Nr. HZ Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 26. Juni 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. vezugspreir für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniS und Verlag: BrütjIW UnlverlitStsGuch. und Steindruckerei «. Lange in Sietzen. Schriftlettung und Seschästrftelle: Schulftratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. England zur Rheinlandräumung entschlossen. Wird Macdonald Gtresemanns Forderung auf restlose Beseitigung der Besatzung ohne neue Kontrolle unterstützen? London, 25. Sunt. (WB.) Sn einem Leitartikel über Dr. Gtresemanns gestrige Reichstagsrede sagt »Daily Telegraph": Es ist bekannt, daß die deutsche Regierung ihre Zustimmung zu dem Voung-Plan als Grundlage der kommenden internationalen Konferenz ausdrücklich von der unverzüglichen Beendigung der Rheinlandbesehung abhängig machte. Sn dieser Frage kann Deutschland nicht nur auf die Sympathie der britischen Regierung, sondern darauf rechnen, daß die britische Regierung beabsichtigt, die britischen Streitkräfte unter allen Umständen aus dem Rheinlande zurückzuziehen. Die öffentliche Meinung in England unterstützt zweifellos die Ruffassung, daß eine „endgültige und völlige Lösung des Reparationsproblems" sich nicht mit dem Verbleiben ausländischer Truppen auf dem Gebiet eines Mitgliedes des Völkerbundes verträgt. Roch über einen anderen Punkt hat der deutsche Außenminister mit merkwürdigem Rachdruck gesprochen. Er sagte, seine Regierung werde niemals der Einsetzung des vorgeschlagenen „Kontroll -und Versöhnungsausschusses" im Rheinlande für den Preis der militärischen Räumung x u st i m m e n. Eher werd« sie bereit sein, mit dem Fehlschlag der Konferenz und mit dem Zusammenbruch des neuen Planes zu rechnen. „Daily Telegraph" erklärt hierzu: Sn England ist dieser Vorschlag niemalsmit günstigen Augen betrachtet worden, da eine derartige Kontrolleinrichtung in dem Versailler Vertrag nicht ins Auge gefaßt ist und da die Friedenskundgebung, die in der Räumung des Rheinlandes liegen würde, dadurch beinahe ihren ganzen Wert verlieren würde. Seht, wo es sich um die Verwirklichung eines Planes handelt, dessen wesentlicher Zweck die Beseitigung aller vorhandener ausländischer Kommissionen bildet, ist man der Meinung, daß die gleichzeitige Einsetzung einer neuen Rheinlandkommission nicht nur ein Anachronismus sei, sondern dem Geiste des Berichtes der Sachverständigen auch widersvrechen würde. Der Londoner Berichterstatter des „Echo de Paris" schreibt: Die britische Regierung ist der Ansicht, daß die Räumung des Rheinlandes sofort erfolgen muß, sie lehnt es aber ab, dem Standpunkt beizutreten, daß die Deso h u n g s k o st e n , da sie nicht mehr im Voung- Plan figurieren, von September ab Deutsch- landzurLa st fallen könnten. Die englische Regierung tritt offen für die deutsche These ein, daß Frankreich keine Garantie als Austausch für die vorzeitige Räumung in Form einer ständigen Feststellungs- und Ausgleichskommission gegeben werden darf. Das Rheinland zum 28. Mi. Erne Kundgebung vor dem Kölner Dom. Köln, 24. Sunt. (TU.- Die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartci, das Zentrum, die Dcutschdemokraten und die Wirtschastsvartei erließen folgenden gemeinsamen Aufruf: Am 28. Suni jährt sich zum zehnten Male der Tag der Unterzeichnung des Friedensdiktats von Versailles. Zehn Sahre lang haben alle Deutschen, insbesondere wir Rheinländer, am eigenen Leibe gespürt, was dieser Vertrag dem ausgehungerten Deutschland an unabsehbaren Leiden, Demütigungen und Lasten aufcrlegt hat. Ml dieses maßlose Tlnrecht gründen die Siegerstaaten von Versailles auf der Unwahrheit von Deutschlands Alleinschuld am Weltkriege Die Revision des Versailler Vertrages muß mit der Beseitigung dies er Schuldlüge beginnen. Zehn Sahre nach der älnterzeich- nung des Friedensdiktats wollen wir rn alle Welt hinausrufen a l s e in st imm i ge F or derung aller Deutschen: -Fort mit der unwahren Behauptung von De u t s ch - lands Al le in schuld!" Die politischen Parteien rufen die gesamte Bevölkerung auf, rn einer machtvollen Kundgebung am Vorabend des Tages der Unterzeichnung, am Donnerstag, dem 27. Suni, abends 7.30 Uhr, auf dem Dorn- platz zu Köln diesem Verlangen feterltchen Ausdruck zu geben. Gegen die Fortdauer der Besetzung Die Stadt Mainz fordert Freigabe des besetzten Gebiets ohne Einschränkung und Kontrolle. Mainz, 25.Juni. Der Mainzer Stadtrat nahm in einer außerordentlichen Sitzung aus Anlatz der zehnjährigen Wiederkehr des Tages, an dem das Friedensdiktat von Versailles un° terzeichnet wurde, folgende Entschließung an: Am 28. Juni sind zehn Jahre vergangen, daß Deutschland sich gezwungen sah, den F^densoertrag von Versailles zu unterzeichnen. Das deutsche Volk hat in diesem Vertrag Lasten auf sich genommen, die ohne Beispiel in der Geschichte sind. Darüber hinaus trägt die deutsche Bevölkerung am Rfem, die gewöhnt war, frei und unabhängig zu leben, den schweren Druck der Besatzung. In besonders starkem Maße ist die Stadt Mainz durch die große Besatzung, die sie in ihren Mauern unterzubringen hat, in Mitleidenschaft gezogen. Deutschland ist dem Völkerbund beigetreten, weil die Ziele dieses Bundes seine eigenen sind, Deutschland hat ab gerüstet und den L o - carnovertrag mit Frankreich abgeschlossen, Deutschland hat seine Verpflichtungen aus dem Frie- densvertrag bisher r e st l o s erfüllt. Da nunmehr auch die Reparationsfrage gelöst und damit der letzte Vorwand für die Besetzung gefallen ist, fordert der Stadtrat von Mainz als gesetzliche Vertretung der Stadt am zehnten Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles die endgültige und restlose Freigabe des besetzten Gebiets, damit sich das schwer darniederliegende Wirtschaftsleben des einstmals blühenden Rhein- Frankfurt a. 2TL, 25. Juni. Der hessische Staatspräsident Dr. Adelung beschäftigt sich in einem Zeitungsartikel mit den dem verfassungsausschuß der Länderkonferenz erstatteten beiden G e - meinschaflsreseraten. den Organisations- Vorschlag für die künftigen Länder und das die Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern abgrenzende Referat. Beide Referate hält der Staatspräsident für verbesserungsbedürftig. Wenn das Wort vom „dezentralisierten Einheitsstaat" einen Sinn haben solle, dann dürfe den Ländern beispielsweise die Aufsicht über die Gemeinden und die kulturver- w a l t u n g nicht genommen werden. Dann aber sei es auch verfehlt, diese Gebiete programmatisch in die Zuständigkeit des Reiches einzubeziehen und nur die Möglichkeit offen zu lassen, sie den Ländern (auftragsweise oder in selbständiger Verwaltung) zu übertragen. Wolle man wirkliche Dezentralisation, so müßten diese Gebiete den Ländern Vorbehalten bleiben, wobei den berechtigten Ansprüchen des Reiches durchaus Rechnung getragen werden könne. Rach einem Hinweis darauf, daß dann, wenn man die zentrale preußische Verwaltung — sei es auch in der Form einer zentralen allgemeine Rcichsverwalttmg — für auf die Dauer unentbehrlich hält, sich besondere Schwierigkeiten da ergeben müßten, wo, wie im rhein- Berlin, 25. Suni. (WB.) Der hier zu- sammengetretcnen außerordentlichen Generalsynode wurde vom Verfassungs aus schuh nach mehrtägigen Beratungen eine einmütig gefaßte Entschließung vorgclegt, in der es u. a. heißt: Äe Generalsynode der evangelischen Kirche der altpreußischen Union spricht ihr Bedauern darüber aus, daß im Staate Preußen mit einer zu zwei Drittel evangelischen Bevölkerung einer der beiden großen christlichen Kirchen durch förmlichen Vertrag eine gesicherte Rechtsstellung und weitgehende Möglichkeiten zum Ausbau ihrer Organisation gegeben werden sollen, während der evangelischen Kirche eine entsprechende Sicherung^ versagt bleibt. Verhandlungen mit den evangelischen Landeskirchen sind staatlicherseits zwar begonnen, aber ohne Begründung abgebrochen worden. Die vor kurzem an die Staatsregierung gerichtete ernste Vorstellung der sämtlichen evan- - gelischen Kirchen Preußens, die die Wiederaufnahme der Verhandlungen forderten, ist befremdlicherweise ohne Antwort geblieben. Gegen dieses vorgehen, das die Generalsynode als eine Verletzung der Parität empfindet, erhebt sie vor dem ganzen preußischen Volk nachdrücklich Einspruch. Die Generalsynode stellt fest, daß die öffentlich ausgesprochene Behauptung, nach der den evangelischen Kirchen durch die Gesetzgebung von 1924 im voraus in der Hauptsache das gegeben worden sei, was die katholische Kirche jetzt erhalten solle, u n - zutreffend ist. Jene Gesetzgebung, bei der es sich gerade nicht um vertragliche, sondern um einseitige staatlich« Festsetzungen handelt, hatte lediglich den Zweck, die Einführung der neuen Kirchenverfafsungen, die durch die Neugestaltung der politischen Verhältnisse notwendig geworden waren, zu ermöglichen. Dabei ist den evangelischen Kirchen die volle, der Reichsverfassung entsprechende Freiheit insofern versagt worden, als ihnen Bindungen auferlegt wurden, von denen die landes wieder erholen kann. Er fordert diese Freigabe ohne jede Einschränkung und mit dem besonderen Nachdruck, daß er jede weitere Kontrolle, die über den Friedensvertrag hinausgeht, a b l e h n t. Der Stadtrat sah von einer Diskussion ab und nahm in erfreulicher Geschlossenheit die Entschließung einmütig an. Kundgebungen zum 28. Juni im besetzten Gebiet verboten. Koblenz, 25. Juni. Die Rhelnlandkom- Mission hat alle Kundgebungen anläßlich der 10jährigen Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Vertrages verboten. mainischen Gebiet, durch Zusammenfassung von preußischen Gebietsteilen und einem bestehenden Lande ein neues Land zu schaffen sein wird, führt Staatspräsident Dr. Adelung aus: Für das Land Hessen hat der Landtag in seinen Verhandlungen vom 2Närz dieses Jahres zur Frage der Reichsreform eingehend Stellung genommen. Ich habe am Ende dieser Verhandlungen als Auffassung der übergroßen Mehrheit des Hauses feststellen können, daß Hessen jede Lösung ablehnt, die unter Zurückstellung des Reichsgedankens p a r - tikularistischer Tendenzen Vorschub leisten würde, daß es aber ebenso auch jede dreiviertel Entwicklung zu einem Zentra- lislisch regierten Reich verneint; insbesondere auch, daß ein Aufgehen Hessens in Preußen oder der Anschluß an ein irgendwie zentralistisch zusammengefaßtes Rorddeutschland nicht in Frage kommt. Ich darf dem anfügen, daß andererseits Hessen bereit ist, jede Entwicklung zu f ö r d e r n, die auf die Herbeiführung eines wirklich dezentralisierten Einheitsstaates gerichtet Ist. Aufgabe der Ländcrkonferen; muß es sein, das Bild dieses dezentralisierten Einheitsstaates eindeutig und fest umrissen herauszustellen. Dann erst wird die politische Willensbildung möglich sein, die den dezentralisierten Einheitsstaat zur Tat werden läßt. katholische Kirche freigeblieben ist und dauernd frei bleiben soll. Diese Bindungen haben sich in der praktischen Handhabung in einer Weise ausgewirkt, die die evangelischen Kirchen — bei dankbarer Anerkennung mancher finanzieller Förderung durch den Staat — als Hemmung ihrer innerkirchlichen Arbeit empfinden müsse. In dieser Lage spricht die Generalsynode die Erwartung aus, daß die gesetzgebenden Körperschaften des preußischen Staates, sofern sie die schwere Verantwortung für die Zustimmung zu dem Vertrag mit der katholischen Kirche auf sich nehmen wollen, ihn nicht genehmigen werden, ohne gleichzeitig einen die evangelischen Kirchen befried!genden Vertrag zu verabschieden. Die Zusage eines später abzuschließenöen Vertrages kann den evangelischen Kirchen nicht genügen, da der Ausgang künftiger Verhandlungen völlig ungewiß ist. Rur die gleichzeitige Verabschiedung beider Verträge würde den elementaren Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechen. Die Generalsynode hat sich über die Richtlinien für den Snhalt eines solchen Vertrages mit der Kirchenleitung verständigt. Sie beauftragt den Kirchensenat, bei der Staatsregierung die Wiederaufnahme der abgebrochenen Verhandlungen unverzüglich zu beantragen und ermächigt ihn auf Grund der Richtlinien, einen Vertrag abzuschliehen. Die evangelische Kirche ist jederzeit bereit, dem Staate zu gefeit, was des Staates ist. Sie wird es auch in Zukunft daran nicht fehlen lassen. Sie fordert aber, daß der Staat auch ihr gebe, was Parität und Gerechtigkeit erheischen, damit sie für die ihr geschichtlich gestellten großen Aufgaben freie Bahn für ihre Arbeit an der Seele des Volkes gewinne. Sn der Schlußsitzung der Generalshnode erstattete der Präsident der Rheinischen Generalshnode, Dr. Wolff, den Bericht über die Beratung des Derfassungsausschusses. Hierbei machte der Redner Ausführungen über den allgemeinen Hessenund der dezentraWerteEmheiMai Oer hessische Staatspräsident Or. Adelung über die neuesten Vorschläge zur Reichsreform. Lyangelische Kirche und preußenkvnkordat. Oie evangelische Generalsynode fordert Parität. - Zu Verhandlungen über einen Staatsvertrag bereit. - Gleichzeitiger Abschluß beider Verträge gefordert. Snhalt eines mit den evangelischen Kirchen ab* Anschließenden Staatsvertrages. Gegenstand dieseS Vertrages seien: 1. eine paritätische Sicherung der Religionsübung, des kirchlichen Besitzes und anderer kirchlicher Rechte; 2. eine den Grundsätzen der Rcichsverfassung entsprechende Sicherung der Selbständigkeit der Kirchen, insbesondere die Befreiung von den starken Bindungen gegenüber dem Staat. 3. eine vertragsmäßige Sicherung der Dotationen für die allgemeine kirchliche Verwaltung; 4. eine Festlegung der besherigen gutachtlichen Anhörung des Oberkirchenrals vor Besetzung theologischer Lehrstühle. Wir wollen, so schloß Dr. Wolfi unter starkem Beifall der Versammlung, keinen Kulturkampf, sondern den Frieden. — Nach längerer Aussprache wurde die Vorlage des Verfassungsausschusses bis auf wenige Stimmen, denen in der Entschließung die Bedenken gegen das Konkordat zu milde gefaßt waren, angenommen. Sofort nach Schluß der Generalsynode trat der Kirchensenat zusammen, um über die Einleitung weiterer Verhandlungsschritte mit der preußischen Staatsregierung Beschluß zu fassen. Erste preffestimmen. Die „Germania" zum Beschluß der Generalsynode. Berlin, 26. Suni. (Telun.) Zu der Entschließung der evangelischen Generalsynode über einen Vertrag der evangelischen Kirche mit fern Staat und über das Konkordat schreibt das Berliner Organ des Zentrums, die „Germania", u. a.: Sn der Entschließung liege weder eine klare Ablehnung noch eine Zustimmung zudem Vertragemit der Kurie. Wenn aber davon die Rede sei, daß grundlegend« Festsetzungen des Vertrages den evangelischen Volksteil schwer beunruhigen und daß sie zu einer Beeinträchtigung des kostbaren Gutes des konfessionellen Friedens führen könnten, so liege darin eine Stellungnahme, die der sachlichen Begründung entbehre. Weiter hebt die „Germania" hervor, daß es sachlich unbegründet sei, den Abschluß des Vertrages mit der Kurie ohne gleichzeitige Verabschiedung eines Vertrages mit den evangelischen Landeskirchen als Verletzung der Grundsätze der Parität hinzustellen. Bei der Auseinandersetzung der protestantischen Kirche mit dem preußischen Staate im Sahre 1924 sei von katholischer Seite dieser Vorwurf der Smparität nicht erhoben worden. Die Entschließung gebe selbst zu, daß der Ausgang gütiger Verhandlungen mit Preußen und den evangelischen Landeskirchen völlig ungewiß sei. Dann bestünde also die Möglichkeit, diese Verhandlungen so lange hinauszuzögern, daß die Verabschiedung des Vertrages mit der Kurie i n absehbarer Zeit unmöglich bleibe. Ein sachlicher Grund für eine solche Behandlung der Frage, lasse sich nicht beibringen. — Die „D. QI. Z." sagt, was die Evangelischen forderten, sei lediglich dasselbe, was in früheren Sahrzehnten die Katholiken gefordert hätten, nämlich Parität. Der preußische Ministerpräsident Braun werde auf Grund seiner demokratischen Weltanschauung nicht übersehen dürfen, daß zur Demokratie nicht nur das Recht der Minderheit, sondern ebenso sehr das Recht der Mehrheit gehöre, selbst dann, wenn es sich nicht um politische, sondern um weltanschauliche Fragen handele. Eine Verschleppung würde in dieser Frage nicht die übliche Beruhigung, sondern sichtlich eine nicht ungefährliche Erregung bedeuten. Das aber könne vom nationalen Gesichtspunkt aus ebenso wenig verantwortet werden, wie vom Standpunkt der Kirchen, sei es der evangelischen oder der katholischen. Or.BüngefsächsischerMimsterpräsident Dresden, 25. Sunt (WTD.) Sm Sächsischen Landtag, der heute mittag den dritten Wahlgang für den Posten des Ministerpräsidenten vornahm, wurden 96 Stimmzettel abgegeben. Davon entfielen auf den volksparteilichen Qlbgevrdneten und derzeitigen Volksbildungsminister Dr. Dünger 44 Stimmen, auf den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Fleisner 33, auf den demokratischen derzeitigen Snnenminister Professor Apelt fünf, auf den bisherigen Ministerpräsidenten H e l d t zwei Stimmen. Außerdem wurden zwölf weiße Stimmzettel abgegeben. Präsident Weckel ließ den Landtag öarüfer abstimmen, ob Dr. Dünger die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht habe oder nicht. 