und Kühe behauptet blieben, gaben Schweine eine Mark im Preise nach. * Der französische Außenhandel. Die amtliche französische Ein- und Ausfuhrstatistik beziffert die Einfuhr nach Frankreich in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 13 294 707 Tonnen im Werte von 15 269 704 000 Franken, was gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Borjahres eine Steigerung um 2 058 444 To. und um 2 314130 000 Fr. ausmacht. Die Aus- suhr betrug in den ersten drei Monaten dieses Jahres 9 367 569 To. im Werte von 12 OCO 039 000 Franken, was gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Borjahres eine Berminderung um 485 516 To. und um 761 018 000 Fr. ausmacht. Die Einfuhr in den ersten drei Monaten dieses Jahres übersteigt also die Ausfuhr um 3 907138 Tonnen bzw. 3 269 665 000 Fr. 3m März allein betrug der Wert der Einfuhr 4 934 124 000 Fr. und der der Ausfuhr 4 180206 000 Fr. * Sic bereinigte Industrie-Unter- nehm ungen A. - G. weist für 1928 29 einen Reingewinn von 12 383 002 (i.B. 10124165) Mk. aus, woraus eine Dividende von 8 (7) Prozent auf das im Besitz des Reiches befindliche Aktienkapital von 120 Millionen Mark ausgeschüttet, 2 (1) Millionen Mark der Sonderrücklage überwiesen und 383 003 (324 165) Mk. vorgetragen werden. Die gestrige Generalversammlung genehmigte den Abschluß und beschloß ferner, das Aktienkapital um 40 Millionen auf 160 Millionen Mark zu erhöhen. Die jungen Aktien werden sämtlich vom Reich zu 147 Prozent übernommen. * Fusion Peters Union - Conti Caoutchouc genehmigt. Die a. o. G.-B. der Peters Union A.-G. genehmigte einstimmig den vorgelegten Fusionsvertrag mit der Continental Caoutchouc- und Guttapercha-Co., Hannover. Bekanntlich werden gegen 4 Peters- aftien mit Dividendenscheinen ab 1. Oktober 1927 3 Contiaktien mit Dividendenberechtigung ab 1. 3anuar 1928 gewährt. Dem Fusionsvertrag ist noch zu entnehmen, daß die Aktien der Conti Caoutchouc unverzüglich an der Frankfurter Börse eingeführt werden sollen. Wie vom Auf- sichtsratsvorsihenden ausgeführt wurde, werde der Zusammenschluß der beiden Firmen die Möglichkeit geben, dem Kampf mit der ausländischen Konkurrenz in Ruhe entgegenzusehen und die der deutschen Wirtschaft bevorstehenden Schwierigkeiten und emften Zeiten zu überwinden. Die Lage bei Conti Caoutchouc sei durchaus günstig, als Beweis ihrer Stärke könne man die Tatsache anführen, daß sie zur Fusion mit Peters eine Kapitalerhöhung nicht vorzunehmen braucht. Die Berhandlungen mit Conti Caoutchouc seien vor über einem 3ahre begonnen worden, und erst nach monatelangen Bemühungen habe man das vorliegende günstige Angebot erzielen können. Daß das Umtauschangebot wirklich günstig sei. gehe schon daraus hervor, daß nach feinem Be- kanntwerden eine starke Kurssteigerung der Petersaktien eingetreten ist. Auf die Anfrage eines Angestelltenvertreters wurde die Erklärung abgegeben, daß im Zusammenhang mit der Fusion Entlassungen kaufmännischer Angestellter von Peters Union nicht beabsichtigt seien. Lokomotivfabrik Krauß L Co.. A.