Nr. 225 Erster Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 25. September (929 (Er jd) e tut täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte «Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monat$B<$ug$pret$: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüffe unter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. EietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Steindruckerei & Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für ( mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Dr. Klönne hat das Auswärtige Amt informiert. Drei Unterredungen mit leitenden Persönlichkeiten. Berlin, 24. Sept. (Privalmeldung.) Reichs- tagsabgeordneler Dr. klönne gibt über feine Besprechungen mit französischen Politikern noch folgende Erklärung bekannt: 1. Ich habe im herbst 1927 dem Ministerialdirektor Dr. Ritter einen etwa einstündigen Bericht über meine bis dahin gepflogenen Unterhaltungen gegeben, nachdem es mir trotz zweitägigem Versuch nicht gelungen war, den Herrn Außenminister selbst zu unterrichten. 2. Ich habe im Februar 1928 den damaligen Dirigenten der Offableilung des Auswärtigen Amtes Ministerialdirektor v. D i r ck s e u eingehend über meine Unterhaltungen mit französischen und englischen Staatsmännern und Politikern sowie über die Anregungen, die bei solchen Gelegenheiten an mich herangetragen wurden, unterrichtet. 3. 3d) habe am 26. April 1929 dem Staatssekretär v. Schubert den Inhalt meiner Unterhaltungen vom Vortage mit zwei französischen Politikern bekanntgegeben. Dieser Bericht enthielt keine Empfehlung der roiebergegebenen Vorschläge zur Heparationsfrage. 3m Gegenteil, ich machte warnend auf verschiedene Bedenken aufmerksam. Dabei konnte ich zu meiner Genugtuung seststellen, dah sich der Herr Staatssekretär meiner Auffassung völlig anschIoh. Der Abgeordnete Reynaud Über seine Berliner Reise. Paris. 24. Sept. (WTD.) Der der demokratisch-sozialen Fraktion (Fraktion Maginot) an- gehörende Abgeordnete Paul Rehnaud, der auf Grund der Veröffentlichungen der (Rational- liberalen Korrespondenz über deutsch-französische Allianzoerhandlungen von der linksstehenden französischen Presse sehr scharf angegriffen und aufgefordert worden ist, fich zu' äußern, übermittelt aus Mexiko, wo er sich gegenwärtig aufhält, unter heutigem Datum folgende durch Havas verbreitete Erklärung: „Im Verlaufe einer Studienreise nach Berlin habe ich Besprechungen mit den Vertretern der verschiedenen politischen Parteien, wie Stresemann, Breitscheid und Abgeordneten des Zentrums gehabt. Herr Rech- berg schlug mir vor, durch Vermittlung des Generals v. Lippe auch mit Persönlichkeiten der (Rechten zusammenzukommen. Ich nahm den Vorschlag an. maß ihm aber nur wenig Bedeutung bei. so daß ich weder zur Presse noch zu meinen Amtskollegen davon gesprochen habe." pDificare überseineVespreHungen mit Arnold Äechberß. Paris, 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der innenpolitische Leitartikler des ..Echo de Paris". Marcel H u t i n, hat den früheren Ministerpräsidenten P o i n c a r e gebeten. Stellung zu den Verhandlungen zu nehmen, die Arnold Rech- berg in Paris gehabt hat. als Poincare noch dec Regierung angehörtc. Poincare hat an den Redakteur folgendes Schreiben gerichtet: „Ich habe in der Tat Herrn Rechberg einmal im Jahre 1923 und einmal im Jahre 1928 empfangen. Er hat mir über die deutsch-französische Annäherung einige A l l g e m e i n h e i - t e n mitgetcilt, die er in den französischen Zeitungen veröffentlicht hat. Ich habe ihn darauf hingewiesen, daß alle diese Fragen zu denen gehören, die zwischen den Regierungen behandelt werden, nicht aber mit Privatleuten. Das ist alles. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß dieser direkte Besuch den Gedanken ausschließt, daß ich jemals den Abgeordneten Paul Reynaud hätte bitten können, für mich als Mittelsmann bei Herrn Rechberg zu dienen. Das ist eine Erfindung. Unter uns gesagt, habe ich übrigens zu Botschafter v.Hoesch von diesem Besuch gespro- ch e n. Er schien ihnnichternst zunehme n.“ Zum Schluß bemerkt Poincare. dah er noch immer durch seine Krankheit nahezu ans Bett gefesselt sei und daß der Zeitpunkt der zweiten Operation noch nicht festgesetzt sei. Die Meinung der Presse. Berlin, 24. Sept. (TU.) Die Berliner Blätter beschäftigen sich mit der neuerlichen Erklärung der ./National-Liberalen Korrespondenz", sowie den Erklärungen von zuständiger Stelle. „Der 21 b e n b" (Spätausgabe des „Vorwärts") meint, daß es sich bei den bekannten Plänen um ein Militärbündnis gegen Rußland handeln solle, sei bekannt. Das sei und) der Grund, weshalb die Unterhändler jo ichweigsam seien. Sie wollten ohne dazu berechtigt zu fein, deutsche Männer und Jünglinge an die französischen Imperialisten verhandeln. Der „Berliner Börsenkurier" (dem.) meint, daß man, sich im Grunde darüber freuen müsse, daß auch deutschnationale Politiker und Führer des Stahlhelms sich mit der Frage einer Verständigung mit Frankreich auf der Grundlage französischer Zugeständnisse ernstlich beschäftigen. Berechtigt sei nur bas Erstaunen darüber, daß deutschnationale Poli- liker noch viel weitgehendere und undiskutable Ver- Eine Berliner Kundgebung des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren. Berlin. 24. Sept. (WB.) Der Großberliner Ausschuß für das deutsche Volksbegehren veranstaltete heute abend im Sportpalast eine große Kundgebung. Schon um 6,30 Ufjr hatten sich große Massen eingefunden, um sich rechtzeitig einen Platz zu sichern. Kurz vor 8 LIhr mußte der Sportpalast wegen Heberfüllung polizeilich geschlossen werden. Zur Durchführung des Ordnungsdienstes waren zahlreiche Polizeimann, schäften zusammengezogen worden. Auf den Zu- gangsstrahen wurde der Dienst von zwei Zügen berittener Polizei ausgeübt. In den Nebenstraßen sind mehrere Polizeiautos für den Fall eines Alarms aufgestellt. Die Kundgebung wurde eingeleitet von Musikvorträgen der Stahlhelmkapelle. Rach dem Einmarsch der Fahnen und der Begrüßungsansprache des Landtagsabgeordneten Stadtrat Steinhoff erklärte der Siahlhelmbundessührer Seldie: Wie innere und äußere Politik in Deutschland geführt werde, entspreche nicht der Denkungs- weise des Stahlhelms, der in seinem Kampf um die Freiheit Bundesgenossen gefunden habe in dem Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren. Dieses Volksbegehren sei ein Teilstück des Kampfes um die deutsche Freiheit, der nicht etwa stehe und falle mit dem Ausgang dieses Volksbegehrens. Dem Stahlhelm sei jedes legale Mittel recht, das Deutschland der Freiheit näherbringe. Der Poung-Plan bedeute für uns keinerlei Erleichterung oder Verbesserung. Der Redner wandte sich dann gegen das Bestreben, den Reichspräsidenten in den Kampf hineinzuziehen, den die Männer der nationalen Reihen erst auf den Schild erhoben und zum Reichspräsidenten gewählt Haden. Der Stahlhelm verhandele nicht mit Frankreich, der Stahlhelm habe begriffen, daß der Erbfeind nicht außerhalb der Grenzen, sondern innerhalb der deutschen Gaue wohne. Der Stahlhelm sei nicht gegen den Staat, er sei für .das Vgferlgnd, für das Deutsche Reich. Darauf erklärte Reichstagsabg. Or. Hugenberg: Unser Angriff richtet sich gegen Art, Methode und Richtung der deutschen Außenpolitik, gegen die Politik der Versklavung Deutschlands an das internationale mobile Kapital. Wir sollen freiwillig ohne jede wirksame Rücktritts- ober Revisionsmöglichkeit feierlich bestätigen, daß wir bis 1988 ungeheure unb unmögliche Lasten auf uns nehmen. Die Behauptung ber amtlichen Propaganda, es handle sich um eine Ermäßigung unserer Lasten, ist eine Irreführung. Wir übernehmen im Pariser Tributvertrag Verpflichtungen, die wir nach allgemeiner Auffassung des Inlandes und des Auslandes nicht erfüllen können, deren Ueberncihme also eine Unehrlichkeit ist und von vornherein nur in der Absicht eines späteren Konkurses ober Atkorbes erfolgen kann. Die 15 Milliarben Aus - lanbschulben, bie wir in ben fünf Dawes-Iah- ren gemacht haben, beweisen unsere internationale Zahlungsunfähigkeit. Die Daweskrise mag zwar einigen Banken unb Firmen, die sich vor der Kündigung kurzfristiger ausländischer Kredite fürchten, vorübergehend Unbequemlichkeiten bereiten. Bei einer richtigen inneren und Wirtschaftspolitik wird sie dagegen die große breite Masse un- ferer Wirtschaft unb unseres Volkes nicht treffen. Die Daweskrise würbe, richtig ungefaßt, für das ganze deutsche Volk eine Gejundungs- krise sein wie einst bei der Helsferichschen Stabilisierung der Währung. Man hat uns seit Versailles nie unsere Lasten erleichtert, man hat sie mit jedem Vertrage erhöht. Man hat nie zu unseren Gunsten „revidiert", sondern stets zu unseren Ungunsten. Der Poungplan ist die Aufrechterhaltung des Dawes- planes, ist seine Rettung vor dem Bankerott. Mir scheint der Gedanke im höchsten Grade verächtlich, zunächst widerstandslos unerträgliche internationale Lasten zu übernehmen und dann in Rathenauschem Sinne durch Lohn - und Gehaltskürzung und Abbau der sozialen Einrichtungen die breite Masse des Volkes verelenden zu lassen. Ich meine: das mag dann nach der etwaigen Annahme des Voungplanes — die Sozialdemokratie selbst einmal versuchen, nicht etwa wir anderen. Wir Deutschen sind in den letzten zehn Jahren nach und nach alle z u Sklaven geworden und wollen gemeinschaftlich als Sklaven empfinden, deren höchstes Empfinden es ist, wieder ein freies Volk zu werden. Wir fragen, ob ein solches Volk, auch wenn es wehr- und waffenlos ist, nicht so geführt werden kann, daß es nicht zum Geschöpf und zum Schuhputzer der Welt wird? Ob es nötig und würdig dieses von ihm zertretenen Volkes ist, dah der Reichsaußenminister Stresemann erklärt: „Die Gegner unseres Systems operieren mit dem beliebten Schlagwort, durch den Poung-Plan werde das deutsche Volk für zwei Generationen versklavt. Statt immer von der nächsten Generation zu sprechen, die wahrscheinlich schon unter ganz anderen Bedingungen leben wird, sollte man zunächst einmal daran denken, daß der Poung-PIan der Müllers Heimkehr. Don unserer Berliner Redaktion. Am Donnerstag kehrt der Reichskanzler nach Berlin zurück. Am Montag beginnt bie Zwischentagung des Reichstags: diese beiden Daten zeigen in ihrer einfachen