Nr. 146 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 25. Juni 1929 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts Buch- und Zlemdruckerei R. Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Gtresemanns Programm für die Reparationskonferenz. Die Räumung der besetzten Gebiete und Regelung der Gaarfrage. - Eine Rheinlandkontrolle außerhalb jeder Diskussion. Kundgebung des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Kriegsschuldlüge. Berlin, 24. Juni. (DDF.) Der Reichstag seht die zweite Beratung des Haushalts des Auswärtigen fort. Von den Kommunisten ist ein Mihtrauensan^trag gegen den Reichs- auhenminister Dr. Stresemann eingegangen. Abg. Gras Westarp (Sn.) erinnert an die zehnjährige Wiederkehr der Ain - terzeichnung oes Versailler Vertrages und fragt, ob es richtig sei, daß sich das Kabinett von allen Kundgebungen und Maßnahmen aus Anlaß dieses Tages f e r n h a l t e n und die Beteiligung amtlicher Dienststellen und Persönlichkeiten verbieten wolle. (Hört! Hört! rechts.) Seine Partei erhebe feierlichen Einspruch gegen diesen erneuten Gewissenszwang. Die Entscheidung, so fährt der Redner fort, vor der wir jetzt stehen, überragt alle bisher in ähnlicher Lage gefaßten Beschlüsse, weil zum ersten Male eine Regelung zur Erörterung steht, die auf freier Zustimmung deutscherSachver ständigen und der deutschen Regierung beruhen soll. Freiwillig soll sich Deutschland bis 70 Jahre nach dem Kriegsende belasten. Der tiefste Grund des Scheiterns der deutschen Außenpolitik liegt in dem Zusammengehen mit der Linken, in der Illusion, daß das Zeitalter des Machtstaates vorüber und eine Aera des ewigen Friedens heraufgekommen sei. Unsere Außenpolitik hat geführt von Mißerfolg zu Mißerfolg. Im letzten Herbst hätte man die nötigen Folgerungen ziehen und erklären müssen: Schluß mit der Politik deutscher Vorleistung, mit der Rücksicht auf den Phrasestnebel der Genfer Atmosphäre und mit der Vorstellung, man müsse unter allen Almständen gerade mit Herrn Driand im Einklang bleiben. (Zustimmung rechts.) Der inzwischen erfolgte Abschluß hak uns in unserem Urteil von der Unannehmbarkeit der Pariser Vereinbarungen nur bestärkt, stein wort findet sich über die Zahlungen, die Deutschland bereits geleistet hat, kein Wort auch darüber, daß der Versailler Vertrag den 1. Mai 1951 als Endtermin dec Kontribution zusagt. Deutschland soll wiederum eine Verpflichtung übernehmen, von der es weih, daß sie sich in absehbarer Zeit als undurchführbar Herausstellen wird. Schon bald werden wir vor der Rotwendigkeit stehen, die Revision auch dieses Abkommens zu fordern. Eine neue Aufbringungs- und Transferkrise müßte zur vollen Katastrophe führen. Dazu käme, daß der letzte Rest von Vertrauen in eine deutsche Alnterschrift zerstört wäre. Reuen G e- waltmahnahmen gegen das als vertragsbrüchig gescholtene Deutschland wäre Tür und Tor geöffnet. Das besetzte Gebiet hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß es seine vorzeitige Befreiung nicht durch Dauerbelastung des gesamten Vaterlandes erkauft sehen wolle. Wir halten es für selbstverständlich, daß diejenigen, die den Pariser Plan an sich für möglich halten, ihn unter gar keinen Almständen annehmcn können, wenn nicht gleichzeitig die Räumung von Rhein und Saar binnen kürzester Frist und bedingungslos bindend zugesichert ist. Der Redner begründet einen Antrag, der die Regierung