Nr. 276 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Montag. 25. November 1929
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Umverfitätr-Vuch und Zleindruckerei «.Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.
Georges Clemenceau f
Tod waren beide Staatsmänner
geistig regsam,
Umfassendes Geständnis der Attentäter — Oie Feststellung des Bombenlagers.
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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher.
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Chefredakteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.
Clemenceaus und würdigen seine großen Verdienste um den Sieg der Alliierten. — „Times" nennt i h n und Foch die beiden Vetter Frankreichs. — „Daily Telegraph" sagt: Cr war der größte Franzose seiner Generation. „Daily Expreß" sieht in ihm die bei weitem hervorragend st e Persönlichkeit im öffentlichen Leben Europas seit Bismarck. — Die liberale „Daily News" erklärt: Feunde wie Feinde müssen seine feste und aufrechte Persönlichkeit achten und bewundern. — Das Arbeiterblatt „Daily Herald" nimmt auf den Versailler Vertrag Bezug und sagt: Cle- menceau ist tot. Wir wollen ihn nicht tadeln für Geschehnisse, die sich aus Umständen ergaben, die er eigentlich nicht in feiner Hand hatte, sondern die ihn vielmehr beherrschten. Es ist besser, an seine Kraft, seinen Mut und seine glänzende Beharrlichkeit zu denken.
war, bekämpfte er die Kirchen und setzte sich
für ihre Trennung vom Staat ein; er wandte sich auch gegen alle Herrschgelüste der Militärs, worüber sich später, Ende 1918, der General Foch bitter beklagt hat — blieb aber st e t s ein glühender Nationalist, der nie das Erlebnis von 1870 vergessen konnte und unausgesetzt an Revanche dachte.
Als Freund Zolas, setzte er sich mit der ganzen
Kraft seiner Persönlichkeit für den verfolgten D r e y-
s u s ein. Seine Beziehungen zu Zola und anderen
Literaten waren nicht zufällig, da Georges Giemen
ccau, der Arzt, Kunstsammler und Politiker, vorübergehend Bürgermeister und hauptberuflich Journalist,
sich auch als Dramatiker versucht hatte. Im
Jahre 1900 wurde im Pariser Renaissancetheater
sein Stück „Der Schleier des Glücks" aufgeführt, das in deutscher Uebersetzung auch in Deutschland Erfolg hatte. Zusammen mit Zola führte er den Kampf für Dreifus, und als dieser endlich siegte, war damit auch Clemenceau rehabilitiert. Die unfreiwillig abgebrochene politische Laufbahn konnte wieder eingeschlagen werden, und nachdem Clemenceau oom März bis Oktober 1906 Minister des
sailles wird den Deutschen unvergessen bleiben; C16-- menceau war der verbissen st e Gegner, den man sich denken kann, ein Mann, der Deutschland ehrlich gehaßt hat und mit dem keine Derstän- digung möglich war.
Die Franzosen haben Clemenceau, dem man die Größe des Charakters und die staatsmännische Befähigung nicht absprechen kann, den Beinamen „B a t e r des Sieges" verliehen, der anerkennender klingt als sein Spitzname „T i g e r". Aber sie hoben den Triumphator von 1918 doch unmittelbar nach dem Sieg kaltgestellt. Im Februar 1919 versuchte ein Anarchist, ihn zu erschießen, verwundete ihn aber nur unbedeutend. Man war überzeugt, daß er 1920 zum Präsidenten gewählt werden würde, und war allgemein überrascht, daß Poincare dieses höchste Amt erhielt. So weit sein Lebensabend nicht durch Krankheit getrübt war, benutzte der greise Mann mit dem jungen Herzen die auferzwungene Muße zum Schreiben seiner Memoiren und zum Reisen. MU ihm verschwindet der wütendste Gegner der deutsch-französischen Verständigung von der politischer Buhne.
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Altona, 23. Vov. (WB.) Die weitere Unter» suchung in der Sprengstoffangelegenheit hot, wie Landgerichtsdirektor Dr. M a f u r mitteilte, zu neuen wesentlichen Erfolgen geführt, so daß nunmehr der gesamte Komplex, soweit er sich auf Schleswig-Holstein und die Provinz Hannover erstreckt, als nahezu völlig erledigt angesehen werden kann. Einmal ist die Aufdeckung weiterer Attentate geglückt, und zwar handelt es sich dabei um das Attentat auf das Finanzamt in Winsen am 27. November 1928. Die Idee zu diesem Anschlag ging von Herbert V o l ck aus, der auf Grund seiner Beschäftigung mit Sternkunde und anderen mystischen Dingen aus den Gedanken gekommen war, Attentate zu verüben. Es ist bemerkenswert, daß es Volcks Absicht war, die ersten Attentate im Hannoverschen, in Lüneburg durchzuführen. Daß dieser Gedanke nicht in die Wirklichkeit umgesetzt wurde, ist dem ^Imstande zu verdanken, daß die Attentäter das Regierungs- gebäude, dem der erste Anschlag gelten sollte, von Schutzpolizei bewacht fanden. Die Attentäter — es kommen dabei in Frage der Gemeindevorsteher Amandus V i ck (Rönne), der Landwirt Franz Lu hm an n (Clues) und John Johnsen (Husum), sowie Herbert (Bold — mußten deshalb von Lüneburg umkehren und wandten sich nach Winsen. Das Winsener Attentat wurde mit dem hochexplosiven Sprengstoff Trinitrotoluol ausgeführt, den Herbert Bold beschafft hatte. Daß die gefährliche Sprengstoff- ladung in Winsen nicht zur Explosion kam, ist darauf zurüdzuführen, daß das Paket durch Regen völlig durchnäßt war. Weiter wurden die drei Anschläge in Lüneburg in der Nacht zum 1. August und in der Nacht zum 6. September (auf die Villa des Rechtsanwalts Dr. Strauß und die Landkrankenkasse am 1. August, und auf das Regierungsgebäude am 6. September) aufgeklärt. Die Täter waren hier wiederum Amandus Vid und Franz Luhmann. Außerdem waren an diesen Anschlägen beteiligt, der Landwirt Beder aus Rottdorf (Kreis Winsen) und der Hilfsweichensteller Hermann M a n e d e , gleichfalls aus Rottdorf. Bei dem Doppelattentat am 1. August waren beteiligt Dick, Luhmann und Decker. Becker bewachte das Auto, in dem die Attentäter zum Tatort gefahren waren, während die beiden anderen die Anschläge bei Dr. Strauß und bei der Landkrankenkasse ausführten. Das nächste Attentat in der Nacht vom 5. zum 6. September auf das Regierungsgebäude führten Dick, Decker und Manecke durch. Luhmann war verhindert, weil an dem Tage seine Kuh gekalbt hatte. Für ihn mußte der Hilfsweichensteller Manecke, ein Stahlhelmer, einspringen. QHIe zu diesen Anschlägen verwendeten Sprengkörper stammten aus der bekannten „Fabrik" in Altona- Flottbeck.
Frankreichs „eiserner Kanzler"
3n der Vendee, deren Bevölkerung sich durch ihre Hartnäckigkeit, Willensstärke und älnbcug- samleit auszeichnet, trifft man überraschend oft Männer mit mongolischen Gesichtszügen. Auch Georges Clemenceau, der am 28. September 1841 in Mouilleron-en-Pareds im Departement Vendee geboren wurde, hatte einen typischen Mongolenschädel, mit tiefliegenden Augen, die von einem Eisgestrüpp dichter weißer Brauen überschattet waren, mit breiten Backenknochen, einer massigen Rase, einem energisch vorgeschobenen llnterfiefer, über dem ein mächtiger weißer Schnauzbart hing. Die braune Haut, von Runzeln bedeckt, glich gegerbtem Leder; der Mund, dem so bissige, ironische und vernichtende Worte entschlüpfen konnten, war kräftig entwickelt, und zäh, derb, untersetzt war die Statur des Mannes, der Frankreichs Geschicke in entscheidender Stunde ^geleitet hat. Man hat oft einen Vergleich zwischen seinem Schädel und dem Kopf Bismarcks gezogen, obwohl sich jeder Beobachter sofort darüber klar werden mußte, daß die Gzsichtszüge der beiden Staatsmänner völlig verschieden und einander wesensfremd ge- toefen sind. Aber beiden leuchtete die Energie aus den Augen, beide hatten massige Köpfe mit einem starkbetonten Knochengerüst, beiden sah man die Kämpfernatur und die Llnbeugsamkeit ihres Willens auf den ersten Blick an. Bis zu ihrem
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er unter dieser Rubrik 3t die Redaktion bcm irlei Verantwortung.) ile Mitmenschen.
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Politiker mit Herz und Seele, wenn sie auch beide das letzte Jahrzehnt ihres Lebens in der Einsamkeit verbringen mußten.
