3 1 «3 >'S: >?ä 52 5 Z §. - -.3 O S ■>3=o :csli ;« : o K4 Dienstag, 26. Sebniar 1929 179. Zahrgang Nr. <8 Erstes Blatt Erlcheinltäglich, außer Sonntags und FeieNags. Geilaaen *Dtt Illustrierte (Blefjener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Bejugspreis für rwochen: 1 'Reichsmark und 15 Rcichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernspiechanlchlüfle: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtrtach« richten Anzetaer Giehen. Pohfd)etffonto: granlfutt am Blain 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrnS vnd vcrlae: vrühl'sche Unioersilüls-Vuch, und Steinöructerei H. Lanze in Siehrn. Schriftleitung und Grschäftrstelle: Zchnütrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen non 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig. Platzoorschrist 20" mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantwortUch für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt tzillmann, sämtlich in Gießen. Locarno und die Militärkonveniion der Westmächte. Geheimdiplomaiie. Zunächst die nüchternen Tatsachen: in eine: holländis^en Zeitung, dem „Utrechtsche Dagblad" fand sich am Sonnlag die sensationelle Nachricht über ein belgisch-französisches Militär abkomm en a.'.s dem Sajre 19.0, das im Wortlaut veröffentlicht wurde. Tiefes Abkommen besteht aus 8 Artikeln und fetzt fest, daß die gesamte militärische Macht beider Staaten sich gegenseitig zur Verfügung steht, falls ein Krieg mit Deutschland oder einer anderen Ma ch t eintritt. Der Vertrag ist auf jede Grenze anwendbar, von der aus der Angriff erfolgt. Einzelheiten für die Mobilisierung werden genau festgelegt. Belgien verpflichtet sich 600 COO Mann zu mobilisieren und Frankreich stellt für militär.fche Operationen auf belgischem Gebiet mindestens 1,2 Mi Honen Mann zur Verfügung. Beide Eeneralftäue sollen dauernd zusammen arbeiten. Das Ablo.nmen gilt für 25 Jahre, und beide Staaten verpflichten sich, mit anderen Mächten keinerlei, diesem Abkommen zuwiderlaufende Abmachungen zu treffen. 3m Jahre 1927, also 2 Jahre na$ Abschluß des Locarno-Vertrages wurde noch ein Zusatzabkommen geschlossen, in dem ausdrücklich fest- gestellt wird, Daß sich die Bestimmungen auch gegen die Niederlande richten und daß Belgien im Falle eines Krieges zwischen Frank- reich und Italien an Frankreichs Seite zu kämpfen verpflichtet ist. Tiefes Zusatzabiommcn ist es, das dem ganzen Dcrtragsw.rk seine eigentliche politische Bedeutung gibt. Denn es kann nicht mehr und nicht weniger als eine glatte Verletzung des Locarnovertrages In sich schließen. Schlimmer kann die Diskrepanz in der Internationalen europäischen Politik -cht aufgezugt werden. Besonders erschwerend wirkt der Umstand, daß derVölkerbund von de.n b.lg fa- französischen Vertragswert nicht in xenntms gesetzt wurde. Lediglich der begleitende No e.rwech- Die Veröffentlichung zeigt wieder einmal, daß sich trotz der furchtbaren Weltkriegskatastrophe und trotz der schönsten Reden vom Frieden in der Welt, bis heute so gut wie noch nichts geändert hat. Die Generäle machen eben tn jenen Staaten, wo sie noch eine in Waffen starrende Truppe hinter sich haben, ihre eigene Politik, wöbe: sie es verstehen, über alle kulturellen und wirtschaftlichen inter- nallonafen Beziehungen hinweg ein <5.;ftem von Sonderbündnisfen auszubauen, die nur zu dem einen Zwecke da sein teilen, Kriege vorzubereiten, um daraus schließlich einmal Kriege entwickeln zu können. Diese Erkenntnis dürfte eigentlich allen Glauben an die Welt zunichte machen. Was bedeutet Locarno, was bedeuteit die pomp- haste Aufziehung der Kriegsächtung, waS bedeutet der Bund der Völker und was bedeutet schließlich die internationale Wirt- schaftliche Zusammenarbeit und der internationale Austausch von Kulturgütern, ohne die sich die Welt überhaupt nicht weiterentwickeln kann, wenn auf der andern Seite bis zu den Zähnen gerüstet wird, wenn man Kriegsbündnisse eingeht, vom bösen Feinde spricht und nichts unversäumt läßt, um wohl- gerüstet einem eventuellen Kriege entgegensetzen zu können? Es wird wirklich schwer, tn diesem Zusammenhänge noch das Vertrauen in die friedliche Entwicklung aufrechtzuerhalten. Lind bas Schlimme dabei ist. dah die jetzige Veröffentlichung dieses geheimen CQiihtamrtra- ges doch nur einen Bruchteil von lener Generalspolillk darstcllt, die vom französischen Hauptquartier aus unablässig betrieben wird. Herr Le R o n g dürfte kaum nur zur Belustigung in Warschau, in Prag, in Belgrad oder in Bukarest gewesen fein; er wird wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit zur Befriedigung seines persönlichen Ehrgeizes auf der einen Seite, und andererseits aber auch entsprechend der französischen Mentalität zur weiteren Organisierung der Unterdrückung Deutschlands ein kleines, recht geheimes Ab- kommen abgeschlossen haben, das jenen Militärbündnissen der Vorkriegszeit ähnlich sehen dürfte wie ein Ei Dem anderen. Mit Polen wird er auf jeden Fall ein solches Qlrrange- ment getroffen haben, Denn Die von französischer Seite aus vorgenommene Umotganijierung Der polnischen Armee gibt Davon ein bereDtes xlgiichtn uno der franzöfifch'.n n Völkerbünde mitgeteilt worden' Selbst die e Tat.ache hat damals schon erhebliches Aussehen erregt und zu einer Aussprache im Völkerbund geführt. Frankreich und Belgien al erb m hi n sich d>. g n eAngelcgenhei. als harmlos hinzustellen. Cs muh zwar noch ab- getoartet werden, welche Winklzü^e Die beiden Mächte machen werden, um Die Echtheit des in der yollänuifyen Zeitung veröffentlichten Ver- tragstextes zu bestreitet,. Man kann aber nach den Ankündigungen deZ holländischen CrcanS schon jetzt die Echtheit a.s sicher annehmen. Denn das Blatt bietet für Lei Fall, daß man in Belgien und Frankreich eine Ableugnung versuchen sollte, einen lückenlosen Dewlls der Echtheit an. Für Den Vv.kcr^unDsgeoanlen ist die Veröffentlichung des belgisch-, ranch ifd;en Geheimabkommens ein ganz schwerer Schlag. Denn wo soll das Vertrauen zu der Loyalität hervorragettder Mitglieder des Völkerbundes, jä derjenigen Staaten. Die ihn mit begründet haben, bleiben, wenn hinter den Kuliifen militärische Geheimverträge m Stile der alten Diplomatie abgeschlo.sin werden und wenn die Pflicht der Anzeige an Den Völkerbund nicht innegebalten wird. Weiterhin aber erleidet auch die Locarno Politik wiederum einen argen S'.oh. Wenn sich schon im Laufe der letzten Jahre für uns die Gewißheit ergeben hatte, daß die Auswirkungen dieser Politik nicht den Erwartungen beim Abschluß des Abkommens entsprachen, so wird durch die Veröffentlichung über das belgisch-franzöfische Ge- jcimablommcn der schlüssige Beweis geliefert, wie wenig es den anderen Mächten ernst mit dem Locarnogedanken war. Ein besonderer Grund Der Beunruhigung besteht übrigens für Belgiens Nachbarn Holland, zumal zwischen diesen beiden Staaten am Unterlauf der Maas und des Rheins bekanntlich eine Reihe gewichtiger politischer Meinungsoer chicd.nheiten bestehen.Nimmt man hinzu, daß England sich immer mehr aus den eigentlichen kontinentalen Fragen herauszieht, und daß Chamberlains Außenpolitik dahin geführt hat, Frankreich zum Polizeibüttel Englands in Europa zu machen, dann begreift man, wie isoliert sich die holländische Politik im gegenwärtigen Augenblick Vorkommen muß. Jedenfalls hat der vielberufene Gedanke Der Sicherheit in Europa durch dieses belgisch-französische Militärabkommen eine schwere Einbuße erlitten. Sine holländische Demarche in Paris nnd Vröffel. Anfrage im Saager Parlament. Haag, 25.Febr. (IDIB.) wie halbamtlich verlautet, hat die niederländische Regierung die niederländischen Gesandten in Paris und Brüssel beauftragt, den Regierungen Frankreichs und Belgiens die offizielle Anfrage vor- zulegen, ob der vom „Utrechtfch Dagblad" veröffentlichte Text der franzöfifch-belgifchen THilifär- konvention ausgetaufcht ist, und ob die von dem holländifchen Blatt veröffentlichten Auszüge aus den Inlerpretationsbeftimmungcn richtig wiedergegeben find. In der Zweiten Kammer der Generalftaaten ist ein Antrag eingebracht worden, in dem die Regierung um Auskunft darüber gebeten wird, ob sie die Veröffentlichung für echt hält, und welche Schritte sie bei den ausländlfchen Regierungen zu unternehmen gedenkt. Große Erregung in Holland. Das Lchlachwpfcr des nächsten Krieges. Amsterdam, 25. Febr. (WTB.) 3n ganz Holland hat sich die Enthüllung des „Utrecht,ch- Dagblad" über ein französisch-belgisches Mi.itär- abkommen als «ine politische Sensation ersten Ranges ausgewirkt. Alle Blätter er.tjalten heute abend ausführliche Leitartikel, in denen fast ausnahmslos schärf st «Entrüstung ü.er den Inhalt Der veröffentlichten Dokument: zum Ausdruck kommt, an deren völliger ober teilweiser Echtheit die meisten Blätter kaum noch zweifeln. So findet „21II gerne en Handelsbla d", daß der jetzt veröffentlichte Tezt gerade das -enthält, was man von einem solchen Vertrag hätte erwarten müssen, und einen sehr glaubwürdigen Eindruck macht. Das Schlimmste fei, daß die Generalstäbe Frankreichs und Belgiens Darauf rechneten, im geeigneten Zeitpunkt einen Vorwand finden zu können, um Holland a l s feindliche Macht zu betrachten. Sehr scharf äußert sich „RieuweRotterdamsche Courant", der u. a. aussührt. nachdem sich Frankreich und Belg en bereits feit 1919 bemüht hätten, Holland aus wirtschaftlichem Gebiet zu benachteiligen, sehe man hier plötzlich Die ©eneralftäbe Frankreichs und Belg.ens, für Deren Handlungen Die Regierungen beiter Länder voll verantwortlich seien, an Der Arbeit, um gegen Holland einen casus belli zu konstruieren. $ut weitere belgisch-holländische Verhandlungen scheine die Grundlage nicht mehr vorhanden zu sein, wenn belg.scherseit» die Losung laute: „Bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt! Ein Druck auf den Knopf — und zwei französische Armeekorps stehen für mich bereit** Auch „Te 1 egruaf" wendet sich mit voller Schärfe gegen das Abkommen. Locarno und Deutschlands Beitritt zum Völkerbund bedeuteten anscheinend für die militärischen Köche, die hier am Werke seien, nicht mehr als Luft. Ein einfaches: „Es ist nicht wahr." fei nicht genug. Das holländische Volk erwarte von feiner ^Regierung, daß sie alle Schritte unter« nimmt, um über diese Angelegenheit und Dam t über die Beziehungen zu Frankre.ch, England und Belgien Klarheit zu schaffen. — ,Het Volk", das fozialdemokratische Organ, hebt besonders hervor England, das im Jahre 1914 in deu Weltkrieg unter dem offiziellen vorwand eingegriffen habe, daß es die Bergung der belgischen Neutralität durch Deutschland nicht dulden konnte, fasse nunmehr selbst in fianbalöfet weise die Verletzung der holländischen Neutralität fest Ins Auge. Der rechtsradikale „Standaard" fordert zum sofortigen Abbruch der holländifch-belgischen Verhandlungen auf. Die katholische „T i j d" (Amsterdam) erinnert an eine eigene Veröffentlichung aus dem Jahre 1928, Die etwas Aehnlichcs wie Den jetzt veröffentlichten Inhalt des Militärabkommens vermuten ließ. Allein der katholische „Maasbote" (Rotterdam) mahnt zur Ruhe und Besonnenheit und fordert dazu auf, die Bedeutung der Veröffentlichung, so wichtig sie auch sei, nicht zu übertreiben. — In der holländifchen Presse hat aor allem die Mitteilung, daß im Falle eines Krieges einDurch« marsch durch Limburg geplant sei. große Entrüstung hervorgerufen. Die Auslegung, die die ©eneralftäbe dem Abkommen im Jahre 1927 gaben. sei ein Beweis dafür, wie gefährlich die Ausführung solcher Abmachungen in den Händen der Militärbehörden werde, die sofort alle strategischen Vorbereitungen träfen und sich, wenn es ihnen vorteilhaft dünke, nicht scheuten, die Neutralität anderer Länder zu verletzen. Holland habe ernste Veranlassung, energisch dagegen Einspruch zu erheben, zum Schlachtopfer eines Krieges zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland zu werden. Paris dementiert. Ein rein defensives, dem Völkerbund mitgetciltcs Abkommen. Daris, 25. Febr. (WB.) Das französische Ministerium des Aeußern dementiert durch Die Agentur Havas Die in auslänDischen Zeitungen veröffentlichten Dokumente über Den Text eineß angeblichen französisch-belgischen, 1920 abgeschlossenen militärischen Geheimvertrages und Der Zu- satzbeftlmmungen von 1927. Die Dokumente, so heißt es in Der Auslassung, seien gänzlich apokryph. Die französische und die belgische Regierung hätten am 2. November 1920 Dem Völkerbund Die zwischen ihnen ausgetauschten Briefe über das am 7. September 1920 abgeschlossene Militärabkommen mitgeteilt. Daß ein rein Defensives sei und ausschließlich Den Fall eines nichtprovozierte n Angriffes vorsehe. Seit Diesem Zeitpunkte sei weder zwischen Den beiden Regierungen noch zwischen Den Stäben ihrer Länder ein Militärabkommen unterzeichnet worden. Die Pariser Presse gibt Die Amsterdamer und Berliner Meldungen über Den belgisch-französischen geheimen Militärvertrag ausführlich wieder. Der „Matin" weih mitzuteilen, daß diese Nachrichten den zuständigen Behörden am Quai d'Orsays unterbreitet und eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Das Außenministerium sei geneigt, den angeblichen Wortlaut des Vertrages als Fälschung anzusprechen. Auf jeden Fall könne es sich aber um einen rein „defensiven" Vertrag handeln. Wahrscheinlich müsse man in Der Veröffentlichung Deß holländischen Blattes und Den Kommentaren Der deutschen Presse nur einen Versuch erblicken. Den Inhalt des Militärabkommens kennenzulernen und ein Manöver, um zwischen Frankreich und Holland Mißtrauen zu säen. „Eine grobe Fälschung" - sagt Brüssel. Brüssel, 25. Febr. (WTB) Zu Der Veröffentlichung des »Uteechisch Dagblad" meldet die Belgische Telegraphenagentur: Ein niederländisches Blatt veröffentlicht unter fen- satic. eller Aufmachung den Wortlaut eines angeblichen französisch-le g'schen Militärcte kommens sowie Die erläuternden Bestimmungen, Die zwischen Den beiden Generälstaben beschlossen worden wären. Es genügt, Diesen Wortlaut auch nur flüchtig zu lesen, um sich davon zu überzeugen, daß es sich um eine grobe Fälschung han- Delt Die belgische Regierung hat mehrere Male genaue und vollständige Eiterungen über das französisch-belgische Mil.tärabkommen abgegeben. Wir wollen nur an die Erklärungen des damaligen Ministers des Aeußrren, Vandervelde, in der Kammer am 15. Nove aber 1927 sowie an den Bries des Ministerpräsidenten Iaspar an den Vorsitzenden des Gemischten Militärausschusses am 25. Januar 1928 erinnern. Das französisch-belgische Militärabkomne.r sieht einzig und allein den Fall eines unprovozierten Einfalles seitens Deutschlands vor. Der Wortlaut dieses Abkommens wurde im Jahre 1923 Dem Parlament mitgeteilt. Nur die zwischen den General st üben beschlossenen Abmachungen über die Durchführung des Abkommens sind selbstverständlich geheim gehalten worden. Das Vorgehen des nielerländiichen Blattes bezweckt "offenbar, die Beziehungen zwischen Belgien und Den Niederlanden zu trüben. Die belgischen Blätter beschränken sich Darauf, das Degierungsdenenti über den belgischfranzösischen Militärvertrag zu veröffentlichen. Kein Blatt, mit Ausnahme der flämischen Presse, hat Den Wortlaut des Vertrages veröffentlicht. Zn London nichts bekannt. Tie Folgen für die Locarnopolitik. London, 25. Febr. (Xil.) Den Dementis der belgischen und französischen Regierung über das fra. zösisch b.lg sche Geheimabkommen schließt sich auch das englische Auswärtige Amt an. Es läßt amtlich erklären, daß über Den berichteten Vertrag nichts bekannt sei. Es ist wahrscheinlich, daß zwischen den alliierten Regierungen erst noch ein Meinungsaustausch stattfindet, bevor endgültige Erklärungen abgegeben werden. Es ist dies um so mehr anzunehmen, als man sich nicht im unklaren darüber ist, daß eine Bestätigung der sachlichen Richt gleit der holländischen Veröffentlichungen mit Dem völligen Zusammenbruch Der Locarnopolitik gleichbedeutend wäre. In einem ..Diel Lärm um nichts" überschriebenen Leitartikel sagt .Morning Post": Was an Der Veröffentlichung des »Lltrechtsch Dagblad' wahr ist, ist nicht neu, und was Daran neu ist. ist nicht wahr - .Times" schreibt: Die britische Regierung hatte nichts mit Dem französisch belgischen Vertrag von 1920 zu tun. Die einzigen Verpflichtungen, die sie in dieser Beziehung eingegangen ist, sind die von Locarno. — .Daily News" sagt in einem Leitartikel: Wir hoffen, es ist nicht ein Schatten von Wahrheit an der Behauptung. daß Großbritannien mit diesem zynischen Versuch, Den Frieden Der Welt zu torpedieren, direkt oder indirekt etwas zu tun hat. Was sagt Der Völkerbund? Genf, 25. Febr. (WTB.) Das durch holländische Blätter veröffentlichte geheime französifchbelgifche Militärabkominen wird hier lebhaft besprochen, wobei Das Hauptthema Die Frage bildet, ob Dieses Abkommen mit Den Bestimmungen Des VölkerbunDspaktes vereinbar fei. Die Existenz Des Militärabkommens ist bereits feit Herbst 1920 beim Völkerbund bekannt Dem Gene- ralfefrctariat ist zur Registrierung allerdings lediglich eine zwischen dem damaligen belgischen Kriegsminister I a n f f o n und dem Präsidenten der fran= aüfiidjen Republik, Millerand, Mitte September 1920 erfolgte Korrespondenz mitgeteilt worden. Diese Korrespondenz ist auch im Jahrgang 1920 der Dertragsfammlung des Völkerbundes enthalten, in der alle Aur Registrierung gesammelten Verträge veröffentlicht werden. Die Frage, ob technische Abkommen wie militärische und finanzielle zur Eintragung beim Völkerbundssekretariat angemeldet werden müssen oder nicht, ist vom Völkerbund bisher noch nicht grundsätzlich entschieden worden. Sind Die in Der hollänDischen Presse gemachten Angaben über das französisch-belgische Militärabkommen richtig, so erhebt sich in diesem besonderen Fall trotzdem Die Frage, inwieweit es vereinbar ist, nicht nur mit Artikel 18 (Registrier- pflicht), sonDern auch mit Artikel 12 über die Schiedsgerichtsbarkeit, durch den sich die Völkerdundsstaaten überdies verpflichten, „in keinem Fall vor Ablauf von drei TI o na- t e n nach Dem Spruch Der Schiedsrichter zum Kriege zu schreiten", wie auch mit Art. 10 über Die territoriale Integrität bet Völkerbunds st aaten. Schließlich Dürfte sich auch Die Frage erheben, inwieweit die französisch- belgischen Abmachungen mit Den Bestimmungen des Locarnovertrages vereinbar sind. Oer Eindruck in Berlin. Die erneute Einkreisung Deutschlands. Berlin, 26. Febr. (Priv.