auffordert, den Widerruf des deutschen Schuldbekenntnisses an die Spitze der Tributver- handlungen zu setzen. (Beifall rechts.) Jsteichsaußenminister Dr. Stresemann: Wir stehen noch v o r den entscheidenden politischen Verhandlungen. Riemals wird sich aber ein günstiges Arrangement treffen lassen, wenn der eine der beiden Teile gezwungen wird, vorher die Gesichtspunkte, von denen er sich leiten läßt, auf offenem Markt bekanntzugeben. Die Deutschnationalen haben seinerzeit durch ihre 48 Ja-Stimmen die Annahme der Dawesgesehe ermöglicht. Der deutschnationale Führer Hugen- berg hat dann 1926 in einer langen Serie von Artikeln über „Die Auszehrung Deutschlands" die schleunige Revision des Dawesplanes gefordert. Run ist uns die Revision von der Gegenseite angeboten worden, und nun verlangt Herr Hugenberg, wir hätten solche Revisionsverhandlungen a b l e h n e n müssen. Hätten wir solche Verhandlungen abgelehnt, dann hätte die Gegenseite uns nachsagen können, wir wollten nur durch finanzielle Manöver die Alnhaltbarkeit des Dawesplanes zeigen. Hugenberg und die von ihm geführten Deutschnationalen sagen nicht, was bei Ablehnung des TZoung-Planes bleibt, sie sagen nichts über die furchtbaren Wirkungen der Krise, mit der sie dem deutschen Volke angeblich den Weg zur Freiheit zeigen wollen. Diese Krise würde führen zum Al n r g a n g des gesamten industriellen M^Atelstan- d e s. Die großen Konzerne würden die Krise überstehen, aber der gesunde persönliche Mittelstand unserer Wirtschaft würde den Mangel jeden Kredits nicht aushalten. Der Erfolg dieser von Hugenberg empfohlenen Krise als Weg zur Freiheit wäre der, daß den übermächtigen industriellen Konzernen nur noch abhängige Existenzen gegenüberständen. Wenn der TZoung-Plan ab- jgelehnt wird, so bleibt doch immer noch der ungemilderte Dawes-Plan bestehen. Es gibt natürlich kein Regierungsmitglied, das in dem Voung-Plan etwas Ideales sähe und die Garantie für seine Durchführbarkeit übernehmen wollte. Es läßt sich doch aber nicht bestreiten, daß er dem Dawes-Plan gegenüber Erleichterungen bringt. Was die Räumungsfrage betrifft, so bin ich nicht in der Lage, hier über die in Madrid gepflogenen Besprechungen etwas zu erklären. Es wäre das Ende solcher Besprechungen, wenn sie zum Gegenstand von Erklärungen in den Parlamenten gemacht würden. Mit aller Bestimmtheit kann ich aber erklären, daß für die deutsche Regierung die A n n a h m e irgendeiner versöhnungs- oder A u s g l e i ch s k o m m i s s i o n n a ch e r f o l g - . ter Räumung außerhalb jeder Diskussion steht. (Beifall.) Wir würden die ganze Verhandlung scheitern lassen, wenn man uns zumuten würde, irgendeine ständige Kommission noch im Rheinland wirken zu lassen. (Lebhafter Beifall.) Bon deutschnationaler Seite wird gesagt, Deutschland werde durch den TZoung- Plan eine englische oder französische K o l o - n i e. Tatsächlich schwebt ganz Europa in Gefahr, eine Kolonie derjenigen zu werden, die nicht in gleicher Weise unter dem Kriege gelitten haben. Die deutschnationalen Anträge gegen die Kriegsschuldlüge rennen offene Türen ein. Es gibt keinen, der die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege im englischen oder französischen Parlament aufstellen könnte, ohne den lebhaften Widerspruch seiner eigenen Landsleute zu finden. Von dieser Stelle aus ist immer wieder durch Redner aller Parteien gegen die Kriegsschuldlüge