49 Stimmen erklärten sich dafür, 47 dagegen. Damit ist Dr. Dünger zum Ministerpräsidenten gewählt. Sm Anschluß an die Wahl fand sofort die Vereidigung des neuen Ministerpräsidenten statt. Rücktritisabsichten der Regierung in Mecklenburg-Schwerin. Schwerin, 25. Suni. (WD.) Die Regierung beabsichtigt, den am 23. Suni gewählten 6. ordentlichen Landtag alsbald nach der Feststellung des Wahlergebnisses — voraussichtlich am 9. Suli — zur ersten Sitzung einzuberufen. Sn dieser Sitzung wird, wie verlautet, die sozialistisch-demokratische Regierung Schröder mit Rücksicht aut den Ausfall der Wahlen ihren Rücktritt erklären. Oer Sieg des (Asaß. Vierzehn Tage hat Dr. Roos, der mit aller Gewalt zum Rebell und zum Verräter an Frankreich gestempelt werden sollte — wie vor ihm schon die Autonomisten in Colmar —, vor den Geschworenen in Besan^on gekämpft und hat dabei gesiegt. Cs ist dabei nicht ohne Pikanterie, dah auf elsässischem Boden ein Schuldig gesprochen werden konnte, während die Geschworenen französischer Rationalität die Schuldfrage verneinen; beides zweifellos ein politisches Urteil nur mit dem Unterschied, daß die geborenen Franzosen sich als die Klügeren erwiesen haben. Sie gaben durch ihren Freispruch den Franzosen noch eine — wahrscheinlich die letzteI — Chance, den seelischen Verlust Elsaß-Lothringens zu verhüten. Denn gerade das Colmarer Urteil hat gezeigt, wie gefährlich es ist, auf diesem Gebiet Märtyrer zu schaffen, die autonomistische Bewegung war in ihren Anfängen so schwach, daß sie von der französischen Regierung durch das leiseste Entgegenkommen im Handumdrehen vernichtet werden konnte. Sie ist so groß und stark geworden erst aus dem Trotz und aus der Sorge heraus, dah der französische Kurs die Romani- sierung dieses alten deutschen Landes mit aller Gewalt erzwingen wollte. Welche Umschichtung in wenig mehr als einem Jahrzehnt! Als die Franzosen ins Elsaß einrückten. wurden sie von der überwiegenden Mehrheit der Devöllerung als Erlöser begrüßt. Das war für Deutschland schmerzlich, aber psychologisch verständlich. Sn den fünf Sahren des Krieges war Elsah-Lothringen mehr oder minder Front, stand also unter den härtesten Kriegsgesehen, die noch dadurch verschärft wurden, dah einzelne von ihnen zu Verrätern an der deutschen Sache geworden sind und dah der Milltarismus in schließlich berechtigter Rotwehr diese Erfahrung verallgemeinerte. Genug, für unser altes Reichsland war der Einmarsch der Franzosen eine Erlösung von seelischen und körperlichen Leiden. Hnb es gehörte sicherlich nicht viel Geschick dazu, um die Sympathien zu erhalten, die offenen Herzens entgegengebracht wurden. Die Franzofen haben das gerade Gegenteil getan. Sie haben tatsächlich in wenigen Sahren Elsah-Lothringen besser germanisiert, als Deutschland das in fast einem halben Sahrhun- dert verstand. Die einst verlachte Autonomisten- bewegung toucfrä, obwohl sie ohne Geldmittel arbeiten muhte, zu einem riesenhaften Baum, der heute das ganze Land überschattet und die Parteien, die nicht mitmachen wollen — wovon die Sozialisten ein trauriges Lied zu singen wissen —, einfach erstickte. Die Geschworenen von Desan^on haben dem Autvnomismus nun bestätigt, dah er eine berechtigte Kultur b e w e g u n g ist. Erkennt die französische Regierung diese Feststellung an, zieht sie sofort die nötigen Folgerungen, indem sie eine Amnestie erläht und künftig Sprache und Sitten der Bevölkerung achtet, dann kann sie vielleicht das Land für sich noch retten. Poincarä scheint für sich aus dem Urteil von Besan^on unverzüglich die Konsequenzen ziehen zu wollen, er hat dem Kabinett eine Generalamnestie für Elsah-Lothringen vorgeschlagen. Seine Ministerkollegen haben sich ihm angeschlossen, so dah nunmehr die französische Kammer über einen entsprechenden Gesetzentwurf abzustimmen haben wird. Poincare hat also offenbar eingesehen, dah er sich in Elsah-Lothringen mit Gewalt doch nicht durchsetzen kann, und will nunmehr durch eine allgemeine Versöhnung für eine Verschmelzung der neugewonnenen Provinzen mit Frankreich den Boden vorbereiten. Cs fragt sich allerdings, ob die Generalamnestie ein Abebben der Heimatbewegung im Gefolge haben wird. Elsah- Lothringen hat gesehen, was es durch festes Zusammenhalten erreichen konnte, es wird sehr wahrscheinlich an der Heimatbewegung s e st h a l t e n, weil sie den besten Schutz gegen neue Uebergriffe der Franzosen darstellt, die sofort wieder in die Erscheinung treten werden, wenn man die Waffen streckt, in der Hoffnung, dah mit der Begnadigung der verurteilten Auto- uomisten auch ein grundsählicherWandel in der franzöfischen Elsah-Politik verbunden ist. OerBeschluß desMmisterrais. Paris, 25. Sunt. (WTB.) Sm Ministerrat wurde auf Vorschlag des Ministerpräsidenten, des Ministers des Snnern und des Unterrichtsministers beschlossen, in der Kammer einen Gesetzentwurf über Amnestiemaßnah- men in Elsah-Lothringen einzubringen. Der Gesetzentwurf, der nur aus einem Artikel besteht, sieht völlige Amnestie vor 1. für alle in den drei elsaß-lothringischen Departements begangene Vorgehen gegen die Artikel 87, 88 und 89 des Strafgesetzbuches, 2. für alle Vergehen von Beamten, die das Heimatbundmani- sest vont 5. Suni 1926 unterzeichnet haben und dafür diziplinarisch bestraft worden sind. Sn der Begründung dieses Entwurfes wird an das Urteil des Schwurgerichts von Desaneon erinnert, das das Bestehen einem Komplotts im Elsaß verneint. England und die Sowjetunion. Tie Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. London, 25. Suni. (WTB.) Der „Daily Herold" meldet, dah der erste diplomatische Schritt zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetruhland erfolgt ist. Die Daldwinregierung hatte seinerzeit den Regierungen der Dominions versprochen, sie um ihre Meinung zu fragen, wenn die Frage der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Sowjetrußland wieder auf die Tagesordnung komme. Da es unhöflich gewesen wäre, wenn man dieses Versprechen nicht eingehalten hätte, ist an die Dominions eine Mitteilung gekabelt worden, in der sie von der Absicht der britischen Regierung in Kenntnis gesetzt werden, die diplomatischen Beziehungen zu den Sowjets wiederaufzunehmen. Man erwartet, dah die Antwort der Dominions bald eingehen wird. — Der „Daily Telegraph" spricht von einer Spaltung des Kabinetts in der Frage der Wiederaufnahme der Beziehungen. Gin Teil der Minister fei für ein Uebergangsstadium, währenddessen beide Länder in den gegenseitigen Hauptstädten nur durch Geschäftsträger vertreten fein sollen, während ein anderer Teil für sofortige Ernennung von Botschaftern eintritt. Der britische Botschafter würde Kennworthh sein. Sie Tragödie der feindlichen Mder. Seginn des ToWagprozesses Friedländer in Zerlin. Berlin, 25. Suni. (WTB.) Der Prozeß gegen den 19jährigen OK a n a ff e Friedländer, Der im Sanuar in der Wohnung seiner Eltern in Berlin, Passauer Straße, seinen Bruder Waldemar und dessen Freund Tibor Földes erschossen hat, hat heute vor dem Schwurgericht begonnen. Unter den sechs Geschworenen befindet sich auch eine Dame. Der Angeklagte ist ein schmächtiger, blasser und etwas kränklich aussehender junger Mann, der mit klarer und deutlicher Stimme auf die Fragen über seine Personalien antwortet. Cr ist in Petersburg geboren, wo sein Vater früher als wohlhabender Kaufmann gelebt hat. Sein von ihm getöteter Bruder Waldemar war um elf Monate jünger als der Angeklagte. Manasse hat eine Berliner Oberrealschule bis zur Tertia besucht, die Schule dann aber, weil er sitzen blieb, verlassen und in einer Vorbereitungsanstalt das Einjährige gemacht. Er ist dann in den photographischen Verlag, in dem der von ihm erschossene Tibor Földes als Laborant tätig war, als Laufbursche bzw. Lehrling eingetreten. Mit dem jüngeren, aber körperlich kräftigeren Bruder war es in den letzten Sahren des öfteren zu brutalen Auftritten gekommen. Etwa ein halbes Sahr vor der Tragödie war der Angeklagte gegen ausdrückliches Verbot fortgegangen. Als er nach Haufe kam, wollte ihn die QKuttef strafen. Er wollte sich nicht schlagen lassen und hielt sie zurück. Da sprang der Bruder aus dem tßett, schlug ihn nieder und verprügelte ihn. — Vorsitzender: „Wollte Sie die Mutter denn schlagen? Sie waren doch schon 18 Sabre alt T Angeklagter: „Sa, sie gab mir sofort Backpfeifen. Sie verhinderte auch nicht, daß mein Bruder mich verprügelte und gab ihm völlig recht. Am nächsten Tage erklärte mein Bruder, daß ich noch nicht genug bekommen hätte und warf mich mit Faustschlägen nieder." Die Erörterung wandte sich dann den Vorgängen am Mordtage selbst zu. Der Angeklagte schilderte, wie nachmittags, als der ebenfalls von ihm erschossene Tibor Földes zu Besuch da war, fein Bruder Waldemar zu ihm ins Schlafzimmer kam. aus geringfügigem Anlaß Streit anfing und ihn mit Faustschlägen aus dem -Zimmer und über den Korridor trieb. Als er im Korridor von feinem Bruder Walde- mar mit Faustschlägen mißhandelt wurde, hat er nach feiner Angabe sich plötzlich des Revolvers erinnert, den er Immer bei sich trug, hat ihn, yhne zu überlegen, herausgezogen und auf feinen Bruder gefeuert. Als auf die Schüsse hin T i b o r F ö l d e s , der sich in einem der Zimmer befand, die Tür nach dem Korridor aufrih, hat der Angeklagte, wie er behauptet, in dem Ge- Deutscher Reichstag. Berlin, 25. Suni. (VDZ.) Sm Reichstag steht auf der Tagesordnung die zweite Beratung des Sperrgesetzes fiir Rechtsstreitigkeiten über ältere staa11iche Renten. Der Rechts- ausschuß hat die Vorlage dahin geändert, daß die Vorschriften des Gesetzes nicht gelten sollen für Renten, deren derzeitige Bezugsberechtigte Gemeinden, Alniöerfitäten oder sonstige Unterrichts» oder Erziehungsanstalten, Kirchen- gescllschaften, Llnterstützunaskafsen, Waisenhäuser, Krankenhäuser oder ähnliche gemeinnützige Unternehmungen sind. Reichsjustizminister v. Guerard erklärt: Dieses Gesetz entspricht einer Rotwendigkeit, die früher von allen Parteien anerkannt worden ist. Die Erregung weiter Volkskreise darüber ist begreiflich, dah eine ungeheure Aufwertung verfügt wurde für Renten, die auf mittelalterlicher Grundlage beruhen. Es handelt sich um rund 9000 ältere Renten, die einen Aufwand von insgesamt 9 Millionen Mark erfordern. Davon entfallen etwas weniger als 2 Millionen Mark auf Standes- Herren. Die Regierung könnte es nicht verantworten, wenn vor der in nächster Zeit zu erwartenden gesetzlichen Reuregelung der Materie noch einzelne Rechtsstreitigkeiten nach dem geltenden Recht entschieden werden, so daß sie von dem neuen Gesetz nicht berührt würden. Darum ist das vorliegende Sperrgesetz eine Notwendigkeit. Das Gesetz hat meines Erachtens keinen verfassungsändernden Charakter. Abg. v. Lindeiner-Wildau (Tn.) führt aus, die preußische Regierung wolle sich hier des Mittels der Reichsgesehgebung bedienen, um s ich der Einlösung legal eingegangener Verpflichtungen zu entziehen. Sn der Hauptsache handele es sich dabei um die Ansprüche der srüher in der Landgrafschaft Hessen regierenden Familie. 1925 wurden die Ansprüche der hessischen Familie von Preußen anerkannt. Seht, wo diese Anerkennung praktische Wirkungen haben sott, versucht der preußische Ministerpräsident, sich um die Erfüllung freiwillig eingegangener Verpflichtungen zu drücken auf dem Wege über die Reichsgesetzgevung. Den versafsungsändemden Charakter des Gesetzes hat Herr von Guörard selbst anerkannt, als er noch nicht Reichsjustizminister war. Seine Meinungsänderung in dieser Frage ist wohl darauf zurück^uführen, dah eine verfassungsändernde Mehrheit für die Vorlage nicht vorhanden ist. Das Gesetz ist nicht nur verfassungsändernd, sondern geradezu verfassungswidrig. Abg. Dr. Wunderlich (D. Vp.) hält im Gegensatz zum Minister das vorliegende Sperr- geseh für verfassungswidrig. Wir würden einem Sperrgeseh auf kurze Zeit zustimmen, wenn es sich nicht erstreckt auf Streitigkeiten vor Schiedsgerichten oder vor deutschen Gerichten, die zu Schiedsgerichten bestellt sind. Wir beantragen die Ausschaltung solcher Streitigkeiten aus dem Gesetz. Bei Annahme unseres Antrags würde auch der Streit zwischen dem preußischen Staat und dem Landgrafen von Hessen nicht durch das Gesetz berührt werden. Abg. Dr. Kahl (D. 23p.) widerspricht dem Reichs- Minister m der Frage der 23erfassungsmäßigkeit der Dorlage. Das Sperrgeseh sei tatsächlich verfassungswidrig. Diese Meinung vertrete auch der bekannte Rechtslehrer Triepel. Dr. Kahl verliest einen Brief, in dem Triepel ausführt, die Annahme des Sperrgesetzes mit einfacher Mehrheit würde ein i.chwrrer Schlag gegen ditz Lerlafjuvg fühl, daß jetzt beide Gegner über ihn herfallen würden, auch auf Földes geschossen und ist dann fast unmittelbar darauf aus dem Haus ge- stürzt, um sich der Polizei zu stellen. Während der Untersuchung hat der Angeklagte angegeben, daß ein Streit wegen eines jungen Mädchens als Motiv zu feiner Tat eine Rolle gespielt habe. In der heutigen Verhandlung hielt der Angeklagte, als er auf den Widerspruch aufmerksam gemacht wurde, seine früheren Angaben nicht mehr aufrecht und behauptete, das, was er in der Voruntersuchung ausgesagt habe, habe er sich gewisser- maßen selb st suggeriert. Zum Schluß seiner Vernehmung erklärte er: Ich lebte ständig unter der Einschüchterung meines Bruders und hatte das Ge- fichl der Ohnmacht und Schwäche ihm gegenüber. Dadurch hat sich ein Haß gegen ihn in mir ent- wickelt. Da meine Mutter durchaus parteiisch war, und niemand zu Hause war, der meinem Bruder fein Unrecht vorhielt, wuchs bei mir das Ohnmachts- gefühl. Ich wollte es überwinden, und da griff ich zum Revolver und habe alles niedergefchoffen. Cs wurde sodann mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Der 17jährige Schüler Hans Sternbach gab an, daß Waldemar allen Sungens als Kraftmeier erschien, und daß er stets mit seinen Körperkräften protzte. Sn- folgedessen zogen sich die meisten Sungens von ihm zurück. Der Zeuge hat auch gesehen, wie Waldemar Manasse schlug und mit Boxschläge traktierte. Waldemar habe von seinem Bruder stets in Schimpfworten gesprochen und sich dem Zeugen gegenüber einmal geäußert, dah er Manasse nicht ertragen könne. Der Zeuge glaubt, daß holdes viel Schuld an der schlechten Behandlung Manasses durch feinen Bruder hatte, weil er Waldemar stets aufhetzte. — Vorsitzender: Spielte nicht eine Sache mit einem Mädchen hinein? — Zeuge: Ich wußte, daß Földes mit einehi Mädchen befreundet war, und glaubte, bei einem Geburtstag bemerkt zu haben, daß auch Manasse dieses Mädchen sehr gern hatte. — Der Bilderredakteur Belda, ein Angestellter des Verlages, bei dem auch der Angeklagte gearbeitet hatte, erklärte, daß der Angeklagte häufig ohne Bezahlung Ueber stunden machen wollte. Wenn er zum Nachhausegehen aufgefordert wurde, habe er erklärt, er wisse nicht, wo er hin solle, er habe kein Heim. Uebrigens sei der Angeklagte ein sehr ehrgeiziger Mensch gewesen, der sich stets mit phantastischen Gedanke und Plänen trug. Der 20jährige Vetter des Angeklagten, der Student Jakob Friedländer gibt an, dah Waldemar der Liebling der Familie gewesen sei und bevorzugt wurde. Eine lieblose Behandlung des Angeklagten hat der Zeuge jedoch nicht beobachtet. fein. Das Sperrgefetz verstoße gegen die Artikel 109 (Rechtsgleichheit aller Deutschen) und gegen Artikel 105 der Verfassung, daß niemand feinem ordentlichen Richter entzogen werden dürfe. Die generelle Fassung des Gesetzes sei nur eine Verhüllung der Tatsache, daß man damit nur eine Anzahl b e - stimmter Personen treffen wolle. (Lebhaftes Hört! Hört! rechts.) Abg. Heilmann (S.): Das Gesetz ist nach unserer Auffassung nicht verfassungsändernd. Wir finden es unmoralisch, wenn die preußische Republik heute noch der Familie der Landgrafen von Hessen eine Jahresrente von 708 000 Mark zahlt, die Bismarck nach 1866 diesen Fürsten als Lohn dafür bewilligte, daß sie die Proteste des hannoverschen Königshauses nicht mitmach» ten. Wenn diese Angelegenheit dem volksparteilichen Antrag entsprechend aus dem Gesetz herausgenom- men wird, dann werden die hessischen Ansprüche 60 oder 80 Prozent aufgewertet. Solche Leistungen aus den Mitteln der Steuerzahler sind moralisch nicht begründet. Abg. Dr. Bredt (W. P.) erwidert dem Abg. Heilmann, es sei leider schon zur althergebrachten Hebung geworden, dah V er fasfungs- widrigkeiten mit ve rf a s s u n g s ä n- herüber Mehrheit be schlossen würden. Wir werben dem Antrag Wunderlich zustimmen, der bas Gesetz nicht auf Schiedsgerichtsverfahren anwenden will. Eine Verfassungsänderung liegt zweifellos in bem Gesetz. Abg. Landsberg (S.) meint, der Widerspruch gegen bas Sperrgesetz sei nicht zu verstehen bei Abgeordneten, die die Unhaltbar- keit des bestehendenRechtszustandes anerkennen. Wenn bas Reichsgericht anderer Ansicht sei, als der Reichstag, so könne es bas Gesetz für ungültig erklären. Die Cmminger-Der- orbnung von 1924 habe auch wie bas vorliegende Sperrgesetz für längere Zeit vielen Staatsbürgern die Ausfechtung von Rechtsstreitigkeiten unmöglich gemacht. Abg. Dr. Haas (Dem.) gibt für feine Fraktion die Erklärung ab, die Demokraten sähen das Gesetz als verfassungsändernd an und würden deshalb gegen den Antrag Heilmonn stimmen. Sie würden aber auch gegen den Antrag Wunderlich sein. §1 der Vorlage wird angenommen mit den Stimmen der Linken, gegen die Deutschnationalen und Minderheiten, der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftspartei. Der Antrag Wunderlich auf Ausschaltung der Schiedsgerichtsverfahren aus dem Gesetz wird a b - gelehnt. §2 des Gesetzes wird hierauf im Hammelsprung mit 197 gegen 149 Stimmen angenommen. Der Antrag Heilmann, in der Einleitung die Bemerkung über den verfassungsändernden Charakter des Gesetzes zu streichen, wird im Hammelsprung mit 183 gegen 171 Stimmen angenommen. Danach ist das Sperrgesetz mit einfacher Mehrheit angenommen. Abg. o. Lindeiner-Wildau (Dntl.) erklärt, es müsse festgestellt werden, daß der Reichstag heute zum erstenmal durch Mehrheitsbeschluß gegen einzelne Regierungsparteien s i ch selb st die Verfassungsmäßigkeit seiner Beschlüsse besche in igt habe. Die Deutschnationalen müßten dafür die Verantwortung ablehnen. Präsident Lobe: Das ist nicht richtig Der Reichstag hat durch diesen Beschluß lediglich den dazu berufenen Instanzen die Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes überlasten. . ■— * 1 2 1 1 r f ' Aus aller Wett. König Fuad verabfchiedel sich vom Reichspräsidenten. König Fuad hat vor seiner Abreise von München nach Prag an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm abgesandt: „'Beim Verlassen Deutschlands, wo ich einen außerordentlich angenehmen Aufenthalt gefunden habe, danke ich für die herzliche Gastfreundschaft und den so warmen Empfang, den ich durch Euere Exzellenz, die Reichsvegicrung und das deutsche Volk gefunden habe. Es drängt mich, Euer Exzellenz die 03ersicherung meines lebhaften Dankes zu übermitteln mit der Beteuerung der aufrichtigen Wünsche, die ich für das Wohlergehen Euer Exzellenz und für das Gedeihen Deutschlands hege." Das Schicksal bet .Jlamanda". Obwohl bisher noch keine Nachrichten über den Verbleib des Wasserflugzeuges „Thimancia- eingegangen sind, mit bem Die spanischen Flieger Franco, Gallarza und Ruiz Alba am Freitag zum Transozeanfluge starteten, ist man in Spanien optimistisch gestimmt, vor allem, weil bas Wetter über bem Meer bei ben Azoren schön ist. Dieser Umstand berechtigt nach Ansicht ber Sachverständigen zu ber Auffassung, baß die „Numancia", zum Niedergehen auf bem Meere gezwungen, auf dem Wasser treibe und, wenn auch sehr langsam, nach den Inseln steuern könne. Vier ior« pedobootszerstörer sind nach ben Azoren in See gegangen. Außerbem ist bas vor Gibraltar liegende britische Flugzeugmutterschiff „Eagle" mit 27 Flugzeugen an Bord nach ben Azoren in See gegangen. Die „Numancia" ist sehr kräftig gebaut uno kann sich barum unbegrenzte Zeit auf dem Meere halten. Der zweite lutherische TBelttonoenL Sn Kopenhagen tritt am Mittwoch der zweite lutherische Weltkonvent zusammen. Abgeordnete des Luthertums aus aller Welt werden erwartet. Die lutherische Kirche Amerikas sendet 29 Vertreter, Deutschland 37, die skandinavischen Länder 30. Auch die lutherischen Kirchen Sn bien 8, Chinas und Sapans werden vertreten sein. An der Spitze der deutschen Abordnung stehen die lutherischen Landesbischöse von Sachsen, Hannover, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Braunschweig, der Kirchenpräsident von Bayern, der Landesoberpfarrer von Thüringen und daneben eine stattliche Anzahl von 'Vertretern der lutherischen Konsistorien und Synoden. Reben den eigentlichen Fragen der lutherischen Weltanschauung wird sich der Konvent mit den gemeinsamen praktischen Aufgaben des Luthertums auf den verschiedenen Gebieten deS öffentlichen und kirchlichen Lebens (Sugend, soziale Arbeit, Missions- felder, Presse und anderes) beschäftigen. Lin folgenschwerer Irrtum. Ein Flieger der mexikanischen Bundestruppen entdeckte bei einem Erkundungsflug in der Nähe von Sarranca eine Truppenabteilung, die sich verschanzt hotte. In der Annahme, daß es Aufständische seien, warf der Flieger Bomben ab. In Wirklichkeit handelt es sich um Bundes- truppen, von denen durch die Fliegerbomben ein Offizier und 15 Mann getötet und 15 Mann verwundet wurden. Ein ungewöhnliches Wiedersehen Im Gerichlssaal. Während einer Verhandlung vor dem Schwur- geeicht Stade erkannte die Angeklagte in einem Ge- schworenen ihren Bruder, den sie seit 26 Jahren nicht mehr gesehen hatte und der sie nicht wiedererkannte. Die Verhandlung mußte zur Ladung eines anderen Geschworenen vertagt werden. Oie Wetterlage. Thorsh. la (oruna. Dienstag, d.25. Juni 1929, 7" aMs. ©wolkenlos.O heiter o naio oeoecxL »wolkig. ®oedetxi, •lteoe<\ * Schnee & Graupeln a Neoei K Gcwitur.