-Tel.) Den Der- öffen'.lichungcn Des holländischen Blattes „11t* rechlsch Dagblad" über ein geheimes französisch- belgisches Militärabkommen wird von allen Berliner Blättern größte Aufmerksamkeit geschenkt. Tte konservative „Kreuz-Zeitung" sagt: Genau dieselbe Gruppierung, wie sie vor Dem Kriege bestand, kehrt jetzt zehn Jahre nach Dem Frie- denLschluß wieder. Wieder ist derRingu m Deutschland geschlossen, im Westen durch die belgisch-französische Militärcntente zumindest unter Der Duldung, wenn nicht sogar unter tätiger Beihilfe Englands, Im Osten besteht zwischen Frankreich und seinen östlichen Vasallenstaaten ein Reh von Verträgen. And daß alle- trotz des Völkerbundes, trotz der Lo- carnoverlräge. — In der Deutschnationalen „Deutschen Tageszeitung" wird ausgeführt: Dieser Kriegspakt stellt sich als ein mehrfacher Bruch übernommener völkerrechtlicher Verpflichtungen Frankreichs und Belgiens dar. Seine Geheimhaltung verstößt gegen das Verbot aller Geheimverträge durch Den Völkerbund, und seine Aufrechterhaltung trotz Locarno» und Kettoggpakt ist eine vertragliche Unehrlichkeit schlimmster Art. Die der Dolkspartei nahestehende „Deutsche Allgemeine Zeitung' schreibt: Der französisch-belgische Militärpakt zeigt, daß man sich sowohl in Paris wie in Brüssel mit der Vkög- lichkeit beschältigt hat, durch kriegerische Aktion Die Machtsphäre des eigenen Staates nach Osten auszudehnen. Sehr bedrohlich ist das Abkommen auch für die Niederlande, Deren Neutralität es gefährdet. Die „Germania" fragt: Beruht dieses Abkommen wirllich auf Wahrheit oder ist eS viel- tretet der fas istischen Organifat'ionrn imh Institutionen. sowie die Dirrktoren der fas-istifchrn Tageszeitungen und Wochenschrift:» tribirhmen. Oie Lockerung des Transferschuhes für die deuifchen Reparationszahlungen Einigung in der Textilindustrie. Der Schiedsspruch. Berlin. 25. Febr. (WTB.) In den Tarif-- ftreitigkeiten der Textilindustrie ist gestern abend ein Schiedsspruch gefällt worden. Die Derhand- lungen wurden geleitet von dem Schlichter des Schlichtungsbczirks Westfalen, Dr. Brahn, Bergwerksdirektor Dr. Wolff und Polizeipräsident Schöbel. Gegenstand der Verhandlung waren Tarifverträge für etwa 200 000 Textilarbeiter in etwa 21 Bezirken, von denen etwa 70 000 teils im Streik standen, teils aus- gesperrt waren. Beide Parteien hatten sich i m voraus damit einverstanden erilart, die Schiedssprüche der drei Schiedsrichter als bindend und sofort rechtskräftig anzuerkennen, sofern sie einstimmig gefaßt würden. Sämtliche Schiedssprüche wurden einstimmig gefällt und treten sofort in Kraft. Die Arbeit ist infolgedessen heute wieder ausgenommen worden. Es wurden Lohnzulagen gegeben in Höhe von drei bis fünf Prozent, und zwar handelt es sich dabei meist um zeitlich gestaffelte Lohnzulogen. Die Laufzeit der neuen Verträge bewegt sich zwilchen anderthalb und zwei Iah- ren. Die Parteien kamen weiter dahin überein, daß dieselben drei unparteiischen Schiedsrichter bei öfter sich ergebenden Unklarheiten endgültig zu entscheiden haben. Ob eine Unklarheit vorliege, entscheidet der Vorsitzende des Schiedsgerichtes. Damit ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Die seit Wochen in der deutschen Textilindustrie anhaltenden Lohnlä^p e sind beigelegt worden. Die Einigung ist insofern bedeutungsvoll, als sie unter Ausschluß der amtlichen Schlichtungsbehörden und des Reichsarbeitsministers erfolgte. Aehnlich wie im Eisen- konflilt hatten die Parteien auch hier sich von vornherein verpflichtet, den Svruch eines neutralen Schiedsgerichtes anz er en- nen. Wäre es zu dieser Einigung nicht gekommen, dann hätten wir in der Textilindustrie jetzt einen Arbeitskampf erlebt, der noch den EisenkonflM in den Schatten gestellt hätte. Obwohl die meisten Textilfabriken nur mit halber Kraft arbeiten, hat sich das Schiedsgericht veranlaßt gesehen, einige Lohnerhöhungen zuzugeste^en: es hat aber gleichzeitig dafür gesorgt, daß die neuen Tarifverträge möglichst lange laufen. Die letzten dieser Verträge — die neuen Löhne sind bezirksweise festgesetzt worden — lausen im Februar 1931 ab. Auf diese Weise ist der Textilindustrie wenigstens Gelegenheit gegeben, a u f längere Sicht und unbehindert durch kurzfristig ablaufende Lohnvereinbarungen arbeiten zu können. Man darf wohl erwarten, daß die Art. wie man sich im Tertilgewerbe einig wurde, auch in der übrigen Industrie Schule machen wird, weil auf diese Weise am ehesten das Verantwortungsgefühl der Parteien wieder herge- strllt wird, das während der langjährigen An" Wendung des amtlichen Schlichtungsapparates sehr gelitten hatte. Oie Reparationen als Spekulation. Die Verhandlungen der neuen Reparationskommission sind jetzt so weit gediehen, daß sie auf Biegen oder Drechen gehen. Man nimmt an. daß entweder in dieser Woche die Kommission ausfliegt, oder, wenn sie beisammen bleibt, daß dann Die Voraussetzungen für eine tragbare Lösung gefunden find. Wie schwer das aber ist. davon machen sich nur ganz wenige eine klare Vorstellung. England und Frankreich. Überhaupt die ©laubigerflauten, huocn sich e en daran gewöhnt, daß nicyt nur die Abführung der deutschen Zahlungen, sondern auch ihre Metier- trogung in Devisen ganz glatt vonstatten ging. Auch Herr Poincare ist deshalb stillschweigend dazu übergegangen, den auf Frankreich entfallenden Teil Der deutschen Kriegsentschädigung bis auf den letzten Pfennig als sicheren Posten in seinen Etat einzustellen. Darin aber liegt gerade Der Fehler der Rechnung: die Gläutiigerstaaten wollen nicht einsehen, daß die Zahlungen, die Deutschland bisher geleistet hat, nicht aus unserem Verdienst, sondern aus gepumptem Gelde kamen, daß deshalb die Zahlungen in dem Augenblick aufhören, wo uns niemand mehr Geld leiht. Mnd davon sind wir nicht mehr weit entfernt. Der Skeptizismus, der gerade in Deutschland den Pariser Verhandlungen gegenüber bisher zutage getreten ist. beruht deshalb auch im wesentlichen darauf, daß 'Frankreich und England noch nicht gemerkt haben, wie es ist, wenn sie keinen Pfennig Kriegsentschädigung bekommen und daß sie deshalb auch wahrscheinlich nicht bereit sein werden, entsprechende Abstriche zu machen. Sie doktern jetzt an dem Transfer herum, wollen ihn in zwei Teile zerlegen in der Form, daß ein Teil der deutschen Iahreszahlungcn unter allen Minst ä n d e n transferiert werfen muß. während der andere Teil unter dem Schutz besonderer Transfertiestimmungen steht. Das würde bedeuten, daß das Transferkomitee, das bisher ja noch niemals in Aktion zu treten brauchte, aufgelöst wird, daß aber Deutschland das Recht behält, sobald eine Gefährdung seiner Währung in Frage kommt, für Die zweite Hälfte das Gutachten eines besonderen Komitees in Anspruch zu nehme.i. Em etwas kompliziertes Verfahren, das überhaupt nur diskutabel ist, wenn der erste ungeschützte Teil sehr klein gehalten wird. Roch phantastischer aber ist Der Gedanke, den Wohlstandsindex dazu zu benutzen, um die Verzinsung der Eisenbahn- und Industr'eob"igationen variabel zu gestalten. also abhängig von Den Erträgnissen der deutschen Wirtschaft zu machen. Tas würde bedeuten, daß aus der deutschen Kriegsschuld ein Spekulationsobjekt Schneeschmclze am Oberrhein. Freiburg, 26.Febr. (WTB. Funkspruch.) Die föhnartige Erwärmung der letzten Tage hält auch heute nöch an. Die gemeldete Kältewelle hat Oberbaden noch nicht erreicht. 2Ius allen Höhenlagen des Schwarzwaldes werden Temperaturen über Null und der Beginn Der große FafMenrat in Rom. Eine faszislische Heerschau. Rom, 25. Febr. (WTB. Funkspruch.) Unter dem Vorsitz Mussolinis fand heute abend an Pala zo di Venezia Die erste Sitzung der Settion des Faszistischen Großen Rates statt. Mussolini richtete zunächst De- grüßungsworte an Die M.tglieder des Großen Rates und gab der Zuversicht Ausdruck, daß der Große Rat nützliche Arbeit zum Wohle des Vaterlandes und zum Ruhen Der Entwicklung Der Revotu.ion leisten toerDe. Darauf verlas Der Gene.alfekrelär Der Partei, Turati, folgen De Botschaft: „3m Augenblick der Aufnahme seiner Arbeit sendet Der Faszistische Große Rat Dem König von Italien Den Ausdruck seiner unwandelbaren Ergebenheit." Diese Botschaft wurde von der Versammlung, die sich von den Plätzen erhoben hatte, mit Beifallsrufen ausgenommen. Ministerpräfident Mussolini erftattete sodann in zweistündiger Rede eingehend Bericht über die Abkommen zwischen Dem italienischen Staat und Dem Heiligen Stuhl, wobei er Den Wortlaut Der Verträge verlas und kommentierte. Der Bericht, der mehrmals durch Beifallsrufe unterbrochen wurde, wurde zum Schluß mit einem dreifachen „Alala" aufgenommen. In seiner Eigenschaft als Regierungschef und afss Führer des Faszisrnus hat Mussolini für Sonntag, 10. Marz, zum Vorabend des Plebiszits eine „HeerschaudesR6gimeS" nach Rom einberufen. An tue ter Der ammlung werden di>» Mitglieder der Regierung. deS Großen Rats, Die italienisch«, Warschälte unD alle anderen Führer deS WilUärS und der Marine, der Gouverneur von Rom, Die Präfekten. Die fafzistischen Senatoren Die politischen Kandidaten für die kommenden pstzpis'irären Wahlen vom 23. Mär^ Die Bundes- feftetdre Der FasMenpartei. Dir ShnDiktassekv» täte Der Dreizehn ReichSverbändr und Die Brv- gemacht wird. Das vielleicht in einem Iahr mit Drei Prozent, im nächsten mit acht Prozent verzinslich wäre. Wir können uns nicht vorstellen. Daß Die Amerikaner sich Darauf einlassen. Ganz sicher aber kann Deutschland sich nicht dazu verstehen, seine Kriegsschulden auf daS Riveau schlimmster Börsenjobberei her unterdrücken zu lassen. Die Arbeit der Sachverständigen. Die Frage der Teilung der Annuitäten. pari», 25.Febr. (ÖTB.) Der Jünfer-Uus- schuß Hal in der Vollsitzung der ReparalionLsachoer- ständlgenkonfereuz einen plan oorgelcgt, in dem zwei Alternativen vorgesehen waren, lieber diesen plan ist heule eingehend gesprochen worden. Es handelt sich jetzt im wesentlichen nicht mehr darum, ob ein ungeschützter Teil der Annuität e n geschaffen werden kann, sondern darum, unter welchen Bedingungen dies geschehen kann. Die Ansichten darüber gehen im Re- paralionsausschug noch etwas auseinander: der Fünfer-Ausschuß wird deshalb erneut zusammentreten und auf der Grundlage der heutigen Aussprache in der Vollsitzung eine Umformung seiner bisherigen Vorschläge vornehmen. Außerdem wurde in der heutigen Vollsitzung ein Unterausschuß für Sachlieferun- gen unter dem Vorsitz des amerikanischen Delegierten perkins geschaffen. Jede Delegation ist durch ein Mitglied vertreten. Deutscher Vertreter ist Herr । Vogler. 3m Zusammenhang mit der Frage der Schaffung eines ungeschützten Teiles der Annuität ist auch die Frage der Kommerzialisierung und Mobilisierung zur Sprache gekommen. Ein llnlerausschuh wurde jedoch hierfür nicht eingesetzt: es finden noch informelle Besprechungen hierüber zwischen den einzelnen Vertretern der Delegationen stall. Eine neue Vollsitzung wird erst statlsinden, wenn der Vorsitzende der Konferenz die» für angebracht halt. Ls wird darauf hingewiesen, daß in dem evtl, neu zn schaffenden beratenden Transfer-Ausschuß Deutschland vertreten sein soll und eine gewisse Verantwortung mit übernehmen würde. Als Kompensation hierfür sollen gewi'se Rechte, die die deutsche Regierung haben soll, festgelegt werden. Die Frage der höhe der Annuität ist überhaupt noch nicht erörtert worden Durch den Unterausschuß für Sachlieferungen soll die Frage geprüft werden, ob die S a ch l i e s e r u n g e n im Rahmen des neu aufzustellenden planes aufrecht erhallen werden können. Die Rot der Landarbeiter. Vertreter landwirtschaftlicher Arbeitnehmer beim Reichspräsidenten. Berlin. 25. gebt. (WTB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute Den Reichs- tagSabgcorDr.e en Behrens und Den Gefchästs- sührer Blum als Vertreter Des Zentral- Verbandes Der LanDa rbeiter sowie Gr- schäfts ührcr Walbaum ünD Inspektor a.D. Zöllner als Vertreter des Reichsverban- Des Deutscher Guts - und Forst beamten. Die Ersch.enenen legten unter befonberer Tetonung Der wirtschaftlichen Lage Der Gutsbeamten unö Der Landarbeiter Dem Herrn Re.chs- prä,identen D.e Rotlage Der Landwirtschaft Dar unD betonten. Daß sie mit Den Arbeitgebern Die von Den verein.g.en Spitzenvertiänden Der brutschen Landwirtschaft vorgefchlagenen Hilfsmaßnahmen für Dringend notwendig erachten. Sie ba.en Len Herrn Reichspräsidenten um Förderung Der vorgeschlagenen Maßnahmen, unter Berücksichtigung Der besonDeren 7t o t la g e Der lanDwirtschastlichen Angestellten unD Arbeiter. Wie mir hören, haben Die Vertreter Der landwirtschaftlichen Arbeitnehmerorganisationen Dem Reichspräsidenten sehr eindringliche und geradezu erschütternde Ausführungen gemacht. So wies u. a. für Den Rcichsoerband deutscher Guts» und Forstbeamten der Vertreter Wallbaum darauf hin, daß heute ungefähr mehr als 35 000 © u t sänge ft e 111 e arbeitslos seien. Dazu komme noch, daß ein großer Teil der beschäftigten Angestellten immer unter Dem schweren psychologischen Druck arbeiten müßte, daß auch ihr Betrieb von Der Katastrophe der Landwirtschaft erfaßt würde, und dadurch ihre Stellung hinfällig werden fönnte. Der Vertreter machte Dem Reichspräsidenten konkrete Vorschläge, um vor allem Den Stellungslosen zu helfen. Weiter spielte bei Dem Empfang Das Problem der Landflucht eine große Rolle. Vor allem tr -rbe darauf hingewiefen, daß gerade die jugendlichen Landarbeiter abwan- Dem, wodurch die besten Kräfte den Grenzgebieten verloren gingen. Starke Kritik wurde auch an den Bestimmungen des vorliegenden Entwurfes zum Arbeitsschutzgesetz geübt und Darauf hingewiesen, daß hier eine Zurücksetzung Der Landarbeiter vorliege. Ebenso erfuhr das Berufsausbildungsgesetz starke Bean- ftanbungen, da es für die Landarbeiter ungeeignet sei und diesem Berufsstand nur Schaden zu» füge. In diesem Zus nmenhang hat sich, so wird berichtet, eine eingehendere Aussprache über die Probleme der Ausbildung Der landwirtschaftlichen Arbeiter entwickelt. Der Reichspräsident dankte für die Darlegungen und erklärte, daß fein Interesse und seine Fürsorge in gleicher Weise Dem landwirtschaftlichen Besitz, wie den land- wirtfchafllichen^Arbeitern und Angestellten gelte. Er hoffe, daß es mit Hilfe Des Staates und der Selbsthilfe der Landwirtschaft gelingen werde, mit der Zeit Dem Notstand in Der Landwirtschaft abzu- helfen. leicht gar nur ein Bruchstück in Dem SY- stem französischer Militärbündnisse mit seinen Gefolgstaaten Polen. Rumänien. Süd- slawien unD Tschechoslowakei? Wir wissen es nicht. aber wir ersehen aus Den ständigen Reisen französischer Generale, wie Le Rond nach östlichen Ländern, aus der Umorganisation ihrer Armeen. daß der Pariser Gcneralftab eine gefährliche Rührigkeit entfaltet — um Den Frieden Europas zu wahren. Einmal hat ein französischer Außenminister in Genf Die Rationen oufgeforDcrt, ihre Rüstungen zu zerbrechen. Wann wird Dieses Wort eingelöst werben? Der Form nach stehen wir hier wieder vor Der Tatsache, Daß es sich um Abmachungen Der General stLbe. nicht Der Regierungen, handelt. Tie Welt hat schon einmal erlebt, an Dem Verspiel der Abmachungen zwischen dem französischen unD Dem englischen Generalstab von 1912, welche Bedeutung solche Handlungen der Militärs gewinnen können. Im ^Vorwärts" wird erklärt: Es kann unmöglich so weitergehen, daß Frankreich unD Belgien mit der einen Hand TeutschlanD freundfä-aftlich zu- winken. mit der anderen Hand aber sich gegen- fettig die Revolver eines Kriegsbündnisses au- reichen. Der Friedenswille der Mehrheit des deutschen Volkes rechtfertigt es, Daß dies Bünd- nis der belgischen unD französischen Militärs endlich dahin getan wird, wohin es seit Jahren gehört: in die Rumpelkammer einer Ge- fchichtsperiode. die den Völkersrieden auf Die Spitze von Bajonetten stellte. Lleberraschung in Washington. Reuhork. 25. Febr. (Telun.) Wie aus Wa- shington gemeldet wird, hat Die Veröffentlichung Des französisch-belgischen Geheimabkommens in maßgebenden amtlichen Kreisen äußerst überrascht. Eine Stellungnahme Der Regierung steht noch aus. Dem Staatsdepartement nahestehende Kreise erklären, man hoffe, daß Die OBel- Dungen über den Vertrag unzutreffend seien. In Washington interessiert naturgemäß weniger die Auswirkung eines solchen Abkommens auf die Loearnovertrage. dafür aber um so mehr Die Auswirkung auf den Kel- loggpakt. Die Reuyvrker Blätter ziehen tue Rachrichten über diese Angelegenheit zum Teil groß auf, ohne jedoch in Leitartikeln schon dazu Stellung zu nehmen. Wer will Trotzki? Deutschland winkt ab. — Gesuch in Prag. Berlin, 26.Febr. (Prio.-Tel.) Aus der Tat- sacl-e, daß Der russische Oppositionsführer Trotzki sich jetzt an die Tschechoslowakei mit dem Ersuchen gewandt hat, ihm die Einreise zu bewilligen. Dürfte hervorgehen, daß er mit seinem Gesuch anDeutschland kein Glück gehabt hat. Nach Miseren Informationen scheint dies auch zuzutresfcn. Im Kabinett hat man sich bereits mit dieser Frage beschäftigt und nach einer Aussprache einheitlich den Standpunkt vertreten, daß die Bewilligung Des Einreisegesuches von Trotzki nicht opportun sei. Aller Wahrscheinlichkeit hat man Dies auch von feiten des Auswärtigen Amtes Dem hiesigen russischen Botschafter zu verstehen gegeben. Da es sich hierbei ja nicht um eine offizielle russische Aktion gehandelt hat, wird dieser Beschluß Trotzki wahrscheinlich auf dem Wege über Das deutsche Konsulat mitgeteilt worden sein. Man Darf gespannt fein, welcher Staat sich jetzt, nachdem auch Die Tschechoslowakei anscheinend abgewinkt hat, bereitfinben wird, Den obdachlosen Russen aufzunehmen. Der tschechische nationaldenwkratische Senator Dr. H a j n wendet sich in der ,Rarodny Listh gegen die Erteilung Der Aufenthaltstirw.lligung an Trotzki und reibt, jede Regierung, die Trotzki den Aufenthalt in ihrem Staate betoilltgcn würde, könnte mit Recht von den Moskauer Machthabern eines unfreundlichen Aktes beschuldigt werden. Der Ti'chechoslo- wakai gegenüber könnte sich die Sowjetrcgicrung auf den Vertrag von 1922 berufen, worin sich beide Staaten verpflichtet hätten, auf ihren Staatsgebieten keine Verbände zu outoen, die eine Aenderung des Regimes in dem anderen Staate anftrebten. In Brünne habe fich bereits ein .Ausschuß für die Rettung Trotzkis" gebildet: und wenn dieser nun in die Tschechoslowakei eingelassen würde, so wäre dieser Auischuß eine ideale Kampforganisation. die den Thron des Sowjetteufels ht Moskau untergraben könnte, um dem kommunistischen Beelzebub — Trotzki — auf den Thron zu verhelfen. Hoffentlich we/.e die Regierung dem Vertrage von 1922 treu bleiben. Der Schneeschmelze gemeldet. Bis zu etwa 700 Meter ist Die Schneedecke ooQftänDia verschwunDen, aber auch in den höheren Lagen finDet ein ra» pider Abbau der Schneedecke statt. Die Schwarzwaldflüsse führen größere Wassermengen zu Tal und sind immer noch im Ansteigen begriffen, so daß im Laufe des Tages noch mit einem erheblichen Ansteigen Des Oberrheins zu rechnen ist. Heute Morgen wurden zwischen 8 und 10 Grad Wärme gemessen. Seit gestern abend füllt leichter Dauerregen. Aüch aus Der Nordschweiz wird ein allgemeiner Witterungsumschlag mit Niederschlägen gemeldet. Der Regen fällt bis zu einer Höhenlage von etwa 800 Meter. Das Cis Der Donau schiebt sich über die Ufer. Infolge des Tauwetters sind die Eis- verhältnisse auf der Donau in ihrem unteren bayerischen Lauf zwischen Straubing-Deggendorf unö Vilzhofen äußerst bedenklich geworden, da bereits das mehr als 2 Meter dicke Eis an zahlreichen ilfcrftellcn des etraubi/.gcr Deckens sich in die Rieder ung hina us- zudrängen beginnt. Durch die Behörden sind bereits alle Maßnahmen getroffen, um die gefährdeten Orte rechtzeitig zu räumen. Aus aller Welt. Revoloeranfchlag auf den früheren weltboxmeister Dempsey. Sn Miami (Florida) Drang ein unbekannter Mann morgens um 5 Uhr in die Wohnung Des früheren Weltboxmeisters Dempsey ein und geriet in Dempscys Schlafzimmer. Als dieser erwachte und sich von seinem Bett erheben wollte, gab Der Eindringling einen Reoolverschuh auf ihn ab, der jedoch fehlging. Dempsey ist der Ansicht, man habe ihn entführen unö erst nach der Beendigung Des Boxkampfes zwischen Sharkey und Stribling gegen Lösegeld freigeben wollen. Allem An- schein nach war Der Mann, Der Den Schuß auf Dempsey abgegeben hat, nicht allein. Die Urheber des Ueberfaües sind auch nach einer halben Stunde noch einmal im Auto zurückgekommen und haben sich vor dem Hause aufgehalten, in dem Dempsey wohnt, ohne aber weiteres zu unternehmen. Raubüberfall auf einen lothringischen Pfarrer. In Merlenbach (Lothringen) verschafften sich zwei gutgekle.dete Männer unter dem Vorwande eir.es seelsorgerisch m Anliegens Einlaß in die unweit des saarländischen Grenzwaldes gelegene Wohnung des Pfarrers Rieolas. 