protestiert worden. Der erste Protest kam zufälligerweise von einem Sozialdemokraten. Warum wollen Sie (nach rechts) in einer Frage, in der wir alle einig sind, fortwährend die Parteien auseinanderreißen? Warum wollen Sie als die Folge eines einzigen Vertragsparagraphen das hinstellen, was die Folge eines verlorenen großen Krieges ist? Lassen Sie uns doch den Kampf um die Befreiung unseres Volks mit moralifchen Mitteln führen! (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Zu der Frage der Kundgebungen am 2 8. Juni bemerkte Dr. Stresemann, daß die bedeutsamste Kundgebung wohl die des Herrn Reichspräsidenten und des Reichskabinetts ist, und daß beide hierbei Veranlassung nehmen werden, in einer Weise, über die sich der Reichspräsident schon einmal in bezug auf diese Frage geäußert hat, zu der Frage Stellung zu nehmen. Ich habe niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ich es als eine rein für politische Zwecke 8u re $ t» gemachte Fassung des Friedensvertrages gehalten habe, wenn man davon gesprochen hat, daß auf Deutschland die Schuld fiele für alles das, was der Krieg mit sich gebracht hat. Niemals wird irgendjemand in Deutschland anerkennen, daß auf Deutschland die Schuld der alleinigen Herbeiführung des Krieges irgendwie liege. Abg. Dr. Breitscheid (Cd.): Die Betätigung im diplomatischen Dienst darf zwar nicht zu einem Luxus werden, den sich nur Bemittelte leisten können, aber bei den Repräsentationskosten kann doch noch gespart werden. War es durchaus notwendig, daß d i e deutsche Delegation f ü r Madrid 41 Köpfe umfaßte? Wir fordern immer wieder die Demokratisierung des deutschen auswärtigen Dienstes. Vor allem müssen die Vertreter Deutschlands im Auslande noch mehr! als die Beamten im Lande, innerlich fest mit der Republik verwachsen sein. Bei der Behandlung der Minderheitenfrage in Madrid scheint die deutsche Delegation manches versäumt zu haben. Wir wollen, daß die Regierung den Boung-Plan als Grundlage für ihre weiteren Verhandlungen akzeptiert, daß sie versucht, von dieser Basis aus Verbesserungen zu erreichen. Wir sind keine begeisterten Freunde des TZoung-Planes. Die Deutschnationalen sollten aber doch erst einmal Boung-Plan und Dawes- Plan vergleichen. Sie können doch nicht so vorgehen, wie die Studenten der Münchener Alni- versität, die gegen den Voung-Plan protestiert, aber die Vorlesungen über die Reparationsfrage nicht besucht haben. (Heiterkeit.) Jetzt muß s o - fort d i e Räumung durchgeführt werden. Wir lehnen jede weitere Kontrollkommission ab und verlangen auch die Aufrollung der Frage einer schnelleren Rückgabe des Saargebiets. Wir führen den Kampf gegen die Schuldlüge und für die Abrüstung auf dem Boden des internationalen Sozialismus. Abg. Ulihka (3 ): Die Deutschnationalen haben den Poung-Plan schon abgelehnt, ehe sie ihn überhaupt kannten. Kritik ist berechtigt, aber sie darf nie so weit gehen, daß die Ehrlichkeit derjenigen in Zweifel gezogen wird, die anderer Ansicht sind. Das Ergebnis der Pariser Verhandlungen ist für uns eine schwere Egt- täuschung. Angesichts der schweren Belastungen, die auch der Poung-Plan uns bringt, kann seine Annahme für uns immer nur eine bedingte Zusage sein, bedingt durch die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit.. Wir müssen klaren Bescheid verlangen über die Stellung der Mächte zur Rheinlandräumung. Erst wenn diese Klarbeit