Mittwoch, 21. Zebruar 1929 179. Jahrgang Nr. 49 Erstes Blatt Ob und in Preußen stand weiß sich lastung des Steuern und Maß des erträglichen bereits überschritten haben, einig mit der Reichstagsfraktion. daß die Belastung aller Lrwerbsstände nicht weiter ge- sleigert werden darf, aber rasch und fühlbar gesenkt werden muß. Ebenso notwendig ist die Inangriffnahme einer umfassenden Reich» - und Verwalkungsreform und die Deileroerfolgung der verfassungsrechtlichen Anträge der Reichstagsfraktion. zu erreichen. Der Zentraloor- angesichts der Ueberbe- deu 'scheu Volkes mit a n d e r e n La st e n, die das chernt täglich.außer tags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte ner FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. gspretr für 2 Wochen: eichsmark und 15 -spfennig für Träger- "n. auch bei Richter- i" en einzelnerNummern infolge höherer Geaalt. Fernsprechanschtüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: f’anlfurt am Main 11686. i.nter« ssen erdigen. Die Gebarung der Ausgabestwirlfchafl in Reich, Ländern und Gemeinden kann einen tatsächlich nur mit Grauen erfüllen. (Sehr wahr!) Mr quetschen die Steuerzahler aus wie eine Zitrone und durch die Art der Erhebung der Steuern haben wir» wenn auch nicht in die Substanz dec Wirtschaft eingegrisfen, (Zurufe „Doch!"), so doch jene Bildung von Reserven unmöglich ge- Lnnahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Drelle örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20\ mehr Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. trief d 168.« 22-1 112.3J 59,32 2,5*5 112-1 II, 65^ 12,y 1,77 58,47 1'2,27 112,25 112« g 10, 22,04 20,43 'K 80,? 0,501 59,18 12-489 7,39 73^ Brüssel. 26. Febr. (WB.) In Deantwor- tung zweier Anfragen über die Veröffentlichung des „Atrechtsch Dagblad". deren Dringlichkeit von der Kammer beschlossen worden war. erklärte Minister des Auswärtigen Hymans, das angebliche Dokument sei eine Fälschung, er habe dem niederländischen Gesandten das gleiche erklärt. Die durch das Abkommen mit Frankreich bedingte militärische Lage Belgiens entspreche dem Vertrag von Locarno, denn dieses Abkommen sehe nur einen unprovozierten Angriff seitens Deutschlands vor, trage rein defensiven Charakter und verstoße in keiner Weise gegen den Völkerbundspakt. Das französisch-belgische Abkommen sei durch Abmachungen zwischen den Generalstäben vervollständigt, die sich nur auf die Verteidigung des Landes bezögen. Das falsche Dokument bezwecke nur. bessere Beziehungen zwischen Belgien und seinem nördlichen Nachbarn zu verhindern. Das niederländische Blatt habe ein von einem Verbrecher abgefaßtcs Schriftstück ohne jede Kontrolle angenommen. Diese Veröffentlichung zeugt von planmäßiger Feindschaft gegen Belgien und ist bestimmt, neue Verhandlungen mit den Niederlanden zu hintertreiben. Ich darf wohl dem Wunsch Ausdruck geben, daß die niederländische Negierung Del- gien bei der Bemühung unterstützen wird, der Wahrheit wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Ich habe auch das Zutrauen zu dem gesunden Empfinden des belgischen Volkes, daß es die Verleumdungen, die man gegen sein Vaterland richtet, zurückweist. (Die Ausführungen des Ministers lösen auf sämtlichen Bänken der Kammer, außer auf denen der Frvntkämpfervereinigungen. lebhaften Beifall aus.) Nach dem Minister des Auswärtigen ergreift der der Vereinigung der Frontkämpfer angrhö- rende Abgeordnete Vos das Wort. Er erklärt, daß ein französifch-belgisches Militärabkommen verderblich füreine Politik der Neutralität sein müsse und richtet LM- in öM je bten. Her Historischen ^gezeigt, lvM ost ganz anders« Ätschen Ländern Betlttungen i.im 'Bauen mit 85 Ab'Mun- 1J. Leipzig 1929. dien durch sein ' urterial auftärenft tfvnmj il, bringt » zum Aachdenkrn Hrma bei, welches ig au;'eiallen er« toie alueHen Te> zusaMienfassendr Vie st; der Darin München, pick 6 bis 12 des achlung auch eines ) geschulten Leser- rmitleln und aus en - eltoa zwischen aufmerksam machen. sail-DapPvri. clag von Trommer 1 kartoniert 3 Ml. ill-Rapport enthält 1 §,'nge übet den ?malionalen Ger- , Erkennungszeichen, ungen der verschie- uäe für Mi.neh- aber sehr durchgc« imc der Tatbestand- st^Leber'a-achungs' 1 an Ort und Stelle >ie Einzelheiten des ikrästft sestzuhalten. -ibesübungen. rnens in Crund« Äeuendorss. Karie lkeclspiele.2°u Er'oger. r das «nabe- und höhnen s, r,ier C. 6ti Kam« hJette S WJ? x x.r füt [t nimmt in iemer L Art zu M werden lonncn- macht, ohne die wir auf die Dauer die Volkswirtschaft nicht ausrichten können. Dir müssen auch das erhalten, was man den industriellen Mittelstand nennt Dir stehen, wenn die Dinge so weitergehen, vor dem Trust auf der einen, und vor einer Millionenschar der Angestellten und Arbeiter auf der anderen Seite. Damit steigern wir die sozialen Gegensätze. Es geht mit dieser Politik nicht weiter, wenn wir nicht sehenden Auges in den Abgrund stürzen wollen. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Produktion leidet unter der Kaufarmut der Landwirtschaft, die in einer bis zur Katastrophe gesteigerten Krisis sich befindet (Sehr nchtig!) Deshalb muß der W e 11 ft r e i t de r P a r te i e n u m diePopularitätshas cherei aushören. Man ruft, daß das Etatsrecht des Reichstages mit untren Anträgen in Gefahr märe, Dolksnot geht aber über Etatsrecht. DieErfetzunh derPerfön- lichkeit durch die Organrfation ist das Grundübel des heutigen politischen Lebens. Daß ich nicht zu den Toren gehöre, die den Wirrwarr der bestehenden Parteien durch die Gründung einer neuen Partei beheben wollen, brauche ich nicht zu aqen. Es geht ein Raunen durch das Land von illegalen Bestrebungen zur Ersetzung der Verfassung durch Diktaturpläne. Trotz der herzlichen Beziehungen, in den der Oberbürgermeister von Köln zu Großmächten Europas steht, in denen diese Re- gierungsform besteht, (Heiterkeit), glaube ich, daß wir vom Faszismus noch weit entfernt find. Es gibt auch niemanden, der den Wahnwitz hegen l ann, daß ein Mann wie Hindenburg sich zur Verletzung der Verfassung hergeben würde. (Sehr wahrl) Aber wir müssen uns bemühen, zur R e • 0 rm des Parlamentarismus zu kommen. (Zustimmung.) Wir müssen verlangen, daß, wenn das an den Parteien selbst in dieser ‘Situation scheitert, verantwortungsbewußte Persönlichkeiten den Mut finden, zu regieren, d.h., die Führung zu übernehmen. (Bravo!) Der Gedanke der Weltanschauungsvar- teien sei bei dem Ueberwuchern der Jnterefsen- vertretungen stark zurückgedrängt, aber der Liberalismus müsse wenigstens das eine Vermächtnis hinterlassen, den Liberalismus der Per- ö n 1 i ch k e i t im Gegensatz zu der Herrschaft der rein zahlenmäßigen Organisation. Oer Vorsitzende der preußischen Land- tagssrakiion, Abg. Stendel gab dann eine Darstellung der in Preußen geführten Verhandlungen. Im Laufe der Verhandlungen habe Ministerpräsident Braun erklärt, das Zentrum habe sich beim Reichsschulgesetz düpiert ge- fühlt und wolle Sicherungen haben. Er könne uns zwar nicht in die Einzelheiten des Kon- kordats einweihen lassen, er wolle uns aber eine Erklärung abgeben lassen, in der wir Bindungen bezüglich des Konkordats eingehen. Was wir aber mit aller Entschiedenheit ablehnen, ist: Verpflichtun- qen bezüglich des Konkordats zu übernehmen, wenn wir den Ä n h a l t des Konkordats nicht kennen. Wir werden nie ein untragbares Konkordat annehmen, wir werden nie auf Sicherung der Rechte der evangelischen Kirche verzichten, um Ministersitze in der preußischen Regierung zu erhalten. (Lebhafter, sich wiederholender Beifall.) Rach längerer Aussprache wurde dann einstimmig eine Entschließung angenommen: in der es u. a. heißt: Der Zenlralvorstand billigt die Haltung der preußischen Landtagsfraktion und der Reichstags- fraktion in der Koalitionsfrage. Der Zentraloor- stand ist der Ansicht, daß eine fraktionell gebundene Regierung der Großen Koalition nur dann erfolgreich wirken kann, wenn au» staatvpolitischen Gründen der gleiche Aust and in Preußen geschaffen wird. Der Zen- tralvorstaud wird infolgedessen nach Beendigung der Reparotionsverhandlungen in Paris unter Aufrechterhaltung feines Beschlusses zur Koalitionsfrage vom November 1928 erneut Stellung zu der politischen Lage nehmen, um die gteichartige Bildung der Koalition im Reich —■—7S737 I 1-774 °i- 112-49 112-27 112-77 10-6J * 'S s Stresemann gegen die VeMchvng des parlamentansmus Eine Warnung des Außenministers an Parlament und Parteien. - Persönlichkeiten statt Beauftragte von Organisationen Oie Zerreibung des Mittelstandes. - Dolkspartei und Koalition. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvö imö verloo: vrühl'sche UniverfitSlr-vuch. und Steindruckerei H, Lange in Sieben. Schristiettung und Geschästrstelle: Schnlstratze 7. 168-18 22-U 111-93 SSK 2-49 112-3 80-85 65- 12-40 73.2° tat tonen. Was schließlich das englische Dementi betrifft, so deckt sich dieses nicht einmal mit dem, was wir behauptet haben. Das Dementi hat nur von einem Abkommen gesprochen, nämlich von der in den Artikeln 1 und 5 der Interpretationen angeführten Llebercinkunft vom 7. Juli 1927, von der wir wissen, daß sie von England n och nicht ratifiziert worden ist. Das Blatt kündigt dann an, daß es auf diesen Punkt seiner Enthüllungen noch näher zurückkommen werde, betont nochmals, daß es sehr bestimmte Garantien für die Echtheit der veröffentlichten Dokumente besitze, und fordert die betreffenden Regierungen auf, wenn sie die Richtigkeit der Veröffentlichungen des „Utrechtsch Dogb'ad" in Zweifel ziehen wollten, dann doch den über diese Angelegenheit ausge- breiteten Schleier des Geheimnis,es zu lüften und ihrerseits die richtigen Dokumente bekanntzugeben. Hollands Demarche in Paris und Brüssel. Man dementiert. Paris, 26. Febr. (WTD.) Der nieder- ländische Gesandte in Paris hat heute nachmittag im französischen Mtmster.um des Aeußern auf Druird der Veröffentlichungen des Utrechtsch Dagblads" über den Text eines französisch-belgischen Militärabkommens die gleiche Demarche unternommen, wie sie der holländische Gesandte in Brüssel heute morgen unternommen hat. Das Ministerium antwortete dem diplomatischen Vertreter Hollands mit einem Hinweis auf das gestern ausgegebene französische Dementi. Rach einer Meldung des Haager Korrespondenten des „Petit Parisien" soll ein e Gruppe aktivisti scher Studenten von Utrecht dem Utrechtsch Dogblad den Text des angeblichen französisch-belgischen Geheim abkommens vcr.cha.f. haben. „Petit Parisien" will auch erfahren haben, daß der Schritt des holländischen Gesandten am Quai d Orsay in schriftlicher Form erfolgt fei In der gestern nachmittag überreichten Rote ersuchte der Vertreter der Rrrderlande in höflichster Form die französische Regierung, seiner Regierung zu helfen, die Frage der in 11t- rechtsch veröffentlichten Dokumente zu klären. Eine deutschnationle Anfrage. Ein deutscher Lchritt in London, Paris und Brüssel verlangt. Berlin, 27. Febr. (V.D. Z.) Die deutschnationale Reichstagsfraklion hat eine Interpellation eingebracht, in der es u. a. heißt: Das „Utrcchtfch Dagblad" hat m i l t t ä r i s ch e Geheimverträge zwischen Frankreich und Belgien veröffentlicht, Öte den Charakter eines A g r e s s i v - B ü n d n t s s e s gegen Deutschland und Holland haben und sich in zweiter Linie auchgegenItalien undSpanien richten. Zugleich ergibt sich aus ihnen, daß auch England ein ähnliches gegen Deutschland gerichtetes Abkommen mit Belgien getroffen hat. Die von feiten der französischen und belgischen Regierungen erlassenen Dementis machen keinen überzeugenden Eindruck. Angesichts dieser Sachlage fragen wir die Regierung: 1. Ist sie bereit, von den Regierungen von Großbritannien, Frankreich und Belgien Erklärungen über die Richtigkeit der Veröffentlichungen zu fordern und gegebenenfalls die Bekanntgabe des Militär-Abkommens vom 7. September 1920 und des Ergänzungs-Abkommens vom Jahre 1927 zu verlangen? 2. Ist insbesondere der Herr Leichsauhenmtni- ster entschlossen, bis zur völligen und einwandfreien Klärung dieser Angelegenheit von einer Teilnahme an der bevorstehenden Tagung des Völkerbundsrates abzusehen? Deutschland wartet ab. Erörterung aus der Genfer Ratstagung. Berlin, 27. Febr. (Priv.-Tel.) Wie wir erfahren, wird deutscherseits in der Angelegenheit des französisch-belgischen geheimen Militärabkommens zunächst nur auf dem Wege diplomatischer Interventionen in Paris, Brüssel und London festzustellen versucht, was diese Regierungen zu dieser sensationellen Publikation, die ihnen sicher reichlich ungelegen gekommen ist, zu sagen haben. Im Übrigen nimmt die deutsche Reichsregierung jedoch eine abwartende Haltung ein. Es muß in dieser Hinsicht festgestellt werden, daß die Gerüchte von einer Bestürzung in Berlin jeder Grundlage entbehren. Dazu läge ja auch schon um deswillen kein Grund vor, als die ganze Affäre, wie ja auch die voreiligen Dementis in Paris und Brüssel zeigen, am unangeneh nist en für die beteiligten Staaten selb st ist. In hiesigen politischen Kreisen rechnet man damit, daß sich der Völkerbund in anbetracht der holländischen Initiative wahrscheinlich schon auf der kommenden Ratstagung mit dieser Frage und vor allem mit dem Problem der unterlassenen Notifizierung dieses Abkommens zu befassen haben wird, wobei bann die deutsche Delegation auf jeden Fall Gelegenheit nehmen wird, in recht deutlichen Worten den deutschen Standpunkt zu dieser ganzen Angelegenheit darzulegen. Weitere Schritte dürften die zuständigen Kreise erst dann beschließen, wenn die letzt eingeleitete diplomatische Aktion beendet sein wird. StahlhelmundGegenwarisstaat. Die Aussprache der Ltahlhelmführcr beim Reichspräsident. Berlin, 26. Febr. (Privatmeldung.) Im Zusammenhang mit den in der Presse erhobenen Vorwürfen gegen den Stahlhelm hat der Reichspräsident am vergangenen Samstag d i e beiden Bundesführer des Stahlhelms zu einer Aussprache empfangen. In dieser Unterredung verwahrten sich die Führer des Stahlhelms gegen die vielfach in der Öffentlichkeit dem Stahlhelm gemachten Unterstellungen und die häufigen Verfälfchungen feiner Kundgebungen. Zwar stellten sie die Opposition gegen das gegenwärtig in Deutschland bestehende parlamentarische System und feine Handhabung nicht in Abrede; sie hätten aber stets betont, daß der Stahlhelm feine Ziele nut auf legalem Wege verfolge. Bezüglich eines Artikels in Dr. 4 der Dundeszettschrift „Der Stahlhelm" zum 70. Geburtstage Wilhelms II. wiesen die Bundes» führet darauf hin, daß in diesem Aufsätze nur von dem persönlichen Treueverhält- »iS des alten Soldaten zum obersten Krieg-- Rußland und die Groener-Denkschrifl. Oie Kommunisten interpellieren im Reichstag. Berlin. 26. Febr. (VDZ.) Auf der Tagesordnung steht die kommunistische Interpellation über die Denkschrift des Minister Groener wegen der Panzerkreuzerfrage. Diese wird begründet von dem Abg. Stoecker (Komm.): Die Denkschrift Groeners spricht im Gegensatz zu der offiziellen Fr'.edensheu^lei unserer Regierung die klare Sprache imperialistischer Politik. Sie zeigt das Programm der Bourgeoisie. Darum hotte auch die Sozialdemokratie alle Veranlassung, für die Geheimhaltung dieser Denkschrift zu stimmen. Die Denkschrift gibt zu, daß der Panzerkreuzer gebaut werden soll, damit Deutschland sich an dem nächsten imperialistischen Krieg beteiligen kann. Groener erörtert die Kriegsmöglichkeiten mit Polen natürlich nur, um die Kriegsabsichten gegen Rußland zu verschleiern (Lachen bei der Mehrheit). Aber die Arbeiterschaft wird den Krieg gegen Sowjetrußland verhindern, sie wird bann den Bürgerkrieg entfesseln. (Händeklatschen bei den Kommunisten.) Runmehr hat das Wort der Angeklagte! (Große anhaltende Heiterkeit.) Reichskanzler Müller: Die Denkschrift wurde lediglich zum Zwecke der Unterrichtung des Reichs^amnetts abgefaht und sollte deshalb nicht veröffentlicht werden. Wie sie der englischen Zeitschrift zugänglich wurde, wird vom Oöerreichsanwnlt untersucht. Die Behauptung der Interpellation findet in der Denkschrift keine Stütze. Es ist auch im Ausland weitgehend anerkannt worden, daß die Denkschrift be. Erörterung von Kr.e^s.nöglichkeilen von vornherein jede militärische Verwicklung als f ü r Deutschland verhängnisvoll darstellt. Die Denkschrift weist nach, daß Deutschland imperialistische Absichten garnicht haben kann. Zu den Fragen des Grenzschutzes und der Wahrung der Neutralität im Falle kriegerischer Verwicklungen anderer Staaten sich gutachtlich zu äußern, gehört zur Pflicht des Deichswehr- ministers. Rirgends läßt die Denkschrift die Absicht eines Krieges gegen Sowjet-ußland «rannen. Von irgendwelcher Ausrüstungspolitik kann überhaupt nicht die Rede sein, denn beim Dau des Panzerschiffes A handelt es sich bekanntüch nur um einen E r s a tz b a u. Es werde dem Abgeordneten Stoecker nicht gelingen, die guten Drehungen zwischen der deutschen Regierung und der Sowjetunion zu trüben. Abg. Stampfer (S.). Sofort nach Veröffentlichung der Panzerkreuzerdenkschrift deutete die deutschnationale Presse an, sie könnte nur von den Sozialdemokraten verraten worden sein. Die Vernehmungen haben ergeben, daß die Behörden wieder einmal auf eine falsche Spur gebracht worden sind durch deutschnationale Parteiagitation, die in Magdeburg sogar falsche Mörder fabriziert hat. Alle Lügen und allen Schwindel apportierte Herr v. Lindeiner dem Oberreichsanwalt, obwohl wir gerade von Lindeiner bisher glaubten, seine politische Intelligenz reiche aus, den Kampf anständig zu führen, Uebrigens ist Lindeiner Mitglied, die angebliche Verräterin Frau Valentin aber Geschäftsführerin des Komitees für internationale Verständigung. Aber unter der A:ra Hu- aenberg entwickeln die Deutfchnationalen die Verleumdung zum Handwerk. (Lärm bei den Deutsch- nationalen. Zuruf: Unverschämter Patron!) Mit Ihnen (nach rechts) rechten wir nicht über Landesverrat. Sie haben ja sogar Ebert Landesver- herrn die Rede sei, und daß mit diesen Ausführungen der Diensteid der jetzigen Beamten in keiner Weise in Frage gestellt werden sollte. Der Stahlhelm lege vielmehr seit seiner Gründung entscheidenden Wert darauf, daß die ihm angehörenden Beamten sich in vorbildlicher Pflichttreue im öffentlichen Dienste betätigen. Der Herr Reichspräsident nahm diese Erklärung mit Befriedigung entgegen und gab die Versicherung ab, daß er bei feiner Kenntnis der Ziele deS Stahlhelms, dem et feit langem als Ehrenmitglied angehöre, vom Stahlhelm keine andere Haltung erwartet hätte. 5>er Reichspräsident hat dem Kanzler und dem Innenminister von diesem Verlauf der Unterhaltung Kenntnis gegeben und hinzugefügt, daß et bei dieser Sachlage keinen Anlaß finde, seine Ehrenmitgliedschaft beim Stahlhelm — um eine solche und nicht um einen Chren- vorsitz handelt eS sich — niederzulegen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtages. Darmstadt, 27. Febr. Im Finanzausschuß des hessischen Landtages wurde eine Negierungsvorlage, die für die Landesbibliothek in Darmstadt u. a. zwei Bibliothek-Sekretärstellen nach A 20 verlangt, abgelehnt, da dieser Wunsch einem früheren Beschluß des Landtages widersprach. Es wurde aber dafür ein höherer Betrag für die vorgesehene wissenschaftliche und bibliothektechnische Hilfsarbeit eingesetzt. Der hierfür angesetzte Betrag von 3600 Mark wurde auf 8000 Mark erhöht. Die ft a a t • liche Gewerbesteuer wurde entsprechend der zwischen Handelskammer, Handwerkslammer und Regierung erfolgten Einigung so festgesetzt, daß auf je 100 Mark Gewerbeertrag 2,70 Mark und auf je 100 Mark Gewerbekapital 0,63 Mark Steueraufschlag entfallen. Der Ausschuß genehmigte sodann 19 300 Mark für den Neubau einer D e t e r i n ä r ■ Klinik für Geburtshilfe in Gießen. Die für Herstellungen in Bad Salzhausen in einer Regierungsvorlage geforderten 8400 Mark werden einstimmig bewilligt. Aus aller Well. vorläufig keine Gefahr auf dem Rhein. Trotz des Regens und des starken Schneefalls, der über dem Bezirk des Wasserbauamts Worms niederging, hat das Wasserbauamt Worms die Rheineiswache aufgelöst. Das Wasser des Rheins steigt langsam. Da auch vom Oberrhein Meldungen von nur mäßig st ei- gendem Wasser vorliegen, sieht das Wasser- auamt WormS augenblicklich d i e Gefahr eines Eisgangs beseitigt. LaZ EiZ des Rheins hall sich trotz des steigenden Wassers immer noch hartnäckig. Die Eisdecke beträgt durchschnittlich immer rwch 33 biS 43 Zentimeter. Etwa 6 Zentimeter der Eisschicht sind von oben rat vorgeworfen k Ohne die Mllarbeii der Sozialdemokratie würde die deutsche Republik überhaupt nicht bestehen. Das deutsche Volk wünscht, der Reichstag möge zurücksinden zu ernster, sachlicher Arbeit. Abg. von Lettow-Dorbeck (On). An unserer Ostarenze stehen fünf polnische Armeekorps, wir haben dort nur ein Infanterie» und zwei Kavaue^eregimenter. Die Auslieferung der Denkschrift ist Landesverrat. Ta ist es Pflicht jedes Vaterlandsliebendm Mannes (Zuruf bei den Soziall-emokcaten: Zu verleumden!), Verdächtigungen, die ihm zu Ohren kommen, an die zuständige Stelle weiterzuleiten. Es ist unerhört, wenn das Blatt des Vorredners das als Schurkenstreich bezeichnet. Der Reichskanzler hat zu dem Panzerkreuzer zuerst nein gesagt, jetzt sagt er ja, denn er stellt sich hinter den Wehrminister. Wir fürchten nur, daß die Taten diesem Ja-Wort nicht entsprechen werden. Severing hat ja auch die Gründe der Denkschrift nicht anerkannt. Sie (zu den Sozialdemokraten) wollen eben die Reichswehr unter parteipolitischen Einfluß bringen gegen den Staat. Die Broschüre Levis, „Wehrmacht und Sozialdemokratie", spricht offen aus, daß es für den deutschen Arbeiter kein Vaterland gebe; sie verlangt offen den Landesverrat. Sie (nach links) wollen l i.