In jedem Jahr erscheint in Paris ein offizielles Verzeichnis der in der französischen Hauptstadt ansässigen Aerzte; auch in der Zeit, in der der „Tiger" Ministerpräsident war. konnte man in diesem Verzeichnis den Namen Georges Clemenceau, Dr. mcd., finden, und dahinter die Bemerkung: „praktiziert nich t“. ©lernen* ceau hatte den Beruf des Arztes sehr bald aufgegeben, ungeachtet der Tatsache, daß es ihm sehr schwer geworden war, Medizin zu studieren. Er stammte aus einer alten Patrizierfamilie, und sein Pater, der nicht weniger starrköpfig als der Sohn ist, wollte ihn zu einem Juristen machen. Nachdem er sich mit seiner Familie überworfen hatte, ging der junge Clemenceau nach Amerika, wo er sich als französischer Sprachlehrer durchschlug, kehrte dann nach Frankreich zurück, bestand die medizinischen Prüfungen und lieh sich im Pariser Künstlerviertel Montmartre a I s praktischer Arzt nieder. Ob er in diesem Beruf etwas geleistet hat, läßt sich heute schwer sagen; ein französisches Sprichwort sagt: „Die Medizin läßt ihre Jünger zu allem kommen, vorausgesetzt, daß man sie aufgibt." Es ist sicher, daß Clemenceaus Praxis nicht sehr groß gewesen sein kann, da er Zeit genug fand, alle Pariser Kunstauktionen zu besuchen, japanische Holzschnitte und chinesisches Porzellan zu sammeln, schöne alte Bücher zu kaufen und daneben unter Künstlern und Studenten sozialistische Reden zu halten, die ihm im Jahre 1871 ein politisches Mandat einbrachten. Er wurde zum Bürgermeister seines Bezirks gewählt und zog als Abgeordneter in die Nationalversammlung ein, in der er sich für die Fortsetzung des Krieges gegen die Deutschen einsehte. Die Gruppe, zu der er gehörte, nannte man kurz und grob die „wütenden Narren". So begann seine politische Karriere recht verheißungsvoll; mit 30 Jahren Mitglied der Nationalversammlung, mit 35 Präsident des Pariser Stadtrats — eine Laufbahn, wie sie selten ist, aber ein Aufstieg, dem ein furchtbarer Sturz folgte.
lilömenceau hatte eine Zeitung gegründet, zu der ein Monn Geld gegeben hatte, der bald darauf im Sem Panama-Skand al bloß- gestellt wurde. Niemand konnte dem jungen Arzt Nachweisen, daß auch cr unredlich gehandelt hätte; heute steht sogar fest, daß er in dieser unsauberen Angelegenheit ebenso korrekt gewesen ist wie in einer anderen Bestechungsasfäre. die ihm damals vorgeworfen wurde. Seine politischen Gegner bezichtigten ihn nämlich, ein bezahlter Agent Englands zu sein, und da cr sich stets für ein französisch-englisches Bündnis eingesetzt hatte fand diese Berleumdung zunächst Glauben. Der Neger Norton, ein älebersetzer der Pariser englischen Botschaft, verkaufte Clemenceaus Gegnern Dokumente, die in der Kammer beriefen wurden und ans denen hervorgehen sollte, daß der junge Abgeordnete tatsächlich b e st o ch e n sei. Clemenceau war bleich wie der Tod und unterbrach jeden Sah mit den Zurufen: „Lump! Lügner! Betrüger!" Es stellte sich jedoch bald heraus, daß die Dokumente gefälscht waren, und Clemenceau war vor der Kammer reingewaschen. Aber das nützte ihm im Land nichts. Als er in Südfrankreich zu den Wahlen kandidierte, wurde cr überall mit dem Zuruf: „Oh yes“ empfangen, tonnte keine Rede vollenden und mußte vor seinen Feinden das Feld räumen. Es war die schmachvollste Zeit in seinem Leben. Nun wurde er Journalist und verschaffte sich durch das gedruckte Wort das Gehör, das ihm in den Dolksversammlungen und dadurch auch in der Kammer versagt worden war. Seine täglichen Leitartikel waren stilistische Meisterwerke. Angriffe, denen Personen und Kabinette erbarmungslos zum Opfer fielen, logische, schlagfertige Pamphlete, deren Wirkung man sich nicht entziehen konnte. Der große französische Politiker Jules F e r r y mußte zurücktreten, weil Clemenceau seine Politik der deutsch-französischen An- imherung nicht billigte. Mit einem Grimm, der nur der Leidenschaft Voltaires zu vergleichen
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Paris, 24.1700. (D3IB.) Der ehemalige französische Ministerpräsident Georges Clemenceau ist nach schwerem Leiden am Sonntag, nachts gegen 1.45 Uhr im 89. Lebensjahr gestorben. Der schwere Todeskampf dauerte fast 36 Stunden während des Samstags trafen immer wieder ehematige'und jetzige Mini ft er, Abgeordnete und auswärtige Diplomaten im Hause Ctsmenceaus ein, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen und sich in die Liste der Besucher einzutragen. Schon seit der Mittagsstunde erkannte der Kranke keinen Menschen mehr. Rur dank seinem außergewöhnlich starken Herzen hielt ClLmenceau dem Tode so lange stand, vollkommen angezogen, sein legendäres Militärkäppi auf dem Kopfe, tag er ausgestreckt auf dem Sofa. Inzwischen hatte sich vor dem Hause eine große Anzahl Menschen angesammelk, die in stummer Erwartung der Nachrichten harrte. Eine halbe Stunde nach Eintreten des Todes erschien der Enkel Clemenceaus vor der Haustür und teilte den Anwesenden mit, daß sein Großvater um 1.45 Uhr das Zeitliche gesegnet hätte. 3n den Morgenstunden des Sonntags erschien als erster Trauerbesucher der Präsident der französischen Republik, Doumergue, dem wenige Minuten später Briand, Tardieu und fast sämtliche Minister und Anlerslaalssekreläre folgten. Die diplo- nmtischen Vertreter der Frankreich befreundeten Länder trugen sich ebenfalls in das Trauerbuch ein.
Clemenceaus Testament.
Kein Ltaatsbcgräbnis.
Paris, 24. Nov. (WB.) Das Testament Cl6- menccaus ist heute vormittag eröffnet worden. Cs enthält die Bestimmung: „Keine offizielle Zeremonie, nur meine Angehörigen sollen mich zu meiner letzten Ruhestätte geleiten." Die Leiche ist noch heute abend in die Heimat Clemenceaus nach Mouilleron-en- P a r a d s in der Vendee übe^eführt worden. Morgen nachmittag wird der Kammerpräsident in der Sitzung eine Ged ächtnisrede halten, sodann wird Ministerpräsident Tardieu im Namen der Regierung sprechen. Die Beisetzung findet in einem kleinen, 32 Kilometer von La Roche-sur-Foron entfernten Wäldchen statt. Als Grabstein wird ein dem ehemaligen Ministerpräsidenten von griechischen Freunden gewidmeter und bereits seit Jahren an Ort und Stelle befindlicher Gedenkstein dienen. Die französische Regierung hat angeordnet, daß morgen vormittag zur Stunde der Beisetzung in allen Städten Frankreichs Artillerie-Ehrensalven abgefeuert werden. Nach der Zeitung „Comedia" soll in dein Testament Clemenceaus die Bestimmung enthalten sein, daß man von einem feierlichen Leichenbegängnis und einer Grabrede absehen solle. Man möge in aller Stille bei Tagesanbruch seine Leiche nach dem Wald seiner Heimat Venee tragen, um sie dort neben dem Sarg seines Vaters ebenso wie diesen aufrecht stehend beisehen. Selbst im Tode wolle er aufrecht bleiben.
Oer,/öotcr des Sieges".
Französische Blätter zitm TodcClemcnceaus.
Paris, 24. Nov. (WTB.) Die Morgen- Presse feiert Georges Clemenceau in der Hauptsache als den Ministerpräsidenten, unter dessen Regierung der Krieg zu Ende geführt wurde. Sie feiert ihn als „Vater des Sieges", als Parlamentarier und als Journalist. Don seiner politischen Vergangenheit hebt sie insbesondere feinen Kampf gegen die Boulangisten und seine Kämpfe für Dreyfus hervor. Rur wenige Blätter erwähnen die Zeit, die ihn zwang, sich aus dem öffentlichen politischen Leben zurückzuziehen. Lieber seine Tätigkeit nach dem Kriege sagt der radikale „Quotidien": Dieser Vater des Sieges war kein Diplomat des Friedens. Die Anpassung dieses großen Politikers an eine neue Welt war nicht menschenmöglich, und sie hat sich nicht vollzogen. — „Matirr" führt aus: In den Tagen des Krieges gereichte es dem Vaterlande zum Heil, daß Clemenceau am
Sämtliche vier Personen haben ein u m f a s s e n- des Geständnis abgelegt. Cs wurden gegen sie auf Grund der Paragraphen 5, 6 und 7 des Sprengstoffgesetzes Haftbefehl erlassen. Auf Grund dieser Paragraphen dürften alle an den Anschlägen Beteiligten eine M i n d e st st r a f e von fünf Jahren Zuchthaus zu gewärtigen haben. Der Handgranatenanschlag in Wesselburen ist jetzt dahin aufgellärt, daß Klaus Heim nachts mit zwei weiteren Personen nach Wesselburen fuhr, um diesen Anschlag durchzuführen. Der eine der Mitfahrenden war Herbert Schmidt, der andere ist noch nicht zweifelsfrei festgestellt, doch besteht der dringende Verdacht, daß es Nickels war. Geständig ist Herbert Schmidt. Die Handgranaten hat nach seinem Eingeständnis Amandus Vick beschafft, bei dem, wie erinnerlich, schon früher 35 Hanögranaten gefunden wurden.
Lieber die Rolle, die Kapp Hengst bei den Lüneburger Attentaten gespielt hat, wurde folgendes ermittelt: Kapphengst kündigte Amandus Vick telephonisch seine Ankunft an und bedeutete ihm, daß er Bomben mitbringen werde. Als dann Kapphengst mit Bick zusammentraf, übergab er ihm zwei Bomben mit dem Bemerken, daß er jetzt keine Zeit hätte, die Sache weiter zu verfolgen. Vick mußte also zunächst die Bomben mit ins Haus nehmen und darum besorgt sein, sie möglichst bald wieder los zu werden. Cr zog dazu Luhmann ins Vertrauen, und beide beschlossen dann die Durchführung der Lüneburger Anschläge.
# Besonders bemerkenswert ist die nunmehr endlich geglückte Feststellung des Bombenlagers. Den wochenlangen Ermittlungen der Kriminalpolizei ist es gelungen, dieses Lager in Karlumfeld im Kreise Niebüll, und zwar in dem einsamen Bauerngehöft von Peter Holländer, das etwa 60 Kilometer nördlich von Husum, hart an der Grenze liegt, festzustellen. Die Sprengstoffe wurden Ende Januar mit einem 2l-4o von Nickels bis in die Gegend dicht vor Husum gebracht, wo sie von einem zweiten Wagen von John Johnsen und Herbert Bold übernommen wurden. Diese beiden brachten die drei Kisten Sprengstoff und mehrere Pakete mit 700 Sprengkapseln nach Karlumfeld zu Holländer. Nickels und Johnsen erschienen nach zwei Tagen in Karlumfeld, um das Material in unverfängliche neue Kisten zu packen. Holländer ist sicher ein Mann, der das Beste wollte, und der glaubte, eine gute vaterländische Tat zu tun. Nach seiner eigenen Darstellung bei der Vernehmung war ihm bei der Llebernahme des Sprengstoffs in feinem Gehöft so feierlich zumute, daß cr fid) feinen Gehrock anzog und ein selbstverfaßtes Gedicht von sieben bis acht Strophen vortrug. Das Versteck für das Sprengstofflager ist außerordentlich raffiniert gewählt worden.