geschaffen ist, können wir über den Poung-Plan entscheiden. Wir haben schon beim Abschluß des L o - c a r n o - Vertrages die Räumung als selbstverständliche Folge unserer Konzessionen betrachtet. Alle Garantien und Beweise unseres guten Willens haben wir gegeben. Wir haben einen juristisch begründeten Anspruch auf Räumung. Diesen Anspruch müssen die Besatzungsmächte jetzt formell anerkennen und sie dürfen dafür nicht neue Bedingungen aufstellen wollen. Wir verlangen die Rheinlandräumung gratis und franko und nicht per Nachnahme. Eine neue Kontrollkommission unter irgendwelchem Namen kann für uns nicht in Frage kommen. Sie würde zu einer Art Polizeiaufsicht über das Rheinland werden und dadurch gerade das Vertrauensverhältnis, das wir erstreben, nicht aufkommen kaffen. Bei der Liquidierung der politischen Kriegsfolgen darf eine b e - fchleunigte Rückgabe des Saargebiets nicht vergessen werden. An der deutschen Gesinnung der Saarbeoölkerung wird auch Frankreich kaum noch zweifeln. Das Recht der Minderheiten muß besser als bisher im Völkerbund gewahrt werden. Die Beschwerden der Minderheiten werden jetzt im Völkerbund nach einem wohldurchdachten System von Drahtverhauen abgedrängt und begraben. Die Minderheitenfrage darf nicht mehr von der Tagesordnung des Völkerbundes verschwinden. Von der deutfchnationalen Fraktion ist inzwischen ein Mißtrauensantrag gegen den Reichsaußenminister Dr. Stresemann eingegangen. Abg. Dr. Schnee (DVp.) hält eine eingehende Prüfung des Voung-Plans für notwendig und behält sich die Stellungnahme seiner Partei zu diesem Plan in jeder Beziehung vor. Die selbstverständliche Voraussetzung für die Zustimmung sei die bedingungslose Räumung des Rheinlandes. Bei der Liquidation der politischen Kriegsfolge muß auch das Alnrecht gutgemacht werden, das durch die Beschlagnahme deutschen Privateigentums im Ausland und in den Kolonien begangen wurde. Der Völkerbund muß weit aufrichtiger und energischer den Schutz der Minderheiten in die Hand nehmen als bisher. Den deutschen Minderheiten wird in den neugebildeten Staaten oft genug Grund und Boden genommen unter dem Schlagwort „Bodenreform". Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände sei durchaus überparteilich eingestellt. Wenn ein volksparteilicher Redner zurückgewiesen worden sei, so sei das wohl von einem besonders scharf rechts eingestellten lokalen Verband geschehen. Im Kampf gegen die Kriegsschuldlüge sollte auch die Sozialdemokratie nicht abseits stehen. Sie könnte ja eigene Kundgebungen veranstalten. Die koloniale Schuldlüge sei ebenfalls längst überlebt. Deutschland dürfe nicht länger das Recht auf eigene Kolonien verweigert werden. Der Völkerbund müsse dagegen einschreiten, wenn dem Mandatsshstem zuwider England jetzt das ehemalige Deutsch-Ostafrika zur englischen Kolonie machen will. Abg. Or. Bredi (Wirtsch.-p.) bezweifelt, daß der Poung-Plan der deutschen Wirtschaft große Entlastungen bringen werde. Der deutsche Mittelstand wird mit einiger Verblüffung gehört haben, daß der Reichsaußenminister heute die Sorge um diesen Mittelstand als Argument für seine Politik anführte. In der Innenpolitik ist von dieser Sorge wenig zu spüren. Wenn die Pariser Vereinbarungen der Reichsbank größere Freiheit geben, so begrüßen wir das nicht so unbedingt. Wir verlangen eine gesteigerte Kontrolle der Notenpresse, damit uns eine neue Infkations- gefahr