3m Empfangszimmer versetzte der eine von ihnen dem Pfarrer hinterrücks, offenbar mit e.ncm Gummiknüppel, einen Schlag über Den Kopf. Auf den Hilferuf Des Verletzten eilten Die Haushälterin und Der im Rebenzimmer bc- sindliche Schwager des Pfarrers herbei. Dieser versuchte, Lei einen Der Eindringlinge sestzuhal- ten. wurde jedoch durch einen Pistolenschuß deS Räubers getötet Die Täter sind bisher noch nicht ergriffen. Eie haben ihre Hüte, den Gummi- knüppel, ihre Schutzbrillen, Den Browning usw. zurückgelassen. Liu Primaner in Der Turnhalle verunglückt. In der Liectzschle^chule in Berlin-WilmerS- Dorf ereignete sich ein schwerer Unfall. Der 20 Iah re alte Oberprimaner HanS Lhri.ian Deter stürmte in Der Turnhalle von ei..em Rcct und trug einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen davon. Er wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht In Den Flammen umgekomrncn. 3n Der in Dec Rähe von Freiburg im Dreisamtal am Fuße des Schwarzwaldes gelegenen Ortschaft AI n t e r - 3 b e n t a l brannte Der fogenannlen Sch egelhanfentzos, einer Der größten Höfe des Dorfes, vollständig nieder. Gerettet wurden nur einige Stück Vieh. Die sechsjährige Tochter Anna Schlegel, Die aus dem brennenden Hause herausgebracht worden war. lief noch einmal zurück, um ihre neuen Schuhe zu holen. Das wurde ihr Verhängnis. Die Flammen versperrten ihr den Rückweg, so daß sie verbrannte. Oie Wetteflage. 6 Montag, d.25TeD.l92917*ands. 42 ' ^9 .ThorjK -i------- - o wtt» ° o ©wowemtv O nenn 3«f» 9 • lehnte A 4r«oprin a RtMl K Gfw.ttrr.(§)wi*dStinc..O' ** cirntr« Oii nwet* iudiw0*tM Q ücrmaeee» Rortfweil ort rwgtn mit dem winde Pie Miöen Stdtionen Menenden Zefr en ge>en die Temperatur #n Oie Linien eeromiue Ort* «ui fltciOC» Ml ’»• <»» emc ähn- ltdje Wirkung anSübt wie das von den Weilen a er eilen und VnnDer nentebte Vebenocllrie> ? l'iu Trankletn. daS den müden. eri. ävuen Menßben ex* nif.ut und an leben läi;t. den gan en Möx er mit >-• ohl ef.ibl erfüllt, ibm ne e LebenStu>t fchenlt, den crmüDcien Getit an egt, i'.nn netten nnneincn.cn Sctuu int verleibt .... aiied In a.ient: cm Mittel, das den Ebarme bei Verlö, ltchkett erhöbt, immer wieder trift) und htm macht? Wer kann mit dieses Vcbeitdcltyicr neunen? 258D 1- Hihjah frkur lur Nervenkranke n.Nervöa-Erschöpfie.SFezlalknranstaltHolhetm Im Tannes b i Krankt. a.M. - Prospekte uurch Rr. M. Schulze-Kahteyss, Nervenarzt. Betaniitinachnng. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag für 1929 liegt vom 26. d. M. ab eine Woche lang auf dem Amtsz.mmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden. 17030 Reiskirchen, den 25. Februar 1929. Bürgerme.sterei Reiskirchen. Schomber. Samstag, den 2. März, nachmittags 1 Uhr. findet auf dem Rathause zu Bettenhausen die Verpachtung der hiesigen Gemeindejagd auf sechs Jahre statt. Das Jagdgebiet umfaßt 412 Hektar Feld und 18 Hektar Wald. 1715D Die Bedingungen werden vor der Verpachtung bekanntgegeben. Bettenhausen, den 23. Februar 1929. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. L e i d n e r. _______________ kletterst. Laß herabgefallene Drähte von elektrischen, Leitungen liegen und gehe überhaupt nicht zu nahe heran; auch hier kann schon die Annäherung zu Unfällen führen; melde vielmehr deine Wahrnehmung am nächsten Telephononschluh, damit das Elektrizitätswerk von dem Vorkommnis benachrichtigt werden kann. Betritt auch nicht etwa zufällig offen- stehende, elektrische Bäume, wie Transformatoren- oder Schaltsta.irnen; melde vielmehr auch hier deine Wahrnehmung dem Elektrizitätswerk. Melde überhaupt jede außergewöhnliche Erscheinung, die du an Stationen und Leitungen bemerkst, sofort dem Elektri'itätswerk; aber lasse selbst die Finger davon! vrennholzverstetgerung Dienstag, den 5. März, von vormittags 9 Ahr ab, in der Wirtschaft des Georg Sommer VI. zu Watzenborn, aus den Forstorten Schindanger 14, Schinderskopf 23, Tempel 11, 25, 47, Häuserborn 36, 37, Dörnergrund 46 und Wachholderheide 62 der Försterei Baumgarten. Altgehegt 20, 50, 64, Sch.nderskopf 16, Rabenpfuhl 49 und 54 der Försterei Leihgestern: Scheiter nn: 7,3 Buche l.Kl., 1,6 Eiche 1. Kl., 10,4 2. Kl., 14,9 Kiefer 1. Kl., 24,5 2 Kl., 55 Fichte 2. Kl.; Knüppel rrn: 3,1 Buche l.Kl., 3 Eiche 2. Kl., 3 Kiefer l.Kl., 2,4 2. Kl., 4,7 Fichte l.Kl.; Reisig 2. kl. (Stammreisig) 100 wellen: 1,9 Buche, 1,5 Eiche, 0,5 Aspe, 29,5 Kiefer; Reisig 3. kl. (Aslre'.sig) 100 wellen: 4,2 Buche, 12,7 Eiche, 29,6 Kirfer, 81,5 F chte; Stöcke rrn: 1,1 Eiche, 32,9 Kiefer, 48,5 Fichte 1. Kl., 26 2. Kl. 1721D Die bktu unterstrichenen Nummern kommen nicht zur Versteigerung. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen. Gießen, den 25. Februar 1929. Hessisches Forstamt Schisfenberg. Nicolaus. L.L. Von der LandeSuniversltät ।, Gießen. Der otbentL Professor für systematische Theologie D. Dr. phil. Heinrich Frick hat einen Aus an die Universität Marburg erhallen. — Die öffentliche Vorlesung: .Der Kampf um Ehr ist uS in den Religionen und Kulturkreisen der Gegenwart" fällt heute, Dienstag, aus. — Dr. med. Alexander Herrmann, Oberarzt in der Ohren-. Aasen- und Halsklinik. der sich für daS Zach der Ohren-, Aasen- und Halskrankheiten an unserer Unlver.ität zu habilitieren wünscht, wird Mittwoch. 27. Februar, nachm. 5 Uhr, in der Kleinen _ Aula feine öffentliche Probevorlesung halten, über das Thema: .Die Halsentzündung und ihre Komplikationen'. •• Güterwagen schnellstens frei machen! Der Güterpark der Deutschen Reichs, bahn-Gesellschaft wird zur Zeit aus den allgrmetn bekannten Ursachen außergewöhnlich stark beansprucht. Der Wagenbedaif für Kohlen hat sich z. B. in letzter Zeit von 26 000 auf 35 000 Wagen täglich gisteigert. Die Deutsche Rcichsbahn-GescUschaft ist bestrebt, ohne Rücksicht auf besondere Auswendun« gen für pünktliche und volle Befriedigung des Wagenbedarfs zu sorgen. Sie muß aber damit rech- nen, in ihrem hierauf abzielenden Bemühen bei den Derkehrtreibenden UnteiftüQung zu finden. Die Handelskammer Gießen weift daher die beteiligten Kreise darauf hin, daß es in dringendem Interesse sowohl der Allgemeinheit als auch der Reichsbahn liegt, daß die Güterwagen beschleunigt beladen und entladen werden, und daß das Ladegewicht der Wagen voll und ganz ausgenutzt wird. ••(EinSdjabcnfeuer entstand gestern abend gegen 10 Uhr in der Schlosserwerkstatte auf dem Fabrikgrundstück der Firma D e r n & E o. in der Frankfurter Straße. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle, sie hatte jedoch bei den Löscharbeiten mit Schwierigkeiten infolge der Kälte zu kämpfen. Die Schlosserwerkstatt brannte aus, die Maschinen blieben aber intakt, so daß in dem Betriebe keinerlei Störung eintritt. Der Schaden ist unbedeutend. "Der Filmvom 14. DeutschenTurn- fest in Köln. Aur selten hat das Licht.Piel- Haus, Bahnhofstraße, einen solchen Massenbesuch aufzuweisen, wie am Sonntagvormittag. Aahezu aunverkauft war das große Haus. Der Film ist über alles Lob erhaben. Er brachte denen, die die Kölner Tage selbst erlebt haben, daS Deutsche Turnfest noch einmal wieder, er brachte den andern, die nicht in Köln waren, in einer Echtheit alles, als wenn sie selbst dabei gewesen wären. Die Dildwirkung ist fast noch stärker als die persönliche 'Beobachtung, da der Film mit meisterhafter Regie alle wesentlichen Ereignisse zusammenfaßt und sehr übersichtlich bringt. Einzelheiten hier hervorzuheben, hieße den Gesamteindruck stören. Man kann nur sagen: Die Turncrstadt, die sich die Feierstunde der Vorführung des Films entgehen läßt, straft sich selbst am härtesten. Lebhafter Bftsall wurde jedesmal den beiden Zwölfkampssiegern Deuter und Preiß zuteil, als sie auf dem Bildstreifen erschienen. Die.er Film wird der deutschen Turn- sache gewiß viele Freunde und Anhänger zuführen. Bewetoo coii Bonoiüdteo. Aus Grund der Reichsverdingungsord- nung sollen nachstehende Arbeiten des inneren Ausbaues für den Neubau eines zweiten Jfolierhauses für die Medizinische Klinik zu Gießen im öffentlichen Wett- bewerb vergeben werden: 17010 1. Innere Verputz- und Anstrelcherarbei- ten, Los 1 bis 3. 2. Aeußcre Verputz- und Anstreicher- arbeiten. 3. Schreinerarbelten, Los 1 bis 4. 4. Schlaffer- bzw. Anschlagarbeiten, Los 1 bis 3. Die Verdingungsunterlagen und Zeichnungen liegen auf unserem Zweigbureau in der Hautklinik, Sockelgeschoß, Zimmer Rr. 36, vormittags zur Einlicht offen. An- gcbotsvordrucke werden, solange der Vorrat reicht, von Mittwoch, den 27. d. M., ab dort abgegeben. Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Eröffnungstermin. Doanersta i„ dem 14. Mär; 1929, vormittags 11 Uljr, bei genannter Zweigstelle einzuveichsn. Zuschlagssr.st 14 Tage. Gießen, den 22. Februar 1929. Hess. Hochbauamt Gießen. 3.21.: Seibel. ilEphnkum are Inbehieur-Schule I HascrunerDnaEtettro. Toomausins. i, V/',lme gefahr, üjer aife da')er das Legen von Leitungen dem Fachmann. 2. Die Sicherung dient zur Verhütung von Unfällen; wenn du sie fahrlässig flickst und ihre Sicherheitswirkung damit ausfchallest, ist tic Leitung ungesichert, und den Unfällen ist Tür und Ter geöf n:L 3. Achte darauf, daß an den Leitungen, insbesondere an den beweglichen Zu'eitungen zu transprr ablen Ap^aralen oder Handlampen, ke.ne Beschädig:nzen sind; eine Verwendung schadhafter Leitungen kann lebensgefährlich 4. 2aß in feuchten Bäumen, wie Keller oder Ta.ezimmcr. besondere Vorsicht walten; wenn du in der Badewanne, sitzest, kann dir jede Berührung mit stromführenden Teilen verderb ich werden. 5. Denke daran, daß jede ordnungsgemäß verlegte Leitung dir nur Auhen und Annehm- Sie haben die Gewähr der Echtheit, wenn Sie MAGGIS Würze In einer großen, plombierten OriginalfTafdje ju RH.6,50faufavunb daraus nach Leders in Fhr Maggifläschchen abfüllen. Außerdem sparen Sie Zeit und Geld. — Verlangen Sie ausdrücklich MAGGIS Würze. — Haupikenn-elchen: Name M.ggl, gelb-rotr Gliketlen und typische Form der Flaschen. Daten für Mittwoch, 27. Februar. Sonnenaufgang: 6.51 Uhr. Sonnenuntergang 8.27 fthr. — Mondaufgang: 22.10 Uhr. Mond» Untergang: 8.27 Uhr. 1807: der Dichter Henry W. Longfellow in Dortland geboren (gestorben 1832); — 1861: der Anthroposoph *K Steiner in Kraljevic geboren (gestorben 1925); - 186): der Kunstschrijtsteller Karl Scheffler in Hamburg geboten; — 1924: der Schriftsteller Eugen Zabel in Berlin gestorben (geboren 1851). Gictzencr Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem fjeutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 1.50 bis 1,70; Walte 30 bis 35; Wirsing 30 bis 35; Weißkraut 20 bis 25: Rotkraut 30 bi« 35: gelbe (Rüben 20 bis 25: rote Rüben 15 bi« 20; Spinat 60 bis 70: Unter-Kohlrabi 10; Grünkohl 35 bt8 40; Rosenkohl 65 bi« 70; Feldsalat 2,20; Tomaten 80 bis 90: Zwiebeln 20 bis 25; Weerretttch 50 bis 1,20; Schwarzwurzeln 60 bis 70; Kartoffeln 6; Aepfel 30 bis 40; Dörrobst 35 bi« 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bi« 1,10; Suppenhühner 1,00 bi« 1,20: Tauben 80 bis 85; Aüsse 70 bis 1,40; Salat 40 bis 45; Endivien 40 bis 60; Lauch 15 bis 25; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Kartoffeln Zentner 245D 2 Sensations-Angebot Gießen, Schulstraße Stück Verkauf 1. Stock soweit Vorrat I727A Langsdorf, den 25. Februar 1929. 1726D 16U8D gcgr. 1926 172JD Wieseck, den 25 Februar 1929. Die Beerdigung findet Mittwochnachmittag 2 Uhr statt III. und Kinder. den 26. Februar 1929. den 27. Februar, Srrtevnat 5u4D Danksagung. Annerod, den 25. Februar 1929. «440 Gießen, den 26. Februar 1929 17,4V ,71 ID ist Hm : werden Wir ein iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin GleSeuei WMvenMWg nach» 0851 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 27 Februar, nachmittags 3 Uhr statt Heinrich Seipp Großen'Buseck, Rödgen, Trohe, Die Beerdigung findet Mittwoch, mittags 2 Uhr statt r| Unser Ehrenmitglied «.Veteran von 1870 71 ebener Anzeigers liegt em P'0>vekt der ttlrma Sllv»krin'VcrtrievG.m.b.H.,'verllu bet / Neue Kurse 15, April Vogt’sche Handelsschulen Gießen-Herborn Auskunft u. Prospekte j X ko>tem.d.d.bcliulleitg. / X. Gießen, Goethesir. öd S Mittwoch, den 27 Februar, nachm. 4 Ubr, im Katholtichcu BeretuSvauS: Schülervorsteuung $n6io(eooo6iiiBte5lim BolkSiiück tn 3 Ak.en, 9 Verwandlungen. (kiutrlttSvrriS: für ©d üler 80 Vf. fm Erwachsene 60 Pf. iiiiHiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin LrMenWute Haushalwngs- und Zortbildungcschule Karlsruhe, 3., Otto Sachsstr. 5, Qtfe Mathystr. Speise-un- Sqlat- kartoffeln IN piuno Qualität, elnvnedli billig,l W. Hankel, Neuen Baue 7, Tekcvtr. 6i2. 45D Original- tottH täglich »rt,'ch 4 1Mb. • Vaib 70 zu baden del ow E. Stritter ©leiten, 'Neuüadt 24 Teievdon 1U83. Teppiche liefen odne Anzab- lunaauoiv. Lvezial- Hans, zahlbar tn 18 Monatsraten. Erbtiien L,e unoer* buidl. l41 an den Gten. Anz. 'Jlcjine Wäsche z. Walchen. Bügeln nnd Ansdess rn mt Wo. sag« d oief.täf:^1 sielte d. 0). An;. 047 5©"hronren- @to6iiüHöitino nimitti, bet größtem Entgegen lommen Elnrichinngen vor. Lchr. .'inged. 11.172111) an den (Htcft. Anz. Stadttheate Mtttwo 11.27.It ebr. 21.milllD0[B'llU.-BlfL von diS 4 Uhr Das Gelö onl oer sttßBP Vu itvicl in 3 iltcn uoii ;Hnb, Bernaner u.Nud.Oesterretcher ■ 8 ■ H? 1 i; ■>/ •x- Iijdruö Westto Diele verständ! ^aW< gattet, »en 1L loistlsch' Sil bai dein sich unb reif dmgs ei trotz le*r voriä gesehen nischen ein PI der für siden'.sch tDolle, c Es ist Calles wicklun sich w wäre Portes getoori bei all schlagg große ner au WIM, J touren l weiteres Tas 1 in den Echtviel noch je' H'mterx gieren 1 im 2a{ feiten I leihe der erl iie zu und 0 blich, da er e 5He vorigen^ Salles d der Sch tilt»V ZeU.k« schwind« Sattel i System [eg fad im Lage hervorru laß zu n ttn und nordarner lenOel würden. Mit ei in den il soriM Dir 2chk unb im das aa aSirge he sich Ä Zelachj .. Dlo! fie 5e; ^ds! Äieii lütk ynt »tanüi Ä lerec f aus? 5 'S »it« ?nlet tock ©•lob ^rtoßeln [■ Hantel, t«! «ig, , Original. ittLH qJMMi W Xiö'VQlb 101L 4 buben bei Munß gW Sv. irdj bk ünfial^rilung. •in vom W schulen Herborn Prospekte i fcchuHertff- löelliesir-4' -K-> | Nr. 48 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)__________Dienstag, 26. Zebruar (929 Mexiko. Don unserem a-Derichterstatter. Nachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten. Neuyork. Ende Februar 1929. Die Ermordung Obregons im Juli deS vorigen Jahres, der bekanntlich an Stelle von Calles die Präsidentschaft in Mexiko im Dezem- ber wieder übernehmen sollte, hat das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens, das die Politik der Vereinigten Staaten in Mexiko seit einiger Zeit kennzeichnete, stark erschüttert. Das Der- schwinden des Mannes, der einst Calles m den Sattel gesetzt und das jetzt herrschende politische System geschaffen hatte und deshalb wieder Calles Nachfolger werden sollte, muhte Spaltungen im Lager der mexikanischen Regierungsparteien Hervorrufen, die ihrerseits wieder nur den Anlaß zu neuen Vürgerkriegen geben muhten und damit die ganze schwierige Arbeit der nordamcrikanischen Diplomatie — den berühmten Oelfrieden mit Mexiko — gefährden würden. Mit einer gewissen Spannung Hot man daher in den 11. S. A. die Einsetzung des neuen provisorischen Präsidenten Portes Gil und die politischen Manöver verfolgt, die feiner Wahl und Amtsübernahme vorausgingen. Run. nachdem sich der Präsidentschaftswechsel ziemlich glatt und reibungslos vollzogen hat, ist man allerdings einigermahen beruhigt. Portes Gil hat trotz seiner Jugend, er ist erst 34 Jahre alt. sich die Sympathien der amerikanischen Oesfentlichkeit erworben, obwohl er ebensalls zur Partei der „Callisten" rechnet, jener radikalen und nationalen Partei, die man noch vor wenigen Jahren in den 11.6. QI. als „sozialistisch", ja al« .bolschewistisch" verschrie. Dieser Erfolg der Aera Portes Gil darf allerdings nicht übermäßig hoch veranschlagt werden, da er nur bedeutet, dah es das amtliche Amerika vorläufig für angebracht hält, eine wohlwollende Zurückhaltung Mexiko gegenüber zu üben, in der Hoffnung, dah Portes ®ü stark genug sein wird, die Ruhe in Mexiko aufrecht zu erhalten. Diese Haltung der U.S.A. erscheint durchaus verständlich, wenn man die Lage in Mexiko des näheren betrachtet. Denn vorläufig muh Portes Gil nach Lage der Dinge tatsächlich nur a l S vorläufiger Präsident des Landes anx gesehen werden. Die vielfach in der Nordamerikas Nischen Presse vertretene Ansicht, dah er nut; ein Platzhalter für Calles sei. der in* der für November 1929 fälligen neuen Prä- sidentschaftSwahl sich erneut aufstellen lassen wolle, greift den Ereignissen allerdings wohl vor. Cs ist ja richtig, dah Partes Gil seine Stellung Calles verdankt, der erst einmal die weitere Entwicklung der inneren Lage abwarten will, ehe er sich wieder in den Vordergrund stellt. Doch wäre es verkehrt, deshalb anzunehmen, dah Portes Gil allein von Calles' Gnaden Präsident geworden wäre. Richt nur das Militär, das bei allen Präsidentschastskampagnen eine aus- schlaggebende Rolle gespielt hat. sondern auch große Teile der Bauernschaft (der Jndia- ner auf dem Lande) sind zur Zeit zumindest gewillt, Portes Gil L'tne Schwierigkeiten zu machen, während sic möglicherweise Calles nicht ohne weiteres hinnehmen würden. Das schafft jedoch für den neuen Präsidenten in den Augen der Nordamerikaner auch gewisse Schwierigkeiten, da sich ihrer Ansicht nach erst noch zeigen muh, ob mit dieser Unterstützung im Hintergrund der neue Präsident überhaupt regieren kann. Kommen doch zu diesen Unklarheiten im Lager der Freunde Gils noch die Schwierigkeiten hinzu, die der Kampf Calles' gegen die katholische Kirche gschafsen hat. um von ber erbitterten Gegnerschaft der Feudalaristokratie zu schweigen, die in allem, was mit Calles und Obregon verbündet war, einen Todfeind erblickt. Portes Gil ist in einer schwierigen Lage, da er einerseits nicht darauf hoffen kann, mit der katholischen Kirche zu einem Frieden zu gelangen und da er andererseits mit einer neuen Radikalisierung der JndioS rechnen muh, die den Tod ihres Führers Obregon an dem Schuldigen gerächt wissen wollen. Die Erschießung Tora l S. des Mörders Obregons, der mit dem Ruse: „Es lebe Christus, der König" auf den Lippen starb, hat zweifellos den Fanatismus der beiden feindlichen Richtungen nur gesteigert, da die Katholiken in Toral jetzt einen Märtyrer erblicken, die anderen aber in seiner Hinrichtung eine nicht ausreichende Vergeltung sehen. Die