-G.. München. Die im vorjährigen Bericht geschilderten Berhältnisse im Lokomotivbau haben sich auch im Fahre 1928 nicht geändert. Trotzdem war es möglich, in dem Hauptgeschäftszweig, dem Lokomotivbau. und in den Rebenbetrieben einen befriedigenden Umsatz mit derartigen Ergebnissen zu erzielen, daß die Bilanz bei reichlichen Abschreibungen aktiv abschließt. Da auch die vorrätigen Materialien und Bestände an halbferti- gen Erzeugnissen vorsichtig bewertet wurden, glaubt das Unternehmen, befriedigende Ergebnisse erwarten zu können, sobald in der Beschäftigung ün Lokomotivbau eine Besserung eintritt. Aus dem Reingewinn von 93 152 Mk. werden 5984 Mk. dem gesetzlichen Reservefonds über- wiesen. Der Rest mit 87 167 Mk. soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. * DasAmerikaguthabenderScheide- anftalt. 3m Anschluß an frühere Bekanntmachungen über das beschlagnahmte Amerikaguthaben teilt die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt vorm. Roesler, Frankfurt a. M., mit, daß nach einem Kabel der Alien Property Custodian nach Zurückbehaltung der gesetzlich vorgeschriebenen 20 Prozent und einer erheblichen Summe für noch strittige Steuerforderungen von dem beschlagnahmten Kapital rund 1,1 Mill. Dollar freigegeben hat. Mit einer weiteren Auszahlung von Zinsen in zur Zeit noch nicht zu übersehender Höhe ist in den nächsten Wochen zu rechnen. Wie schon bereits früher in der G.-D. bekanntgegeben, werden die Freigabebeträge den Reserven zu- geführt. frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 27. April. Tendenz: beruhigt. Im Gegensatz zu der sehr nervösen Stimmung an der gestrigen Abendbörse, die durch das starke Ansteigen des Dollarkurfes heroorgerufen n>ar, machte sich zu Beginn der heutigen Wochenschlußbörse eine allgemein beruhigtere und zuversichtlichere Auffassung bemerkbar. Die Hauptursache war vor allen Dingen die Besserung der Mark (man hörte Mark gegen Dollar mit etwa 4,22). Der Tendenzumschwung wurde auch durch eine Meldung, wonach man noch die Möglichkeit einer Verständigung in Paris gefunden zu haben hoffte, begünstigt. Man war allgemein fester gestimmt, und die Spekulation schritt wieder in etwas stärkerem Maße zu Deckungen. Auch wurden Wochenschlußkäufe vorgenommen, so daß das Geschäft in Spezialwerten lebhaftere Formen annehmen konnte. Gegenüber der gestrigen Abendbörse waren durchschnittlich Kursbesserungen sestzustellen. Die Beteiligung des Auslandes und der privaten Kundschaft blieb immer noch sehr gering, und die Geschäftstätigkeit war nur vorübergehend eine lebhaftere. Im Vordergründe des Interesses standen Elektroaktien, Schlickert, Siemens, Licht & Kraft, waren je nm 6,75 v. H. gebessert. Auch die Zellstoff- werte waren gesucht und hatten Gewinne von 2 bis 5o.H. aufzuweisen. Nur Chadeaktien, die als einziges Papier an der gestrigen Abendbörse etwas lebhaftere Umsätze bei höherem Kurse aufzuweisen hatten, lagen auf Realisationen gedrückt und angeboten. Am Chemiemarkt eröffneten I. - G. - Farben 3 v. H. und Deutsche Erdöl 3,3 v. H. höher. Der Montanmarkt war ohne besonderes Geschäft. Rheinstahl waren 5,75 und Mannesmann 4,5 v. H. fester. Regeres Interesse wurde noch den Kaliaktien ent- entgegengebracht. Besonders Salzdetfurth wurden mit einem Gewinn von 13 v. H. in größeren Beständen aus dem Markt genommen. Aschersleben und Westeregeln gewannen bis zu 5,5 v. H. Witoaktien vernachlässigt. Deutsche Linoleum bis 5 v. H. erholt. Banken plus 1,5 v. H., nur Reichsbank aus unbekannten Gründen angeboten und bis 1 n. H. niedriger. Renten still. Deutsche Anleihen ohne Option hatten ebenfalls eine beachtenswerte