< i zip i -.ergeb, alt zcrst! ren. Die Reichswehr ist uns zu schade für Experimente in einem Augenblick, wo politisches Rowdytum einen jungen Mann aus offener Straße niederstreckt. (Große Unruhe bei den Kommunisten.) (Präsident Löbe: Durch den Ausdruck „politisches Rowdytum" kann sich doch hier niemand getroffen fühlen! — Heiterkeit.) Eine Gewährung des Gastrechtes für Trotzki darf überhaupt nicht erörtert werden. Wir wollen nicht in den Bolschewismus hineinschlittern. (Huhu-Rufe links.) Wir brauchen eine zuverlässige Wehrmacht nach außen, aber mehr vielleicht noch nach innen (Aha-Rufe links), auf den bewährten Grundlagen der Disziplin, der Treue und L.3 Gehorsams. -(Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen.) Abg. Briminghaus (O.V.p). In Polen spricht man offen von dem Kriege gegen Deutschland. Sollen wir uns da nicht bedroht fühlen? Es war geradezu die Pflicht des Wehrn.inisterS, zu prüfen, wie diese Gefahr abzuwenden ist. Stampfer felbft erkennt an, daß die Frage, ob weitere Panzerkreuzer gebaut werden sollen, davon abhängig ist, ob die anderen ab rüst en. Die anderen rüsten aber nicht ab. Stampfer mutz also folgerichtig f ü r den Dau weiterer Kreuzer eintreten. Wer empfiehlt, daß wir mit unserer Wehrmacht yinabgehen unter das, was uns das Friedensdittat gelassen hat, versündigt sich an unserem Volke. (Sehr wahr bei der Deutschen Dolkspartei.) Wir dagegen wollen den Wehrwillen aufrechterhalten. Abg. Ritter v. Epp (Rats.) verurteill den Verrat der Denkschrift, wundert sich aber nicht darüber, weil die altväterischen Sllten aufgegeben seien. Auf den Zuruf einer Abgeordneten erwidert er unter großer Heiterkeit: Das ist eine Angelegenheit von Männern, nicht von Frauen. — Inzwischen sind zwei Mißt rauensanträge der Kommunisten gegen das Gesamtkabinett und gegen den Reichs- Wehrminister eingegangen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. Abstimmung über die Mißtrauensanträge. her durch das Tauwetter morsch geworden; die Eisdecke ist aber immer noch so stark, daß sie dem Druck des Wassers von unten und dem Einfluß des Tauwetters von oben her standhält. Wenn die Witterungsverhältnisse so bleiben, werden etwa drei bis vier Tage vergehen, bis man auf die erste Bewegung der Eismassen rechnen kann. Am Rhein sind lediglich noch die von den Wasserbaubehörden eingesetzten Sprengkommandos geblieben. Neuer starker Schneefall in Thüringen. In der Rächt zum Mittwoch setzte in Thüringen abermals ein äußerst starker Schneefall ein. Stellenweise beträgt die Höhe des Reuschnees 20 Zentimeter. Schneeverwehungen und Verkehrsstörungen werden von überall her gemeldet. Der Schneefall hält unverändert an. Auch in Erfurt hat es feit zwölf Stunden ununterbrochen geschneit. Reichsregierung und Wildschütz. Trotz der Sorge um das eigene Haus und der Hochwassergefahr für die neue Regierungsbildung hat sich die Reichsregierung die Sorge um den deutschen Wildbestand, die der Allgemeine Deutsche Iagdschutz- verein zum Gegenstand einer Eingabe gemacht hat, sich zu eigen gemacht. Sie trägt sich, wie wir hören, ernstlich mit der Absicht, ein Gesetz zu erla sen, nach len für ganz Deuts chland infolge der großen Schäden, die der Frost dem Wildbestand gebracht hat, eine einjährige Schonfrist festgesezt wird. Diese Schonfrist soll sich auf den Abschuß von Hochwild, Rehwild, Hühnern und Enten erstrecken, so daß nur die Hasenjagd freibleiben wird. Bei der beteiligten Industrie hat diese Absicht bereits zu einer Eingabe geführt, die eine Hilfsaktion und Steuererlatz für die Waffen- und Munitions- Händler fordert, die sonst unweigerllch dem Ruin entgegensehen müßten. Die Orienlsahrt des „Graf Zeppelin". Die Besprechungen, die Dr. Eckener in den letzten Tagen in Berlin führte, und die sich auch mit generellen Fragen der Verwendung von Luftschiffen im transatlantischen Verkehr befaßten, haben zu dem Entschluß geführt, daß der .Gras Zeppelin" am 2 6. März von Friedrichshafen aus zur Orientfahrt starten wird. Falls diplomatische Schwierigkeiten das Heber- fliegen von Aegypten und Palästina unmöglich machen, wird das Luftschiff eine Rundfahrt über dem Mittelmeer unternehmen und dabei Konstantinopel und Wien berühren. An dieser Fahrt werden auch einige englische Luftflieger teilnehmen, bei denen vor kurzem Vertreter der Zeppeünwerft in England zu Gast waren. General Heye in Vigo. Der Chef der deutschen Heeresleitung, General Heye, ist auf dem Wege nach Argentinien mit dem Dampfer »Kap Arcona" tn dem nordspanischen Hafen Vigo eingetrvsfen. Er •Jan iKorjn wrxt Dienstaa. 26.Feb.1929, 7" at>dS. an der Universität Adelaide, eingetroffen, um eine Dort etlvc Oie Wetterlage. soll rein wissenschaftliche Ziele oeri hat im Jahre 1907 an der antarfti] c in der cnsüeh uni wurde an Bord von Dehördenvertretern und dem deutschen Konsul begrüßt und nahm am Abend in der Stadt auf Einladung der deutschen Kolonie an einer zu Ehren der Offiziere des in Vigo vor Anker liegenden Kreuzers „Berlin" veranstalteten Feier teil. Eine neue Südpolexpedition. Dor alle (eil an, fud km anderr Wt, ein D Aachba großer Är ea:nheitcn, mll. M Metin, du j.'cid) jum । einem Aich xfle Fenster Kn seine >o machen ‘ ans im 31 schaute an derselben r geklemmt, nur schnce Fenster hi nigkeit au! von Schw türlich ko Strafe. I den auch 2erge zur Gin aus weis genü raöe [o lan, ttm Park Wen Som und wollte Mrter m< groß angelegten Betrug in Frankfurt a. M., toobet 40 000 Mark erbeu.et wurden, ^eht .sitzt" der »Fürst" und spielt dm schwerg^ äx2.en Unschuldigen. Er «kam allerdings in Verlegenheit, als man ihm vorhielt, daß sein Vorname Eugen so ganz und gar nicht zu der orientalischen 5y.tr- lichkeit Passe. Fünffache Bluttat in Polen. Bei Skaryßow im südlichen Kongreßpolen hat der schon 1 7 m a 1 vorbestrafte Bauer 2a- 5in.fi in der Dorsstrahe mit Axthieben feine vor ihm flüchtenden Schwiegereltern nieder- gestreckt, so daß fie tot liegen blieben. Dann ging er in die Wohnung seines Schwagers und tötete ihn im Beit durch Axtschläge. Rach dieser neuen Bluttat flüchtete er in seine eigene Hütte und durchstieß mit der Heugabel feine Frau und fein erst einige Monate altes Kind. Dann zündete er die Hütte an und flüchtete. Die Verfolgung hat bisher noch kein Ergebnis gezeitigt. . die b einmal ein' rod) bester. I Seleidigung Die tat ..-.Tage tatet: „2, ! A. - Gj slellung „Di Mtazs im •Wroereii son Dr. L ^"Wirkung nungsmarti lAe Ähre .•Die holst Mauffüf „er MiMfc 1 Därz, Melzch «taut" in als Ql r^Ben.; (Eine ganze Familie verbrannt. In der Rähe von Viterbo (QH.ttelitalien) entstand in einem Bauernhause ein Brand. Dir Bewohner, einEhepaar und vier Kinder, rieten um Hilfe, weil eS ihnen nicht ge ang, ....... d i e Türen zu offnen. Als die Türen von j * Freut mit herbeigeeilten Leuten mit Aexdrn eingeschlagen ; | Wachen w worden waren, waren das Ehepaar und drei C-.; Kinder bereits verbrannt. DaS vierte Kind, der älteste Junge der Familie, wurde mit lebensgefährlichen Brandwunden in das Spital gebracht. Todesurteil gegen den Raubmörder hopp. Der Raubmörder Hopp, der im vergangenen Jahre den Fabrikdirektor Nordmann aus Delmenhorst im Eilzug ermordet hat, wurde zum Tode und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. (Ein Hochstapler-,Fürst" feftgenommen. In den ersten Hotels Kölns koniue man in der letzten Zett Sr. Durchlaucht Fü'öst Eugen Bequekischeli aus dem Orient begegnen. Er nahm dort regelmäßig in Damenbegleitung seinen Tee ein und pflegte nur mit großen Banknoten zu bezahlen. Jetzt war er gerade im Begriff, sich mit einer jungen Dame zu verloben, die einen wertvollen Kraftwagen als Vorboten der Reichtümer, die sie als Fürstin im Orient au erwarten habe, erhallen sollte. Leider wurde ihr der .Fürst" genommen. Die Banknoten stammten von einem seine K Wasser zu | Aaden ist |i hängt die lind," ertr mir das d gesehen, t i Ausziehen Antwort. Tie Hai ! Haupt etw . Aun ge( vennS Sei: i i/uucii, . j heftigen 1 W- jiigte Expedition % folgen. Mawson Wn«tiiie.O. «» mö flüchtete. Die , 'ein Ergänis gezeiti-l-, Berlin, 27.Febr. (WTD. Funkspruch.) Nachdem sich gestern abend gegen Schluß des Verkehrs auf leichte Interventionen gegen die niedrigsten Tageskurse kleine Erholungen hallen durchsetzen können, ist im heutigen Frühverkehr noch kaum etwas Positives zu sagen. Die Spekulation bleibt unsicher und abwartend, zumal der gemeldete Selbstmord eines bekannten und beliebten Börsenmaklers eine starke Nervosität hervorgerufen hat. Es ist noch nicht zu übersehen, ob sich aus dieser Affäre Folgerungen für die Börse ergeben werden. „Backin“ ist ein rein deutsches Erzeugnis, selbst seine Grundstoffe stammen aus Deutschland. Die leicht verständlichen Rezepte in Dr. Oetker’s farbig illustriertem Rezeptbuch, Ausgabe F, dem Sie eine Fülle von Anregungen entnehmen können, machen Ihnen das Backen kinderleicht Es ist für 15 Pfennig in allen einschlägigen Geschäften oder, wenn vergriffen, gegen Einsendung von Marken von mir direkt zu haben. Dr. August Oetker, Bielefeld. Wenn Zhre SmvfenlungSanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahausftattung werben feil dann geben Sie sie bitte spätestens im -Caufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! Eier und die anderen wertvollen Zutaten sind niemals aufs Spiel gesetzt, weil die gleichmäßige und sichere Triebkraft von Backpulver „Backin“ unübertreffbar ist. Die Kuchen werden schön groß und locker, vor allen Dingen wird durch „Backin“ der Wohlgeschmack in keiner Weise beeinflußt und bestbekömmliche Gebäcke erzielt — Dr. Oetker s Backpulver „Backin“ wird in der vollendetst eingerichteten und größten Fabrik Europas m vorbildlich sauberster Weise ohne jede uerührung durch Menschenhand hergestellt ALb "ÄS in Diekn ® $ Mui, i« Wen nMben' eQbrWcÄ" e oerlo aenVM muß man immerhin schon tüchtig sein und wissen, wie man’s macht, von Hausfrauen den großen Vorteil der Zeit- «"^.^b^ts-Enpamis schon Bekanntlich haben bei nennenswerten Ausgaben, insbesondere bei solchen früh erkannt und verwenden seit mehr als 30 Jahren zum Back* von für Lebensmittel, die Fra -en das Wort. Sie sehen mit Kennerblick was gut ist Kuchen, Torten und Kleingebäck und ihnen möglichst Ersparnisse eintragen kann. So haben denn Millionen nur Dr. Oetker ‘s Backpulver „Backin“ .(W/ofien) auk ttn ®v 'und Di(t Äin; ! oS?e.$ÜUn v°n! ■agten eingeschlogv! ' Ehepaar und bitt i annt. Das viert, : Zamilie, wurde mil wden in das tzpM taubmördtt hopp. der im vergangenen irbmann aus Helmen- bei hat, wurde jum er bürgerlichen Ehren- gung von Rohrschäden mit Recht großes Gewicht legen muß, kann man diese Neuerung des Gas- und Wasserwerkes nur begrüßen. •• Kein warmes Essen und noch kein Geld. Dor einigen lagen gaben wir eine Meldung wieder, die das offiziöse Wolff Telegrophen- Bureau auf Veranlassung der Reichs- bahnverwaltung an die Presse verbreitete. In ihr wurde mitgeteilt, daß den von den Unbilden der Witterung besonders betroffenen Angestellten und Arbeitern des Eisenbahnaußendienstes neben der Darreichung von warmen Getränken und kräftigem, warmem Essen eine besondere, einmalige Geldzuwendung in Höhe von durchschnittlich 20 Mark gewahrt werde. Wie wir heute feststellen konnten, entspricht die Mitteilung der Reichsbahndirektion in der gemeldeten Form nicht, bzw. noch nicht den Tatsachen. Richtig ist, daß dem Fahr- personal und den Angehörigen des Rangierdienstes auch diesmal wieder, wie schon in den bisherigen kalten Wintern, warmer Kaffee verabreicht wird. Warmes Esten erhallen aber nur diejenigen Eisenbahnbediensteten, die von auswärtigen Dienstleistungen an ihren Wohnplatz zurückkehren, hier aber für plötzlich erkranktes Personal sofort wieder aushilfsweise in Dienst treten müssen, ohne zuvor die Möglichkeit gehabt zu haben, zur Verpflegung nach Hause zu gehen: dies sind aber- immer nur Ausnahmefälle. Hinsichtlich der Geldzuwendung ist die Sachlage so, daß den einzelnen Direktionen größere Geldbeträge zur Auszahlung an diejenigen Eisenbahnbediensteten, die im Außendienst unter der Wirkung des Frostes besonders zu leiden hatten, überwiesen worden sind. Diese Beträge werden an die beteiligten Personen erst in näch- st er Zeit zur Auszahlung gelangen. Die Ermittlungen darüber, wieweit der Personenkreis zu ziehen ist, sind noch im Gange. * Frostbeulen im Bahnkörper infolge der andauernden starken Kälte wurden unter den Gleisanlagen in den Bahndamm-Gelände- einschnitten am Rodberg und bei der Dadenburg feftgestellt. Die Beseitigung der Schäden macht bei dem starken Froste außerordentliche Schwierigkeiten, jedoch wird an der Wiederherstellung der Anlagen mit aller Kraft gearbeitet. Für den Zugverkehr besteht keine Gefahr, da die Züge die Schadensstellen mit verringerter Geschwindigkeit befahren. ee Feuer im Bahnhof. Heule früh gegen 8 älhr brach In dem Wellblech-Toilettenhaus am südlichen Ende des G.ebener Reichsbahnstationsgebäudes, anscheinend infolge Lleberhitzung des Raumes, Feuer aus. Eifenbahnpersonal und die herbeigerufene Feuerwache bekämpften den Brand mit allem Rachdruck, sie konnten jedoch nicht verhindern. daß das Haus vollständig niederbrannte. •• Bo rträge zur Reichs-Unfall- verhüt ungswoche. Am morgigen Donnerstag findet in der Reuen Aula der zweite Vortragsabend zur Reichsunfallverhütungswoche statt. Den ersten Dortrag des Abends wird Direktor S t e d i n g vom städtischen Gaswerk über das Thema: „Die Verwendung des Steinkohlen- gases im Haushalt" halten. Anschließend wird älniversitätsprofessor Dr. Gundermann über das Thema: „Verhütung von älnfallfolgen" sprechen. Man beachte die heutige Anzeige. ** Die Handels- und Gewerbebank Gießen beruft im heutigen Anzeigenteil ihre 70. Generalversammlung auf den 8. März ein. Die Mitglieder des Unternehmens feien auf die Anzeige besonders hingewiesen. - Reichswettkochen. Das Gaswerk weist darauf hin, daß zu dem Wettkochen,, das am 12. und 13. März stattfindet, nur 20 Teilnehmerinnen zugelassen werden können. Mit Rücksicht auf die beschränkte Zahl empfiehlt sich die baldige Anmeldung zur Teilnahme ** Stempel- und G eb ühr enfre i h eit bei Darlehen zum Bau von Lanb- arbeiterwohnungen. Der hessische Justiz- minifter hat in einem neuerlichen Ausschreiben bestimmt, daß Beurkundungen und Eintragungen, welche die Gewährung und Sicherung von zinsfreien Baudarlehen zum Gegenstand haben, die zur Förderung des Baues von Landarbeiterwohnungen aus Mitteln der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge durch den Minister für Arbeit und Wirtschaft gegeben werden, stempel- und gebührenfiei sind. Diese Befreiungsvorschrift bat rückwirkende Kraft. Sie er- streckt sich auch auf die Darlehen der vorbezeichneten Art, welche auf Grund des § 32 der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge vom 16. Februar 1924 und der Bestimmungen des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 22. März 1925 gewährt worden sind. •• Oeffentliehe Handelslahranstalt Gießen. Ommer mehr bricht sich die Heber» zeugung Dahn, daß durch die Entwicklung des modernen Geschäftslebens eine theoretische Vorbildung vor dem Eintritt in den kaufmännischen Beruf zür Rotwendigkeit geworden ist. Dieser äleberzeugung verdankt auch die am 1. April 1924 ins Leben gerufene Oeffentliche Handelslehranstalt, deren Träger die Industrie- und Handelskammer ist. ihre Entstehung. Die Zahl der Schüler ist von 22 in 1924 auf über 100 Schüler in 1928 gestiegen, die zwei 2lbteilungen angehören. Die Höhere Handelsklasse nimmt nur Schüler mit Obersekundareife auf, bereitet sie in einem Jahre auf ihren praktischen Beruf vor und gibt denjenigen jungen Leuten, welche das Klassenziel mit der Gesamtnote „gut“ erreicht haben, die Berechtigung, ohne Ablegung der vorgeschriebenen „Prüfung für praktische Kaufleute“ an einer Universität Handelswissenschaften zu studieren. AiterlE „Mi 7 w«? ■Ä GjHtLrol• Sonbotu' mö Qitfiiepfoch I0X wirkendem Zusatz^ -ZK: toblfion. , geschrieben: Zu dem Gastspiel des Mainzer Stadt- theaters mit der Spieloper „Die verkaufte Braut" von Smetana ist zu bemerken, daß diese Oper dem Mainzer Stadttheater einen ganz großen Erfolg gebracht hat. Unter der musikalischen Leitung oes Generalmusikdirektors P. Breisach und der Regie des Opernspielleiters H. Köhler wurde die Oper vollkommen neu inszeniert. Als erste deutsche Bühne brachte Mainz das Werk ohne Rezitative mit Originaldialog. Die auswärtigen Blätter brachten sehr gute Kritiken. — Die Volkshochschule macht an dieser Stelle besonders darauf aufmerksam, daß am Sonntag, 3. März, ein Musikabend stattsindet, zu dem sich Frau Schlesier-Altmann (Klavier) und Frau Minna Wolfs (Gesang) zur Verfügung gestellt haben. (Räheres siehe gestrige Anzeige.) — Der Dauersche Gesangverein veranstaltet, wie man uns schreibt, unter Leitung seines Chormeisters O. G 5 r l a ch am 2. und 3. März je ein Konzert in der Reuen Aula der Universität. Das erstere ist für die Mitglieder des Vereins bestimmt, das zweite ist ein öffentliches Konzert. Das Konzert steht unter dem Leitgedanken: „Erinnerungen an das 10. Deutsche Sängerbundessest in Wien vom 19. bis 23. Juli 1928". Die Vortragsfolge enthält Chöre von Kremser, Weidt, Kienzl, Marschner-Laugs. Heinrichs Kcldorfer und Moldenhauer, die bei den Hauptaufführungen dort gesungen wurden und einen nachhaltigen Eindruck nicht allein bei den 100 000 Zuhörern in der großen Sängerhalle, sondern auch bei allen Zuhörern auf dem großen Festplatz, nach welchem die Aufführungen durch die an allen Seiten der Sängerhalle angeordneten Lau sp e ern weit rgegrben wurden. huter ließen. Weiter kommen noch Chöre von Weber, Molden- Hauer sowie unserem einheimischen Komponisten v. Möllenüorff, der ein Lied des Ehrenpräsidenten Gg. Todt vertont hat, zum Vortrag. Zur Mitwirkung in diesem Konzert ist das Musikkorps des hiesigen Grenadier-Datls. 15. Jnf.-Rgts. gewonnen worden. Dieses hat die Begleitung dreier Chöre übernommen und wird unter Leitung seines Obermus kmeisters W.Löber neben Orchester- werken von C. M. v. Weber und Mendelssohn die bi-Moll-Symphonie von Schubert zu Gehör bringen. Alles Weitere ist aus den Anzeigen zu ersehen. — Kirchenmusikalische Passionsandacht. Der Posaunenchor Lang-Göns, der im vorigen Zahre unter Mitwirkung der Frau Dr. Aubel ein vielbeachtetes Kirchenkonzert in der Johanneskirche gab, lädt für nächsten Sonntagabend 8 Uhr wieder zu einer musikalischen Passionsfeier in der Stadtkirche ein. Es werden wieder eine Anzahl von klassischen Passionsgesängen, meist von Lloh. Seb. Bach geblasen, deren Texte Frau Dr. Aubel sprechen will. Wer im vorigen Jahr die eigenartige musikalisch, textlich und sprachlich auf der Höhe stehende Darbietung mitfeierte, wird gerne wieder teilnehmen. Man beachte die heutige Anzeige. • •• Die Sprechstunden der Redaktion I sind von morgen ab auf folgende Zeiten festgelegt: 11.30—12.30 Uhr und 16—17 Uhr. Sams- I tags nur 11.30—12.30 Uhr. ** Auszeichnung eines Gießener Ge- lehrten. Der Direktor des Tierzuchtinstituts der Landesuniversität, Professor D-. K r a e m e r, wurde in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste von der amerikanischen Gesellschaft für Dererbungs- wissenschaft zum Mitglied der Gesellschaft ernannt. "EineStraßena-fbruchrnaschinehat das Städtische Gas- und Wasserwerk seit gestern in Betrieb genommen. Die ansehnliche Häufung von Gas- und Wasierrohrbrüchen führte zu einem Umfang der Reparaturarbeiten, dessen Bewältigung von Tag zu Tag schwieriger wurde. In dem bis zu etwa 1 Meter Tiefe gefrorenen Erdreich gingen die Aufbrucharbeiten zur Behebung der Rohrschäden trotz größter und anerkennenswerter Arbeitsleistungen aller Arbeiter nur recht langsam vor sich, da der hartgefrorene Boden nicht nur der Menschenkraft, sondern auch dem Werkzeug stärksten Widerstand entgegensetzte Die Folge davon war, daß in zahlreichen Straßen die Rohrschäden nicht in der erhofften Schnelligkeit beseitigt werden konnten Insbesondere mußte die Behebung der Wasserrohrschäden zurückstehen, da die Beiseitigung der Gasrohr- fdjäbcn unter allen Umständen den Vorrang genießen mußte. Um nun die Reparationsarbeiten schneller voranzubringen, hat das Gas- und Wasserwerk eine Straßenaufbruchmaschine beschafft, mit deren Hilfe der Aufbruch der Straßen an der Stelle der Rohrschaden außerordenllich rasch vor sich gehen kann. Die Maschine besteht aus einem Motor, gleich einem Automotor, als Antriebskraft und zwei har- ten Stahlmeißeln, die vom Motor aus durch eine Schlauchleitung mit Preßluft versehen und von dieser angetrieben werden. Durch einen Hebeldruck des den Stoßhammer führenden Mannes wird die Preßluft freigelassen und dadurch das Gerät mit großer Kraft in den Boden eingetrieben, wo es im Handumdrehen die Erdmassen absprengt. Auf diese Weise war es z. B. gestern in der Steinstraße möglich, innerhalb weniger Stunden Ausschachtungen vorzunehmen, zu denen die menschliche Arbeitskraft trotz stärkster Anspannung etwa zwei Tage gebraucht hätte. Der große Vorteil dieser Maschine ist also der, daß künftighin die Reparaturarbeiten bei Rohr- ! bruchen weit rascher als bisher vorgenommen wer- den können und die Gewalt des Frostes dabei kaum noch als ein Hindernis in Betracht kommt. Im In- , tereffe der Bürgerschaft, die auf die rasche Deseiti- Es ist bekannt, daß unsere Kinder, besonders idie kleinsten, alles, was aus der Straße, auf öem Ödjutoeg und sonstwo gelch.eht, „anzeigen . Si mag in den meisten Fällen das Rechtsgefuhl sein, das sie zu ihrem Tun veranlaßt, gar oft spielt aber auch die Schadenfreude mit. Aller- ömgä verliert sich das Qhveigen“ in einem gewissen Alter: besonders bei Knaben gilt es als ehrenhaft, nichts zu verraten. 3m öffentlichen Leben ist es leider noch so, daß es gar viele qi.bt, die bei jeder Gelegenheit hinlausen und Anzeige erstatten. Recht merkwürdig berührt es dann, wenn sie vielleicht wegen des.elben Ver- ^hms kurz vorher bestraft wurden Run soll 's der Rachbar nicht besser haben! Ist das Rcchtsgefübl oder Schadenfreude? Könnten ein coenig Ueberlegung oder eine einfache Warnung nicht viel eher zum Ziele führen? Muh beim tde Kleinigkeit vor dem Richterstuhl ausge- -cagen werden? Oder muh denn jedes Wort, das in der Hitze aus^estoßen wurde, gleich eine Beleidigung sein oder so ausgenommen werden? Tie uralte Geschichte von den zwei Fuhrleuten, die sich in dem Hohlweg begegneten, und von denen keiner nachzeben wollte (bas brauche ich doch nicht!), bis schließlich e.ner ein Linsehen hatte (allerdings aus Angst), und zu- ""'i'imipi, ote 6on । mcksuhr, bleibt gültig für alle Zeiten. Richt Wöe unh! pmtoütige Worte bringen uns weiter, auch ' 14 Ä ein? I nic&t das Rennen zum Richicr, sondern nur Linsicht und überlegene Ruhe. Man muh auch einmal ein Wort einstecken können, das ist immer 1 seslzriwwmeo. ölnä toraue mm in — v~..,— ............ irchlouchi Fü'.'i chen feine Pfeife anzündet. Oder willst du es i au8 dem Orient bp ; so machen wie jener dicke Herr, der neulich mit izelmähig in Damen- uns im Zuge fuhr? Ein zwölfjähriger Junge und pflegte nur mc schaute an der Tür und wurde beim Schließen zahlen. Jetzt war r. derselben mit seinen Fingern ziemlich hart ein- 1 einer jungen Äm geklemmt. Er weinte nicht, wurde vor Schmerz m wertvollen Saft- nur schneeweiß im Gesicht und muhte sich zum • Reichtümer, die fit Fenster hinaus erbrechen. Dabei kam eine Klei- « ettMtm BÄ » nigteit auf das Trittbrett Skt dicke Herr sprach >? in der Surft" w von Schweinerei und holte den Schaffner. Ra- stammlen 'von einen türlich kostete das den 2ungen einige Mark JSSffuVtL X Strafe. War das notig? Die Mitreisenden ha- et wurden, ^etzt,U ben auch mit ihrer Meinung nicht hinter dem i schwer^ Lüen'Ur- Berge zurückgchalten. 4n?ah?'QrtkcraS Ein aufk ärcndes Wort, ein freundlicher Hin- ? Ä wcis genügen in den meisten Fällen, em leichtes A1ZS Vergehen zu verhindern. Man muß ja nicht ge- er onentalischen H.s. rat>cti lange warten, wie jener weise Wärter in dem Park einer hohen Herrschaft. Da kam im heißen Sommer ein Wandersmann an einen Teich und wollte ein erfrischendes Bad nehmen. Der Wärter mähte am Ufer Gras. Der Wanderer zog seine Kleider aus und war im Begriff, in das Wasser zu steigen, als der Wärter rief: „Das Vaden ist in diesem Teich verboten. Da drüben hängt die Warnungstafel!