Oie AnMrnng der Bombenatieniaie in Schleswig-Holstein und Hannover.
Ruder war. In den Tagen des Friedensvertra- ges aber erforderte das Wohl des Vaterlandes, daß man nicht einem Mann allein die Verantwortung für die Llnterschrift anvertraute. — „Figaro" schreibt unter Hinweis auf die Ereignisse nach Austausch der Ratifikationsurkun- ben: Clemenceau war weniger ein Mensch des Verhandelns als des Handelns. Was cr in den Stunden der Gefahr an Autorität und Starrköpfigkeit war, erschien nach dem Waffenstillstand als Autoritarismus und Leichtfertigkeit.
Oie Londoner presse zum Tode Clemenceaus.
London, 25. Nov. (WTB. Funkspruch.) Alle Blätter äußern sich in Leitartikeln zum Tode
Innern gewesen war, wurde ihm anschließend das Amt des M i n i st c r p r ä s i d e n t e n übertragen.
Kaum ein anderer Franzose hat den W e l t k r i e g so begeistert begrüßt wie Clemenceau, der sofort mit allen Mitteln versuchte, jede Verständigungsmöglichkeit zu vernichten, und der den Kampf bis zum Ende auch gegen die Absichten der französischen Regierung, j-redigte. Als die Zensur seine publizistische Freiheit in seiner Zeitung „Der freie Mann" beschnitt, nannte er das Blatt „Der gefesselte Mann", ohne sich im übrigen irgendwelche Fesseln aufzuerlegen. 1917 machte ihn fein alter Gegner Poincar 6 zum Ministerpräsidenten, und man kann nicht leugnen, daß er es verstanden hat, mit grausamer Energie die Kräfte Frankreichs zusammenzufassen, jede Regung der Schwäche mit Zuchthaus, Verbannung und Erschießen zu unterdrücken, Minister wie Caillaux und Malvy wegen Hochverrates abzuurteilen und auf diese Weise sein Vaterland zum Erfolg zu führen. Mit dem Idealisten Wilson verhandelte er phrasenhaft, mit dem Geschäftsmann Lloyd George nüchtern, mit den kleinen Bundesgenossen auf dem Balkan grob und mit der französischen Armeeleitung im Ton des Befehlshabers. Sein Auftreten in Ber-
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Deutsche Anleihen Mexikaner weiter etwas ühe wieder schwächer, .onspianbbrieie waren t erfuhr eine unbedeu- ld nannte man mit 7 ich schon mit 6,75 v. h., )., Warenwechsel zirka rjten Kursen überhaupt nte man leichte Erho> eschösi hotten, aus bem kffen, die nachdem sie er lagen, im verlause konnten.
Heldengedächtnisfeier in Berlin.
In Anwesenheit des Reichspräsidenten.
Berlin, 24. Rov. (TU.) Die Vereine der früheren Truppenteile der südlichen Garnison Berlins veranstalteten am Totensonntag auf dem neuen evangelischen Garnisonkirchhof eine Totengedenkfeier für die gefallenen Ka- meraden. an der auch der Reichspräsident teilnahm. Wegen Lieberfüllung der Friedhofs- kapelle konnten Tausende keinen Einlaß mehr finden. Mit dem Glockenschlag zwölf Uhr erschien der Reichspräsident v. Hindenburg in Feldmarschalluniform, begleitet von seinem Sohn und den ehemaligen Kommandeuren der Regimenter. Cs folgten in endloseni Zuge mit Musik die zahlreichen Abordnungen mit ihren Fahnen und Standarten, die rings um den Altar sich aufbauten. Divisionspfarrer I r m e r ermahnte in seiner Gedächtnisrede die Lebenden, zu ringen für ihr Vaterland. Sodann weihte er eine Gedenktafel für das 7. Garde-2nfanterie-Regiment. Rach dem Lied vom guten Kameraden erfolgte der Auszug der Fahnenabordnungen, die vor der Kapelle Spalier bildeten. Als dann der Reichspräsident erschien, brachte ihm die Menge begeisterte Huldigungen dar und sang das Deutschlandlied.
Eine Friedenskundgebung in Hamburg.
Gemeinsame Feier auf den Kriegerehrenfriedhöfen.
Hamburg, 24. Rov. (WB.) Die am Totensonntag auf dem Ohlsdorfer Friedhof vom Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener veranstaltete Gefallenen-Gedenkfeier erhielt in diesem Jahr durch die Teilnahme von Konsularvertretern der Vereinigten Staaten, Englands, Frankreichs, Belgiens, Italiens, Polens, Japans und Oesterreichs eine besondere Bedeutung als eindrucksvolle politische Kundgebung für den Frieden und die Verständigung unter den Völkern. Rach einem Musikvortrag gedachte zunächst der amerikanische Konsul E.Talbot Smith der Millionen an allen Fronten und in allen Lagern gefallener Krieger und des ungeheuren Heeres derjenigen, die heute noch unter den Folgen der Kriegskatastrophe leiden. Die toten und die lebenden Opfer seien Mahner für die Gestalter der Welt, sich abzuwenden von allem Waffenkampf und sich zu bekennen zum Gedanken des Friedens und der Verständigung. Als zweiter Redner sprach Reichsverbandsvorsitzender Bettermann namens der Kriegsopfer. An die Feier auf dem deutschen Ehrensriedhof schloß sich eine Totenehrung auf deni englischen Krieger- fr i e d h o f an. An diesen Gräbern, so erklärte Vizekonsul Shepher in seiner Gedenkrede, gewinnen wir erst recht die Lieberzeugung, daß ein einwandfreies Mittel für die Sicherung des Friedens gefunden werden muß. Unsere Völker beseelen die gleichen Gefühle. Wenn wir uns in Zukunft bei jeder Wiederkehr dieses Tages hier versammeln, möchten wir dann auch gleichzeitig stets ein weiteres Jahr des Friedens feiern können An beiden Gedenkstätten erfolgten Kranzniederlegungen durch die Vertreter der auswärtigen-Staaten, des Hamburger Senats und der Verbände.
Ein neuer Parteivorstand der Christlich- Nationaien Bauern- u. Landvolkpartei.
Berlin, 23. Rov. (WTB.) In einer Vertreterversammlung der Christlichnationalen Bauern- und Londvolkpartci fand die R e u - wähl des Parteivorstandcs statt: den Parteirorstand bilden jetzt: Baum, M. d. L., Rauschwitz
Bedeckt ® womio, • oeeecki »negl^
* Schnee a Graupeln. e Hebel R len gehen die Temperatur an. Die Limen verBindtD Orte tmi gleiche^
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Wettervoraussage.
Die Lage des atlantischen Tiefs hat sich seit gestern kaum geändert. Sein Kerngebiet hat sich sogar wieder etwas vertieft. Wenn auch die Störung mehr nordöstliche Zugrichtung einzuschlaaen scheint, so macht sich vorerst doch noch ihr Einfluß auf unsere Witterung geltend, so daß die milde Luft der Südseite die Temperaturen beeinflußt und gelegentlich Bewölkung mit Niederschlägen verursacht.
Wettervoraussage für Dienstag: Noch verhältnismäßig mildes, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, vereinzelte Niederschläge.
Witterungsaussichten für Mittwoch: Nebelig-wolkig mit Aufheiterung, kälter.
Lufttemperaturen am 24. November: mittags 8.3 Grad Celsius, abends 6.9 Grad: am 25. November: morgens 4 Grad. Maximum 8.4 Grad, Minimum 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. November: abends 4 Grad, am 25. November: morgens 2.6 Grad Celsius. — Niederschlag 1,3 mm. — Sonnenscheindauer V« Stunde.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.
Anzeigenaustroge sind lediglich an bie Geschäfts st elle zu richten.
Für unverlangt eingesanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen.
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Nachruf.
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Die Freiherrlich von Nordeck zur Rabenausche Gesamtfamilie.
Nach über 50jähriger Dienstzeit verstarb am 21. November 1929 N unser pfliclittreuer Porstbeamter
k Herr Balthaser Leyerer
Frhrl. Revierförster i. R. zu Odenhausen/Lumda
W im 80. Lebensjahre. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken 3 bewahren.
Unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Karelina Schneite Witwe
geb. Zimmermann
ist Samstag morgen nach kurzer Krankheit sanft entschlafen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ernst Fleck.
Gießen (Schützenstr. 3), den 23. November 1929.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 27. November, nachmittags 21/., Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
Das Seelenamt findet Donnerstag morgen 7 Uhr in der Kath Pfarrkirche statt.
9681 D|
Heute morgen um 6.45 Uhr verschied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Katharina Riedmann
geb. Wirth
im 49. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Riedmann
Georg Riedmann und Familie.
Nieder-Bessingen, den 24. November 1929.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 26 November, 2.30 Uhr nachmittags in Nieder-Bessingen statt.
Unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter. Großmutter, Urgroßmutter und Tante Marie KrügerWwe. geb. Kimmel
wurde uns in der 4. Stunde des Totensonntags im 69. Lebensjahr entrissen.
Wir bitten um stille Teilnahme. Die trauernden Kinder, Enkel und Urenkel.
Gießen, Wetzlar, Berlin, Salzbrunn (Schlesien). Frankfurt, den 25. November 1929.
Beerdigung Mittwoch, den 27. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof.
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Die Trauerfeier un- /^\ sereS lieb. Kameraden Louis Beil
Schreinermeister
findet Dienstag, 26. Nov.. tiachm. 27- Uhr, auf dem Neuen Fried- Hos statt. 96/9D Der Vorstand.
Bekanntmachung.
Betr: Stromlieferungsbedingungen.