Auszählung, daß wir vor wich-tiaen Der Reichstag soll die Reform der Arbeitslosenversicherung zu einem erträglichen Ende führen, dazu hat er drei Tage Zeit. Bevor aber die Beratungen beginnen, muß man wenigstens einigermaßen wissen, was werden soll, weil sonst eine schwere politische Niederlage der Regierung unvermeidlich ist. Woraus sich ergibt, daß der Kanzler gerate vier Tage Zeit hat — vom Donnerstag bis zum Montag — um die Gegensätze zwischen den Regierungsparteien auszubügeln. Stärkere als er haben sich bisher vergeblich daran versucht. Es wäre für ihn selbst vom Liebel, wenn er mit allzu großen Hoffnungen an diese Ausgabe heranginge. Denn auch er kann nicht verkennen, daß die Dersicherungs- reform, die ja von Hause aus nur eine Teil- frage aus dem großen Gebiet der inneren Politik gewesen ist, nachgerade zu d e r politischen Frage geworden ist. Die Parteien haben sich auf ihren Standpunkt so festgebissen, daß es eine Prestigefrage für jede einzelne geworden ist, nicht nachzugeben. Lind wenn vor einigen Wochen noch vielleicht die Möglichkeit bestand, eine Mehrheit aus Sozialdemokraten, Zentrum, Demokraten und Bayern gewissermaßen an der Volkspartei vorbei zusammenzubringen, so ist auch dieser Augenblick heute schon verpaßt: einmal weil die Volkspartei damit nicht mehr zufrieden sein wird, dann aber auch, weil offenbar die Bayern und wahrscheinlich die Demokraten keine Neigung haben, ohne die Volkspartei der Wirtschaft eine neue Belastung von rund hundertfünfzig Millionen aufzupacken. Was ja auch in der Tat eine mehr als seltsame Einleitung der großen Aktion zur Entlastung der Wirtschaft wäre. Der Kanzler will offenbar darauf starten, daß er die Versicherungsresorm aus ihrer Isolierung herausnimmt und in den großen Komplex der gegenwärtigen Generation eine starke Erleichterung bringt. In den nächsten zehn Jahren hat das deutsche Volk ungefähr sieben Milliarden weniger zu zahlen, als es nach dem Dawes-Plan schuldete — ist das etwa nichts?" — Ja, selbst wenn die Zahl richtig wäre, was nicht der Fall ist, wäre es nichts, weil wir das Mehrfache nachzuzahlen haben und weil außerdem eine furchtbare Kehrseite verschwiegen wird: die Versperrung des Weges zur Revision und zur Freiheit. Der kurze Inhalt dieser Stresemannschen Worte heißt: Rach uns die Sintflut I Nach dem Gesang des Niederländischen Dank- f.ebeteä und einem kurzen Schlußwort des Ber- iner Stahlhelmführers v. Stephani endete die Kundgebung mit dem Großen Zapfenstreich. Nach Schluß der Versammlung kam es gegen 3/424 Llhr noch in der Schickler-, Blumenstrahe und an der Waisenbrücke zu Zusammenstößen. Es entspann sich eine wüste Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Schüsse gefallen waren. Die Polizei mußte starke Kräfte einsetzen und m i t dem Gummiknüppel d ie Menge zerstreuen. Sechs Personen wurden zwangsgestellt, zwei Verletzte nach der Rettungswache gebracht. Finanzreform einfügt, um auf diese Weise ein größeres Maß von Zugeständnissen zu gewinnen, das Volkspartei und Sozialdemokraten gegeneinander aushandeln kö rnen: das wür.e a er immer bedeuten, daß uic Volkspartei Dorju- leisten hätte und als Gegengabe einen Wechsel in die Hand bekommt, dessen Einlösung unsicher bleibt, auch wenn ihr bei., der Gestaltung Les fFknanzprögramms in der Theorie sehr weitgehende Zusagen gemacht würden. Es besteht also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dah Herr Müller sich t o t l ä u f t und dann ist eigentlich ein Rücktritt des Kabinetts unvermeidlich. Wir würden ihn nicht einmal bedauern. Denn die Zusammensetzung der Regierung ist im Augenblick nicht derart, dah die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung im kommenden parlamentarischen Winter gegeben wäre. Auch außenpolitische Gründe sprechen nicht dagegen, dah, wenn eine Krise schon unvermeidlich ist, sie dann sofort kommt. Man hätte dann in Ruhe die Möglichkeit, eine wirkliche Koalition zu bilden, und das Kabinett mit Männern zu besetzen, die nicht durch Krankheit oder innere Llnentschlossenheit jeden Fortschritt lähmen. Wobei wohl selbstverständlich ist, daß der Reichsaußenminister auch dem künftigen Kabinett angehört. Der Reichskanzler über die nächsten Ausgaben desKabinetts. Mannheim, 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) 3n der „Neuen Badischen Landeszeilung" bezeichnete der in Bühlerhöhe weilende Reichskanzler Hermann Müller als wichtigste Ausgabe der am 30. September beginnenden außerordentlichen Tagung des Reichstags die Erledigung der Gesetzentwürfe zur Aenderung des Gesetzes über die Versicherung der Erwerbslosen. Die zu lösende Ausgabe bestehe darin, für alle berechtigten sozialen Anforderungen auch die finanzielle Deckung zu schaffen. Das verlange eine ordentliche Ltatwirtschaft. Nach seiner Rückkehr nach Berlin werde der Kanzler den versuch machen. Schwierige innerpoliiische Lage. ständigungsvorschläge mit französischen Politikern und Militärs erwogen hätten, als die amtlichen Stellen, hier liege tatsächliä) die Enthüllung ernster Unaufrichtigkeit und Heuchelei vor. So scharf sich bas Blatt immer wieder dagegen gewandt habe, daß man aus den Kreisen der nationalen Opposition die Männer der Regierungspartei nicht etwa des Irrtums, sondern am liebsten des Landesverrates geziehen habe, jo wenig tonne das Blatt jetzt aber analogen Versuchen von der anderen «eite zustimmen. Das seien üble Methoden, mit denen es nichts zu schaffen haben wolle. „Der Deutsche" (Zentrum) wendet sich dagegen, daß man Klönne einen Vorwurf daraus machen wolle, daß er das Auswärtige 2lmt erst nach seinen Besprechungen unterrichtet habe. Es wäre lächerlich von jeder Unterhaltung, die ein Politiker ober Journalist mit einem Ausländer habe, vorher das Ausivärtige Amt zu unterrichten. Denn erstens seien solche Besuche heute ein fast tägliches Ereignis, und zweitens könne man vorher kaum ubschätzen, was bei solchen Unterredungen heraus- komme. — Die der Bolksparkei nahestehende „B e r - liner Börsen zeitung" wendet sich gegen die neuerlichen Auslegungen der „Rational-Liberalen Korrespondenz" und gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Wirkung, die der Vorstoß der „Rational- Liberalen Korrespondenz" bei der Linkspresse gesunden habe, deutlich genug zeige, daß der Stoß gegen die gesamte bürgerliche Rechte gerichtet sei. Auch ein schlechtes Gewissen ändere nichts mehr an dem Ungeschick dieser ganzen Enthüllungen. Das Blatt berichtet sodann, daß die Enthüllungskampagne der „Rational-Liberalen Korrespondenz" in maßgeb en den undeinsluß- reichen Kreisen der Deutschen Volkspartei lebhaften Unwillen ausgelöst habe. Man sei dort vor allem darüber empört, daß bas parteiamtliche Organ der Deutschen Volkspartei zu einer Intrige mißbraucht worden sei. Die „Volkszeitung" (dem.) meint, daß aus den Enthüllungen der „Rational-Liberalen Korrespondenz" neuerdings die aufdämmernde Erkenntnis spreche, daß sie der deutschen Außenpolitik sicherlich keinen Dien st erwiesen habe. Keine Fortschritte in der Aörusiungssrage. Genf, 24. Sept. (TU.» Die vorbereitende Abrüstungskonferenz des Völkerbundes wird, wie sich jetzt auf Gruno der verschiedenen privaten Gespräche zwischen den Führern der maßgebenden Abordnungen ergeben hat, kaum vor März oder April nächsten Jahres zusammentreten. Ein Fortschritt ist bei der diesjährigen Tagung der Döllerbundsversammlung in der Abrüstungsfrage in keiner Richtung zu verzeichnen. Der von der englischen Regierung mit großer Hartnäckigkeit vertretene Standpunkt, die Abrüstungsarbeiten des Völkerbundes mühten unverzüglich weitergeführt werden, ist an dem Widerstand Frankreichs und der den französischen Standpunkt vertretenden Mächte gescheitert. Die englische Regierung hat mit großem Recht daraus hingewiesen, daß die Landabrüstung jedenfalls für Europa bei jedem Kriege in erster Linie entscheidend fei. Es sei deshalb sinnlos, den Fortgang der Abrüstungsverhandlungen und die Klärung der Landabrüstungsfrage von dem Ergebnis der Konferenz der großen Seemächte abhängig zu machen. Diese T^se wurde jedoch von der Völkerbundsver- sammlung abgelehnt. Der Verzicht auf den Krieg als Mittel der nationalen Politik wurde in der Vollversammlung am Dienstag von den Franzosen eingehend an Hand des Berichtes der juristischen Kommission behandelt. Den Llrsprung dieses Berichts bildete der Antrag der englischen Abordnung zu Beginn der diesiährigen Völkerbundstagung, die Artikel 12 und 15 des Völker- bundspaktes, die in gewissen Fällen den Krieg als zulässiges Mittel gestatten, dem KeI ° logpaktanzugleichen. Den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes müsse dieses Recht, zum Kriege zu schreiten, genommen werden. Der Vorschlag der juristischen Kommission sieht eine elf- gliedrige Sonde rkommission vor, die bis zur nächsten Vollversammlung die notwendigen Abänderungen des Völkerbundspaktes int Geiste des Kelloggpaktes ausgearbeitet haben soll. Der Vorschlag wurde von der Vollversammlung angenommen. die Regierungsparteien auf einer gemeinsamen Basis zu einigen. Er hege die Erwartung, daß die Verhandlungen einen gangbaren Ausweg eröffnen werden. Ende Oktober habe der Reichstag eine Reihe von Gesehen zu verabschieden, die auf dem Zoungplan fußen, und ohne deren Erledigung die baldige Befreiung der besetzten Gebiete nicht erfolgen würde. Auch Bad Schmalbach frei! Bad Schwalb ach, 24. Sept. (Wolff.) Heute nachmittag hat die hi-sige Besatzung, das 2. Bataillon des Dersethfhire-Regiments, Bad Schmalbach verlassen. Gegen 3 Uhr nachmittags rückten die Truppen aus der Kaserne aus und zogen mit klingendem Spiel durch die Stadt zum Bahnhof, wo sie in zwei bereit st ehende Züge geladen wurden. Das Publikum verhielt sich ebenso wie gestern in Königstein sehr zurückhaltend. Aus dem abfahrenden Zuge erscholl ein vielstimmiges ,,Good bye“. In Wiesbaden wurden die Züge zu einem Zuge vereinigt, der bis Ostende fährt. Die neue Garnison in England ist Portland. 