“ „Aber Menschens- lind“ erwiderte der andere, warum sagen Sie mir das denn erst jetzt? Sie haben doch mit zu- V gesehen, wie ich mich entkleidete?" „3a, das Ausziehen ist nicht verboten!" war die lakonische Kennen Sie schon die vorzüglichen Back- o. Bratapparate „Küchenwunder“, „Deha« und „Zauberglocke-? Alle drei sind bestens zu empfehlen. Zu haben in allen besseren Haushaltungsgeräte-Geschäften. ,etei* Staaten Steg noch besser, als auf Beleidigung zu erteil..... Wie sagte doch Kaufmann Th'.enemann, als er in der Eile einen Herrn auf der Straße anstieh und dieser ihn einen SHafskvpf nannte? . Freut mich sehr, mein Rame ist Thienemann! I Machen wir es auch so, wenn ein zoologisches Wort etwas unsanft an unseren Kopf fliegt! Vor allem aber zeige man nicht jede Kleinigkeit an, suche nicht in seinem Gerechtigkeitsgefühl dem andern, der vielleicht in Unwissenheit handelt, ein Bein zu stellen. Da fliegen die Hühner des Rachbars in unfern Garten, da beschattet ein großer Birnbaum unsere Beete . . . Alles Gelegenheiten, Spektakel anzusangcn, wenn man to t IL Aber ich hoffe, lieber Leser und liebe Leserin, du willst nicht. Du läufst auch nicht gleich zum Schaffner, wenn in der Eisenbahn, in einem Richtraucherabteil zur Sommerzeit, wenn alle Fenster geöffnet sind, ein unschuldiges Männ- 3n der Höheren Handels klasse befinden sich fünfundzwanzig Schüler. Die zweijährige Handelsschule nimmt 14jährige Schüler auf, einerlei, welcher Schule sie bisher angehört haben. Die Ausnahme erfolgt auf Grund einer besonderen Prüfung. 3n zwei vollen Schuljahren werden die Schüler für ihren prccktischen Beruf vorgebilbet. 3n beiden Abteilungen werden folgende Handelsbetriebsfächer gelehrt: Handelslehre mit Korrespondenz, kaufmännische Rechtslehre (Bürgerliche Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch, Wechselordnung nach Auswahl), Buchführung (einfache und doppelle Buchführungsmethode, italienische, deutsche und amerikanische Methode und Durchschreibebuchführung als Vorübung für moderne Bureauorganifalion), kaufmännisches Rechnen, Stenographie und Maschinenschreiben. Der sprachlichen Ausbildung mit besonderer Berücksichtigung kaufmännischer Verhältnisse dienen folgende Fächer: Deutsch, Englisch (in der Höheren Handelsklasse auch Französisch) mit entsprechender Ko re'pondenz. Zur wirtschaststheoretischen Fächeegruppe gehören Dollswirtschastslehve, Wirtschastsgeographie. Warenkunde einschließlich Technologie. Der staatsbürgerlichen Erziehung dient die Dürgerkunde. Schwere Gasexplosion in Limburg. WSR. Limburg, 26. Febr. Eine schwere Gasexplosion ereignete sich hier in der vergangenen Rächt. Unter lautem Krachen flogen gegen 2 Uhr in der Frankfurter Straße sieben Kanaldeckel haushoch in die Luft und fielen dann zertrümmert zu Boden. Ein Polizeibeamter, der sich im Rachtdienst befand, wurde durch den Luftdruck zu Boden geschleudert und von einem Gisensplitter am Kops verletzt, so daß er in das Krankenhaus verbracht werden muhte. Anscheinend handelt es sich um einen Gasrohrbruch, doch ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die Bruchstelle zu finden. Ärieftasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.) 2TL2!t. Wenden Sie sich zunächst wegen Ihres vermeintlichen Anspruchs mit der Bitte um Bescheid an die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. und teilen Sie uns deren Antwort mit. Legen Sie dabei nochmals genau Ihre Verhältnisse dar. insbesondere auch, in welchem Arbeits- oder Dienstverhältnis Sie gestanden haben. 2H. 3. in R. Dringt aus dem Iaucheloch (Jauche- grübe) Ihres Nachbarn Pfuhl in Ihren Keller, Io liegt hierin eine unzulässige Einwirkung auf Ihr Grundstück (§907 BGB.). Dichtet der Nachbar seine Grube trotz Ihrer Aufforderung nicht freiwillig ab, so können Sie ihn beim Amtsgericht auf Beseitigung des Mangels verklagen. ft ft. in h. 1. Sie hätten den Wechsel nicht unterschreiben sollen, da Sie dem Gläubiger Ihrer Frau nichts schuldig waren. Der Ehemann haftet nicht für Schulden, die seine Frau im Brautstände gemacht hat. 2. Unter welchen Vorspiegelungen Sie zur Hergabe Ihrer Unterschrift unter den Wechsel veranlaßt worden sind, entzieht sich unserer Beurteilung. Infolge Ihrer Unterschrift haften Sie zu- nächst wechselrechllich, auch für die Kosten. Wie hoch letztere sind, können wir wiederum nicht beurteilen, da Sie. wie Sie schreiben, „die Papiere verbrannt haben!" Sie hätten sich in dem Termin in Mar- bürg Ihre Rechte vorbehalten lassen sollen. Befragen Sie sich dieserhalb sofort bei dem Gericht in Marburg, insbesondere auch wegen der von Ihrem Prozeßgegner geforderten Kosten, und lassen Sie diese gerichtlich festsetzen. A. h. in Grohen-vuseck. Eine Silberfuchs-Zucht- farm befindet sich u. W. in Herbstein. Die Errichtung eines gleichen Unternehmens war vor einiger Zeit in Bermutshain beabsichtigt, wir wissen jedoch nicht, ob diese Gründung zustande gekommen ist. Auf Anfrage bei dem Bürgermeisteramt Herbstein werden Sie zweifellos die gewünschten Adresien er- ii" ua, kaufen: 1767V Gießen, den 25. Februar 1929. Die G. B. Germania 1752D Die Beerdigung findet Freitag, den 1. März, nachmittags 2 Uhr statt 176 ID .Rosenbaum Die trauernden Hinterbliebenen. Glffien, Seltersweg 5811, den 27. Februar 1929. 1757D I772D 147 Stück Klasse 2, 65,16 fm abgeruten. 0888 120 17=30 ÄOlUierötÜA, ih 28. $c6tUdr 192911 Vermietungen nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, „ ■■■■■; y».........- k-c: — 1 Unno Unn n riI iS0HCQ Pens. Brandl B^'"og2 Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Bar- ,7471) mieten und Kommunion! 1265D schrank, 1 Wanduhr. Seide von Mk. 4.50 an Kunstseide . von Mk. 1.15 an Samte 90 und 70 cm breit, von Mk 4.50 an Gröbte Auswahl und Preiswürdigkeit! 5 Prozent Bar-Rabatt! HKachNachf d Kreuzplatz 15 Inh.Wilhelm Horn & Sohn Telephon 773 jSÄ’ 9642a Etienhandluni I746A r“H|i DieTrauerfeier findet Samstag. 2.Märzl929,vorm. 11 Uhr, In der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. 220 17 3, 46,39 4, 3,60 Am 25. Februar verschied nach kurzem Leiden unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante 95 350 500 1200 50 3 1b, 56,69 2a, 7,88 Anzüge Mk. 62.50, 45 75, 37.50, 30.00, 24.00 Kleiderstoff Wolle .... von Mk. 1.90 an In tiefem Schmerz: Anna Uhrig. Gießen, den 27. Februar 1929 Die Beerdigung findet Freitag. 1.März,nachm.4*/, Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Wir betrauern tief das Ableben unseres lieben A. H. In tiefer Trauer! Hermann Jordan Ludwig Jordan Walter Jordan nebst allen Angehörigen, 30 40 22 000 Ski Zu aus Los 4. „ 5. „ 6. Los 1. „ 2. „ 3. Personen-Auto Cdc14 16, Limousine. LuxuS. last neu. mit allen Neuerung- 8t>U0 km fiel., btS Ende Mai versteuert. Umstände Halver billig zu verkaufen. Z>chr. vmir. u. 1736D an den Metz. Anzeig. Kleeberg, den 22. Februar 1929. Der Bürgermeister. Hohn. -Knüppel. rm Kiefern-Scheit und -Knüppel. rm Kiefern-Retserknüpoel. Eichen- und Buchen-Wellen (mei- Hochelheim, den 26 Februar 1929. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Februar, nachmittags x/t2 Uhr statt Dern. Gerichtsvollzieh. in Gießen Steinstrabe 13 / Fernruf 4101. Zahlung: 185 Meter Kleiderstoffe, 55 Meter Seidenstoffe, 57 Meter Wollstoffe, 33 Mir. Samt, 23 Meter Dorhangstoffe, 20 Meter wollene Kleiderstoffe, 1", Zentner Packpapier, ein Warengestell, 4 Oiwandecken,.3 Jieisedecken, 1 Tischdecke, 5 Modellkleider, 8 Dorlagen, 11 paar Wanderschuhe, 73 wollene Kinder- anzüae, 90 Mir. Futterstoffe, 1 Korbmöbelgarnitur, 40DelourmaNen,4 Photoapparate, 180 Schwämme, 22 Lande Meyers Lexikon, 2 Kaffenschränke, 1 Silberschrank, 2 Bücherschränke, 1 Schreibtisch, 1 Diwan, 1 Rauchtisch, 1 Chaiselongue, 3 Schreibmaschinen, 3 Nähmaschinen, 2 Sofas, zwei Dertikos, 2 Klaviere, 3 Äüfetts, 2 Ladenlheken, sechs Warenschränke,2 Spiegel, 1 Grammophon, 1 Küchenschrank, 1 Ladenkasse, 2 Pferde, 1 Lastkraftwagen, 3 Ladenregale, 1 Kleider- M dr von d logen- freU r Offenb. 7. 13-17. Samstagabend 117, Uhr wurde meine innig geliebte Schwester Fräulein Emma Uhrig im Alter von 77 Jahren in die himmlische Heimat Burkhardsfelden. Wleseck, Oppenrod, Reiskirchen, den 26. Februar 1929. Zagdverpachlung. Samstag, den 2. Mar;, nachmittag» 1 Uhr. findet auf dem Rathause zu Bettenhausen die Verpachtung der hiesigen G< meindejagd auf sechs Jahre statt. Da; Jagdgebiet umfaßt 412 Hektar Feld uni 18 Hektar Wald. 17680 Die Bedingungen werden vor der Verpachtung bekanntgegeben. Bettenhausen, den 23. Februar 1929. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. Le i dne r. iVür 1. 4. wird o. einem Fräulein, das einen ' ,jabr. vandelSlursuS absolviert Hai u.tiber gute Borkenntn in Stenogr. und Lchretbm. oert eine Stellung als Volontärin gesucht. Schritt!. Angeb. uit. 1/zuD a. d. Gtz.Anz. erb. ade-Mäntel für Herren, Damen, Kinder Bademantel-Stofie zurSelbstanfeitigung elegant. Bademäntel i. größt. Auswahl neuestMuster ModehausSalomon,Schulstr. •764A geb. im 55. Lebensjahre. "en 6fa N- nc °er Gin- feen 6i ?>»! M bu, o Ji w Lume au in 1. Lllarz 15 lfijährigeS [o^t Mädchen für leichte HauSarb. Licker Str. 33 I. Gtammholz-Derkauf. Die Gemeinde Wißmar verkauft im Wege des schriftlichen Angebots: 1. 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Febr. morgens 10.30 Uhr unser innigstgeliebtes Albertchen im Alter von 4 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Karl Schmidt Sattler- und Polstermeister nebst allen Angehörigen. Krofdorf, den 27. Februar 1929. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 28. Februar 1929, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Gießener Straße 312 aus statt. 1 'n den Ni w völlige Welt, ■ Abnes Ur & S Er 238,06 fm Angebofe sind bis Dienstag, den 5. März 1929, nachmittag» 3 Uhr, bei der unterzeichneten LZüraermeisterei etnzureichen,woselbst die Eröffnung erfolgt. Nähere Aus- kunft erteilen Förster Kalber' ch und die Bürgermeisterei. Rüddingshaufen, den 26. Februar 1929. (Post Londorf). Bürgermeisterei Rüddingshaufen. Müssig. ZurKonfirmataon WmllMMn.Sm' Stahlblech und Kesselgcsielle empffchlt Gdgav Bovvmatttt „7. 1 „ 3b, 0,41 „ Zahlung vor der Abfuhr, spätestens 1. August 1929. Fichten müssen bis 15. Mai entrindet oder abgefahren sein. Auskunft: Förster Lucas. 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Februar 1929. meindevorsteher. ufint- «0* »et Hell' idel" ,ther 8C, alles l-'Kk Ichll»' (u.tRÄ W M i> unb Stange« fchenG m 28. Jebruat, wirb -- -chorn, Mooswalb .eebetßer Temeinbewall^ ffeMch an Ort unb w !n, unb Buchen-Schrit >rn-ScheU unb «StnupptL rchiorstllngswcllen). rngen 2. Msse. ingen ,Lfe werben au», den? flrmSiefemtnup^i1 irei|er DcrWl J vormittags lO Uhro. raße auf dem Schm- 2. Februar E Bürgermeister. ßöhn^,—— l , lim-- bitiid eli. 1745D uftfL Jer nbc" a f" W ,60. 39. etpoifW PQd)tun9Jbtt tati. ^■»»,w,ber‘' *■?«** * ' Siri ,ennei(tern - ----------- inio rsBE iS wigfl®e Abe A37ipIp Nr. 49 Zweites Blatt Oer Wohlstandsindex. In den Erörterungen, besonders der Pariser Presse über die Sachverständigenverhandlungen spielt seit deren Beginn der Wohlstandsinoex deS Dawesabkommens eine beträchtliche Rolle. Man redet Deutschland gut zu, es könne auf den Transferschutz verzichten, die 2,5 Milliarden Höchstsumme des Dawesplanes als eine dauernde Verpflichtung akzeptieren und diese Summe 60 Jahre lang bezahlen, denn — man werde ihm dafür die gewaltige Konzession machen, daß es von den Verpflichtungen aus dem sogenannten Wohlstandsindex befreit werde. Daß dieser Index existiert, ist allgemein bekannt: aber daß er in absehbarer Zeit die deutschen Zahlungsverpflichtungen aus dem Dawesabkommen wesentlich oder überhaupt erhöhen könnte, hat man bisher nicht angenommen. älnö in der Tat ist, obwohl dieser Index ziemlich bedenklich zusammengestellt und wenig durchdacht ist, die Gefahr einer solchen Erhöhung nur für einen Fall gegeben, um den wir uns wenigstens vorläufig nicht zu ängstigen brauchen. Die Konzession ist also nur eine sehr bescheidene, wenn wir sie überhaupt in Anspruch nehmen. Denn der Wohlstandsindex errechnet sich aus der Steigerung des Eisenbahnverkehrs, der Devölkerungsziffer, des Außenhandels, des Tabak- und Kohlenvcrbrauchs. Unb zwar beginnt seine Wirksamkeit 1930. Wir befinden uns aber ersichtlich in einer Periode wirtschaftlicher Depression, die für die nächsten ein bis zwei Jahre gegenüber der Aufblähung der Ziffern in den ersten Wiederaufbaujahren und unter dem Einfluß einer ziemlich großzügigen Anleihepolitik auf weiten Gebieten des öffentlichen Lebens eher Einschränkungen und Rückgänge als Steigerungen erbringen wird. Das wird sich voraussichtlich im Eisenbahnverkehr, im Tabak- und Kohlenverbrauch auswirken. Falsch ist zweifellos die Einführung der Bevölkerungsziffer und des Außenhandels in diesen Index und daran ist auch von Anfang an von den berufenen Kritikern und Statistikern Kritik geübt worden. Denn die Bevölkerungsziffer wächst automatisch, auch wenn damit eine Reichtumsvermehrung keineswegs verbunden ist, sondern eine Erschwerung für die arbeitenden Teile der Bevölkerung und eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Lind der Außenhandel ist in seiner Steigerung gerade in Deutschland keineswegs ein Maßstab vermehrten Reichtums, sondetn angesichts der Zwangslage, die deutsche Ausfuhr auch ohne Ruhen oder sogar mit Verlust zu steigern, um Devisen zu schaffen und den Reparationsverpflichtungen nachkommen zu können, eher ein Kriterium für die übermäßig hohe Belastung der deutschen Wirtschaft. Was in diesen Index hin- eingehöLle, wären die Anhaltspunkte für eine luxuriöse Lebenshaltung, also z.B. Alkoholver' riuch, Einfuhr von Seide, Champagner, Liköre, Parfümerien, Diamanten, Perlen usw. Aber davor Hot man sich gehütet, weil damit unter LImständen die Einfuhr Deutschlands an hochrentablen Produkten der Gläubigerländer getroffen worden wäre. Der Index gibt deshalb in seiner gegenwärtigen Form ein schiefes Bild, aber cs ist noch keineswegs gesagt, daß er ein so günstiges geben muh, daß sich daraus namhafte Zuschlagszahlen herleiten ließen. Außerdem ist seine Anwendungsform zweifellos ungerecht, insofern Rückgänge, die nach diesem Schlüssel fest- gestellt würden, nicht etwa zu einer Verminderung der Rormallast, sondern nur zu einem Aussehen der Zuschläge und zur Anrechnung der Minderungen auf künftige, wieder fällig werdende Zuschläge führen. Jedenfalls ist es älnfinn, zu behaupten, daß der Wegfall dieses an sich reformbedürftigen Wohlstandsindex eine gewaltige Erleichterung für Deutschland bedeuten und es zur Preisgabe des Beethovens „Missa solemnis“. Zur bevorstehenden Ausführung des Konzertvereins. Als Beethovens Schüler unö Gönner, der Erzherzog Rudolf von Oesterreich, dem Beethoven die große 8-Dur-Sonate, op. 106, gewidmet hatte, zum Erzbischof von Olmüh ernannt worden war, beschloß der Meister für die Inthronisation eine Messe zu schreiben. „Der Tag, wo ein Hochamt von mir zu der Feierlichkeit für Ihre Kaiserliche Hoheit soll aufgeführt werden, wird für mich der schönste meines Lebens werden, und Gott wird mich erleuchten, daß meine schwachen Kräfte zur Verherrlichung dieses Tages beitragen." (Beethoven an den Erzherzog.) Je mehr sich der Meister in den vorgenommenen Stoff vertiefe, um so gewaltigere Ausmaße nahm er an, und erst zwei Jahre nach der Einführung des Crzhe.zogs konnte Beethoven die handschriftliche Partitur abschleeßen. Eine Gesamtaufsührung des gewaltigen Werkes hat Beethoven niemals selber gehört: am 7. Mar 1824 wurden mit der Neunten Symphonie zusammen das Kyrie, Credo und Agnus Dei zum Erllingen gebracht. Die erste vollständige Aufführung der Missa solemnis fand im gleichen Jahre in Petersburg statt zum Besten d:r Musiker-Witwenkasse. Die deutschen Aufführungen folgten sehr spärlich 1830, 1844 und 1845. Ein dauerndes Interesse für das Werk wurde durch bai Eintreten lei Leipziger Riedel-Vereins in den sechziger Jahren wachgerufen. Daß der Meister sofort bereit war, eine Wesse zu komponieren, hatte seinen Grund in seiner persönlichen inneren Entwicklung. Der Kelch des Leides hatte für ihn den Höhepunkt erreicht. Die völlige Ertaubung trennte ihn von der Außenwelt, dazu kamen die Sorgen für seinen an Sohnesstelle angenommenen Reffen Earl. Die Abschließung von seiner Umgebung durch das Gehörleiden lieh feine Gedankengänge sich immer mehr den letzten Gründen des Snns zuwenden, dem Erleben des Göttlichen in der Ratur und in der persönlichen Erfahrung. Eine eigeirhändige Abschrift der Inschriften vom Tempel Reith zu Sais, die der Meister unter Glas auf feinem Schreibtisch stehen hatte, bestätigt diese Gedankengänge. „Ich bin, was da ist. — Ich bin alles, was ist, was war und sein wird, kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben. — Er ist einzig von ihm selbst, diesem Einzigen sind alle Dinge ihr Dasein schuldig." Wie stark Beethoven sich in feinem Schicksal von der göttlichen Macht Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 27. Zebruar 1929 Solidarität der Minderheiten. In Genf hielt vor einiger Zeit der Präsident der Genfer Minderheitskongresse, der Slowene Dr. Josef W i l f a n, einen Vortrag über die Minderheitenfrage. Er betonte, eS sei besondere Pflicht jeder Minderheit, Solidarität gegenüber anderen Minderheiten zu pflegen. Diese ermögliche es den Minderheiten, einander wichtige Dienste zu leisten und als aktives Element der Desriedung Muropas zu dienen. 2m Anschluß an seinen Vortrag trat Dr. Wilsan eine Reise durch Europa an, um die Beschlüsse der Dölkerbundligen in der Minderheitenfrage vorzubereiten. An der Aufrichtigkeit Dr. WilfanS, der sich beranntlich auch im Jahre 1925 für den schwerverletzten Führer der Banater Deutschen, Dr. Kraft eingesetzt hat, ist nicht zu zweifeln: er hat sich durch seine verantwortungsbewußte Tätigkeit in Sachen der europäischen Minderheiten europäischen Ruf und Achtung gewonnen. 2m schroffen Gegensatz zu seiner Rechtsauffasfung aber steht d ie Politik seiner slowenischen Volksgenossen dort, wo sie wie in Slowenien „S t a a t s v o l k" sind. Diese Politik weih nichts von Minderhcitensolidarität. Unb es muh betont werden, daß die Slowenen, die in der Bekämpfung und Verdrängung des Deutschtums in Slowenien an der Spitze stehen, unmittelbare Landsleute des Dr. Wilfan, als des Führers der slowenischen Minderheit in 2talien, und deS Görzer Abgeordneten Dr. Desednjak sind, nämlich Slowenen, die erst aus dem jetzt 2talicn unterstellten Küsten- lande nach Slowenien gekommen sind. Gerade im Kreise Marburg a. d. Drau erfolgte ja eine planmäßige Ansiedlung küstenländi.'cher Slowenen; zahlreiche Beamte, Lehrer und Geistliche (der gegenwärtige Bischof von Marburg zum Beispiel ist ein Triester Slowene) sind küstenländischer Herkunft. Diese Slowenen aus dem italienisch gewordenen Küstenlande haben die fafzistischen Methoden nach Slowenien verpflanzt: sie tragen mit den Hauptanteil an der Vergewaltigung des Deutschtums in Slowenien. Ebenso ist bei der slowenischen Minderheit i n Kärnten wenig von Solidarität für die bedrängte deutsche Minderheit in Slowenien zu bemerken. Eine ernste Probe auf das Exempel der von Wilfan als notwendig erkannten Solidarität der Minderheiten untereinander war der im Jahre 1926 von der deutschen Minderheit in Slowenien an die Kärntner Landesregierung gestellte Antrag auf Gewährung voller Schul» und Kulturautonomie für die slowenische Minderheit in Kämt en. Reben der neuen preußischen Minderheitenschulverordnung ist dieses öffentliche Eintreten der deutschen Minderheit in Slowenien für die slowenische Minderheit in Kärnten bisher der einzige ehrliche Ausdruck praktischer Solidaritätspolitik gewesen. Der Kärntner Entwurf -konnte leider, infolge llnnachgiebigkcit chauvinistisch slowenischer Kreise in Kärnten, nicht Gesetz werden. Die überragende Stellung Dr. Wilfans in der europäischen Rationalitätenbewegung aber sollte nicht nur ihn, sondern die slowenische Minderheitenpolitik in ihrer Gesamtheit verpflichten, gehe sie nun von Laibach oder Marburg, vom Küstenlande oder von Kärnten aus. Kann man für die eigene Minderheit fordern, was man als Staatsvolk einer anderen Minderheit verweigert? Man vergleiche die Politik der Slowenen mit den Bemühungen deutscher Minderheitenführer, die bei den berufenen gesetzgeben- den Stellen im Deutschen Reich ufnb in Oesterreich geradezu den Anstoß zu einer modernen Minderheitenpolitik gegeben haben. Einige Beispiele aus jüngster Zeit beweisen die fortgesetzte Desavouierung Dr. Wilfans unb seiner Arbeit durch die eigenen Volksgenossen. 