(§)wind$tiiie. «O-> seht leichter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwest Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien verDmden Orte mit gleichem aut neeresmveau umgerechnelen Luftdruck Wettervoraussage Der Einfluß der nordöstlichen Störung geht mit der weiteren Abflachung feinem Ende zu. Mit dem Zustrom kühler Lustmassen seht langsamer Darometeranstteg ein, und unter feinem Einfluß geht die Bewölkung zurück, so daß es zu aufheiterndem Wetter kommt. Wenn sich auch zunächst die Kallluft noch aus die Temperaturen auswirkt, so werden sie doch mit dem Abflauen der Luftzufuhr durch die Sonnenstrahlen allmählich 'tagsüber wieder ansteigen. Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkig mit Aufheiterung, noch mäßig warm, jedoch langsamer Temperaturanstieg, trocken. Wettervoraussage für Freitag: Mehr aufheiterndes Wetter und weitere Erwärmung. Lufttemperaturen am 25. Suni: mittags 12,9 Grad Celsius, abends 10,6 Grad: am 2K Juni: morgens 12,6 Grad. Maximum 13,2 ®rab„ Minimum 9,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juni: abends 14,1 Grad: am 26-Juni: morgen; 18,4 Grad Celsius. __________* ■naiiKirmi «arummg—duiinurjiiHi iiiiimi iiimhuhi iiMcraBwinirri i iru.-r.’ru ^.bului’uwjbi» » Das Spmgefeß für standeshmliche Renten Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 26.3uni 1929. Augenarzt und Wochenende. Don Or. Hans Lachmann, Äerlin. Es kann vom ältlichen Standpunkt aus nur begrüßt werden, daß immer mehr Stadtbewohner sich entschließen, ihr Wochenende und ihren Urlaub fern von den Mauern der Stadt zu- zubringen. Jeder einzelne empfindet, auch wenn es nur ein einziger freier Tag gewesen ist, wie viel Erholung und Kräftigung er dem Körper gebracht hat. Er ist bestrebt, die wenigen Freistunden, die ihm der Beruf läßt, zum Besten seines Körpers so gut wie möglich auszunutzen, und gerade denjenigen Organen seines Körpers die meiste Erholung zukommen zu lassen, deren treue Dienste er bei seiner Werktagsarbeit gebraucht. So tritt dann auch immer wieder an den Augenarzt die Frage heran, wie der Berufstätige in seiner Wochenendfreizeit seine Augen am besten schonen und kräftigen kann. Es bedarf ja wirklich keiner Darlegung mehr, daß jedenfalls bei der Mehrzahl aller Arbeiten, sei es Kopfoder Handarbeit, das Auge eine führende Stelle einnimmt und allzuhäufig weit über Gebühr angespannt werden muß. Es ist eine alte Volks-- regel, daß das Augenlicht durch den Blick ins Grüne gestärkt werden soll, und wie so häufig steckt auch darin ein Körnchen Wahrheit. Aus großen Statistiken, die vor allem in Amerika gemacht worden sind, scheint doch hervorzugehen, daß es möglich ist, durch fleißiges Heben und in die Ferne Schauen, die Sehleistung des Auges zu steigern, speziell auch bei Kurzsichtigen, und es läßt sich gar nicht leugnen, daß von all den Farben in der Natur, das Grün von Daum und Gras dem menschlichen Auge am wohltuendsten ist. Cs läßt sich keine allgemeine Regel dafür aufstellen, ob es zweckmäßiger ist, das in der Woche gebrauchte Glas zu tragen oder wegzulassen. Das hängt von der Gewohnheit des einzelnen ab. Mit einiger Einschränkung wird man wohl sagen können, daß in der Mehrzahl der Fälle der Nichtgebrauch, speziell eines nicht allzu starken Kurzsichtigkeitsglases, keinen Schaden stiften kann. Der Gebrauch von farbigen Schutzbrillen hat in den letzten Jahren stark zu- genorfimen. Darin liegt die Gefahr einer gewissen Verweichlichung gesunder Augen — denn nur ron diesen — nicht von kranken, für dix der (,'lrzt eine Schutzbrille verordnet hat,, — ist ja Hier die Rebe. Anderseits ist cs sicher, daß bi im Nad-, insbesondere aber beim Wassersport die Schutzbrille großen Nutzen stiftet, denn das vvm Wasser reflektierte grelle Sonnenlicht belästigt und stört auch gesunde Augen häufig sehr uab leidenschaftliche Wassersportler tun zweifellos recht daran, sich eines Augenschutzes zu bedienen. Daß das Gehen oder Skiern über Glet- sche.r oder Schneefelder, die von der Sonne beschienen sind, ohne Schuhglas gefährlich ist, und zu einer schweren Augenentzündung führen kann, ist iii heute allgemein bekannt. Die reflektierten ultrv.vicletten Strahlen erzeugen eine sehr schwere und schmerzhafte Entzündung. Beim Schwimmen pflegen viele Menschen unter Wasser mit offenen Augen zu tauchen, speziell beim Rettungstauchen ist twi'3 ja erforderlich und notwendig. Es soll aber hier darauf hingcwiesen werden, daß dadurch ein Schaden entstehen kann, weil empfind- liche 2'ugen durch das Wasser gereizt und ent- zündct werden können. Der Dau des Menschenauges ist der eines Land- und nicht der eines Wasscrtieres. Daten für Donnerstag, 27 Iunt. Sonnenaufgang 3.45 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondoufgang 23.34 Uhr, Monduntergang 8.42 Uhr. 1848: der Schriftsteller Heinrich Zschokke auf Blu- menhalde (Schweiz) gestorben; — 1856: Joseph Meyer, Gründer des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,/Die weißen Rosen von Ravensberg". — Blindenkonzert. Morgen, Donnerstag, um 20 Uhr, findet im Saale des Caf6 Leib ein Kon. zert erblindeter Künstler statt. Zu der Veranstaltung wird in unserem heutigen Anzeigenteil eingeladen. Interessenten mögen die Anzeige beachten. •• Ein Erinnerungsmal für Provinzialdirektor Matthias. 3n dankbarer Erinnerung an den früheren Provinzialdirektor Ludwig Matthias, der und durch den Tod allzu früh entrissen wurde, hat die Provinz Oberhessen im Walde oberhalb des Stau- weihers im HiUersbachtal bei Lißberg, wo der Derstorbene besonders gern geweilt hat, ein Gr- innerungsmal in Gestalt eines Tempelchens errichtet, das am 7.3uli mit einer schlichten Feier eingeweiht werden soll. Provinzialdirektor Matthias hat sich durch seine rastlose Tätigkeit große Verdienste um die Provinz Oberhessen erworben. Mit ganz besonderer Tatkraft hatte er sich für die Errichtung des Wasserkraftwerks Lißberg eingesetzt, zu dessen Betrieb zwei Staubecken, und zwar eines im Niddertal bei Hirzenhain und das andere im Hillersbachtal, geschaffen wurden, wo nun auch zur bleibenden Erinnerung an den hochverdienten Beamten und ausgezeichneten Menschen dieses Ehrenmal erstanden ist. ** Der Siebenschläfertag. Es ist ein weitverbreiteter Volksglaube, daß sieben Wochen hintereinander jeden Tag Regen falle, wenn es zum Siebenschläfertag regne. Der Sievenschläfer fällt auf den 27. Juni. Seinen Namen trägt er nach einer Legende. Als der römische Kaiser Decius die Christen verfolgen ließ, verbargen sich sieben Jünglinge in einer Höhle, die in Kleinasien bei der Stadt Ephesus lag. Aber sie wurden von den Verfolgern entdeckt, und diese waren grausam genug, die Höhle heimlich zuzumauern, ehe die Schläfer aufwachten. Es war im Jahre 251. Im Jahre 446, also fast 200 Jahre später, als der Kaiser Theodosius regierte und das Christentum längst zur Staatsreligion geworden war, kam jemand auf den Gedanken, die Mauer, die die Höhle verschloß, zu öffnen. Da zeigte es sich, daß die Jünglinge während der ganzen Zeit ihrer Gefangenschaft geschlafen hatten und nun auf- wachten. Alles eilte herbei, das Wunder zu schaue«, auch der Bischof Martin und der Kaiser Die Häupter der Jünglinge waren vom Glorienschein der Heiligkeit umstrahlt. Sie lebte» nkyt mehr lange, sondern wurden zum Himmel aufgenommen. Die Sage ist weit durch den Orient verbreitet. Sie findet sich auch in der alten abendländischen Literatur. Die „acta sanctorum“ erzählen sie unter dem 27. Juni. *’ Trauergeläute. Das Evangelische Lan- deskirchenamt hat für den 2 8. Juni um 15 Uhr (die Stunde der Unterzeichnung des Versailler Vertrags) Trauergeläute von den Türmen aller evan- gelischen Kirchen angeordnet. •* Aufgehobene Straßensperrungen. Dom Oberhessischen Automobil-Club (A. v. D., Gießen wird uns mitgeteilt: Folgende Straßensperrungen find aufgehoben: die Sperrung der Straße Grebenhain—Hartmanns- Hain, der Straße Derstadt—Grund-Schwalheim und der Straße Gießen—Wieseck. *• Straßensperre In Gießen. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird die Gar- tenstraße zwischen Ludwigstraße und der Straße „Am Nahrungsberg" von heute ab bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt. ** Dom Dad-Nauheimer Kurhaus. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, findet am kommenden Samstag ab 20 Uhr auf der Terrasse des Dad-Nauheimer Kurhauses das diesjährige Sommernachtsfest statt. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung steht natürlich der Tanz, für den vier Plätze vorgesehen sind. Daß daneben auch noch allerlei andere gesellige Darbietungen die Desucher erfreuen werden, weiß man aus den Erfahrungen früherer 3ahre. Die Veranstaltung dürfte auch diesmal wieder eine starke Anziehungskraft ausüben. — Den Bemühungen der Bad- und Kurverwaltung ist es ferner gelungen, Deutschlands beliebtesten Sänger, den ersten Daritonisten der Berliner Staatsoper, Kammersänger Heinrich Schlusnus, zu einem Arien- und Liederabend am 8. 3uli im Nauheimer Kurhaus zu gewinnen. Näheres über diese Veranstaltung wird noch bekanntgegeben. *• Iin letzten Augenblick vom Tode des Ertrinkens gerettet wurde gestern gegen 17 Uhr die 23 Jahre alte Johanna S ch u - djarbt, Sonnenstraße 11 wohnhaft. Das junge Mädchen war an der Lahn auf einem Bleichplatz mit Wäschereinigen beschäftigt. Als es ein Wäschestück an der Pritsche unterhalb des Wehres spülen wollte, rutschte es aus und stürzte in den Fluß. Ein tn der Nähe beschäftigtes anderes Mädchen bemerkte den Vorgang zum Glück sofort und rief laut um Hilfe, wodurch der Wäschereibesitzer Fuchs, dem der dortige Bleichplatz gehört, auf den Vorgang aufmerksam wurde. Er eilte mit einer langen Stange rasch herbei und suchte mit dieser Stange nach dem inzwischen abgetriebenen und. in den Fluten Der« sunkenen Mädchen, das er zum Glück auch fand und nach Hineinspringen in das Wasser wieder an Land bringen konnte. Das bedauernswerte Mädchen war rntttlerroeile bewußtlos geworden. Sofort oorge- nommene Wiederbelebungsversuche brachten die Bewußtlose, deren Leben schon beinahe erloschen war, wieder zu sich. Darauf wurde sie von der Freiwil- ligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit dem Sanitätsauto nach ihrer Wohnung verbracht. Hier befindet sie sich jetzt in ärztlicher Behandlung. ** Gin Motorradunfall ereignete sich gestern gegen 20 Uhr in der oberen Licher Straße. Dort kam der in Wetzlar wohnhafte Schriftsteller Karl Neumann mit feinem Motorrad zu Fall. Der Unfall wurde durch einen zwölf Jahre alten Jungen verursacht, der rückwärts blickend die Straße überquerte und dabei dem Motorradler in die Maschine hineinlief. Der Geistesgegenwart des Fahrers ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. Der Junge erlitt Hautabschürfungen am Bein, während der Motorradler einen Schlüsselbeinbruch daoontrug und sein Beifahrer auf dem Soziussitz zum Glück mit dem Schrecken davonkam. Der öerunglücfte wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit dem städtischen Sanitätsauto zur Chirurgischen Klinik verbracht. ** Preishüten bet Hungen. Aus Anlaß des Preishütens bei Hungen, das die Ortsgruppe Gießen und Hingegen!) des Vereins für deutsche Schäferhunde in Gemeinschaft mit dem Oberhessischen Schäfer-Verband am nächsten Sonntag veranstaltet, sind von 10 bis 17 Hhr die Straßen Hungen—Grünberg und Hungen— ViUingen durch das Kreisamt Gießen für jeglichen Verkehr gesperrt worden. Die Preise, die bei dieser Veranstaltung an die Sieger zur Verteilung kommen, sind im Kunstgewerbehaus Dach, SelterSweg, ausgestellt. Interessenten mBgen Mt morgige Anzeige beachten. •* Ferienfahrten zu volkstümlichen Preisen veranstaltet die VerkehrsgeseUschaft Siemer & Co. in München im Laufe der nächsten Wochen. Es sind Fahrten an die Nordsee, an den Gardasee, nach Südtirol, nach der Adria, die Donau abwärts, an den Rhein, an die Ostsee, Mir Weltausstellung in Barcelona und nach Süd- frankreich und der Zentralschweiz vorgesehen. Für die Interessenten aus Gießen und Hmgegend übernehmen die Reisebureaus S. Loeb und Wilhelm M o e s e r die Anmeldungen. Bei diesen Geschäften sind auch Prospekte zu haben. Man beachte die heutige Anzeige. ** Der 3ugendbund im GDA., Ortsgruppe Gießen, hielt in der Samstagnacht in Homberg a. d. Ohm auf einer Anhöhe seine diesjährige Sonnwendfeier, ab. Das Wetter war nicht gerade freundlich, als die 3ugendgruppe von Gießen abfuhr. Hm so mutiger — so berichtet man uns — ging sie auf Fahrt, und der anderthalbstündige Weg von Burg- und Rieder-Ge- münden bis nach Homberg, wo man gegen 11 Hhr ankam, wurde unter lebhaftem Gesang mit echter Wanderfreude zurückgelegt. Das idyllisch gelegene, ruhige Homberg wurde munter, und zahlreiche' Einwohner zogen mit hinauf auf die Anhöhe, wo ein mächtiger Holzstoß das Ziel bildete. Vom Regen naß wollte er erst nicht brennen, bis einige Garben Stroh das Ganze zu einer mächtigen Flamme aufsteigen liehen. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Führer erklang von dem 20 Mann starken Sprechchor der Rütli-Schwur in die Nacht. Die Gaumädelsführerin, 3lse M u h s, Frankfurt, sprach von dem Symbol des Feuers als Mittel der Läuterung und der Reinheit, welche die 3ugend, die kerndeutsche 3ugcnb, erstrebe. Hüter der Reinheit zu sein, obliege vor allem dem heranreifenden Mädel. Das Lied „Flamme empor" unterstrich diese Ausführungen. „Vom wachsenden Mut" sprach hierauf der Führer an die 3ugend, von dem alten Brauch der Sonnwendfeier aus der Germanenzeit als ein Volksfest, das dem Ncttur- haften, Crdgebundenen zugewandt, von der neudeutschen 3ugend wieder zum Leben erweckt, eine Weihestunde der Selbstbesinnung sei, zur inneren Stärkung und wachsendem Mut. Drei Feuersprüche, Sonnwendlied und deutscher Nachtgesang, von Gießener 3ugendlichen vorgetragen, fand dankbare Zuhörer. Lichterloh stand der Holzstoß in Flammen, als das Deutschlandlied gesungen wurde. Feierliche ©title herrschte bei dem Solo: „Heil'ge Nacht, o gieße du". Gegen 12.30 Hhr zog die 3ugendgruppe mit Gesang ins Städtchen zurück, wo gastfreundliche Einwohner Privatquartiere bereitgestellt hatten. Am Morgen wanderte sie hinaus nach dem Goldborn, baute dort Feite und verbrachte den Tag mit Reigen und" Spielen. Der Regenschauer, welcher zwischendurch niederging, konnte die gute Stimmung nicht beeinträchtigen, und als um 6 Hhr von Neuhaus aus die Rückfahrt angetreten wurde, schien es vielen noch zu früh. Berliner Börse. Berlin, 26. 3uni. (WTD.-Funkspruch.) Auch im heutigen Frühverkehr sieht es nicht ungünstig aus, doch bleibt das Geschäft auch nach der Liquü- dation sehr still. Die Spekulation wartet anscheinend ab, ob sich das Publikum jetzt am Geschäft beteiligen wird und nennt vorläufig noch keine Kurse. Am Devisenmarkt hört man London gegen Paris 123.96, London gegen Mailand 92.68, London gegen Spanien 34.26, London gegen Kabel 4.8481, London gegen Berlin 20.3425, Kabel gegen Berlin 4.1965. 04)63 Gießen, Bad-Nauheim, Butzbach, den 26. Juni 1929. 04064 Z-3lM.'Mn. — Neubau — 2. . beschetbenen Anfprüch. Stellung gesucht. Der Be- treffenbe ist willig u. slei ig unb würde nebenher auch andere Arbeiten mit- befotgen. Schriftl. Angeb. unter 5516V an b. Gieß. Anz. erb. Knrsgel. 