Die gemäß Beschluß der zuständigen Körperschaft umgeänderten Stromlieferungsbedingungen sind im Druck erschienen und auf Wunsch bei der unterzeichneten Verwaltung, Hammstraße 35 (Zimmer 2), erhältlich. 9676D
Gießen, den 22. November 1929.
Direktion der Städtischen Elektrizitätswerke und Ueberlandanlage.
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Rr. 276 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 25. November 1929
Saugenoffenschast 1894 Gießen
Zur ordentlichen Hauptversammlung hatten Vorstand und Aussichtsrot der Bau- o en o s s e n s ch a f t 1 894 die Mitglieder am Samstagabend in den Saal des Gewerlschasts- hauses cingeladen.
Direktor Bergen, der 2. Vorsitzende des Aufsichtsrats, eröffnete um 8.45 Uhr die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. Sodann widmete er dem leider allzu früh verstorbenen 1. Vorsitzenden des Aussichtsrats. Stadtv. Prof. Dr. Krausmüller, einen warmen Rachruf und gedachte mit ehrenden Worten der grohen Verdienste des Verstorbenen um die Genossenschaft. Die Versammlung ehrte dos Andenken des Verewigten in der üblichen Weise.
Der Geschäftsbericht.
Der 1. Vorsitzende des Vorstandes. Herr H. Fourier, erstattete sodann den Bericht über die obgelaufene 35jährige Tätigkeit der Baugenossenschaft. Er verwies auf die aus diesem Anlaß erschienene Denkschrift und verbreitete sich in längeren Ausführungen über die Tätigkeit der Baugenossenschaft des Evangelischen Arbeitervereins, die in ihren Ansangsjahren ganz Erkleckliches geleistet habe. Aber die Basis, auf der sie stand, war zu klein, und darum trat nach einigen Jahren die Erlahmung ein. Der Redner schilderte die Bestrebungen der Gemeinnützigen Baugenossenschaft 1911, aber erst der Zusammenschluß beider Genossenschaften förderte ein erfolgreiches Arbeiten zutage. Jin abgelou- fenen Berichtsjahre (1928) legten die Karl- Vogt-Straße und die L i e b i g st r g ß e ein beredtes Zeugnis ab von der großen Arbeitsleistung des Vorstandes und Aufsichtsrats. Das schwierigste Problem, das der Lösung harrte, war die Geldbeschaffung. Der hohe Zinsendienst erschwere die Fortsetzung der Bautätigkeit der Genossenschaften ganz erheblich; hinzu kämen oft noch recht hohe Hundertsätze als Provision für die Geldbeschaffung. Dadurch werde das Bestreben. die Mieten in erträglichen Grenzen zu halten, bedeutend erschwert. Trotzdem sei es gelungen, durch Beschaffung eines Darlehns von 250 000 Mark die Mietpreise wesentlich günstiger zu gestalten, als bei ähnlichen gemeinnützigen Llnternehmungen. Auch die Ausführung der Wohnungen der Baugenossenschaft 1894 spreche zu ihren Gunsten. Der Redner gab zum Schluß seiner Ausführungen der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, die für die Zukunft geplanten Bauvorhaben in voller Einmütigkeit und mit dem gleichen Erfolg zu Ende zu führen, wie bisher.
Der Kassenbericht
wurde von dem Rechner H. Wölfer erstattet. Die im Geschäftsbericht erwähnte große Arbeitsleistung wird durch die Zahlen der Bilanz belegt. Die Aktiva setzt sich zusammen wie folgt: Znrmobilirnkento: a) vor 1918 erbaute Häuser 52 992 Ml., b) nach 1918 erbaute Häuser 151 686 Mk., c) nach 1923 erbaute Häuser 1 278 637,05 Mk.. Hyvothekenkonto 3920 Mt.; Kassakonto 766,58 Mk.; zusammen 1 488001,63 Mark. Demgegenüber steht die Passiva mit Geschästsanteilkonto 72 541.89 Mk.. Anleihenkonto 1 279 748,09 Mk.. Sparcinlagenkonto 970,13 Mk., Reservefondskonto 3384 Mk., Spezialreservefonds- konto 48 764,80 Mk., Aufwertungskonto 32 719,67 Mark, Straßenkostenbeitragskonto 17 357,24 Mk., Dürgersteigbeitrogskonto 6400 Mk., Häuserunterhaltungskonto 20 801,08 Mk., Gewinn-Saldo 5314,73 Mk.. zusammen 1 488 001.63 Mk.
Die Gewinn- und Verlustberech- nung weist aus ein Soll: Zinsen für aufgenommene Kapitalien 36 852,80 Mk., Zinsen für
Das Erbe
-es Herrn von Anstetten.
TRoman von Z. Schneider-Foerstl.
Llrheber-Rechtsfchutz durch
Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Günther nickte. „Und vergiß nicht. Alab — alle Briefe, die für mich in Benares ankommen, sammelst du und schickst sie mir unter meiner jetzigen Adresse. Du gibst sie einfach in ein Kuvert und läßt sie einschreiben."
„Du kannst dich darauf verlassen, Sahib."
Ein schriller Pfiff der Lokomotive, Akab lieh die Hand seines Gebieters los und sprang zur Seite. Der Baron sah ihn noch eine Weile zwischen der Rouchfehen. die sich zu Boden schlugen, stehen — dann entschwand Dardschiling seinen Blicken.
Er lehnte sich in die Polster und sah Rixa an. die vor ihm auf dem Boden hockte und ihn mit klugen Augen anblinzelte. „Kleines Mädchen! Wie gut. daß du nicht reden kannst! ilnö wie beruhigend. daß ich nicht deinesgleichen bin! Ich würde sie sonst zerreißen."
Er neigte sich herab und streichelte das etwas struppige Fell: „Run müssen wir abwarten, ob wir beide der Sache gewachsen sind. Ich bin Hans Peter von Anstetten und du eine brave Schäferhündin. Mach mir keine Schande, mein Fräulein." Er zog sie leicht bei den Ohren und hob sie zu sich herauf.
Sie schmiegte den Kopf an seine Wange und stürzte im nächsten Augenblick auf den Schaffner los, der zur Billettkontrolle kam.
„Rixa, wie häßlich!" Anstetten maß sie mit einem strafenden Blick. Sie machte sich ganz schmal und wandte kein Auge mehr von dem Eindringling. Auch als er sich längst entfernt hatte, wagte sie den Gebieter nicht anzusehen. Erst als sich der Baron der Länge nach auf„ dem Polster ausstrecktc und ihr mit einem Lächeln zunickte, kam sie dicht zu ihm heran und machte es sich zu seinen Mißen bequem.
Stefan saß im Abteil nebenan und hatte den Kopf voll Gedanken. Oben in den Rehen lagen die beiden grohen Handkoffer, die er selbst gepackt und mit Kleinkram vollgestopft hatte. — Natürlich die Hauptsache hatte man in Dardschiling liegengelassen. Was der Baron wohl sagen würde, wenn er zum Abend seinen Schlafanzug vermißt und das Halsband für die Rixa. Auch das Etui mit der gesamten Ragelpflege stand wohlbehalten im Bungalow auf dem Sofa, wohin er es gelegt hatte.
Oer Flugwetterdienst
mit besonderer Berücksichtigung seiner Anwendung auf der Weltfahrt des „Graf Zeppciin".
Von Vegierungsrat Dr. Seilkopf, Deutsche Seelvnrte Hamburg*.
Für die wetterkundliche Beratung des heimischen Luftverkehrs ist ein besonderer Flugwetterdienst eingerichtet. Aus den größeren Flughäfen bestehen Flugwetterwarten, die Flugleitung und Flugzeugführer vor jedem Fluge meteorologisch zu beraten haben: Die Warnung vor Rebel, Gewitter, Böenfronten oder Schneefall dient dazu, die Sicherheit des Luftverkehrs zu vergrößern; Angaben über die Möglichkeiten des ilm- fliegend derartiger Schlechtwettergebiete oder über die Höhe der für den Flug günstigsten Windrichtung sollen dagegen mithelfen. die Wirtschaftlichkeit und Regelmäßigkeit des Luftverkehrs zu heben. Als Grundlage für die Flugberatung dienen die Wetterkarten, die nach den Wettersammelfunksprüchen der meteorologischen Zentralstellen gezeichnet werden. In jedem Kulturlande werden an einer Reihe von Beobachtungsstationen zu festen Zeiten regelmäßige Wetterbeobachtungen angestellt und verschlüsselt an die Zentralstellen gesandt; diese wiederum stellen die eingehenden Meldungen zu großen Sammeltelegrammen zusammen. Die sie für den internationalen Austausch über große Funkstellen ausstrahlen. Für den Flugwetterdienst kommen sodann Beobachtungsstellen an den Flugstrecken selbst hinzu, die ihre Meldungen an die Flugwetterwarte zu dem Start an der betreffenden Strecke absehen. Andere Beobachtungsstellen melden der Flugwetterwarte etwa auftretende Gefahren des Wetters, wie Gewitter ober Rebel. Diese Bezirksmeldungen werden von der Flugwetterkarte auf besonderen Flugwetterkarten verarbeitet. Aus der großen, die Gesamt- Wetterlage enthaltenden Wetterkarte und der Bezirksflugwetterkarte wird die Vorhersage des Streckenwetters abgeleitet und die Beratung des Derkehrsfluges durchgeführt; Höhenwindmessungen mit Pilotballonen und meteorologische Mehflüge der Wetterflugstellen liefern hierzu ferner Beobachtungen aus den höheren Luftschichten.