2m Vorjahre muhte die eben erst gegründete Deutsche Liga für Völkerbund und Völkerverständigung in Slowenien ihre Tätigkeit auf Veranlassung des Polizeipräfekten von Marburg, eines küstenländischen Slowenen, einstellen. Wenn nun Dr. Wilfan demnächst zu den verschiedenen Völkerbundligen reifen wird, sieht er sich vor die peinliche Tatsache gestellt, daß er seinen deutschen Freunden in Südslawien keinen Besuch ab statten kann, weil diese als einzige keine Völkerbundliga haben, Ende Dezember vorigen 2ahres hielt Dr. Wilfan in _ elgrad einen Vortrag über die kulturelle Bedeutung des Minderheitenproblems: kurze Zeit darauf wurde das Ansuchen des politischen und wirtschaftlichen Vereins in Marburg a. d. Drau um Errichtung deutscher Parallelklassen abschlägig beschieden unb gleichzeitig im Kreise Marburg die Abhaltung des privaten Sprachunterrichtes für je drei deutsche Kinder verboten. Man protestiert gegen die ünter- drückungspolitik der 2taliencr, die den Dereins- besih der küstenländischen Slowenen beschlagnahmen und slowenische Zeitungen verbieten und stößt zu gleicher Zeit in Laibach das erstinstanzliche Urteil in Dachen des Deutschen Hauses in Cilli mit der Begründung um. daß die der deutschen Kultur- und Geselligkeitspflege dienenden Zwecke des Deutschen Hauses unmoralisch seien. Die Verantwortungslosigkeit der slowenischen Minderheitenpolitik wird schließlich noch durch die politische Maßregelung des deutschen Minderheitenführers in Slowenien. Dr. Morocutti, eindeutig charakterisiert. Dieser war es, bet 1924 zu einer gemeinsamen Schuhaktion der europäischen Minderheiten aufrief und durch seine Schrift: „Europa und die völkischen Minderheiten" 1925 die gedanklichen Grundlagen für eine europäische Solidaritätspolitik der Volksgruppen schuf. Er gab auch die Anregung für die Kärntner Denkschrift und trat als erster für die Gewährung der Knlturautoiwmie der Kärntner Slowenen ein. Die slowenischen Behörden aber enthoben diesen Mann seines Amtes als Kreisarzt unb ernannten an seiner Stelle einen ans Görz (also wieder aus „Reuitalien) stammenden Slowenen, namens Dr. Bacar. Die Frage bleibt: „Kann man für die eigene Minderheit fordern, was man selbst einer anderen Minderheit verweigert?" Wer selbst die deutsche Minderheit in Slowenien unterdrückt hat kaum das Recht, gegen die Vergewaltigung der Slowenen in 2talien zu protestieren! Die slowenischen Führer in Laibach unb Marburg fünbigen also nicht nur wider die von ihrem Landsmann Dr. Wilfan vertretene Solidaritäts- ibee, sie schaden nicht zuletzt ihrem eigenen Volkstum. den Slowenen in 2talien. TransserschuheL und zur llebernahme gewaltiger GesamtverspsliDungen auf zwei Generationen veranlassen könnte. Daß schon die Rormal- l e i ft u ng so hoch, ihre Aufbringung und Transferierung nur mit Hilfe ausländischer Anleihen möglich gewesen ist, die ja nicht Jahrzehnte hindurch fortgesetzt werden können, dürfte man auch in Paris mittlerweile erkannt haben. abhängig fühlte, dafür sprechen verschiedene überlieferte Bekenntnisse: „Gott, Gott, mein Hort, mein Fels, du siehst mein Inneres! O höre stets, Unaussprechlicher, höre mich — deinen Unglücklichen, Unglücklichsten aller Sterblichen!" — — „Hart ist der Zustand jetzt für dich: doch, der da droben ist, o, er ist, unb ohne ihn ist nichts!" Unter der Gewalt des Schicksalerlebens erfährt der überlieferte Messetext einen neuen, persönlich gefüllten Inhalt: .Alles, was Leben heißt, sei der Erhabenen (d. i. der Gottheit) geopfert und ein Helligtum der Kunst." Und fo vermag er sich über das konfessionelle Dogma zu erheben unb von der Warte des Künstlers zu einer neuen höheren Erkenntnis des Göttlichen zu gelangen und überlieferte Begriffe der Menschheit näher zu bringen unb der menschlichen Auffassung reicher und beglückender zu erschließen. Denn Beethoven ist der erste unter den Komponisten, der den modernen Menschen mit seinem (Segen- toartSerleben vertritt und dadurch auch unserer heutigen Empsindungs- unb Denkungsweise greifbar nahe steht unb darum mit seinem Werk einer um so nachhaltenderen Auswirkung sicher ist. Beethoven hat die Messe selber als fein .größtes und gelungenstes Werk" bezeichnet. Zeugnisse aus seinem Umkreis bestätigen das völlige Aufgehen des Meisters in der begonnenen Arbeit. »Gleich von Anbeginn sch.en sein ganzes Wesen eine andere Gestalt angenommen zu haben, welches besonders seine älteren Freunde wahmah« men, und ich muh gestehen, daß ich Beethoven niemals vor und niemals nach jener Zeit mehr in einem solchen Zustande absoluter Erdentrückt- heit gesehen habe, als dies vorzüglich im Jahre 1819 mit ihm der Fall gewesen.' (Schindler.) »Von Herhen — Möce es wieder — Zu Hertzen gehen", konnte Beethoven so mit Berechtigung über das Kyrie schreiben. Die innige Versenkung in die Mysterien deS christlichen Glaubens lieh ihn neue, andere Wege finden, als sie bisher in der Mesfenkomposition befchritten worden waren. Den liturgischen Anforderungen war das Werk durch die Größe der Darstellung entwachsen. Die Mittel des Ausdrucks, die er in dem vorhergehenden symphonischen Schaffen sich errungen unb geläufig gemacht hatte, wurden jetzt, befruchtet durch das erläuternde Wort, die Grundsteine eines neuen kirchlichen Stiles, der, in der Idee des Meisters gewachsen, durch seine Loslösung von der sinnlichen Klangempfindung an die Grenze dessen ging, was menschliche Stimmen herzugeben vermögen. Darum ist es nur solchen Chorvereinigungen Vorbehalten, die über ausreichende stimmliche Kräfte verfügen, unter der Führung eines hervorragenden Dirigenten an die Aufführung deS Werkes heranzutreten. Taten für Donnerstag, 28. Februar. Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonenuntergang 17.88 Uhr. — Mondaufgang 23.23 Uhr, Monduntergang 8.41 Uhr. 1683: der französische Physiker A. F. Rene de Rsaumur in La Rochelle geboren; — 1833: General Graf Alfred v. Schliessen in Berlin geboren. Das Kyrie („mit Andacht") beginnt mit weihevollen Akkorden und bereitet den Boden für den dreimaligen „Kyrie"-Anruf des Chores, der von Solostimmen aufgenom.. en wird, vor. Gleichsam als ein Dorbeter seht das Altsolo mit dem „Eleison“ ein, das im Chor nachklingt. Eine weichere Stimmung schlägt der Mittelsah „Christe eleison“ an, der vorn Soloquartett geführt wird und in dem C^>re sein Echo findet. Eine Wiederkehr des ersten Teiles läßt den Satz pianissimo verklingen in stiller innerlicher Andacht. Das Gloria legt Zeugnis ab von der Art, wie sich Beethoven in die Einzelheiten des Textes vertiefte unb burch den deklamatorischen Stil neue Wege fand, die textliche äleberlieferung geistig individuell zu durchdringen. Allegro vivace seht jubelnd das aufsteigende „Gloria "-Thema ein, dem sich als Einhalt das „Et in terra pax hominibus bonae voluntatis“ mit leisen Klängen entgegenstellt. Rach kurzem Aufwallen des „Laudamus te" versinkt der Chorklang im heiligen Schauer des Pianissimo „Adoramus te". Das majestätisch dahinschreitende fugierte „Glori- ficamus te“ wird wiederum durch einen Pianissi- mo-Ruf des „Adoramus te" unterbrochen, ben Gegensatz zwischen erhabener Gottheit unb nichtiger Menschlichkeit anucutenb. Eine Stimmung der Dankbarkeit prägt sich in bem folgenben Zwischensatz „gratias agimus tibi“, vom Soloquartett eingeführt, vom Chor aufgenommenen, aus. — In bas vom Orchester intonierte Gloria- thema hallen Unisono-Zwischenrufe des Chores hinein. Mit ben Worten „pater omnipotens" erreichte diese Stelle ihren klanglichen unb inhaltlichen Höhepunkt (Hinzutreten von drei Posaunen). Wo ftch der Text der Person Jesu Christi zuwendet, erklingen weichere Töne. Das sich anschlletzenbe Larghetto schildert die Leiden des Kreuzesweges in der Einleitung des Orchesters. Die Solostimmen finden mit chrer Interpretierung der Leibenstatsachen ihren Widerhall im Chor. Unterbrochen wird diese zaghafte Trauerstimmung bei den Worten „qui sedes ad dexteram patris“; mit dem gesteigerten „Miserere nobis" klingt dieser Teil aus. Ein Wirbel der Pauke leitet ein Allegro maestoso ein: „Quoniam tu solus sanctus“. Es führt hin zur großen Schluhsuge, deren Thema durch ben Chor entwickelt wird; bas Solo setzt mit ber Engsührung bes Themas ein. Die großen Steigerungen finben ihren Höhepunkt in einer machtvollen ünifonoftelle. Die Coda greift im Presto bas erste Gloria-Thema wieder auf unb führt unter erhabensten Klängen mit bem dreimaligen Gloriaruf die Lobpreisung zu Ende. Das Credo trägt noch mehr als das Gloria das Gepräge subjektiver Ausdeutung unb stellt Aus Oer Provinzialhauptstadt Gießen, den 27. Februar 1929. Oer Krankenstand im Januar 1929. Rach einer Zusammenstellung des Hauptver- bandes deutscher Krankenka.sen (Sih Berlin) weist die Zahl der arbeitsunfähigen Kranken bei den dem Verband angeschlossenen Krankenkassen im Januar eine außerordentliche Steigerung auf. Die Mitgliederzahl stieg im Berichtsmonat von 5 599 090 (2 970 876 männlich, 2 628 214 weiblich) auf 5 633 685 (3008 547 männlich, 2 625 138 weiblich). Während am 1. Januar 1929 die Krankenziffer noch 4,98 v. H. (1928: 4,8 v. H.) betrug (5,62 v. H. männlich, 4,25 v. H. weiblich), stieg sie zum 1. Februar auf 6,29 v. H (1928: 4,8 v. H.), davon 6,39 v. H. männlich, 6,18 v. H. weiblich. Den höchsten Krankenstand hatte die Krankenkaffe in Oldenburg (Stabt): 13999 Mitglieder, 13,44 v. H. aufzuweisen: der niedrigste Krankenstand wurde in Schlochau(Kreis) festgestellt: 5674 Mitglieder, 1,30 v. H. 2n Frankfurt a. M., wo eine starke Grippeepidemie herrschte, stieg die Zahl der Kranken von 5,23 v. H. auf 7,31 v. H. (Mitgliederzahl 200 021). Don hessischen Städten seien folgende Ziffern genannt: Darmstadt: 1. Januar 24552 Mitglieder (11942 männlich, 12 610 weiblich). 3,76 v.H. (5,30 v.H. männlich, 2,29 v.H. weiblich): 1. Februar 24 310 Mitglieder (11 666 männlich, 12 644 weiblich), 4,79 v. H. (5,85 v. H. männlich, 3,81 v. H. weiblich). — Mainz: 1. Januar 37 969 Mitglieder (20 250 bzw. 17 719), 3,18 v. H. (3,75 bzw. 2,53 v. H.): 1. Februar 37 304 Mitglieder (19 691 bzw. 17 613), 4,53 v. H. (4,93 bzw. 4,09 v.H.). — Offenbach (Stadt): 1. Januar 41053 Mitglieder (20 759 bzw. 20 294), 4,99 v. H. (6,25 bzw. 3,69 v. H.); 1. Februar 41 672 Mitglieder (21 232 bzw. 20 440), 5,99 v. H. (7,01 bzw. 4,94 v.H.). — Offenbach (Land): 1. Januar 21 016 Mitglieder (10 769 bzw. 10 247), 5,68 v. H. (6,52 bzw. 4,79 v. H ); 1. Februar 22 425 Mitglieder (11881 bzw. 10544), 5,75 v. H. (5,83 bzw. 5,65 v. H.). — Worms: 1. Januar 14 199 Mitglieder (8366 bzw. 3833), 4,68 v.H. (5,77 bzw. 3,10 v. H.): 1. Februar 13 803 Mitglieder (7761 bzw. 6042), 5,85 v.H. (6,91 bzw. 4,49 v. H.). — Die 211 Ig. Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) w ist folgende Zahlen aus: 1. Januar 9827 Mitglieder (5167 bzw. 4660). 3,93 V.H. (4,49 bzw. 3,30 v. H): 1. Februar 9935 Mitglieder (5190 bzw. 4745), 6,10 v. H. (6,63 bzw. 5,52 v. H.). — Allg.Orts- franfenfaffe Gießen (Land): 1. Januar 6828 Mitglieder (4379 bzw. 2449), 4.48 v.H. (4,54 bzw. 4,37 v. H.); 1. Februar 7074 Mitglieder (4520 bzw. 2554). 5,30 V.H. (4,82 bzw. 6,15 v.H.). Zu berücksichtigen ist. daß sich diese Ziffern nur auf die in den Krankenkassen des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen versicherten Mitglieder beziehen. Alle diesen Kassen nicht als Mitglied angehörenden Personen sind von der Statistik nicht erfaßt. In Wirklichkeit dürften die Kranken- zifsern also das Mehrfache der angegebenen Zahlen betragen. Gießener Verkehrswesen in alter Zeit. In den Jahren 1849 und 1850 wurde die Eisenbahn gebaut, die von Frankfurt am Main an Gießen vorüber nach Kassel fährt. Sie trug lange Jahre den Ramen Main Weser-Dahn. Die alten Leser imseres Blattes erinnern sich noch, daß bis zur Eröffnung des Frankfurter Hauptbahnhofes am 1. Oktober 1888 es in Frankfurt einen Main—Weser-Bahnhof und einen Taunus-Bahnhof gab; in den letzterem liefen die Züge ein, die von Mainz und Wiesbaden kamen. Der älteste Gießener Bahnhof befand sich am R eu st ä d t e r To r. Im Jahre 1854 wurde der Main—Weser-Bahn- an die ausführenden Stimmen wohl die stärksten Anforderungen. Man kann überall ein feinsinniges Rachgehen des Meisters bei der musikalischen Erfassung der Begriffe feststellen. Eine Wendung zum Mystischen bedeutet die Piano- stelle „et mvisibilium“ in dem Strom des Bekenntnisses. Aehnlich läßt sich auch der andere Einschnitt „ante omnia saecula" auffassen. Das Bekenntnis zum Gottessohne erfährt eine ber innerlichte Wendung bei der Betonung feiner Menschenliebe („qui propter nos homines“). Ein seltener Höhepunkt des Ausdrucks ersteht in dem Adagio „et incarnatus“, das mit einem Rezitieren des Textes auf einem Ton durch den Chor ausllingt. Ein Andante-Zwischensatz („et homo tactus est“) leitet zum „Crucifixus“ (Adagio espressivo) über, in dem Chor, Soli und Orchester mit starker Ausdruckskraft den Leidensweg künden. Um so stärker ist das Aufwallen bei der Schilderung der Himmelfahrt (aufsteigende Tonleiter). Die Derkündigung des jüng- ft en Gerichtes stellt charakteristisch „Lebende" und .Tote" gegenüber. Das wieder aufgenommene Credo-Motiv führt hin über feierliche Klänge zur großen Doppelfuge, die in dem Gedanken des ewigen Lebens gipfelt. Allmählich erhebt sich das Thema zu immer größerer Steigerung. Es scheint, als könne sich der Komponist in der Verherrlichung des älnsterblichkeitsgedankens nicht genug tun; in febarfgemeißeltem älnifono strahlt sich das Thema aus, die Musik nimmt fast einen Ausdruck der Erdentrückung an. Die Gipsel- fteigerung bringt die Coda (Grave) mit dem führenden Soloquartett und den ftarfen „Amen"- Akzenten; danach aber entschwindet der Satz mit einem im Pianissimo verklingenden „Amen". Während das Benedictus in der älteren Messe nur einen kurzen Teil im „Sanctus“ einnahm, gibt Beethoven ihm die breiteste Darstellung. Er verklärt diesen Satz klanglich durch die Solo Violine. Das ernste Bild des „Agnus Dei“ hellt sich im friedlichen „Dona nobis pacem“ auf. Beethoven dehnt die Bitte um Frieden auch auf den äußeren Frieden aus; kriegerische Klänge lassen daS „Miserere nobis" noch einmal wach werden, — das schreckhafte Intermezzo zieht vorüber. — Von neuem beschwört ein längeres Orchesterzwischenspiel Bilder des älnfriedens heraus. Wie aus der Verzweiflung heraus erklingt der Anruf des Chores „Agnus Dei"; die Kampsesklänge verhallen; die Gebetsruse im Soloquartett und Chor werden immer zuver sichtlicher, Friedensstimmung zieht ein. Wie der Ferne droht noch einmal die Pauke: Sric- densgewißhcit kündet sich im Schlüsse. Dr. H. Hof an di« Stelle verlegt, wo sich heut« der Gießener Bahnhof befindet. 3m Januar 1862 wurde die nach Köln führende Strecke gebaut, sie trug in der ersten Zeit den Namen Köln— Windener-Dahn. Eine besondere Feierlichkeit bei der Eröffnung dieser Dahn fand nicht statt, sie war rasch aufgebaut worden und war bei der Aufnahme des Betriebes nur notdürftig vollendet. Besonders im Bahnhof war alles noch ein sehr großer Notbehelf. Bauunternehmer aus Holstein und Schlesien waren mit vielen gut- geschulten Leuten gekommen, diese verdienten am Tage einen Taler, was für die damaligen Ber- hältnisse ein sehr hoher Lohn war. Mit vielen zweirädrigen Schubkarren wurde über Schienen die ausgehobene Erde in großer Eile herbei- gefahren. Tie Eröffnung dieser Dahn hatte zur Folge, daß der Preis der Steinkohlen plötzlich von 48 Kreuzer für den Zentner auf 36 Kreuzer und noch weniger sank. Nachdem man vorher nur mit Holz geheizt hatte, wurde jetzt die Steinkohlenheizung in vielen Gießener Familien eingeführt. Mit dem 1. Februar 1862 trat auch auf anderem Gebiete eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse ein. Seither hatte man Kreisboten, die in der Woche zweimal nach den Dörfern gingen, um Briefsachen hinzubringen, nun wurden sie als Postboten angestellt und gingen nach vielen Dörfern täglich, nach einigen wenigstens drei- bis viermal in der Woche. ** Das Kindererholungsheim vom Roten Kreuz in Schloß Bingenheim (Kreis Büdingen) wird am 23. März für Kinder des Mittelstands wieder eröffnet. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit den in den vergangenen Jahren dort untergebrachten Kindern infolge der kräftigen oberhessischen Luft, der guten und reichhaltigen Ernährung und individuellen Pflege bieten auch jetzt wieder die Gewähr für einen guten Erfolg. Das Heim steht unter der Leitung der Kreisfürsorgerin Schwester Käte Knoll, die von mehreren Schwestern und Kindergärtnerinnen unterstützt wird. Es können 12 bis 15 Kinder zu jeder Kur Aufnahme finden. Der Betrieb wird aus Mitteln des Hesiischen Roten Kreuzes (Landesverein und Alice-Frauenverein) finanziert. Die Kur beginnt am 23. März mit einer Mädchengruppe von 6 bis 14 3ähren und wechselt in vierwöchentlichem Turnus ab mit einer Knabengruppe von 6 bis 12 Iahren. Das Hessische Rote Kreuz glaubt mit dieser Einrichtung einem bestehenden Bedürfnis abzuhelfen, und hofft, daß gerade von Eltern des Mittelstandes, die bisher ihren Kindern eine Erholung nicht oder nur mit Schwierigkeiten gönnen tonnten, xecht zahlreich davon Gebrauch gemacht wird. ♦* Zuchtviehversteigerung in Gießen. Die erste diesjährige Veranstaltung des Verbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter am 13. März in Gießen wird wiederum mit hochwertigem ausgesuchten Zuchtmaterial aus den bekannten Zuchtgebieten des einfarbig roten Höhen- rindes Oberhessen, Wetzlar, Biedenkopf, Kur- Hessen und Westfalen beschickt. Zum Austrieb kommen etwa 50 Bullen über 14 Monate alt und tr-eibliche Tiere, darunter tragende Rinder usw. Das zum Verkauf gestellte Zuchtmaterial ist in den Herdbüchern der Unterverbände eingetragen und auf den Zuchtwert usw. vorgeprüft. Neben einem weitgehend^ Abstammungsnachweise siegen von einer großen Zahl weiblicher Vorfahren die Milchleistungsergebnisse vor. Alle Verkaufstiere bringen die wertvollen Nutzungseigenschasten im Milch-, Arbeit-- und Fleischtyp in vollem Umfange zur Erscheinung. Sie zeichnen sich durch feste Konstitution, große Wetterfestigkeit und hervorragende Gesundheit aus und vertreten den Typ des wirtschaftlichen Rindes für die Gebirgsgegenden. Die Leistungsergebnisie zrigen eine dauernde Steigerung, die Spitzenleistungen br- laufen sich in der Oberhesslschen Herdbuchgesesi- schaft Gießen auf 5322 Kilogramm Milch mit 3,9 Prozent — 206 Kilogramm Fett, in Kur Hess en auf 5096 Kilogramm Mich mit 3,8 Prozent = 194 Kilogramm Fett, in Biedenkopf auf 4332 Kilogramm Milch mit 4,2 Prozent = 183 Kilogramm Fett usw. Dabei werden die Kühe zur vollen Gespannarbeit herangezogen. Die Lebendgewichte ausgewachsener Kühe liegen zwischen zehn bis zwölf Zentner, die der fünfvierteljährigen Bullen zwischen acht bis zehn Zentner. ** Wünsche zum Musterkoffertarif der Reichsbahn. Nachdem in jüngster Zeit die Schweiz und Oesterreich eine Herabsetzung des Mu- sterkofsertarifs um 33 bzw. um 50 v. H. beschlossen haben, hat der Verband reisender Kaufleute Deutsch- III. Tag des Kammerspielzyklus. Theater der Musikalischen Komödien. Vor dem Weltkriege erhielt der Musikwissenschaftler Dr. Erich Fischer vom Staate den Auftrag, in den Bibliotheken nachzuforschen, um Musikwerke aufzufinden, die der Vergessenheit anheimgefallen waren, um sie dem Musikleben wieder zugänglich zu machen. Der Erfolg seiner Bemühungen war derartig reich, daß ihm bald eine große Zahl wertvoller Notenschätze (Lieder, Arien, Singspiele u. a.) zur Veröffentlichung zur Verfügung stand. Den aufgefundenen Singspielen war die Lebensfähigkeit meist durch ungeeignete Texte vereitelt worden. Da begann Fischer unter Anregung und Hilfe seiner Mutter neue Handlungen zu ersinnen, die in ihrem Aufbau so angelegt waren, daß die Notenfunde dafin an geeigneter Stelle eingefügt werden und zur Geltung kommen konnten. Schon während der Ärieasjahre empfand man es besonders wohltuend, im Gegensatz zu der leidigen Operettenmache, daß die wieder erweckten musikalischen Werte im Rahmen der „M usikalischen Komödien" der Oesfenllichkeit bekannt wurden. Der Erfolg des nun schon über ein Jahrzehnt florierenden Unternehmens ist nicht zuletzt in der überaus großen Geschicklichkeit und Vielseitigkeit im Erfinden neuer textlicher Grundlagen zu sehen. Wer in ihnen irgendwelche hochdramatischen Konflikte suchen wollte, würde ebenso fehlgehen wie der, dem an einer weittragenden Tendenz gelegen ist. Beides steht den Nachdichtungen denkbar fern. Sie wollen nur den vergessenen Musikalien bienen und ihnen eine Stelle anweisen, in der sie sich ihre Geltung erhalten können. Und darin liegt die Größe und Bedeutung der Fischerschen Bearbeitungen, daß sie ganz aus dem Geiste des vorliegenden musikalischen Materials heraus geschaffen wurden, also Art und Durchführung der Handlung so erstanden sind, daß man die fertigen Werke durchaus als eine organische Einheit anzusehen vermag. Ohne die Musik würden die Handlungen in ihrer Naivität uns vielfach simpel und auch nicht sonderlich intereffant erscheinen; aber durch bä« einzelnen Musikstücke erhalten sie ihr inner* Zum 400jährigen Jubiläum des Kleinen Katechismus. Don Professor Or. D. Diehl, Prälat der Hessischen Landeskirche. Am Montag, 25. Februar, sprach auf einer von über 350 Männern besuchten Dorfkirchenvorsteher-Tagungin Reiskirchen (Kreis Gießen) Prälat Dr. D. Diehl über den Kleinen Katechismus: „Was er unseren Vätern war, und wie er uns das wieder werden kann". Dir Tagung eröffnete Pfarrer Wahr, Gießen, a.s Vorsitzender der Dorfkirchenvereinigung mit kurzem Hinweis auf die Bedeutung solcher Zusammenarbeit von K.rche und Wannern. Einer der Vorfahren des Vorsitzenden unserer Tagung, Pfarrer Johannes Armbrüster, wurde wegen seines zähen Festhaltens an Luthers Kleinen Katechismus aus seinem Amte verjagt und fand dann in Winnerod und zuletzt in Reiskirchen wieder Anstellung. Ein typischer Fall damals im Marburger Land, als Landgraf Moritz einen Katechismus nach reformierter Zählung der zehn Gebote u. a. m. einführen wollte. Viele Geistliche widersetzten sich dem neuen Katechismus; sie wurden ihrer Stelle enthoben. Als Küster, Glöckner fanden sie Unterkunft, mancher war Jahre lang ohne Amt und 'Brot. Nach Tausenden zählten in deutschen Landen diese treuen Männer, die ihre Stellung aufgaben, um des Kleinen Katechismus willen. Schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, besonders im Dreißigjährigen Krieg, ging es in allen großen Streitfragen immer wieder um den Katechismus. Verbrannte man in der Gegenreformation Luthers Bibel, so hielt man sich an den Katechismus und verwahrte ihn auf der Brust und in der Rocktasche. So ist es zu erklären, daß Gegenden, trotzdem 20 bis 40 3ahre der katholische Gottesdienst gehalten wurde, die Kinder katholisch getauft und erzogen wurden, rein lutherisch blieben. Mit gutem Grund hatte der lutherische Kleine Katechismus ungeheuere Bedeutung für das Voll. Es ist eine falsche Anschauung, daß mit der Reformation daS Dibellefen begonnen hätte. Vor 400 Jahren konnten in unseren Dörfern keine drei Leute schreiben und lesen. Die ganze Bibel war noch nicht übersetzt; nur das Neue Testament lag vor. So führte der Katechismus, ein Büchlein mit nur wenigen Seiten, die Leute grundlegend an die evangeliften Wahrheiten heran; er führte sie hinein in die Welt der Bibel. Und buefer Katechismus schuf eine christliche lutherische Volksgemeinschaft. Sie schuf eine Volksgemeinschaft zum erstenmal. Weil im 18. und 19. Jahrhundert das Voll sich kastenmäßig schied, meinen wir, auch das 16. Jahrhundert sei kastenmäßig geschieden gewesen. Das war vorher der Fall. 3m Mittel- alter waren Fürst und Untertan keine geschlossene Einheit, weil nicht nur der weltliche, sondern auch der geistliche Herr in alle Dinge, weltliche und geistliche Angelegenheiten bis hinein ins Famisienleben dareinredete: im Hessischen nicht nur der Landgraf, sondern auch der Erzbischof von Mainz. Jetzt aber wurde unter dem Druck der großen sittlich-religiösen Gesetze, die in Luthers Katechismus zusammengefaht waren, diese Einheit gefunden: nicht nur in der Familie, sondern auch im Volksleben. Studentenbriefe aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Marburger Archiv aufbewahrt, beweisen es. Man toanbte sich an den Landesvater und trug ihm seine Not vor, wie ein Kind dem Vater. Und die höchste Stelle antwortete persönlich. Wo wäre das heute möglich? Die Dureaukratie steht dazwischen. 3m 16. 