20 Mann der Besatzung sind zur Abwicklung der Geschäfte noch bis Samstag hiergeblieben. Oie 2. Zone am 1. Dezember frei. Berlin, 24. Sept, (wv.) Das französische Oberkommando in Mainz hat mitgeteilt, daß Lhrenbreitsteln spätestens am 30. November geräumt sein werde. Damit ist am 1. Dezember die zweite Zone von der Bc- sohuug frei. Das Ordonnanzsyslem hat damit für diese Zone seine Geltung verloren, und die deutsche Souveränität ist wiedcrhergestellt. Das Bistum Berlin. Bischof Dr. Schreiber von Meißen zum Administrator desBistumsBerlin ernannt. Berlin, 24. Sept. (TU.) Der Bischof von Meißen, Dr. S ch r e i b e r, ist zum Administrator des Bistums Berlin ernannt worden. Die Verlautbarung dieser Ernennung hat folgenden Wortlaut: „Durch das neuerlich abgeschlossene preußische Konkordat ist zwischen dem Heiligen Stuhl und dem preußischen Staate vertraglich vereinbart worden, daß der bisher dem Bischof von Breslau mit unterstehende Bezirk Berlin zum selbständigen Bistum erhoben wird. Die Errichtung der neuen Diözese wird durch eine Circumskriptionsbulle erfolgen, in der der Heilige Stuhl alle im Konkordat festgesetzten Aenderungen der gegenwärtigen Diözesanorganisation und Diöze- sangrenzen der katholischen Kirche in Preußen regeln wird. Inzwischen hat Papst Pius XI. d i e selbständige Verwaltung des genannten Bezirks dem hochwürdigen Bischof Christian Schreiber, Bischof von Meißen, als apostolischem Administrator a d notum >st-sedis anvertraut." Die Nachprüfung unantvendbar gewordener Vertrüge. Eine Entschließung zu Artikel 19 des Bölkerbundstatuts. Genf, 24. Sept. (WB.) Der Rechtsausschuß der Völkerbundsversammlung hat den Entschließungsantrag seines Unterausschusses über den chinesischen Antrag zu dem Revisionsartikel 19 des Völkerbundspaktes einstimmig genehmigt. Mit dieser Entschließung „erklärt die Bundesversammlung, daß ein Völkerbundsmitglied unter seiner Verantwortung rind unter Einhaltung der Geschäftsordnung auf die Tagesordnung der Völkerbundsvcrfammlung d i e Frage stellen kann, ob der Fall gegeben ist, zu der in Artikel 19 vorgesehenen Aufforderung über Neuprüfung von Verträgen zu schreiten, die dieser Völkerbundsstaat als unanwendbar geworden betrachtet, oder von internationalen Verhältnissen, deren Aufrechterhaltung nach seiner Auffassung den Frieden der Welt gefährden könnte". Ein solcher Antrag soll, wie es in der Resolution weiter heißt, in Uebereinstim- mung mit Artikel 19 abgefaßt sein und erklären, daß in diesem Falle „die Bundesversammlung den Antrag unter Beobachtung ihres gewöhnlichenBerfahrens erörtern und gegebenenfalls die verlangte Aufforderung ergehen lassen wird". Die Llnruhen in Palästina. Beduinen überfallen ein jüdisches Kinderdorf. Jerusalem, 24.Sept. (TH.) In der Nacht zum DienStag ist das sog. Kinderdors K f a r Hay Beladim von einer Bedumeubande überfallen worden. Der einzige Wächter des Dorfes wurde niedergemacht. Unmittelbar nach ihrem Eindringen schnitten die Beduinen die Telephonverbindung ab. Das gesamte Vieh wurde geraubt. Als nach erheblicher Verspätung eine Truppenabteilung heranrückte, waren die Veduincn bereits wieder verschwunden. Die jüdische religiöse Hochschule in Hebron verlangt von der Negierung in Jerusalem eine Million Mark für die ermordeten 35 Schüler. Außerdem haben noch eine Reihe amerikanischer und litauischer Bürger Ansprüche geltend gemacht. Das Kinderdorf Kfar Hay Veladim wird von ukrainischen Pogromwaisen bewohnt. Die Verwaltung des Dorfes liegt zum Teil in den Händen der Kinder selbst. Palästina und hie deutschen Juden. Berlin, 24. Sept. (Tel.-Un.) Die „Vereinigungen für das liberale Judentum" teilt mit: Ein in der Tagespresse verbreiteter Aufruf der deutschen Mitglieder der I e w i s h 2lgency und des deutschen Keren Hajessod e. 23.: „Das jüdische Palästinawerk", „Hilfe durch Aufbau" zwingt uns, folgendes zu erklären: Es ist unrichtig, daß, wie in dem Aufruf behauptet wird, die Einigung der Judenheit für den Palästina-Aufbau gelungen fei und daß die „Vertreter der jüdischen Gemeinschaften aller Länder" sich verpflichtet hatten, bei der Errichtung der jüdisd)-nationalen Heimstätte in Palästina mitzu- arbeiten. In Wahrheit steht die große Mehrheit der deutschen Juden dem jüdisch-nationalen Aufbauwert ablehnend gegenüber, weil sie sich national 's Deutsche fühlen und das Judentum ihnen Sie Reichsbahn fordert erneut Tariferhöhung. Notwendige Aufwendungen zur Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit. Unzureichende Mehreinnahmen. Berlin, 24. Sept. (WTB.) Der Verwaltung s r a t der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat am 23. und 24. September 1929 zur Frage der Tariferhöhung und deren Ablehnung durch die Reichsregierung Stellung genommen. Er kann die vom Reichsverkehrsminister zur Ablehnung seines Antrages gegebene Begründung nicht anerkennen und hat beschlossen, der Reichsregierung die Lage der Gesellschaft neu darzustellen. Der Reichsverkehrsminister hat seine Ablehnung damit begründet, daß die über den Voranschlag entstandenen Mehrausgaben durch eine günstige Entwicklung der Einnahmen gedeckt werden könnten. Diese Annahme trifft bedauerlicherweise n i ch t zu. Vom 1. Ianuar bis zum 1. September haben die Einnahmen des Iahres gegen den Voranschlag nur 2,5 Millionen Mark mehr erbracht. Im September ist die veranschlagte tägliche Bruttoeinnahme bisher nicht voll erreicht. Die Deckung für die im Voranschlag nicht vorgesehenen Mehrausgaben, besonders für die Lohnerhöhung, ist nur durch eine erneute ^Drosselung aller Sachausgaben möglich geworden, die für die Zukunft unter keinen Umständen verantwortet werden kann. Die Feststellungen des Arbeitsausschusses zur Untersuchung der Betriebssicher'?it und die Entschließung des Reichstags vom „0. Februar 1929 erklären für notwendig, daß von der Reichsbahn zur Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit höhere Aufwendungen sowohl in der Betriebsrechnung als auch in der Vermögensrechnung beschleunigt gemacht werden. Auch die Erörterungen, die in der Oeffentlichkeit im Anschluß an verschiedene Unfälle und in letzter Zeit aus Anlaß des Münchener Freispruches stattgefunden halben, verlangen von der Reichsbahn in beschleunigtem Tempo erhöhte Aufwendungen im Interesse der Betriebssicherheit. Allen solchen Forderungen konnte aus Mangel an Mitteln bisher n i ch t entsprochen werden, und auch die Aussichten für die folgenden Iahre ergeben bei den jetzt zur Verfügung stehenden Einnahmen dazu keine Möglichkeit. Selbst wenn für die wertsteigernden Aufwendungen die Inanspruchnahme des Kapitalmarktes zu erträglichen Bedingungen in absehbarer Zeit möglich werden sollte, müssen nicht nur die Ausgaben für Unterhaltung und Erneuerung, fonbern auch gewisse Aufwendungen für Modernerhaltung der Anlagen aus den Betriebseinnahmen gedeckt werden. Der Derwal- tungsrat betrachtet es als Aufgabe der Deutschen Reichsbahngesellschaft, ein genügendes Maß sachlicher Ausgaben für Erhaltung, Erneuerung und DetriebsentwicÜung unter allen Umständen sicherzustellen. Die Gesellschaft würde es im allgemeinen und eigenen Interesse begrüßen, wenn sie nicht gezwungen wäre, dem Verkehr eine erhöhte Belastung aufzuerlegen, und wenn ihr statt dessen die unerläßliche finanzielle Erleichterung durch die Reichsregierung in anderer Weise gewährt wurde. Sollte ein Ergebnis in diesen Verhandlungen nicht erreicht werden, so hält es der Verwaltungsrat für seine dringende Pflicht, eine Tariferhöhung in ausreichendem Umfange erneut zu beantragen und nachdrücklich weiter zu verfolgen. Ein seltsamer Sehördenstreit. Die Reichsbahn lehnt Fahrtgutschcine für Kriegsbeschädigte ab. Berlin, 25. Srpt. (Priv.-Tel.) In der Oeffentlichkeit hat die Mitteilung großes Aufsehen erregt, nach der zwilchen der Berliner Reichsbahndirektion und dem Hauptvevsorgungsamt ein Konflikt ausgebrochen ist, der schließlich dazu führte, daß von einzelnen Bahnämtern Gutscheine des Hauptversorgungsamtes für Kriegsbeschädigte a ls ungültig abgelehnt wurden. Es ist sicherlich kein Musterbeispiel sozialer Gesinnung. den Kampf zwischen zwei Behörden a u f dem Rücken von Kriegsbeschädigten auszufechten. Das Hauptdersorgungsamt war mit Zahlungen, die im Zeitraum von fünf Tagen zu leisten sind, in Rückstand gegenüber der Reichsbahn gekommen, was dieser aber gleichsam einen klagbaren Rechtsanspruch gab. Der Hintergrund dieser ganzen Affäre ist die wenig erfreuliche Verworrenheit, in der zur Zeit die Finanzen des Reiches und seiner Behörden stecken. Wie wir von gutunter- richte ter Seite hören, hat das Reichsarbeitsministerium im Rahmen der Verhandlungen um den Rachtragsetat — wie schon an dieser Stelle berichtet werden konnte — sich bereits vor einiger Zeit an das Reichsfingnzministerium gewandt, um die finanzielle Lage des Versor- grvngswesens zu klären. Anscheinend ist die Lage hier recht schwierig, was zum Teil darauf beruhen mag, daß die Dersorgungsämter in der Praxis die sogenannten Kann-Vorschriften, nach denen gewisse Auszahlungen erfolgen, fefcr freigiebig angewendet haben, so daß gegenüber dem Etatsansatz fühlbare Mehrausgaben erfolgt sind. Andererseits will das Reichsfinanzministerium, das sich selber in einer schwierigen Lage befindet, hier einen gewissen Druck ausüben, und hat sich zunächst einmal ablehnend verhalten. Der ganze Fragenkomplex muß nun im Rahmen der Verhandlungen yir den Rachtragsetat endlich einer Regelung zugeführt werden. Duell unh Bestimmungsmensur. Aus dem Reichstagsausschuß für Strafrechtsreform. Berlin, 25. Sept. (VDZ.) Der Reichstagsausschuß für Strafrechtsreform nahm seine Beratungen wieder auf. Zur Beratung standen die Strafbestimmungen, nach denen der Z w e i k a m p f mit Gefängnis nicht unter drei Monaten, im Falle der Tötung eines Teilnehmers nicht unter einem Iahre bestraft werden soll. Der deutschnationale Abgeordnete Hannemann beantragte eine Aenderung, wonach studentische Mensuren straffrei bleiben sollen. Gegen diesen Antrag wandte sich der Zentrumsabgeordnete W e g - mann. Das Duell sei nach seiner Meinung ein Verbrechen gegen Leib und Leben und ein unsittliches Vergehen gegen den Mitmenschen. Das Delikt des Zweikampfes sei in sich widersinnig. Er werde bei der zweiten Lesung beantragen, daß diese Tat nur dann nicht bestraft werden könne, wenn sie an sich nicht gegen die Sitte verstoße. Abg. Landsberg (Soz.) meint, straffrei sollten nur die zugezogenen Aerzte bleiben, nicht die Kartellträger. Zeugen und das Ehrengericht. Ohne Rücksicht auf die Höhe der Strafe solle mit jeder Bestrafung der obligatorifche Verlust der