Pläne CalleS, der neben dem Präsidenten die ausschlaggebende Figur der mexikanischen Innenpolitik geblieben ist. sind dabei nicht nur Gil gegenüber durchaus unklar. Sennor Aaron S a e n g, der vor kurzem eine national-revolutionäre Partei gründete, deren Präsidentschaftskandidat er selber sein soll, während man Calles die Führung dieser Partei übertragen will, scheint im Einverständnis mit Calles gehandelt zu haben — ob auch im Einverständnis mit Portes Gil. ist unsicher. Die Presse der Regierung, die sonst ziemlich geschlossen hinter den Callisten stand, ist in dieser Frage gespalten — aus welchen Gründen, ist nicht festzustellen. Die Angriffe auf Portes Gil durch den Präsidentschaftskandidaten Gilberto Valenzuela, der ausgesprochen anti- revolutionär ist. sich also vor allem gegen Saeng richtet, das Auftauchen einer Weiteren Reihe Politische Verbrecher, die gestern noch im Dunkel der Weltstädte untertauchten, von ber Polizei verfolgt, von den Regierungen ausgewiesen wurden, können schon heute Staatsoberhäupter oder Minister sein, ohne zu wissen, ob sie nicht morgen ihren alten Kampf von neuem aufnehmen müssen, wiederum genötigt ein Asyl im fremden Land aufzusuchen und „das salz'ge Brot der Fremde" zu essen, das dem aus Florenz vertriebenen Dante einst in Paris bitter genug mundete. Leo Trotzki, der fast zwei Jahr- zehnte seines LebenS im Eril verbrachte und dann den Höhepunkt der Macht erklomm, muh nun feint Wanderung durch die Länder der Erde wieder auf nehmen: er hat deshalb den Reichstags- Präsidenten Löbe gebeten, ihm eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland zu erwirken. Offenbar möchte er sich in Berlin niederlafsen, das feit einer Reihe von Jahren ein Treffpunkt der politischen Flüchtlinge der ganzen Welt geworden ist. JnBerlinunb inPariS leben die Führer der politischen Bewegungen, die in den zahlreichen diktatorisch regierten Staaten unterdrückt werden, die Gegner deS Faszismus, der spanischen Diktatur, des russischen Kommunismus. die Freiheitskämpfer der Kolonialvölker, die Emigranten, die nicht kapitulieren wollten und immer noch hoffen, eineS Tages erhobenen Hauptes in ihre Heimat zurückkehren zu können. Stets gab eS solche Freistätten für politische Flüchtlinge: doch konzentrierte sich gewöhnlich diese politische Unterwelt nicht sehr lange sn einem Ort, sondern wanderte ruheloS in ein anderes Land, in dem sie dann für eine kurze Seit ungestörter zu arbeiten hoffte. Die deutschen Staaten nahmen vor Jahrhunderten den Strom der Hugenotten und nach der französischen Revolution den auSwandernden Adel Frankreichs auf. Andererseits flüchteten Börne und Heine nach Paris. Karl Marx schlug in London seinen Wohnsitz auf, Hoffmann von Fallersleben dichtete sein Deutschlandlied im damals noch englischen Helgoländer Exil. Karl Schurz und feine? Freunde wanderten nach Amerika aus. Der im zaristischen Ruhland nicht geduldete Dichter Gorki muhte vor 20 Jahren in Italien eine Zuflucht suchen, während Die übrigen von Präsidentschaftskandidaten, sowie zahlreiche kleinere Attentate und die In Vorbereitung begriffene Bildung neuer Banden — MexikoS altem Fluch — zeigen jedenfalls, daß die Callisten nicht nur uneinig find, sondern auch zahlreiche Gegner haben. Run hat zwar ein mißglücktes Attentat auf Portes Gil diesem die Gelegenheit gegeben, aufS neue gegen innerpolitische Gegner energisch vorzugehen — aber eine gründliche Klärung Der Situation ist damit noch nicht erfolgt. Die Besorgnisse der Rordamcrikaner — Die allerdings wohl durch sensationelle Pressenachrichten künstlich aufgebauscht werden — scheinen somit nicht ganz ungerechtfertigt zu sein. ES ist eben eine Uebergangszeit in Mexiko und die Frage, ob es Calles gelingen wird, genügend Anhänger zu finden, um sich allein wieder durchzusetzen, oder ob er dazu eines wohlwollenden Mitspielers in der Person Portes Gils bedarf, oder ob Portes Gil dieser Aufgabe gewachsen sein wird — sind nach amerikanischer Auffassung vorläufig, trotz der äußeren Ruhe in Mexiko, noch nicht endgültig zu beantworten. Die Aufgabe, die hier der Auhenpolitik HooverS erwächst, wird man jedenfalls mit Interesse verfolgen müssen. Ist doch Mexiko häufig genug daS Versuchsfeld gewesen, aus dem sich nordamerika- nische Staatstunst erprobte. russischen Revolutionäre, so vor allem Senin, in der Schweiz ein Asyl fand. In Zurich und in Genf trafen sich während des Krieges die Revolutionäre und die Pazifisten — was damals ungefähr das Gleiche war: in ber neutralen Schweiz dursten sie die Kriegführenden bekämpfen und Pamphlete für den Frieden schreiben, die den streitenden Völkern nie zu Gesicht gekommen sind. Zwei Revolutionäre, die inzwischen längst die Macht erobert haben, lebten damals in Paris: wenigstens hat M a s a r h k. jetzt Präsident der Tschechoslowakei, zusammen mit Benesch die französische Hauptstadt zum Ausgangspunkt der Reisen genommen, die ihn in dec Kriegszeit in alle wichtigen Staaten ber Entente führten. Für einen anderen führenden Politiker bedeutete der Kriegsausbruch freilich das Ende ber Verbannung, Pilsudski. Der nach der gescheiterten russischen Revolution von 1905 nach Galizien floh und von dort aus, unter Dem Schutz Der österreichischen Behörden, die polnischen Schützen- verbände organif.erte, überschritt im Jahre 1914 mit seinen Legionären an der Seite des österreichischen HeereS Die polnische Grenz«. Don 1917 bis 1918 wurde der Polen führe r dann noch einmal ins Exil gebracht, nämlich in die Magdeburger Festung. Aber die Festungshaft stempelte ihn zum Märtyrer und verzehnfachte die Zahl seiner Anhänger, Die ihn laut umjubelten, als er Ende 1918 wieder in Warschau einziehen konnte. Die polnischen Nationalisten, die sich früher mit Vorliebe in Galizien aufhielten, konnten längst nach Polen zurückkehren, und auch der größte Teil der Schweizer Emigranten aus der Kriegszeit ist amnestiert und in den Heimatländern wieder aufgenommen worden. Außer Landes sind einige Monarchen gegangen; von den deutschen Fürsten lebt freilich nur Wilhelm 11. im Ausland. Ferdinand von Bulgarien hat sich in Koburg niedergelassen, und König Georg von Griechenland hält sich meist in Bukarest auf. ist aber auch zuweilen in England zu sehen, wo schon seit vielen Jahren König Manuel von Portugal seine Tage verbringt. Die Mehrzahl der früheren Monarchen ist aber nach Frankreich in das Exil gezogen. In Paris hat der frühere Schah ............. ■MummnaBa-m ■ «3— Staatsmänner und Politiker im Gl. Berlin und Paris, die bevorzugten Asyle politischer Flüchtlinge. von Persien «in Geschäft eröffnet: Dort wohnt auch Prinz Carol von Rumänien, während Abo ul Medschid, ber letzte Kalif, sich an Mr Riviera niedergelassen hat. Der letzte türkische Sultan Mohammed VI. ist 1926 in San Remo tm Exil gestorben. Angehörige- seiner Familie und einige russische Großfürsten haben ihren Wohnsitz in Paris aufgelchlagen. wo zuweilen auch österreichische Erzherzoge auf- tauchen, während Kaiserin Zita mit ihren Kindern Spanien als Domizil gewählt hat. In Paris ist heute auch die Zentrale der russischen Emigranten, deren hervorragendste Persönlichkeiten Miljukow und Kerenski sind. Ebenfalls in der französischen Hauptstadt hatte Simon P e 11 i u r a fein letztes Asyl gesunden; dieser ukrainische Politiker muhte schon einmal, im Jahre 1903, als Sozialdemokrat aus Ruhland fliehen und sich in Lemberg nieder- lassen, wo er biS 1905 wohnte. Als Die Ukraine im Jahre 1918 ein selbständiger Staat wurde, erhielt Petljura den Oberbefehl über das ukrainische Hcer, und Im Februar 1919 übernahm er den Vorsitz im ukrainischen Direktorium. AIS die Bolschewisten daS Land eroberten, ging Petljura nach Polen und versuchte von dort aus eine Gegenrevolution in ber Ukraine zu entfachen. Das scheiterte; 1921 muffte er nach einem diplomatischen Schritt ber Sowjetregierung Polen verlassen, und nun lieh er sich in Paris nieder, wo er am 25. Mai 1926 von dem Uhrmacher Schwarzbard wegen ber von ihm angezettelten Judenpogrome erschossen wurde. Zu Den bedeutendsten Staatsmännern, die In Paris im Exil leben, gehört Francesco Ritti. der ein Jahrzehnt italienischer Minister gewesen und nun die Deel« deS Widerstandes gegen Mussolini ist. Rittis Stellung In Frankreich ist zwiespältig; denn Der frühere italienisch« Ministerpräsident gilt zwar einerseits als nicht besonders franzosensreundlich. weil er mehrfach für Deutschland günstige Aussätze veröffentlicht hat, doch ist ber FasziSmuS andererseits in Frankreich so unbeliebt, dah man dem italienischen Gast gern manche mißliebige Aeuherung nachsieht. Niemals würde man Daran denken, ihm das Asylrecht zu verweigern ober ihn gar an Italien auSzuliefern. wo er entweder in einem Gefängnis verschwinden ober ein neue« Exil auf Den fürchterlichen Liparischen Inseln sinben würde. Noch ein anderer gefürchteter Gegner Mussolinis wohnt in Paris: Surat l, ber im Alter von 69 Jahren am 12. Dez. 1926 nach abenteuerlicher Flucht Korsika erreicht« und Damit Dem saszisti- schen Einfluh entronnen war. Von jeher war Paris auch ein beliebtes Asyl spanischer Flüchtling«, und man erinnert sich wohl. Daß der seinerzeit gescheiterte Dorstoh Der Katalanen in Paris organisiert worden war. Der wichtigste Gegner Prirno De Riveras, BlaSco Ibanez, ist vor einem Jahr Im Exil in Menton« tm Alter von 61 Jahren gestorben. Der spanische Dichter Unarnuno. Der ebenfalls zu den geschworenen Feinden DeS spanischen Diktators gehört, hat sich in einem Heinen baskischen Städtchen, nicht weit von Der Grenz« feine» Heimatlandes niebergelaffen, um von französischem Boden aus für feine politischen Ideale zu wirken. Aber auch Berlin ist ein Zentrum politischer Flüchtling«. Dort halte sich ber bulgarisch« Wi- nisterpräsibent RadoSlawow niedergelassen. Der im März 1923 in contumaciam In seiner Heimat zu tebenslänglichein Sterlet verurteilt worden war. ebenfalls als stiller Privatmann lebte in der deutschen Hauptstadt der frühere Grohwesir TalaatPascha.ber einen anderen Namen angenommen hatte, ohne sich vor seinen politischen Gegnern völlig verbergen zu können. Er wurde am 15. März 1921 von dem armenischen Studenten Teilirian nach kurzem Wortwechsel erschossen, weil er an der Ermordung vieler Armenier schuld gewesen ist. In Berlin leben schließlich viele Orientalen, Die sich mit Den europäischen Herrschern ihrer Heimatländer überworfen haben und nun in der Vev- Theater zu Hause. Versuch mit einer Illusion. Von Walther Nissen. Wir haben einen herrlichen Radioapparat. Ich drehe nun schon so lange an ihm herum und immer noch reproduziert bet Lautsprecher das ganze Berliner Programm. Fast lückenlos. Wir gehören nämlich nicht zu den Feinschmeckern, die sich bloh bie Delikatessen heraussuchen. älnS interess'-ert alles. Außerdem kann man ja nie wissen, was solch ein Redner sagen wirb. Wit haben schon übet bie ernstesten Dorträge Tränen gelacht ... Bloh Senbespiele hören wir nicht. Ich finde sie herrlich, aber meine Frau behauptet: „Sag was du willst — es ist nicht besselbe, ob man das gleiche Stück im Theater hört ober zu Hause in seinen vier Wänden. Wag die Wirkung die gleiche sein — mir fehlt das Entscheidende: das Drum und Dran solch eines Theater- abends!" „ _ Wiewohl ich dies, aus Grsparnisgrunben, enec- gisch bestritt, konnte ich ihr innerlich nicht gan- unrecht geben. Tatsächlich ist ja das Drum und Dran überall schlechthin entscheidend. Ohne dieses ..Drum und Dran" wäre die Liebe — na, reden wir nicht darüber; wäre unsere Wohnung ein Stall, unsere Mittagstafel eine Fut.erkrippe. „Aber," sagt« ich mir, „legt nicht das phantastische Wunder des Lautsprecherempfangs unserer eigenen Phantasie gewisse Verpflichtungen auf? Ist es nicht barbarisch, einfach Die Royren- heizung anzukurbeln und nun etwa „Carmen in unseren Alltag hineinfluten zu lassen wie Sekt in einen Äaifeetopf?" So haben wir denn gestern einen Theaterabend mit allem Drum und Dran zuhause arrangiert. Mittels zweier Klubsessel und eines japanischen Wandschirmes stellten wir uns eine Loge her. Dann zog sich meine Frau ihr schwarzseidenes Dekollete an, und ich warf mich in den Smoking. Kurz vor Beginn der Vorstellung gaben wir unsere UeberlleiDer in unserer Garderobe ab. Linser Mädchen (die sich längst über nichts mehr wundert) mußte uns Marken Dafür aushändigen. Dann traten wir, mitten in ber Ouvertüre, möglichst geräuschvoll in unsere Loge, glaubten deutlich das „Sissi!" ber gestörten Parkettbesucher K' >ren und sogar Die Bemerkung eines. Chors: „Rücksichtslose Gesellschaft!" „Jetzt hab« ich natürlich bie Operngläser vergessen!", tagte meine Frau. „Selbstverständlich!", erwidert« ich gereizt. „DaS ist ja zu blöde! Ich habe nock extra gesagt: vergiß nicht die Operngläser ...I“ „Wie komm« ich eigen tllch dazu, immer an die Operngläser zu denken!", empörte sie sich. „Denke doch selbst an di« Operngläser!" „Sssst!" Da wir ohne Gläser nicht zwei Meter weit sehen können, schlosien wir einfach die Augen und gaben uns ber feinblichen Stimmung, in die wir geraten waren, restlos hin. „Wie schön ist bas!" sagte ich manchmal unb summte aus Gemeinheit Die Melodie mit, summte sie sogar immer ein wenig im voraus, um zu zeigen, wie musikalisch ich bin. Meine Frau schlug Darauf ostentativ bie Augen auf und warf leibende Blicke nach ber Reben löge, wo mit aller Bestimmtheit ein frecher, unsympathischer Kerl anzunehmen war. Ich tat, alS bemerkte ich nichts. Beim Aktschluß applaudierte ich wie besessen, während sie keine Hand führte. Als ich ihr Temperamentsmangel vorworf, hauchte sie mit so viel falschen Gefühlstönen, wie man nur verlangen konnte: „Diese Musik wühlt mein Innerstes viel zu sehr aus, als daß ich die Wögllchkeit hätte, sofort Die Handflächen, patsch, patsch, zusammenzuschlagen. Meine weit tiefere Natur muß sich erst langsam aus den Abgründen des Ewigen, in Die sie versunken ist. zurückfinden." „Gut." sagte ich. „finde dich zurück. Ich geh« inzwischen ein bißchen in« Foyer, um ein Brot zu essen." „Ich komm« mit,“ erklärte dieses aufgewühlte Weib. So erhoben wir und. wanderten langsam durch unser Schlafzimmer, das Badezimmer unb bie Diele nach ber Küche, wo wir uns von dem etwas verängstigten Mädchen eine Wurststulle machen liehen. Die wir maßlos überzahlten und auf dem Rückweg in unsere Loge aus ber Hand aßen. 2lm Schluß drängten wir uns in di« Garderobe, pufften einander beiseite und beschimpften das Mädchen, das uns unsere Sachen weder schnell genug noch in ber richtigen Reihenfolge aus- händigte. ... Theater zu Hause! So ist das immer bet uns. Auch wenn wir den Lautsprecher gar nicht an- kurbeln. ... Drei Minuten für Arthur Schurig. Ich muh feiner gedenken unb jeder muß seiner gedenken. Der Stendhal liebt. Ich steh« da, in Der Hand ein Telegramm: Arthur Schurig ist in DresDen plötzlich gestorben. Etwas Bitteres, FaDes legt sich auf bie Zunge — ist bad möglich? Gleichzeitig erheben sich Erinnerungen an einen Mann, ber vor zwei Jahren an einem blauen Herbftnachmittag mit mir Die weihe Llferstrahe von Malcesine nach Dem Fischernest Cassone am GarDasee hinunterging. Im Gestein Des StraßenranDeS stöberten wir Die runden Linien von versteinerten Riesenschnecken auf. Gleich wußte er Bescheid über Alter, Herkunft, Art. Soeben hatten wir noch von Stendhal gesprochen, dessen Persönlichkeit chm nicht mehr Lichtung war. sondern wirkliches, noch wirkendes Leben. Er war wieder einmal auf seiner Jtalienfahrt, um Den Spuren Stendhals nachzugehen. Ich habe einen Menschen behalten: einen mittelgroßen, aber kräftigen Mann, lachend, heiter, belesen, witzig, ein Liebender des Lebens, ein Genießer seiner Dinge, vor einer Flasch« schweren Rotweines aus Barbolins brachen seine Augen zu einem fröhlichen Fallstaffglänzen auf. Er war recht merkwürdig: unvoreingenommen, fabelhaft, gebildet, lebendig, aber Der Soldat. Schurig war einst aktiver Maior — war ihm nicht aus Den Knochen zu treiben. Bei unserem Schlendrian Durch das Val Di Sogno. den blauen Seespiegel vor uns, mitten aus einem Satz über Mozart, lieh er imaginäre Geschütze auffahren, möglichst eine dick« Berta. Entfernungen schätzte er ab und Die Heine Steininsel bei Cassone. Die Durch Betonblöcke und Kasematten zu einem italienischen Fort ausgebaut ist. lieh er umgehend mit einem Schuh abra fieren. So war er: eine seltsame Mischung aus Literatur und Soldat. Höchst anregend. Dabei von einer oft schroffen, aber wahrhaftigen Offenheit, ein Liebender Der französischen Seele unD des französischen Geistes. Ich kann ihn heute noch nicht auf einen Generalnenner bringen; es war ein Bruch tm Wesen Dieses großen Stendhal- schwärmers und -kenners, Mozarts unirdische, silberne und traumhafte Arien waren alle in feinem Schädel versammelt, aber Daneben brütete ber Dumpfe, teuflisch« Ton von Geschützen. BeiDes war ihm Musik. Der ToD hat ihn hinweggeschlagen vom Tische, auf dem Die staubigen unb Dicken Flaschen mit Borbeaux und Barbero stehen. Ein GlaS noch für Arthur Schurig! Anton Schnack. Hochschulnachnchien. Zur Wiederbesetzung de« durch Emeritierung Des Prof. H. Cornelius an der Universität Frankfurt a. M. erledigten Lehrstuhls der Philosophie ist ein Ruf an Professor D. Dr. Paul Ti11ich an der Technischen Hochschule in D r e S- Den ergangen. — Der durch Die Emeritierung des Prof. Friedrich Schumann an der Frankfurter Universität erledigte Lehrstuhl der Psychologie ist Prof. Dr. Max Wertheimer an der Universität Berlin angeboten worden. — Der durch den Weggang des Prof. QL O. Meyer an Der Göttinger Universität erledigte Lehrstuhl Der neueren Geschichte ist Dem ordentlichen Professor Dr. Willy Andrea« in Heidelberg angeboten worden. — Prof. Dr. JameS Franck in Göttingen hat Den Ruf auf den Lehrstuhl Der Experimentalphysik an Der Universität München als Nachfolger des Geheimen Rate« Dr. Wilhelm Wien ab* gelehnt. — Zum Nachfolger des verstorbenen Pros. Ql. Pillet auf dem Lehrstuhl Der romanischen Philolc-gie Der Universität Königsberg ist Prof. Dr. Arthur Franz in Würzburg ausersehen. Prof. Franz erwirkte 1912 seine Zulassung als Privatdozent für romanische Philologie in Gießen, erhielt 1920 in Gießen die Ernennung zum a. o. Professor und siedelte zwei Jahre später als Ordinarius nach Würzburg über. — Der durch das Qlbleben des Geheimrats Otto Schreiber an Der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl für deutsches Privat- recht. Handelsrecht und Luftrecht ist Dem ordentlichen Professor Dr. jur. Hans Oppikofer an Der Handelshochschule Mannheim angeboten worden. — Der Honorarprofessor Dr. rer. pol. Sven Helander an Der Universität Kiel hat Den an ihn ergangenen Ruf auf das Ordinariat der Vollswirtschastslehre an Der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Handelshochschule) in Nürnberg als Nachfolger von Pros. Emil Wehrle zum Sommersemester 1929 angenommen. — Der Kieler Straf- und Prozeßrechtslehrer Professor Dr. jur. Eberhard Schmidthat den Ruf an Die Llniversitat H a m- b u r g als Nachfolger des verstorbenen Geheimen Justizrats Moritz ßiepmann angenommen. Efantumg liier arisch gegen die Kolonialherrschaft toirfen. Da ist der unbet Eh at t o p ad y ay a . der Bruder der größten lebenden indischen Dichterin. ein alter