3ahrhundert aber war keine Dureaukratie, sondern wirkliche Berührung von Mensch zu Mensch. Der Wert des Menschenlebens wurde nicht gemessen nach der Stellung, die der einzelne einnahm, nicht nach Geld und Reichtum usw. Ihre Feuerprobe bestand diese große lutherische Volksgemeinschaft im Dreißigjährigen Krieg. Unter Pest, Zusammenbruch lernten sich die Menschen aneinander an. Keiner fragte, weh Standes er war; jeder suchte, dem anderen zu helfen. Dieses große Vollgefühl wurde funbamentiert durch den Kleinen Katechismus. Darum wurde der Katechismus dec „heilige" Katechismus, die Laienbibel Dr. Martini Lutheri genannt. Daß der Katechismus das wurde, verdankte er der genialen Art, mit der hier Luther die Bibel, die tiefften und letzten Grundgedanken des Evangeliums, ins Deuten und Leben des deutschen Volkes übersetzte. Der Vortragende wieS im einzelnen, an den drei Artikeln, an den 10 Geboten nach, wie Lucher aus innerster Erfahrung und Verständnis der biblischen Welt das Gesetz Mosis, die drei Artikel der alten Christenheit in die Sprache seines Volkes übersetzte, wie nur der es kann, der fein Volk kennt und die Sprache seines Volkes zu reden weiß, well er dem Volk „auf8 Maul" sieht. Wunderbar ist es, wie Lucher in den drei Artikeln die philosophisch-hellenistischen Gedankengänge in persönliches Bekenntnis des Glaubens überseht. Nicht um die Rätsel der Welt und der Schöpfung handelt es sich im 1. Artikel, sondern um das Rätsel deines Lebens: daß du deine Abhängigkeit von Gott erfährst und alles, was du bist, deine leiblichen und geistigen Gaben, deinen Besitz, dein Amt, deine Arbeit, dein Leben aus Gottes Hand nimmst und daraus etwas machst, deinem Gott zu Ehren, deinem Nächsten zu Nutz. Das ist's, was von dir gefordert wird; das ist's, was Glauben heißt. Diese Kraft der Uebersetzung biblischer Gedanken ins Leben schilderte der Vortragende eingehend auch am 2. und 3. Artikel, am 1. Hauptstück: den 10 Geboten. Ueberall wird deutlich, wie die Richtlinien einer neuen Zeit sichtbar werden, wie die großen sitt- lich-religiösen Erfordernisse der erregten Zeit zusami: .ngebaUt werden in wunderbarer Eindringlichkeit und Wucht mit dem Glauben an Gott, der der Vater ist, an Christus, der der Herr ist: schenkend und fordernd, die Menschen hineinstellend ins Leben, ihm zur Verantwortung und Rechenschaft für die Gaben, die sie empfangen haben. Und mögen es geistliche Gaben fein, es ist gleich: unser Leben ist verhaftet Gott zum Besten des andern. Aufs stärkste und innerlichste tritt die Wahrheit heraus: Glaube ist nicht Lehre, nicht Erkenntnis, sondern Gott fürchten und lieben und ihm gehorsam fein mit dem ganzen Leben. Wir stehen in einer Zeit, wo alles auseinanderströmt, Adel, Bürger, Bauer, Arbeiter, jeder Stand, und wo jeder Stand erst wieder durch schlagwortartigc Parolen zusammengeballt wird: Parolen, so exklusiv, so parteilich eingestellt, daß die Volksgemeinschaft zerreißt. Nach der Revolution gab es eine Zeit, wo Volksgemeinschaft hätte werden können. Dieser Augenblick wurde verpaßt. Wir werden Volksgemeinschaft nur werden von tieferen Grundlagen her. Das hat die Weimarer Verfassung bewußt oder unbewußt gesehen, indem sie der evangelischen Kirche eine neue Stellung gab, sie mit neuen Rechten ausstattete. ES ist Wahrheit: Volksgemeinschaft ist notwendig, ist Gottes Wille. Hier kann der Kleine Katechismus zum Führer werden. Das kann im evangelischen Volke werden durch Vereinfachung und Verinnerlichung des Unterrichts im Katechismus, der kein Lehrbuch, erst recht kein Schulbuchs sondern ein Lebensbüchlein für unser Volk ist. Los vom Schulbuch!, das muh die Parole werden. Daran arbeiten Pädagogik und Theologie, daß man sich wieder zurückfinde zum Kleinen Katechismus als deHLaienbibel unseres Volkes: das Büchlein befreit von allem systematischen Ballast, mit dem Theologen und Pädagogen es bepackt haben. Dom Katechismus- bcten, von der Katechismuspredigt, von neuer Behandlungsart in jeder Stufe des Unterrichts (Schule, Konfirmandenunterricht, Christenlehre), von dem großen Ernstnehmen deS Katechismus sprachen bte Schlußworte. Der Vortrag war von starker persönlicher Note, ein Bekenntnis, das in Herz und Gewissen traf. -Y lands, Sitz Leipzig, namens der Zentralstelle der am kaufmännischen Berufsreiseverkehr beteiligten Verbände seine jahrzehntealte Forderung auf Einführung eines gegenüber dem allgemeinen Gepäcktarif ermäßigten Musterkoffertarifs erneut bei der Deutschen Reichsbahngesellschast, Hauptverwaltung, erhoben. liches Leben und so breiten sich oft anmutige und reizvolle Bilder und intime Stimmungen voller Beschaulichkeit vor dem Hörer aus. Stets halten sie sich frei von irgendwelcher sinnlichen Lüsternheit, und so werden sie gern als eine Gelegenhell zu anregender Ausspannung hingenommen. Vielleicht kommt hier noch einmal ein Prinzip zum Durchbruch, das die Entwicklung der älteren Oper beherrscht hat. Genau so wie damals derselbe Stoff immer wieder von den verschiedensten Komponisten vertont wurde, also das Interesse am szenischen Geschehen zugunsten des Interesses für die Art der musikalischen Durchgestaltung zurücktrat, so wird auch hier in den Fischerschen Komödien *ble Handlung erst durch die mit ihr verbundene Musik eines besonderen Interesses würdig. Die Handlung zu dem Spiel „Das alte Lied" tst angeregt worden durch den Fund eine» verschollenen Mozart sie des durch Erich Fischer in Donaueschingen im Jahre 1914. Geschickt hat er es verstanden, die beiten im ® reif en* kostüm sich gegenüberstehenden jugendlichen Partner unter dem Eindruck und der Auswirkung deS Mozartliedes die Gelegenheit zur „Reif» ins Iugendland" sinden zu lassen. Karl Ditters von Dittersdorf, desien Singspiel „Doktor und Apotheker" In den letzten Jahren wiederholt von deutschen Bühnen zu neuem Leben erweckt worden ist, gibt mit feiner Musik der drastischen Kaffeeklatschgeschichte trotz ihrer Alltöglichkell wirksame Pointen. („Eintracht ernährt!") Man muß es der Regie Erich Fischers besonders anrechnen, daß er feine Kräfte so auS- gewählt hat, daß sie sich stets in den Rahmen des Ganzen zu fügen vermögen. Eine gewisse ‘B-*- weglichkell im Spiel ist allen eigen, und es fehlt ihnen auch nicht ein gewisser Zug zum Burlesken wie in der Kaffeeschlacht. Mehr noch aber ist die musikalische Befähigung der einzelnen Mitwirken- den ins Gewicht fallend: mit ihr steht und fällt die letzte Auswirkung der Ausführung. Sogenannte große Stimmen, wie auch eine reißerisch; Art des Singens wären hier nicht am Platze. Charlotte Tetchmann und auch Erich A- CoI - Un sind durch ihr gesangliches Können für ihre In seiner Eingabe hat der Verband darauf hin- gewiesen, daß der Musterkoffer ein notwendiges Handwerkszeug des reisenden Kaufmanns und die unerläßliche Vorbedingung für die Ausübung seiner Berufstätigkeit ist, und daß es deshalb nicht mehr als recht und billig ist, wenn ihm gegenüber dem ge- Rollen gleich prädestiniert. Beide verfügen über recht sympathische Stimmittel, beiden ist eine angenehm berührende Art zu fingen eigen. 3n Elsa Bartl besitzt das komische Element eine typische Vertreterin, so, wie sie spielt und singt, wird sie nie die beabsichtigte Wirkung verfehlen. Als musikalischer Leiter fungierte recht geschickt am Flügel Lothar Grünberg. 3n der Pause versuchte er, für die Dolkslied- spende zu werben. Dr. Erich Fischer, der an der Spitze dieser Bewegung steht, hat sich zum Ziel gesetzt, auf die Entwicklung des modernen volkstümlichen Liedes befruchtend zu wirken. Ein jeder, ob Musiker, ob Dilettant, soll berechtigt fein, Melodien, die ihm zu irgendwelchen Texten einfallen, an den Leiter der Bewegung ein» Ausenden. Die Eingänge werden durch Dr. Erich Fischer gesichtet und die für wertvoll befundenen Lieder in besonderen Wahlheften, von denen bereits zwei erschienen sind, ohne Nennung des Verfassers veröffentlicht. Diese Lieder werden dem Urteil der Musikfreunde anheimgestellt, indem jeder aufgefordert wird, dein Herausgeber die ihm besonders zusagenden Lieder zu bezeichnen. Die Lieder, die die meisten Stimmen erhalten, sollen dann in besonderen Dolkslieder- heften bekanntgegeben werden. — Wieweit diese Bestrebungen Erfolg haben werden, wird die Erfahrung lehren. Charlotte T e i ch m a n n brachte einige Proben aus den Wahlheften zu Gehör, die beim Publikum durch den lebendigen Vorttag und die melodiöse Art sehr ans^rachen. Hochschulnachnchien. Der durch den Weggang des Professors Julius Schniewind nach Königsberg an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Neutesta- mentlichen Tchevlogie, ist dem a. o. Professor Lic. Dr. Jeremias an der Universität Berlin angeboten worden. Zum Aacyfolger von Prof. Max Schneider auf dem Lehrstuhl der Musikwissenschaft an der Universität Breslau ist Professor Dr. Willibald ®urlitt von der Universität Freiburgi.D. in Aussicht genommen. wohnlichen Gepäck eine Sonderstellung ein geräumt wird. Nicht unerwähnt gelassen wurde weiterhin, daß die Verteuerung der Benutzung der Eisenbahn immer mehr Berufsangehörige zur Abwanderung auf das Auto veranlaßt. Es wäre, abgesehen von dem gün. stigen Einfluß auf den allgemeinen Warenverkehr, sicherlich auch kein Nachteil für die Deutsche Reichs- bahn-Gesellschaft, wenn sie den reisenden Kaufleuten ihren berechtigten Wunsch erfüllen würde. •• D ie Zimmermeister-ZwangSin- n u n g hielt am Samstag im Schipkapaß eine Innungsversammlung ab. Nach kurzer Begrüßung durch Obermeister Rinker (Nonnenroth) wurde zunächst der mit 510 Wk. abschließende Voranschlag für 1929 genehmigt. Ebenso wurde über eine vom Vorstand beantragte Satzungsänderung endgültig Beschluß gefaßt. Bei der Besprechung allgemeiner Innungsfragen wurde von verschiedenen Rednern auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse im Zimmererhandwerk hingewiesen und dabei zum Ausdruck gebracht, daß sowohl der hessische Staat, wie auch die Gemeinden, trotz aller Finanzschwierigkeiten dem Gewerbetreibenden beim Einkauf von Holz weitgehendst entgegenkommen mühten. Dies gelte insbesondere bezüglich der Zahlung von Zinsen und der Durchführung von Zwangsmaßnahmen. Auch über das wieder stark sich bemerkbar machende Borgunwesen wurde lebhaft Klage geführt. Der Vorschlag des gemeinschaftlichen Holzeinkaufs fand mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Durchführung keine Gegenliebe. Zum Schluß wies der Vertreter des KreiSamts auf die Notwendigkeit des handwerklichen Zusammenschlusses hin, dabei besonders die Aufgaben der gewerblichen Vereine und Innungen hervvr- gebente Der Evangelische Arbeiterver- e i n hielt am* Samstagabend im Dereinslokal feine Jahresversammlung ab. Nach dem vom Vorsitzenden, Stadtv. Kirchner, erftattenen Jahresbericht hat sich der Verein auch im abgelaufenen Dereinsjahr günstig entwickelt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 253. Der Rechenschaftsbericht ergibt eine Einnahme von 722.27 M?., eine Ausgabe von 690.08 Mark. Die finanziellen Verhältnisse der Sterbekasse deS Vereins sind günstig. Die Einnahmen betrugen hier 765.70 Mk., die Ausgaben 300 Mark. Auch die Gesangsabteilung des Vereins hat gute Fortschritte gemacht. Neu eingerichtet wurde ein Bläserchor. Bei den Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wiedergewählt. unter Hinzuwahl von zwei neuen Vorstandsmitgliedern. Oberheffen. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 26. Febr. Am Samstag ftfett derKreditoereinHeuchelheime. G. m.b.H. seine diesjährige, sehr gut besuchte Hauptversammlung ab. Wie der Jahresbericht zeigte, hat sich die Genossenschaft auch im abgelaufenen Geschäftsjahr recht aut weiter entwickelt. Die Bilanzsumme zeigt in Passiva und Aktiva den Betrag von 837 358,40 Mark. Der Jahresumsatz hat sich gegen das Vorjahr von 6 4-35 568 Mk. auf 9 912 776 Mark erhöht, der Reingewinn von 3467,69 Mark wurde dem Reservefonds überwiesen, die Zahl, der Genossen hat sich von 366 auf 393 erhöht. Die satzungs« gemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrots, Ludwig K r ö ck, H. S a ck lll. und Fr. Karl Rinn, wurden wiedergewählt. Neu gewählt in den Auf- sichtsrat wurde Hermann Römer für das freiwillig ausgeschiedene Mitglied Ehr. Volk mann. Don besonderer Bedeutung ist der Beschluß, daß die Kreditgrenzen pro Geschäftsanteil auf 6000 Mk. neu festgesetzt wurden. 5b Alten-Buseck, 26. «Jfebr. Während der Passionszeit sind die üblichen Sonntagnachmittags-Gottesdienste in Abendgottesdienste umgewandelt worden. Daß damit einem Wunsche zahlreicher Gemeindemitglieder entsprochen worden ist, beweist der gute Besuch deS Gotteshauses. Das Vorhandensein der elektri- schen Heizungs- und Beleuchtungsanlage wird dabei angenehm empfunden. — Eine erhebliche Verletzung zog sich der Landwirt Wilhelm Wagenbach zu, indem er sich beim Holzhacken durch Ausgleiten des Beiles den Daumen der linken Hand glatt ab sch lug. -f- Grünberg, 26. Febr. Die Landwirtschaftskammer für Hessen veranstaltete hier am Montag im .Rappen" einen Saatgutmarkt. Ausgestellt waren Proben für die FÄhjahrssaat, etwa 30 Sorten Hafer, 20 Sorten Gerste. 20 Sorten Kartoffeln, sowie einige Sorten Sommerweizen, Mais. Runkelrüben und Rotklee. Die Franlenwein — Kranlenwein! Auf einer fröhlichen Weinreife, die der ausgezeichnete Kenner Fedvr von Zobeltih durch Baden, Schwaben und Franken unternommen hat und die er, immer durch kulturgeschichtliche Rückblicke vertieft, im Mär,heft von Delhagen & Klas ings Monatsheften launig schildert, kommt er nach dem Markgräfler, Trollin- get und ihren Verwandten auch auf den Bocksbeutel und feiste Sippe zu sprechen. »Franken- Wein — Krankenwein!" rühmt ein alter Spruch, vielleicht noch aus den Zeiten der Pest, und berühmte Kliniker wie Virchow, Laube. Bergmann haben ihn empfohlen. Aber man braucht weiß Gott nicht krank zu fein, ein kerngesunder Mensch kann ihn als Hausttmnk ebenso lieb gewinnen. Stein und Leiste sind seine berühmtesten Lagen geblieben. Den Steinwein pflegt man fcäafig nach der uralten Form feiner Flasche als „Bocksbeutel" zu bezeichnen, und so heißt er auch in G. T. A. HoffmannS »KreiS- leriana“ des »Kater Murr". Don gleichem Adel, etwas mllder und süffiger für einen fröhlichen Kneipabend, ist die Traube der Leiste. ,3n den Riesenhallen der Kellereien der Residenz, deS Bürger- und IuliuSspitals sah ich," fährt Zobel- titz fort, »die fränkischen Edelweine in ungeheuren Faßgebinden, Kostbarkeiten wie Würzburger Stein und Harfe Auslese, Innere Leiste. Ränder' faderer Lämmerberg neben den wohlfeileren Gewächsen vom Repperndorfer Berg, vom Eschen- berger Fürsten berg, vom Sommeracher Katzenkopf — es gibt gar viele — und den offen verschenkten wie den Sulzfelder Altenberg und den Randersackerer Marsoerg, die mir bei einem Rundgang durch die Heineren Deisel in den engen Gaffen der Innenstadt trefflich den Durst löschen halsen. Eine Sonderheit der großen Kellereien sind die ovalen Fässer, m denen sich nach altem Düttnerglauben der Wein besonder- gut klaren soll und die oft künstlerisch reich geschnitzt finb. Giganten, wie die »Deamtenwein- fässer" früherer Zeit im Hofkeller (das größte hält 660 Eimer zu je 68 Liter) baut man heute kaum noch." S'A r^K iei,enbeMau?t1^ l«n toürbe lach für«» 'S ei», Kitt (m?n ^tüi u4St 3P*S * N°^Z Säs “ä'&’U 'A* si auf *4«! Innungen hmw> ? Jkteinilofal *• N btm S L,":"' Mrm ^ein auch im qU, entwickelt. Die W Der ÄechenschallS« >e v«i /M X ft ?S ttnan-iel- Ile de- Tktttni |inb Wn bi« TOM, 4 die VelMg-Mei- Zorilchriiie gemach!. Diälerchvr. Dei ba eidenden Tothcmbt nter tzinzulvahl dm ttern. Fen. liefen br. Am Tmnrtag hick elheim e.G.m.o.ch suchte -auptver^ r Kchresbericht zeigt,, auch im nbgelaufenr entwickelt. Die Bilanz Aktiva den Betrag dm rumlatz hat sich geg« Jtt. auf 9912776 2Rart 3467,69 Mark mürbe m, die Zahl der Sr- . )3 erhöht. Die fatzungr ieder des Auffichtrroif und Fr. Karl Sinn, gewählt in den Hu'1 Ömer für do- frei b Chr. Söllnianr. ft der Beschluß M ftsantell auf 6000 SRI «rbr. Mhrend bet Mchen Sonntagnach- Ibendgottes- M N damit ein® meindemitgliedcr em' 8 der gute M » uMtin der euchtangsantage VM n - Slne erW . sich beim W3"" Öen Säumen der ^Ä' ßanN* Tan7ent»ein! iinteife. sä*?' Ä )U fpw^itÄ Zeiten der ^u6(l emplohl^ «y n als 5“"; r.^ |k> und 2^ Stci^ . lieben- fjj K:;K- SA'Äe ö^e Gtz Altenberg ei»s> 3'eS SUZ M-K Prober: entflammten aus den von der Land- Wirtschaftskammer anerkannten hessischen Saatbaustellen. Die Ausstellung erfreute sich eines sehr starken Besuches feiten- der Landwirte der Umgegend, und eS wurden zahlreiche Bestellungen aus Saatgut aufgegeben. Die Preise für daS Saatgut richten sich nach den Dotierungen des Frankfurter Produktenmarktes. Zu der dort festgesetzten Höchstnotierung einer Sorte treten Zu- fch'äge. die für Getreide bei erster Absaat 3 Mk., bei zweiter Abfaat 2,50 Mk. betragen. Saat- Hafer stellt sich danach auf etwa 15 Mk., Dactt- gerfte auf 15 bis 16 Mk. pro Zentner. Bei Saatkartoffeln treten zu dem Grundpreis ebenfalls Zuschläge, die hier für ersten Rachbau 2,50 Mk., für zweiten Aachbau 2 Mk. pro Ztr. betrügen. • Watzenborn-Steinberg. 26. Febr. Der Landw. Konsumverein e. G. m. b. H. Watzenborn-Steinberg hielt am Samstagabend seine ordentliche Generalversammlung. verbunden mit der Feier deS 40jährigen Bestehens ab. Die meisten Mitglieder waren mit ihren Frauen erschienen. Direktor Johannes Sommer VII. und Rechner Karl Hirz II. erstatteten den Geschäftsbericht. Der Abschluß für 1928 wurde als günstig bezeichnet und eine Warendividende von 8 Prozent bewilligt. Aach Erledigung der üblichen Tagesordnung gab der Präsident Ludwig Philipp einen Bericht über die Gründung und bisherige Entwicklung des Vereins. Oberrevisor Hartmann überbrachte d.e Glückwünsche deS Hess, landw. Genossenschaftsverbandes und referierte über die Bedeutung der ländlichen Genossen- schasten. Die Stellung der Frau gegenüber dem Konsumverein wurde besonders charakterisiert. Kaufmann Köhler, L ch. übcrmi'.lel e die Glückwünsche der anwesenden Lieferanten. Bei Musik und sonstiger Unterhaltung verbrachten die Teilnehmer frohe Stunden. gr. (Srüningen, 26.Febr. Am Montagabend wurde in unserer Kircbe der Palästina-Film voraeführt. In seinen fünf sehr lebendigen und abwechslungsreichen Teilen konnten die zahlreich Erschienenen in Gedanken eine Reise an die wichtigsten historischen Stätten des heiligen Landes mitmachen. Der erste Teil führte nach Bir Salem (Brunnen des Heils) und in das Syrische Waisenhaus; der zweite nach Bechlehem und Nazareth; der dritte an den Bach Kith. Im vierten Teil wurden die Lehrwerkstätten des Syrischen Waisenhauses besucht, und der fünfte zeigte den letzten Weg Jesu. Zwischen den einzelnen Teilen waren passende Bilder eingefügt, so daß die ganze Veranstaltung für die Besucher eine rechte Feierstunde war. Für die Innere Mission gingen rund 60 Mark Kollekte ein. =F Cid), 26. Febr. Am Samstagabend hielt die Vereinigung der Kampfgenossen, eine kameradschaftliche Vereinigung von Altoeteranen aus dem Kriege 1870/71 und Teilnehmern aus dem Weltkrieg, ihre diesjährige Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage, erstattet vom Rechner Ludwig Schöne, zeigte, daß die Finanzlage des Vereins recht günstig ist; sie fand einstimmige Genehmigung. Der Vorstand, der zum größten Teil wiedergewählt wurde, setzt sich aus folgenden Personen zusammen: 1. Vorsitzender Wilhelm Weigel, 2. Vorsitzender August Hisgen Rechner Ludwig Schöne, Schriftführer Karl Rau, Beisitzer Heinrich Vater, Karl S t e u I, Ludwig Lißmann, Jakob Schmidt und Fahnenträger Heinrich Hofmann, der dem Vorstand angegliedert wurde. An All- Veteranen zählt der Verein noch zwei: Polizeidiener i. R Heinrich Schmidt V. und Bäckermeister Hch. Petri. Des Tages von Gravelotte (18. August) soll zu El)ren der Altveteranen in diesem Jahre besonders gedacht werden. An dem Tage soll ein Preissch'.eßen der Vereinigung stattfinden, am Abend soll ein Film gezeigt werden. • Rieder-Bessingen, 27. Febr. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt am Samstagabend in der Gastwirtschaft von Lotz unter dem Vorsitz des 1. Kommandanten Brück Das große Grauen. ZRoman von H. A. von Byern. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. 17 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Keine Sorge und ein klein wenig Geduld, da heißt eS diplomatisch fein, nichts überstürzen, jetzt haben Sie an mir einen Bundesgenossen ...“ „Lind einen treuen Freund. daS weih ich'." „Ra, also, da kann's uns ja gar nicht fehlen, sind ich will Ihnen auch gleich meinen Feldzugsplan entwickeln, gnädige Frau. Mit der Tür ins HauS fallen darf ich nicht, daS würde alles Derberben. Ich begleite den Vinzenz auf seinen Aeviergangen, bringe ihm so nach und nach bei, daß Ihr Gesund.)eitszustand unbedingt eine schleunige Luftveränderung erfordert, und passen Sie auf. in ein paar Tagen fängt er selbst davon an, dann meint er nämlich, der Gedanke sei von ihm! Wenn man die Leute zu etwas bringen will, braucht man ihnen nur einzureden, das, waS sie tun sollen, sei ihr eigener freier Wille, da hat man alle am Dand'l — auch die Klügsten!" .Wenn Sie das zuweg' brächtenl" Ein dürstendes Verlangen stand in den Blicken der jungen Frau, ein gläubiges Hoffen. Ihr Gesichtchen war ein bißchen blaß, die frischen, roten Farben fehlten und der sprühende Heber- mut. Ich lenkte ab. „Kommen denn Perneggs manchmal herüber?" .Ja--a, schon, der Aiki hat allweil zu bauen.. .Lind sonst ist gar fein Verkehr?" „Riemand." „Hm, dann ist's freilich kein Wunder. Etwas Ansprache muß bet Mensch doch haben, und Sie sind von Keresz-Erdö her mc.jr Leben gewohnt." „Ach, daran liegt's nicht." fiel sie schnell em, „nur — schauen S. ich bin in der Puhta groß getooröen und hier die Berg', die vielen, vielen Berg. das alles drückt auf einen wie ein Alp, man kommt sich so klein vor und ... so ... fremd." .Heimweh?!" „Vielleicht ein bisset! wohl und... oft hab' i so eine Sehnsucht nach Ruh'..." „Wer die haben Sie doch hier!" wollte ich sagen, doch ein Blick auf das arme, blasse Gesichte! lieh mich schweigen. Mit geschlossenen An en lehnte Fr^u So h) in den jucht.nen £eb v liffen, aus denen ein feinet, Heroer Dust auf- {lieg. Hnb nun sah ich auch ein paar kleine, charse Fältchen — Fältchen wie mit dem Stahl- griffel gezogen, die früher noch nicht dagewesen waren... Gin jäher Windstotz zerriß für einige Sekunden ihre Generalversammlung ab. Der Kommandant erstattete den Bericht über daS verflossene Geschäftsjahr und begrüßte dann die neuen Mitglieder bet Weht. Weitet würbe bet Bericht über die Iahtestechnung entgegengenommen und dem Rechnet Entlastung erteilt. Ehren- kommandant Hau wies auf die Pflichten des Feuerwehrmannes hin und ermahnte die Mitglieder. eS allezeit mit ihren Verpflichtungen seht ernst zu nehmen. Kameradschaftliche Geselligkeit beschloß den Abend. ! Hungen, 26. Febr. AuS Anlaß des zehnjährigen Bestehens deS Hessischen Land- jugendbundes findet hier am 1., 2. und 3. Juni ein Landjugendbundfest in größerem Ausmaße statt. Die Ausschüsse sind bereits mit den ersten Dorberettungen beschäftigt. Cs soll ein historischer Festzug stattfinden, an dessen Ausschmückung sich sämtliche Ortsgruppen der Umgegenb durch Ausrüstung von Festwagen usw. beteiligen wollen. Die hiesige Gruppe des Reit- und Fahrvereins des Hessischen Land- jugendbundes hat sich bereit erklärt, durch rei- letische Vorführungen an der Ausgestaltung des Festes mitzuwitken. Kreis Friedberg. 2$. Dad-Rauheim, 26. Febr. Wie schon kurz mitgcteilt, findet am 4. und 5. März im hiesigen Kurhau'e eine ärztliche Tagung statt. Es ist die Deutsche Gesellschaft für Kreislaufforschung, die hier zu ihrer zweiten Hauptversammlung (Uiamrn en tritt. 18 größere und kleinere Referate bedeutender Fachgelehrter des In- und Auslandes stehen auf der Tagesordnung. Gesellschaftliche Veranstaltungen der Bad- und Kurverwaltung umrahmen das Arbeit'Programm. 