erspart bleibt. Die Wirtschciftspartei hat im großen und ganzen die Außenpolitik des Ministers Dr. Stresemann unterstützt. Sie vermißt aber die Informationen seitens der Regierung, die sich aus dieser Stellung ergeben. Abg. Haas (Dem.) erklärt, auch seine Partei habe gegen das Pariser Ergebnis a 11 e r s ch w e r st e Bedenken. Man müsse aber erst die politischen Verhandlungen abwarten und sehen, ob jetzt ernsthafte und wirkliche Fortschritte in der Liquidation des Krieges kommen. Die Räumung des Rheinlandes ohne jede Kontrollinstanz muß die notwendige Folge des Poung-Planes fein. Auch das Saargebiet muß unter deutsche Staatshoheit zurückkommen. Weiter ist ein wirklicher Minderheitenschutz notwendig. Der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge kann von denen nicht mit Erfolg geführt werden, die sich gleichzeitig zur Gewaltpolitik bekennen. Die Schuldlüge des Versailler Vertrages verletzt, weil sie eine Lüge ist, d i e Ehre des deutschen Volkes nicht. Aber ihre Aufrechterhaltung wider besseres Wissen verletzt die Ehre der Sieger. Wichtiger als der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge noch'ist die Aufklärung darüber, daß es heute außerhalb Deutschlands Schuldige gibt, die die wirkliche Liquidation des Krieges nicht zulassen wollen. Abg. Emminger (Bayer. Dp.): Wir betrachten den Vounq-Plan lediglich als die geeignete Grundlage für eine Verständigung, deren Zustandekommen wir erst a b w a r t e n müssen. Ohne jeden Zweifel steht heute die Formel fest: Ohne gleichzeitige Rhein- lanbräumung kein TZoung-Plan! Rach den Erfahrungen mit den ausgebliebenen Rückwirkungen von Locarno werden wir uns auf bloße Versprechungen nicht mehr ein- lafsen. Das deutsche Volk ist noch nicht so gesund, daß es nach dem deutschnationalen Rezept „Durch Krise zur Freiheit" ein neues Inflationsfeuer überstehen könnte. Ganz sicher würde dabei der M i 11 e l st a n d, in erster Linie der landwirtschaftliche Mittelstand, zugrunde gehen. Abg. Hepp (Lhr.-Aatl.-Bp.) weist darauf hin, daß für den Teil der Rechten, der dem Dawes-Plan zugestimmt habe, ausschließlich nationale Beweggründe die Veranlassung dazu waren. Er erinnere an den einmütigen Ruf des besetzten Gebietes, das von der Annahme des Dawes-Planes eine Erlösung von unsagbaren Leiden erhoffte. Die an den Zahlungsplan unö die Entwicklung der Wirtschaft geknüpften Erwartungen seien aber nicht eingetreten. Am meisten habe die Landwirtschaft unter der Außenpolitik der letzten Jahre gelitten. Die Christlich-Rationale Bauernpartei bekenne sich gegenüber dem Voung-Plan zu einem ehrlichen Rein. Sie werde sich auch ihre agrarischen Lebensrechte nicht durch Zugeständnisse auf diesem Gebiet erkaufen. Abg. Or. Bell (3 ) meint, das englisch-französische Kolonialabkommen vom Juni 1927, das offiziell bisher geheim gehalten sei, enthalte Vereinbarungen darüber, Kamerun endgültig an Frankreich zu fesseln. Darin läge eine Verletzung des Artikels 22 der Dölkerbundssatzung, denn man wolle aus dem Mandat eine Annexion machen. Rachdem Deutschland die Abrüstung und Entwaffnung restlos durchgeführt habe, habe es vollberechtigten Anspruch auf Abrüstung auch der anderen Staaten. Im Zeitalter der „Sicherungen" sollte man korrekterweise auch einmal auf die Sicherung Deutschlands bedacht sein. Der dauernden Verhütung kulturwidriger Geschehnisse diene am besten, wenn im In- und Ausland die