Freiheitskämpfer, der seit fünfundzwanzig Jahren nicht mehr nach Indien zu- rüikkehren darf, und der nun in Deutschland mit vielen Landsleuten und mit den in der Liga gegen Imperialismus zusammengeschlossenen Unterdrückten anderer Bölter zusammenarbeitet. Natürlich gibt es in Berlin auch viele russisch« Emigranten auS den Kreisen der früheren Aristokratie, die in Deutschland schwer um ihre Existenz ringen. KrelS-Sbst- und Gattenbauverein Gießen. Der Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen hielt am Samstag im „Hop- selb" seine diesjährige Hauptversammlung bei überaus zahlreicher Beteiligung der Landgemeinden ab. Der Vorsitzende. RegierungZrat Wolf (Gießen) gab in seiner Begrüßungsansprache seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Verein lebhaft im Wachsen begriffen sei. Dieses Gedeihen sei nicht zum wenigsten aus die erfolgreiche Tätigkeit des neuen Kreisobstbaubeamten zurückzu- führen, der durch Vortrüge draußen in den entferntesten Teilen des Kreises, wie auch durch Rundgänge durch die Daumpflanzungen das Interesse am Obstbau zu fördern bestrebt sei. Bisher war es immer so, daß der Landwirt wohl seinen Acker bebaute, düngte und nichts unterließ. was einer guten Ernte förderlich sein konnte. Hinsichtlich seiner Obstbäume aber glaube er. es genüge, wenn man zur Zeit nur die Ernte ein- yole. im übrigen kümmere sich kein Mensch um sie. Daß diese Methode verkehrt sei, beginnt man allmählich einzusehen, und geht nun dazu über, aud) einmal an Düngung und Schädlingsbekämpfung zu denken. Obstbauinspektor E n k l e r (Gießen) sprach dann zunächst über die Durchführung der diesjährigen Obstbaum-^lmpfropfungsaktion mit Gewährung von staatlichen Zuschüssen. Der Zuschuß wird sich wahrscheinlich auf 8 Pfennig pro Psropfkopf stellen. Außerdem werden später noch für den Kopf 2 Pfennig Beihilfe für ^Nachbehandlung gegeben, die aber erst im nachfolgenden Frühjahr zur Auszahlung gelangen, wenn festgestellt ist. daß auch überall diese Arbeit richtig und sachgemäß zur Durchführung gelangte. Die zum älmpfropfen bestimmten Sorten sind ziemlich die gleichen, wie im Vorjahre, nämlich von Aepfeln Boskop. Lebel, Blenheim und Gelber Edelapfel. Von Dirnen Williams Christbirne, Clapps Liebling. Gellerts Dutterbirne und Gräfin von Paris. Durch diesen Zuschuß und mit Hilfe der - Daumwärter, deren Ausbildung und Tätigkeit hohes Lob gespendet ward, soll die Zahl der umgepfropften Bäume auf wenigstens das Vierfache des sonst üblichen Maßes gebracht werden, um auf diese Weise dem Sortenwirrwarr und dem Lieberhandnehmen des schorfigen Obstes Einhalt zu gebieten. Zur Schädlingsbekämpfung übergehend, bemerkte der Vortragende, daß auch dieser wichtige Teil der Obstbaumpflege nunmehr planmäßig gehandhabt werden soll. Wenn auch die Zahl der zur Verfügung stehenden fahrbaren Spritzen noch unzu- rcrchend sei. so bestehe doch die Möglichkeit, in einem Teile der Gemeinden umfassende Arbeit zu leisten. Durch Einkauf des nötigen Obstbaum- ' karbolineums in kleinen Mengen stelle sich die Dehandlung so teuer, daß sie in vielen Fällen kaum in Frage kommen könne. Cs werde darum geraten, von dem Angebot der Landwirtschaftskammer zu gemeinsamem Dezug in Fässern von je 200 Liter Inhalt allgemein Gebrauch zu machen. In dieser Menge bezogen, stellten sich 100 Liter, für wenigstens 233 Obstbäume ausreichend auf 47 Mark. Rechne man die Fuhr- leistungen und Arbeitslöhne, so stelle sich der einzelne Daum je nach Kroncndurchmcsser auf 33, 40 bis 50 Pfennig, besonders große vielleicht noch etwas höher. Diese Preise könnten aber beträchtlich herabgedrückt werden, wenn die Besitzer selbst oder deren Leute mit Hand anlegen und die Zugtiere nicht wie einem Fremden gegenüber berechnet werden. Gemeinsames Handeln, wo einer für den anderen eintritt, wäre geboten. Dieser Win- terspritzung. durch welche alles am Daume vor- tommcnde Ungeziefer mit Drut vertilgt werde und die bis zum Schwellen der Knospen beendet sein müsse, habe eine weitere Spritzung mit Rosprasit zu sorgen, weiche kurz rah dem Abblühen der Däume einsehen mü'sr. Sic gelle dem Hauptübel unseres Obstbaues, dem Schorf und der Monilia. Hierfür stellten sich die Unkosten etwas geringer, da Aosprafit In anderthalb prvzentigcr Lösung angewandt werde. Die Wirksamkeit sei allgemein, für Gießen auch durch Versuche von der Pslanzenschuhstelle erwiesen, die in der Gemarkung Heuchelheim durchgcführt wurden. In der Aussprache, an der sich einige ‘Bürgermeister und andere Vertreter der Landgemeinden beteiligten. wurde aus das Fehlen der Stadt Gießen nut ihrem großen Daumbcsih hingewiesen. In diesem Zusammenhänge wurde ermahnt, in der Stadt Gießen die Schädlingsbekämpfung nicht zu unterlassen, auch wenn das Material etwas teuerer bezahlt werden müsse. Spritzen seien vom Obst- und Gartenbauverein angeschafft worden. Außerdem stehe eine weitere bei dem Landwirt- ‘schaftskammerausschuß zur Der ügung. Eine G^aiisverlosung von (Nistkästen und Sämereien beschloß die Versammlung. Gmonn euer Rechtsstreit der StadtWetz'ar WSR. Wetzlar, 25. Febr. In der sehr umstrittenen Frage der Abführung von Gewerbesteuer von der Detriebsgemeinde an die Wohngemeinde hat die Stadt Wetzlar einen bemerkenswerten Erfolg beim Oberverwaltungsgericht in (Berlin errungen. Bekanntlich besteht «ine gesetzliche Verfügung, wonach die DetriebS- gemeinde bei mehr als 20 Lohnempfängern aus einer Gemeinde dieser Wohnge.n-.'inde Zahlungen aus der Kapital- und Lohnsummensteuer zu entrichten hat. Verschieden« Gemeinden des Bürger- meistereibezirks Atzbach hatten von der Stadt Wetzlar auf Grund dieser Verfügung Zahlungen aus dem Gewerbesteuer auskommen von 1925/26 in Höhe von über 4330 Mk. verlangt. Di« Stadt weigerte sich, und als sie die Zahlung auch trotz eines Deschlus es des Bezirksausschu ses nicht auS- führte, erließ der Regierungspräsident eine ZwangSetalisierungsversügung. d. b. der Regierungspräsident veranlagte die Stadt Wetzlar, die entsprechende Summe un Etat vorzusehen. Dagegen ging die S.adt Wetzlar beim Oberverwaltungsgericht in (Berlin vor und erhielte einen vollen Erfolg, denn das Oberverwaltungsgericht entsprach nicht dem Antrag« d«S Degieru gSptäsi- benten. die Klage abzuweisen, sondern es hob dl-.' Zwangsetatisierungs-Verfügung deS (Begierungd- ebr. Bei der ialdungen des ift ote । seither, fordert > Sprechstunden der .Uedattion 12 bi» 1 Uhr mittag», 5 bi» 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen. wurde von der Abordnung u. o. eine sofortige einmalige Beihilfe von 30 Mark für alle hessischen Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner und fon- stige Hilfsbedürftige, sowie 10 Mark für jede weitere unterhaltsbercchtigte Person im Haushalt, so- fertige Inangriffnahme von Notstandsarbeiten, Der- abre.chung von Lebensmitteln ufw. Der Zug löste sich, ohne Zwischenfälle auf. v Burg-Gemünden, 25. Holzversteigerung aus den Freiherrlich Schenckschen Reviers wurden recht an- fehnl.che Preise erzielt. Bier Raummeter Buchen- scheiter 1. Klasse wurden m t 55 bis 60 Mark be zahlt. Dieselbe Menge Buchenknüppel kostete durch" schnittlich 46 Mark. Eichrn. und Hainbuchenholz kostete entsprechend weniger. I Ober-Ohmen, 25.Febr. Nachdem in den letzten Tagen schon eine Reihe von Schülern der Grippe wegen jer Schule fernbleiben mußte, waren am Samstag von 67 Schülern 41 infolge von Krankheit der Schule ferngehalten. Das bedeutet einen Ausfall von e twa 62 v. H der famtfchülerzahl. Die Schule wurde infolge- besten zunächst bi» einschließlich Dienstag ausgesetzt- ________ Präsidenten auf. Die Stadt Wetzlar wird diese Entscheidung des Oberverwaitungsgerichts wahrscheinlich zur Grundlage weiterer Schritt« zur Beseitigung der entsprechenden ges-rtzlichen Bestimmung machen. Erwerbslosendemonstration in Darmstadt. Oer Klub der verkannten Genies. Sterbende Klubs der Aristokratie.—Oie organisierten Häßlichen undRothaarigen. Geteiltes Leid der unglücklichen Liebhaber. - Oer Suns der Weltumsegler. Fallschirmspringer und die Witter König Karls. Don George Croppen. Geschworene Feind« des Vereinsleben» behaupten, daß drei Deutsche, di« sich jede Woche treffen, sicherlich einen Verein gründen, um stch in die Aemter des Präsidenten, des Schriftführers und des Kassierers zu teilen. So übertrieben diese Kritir deutscher Geselligkeit zweifellos ist, fo leicht könnte man sie auf die britische Vorliebe für Klubs übertragen. Man weih, daß London die Stadl der erkwsiven aristokratischen Klubhäuser ist. aber auf dem Kontinent ist wenig beachtet worden, daß diese Form des englischen gesellschaftlichen Lebens in der letzten Zeit große Umwandlungen erfahren hat. „England hört allmählich auf, daS Land zu lein, in dem noch die Tradition gepflegt wird." So lauten die Kommentare, mit denen die großen englischen Blätter die Ausllssung eines der ältesten englischen Klubs begleiten. Der Almack-Klub z. D., der jetzt seine Pforten geschlossen hat, war eine der ältesten und angesehensten gesellschaftlichen Vereinigungen. 163 Lahre hat dieser Klub bestanden, mächtige und berühmte Gäste hat er in seinen Räumen gesehen. Horace W a l p o l« war der erste Staatsmann, der ihm angehörte, Lord Palmer st on war oft sein Gast. Als tonangebend galt der Almack-Klub, seit er von Beau B r u m m e l l ausgesucht wurde. Herren und Damen der ersten Gesellschaft kamen dort zusammen, rauschende Festlichkeiten wurden veranstaltet, kurz, der Almack-Klub bildete eine Zeitlang den Mittclvunkt der Londoner großen Welt. Man fühlte sich dort wohl, denn die großen Staatsmänner und die Mitz'ieder des englischen Adels wußten, daß sie unter sich waren. Die strengen Aufnahmebedingungen bürgten dafür, daß nur die Angehörigen einer bestimmten Ge- sellscha't schicht Zutritt zu d-n „geheiligten Räumen" erhielten. Das Ballotage-Shstem. das über die Mitgliedschaft entfchied, war gefürchtet; über die Aufnahme von Herren entschieden die Damen des Klubs, neue weibliche Mitglieder durften nur von den Herren zugelassen werden. Einmal kam es sogar zu einem Skandal, als eine Herzogin, die sich um die Aufnahme beworben hatte, abgelehnt wurde. Allmählich aber entwickelte sich im Almack-Klub ein merkwürdiger Zustand: die Vereinigung geriet unter die Herrschaft der weiblichen Mitglieder, die Aufnahmekommis ion wurde immer unerbittlicher, und da sich durch diese rigorosen Maßnahmen ein Teil der Mitglieder vor dem Kopf gestoßen fühlte und den Klub verließ, schmolz er immer mehr zu'ammen. Zuletzt milderte man die strengen Bestimmungen und brüate ein Auge zu, wenn der Bewerber finanziell gut gestellt war. Trotzdem sank aber die Mitgllederzahl auf 603, und damit war das Schicksal des einst so bedeutenden Klubs besiegelt. Weniger vornehm, aber weit unterhaltender war der berühmte „Vagabond-Elub", der im Oktober vorigen Iahres aufgelöst worden ist. Die bekanntesten englischen Literaten, Künstler und Politiker gehörten zu seinen Mitgliedern, und Lord Roberts, der siegreiche Feldherr des Durenkrieges. war sogar eine Zeitlang Präsident der Vagabunden. Rie batte diese Vereinigung, der Conan Doyle Die Leichenrede gehalten hat, mehr als 500 Mitglieder gezählt. Zwar konnte der „Dagabond-Club" nur auf ein dreißigjähriges Bestehen zurückblicken: aber in diesen Iahren weilten viele bedeutende Männer in seinen Räumen. Ein anderer schwerer Schlag steht dem englischen Klubleben in den nächsten Iah en bevor. Besteht doch die Wahrscheinlichkeit, daß der älteste Klub der Welt, der „White’s-Chib“, geschlossen wird, der im 17. Iahrhundert gegründet worden ist. Dieser Klub war wegen der Wettleidenichasi feiner Mitglieder berüchtigt. Bei jeder Gelegenheit waren die Klubherren geneigt, hohe Wetten abzuschließen, und manchmal führte diese Letren- schast sogar zu peinlichen Vorkommnissen. So soll eines Tages ein Mann bewußtlos vor der Tür des Klubs aufgesunden worden sein, und als man ihn in die Vereinsräume trug, sollen die Anwesenden hohe Wetten darüber abgeschlossen haben, ob der Bewußtlose tot sei oder wieder erwachen werde. Böswillige erzählten sogar, daß die Leute, die auf den Tod des Mannes gesetzt hatten, gegen daS Eingreifen deS Arztes protestierten, well dadurch ihre Chancen verschlechtert würdeni . Viele tausend Klubs gibt es augenblicklich tn London, und unter diesen befinden sich natürlich auch viele Bereinigungen, die uns recht merkwürdig vorkommen. Es gibt einen Klub der MSN. Darmstadt, 25.Febr. Gegen Mittag demonstrierten etwa 12 0 0 Erwerbslose und Ausgesteuerte vor dem Landtagsgebäude, dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft und dem etaat:minifterium. Der Demonstrations- zug setzte sich aus Abordnungen von Erwerbs- losen aus ganz^ Hessen, sogar aus dem hohen Do- gelsberg und Rheinhessen, zusammen, der für die Bewilligung der Forderungen der Erwerbslosen eintreten sollte. Unter Dorantritt einer Musikkapelle und unter Mitführung zahlreicher Transparente mit Aufschriften wie „Weg mit Severing und Wissest„Nieder mit der Hungerregierung", „Artistenelend", „Mächtig sind Gesetze, mächtiger ist die Not", „Brot statt Panzerkreuzer" usw. bewegte sich der Dcmonstrationszug durch die Rheinstraße nach dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, wo eine Delegation von sechs Mitgliedern unter Führung der kommunistischen Ab- geordneten Hamann und Sumpf dem Minister ihre Forderungen unterbreiten wollte. Hier, wie auch später im S t a a t s m i n ist e r i u m, wurde der Abordnung erklärt, sie möchten ihre Anträge schriftlich einreichen, auf die ebenso wie auf eine bereits eingereichte Eingabe eine schriftliche Antwort erteilt werden würde. Die Regierung werde mit den berufenen Vertretern der Arbeiterschaft die Lage der Erwerbslosen prüfen und, wie f-:it— alles zur Erleichterung ihrer Notlage tun. Ges Geizigen, der mir in den Rachmittagsstunden tagen soll, da seine Mitglieder die Räume nicht erleuchten lassen wollen. Harmlos sind die Klubs der Dogelfreunde und der Tulpenliebhaber, verglichen mit der Bereinigung der Lügner, deren Mitglieder während der Sitzung kein wahres Wort sprechen dürfen. Wer mikbte wohl Präsident im „Klub der Häßlichen" fein oder dem «Klub der Rasen- losen" angehören? Gedrückte und melancholische Stimmung herrscht im Seufzer-Klub und im „Klub der unglücklichen Kaufleute". in den nur Geschäftsleute ausgenommen werden, die mindestens einmal Bankrott gemacht haben. ES gibt sogar einen Klub der Einarmigen, der in Fühlung mit dem Klub der Rothaarigen steht. Wieviel Mitglieder die Bereinigung der Hundertjährigen zählt, ist leider nicht bekannt. Weit über 100 Personen gehören dem Klub der Filmartisten an, die mindestens einmal in ihrem Leben eine halsbrecherische Sensation im Film auSgeführt haben. Ebenso harte Bedingungen stellt ein anderer Verein, der nur Flieger aufnimmt, die schon im Fallschirm aus einem Slugjeug abge- sprungen sind. Der berühmte Ofteanflieger Llndbergh ist Ehrenvorsitzender, denn er ist schon viermal vom Flugzeug aus abgesprungen. Recht eigenartig ist der Klub der verkannten Genies, der unglückliche Erfinder und erfolglose Dichter und Künstler vereint. Langwellig muß «S aber in einer Gesellschaft zu- gehen, in der unglücklich Liebende verkehren, um sich gegenseitig die Geschichte ihrer Leidenschaften zu erzählen. .Selbstverständlich" gibt es feit langer Zell schon einen Klub der Kahlköpfigen und einen Klub der Kranken. Einen schönen Erfolg hatte in letzter Zeit der Verein der Schriftsteller zu verzeichnen, deren Manustripte von allen bedeutenden Redaktionen und Verlagen beharrlich abgelehnt worden waren. Tie Gründung dieser Bereinigung war eine so gute Reklame, daß sämtlich« zurückgewiesenen Arbeiten nicht nur gedruckt, sondern auch lebhaft verkauft wurden. Glicht nur auf England wird sich der Klub der Weltumsegler beschränken, der über 330 Mitglieder zählt. Er wlll eine weltumspannende Bereinigung fein und nur Leute aufnehmen, die wirllich rund um den Erdball gereift sind. Sir Francis Drake, Kapitän Cook und Iules Berne find in feinen Listen als Ehrenmitglieder verzeichnet. Welch« Rotwendigkcit besteht Wohl für den Londoner .Klub 8 älhr 4 0“? In diesem Verein haben sich Geschäftsleute zusammenge- fchlosfen, die mit demselben Zug um 8 silhr 40 morgens in die Stadt fahren. Richt unbedingt notwendig scheint auch der „Klub der Murrköpfe" zu sein, dessen Mitglieder sich bei ihren Zusammenkünften gegenseitig gröblich beschimpfen. Auf die Dankbarkeit des englischen Königshauses wird die .Bereinigung der Bitter König Karls" kaum rechnen können, denn während sich der englische König durchaus der Reuzeit anzupassen bemüht, wollen diese seltsamen Ritter alle königlichen Vorrechte der Vorzeit wieder einführen und für das göttlich« Recht des Monarchen eintreten. Eine neue Art von Klubleben ist in London nach dem Krieg entftanbnen, als die sogenannten Racht-Klubs wie Pilze aus der Erde schossen. Heute hat sich au8 dem Durcheinander bereits eine gewisse Rangordnung herauskristallisiert. Der vornehmste, exklusivste und teuerste Klub dieser Art ist augenblicklich der ,®m- bassy - C1 ub" , in dem man allnächtlich die hervorragendsten Männer und die schönsten Frauen des Inselreiches erblickt. (Zieltet, aber nicht ganz so vornehm, ist .CiroS", trb hauptsächlich Schauspieler verkehren. Der modernste, größte und lebhafteste Klub aber ist Kit-Cat. Dort gibt sich selbst der steifleinenste Engländer liebenswürdig. Rach den Klängen hervorragender Musikkapellen tanzen die Paare im magischen Licht der bunten Scheinwerfer. Lebhaft, aber etwas zurückhaltender geht es im „Florida- Club" zu, wo das Leben erst in den späten Rächt stunden beginnt. Dort trifft man die Angehörigen der höchsten Gesellschaftskreise: die Aufnahmebedingungen sind so schwer und das Ballotage-System so scharf, daß es nur wenigen Auserwählten gelingt, die ersehnte Mitgliedschaft zu erwerben. Angeklagten, gerade der Standort des V ersieh rS- polizisten habe ihn gehindert, den vorschriftsmäßigen weiten Bogen zu fahren, einwandfrei widerlegt werden. Der Qlngellag:« erhalt wegen ^Übertretung des § 21 Ws. 2 der BO. über Kraftsahrzeugverlehr vom 16. März 1923 eine mäßige Geldstrafe. Di« Brauchbarkell der erwähnten Modelle steht außer Zweifel. Oberheffen. Landkreis Gietzerr. Bg. Großen-Duseck. 25.Febr. Heute nach, mittag um 1 Uhr wurde unser Dorf durch Feuer- a l a r m aufgeschreckt. In einem vergangenes Fahr neuerbauten Hause w„r ein Zimmerbrond ausgebrochen. Da schnell Hilfe zugegen war. konnte größeres Unglück verhütet werden. Im. merhin fielen neben sonst.gen Ausstattungsstücken iwei Betten den Flammen zum Opfer, lieber die irsache des Brandes sind die Meinungen geteilt. S. Beuern. 25. Febr. Am Mittwoch wurde die zweitälteste Einwohnerin unseres Dorfes, die Landwirtswitwe Marie Dietrich, geb. Damm, zu Grabe getragen. Sie hatte am Bescherabend des alten Iahres ihr 87. Lebensjahr vollendet. Kurz vor ihrem Tod« hatte sie noch ein Bein gebrochen. Sonst war sie körperlich und geistig noch verhältnismäßig rüstig. + Grünberg. 25. Febr. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Sängerkranz" seine Generalversammlung im Bereinslokal „Zum Rappen" ab. AuS dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein auch im vergangenen Jahre sich gut weiterentwickelt hat: er zählt zur Zeit über 53 aktive Sänger und besitzt etwa 70 passive Mitglieder. Sowohl das im (November in der Turnhalle ab» gehaltene Konzert, daS dem Gedächtnis Schuberts zu Ehren hauptsächlich Ehöre diese- Meisters brachte, als auch der am Sonntag nach Weihnachten im „Rappen" veranstaltete Fa- mllienabend für die Mitglieder und deren Angehörige zeigten jedesmal ein vollbesetztes Haus, ein Beweis, daß die Leistungen deS Vereins, der unter der bewährten Leitung deS Chormet- sters Konrad Bicolai-Großen-Buseck steht, gute sind unö immer gerne gehört werden. Der Verein, der Mitglied des LahntalsängerbundeS ist, beteiligte sich an dem Bundesfest dieses Verbandes in Kirchhain, ebenso nahm er teil am Sängerfest im benachbarten Göbelnrod und an der alljährlich stattsindenden Zusammenkunft sämtlicher von Herrn Ricolai geleiteten Gesangvereine, die im vergangenen Jahre in (Beuern stattfand. Die Kassenverhältnisse deS Vereins sind günstig: die Jahresrechnung ergab einen beträchtlichen sileverschuß. An Beiträgen werden erhoben von den attioen Sängern 1 Mk. pro Monat, von den passiven Mitgliedern 2Mk. für das Jahr. Tie Borstandswahl erfolgte durch Zuruf und ergab die Wiederwahl des alten Borstandes: 1. Vorsitzender Zahntechniker Hch. Seib, Stellvertreter Spenglermeister Friedel Schröder, Rechner älhrmacher Karl Frank, Schriftführer Obersekretär Karl Appel, Boten- wart Ludwig Röder. Der Verein toiU die alljährlich im Mai stattfindende Zusammenkunft der von Chormeister St Ricolai geführten Gesangvereine übernehmen. Außerdem ist geplant, im nächsten Jahre, anläßlich deS 20- jährigen Bestehens deS Vereins, ein Wertungs- fingen abzuhalten. 0 ©rüningen, 25. Febr. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. beschlossen, 25 bedürftigen Familien zur Beschaffung von Brennmaterialien eine einmalige Beihilfe in Höhe von je 10 Mk., wovon Der Staat 5 Mk. und der Kreis und die Gemeinde je 2,50 Mark tragen, zu gewähren. )( Lich, 25. Febr. Eine Feierstunde besonderer Art konnte unsere Gemeinde erleben. Der Paläst i n a f i l m. den die Anstalt Bethel hat Herstellen lassen, wurde anläßlich des zweiten Gemeindeabends in diesem Winter vorgeführt. Alle Stätten, die der Christenheit von Kindheit an vertraut sind, zogen im laufenden Bild an den Augen der zahlreich erschienenen Gemeindealleder vorüber. Dazu konnte man einen Blick in die große evangelisch« Liebes- und Missionsarbeit des Syrischen Waisenhauses mit seinen verschiedenen Zweiganstalten tun, die „Vater Schneller" begründet hat und die nun sein Sohn weiterführt. Diakon Holderer von Bethel erläuterte die schönen und klaren Bilder. Der eindrucksvolle Abend war umrahmt von musikalischen und gesanglichen Vorträgen bei Frauen- und Posaunenchors und von begrüßenden und dankenden Worten der beiden Geistlichen, die besonders die dankenswerte Mitarbeit der beiden Frauenkränz« am Werk des Syrischen Waisenhauses hervorhoben. Am Rachmittag war der Film bereits den Kindern gezeigt worden. Dank des guten Besuches, den beide Veranstaltungen hatten, konnten der guten Sache nach Abzug der ilnfoften 140 Mk. zugeführt werden. • Trais-Horloff, 26. Febr. Zur Richtigstellung der gestrigen Meldung über den Unfall deS Arbeiters Müller aus Langd auf dem hiesigen Schwelwe.k ist mitzuteilen, daß der Mann erfreulicherweise an den Folgen des Anfalles nicht verstorben ist. Die Verletzungen haben sich vielmehr als leichter herausgestellt, so daß mit der Wiederherstellung deS Verunglückten zu rechnen ist. Kreis Büdingen. Nidda, 25. Febr. Am Samstag wurden vom H i m m e l s b a ch s ch e n Sägewerk 15 Arbeiter entlassen. Wie verlautet, sollen noch weitere Entlassungen bevorstehen. Kreis Alsfeld. Amtsgericht Gießen. Sin auswärtiger Kaufmann hatte sich infolge Einspruchs gegen einen Strafbeiehl toe^en einer Hebertret ung im Autoverkehr zu verantworten. Gelegentlich einer Fahrt durch Gießen war et bei starkem Verkehr in eine andere Straß« nach linkseingebogen, ohne den vorschrisismäßigen weiten Bogen zu fahren. Die Verhandlung war für Unbeteiligte nur deshalb beachtlich, weil durch das Amtsgericht zum ersten Male von einer Einrichtung Gebrauch gemacht wurde, die von zuständiger Seite auf Grund anderSwo gemachter Erfahrung zwecks Erleichterung der Beweisaufnahme und Festlegung ihrer Ergebnisse, wie auch zur Ersparung von Augenscheinen empfohlen worden trat. Es handell sich um die Aufstellung und Verwendung von Spielzeugmodellen (offene und geschlossene Per- sonenkraslwagen, VerkehrLkraf.omnibusse. Tram- bahnwagen, Fahrräder, Motorrädtr, Fuhrwerk, Mann. Frau, Hund, Bäume u. dgl.), wodurch den Beteiligten auf dem Gerichtstisch * die in Betracht kommenden Situat onen möglichst anschaulich vor Augen geführt und an deren Hand die Zeugen instruiert und gehört werden sollen. So konnten auch auf diese Weise in dem vorliegenden Falle besser, als dies wohl auf andere Weis« hätte geschehen können, die V-rhaupttmg deS 'Sten, Äto St«Sey« 2lärz jQn, StoeifeL 611 tb n. c6etu 'SÄ RT““.ä «oft?W8*« gen. Sie 5a» J’J ivBt ''Jamtniuna L ■ M btt DnA .gut totlittmt- ubrr 53 M, Mive Dilglie^ der Turnhch & ' Debachtnij Sch». Ho« biefrf M. am SvimiLg vermstaltü« §a- unö Seren 2n- vEese-teS flau# 'gen bei Jereint' N M Ehvmri- robtn-Ned Hebt, ehöü werben. S«t »hntalsängeünlndet betest hielt« Der- nahm et teil am ©öbelntob unb an en 3u|ammenhmft i geleiteten Gelang« i Sabre in Drum Itnille beS lertini chmmg ergab einen Hn Beiträgen tot» Den Sängern 1 M m Mitgliebern 2M )swahl erfolgte buch irdetwohl bes alten r Zahntechnilet Hch mglennziöet Friebel »achte Sari Frank. !arl Appel, üoten- et Herein will bie finbenbe Zu|ammen> St Aicolai gefügt» >men. Methan ift e, anläßlich bei 2> reinS, ein Wertung«- ?5r. 3n btt jüngsten u. a. brlch'oilen. 25 en zur A-schafsuU einmalige 2ei- U., wovon ber.ölaal bie Temeinbe je IS 'Feierstunde befonbtw be erleben- Ser P«' M w.f11 £ M -es zweiten Gc- inf,-r voraefützch M MWÄJÄ«1 enhen 2rU> an inen einen 2W w unb MiuE i mit leinenwfe bie .2-teröch^ , ■sags' fvvffS ÄLS UWawejtbv«^ a Solchen ,MB?!!Jtben. S««»*gb rt Ä ÄS >s$s - ,t>i«Öcrt‘ ben^ nt SaMst-S 15 $r •*#!* '* stehe"- lsftld. $ti» !«. Ä o 'Iss 2^-,'«-' ■5.6t- iva , Au^e .yf gemacht. 798 Nachdruck verboten Obne Gewähr 25. Februar 1929 15. Ziedvngstog 62411 Lumen, Sport und Spiel 204247 202190 173913 379807 129023 126916 120330 125156 120975 Zahl der Geburten Auf 1000 Einwohner 37 42 15 20 5—15 8 23 153813 214310 245079 280385 319354 166217 214980 247161 290405 326630 143310 157579 168124 187741 201643 230070 242264 275285 297032 308700 345732 356827 383816 217756 260632 302699 337663 170813 275146 134328 8056 9118 9505 11 37688 46963 10193 38282 50503 70743 88136 202386 278843 190247 57118 143706 157849 170286 191708 203996 230430 257129 281585 297321 319114 347998 364642 396533 144404 160417 171441 192896 213021 234183 258866 286697 299642 325914 348832 373336 232775 271434 316747 349859 153106 162120 175^63 194888 214370 235140 263773 290362 305330 333733 349811 376857 110570 143229 153429 167410 176141 198608 215705 237033 264372 291567 306385 335719 352016 377170 29632 43802 61147 117931 143248 155089 167525 178291 199815 223057 237731 272653 293681 308499 341830 352020 377801 215391 257333 294303 328372 222147 261214 311589 338622 33652 48759 66665 76443 145359 160952 184447 197866 215018 248177 259170 296770 306181 34W02 35799 50001 67223 80250 146219 161736 188263 203046 218253 naj iQAn «OiJuvo 265354 297246 314815 354353 378078 36076 60470 68440 87881 113378 135023 159038 18'364 195902 2'1594 248929 257704 28K647 305858 348230 374832 387743 11916 36403 50791 71885 88536 110803 128291 154711 172942 187167 204398 234174 256395 273119 304182 3*29443 373426 381746 Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich bebe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Gewlnnauszug 5. «lasse 32. D"uhifch.SSddeotsch4 (25b. Pieuß) «lassen-Lotterie 152555 166997 186498 204178 218444 252323 270333 301878 324518 371664 378409 BevölkenmgsbewegungundGierblichkeii in Gießen im Jahre -1928. Don Medizinalrat Dr. Bmsack, Kreisgesundheitsamt Gießen. fest, welches vom 29. Juni biS 1. Suli in Heuchelheim stattfindet, berichten. Nach Erledigung einiger Anträge kam man zu ben Wahlen. Als forschender wurde Kunze- müller-Gießen einstimmig gewählt. Ebenso erfolgte die Wiederwahl des Kassierers Bethge - Gießen. Als Schriftführer wurde Luh - Wieseck und als Jugendlciter Schneider- Krofdorf gewählt. Aach Erledigung einiger Anfragen fand die Tagung ihr Ende. Am Samstagabend traten die Delegierten der Turnvereine zum ordentlichen Turnlag zusammen. Auch hier war die Beteiligung gut. Der Geschäftsbericht läßt noch manche Aufgabe offen. Auch die technischen Berichte der einzelnen Techniker zeigten einige Lücken. Ganz besonders dem Jugend- und Kinderturnen wurde viel Aufmerksamkeit ge'chenkt. Auch dem Frauenturnen, obwohl eS einen kleinen Fortschritt zu verz ichnen hatte, dürfte noch me)r Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Kassenbericht wurde als gut bezeichnet. Die eingegangenen Anträge wurden zum Teil angenommen oder dem Bezirkstag überwiesen. Die leichtathletischen Wettkämpfe wurden Herborn zugesprochen. Der Punkt „Statutenberatung" wurde zurück- gestellt. Heber das Bundes- und Dezirksfest soll aus dem Bezirkstag beraten werden. Die Wahlen ergaben auch hier eine Aenderung. Als Borsitzen- : >er wurde Jung. Großen-Lmden, gewählt, wiedergewählt wurden D e t h g e . Sichen, als Kassierer und Pfeiffer. Launsbach, als Schrsi t- ührer. Außerdem wurden die vorgeschlagenen Techniker in ihren Aemtern bestätigt. Aach <3tr ledigung einiger Anfragen fand die Tagung ihr Ende. 207865 94714 124849 169748 150 37 167 In btt Nockmiittaaszieduna worben Gewinne über 150 M. gezogen ilm Gewinnrobe verblieben 2 Prärmen zu 500000 2 Gewinne zu 500000. 2 zu 300(X)0, 2 zu 200000. 2 ,v 100000. 2 zu 50000. 6 zu 25000.38 zu 10000, 78 zu 5000, 194 zu 3000. 40b zu 2VUÜ, 854 zu 1000. 2218 zu 500. 5886 zu 300 WIL 350 448 Jahr Einheimische Ortsfremde 15603 42010 58612 73107 61583 1 112546 129606 166239 175071 194376 207277 235976 257272 278021 304625 343009 374489 383700 ön bet Dormittagszlebung worben Gewinne über 150 M. gezogen Jahr 1924 1925 1926 1927 1928 576 558 528 516 551 Vermischtes. Folgenschwere Hausbrände in Amerika. In Evensöurg und Hillsboro (Westpennsylvo- nien) sind durch überheizte Oe f en zwei Häuser in Brand geraten, deren Insassen, zwei Frauen und acht Kinder, in den Flammen denTod fanden. In Lansing (Illinois) brach aus der gleichen Ursache ein Hausbrand aus. dem fünf Kinder zum Opser fielen, während ein sechste« Kind und die Eltern schwere Verletzungen davvntrugen. vierfacher Mord. In Ratzen bei Uhyst (Kreis Hoyerswerda) wurden auf der Besitzung des Landwirtes und Ge mcindevorstehers Witschas der etwa 46 Jahre alte Gemeindevorsteher, seine Ehefrau, seine 24 Jahre alte Tochter und die in den 40er Jahren tchende S ch w e st e r des Gemeindevorstehers e r • mordet aufgefunden. Der Verdacht der Täterschaft richtet sich gegen den 17 Jahre alten flüchtigen Knecht Walter Miersch, der in Lippen in Richtung Uhyst gesehen wurde und seitdem Der schwanden ist. Die ärztliche Untersuchung der er mordeten Familienmitglieder ergab, daß die Ermordeten alle durch Schüsse getötet worden sind. 368180 379807 230 *a 300 M 4841 6502 l 11314 17674 28458 29072 3461 ---- 50228 5'159 62076 69694 70444 71969 75191 78021 80462 81840 88571 91394 94329 9792d 98933 99094-102252 AQ2445 108286,108431 1 UJ127 2 •fbhra» r> 10000 W 338208 2 »v 5000 M. 210115 22 Vttoinne io 3000 M. 46005 247563 262178 264312 273126 318278 360576 16 ,D 2000 2D. —- - - - . ----- 252285 270751 283474 372513 379914 44 ertoinn. ,u 1000 M. 843 21403 32620 67109 88750 92699 93942 101999 142732 183929 209997 220406 224946 246180 251215 331630 333314 363451 388010 390426 397693 100 Gew 0 o aller Art liefert die BrühCsche Drucl ere Z üaniniisloneX f Hygienische ArilkeiA sinnliche CumiDiWaren LDrofierte WioterbolJ KrcuzplaU 10 ! dy^ieae X Neue nabt le Chaiselongues preiswert au oerk. D. Linker Polftrr- und Taveziergeikhäst 068, VubiuinütQüc 33, ist die höchste Vervollkommnung u. Pflege des strapazierfähigen Gebrauchs- und Touren-Motorrades. Die Hauph stärke der NSU-Räder liegt daher weniger in übertriebener Schnelligkeit, als vielmehr in der außerordentlich wichtigen Eigenschaft absoluter Zuverlässigkeit u. langer Lebensdauer HunifM. Biele fd)b:ie Wob nuug, 5 .Htmuuri. .\tüd)c UN) Bao, tn f.udner ^ladttage. Suche 2 Zimmer. Küche. Bad. evtl. Ballon, ob. SZim- mer-Wobnuna. Schr.Angeb. U.I7.S2D an den Gteü. Anz. ^tellengesueke, junge Dome bisher als Svrech- iiundenhilie bei '21 w lang cieiuetcn. bewandert m S.eno- nrnvbtc n. Schreibmaschine. sucht äbn- itdjcu oder aletchen Wirkt naskretS. Schrtitl. Angebot, u. 0848 a. d. Gieß. Au». 1,62 lm 53,23 „ 38,19 „ n,30 Meinen innigsten Dank allen, die mir in liebenswürdiger Weise anläßlich der Vollendung meines 80. Lebensjahres ihre Aufmerk|am- keii, Anerkennung und Ehrung zukommen ließen 3. Allvater, Oberbauinspekior i.rfi. hainbuchensiämme. Güteklasse N 1. Klasse 3,71 fm ,, N 3. „ 4,51 „ Angebote, nach Klassen und Sortiment getrennt, sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Mittwoch, dem 6. März 1929, vormittag 11 Uhr. bei uns einzureichen, woselbst auch die Bedingungen, mit denen sich die Staufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, eingeschen werden können. Das Holz ist mit Rinde gemessen und ist vorher einzusehen, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden. Bei genügender Sicherheitsleistung wird zinsloser Zahlungsaufschub für die erste Hälfte des Kaufgeldes bis zum I.Iuli 1929 und für den Rest bis zum 1. Oktober 1929 gewährt. Das Holz wir auf Verlangen durch Förster Textor und Kipper in Lich vorgezeigt. Nähere Auskunft erteilt die hiesige Bürgermeisterei. Lich. den 22. Februar 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. 3. 4. 4. 5. 5. 6. Karten Mk. 0.80. 1.— and 1.20 nur an der Abendkasse ab 7 Uhr Nur für Frauen und Mädch n über 16 Jahre. Einlaß 7 Uhr. Beginn 8 Uhr. 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Knüppel: ^uche 177 rm, Eiche 74 rm, Erle 4 rm, Nadel 10 rm, Esche 11 rm. Reisig: Buche 300 rm. Sköcke: Buche 20 rm. Das blau unterstrichene Holz kommt nicht zur Versteigerung. Wir bitten, das Holz vorher ansehen zu wollen. Nähere Auskunft erteilt Förster Kehl, 'Wäldershausen. Schweinsberg, den 23. Februar 1929. Freiherrlich Schencksche Oderförsterei. Tüchtiges MW Altin L März b. gut. Gehalt gesucht nv» Mühlstr. 33 P. Wir suchen Attm baldigen Eintritt einen Lehrling mit böl erer Schulbildung. 1713D Selbstgeschriebene £fferten sind zu richten an HeyligenstaedtS-Tomp. Werkzeug-Maschinenfabrik und Gifcn- otcrtcrei A. G., Wichen. Gießener Pferdemarkt-Lose ä 1 RM. sind in Stadt und Land bei allen bekannten Lose-Verk8ufcrn zu haben und bei Lotterie-F.innehn er Buchae’-er, Utz,«» Blee 11. Daselbst 11 Lose für 10 R\L 28 Lose für 25 RM. solange pe- nflgend Vorrat. — Zh-hnng am 21. Mürz. 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Zusammenkunft auf der Straße Gießen—Steinbach am Waldausgang. B. Dienstag, den 5.2När; 1929, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 3, 4, 6 und 13 des Fernewaldes, Försterei Hochwart: 54,1 rm Eichenscheiter 2,0 rm Birkenscheiter 34,8 rm Eichenknüppel 220 Wellen Birkenreisig 2780 Wellen Ki'cfernreisig 860 Wellen Fichten- und Eichenreisig 13,4 rm Eichenstöcke 151 Fichtenreisstanqen 4. Klasse 118 Fichtenbohnenstangen. Zusammenkunft am Waldrand bei Abt. 6 (Fernewald) an der Bürgerschneise. Gießen, den 25. Februar 1929. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Rosenberg. Unsere Maschinen machen Sie leistungsfähig Fragen Sie bei Bedarf bei uns an Klein&Stiefel Maschinenfabrik, Fulda ÄC vienr'ag, 26. Zebruar 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 48 Drittes Blatt Nie Umstellung der Landwirtschaft im hohen Vogelsberg. Rachtem für den östlichen Teil des oberen Vogeisberges in einer am 26. Januar zu Hart- mannShain stallaehabien Versammlung die Regierungsvorlage über die Llmstellung der Landwirtschaft im hohen Vogelsberg zur Kenntnis der ansässigen Landwirte gebracht toorten war. um deren Ansichten und Wünsche entgegenzunehmen, fanD am Samstag, 23. Februar — wie gestern schon Iura berichtet —, zu dem gleichen Zweck die Parallelversammlung in ll l r i st e i n für den westlichen Teil des hohen Vogelsberges statt. Entgegen anders^ lautenden Behauptungen sei eingangs besonders be.ont, dah die Regierung von Anfang an den Plan gehabt hat, in Anbetracht ter schlechten Verkehrsverhältnisse, gerate des westlichen Teils des Vogelsbergs, zwei Parallelversammlungen abzuhaltcn. Da die Versammlung zu Ulrichstein in ter Hauptsache eine Wiederholung ter Hart- mannshainer Versammlung war, erübrigt es sich wohl, einen ausführlichen Tericht darüber zu geben. (Zur Information sei auf den Vericht ter Hortmannshainer Versammlung in Ar. 24 des Sieh. Anz. vom 29. Januar 1929 verwiesen.) Es wird darum im folgenden nur das fcstgehallen, was die Versammlung Reues in bezug auf die Darlegungen ter Sachverständigen, sowie auf die Ergebnisse in der Aussprache ergab. Vor ungefähr 200 Personen im Grohschen Saale konnte der Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell gegen 1 ällhr die Versammlung eröffnen, Trotzdem die Regierungsvertreter noch nicht alle zur S elle waren, da ein Auto im Schnee stecken gebieten war, trat ter Minister mit Rücksicht auf die Zeit in die Verhandlungen ein. Er begrüßte flunödjft die erschienenen Abgeordneten des hessischen Landtags, und zwar vom Landbund Dr. v. H e l m o l t und Fenchel, vom Zentrum Dr. Keller (Gießen) und von ter Sozialdemokratischen Partei Lux und Dr. Maurer, weiterhin den Kreisdirektor des Kreises Schotten, Dr. 2 a n n , die Vertreter ter Landwirtschaftskammer, an ihrer Spitze den Generaldirektor Dr. H a - mann und den Vorsitzenden des Landwirt- schaftskammer-Ausschusscs für Oberhessen Oeko- nomierat Breidenbach (Dorheim), und dann die zahlreich erschienenen Bürgermeister und Landwirte der in Frage kommenden Ortschaften. Gleichzeitig gab er bekannt, daß die Abgeordneten ter Deutschen Volkspariei und ter Demokratischen Partei auch einge'aten seien, sich aber entschuldigt hätten. Er streifte dann kurz das Mustergut der Landwirtschaftskammer, den Selgenhof, den er vorher besichtigt hatte, und beglückwünscht die Landwirtschaftslammer zu dieser Einrichtung. Er ging dann noch einmal ausführlich auf ten alten Generalkulturplan ein, der seinerzeit in einer „friedlichen Rebellion"^ in Gre- benbain abgelehnt worden fei. Die Gründe für d e damalige Ablehnung seien darin zu suchen, bah 1. durch weitgehende Aufforstung die an und für sich schon setzr kleine landwirtschaftlich nutzbare Fläche noch verringert werden sollte, 2. dah ein Gesamtprojekt zur Durchführung kommen und 3. dah es gegen den Willen und die Wünsche tei betroffenen Landwirte ausgeführt werden sollte. Diese drei Kardinalfehler vermeide die neue Regierungsvorlage. 