11. a. findet ein Kammcrmufik- abend der Meininger Landeskapelle mit Generalmusikdirektor Heinz Bongartz am Flügel statt. Die Vorbereitung und Leitung der Tagung liegen in Händen von Prof. Dr. Weber, dem Leiter der medizinifch-toisienscha tstchen Abteilung deS hiesigen Balneologischen Instituts. — Heber die Hygiene des Wanderns hielt Sanitätsrat Dr. Hirsch im Taunusclub „Wetterau" einen wertvollen Vortrag. Selbst eifriger Cünger deS Wandersvorts, entwickele der Redner überzeugend die hygienischen Wanderregeln, die der Tourist zu befolgen hat, wenn das Wandern den ost gepriesenen günstigen Einsiutz auf Leib und Seele ausüben soll. 2l Dad-Rauheim. 26. Febr. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten bcschäf- tigte sich in längerer Aussprache mit den zukünftigen Strompreisen. Die vom Dcrwal- tungsrat des Lichtwerkes vorgeschlagene Festsetzung der Preise wurde angenommen. Es handelt sich dabei durchweg um eine geringe Reduzierung der seitherigen Preise. Die neue Festsetzung läßt wahlweise zwei Tarife zu, einen reinen Verbrauchstarif und einen Zeittarif nach Gießener Vorbild, welch letzterer beabsichtigt. den Absatz zu billigem Preise zu heben. Die Reuregelung gilt nur für das Rechnungsjahr 1929. lieber die Regelung der Unterhalt u n g s p f l i ch t der Frankfurterstraße (Ortsdurchfahrt) ist mit der Provinzialdirektion Gießen eine Vereinbarung getroffen worden, die die Zustimmung der Versammlung sand. — An der C r n st - Ludwig- Schule (Reformrealgymnasium i. E. und Oberrealschule) fand heute unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Dr. M o l z die mündliche Reifeprüfung statt. Sämtliche 24 Oberprimaner, darunter 5 Schülerinnen, bestanden. Kreis Büdingen. 1! Büdingen. 26. Febr. Heber „Die Entwicklung des Eisenhüttenwesens im Vogelsberg int Laufe der Jahrhunderte" sprach am Samstag Lehrer Sauer auS Ober-Lais im Büdinger Geschichtsverein. Leider war der Saal des Hotels „Zum Stern" nicht so beseht, wie man es ange- Dauer die feuchtschwere Rebelmasse, gab den Blick frei auf die Tiroler Alpen — schwarz, schwer, wuchtig und drohend ragten die Felswände auf. waren umkränzt von düsteren, schweigenden Radelwäldern. Und über den zackig zeicklüfteten Derghäuptem hingen Wolken, sanken Hemieder wie wehcndc, weihe Bahrtücher, hüllten alles in ein stumpfes, gleichförmiges Grau... Ich fröstelte, breitete noch eine dichte, warme Kamelhaardecke über Frau SophyS Knie. Sie lächelte mich an mit dem dankbaren Blick eines KindeS: „Wie lieb von Ihnen, daß Sie gekommen sind!" „Aber — ich bitte, gnädige Frau. daS war doch selbstverständlich! Rur schade, daß so ein miserables Wetter ist." — Wir sprachen über gleichgültige Dinge, gaben uns redliche Mühe, unbefangen zu scheinen — und doch war da noch so viel Unausgesprochenes — Dinge, die man nur ahnen konnte. Der Weg nach Schloß Terofal kam mir noch einmal so lang vor wie früher. Richts war zu hören als das Raunen des Windes in den Wipfeln, das Rauschen der Wlldach Ich zog den schweren Fahrmantel enger um die Schultern und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Endlich! Die ersten, fchindelgedeckten Einödhöfe tauchten auf, ein langgezogenes Hupensignal, und das Auto glitt lautlos die Kastanienallee entlang, hielt vor der Rampe. Sedlmaher trat an den Schlag: „Ist der gnädiae Herr zu Haus?" „Rein, Frau Baronin..." Die Halle machte heute in der fahlen Beleuchtung des trüben Regentags einen düsteren Eindruck, kaum daß man die Umrisse der Geweihe erkennen konnte. Frau Sophh blieb stehen. „Sie wohnen natürlich wieder in Ihren Zimmern — wenn es Ihnen recht ist, in einer halben Stund' trinken wir Kaffee..." Langsam ging ich den dunklen Mur hinab, hinter Ander! her, der meinen Koffer trug, trat in den hohen Wohnraum — ja. hier war alles twch wie sonst, nur die Berge konnte man nicht sehen, ein dichter, grauer Schleier hüllte alles ein, legte sich tote eine Tarnkappe zwischen das Tal und die Regionen deS ewigen Schnees. „D'fehlen der Herr Baron an Bad?" „Ja, Ander! — wenn es keine Umstände macht?" ..Ah, na!“ Der Diener schmunzelte: ^Hab' mir"8 eh' schon denkt, is alles ferti!“ Wie neugeboren fühlte ich mich, als ich eine halbe Stunde später in das Speisezimmer trat. Dort brannte schon die roibeschirmie Hängelampe, warf ihren fraulichen Schein auf das blendend weiße Damasttischtuch, das blifrenbe Silber, die blattdünnen Tassen und zauberte einen Hauch von Farben auf Frau Sopherls Wangen. sicht- deS sehr interessanten Vortrages hätte wünschen können. Lehrer Heusohn, der 2. Dor- sitzende deS Vereins, leitete an Stelle deS erkrankten 1. Vorsitzenden die Versammlung. Lehrer Sauer verstand eS. daS interesiante Thema zu einer Darbietung von sehr beachtlichen Qualitäten auSzubauen und alle Gäste des Abends zu fesseln. Sie Waldschmieden des Seementales wurden besonders gewürdigt und nach Ujrer Entwicklung in vier Abschnitte eingeteilt. Herr Sauer nimmt als älteste Erzgewinnung des Seemen- tales einen „Rennosen" auf dem Schnittberg bei Büdingen an. Zur Entfachung der notigen Ofen- glut habe lediglich der scharfe Luftzug auf der Spitze des BergeS beigetragen. Der Schmelzofen in der FinkerSlache — Schuhbezirk Rindcrbügen — muh schon zum zweiten Abschnitt gerechnet werden, da man hier bereits mit der Waldschmiede die Rähe einer Quelle aufgesucht habe. Der nötige Wind wurde durch inzwischen erfundene Handblasebälge dem Ofen zuaeführt. Als eine Schmelzhütte des dritten Abschnittes sei der „Hammer" bei Büdingen anzusehen. Hier wurden die Blasebälge durch Wasserkraft angetrieben. Ob zu gleicher Zeit auch eine ähnliche Hütte in Rinüerbügen bestanden hat. konnte der Redner zur Zeit noch nicht angeben, da die Untersuchungen in dieser Hinsicht noch nicht abgeschlossen sind. Das Produkt aller dieser Hütten sei Schmiedeeisen gewesen. Als Brennstoff benutzte man Holzkohlen. Die Erze wurden von den Schmelzern in Schächten gegraben, und anfangs ungewaschen, später gewaschen verhüttet. Zahlreiche alte Schächte, Pingen genannt, könne man heute noch in den Wäldern feststellen. Mit Einführung größerer Oefei^, und verbesserter Blasebälge habe man plötzlich flüssiges Eisen, sog. Gußeisen, gewonnen, womit man zunächst nichts anzufangen wußte (Saueisen). Später wurde dann auch dieses Eisen durch einen Glüh- oder Frischprozeh schmiedbar gemacht. Dies sei die vierte Periode der Eisenverhüttung. Als typisches Beispiel führte Herr Sauer die Waldschmieden im Drachttale an. Daß jedoch im Seementale neben diesem schmiedbaren Eisen auch gußeiserne Ofenplatten usw. heraestellt worden sind, erscheint dem Redner zweifelhaft. Eine beachtliche Rolle auf diesem Gebiete habe dagegen die Hütte in Hirzenhain gespielt. Sie kommt schon 1375 als „Waldschmiedestadt zu Hirzenhain" vor. Diese Waldschmiede seien freie Männer gewesen, ein Umstand, der dazu führte, daß die Waldschmiede in alten Urkunden kaum erwähnt werden. Ihr Tun und Treiben sei vom Volke mit abergläubischer Scheu beobachtet und in vielen Sagen verherrlicht worden (Wieland). Der 30jährige Krieg habe fast alle Hütten zerstört. Rur wenige Oesen wurden nach diesem Kriege in unserer Gegend neu angeblasen. Hirzenhain wurde 1650 neu in Betrieb genommen. Reuenschmidten, Friedrichshütte und Schellnhausen kamen noch hinzu. Hirzenhain lieferte seine Erzeugnisse bis nach England. Der erste Hochofen mit Koksfeuerung wurde dortselbft im Jahre 1678 erbaut. F. W. Buderus habe diese Hütte auf eine beachtliche Höhe gebracht, und heute sei Hirzenhain die einzige Hütte, welche von den zahlreichen Vogelsberghütten noch im Betriebe sei. Herr Sauer zeigte anschließend einige Lichtbilder von alten Schmelzöfen und ihren Er- Zeugnissen. Reicher Beifall belohnte den Redner für seinen interessanten Vortrag. Eine kurze Aussprache schloß sich an und gab Gelegenheit, einige weitere Fragen zu klären. Mit Dankes- Worten konnte Lehrer H e u s o h n den Abend beschließen. △ Ridda, 26. Febr. Bei der gestern hier im „Gambrinus" abgehaltenen Brennholzverst e i g e r u n g beS Forstamts Ridda waren die Preise fast dieselben, wie bei der vorigen Versteigerung. ES wurden durchschnittlich für den Raummeter bezahlt: Duchen-Scheitholz 16 bis 17 Mk., Duchen-Knüppel 11 bis 12 Mk., Buchen- Stocke 8 Mk. und Buchen-Reisig 2,50 Mk. „Run? Sind Sie leidlich zufrieden?" „Leidlich? Ich bitte Sie, gnädige Frau! Immer wenn ich in Terofal bin, komme ich mir vor wie in einem verwunschenen Märchenschloh. Aber — ist denn Vinzenz noch nicht daheim?" Die junge Frau trat an das Fenster und blickte hinaus in die sinkende Herbstnacht. „Alleweil treibt er’S so, schon seit drei Wochen, ich seh'n kaum noch...", und plötzlich ein Ausschlüßen ... Im nächsten Augenblick stand ich neben ihr. „Aber... ich bitte! Liebe, gnädige Frau — waS. ja was um Gottes willen ist denn nur?!" Sie wandte sich um, versuchte unter Tränen zu lächeln. „Verzeihen Sie, d' Rerven halt und — ich bin in so großer Sorg', der Vinzenz meint, eS sei ein Wild rer im Revier — wann ihm nur nix g'schieht." „Ein... Wilderer?!" Sie nickte. „Ja, und... und... eS iS ja hellichter Unsinn ... er red't immer vorn Hubertus Silvester." Unwillkürlich pfiff ich leise durch die Zähne — also doch! Fast hatte ich mir so etwas gedacht ... der alle Spleen oder... eS tonnte auch mehr sein als nur eine fixe Idee... Ein Frösteln lief mir über den Rücken... nein, daS nicht, bloß das nicht...! In der Halle klangen schwere Schritte, eine Stimme... ich riß die Türe auf. , Vinzenz I" „Allerle!" Sekunden später stand er neben mir, tastete in der halben Dunkelheit nach meiner Hand. „Allerle!" Seine Hünengestalt war nur undeutlich zu erkennen, ich zog ihn an den Lichtkegel, der breit und gelb aus der geöffneten Tür fiel. In kleinen Rinnsalen tröpfelte der Regen von dem harschen Lodenstoff nieder. „Teifi, Teisi, iS döS. a Sauwetter, und — natürll wieder umsonst... Aber sag' nur g rab, bist mir net Hard, daß .. „Schluß!" Ich hakte meinen Freund einfach unter. „Ziehst du dich erst um ober.. .V „Ja freili — kommst d' mit?" Dedlmayer hatte das Licht angedreht, der Vinzenz warf seinen Filz auf einen Stuhl. „Laß di nur erst mal anschau'n, Alterle!" Ich muhte mich zusammennehmen. um mir meinen Schreck nicht anmerken äu lassen. Ganz tief lagen dem Vinzenz von Andrian die Augen in den Höhlen, flackerten in unruhigem Glanz, und um den Wund zuckte eS. So hatte er damals ausgelehen, in Tanga, während der schweren Fieberdettrien. ... Er schien meine schwrigendr Musterung unangenehm zu ernpsinden, wandte sich kurz ab und trat zu einem Wandschränkchen. Kreis Schottert. -4- Schotten, 26. Febr. Der Vorstand des SängergaueS Vogelsberg-Süd beschäftigte sich in seiner vorgestrigen Sitzung mit den gesanglichen Veranstaltungen in dem laufenden Gefchäftsjahre. Da der 1. Gauvoriitzende Storck (Altenstadt) wegen Erkrankung sein Amt niedergelegt. leitete der 2. Vorsitzende Sühel (Schotten) die Tagung. Durch weitere Anmeldungen ist die Zahl der Gauvereine auf 49 angewachsen. Zum Oautoer- tungSftngen in Schotten am 5. Mai wird als Pflichtchor „Wo gen Himmel Eichen ragen“ von Heinrichs gelungen. Das zweite Lied ist ein Wahlchor. Das Singen findet in den beiden Sälen der hiesigen Turnhalle statt. An daS Kritiksingen schließt sich ein Umzug mit Musik und Fahnen an, bei dem der Masienchor an der Kirche zum Vortrag kommen soll. Die Reihenfolge, in der die einzelnen Vereine auf treten, wurde durch das Los festgelegt. O Laubach. 26. Febr. Einen genußreichen Aoend bot gestern im „Schützenhof" fernen Mitgliedern und den Bewohnern der Stadt der h'.e- sige Kriegerverein durch einen Vortrag des Kapitäns a. D. W. v. S e n ö e n. Der Redner schilderte in anschaulicher Weise unter lrbhaftem Beifall feinen Werdegang vom Schiffsjungen bis zum Kapitän und feine Erlebnisse während seiner 42jährigen Tättgkeit. einschließlich des Weltkriegs. Der Dorttag wurde durch treffliche Lichtbilder erläutert. Vorher wurde eine scharfe Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge beschlossen. — Wie wir meldeten, eröffnet» die Eisengießerei Römheld, die bis zu Ende deS vorigen Jahres auf der „Friedrichshütte" bei Ruppertsburg bestanden hat, am 5. Januar ihren Betrieb in dem hier unwett des Bahnhofs neuerrichteten Fabrttgebäude. Infolge der un©?- wöhnlichen Kälte mußte der 2etrieb bald aussetzen. Ende voriger Woche konnte jedoch wieder gegossen werden. Die Schlosserei und die Dreherei der Fabrik find jetzt fertiggestellt, sowie auch, bis auf einige Kleinigkeiten, die Formerei. Die Fabrik beschäfttgt zur Zett wieder gegen 30 Arbeiter. wg. Gedern, 26. Febr. Am Sonntagabend veranstaltete der G u st a o - A d o l f. D e r e i n in der Kirche eine Feierstunde, in welcher der nach dem Karl Schönherrschen Drama angefertigte Film „Glaube und Heimat" uir Vorführung gelangte. Die von Choralgesängen umrahmte Feier wurde durch den Schriftführer des Schottener Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung. Pfarrer Fritsch (Herchenhain), eröffnet, der In einem einleitenden Vortrag die zahlreich^ Erschienenen auf die Gegenreformation und ihre Folgen für den Protestantismus hinwies und dann eine klare Einführung in den Film gab. Der tiefe Eindruck der Stunde wurde erhöht durch die Schlußworte, in denen Pfarrer Fritsch xur Treue im Glauben und gegen die Heimat mahnte. Den Ausklang bildete dasLutherlied. • Ruppertsburg, 26. Febr. In unserer Gemeinde ist die ©rippe Jo stark aufgetreten, daß die für nächsten Montag für hier ungesagte Dorf - kirchenoorstehertagung um 14Tage verschoben werden muß. Sie findet nunmehr am 18. März statt. Der Direktor der Inneren Mission in Darmstadt, Pfarrer Röhricht, und die Ooer- schwester des Mädchenheims Glauburg werden über Familiennot sprechen. Kreis Alsfeld. •!* Ruppertenrod, 26. Febr. Glücklicherweise tritt die Grippe in unserem Orte bis jetzt nur sehr vereinzelt auf. Es fehlt bei uns kaum ein Kind beim Unterricht. — Da unsere Kirche immer noch keine Heizung hat, mußte bei der grimmigen Kälte letzthin der Lele- gottesdienst zweimal ausfallen. Dieser Winter dürfte allen Gemeindegttedern bewiesen haben, daß man ohne ausreichende Heizung der Kirche nicht auskommt. „Wvll'n die Lebensgeister erst am al a bissel auffrischen, gelt?“ Mit zitternder Hand goß er ein Wasserglas halb voll Kognak, leerte es auf einen Zug. „Sixt, dos tebefit dö Rerven, bö malefizlschen wieder auf.“ „Ja, und nachher kommt der Rückschlag — treibst du das schon lange so?" Mit einem Ruck schleuderte er die Grobg-rna- gelten von den Füßen, griff nach der frischen Wäsche. „Alterle, tu' mir die Stab und frag' heut net, ’S Stünderl kommt schon, wo ich dir alles verzähl' ..." „Bleibst doch a paar Tag'?!" In der Frage lag etwas tote zitternde Angst. ,23a, Vinzenz, solange wie ihr mich braucht, du und Frau Sopherl. .. ,,D' Sopherl — ja," ein weiches Läcbeln und dann wieder diese müde Sttmme. „Hast v' a gute Fahrt g'habt?" „Dank' schon, das Wetter hätte frellich besser sein können, aber ich war nun einmal in München. .. „Wer dir das glaubt!“ „Wieso?“ Er hakte seine Schnürschuhe zu. „Mein Frauerl wird's hall mit der Angst g’friegt haben, hat depeschiert. ...“ „Und wenn's so wäre?" „Es ist so!" Der Vinzenz schob seinen Arm unter den meinen. „Komm.“ Frau Sophy sah mich fragend an, als wir in das Speisezimmer traten, ich nickte ihr zu, setzte mich und tränt schweigend den falt gewordenen Kaffee auS. ES wollte kein Gespräch in Gang kommen. Mein Freund schob den Teller zurück. „Lass' nur, Sopherl, i hab' kan Hunger net. .. „Aber — Vinzenz, etwas mußt du doch wenigstens essen!" „2 brauch' nix. ..." Er stand auf, ging ruhe- loS int Zimmer hin und her — hin — und — her. immer mit denselben gleichmäßigen, langen Schritten. die Hände auf dem Rücken. Plötzlich blieb er stehen. ..Heut' hab' i 'n wieder g'sh'n. ..." ..Wen denn? Den Wolf?!“ „Ra, den — andern, den. den Lmnp'n droben im Seekar, koane fünfhundert Schritt waren'S mit'm Spektiv hab' i jed'S Visier! verkennen können — no, amal wochfin ma schon noch z'samm. mir zwoa!" Ich schwieg, was hätte auch alles Reden für einen Zweck gehabt? (Fortsetzung folgt) 17«D Der neue Chevrolet 6 Cylinder ist da Beste Qualität trotz des billigen Preises Unverbindliche Besichtigung erbeten. Vertreter: OTTO FABER, FAHRZEUGE Telephon 1096 Gießen MQhlstraße 22 Phaethon..... . . Limousine ........ 1/s T-Lleferwagen, Chas. . . I3 4 T-Lastwagen, Chas. . . Mk. 3995. Mk. 4395. Mk. 9995.— Mk. 3955.- Bießener Konzertverein Bauerscher Gesangverein e. V„ Gießen Leitung: Dr. Stefan Temesvary I5I9D Gesang-Verein IM«. »t Samstag, den 2. März, abends 81/, Uhr, im Cafä Leib Der Akadem. Gesangverein - Das Frankfurter Symphonie-Orchester Solisten: R. Ginster (Sopran) - R. Arndt (Alt) - L. van Tulder (Tenor) H. Schey (Baß) - J. Nebeling (Orgel) - 6. Lenzewski (Solovioline) Eintrittskarten: RM. 5.-, 4.- und 2.50 bei Ernst Challier (Fernruf Nr. 671) und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1.50 nur bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweis. wozu wir unsere werten Mitglieder nebst Angehörigen herzlich einladen. Oer Vorstand. heute und morgen eintreffend. h32d Heinrich Kalbfleisch Undichte Dächer • und Valkone aus Pavve, Wellblech, Zink, Beton oder Holzzement werden durch einfaches Ueberltreichen bezw. Aufträgen des immer plastischen neuartigen Bedachungsmaterials Donnerstag, 28. Febr. 1929,19.30 Uhr pünktlich, in der Stadtkirche NEUNTES KONZERT Beethoven Missa solemnis wie neu. 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Sowie: Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt Astoria-Liditspiele Heute letzter Tag: Die Hölle von Montmartre Ab morgen bis einschließlich Sonntag: Maciste und der Sträfling Nr. 51 6 spannende Akte mit MaclMe. der stärkste Mahn der Welt, in der Hauptrolle. — Ferner: Hölle der Liebe Ein Gesellschaftsdrama in 6 Akten, mit Vivinn CHbeon, Erich Ka>«er-Tit/., Wilh. Dieterle in der Hauptrolle. 74 IC Oeürflnöel 1864 / Mitglied des Deutschen und des Hessischen Sängerbundes fL Sonntag, 3. März 1929, nachm. 4 Uhr, In der Aula der Universität KOM ZIERT Leitung: Chormeister Otto Oörlach imsd Mitwirkende: Musikkorps des I. (Hessischen) Grenadier-Bataillons 15. Inf.-Reglments / Leitung: Obermusfkmelster Wilhelm Löher Es gelangen zum Vortrag: Chöre von E. Kremser. C. Weldt. W. Kienzl. H. Mar- schner-Laugs, W. v. Möllendorff. W. Moldenhauer, G. Weber, H. Heinrichs und V. Keldorter. — Orchesterstücke von C M. v. Weber. Fr. Schubert. F. Mendelssohn Eintrittskarten imVorverkauf bei E. Challier, Neuenweg, u. nachmittags a. d. Kasse Eintrittspreise: 1. Platz RM. 2.00. 2. Platz RM. 1.50. 3. Platz RM. 1.00 II. Samstag, den 2. März 1929, abends 8 Uhr, in der Aula der Universität Konzert für Mitglieder mit gleichem Programm Die Mitglieder erhalten für das Konzert am Samstag, dem 2. März, 3 Karten zum Vorzugspreise von RM. —.75 je Karte. — Ausgabe dieser Karten bei Mitglied Fritz Lotz, Frlyurgeschätt, Bahnhofstraße gegen Vorlegen der blauen Mitgliedskarte. Reichs^ Uniallverhütunöswoclie! Donnerstag, den 28. Februar 1929, 20'/. Uhr, in der Neuen Aula öffentlicher Vortrag des Herrn Direktors Steding vom Städtischen Gaswerk Gießen über: Die Verwendung des Stelnkoblendases im Haushalt Anschließend: Oeffentlicher Vortrag des Herrn Professors Dr. Gundermann über: Verhütung von ünlalliolgen Eintritt frei! Der Ortsausschuß. 1645C Wir machen unsere Mitglieder auf vorstehenden Vortrag aufmerksam. 1647ü Gießener Frauenvereine. Oie verehrlichen Mitglieder unserer Bank werden zu der am Freitag, 8. März 1929,8 Lthr abends, im Hotel Hindenburg stattfindenden 70. Generalversammlung ergebenst eitigeladen. Tagesordnung.- 1. Erstattung des Geschäftsberichts für 1928 2. Beschlußfassung über die Genehmigung der Zahresrechnung und Bilanz und die dem Vorstand und Aufsichtsrat zu erteilende Entlastung 3. Verteilung des Reingewinns 4. Ersatzwahl ausscheidender Mitglieder des Aufsichtsrats 5. Bericht über die Revision der Bank durch den Verbandsrevisor 6. Verschiedenes. Gießen, den 26. Februar 1929. Handels- und Gewerbebank e. s. m. b. s. Oer Vorsitzende des Aufflchtsrats: Adolf Roll. hsid Reichswettkochen Die Anmeldungen zum Gaskochwettstreit müssen bis zum 1. März d. J. um 18 Uhr beim Städtischen Gaswerk erfolgt sein. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Für die Zuschauerinnen ist eine Anmeldung nicht notwendig. Stadt Gas- u. Wasserwerk Gießen Steding 1750D Lvische «Seefische seinfie Lisch-sllets von Seelachs, Kabeljau, Goldbarsch, Schellfisch. 0880 Grüne Sevinge. Fisch-Spezia haus Cuxhaven ■arklitrale 14 Gießen Te ephoe 8417 Pottveriand «ach auswärts. 1—1'/, Tonnen 1737V «Jahr alt.4»Rad-Bremse. alle Schikanen, wenig getabren, umständehalber losort au verlausen, 3200.— Älnfi agen an Gat age Eschenheimer Vanditr. 93, Telephon dcpycltn 5.35S5, Frankfurt a. M. Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brflbl'sche Univ.-Druckerei, R. Lang«. Statt Rdrtkn! 3f?re Verlobung geben bekannt Elisabeth Eppelsheimer Adelbert Mauck Oberstleutnant und Kommandeur der 6. (preuß.) Nachrichten-Abtellung Gießen Hannover -884 Erstklassige Bedienung BuMWMntite Dauerwellen / Wasterwellen Kovfwaschen 7 Ondulieren Maniküre / Bagosa-Mastage Samar» u.Radlostat-Mastage empstehlt I760D Lakob Schüfer Parsümerie». 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März, 8 Uhr abds. in der Stadtkirche: it«d Musikalische Passionsfeier vecanstaltet von dem Posaunenchor Lang'GönS unter gütiger Mitwirkung von Frau Or. Aubel. Eintritt 0.50 Mk. 17«d Vorzügliche Tonqualität In allen Lagen, besond.in den Uebergängen, solideste Bauart und dadurch bedingte unbegrenzte Haltbarkeit, erstklassige Durchführung.'der Gehäuse sowie äußerste Preiswürdigkeit sind die anerkannten Vorzüge der _g „ Tknrmer- PianosniiHiiSel Alleinverkauf.- IM4A PianohusSMiao Seltersweg 91 Zahl.