Aleberzeugung Gemeingut werde, daß europäisches Solidaritätsgefühl und Dienst an der Mensch- heitsidee diesem Ziele nur förderlich fein könne. So müsse auch aus der wirtschaftlichen, finanziellen Pariser Lösung die politische Konsequenz folgen, ohne jede Kommission die besetzten Gebiete freizugeben und die Wünsche der Saarbevölkerung zu erfüllen. Reichsaußenminister Or. Stresemann: In der Debatte haben verschiedene Redner auf das Memorandum von 1924 hingewiesen, in dem betont wird, daß Deutschland auf den Anspruch auf eigene Kolonien nichtver- zichten kann. An dem Anspruch auf Rohstoffquellen in den Kolonialgebieten unter eigener Verwaltung hält Deutschland fest. In diesem Zusammenhang ist auf die englischen Pläne in Ostafrika verwiesen worden, die mit dem Mandatscharakter nicht vereinbar sind. Wir werden gegen solche Pläne die uns verfügbaren Mittel anwenden und hoffen, dabei die Alnterstühung derjenigen Staaten zu finden, die an dem Mandatsshstem festhalten wollen. Die Beschwerden über zu kostspielige Repräsentation unseres Auslanddien- st e s gehen an der Tatsache vorbei, daß vielfach der Zwang zur Repräsentation aus dem Pflichtgefühl entsteht und aus dem Bedürfnis, gesellschaftliche Beziehungen zu denjenigen Schichten zu gewinnen, die in dem betreffenden Lande die politische Macht repräsentieren. Die Repräsentationskosten werden auch erhöht durch die vielen Besucher aus der Heimat, die am Frühstückstisch des Botschafters sitzen wollen. In einer Botschaft betrug die Zahl der Einzelbesucher in zwei Monaten 200. Wenn alles im neuen Deutschland abfällig kritisiert wird, so sollte doch anerkannt werden, was es bedeutet, wenn Deutschland nach verlorenem Krieg, nach verlorenem Ruhrkrieg und nach der Inflation einen solchen Export wiedererlangt hat, wie wir ihn jetzt sehen. Deutschland, das jetzt nicht mehr über die Macht von früher verfügt, kann heute sein Ansehen nur erhalten durch die Erhaltung dessen, was an deutschen Kulturgütern im Ausland besteht. Ausgaben für solche Kulturzwecke sind eine gute Kapitalanlage. Frankreich hat sich durch seine Schulen seinen Einfluß auf dem Orient erobert. Die Saarfrage gehört zur Liquidierung der Kriegsfolgen ebenso wie die Rheinlandräumung. Kein Franzose wird sich unklar sein über den Ausgang einer Volksabstimmung im Saargebiet. Die Bevölkerung dort war deutsch, ist deutsch und wird deutsch bleiben. Ich habe niemals einen grundsätzlichen Widerspruch der Deutschnationalen gegen meine Außenpolitik gehört. (Hört, hört! bei der Mehrheit.) Ein nachahmenswertes Beispiel bot uns der Empfang Les amerikanischen Botschafters Dawes in London. An seinen Seiten saßen gleich zeitig der neue Außenminister Henderson und der frühere Außenminister Chamberlain. Damit wurde ausgedrückt: Wir verfolgen unser Ziel zwar auf verschiedenen Wegen, aber unser gemeinsames Ziel ist das Wohl des Vaterlandes. Wenn solche Anerkennung erst einmal in Deutschland dem politischen Gegner gezollt wird, dann wird es uns leichter sein, dem Vaterland zu dienen. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Sn der Abstimmung werden die Etats des Auswärtigen Amts, der besetzten Gebiete und der Kriegslasten in der Ausschuhfassung angenommen. Die Abstimmung über die Miß- trauensanträge wird bis zur dritten Lesung zurückgestellt. 