Amtsfähigkeit verbunden fein. Die Bestimmungsmensur dürfe nicht straffrei bleiben. Abg. Dr. Leutheußer (D. Vp.) begrüßt es, daß der Entwurf einen Unterschied zwischen wirklichem Duell und studentischer Schlägermensur macht. Die Mensur sei kein Duell, sondern eine sportliche Hebung. Die Vertreter der Deutschen Volkspartei würden die Verschärfungsanträge ablehnen. Abg. Hergt (Dn.) betont, die Straflosigkeit des Duells werde auch von den Deutschnationalen nicht verlangt: vielmehr werde von ihnen jeder unmoralische Duellzwang durchaus bekämpft. Der Waffenring der Studenten sei nicht ein Förderer der Zweikämpfe, sondern er verhindere sie in vielen Fällen durch seine Ehrengerichte. Solange Boxkämpfe erlaubt seien, dürfe man Bestimmungsmenfuren nicht bestrafen. Ministerialrat Schäfer (Reichsjustizrniniste- rium) erklärt, der Entwurf wolle jeden Zweikampf, mit dem eine Gefahr für Leben und Ge° fundheit der Beteiligten verbunden fei, mit Strafe bedrohen, einerlei, aus welchen Beweggründen ein solcher Zweikampf erfolge. Daneben erscheine der Zweikampf strafwürdig, sofern er den Kastengeist und die Heberheblichkeit schütze und dadurch eine Störung des öffentlichen Friedens herbeiführen könne. Insoweit finde der Zweikampf im Entwurf entschlossene Ablehnung. Das geltende Recht berücksichtige nur den ersten Gesichtspunkt, und der Begriff der „tödlichen Waffe" habe durch die Rechtsprechung des Reichsgerichtes bekanntlich die Auslegung gefunden, daß es auf die abftrdfte Eignung der Waffe zu tödlichen Verletzungen ohne Rücksicht auf die im Einzelfall getroffenen Vorsichtsmaßregeln an komme. Diese Auffassung sei in der Wissenschaft auf lebhaften Widerspruch gestoßen und habe auch in der Rechtsprechung der Hntergerichte nicht die genügende Gefolgschaft gefunden. Zu dieser Frage müsse das neue Strafgesetzbuch klar Stellung nehmen. Der Reichsrat habe dies in der Weise getan, daß er die studentischen Bestimmungsmenfuren mit Schlägern und unter Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr unter Strafe stelle, wenn sie nicht zur Austragung eines Ehrenhandels erfolgten. Diese mittlere Linie erscheine dem Justizministerium als eine annehmbare Lösung. Falls die Mehrheit des Ausschusses weitergehen und auch die Bestimmungsmensur mit Schlägern bestrafen wolle, weil sie der Aährboden für das ernste Duell sei, so behalte sich der Iustiz- minister eine erneute Rachprüfung und Gntschei- dung des Kabinetts vor. Abg. Dr. Dell (Ztr.) erklärt, der jetzige Zustand, daß bestehende Rechtsvorschriften gegen die Mensuren praktisch nicht angewendet würden, sei nicht länger erträglich. Während im Volks- bewußtssin der Zweikampf immer mehr an Boden verliere, ssi die Destimmungsmen- s u r gerade zur Förderung des Duellgedankens geeignet und bestimmt. Sie sei nicht einfach als sportliche Hebung an» zusehen und dürfe nicht straffrei sein. Ministerialdirektor Schäfer teilt mit, daß von den 71 Verurteilungen wegen Zweikampfes im Iahre 1928 beinahe die Hälfte, nämlich 35, wegen Bestimmungsmenfuren auf Lippe-Detmold entfielen. Auf Preußen entfielen 17 oder 18 Fälle, auf Sachsen 9, Mecklenburg-Strelih 4, Braunschweig 2. Bayern, Baden, Anhalt und Bremen je ein Fall. Abg. Dr. Ehler mann (Dem.) erklärt, seine Freunde feien für scharfe Bestrafung des Zweikampfes, damit er endlich verschwinde. Der Redner stimmt dem Abg. Dr. Dell darin zu, daß das jetzige Verhalten der Strafverfolgungsbehörden zu den Bestimmungsmenfuren nicht länger erträglich sei. Daraus sollte aber gefolgert werden, daß die Ve st immun gsmensu- ren ebenso straffrei sein müssen wie Doxkämpse. Abg. Dr. Wunderlich (D. Vp.) stimmt der Regierungsvorlage unter Ablehnung aller Aen- derungsan träge zu. Abg. Dr. Iörrissen (Wp.) erklärt sich für Bestrafung der Bestimmungsmenfuren. Die Boxkämpfe sollten wegen ihrer verrohenden Wirkung gleichfalls unter Strafe gestellt werden. nicht nationale, sondern religiöse Gemeinschaft ist. Deshalb haben große Vereinigungen der deutschen Juden die Beteiligung an der Jervish Agency abgelehnt. Wir beklagen die Opfer der blutigen Unruhen in Palästina aufs tiefste. Jegliche Unterstützung des jüdisch-nationalen Aufbauwerkes lehnen wir ab: als die wahre Aufgabe der Juden erscheint uns die Arbeit an der Verwirklichung der religiös- sittlichen Ideale des Judentums in ihren Heimatländern. Aus aller Welt. Der Berliner Oberbürgermeister in Reuyork. Aus Anlaß des Besuches des Berliner Oberbürgermeister D ö ß in Neuyork fanden große Festlichkeiten statt. Polizeipräsident W h a l e n holte Dr. Böß von seinem Hotel ab und geleitete ihn in mit deutschen und amerikanischen Fahnen geschmückten Auto zum Rathaus, wo Oberbürgermeister Walker den Berliner Oberbürgermeister offiziell empfing. Eine riesige Menschenmenge hatte sich eingefintben. Während die Flagge der Stadt Berlin in das große Rathauszimmer getragen und von einem Polizeileutnant während der ganzen Feierlichkeit gehalten wurde, hieß Walker das Berliner Oberhaupt in Neuyork herzlich willkommen. Oberbürgermeister Dr. Böß dankte für den herzlichen Empfang. Abends fand im Hotel Baltimore in Anwesenheit der Vertreter Deutschlands und Neuyorks ein Festbankett statt. Tragischer Autounsall eines Ehepaar». In Berlin wurde in der Nähe des Kurfursten- dammes das Auto des 66jährigen Rittergutsbesitzers v. W o l l a n g, in dem dieser, der s e l b st gelähmt ist, seine kaum genesene Ehefrau aus einer Klinik abholte, von einem in schnellster Fahrt befindlichen Privatwagen ange- fahren. Der Anprall war so heftig, daß sich das Auto Wollangs, in dem sich auch noch eine Krankenschwester befand, mehrmals überschlug und auf den Kühler eines Lastwagens geschleudert wurde. Bei dem Unfall wurde die Ehefrau des Rittergutsbesitzers so schwer verletzt, daß sie bald daraus starb. Der schwerverletzte Ehemann ist noch im Lause der Nacht ebenfalls seinen Verletzungen e r l e g en. Die Krankenschwester war schwer verletzt worden. Der Wagen, der den Unfall verursacht hatte, war, da er mit Gummipuffern versehen war, nur wenig beschädigt. Die so- fort vorgenommene Untersuchung ergab, daß der Chauffeur dieses Wagens die Schuld hatte, da kaum er fennbare Bremsspuren zu finden waren. Die Familie Wollang ist durch ihre großzügigen Stiftungen zugunsten Berliner Armen bekannt» die auf 20 Millionen Mark geschätzt werden. Schwere Eisenbahnkalastrophe in Rußland. Don einem Personenzuge auf der Strecke M o s- k a u—W jatka entgleisten 80 Kilometer von von Wjatka entfernt sechs Wagen, von denen zwei völlig zertrümmert wurden. 45 Personen sollen getötet worden sein, 26 schwer und 10 leicht verletzt. vergiftete Schokolade. Dem 19jährigen Musikschüler Obermann aus Bochum wurde bei einer Bahnfahrt nach Dortmund von einem unbekannten Mitreisenden Schokolade angeboten, nach deren Genuß er heftige Magenschmerzen verspürte. Der Vergiftete starb, nachdem er ins Krankenhaus gebracht worden war. Oberst a. D. firiebel militärischer Ratgeber bei der chinesischen Regierung. Rach Derichten aus Ranking hat Präsident Tschiangkeischek kürzlich den Oberst a. D. Kriebel zum Rachfolger deS verstorbenen militärischen Ratgebers Oberst Dauer ernannt. Oberst a. D. Kriebel hat früher dem bayrischen Generalstab angehört. Die Opfer der Unwetterkatastrophe in Italien. Das Hnglück auf der Strecke Dattaglia — Po tenza, bei dem ein Inspektionszug von einer Hochwasserwelle erfaßt wurde, hat nach den letzten endgültigen Feststellungen sieben Menschenleben gekostet. Der Inspekttons- zug war mit zwölf Eisenbahnbeamten unterwegs, von denen nur fünf zurückgekehrt sind. An anr derer Stelle sind, wie jetzt festgestellt wurde, zwei Weichensteller der Hntoetterfata- strvphe zum Opfer gefallen. Schlagende Wetter in einem belgischen Bergwerk. In einem Kohlenbergwerk in Roirchain bei Mons, wurden durch schlagende Wetter fünf Arbeiter getötet Oie Wetterlage. Oienstaa» IVO -M- y o O -0=^8 2v.sZi_ Z—3# W la Corona----- Qwomenros. bedeatL » wortig. • oe« Dauer ernannt, ter dem bayrischen etgffdjen Bergmerf. in Aoirchain bt\ nbe Tktter W gen am Platze. Mit der Dekämpsung der durch den Blutverlust hervorgerufenen Blutarmut — sie äußert sich in ?(ässe des Gesichtes, Erschöpfung. Durst, in chweren Fällen in Flimmern vor den Augen. Ohrensausen, Schwindel und Ohnmacht — soll nicht eher begonnen werden, bis die ^l-hwester war : ®a9cn- der de ®umm" schädigt. Sie jo, schuld hatte, da ^ihre qrok. ■•««»<« Su ™t » ItUnn stillenden Mitteln getränkte Druckverband oder die Ausstoplung des Afters mittels eines fingerdicken etwa 20 Zentimeter langen, mit Jodoform» gaze umwickelten Gummirohres und letzten Endes, wenn alles dies nichts nützt, die Hilfe des Chirur- , Die Deutsche Lebensrettungs-Ge» 1 < 11 f d) a f t (DLRG.) entfaltet in den letzten Zähren wieder eine rege Tätigkeit. Sie hat sich v.m Ziel gesetzt, die in die Tausende gehende Zahl der alljährlich in Deutschland Ertrinkenden auf das geringstmögliche Maß herabzumindern, sie ist sich klar darüber, daß dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn jeder Deutsche sch w im i,'. en lernt und wenn nach Möglich» keit jeder, der die Schwimmrunst beherrscht, es arch fertig bringt, einen Ertrinkenden vor dem Tode in den Fluten zu retten. Diese Fertigkeit st aber in der Regel nur durch besondere Ausbildung zu erlangen, und hier seht deshalb im wesentlichen die praktische Arbeit der DLRG. ebn. Heute gibt es bereits in ganz Deutschland ehe große Zahl von Rettungsschwimmern, die sich ständig vermehrt. Auch der Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. September 1929. Wie verhalte ich mich bei plötzlichen Blutungen? Von Dr. med. Lisbeth Fink. Eine plötzlich auftretende Blutung ist gewöhnlich ein aufregendes Ereignis. Fast immer wird aber zum Glück vom Laien die Gefahr weit unterschätzt. 3n der Regel droht dem gesunden 1 Erwachsenen die Gefahr des Verblutungstodes erst beim Verlust seiner halben Blutmenge. Das | ist bei einem Körpergewicht von 60 Kilo immer» 5 hin das stattliche Maß von über 2 Liter. 3e ßs schneller die Blutung erfolgt, desto größer ist ! natürlich die Gefahr: nur eine kleine Gruppe । von Menschen ist auch schon durch langsam erfolgende Blutungen gefährdet. Das sind die Bluter, jene abnorm Veranlagten, in deren ' Blut die Gerinnbarkeit stark herabgesetzt ist. 