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Aber er krallte nur symbolisch die Hände in der Luft, denn der Haupt- schmuck war nicht so üppig bestellt, und er legte Wert auf Dollständigkeit der äußeren Erscher- nung. „Du hast doch gesagt, wenn Silberberg anruft, soll ich ihm sagen, daß du auf lange Zeit im Ausland, ja, weil du den Kerl net leiden, ja — — unö wenn Goldheim, von dem das neue Chenue- 6U^EBo läßt du denn die Derben, Lilli, du kannst doch nicht die Derben verloren haben? Peter warf sich lachend auf die Polsterbank des Abteils. Lilli lag schmollend gegenüber und puddelte mit spitzen Fingern an ihrem Hand- läschchen. Das hatte Reih-Derschluß, mit einem Ruck auf und zu, rih-rah. „Laß mich mit deinen Derben, ja. Ich kann auch ohne, ja. Lind sowas mit Silber und Gold ich nie auseinander--ob der nun das fabelhafte Chemiebuch oder der andere-- Rih-rah, rih-rah. ■ „Weib, entsetzlicher Kindskopf, das ist wichtig I Holdheim, der heißt nicht Goldheim, will mir tm Herbst eine größere Stellung verschossen — dem sagst du, daß ich nach Innerchina abgereist bin. Er muß dich für verrückt halten oder mich für einen Schwindler. Lind an Grünberg habe ich einen Brief geschrieben, ich habe ihn um eine Unterredung gebeten — über sein Buch Ja, über sein Buch —" wiederholte Lilli bockig, mit rih-rah. „Das weiß ich lange, was erzählst du mir schon immer dieselben Ge- schichten?" Peter sah zur Abteildecke, schnaufte durch die Nase: , . _ „Himmel! Gib mir einen Leitfaden durch das Labyrinth in Lillis Kopf!" „Leitfaden. Herr Doktor---schulmeisterliche Anwandlung —“ Rih-rah. „ „Derbum!" schrie Peter und klappste ihr, hast- dugesehenl eins hinten drauf. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, Juni 1929. Die Wahlen zum Südafrikanischen Parlament gaben mit einem überraschenden Siege der Natio- nalisten-Partei des Generals Hertz og, die man wohl als die eigentliche Burenpartei in Süd» afrika bezeichnen kann, geendet. Die bisherigen Verbündeten der südafrikanischen Nationalisten, die sog. Südafrikanische Arbeiterpartei, haben hingegen infolge starker Unstimmigkeiten in den eigenen Reihen eine überaus schwere Niederlage erlitten. Trotzdem wird der General Hertzog seine Regierung fortsetzen können, da es ihm gelungen ist, eine sichere parlamentarische Mehrheit zu erfechten, die es ihm für den Notfall gestattet, unter Umständen auch ohne die Arbeiterpartei im Parlament zu regieren. Allerdings hat Hertzog bisher nicht die Absicht geäußert, sich von der Arbeiterpartei zu trennen, sondern ist im Gegenteil entschlossen, mit die er zusammen weiterzuarbeiten, wohl, um auf die e Weise möglichst sicherzustellen, daß die Beschlüs e seiner Regierung von der Zweidrittel- Mehrheit gebilligt werden, die er benötigt, um seine Wahlgesetzgebung durchzuführen. Das ist für die Gegner der bisherigen Regierung, die Südafrikanische Partei Smuts, die gehofft hatten, die bisherige Verbindung zwischen Hertzog und der Arbeiterpartei lösen zu können, e-ne bittere Enttäuschung. Diese ist um so größer, als während des Wahlkampfes die Gegensätze zwischen den Nationalisten und der Südafrikanischen Partei sich so sehr verschärft haben, daß man die Nationalistenpartei Hertzogs fast als eine Partei der Buren und die Südafrikanische Partei Smuts jetzt nur noch als eine Partei der Engländer und Englandfreunde bezeichnen kann. Der Wahlsieg, den die Buren somit erfochten haben, ist um so größer, als es seit Jahren zum erstenmal gelungen ist, klare Fronten in der Eingeborenenfrage zu schaffen, in der die englischen Interessen und die der Buren auf das schärfste zusammenstoßen. Smuts hat hier seit Jahren die Ansicht verfochten, daß die Zeit für eine Beteiligung der Eingeborenen an der Selbstverwaltung gekommen sei, und daß daher den Farbigen ein Wahlrecht, wenn auch in begrenzter Form, gewährt werden müsse. Es sei des weißen Mannes unwürdig, die Farbigen, deren Zivilisation und Bildung nicht länger bestritten werden könne, von der Mitverantwortung auszuschließen, und ihnen die Rechte zu versagen, die ihnen anderswo im Britischen Weltreich gewährt wurden. Eine Fragestellung, die bis zu einem gewissen Grade berechtigt erscheint, wenn man bedenkt, welche Bedeutung die Einge« borenenfrage in Südafrika für die gesamte Entwicklung der farbigen Völker hat, die die Entrechtung ihrer Stammesgenossen gerade in der Südafrikanischen Union auf das bitterste empfmden. Ist doch nur aus den schweren Kämpfen zwischen „Schwarz und Weiß", die sich in Südafrika seit etwa drei Jahrzehnten abspielen, verständlich, warum es überhaupt in Afrika eine farbige, auf politische Emanzipierung abzielende Bewegung gibt. Smuts, und mit ihm die Engländer, befürchten, vielleicht nicht zu Unrecht, daß die Verweigerung des Wahlrechtes für alle Farbigen allmählich zu Zuständen führen könnte, die schließlich mit völliger Revolutionierung der farbigen Bevölkerung in der südafrikanischen Union, zumindest in den großen Küstenstädten, enden könnten. Demgegenüber hat die Nationalistenpartei unter Hrrtzog in der Frage des Wahlrechtes der Farbigen stets einen ablehnenden Standpunkt vertreten. Nicht, daß Hertzog an eine völlige Verweigerung jeglicher politischen Rechte der Farbigen gedacht hätte. Auch die Buren sehen die Gefahren der Politisierung der Eingeborenen durchaus ein. Aber sie wünschen, daß Unterschiede gemacht werden zwischen den Farbigen und den Weißen und zwischen den Farbigen untereinander. Denn selbstoer- ständlich würden es die Buren als eine Schmach empfinden, wenn die Farbigen mit ihnen einfach nach simplem demokratischen Prinzip gleichberechtigt sein würden. Dazu erscheinen ihnen die Kulturunterschiede zu groß. Hertzog verficht daher seit Jahren die These, daß man nur einem bestimmten Teil der Eingeborenen ein begrenztes Wahlrecht geben soll, daß nur bestimmte Teile Südafrikas für die wirtschaftliche Entwicklung der Eingeborenen bereitgestellt werden sollen, und daß schließlich eingeborenen Abgeordneten nur ganz eng begrenzte Rechte auf Anhörung in bestimmten Fragen gegeben werden sollen. Das mag schon ein sehr weitherziges Programm sein, wenn man vorn Standpunkte der Buren ausgeht. Zwei- fellos ist es aber nicht geeignet, die radikalen Forderungen der farbigen Führer zu befriedigen. Wenn es daher im Wahlkampfe den Nationalisten gelungen ist, die Buren von diesem Programm zu überzeugen, nachdem sie jahrelang zu gar keinen Zugeständnissen bereit waren, so ist dies ein Zeichen dafür, daß die Buren jetzt dieses Programm doch noch als besser empfinden, als die von großenglischen Gedankengängen geformten Pläne Smuts. Entspricht doch eben diese Art der Kulturautonom'e für die Eingeborenen sehr viel stärker der holländischen Kolonialmethode, als der vom Reichsgedanken und von Reichsinteressen beeinflußten Theorie der Engländer. Andererseits kann auch nicht verkannt werden, daß die Partei Smuts mit der Bekämpfung des Deutsch-Südafrikanischen Handelsvertrages, das ihrige dazu beigetragen hat, um burische Instinkte zu wecken. Denn in dieser zweiten großen Frage des Wahlkampfes lag das Problem der wirtschaftlichen Selb st Verwaltung Südafrikas mit einbeschlossen. Der Deutsch-Süd- afrikanische Handelsvertrag bedeutete ein erstes offenes A b r ü rf e n Südafrikas von dem Prinzip der Vorzug szölle für englische Waren, das bisher im ganzen britischen Empire galt. Smuts bezeichnete den Abschluß des Südafrikanischen Vertrages mit Deutschland geradezu als Verrat am britischen Reichsgedanken, während die Anhänger Hertzogs ln diesem Vertrage gerade einen Prüfstein dafür erblickten, wie weit England bereit sei, den Buren ihre wirtschaftliche Selbstbestimmung zu überlassen. Und das war der Punkt, an dem das Selbstbewußtsein der Buren immer noch am empfindlichsten ist. Die Antwort, die Hertzog auf die Kampfesansage Smuts gegeben hat, ist denn auch überaus bezeichnend: Er erklärte, daß seine Regierung ähnliche Verträge wie mit Deutschland auch mit Frankreich, den Vereinigten Staaten, Italien usw. abzuschließen gedenke, eine Kampfesansage, wie sie deutlicher an die englische Wirtsc' iftsfüljrung nicht gegeben werden konnte, und die daher zweifellos das ihrige dazu beigetragen hat, um die Mehr- heit der südafrikanischen Bevölkerung davon zu überzeugen, daß Hertzog in seinem Fühlen und Denken den eigentlichen Südafrikanern näher stünde als der „britische Imperialist" Smuts. Das Ergebnis des Wahlkampfes muß somit als ein Sieg der eingewurzelten du rischen Elemente gewertet werden, die wieder einmal bewiesen haben, daß sie mit dem Augenblick, wo die für sie ausschlaggebende Rassenfrage und die für ihr Empfinden ebenso wichtige handelspolitische Frage der vollen wirtschaftlichen Selbst ä n d i g k e i t Südafrikas angeschnitten wird, wissen, auf welche Seite sie sich zu stellen haben. Das ist ein Ereignis, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, da damit auch Südafrika auf dem ©ege der Verselbständigung der britischen Dominien einen Schritt weitergegangen ist, der zwar noch nicht einer Loslösung vom Britischen Weltreich und vom Britischen Wirtschaftskörper gleichkommt, aber doch an diesen Punkt näher heranführt. Die Tatsache, daß die englische Presse das Ergebnis der südafrikanischen Wahlen so übellaunig begrüßt, ist daher nur zu verständlich. Die englische Stellung Hai in Südafrika eine bedeutende Erschwerung erfahren. „Mich von dir scheiden lassen, Peterlein —° zürnte sie, rih-rah. Ihr brauner Lockenkopf baumelte über die Bank abwärts, er sah die strahlenden dunklen Augen, aus denen die Lachlust goldene Funken warf, umgekehrt. „Erst hörst du meine Erläuterung zu Ende. Nachher werden wir weitere Schritte ergreifen. Als dritter Fehler: Silbermann, nicht Silberberg —" „Ich sagte doch Silbermann —“ „Rein, du hast Silberberg gesagt —“ „Ra, mit Metall war. Is egal, du. Potsdam; Bahnhof, halloh!" Sie sprangen auf und griffen ihren Kram, dabei stießen sie sich übermütig in die Rippen und Lilli kriegte noch einen ausgerutschten Kuh, mitten auf die Rase. „Hast du auch alles?" Menschen drängten ins Abteil. „Alles!" „Futterkörbchen, Mantel, Hut, was noch?" Lilli hob die Finger ihrer Linken und blitzte forsches Rachdenken durch die Finger hindurch. „Alles, Peterlein —" Draußen fanden sie ihre Derben vollzählig wieder. Auf dem Wege zur Freundschaftsinsel aber schrie sie plötzlich auf: „Meine Wolljacke! Meine Bootsschuhe!" „Dergessen?" Sie rannte schon zurück, er konnte sie kaum einholen. Der Zug war hinaus. „Natürlich!" — — „Natürlich!" versicherten sich beide und sahen sich an. „Du hast soviel geredet, ob ich was vergesse, da muhte ich ja was vergessen!" „Ach, ich habe Schuld? —" ironisierte er. „Du bist zu spät aufgestanden, ja gewiß, da konnte man das Paketnetz nicht mehr übersehen —“ „Du bist ein Quirl. Mir wird schon ganz drehig vor deiner logischen Schaumschlägerei—“ Er ging, ganz Mann und Gatte, zum Eta- tionsvorstand. Es wurde der Derlust gemeldet und weitertelephoniert, einige Hoffnungen mitgegeben, daß vielleicht am Abend, wenn die Herrschaften nochmals fragen kommen-- Lilli war eine Weile recht still. Sie schleppten ihr Boot zu Wasser, bauten die Dorräte ein, glitten mit Morgenwind, ein Segel am Fockmast, in die veilchenfarbene Bläue des Wassers hinaus. Peter hielt das Segel und blinzle aufmerksam. Qberheffen. Landkreis Gießen. V Mainzlar, 25. Iuni. Bei den hiesigen Heugrasver st eigerungen waren die Preise kehr hoch. Die fiskalischen Wiesen in der „Sorau" kamen pro Morgen 40 bis 50 Mk. Hier ist das Gras in der Qualität weniger gut, da es sich meistens um feuchte Wiesen handelt. Höher im Preise und auch bedeutend besser in Qualität waren die Grasbestände, welche die Firma Scheidhauer & Giebing versteigerte. Hier kam der Morgen durchschnittlich auf 100 bis 120 Mk. Die Heuernte ist dank der guten Witterung der vorigen Woche nahezu voll ständig beendet. Die Ernte kann bei uns als eine gute Mittelernte angesprochen werden. r R ö d g e n, 25. Iuni. Am Montagnachmittag wurde der Landwirt Wilhelm B a l s e r X. unter starker Trauerbegleitung zu Grabe getragen. Er erfreute sich in unserer Gemeinde höchster Wertschätzung, dank seiner Gradheit, Offenheit und zurückhaltenden Schlichtheit. Achtzehn Iahre war er Mitglied des Gemeinderats und lange Zeit im Kirchenvorstand. Am Grabe legten Bürgermeister Wagner für den Gemeinderat, Wilhelm Seipp für den Kirchenvorstand, Heinrich B e l l o f für die Spar- und Darlehnskasse und Heinrich Becker für den Gesangverein „Harmonie" Kränze nieder. + Grünberg, 25. Juni. In der jüngsten G e • meinderatssitzung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren acht Gemeinderäte anwesend. Rechtsanwalt Lind, der den Prozeß der Stadt gegen die Inhaberin der Bahnhofswirtschaft führt, teilt in einem Schreiben mit, daß in der nicht rechtzeitigen Anmeldung des Unfalles an die Haft- pflichtversicherungsgeseÜfchaft eine Unterlassung der Stadt, wahrscheinlich des Bürgermeisters, vorliege, und gibt anheim, einen Beschluß herbeizuführen, daß der Prozeß durchgeführt und für die entstehenden Kosten mit Ersatzansprüchen an den Bürgermeister herangetreten wird. Der Gemeinderat ist für Durchführung des Prozesses, seine Stellungnahme wegen Regreßan- sprüche gegen den Bürgermeister behalt er sich vor. — Der Schützenverein bittet um käufliche Ue« berlassung des Geländes, auf dem er feine S chi e ß - halle errichtet hat. Das Gelände ist ihm für eine 30jährige Dauer, die 1952 abläuft, gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr von einer Mark verpachtet. Der Gemeinderat will das Gelände nicht veräußern und lehnt gegen eine Stimme das Gesuch ab. — Die Instandsetzung der Bphnhof- st r a ß e wird beschlossen, und zwar soll sie erst gedeckt und gewalzt und dann geteert werden. Da im Voranschlag hierfür etwa 4000 Mark vorgesehen sind, soll der Beigeordnete einen Kostenvoranschlag aufstellen lassen. Dann soll endgültig entschieden werden, ob für diesen Betrag nur ein Teilstück, oder mit Aufnahme eines Kapitals die ganze Straße hergestellt wird. — Für den verstorbenen früheren Pächter des Warchofes, P o n s, sind der Stadt für Klinikbehandlung, Pflege und Beerdigung Kosten in Höhe von 219 Mark erwachsen, und war daher auf dessen Nachlaß Zwangsversteigerung beantragt worden. Der Staat, dem nun in einem Prozeß gegen die Erben die nachgelassenen Grundstücke zugesprochen und auch bereits übereignet sind, will der Stadt aus Billigkeitsgründen diese Summe ersetzen, sofern sie von der beantragten Zwangsversteigerung absieht und ihre daraus entstandenen Kosten trägt. Der Gemeinderat ist damit einverstanden. — Die Holzhandlung Jonas Meyer in Darmstadt, die das Kiefernstammholz in den städtischen Waldungen durch Submission erhalten hatte, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Stadt hob daher mit deren Zustimmung den Kaufvertrag auf und ließ das Holz nochmals zur Ausschreibung gelangen. Es lag nur ein Angebot von der Firma Aug. S ch ä f e r (Hungen) vor, mit einem Preise von 7341,78 Mark. Der Mindererlös von 1968,20 Mark soll als Forderung zur Konkursmasse angemeldet werden. — Eine längere Aussprache rufen zwei Einsprüche gegen die Kanalgebühren hervor. Es wird darauf hingewiefen, daß die ausgestellte Liste unvollständig sei, und einer Ergänzung bedürfe, dte alle Anlieger an kanalisierten Straßen, einerlei, ob „Mein schönes blaues Iäckchen," sagte Lilli kläglich; „genau so blau wie das Wasser war es! Lind die neuen Schuhe! Requiescant in pace —“ Sie brubbelte Segenswünsche und versetzte ihrem Peter dabei einige Spritzer. „Meinst du, daß wir sie wiederkriegen?" „Wir? Ob du sie wiederkriegst, Gemahlin, steht dahin." Er stopfte seine Pfeife. „Hast du sie überhaupt mitgenommen? Gewiß ist das doch nicht bei dir!" Sie machte ein vornehmes Gesicht, mit etwas Verachtung in den Nasenwinkcln. Es war herrlich. Peter hätte sie stundenlang ärgern mögen, nur, um diese quirlige Mischung von Trotz, Humor, Eifrigkeit, Liebe und Iugend — ach ungestümer Iugend, hell, süß, suchend, wichtig — in sich aufzunehmen. Sie erklärte darauf Trauer und Einsamkeit und Llnverstandensein und streckte sich auf die Bank, ohne Sorge um das Gleichgewicht. Sie fuhren in sanfter Prise; Lilli sang eine Ballade von den Weißen, schönen Bootsschuhen, ach, mit Gummisohle — ach, nun segelten sie allein dahin — dahin--“ Mit der Melodie geriet sie ein bißchen in „Mignon" hinein — Beide waren so glückliche Menschen, es war noch die Spielzeit in ihrer Ehe — — — Am Abend, beim Llmkleiden zur Heimfahrt, nahm Lilli still ihres Mannes Weißen Sweater zum Waschen mit. Er hatte eine üppige Garnierung von Gras- und Mahlzeitflecken — der Tagesverlauf ließ sich an ihm ablesen. Auf dem Bahnhof in Potsdam erfuhren sie, daß Damenjacke und Schuhe anscheinend von Liebhabern gefunden seien, und Lilli hielt es für nottoenöig, einen Abgesang der Morgendebatte zu wiederholen. Hatte Peter nicht überhaupt immer nur seine Chemie im Kopse? Die war am allermeisten schuld, wenn man so ost etwas durcheinanderbrachte! Chemie war die Wissenschaft der Der- mischungen-- „Lind ich habe mir zu den Vermischungen gleich einen Quirl geheiratet!" Sie hörte gar nicht hin. „Chemie von Silberbaum!" fügte sie boshaft blinzelnd hinzu. Er drückte zur Rache seinen Hut in die Augen; das mochte sie nicht leiden. Am Endziel sahen sie sich diesmal gründlich im Abteil um, blieben deshalb die Letzten. sie angeschlossen seien oder nicht, zu Kanalgebühren heranziehe. Die Meinung von einzelnen Anliegern, sofern ihre Abwässer oberirdisch abliefen, seien sie nicht beitragspflichtig, sei irrig. Die Stadt könne an kanalisierten Straßen von jedem den Anschluß verlangen und dementsprechend auch die Kanalgebühren fordern. s. Trais-Horloff, 25. Iuni. Dieser Tage feierte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Heinrich Karl H u b l i tz. seinen 8 6. Geburtstag. Durch die Aernter, die er bekleidete, ist er weit und breit in der ilmgegenö bekannt. Don 1873 bis 1919 war er Gemeinderechner, ein Amt, das schon sein Dater seit 1854 innehatte, und das auch jetzt wieder von seinem Sohne übernommen worden ist. 46 Iahre lang war er auch Kirchenrechner des Kirchspiels Trcns-Horloff. Die 1900 hier errichtete Llntererhebestelle übernahm er ebenfalls. Im Iahre 1905 erhielt er das „Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste" und 1916 daS Kriegsehrenzeichen, da er Mitglied der Linterstühungskom- mission für Angehörige von Kriegsteilnehmern war. Bevor er Gemeinderechner wurde, war er auch während einer Wahlperiode Mitglied des Gemeinderats. Er ist noch einer der wenigen, die die drei großen Kriege miterlebt haben. Selbst gedient hat er jedoch nicht, obwohl er daS Los zum Militärdienst gezogen hatte. Da er daheim nicht abkömmlich war, konnte ihn sein Dater für 175 Gulden in Darmstadt loskaufen. Der Greis erfreut sich einer ganz ungewöhnlichen geistigen und körperlichen Rüstigkeit und nimmt noch an den auswärtigen Zahlungsterminen teil. Ostern dieses Iahres wäre er beinahe das Opfer eines LInglücksfalles geworden, da ihn ein ungeübter Radfahrer umrannte. Zum Glück kam er mit einer längeren Ohnmacht und leichten Der- letzungen davon. Kreis Friedberg. ---Pohl-Göns, 25. Iuni. Mit dem 50jährigen Iubelfeste des Männergesangvereins „Liederkranz" am Sonntag war ein Gesangs-Wettstreit verbunden. Besondere Bedeutung hatte das Fest dadurch erhalten, daß der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell (Darmstadt), dis Schuhherrschaft über die Deranstaltung übernommen hatte und die Festrede hielt. Bemerkt sei hier, daß Minister Korell in Pohl-Göns als Sohn des Lehrers Korell geboren wurde. Nachdem den ganzen Vormittag in zwei Sälen das Wettsingen auggetragen worden war, trafen um die Mittagszeit noch zahlreiche Gastvereine ein, so daß einschließlich der 16 wettstreitenden Vereine 36 Männerchöre anwesend waren. Gegen 2 Llhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das prächttg geschmückte Dorf. Vorreiter, Radfahrer, Schulklassen und Gründer eröffneten den Zug, dann schlossen sich in langer Reihe die Vereine der gesamten Llmgegend an, darunter auch „Heiterkeit" Gießen und „Eintracht" Butzbach. Aus dem Festplatz hielten der Festpräsident Konrad Sommerkorn und Bürgermeister Spieß Begrüßungsansprachen. Dann ergriff der Schutzherr des Festes, Minister Korell, das Wort zu seiner eindrucksvollen Festrede, in der er die Bedeutung des Volksliedes und Männergesanges feierte. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Frl. B r ü ck e l überreichte dem Iubelverein eine von den (Jungfrauen gestiftete Fahnenschleife. Dann folgten Gesangsvorträge der Gastvereine, Konzert, Tanz und Volksbelustigung. Minister Korell hatte zu bgm Wettstreit einen wertvollen Ehrenpreis in Form eines Gemäldes gestiftet, der für die 1. Stadtklasse bestimmt war und von dem Walzer- schen Doppelquartett zu Hochstadt errungen wurde. Dieser Verein brachte dem Minister am Nachmittag eine Ovation dar, die er mit herzlichen Dankesworten erwiderte. Das Preis- Ergebnis des Gesangswettstreits war folgendes: 1. Stadtklasse: Klassensingen 1. Preis Liederzweig Weilbach, 173 Punkte; 2. Walzersches Doppelquartett Hochstadt 172 Punkte; ? Orpheus Wetter 167 Punkte; Ehren- fingen: Ehrenpreis mit 79 Punkten Weilbach; höchstes Ehrensingen: Ministerpreis mit 78 Punk- „Gottchen, Göttchen, ein Paketchen ist liegen geblieben!" rief Lilli und wies zu dem gelbpapierenen Etwas auf ihrer Bank. „Das hat der alten Dame neben mir gehört. Sie legte es noch so störend zwischen uns, und mir halb auf den Schoß. Was wird bloß alles vergessen!" „Weißt du das ganz genau?“ wagte sich Zweifel vor. Sie blitzte ihn nieder. „Wollen wir gleich abgeben, daß es der Dame nicht ebenso geht wie uns —“ „Dir, Darling!" „Und. Du kaufst mir ja ein neues Iäckchen —" Sie drückte prüfend am Papier: „Was Weiches ist drin, sicher eine Handarbeit —“ Peter schwamm im Kielwasser ihrer Energie hintennach. „Ditte, Herr Dorsteher, das ist in unferm Abteil liegen geblieben. Cs gehört, glaube ich, einer alten Dame." Der Mann mit der roten Mühe öffnete die Tür zu feinem Dienst raum und ließ beide eintreten. Er legte fein Dienstzepter mit der Scheibe auf den Tisch. 1 „Ich bin neugierig, was drin ist!" gestand Lilli. Der Beamte lächelte nachsichtig und begann auszupacken. Lilli nahm die Signalscheibe hoch und ahmte damit ein Lorgnon nach, mit dem sie halb ihren Mann, halb das Päckchen betrachtete. „Trikot. Wohl ein Badeanzug —" Der Dorsteher nahm das Stück auseinander: „Ein fleckiges Sporthemd —“ „3a, das ist ja — meins —!“ — „Ach, das ist ja meines Mannes--das gehört ja--* , Sie liefern also Ihr Eigentum ab?" fragte der Dorsteher und lachte auch. Männer lachen über sowas! Irrtümer können doch Vorkommen — — — Lilli nahm das Päckchen gerötet in Empfang und wünschte mit rascher Kehrtwendung guten Abend. „Mein Signal — gnädige Frau — geben Sie mir wohl wieder---“ Sie war schon aus der Tür; Peter griff eS unter ihrem Arm hervor, wo sie es sachttch eingeklemmt hielt. „Abfahrt, Frau Quirl!---“ Lind da lachte er nun wieder, der rohe Menfchl ten Doppelquartett Hochstadk, letzterer Verein erhielt auch den Dirigentenpreis. 1. Landklasse: Klassensingen: 1. Preis Harmonie Dutenhofen mit 172 Punkten: der Verein erhielt ferner den Hauptehrenpreis und Dirigentenpreis: 2. Preis mit 168 Punkten und Ehrenpreis Turn- gesellschaft Dietzenbach: 3. Preis mit 167,5Punkten Germania Kirch-Göns. 2. Landklasse: 1. Preis, Ehrenpreis und Dirigentenpreis Lieder- kranz Hasselbqch: 2. Preis Konkordia Münchholzhausen: 3. Liederkranz Kirch-Göns: 4. Blas nach; 5. Zeppenfeld Rodheim v. d. H 3. L a r- d k l ässe 1. Preis, Ehrenpreis und Dirigentenpreis Salchendorf. 4. Richtpreisgekrönte Vereine: 1. Preis, Ehrenpreis, Hauptehrenpreis und Dirigentenpreis Germania Ostheim bei Butzbach: 2. Preis Liederkranz Kleeberg. Kreis Büdingen. ♦ Nidda, 24. Juni Der hiesige Männer- Gesangverein „Sängerkranz" begeht am nächsten Samstag und Sonntag die Feier seines 90jährigen Bestehens, mit der ein Gesangswettstreit verbunden ist. Etwa 1500 auswärtige Sänger werden an diesem Feste teilnehmen. Für Samstagnachmittag ist ein« Ehrung der Gefallenen am Denkmal am Johanniterturm, für Samstagabend ein Kommers in der Turnhalle vorgesehen. Sonntagvormittag wird in zwei Lokalen das Wettsingen stattfinden, nachmittags wird sich ein Festzug durch die Stadt nach dem Festplatz bewegen, wo nach der Festrede die einzelnen Vereine singen werden und anschließend die Preisoerteilung staitfinden wird. Der nach Abzug der für die Schwierigkeiten gewerteten Punkte — mit der höckp sten Punktzahl ausgezeichnete Verein soll durch einen vom Reichspräsidenten von Hindenburg gestifteten Preis ausgezeichnet werden, der aus einem Bild des Reichspräsidenten bestehl. △ Ridda, 25. Juni. Gestern wurde hier das Heugras von 100 Abteilungen je 2000 Quadratmeter städtischer Wiesen versteigert. Es hatten sich viele Steigliebhaber auch von den umliegenden Orten dazu eingefunden. Die Preise waren gegen voriges Jahr etwa das Doppelte. Eine Abteilung kam auf durchschnittlich 35 Mark. Solche mit gutem Bestand auf 50 Mark. Die Hälfte der städtischen Wiesen ist auf mehrere Jahre verpachtet. Auch hier ist der Ertrag an Heu diesmal bedeutend geringer als sonst, namentlich auf den trockenen Wiesen. — Landwirt Gustav Eichelmann, gebürtig aus Ruppertsburg, kaufte von Landwirt Karl Speng- I c r hier die in der Krugschen Gasse gelegene Hofreite nebst einigen Grundstücken. ch O r t e n b e r g, 24. Juni. DerSchützenver- ein Ortenberg hält auf seinem idyllisch gelegenen Festplatz und Schießständen am 30. Juni und 1. Juli sein diesjähriges Hauptschießen ab, verbunden mit Jugendfest. Eine Hauptanziehungskraft wird die verpflichtete Gießener Militärkapelle fein, die schon am Samstagabend ein Konzert gibt. ch Ortenberg, 25.Juni. Die Lage der I n - dustrie im Vogelsberg hat sich zufriedenstellend gebessert. Die meisten Arbeitslosen können wieder beschäftigt werben. Kurzarbeit wird nicht mehr geleistet. Die Da - -saltindustrie — besonders die größeren Werke — ist reichlich mit Aufträgen versehen. Dasselbe gilt für die Sandstein verarbeitenden Betriebe. Auch die Baugeschäfte sind vo'lb.schästi^t. d?sgl:ichen die H o l z i n d u st r i e. rl. Bleichenbach, 25. Juni. Der hiesige Spar- und Darlehnskassenverein hielt am Samstagabend seine erste diesjährige Generalversammlung ab. Hauptpunkt der Tagesordnung war die Bekanntgabe und Genehmigung der Bilanz vom 31. Dezember 1928. Das Geschäftsjahr 1928 brachte dem Verein eine ansehnliche Erhöhung des Umsatzes im Warenverkehr. Richt nur die Kleinverkaufsstelle hat sich in diesem Jahre rege aufwärts entwickelt, sondern auch der Absatz von Getreide kam auf eine vorher nie erreichte Höhe. Der bedeutend Vornan von Edgar Wallace. 11 Fortsetzung Nachdruck verboten Wenige Minuten später waren sie schon in dem düsteren Gebäude an dem Themse--Ernbank- ment und fanden nichts Auffälliges an der Tür von Zimmer 47. Er öffnete sie und schaltete das Licht ein. „Da haben wir s ja," sagte er leise. Das Schloß des Wandschrankes, in dem er die Beweisstücke des Falles Stuart aufbewahrte, war aufgebrochen, und die Türen standen weit offen. Er nahm die Schale heraus und überflog mit einem Blick den Inhalt. Die Braille-Schrift war verschwunden. 12. Er nahm den Telephonhörer ab und sagte kurz: „Schicken Eie sofort die ersten beiden Beamten, die Sie im Hause finden, hierher und einen Boten. Aber schnell." Das junge Mädchen beobachtete ihn mit Interesse. Jetzt lernte sie zum erstenmal den wirklichen Larry Holt kennen, den Mann, von dem der Kommissar gesagt hatte, daß er „nicht einmal im Schlaf die Spur verlor". Auf seinen Wunsch wartete sie vor der offenen Tür, bis er feine Untersuchung beendigt hatte. Der Eindringling hatte sich nicht die Mühe gemacht, das leichte Stemmeisen wieder mitzunehmen, das er gebraucht hatte. Es lag auf dem Fußboden. Er nahm cs vorsichtig mit einem Stück Papier auf und brachte es unter das Licht. Ein kurzer wollener Faden hing an seinem rauhen Ende, und das bewies, daß man Handschuhe getragen hatte, um Fingerabdrücke zu vermeiden. Seine einzige Hoffnung war die Schale, deren Boden aus einer dicken Glasplatte bestand. Seitenwände und Handgriffe waren Korbgeflecht. Larry wußte, daß, falls die Handschuhe überhaupt ausgezogen worden waren, es bei dem Hantieren mit der Schale geschehen sein mußte. Jemand, der nicht daran gewöhnt ist, mit Handschuhen zu arbeiten, würde diese sicher ablegen, um die kleinen Gegenstände prüfen zu können. Unb seine Annahme war richtig. Als er auf die polierte Rückfläche der goldenen Uhr hauchte, wurde ein Fingerabdruck deutlich sichtbar. Inzwischen waren die beiden Polizisten eingetroffen. „Ost in der daktylographischen Abteilung jemand in Dienst?" fragte Larry. .Jawohl." „Bringen Sie die Uhr hin. Halten Sie sie an der Krone; kann man den Wdruck nicht mit Puder sichtbar machen, so muß er sofort Photoerhöhte Warengewinn wird aber leider stark beeinträchtigt durch Zinsverluste auf faule Mit- gllederwarenkonti. Die Spareinlagen haben sich 1928 um etwa 20 Prozent erhöht, während sich das Darlehnskonto verringert hat. Die Schulsparkasse brachte wiederum verhältnismäßig gute Erträge, während Sparkarten wenig vertrieben werden konnten. Die Zahl der Mitglieder blieb etwa auf ihrer alten Höhe stehen (80). Die Bilanz wurde einstimmig genehmigt und den Verwaltungsorganen Entlastung erteilt. Der Vorsteher des Vereins, Lehrer S ch n i e r I e, sprach dann über Rotwendigkeiten im Geld- und Warenverkehr. Eine Beruhigung für die Mitglieder war die Mitteilung, daß der Verein seine 1926 anläßlich der Sanierungsaktion der Raiffeisenbank gegebenen Bürgschaften am 1. April 1929 zurückerhalten habe. Das sei durch das Aufgehen der D.-R.-D. in der Preutz. Zen- tral-Genossenschaftskafse möglich geworden. Diese Tatsache habe also entgegen den vor mehreren Wochen von manchen Zeitungen (nicht vom Gießener Airzeiger) verbreiteten Meldungen, für die Mitglieder der Raiffeisengenossenschaften keinerlei Rachteile, sondern Vorteile gebracht, wenn auch eine große Anzahl von Vereinen dabei um seine Aktien bei der D. R. D. gekommen sei. Zu dem Punkt „Verschiedenes" sprachen mehrere Mitglieder, und es kam dadurch noch zu Beschlüssen, die dem Geld- und Warenverkehr des Vereins förderlich fein werden. Kreis Schotten. rog. Gedern, 25. Juni. Ein Erlebnis, das noch lange in den Herzen aller Teilnehmerinnen wirken wird, war der am Sonntag unternommene Ausflug von vierzig Mitgliedern des Guftav-Adolf- Frauenvereins Gedern nach Marburg. Unter sachkundiger Führung einer Marburgerin wurden die Ausflügler bekannt gemacht mit Marburgs schönstes Punkten, mit seinen Sehenswürdig, feiten, besonders der Elisabethkirche, die den Beschauern unvergeßlich bleiben wird, mit der Universität, in der die Aula mit ihren mächtigen Wandgemälden von Künstlerhand Staunen und Bewunderung hervorrief, mit all den winkligen Gassen und Gäßchen, den anheimelnden, sich an den Berg an- schmiegenden Fachwerkhäuschen, nicht zu vergessen das merkwürdige Haus, das gegen alle Sitte und Gewohnheit feine Eingangstür hoch oben am höchsten Dachgiebel hat. Der Abschluß des ereignisreichen Tages war dann der Besuch der Festsviele auf der Höhe des Schloßberges, wo Schillers „Tell" auf der Freilichtbühne gespielt wurde. ld. E i ch e l s a ch s e n, 25. Juni. Auch unser Dorf will, nachdem bereits vor einigen Jahren eine Gedenktafel für die im Weltkriege Gefallenen unserer Gemeinde in der Kirche angebracht wurde, nunmehr ein Gefallenendenkmal errichten und ist zur Zeit mst Geldsammlungen für den Denkmalsbau beschäftigt, die gute Ergebnisse zeitigen. Als Denkmalsplatz kommt wohl nur der um die Kirche liegende alte Friedhof in Frage, der durch feine wunderbare Lage und feine aus Eichelsachsens Glanzzeit im 18. Jahrhundert stammenden Grabdenkmäler hoher Forst- und Jagdbeamter einen einzigartigen Standort für ein Gefallenendenkmal abgeben würde. * Eichelsdorf, 25. Juni. Unter großer Be- teiligunrr aus allen Kreisen der Bevölkerung wurde die früf'?re Handarbeitslehrerin unseres Dorfes, Frau Lina Döhl, zu Grabe getragen. 30 Jahre lang hat die Verstorbene mit außerordentlichem Fleiß die | .ulpflichtigen Mädchen in die An- fangsaründe weiblicher Landarbeit eingeführt und dem Dorf dadurch wertvolle Dienste geleistet. Kranzniederlegung durch Gemeinde- und Schulvorstand waren äußere Zeichen des Dankes für eine Lebensarbeit im Dienste ländlicher Wohlfahrtspflege. Meinhessen. WSR. Gau-Algesheim, 24. Juni. Am Sonntagfrüh gegen 1 Uhr lauerte der 21 Jahre alte Josef Schmidt von hier dem im 35. Lebensjahr steheirden Wilhelm Wolff, eben- graphiert und innerhalb der nächsten Stunde verglichen werden." Der Einbrecher hatte noch einen anderen faux pas gemacht. Larry hatte den Papierkorb unter dem Tische hervorgezogen, ohne seinen Inhalt durcheinan erzubringen, und hatte drei zusammen- geknüllte Stückchen Papier, die obenauf lagen, herausgenommen. Die beiden ersten waren nichts Wichtigeres als Briefentwürfe in Dianas Handschrift. Das dritte dagegen zeigte einen Plan des Zimmers, von fachmännischer Hand in Tinte gezeichnet. Der Platz des Wandschrankes und die Position der Schreibtische waren genau angegeben. „Der Zeichner hat angenommen, daß es hier drei Wandschränke gibt," sagte Larry und wies auf die Skizze. „Einer soll links vom Kamin sein," er blickte auf und zog seine Brauen Überrascht in die Höhe. „Weiß der Himmel, das stimmt auch." — Und ein anderer hinter der Tür," er blickte hin und nickte. „Die kennen das Zimmer viel besser als ich selbst. Miß Ward," sagte er und studierte von neuem die Zeichnung. „Das hat ein Mann gezeichnet, der Fachkenntnisse hat. — Ich glaube, es wäre besser, wir hätten einen Geldschrank hier und eine Leibwache," fügte er bitter hinzu. „ Auf der Türschwelle tauchte plötzlich Sir John Hason auf, der gelegentlich abends in sein Bureau kam, um ruhig und ungestört arbeiten zu können. „Was ist denn vorgefallen, Larry?" fragte er. „Ach, gar nichts," sagte Larry leichthin. „Rur ein Einbrecher hat Scotland Bard einen Besuch abgestattet! Meinst du nicht, wir mühten nach der Polizei schicken?" Als Antwort auf diese impertinente Frage grinste Sir John, war aber sofort wieder ernst. „Man hat doch nicht die Stuart-Beweisstücke gestohlen?" „Das einzige Beweisstück, das wirklich von Wert war, ist verschwunden," entgegnete Larry. „Cs wäre eigentlich eine gute Idee, wenn wir im Präsidium ein paar Pfadfinder Dienst tun lassen würden, damit auf unsere bewegliche Habe aufgepaht wird." „Wenn du Witze machst, gefällst du mir ausnehmend," sagte der Kommissar halb im Scherz, halb im Ernst. „Laß den Pförtner nach oben kommen." Aber auch dieser konnte keine zufriedenstellende Auskunft geben. Er hatte gedacht, es wäre Miß Ward gewesen, die an seiner Loge vorbeiging. Es war Gewohnheit im Bard, daß die Beamten beim Passieren der Portierloge ihre Zimrner- nummer angaben, wenn sie ihren Dienst begannen, und dieselbe Gewohnheit galt auch für die Zeit außerhalb der Bure au stunden. Der Besucher hatte „47" angegeben und war ohne weiteres hinein- gelaffen worden. falls von hier, auf, überfiel ihn und zertrümmerte ihm mit einem Schlagring die Schädeldecke. Außerdem brachte er dem Wolff, der sofort bewußtlos war, mit einer Packnadel von rückwärts mehrere Stiche bei. Der Schwerverletzte wurde alsbald in das Hospital nach Dingen übergeführt, wo er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. Der Täter, der zunächst geflüchtet war, konnte durch die Gendarmerie verhaftet werden und wurde in das Untersuchungsgefängnis nach Mainz verbracht. Preußen. Kreis Wetzlar. <> Dornholzhausen, 25. Juni. Unsere Gemeinde ist ohne jede Verkehrsverbindung mit der Kreisstadt Wetzlar. Es ist deshalb angeregt worden, das auf der Kraftpostlinie Wetzlar — Hochelheim verkehrende Postauto an verschiedenen Tagen der Woche bis Dornholzhausen fahren zu lassen. Gewünscht wird, daß dieser Verkehr auf Mittwoch, Donnerstag und Samstag gelegt wird. Es wäre zu begrüßen, wenn die Postverwaltung dem Anträge der Gemeinde statt- geben würde. Familientragödie in Frankfurt. Mutter und zwei erwachsene Töchter gasvergiftet. WSR. Frankfurt a. M, 25. Juni. Heute nachmittag wurde in der Parterrewohnung eines Hauses in der Thorwaldtfenstrahe die Wohnungsinhaberin mit ihren zwei erwachsenen Töchtern gasvergiftet tot aufgefunden. Aus einem hinterlassenen Zettel geht hervor, daß die Familie, die in guten Verhältnissen lebte, freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Dor etwa vier Wochen war der Ehemann und Vater gestorben, so daß hierin vielleicht das Motiv zur Tat zu suchen ist. Verbandsiag der Hessischen Geschichis- nnd Altertumsvereine. WER. Oppenheim, 24. Juni. Am Sonntag fand hier der