-Erleichterung/FreieLleferung SCHILLING GIESSEN 1661D Sie erziehen zur Pünktlichkeit! I HP <■ Karl Beck Uhrmachermeister vorm.6g.Spies, Ujdwigstr.27 Nr. 49 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 27. Abruar 1929 Aus der Wett des Films. Der Klangfilm im Anmarsch. Don Karl Ammon. Nachdruck verboten. QHif dem Klangjilm wollte es bisher in Deutschland nicht recht vorwärts gehen, trotzdem gerade bei uns frühzeitig ganz bedeutende Leistungen auf diesem Gebiete zu verzeichnen waren: man braucht nur an den Triergonfilm. den Film der Drei, nämlich der drei Erfinder Vogt, M also l l e und Engi zu erinnern, der schon außer- ordentlich vollkommen war. Teilweise aber war cs für die Weiterentwickelung hinderlich, datz die Tonfilmva^entc in verschiedenen Händen waren. Um diesem Uebclftanbe aözuhel'en, haben sich vor kurzem die 2lllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, Siemens und Halske und die Polyphonwerke zu einer Klangsilm G. m. b. H. zusammen- geschlossen, die über Patente der verschiedensten Art auf dem fraglichen Gebiete verfügt und auch in der Lage ist, selbst die größten Lieferungen in den Werkstätten, über die sie verfügt, in kürzester Zeit auszuführen. Die Gesellschaft ist erst verhältnismäßig spät an die Oeffentlichkeit getreten, da sie die Grundlagen für die Herstellung von Klangfilmen erst in ihren Forschungsstättcn entwickeln wollte. Dos ist nun geschehen, und die Gesellschaft hat bereits mehrere tausend Apparate zur Vorführung von Klangfilmcn in Arbeit, so daß man ihre Erzeugnisse voraussichtlich schon in kurzer Zeit in allen bedeutenden Städten Deutschlands sehen und hören wird. Hm die Vollkommenheit ihrer Erzeugnisse zu zeigen, hat die Gesellschaft einem Kreis von Gästen mehrere Klangfilme vorgeführt, und zwar solche nach 'beiden in Betracht kommenden Verfahren. Man kann nämlich einem Film den Ton dadurch zuordnen, daß man gleichzeitig mit ihm eine Sprechmaschine laufen läßt, wobei man nur dafür sorgen muh, daß der Film und die Sprechmaschine »synchron", das heißt so laufen, daß Bild und Ton genau zusammen passen: das ist nicht so ganz einfach, und es ist früher bei ähnlichen Vorführungen oft vorgekommen, daß der Gleichlauf nicht stimmte, so daß z. D. ein Schuß knallte, ehe der Schütze angelegt oder nachdem er schon wieder abgeseht hatte: das wirkt dann natürlich sehr lächerlich. Man hat deshalb vielfach auch einen anderen Weg eingcschlagen, nämlich den, die in Lichtschwankungen umgewandelten Töne gleich mit auf das Filmband aufzunehmen und sie dann nach Umwandlung der Helligkcits- schwankungen oder der Breite dieser Lichtschrift in elektrische Schwingungen einem Lautsprecher zuzuführen. Dabei ist natürlich der Gleichlauf vollkommen gesichert. Was bei der Vorführung gezeigt wurde, war im Gleichlauf durchaus vollkommen. Man konnte deutlich erkennen, wie das gesprochene oder gesungene Wort der Mundbewegung des Sprechenden genau entsprach, und wie die Handbewegungen des Klavierspielers die Töne hervorlockten. Besonders interessant war auch ein Ausschnitt aus dem Film „König der Könige", bei dem geradezu fabelhafte Tonwirkungen erzielt wurden, so z. D. beim Einschlagen der über die Leine» wand fahrenden Blitze. Hübsch war auch ein Trickfilm „Kater Murr auf Fischfang" mit Klangbegleitung, die dem Film zeitlich genau angepaßt war. Zum Schluß wurde der Einzug der Amerikaslieger Köhl, Hünefeld und Fihmaurice in Veu- hork gezeigt, bei dem man deutlich sah, daß die amerikanischen Soldaten im Gegensatz zu den deutschen immer mit dem rechten Fuß im Takt der Musik marschieren und bei dem namentlich das Anschwellen des Volksjubels beim Hcran- nahen der Flieger in seiner Vaturtreue geradezu erstaunlich war. Beim Klavier schien mir die Wiedergabe des Tones noch etwas — aber nur sehr wenig — unter denselben Schwierigkeiten zu leiden, die wir ja alle von der Vundfunkwiedergabe her kennen, dagegen klang das Tyiophon vollkommen tri k ich- keitsgetreu und war vom unmittelbaren Anhören Oie Film schlacht von Waterloo Unblutiger Kampf bei Schleißheim. Feldmarschall Blücher im Auto. Don Werner Friedmann. Zwei riesige Heere sind aufgestellt bei Schleißheim, längs des Würmkanals. Kanonen donnern, Raketen schwirren, Pfiffe ertönen, Soldaten stürmen mit aufgepflanzten Bajonetten, Verwundete wälzen sich, werden fortgetragen. Unter einer höckriqen Ulme ist der „Feldberrnhügel". Generäle mit Dreimastern, roten Uniformen, Ehrenzeichen. Aber — das ist das Merkwürdige — diese Schlacht leiten nicht die Generale, sie stehen ganz untätig da, geben keine Befehle, werden selbst geleitet. Ein einziger Mann ist Oberkommandierender beider Armeen, führt freund und Feind. Er steht, mit grünem Knickerbocker-Anzug bekleidet, auf einem Podium, schreit, pfeift, gestikuliert in dieses Chaos hinein. Und ein Stab Zivilisten nimmt feine Anweisungen auf, gibt sie weiter mit Megaphonen. „Anmarsch, schneller! Mehr Kampfbegeisterung, meine Herren! Zum Teufel, falsche Richtung!" Ein greller Pfiff- , Lu rück, noch einmal!" Und die Schotten in ihren Röckchen, mit blaugefrorenen Knien, retirieren gehorsam. Ringsherum stehen Apparate, werden unermüdlich gekurbelt. Die Preußen rücken an, vereinigen sich mit den Engländern — Regisseur Karl Grüne eröffnet die Schlacht für den neuen Emelkafilm „W a t e r I 0 0". Ein General in historischer Uniform rast mit seinem Auto heran. Man erkennt ihn deutlich — Blücher ist es. Freilich, ein wenig merkwürdig ist der Blücher — am Steuer eines Rennwagens. Die struppige, weiße Perücke, der charakteristische Bart, das Draufgängergesicht, die forsch aufgesetzte Mütze — alles paßt gut zusammen. 9m Bannkreis der Kamera vertauscht er das Auto mit einem feurigen Schimmel. Sprengt auf das Schlachtfeld. ^Großaufnahme, Herr Gebühr!" Wirklich — Otto Gebühr. Erst in nächster Nähe erkennt man unter dieser ausgezeichneten Maske den berühmten .Sriderieus Rex". Das scharfgeschnittene Gesicht, die blitzblauen Augen. Von der Gegenseite galoppiert der große Verbündete zür Begrüßung heran. Wellington. Die bekannte Begrüßungsszene. Der Regisseur macht es vor, der Knickerbockermann um« von Tylophonmusik kaum zu unterscheiden. Man möchte fast sagen, die Tonwiedergabe übertrifft bereits die Wiedergabe der Bilder, bei der eben doch noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sind, insofern z. D., als wir natürlich die Bilder gern in natürltchen Farben sähen, sowie hinsichtlich ihrer räumlichen Liefe, die ja den Filmbildern — wenigstens bei feststehendem Aufnahmegerät — noch vollkommen fehlt. Beides wird ja aber auch noch kommen. Für den Ton hat man natürlich auch noch einige Wünsche: so stört es mich, datz bei der Wiedergabe eines großen Orchesters oder eines Chors der Ton zu sehr von einem Punkt ausgeht, vielleicht nur deshalb, weil ich mehr mit den Ohren des Technikers höre: aber das sind Kleinigkeiten, die später ohne Zweifel überwunden werden, denn die Wege dazu liegen auf der Hand. Diese kritischen Bemerkungen sollen aber nur einen Ausblick in die Zukunft geben und keinesfalls das herabsetzen, was wir hier gesehen und namentlich gehört haben, denn es unterliegt keinem Zweifel, daß die Vorführungen der Klang ilmgcsellschaft einen ganz ungeheueren Schritt vorwärts bedeuten und manches Bedenken, das auch ich gegen den Klangfilm bisher hatte, zu verstreuen geeignet sind. Insbesondere wird der Klangfilm gerade für die kleineren Lichtspielhäuser, die sich bisher oft mit ci 1 m schlechten Klavierspieler begnügen mußten, ton außerordentlicher Bedeutung werden: denn sie können künftig ihren Besuchern neben sprechenden Filmen auch eine Musik zur Untermalung stummer Filme bieten, die an Vollkommenheit und Schönheit kaum noch etwas zu wünschen übrig läßt. Eine Stunde auf dem Mond. Großfilmregie in Neubabelsberg. Von Erich Effler. Berlin, Ende Februar. Da erzählen uns nun die Gelehrten in dickleibigen Büchern von jenem unwirtlichen Nachbarplaneten, auf dem man sich keinesfalls als Bewohner der lieben, guten Erde aufhalten könnte, weil man bei einer als geglückt vorausgesetzten Landung den Mond nur als lebendes Stückchen Gefrierfleisch betreten würde. Nun hatte ich mich allerdings durch Spaziergänge in Berlins Umgebung bei 20 und mehr Grad unter Null in den ersten Tagen des Februar hinreichend trainiert — und vielleicht deshalb konnte ich feststellen, daß alles nur halb so schlimm war — Sie lachen? — Nein, tatsächlich, neulich war ich eine ganze Stunde oder gar etwas länger auf dem Mond. 9n z Stunden ist er von Berlin aus bequem zu erreichen. — Doch sachte, ich will nicht uorgreifen. ©teilen fie sich einmal so ein ganz großes, nur aus den Grundmauern und dein Dach bestehendes vierstöckiges Mietshaus, eine sog. Mietskaserne vor, in der vierzig bis fünfzig Familien ihr sprichwörtlich gewordenes drei- bis vierzimme- riges trautes Heim haben — denken Sie sich an der einen Seitenwand in halber Höhe ein paar Türen, zu denen schmale Treppen hinaufführen — und in der Höhe der Bodenräume geheimnisvolle Valken- konstruktionen und Laufstege, unter denen drei- und viereckige Glasfenstxr aufgehängt find' dann haben Sie ungefähr den ersten Eindruck, den man gewinnt, wenn man die große Aufnahmehalle der Ufa in Neubabelsberg an einem Tage betritt, an dem gerade die letzten Kulissen für irgendein Filmge- fqjehen hinausgetragen wurden. Als ich vor ein paar Tagen in diesem bunten Zauberreich des Filmgottes Jupiter war, sah es allerdings anders — bunter, malerischer, imposanter — aus. Fritz Lang und Thea v. Harbou hatten uns zu einem Ausflug in die Mondlandschaft eingeladen. Hier, in Neubabelsbergs Filmateliers, liegt unser Mond! Ich muß sagen, als ich die bereits fix und fertig dastehende Landschaft in ihrer imponierenden Größe sah, war ich einen Augenblick überrascht. Dann umfing mich erneut der anheimelnde Zauber des Ortes, der nur wenigen Fiimfreunden auszukosten vergönnt ist. Wieviel Mühe mußte es die Architekten gekostet haben, wieviel Arbeiterschweiß mußte geflossen sein, ehe diese gewaltige Mond-Dekoration stand und den Intentionen der Thea von Harbou wie des Regisseurs Lang — die beide peinlich genaue Schwerarbeiter sind — entsprach! Rings um den gewaltigen Bau erheben sich phantastische Mondgebirge, zackig und zerklüftet wie die Dolomiten. Hier und da haben sich gewaltige Krater gebildet, und Schnee und Eis auf den Gebirgszügen erinnern wenig angenehm an die Temperatur, die wir auch draußen auf der Erdenwelt, mitten in den Straßen Berlins, von den Thermometern vor zwei Stunden abgelesen hatten. Hinter den Bergen flimmerten Hunderte von Sternen ... Don irgendwoher gedämpfter Kommandoruf durch das vertraute Megaphon. In die „Glas- fünfter" an der Decke kommt Leben, zischend glühen sie auf, entpuppen sich als ungezählte große und kleine Scheinwerfer, die nicht nur gleißendes Licht, sondern auch angenehm empfundene Wärme spenden. Eine gewaltige Schneemasse füllt den Riesenraum aus, versetzt uns — die wir von schmalem Gange aus über festgefügte Sperrholzverkleidung hinweg blicken — in die ewigen Schneehöhen der Alpen. — „Was Sie da sehen, ist Schneeimitation — ist Ostseesand, von dem wir für die Ausnahmen etwa 300 Waggons für schweres Geld an» fahren ließen!" erklärte unser Führer. In der Mitte des im Scheinwerferlicht sehr naturgetreu wirkenden „Schnecfeldes" steht ein geheimnisvoller, zwölf Meter hoher Rundbau mit einem erleuchteten Fenster und einer schmalen Tür, zu der eine kleine eiserne Treppe führt. Wie ein Wolkenkratzer aus einem Hottentottenkraal sieht er aus. — „Aber ein," lacht Willy Fritsch, der sich eben zu uns gestellt hat, „das ist doch das Raketen-Raum- schiff, mit dem wir auf dem Mond gelandet sind! Sehen Sie, wir haben doch die Idee eines alten Professors verwirklicht, haben uns von der Erdatmosphäre gelöst und sind auf einer sich zweifellos auch materiell rentierenden Mondexpedition! Wenn nur nicht dieser ekelhafte Vertreter einer mächtigen Kapitalgruppe mitgekommen wäre, der dauernd Streit anfängt — hören Sie selbst!" Und wir sehen und hören! Da steht plötzlich vor dem Raumschiff ein Mann in Knickerbockers, mit Seil, Feldflasche und kompletter Hochtouristenausrüstung, und vor ihm, mit offener Hemdbrust, in höchster Erregung, ein zweiter, der wild gestikulierend auf ihn einredet. Als alles nichts hilft und der andere nur impertinent feixt, fliegen Schimpfmorte durch den Raum, die zweifellos einem Speziallexikon entnommen find. Dann greift der Erzürnte — wir alle haben mitllerweile in ihm Gustav von Wangen heim erkannt und „das Ekel" als Fritz Rafp identifiziert! — zu feinem Svaten, um erneut an die Arbeit zu gehen, nicht ohne zuvor jedoch all feine Verachtung vor Rafp in weitem Bogen — ausgespien zu haben. Doch dieser ausgemachte Filmhalunke schlägt ihn dafür hinterrücks mit einem Stein zu Boden und fesselt ihn mit seinem Seil die Hände aus dem Rücken. Ein kurzes Signal, die Lampen erlöschen, ein Monokel blitzt aus dem Halbdunkel: es gehört zu Fritz Lang, dem Schöpfer der „Nibelungen", der „Metropolis"-Stadt und der „Spione". Neben ihm sitzt seine unermüdliche Mitarbeiterin und Gattin, Thea von Harbou, das dicke Regiebuch in der Hand. Die Szene wird kritisiert. Wangenheim " "Minamnigwmmr.j i-i-ji-uj-nraw!«u»1 tu soll „anders stürzen", Rasp Aenderungen an sei ncr Ueberfallmcthode vornehmen. Ruhig und sachlich wird alles besprochen, kein lautes Wort, kein nervöses Anordnen — wie s onst so ost in den Ateliers — ist zu hören. Während sich Wangenheim von dem feinen Seesand säubert, der Gesicht, Hände und stleiber bedeckt, kommen Atelierarbeiter mit Eimern und streuen mit Zeitlupengeschwindigkeit neuen „Schnee", um die jungfräuliche Reinheit wiederherzustellen. Dann wird die kurze Szene, die von drei Operateuren aufgenommen wird und die später im Lichtspielhaus vielleicht für den Bruchteil einer Minute ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, drei-, fünf-, achtmal wiederholt, ehe sie zu aller Zufriedenheit ausfällt. — So entsteht lang fam, in aufreibender Arbeit ungezählter Kräfte, die nach durchdachtem Plan wie das Räderwerk einer Maschine ineinandergreifen, Szene für Szene für den neuen Fritz-Lang-Film der Ufa „F rau i m M 0 n b", dem ein Manuskript Thea von Harbous zugrunde liegt. In anderen, kleineren Ateliers entstehen inzwischen die Modelle, nach denen sowohl die Dekorationen wie das gewaltige, 42 Meter lange Raum- sch ff gebaut werden. Es wird in seiner ganzen Größe, mit dem auf Grund fachwissenschaftlicher Beratungen kompliziert und raffiniert eingebauten Raketensystem nur für eine einzige Szene Verwendung finden, weil es in dieser Szene zerstört wird. — Wer einen Blick in diese Stätte rastloser Präzisionsarbeit getan hat, wer gesehen hat, mit welcher Liebe zum Werk auch der geringste Atelierarbeiter bei der Sache ist, der wird mit Bewunderung erfüllt. Und staunen muß man, mit welchem Inter esse sich die Filmleute mit dem auch wissenschaftlich originellen Gedanken des Films, mit der heute noch utopischen Idee eines Durchbrechens der Erdatmosphäre, beschäftigt haben. Ob der Regisseur Fellner, ob die hübsche, blonde Gerda Maurus (die eine Hauptrolle spielt), ob Fritsch ober Vertreter ber Presseabteilung: sie alle scheinen bie gesamte biesbezügliche Weltliteratur studiert zu haben: sie erklären sofort nach den ersten fünf Be- grüßungsworten bas Funktionieren ihres Raketenflugzeuges, ben Ausstoßmechanismus für bie verbrauchten Raketen; sie wissen belehrend zu deuten, warum dies so und jenes anders sein muß, sie zeigen wie ein Raumschiff sachgemäß auf dem Mond zu landen hat und erläutern, weshalb alle Darsteller dicke Bleiplatten unter ben Füßen tragen müssen. Man braucht gar nicht erst Herrn Professor O b e r t h , ben Sachverständigen für alle astronomischen Berechnungen und Mondforschungen, zu bemühen. Mit (eifern Bedauern kehrt man von diesem „Mondausflug" in die nüchterne Wirklichkeit, in das Getriebe der verschneiten Großstadt, zurück. Oer grausame Kasten. Don Zenny Zugo. Ter kleine schwarze Zauberhaften, den wir Film- Kamera nennen, ist ein grausames Ding. Man ist versucht zu glauben, daß er seine Schrullen und Geheimnisse hat, in die man erst nach langer harter Arbeit eindringen kann. Er vermittelt Uns die wunderbarsten Illusionen, weckt in uns Träume und geheime Sehnsüchte. Trotzdem ist die Kamera eine Maschine, ein Apparat, eine mechanische Angeleaenheit. Sie ist ein strenger Richter und beurteilt den Menschen, der vor ihr steht, nach ehernen unerbittlichen Gesehen. And allzu oft verurteilt sie ihn. Wehe dir. 0 Held, und dreimal wehe dir, 0 Diva, wenn du die Nacht vor der Aufnahme durchgebummelt hast. Wie ein allwissender und strafender Gott durchschaut der Zauberkastcn deine Laster und kerbt die Spuren deiner Leichtsinnigkeit in den Zelluloidftreifen. Bist du nicht wohl ausgeruht, fehlt dir die Schwunglralt der Gelenke, die Beherrschung b:r Mimik: die Kamera, das empfindlichste Wesen der Welt, sviezelt dir ein schlappes, müdes Gesicht. Wenig hilft da die Kunst der Schminke, und mag auch die Musik armt ben historischen General. Unb während ber Hilfsregisseur zu Pferb mit donnernder Stimme die Truppen sammelt, die friedlich, Zigaretten rauchend, im Grase liegen, kreist oben ein Verkehrsflugzeug über diesem Schauplatz aus dem Jahr 1815. Wieder sind bie Kurbelkästen in Tätigkeit, von allen Seiten wird die Szene gedreht. „Nicht lachen! ... Wollen Sie die Brille runtertun da vorne! Mehr Tempo!" Und mitten in die schönste Schlachtenszene rennen ein paar tollgewordene Kühe, die nur mit Mühe und aufgepflanzten Bajonetten auf ihre Weibe zurückgetrieben werben können. Pause, Umbau, Vorbereitungen für bie nächste Aufnahme. Feldmarschall Blücher verschnauft. Ich überfalle ihn: „Spielen Sie diese Rolle gerne, Herr Gebühr?" Er lacht unter ber Schminke. „Sehr gerne. Jetzt komme ich endlich einmal los vom Fridericus. Das Publikum glaubt schon, ich kann gar nichts anders spielen. Nun kann ich zeigen, daß ich mich auch einer anderen historischen Rolle anpassen werde. Der Blücher ist nicht so leicht. Man muß das Dominierende, das Charakteristische finden. Und jede Geste, jede Mimik soll ber Figur treu bleiben. Es gilt eine Probe vor vielen Gesichtskennern zu bestehen. Ich habe die geschichtliche Gestalt studiert, das ifte©runbbebingung. Der Historiker Treitschke war mein Leitstern. Ader noch viel schwieriger war es, die Maske zu treffen. Auf jedem Bild ist Blücher anders bargestellt. Ich habe mir sozusagen einen „Extraktblücher" gebildet, indem ich alle zeitgenössischen Darstellungen übereinander kopieren ließ. Nach dem endgültigen Bild habe ich meine Maske zusammengestellt." Wieder schrilles Pfeifen. Marschall Vorwärts besteigt sein Pferd. „In München bin ich sehr gerne, es ist die gemütlichste Stadt, die ich mir denken kann." * Humberstone Wright spielt den Lord Wellington. Ein englischer Schauspieler, ber das erstemal in Deutschland ift Ein prachtvoller Kopf — diesem Wellington muh man glauben. Er kann noch kein Wort deutsch, drückt seine Freude aus, in München spielen zu dürfen, ist entzückt über bie nette Aufnahme, die er überall, bet Kollegen und Publikum, findet. Unb bann ist ein Liebling ber weiblichen Kinobesucher da: Oskar Marion. Er spielt den Blücherschen Adjutanten Reuttlingen, ist eben ein» gesprungen für den verstorbenen Dene Morel, dem diese Rolle zugesagt war. Ein paar Worte vom Regisseur. „Das Wetter, wenn nur das Wetter nicht wäre! Heute früh Nebel, man weiß nicht, was zu tun ist! Plötzlich klärt es auf. Fünfhundert Statisten sollen in kürzester Zeit zusammengetrommelt werden. Keine Kleinigkeit, aber es hat geklappt." Ehemalige aktive Offiziere, denen man dm Soldaten noch ansieht, Korpsstudenten, Kaufleute, Kellner, Arbeiter, abgebaute Beamte — jeder Beruf ist vertreten. Zehn Mark pro Aufnahmetag, ein unverhoffter Verdienst, wenn man auch frieren unb endlos warten muß und nicht gerade sanft behandelt wird. Friedlich stehen Franzosen, Engländer unb Preußen vor der dampfenden Wurstküche, bis bie Schlacht von neuem beginnt ... Jilmbörse in Hollywood. Wenn man einmal an unseren Filmbörsen erlebt hat, wie sich die Statisten um die Hilfsregisseure drängen, um ein noch so kleines Engagement zu erhallen, wie groß Die Zahl der QDb* gewiesenen und wie verzweifelt ihre Gesichter sind, bann denkt man Wohl: das muß im gepriesenen Filmparadies Hollywood ganz anders fein. Aber auch dort herrscht das gleiche äleberangebot, die gleiche Vot, b.e gleiche Verzweiflung. Wie dir Mücke zum Licht, so fliegen die Menschen nach dem trügerischen Schimmer des Films und wollen dort Duhms und Reichtum erlangen: aber Llnzäh- lige verbrennen sich nur die Flügel und stürzen in den Abgrund. Der Leiter des Stellenvermitt- lungs-Dureaus in Hollywood, Colonel O. C. W y- m a n, hat sich in einem amerikanischen Filmblatt über die Organisation dieser einzigen Filmbörse der amerikanischen Filmindurie und über seine Erfahrungen ausgesprochen. „Bevor wir dieses Bureau gründeten", sagt er, „gab es mindest ms 30 000 Personen in Los Angeles und Hollywood, die sich um Stellen beim Film bemühten, weil sie irgend wann einmal bei einer Ausnahme mit- gewirrt hallen. Zunächst muhten wir die Anfänger und Anfängerinnen und die, die die Fllm- arbeit nur so nebenbei betrieben, aus den Liftm entfernen. Aber auch nach dtesem Deinigungs- prozeß ist die Zahl der Stellungsuchenden noch 12 000. während wir täglich durchschnittlich nur für 710 Arbeit verschaffen können. Wir haben im 2ahre 1926 256 259 Stellungen für den Film vermittelt. Manche von diesen dauerten einig: Tage, andere auch einige Wochen. Aber was ist diese große Ziffer gegen das Tiebermaß von Angeboien? Wie können 700 Stellen täglich auf 12 000 Menschen verteilt werden? Die 11 000 Eingetragenen, die keine Arbeit hatten, habm sich jämmerlich durchschlagen müssen, und viele von ihnen, die beim Kino Glanz und Glück finden wollten, haben gehungert und sind zu Grunde gegangen. Die größte Zahl, nämlich 6000 der Stellungsuchenden, sind Frauen, 5000 Männer und 1000 Kinder. Aber wenn wir nicht alle, die sich nicht eignen, rücksichtslos zurückweisen würden, dann tonnten wir unsere Listen um ein Vielfaches vergrößern. Obwohl mehr Frauen als Männer Arbeit begehren, werden doch bedeutend mehr Männer verlangt, im letztm Jahr gingen 68 Prozent der Stellen an Manner. 28 Prozent an Frauen und 4 Prozent ar. Kinder. Das Bureau wird von den großen Filmfabriken unterhalten, die nur von hier ihre Statisten nehmen. Das DurchschnittLgehalt. das 1926 bezahlt wurde, belief sich auf 8.5 Dollar täglich und schwankte zwischen 3 und 15 Dollar. Eine Statistin, die 5 Dollar pro Tag bekommt, kann sich aber viel besser stehen, als eine, die 15 Dollar erhält. Denn diese höher bezahlte Schauspielerin bringt noch eine kostbare Vobe mit, während die andere in einfacher Stratzenkleidung erscheint. Schönheit gilt an der Filmbörse von Hollywood wenig. „Wir haben schöne und reizende Frauen in äleberzahl," sagte Wyman. „Wir werden überlaufen von Mädchen, die in einer Schönheitskonkurrenz zur „Königin" gekrönt wurden. Diese Krönungen sind meist ein großes Unglück für die, der der erste Preis zufällt. Sie g aubt sich nun zum Filmstar berufen, erwartet, von uns mit offenen Armen ausgenommen zu werden und ist grimmig enttäuscht, wenn wir sie zurückweisen. Vach Hause will sie meistens nicht mehr, weil sie sich schämt, und so ist nur noch dte Frage, wie lange das Geld reicht und wann sie dem Eiend anheimfällt. Dabei lehnen wir durchaus nicht etwa alle ab, trotz der Tieberzahl der Eingetragenen. Was wir brauchen, hat nichis mit Schönheit zu tun: wir brauchen Frauen mit Persöniichkeii, mit Eigenart, mit künstlerischem Temperament. Aber deren kommen wenige, sehr wenige." tetn Temperament beflügeln, ein genialer Re- ?