's’ Schon an einer geringfügigen Gelegenheitswunde oder beim Zahnziehen können sie sich verbluten, . , weil die Blutstillung nicht gelingt. Erstes und oberstes Gebot bei jeder Blutung ist die Blutstillung. 3n zweiter Linie erst kommt die Bekämpfung der durch den Blutverlust hervorgerufenen Blutarmut in Betracht, j Die Blutstillung gelingt am einfachsten bei Blutungen aus äußeren Wunden. Ein fest gegen die Wunde angedrückter Verband aus keimfreiem | Verbandstoff, im Rotfalle aus frisch gewaschenem Seinen, mittels eines Tuches oder einer Binde . befestigt, dazu bei Blutungen an den Armen oder Beinen die Hochlagerung der entsprechenden Gliedmaßen, bringt den roten Strom in vielen Fällen fast sofort zum Stillstand. Auch Blutungen aus geplatzten Krampfaderknoten, ja selbst die kleineren, hellrot spritzenden Schlagaderblutungen hören unter dieser Behandlung auf oder lassen sich mindestens so lange in Schach halten, bis ärztliche Hilfe erreichbar ist. Bei größeren Schlagaderblutungen wird man zunächst ebenso verfahren. 3n bedrohlichen Fällen aber zugleich das ganze Glied oberhalb der blutenden ? Wunde mittels eines Gummischlauches, eines Diemens, eines Hosenträgers oder Taschentuches umschnüren, vor allen Dingen aber für s o - ’ortige Heberführung ins Krankenhaus sorgen, damit das spritzende Gefäß durch - die Raht verschlossen werden kann. Viel leichter läßt sich in der Regel Rasenfeluten beherrschen. Es steht meist schon, wenn der Patient dcn Kopf hochrichtet, den Rasenflügel derjenigen Seite, aus der das Blut kommt, fest gegen die Dosenscheidewand preßt, den Hals vom engen Kragen befreit und kalte Umschläge, womöglich einen Cisschlauch in den Racken und auf die , Stirn legt. Rur in den seltensten Fällen gelingt es auf diese Weise nicht, eine Rasenblutung zu stillen: dann ist der Arzt zu Rate zu ziehen, der durch Verätzung ober Verschorfung der blutenden Stelle, im Rotfalle durch Aus- ftopfen der Rase (die sogenannte Tamponade), aus rasche Weise Hilfe bringen kann. Weit ernster aufzufassen sind die hellrote, schaumvermengte Lungenblutung und die bräunliche, kaffeesahartige Magenblutung. Gewiß kann in einer so verantwortungsvollen Lage, wie sie eine Lungen» ober Magenblutung derstellt, bie Behandlung nur vom geschulten Arzt richtig geleitet werden, der darum so schnell , clls möglich zuzuziehen ist. Viel, sogar sehr viel - hängt aber auch vom richtigen Verständnis der Umgebung des Kranken für die Anordnungen des Arztes ah. Alle überflüssigen und aufgeregten Angehörigen sind aus dem Krankenzimmer öii entfernen, damit der ohnedies durch die Diu» * tung gewöhnlich aufs äußerste geängstigte Kranke ' nicht noch mehr aufgeregt und beunruhigt wird. Dazu ist um so weniger Veranlassung als die ”"S"«'S**** Vif Olt O1» u| Säer in Sa)lub-I Kure I 1-Uhr Kur Schlich-i Anfang- Ihn: | Kure Schluh-! Kurs 1 '-Uhr I Kur, | Schluh-l Anfang- Kurs | Kurs Datum 24.9. \ 25 9. 24-9. 25.9. Datum 24-9. 25.9. 24.9. 25.9. 6% Dt. R.ichsanlethe o. 1987 . Dl. Anl.-Abiöj.-Schwd mit Aus 87,5 10,65 85,5 77 88,5 2,35 1,65 22,13 1,75 7,3 7,25 7,25 7,5 14,65 116,25 108,75 124 124,5 199 174,75 268 162,25 152,5 154 294 | l 1 15 1 'S 1 II I 111 Illi £ 1 1 1 1 l 1 1 । 1 1 1 $1 1 87,5 53,5 10,15 27,75 22,13 19,75 21,8 1,75 7,35 7,35 7,35 7,4 14,8 116 180 152,5 109,13 124,5 124,75 199 174,65 268 162 152,25 154 297 53,25 10,4 7,4 7,4 115,4 178,5 152,5 108 124,5 124,75 198,5 174,5 263 161,5 152.25 153 293,5 A.li.G......... . - d Bergmann.........9 ©ent. Lieferungen.....1° Licht und Kraft......1° Reiten & Guilleaume.... ©ej. f. Eleltr. Untern.....10 Hamb. Eletrc. Werke .... 1« Rhein, ©ehr.........» Schief. lAektr........10 Sclmckeri.........11 Siemens & HalLke ..... 16 Tranrravio.........8 Lahmerer L Co.......10 Buoeruii..........5 Deutsche Erdbl.......6 Essener Steinkohle..... p Zarpener..........0 Hoesch Äsen. ....... %Vi alle Bergbau.......10 Löln-Neuessea........7 Mannesmann........ 7 ManSfeldec.........7 Lbersch'-es. Eiienb. Bedarf . . . ' Oberschiel. Kottwerke.....7 Phönir Bergbau......6y3 Rheinische Braunkohlen... IC Rheinsiahl.........6 Riebeck Montan......7,2 Vereinigte Stahlw ..... Otavl Minen......16’/ Kali Ascherileben.....U Kali Westeregeln...... 10 Kallw.rt Salzdetfurth ... 15 3. 0. Farben-Jndustri, ... 12 Tnnamll Nobel....... Scheibeanstatt. ....... 9 Goldschmidt ....... k Rülgerrwerke........6 MetallgeseUschaft. ...... 8 191,5 203,5 135 205 374 165,9 72 139,25 142^5 215 114 111 136 106,5 266 121,5 113,5 230,5 238 387 214 151,75 72,5 80,5 126 190,25 201,25 220,5 372,5 70 138,5 110,25 105,25 119 235 212 150 78,5 221,5 167 202,5 135,5 205 143,5 146 182,25 221 374,5 141,5 168,5 71 110,75 140,5 138,65 141,75 129 214,75 113,25 125 11.,25 136 62 102,25 106,65 266 120,75 113,75 70 229,75 236,75 387,5 213,75 101,75 73,75 79,4 126 189,75 200,5 134 204,5 143,25 144 180,5 220 372 140 71 139 137,5 141 214 113,75 124,4 110,6 135 80,13 102,13 105,25 265 119 112,5 69,6 228,5 235,13 385,25 212 100 73,4 78,4 126,5 Dekgl. ohne Auriof.-Rechte . . . 7% yranls. Hqp -Bl Boldpf. un- kündbar bis 1932...... 4y,% Rheinische Hyp.-Bank LIqu AEG. aba. BortriegS-Lbltgation. rückzahlbar 1932 ...... 4% Schweiz. Bundesb^Anl.. . 4% Lesierreichische Goldrte.. . . 4% Oesterreich, einheitl. Rte . - 4% Ungarische ltzuldrle...... 49o Ungarische StaatSr. v. 1910 . 4}'i% bergt, von 1913..... 4% Ungarische Sltoncnrte..... 4% Türt. Zollanlelhe v. 1911 . . 4% Tückische Bagdadbahn-Anl. Serie I........... 4% deigl. Serie II....... 4% Rumänen converi. Rte. . . . 4j.i% Rumänen Goldanl. von 1913 6Uifl Deutsche Eisenbahn . . 4yt Homburg-Amerika Palet ... 7 Hamb.-Eüdam. Dampssch. . . 8 Hansa Dampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allg. Deutsche Ereditanst. . . IC Barmer Banlverein .... IC Berliner HandelSgesellsch. . . 12 Commerz- und Privat-Banl . 11 Dormsi. u. Nationalbanl . - l‘< Deutsche Bant......10 Dirlonto-GescUichast An». - . JO Dresdner Bank......10 ..................12 24. September 5. Sepl.mber Amtliche Notierung Geld l Briet Amtliche Notierung Wel;> | Briei Amil.-Rott. 168,26 168,60 168,22 168,56 Bu n-Aires 1,759 1,763 1,75 1,76 Brsi-Antw. 58,30 58,42 58,305 58,425 Cbristiania. 111,67 111,89 111,67 111,89 .Kopenhagen 111,69 111,91 111,72 111,54 Stockholm - 112,34 112,56 112,33 112,55 Helüngfors. 10,538 10,558 10,537 10,557 Italien. . . 21,95 21,99 21,94 21,98 London. . . 20,33t 20,376 20,338 20,378 Neuhork . . 4,1945 4,2025 4,1935 4,2015 Paris.... 16,41 16,45 16,415 16,455 Schwei; .. 80,855 81,015 80,85 81,01 Spanien . . 61,97 62,09 61,95 62.07 Japan - - . 2,013 2,017 2,010 2,014 Wo de Jan. ,4975 0,4995 0,49 0,49 Wien in D-- Ceft. abgest. 58,98 59,10 58,96 59,08 Prag . . . . 12,425 12,445 12,423 12,443 Helirad . . 7,383 7,397 7,38 7,39 Budapest. . 73,17 73,31 73,17 73,31 Buliarien. 3,035 3,041 3,03 3,04 Lissabon . . 18,73 18,77 18,73 18,77 Danzig. . . 81,33 81,49 81,35 81,51 Konstantin. 2,017 2,021 2,08 2,03 Athen. . . 5,425 5,435 5,42 5.43 Ccutgda 4,151 4,159 4,156 4,164 UririiQt) . 4,096 4,104 4,09 4,10 Cairo . ». 20,855 20,895 , 20,86 20,80 Berlin, 24. September Geld «ries Amerikanische Noten..... 4,186 C4.206 Belgische Noten..... . . 58,10 58,34 111,50 111,94 (Enalifdjc Noten ....... 20,307 20,387 Aus der Meli des Films. fünfhundert Jackie Loogans... .. . alle wollen sie zum Film. Berlin, September 1929. Sie hoben sicher schon einmal jene komischen amerikanischen Kinderfilme gesehen, in denen die grotesken kleinen Banditen auftreten, die immer tolle und meist sehr schmisrigc und unappetitliche Streiche treiben. Einmal hatten sie eine elterliche Wohnung verunreinigt und beschlossen daher, sie neu au tapezieren. Aber unter den Ta- petenkleister hatten sie leider Hefe gemischt und nun blähten und wölbten sich die Tapeten aus eine ganz phantastische und unglaublich komische Weise..« solch« Dinge also treibt diese kleine Bande. Ihr Anführer ist auffällig dick, blond, besitzt eine breite Aase und zu ihren Seiten herrlich viele Sommersprossen. Aber Korpulenz ist sein besonderes Merkmal — ich denke, Sie wissen jetzt, wen ich meine. Dieser Filmstar heißt Jackie Hoo Rah und war neulich mit seinem Papa in Berlin. Er erließ einen Aufruf des Inhalts, daß sich geeignete deutsche Filmkinder melden möchten, aus denen er eine Film-Räuber- bande zusammenstellen wollte. Es sollten die Bilder eingeschickt werden, Jackie und sein Papa wollten aus ihnen eine Auswahl treffen, und dann wurden die einstweilen Auserwählten — — aber noch nicht Berufenen — an einem Nachmittag in den Wintergarten bestellt, und dort sollte die letzte und unwiderrufliche Entscheidung vor sich gehen. Run waren sie also da und sie waren alle erregt. Am aufgeregtesten aber die Mütter, kleinere und größere Bürgersfrauen. Kann man es ihnen verdenken? Sie standen vielleicht an dem Wendepunkt ihres Lebens, sie träumten schon von dem Reid der Aachbarinnen, die man dann allerdings nicht mehr kennen würde, sie ahnten Glanz, Ruhm, Lorbeerkränze. Sie witterten die hochgebündelten Dollarnoten, denn Amerika, nicht wahr, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ... O, das ist ja alles menschlich, aber gleichwohl benahmen sich die Mütter nicht schön. Wie die Aeffchen hatten sie ihre armen Kinder, die ihnen die Pforte zum Wohlstand erschließen sollten, herausgepuht. Jackie Coogan war die große Mode, die Kleinen waren teilweise heftig geschminkt, teils hatten sie zierlich gebrannte Löckchen, teils waren sie in so fümehme Gewänder gehüllt, daß sie sich darin nicht zu bewegen wagten, aus Furcht, den Glanz der Neuheit ab* zuscheuern. Diese Mütter hatten alle nicht beachtet, was jener Jackie Hoo Rah eigentlich verlangte- eine originelle Figur (wie er selbst sie hat», etwas Auffallendes und Einprägsames «wie er selbst mit seiner biedermännlichen Rundlichkeit sich einprägt). Wenn der Wahn diese Mütter überkommt, werden sie blind, dann hat auch der übelste Knabe scheinbar immer noch Aussicht, ein zweiter Jackie zu werden. Dann überschlägt sich die Liebe dieser Mütter und wird lächerliche Eitelkeit und Selbstsucht. Ich weiß nicht, wie lange die Toilette aller dieser Kinder vermutlich gedauert hat — es hat iich hernach alles sehr schnell abgewickelt. Es kam ein kleines Programm, und dann