Verbandstag der Hessischen Geschichts- und Altertumsvereine statt, dem am Samstag ein Degrühungs- abend vorausgegangen war. Die Tagung wurde durch den Vorsitzenden, Geheimrat v. Hahn, mit kurzen Degrüßungsworten eröffnet, der besonders den Regierungsvertreter Ministerialrat Hoffmann willkommen hieß und einen schriftlichen Gruß des Staatspräsidenten Adelung verlas. Vertreter hatten entsandt: Geschichtsverein Alsfeld, die Altertumsvereine Alzey, Dingen, Büdingen, Butzbach, Darmstadt, der Verein für Hess. Kirchengeschichte, Familiengeschichtliche Vereinigung, Geschichtsverein Friedberg, Verein für Volkskunde, Geschichtsvereine Gießen, Ingelheim, die Altertumsvereine Mainz, Offenbach und Worms. Aus dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden war zu entnehmen, daß dem Verbände 18 Vereine mit 3500 Mitgliedern angehören. Das verflossene Derbandsjahr galt der inneren Organisation. Geschäftsbericht, sowie Kassenbericht wurden genehmigt. Der nächste Derbandstag fort in Alsfeld stattfinden. Rach Genehmigung einiger Satzungsänderungen hielt Stadtarchivar Dr. Adolf Müller (Darmstadt) einen Vortrag über „Wie können wir für die Geschichts- und Altertumsvereine werben?" Der Redner bedauerte besonders die Teilnahmslosigkeit unserer Jugend gegenüber allem Geschichtlichem. Die Jugend zu gewinnen, müsse die erste Aufgabe der Geschichtsvereine sein. Dem Vortrag schloß sich eine anregende Aussprache an, in der namentlich Prälat D. Dr- Diehl, Professor Decker (Darmstadt), Dol- „Sind denn Fremde heute hier gewesen?" fragte Larry. „Rein," entgegnete das junge Mädchen, fügte dann aber hinzu: „Heute nachmittag war ein Blinder hier. Sie entsinnen sich doch, daß Sie eines dieser Instrumente sehen wollten, die diese bedauernswerten Menschen benutzen, und ich bat den kleinen, alten Mann, der Streichhölzer auf dem Cmbankment verkauft, nach oben zu kommen." „Auf jeden FaU," sagte Larry, der sich daran erinnerte, „konnte er doch keinen Plan des Zimmers angefertigt haben." „Das System, das sich hier uns herauf gebildet hat, scheint ein bißchen unsicher zu sein," sagte Sir John, als der Pförtner das Zimmer verlassen hatte. „Wir können dem Mann wirklich keinen Vorwurf machen. Es ist unser eigener Fehler." „ilnb im Torweg ist kaum Licht genug, um die Plakate lesen zu können," beklagte sich Larry. „Hier haben wir ja den Herrn von der dakthlo- graphischen Abteilung." Der Beamte, der hereinkam, strahlte über das ganze Gesicht: das zufriedene Lächeln eines Mannes, der mit seiner Arbeit Erfolg gehabt hat. „Gleich beim ersten Griff gefunden, Sir," sagte er. „ Fanny Weldon, Coram Street 280. Hier ist ihr Personalrekord." Er übergab Larry eine Karte. „Zweimal Gefängnisstrafe für Beilegung falscher Persönlichkeit/ las er. „Das ist das Frauenzimmer. Aber was hat sie mit der ganzen Geschichte zu tun?“ Der Beamte, der die Uhr nach der Abdmcks- abicilung gebracht hatte und sie jetzt wieder ablieferte, gab die nötigen Auskünfte. „Fanny ist eine merkwürdige Frau, Sir," sagte er, „sie hat nicht einen Funken von eigenen Ideen und ist immer in Unannehmlichkeiten gekommen, weil sie anderen Leuten bei ihren Plänen geholfen hat. Der dicke Joe Jacket hat sie gebraucht, um die bekannte Schauspielerin Miß Lottie Holm darzustellen. Das war vor ungefähr zwei Jahren. Dann hatte sie im Auftrage von irgend jemand eine Bardame personifiziert, während der Besitzer nicht im Hause war. Die Mannic-Dande hat bei der Gelegenheit im Hotel Dictor Hugo dreitausend Pfund erwischt." Larry sah an seinem Schreibtisch und hatte nachdenklich das Kinn in die Hand gestützt. „Die Sache ist ganz klar", sagte er dann. „Die Bande, hinter der wir her sind, kennt alle Hochstapler in London und hat höchstwahrscheinlich Fanny für ihre Pläne gewonnen. Wie war kwch die Adresse — Coram Street 280? . . . Wir wollen mal sehen, waS Fanny Weldon dazu zu sagen hat." Er bekam aber Fanny nicht vor Tagesanbruch zu sehen. Coram Strset 280 war ein Eckhaus, fer (Offenbach) und Ministerialrat Wagne^ das Wort ergriffen. Rach gemeinsamen Mittags- essen wohnten die Teilnehmer der Tagung am Rachmittag der Aufführung des Festspiels „Ein Küfertag zu Oppenheim anno 1354“ auf dem Marktplatz bei. Die Aufführung fand den lebhaften Beifall der nach vielen Hunderten zählenden Zuschauermenge. Rundfunkprogramm. Freitag. 28. 3uni. 6.30: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. Aus der Technik des Alltags, vorgetragen von Mittelschullehrer Hans Röhler: „Es ist ein langer Tag bis zur Erzielung von Höchstleistungen". (Für Kinder vom 10. Jahre ab.) 15.35: Gemüse- unt> Obstpreise der Frankfurter Markthalle. 16.35 bis 17.15: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. Don der Kochtante: „Eis- und Fruchtspeisen". 17.15 bis 17.45: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Rassau und Waldeck. „Was muß die berufstätige Frau wissen, um sich gesund zu erhalten?", Vortrag von Dr. Lotte Fink. 17.45 bis 18: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.50: „Die Sünde wider das Tier", Vortrag von F. v. Artus. 18.50 bis 19.10: „Schicksalsstunde in Versailles." Als Zeuge bei der Friedensunterzeichnung vor 10 Jahren, Vortrag von Jakob Altmeier. 19.10 bis 19.30: „Hilfsaktion zur Rettung des Kölner Domes", Vortrag von Reichs- minister Giesberts. 19.30 bis 19.50. Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik 19.50 bis 20: Film-Wochenschau. 20 bis 22: Von Berlin: 1919 — 28. Juni — 1929. 22 bis 32: Opern-Konzert. Samstag, 29. 3uni. 6.30: Morgengymnastik. 10.40 bis 11.50: Schulfunk: Französisch, vor getragen von Professor Dr. Mill^quant. 13.15: Schallplattenkonzert: „Aus Werken von Franz Liszt". 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. Aus dem deutschen Liederkranz: Das Collegium musicum des Lessing-Gymnasiums. Leitung: Professor Dr. Hans Burkhardt. Tanzmusik des 18. Jahrhunderts. 16.30 bis 18: Rach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Briefkasten. 18.45 bis 19.05: Esperanto-Unterricht. 19.05 bis 19.45: „Der luftige Baedeker". 19.45 bis 20.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Der Sternhimmel im Juli: Entfernungen im Weltall", Vortrag von Prof. Edmund Sitttg. 20.15: „Die Luftkutsche", Rundfunkkabarett. 20.30: Von Stuttgart: Rachtbrettl; anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) A. ö. 555. Der Eigentümer eines Hauses, der ein oder mehrere Stockwerke vermietet hat, ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtet, dem Mieter die vermietete Sache zu dem vertragsmäßigen Gebrauch zu überlasten. Schließt der Vermieter aus Sicherheitsgründen zur Nachtzeit das Hoftor ab, so muß dieses der Mieter dulden, kann jedoch einen Hoftorschlüssel verlangen. Muß zur Nachtzeit der Arzt gerufen werden oder erseh t dieser erst zur Nachtzeit im Interesse des Mieters, so ist es die Aufgabe des letzteren, dem Arzte das H.f- tor zu öffnen, wenn nicht etwa mündliche oder schriftliche Vereinbarungen für solche Fälle etwas anderes bestimmen. Das Schließen des Tores b e i Tage würde dagegen als Schikane angesehen werden können, wenn nicht besondere Gründe eine vorübergehende Schließung erforderlich machen, die sich in angemestenen Grenzen hallen muß. das augenscheinlich nur möblierte Zimmer enthielt. In den ersten Morgenstunden fuhr ein Wagen vor das Haus, eine Frau stieg heraus und bezahlte den Kutscher. Als sie auf die Haustür zuging, kam Larry hinter ihr her und ergriff ihren Arm. Mit einem Ausruf des Schreckens fuhr sie herum. Sie war eine hübsche Frau mit einem etwas ordinären Mund. „Was soll das heißen?" rief sie erschreckt. „Sie werden mich auf einem kleinen Spaziergang begleiten", sagte Larry. „Geheimer?" fragte sie und erblaßte. „Richtiggehender Geheimer", entgegnete Larry und führte sie am Arm nach dem nächsten Polizeibureau, wo Diana und feine Beamten ihn erwartetem Auf dem Wege dorthin bejammerte sie ihr Schicksal. „Das kommt davon, wenn man anderen Leuten Gefälligkeiten erweist", sagte sie bitter. „WaS soll ich denn getan haben?" „Heiligtumsschändung", sagte Larry zu ihrer Ueberraschung feierlich. „Heiligtumsschändung? Was wollen Sie denn damit sagen? Einbruch in ’ne Kirche oder so was ähnliches?" „Einbruch in Scotland Bard", sagte Larry noch feierlicher. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus. „Dann liege ich im Essen!" sagte sie. „Das scheint mir auch so", gab Larry zu. Weibliche Beamte nahmen einer Körpervisitation vor, deren Ergebnis der Fund von ein* hundertfünfzig Pfund in Banknoten war. Fanny hatte sich mittlerweile von ihrem ersten Schrecken erholt und bestand darauf, daß das Geld genau gezählt wurde. „Mir ist schon öfter auf Polizeibureaus verschiedenes abhanden gekommen", sagte sie an* züglich. Statt in eine Zelle wurde sie in ein kleines» Wartezimmer gebracht, wo Larry sir in Gegenwart Dianas verhörte. Die Anwesenheit der letzteren interessierte Fanny ungemein. „Wie ich sehe, haben Sie Ihre Freundin mit* gebracht", sagte sie schnippisch. Trotz ihrer eleganten Kleidung und kostbaren Juwelen war sie ,gamin‘ von reinstem Wasser. „Ist das die Dame, die ich .nachgemacht* habe?" „Das ist die betreffende Dame", sagte Larry. „Also, Fanny, jetzt wollen wir mal wie Vater und Tochter miteinander reden." u „Immer los, und genieren Sie sich gar nicht', sagte Fanny unbekümmert. „Aber eins kann ich Ihnen sagen. Die ganzen letzten Monate kam» man mir nichts nachsagen." Larry grinste. (Fortsetzung folgt) v f. Das Recht im täglichen Leben W. 1 n ven Vater. Er hat der Tochter mit bis -s. he hr e- ■m 3 e e n t. astion. iint»nd)teit der t rt 1- ic n u* is $ i« n, s e >e. ik Qr t; 'st •n die notwendigen Mittel zur Einrichtung eines angemessenen Haushalts zur Verfügung zu stellen. Tas kann in der Zurverfügungsstellung der zur Anschaffung erforderlichen Geldmittel geschehen, doch tann die Tochter bares Geld nicht verlangen es sei denn, daß ganz besondere imstande dres rechtfertigen würden. Sonst richtet sich der Aus- steueranspruch nur auf Gewährung der Sachen, die zur Einrichtung des jungen Haushalts notwendig sind, wie Möbel, Hausgerät, Geschirr, Wäscht usw. Der Anspruch auf die Aussteuer entsteht erst mit vollzogener Verheiratung der Tochter. Wenn es auch allgemein üblich ist, baß die Aussteuergegenstände schon vor der Ehe beschafft werden, so ist der Vater doch nicht dazu verpflichtet. Der Umfang der zu gewahrenden AilÄsteuer richtet sich einmal nach den Verhältnissen des neubegründeten Ehestandes. Je höher die soziale Stelle des jungen Ehegatten ist desto höher sind die Anforderungen, die an die Art der Aussteuer und ihren Umfang gestellt werden können. Anderseits darf natürlich das Verlangen nach einer möglichst reichhaltigen Au^ steuer nicht dazu führen, daß der Vater durch ihre Gewährung wirtschaftlich ruiniert wird. Rur soweit er nach seinem Vermögen und seiner Erwerbstätigkeit und ohne seinen eigenen standesmähigen Unterhalt zu gefährden in der Lage ist, Mittel für die Aussteuer zur Verfügung zu stellen, muh er dies.tun. Ist der Vater überhaupt nicht in der Lage, eine Aussteuer zu gewähren, dann geht seine Pflicht auf die Mutter über, soweit dieser Geldmittel, sei es aus eigenem Einkommen oder Vermögen, oder sonstige Sachwerte zur Verfügung stehen. Besitzt die T o ch t e r s e l b st die nötigen Geldmittel zur Beschaffung einer Aussteuer, hat sie z. B. eigene Ersparnisse, oder hat sie die Geldmittel von dritter Seite, vielleicht von Verwandten geschenkt erhalten, dann brauchen die Eltern für die Aussteuer nicht mehr zu sorgen. Ebenso kann der Anspruch auf die Aussteuer nur einmal geltend gemacht werden. Heiratet die Tochter zum zweiten Mal und hat sie bei der ersten Heirat schon eine Aussteuer erhalten, dann kann sie nichts mehr verlangen. Die Eltern können die Gewährung der Aussteuer im übrigen bergen Gutes (des Besitzes an dem Obst) Nicht ern wertvolleres Gut des Angreifers (dessen Leben oder Gesundheit) geopfert werden dürfte, ist nicht gerechtfertigt." — Die Rotwehr ist in der Regel auch dann zulässig, wenn der Angegriffene sich dem Angriff durch die Flucht hätte entziehen können; denn eine Flucht wird_ man dem Angegriffenen nur selten zumuten können. Eine Ueberschreitung der Rotwehr ist jedoch straflos, wenn sie in Bestürzung, Furcht oder Schrecken begangen ist. Andere Gründe, wie etwa Jähzorn, Wut oder Liebe zu dem Angegriffenen können keine Straflosigkeit rechtfertigen, sondern höchstens als mildernde Umstände in Frage kommen. Hat jemand i r r t ü m l i ch geglaubt, er befinde sich in einer Rotwehrlage und ist dieser Irrtum entschuldbar, so kann er wegen einer in der vermeintlichen Notwehr begangenen Handlung nicht bestraft werden. (Z. D.: Ich bemerke nachts jemanden, der im Begriff ist, durchs Fenster in mein Zimmer zu steigen. Es ist ein Bekannter, der in einer Weinlaune irgendeinen Scherz machen will. Ich halte ihn für einen Ein- brecher und versehe ihm einen Schlag, daß er auf die Straße stürzt und sich schwer verletzt. Ich kann nicht bestraft werden, wenn nicht besondere älmstände nicht deutlich erkennen lassen mußten, daß es sich um keinen Einbrecher handelte.) i 11.50: Schul- Professor $r. Wrt: i 15.35: Stunbe ebertxany. DaS *bt. Tanz. 0 bis 18: Aach Hers. 18.10 bis 15: Briefkasten, richt. 19.05 bis .9.45 bis 20.15: ! für Bvlksbil. i: Entfernungen Edmund billig. .Kabarett 20.30: stehend bis 030: haufes, der ein hat, ist nach dem , bcm Mieter die iäßigen Gebrauch ieter aus Eicher- as Hoftor ab, fo ann jedoch einen en. Muß jur m ober er/ch rt > bes Mieters, h \ Arzie bas fr-V müMiche ober iche Fälle etwas n bes Tores bei ie angesehen wer- e r e Gründe eine ung erforderlich i Grenzen halten >9 en »is er. DieHafW'chi desAechtsanwaliS. Es ist selbstverständlich, daß derjenige, der wegen irgendeiner Frage einen Rechtsanwalt angeht, eine begründete Gewähr dafür haben will, dich die ihm gegebene Auskunft den tatsächlichen m ts lern g, )r. Mn. ,2Nnb. lnt,on Aittü, L(fe,.n langer ®tmüle. HflJjaflc. Iß35 veranstalt 'n- $on de° ;n ‘ 17.15 bi, wenverbandes 1 muß die be. zu er. E 17.45 bi- MdsunKrche. I bis 18.50: von Aalsstunbe in iniebenäuntet* a9 dvn Jakob '"wn zur Art- >9 von Reichs. LÄls '■ 20 bis 22: - 1929. 22 bis .itr, Ausstattung und Mitgist. Di. jur. Bartsch, Berlin. te Zimmer ent« imben fuhr ein rau stieg ieaufbie^ ihr her und er« usrus des Schreine hübsch ^erschreckt- , ficinen Spaz«r- erblastte. dem nächste" P Beamten A jammerte si- sie lütter- » zwangsweise erfolgende Versteigerung gepfändeter, jedoch von dem Boden noch nicht getrennter Früchte erst nach der Reife zulässig ist, daß sie Lor oder nach der Trennung der Früchte erfolgen kann und daß in letzterem Falle der Gerichtsvollzieher die Aberntung zu veranlassen hat. Auch diese nach der Zivilprozeßordnung der Pfändung entzogenen Sachen unterliegen dem gesetzlichen Pfandrecht des Verpächters. Rach dem Willen des Gesetzgebers soll der Verpächter aus Gründen, deren Berechtigung hier nicht weiter zu untersuchen ist, vor allen anderen Gläubigern sichergestellt werden. Es muh deshalb nach dem bekannten Kommentar der Reichsgerichtsräte zum Bürgerlichen Gesetzbuch und unter der Autorität namhafter Rechtsschriftsteller angenommen werden, daß das Pfandrecht an den oben z.T. genannten Früchten dem Grunde nach schon vor ihrer Trennung vom Grundstück besteht, sobald im natürlichen Wortsinne von Früchten bereits gesprochen werden kann, jedenfalls schon ein Monat früher als die Reife. Gs geht deshalb dem Pfandrecht, das von einem ankeren Gläubiger des Pächters durch eine nach den Vorschriften der Zivilprozeßordnung vollzogene Pfändung an den noch ungetrennten Früchten erwirkt worden ist, im Range vor. Dies entspricht dem Sinne der Pfändung, die die Früchte als Pfandgegenstand nur soweit ergreifen kann, wie sie in das Vermögen des Pfändungsfchulöners, des Pächters, übergehen, also mit der bereits durch den Pachtvertrag zugunsten des Verpächters bestehendenDelastung. Mit dem Wegschaffen und der Entfernung der Sachen (Früchte, z. D. Klee, Getreide, Kar- toffeln- vom Grundstück erlischt das gesetzliche Pfandrecht, es sei denn, daß die Entfernung ohne Wissen, oder gar gegen den ausdrücklichen Widerspruch des Verpächters erfolgt ist. Im Konkurse des Pächters eines Landgutes steht dem Verpächter das Absonderungsrecht zu, sowohl an den Früchten, als auch an den eingebrachten Sachen. Der Pächter eines landwirtschaftlichen Grundstücks muh also wissen, daß ihn der Verpächter nicht erst gerichtlich ausklagen und ihm die Bodenerzeugnisse usw. durch den Gerichtsvollzieher pfänden lassen muß, da dem Verpächter auf Grund des Pachtvertrags von vornherein und ohne weiteres ein gesetzliches Pfandrecht zusdeht, ohne daß dabei etwa die Zweckbestimmung der Erzeugnisse (z. D. Verwendung als Viehsutter) irgendwelche Dolle spielt. In welcher Weise der Verpächter im praktischen Leben sein Pfandrecht geltend macht, ist it eines Menschen zu verstehen, ;cn wen der Angriff sich richtet: Angegriffene, sondern auch jeder r.i helfen will, hat das Recht der i'a 118 gleichgültig ist, gegen welche der Angriff richtet. Das Rot- i)t nur gegenüber Angriffen auf mbfjeit (so in früheren Zeiten), m Schuh von Ehre, Vermögen, tuches und in § 227 Abs. 2 des Übliches festgelegt: .Rotwehr ist nbigung, welche erforderlich ist, Wärtigen, rechtswidrigen Angriff tinem anderen abzuwenden." 