1. Sie sehe keine neue Aufforstung vor, sondern suche die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, auch durch Beseitigung von Waldteilen, noch zu vergröhern. 2. Die Umstellung solle in Teilprojekten, und zwar auf 15 bis 20 Jahre verteilt, durchgeführt werden. Dabei könnten die einzelnen Gemeinten individuell behandelt und die Aenderungen und Verbesserungen von Fall zu Fall vorgenommen werden. 3. Die Durchführung des neuen Planes werde niemals gegen oder ohne, sondern nur m i t den beteiligten Landwirten durchgeführt werten. Der Minister betonte besonders, dah die llmstellung des oberen Vogelsberges nicht allein im Interesse der Landwirtschaft dieses Gebietes gelegen, sondern dah sie sowohl vom staatspolitischen, als auch vom gesamtvollswirtschafllichen Standpunkt aus eine Rotwendigkeit sei. Der Staat werde sicherlich selbst damit ein Geschäft machen. Weiterhin sagte er Die Unterstützung des Staates bezüglich des Absatzes der Produkte durch Gründung von Molkereien und Viehverwer- wertungsgenossenschaften zu.Der Minister hat die Gewißheit, dah ihn ter Landtag tei seinen Testrrbungen nicht im Stiche las'en wird. Darau, gab ter Minister den Vertretern ter Tehörten und ten Landtagsabgeordneten das Wort. Krcrsdircktor Dr. Jann-Schottcn begrüßte die Regierung und die Abgeordneten im Kreise Schotten. Er sagt seine Mitarbeit und feine llnterstühung als Selbstverständlichkeit zu und forderte die Bürgermeister und Landwirte ebenfalls dazu auf. Abg Dr. v. Hclmolt (Ldbd.) betonte, daß seine Partei den Minister jederzeit in ter Ausführu^ seines Planes unterstützen werte. Auch gla be er, dah alle Parteien der Regierungsvorlage ujre Mithilfe nicht versagen und daß jegliche parteipolitische Gejichtspunite ausgeschieden würden. Er begrüßte die älmstel- hing im besonderen als ein Mittel zur Begegnung der Landflucht. Abg Lux (Soz.) erklärte, daß auch seine Partei die geforderten Mittel bewilligen werde, da die Vorlage die vollswir.schall.iche Crsch.i ß_ng des cb reu Do- gelsverges bezwecke. In längeren Ausführungen zeigte der Redner die Erfolge der Landwirtschaft anderer Gebiete — u. a. auch des llniversitäts- versuchsgates „Unterer Hardthof" — in bezug auf Veredelung und Absatz landwirtschaftlicher Produk.e. Abg. Dr. Keller (Zentr ) Gietzcn wies auf die produktiven Leistungen der deutschen Landwir.schäft im Vergleich zu anderen Erwerbs» zweigen hin und versprach die Mithilfe seiner Partei. Der Generaldirektor der Landwirtschaftskammer Dr. Hamann beleuchtete die wichtigsten Gründe für die llmstel- lung und erinnerte daran, dah in anderen Gegenden Deutschlands aus gleichen Gründen sich die Umstellung. schon fast vor 133 Jahren vollzogen habe. Der Vogelsberg müsse das Reservoir und ter Lieferant der Gebiete werden, die keine Viehzucht. sondern nur Viehhaltung treiben t innen. Außer ter Schaffung von Grünland sei dazu aber auch intensive systematische Arbeit auf dem Gebiete ter Viehzucht notwendig. Er begrüßte es, dah die Umstellung nicht nach einem großen Schema, sondern von Fall zu Fall vorgenommen werden soll. OekonomicratBrcideubach,Borsitzendcrdcö Landwirtschaftskamuicr-Ansschusses rür Oberbessen erinnerte an die langjährige Arbeit der Landwirtschaftskammer zur Erhöhung und Hebung der Rotviehzucht im Vogelsberg. Er forderte ter- mehrten Schutz der landwir.schaftlichen Erzeugnisse durch den Staat. Darauf erwiderte Minister Korell, daß die neue Mahlverordnung des Reichsernährungsministers, wonach die Mühlen gezwungen sind, einen bestimmten Teil inländischen Getreides zu vermahlen, auf seinen Vorschlag hin erfolgt sei. Auch habe er die Wünsche ter Landwirtschaft in bezug auf Fleisch und Zucker in Berlin zur Geltung gebracht. Da inzwischen die Sachbearbeiter des Ministeriums. die Ministerialräte Becker, Hehl und Dauer, eingetroffen waren, erhielt Ministerialrat Bauer das Wort zu feinem erläuternden Vortrag über d i e Regierungsvorlage. Seine Ans.ührungen entgalten gegenüber seinen Ausführungen in Hartmannshain u. a. folgende neue Gesichtspunk e: Der Rückgang ter Bevölkerungszahlen im oberen Vogelsberg feit 1361 um rund 9 Prozent gegenüber einer Zunahme in Helfen um 65 Prozent ist sehr auffallend. Die Gründe für die starke Abwanderung sind in den verkehrten landwir schäft.ichen Betriebsmaßnah- men zu suchen. Durch Scha,fung von Silos kann sich der Vogelsberger Weidewirt von den ungünstigen Wittcrungsverhällnifsen zur Erntezeit unabhängig machen. Außerdem ist dieses Silagefutter als Saftsutter ein wertvoller Ersah der Runkeln und Kohlrüben, deren Anbau als durchaus unrentabel bezeichnet werden müsse. Dann setzte sich der Redner mit den gegenteiligen Behauptungen eines VortraaS. ter über da j gleiche Thema in Frankfurt a. M. vor Regierungsvertretern und Abgeordneten gehalten wurde, auseinander und bewies an Hand von einwandfreiem Zahlenmaterial die Rich.igkeit seiner Darlegungen. Die Zweckmäßigkeit und die Rotwen- digkeit der Anlage von Waldstreifen, um die Austrocknung des Gebietes zu verhindern, verneinte er vollkommen. Richt die Austrocknung habe der obere Vogelsberg zu befürchten, sondern im ©egenteil der übermäßige Feuch.igkcitsgehalt des Bodens sei zu beseitigen. Da durch Probemelken ter Riedeselschen ®utSter,-'~ll'tnq einwandfrei sefigeste li w rden sei. dah durch CEei’ e- gang die Milchmenge pro Kuh u.u Tag um durchschnittlich 3 Liter gegenüber der Stallhaltung gesteigert wurde, so forderte er u. a. die Anlage von gemeinsamen Weiten. Als Voraussetzung hier.ür bezeichnet er die Durchführung der Feldbereinigung. In ter folgenden Aussprache legte Bctcrinärrat Dr. Schmidt die Gesundheitsverhältnisse des Rindviehs im Kreis Schotten an Hand von statistischem Material dar und warnte vor einer staatlichen Bekämpfung ter Tuberiulofe aus finanziellen Gründen. Für unbedingt erforderlich hält der Redner die uncnigelt iche Beratung bei Stallneubauten, und er bat dies besonders bei ter Umstellung zu berücksichtigen. Landwirt Stein, Kreisvorsitzendcr des Landbundcs bemängelte u. a, daß die Regieren j die teruss- ständiscye (wirtscha.tspo.iiische) Ve..retung. also den Landbund, zu dieser Besprechung nicht ein* geladen habe. In längeren Ausübungen suchte er dann an Hand von örtlichen Beispielen zu beweisen, dah trotz genossenschaftlicher Verwertung und Veredelung ter Produkte doch keine genügenden Preise zu erzielen seien. Weiterhin beDas große Grauen. ZRoman von H. A von Byern. Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister Werdau. 16 Fortsetzung Nachdruck verboten Es war ter Abend des 19. Juni 1903 . . . Lind kein Ahnen kam mir, daß sich auf ten Tag vier Monate danach das Schicksal zweier mir so tieben Menschen er,üllt haben würde, dah ich es dann kennengelernt hatte: Das große Grauen. Schloß Terofal in der Oed, am 1. Sept. 1903. Mein lieber, guter Alter! Heute bin ich wirtlich in Verlegenheit, wie ich beginnen soll; denn ich muh Dir eine Absage schicken. Weiht ja wohl noch, dah wir für den Herbst ein Wiedersehen In Terofal ausg macht hatten und nun . . . Aber Du brauchst nicht zu erschrecken. Alterle, mit ter Sopherl und mtr ist s nichts, sind beide gesund und fidel, bloß seit acht Tagen bin ich nimmer zur Ruhe gekommen, ist nämiich ein „Bauernschreck' im Revier, ein Wolf, ter Fährte nach. Hast wohl nichts davon gehört in Deiner stillen Waldeinsamkeit, trotzdem sogar die hauptstädtischen Zeitungen drüber berichtet haben. Die Bestie hat mir das ganze Revier rog.ig gemacht, alles Rotwild versprengt, und ter Riki Pernegg mit feinen Leuten,, die ärarischen Beamten, ich und meine zwei Jager sind immer auf den Füßen. Haben aber nichts in Anblick bekommen. Manchmal findet man einen frischen Riß, oft ist wieder Ruhe, und wenn man meint: „So, schön, jetzt is dös Malellzvieh aus- gewechselt ' — ja, Schnecken, gleich sprk. s wieder! Zehn Pflw.d sicher habe ich abgenommen, bin hawete Rächte, ganze Tage draußen und grantig, grantig! Alterte, sei mir nicht böse, gelt ? Don einem Beisammensein hätten wir jetzt nichts, ich muh erst einmal wieder heraus aus ter Oed, Menschen sehen, nicht bloß Steiner und himmelhohe Berge. Ende Oktober fahren wir nach Kis- Erdö, da kommst Du dann zu uns, schießt Hirschen und Sauen so viel als Du magst. Mein Frauerl würde lieber heute als morgen packen, geht aber nicht, erst muh ter Bauemschreck her! Du, so habe ich mich nie geplagt um einen Löwen oder Leoparden. Weißt Du noch, wie ter „Ha- libi,“ ter Achenziöoy, mitten in der Rächt ins Zelt ko'.nmt: „atrnba, btoanal * Fünf Minuten später hat e- geschnallt, und am anderen Morgen haben wir den alten Mätznenlöwen gefunden, leider schon angeschnitten. Wenn ich bloß wüßte, wo das Teufelsvieh hergekommen ist! 1862 hat mein Vater ten letzten geschossen, vor 41 Jahren. Ist am Ende auch nur ein großer, verwilderter Hund, aber die Leute reden natürlich gleich allerhand ungereimtes Zeug, ci.i Werwolf, womöglich einer, ter mit dem höllischen Schürmeister in Verbindung steht. Sind halt Einödbauern, da kann man nichts machen, gegen die dummen Leute wächst kein Kräi terl. Sei nicht bös. Alterte, wenn ich schließe, ich toll wieder ins Revier, es läßt mir feine Ruhe. D' Sopherl läßt recht schön grüßen, und ich bin heute und allzeit in Treue mit Handschlag Dein Vinzenz. P. S. Du. der Keiler ist fein geworden, rein närrisch war das Frauerl vor Feeute! Rachdenklich faltete ich das Schreiben zusammen, da fiel aus dem Umschlag noch ein Zeitungsausschnitt heraus: „Bauernschreck. Unter dieser Bezeichnung macht in letzter Zeit ein starkes Stück Raubwild, das — wie Kenner versichern — ter Fährte nach nur ein Wolf fein kann, in ter Gegend um Rhei- derspitze und Hochkegel viel von sich reden. Außer zahlreichem Nutzwild wurden auch mehrere Stücke Jungvieh gerissen. Hoffentlich gelingt es bald, des sagenhaften Untiers, das für die armen Ein- ööbauern zu einer wahren Landplage geworden ist, habhaft zu werden." Ra. also da hatte ja nun auch Terofal in ter Oed seine „Sensation". Seltsam, wie zerfahren ter Vinzenz diesmal schrieb, so gar nichts Persönliches, wie jemand, der einen Brief mühsam zusammengestoppeit. um — die Hauptsache nicht sogen zu müssen. Denn irgend etwas stllmmte da nicht; das las ich auS ein paar Worten heraus: „Ich muh erst einmal wieder ra^s aus der Oed. Menschen sehen, nicht bloß Steiner und himmelhohe Berg' . . .“ Eigentlich war es das alte G'sang'l, das ich nun schon kannte: zwei, drei Monate Cinödleben und dann ein fast krankhaftes Reisefieber. Aber lange konnte es ja nickt dauern, bis der „Bauemschreck' zur Strecke Tarn, und Frau Sopherl würde, wie ich sie kannte, von früh bis abends im Revier sein — wehrhaftes Wild zu jagen, das war so etwas nach ihrem Geschmack! Die Tage vergingen, und ter September neigte sich seinem Ente zu. Stare und Störche waren nach Süden gezogen, in frost stillen Räch'en fang das Trompeten der Kraniche und der Auenwald prangte in seinen leuchtendsten Farben. Früh und abends pirschte ich auf den Geweihten. tagsüber hatte ich mit Hü-versuche und Krästenhütte genug zu tun, denn der Habicht strich und der W'nterfa I. Vis in den Oktober hinein hielt das klare, schone Wetter an. dann sprang der Wind nach Rordwest um, peitschte schwere, graue Wolkenmassen vor sich her, fuhr johlend in das sparrige Unterholz, die knarrenden Kronen des achtzigjährigen Bestandes, pfiff um Zinnen und Erker, rüttelte an den Fensterläden und brachte Regen, Regen, Regen. Da gab's stille Zeit. Tagsüber wurde gedroschen, und abends laß ich am Kaminfeuer, las in einem guten Tuch und blickte immer wieder einmal hinüber nac; den vier braven Geweihen meiner „Diesjährigen". Endlich ließ die Sintflut nach. Zwar rann es noch von allen St ä ch rn und Bäuiren, ingrjfcea Lachen stand die ie._,mfarbene Brühe auf dem Hof, füllte alle Abzugsgräben, ließ ten trägen Mühlbach zu einem Fluh anschwellen, aber hinter dem Hochwald blaute doch schon toiever der Himmel, lachte die liebe Sonne. Alle Leute auf Die Felder! Letzi gab's Arbeit in Hülle und Fülle! Kartoffeln und Rüben mußten eingebracht werden, dazu die Herbstbestellung, ehe der erste Schnee kam, ich wußte kaum, wo mir der Kopf stand. Und mitten in diese Hetzjagd hinein platzte am 10. Oktober ein Telegramm. Abends sand ich es vor, als ich todmüde heimkam: „Ditte, kommen Sie, wenn möglich, sofort, bin in großer Sorge um Vinzenz! Ihr Besuch muh aber wie unabsichtig ausfehen. Rechne bestimmt auf Ihr Kommen und Ihre Freundschaft. Sophy von Andrian." Was zum Teufel mochte da vorgefallen fein?! Mein erster Gedanke war: nochma.ige Anfrage. Aber ebenso schnell verwarf ich ihn wieder: „Tin in großer Sorge um Vinzenz, rechne bestimmt auf Ihr Kommen und Ihre Freund- schuft." Rein, das Vertrauen Durfte nicht getäuscht werden! Da schienen also auch ter Riki Per- negg und ter Poldi Pürkstein nicht aushelfen zu können .... Roch an demselben Abend packte ich meinen Koffer, ließ die Büchse hübsch daheim — denn das hätte Verdacht erregt — und fuhr am anderen Morgen nach München. Eine Ausrede lieh sich schon finden — natürlich, ich hatte mir auch mal Die vielgerühmte Oltobertoiefc ansehen wollen, und von Bayern hinüber nach Tirol war's ja nur ein Katzensprüngeri. Ein Schnürlregen begleitete mich bei Der Fahrt hinein in Die Berge, und ich konnte nichts Besseres tun, als auf Vorrat zu schlafen, eine Fähigkeit, die jeder Jäger besitzen sollte. So, nun hatte Der Vinzenz wohl schon meine Depesche, würde vielleicht selbst an Die Bahn kommen, um mich abzuholen, und gähnend kramte ich meine sieben Sachen zusammen. ein Pfiff, stuckernde Weichen — richtig, Da stand das Schnauserl und neben ihm Frau Sopherl in einem gelbbraunen Gummimantel, Die Leterkappe ein wenig kokett auf das vom Wind zerzauste Blondhaar gerückt. „Grüß Gott, gnädige grau, und höchstselbst holen Sie mich ab?l" tonte er, dah die Unkosten der Feldbereiniaung nicht Den an und für sich sehr niedrigen Wert tes Grund und Bodens übersteigen dürfen. Seine Mitteilungen, dah, trotzdem jeg.icher Ertrag ter Landwir.schall im oberen Voge.soerg sehll. doch eine Erhöhung deS Steuerwer.es durch die Ein- heitstewertung. in manchen Fällen im Vogelsberg um 10J Prozent, oorgenominen worden sei, rief lebhaftes Erstaunen in ter Versammlung hervor. Minister Korell versprach sein Eintreten beim Landessinanzanll in dieser Sache, und glaubt auch bald Die Möglichkeit zu haben, die Kosten Der Feldbereinigun. gen durch Gewährung eines geringen Zinssatzes ten Gemeinden erträglich zu machen. Abg. Lux (Soz.) betonte nochmals, dah das Projekt von allen, ohne Ansehung der Partei, gelottert werden müsse. Er bezweifelte Die Leistungsfähigkeit ter jetzigen, schon bestehenden genossenschaftlichen Gebilde. Tie höhere Steuerveranlagung des Vogelsberges bezeichnete ter Redner als eine Ungeheuerlichkeit. Abg. Fenchel (Ldbd.) wies darauf hin, dah die Umstellung im richtigen Sinne auch von allen Landwirten richtig verstanden werden müsse und dah deshalb noch Au,klärung notwendig sei. Er warnte vorläufig vor Reugründungen von Molkereien usw. Da Die in Betracht kommenden Gemeinden bis auf geringe Ausnahmen noch keine Parzellenvermef- fung hätten, so seien die Kosten hierfür vom Staat zu tragen. Auch er forderte die gesamte Landwirtschaft zur regen Mitarbeit an dem Projekt auf. Minister Korell gab feine Bestrebungen zur Einführung von geeigneten Rebenverdicnstmögllchb.i en be.annt, die aber leider noch zu keinem befriedigenden Eraeb- nis geführt hätten. Er wies auf bte Rotwendigkeit Der Aufklärung der städtischen Verbraucherschaft hin und stellte fest, dah ein angemessener Verkausswert der deutschen landwirtschaftlichen Produkte nur in gemeinsamer Arbeit zwischen Stadt und Land erreicht werden könne. Bürgermeister Appel-Nlrichstein betonte, dah bei dem neuen Plan in erster Linie Der Landwirt und nich., wie früher, Der Forstwirt das Wort habe. Er zeigte an ten örtlichen Ergebnissen des Weideganges. wo eine Durchschnittszunahme pro Stück von 131 Pfund erreicht wurde, Den Erfolg einer rationellen Weidewirtschaft. Die Feldber einig rngskosten dürften nicht zu hoch werden, deshalb sei auch er für ein vereinfachtes Verfahren. Landwirt Fischer-Sichenhausen wies nochmals darauf hin, dah nicht parteipolitische, sondern nur volkswirtschaftliche Grünte bei Der Lösung der Frage mahgebend sein dürften. Rach weiteren Ausführungen von Bürgermeister Appel u. a. Rednern konnte Minister Korell gegen 5 Uhr das Schluhwort sprechen. Er betonte, daß er auch hier, wie in HartmannShain, den Eindruck gewonnen habe, daß die beteiligte Landwir.schäft von Der Rotwendigkeit Der Umstellung überzeugt und zur tätigen Mithilfe bei Der Regierungsvorlage bereit fei. Ein solch großes Werk beDürfe aber in hohem Maße gegenseitigen Vertrauens. Mit Dem Wunsche, daß Die hier vorgetragenen und gutgeheißenen Pläne der Regierung dem Vogelsberger Bauern bessere Zeiten bringen möchten, schloß der Minister mit einem Hoch auf Die hessiiche Heimat Die Versammlung. Sie versuchte ein Lächeln, das ihr nicht so recht gelingen wollte. „D'r Vinzenz is' halt toieter draußen, lauft von früh an im Revier umananD . . . .“ ..Also lebt Der „Bauemschreck" noch?" „Vorgestern hat er ein g ringes Hirsch l griffen. Drüben beim Riki Pernegg . . ." „lllnd Sie haben auch noch kein Weidmanns- heil gehabt, trotz Ihres berühmten Anlaufs?" „Aus an Wolf schieß i nit.“ ..Ach ja, ich entsann mich, Das waren ja Die betonteren Schützlinge Der Gnädigsten — eine etwas sonderbare Zuneigung . . . Der Maybachwagen raste los in Die brodelnde, gischtende Rebelwand hinein; wie spitze Radeln stach im scharfen Luftzug ter feine Sprühregen in Gesicht und Hände. Dann kam ein Hohlweg, und jetzt, wo sich die Eeschwurdigkeit des Kraftwagens allmählich verminderte, versuchte ich ein Gespräch in Gang zu bringen. „Ist ter Vinzenz krank?" „Krank — ja — vielleicht . . Sie sagte das leise, in einem merkwürdig müden Tonfall und Dann mit einer plötzlichen Bewegung nach meinem Arm: „Ich bin in Sorg' um ihn, großer Sorg' . . .!" „Das depeschierten Sie schon, gnädige Frau." Eine Pause, toäfjrenD Deren die Regentropfen gegen das Schuhglas trommelten und der Motor fein eintöniges Lied fang urtD summte. Ich brannte mir mit Dem Luntenfeuerzeug eine Zigarette an: „Gibt sein körperlicher Gesundheitszustand Anlaß zu Bedenken?" „Rein, obwohl — ein bisserl schmal ist er g'wor- ten, aber Da wund'r' ich mich nit, hat ja kein Ruh' bei Tag und bei Rächt." — „Hm — allo hat der Vinzenz Wohl wieder seine spinnete Zeit?" Sie zuckte Die Achseln: „So nennt er's — ja und . . . und ..." — ein paar dunkle, von aufftoigenten Tränen § albte rfd) leierte Augensterne blickten mich an: „In mir ist oft so eine Angst, ein Bangen, ich weih nit vor was und weih nit warum . . ." ..Liebe, gnädige Frau," ich nahm das Heine Häuters in meine große Prah'n, so wie man ein Kind tröstet: „Das sind Sllmmungen. Sie müssen hier heraus aus der Llbgeschiedenheit, müssen Menschen sehen, mit Denen Sie lachen können, diese ganze Umgebung ist nichts für Sie!" ..3a, ach ja! Wenn nur Der Vinzenz wollt'! Hundertmal wohl hab i’ ihn gebeten: „Tu's mir zu Lieb', und er . . . er . . .