Erhöhung zu verzeichnen. Im Freiverkehr waren Polyphon, die anfangs mit 462 gehandelt wurden, bis auf 480 gestiegen. Im Verlaufe war das Geschäft wieder sehr still. Nur vereinzelten Werten wurde noch einiges Interesse entgegengebracht, hier konnten noch kleinere Gewinne ftstgestellt werden. Die übrigen Papiere blieben gut behauptet. Die festere Stimmung erhielt sich auch weiterhin. Am Geldmarkt war Tagesgeld unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4 2188. gegen Pfund 20,483, London gegen Kabel 4,8530, gegen Paris 124,14, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 33,75. Berliner Börse Berlin, 27. April. Um sich heute ein richtiges Bild von der Börsentendenz machen zu können, muß man zunächst die Vorgänge zwischen den gestrigen Schlußkursen und dem offiziellen Beginn der heutigen Börse betracht^. Ist ein Vergleich der gestrigen Schlußkurse mit den heutigen Notierungen an und für sich schon schwierig, da man bei den Terminpapieren den Report per Ultimo Mai berücksichtigen muß, so muß man anderseits wissen, daß auf Grund der Vorgänge am Devisen- und Geldmarkt gestern an der Frankfurter Abend- börse erhebliche Kursrückgänge eintraten, so daß gestern abend sehr schwache Kurse zu hören waren. Neuyork hatte ebenfalls einen sehr schwachen Verlauf aufzumeisen, und Tagesgeld erreichte drüben einen watz von 16 v. H. Trotzdem war man heute vormittag schon wesenllich beruhigter und schritt zu Deckungen. Die Reichsbank hatte den heutigen Dollarkurs auf 4,2175 festgesetzt. Eine gewisse Nervosität war an der Börse jedoch nach wie vor festzustellen. Sehr schwach eröffneten Reichsbank minus 7,25 v. H. Dagegen lagen Kaliwerte und Elektroaktien höher. Bergmann plus 7 v. H. Die Sensation war aber der Polyphonmarkt. Hier wurde ein Kurs von 480 v.H. genannt. Das Ausland zeigte eher Kaufrzeiguna, anderseits regte die etwas gebesserte Loge der Mark an. Deutsche Anleihen waren gesucht. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefmarkt noch unentwickelt. Geld noch nicht allzu angespannt, aber weiter gesucht. Tagesgeld 5L bis 8, Monatsgeld 8,25 bis 9,5 v. H., Geld über Ultimo 8,5 bis 10 v. H. Warenwechsel ohne Umsatz. Nach den ersten Kursen allgemein fester und für Spezialwerte lebhafter. Mit Ausnahme von Chadeaktien, die 6,5 v. H. verloren, konnten Elektrovapiere im Verlaufe 1 bis 3 v. H. gewinnen. Polyphon plus 7 v.H. Kali- werte und Spritaktien bis 4 v.H. höher. Bemberg plus 8,5 v. H., Glanzstoff plus 5 v. H., Konti Staub schul plus 3 v.H., Schubert L-Salzer plus 4,5 v.H., und Farben plus 3,75v.H. Berliner Produktenbörse. Berlin, 26. April. Die flauen Auslandmeldungen und die erneute Ermäßigung der Cif- offerten hatte hier trotz des weiterhin knappen Inlandangebotes wiederum ein Rachgeben der Liescrungspreise zur Folge. Weizen ist, namentlich in Waggonware, sehr wenig angeboten, dieses Material wird für Futterzweckc gesucht, wobei höhere Preise erzielt werden als im Berkaus an die Mühlen. Roggen macht sich sehr knapp. Das wenige herauskommende Material wird zu 1 Mk. höheren Preisen als Mairoggen bezahlt, man glaubt dies mit Preisstühungsmaßnahmen in Zusammenhang bringen zu können. Don den heute vorliegenden Meldungen eines Farmerhilsgesetzes in 11. S. A. im Repräsentantenhaus nahm der Markt bisher wenig Rotir. Mehl hat weiter nur