trat jener Jackie Hoo Ray sehr ernst und würdevoll im Cut und kleinen Zylinder auf die Bühne, und alle mußten an ihm vorübergehen. Die Aufregung erreicht jetzt Tropenhitze. Es gab Krawalle, denn einige Kinder scheuten das Rampenlicht und die weite Bühne und wollten nicht. Mütter beruhig» kn. Mütter wurden verzweifelt. Mütter zupften und zerrten noch ein letztes Mal an ihrem kleinen Jackie herum. Mütter traten vor den kleinen blonden Jungen hin. der ihr Geschick in der Hand hielt. Mütter konnten es nicht begreifen, daß c?ral>e ihr Konrad nicht schön genug ist. Mütter ... kurz, es war ein Theater, wie es der alte Wintergarten sicher noch nicht erlebt hat. Es war dann alles ziemlich vergeblich. Jackie Hoo Ray blieb immer sehr ernst, sehr unbeugsam, sehr sachlich. Ein kleiner unbeirrbarer Schiedsrichter im Cut. Er hat dann nur ganz wenige Kinder beiseite genommen — aber er hat allen die Hand gegeben — und die übrigen entlassen. ilnt> wen hat er ausgewählt? Ein kleines Chinesenmädchen, das ihm offenbar durch seine Dicke gefiel. Einen Bengel, der wie Chaplin aus- Die Manic-KaMophe im Film. England dreht den deutschen Tonfilm. Äon Leo Lania, z. Zt. (Zlsiree. London ist die Stadt ohne Grenze: sie hat keinen Anfang und kein Ende. Stundenlang laufen ihre Straßen ins Land hinaus, breite wundervoll asphaltierte Straßen, die jeden Autofahrer in Begeisterung versetzen, jeden Wanderer aber — doch es gibt hier keine Wanderer, die zu Fuß ins Freie ziehen wollten, kein Land, das einen die Stadt vergessen ließe, es gibt nur Asphalt, Tankstatio- nen, Verkehrszeichen, Autos, Autos, Autos und ganz in der Ferne breite Streifen Grün, die gleichmäßigen flachen Wellen eines Rasenmeeres, dazwischen Bauminseln unter immer grauem Himmel. Und wenn man schon glaubt, endlich dieser Riesenstadt entronnen zu sein, sieht man sich abermals von den unerbitterlichen Armen einer Stadt umklammert; häßliche Häuser, nüchterne Straßen, Fabriken und das nie aussetzende Knattern und dröhnen der Motore. Aber jenseits der Straße, abseits der Häuser und Autokarawanen liegen in unzulänglicher Abge- jchicdenhcii Villen und Schlösser, und dahinter Park, Golf- und Tennisplätze, weite Wiesen, grüne Unendlichkeit. Mitten in dieser Welt vornehmen Müßigganges, zwei lange Autostunden von der City, erheben sich die gewaltigen Hallen des „British International Picture Studio". Riesenateliers, in deren Labyrinth von Korridoren, Kulissen, Gerüsten, Gardero- ben man sich immer wieder verirrt, bis man das Sinhen aufgibt und auf gut Glück dem Klang eines Klaviers nachgeht: da ist man zur Stelle. Ein großes Gerüst ist da aufgebaut — der Rauchsalon eines Ozeandampfers. Und mitten drin eine in dicke Teppiche verpackte Zelle. Eine größere, ioAufagen solidere steht weiter weg in einem Winkel des Ateliers, und von einer Zelle zur anderen laufen Drähte, Leitungen, dicke Kabel liegen auf bem Boden, Warnungstafeln verkünden „Lebensgefahr", Scheinwerfer blenden, Lampen, jede eine kleine Sonne, strahlen Gluthitze, mitten im Rauch- falon fitzt in einem Rollstuhl ein alter weißhaariger Mann, gelähmt, wischt sich den strömenden Ichaut. wenigstens ungefähr so. Unb einen Jungen mit einer Drille: er ist vielleicht elf Jahre, er schielt zum Herzzerbrechen und ist ganz sicher ein Taugenichts. Er ist der einzige, der alles in einer fürchterlichen Wurstigkeit über sich ergehen läßt. Vielleicht hat Jackie gemeint, daß er den Jupiterlampen wacker die wurstige Stirn bieten wird. Aus diesen künftigen Mimen wird also die Kindertruppe zusammengestellt, und Sic werden ihre Streiche vielleicht schon bald in einem Kinderfilm erleben. Sie werden das dicke Chinefenlind sehen, den kleinen Chaplin, den phleg- matiichen 'Bengel mit der Brille. Vielleicht erinnern Sie sich dann auch dieser kleinen Beschreibung, vielleicht tauchen dann Hinter den glücklichen Kindern auch die hundert Schatten der andern auf, der Zurückgewicfenen. Vielleicht sehen Sic, wie die Mütter, die armen enttäuschten Mütter, mit ihren Sprvßlingen langsam durch die Berliner Straßen gehen (die Häuser sind hoch und der Weg ist weit und der Autobus kostet zwanzig Pfennige), wie sie wieder in ihre Stuben treten, in denen sich nichts verändert hat, und wie sie ihren Kindern langsam die Schminke aus den Gesichtern reiben. B. D. Küsse knallen wieKanonenschüffe Aufnahmen im Tonfilmaielier. Don den Schwierigkeiten, die sich den Ausnahmen für Tonfilme entgegenstellen, macht sich der Laie nur geringe Vorstellungen. Jedem, der Gelegenheit hat, einen hundertprozentigen Tonfilm zu sehen, wird sofort auffallen, daß sich die Schauspieler jedesmal, tvenn sie zu sprechen anfangen, sehr langsam und vorsichtig bewegen. Das kommt daher, daß das Mikrophon alle Nebengeräusche mit tödlicher Sicherheit und vielfacher Verstärkung wiedergibt. Ohrgehänge sind verpönt, weil ihr Geklapper, im gewöhnlichen Leben kaum zu hören, bei der Tonsilmwieder- gabe wie das Gerassel von zwanzig Kastagnetten wirkt. Tolle Szenen haben sich bei den ersten Aufnahmen in Hollywood abgespielt, besonders weil man sich anfangs gar nicht erklären konnte, woher die Geräusche alle kamen. Man hatte zwar das ganze Atelier mit dicken Teppichen ausgclegt, aber hin und wieder trat doch einmal einer aufs Parkett, und schon glaubte man, cs habe ein Schmied mit dem Hammer auf den Amboß geschlagen. Also führte man obligatorisch Gummisohlen ein. Dann filmte man einen Kaffeeklatsch mit sieben Damen. Das Ge- schnalze und Geschlürse war von tausend ins Wasser stürzenden Granitblöcken nicht zu unterscheiden. Ja, als sich zwei harmlos Verliebte einen tüchtigen Kuß gaben, vermeinte man, eine einschlagcnde Granate zu hören. In jedem Atelier werden täglich stumme Küsse geprobt, denn laute Küsse (wie paradoxI) sind nur mehr im stummen Film gestattet! Als vor Jahren der Berliner Regisseur Hanns H. Kobe die „Mausefalle" drehte und dabei befahl. daß alle Darsteller Gummisohlen und alle Arbeiter Filzpantoffeln trugen, wurde er aus- gelacht. Heute wäre er ein gesuchter Mann, denn in allen Berliner Ateliers ist der Leisegang erste Bürgerpflicht. Doch das ist das wenigste, die störenden Nebengeräusche entstehen trotzdem. Wenn gegessen wird, darf nur Geschirr aus Pappe serviert werden, weil Porzellan klirrt, als würde mit hundert Säbeln gerasselt. Niemand darf sich erlauben, ein Stück Zucker in die Tasse zu werfen. Ein Kanonenschlag wäre nichts dagegen. Vor dem Betteten des Ateliers müssen alle Schlüssel, Messer, Armbänder und so weiter abgegeben werden. In Amerika hat man sogar den Pferden, die notgedrungen auf treten muhten, Gummischuhe an- gezogen. Die Pferde werden sich gewundert haben. Jeder, Tisch trägt eine Decke, und wenn sich das mit dem Charakter des Tisches (in einer Kaschemme zum Beispiel) nicht berträgt, bekommt er eine unsichtbare Gummiauflage, weil jedes Glas, auf die Platte gestellt, wie ein Pistolenschuß knallt. Ein Geräusch allerdings war nicht zu umgehen: das Anzünden eines Streichholzes. Bekanntlich wird in jedem Film geraucht, und es wirkt überaus beruhigend, wenn der Held des Bildes sich vor der großen Szene lässig eine Zigarette anzündet. Man half sich bisher so, daß man entweder eine brennende Kerze durch einen Diener bereithalten ließ oder es so einrichtete, daß die Zigarette bei Beginn der Aufnahme bereits brannte. Manche Geräusche konnten erst abgestellt werden, nachdem die Szene bereits verdorben war; aber man kann ja auch nicht auf alles kommen So zerriß jemand in der Wut einen Dries in tausend Fetzen. Später gab das Mikrophon ein Geräusch wieder, als wäre mit einem Schweiß» apparat ein Geldschrank aufgeknackt worden. Ein andermal hatte sich ein Herr während einer Großaufnahme den Mantel angezogen. Der Niagarafall war nichts gegen das schreckliche Prasseln, das der Mantel verursachte. Man untersuchte das Stück, sand jedoch nichts. Dis jemand daraus verfiel, daß die Aermel mit Seide gefüttert waren. Seide aber knistert. Das erfuhr man bald darauf, als ein Liebhaber seine Freundin umarmte. Als er die Arme gegen ihr Kleid preßte, glaubte man Hagelkörner gegen die Scheiben schlagen zu hören. Seitdem wird bei Großaufnahmen Unterwäsche aus Wolle getragen, während die Kleider aus Crepe de Chine sein müssen. Lange Zeit aber brauchte man selbst in dem hellhörigen Hollywood, bis man heraussand, daß spitze Fingernägel auf verschiedenen Stoffen Geräusche verursachen, die jeden Dialog übertönen. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß selbstverständlich Tausende von Erfindern seit Jahren sich damit beschäftigen, Apparate zu konstruieren, die die Nebengeräusche aufsaugen. Einer dieser Apparate soll vortreffliche Dienste leisten, besonders bei Geräuschen mit kurzen Wellen. Was es alles gibt! Andere behelfen sich mit schalldämpfenden Teppichen, Tapeten und Wänden, die die Töne nicht etwa nicht durchlassen, sondern verschwinden machen, aber nur bis zu einer bestimmten Lautstärke, so daß gesprochene Worte ttotzdem ins Mikrophon gelangen. Man sieht, der Schwierigkeiten sind viele, und ebensogroß sind die Möglichkeiten, ihnen zu begegnen. Was noch fehlt, ist ein Mikrophon, das die gesprochenen Worte auch dann deutlich aufnimmt, wenn die Darsteller seitlich oder mit dem Rücken zur Front stehen. Zur Zeit sind sie noch gezwungen, ihre Bewegungen während des Sprechens zu verlangsamen und nach vorn zu reden, was den Sprechszenen etwas Gequältes und Gekünsteltes gibt. U. E. Mzept für Jilmdichier. Zu Nutz und Frommen all seiner Nachfolger verrät der erfolgreiche Filmdichter Thomas Burke Geheimnisse aus seiner Werkstatt. „Wenn du einen Film schreiben willst, kauf zunächst eine Schachtel mit 500 Zigaretten. Setz dich in das größte Zimmer, entferne alle Bilder von den Wänden und rück den tiefsten Lehnstuhl vor diese Wand. Dann gib Auftrag, jede Störung fernzuhalten, außer der Ankündigung des Lunch. Laß dich behaglich nieder, zünde eine Zigarette an und verbanne aus deinem Geist alle Gedanken an Steuerzahlungen, Gaspreise, den nächsten Krieg oder banale Tischkonversation. Konzentriere deine Gedanken auf das tiefste. Wenn dir auch kein Filmplan kommen wird, so doch vielleicht eine Idee für eine kurze Geschichte oder für deinen nächsten Roman — was ja immerhin einen Erfolg bedeutet. Dis 12 Uhr