Für die großen, über Festländer und Ozeane führenden Luftschiffahrten, sowie die Langstrecken- fluaversuche ist ein so enges Retz von Flugwettermeldestellen nicht vorhanden. Derartige Flugunternehmungen müssen sich vielmehr auf die großen Sammeltelegramme der Wetterzentralen der einzelnen Länder stützen. Besondere Schwierigkeiten macht die Beschaffung der Wettermeldungen vom Ozean. Erfreulicherweise ist dort jedoch in den letzten Jahren ein Beobach- tungsneh entstanden, das zwar hinsichtlich sowohl der Häufigkeit der Meldungen, als auch der Dichte der Meldungen sich keinesfalls mit dem Landnetz vergleichen läßt, immerhin bei gründ-
* Der Verfasser wird morgen. Dienstagabend, in der Aula in einem öffentlichen Dortrage auf Einladung des Vereins für Luftfahrt und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde über seine Beobachtungen und Eindrücke auf der Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" um die Welt sprechen. D. Red.
lichstcr Auswertung der einzelnen Beobachtungen in großen Zügen auch die Wetterlage auf den Weltmeeren verfolgen läßt. Auf dem Atlantischen Ozean melden zu festen Beobachtungszeiten deutsche, englische, amerikanische, norwegische, holländische und französische Schiffe ihr Wetter funktelegraphisch an die Zentralstellen in der Heimat, in Deutschland an die Deutsche Seewart e in Hamburg. Die Zentralen nehmen ihre Schiffsmeldungen in die oben genannten Sammeltelegramme auf, so daß auch die Echifssmeldungen dem internationalen Austausch zugeführt werden. In Deutschland stehen rund 60 transatlantische Dampfer und Motorschiffe für diesen Dienst zur Verfügung. Die Zahl Der wettermeldenden Schiffe hat sich in den letzten Jahren erfreulich gehoben, so daß jetzt a mT a g e etwa 40 Schisssmeldungen durchschnittlich vom Atlantischen Ozean eingehen. Weite Räume des Ozeans sind jedoch meist ohne jede Schiffsmeldung, da in ihnen keine Dampfer mit weitreichendem Sendegerät verkehren. Auch längs der großen transatlantischen Dampferlinien sind die Wettermeldungen unregelmäßig und zufällig verteilt.
Zur besonderen llnterstühung des kommenden atlantischen Luftverkehrs hat Deutschland begonnen, auf einigen Dampferlinien Höhenwindmessungen einzurichten, nachdem bereits durch eine Reihe von Forschungsfahrten seit 1922 das Stromfeld über Dem Ozean durchforscht worden ist. Durch das ®ntgcgenEommen der großen Reedereien und die opferwillige Mitarbeit Der Schiffsoffiziere war es der Deutschen Seewarte möglich, auf den Schiffen „Monte Olivia", „Cleveland" und „Sierra Morena" Höhenwindmeßstellen aufzustellen, die täglich ihre Ergebnisse funktelegraphisch nach Hamburg melden. Für diese meteorologischen Vorarbeiten des transatlantischen Luftverkehrs, sowie für feine Beratung hat das Reichsverkehrsministerium, Abteilung Luftfahrt, an d?r Deutschen Deewarte ein besonderes Seeflugreferat eingerichtet.
Auf der Weltfahrt des Luftschiffs LZ 12 7 „Graf Zeppelin" ist die meteorologische Organisation weitgehend verwertet worden. Die Funkstation des Schiffes hat laufend die Wettersammeltelegramme Der überflogenen Länder, sowie die Schisfsmeldungen vom nordpazifischen und nordatlantischen Ozean aufgenommen. Sodann sind dem Luftschiff für diese Fahrt von den meteorologischen Zentralstellen Rußlands, Japans und der Vereinigten Staaten und vom Seeflugreferat in Hamburg Wetterübersichten und Vorhersagen im Klartext zugefunkt worden. Auf Grund des drahtlos eingegangenen Deobach- tungs- und Rachrichtenmaterials hat der an Bord befindliche Meteorologe laufend Wetterkarten gezeichnet und die Gesamtwetterlage von Termin zu Termin verfolgen können, um anhand dieser Unterlagen der Schiffsleitung die Grundlage für die meteorologische Navigation des Schiffes zu liefern.
Spareinlagen 46,18 Mk.. Steuern und Abgaben 29 046.19 Mk.. Derwaltungskosten 1900 Mk., sonstige Ausgaben 5067.60 Mk.. Unterhaltungskosten für Wohnhäuser 10 713,86 Mk.. Zuweisung zum Spezialreservefondskonto 5000 Mt.. Zuweisung zum Häuseruntcrhaltungskonto 5000 Mk.,
Zuweisung zum Straßenkostenbeilragskonto 6298,74 Mk.. 2 v. H. Abschreibung auf die nach 1923 erbauten Häuser 24 664,20 Mk.. Gewinn- Saldo 5314,73 Mk., zusammen 129 904,30 Mk. Haben: Zinsen von ausgeliehenen Kapitalien 160 Mk., Miete von Wohnungen 125 747 Mk.,
So ein Packen das sollte der Teufel holen! Akab saß jetzt wahrscheinlich zu Hause und besah sich den Wirrwarr. Der Bungalow hatte zuletzt ausgesehen wie ein Wigwam, das unter einem Erdbeben gelitten hatte. Es würde kaum einen Gegenstand geben, der noch auf feinem Platze stand.
Die Hauptsache blieb, daß man endlich fort war. Ach und das bißchen Betrug mit dem man nach Hause kam, das brauchte deswegen noch lange kein schiefes Ende zu nehmen. Der Baron Günther faß nach wie vor in Benares und der jetzt heimkehrte, das war Hans Peter, punktwn!
Die Rixa, das Vieh, konnte keinen Schaden anrichten, wenn sie zweimal ein Weib war. So ein Frauenzimmer verplapperte sich hundertmal am Tage.
Er lachte, wurde ganz ernst, holte einen Taschenspiegel heraus und besah sich. Auf Anstetten würde man schauen! So braun war nicht einmal der Bohnenkaffee in der Schloßküche. Er sah aus wie Akab der Hindu, nur dessen Unnahbarkeit fehlte ihm. Das brachte ein Stockösterreicher nicht fertig.
Er glaubte ein Klopfen gehört zu haben, horchte, und als sich im Rebenabteil nichts regte, setzte er sich in die Ecke und verfolgte die Landschaft draußen, die an dem großen Aussichtsfenster vorüberrollte.
Sie war ihm so wenig neu. daß ihn das Schauen einschläferte. Er hörte nur undeutlich, wie sich die Türe öffnete und sah einen Schatten, Der sich oben an Den Koffern zu schaffen machte. „Der Baron", durchzuckte es ihn. der suchte ohne Zweifel feinen Schlafanzug. Er ließ den Kopf zur Seite fallen und zog hörbar Den Atem ein. Rixa, das Vieh, rieb zuerst Die Schnauze an feinen Schenkeln, legte Dann Die Vorderpfote auf feine Schultern und fuhr ihm mit der Zunge über das Gesicht. Das machte ihn niesen und er muhte wohl oder übel die Augen öffnen.
Anstetten blickte mit leichtem Spott auf ihn herab. „Du machst es genau wie die Rixa, wenn sie ein schlechtes Gewissen hat."
Stefan sprang auf, klappte Die Schlosser der beiden Koffer hoch und begann in Den Dingern zu wühlen. Er war derart ehrlich verblüfft, daß Der Baron ein Lachen nicht verbeißen konnte, als Würz Den Schlafanzug fein säuberlich zwischen Die feiDene Llnterwäsche verstaut fand.
„Soll ich dir auf Die Spur helfen, mein Lieber?"
Ein ratloses Ricken.
„Akab hat Die Dinge im letzten Augenblick noch gesehen und sie hineingegeben. Auch Rixas Halsband, meine Ragelpflege und Den Rasierapparat. Hilf mir jetzt beim Auskleiden und hole mir im Speisewagen ein Glas weißen Bordeaux, dann brauche ich dich nicht mehr."
Als Stefan mit dem Gewünschten zurückkam. saß Anstetten, das aufgeschlagene Kursbuch auf
Den Knien, am Fenster und suchte nach Der Ankunftszeit in Bombay — zog ein kleines Heft heraus unD studierte Die Dampferlinien. Es glückte! Man hatte vor der Abfahrt gerade noch Zeit, ein Telegramm aufzugeben.
Acht Tage später konnte man zu Hause auf Anstetten fein.
Auf Anstetten!
„Baron, ich kann Ihnen nur sagen, wenn Ihre Leistungen weiterhin so über alle Erwartungen zurückbleiben, werden Sie die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten. Schämen Sie sich!"
Der Rektor des Gymnasiums warf das auf- geschlagene Heft, in welchem das Schwarz der Tinte mit roten Strichen durchsiebt war, dicht vor dem Gescholtenen auf das Pult, drehte sich auf den Hacken um und stolzierte an Den Katheder zurück.
Das Knabengesicht stand in Flammen und erblaßte Dann, um sich während der ganzen Stunde nicht mehr zu heben. „Sie werden Die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten." Er hörte kaum, was der Professor sprach, sah nur hin und wieder Die Gestalt eines Mitschülers vpn Der Bank in Die Hohe schnellen und Antwort geben.
„Die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten." Mechanisch packte er am Schlüsse Der Stunde Die Bücher zusammen und pfropfte sie in die Mappe.
„Rimm's nicht so tragisch!" Hans von Gollwitz stupste ihn in Die Seite und blinzelte ihn lachend an.
Aber Bernd war heute für keinen Trost empfänglich. Er wartete, bis Der Letzte das Zimmer verlassen hatte und schlich die Treppe hinab. Die beiden Torflügel llappten hinter ihm zusammen. Gut, daß Die Mama Den Wagen nicht geschickt hatte, er muhte jetzt allein sein.
Er machte einen Bogen um Die Stadt und hörte von jedem. Der ihm begegnete. Die Worte zugerufen: „Sie werden die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten, schämen Sie sich!"
Wenn er sich damals erschossen hätte — damals — Dann wäre ihm das heute nicht passiert.
Vaters Arbeitszimmer war feit jenem Tage versperrt, aber muhte es Denn gerade eine Waffe fein? Es gab doch auch noch anderes, das einem aus dem Leben half: Man fiel in die Pram und ertrank — oder ah beim Spazierengehen durch Den WalD von Den Tollkirschen. Die massenhaft zwischen Den Farrenkräutern standen.
Daß ihm das heute erst einfiel? Es gab nicht einmal einen Knall, wie beim Erschiehen, ein bihchen Leibschmerz — vielleicht sehr stark sogar — und Dann war Ruhe.