“ „Lassen Sie das alles nur meine Sache fein. Da muß man stärker beschwören, ich kenne seinen Dickschädel." „Wenn Ihnen das gelängst" (Fortsetzung folgt) Wirtschaft. DersteisterGeldmarkt. Wenn in der vorigen Woche noch von dem Dorliegen einer großen Geldabundanz gesprochen werden tonn le, so haben sich mit dem Eintritt des Medio und damit in der abgelaufenen Be- richtswoche die Vorhältnijse fejr verändert. 2ln die Stelle der Geldfülle ist eine über die Anforderungen des Medio hinausge^enae Verknappung desGeldmarktes getreten. Der Sah für Tagesgeld stieg aus 7'/- Prozent, unter diesem Sah war Geld kaum zu Haden. 2lm Privatdistontmarkt muhte eine mehr.nalige ei hierbei Voraussetzung, daß es der Firma gelänge, den von der Stadt Heidelberg erbe enen we tr.em K e it von >» ne. Will on War. zu bekommen, und daß es ferner möglich sein werde, durch neue ALirnausgabe weiter»» Mittel zu erhol en. Eine neue außerordentliche Gmeral- versammlung soll auf den 2l.Würz einberufen werden, der die Zusammenlegung der Vorzugsaktien A und der S.ammalt.en im Drrhäst..is 10:1. der Vorzugsaktien B im Derhällnis 5:1. ferner die Umwandlung beider Vorzugsaktiem- ga tun gen in Stammaktien, sowie Wie'ererhöhung des Aktienkapitals um bis zu Ich Mill. Mark vorgesch'aze.i werden. Verhandlungen liefen d:r ilc&crnajme neuer Qlftien le e.t im Gang». Auch seien einige Interessen.en g» unden, die einen be- stimmien D t ag des neuem Kapitals übernehmen wollen. Es sei zu hoffen, daß die Darlehensverhandlungen mit der Stadt Heidelberg zu einem guten Ende führen und die weitere Sanierung gelingen werde. ,vrarrk?urter Börse F r a n k f u r t, 26. Febr. (Eigener Drahtbericht des .Gieß. Anz.") Tendenz: zurückhaltend. — Die freundliche Stimmung der gestrigen Olbendbörse konnte sich zu Deginn des heutigen offiziellen Marktes nicht forksetzen. Obwohl der gestrige Prämiene.k ärungsiag gatt überwunden wurde, zeigte die Spekulation große Zurückhaltung und die Tendenz neigte ejer nach unten. Zur allgemeinen Verstimmung trugen vor allem die weiter bestehende Order ursigkeit und der uneinheitiich-e Der'aus 6*r gestr'grn Deuhor- ter Dörse bei. Material kam jedoch nur in sehr geringem Umfange an den Markt, so daß bei der Ausnahmeunlust die Kursverändcrungen klein blieben. Trotz des morgigen Zahltages nahm das Publikum kaum mehr Verkäufe vor. Gegenüber der gestrigen Olbendbörse gingen die Verluste kaum über 1 Prozent hinaus. Dur am Kalimarkt waren Aschersleben mit minus 4,5 Prozent stärker gedrückt. 2,4 Prozent schwächer lagen am Elektromarkt Schuckert, A. E. G. zirka 1,5 Prozent, Licht und Kraft und Siemens je ein Prozent. Dei geringen Umsätzen blieb das Geschäft klein. Für Goldschmidt bestand mit plus 1 Prozent einiges Interesse. Der Wontanmarkt zeigte weiter eine gewisse Widerstandsfähigkeit, doch blieb der Geschäfisumfang auch hier eng begrenzt. Der Gesch stsabs luß des Dorddeutschen Lloyd halte w'iteres Zn..resse für dieses Papier mit plus 2,5 Prozent zur Folge. Hapag dagegen nur kncpu gehalten. Von Dankwerten Dresdener Bank 1 Prozent höher. Dei den übrigen Aktien dieses Mark es betrugen die Verluste nur Bruchteile eines Prozentes. Denten ftilL Don Ausländern Anatolier etwas schwächer. Zolltürken weiter gefragt und gut behauptet. Auch H Verlauf : s r'tt die Sp kulrt'o i zu Ire taten Abgaben, und es traten auf fast allen Märkten erneute Rückgänge bis zu 1 Prozent ein. Behauptet blieben dagegen Schuckert und Dorddeutscher Lloyd. Svenska büßten bis zu 5 Mk. ein. Am Geldmarkt erfuhr Tagesgeld mit 6.5 Prozent eine weitere Verknappung. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.214 250, gegen Pfund 20,4-15, London-Kabel 4,8323, gegen Paris 12ILO, gegen Mailand 92,63, gegen Madrid 31,50, gegen Holland 12,1150. ‘oerliiir Börse. Berlin, 26. Febr. Die cher freundlichere Stimmung auch des heutigen Vormittagsoerkehrs ging, ebenso wie gestern, an der Börse selbst wieder verloren. Das nach festerem Beginn wieder unregelmäßige Neuyork, das schwächere Paris, die wahrscheinliche Preisgabe eines Teiles des Transfer- scyutzes, die immer noch ausblcibende Entscheidung der Deutschen Dolkcpartei, Gerüchte von einer bevorstehenden Diskonterhöhung in Holland, verstimmten und mahnten zur Zurückhaltung. Wieder lagen bei den Banken nur wenig Orders vor, und das Geschäft blieb daher ä u ß e r st st i l l. Die Spekulation war auf sich angewiesen und wurde unsicher, als sie merkte, daß an einigen Märkten noch Ware herauskam. Ganz war der heute hinzukom- mende Report bei den ersten Notierungen allerdings nicht immer verloren gegangen, die festeren Kurse des Vormittags behaupteten sich aber nicht. Ein Fehlen der Limite trat heute nicht in Erscheinung, da bei den Danken angeblich nur wenig zu tun war. Ein Vergleichen der Kurse mit dem gestrigen Schluß zeigte ohne Berücksichtigung des Repor- les kein einheitliches Bild. Ausgesprochen schwacb lagen Polyphon mit 348 v. H., die vormittags noch mit 358 umgegangen waren. Auch Kaliaktien verloren teilweise über den Report hinaus. Man sprach hier von Austauschoperationen alter gegen junge Aktien. Chemie Heyden verloren 6v. H., bei ziemlich ftariem Angebot seitens einer Großbank. Man wollte von einer eventuellen Dioidendelosigkeit wissen. Charlottenburger Wasser wurden heute exklusive Dividende notiert. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer behauptet, teilweise etwas befestigt. Psandbriefmarlt geschäftslos. Liquidations- Pfandbriefe und Anteile eher angeboten. Geld war weiter angespannt. Tagesgeld 6 5 bis 8,5 o.H. Die übrigen Sätze blieben unverändert. Im Verlaufe gingen die Kurse ziemlich einheitlich auf allen Märkten 1 bis 2v. H. zurück. Svenska verloren angeblich auf Auslandabgaben 3,50 Mark. , int ii ■ i' x-.."- 'böric. Frankfurt a. M., 26. Febr. Der heutige Produktenmarkt verkehrte in ruhiger Haltung. Die schwaderen Auslandnotierungen hatten eine große Zurückhaltung bei den Händlern zur Folge. Das Geschäft bewegte sich daher, und im Zusammenhang mit dem erneut stärkeren Frostwetter in äußerst engen Grenzen. Das Angebot war jedoch weiter sehr gering. Am Futtermittelmarkt bestand für Mais für Futterzwecke weiter lebhafteres Interesse. Auch nahm heute die Landwirtschaft in Roggen- flrie vermehrte Interessenkäufe vor. Das Mehlgeschäft blieb klein und hatte kaum Umsätze zu verzeichnen. Somergerste war in etwas stärkerem Maße angeboten. Es wurden notiert: Weizen 24, Roggen 23,75; Sommergerste für Brauzwecke 24 25 bis 24,50; Hafer, inländischer, 24 50 bis 24,65; Mais (gelb) für Futtcrzwecke 24 25 bis 24,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 34 bis 34,75; Roggenmehl 30,75 bis 31.75; W-izenkleie 14 25; Roggen- kleie 15 bis 15,25 Mark. Tendenz: ruhig. Kunst und Wissenschaft. Der neue Frankfurter Opernintendant. Wie aus Breslau gemeldet wird, hat der Verwaltungsrat der Breslauer Stadtthcatsr- G. m. b. H. beschlossen, dem Anträge des Intendanten, Professor T u r n a u , auf Entlassung aus seinen vertraglichen Verpflichtungen mit Ende dieser Spielzeit zu entsprechen, um ihm die Annahme seiner Berufung nach Frankfurt a.M. als Intendant zu ermöglichen. Auch die städtische Theaterdeputation in Breslau hat dem Ausscheiden des Intendanten zugestimmt. Professor Turnau wird am 1. August sein Frankfurter Amt antreten. „3m We e r nichts Neues." Von dem Kriegsbuche „3 m Westen nichts Neues" von Erich Maria Demarque, das kürzlich im .Gieß Anz." ausführlich besprochen wurde, sind jetzt, wenige Wochen nach dem Erscheinen, bereits mehr als 100 OOO Exemplare abgeseht. Eia neuer Dowan von Clara Diebig. „Sie mit öen tausend K i n dem" nennt sich der neue Doman von Clara Viebig. der demnächst bei der Deutschen Veriags-Anstall in Stuttgart zur Ausgabe gelangen wird. Büchertisch. — Die Alttestarnentliche Wissenschaft in ihren wichtigsten Ergebnissen. Von Professor D. D. Kitte'. Fünfte auf8 neue durchgearbeitete Auflage. Mit 14 Tafeln und 21 Abbildungen im Text. 3n Leinenband 6,80 Wk. Verlag von Quelle & Meyer in, Leipzig (32). — Dieses Werk, das ein ungemein reiches Material umsch.ießt, vermittelt in verständlicher Form die Grundzüge alles dessen, was die alttestamentliche Forschung zutage gefördert hat, und was durch Ausgrabungen seine Bestätigung oder Erweiterung findet. Was uns das Alte Testament überliefert, wird in diesem Buche gesichtet, auf seine historische Glaubwürdigkeit oder seinen legenden- und sagenhaften Charakter geprüft. Forschungen an Ort und Stelle, Literarkritik und Deliglonsgeschichte liefern die Mittel, die dem Verfasser seine kritische Darstellung ermöglichen. Und so bart der Verfasser Stein aus Stein und gibt seinem Leser einen Urberblick ület die gesicherten Ergebnisse alttestamrntlicher Wissenschaft. — Albert H. Dausch: Märchen unter Palmen. Declams Univer'albiblioihek Dr. 6932. Geh. 40 Pf., g-5. 80 Pf. (823). — Diese beiden wundervollen, farbenprunkenden Wlirchen. Schöpfungen einer der echtesten Dichter die'-rr Zeit, haben den Süden zum Schauplatz. Sie fügen sich denkbar volllommen den Dahmen ein, in die Dausch sie spannt: Daö erste, die bezaubernde Geschieh e der Freundschaft zwi'chen dem Prinzen 3uifuf und dem armen Abdullah (vor einiger Zeit in unserer LInterhaltungsbeilage erschienen), legt der Dichter einem arabischen Märchenerzähler in den Mund, den er während einer Oasenrast trifft. Das zweite wird während einer mondänen Aoendge e lschaft erzählt; es e.eignet sich im Palermo der Dormannenzeit, i.i das der vertriebene Erbe des by.antinischen Kaise.thror.es gelangt, und das er sich durch seine edle Anmut unterwirft, wo.«; der Dichter die Frage offen läßt, ob es sich um den echten Prinzen oder einen untergeschobenen handelt. — 3ohn Giäver: Der Unhold. Eine' Erzählung aus der Wildmark des Do.dems. Aus dem Dorwegifchen übertragen un's mit einem . Dachwort versehen von Hermann Döhler. Declams älniv.-Bibl. Dr. 6935. Geheftet 40 Pf., gebunden 80 Pf. (822) — Wer in einsamer Dachr- stunde dies Buch zur Hand nimmt, dem zaubert 3ohn Giäver alle ‘ Wunder und Schrecken der Ari.is in dir Siube: das blutro.e, unhrilver- kündende Brennen das Do-'dllch4rs, sein Kniltern und Dingeln am Himmel als gelbes Geisterband, das unheimliche Krachen und Eisknirschen im Wald, den Schrei der Daubvbgel und das Heulen " der den Mond anbeleirden Wölfe. 3o)n Giäver ist der neue SHllderer des höchsten und geheimsten Dordens. Hermann Döhler hat ijn mit feinfühligem Verständnis für seine Wesensart verdeutscht. — Deutsche Wirtschaftsgeschichte der Deuzeit. Don Prv.essor Dr. Th. Mayer. Wrssenschast und Bildung. Gebunden 1,80 Mk. f Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig (416). — Mit dem Erscheinen dieses Bandes bringt der Verfasser seine gros.ange egte Deutsche Wirt- scha.tsgefch.chte des Mittc-.alters und der Deuzclt zum Abschluß. Damit ist auf knappstem Daum eine trotz der Fülle des historischen Stoffes klare und übersichtliche Darstellung der ge amten wir tscha strichen Entwicklung Deutschlands gegeben. Der vorliegende Band schildert die kapitalistische Bewegung im 16.3ahrhundert (den Frühlapi- ta.ismus), den Merlanti.ismus des 17. und deS 18. Jahrhunderts mit seinem obrigkeit.ichen Wohlfahrtsstreben sowie den gewaltigen Aufstieg im 19. 3ahrhundert. Alle heute mehr denn je brennenden Fragen sehen wir in ihrer historischen Gntwichlung uni) Bedingtheit au gezeigt, wobei interessante Streiflichter auf die oft ganz andersartige Entwick.ung in außerdeutschen Ländern fallen. — Hermann Sörgel: Verirrungen und Merkwürdigkeiten im Bauen und Wohnen. 93 Seiten 8° mit 85 Abbildungen. 3. M. Gebhardls Verlag. Leipzig 1929. (736) — Das Buch, das vor allem durch fein gut aus gewähltes Abbildungsmaterial aufk.ävend und erzieherisch zu wirken bestimmt -st, bringt eine Menge interessanten und zum Dachdenken anregenden Stoffes zu einem Thema bei. welches auf den ersten Blick ein wenig ausgefallen erscheint, in seiner historischen wie aZ.ueTIen Bedeutung jedoch durchaus eine zusamrnenfassendr kritische Betrachtung verdient, wie fvr der Verfasser, Rrgierungsbaumeister in München, hier vorlegt. Insbesondere die Kapitel 6 bis 10 des zweiten Teils dürfen der Beachtung auch eines nicht fachlich eingestellten und geschulten Leser- krcises manche Anregung vermitteln und auf bisher kaum beachtete Parallelen — etwa zwischen Architektur und Literatur — aufmerksam machen. — Schönes Auto-Llnfall-Dapport. Von Kurt 3. Schöne. Verlag von Trommer & Co., Leipzig C 1. Preis kartoniert 3 Ml. (410). — Schönes Aulo-^lnfall-Rappvrt enthält notwendige und wissenswerte Dinge über den Kraftfahrzeugverkehr, die internationalen Verkehrszeichen, die polizeilichen Erkennungszeichen, Fahrt- und Sicherhciisanwcisungen der verschiedenen Länder, Derzichtvordrucke für Mr neh- mer-Gäste u. a., vor allem aber sehr durchgc- dachte Formulare zur Aufnahme der Tatbestandmerkmale, die von Verlehrs-stleberwachungs- organen und allen Beteiligten an Ort und Stelle benutzt werden können, um die Einzelheiten des Unfälle dauernd und beweiskräftig festzuhalten. — Bücherei für Leibes Übungen: Methodik des Schulturnens in Crund- zügen. Don Direktor Dr. E. Deuendorff. Kartoniert 3 Mk. Turn- und Deckspiele. Don Turn- und Sportlehrer A. Gröger. Kartoniert 2 Mk. Körperschule für das Knaben- turnen an Dolts-, Mittel- und höheren Schulen. Don Turn- und Sportlehrer E. Eick. Kartoniert 3.20 Mk. Derlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (468—470). Ein sprechender Beweis für die Vortrefflichkeit der Bücherei für Leibesübungen ist die Tatsache, daß gleichzeitig drei d'.L'er reich ausg^stattLten methodischen Heftchen in neuer Auflage erscheinen. Deuendorff, der Direktor der Landesturnanstalt, nimmt in seiner Methodik in wohltuend frischer Art zu allen brennenden Fragen der Leibesübungen Stellung. Zu einem frisch-fröhlichen Turnen regt Gröger in feinen Turn- und Deckfpielen an, die in allen Schulgattungen durchgesührt werden können. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Dantnoten beschlossenen Dividende an. — DeichSbankdislont 6,5 Prozent, Lombardzinsfuß 7,5 Prozent. Sebi.enmaift Berlin-Frankfurt a M. Telegraphische Auszahlung. 4,211 58.42 112,37 20,47 Die hinter den Papieren angefühnen Ziffern geben die Höhe der 'jy riri, '-’S. ■'yc nid' i...r,.unua)t ‘-Moren . '•etflifefie Biotin ... DantlLe Noten .... Englisch« Noten.... »' elb 4,191 58.18 111.13 20,39 Berlin, 25 ft.-bruar t4elo ibricf tfr.aujüiiia)« Norm..... .vollänöddK Vieren...... lienische Noten...... Norweaische Noten...... 16,43 168,18 sslls 168,68 22,11 22,19 111,93 112,37 Deutsch Tcsterr,ilOOflronen 59,98- 59,32 Numäni'che Noten...... 2,495 2,515 schwedische Not->n...... 112,15 112.59 Schweizer Noten....... 80.85 81.12 Spanisch: Noten....... 65.16 65.34 Ttchechoilowaklsche Noten . . 12,40 12,55 Ungarische Noreu..... 73,20 73,50 .tranlfun a.M. | Berlin Frankfurt a.M. | Berlin ©Üiluf)'1 Kurs 1 i-Uilt- Kurs Cch.uk» fiuro Anfang Kurs Schluß- Kurs 1 Ubr- Kurs Lchluh. Hure An lang Kurs Tarum 25.2. | 26-2- 25.2. 26.2. Tamm 25 2 26 2 25.2 26-2. 5% T>l. 8iJ*eanleit)e >. iv^. 87.4 — 87,5 — ..................f 167,d 166 165,13 166,5 $•. ’2(nl.-Vlb.L’i.-'ed)ulD mit '21 ue Bergmann.........f — 204,25 201,25 204,25 .0,.'Rechten....... 54 54 54,1 tilcltt. Lieferungen.....1' —- — 160 162,5 Te nl. ohne Äuelos.-Nechte . 7% .vrantf. Hnp.-Bl. Gvldpj. un 13.13 —— 13,4 13,2 Licht uno Krall......>' 206,75 209 206,5 209 gelten & Guilleaume.....< C4ef. f. Glcitr. Untern..... 1° 137 —— 136,5 136,5 ünobat btc 1032. 90 — — 232,5 230 — 4V,% iHbcinüd« Hov.-Banl Vlau Hamb. (Jlel!t. Werle .... lc — —- 144,75 — öi.lBpf......... y. i.®. abfl. PortdeotfCbltflaHon 81,5 — — Rhein. ILleltr.........' 3d)le|. Oelrt.......V1 — — 164 200,75 164 ruajaWbar 1932 86,5 — — — 3dtudeti ... ...... f :24 221,6 220.5 222 4"o schwer. töunOMb.-am.. . _ —— _ _ /z% vesgl. von lt>13 . 4% Ungarijche fironeurte.. . 22,9 2,2 — 22,9 ',25 2,2 Gelsenttrchener ... t. V* 9- 4 Harpener..........1 Hoesch irilen.........6 3He Bergbau........6 130 136,5 — 129,25 136,25 130.25 4% Tun. ZoUanieche v. 1011 . 10.75 10,75 10,9 10,9 121 — 4% Türliiche ivagvadbahn-Anl 10.3 210 — 208 211 Serie 1......... — —— Mlodnerniet’.c........' — >05 105,5 4% veogl. Serie 11..... 10,4 —• 10,9 10,75 Küln-Neuejjen........0 — 120 — 4% Rumänen eonveN. fRte. . . 4yt% Rumänen Koldanl. von 1918 8.9 18,6 — 18,7 Mannesmann........k ManSseiber.........' Cberidtlej. Eisenb. Bedarf. . . t 123 111,25 122,75 121 111 123 113 — — 91,75 91,75 «11g. Deukiche ikitenbavn . . *Vi —» — — Cberidjlei. Kokswerle.....< — — 99,13 99,6 ßamburfl-ilmerita Palet . . . ts i25,5 125 123,75 125,25 Phonir Bergbau.....5’ 96,25 — 95,75 — jtamb.-SÜDam. lamvild). . . 8 — — 177 180,5 tliheinifche Braunkohlen... V '»82,5 — 280,75 125,5 284,5 Hania Dampsichiss . . 10 Rorbveutscher Lloyd.....8 — — '65,3 ‘66,5 Nheinllahl ■ f. % Jahr 41 127 126,5 126 — 125,75 123 125 ■Rlebed Montan......7. — — 140,5 — AUg. Deuyche Creviranft. . 10 o9,5 — 39,5 14 j bereinigte Stahlw...... — — 97,5 98 Bunter Banlocrelu .... >< 140 <— i39,a 14') _ lavi Minen.......8 ' — £7,9 66,75 67,25 Berliner Hanvelogeielllch. • ■ 18 — — 26,3 229 lall 91 chersieben.....> 11,5 207 2G9 206 Lommerz- uno Prioat-Banl . 11 i98 93 ,9b,u '9 'tat L. esle cge!n......I 417 .12,5 212 u. National baut . • U 76,4 73,- 76.7 -laltrocrf Galttbe' urb ... 1 316 — 311.6 .11,5 Dettlsche Bant .....10 I7U •- 169 17. 3 i"rarben .gtnbu ilrie ... 1 .46,75 46 ’4.,75 246 tfc'tonio.tileleUWi Änt. . . 10 164 ,63,5 . '64.5 Tnnamlt '»cbei.......- 114,75 Dresdner Gant . . 1° 62 170 168 170 Lcheioeansteit........ t 171,5 171 $HttelBcutfdw Uiebttban! ... 9 — —- 195.75 Goldschmidt ..... 4 86,5 7,5 86,75 86,75 Metallbau!...... 8 127 126,50 126 Mütfletiroerfe........k 83 92,5 92 93,25 Seid)8ban! ..•••••• 18 297,25 299.9 Metallgeielllchaft......11 Frankfurt a. M. Berit» Schlust,- Äure ' Ubr. Kurs eonbard Ilen • • - . f —• — 261 5 264 Bamag-Meguin . . . Arants. Maschinen . . • • e . 0 . r 62 61,5 61 — "Iripner...... it 104 103 — Henligenslaedt . . . • . < 15 — — — Iunghans...... • • • . 4 73 — 73 — Leckiverie...... • e • . fr — — — Mainkai lwerie . . . ■ • . fr — — — —— Miag........ • . • 1' — — 142,75 142,5 Velarsulmer . . . . e • • . fr 25,75 26 25,75 — Beiers Union . . . • • . fr 102 — 103,5 — Gebr. Roeder . . . . ir — — — Boigl 6 Haeiiner . . e . • . fr 212 — 212 Tüdd. Zucker .... • • • . fr 144 135 144,75 -* 25 Ke.rnar 26 Rcirucr Am liche 'Jioneiuiifl Ltutk.tche Nolieruna Weib Btte i-Aefb '268.63 168.97 Bun.-Aires 1,771 1,77o 1.770 1.774 ^ril- Antw 58,44 58,56 58.47 58.59 Christiinia - 112,23 112,45 112,27 112,49 Nop.'Ni'Ng.'N 112,23 112,45 112.25 112,27 Slockboltn . 112,44 112,66 112,49 112,77 Helt'ingforS. 10,58 10,61 10,59 10,61 Italien. . 22,045 22,085 22,04 22,1’8 London - . . 20,42, 20,465 20,43 20,43 ‘.i.cutiort . . 4,2093 4,217«. 4,2100 4,2180 Poris. . . 16,435 16,475 16,45 16,49 Schwei, . - J0,935 81,195 80,96 81,18 Soa im. 64.95 65,09 65.13 65,27 Japan - - - 1.899 1,903 1,893 1,897 Hto d-' Jan J.501 0.503 0,501 0,503 Wie t in D-- Ceft. obfleft 9,14 59,26 59.18 19,30 Prag 12.48 12,5- 12.469 12,489 Bel; rab - 7.39J 7,404 7.39 7.40- Budav-1 . 73.34 73,48 73.36 73,50 Bul arten ..041 3,047 3,039 3.045 "'ssadon >8,58 18,62 13,53 18,62 Tont a - - . 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