wirst du vielleicht so weit gelangt sein, einen neuen Plan zur Reform des Hauses der Lords zu entwerfen, dann wird der Tischgong ertönen und du wirst befreit zum Lunch gehen. Und der neue Film? Dies Wunderwerk wird plötzlich in mir lebendig, während ich meine Katze streichle oder auf meinen Kaffee warte." Schweiß von der Stirn und wundert sich: „Nein, diese Kälte!" Er sagt das deutsch, aber es besteht trotzdem kein Grund, an seiner Vernunft zu zweifeln. Junge Burschen laufen herbei, tupfen dem alten Mann den Schweiß vom Gesicht, auch ihre Hemden kleben am Körper, die Hitze in diesem schalldicht abgedämpften Raum benimmt einem den Atem, „Siebzig Grad!" stellt jemand fest und fordert gleichzeitig, der Mann im Rollstuhl soll« sichtbarer frösteln. Dieser Jemand. Pfeife im Mund, Kappe in der Stirne — kein Zweifel, jeder Zoll ein Engländer, ist Herr Dupont, der gelähmte Mann ist Fritz Kortner, augenblicklich krampfhaft bemüht, das verwickelte Problem zu lösen, wie er gleichzeitig schwitzen, frösteln und sich dem Jnspizenten in englischer Sprache verständlich machen könne. Letztere Aufgabe scheint am schwierigsten — sie gehört ja auch schließlich nicht zur Rolle. „Aufnahme!" kommandiert Dupont, verschwindet in der kleinen Zelle, das Spiel geht weiter. Dieses Spiel war einmal grauenhafte Wirklichkeit. Es sind die letzten Stunden auf dem Ozeandampfer „Titanic", die hier von Dupont nach Berichten von Augenzeugen und mit teilweiser Benutzung eines die Katastrophe behandelnden englischen Dramas nachgestaltet werden. Ein großartiger Stoff, schon der Griff, mit dem Dupont ihn an- packle, beweist die starke und eigenwillige Begabung dieses Regisseurs, der mit diesem Werk zum ersten Mal in bas neue, künstlerisch bisher ziemlich unfruchtbare Gebiet des Tonfilms vorstößt. Und dabei sofort eine Reihe wichtigster prinzipieller Fragen und Probleme ihrer Losung ein gut Stück näher gebracht hat. Die Auswahl und Behandlung des Stoffes ist das eine große Plus dieses Tonfilms. Was bisher auf diesem Gebiet produziert wurde, ließ in künst- -lcrischer Hinsicht selbst den bescheidensten Versuch vermissen, im Tonfilm eine eigene neue Kunstform zu sehen, die ihre eigenen Gesetze entwickeln mäste. Verfilmtes Theater und verfilmte Revue — das waren bisher die beiden Ziele, die der Tonfilm zu erreichen strebte. Und Qualitätsunterschiede ergaben sich nur in technischer Hinsicht, das amerikanische Genre scheint von hoffnungsloser Gleichförmigkeit: Ob „Broadway Melody" — noch immer das gelungenste Werk der verfilmten Revue — ober „Show-boat" ober „Close Harmony" auf der einen Seite — ob „Mary Dugan", ober „Alibi" ober „Die Unschuldigen von Paris" auf der anderen Seite — kein einziger dieser Filme, so gelungen und faszinierend der eine oder andere im Tech- nifdjen oder Schauspielerischen wirkt, beinahe de- vrimierend ist stets die Bequemlichkeit, mit der man die ausgetretensten Wege ältester Film- und Ope- retten-Konvention geht, immer wieder dasselbe Milieu, dieselbe Mischung von Kulissengeheimnisfen, platten Liebesaffären, tanzenden Girls und quietschenden Saxophonen präsentiert. „Atlantic" ist schon rein stofflich ein Durchbruch in ein neues Gebiet, in die eigentliche Domäne des Tonfilms, wo dieser seine wahre Ueberlegenheit gegenüber dem stummen Film und dem Theater erweisen kann, wichtige Elemente beider Kunstformen verwendend und sie durch die Möglichkeiten der eigenen Art erweiternd. Diese letzten Stunden auf einem sinkenden Riesendampfer, diese Symphonie von entfesselten Elementen und entfesselten menschlichen Leidenschaften kann nur in der Synthese von Ton und Optik, von Geräusch, Wort und stummen Bild gemeistert werden. Der Einfall, zum Haupthelden des Dramas — der Mann, der als einziger in der Katastrophe des Unterganges Ruhe, die innere Sicherheit und damit die Führung behält, — einen hilflosen Krüppel zu machen, diese Idee ist ein weiterer Beweis für Duponts Erkenntnis der prinzipiellen künstlerischen Aufgaben des Tonfilms. Und endlich verdient die Entschiedenheit Anerkennung, mit der er es durchgesetzt hat, daß dieser Film in zwei Fassungen hergestellt wird, englisch und deutsch, wodurch es uns nun zum erstenmal möglich ist, die neue Erfindung technisch und künstlerisch mit den Leistungen und Möglichkeiten eines deutschen Schauspielerensembles zu konfrontieren, dessen Auswahl und Zusammensetzung als ein weiteres Plus Duponts anzusehen ist. Im Technischen ist der Film schlechthin hervorragend. In keinem der bisher gehörten Tonfilme kamen die Stimmen, auch die der Frauen so natürlich, so rein heraus. In keinem waren die Dialoge so knapp und so „richtig" eingesetzt. Daß der Text noch immer stellenweise platt wirkt, nicht genug komprimiert, nicht genug „verdichtet" — ein Mangel, der wohl nicht früher zu beseitigen fein wird, Gesetze des Erfolges. Von Norma Shearer. Die beliebte Darstellerin der Metro- Goldwyn-Mayer, die als Kornparsin begann, und heute zu den berühmtesten Filmstars gehört, schreibt. Es ist leichter Erfolg zu haben, als eine Anleitung zu geben, wie man zu Erfolg gelangt Denn es existiert einfach kein Gebot, nach dem man sich in jedem Falle richten kann, um sein Ziel zu erreichen. Es gibt zwar Gesetze, die Erfolg versprechen, doch mit dem Versprechen ist es so eine Sache. Versprochene Dinge werden leider nicht immer gehalten. Einige gewinnen Ruhm und Glück, ohne daß sie sich besonders anzustrengen brauchen. Sie sind eben unter einem Glücksstern geboren — was das beste und bequemste Mittel ist, um zu Erfolg zu gelangen. Andere finden ihren Weg durch gute Beziehungen und mächtige Verwandtschaft geebnet, und brauchen sich also nur in ein gemachtes Bett zu legen. Wieder andere zwingen den Erfolg durch hartnäckiges, jahrelanges Bemühen und Ucbettvinden jeder Enttäuschung. Mir persönlich scheint es, daß die beste Erfolgssicherung für Protektionslose die ist, sich stets zu vergegenwärtigen, daß das Leben ohne Erfolg wertlos ist, und nicht zu ermüden, bis eine Arbeit von Erfolg gekrönt wird. Armut ist meiner Ansicht nach eine gute Chance, um es in geschäftlicher Beziehung zu etwas zu bringen. Das klingt vielleicht sehr überheblich, ich meine damit jedoch, daß Menschen, die genau wissen, wie bitter Armut schmeckt und die jahrelang unter dem Druck der Verhältnisse gelitten haben, alles daran wenden müssen, um ihr Leben leichter zu gestalten und das Gespenst der Armut abzuwenden. Sie wissen, was sie zu bekämpfen haben und werden ihre ganze Energie anwenden, um den Feind zu besiegen. Für ein Mädchen ist es trotz unseres emanzipierten Zeitalters immer noch schwieriger als für einen Mann, Karriere zu machen. Wir sind eben trotz aller srauenrechtierischen Gegenbehauptungen das schwächere Geschlecht — wenn die« auch nur in körperlicher Hinsicht verstanden werden soll — und in geschäftlicher Beziehung werden Frauen sehr oft dem Mann nicht gleichwertig geachtet. Für ein Mädchen ist es zuerst wichtig, daß es lernt, mit seinem Einkommen auszukommen, dann muß es sich Mühe geben, in seinem Beruf immer etwas mehr zu leisten und zu wissen, als unbedingt verlangt wird, wodurch es sich die Möglichkeit einer Beförderung schafft. Niemals stehen bleiben und mit sich selbst zufrieden sein, immer seine Anstrengungen verdoppeln — das ist eines der ersten Gesetze des Erfolgs. Und sich niemals durch einen Mißerfolg unterliegen lassen. Sobald man sich sagt: ..Es hat ja doch keinen Zweck, ich habe eben Pech!", ist es aus. Keine der großen Persönlichkeiten der Geschichte, der Kunst und Industrie hätten ihre Erfolge erzielt, wenn nicht jede Enttäuschung ein neuer Ansporn zum Weiterarbeiten gewesen wäre. Von ungeheurer Wichttgkeit ist es, von vornherein zu wissen, was man eigentlich will. In unserer überhehten Zeit ist die Berufswahl eine Lebensfrage. Jeder junge Mensch sollte sich darum über sein Zukunftsideal vollkommen klar sein, um aus innerer Ueberzeugung nach einem Ziel zu streben, das auch wirllich ein Ziel und fein Notbehelf ist. Und wenn er seine ganzen Kräfte auf fein Ideal konzentriet, zweimal denkt, ehe er handelt und den Mut zu einer Heber- zeugung hat, so wird er Erfolg haben. Er wird wissen, daß eventuelle Fehlschläge nur ein Teil des großen Lebensspiels sind und wird lernen, Enttäuschungen als Kräfteanspannung anzpsehen. Ich spreche nicht als Theorettkerin. Auch mein Geben war oft hart, bis sich der Erfolg einstellte, aber die Erinnerungen an die Tage der Rot und des Kampfes, die unerläßlich waren, damit ich zum Erfolg gelangen konnte, sind mir ein unverlierbarer und kostbarer Besitz, den ich nicht missen mochte. — bevor nicht die Dichter ihren Einzug im Tonfilm feiern werden können. Ein anderes Manko ist die z bisher leider technisch noch nicht gelöste „Entsefse» lung" der Tonfilmkamera. Ihre schwere Beweg, lichkeit macht es wohl leider notwendig, die ge- sprochenen Szenen so „bühnenhaft" aufzubauen, wodurch sie im Fluß der schnell wechselnden Bilder stellenweise zu sehr „ausgespieltZ zu starr wirken. Diese ersten Eindrücke, gewonnen aus der Vor» führung größerer Teile des Werkes im Abhörraum — sie lassen nach der großen positiven, aber auch nach der geringeren negativen Seite hin schon erkennen, worin die überragende Bedeutung des Werkes zu sehen ist: zum erstenmal wird der Ton- film auf eine höhere Ebene gestellt, die der prinzipiellen Auseinandersetzung mit seinen Problemen Raum schafft. Und alle Fehler und Mängel sind so betrachtet noch tausendmal werttoller und produk- tiver als die „gelungensten" Werke der amerifa- Nischen Produktion. 3m Schauspielerischen ausgezeichnete Leistungen von Lucie Mannheim, Elsa Wagner, Val- lentin, Loos, Forster, Lederer. Kort- ner ist die größte Ueberraschung: seine Stimm« bedeutet für den Tonfilm einen Gewinn, der nach den bisherigen Proben zu schließen, hoch zu wetten ist. Was Al Jolson oder Chevalier für den Ge> sangsfilm, das scheint Köttner für den Dialogfilm ZU werden: sein Organ fasziniert im Tonfilm weit starker noch als auf der Bühne durch die Farbig, leit und Fülle der Nuancen, damit den Ton eines Wortes, eines Satzes über das Gesprochene hinaus zum wesentlichen Faktor ber dramatischen Wirkung -steigernd. Hier zeigt es sich auch schon, inwieweit ber Dialog- film national unabhängig werben kann. Daß die beutsche Fassung heute schon verhältnismäßig besser verkauft werben konnte als bie englische — nicht nur bie skanbinavischen Länder haben ber beutschen Fassung den Vorzug gegeben, sonbern sogar Amerika hat neben ber englischen bie beutsche Fassung erworben, — ijt ein Beweis für die These, baß auch ber Sprechfilm nicht national beschränkt sein muß, wenn er zur Höhe eines — International immer verständlichen — Kunstwerkes gefühtt wird. GemeiBiSchafftsgruppa Deutscher Hypothekenbanken Norddeutsche Grund-Credit-Bank Weimar Staatsaufsicht Gegründet 1868 Einladung zur Zeichnung mittags 4 Uhr statt. i869D Weimar, den 24. September 1929. Norddeutsche Grund-Credit-Bank Karioffellieferung. 