Die Mutter konnte Den Grafen Oerhen heiraten unD Der Vater--
Er machte eine wegwerfende Handbewegung. — Er hatte keinen Vater mehr.
Die Mappe flog über Den Wiefenrand, Der
sonstige Einnahmen 3997 Mk., zusammen 129 904,30 Mk.
Die Mitgliederzahl betrug Ende 1927: 766, Zugang in 1928 : 38. Abgang 12, Mitgliederstand Ende 1928: 792. Das Mitgliederguthaben betrug Ende 1927: 57 703,85 Mk.. Ende 1928: 72 541.89 Mark. Die Haftsumme der Genossen betrug Ende 1927: 176800 Mk. Ende 1928: 182000 Mk.
Die Aussprache und Beschlußfassung.
In der Aussprache führte Stadtratsmitglied A. Mann aus, daß durch die Erstellung von 56 Wohnungen an Der Licher Straße (Plattenhausen) und 20 Wohnungen in der Straße „Am Kugelberg" in den Jahren 1919 bis 1923 Die Grundlagen für einen gesunden Weiterbau geschossen wurden. Der Vorstand könne das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß es ihm gelungen sei. die allgemeinen Daugeldcr für die Errichtung billiger Wohnungen zu erhalten. Prof. Dr. Krausmüller fei stets ein eifriger Förderer Der Genossenschaft gewesen. Dem Dafür hohe Anerkennung gebühre. Ob Die Bautätigkeit Der Genossenschaft für Die Folge auf Das gleiche Entgegenkommen der Dafür in Frage kommenden Stellen rechnen könne. liege im Schoße der Zukunft. Die gefchästsführenden Vorstandsmitglieder hätten bei ganz geringen Derwaltungskosten Außerordentliches g leistet, dafür gebühre ihnen Der wohlverdiente Dank seitens der Genossenschaft. Die ..Volksfürsorge" gab die Möglichkeit zum Bauen durch Zuweisung eines Darlehns von 250 000 Mk. zu einem erträglichen Zinssatz. Die Sorge um die Genossenschaft habe Den leitenden Vorstandsmitgliedern viel Kopfschmerzen verursacht. Die Baugenossenschaft 1894 gehöre zu Den bestsundiertesten und genieße großes Ansehen weit über Die Grenzen des Volksstaates Hessen hinaus.
Auch Die folgenden Redner zollten der Tätigkeit des Vorstandes und Aussichtsrates reichen Beifall und Dank. Ein Mitglied äußerte starke Bedenken gegen die Fortsetzung Der Bautätigkeit seitens Der Genossenschaft, weil Dadurch die Mieten für die minderbemittelten Mitglieder zu hoch und ins Llnerschwingliche gesteigert würden. Ferner wurde von dieser Seite verlangt, die Herstellung von billigen Wohnungen nur Der Kommune zu überlassen, da es ihre Pflicht fei, in Der Frage Der Wohnungsnot durchgreifend Abhilfe zu schaffen. Diese Gedanken fanden in Der Versammlung jedoch kein Echo, zumal Herr Fourier erklärte, daß bei den Bauvorhaben vorher recht vorsichtig alles erwogen sei und kein Spatenstich getan werde, ehe nicht ein Bauvorhaben finanziell völlig sichergestellt sei. Auch Direktor Bergen bat, das große Ziel, die Beschaffung billiger Wohnungen für Die Minderbemittelten, im Auge zu behalten.
Herr Wölfer machte bezüglich der Verteilung des Reingewinnes von 5314,73 Mk. entsprechende Vorschläge, worauf Herr Bergen für die Rechnungsprüfer eine musterhafte Geschäftsführung feststellte und Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes beantragte.
Der Geschäfts- und Kassenbericht wurde gutgebeiben und die Entlastung einstimmig erteilt.
Die Dahlen für den Vorstand und Aussichtsrat hatten folgendes Ergebnis: Die Herren Denk und Mann (Vorstand) und Zang er und Schneider (Äufsichtsrat) wurden einstimmig wiedergewählt. Mir Den verstorbenen Professor Dr. Krausmüller tritt Stadtbauoberinspektor Höhn, der seither schon als Vertreter Der Stadt Gießen Dem Aufsichtsrat mit beratender Stimme angehörte, in den Aufsichtsrat ein.
Herr Wolfer machte auf die zur Beschaffung von Cigenkapital eingeführte Spareinrichtung aufmerksam, dann erfolgte Die Erledigung einer Anzahl interner Fragen. Herr Bergen schloß
Knabenkörper stürzte darüberhin und grub Die Finger in Die Erde. „Vater!"
Wie es ihn schüttelte. Der Sechzehnjährige weinte wie ein Kind, Dem sein Aller-Allerliebstes verlorengegangen war. Der schlanke Leib wurde von einem Schluchzen gestoßen, das sich nimmer dämmen ließ. „Vater!"
„Sie können hier nicht schlafen, junger Mann, sonst holen Sie sich möglicherweise einen Hih- schlag."
Bernd regte sich nicht. Jemand beugte sich über ihn, er hörte Die bekannte Stimme jetzt dicht an seinem Ohr. „Bernd, bist du es wirklich? — Wie kannst Du so unvorsichtig sein? Komm doch, es sengt dir ja Die Haare, Kind."
Er wühlte das Gesicht in Die Gräser. „Laß mich, Tante Chatlen! So laß mich doch! Wenn mich jetzt Der Hitzschlag trifft, das wäre Das Allerbeste für mich."
„Bernd!!" Feinknochige, schwache Hände zwangen ihm Den Kopf nach auswärts, halfen ihm auf Die Knie, klopften Die Halme von feinem Aermel und machten einen großen Erdfleck an feinem weihen Hemde verschwinden: „Komm jetzt, mein Junge!"
Er machte schon wieder Miene, sich auf die Erde zu werfen, sah ihren flehenden Blick und richtete sich auf. „Sage Mama nichts davon. Chatlen, sie braucht es nicht zu wissen. Gehst du heim?"
Sie bejahte. „Kommst du ein Stückchen mit, Bernd? Ja? Wie lieb von dir! Du bist so lange nicht mehr bei mir gewesen."
„Hast Du die Kirschen schon herunter, Chatlen?"
Er sah ihr Lächeln nicht, Denn sie trug das Gesicht ganz tief gesenkt. „Roch nicht alle! Die schönsten hängen noch! Seit du groß bist und soviel zu lernen hast, habe ich niemanden mehr. Der sie pflückt."
„Soviel zu lernen hast!" Er schluckte und konnte es nicht verhindern, daß ihm Die Tränen über die Wangen liefen. „Ich Darf nicht vorrücken, Chatlen!"
„Bernd!" Es klang weniger erschrocken, als mitleidig teilnahmsvoll.
„Schämen soll ich mich, hat der Rektor gesagt."
Sie horchte auf. „Unb deswegen bist Du vorhin in Der Sonne gelegen und hast dir Den Hitzschlag gewünscht?"
Das Weinen verstummte jählings. „Deswegen? Ach!" — Er machte eine wegwerfende Handbe- toegung. „das ist ja nur eine Folge von dem anderen: daß ich faul geworden bin! Daß ich nicht mehr lernen mag! Daß mir alles gleich ist! Alles! Daß sie mich prügeln und verabscheuen können und — und — ach frag nicht weiter, Chatlen!“
„Rur eins iwch. Bernd, was für ein Anderes ist Denn das?"
(Fortsetzung folgt.)
ML
darauf die Versammlung mit dem Wunsche, daß das laufende Geschäftsjahr eine gleichgunsnge Bilanz ergeben möge.
Wirtschaft.
Kapitalerhöhung des JUÖG. um 60 Mill. RM.
Essen, 23. Hob. 2n einer AussichtLratssihung ist über den weiteren Kapitalbedarf des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes Beschluß gefaßt worden. Bei der Entwicklung des Unternehmens in den letzten Jahren ist es nicht verwunderlich, daß bei der außerordentlich erhöhten Steigerung des Absatzes, die sich nach dem Geschäftsbericht im laufenden Jahre um mehr als eine Milliarde Kilowattstunden auf drei Milliarden Kilowattstunden Ab» satz entwickeln dürfte, auch ein entsprechender Kapitalbedarf über die Erweiterung der Betze und den Ausbau des Unternehmens vorhanden ist. Da in den letzten Jahren der Kapitalbedarf im wesentlichen durch Anleihen gedeckt wurde und infolgedessen jetzt das Aktienkapital und die Anleihen mit rund 180 Mill. Mk. sich die Waage halten, hielt es der Aufsichtsrat für richtig, nunmehr den Aktionären ein vorteilhaftes Bezugsrecht zum Kurse von 130 pCr., und zwar auf 6 alte Aktien eine neue Aktie, zu gewähren. Das Aktienkapital soll jedoch sofort um weitere 30 Mill. Mk., also insgesamt um 60 Mill. Mk., erhöht werden, um außer dem Bezugsrecht für die Aktionäre noch einen Vorrat von Aktien zu schaffen, mit dem der weitere Finanzierungsbedarf. evtl, auch unter Auflegung einer neuen Tranche unter dem Anleihevertrag, sichergestellt werden kann, damit auf jeden Fall noch ieder Richtung hin Vorsorge für die Zukunft getroffen wird. Es ist dabei berücksichtigt, daß die Stimmenmehrheit der öffentlichen Hand erhalten bleibt. Zu diesem Zweck sind weitere 2 Mill. Mk. Rae mensaktien vorgesehen. Die Kommunen haben ihren Bindungsvcrtrag insofern verbessert, als die dort vorgesehene Aufnahmegruppe in eine G. m. b. H. umgewandelt wird.
■■ Die amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 19. November berechnete- Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 135,3 gegenüber der Vorwoche unverändert. Ein Rückgang der Indexziffern für Agrarstoffe und Kolonialwaren wurde durch eine Erhöhung der Indexziffern für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ausgeglichen.