geringes Dedarssgeschäft. Hafer bei kleinem Angebot und ruhigem Konsumgeschäft stetig. Kunst und Wissenschaft. Dr. Kronacher kommt nach Frankfurt. Aus Leipzig wird gemeldet: Auf Grund der Berhandlungen, die mit Schauspieldirektor Dr. Kronacher wegen einer Berufung nach F r a n f f u r t a. M. geführt worden sind, hatte der Rat der Stadt Leipzig auf einstimmigen De- schluß des gemischten Theaterausschusses eine vorzeitige Lösung des erst vor wenigen Wochen auf fünf 3ahrc neu abgeschlossenen, günstiger gestellten Bertrages mit Dr. Kronacher abge- lehnt, aber, um ihm einen Ausgleich zu bieten — ohne daß eine rechtliche Verpflichtung dazu vorlag — sich bereit erklärt, die Bezüge Dr. Kronachers abermals wesentlich aufzubessern. Bor wenigen Tagen hat aber Dr. Kronacher erneut dringlich um seine baldige Entlassung aus dem Vertrag gebeten und zur Begründung ausgeführt, er könne sich mit der Ablehnung der erbetenen Lösung des Vertrags nicht beruhigen. Er fühle mit aller Deutlichkeit, daß die Annahme der Berufung nach Frankfurt für ihn eine Rotwendigkeit sei, um in seinem Alter noch einmal die Gelegenheit wahrzunehmen, in einer neuen Atmosphäre, unter neuen Schwierigkeiten, mit neuen großen Machtbefugnissen seine Kräfte zu erproben und an der Aufgabe, ein Theater von Grund auf neu aufzubauen, auch innerlich selbst zu wachsen. Er habe die Empfindung, daß, wenn die Franffurter Berufung endgültig für ihn verloren sei, er sich in seine Leipziger Tätigkeit nicht mehr innerlich zurückfinden könne. Es handele sich dabei für ihn nicht um finanzielle oder sonstige materielle Interessen. Man dürfe nicht einen Menschen, der der Stadt lange Jahre treu und erfolgreich gedient habe, einem Para« graphen opfern. Dieser Einstellung Dr. Kronachers gegenüber, die eine gedeihliche Arbeit für das Leipziger Theater von ihm nicht mehr erwarten läßt, hat der Rat, wiederum auf einstimmigen Borschlag des gemischten Theaterausschusses. es für richtiger gehalten, der Lösung des Bertrages mit Dr. Kronacher zuzu- stimmen. Heber den Zeitpunkt des Ausscheidens Dr. Kronachers bleibt die Entscheidung Vorbehalten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführlen Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozen!. ivronffurta #?. Berlin Schluß- Ritt) l-Ubr Kur? Schluß- Kur? Anfang Ruf- Damm 26.4. . 27.4. 26 4. 27 4. 6% D!- tteidjiianleihe v. 1027 . Di. AnI..Müj..LckuId mtt Stiü 87,5 — 87,5 — los.-Rechleu — 52,3 52,5 52,5 Tesgl. ohne 2lu5Iol. Rechte . . . 7% Franks. Hvp.-Bk. Goldps. un. 9,1 9,5 9,7 9,3 kündbar bi! 1032 88.5 _ _ 4’/s% Rheinische Hqp.-Bank 2 lau.. Oolbpf. ».« V.E.S. abg. 8SorInefl3-Cbltgatu)i: rückzahlbar 1932 87,5 — —. _ *% Schweiz. Bunbe-b.-A«i.. 101 4% Lesterraichischc Goldrtc.. . • 30.5 - 4,20% Cctetr. Silbtrrlc. . . - 26 -__, 2,85 4% Oesterreich, einbeikl. R'e —■ 4% Ungarische Gvldrte.. *% Ungarische Siaat-r. v. 1910 24,10 _ 24,2 21,13 23.9 4'/i% betat. von 1913 4% Ungarische Lronenrtc.. . _ 22.1 1.95 —— 1,95 4% IrttL fioüanleifje v. 1911 . . 4% Türkische BagdadbaHn-Anl., 9,1 9.1 9 — Serie 1 .... 8,65 4's, delgl. Serie N ..... — 9 9 4% Rumänen coiwcrl. RIe. . . . 8,1 4''s% 9him6ticti Q)ol6anl. von 1913 17.5 17,8 Wig. Deutsche Eisenbahn . . . ...... Bergmann . ....... Nektr. Licserungca..... Licht und Lrast ..... stellen & Guilleaume.... Ges. f. Elettr. Untern.. « • . Hamb. Elektr. Werke . . . . Rhein. Gleftr. ....... Schlei. .............. Schlickert...... • • • Siemens L Halske ..... TranLradio........ Buderus....... . Deutsche Erdal...... Gelsenkirchener ... t- Yi Harpener ...... beeid) Eisen. . ...... Ilse Bergbau ....... Klücknerwerke ....... KölruNeuessen. ...... Mannesmann..... . ManSfelder........ Lberschles. Eisend. Bedarf . . Lberschles. KoUwerke . . . Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen . . . Nheinslabl f. % Jahr Niebeck Montan...... Bereinigte Siahltu..... Otavi Minen ...... Kali A'checälcbcu . . . . . Kaki Westeregeln...... Kaliwerk Salzdetsurth . . . 3- ®- starden.Iudustrie . . . Dynamit Wobei ...... scheideanllalr. ...... Goldschmidt ...... Rütgerrwerle . ...... MetallgeleMchaft. . . . . , . v 1' 1<> . 6 10 10 . s 10 . 8 1? . S 10 . 5 . 6 I 4 . o *. 8 . 9 . S . 5 . 6 6’/, 10 . s 3 sh 10 10 n 12 . 6 . 9 I 6 11 158,5 209 199 132,5 205,5 156 223,25 357,5 160 109,5 125 130 268 97 105 90,75 267 105 89 224 228 351 233 83 84.13 126-5 162,75 203 205,75 210,5 229,75 364 113,25 109,25 — I 110,75 229.5 233 364 236 162 160,25 209,5 149,5 199 132 205,5 135 156 187 225,5 358 142 162,5 68,25 111 114 125 131 114,25 210 97.25 112 107.5 127 81,25 98 90,65 266,5 107.25 89.25 64 223.5 228 353,5 234 108 82 64 128 160.9 202,5 151 204 131,25 211 136.5 156 182,5 228,5 361,5 138,25 68.25 112 114 124 129 113.6 210 98.25 — 107,75 126 80,75 100 91 266,75 109,25 64.75 227 230.25 360 234 108 85 85.23 129 Zranssurt a M- Berlin 2 chluß- Änr-3 l Uhr- .tulientiche Noten...... Norlvcaiiche Noten...... Deutfdj-Cefterr., a loo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... 16.47 169.14 22.14 112.18 59,08 2.50 112.47 16.53 169.82 22,22 112.62 59,32 2,52 112.91 61,59 61.22 12,515 73.57 a. M. tg. Schweizer Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . - Ungarische Noten....... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 81,27 60,98 12,455 73,27 - Frankfui Auszahli t 1 26. April 27. April Amtliche Notierung 1 Sriet Amtliche (Selb Kotierung Brier Burn.AireS Brff-'Ankw Chrisiiama. Kopenhagen Stockholm . HelssngforS. Italien. . . London - . . Wenn ort . . Baris.... Schweiz .. Spanien. Japan . . . Rio de Jan Dien in D- £efi- abgeft föU:: Budapest. . Bulgarien Lissabon Tanüg. . . Äonft antm. Athen- . Tanada 11 ru uah. . v'oiro . . . 169,31 1,771 58,52 112,35 112,38 112,58 10,593 22,095 20,452 4,2135 16,475 81,14 60.79 1.898 0,501 59.19 12,475 7.410 73.44 3,042 18,87 81,73 2.070 5.455 4.181 4.006 20,98 169,65 1.775 58,64 112,57 112.60 10,613 112,80 22,135 20,492 4.2215 16.515 81,30 60.91 1,902 0.503 59,31 12,495 7.424 73,58 3,048 18,91 81,89 2,074 5.465 4,189 4.074 21.02 169,43 1,772 58,545 112.37 112,44 112.60 10,593 22,125 20,45 4,2140 16,485 81,19 60.74 1.888 0,503 59,22 12,473 7.413 73.44 3.047 18,85 81,75 2,070 5,454 4.182 4.066 20-98 169.77 1,776 53,665 112.59 112,66 112,82 10,618 22.165 20.49 4,2220 16,525 81,85 60.86 1.902 0.505 59.34 12,493 7,427 73,60 3.053 18,89 81.91 2,074 5,465 4.190 4,074 21,02 Famos WasW Hausfrauen! 3813A 2>«>V Verkaufspreis Mk. 0.85 per Pfund So Kann jeüer wohnen, der will 2303D Fernsprecher 1659. WELLBLECH BAUTEN WELLBLECHGARAGEN MIT HEIZUNG Telephon 1403 Bahnhof strafte, Ecke Wolkengasse Verlr.: E. Becher, Oiegen. 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