'm also ganz bestimmte Doraus- m fein, wenn das Vorliegen einer .ig bejaht werden soll. Zunächst ju-Jt ein Angriff unternommen einem solchen ist jede auf die Ziehung einer Rechtseinrichtung ch-m zeitig selbst den Kampf ums 'clbft verdienen müssen. Damit d'tm selbständiger geworden und jigfeit erworben, sich veränderten eichter anzupassen und sich in sie .Trh lern bringt die Che ihnen Dteies neu Verantwortung, was ihnen bis reni) war. Der Pflichtenkreis ist ssotwehr. H. Kraft, Gießen. jm Rechtseinrichtungen zu schüt- 5Zlich Sache des Staates. Es (tEaren Zuständen führen, wenn .'»sch seine mehr oder weniger Brüche gegen andere ohne wei» g verwirklichen dürfte oder wenn ce, die strafbare Handlung eines ie er sich getroffen fühlt, selbst bfleä früher durch die Blutrache ;f gaben fallen vielmehr im Inter- ic^rheit dem Staate zu, der sie t Ser Gerichtsbarkeit, der Zwangs- 5 der Verwaltung erfüllt. Run rfkits dem allgemeinen Rechts- cd»en, wollte man demjenigen, llt einer Rechtsverletzung selbst r. zumuten, diese zu dulden und ( Hilfe des Staates anzurufen, niHt mehr helfen kann. Deshalb Ausnahmen geschaffen, die dem tiii, sich und andere an Leib und schützen. Die wichtigste und be ihme ist das Recht der Rotwehr, ! drohender Rechtsverletzungen gehe in Rotwehr begangene Hand- etne erlaubte und nie strafbar, ) auch äußerlich den Tatbestand tnä verwirklichen. (Erschieße ich mich erstechen will, so kann ich *mng bestraft werden.) |s der Rotwehr ist in § 53 Abs. 2 Verhältnissen auch entspricht. Der Rechtsanwalt muß also bei seinen Auskünften ganz besonders vorsichtig sein. Hat er — und sei es auch nur fahrlässig — die falsche Auskunft, erteilt, so kann er von seinem Klienten dafür schadens- ersatzpflichtig gemacht werden. So haben unsere Gerichte in ständiger Rechtsprechung entschieden. Allerdings tritt diese Haftung, wie schon gesagt, nur ein, wenn die falsche Auskunft vorsätzlich oder fahrlässig gegeben ist. Wann liegt eine solche Fahrlässigkeit vor? Eine interessante Entscheidung dazu hat das Reichsgericht in älebereinstimmung mit der Rechtsprechung des Kammergerichts (RG. lll 241 z28) gefällt. Es handelte sich darum, daß eine Ehefrau bei einem Rechtsanwalt Rat einholte, ob sie die Erbschaft ihres Mannes wegen Aeber- schuldüng ausschlagen solle und wie weit sie für die Gcschäftsschulden ihres Mannes unbeschränkt hafte. Der Rechtsanwalt erteilte die Auskunft dahingehend, daß eine Haftung nicht in Frage käme, so daß die Frau, gestützt auf diese Auskunft, das Geschäft des Mannes fort* führte. Bald darauf brach dieses zusammen. Die Frau mußte die Geschäftsgläubiger aus ihrem Privatvermögen befriedigen. Sie machte den Rechtsanwalt für den Schaden haftbar, da sie nur gestützt auf die unrichtige Auskunft^ die Erbschaft nicht abgelehnt und das Geschäft weitergeführt hatte. Kammergericht und Reichsgericht haben den Schadenserfatzanspruch für g e r e ch t f e r t i g t erklärt, denn nach dem klaren Sachverhalt hatte der Rechtsanwalt sehen müssen, daß tatsächlich die Frau für die Geschäftsschulden unbeschränkt haften müsse. Die Entschuldigung des Rechtsanwalts, er wäre zur Zeit der Auskunftserklärung schwer krank gewesen, könne nicht gelten, da er, wenn er sich körperlich nicht imstande fühlte, die Auskunft zuverlässig zu geben, diese hätte ablehnen müssen. Das insbesondere, nachdem die Ehefrau ihm erklärt hatte, daß sie eS von der Auskunft abhängig machen wolle, ob sie die Erbschaft antrete oder nicht, weigern, wenn sich die minderjährige TochterohneihreEinwilligungver- heiratet, oder wenn sie sich soschwerver- gangen hat, daß die Eltern ihr im Fall des Todes sogar den Pflichtteil hätten entziehen dürfen. Wichtig ist, daß bei unberechtigter Verweigerung der Aussteuer der Anspruch darauf innerhalb eines Iahres feit Eingehung der Ehe von der Tochter geltend gemacht werden muß. soll er nicht der Verjährung anheimfallen. . „ Reben der Aussteuer, die der Tochter tm allgemeinen gewährt werden muß, steht die Ausstattung. Eine solche kann nicht nur der Tochter, sondern auch einem Sohne zugewandt werden. Ausstattung ist mehr wie Aussteuer, ein Sohn hat nie einen Anspruch auf Aussteuer. Ausstattung ist alles, was einem Kinde mit Rücksicht auf seine Verheiratung, oder auch auf die Erlangung einer selbständigen Lebensstellung zur Begründung oder zur Erhaltung der Wirtschaft oder der Lebensstellung von den Eltern zugewen- det wird. Ausstattung ist danach z. D. alles, was die Eltern über ihre Pflicht zur Gewährung der Aussteuer noch der Tochter bei ihrer Verheiratung zuwenden. Dazu gehört vor allem das Versprechen oder die Hingabe einer Mitgift, sei es in einer Summe oder durch laufende Zuwendungen an den jungen Haushalt. Ausstattung sind aber auch beispielsweise die Zuwendungen an die Kinder zum Zwecke der besonderen Berufsausbildung, etwa das Lehrgeld für den Sohn, das Schulgeld für die Handels. oder Wirtschaftsschule der Tochter, Aufwendungen für sonstige Studienzwecke, Geldmittel zum Ankauf eines Geschäftes u. a. Ein Anrecht auf eine Ausstattung steht einem Kinde nicht zu: ob die Eltern eine solche gewähren wollen, steht in ihrem freien Ermessen. Miete und Pacht sind im Rechtsleben Geschwister. Soweit sich nicht aus den durch das Wesen des Pachtvertrags gebotenen und im Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich festgelegten besonderen Bestimmungen etwas anderes ergibt, finden die Vorschriften über die Miete auch auf die Pacht Anwendung. Miete und Pacht können in Verbundenheit nebeneinander bestehen. Auch der Verpächter befiht, wie der Vermieter, ein Rückbehaltsrecht, durch deffen Ausübung er dem Pächter als dem Vertragsgegner, der sich mit seinen aus dem Pachtverhältnis herrührenden Leistungen im Verzüge befindet und gar etwa ausrücken will, die Möglichkeit nehmen kann, ihn, den Verpächter, nach Belieben vermögensrechtlich zu schädigen. Der Verpächter eines landwirtschaftlichen Grundstücks besitzt für den gesamten Pachtzins ein Pfandrecht, das er jederzeit geltend machen kann. Dieses Pfandrecht ist besser und umfassender als das des Vermieters insofern, als nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch im Falle einer Pfändung einer dem gesetzlichen Pfandrechte unterworfenen Sache für einen anderen Gläubiger der Vermieter diesem gegenüber das Pfandrecht nicht wegen des Mietzinses für eine frühere Zeit als das letzte Iahr vor der Pfändung geltend machen kann, während das Recht des Verpächters eine solche zeitliche Beschränkung nicht erleidet, sondern sich auf den gesamten rückständigen Pachtzins früherer Iahre erstreckt. Das Pfandrecht des Verpächters erstreckt sich sogar auf den künftig erst fällig werdenden Pachtzins, nicht ledoch auch auf etwaige Entschädigungsforderungen. die der Verpächter etwa geltend machen kann. Cs er* I streckt sich ferner auch auf die Früchte des Grundstücks (Landgutes), d. h. auf die Erzeugnisse der Wirtschaft (Eier. Milch, Jungvieh usw.), sowie auf die sonstige Ausbeute, die aus Grundstücken. ihrer Bestimmung entsprechend, gewonnen werden kann, beispielsweise auf Sand, Lehm. Wasser und Wasserkräfte. Rach einer Bestimmung der Zivilprozeßordnung sind bei Personen, welche Landwirtschaft betreiben, der Pfändung durch den Gerichtsvollzieher nicht unterworfen das zum Wirtfchallsbetrieb erforderliche Gerat und Vieh, nebst dem nötigen Dünger, sowie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, soweit sie zur Fortführung der Wirtschaft bis zu jener Zeit erforderlich sind, zu welcher gleiche oder ähnliche Erzeugnisse voraussichtlich gewonnen werden. Im Zusammenhänge hiermit sei erwähnt, oah Oie gegenwärtig so lange, bis die Gefahr, die daraus für das bedrohte Rechtsgut erwächst, entweder völlig abgewendet oder umgekehrt endgültig in den Verlust umgeschlagen ist. Eine Rotwehrhandlung liegt immer nur dann vor, wenn die Verteidigung erforder- l i ch war, um den Angriff abzuwehren. Geht das Maß der Verteidigung über die Grenzen des unbedingt Rotwendigen hinaus, so ist diese äleber- schreitung in der Regel strafbar. Ob die gewählte Verteidigung erforderlich war, muh immer nach den Umständen des einzelnen Falles, und zwar nach der objektiven Sachlage beurteilt werden. nicht etwa kommt es darauf an, ob der Angegriffene nach feiner subjektiven Auffassung die Verteidigung für erforderlich hielt. Ist nach Lage der Umstände die Abwehr eines Angriffs auf andere Weise nicht möglich, so kann auch das unbedeutendste Rechtsgut durch Tötung des Angreifers geschützt werden; die Tötung ist dann eben, wenn alles andere versagt, die „Verteidigung, die erforderlich ist, . . Auf den Wert des zu schützenden Rechtsguts und die Höhe des durch die Verteidigung entstehenden Schadens kommt es also nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes nicht an. Das Reichsgericht sagt in dem oben angeführten Falle des Obstdiebstahls: „Eine Beschränkung in der Ausübung der Rotwehr in der Weise, daß zur Erhaltung eines geringfügig beit usw. gegeben. ein rechtswidriger sein, \\t nur zulässig zur Abwehr von mit der Rechtsordnung im Widerwille Rotwehr gibt es also gegen* yn eines sich in rechtmäßiger Dienstes befindlichen Beamten, (rüber dem Angriff eines Geistes- toenn gleich dieser für sein Tun M-ich ist. so bleibt doch fein An- nechtlicher. f lllllß schließlich gegenwärtig tilg begonnen haben oder unmittel- n Degen einen zukünftigen Angriff »bsugungsmaßregeln getroffen wer- im Augenblick des Angriffs in , sFußangeln, Selbstgeschoffe usw.. nft polizeilicher Erlaubnis gelegt !i 3ft der Angriff bereits beendet. tPfcfir nicht mehr zulässig. Der in Icr letzte muh eben den Täter nachte« Staat zur Rechenschaft ziehen igr, ob ein Angriff noch fortdauert kc nbet ist, ist oft nicht leicht zu M Reichsgericht hatte in feinem » September 1920 (Bd. 55 S. 84) Iau entscheiden: Aus einem Garten tbf gestohlen. Der Eigentümer kam tCiebe ergriffen unter Mitnahme j, Wucht. Er forderte sie auf, stehen finstl werde er schießen. Als sie Idtcien, schoß er und verletzte einen Itosr. Er wurde wegen schwerer ihig angeklagt, aber freigesprochen: 1t Rebe auf fein Eigentum dauerte !! (Ellcht noch fort, wenn auch der :t:S beendet war. Der Angriff ist Jas MKehaitunMchi des Verpächitts Von Amtsgerichisrat Gros, Gießen. T a t f r a g c. Er kann sich im Falle drohender Schädigung der Wegnahme und Wegschaffung von Sachen persönlich widersehen; er kann auch ortspolizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen, falls verwaltungsrechtliche Vorschriften des betreffen* den Landes in einem Falle der vorliegenden Art der Polizei ein Mitwirken gestatten, oder gar zur Pflicht machen und sich die Polizeibehörde hierzu bereitfindet. Denn der Polizei kann mebt zugemutet werden, sich raschestens einen Einblick in die Sachlage und einen schwierigen Rechtöstoff zu verschaffen. In jedem Falle mag es rätlich erscheinen, daß sich der Gläubiger, d. h. der Dervächter, sofern hierzu die Zeit reicht, doch gerichtlicher Hilfe bedient, und zwar etwa auf dem Wege einer einstweiligen Verfügung. Die Frage, ob im CinzelfaNe sich der Pachter einer strafbaren Schädigung des Verpächters schuldig macht, hängt von den Umständen des Falles ab. Die Erfahrairmsicherung bei Aushebung vonRietverhättnissen Von Bürgermeister Or.Dölsing, Alsfeld. Eine der wichtigsten und praktisch bedeutungsvollsten Vorschriften des Mieterschutzgesetzes ist die Bestimmung des Paragraphen 6, die in gewissen Fallen die Zwangsvollstreckung aus einem Urteil, durch welches ein Mietverhältnis aufgehoben wird, davon abhängig macht, daß für den Mieter ausreichender Ersatzraum gesichert ist. Diese im Interesse der Vermeidung einer Obdachlosigkeit des Räumungsschuld- ners geschaffene Schutzbestimmung bezieht sich aber nur auf solche Räumungsansprüche, die sich auf das Mieterschutzgesetz stützen. Die Ersatzraumsicherung ist unzulässig bei Räumungsklaaen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. (Dgl. Juristische Wochenschrift 1925, Heft 17, Seite 1926). , Das Mieterschutzgesetz geht von dem Grundsatz aus, daß ein Mieter, der zur Lösung eines 9Rieb Verhältnisses keinen Anlaß gegeben hat, grundsätzlich nicht ohne Bereitstellung eines anbermeiten Unterkommens aus den Mieträumen entfernt werden darf. Daher richtet sich die Frage, ob die Zwangs- Vollstreckung von der Sicherung eines Ersatzramnes abhängig gemacht werden kann oder m u ß, bei Wohnräumen nach dem Aufhebungsgrunde, tfür Geschäftsräume kommt eine Ersatzraumßcherung nur bei Gefährdung eines dringenden öffentlichen Interesses in Frage. Im einzelnen sind hiernach bet der Ersatzraumsicherung folgend« Fälle zu unterscheiden: 1 Bei Aufhebung des Mietverhältnisses auf Grund des Paragraphen 2 des Mieterschutzgesetzes. (Miet- widriges Verhalten des Mieters.) Erfolgte die Auf- Hebung des Mietverhältnisses lediglich deswegen, weil der Mieter den Gebrauch der Mieträume unbefugt einem Dritten überlassen hat, so kann die Zubilligung eines ausreichenden Ersatzraumes zur Vermeidung unbilliger Härten für den Mieter erfolgen. Liegen die übrigen Aufhebungsgrunde des Pa- ragraphen 2 vor (d. h. erhebliche Belästigung des Vermieters oder eines Hausbewohners, erhebliche Gefährdung des Gebäudes ober Mietraums), so muh die Aufhebung des Mietverhältnisses ohne Sicherung eines Ersatzraums erfolgen. r _ . 2. Bei Aufhebung des Mietverhältnisses auf Grund des Paragraphen 3 des Mieterschutzgesetzes (Zahlungsverzug des Mieters). Kommt der Mieter nut der Mietzählung in Verzug, so kann die Aufhebung von der Sicherung eines ausreichenden Ersatzraums abhängig gemacyt werden, wenn die Der- sagung eine unbillig« Härte für den Mieter sein würde. , _ . 3. Bei Aufhebung des Mietverhältnisses auf Grund des Paragraphen 4 Absatz 1 des Mieterschutzgesetzes. (Totalaufhebung wegen überwiegenden Interesses des Vermieters.). In diesem Falle muh die Aufhebung von der Sicherung ausreichenden Ersatzraums abhängig gemacht werden hinsichtlich des Wohnraums. - Die Zubilligung kann nur unterbleiben, wenn die Versagung keine unbillige Härte für den Mieter darstellt. Bezog sich das aufgehobene Mietverhältnis auf Wohn- und Geschäftsraum, so kann für den Geschäftsraum Ersatzraum nicht zugebilltgt werden, es sei denn, daß dringend öffentliche Interessen verletzt werden. rau8- i *** nfi' m ersteh genau w_______________ 0 t>od .«im, der Rückhalt am Elternhaus« , vck' .fledert. Dabei ist es heute schwerer WÖic ■eigenen Hausstand zu gründen, v, |öflte |*8 heim, der Sehnsucht des jungen f[Cifiv9 । m D|t erst nach Jahren der Epe sie c-„ ®cg<,v ' Dn, die Wohnungsnot steht ihnen rn fiVLit dc- v i Dcge. Da heißt es im möblierten , -n eisern Raum der elterlichen. Woh- :.„flcrn6*11, c uiik ^Verwandten zu wohnen. Während 7, fceunfr“ ,1£, iüioyeum die Beschaffung einer wenn chce tz ihre* £ srheädenen Aussteuer nicht an das ’■ ^.welen xnantrat — denn dafür hatten n H ■ Uater feit Jahren vorgesorgt, — ifä tzltern selten in der Lage, die ich " ootzzssteuern, wie sie es sonst wohl ajirt“. JflLe : Kyk nur zu oft die Frage, wie well lN 5. 1. ch e D 2. nai toll p-r l e i Hoch c i r lege 1.3 bun iDiri die 1 dt. frt CIrf Kur fal We Das den Do'I' rl Sp hielt G e i der Gew • Das ar.se vcrlc sich, svnd. eine Er ..Sc die e Bote: Da> esse, l Larrtz Komn Schla! warte Unter hatte Stemi brauct nahm und b Ein rauhe schuhe verme deren stand, geslech überht dem - muhte mit H ablege könner auf d haucht 2nz getrofs ,3ft mand ,3a ..Dr der K Puder 197 241 ) ,25 168,36 1,757 58,21 111,69 111,66 112,33 10,536 21,935 20,325 4,1925 16,395 80,655 59,26 1,838 0,496 58,94 12,425 7,369 73,08 3,027 18,73 81,27 2,023 5,425 4,156 4,036 20,848 Wirtschaft. Oie hundertste Stillegung. Aus dem Ruhrkohlenrevier wird ffiiebed Montan . . . . Bereinigte Siahlw. . - Otavt Minen..... Kali «icherSleben . . . Kalt Westeregeln. . . . Kaliwerk Salzdetfurth . I. G. Forben.Industrie . Dvnamit Nobel . . . . Scheideanstalt. . . . . Goldschmidt..... Rütgerswerke..... Metallgefellschasl. . . . Cftrocrfe . • - Ber. Glanzsloll 97,25 294 128 103 70,25 244,5 252,5 412 240,9 I 163 75 87,25 128,25 Abkommen IC1 und ?.-G. Offiziell wird in London bekanntgegeben, daß die | Imperial Chemical Industries Ltd., , London, ein Uebereinfommen mit der chickenischen Regierung und der 3--G- F a r b e n i n d u st r i e getroffen hat zwecks engerer Zusammenarbeit bei der P oduktion und dem Verkauf von synthetischem Stickstoff, besonders von Düngemitteln. * Zinsermäßigung. Die Vorschläge der Berliner Stempelvereinigung, eine Ermäßigung der Soll- und Haben-Zinsen für Monatsgelder um 1 v. H. eintreten zu lassen, sind von den auswärtigen Bankenvereinigungen angenommen morden. Die bereits mitgeteilten Zinsänderungen treten mit Wirkung vom 30. Juni in Kraft. * Die Leitung der Opelwerke. Wie Geheimrat Dr. Wilhelm v o n O p e l dem WTB^-Han- ; delsdienst mitteilt, trifft die in den letzten Tagen . durch die Presse gegangene Nachricht, daß er sich von l der Leitung der Adam Opel A.-G. zurückgezogen - hätte, in keiner Weise zu. Bei Umwandlung der Datum '10 . . . . ö ... io Hegligenstaedt . IunghanS. . . . Lechwerke. . . Mainkrastwerke . Miog...... Nekarsulmer . . PelerS Union . . Gebr. Roeder . . Balgt 4 Haessner Südd. Zucker . . denz vorübergehend zur Schwäche, um siä> tz aber um so kräftiger zu erholen. Das wurde in Spezialwerten ziemlich lebhaft. kulation schritt zu Neuengagements, da ebn ein optimistischer Monatsbericht ber Deutschsfj anregte, anderseits für die nächste Liquida!«< Monat Zeit sei. Die Shirsgeroinnc gingen v.H. Besonders lebhaft waren Kaliwette. ÄMit.-Non. üftitn.aireS Brst'Vintw. Chttstiania. .Ropcnbaotn Stcxkbolm . HclnngforS. Italien . . . London. . . Neuyork . • Paris j . . . Schweiz .. Spanten. Japan . . . -Hio de Jan Wien in D-- CefL abgcst Prag • ■ • • Belgrad . . 1 Budapest. . Bulgarien L'stabon . Danzig. . . .stonst-.nttu. Atden. . . Tanada Urn nay. . Lairo .. • 16.415 168,03 22; 06 111,45 58,98 2,485 112.08 80,64 58,99 12,42 72,92 -Frankfurt« her Praxis überlassen bleiben könne. Mindestens müffe aber geforbert werben, daß dem Mieter von der Gemeinde Ersatzräume zugewiesen worben seien, unb baß ein Deschwerbeverfahren nicht anhängig geworben, ober enbgültig zugunsten bes Mieters erlebigt ist. ________ Frankfur t, 26. 3uni. (Eigener Drahtbericht • des „Gieß. Anz.") Tendenz freundlich. — Bach- dem die gestrige Ultimoliquibation ohne Reibung vorübergegcmgen ist (vor einiger Zeit Wurden in- folge der immer noch unklaren Geldmatttver-s hältnisse diesbezüglich Schwierigkeiten erwartet), eröffnete die Börse in großer Zuversicht und in freundlicher Stimmung. Die Widerstandsfähigkeit der Börse, die man in Den letzten Tagen feststellen konnte, ließ die Hoffnung auf eine baldige Besserung auftauchen, sobald der Halbjahresultimo überwunden sein wurde. Das Geschäft war aber anfangs noch nicht nennenswert groß, da sich die Spekulation ziemlich reserviert verhielt, doch traten gegenüber der gestrigen Abendbörse Erholungen bis zu 1,5 Prozent ein. Gleich nach der Festsetzung der ersten Kurse wurde auf Aufnahmen die Umsahtätigkeit recht rege. Es trafen neue Orders von Auslandseite em, auch das private Publikum beteiligte sich wieder etwas am Geschäft. Angeregt hiervon nahm die Speku- lation Deckungen vor, was sich besonders am Elektromarkt und am Montanmarkte vorteilhaft auswirkte. Da der Engagementsumfang immer sehr qettng war, konnte man auch verschiedentlich Reuengagements beobachten. AEG. eröffneten knapp behauptet. Licht & Kraft, Gesfürel, Rheag und Schlickert lagen leicht erhöht. Am Chemie- markt lagen Farben bei Eröffnung sehr vernachlässigt, Dod) konnte sich dieses Papier im Anschluß an die bessere Börsenverfassung bis zu 1 25 Prozent erhöhen. Rütgerswerke plus 1,5 Prozent Am Montanmarkt war gleich zu Beginn des Börsenverkehrs die Umsatztätigkeit lebhaft 3m Vordergrund? standen hier Gelsenkirchen mit plus 2 Proz. und Phönix mit plus 1,5 Proz. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen bis zu 1 25 Proz. fester. Anregend wirkte die Einigung im Lohnkonslikt im Ruhrgebiet bessere Marktberichte und Käufe aus dem Rheinlande. Rur Rheinische Braunkohlen lagen angeboten und 2 Proz. schwächer. Kaliwerte und Bankaktien hatten kein nennenswertes Geschäft bei minimalen Veränderungen. Rur für Reichsbankanteile erhielt sich regeres Interesse bei einer weiteren Besserung von 2,75 Proz. Renten still. Deutsche Anleihen leicht gedrückt, tfur Schutzgebiete wurden etwas höhere Kurse ge- nennt Sm Erlaufe war bie Gr- schäsMätigk il, nachdem die Aust.age^ zumeist erledigt waren, nur noch zeitweise lebhafter. Gegenüber den Anfangsnotierungen waren meist Erholungen bis zu 2 Pro' zent festzustellen. Elektrowerte lagen auf Gewinnmitnahmen später um Bruchteile eines Prozentes niedriger. Montanwerte waren weiter gebessert. Besonderes Interesse trat letzt für Schisf- fahttswette zutage, die bis zu 2,5 Prozent gewinnen konnten. Die Tendenz war freundlich und zuversichtlich. Am Geldmarkt war Tages- qeld mit 8 Prozent weiter etwas angespannt. Am Devisenmarkt war die Mark weiter etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1973, gegen Pfund 20,348, London gegen Kabel 4 848, gegen Paris 123,93, gegen Mailand 92,67, gegen Madrid 34,25, gegen Holland 12,07. Franks.!r er Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. Juni. Tendenz Ith Der Probuktenmartt verkehrte heute in H Haltung. Die etwas schwächeren 2lu5lanbnotiftBf] verstimmten roieber, so baß bas Geschäft sch»! blieb. Die Preisgestaltung wurde hiervon Mt nicht berührt. Zu ben niedrigeren Forde nupH Provinz wurde das Material glatt aufgewgj o daß vereinzelt, was sich besonders für mehl auswirkte, Geschäftsbelebung zu v«M war. Es wurden notiert: Weizen 24; RoxLt Sommergerste für Brauzwecke 23; $afer,«M djer, 22; Mais (gelb) für Futterzwecke 20Mm zenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 33,50; RoW» 29,50 bis 30,25; Weizenkleie 10; RoggenkkchM Mark. Strafkammer Gießens • Gießen, 25. 3uni. Die Einwohners von Gießen war als <5ürW ling vom Wohlfahrtsamt Gießen uM Schwesternheim in Würzburg und du«M Vermittlung in einer Stelle m Bad ■ untergeoiacht worden. Der Vater, der E Maßregel nicht einverstanden war. schickte ihr durch einen Dienstmann einM. sie solle sofort zu ihm kommen, lie« ihren Koffer abholen und fuhr mit ■ Gießen. Weil er dadurch seine Tochter sorgeerziehung entzogen hat« er vom Amtsgericht Gießen zu etnete ftrafe von fünfzig Mart Dcrute verfolgte dagegen Berufung die « der Strafkammer zu dem gleichen ■ führte und deshalb zurückgewiesrM Letzte Nachrichten.! Attentateiversuch auf den französischen Konsul inl Berlin, 26. 3uni. (TU. DrahlberW französischen Konsulat tarn es W mittag zu einem aufregenden Vorfall. 61 s in , die ben Konsul zu sprechen verlang« als ber französische Konsul B i n e t nV Wünschen fragte, drei RevolverschV bie in die Decke des Empfangszimmers £nj ben Konsul ober sonstige Personen zu oedj Personal bes Konsulats stürzte sich aus V unb hielt sie fest, um sie ber elntreffenbe zu übergeben. Aus ber wache stellte es siG baß es sich um ein Ehepaar 2H a f o r o f ■ i Die 26jährige Ehefrau Agathe ist von Ge» 11 n. Das Ehepaar befanb sich aus eines 1 Patts nach Riga. yembttfl....... Mellftofl Waldhos • • • Bcllftofi flidiaffcnbutg . (Sbatlolieiiburger Wasser ___26j Amtlich^ t^elb ___ Ib3.35 1,754 58,235 111,67 111,67 112,36 10,522 21,94 20,323 I 4,187 16,37 80,64 59,29 1,837 0,496 58,59 12,426 7,371 73,09 3,027 18,73 81,28 2,018 5,425 4,152 4,026 20,817 Französisch« Noten.... Holländische Moten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten . • • • • Teutsch-Ocsterr, ,100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten - • • Devisenmarkt Berlin Berliner Börse. Berlin, 26.Juni. Obwohl für heute im, meinen nur günstige Momente Vorlagen, Hatz im Dormittagsverkehr kein großeresGesi entwickeln können. Auch an ber Börse selbst i sich zunächst ein Fehlen neuer Limite im ©e| Umgang fühlbar, bie Tenbenz war aber trotzd, hauptet. Man stellte mit Befriebigung fest, h bie auf ben Kursen liegenden Reports halten ien. So ist ber Ultimo für bie Börse überfl auch ber Zahltag bürste kaum Schwierj machen, aöerbings trat am Gelbmarkt schon mehr Nachfrage zutage. Uederraschenb tarn die ftänbigung in ber S t i ck st o s s i n dusi burch bie eine weitere Ermäßigung der Der! preise für Düngemittel erzielt werden wird. Goldimporte aus England waren nicht übern gekommen unb würben auch im großen unb । günstig kommentiert, jedoch wurde bie Besür der ’ Gefahr einer Diskonterhöhung ber Ban England roieber stärker. Wieber war ber M markt besonbers beachtet, zumal man Auslas über bie Beschäftigungslage ber Montanindus, bem Zulassungsprospekt ber Phönix für 205 lionen Reichsmark Aktien in Düsselbors und Konkurrenz einigermaßen Schritt halten, wenn man ihm wenigstens aus dem Gebiete der Arbeitszeit entgegenkommen würde. Die Stillegung von Zentrum II wäre ebenso zu vermeiden gewesen, wie das Zubruchgehen vieler anderer Grubenbetriebe, wenn man dem Bergbau wenigstens gestattet hätte, sich den Arbei ''-'tbedin- gungen seiner Konkurrenz anzupassen. att dessen bleibt es bei abträglichen gesetzliche Bestimmungen, die angeblich einen Schuh für den Bergmann darstellen, in Wirklichkeit aber die Belegschaften kleinerer und finanziell schwacher Zechen in die Gefahr der Arbeitslosigkeit bringen. Etwas mehr Entgegenkommen der Gesetzgeber toürbe der Rot, wie sie gegenwärtig in Rheinland-Westfalen herrscht, zu einem guten Teil steuern können. Firma Opel in eine Aktiengesellschaft im Zerbstv.I hat Geheimrat von Opel ben Dorsitz im Aufsichtsrat her Ge ellschaft übernommen und ist zusammen mit seinem Bruder Dr. Fritz O 'el als geschäftsführendes Mitglied des Auftichtsrats im gleichen Umfange wie früher im Geschäft tätig. Sein Sohn Fritz von Opel ist ebenfalls seit dieser Zeit, Mitglied des Dor- chen als gut bezeichnete. Außerdem waren, Dampfschiff, Drenftein, Schubert & Salzer, mühle, Spritwerte, Polyphon, Siemens unb aftien über ben Report hinaus befestigt. Reft plus 2,75 v.H. Auch MixL-Genest eröffnete Pluszeichen unb gewannen bei etwa 300 000 E 6,5 o. H. Deutsche Anleihen ruhig. Don Ausl« Anatolier fest. Pfanbbriefe vollkommen geschah aber gehalten. Die Gelbsätze waren unoerti Nach Festsetzung ber ersten Kurse neigte biej standks. * Lorenz A.-G., Berlin. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß mit wieber 6 o. H. Dividende. Wie die Verwaltung mitteilte, hielt der gute Geschäftsgang an. Die bei Eintritt in das neue Geschäftsjahr vorliegenden Auftrage weisen gegenüber dem Vorjahre einen größeren Bestand auf. Auch der Auftragszugang im ersten Quartal des neuen Jahres und der Umsatz innerhalb desselben erhöhten sich gegenüber den Dorjahrszahlen. Das Geschäft mit der Reichspostoerwaltung erfuhr eine leichte Belebung. Es sei zu hoffen, daß diese anhalte und eine gewisse Gleichmäßigkeit in der Auftrags- erteilung durch die Reichspost eintrete. Auf dem Gebiete des Rundfunks habe man mit einem namhaften Großabnehmer umfangreiche Lieferungsvereinbarungen für eine Reihe von Jahren getroffen, wonach die Fabrikation eine wesentliche Erweiterung er- fahren und der Umsatz dieses Geschäftszweiges be- reite innerhalb des laufenden Jahres sich nickst unerheblich erhöhen werde. Die Gesellschaft richte ihr Augenmerk auf den Ausbau der Radioabteilung, m der eine Chance zu erblicken sei. Auch die Telegraphenabteilung sei ausgebaut worden. Im lausenden Jahre sei ein Abkommen getroffen worden, wo- durch die bis dahin bestandenen Patentschroieng- feiten behoben worden seien. Frankfurter Börse. 4 Bei Aufhebung des Mietverhaltnisses auf Grund 1 des Aragraphen 4 Absatz 2 bes Mieterschutzgesetzes. (Teilaufhebung wegen überwiegenden Interesses k^s Vermieters.) Für biejen Fall ft«bt bas ©efefc ftlvft keine Bestimmung hinsichtlich ber Bewilligung von Ersatzräumen vor. Die Regierungsnooelle ro.es m ber Begrünbung jedoch barauf hm, daß em Ersatz raum nicht zuzubilligen sei, Do m einem fol$e Falle bie Teilaufhebung naturgemäß hre Grenze barin finde, baß bem Bieter ber für (eine Wohn- bebürfniffe ausreichenbe Raum verbleiben müsse. Bevebt sich bas ganze Mietverhältnis mitljm ausschließlich auf Äohnraum, so kann Ersatzraum nickst bewilligt werden. Das Gericht muß lwher b wnders eingehend prüfen, ob der verbleib ende Raum zur Befriedigung des Wohnbedurfnisfes Erstreckt sich die Teilaufhebungsklage aus Neben- räume (Boden, Keller usw.), so wird ^e Klage un- ter Umständen abgewiesen werden müssen, wenn der Vermieter nicht freiwillig geeignete Ersatzraume zur Verfügung stellt. (Dgl. auch Gramse: Das neue .T^Betrstst das Mietverhältnis ausschließlich andere Räume als Wohnräume, so kann Ersatzraum nur bewilligt werden bei Gefährdung eines dringenden öffentlichen Interesses. . 6. Erstreckt sich ein Mißverhältnis sowohl auf Wohn räume, als auf andere Raume, 3-D Laden unb Wohnung, unb wirb es nur hmstchtlich bes Wohnraums ober eines anderen Teiles besfelben aufgehoben, so kann für den betreffenden Wohn- raum Ersatzraum zugebilligt werden wenn dies zur Vermeidung unbilliger Harten erforderlich erscheint. Bestimmte Eigenschaften des Ersatzraums darf- das Gericht nickst vorschreiben. Es hat sich auf den Aus (prüft) der UrteHsformel zu bekrönten, daß die Zwangsvollstreckung von der Sicherung ausreichen den Ersatzraums abhängig gemacht werde. Ist die Zwangsvollstreckung durch Urteil von ber Sicherung eines Ersatzraums abhängig, so Ha idie Gemeinbebehörde dem zur Herausgabe Verpflicht^ ten einen entsprechenden E r s a tz r a um Ir e i (b l e u n i g t zuzuweisen, es sei denn, datz der Vervslichtete gegenüber der Gemelndebehorde auf d-e Zuweisung von Ersatzraumen verzichtet hat. es gilt auch im Falle eines gerichtlichen Der- gleichs wenn das Gericht die beschleunigte Zuweisung angeordnet hat. Ersatzraum ist ferner beschleu- uiat zuzuroeisen, wenn der Mieter m 9^!^ Son- derfällen (Paragraphen 22, 23, 32! des M^terschutz- gesetzes) den Mietraum gegen Zahlung eines Geld- betraqes hat herausgeben müssen. Unter »bestell niqter" Zuweisung ist zu verstehen, daß der Rau- rniinaspflichtige schneller als andere Wohnungssuchende, die sich in gleicher Lage befmden, unterzubringen ist. Die Notwendigkeit der Zuweisung ist, abgesehen von ben Fällen der Pa^^phen 22 und 93 des Mieterschutzgesetzes, von der Gemeindebehörde nicht zu prüfen. Ueber Einwendungen gegen die Gefionetheit des Erfatzrgumes entscheidet enboültig t»S!IR:eteW9un95amt Wttgerung des Wohnungsamtes Ersatzraum tu- lchleuniat zuzuweisen bzro. die Eintragung m die Dringl-chkeitsl-ste vorzunehmen, kann das TOietemi gunnsamt als Beschwerdestelle ongerufen werden. (Dal. Komm. Ebel. Seite 181.) Wer zur fi ausgabe eines Raumes .verpflichtet ist darf von der Gemeindebehörde nicht in den gleichen Raum wieder cinaeroiefen werden. Die Wiede rein meifuna in ben gle-chen Raum darf durch die m.meinbehehörbe nicht erfolgen, einerlei, ob dem Mieter im Urteil Ersatzraum zugebilligt ift ober nicht Die Zuweisungsbefugnis der Gemeinde st jehoeb nur irfaroest beschränkt, als es sich um ein gültiges M i e t oe r h g l t n i s „handelt. Hatte der Räumunosvffich.tige iedgch die Raums auf rin-'s anderen Rechtsverhaltn;sies >nn« (Kauf. Da^ t), fö kann das Wohnungsamt dein Raumung-pfstch- fioen roieber dieselben Näume zuweisen. (Dgl. Gramse- Mieterschntzgesetz, Seite201.) Zur Kostensrage sei noch bemerkt, daß die Orts- polivibehörbe für die Dauer der Einweisung emes CPrmittierten in d-e bisher von ihm bewohnten Rä'iine, abgesehen non ben Raumungskosten für d-e ganze laufend? M-ete oufzukommen hat. -schon mit Rücksick-t auf die ben Gemeinden hierdurch erwachsenden Aufgaben w'rd nur m den dr'ngendcken Ausnnhmefällen von der Wiedereinwe-sung Ge- brnnch gemacht werden. . Enthält bas Urteil des Amtsgerichts einen Ausspruch über die Sicherung von Ersatzraumen, so darf bie Vollstrrcknnasklausel nur etteilt werden wenn durch eine Bescheinigung der ^m€inbebel)orbe ob»r durch andere öffentlich beglaubigte Urkunden nachgenaiesen ist. daß der Ersatzraum für den M-e- ter gesichert ist und der Mieter sich mit dew, Er- s-itzraum einverstanden erklärt hat. ober etwaige Einmenbunaen vom Mi^teinigungsamt für unbe» gründet e-Härt worden sinb. Darüber, wann ein Ersatzraum ..gesichert" ist, enthalt bas Gesetz ferne Bestimmung In ber Begründung zu dem st^letz wirb ausgeführt, baß bie Entscheidung dieser Frage 18 14 12 12 2c|fauet«a4........8 Daimler '.Motoren ...... O Deuiichr Malchinen-Jabm . . 0 -äblerroede ttieoct......5 Ludw Loewe.......W Nai. Automobil.......0 Crcnftetn & Sloppd.....» Leonhard Xlcg........ Bamag-Meguin......." Nianil-Maichtnra......» ©rinnet _.........4* 4 8 , 8 10 , 8 , 8 10 . 8 . 8 ^WiÄr"hat an ber Ruhr ein Baubetrieb, ber Jahrzehnte hinburch ber deutschen Bolls- Wirtschaft unschätzbare Dienste leistete für immer seine Pforten geschlossen. Es hcrndett (uhumbie Zeche Zentrum 11 m Wattenscheib, bie bas erste Hundert ber seit 1924 unter der Ungunst der Verhältnisse im Ruhrbergbau zu- sammengebrochenen Betriebe vollmacht. Und tote ber hat diese Stillegung ben ganzen Sammer entrollt, ber mit ber Schließung von wirtschaftlichen Unternehmungen aller Art verbunden ist. Da ist zunächst die Arbeiterschaft, bie einem ungewissen Schicksal ausgeliefert werben muhte. Wer eine neue Beschäftigung fmbet — unb das ist angesichts ber Arbeitslosigkeit im Ruhrberg, bau fast ein Ding ber Unmöglichkeit — w.rd ent. Weber von seinem bisherigen Wohnsitz fortwandern müssen ober aber, ba sich an feinem neuen Arbeitsort boch feine Wohngelegenheit finden wird, täglich Stunden für ben Hin. unb Ruckweg zur Arbeitsstelle aufwenben müssen. Da ift weiter bie Geschäftswelt und das kleine Handwett, die von der Belegschaft der stillgelegten Zeche lebten. Ihre Einnahmen werden zusaminen- schrumpfen, ihre steuerliche Leistungsfähigkeit geht ebenso wie die ber früheren Belegschaft von Zentrum II zurück, die einen wesentlichen Teil der Bevölkerung Wattenscheids ausmacht. Außerdem fällt die Zeche selbst als Steuerquelle fort, wodurch erklärlich wird, wie die Rot kleinerer Gemeinden entsteht. Daneben sind für die Volks- wirtschaft nicht nur die Uionen und aber Millionen, die in den Grubenbetrieb hinemgesteckt wurden, dessen Anlagen jetzt als Alteisen v-er- schrottet werden, restlos verloren, auch die ungeheuren Kohlenschätze, bie noch in der Erde ruhen, werden für immer unge.)oben bleiben. Unb fragt man sich nach den Ursachen dieses Stillegungselends, bann stößt man auf fehler unserer Gesetzgeber, auf bie sie nun schon seit Jahren aufmerksam gemacht werben, ohne daß sie zur Einsicht gelangen. Die Gruben an der Ruhr stehen in heftigem Konkurrenzkampf nut ber englischen und holländischen Kohle, die beide unter viel günstigeren Bedingungen gewonnen, also aud) zu wesentlich niedrigeren Preisen ange- I boten wird. Der Ruhrbergbau könnte nut dieser 86,65 129,25 | 26.6. 192,5 220 J5 220 134,75 225,25 A.Ü.». • • Bergmann . . Slettt. Liesenmgea. Licht unD Krasl gelten 4 Guilleaume Gei. s. Gkttr. Untern. Hamb. Lleltr. Werte Rhein. GUkn. . . . Schiet. Eleltr. - . Schuckert..... Siemen« 4 bülfle .--- Traneradio . . .»••••• 8 Lahmeyer 4 Co.. . . . » - ‘° VuderuS.......... Deutlchc Erdöl.......” (Wiener Eleiniohle . . . . . • 8 Gelientirchener ... f. ¥* 3- * tarpencr..........® oetch Eiten.........= Slie Bergbau........» lödnetwerfe..... • • ' Pöln-Reuetten........2 Mannesmann........8 DianSteider ------- - ? Lberichlei- Eitenb. Bedarf. . . Obertchlet- Kvttwerlc . - - - . 6 Phönix Bergbau......t>Vi Rheinitche Sraunkoblen. . . 10 Rhetnstahi . - - f- % Jahr V/t 1 Uhr- Kure 26.6. Schiub- Kurs 25-6. | <öd)kiB- Rute 25 6. Frankfurt a M- Berlin Schiuh- % Dl. R. ichsanleihe o 192 < _ 87.25 — 87,5 — Dt. Änl.-'.'ivlöi.-Schuib mit Äus lo>.-Rechten Decnl. ohne Ausich.-Rechte 7o-o fjtanlj. Ht)P -Bl «°WPl- un lünvbar bis 1932 50,9 10.4 10,35 50,9 10,3 50,9 10,25 85.75 — — — ivt°'o Rheiniiche Hyp.-Banl Clou. 79,65 Äuldpj. —— — il.C.G abg Borkriegs. Obligation. rüchahibar 1932 90 — — 4"/o Schweiz. Bunbesb.-Änt. 4°'o Ceiieneldiiidie Äolvrte. 29,9 — 30 — 4,20% Ocften. Silberne. 2,5 — 2,5 4% Leiteneich elnheiU. Rte 1,8 — — — Ungarilche (Bolotte. 23,25 — 23,3 — 1% Ungarilche Staatsr. v. 1910 20,3 —— 20,4 — vesgl. von 1913 <% Ungarilche Kronenrte.. 22,25 1,9 — 22,4 1,9 1,9 4% Türi. Zollanlerhe v. 1911 i°o Türluche Dagdadbahn-Anl., Serie 1 8,15 8 8 — 4% vesgi. Serie 11 8,1 — 8,05 — Rumänen conveN. vite. . 8,9 — Rumänen Doldani. Bon 1913 17 — — — Mlg. Deutlche ENenbahn . V/. Hamburg-Amerika Paket . • • 1 120 — 118,9 120 Hamb.-Südam. Dampllch. . . - — 192,5 — Hansa Dampllchisl • • • 11 Nursbeutlcher Lloyd ----,« — 111,75 112,25 156 110,9 159 112,5 Alig. Teutiche Creditanli. . . 1 128,5 — 128 128,5 Barmer Banwereln . . • 1 — — 130,5 129,9 Berliner Handeisgelellsch. . 1 223 — 223 222,75 eommerj- unt Privar-Bank 1 188 187,5 186,5 187,5 Tarmst. u. Nationalbank 1 278 — 275,5 277,5 Deutsche Bank 1 173 17; 172,25 173,5 Tiskonw-iBeleNichast Ant.. 1 157,75 156,5 157,75 Tre-vner Bank . • 1 0 164,5 164,5 163,75 164,5 Mltteldeutlche (Lreditbaul . . . 9 — — — 6 — — r — 334,7 332,25 334,25 Berlin, 25. Juni Geld Brief Amerikanische Note»..... 4,171 4,191 Belgische Noten...... • 58,17 53,41 111.43 111,87 20,28 20,36