800 800 500 laFitattine Ps. Emil Pistor Nachf Marktstrabe 10 1 ,1 Heißlaufen ausgeschlossen 7867V Typ Mainzlar, den 24. September 1929. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. September 1929. nach- Ein gewerbsmäßiger Gchuihauseinbrecher. Juns Iahre und drei Monate Zuchthaus. WSA. L i mb u r g, 24. Sept. Das Limburger Schwurgericht verhandelte gestern gegen den bekannten Einbrecher Franz Wisniewski, der sich Egon Dolleck nannte und dem nicht weniger als 18 Einbrüche in Schulen nachgewiesen werden konnten. Erwähnt seien nur seine Einbrüche in das Gymnasium in Limburg, in das Dillenburger Gymnasium, in die Mittelschule in Herborn und in die Freiherr von Stein-Schule in Wetzlar. Gestohlen wurde fast nur Geld, die höchste Deute belief sich auf 280 Mk„ den Inhalt einer Schulsparkasse. Seinerzeit hatte der Angeklagte eine Flucht aus dem Limburger Gertchts- aefängnis unternommen. Er schritt nach einer Vernehmung im Hofe vor dem Wachtmeister her, sprang plötzlich davon und konnte die Straße gewinnen. Er sprang über drei Zäune, kam über die Lahnbrücke, versorgte sich in einer Dauhutte mit Kleidern und erreichte nachts Montabaur, am andern Mittag Altenkirchen. Dort barg er sich im Dremserhäuschen eines Güterzuges, der Bremser fand ihn, glaubte ihm, daß er auf Wanderschaft sei, hatte Mitleid mit ihm und steckte ihn in einen Güterwagen. So gelangte der Flüchtling nach Lethmate zu Bekannten. Dort wurde er schließlich entdeckt. Auf dem Aücktrans- port stürzte er sich von der Lennebrucke ins Wasser, kehrte aber, als ihm Kugeln um die Ohren pfiffen, um und unternahm an Land noch einen Fluchtversuch, bei dem er sich festrannte. Der Angeklagte, der einen sehr lebendigen und ist zu vergeben. Angebote nebst Mustern sind an die Verwaltungen der einzelnen Kliniken in Gießen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können, bis zum Montag, dem 30. September 1929, vormittags 11 Uhr, oinzureichen. Die Lieferungen können geteilt vergeben werden. Zuschtagsfrist drei Tage. kranke, Zentner für die Chirurgische Klinik und Klinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke und Zentner für die Klinik für psychische und nervöse Kranke M!I Mrsßeös undfrffch°rMUH ernährte Kinder sind ruhig, haben guten Appetit, eine geregelte Verbauung, kurz: gedeihen in jeder Weife vorzüglich. Telephon 2261 775>A gut geformt und gebrannt, gibt billig ab LRübsam Fernsprecher 3659 Fachmännische Beratung und größtes Lager erstkl. Fabrikate bei Dohngleise stehend wurde er im letzten Augenblick verhaftet unter der Anschuldigung, einen falschen 50-Mark-Schein in Gießen ousge- geben zu haben. In einem kleinen Friseurgeschaft in Gießen hatte nämlich ein Herr mit einem 50- Mark-Schein bezahlt, der nach Weggang des Mannes von dem Friseur als falsch erkannt wurde, worauf sich die Frau des Friseurs mit zwei Polizeibeamten nach dem Bahnhof begab und dort den hiesigen Einwohner als den Mann bezeichnete, von dem sie den falschen Schein erhalten habe, obwohl der Mann sofort Nachweisen konnte, daß er den Bahnhof überhaupt nicht verlassen hatte. Bei der Gegenüberstellung auf dem Polizeiamt mußte die Familie des Friseurs zugeben, daß der junge Mann von Gladenbach nicht die Person war, welche in dem Geschäft gewesen ist und mit einem 50-Mark- Schein bezahlt hat. Die Verhaftung mußte deshalb wieder aufgehoben werden, während der wirkliche Täter vermutlich inzwisd)en das Weite gesucht hat. Wegen der falschen Anschuldigung will der zu Un« recht Verhaftete weitere Schritte unternehmen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * DasAmtsverkündigungsblatt Nr. 69 vom 24. September enthält: Die allgemeinen Neu. wählen der Stadtrats-, Gemeinderats-, Kreistagsund Provinziallagsmitglieder in 1929. — Schafräude in Queckborn. — Schlachthausanlage des Metzgers Wilhelm Laux II. in Holzheim. • Zwecks Ausbau der Verkaufsorganisation unserer konkurrenzlos billigen Tempo- EiHieferwagen vergeben wir zu günstigen Vertreter- Bedingungen Alleinvertrieb für Gießen und Umg. Der einzige Eil wagen mit Verdampfungskühlung Die Lieferung des Winterbedarfs an guten, ausgelesenen, lagerfähigen Speife- tarkoffeln, und zwar 7782D ' Zentner für die Medizinische Klinik, Frauenklinik und Klinik für Haut- Pf. Ps. Großzügige Abzahlungs-Bedingungen Fachleute,Händler, d.üb.etwas Kapital verfügen od. Sicherheit stellen können, belieben sich zubewerben Vidal & Sohn, Hamburg 1 u.,t«o«rrre p§> TY5lleTtn=r*Tragkratt WS in seinst. Lage, Süd^ billig gegen bar au verkaufen. 5 Zimm.« Wohnung tret. Es wollen sich nur solche melden, die üb.mind. 20000.— Mk. veriüg. <5tbr.8lnaeb.it. 7861D an d. 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Zeichnungsfrist: 25. September bis 15. Oktober. Weiterhin empfehlen wir als Kapitalsanlage noch vorhandene Restbestände aus unseren bei der Reichsbank lombardfähigen 8°/0 Sold-Pfandbriefen Em. XXI und XXII Januar/Juli-Zinsscheine Börsenkurse z. Zf. 96 % Stückelung: 100, 500, 1000, 5000 Goldmark. Kaufanträge nehmen alle Banken, Bankiers und Sparkassen entgegen. intelligenten Eindruck macht, benahm sich während der Verhandlung recht frivol. 3n seinem Schlußwort dankte er ironisch dem Staatsanwalt dafür, daß er ihm Seiten seines Wesens auf» gezeigt habe, von denen er selbst noch nichts wüßte. Er hoffe, daß nach Schluß der Sache alle zufrieden nach Hause gehen könnten. Das Urteil lautete auf fünf Fahre drei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Das Gericht würdigte die trübe Jugend des Angeklagten, erkannte ihm aber keine mildernde -Umstände zu, weil er seine Intelligenz nicht für einen redlichen Erwerb anspannte. Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre drei Monate Zuchthaus beantragt. preutzen. Kreis Wetzlar. D Krofdorf-Gleiberg, 24. Sept. Unsere im Jahre 1912 erbaute Wasserleitung reicht bei eintretender Trockenheit nicht mehr aus. Der Wasserverbrauch hat enorm zugenommen. Die Bevölkerungszahl ist gestiegen, zahlreiche Neubauten sind entstanden und haben das Ortsbild erweitert, auch wird der Verbrauch durch viele Gartenhndran- ten, Badeeinrichtungen usw. erhöht. So sieht sich die Gemeinde veranlaßt, durch Anschluß einer weiteren Quelle Abhilfe zu schaffen. Zum Glück liegt in den Wiesen des Kattenbachtales, llnks der Wißmarer Straße, eine gute Quelle, der sogen. Stockbrunnen. Nach einer am letzten Sonntag durch die Gemeindevertretung vorgenommenen Besichtigung hat diese beschlossen, die Stockbrunnenquelle der Wasserleitung zuzuführen. Es ist zu erwarten, daß die amtliche Untersuchung dieses Wassers ein einwandfreies Ergebnis zeigt. Die Entfernung bis zum Sammelbehälter beträgt etwa 1,5 Kilometer, und da natürliches Gefälle vorliegt, dürften die Kosten dieser Erweiterung unseres Wasserwerks nicht allzuhoch werden. ~ Lützellinden. 24. Sept. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gern e i n d e r a t in der Hauptsache mit der Herstellung einer Warmwasserheizungs- anlage für das neue Schulgebäude, für welche bei der Beratung des Haushaltsplanes für das laufende Rechnungsjahr ein gewisser Betrag zur Verfügung gestellt war. Es lagen verschiedene, von Spezialfirmen eingeholte Offerten vor, welche bekanntgegeben wurden. Der Zuschlag wurde auf das Angebot der Firma S ch a f f st a e d t in Gießen erteilt. Die Kosten her Herstellung belaufen sich auf über 3000 Mark. Die Herstellungsarbeiten sollen sofort in Angriff genommen werden. — Das alte Betriebswerk für den „Oberwald" ist ab gelaufen und daher die Aufstellung eines neuen Betriebswerkes erforderlich. Der Gemeinderat bewilligte die Mittel für die Reuaufstelluna für das Forst- Wirtschaftsjahr 1930 unter öej Bedingung, daß zum Zwecke ihrer Aufbringung ein Extrahieb genehmigt wird. — Als Nachfolgerin für die freiwillig ausgeschiedene Hauswirtschaftslehrerin Kutscher aus Klein-Linden wurde die Hauswirtschaftslehrerin Täuber t aus Gießen in Gemeinschaft mit den Mitgliedern des Schulvorstandes gewählt. Kreis Biedenkopf. <5q Gladenbach, 24. Sept. Ein hiesiger Bankbeamter traf am 20. d. M., von einer Reise zurückkehrend am Bahnhof Gießen ein, um mit dem nächsten Zuge nach Gladenbach weiterzufahren. Am / FensteilederN f Autoleder von 40 Pf. beginnend Schwämme Kishät Auto-Schwämme von Mk. 1.50 beginnend Durch meine direkten Käufe im Erzeugerland kaufen Sie äuß.günstig K Drogerie Winterhoff y Kreuzplatz 10 7757» Zum Anlagetermin legen wir einen Teilbetrag von GUI 3 Millionen unserer nach thüringischem Gesetz mündelsicheren 8°/0 Gold-Pfandbriefe Em. 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Der Gemeindevorsteher: P f a f f-____ Der Voranschlag der Gemeinde Mainz- lar für 1929 liegt von Montag, den 30. September, bis Montag, den 7. Oktober 1929, auf unserem Dienstzimmer während der üblichen Geschäftsstunden zur Einsicht offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. Einwendungen können bei uns schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden. 78770 Mainzlar, den 25. September 1929. Hess. Bürgermeisterei Mainzlar: Vogel. Itiaben Sic offene Füße t Schmerzen? Jacken? Stecken? Brennen? Dann gebrauchen Sie die tausendfach bewahrte Unlversalheilialbe ..Gentorln“ Wirkung überraschend. Pr. 1,5011.2,75^ IDepot in Gießen: in allen Apotheken. Hanptniederlaqe: Engelapotheke Gießen. Filets v. Schellfisch, Kabeljau, Goldbarsch und Seelachs Frische Fischkoteletts Bütttlnge feinste Vollfettbiicklinge das Psd. 50 Ps. die Kistern, netto5Psd 2.10Mk. MW bis au 200 ccm, nut erhalten, gegen bar au kaufen gesucht. 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