* Zahlungseinstellung des Kasse- lerBankhauses FiorinoLSichel. Die Kasseler Bank Fiorino & Sichel hat am Samstag-- mittag ihre Zahlungen eingestellt und beim Amtsgericht Kassel Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens gestellt. Die Zahlungsschwierigkeit ist vor allem auf die Vertrauenskrise zurückzuführen. die insbesondere durch den Zusammenbruch der Kasseler Bank Andrä & Herzog veranlaßt wurde und in den letzten Tagen unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Bank Bauer in Frankfurt a. Main zu einem Run geführt hat. der die Zahlungseinstellung verursachte. Man ist damit beschäftigt, mit Hilfe von Revisoren einen Status aufzustellen und hofft, daß in einiger Lagen ein genauer äleberblick über den Stand gegeben werden kann.
* Um d i e Aktienmajorität von Nord- waggon. Zu dem gemeldeten Verkauf der Aktienmajorität von Nordwoggon hört der WTB.-Han- delsdienst von Vorstandsseite weiter, daß Linke-Hosf- mann-Busch der Wikki A.-G. das gesamte Aktienpaket gesichert hat, daß aber die Verhandlungen über den endgültigen Abschluß noch im Gange seien.
Frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 25. Rov. Tendenz: schwächer. — Unter dem Eindruck erneuter Insolvenzen eröffnete die Börse zum Wochenbeginn in schwacher Haltung. Anregungen lagen nicht vor. zumal die Reuyorker Börse am Samstag geschlossen war. Die Spekulation zeigte große Zurückhaltung und Aufnahmeunlust, so daß das herauskommende Material nur unter Verlusten bis zu 4 vom Hundert ausgenommen werden konnte. Ferner verstimmte der Bericht des Auf- sichtsrates der I.-G.-Forben-Industrie. Besonders ungünstig wurde die Tatsache vermerkt, daß mit einer Erhöhung der Dividende in diesem Geschäftsjahr nicht gerechnet werden kann. Auf dem ermäßigten Kursniveou war die Geschäftstätigkeit in Speziolwerten doch etwas lebhafter,
I.-G.-Farben und Standard Oil Lomp.
Gute Geschästsergebnisse im laufenden Betriebsjahre.
Die diesjährige Herbsttagung des Auf sichts- rots der I.-G. .Farbenindustrie A.-G. fand am Samstag in Leverkusen statt. In der Sitzung wurde mitgeteilt , daß die abgelaufenen 9 Monate des neuen Geschäftsjahres wiederum um eine S teige r u n fl des Gesamtumsatzes gegenüber dem Vorjahre ergeben hätten.
Die Folgen der durchweg gegenüber 1928 abgeflauten Wirtschaftskonjunktur konnten durch die Anbahnung neuer Geschäfte mehr als ausgeglichen werden.
Heber die einzelnen Geschäftsgebiete wird die Oeffentlichkeit neuerdings vierteljährlich unterrichtet. Der Bericht über das dritte Vierteljahr wurde Ende Oktober herausgegeben. Die Belegschaft der Gesellschaft hat seit Beginn der großen Ausbauperiode, die nach dem Zusammenschluß der Einzelwerke zur I.-G.-Farbenindustrie A.-G. einsetzte, eine erhebliche Vermehrung erfahren. Es stand von vornherein fest, daß cs sich hierbei zum Teil nur um ein vorübergehendes Anwachsen handeln konnte, so daß nach der Beendigung des vorgesehenen Programms eine Verringerung Platz greifen mußte. Dies ijt während der Berichtsperiode geschehen, wobei soziale Gesichtspunkte weitgehende Berücksichtigung fanden. Auch heute ist die Zahl der Werksangehörigen immer noch um 15 000 Arbeiter und Angestellte höher, als zur Zeit der Fusion.
Nach jahrelangen Verhandlungen hat man sich über die Hauptpunkte in den
Weltbeziehungen zwischen der Standard Oil Company of New Yersey und der J.-G.-Fcir- beninduslrie A.-G.
auf die folgenden richtunggebenden Grundlinien geeinigt.
1. Die Patente der 2.-G. -Farbenindustrie A. G. und der Standard Oil Company of New Yersey für die Hydrierung von Kohle und Oel werden für die gesamte Welt mit Ausnahme von Deutschland durch eine Gesellschaft übernommen,
die sich in dem gemeinsamen Besitz der beiden Gesellschaften befindet.
2. Eine Sondervereinbarung für das von der 2.-G.-Farbenindustrie hergestellte Benzin ist für den d e u t s ch e n M a r k t vorgesehen unter Bedingungen, welche die Interessen der I.-G.-Farbenindustrie A.G. sichern.
3 Durch das bestehende enge Zusammenarbeiten der beiden Gesellschaften wird die älntersuchung und die Entwickluna neuer Produkte und Verfahren erweitert und sichergestellt.
Die Bedeutung dieser Vereinbarungen liegt darin, daß der 2. - G. - F a r b e n in d u st r i e A.G. für Deutschland eine Vorzugsstellung mit finanziellenVorteilen eingeräumt worden ist, während für den Rest der Welt das Verfahren der I.-G.-Farbenin- dustrie A.G. auf dem Hydrierungsgebiet in Zusammenarbeit mit den Oelinteressenten wirtschaftlich weiter entwickelt werden kann.
Rachdem Gewißheit darüber geschaffen worden ist, daß der Hydrierungsprozeß den Oelinter- essenten eine neue wirtschaftliche und technische Grundlage gibt, sind beide Parteien der äleber- zeugung, daß diese neue Entwicklung durch das Abkommen in die richtigen Bahnen gelenkt und die wirtschaftliche Entwicklung des Verfahrens beschleunigt wird.
Es ist bereits jetzt zu übersehen, daß der 3.-®.- Jarbeninbuffrie A. G. aus dem Abkommen mit der Standard Oil Company of New Yersey beträchtliche Zuschüsse zusUeßen werden.
Die Finanzlage der Gesellschaft ist befriedigend. Die Bantverpflichtungen, welche Ende 1928 82 Millionen Mark betrugen, haben sich auf 38 Millionen Mark vermindert, denen rund 120 Millionen Mark Bankguthaben gegen- überstehen.
Soweit sich die Gewinne des laufenden Jahres überblicken lassen, darf unter den üblichen Vorbehalten mit derselben Dividende wie im vergangenen Jahre gerechnet werden.
obwohl auch weiterhin Aufträge nur in minimalem Umfange vorgelegen haben. Am Elektromarkt waren Ehadeakcicn mit minus 4Mk. etwas stärker angeboten. AEG., Licht & Kraft, Gesfürel, Schuckert, Siemens verloren von 1 bis 3,5 v. H. Am Chemiemarkt waren I.-G.-Farben 1,5 V.H. niedriger. Deutsche Erdöl büßten 2,75 v. H. ein, während Goldschmidt behauptet lagen. Stärker unter der allgemeinen 'Verschlechterung der Tendenz hatten in der Hauptsache noch Aschersleben mit minus 5,5 v. H.. Salzdetfurth mit minus 5 v. H„ Westeregeln mit minus 6,5 v. H. und Zellstoff Waldhof mit minus 4,5 V.H. zu leiden. Aschaffenburger Zellstoff waren dagegen nur geringfügig verändert. Montanwerke fast umsatzlos. Die wenigen zur Grstnotiz zustande gekommenen amtlichen Dotierungen lagen bis zu 1 V.H. niedriger. Für Mansfelder bestand dagegen etwas Interesse bei leicht gebesserten Kursen. Banken von 1 bis 2,25 v. H. abgeschwächt. Don den übrigen Werten gaben Deutsche Linoleum 2,5, Karstadt 2, Mu 1,5 und Hapag 1,5 v. H. nach. Rorddeutscher Lloyd dagegen gehalten. Süddeutsche Zucker plus 1,25 v. H. Renten still. Deutsche Anleihen etwas nachgebend. Don Ausländem Bagdad behauptet. Rach "ben ersten Notierungen neigte die Tendenz weiter zur Schwäche, die Aufnahmeunlust verstärkte sich, so daß erneut Abschläge bis zu 2 v. H. eintraten. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt lag die Mark international fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1780, gegen Pfund 20,378. London gegen Kabel 4,8780. gegen Paris 123,88, gegen Mailand 93,16, gegen Madrid 35,24, gegen Holland 12,0860.
Berliner Börse
Berlin, 25. Rov. Rachdem man im heutigen Bormittagsverkehr eine besonders große Zurückhaltung und Unsicherheit beobachten konnte, eröffnete die erste Börse der neuen Woche in schwächerer Haltung. Man unterhielt sich zwar Über das Farben-Kommunique mit seinem zufriedenstellenden Geschäftsgang, der unveränderten Dividende und dem Abkommen zwischen I.-G.-Farben und der Standard Oil, nahm mit Bedauern den Tod Elemenceaus zur Kenntiüs,
beurteilte die Möglichkeit einer Dividendeveränderung bei der Reichsbank verschieden, erwog die Gefahren eines eventuell ausbrechenden mitteldeutschen Braunkohlenstreikes, beschäftigte sich aber in erster Linie mit den zunehmenden Insolvenzen. Zu den beiden kleinen Firmen in Hannover kam gestern die Insolvenz der Kasseler Danksirma Florino & Sichel. Heute wurden zwei weitere Schwierigkeiten bekannt. Bei der einen handelt es sich um das bekannte alte Bankhaus Max Müller in Gotha, bei der anderen um eine Düsseldorfer Firma, und es ist anzunehmen, daß die zu den ersten Kursen überraschend in größerem Umfange herauskommende Ware aus Exekutionen für diese Firma und aus Verkäufen des Publikums herrührte. Die Kursrückgänge betrugen 1 bis 2 v. H, bei Spezial- werten wie Berger, Bemberg, Polyphon, Westeregeln, Chadeaktien, Siemens, Dessauer Gas usw. bis zu 6 v. H. Durch Festigkeit zeichneten sich Gebrüder Iunghans (plus 1 v. H.) aus. Deutsche Anleihen nachgebend. Ausländer bis zu 0,25 v. H. nach beiden Seiten schwankend. Der Pfandbriefmarkt war unverändert. Tagesgeld ging auf 6 bis 8 v. H. zurück, eine Erscheinung der Ultimo- Vorbereitungen. Die übrigen Sätze waren unverändert. Rach den ersten Kursen neigte die Tendenz weiter zur Schwäche. Trotz Interventionstätigkeit der Banken verloren die Hauptwerte erneut bis zu 1 v. H.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M.. 25. Rov. Am hiesigen Produktenmarkt blieb das Geschäft gering. Es ergaben sich im Einklang mit den angefünöigten Regierungsmaßnahmen Preisbesserungen für Weizen und Roggen. Auch Mehle profitierten ganz beträchtlich hiervon. Die Stimmung war im allgemeinen freundlicher, da auch vom Ans- lande höhere Preisnotierungen Vorlagen. Es wurden notiert: Weizen 26.60 bis 26.75; Roggen 19,25; Sommergerste für Brauzwecke 19,25 bis 19,75; Hafer, inländischer, 18; Mais (gelb) für Futterzwecke 19 bis 19,25; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 38,50 bis 39; Roggenmehl 28 bis 29,50; Weizenkleie 10,75; Aoggenkleie 10,25 bis 10,50; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 31 bis 44; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke. 55 bis 100; Heu, Mb- deutsches, gut, gesund, trocken, 11 bis 11,25s Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 6; Weizen» und Roggenstroh, gebündelt, 5,75 bis 6; Treber, getrocknet, 16,50 bis 17,50 Mark. Tendenz: anziehend.