[if eur mit zündenden Worten d.ine Seele be> euern, magst du se'.bst eine große Künstlerin sein — die Kamera ist stärker. Mit dec unerbittlichen Logik der Maschine wird sie all deine Schwächen erfas en und mit der Grausamk.it einer Rome die Runen als Runzeln in dein Antlitz zciHnen. Auch alle anderen Tinge enthüllt die Kamera mit der gleichen Unerbittlichkeit. Darum sind wir ja auch von der gemal en Kulisse längst abgekommen. Darum bauen wir echte Hintergründe und ne-men zu ihrer Ausgestaltung tocrtco'Ie Ei irichtungsgegen'tä b? und Raritäten. Deshalb verwenden wir zur Aufmachung eines Stars nur edle Stoffe und echte Pelze. Ein K r i kel e'l kann sogar einem Fachmann einen i-.hinchi la le'.chtrr vorläuschen, als d r Linse des fei en Zaub.rlast n). Ti? Licht lrah en Bereinigen sich m t den kostbaren edlen (S’of en zu wundervollen optischen Wirkunzrn, und so belohnt die sonst grau ame Kamera den. der ihr de- mülig das Opfer bringst Die Kamera ist grausam, weil ihr Aug? besser als das des Menschen Fäl chungen entschleiert. Aber sie ist dabei auch eine große Dame, die jeden Minnedienst zu schätzen weiß. Wirtschaft. Michsbank-Ausweisvom 23.$e6ruar. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 3. F e b r u a r hat sich die gesamte K a p i t a l a n- läge der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten in der vergangenen Bankwoche um 15,0 Millionen auf 1603,0 Millionen Mark verringert 2m einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 14,7 Millionen auf 1461,3 Millionen Mark zugenommen, während sich die L o m b a r d b e st ä n d e um 39,8 Millionen auf 38,5 Millionen Mark vermindert haben. An Reichsschatzwechseln gelangten in das Portefeuille der Bank 10,1 Millionen Mark Die Anlage in Effekten blieb mit 93,2 Millionen Mark unverändert. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheincn zusammen sind 192,2 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 175,2 Millionen auf 3902,1 Millionen Mark, derjenige an Rcntenbankscheinen um 17,0 auf 462,0 Millionen Mark verringert. Der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen erhöhte sich auf 55,0 Millionen Mark. Die fremden Gelder zeigen mit 572,7 Millionen Mark eine Zunahme um 105,5 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen insgesamt sind mit 2828,1 Mill. Mark ausgewiesen, im einzelnen die Goldbestände mit 2729,0 Millionen Mark und die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 99,1 Millionen Mark. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 66,9 v. Sy in der Vorwoche auf 69,9 v. Sy, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 69,4 auf 72,5 v. H. • Frankfurter Dank. 3m 3ahre 1928 erzielte die Frankfurter Bank 2 09) 686 (1 515 386) Mk. an Zinsen und 1 030 534 (1 115 795) Mk. an Gebühren und Provisionen. Andererseits beanspruchten Bcrwaltungskosten und Säuern 1359568 (1 391 876) Mark und Passivzinsen 1 473 690 (926 631) Mark. Aus dem erhöhten Reingewinn von 343 440 (32t 980) Mark werden wieder 7 Prozent Dividende auf 4 Millionen Mark Stamm- und 6 Prozent auf 14 030 Mk. Vorzugsaktien verteilt, wieder 20 030 Mk. dem Reservefonds überwiesen und 53 936 (51 505) Mk. vorgetragen. Infolge der Steigerung der Kreditoren und Debitoren konnte man erhöhte Zinseinnahmen verzeichnen, dagegen verschlechterte sich das Ergebnis auf Provisionskonto im Zusammenhang mit dem darniederliegenden Börsengeschäft. Tie Lln- kosten konnten trotz erhöhter Steuerzahlungen gesenkt werden, teilweise durch erhebliche Personaleinschränkungen. Tie Verbindung mit der Seehandlung habe man vertieft. Durch eine Erweiterung des Abkommens sei es möglich gewesen, auf die Tagesgeldsähe in Frankfurt und Berlin ausgleichend einzuwirken. * Wollseidenverfahren der Zellstoff-Fabrik Waldhof. Seit einiger Zeit fanden in Lambrecht bei Reustadt (Pfalz) Versuche zur Erprobung eines neuen Verfahrens zur Herstellung einer Wollseide statt. Die Versuche, an denen sich vor allem auch die Zellstoff-Fabrik Waldhof beteiligte, sind nunmehr abgeschlossen. Die Gründung einer besonderen Gesellschaft, der Wollseiden G. m. b. H. Mannheim, ist am 20. Februar vollzogen worden. Gegenstand des Linker« nehmens ist die Herstellung von Wollseide nach einem besonders geschützten Verfahren, spinnfertigen Kunstseide-Fasern, ferner die Anfertigung von Garnen und Stoffen aus Wollseide uni) seine Mischung mit anderen Textilfasern. Das Stammkapital beträgt 250 003 Mk. Zu Ge- schäftssührcrn wurden bestellt: Direktor Wilhelm Misarke (Zellstoff-Fabrik Waldhof) und Kommerzienrat Dr. Helm (Ver. Tuchfabriken Lambrecht). Die Geschäftsräume befinden sich in der Zellstoff- Fabrik Waldhof. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Febr. Tendenz: schwach. Nacy einer [lernen Erholung an der geftrigen Abenn- bör|e war die Stimmung zu Beg.nn des heutigen Marktes wieder recht unsicher und lustlos. Die erholte gcstr.ge Neuyorker Börse und d.e ge- feft.gten Verhältnisse am xohlenrnarkl konnten keine Anregung bieten, da im Zusammenhang mit dem morg.gen Zahltag ziemlich Material herauskam. Diese Tatsache druckte stark auf die Stimmung und beeinflußte die Kursgcstaltung beträchtl.ch. Auch der gemeldete Selbstmord eines bekannten Berliner Börsenmaklers rief starke Nervosität hervor. Kaufaufträge lagen wieder kaum vor, so daß sich das Ge- schäft in aüerengften Grenzen bewegte. Die Tendenz war ausgesprochen schwach, und gegenüber der gestrigen Abendbörse traten bei der geringen Aufnahmelust Verluste bis zu dur .chnittlich 3 v. H. ein. Em erneuter Dotstoß der Baissespekulation hatte beidenschwererenWertenerhebliche Kurseinbrüche zur Folge. So waren vor allem am Elektromarlt Chadealtien mit m.nus 5 Mark, Gesfürel mit n*unus 3,5 v. Sy, Schuckert minus 2,75 v. $)., L.cht & Kraft und Siemens m t je 2 d. Sy stark vernachlässigt. Am Kalimarkt hielt das Angebot in unverändertem Maße an. Aschersleben verloren 4 d. Sy und Westeregeln 3,5 d. Sy Am Chemiemarkt waren Farben bei jedoch fleirftem Geschäft relativ gut gehalten. Der Montanmarist zeigte weiter eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Nur Rhein.sche Braunkohlen eröffneten 1,5 v. Sy niedriger. D.eser Verlust wurde durch die schlechte Verfassung der übrigen Märkte hervorgerufen. Für Phönix bestand bei erhöhtem Kurse einiges Interesse. Am Bankenmarkt waren überwiegend Besserungen zu verzeichnen. Reichsbank lagen m t plus 2 d. Sy auf Rückkäufe gesucht. Metallbank ebenfalls etwas höher. Dresdner Bank dagegen 1 v. Sy niedriger. Schwach waren noch Deutsche Linoleum mit minus 4,5 d. Sy und Karstadt sowie Soenska mit je minus 2 v. Sy dzw. 2 Mark. Von Zellstoffwerten waren Aschersleben nach dem starken Kurseinbruch an der gestrigen Abendbörse wieder gesucht und 2 v. Sy erhöht. Waldhof gut behauptet. Renten still. Deutsche und Ausländer etwas schwächer. Nur Ungarische Anleihen weiter etwas gefragt. Im Verlaufe traten auf Stützungskäufe und vereinzelle Deckungen der Spekulation Besserungen bis zu 2 d. Sy ein. In den anfangs stärker gedrückten Werten wurden Rückkäufe in größerem Umfange vorgenommen, so daß das Geschäft allgemein etwas lebhafter wurde. Besonders Kaliwerte konnten 1 bis 5 v. Sy zurückgewinnen, so daß der Anfangsverlust wieder ausgeglichen wurde. Die Stimmung wurde eher w'eder etwas freundlicher. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld mit 7 v. Sy weiter etwas höher. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.2140, gegen London 20,452, London gegen Kabel 4,8527, gegen Paris 124,22, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 31,55, gegen Holland 12,1160. BcrLinc Börse. Berlin, 27. Febr. Die Nachricht von dem Selbstmord des Berliner Börsenmaklers Anton Heller wirkte weiter nach und beschäftigte auch mittags die Börse noch in sehr starkem Maße. Aber auch dieser Fall habe, wie man wissen will, nicht I direkt etwas mit der augenblicklich schwachen Tendenz zu tun; er werfe jedoch ein Streiflicht auf die in Börsenkreisen herrschende Depression. Die Liquidationskasse hat zwar wieder erklärt, daß die gestrigen Cerlichte über Schwierigkeiten von M t- gliedssirmen nicht zuträfen und daß von ihrer Seite keine Exekutionen oorgenommen seien, doch kam auch heute, besonders in Hauptspekulationspapieren, Angebot heraus. Die Kursrückgänge betrugen auf der ganzen Linie ziemlich einheitlich 1 bis 3 v. H., teilweise bis 5 o. H., und Kaliwerte waren 8 bis 9 v. H. schwächer; Polyphon sogar 14 v. H niedriger als gestern. Ausnahmen bildeten Reichsbank mit plus 2,75 o. Sy, Deutsche Atlantische Telegraph plus 2,5 v. Sy und S egen-Solinger Gas mit plus 1,5 v. Sy Der Kurs für Stöhr-Kammgarn versteht sich heute exklusive Dividende. Die Stimmung war nach den ersten dürfen eher wieder etwas beruhigter. Das Ausland schien Kaufinteresse zu zeigen. Die Krise am Londoner Geldmarkt wurde nicht als sehr gefährlich angesehen. Auch eine abermalige Diskonterhöhung wird in inform erten Kreisen für unwahrscheinlich gehalten, und man hofft, daß keine weiteren Abgaben im Zusammenhang mit dem morg-aen Zahltag vorgenommen werden. Einen gürst'gen Eindruck machte auch der Rpichsbankausweis für die dritte Februarwoche. Im Verlaufe traten allgemein mehrprozentige Kurserholungen ein. Besonders in den anfangs stärker gedrückten Werten wurde stärker gedeckt.. Schultheis-Patzenhofer und Kaliwerte gewannen bis zu 4 v. Sy Kaliaktien zogen 7 o. Sy an. Hier trug eine beruhigende Erklärung der Berwallung, die auch weiterhin einen sehr günft gen Abschluß erwartet, viel zur Befestigung bei. Geld war weiter gesucht. Ta^ .sgeld 7 bis 8 d. Sy, Geld über Ultimo 8 bis 9 v. H., Monatsgeld 7 bis 8 v. Sy, Warenwechsel ohne Umsatz. Deutsche Anleihen waren unverändert. Ausländer meist schwächer. Pfandbriefe sehr ruhig, Liguidationspfandbriefe und Anteile uneinheitlich. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 27. Febr. Der heutige Produktenmarkt verkehrte bei fast geschäftsloser Haltung in ruhiger Stimmung. Umsätze kamen kaum zustande. Die Händler sind weiter sehr zurückhaltend. Die P.e'.se blieben im allgemeinen Sut behauptet. Es wurden notiert: Weiten 24; trggen 23 75, Somm rg r'le ff r Drauzwcck 2 ,2j bis 24,50; ir.I. Hafer 2 i.53 bis 24,o5; Mais (gerb) für Futterzwecke 21,25 bis 21,53; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 31 bis 31,75; Roggenmehl 30,75 bis 31,75; Weizcnkleie 14,25 bis 14,35; Roggenklcie 15 bis 15,25 Mk. Tendenz: stetig. Rundfunkprogramm beS Frank'urlrr Sender-. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 28. Februar. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12: Schallplattenkonzert: „Volkstümliches Konzert". 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. Von Kassel: „Die Berufe der technischen Äsststentin und der Bibliothekarin". Vortrag von Berufsberaterin Hcil- brun, vom Berufsamt Kassel. 15.55 bis 16.05: 5 aus,'rauendienst. „Die Konsumentin zur Konsumentin". 16.35 bis 18.(5: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Rossini. 18.10 bis 18.33: Lese stunde. 18.30 bis 19: Von Kassel: Stunde der Landwirtschastskammer Kaf'ei: „Dem.rlcns- wertes von der Grünen Woche in Berlin". 19 bis 19.30: Vortragszyklus des Deutschnationalen Handlungsgeh'.l e.iverbandes: „Soll der Sohu Kaufmann werden? D'.e Aussichten im Kausmannsberuf". Vortrag von Gauvorstcher Auerbach. 20: Don der Lieder Halle Stuttgart: Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. Anschließend von Kassel: Konzert des Kasseler ^-cappella-Chors. Freitag, l.März. 6.30 Llhr. Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: ,,Chorkonzert". 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.35 bis 17.45: Haussrar.ennach- mittag veranstaltet vom Franksur er Haus rauen- verein. 17.45 bis 18.30: Von Köln: Kammermusik. 18.30 bis 19: „Sicherheit auf See", Vortrag von Kontreadmiral a. D. Kühlenthal. 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.23 bis 19.30: Filmwochenschau. 19.30 bis 20: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 20 bis 21: Von dec Liederhalle Stuttgart: 3m Urwald Aequaiorial-Afrikas. Vortrag von Prof. Albert Schweitzer. 21: Oper auf Schallplatten: 3n der Te etzung des Deatro della Scala. Mailand „La Boheme". Szenen aus „Das Leben der Boheme" von Henry Murger. Vier Bilder von Giuseppe Giaiosa und Luigi 3llica. Musik von Giacomo Puccini. 0.30 bis 1.30: Rur für Kassel: Rachtkonzert des Rundfunkorchesters. Samstag, 2. TTlärj. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.45 bis 13.15: Schulfunk. Gegenwartsstunde, vorgetragen von Rektor Hürten: „Der Kulturfilm im März". 13.15: Schallplattenkonzert: „sse t.enosiische Kla- vierkompositionen". 15.(5 bis 15.35: Stunde der 3ugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: Friedrich Smetana. 18.10 bis 18.33: Le estundr. 18.30 bis 18.45: Briefkasten. 18.45 bis 19: Espe- rantounterricht. 19 bis 19.30: „Karl Schurz", Vortrag von Direktor Otto Ernst Sutter. 19.30 bis 20: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung. „Der Himmel im März", „Vom Glänzen, Glitzern und Funkeln der Sterne", Vortrag von Prof. E. Sittig. 20: Vom Reuen Operettentheater: Gastspiel Erik Wirl „Friederike". Singspiel in drei Akten von Ludwig Herzer und Fritz Löhner. Musik von Franz Leh^r. 3n der Pause: Vom Sportpalast: Schlußkämpfe und Resultate vom großen Frankfurter Hallensportsest. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Kunst und Wissenschaft. hochjchuljublläum in Danzig. Im Juli dieses Jahres begeht die Technische Hochschule der Freien Stadt Danzig ihr fünfundzwanzigjähriges Best eh en. welches — wissenschaftlich und für die Kmullur des Ostens gleichermaßen bedeutsam — festlich begangen werden soll. Die Hochschule erwartet zu den Festtagen chre Angehörigen und Freund«, ihre früheren Lehrer und Schüler aus aller Welt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 27. Februar. Iohanneskirche. 6 Uhr: Passionsandacht; Pfarrer Bechtolsheimer. Freitag, den 1. März. Kapelle des Allen Friedhofs. 6 Uhr: Passionsandacht; Pfarrer Lenz. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12JO Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachm tlag geschlossen. Für unverlangt eingesandle Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäsksstelle zu richten. Gewinnauszug 5. Klasse 32. Preußisch-Süddevssche (25b. Prcuß.) Ulassen-LoNciie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hebe Gewinne gefallen, und z'vnr je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden ______________Abteilungen I und II 16 giebungstag 26. Februar 1929 3n der Bormittagsziebung wurden Gewinne über 15U M. gezogen 2 »etolnne in 100000 M. 280024 4 Gewinn« zn 10000 M. 17962 264920 10 "n« 'n 3000 M. 65333 68932 281077 296053 336866 22 Gewinn« >u 2000 M. 7304 27362 42249 59490 114636 130744 132721 171195 186213 356667 359668 28 Gewinn, .d 1000 -M. 43974 80598 81565 113553 129658 133150 170520 193333 208996 228269 268275 270400 286690 396333 84 S-wmn. zu 600 -M. 14509 22922 28906 i 35901 38348 56197 69257 73225 80300 109032 111480 125550 131184 135216 142576 145941 147526 176730 177054 179585 189141 203478 204861 210686 240733 243809 255024 269717 270809 280899 309885 313524 321885 323105 334202 341662 342733 355898 363068 373318 390489 250 Gewinn. ,v 300 M 2725 7736 10493 384749 10839 16111 17313 18813 19272 22727 23656 25868 25974 30061 40934 43405 44532 45307 45713 50725 54207 54996 56696 57013 58219 60129 60715 62273 67409 72772 77196 79073 82535 84644 84820 88920 90565 102'30 105314 106663 109464 110425 1'0476 113222 122281 124911 130298 130649 132567 132716 132725 135126 '135901 137314 146932 149528 149697 154018 155697 160656 162740 164689 167224 167561 169784 172089 176483 1767'4 183515 190683 194037 195858 208572 209397 209753 217750 2'8473 2'8659 226894 228101 230402 234103 235807 237080 237268 245460 247245 247812 249394 253643 253794 255136 256652 258329 265853 266483 267'13 277806 277868 282885 287580 293076 293859 297062 309505 321830 323114 324872 330147 333348 335902 336843 344301 346607 349852 354960 364218 367932 374790 381034 381508 385572 387898 392244 393881 390402 Ön der Nachmittagsziehung wurden Gewinne übet 150 M. gezogen 4 Gewinn» in 5000 M. 59036 188231 6 Gewinn, zu 3000 M. 47590 306500 371009 14 S.w-nn. ,n 2000 -M. 76871 81634 215461 221043 257411 316708 359490 26 G.W NN, »u 1000 Mi. 10596 19466 37868 54081 66214 123702 127349 202268 222016 324942 357672 389321 398808 80 »ftp nnc tu 500 -M 2770 6893 22498 24223 33456 53734 54834 74110 76569 84862 85176 105 >28 H2984 113744 119197 132045 134497 158591 163320 183698 184903 185630 202791 204124 206015 2'7639 219817 221338 244240 244950 245704 255336 274405 286831 286666 295293 350737 365252 395582 398773 180 Gew-nn. -u 300 M. 634 8523 10746 14500 26313 29977 31493 40839 55018 67800 59852 60196 60544 67368 74245 76787 84606 86544 87492 92005 94473 96579 97270 109346 110817 111443 114221 119401 119717 126421 129249 13'026 135999 139932 140783 143717 147542 147941 148521 155243 171218 174811 180360 182947 187188 192757 196367 196801 198227 201062 218403 225185 229055 236127 239541 241735 247122 248681 26621' 266763 268587 270232 280966 287887 305077 305521 307436 3'0977 3'1376 315966 319356 321594 327489 330608 340115 343281 344290 347956 349663 362984 373904 373042 376654 380159 386213 388311 393430 396310 398570 398913 Tie in der heutigen Dormittagsziebung Gesogenen beiden Haiwtgewinne von je 1UOOOO M. fielen auf Nr 28"024 in Abteilung I na* Karls« ruhe (Baden), m Abteilung ll nach Cannstatt. Im Gewinnrade verblieben 2 Prämien zu 500000 2 Gewinne zu 500000, 2 zu 300000, 2 zu 200000, 2 zu 50000. 6 m 25000, 34 zu 10000, 74 zu 5000, 178 ,u 3"00, 370 zu 2000. 800 zu 1000, 2054 zu 500, 545b zu 300 Mk. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Danknoten Die hinter den Papieren angeführien Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdislont 6,5 Prozent, 7,5 Devisenmarkt Derlin-Frankfurt a HL Telegraphische Auszahlung. ."zranksurt a. M. Berlin Schluß» 1 Uh» Schluß» Anfang Kurs Kurs Kurs flute Tatuni 27.2. 27 2. 26.2. 27 2. 5% $t. IReirfieanieitje >. 192 < Di. 2lnL-'21blö|.-ed)Ulb mit Aus 87,45 — 87,5 iof.-lHed)ten........ —- — 54 54 2ecgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 7% Frank). Hyp.-Bk. Goldps. im — 12,65 13,1 12,75 künvbar bis 1932...... 90 —_ _ _ 4Vi% Rheinilche Hyp.-Bank Stau Goldpf............ A.E.G. abg. B orkriegS- Obligation 81,5 — — — rüdjabQxn 1932 .... 86,5 — — — 4% Schwerz. Bunve»b.-Nnl.. . 97,6 _ 4% Leslerreichilche Goldrte.. . 31,5 _ 31,6 - - 4,20% Gelten. Gilbente. . . . 3,05 _ 3,05 _ 4% Gcslerreich. einheill. Rte. . _ 4% Ungariiche Goldrte..... 25,25 _ 25,2 25,3 4% Ungariiche Staater. v. 1910 4',% de-gl.von 1913 . . . 21,55 21,25 - 23 4% Ungarifrfie fironenrte.. . . 2,2 _ 2.2 4% Türk. Bullanleibe v. 1911 . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. 10,75 10,5 10,8 .0,6 Serie 1.......... 4% desgl. Serie 11...... 10,6 10.6 9,9 10,4 4% Rumänen coiwert. Rte. . . 8,85 -__ 4%% Rumänen Goldanl. von 1919 18,6 — 18,8 — Allg. Deutsche (Hlenbahn . . *y. _ _ Hamburg Amerika Paket ... 8 — 123,5 123,75 122.1 Hainb.-^übam. Dampssch. . . 5 —— 183 182.75 Hansa Tamvsschiss.....10 -W — 165 164 Norddeutscher Lloyd.....8 124.5 123,25 124 122,5 IM 4 Allg. Deutsche Creditanst. . . 10 139 39,5 Barmer Bankverein .... 10 139,25 139 h Berliner Handelsgesellsch. . . 12 — — 226,5 226,25 Commerz» und Privat-Ban! . 11 96,5 192,75 -96,25 195,75 $ arm ft u. Nationalbant . . IZ 271 — 276 271 Deutsche Bank......1° • 68,5 — 169 168.5 Didkonro^esellschaft Ant.. . 10 163,5 — 163,75 163,25 Dresdner Bank . . W 169 163 169 168 Mitteldeutsche Ereditbank ... 9 Metallbank .........8 125,25 125,75 125,5 124,75 292 — 295,5 295,25 Berlin. 26. F.'bruar (Sei) ■■brtef tiriaißoitjaje Wot.it ..... 16,45 16,51 poilanbnche Noten...... 168,26 168.94 — 146,5 145 Lahmeyer 4 To.......10 159,9 —- 161 Buderus..........d 81,25 — 81 79 Deutsche ErdSI.......C 119,75 118 119,6 118 Essener Steinkohle......k — — 119 Gelsenkirchener . . . f. I. -> 128 127,75 129 128 Harvener. ......... r 135,5 —— 135,75 136 Hoesch Eisen.........k — — 119,25 118 Ilse Bergbai.......... 206 —• 207 202 Klörknenve..'......... — 105 104,25 118,75 flöln-Reueiten........0 — — 119,4 Mannesman»........8 120 119,13 120,25 119 ManSselder.........7 — — 112,13 112,25 Cberfdilel. Eisenb. Bedarf... 6 —— — 91 89,25 Lberschlei- Kokswerke.....f —— — 98,5 96,25 PhSnir Bergbau......5V- 94,5 94,75 95,5 95 Wbeintfdie Braiinkohlen... 1' 280 278,5 279 278,5 Rheinsiabl . . f. % Jahr 4'- 125 —- 125 123,5 Riebeck Montau......7, — — Bereinigte Stohlw......1 97,25 — 97,4 97 Ctaol Minen.......2 s — 67,25 66,5 66,75 Kali Aschersleben.....> 198,75 194,75 200.5 192,5 Weklerege^t......1 205 199,5 205.25 197 Kaliwerk SoJubetfurtb ... 1 — 302 283 3- ®. fiarben-Jnvuslrie ... 1 242,25 242 242. 241,25 Dynamit Nobel....... — 114 112 Lcheideanstalr........! — 170 Goldschmidt ........L 86,75 87 86,’5 RütgerSwerke ...... k MetallgeseNschoft. ..... 11 92 91,75 92 eö,75 185 Schluß- 1-Unc- Echlub- Anfang Kurs Kur, Kurs Kurs Tatum 26.2. 27.2. 26.2. 27 2. l-guiop -vu., dünn....... 123 — 122,5 118,75 Heidelberger Eemeni .... V 137,5 —— Gement Karlstadt......k — — - Wayß 4 Freitag......10 129.9 — 129,75 — Schultheis Patzenhofcr ... 1! — 274,5 271 Cftroerte.........1- — — 227 225,25 Ber. Glanzstoss......1t — — 413,5 408,75 Zellstoss Walbhos.....li 253 253 254,75 253 Zellltoss Aschaffenburg ... Y. 181 183 185 EharloNenburger Liasier . . . < 121,75 120 Dessauer Gag........? — 208 206 Daimler Motoren......0 53 __ 53 51,5 Demag ..........0 49,5 49,5 Adlerwerke Slever......5 — — 50 50 Ludw. fioeroe.......io 210 208 Rat. Automobil.......0 — —— 33 32,5 Erenftein 4 Koppel.....5 — — 85.75 85 Leonhard Tiey.......f — — 262 259,25 Bamag-Meguin.......0 — —_ Franks. Maschinen......6 61 60,4 61 Grinner.........11 103 102 Heyligensiaedt.......0 15,5 äunghan«..........A Lechwerke..........k 73 113 — 72 — Mainkraftwerke.......8 119 — _ Aiiag...........lf 142 — 143,5 142 Rekarsulmer........8 26,5 27 26,75 Peters Union........8 103,5 103 Gebr. Roeder.......ir 128 Boigt 4 Haeffner......8 212 Dübd. Zucker........8 143.5 — 144-75 — 26 Jeoruar 27 Februar Am.liche Notierung Amk.tche Notierung (»clb Brie' Weib Brier tint-t.-iHott. 168,63 168,97 168,62 168,96 Bu n -AireS 1,770 1,774 1,771 1,775 Brn. Antw 58,47 58,59 58,485 58,605 Ghriftiania - 112,27 112,49 112,25 112,47 Kov-'nling.'n 112,25 112,27 112,23 112,45 Stockholm . 112,49 112,77 112,48 112,70 Helnngfors. 10,59 10,61 10,58 10,61 Italien. . 22,04 22,08 22,045 22.085 London. . . Neunort . . 20,43 20,48 20,431 20,431 4,2100 4,2180 4,2090 4,2170 Paris. . . 16,45 16,49 16,44 16,48 Schwei; .. 80,96 81,18 80,955 81,125 Sva i:n . 65,13 65,27 64,75 64,8$ Japan . . . •tlo de Jan Wien in D-- 1,893 1,897 1,899 1.903 0,501 0,503 0,501 0,503 Ccft. abgeft 59,18 19,30 69,14 59,28 Prag - - - - 12,469 12,489 12,464 12,484 Belirad . - 7.390 7,404 7,388 7,402 Dlldav-'t. ■ Bul arten 73.36 73,50 73.34 73.48 3.039 3,045 „,041 3,047 vifTabon Tanra... - 13,58 18,62 19,58 18,62 81,67 81,83 81,66 81,82 .donft ntin. 2.078 2,082 2,077 2-081 Athen. . . 5,435 5,445 5,44 5.45 Sanaba 1,191 4,199 4,190 4,198 llrn uat) . 4,301 4,309 4,301 4,309 Cairo . . • 20,95 20,99 20,954 20,994 Berlin. 26. Re. tun "elb Her ..ui.niaimaje No:en..... 4.194 4,214 belgische Noten........ 58,30 58,54 Dänische Norcn....... 111.94 112,38 Englische Noten........ 20,395 20.475