3m Spiegel der pariser presse. Paris, 25. Sunt (WTD. Funkspruch.) Sn Besprechungen der gestrigen Erklärungen des Reichsaußenministers Dr. Stresemann im Reichstag findet die Morgenpresse sich mit der Rot- wendigkeit der Räumung des Rheinlandes als einer Tatsache ab, sie erhebt jedoch Einwendungen in der Frage der K o n t r o l l - Maßnahmen. So bezeichnet der „Petit Pari s i e n" den Ton der Rede Stresemanns, namentlich was die Frage der Rheinlandräumung betrifst, als sehr gemäßigt. Stresemann ist jedoch, so fährt das Blatt fort, in der Zurückweisung jedes Gedankens einer ständigen äleberwachung außerordentlich kategorisch gewesen. Gegenüber dieser Erklärung wird von alliierter Seite sicher auf den dritten Punkt der Genfer Resolution vom 16. September 1928, die im Einvernehmen mit Reichskanzler Müller angenommen wurde, hingewiesen werden. Im „Echo de Paris" heißt es: Deutschland bleibt dabei, daß es alle Zwangsmaßnahmen aus dem Versailler Vertrag zu beseitigen wünscht. Ob man will oder nicht, das französische Ministerium wird früher oder später gezwungen sein, gegen die Tendenz von Locarno anzugehen, und Frankreich „um der Beruhigung der Well willen" einen Teil der Verantwortung am Kriege aufzuhalsen. Der Augenblick ist gekommen, den Leuten von London und Berlin zu beweisen, daß Europa nicht ihren Bestrebungen ausgeliefert sein wird. Zunächst einmal stellt das Protokoll vom Ib.September 1928 eine Verbindung zwischen der Rheinlandkommission und der Räumung her, d. h. ohne ständige Kontrolle keine Räumung. Der „F i g a r o" erklärt, man könne aus den War- ten Dr. Stresemanns schließen, daß er vielleicht provisorisch einen S t u d i e n a u s s ch u ß, den man in der Sprache der neuen Diplomatie einen Ausgleichsausschuß nennt, annehmen werde. Es ist wahrscheinlich, daß Stresemann dieser Auffassung keine besondere Bedeutung beimessen wird, aber es ist sicher, daß derselbe Stresemann entschlossen ist, i n ■ der Folge keine interalliierte Ueberwachung im Rheinland zu dul- den. Das ist die erste Acwendung der deutschen These: Man muß dem Reich seineSouveräni- tät wiedergeben. Wo wird die politische Konferenz zusammenireten? Paris, 24. Juni. (TU.) In französischen diplomatischen Kreisen erklärt man, die französische Regierung habe durch Vermittlung Briands und um Dr. Stresemann eine Gefälligkeit zu erweisen, als Tagungsort der politischen Konferenz Baden- Baden vorgeschlagen. Sie werde aber auch keine Einwände erheben, daß die Konferenz in London stattfinde. Frankreich werde auf dieser Konferenz durch Außenminister B r i a n d vertreten fein, in dessen Begleitung sich der Generalsekretär des französischen Außenamtes, Berthe lot, befinde. Man ist in Paris der Ansicht, daß die Konferenz nicht mehr als zwei Wochen in Anspruch nehmen werde, da man in französischen Regierungskreisen die Saarfrage als außerhalb der Zuständigkeit dieser Konferenz betrachte. Man glaube daher, die Konferenz würde nur die Fragen prüfen, die sich auf die Räumung des Rheinlandes beziehen. Der „Matin" plädiert für die Wahl einer Stadt in der Schweiz nach dem Beispiel von L o - c a r n o und fährt fort: Wenn man die Schweiz nicht wählen will, so sollte man an die Niederlande denken. Macdonald will zwar, daß die Konferenz in London stattfinde, es ist aber wahrscheinlich, daß die Mehrheit der interessierten Mächte versuchen wird, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß die Verhandlungen in einer Atmosphäre abgehalten werden, die nicht die Gefahr