Frankfurter Eiermarkt.
Frankfurt a. M.. 23. Rov. Tendenz fester. Frische und Kühlhaus-Eier gut gefragt und hoher. Preise in Pfennig per Stück Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, Inlandeier ab Station. Bulgarische 12,5 bis 12,75, holländische 14,5 bis 21, jugoslawische 13,75 bis 14. polnische 11,25 bis 11,5. russische 12,5 bis 13.5, chinesische 11 bis 12, dänische 16 bis 21, belgisch-flandrische 18 bis 19, rumänische 11,75 bis 12.
Frankfurter Schlachtviehmartt.
Frankfurt a. M, 25. Rov. Auftrieb: 1653 Rinder (darunter 347 Ochsen, 97 Bullen, 706 Kühe. 455 Färsen), 438 Kälber. 83 Schafe, 4722 Schweine. Es wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, ausgemästete? höchsten Echlachtwerks (jüngere) 57 bis 60 Mk., (ältere) 53 bis 56, sonstige vollfleischige (jüngere) 48 bis 52; (Bullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 56. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 52; (Kühe): jüngere, voll- fleischige. höchsten Schlachtwerts 46 bis 49. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 42 bis 45, fleischige 34 bis 41, gering genährte 28 bis 33; (Färsen — Kalbinnen, Iungrinder —): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 57 bis 60, vollfleischige 53 bis 56, fleischige 48 bis 52. — Kälber: beste Mast und Saugkälber 82 bis 85, mittlere Mast- und Saugkälber 77 bis 81, geringe Kälber 68 bis 76. — Schweine: Zettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 81 bis 84, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. 81 bis 84, von etwa 200 bis 240 Pfd. 82 bis 85, von etwa 160 bis 200 Pfd. 81 bis 84, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. 79 bis 82 Mk. — Marktverlauf: Rinder ruhig, äleberstand. Schweine schleppend, äleberstand. Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft.
Letzte Nachrichten.
Das Endergebnis des Volksbegehrens
Berlin, 25.Rov. (WTB. Drahtmeldung.) Der Reichswahlausschuh trat heute vormittag zusammen, um das Ergebnis der (Eintragungen zum Volksbegehren zu prüfen. Rach längerer Aussprache wurde feskgestellt, daß im ganzen Eintragungsgebiet 4 135 300 unzweifelhaft gültige, 24 326 ungültige und zweifelhafte (Eintragungen vollzogen worden find. Ls find also etwa 8000 (Eintragungen über die erforderlichen 10 v. h. hinaus vorhanden, fo daß 10,02 o. h. be- Wahlberechtigten sich für das Volksbegehren eingetragen haben.
Furchtbare Gasexplosion in Essen.
L s f e n, 25. Rov. (WTB. Funkspruch.) heute vormittag gegen 10 Uhr ereignete sich auf dem Weberptah eine furchtbare Gasexplosion. (Ein Gebäude, In dem sich ein Haushaltungsgeschäft sowie eine Kaffee- und Frühstücksstube befindet, f I o g m i f furchtbarem krachen in die Luft. Das Haus wurde vollständig demoliert und auseinandergerissen. Die Straften liegen voll von haushaltungsgegenständen, viele sind durch die Fenster in die benachbarten Gebäude geflogen. Die Rachbargebäude find gleichfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Zensier sind fast sämtlich zertrümmert, die Decken und Wände geborsten. Die großen Schaufensterscheiben der benachbarten Läden wurden vollständig zertrümmert und unter die Waren geschleudert. Die Wucht der Explosion war derartig, daß die großen, drei bis vier Zentner schweren Steinstufen der Treppe Über die" Häuser hinweg aufdieDächergeschleudert wurden und dort große Verwüstungen anrichteten. Alle Jeuerroefjren mit ihren üranfemvagen sind an Ort und Stelle. Bisher sind aus den Trümmern acht Sdjroeroerleftfe und vier C e f d) f o erleb t c geborgen worden. Man sucht noch nach zwei Personen, einem Knaben und einem Mädchen, von den Schwerverletzten ist ein Mann kur; nach der Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. (Eine Marttfrau wurde von einem schweren Stein getroffen und auf der Stelle getötet. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde bisher eine weitere Leiche geborgen.
Kurszettel her Berliner und Krankfurier Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v. H., Lombardzinsfuß 8 v. H.
tfranlfuri a M
Berlin
Schluß
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Kurs |
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Kurs
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25 II.
23 11.
25 II
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87,3 |
87,5
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—-
7% Deutsche Reichsanleihe
von 1929 .........
$t. tiiiu..tai)lflf.-@d)ulo mit Au»
99
—
991
lol.-Rechten........
50,1
50
50,1
50.1
Tefal. rfjne Butzloi.-Rechte 6% Heil. PolHftaat von 1929
8,4
8,3
8,3
8,25
(rückzahlb. 103%) ....
vberhejsen Provinz - Anleihe mit
89,25
—
89
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Aueloi.-Rechten......
—
—
Deutsche Komm. Cammelabl.
46,75
-
46,5
_
8% irtanlf. Hnp.-Bonk Goldpse.
XIII unkündbar bi» 1931.
7% Franks. HvP.-Bank Goldpse unkündbar vir 1932 .....
4V2% Rheinische Htzp-Bank
96,5
—
—
—
85
—
—
—
Liqn. Goldpse........
8% Pr. Landetzpsandbriesanftalt, Psandbriese R. 17.....
80,13
—
—
—
98
98
—
8% Pr. Landctzpsanbbriesanstalt.
Komm.-Lbl. R. lti.....
7% Pr. Landeepsandbriesanstalt,
95
—
95
—
Psandbriese R. 10......
0.U.W. aO0. tiottricßü-DbltgaHon
89
—
89
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rückzahlbar 1088 .....
-
—
—
—
4% Oesterreichti che Gotdrtc .
4,20% Oeficrr. Silberne .
24,5
-
24.25
24,9
3,2
3,2
4% Ocslerreichiiche Einheitliche
Rente.........
——
—
4% Ungariscke Soldile.....
4% Ungarische Staattzr. o. 1910
21,2
19,25
21,2
21,3
21,4
19,5
4V,% dctzgl. von 1913 ....
—
—
21,13
-
4% Ungarische Kronenrte.. . .
—
195
—
4% Türl. Zoll an leihe v. 1911 .
4% Türkische Bagdadbahn-LnI.
8,35
—
8,4
Serke l........
8,4
8,4
8.4
4% detzgl. Serie II .
5% Rumänische Vereins, Reni
8,3
—
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von 1903 . - - -
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10
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12
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1
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Banknoten.
Berlin, 2 L November
Held
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Amerikanische Noten.....
4,162
4.182
Belgische Noten .......
58,23
58,47
Tänische Noten ........
111.58
112,02
Englische Noten . ......
20.322
20,402
siranzosiiche Noten .......
16,41
16.47
Holländische Noten .......
168.06
168.74
Italienische Noten ........
21,82
21.90
Norwegische Noten.......
111,53
111.97
Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling
58.58
58.82
Rumänische Noten.......
2.00
2.00
Schwedische Noten.......
112.00
112.44
Schweizer Noten........
80,84
81.16
Evanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten. , . . ,
57.38
58.62
12,335
12.395
Ungarische Noten........
72,80
73.10
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M.
23. November
25. November
ülmtlick,p Notierung
tilmtliche Notierung
Geld
Bries
Geld
Bries
XUmt.» ;Xott
168.43
168,77
168.43
168.77
Buen.-Aires
1,723
1.727
1,724
1,728
Brss.-Antw
58,37
58.49
58.365
58.485
khrtstlania
111,81
112.03
111,81
112.03
Kov:nhag:u
111.85
112,07
111.85
112.07
Stockholm
112.22
112,44
112.25
112.47
HelsingforS Italien. .
10,498
21,85
10,513
21,89
10.49
21.85
10.51
21.89
London. . .
20.358
20,393
20.358
20.398
Neunork . . Poris....
4,1750
4.1839
4.1740
41820
16,43
16,47
16,43
16.47
Schwei; .. ©Damen .
81.005
81,165
81.00
81.16
57,72
57.81
57.64
57.76
Japan - . -
2,043
2,047
2.043
2.047
?Hio de Fan Wien in D -
0.490
0,492
0,4870
0,4890
Cefl- abgeft
58.69
58,81
58.70
58.82
Prag . . . .
12,38
12,40
12,377
12.397
Hclirad .
7.392
7.406
7.394
7.408
Budapest -
73.01
73,18
73,03
73,17
Bulgarien
3,019
3,025
3,016
3.022
l'iffabon
18.89
18,84
18,80
18.84
Dan;ig. . Konst inkin-
81.42
81.53
81,43
81,59
1.960
1.964
1,949
1.953
Sitten. .
5,425
5.435
5,435
5.445
ffanal>a .
4.124
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4.124
4.132
Uru'.uay ■
4.010
4,024
4,016
4.024
Castro . .
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