politischer Ansteckung im Gefolge hat. Nach dem „Petit Parisien" ist es wahrscheinlich, daß die französische Regierung den interessierten Mächten einen Initiativvorschlag machen werde. Oie Agrarzölle. Beratungen des Reichskabinetts. Berlin, 24. Juni. (Prioatmeldung.) Das Reichskabinett hat heute nachmittag die Maßnahmen zur Behebung der Not der Landwirtschaft beraten. Wie wir erfahren, behandelt das Kabinett die Frage der Aufhebung des Getreidezolles, die ja auch trotz des Schwedenvertrages möglich ist. Im übrigen soll sich das Reichskabinett auch mit der Kündigungsformel des deutsch-schwedischen Handelsvertrages befassen, die in Anbetracht der Kürze der Zeit unumgänglich geworden ist. Im Verlauf der weiteren Erörterungen wird das Kabinett im Zusamenhang mit den Standardisierungsplänen des Reichsernährungs- Ministers auch den Futter- und Eierzoll behandeln. Die übrigen Zollfragen sind im gegenwärtigen Augenblick aber noch nicht akut. Der handelspolitische Ausschuß des Reichstags trat am Montagabend zusammen, um sich mit den Anträgen auf Erhöhung der Getreide-, F u ttermittel«, Butter- und Kartoffel- zolle zu beschäftigen. Reichsernährungsminister Dietrich erklärte, daß die Reichsregierung ein Produktionsförderung s- undB e t rie b s- umstellungsprogramm auf fünfIahre aufgestellt habe, um hauptsächlich eine Umstellung der Milch-, Käse- und Butterwirschaft stattfinden zu lassen. Für diese Uebergangszeit müsse erhöhter Zollschutz gewährt werden, und zwar ein Erziehungszoll, der allmählich wieder abzubauen sei. Nach kurzer Debatte beantragten jämlliche bürgerlichen Parteien gemäß der Anregung Die deutschen Banken Berlin, 24.Juni. (WB.) Vorstand, Ausschuß und Währungsausschuß des Zentralverbandes des deutschen Bank - und Bankiergewerbes traten heute hier zur Entgegennahme und Besprechung eines Berichts des Herrn Dr. Karl Melchior über die Vorschläge des Pariser Sachverständigenausschusses zur vollständigen und endgültigen Regelung des Reparationsproblems zusammen. Hierüber teilt der Verband mit: Bei der Beratung, die sich auf alle wesentlichen Punkte der neuen Regelung bezog, wurde der Tatsache Rechnung getragen, daß der Sachverständigenausschuß seine Aufgabe nicht nur als eine wirtschaftliche, sondern in gewissem Sinne auch als eine politische angesehen hat. Ungeachtet der Zurückhaltung, welche sich unter diesen Umständen die wirtschaftliche Berufsvertretung des Bankgewerbes bei einer Stellungnahme zu den Ergebnissen des Sachoerständigenberichts auferlegen muß, hielt man es doch für geboten, folgendes zu betonen: 1. Die teutfdj^n Sachverständigen haben d i e älebernahme einer unbedingtenVer- antwortungfürDerpflichtungen ab- gelehnt, die möglicherweise außerhalb der Grenzen der deutschen Leistungs- fähigkeit liegen. Für die Entschlossenheit dieser Weigerung, welcher auch der Sachverstän- digenausschuh Ehre widerfahren ließ, gebührt ihnen um deswillen Dank, weil Deutschlands t'ünftige Leistungsfähigkeit unberechenbar ist und nach wie vor in entscheidendem Maße von der Crzielbarkeit von Ausfuhrüberschüssen, damit aber von dem wirtscha ftlichen Verhalten desAus- l a n d e s , insbesondere der Gläubigerländer, abhängig sein wird. Eine Finanzierung von Reparationszahlungen durch Ausländsanleihen — abgesehen von den ersten Lleber- gangsjahren — kann ebensowenig im Sinne des Poung-Planes wie in dem des Dawesgutachtens liegen. Cs sollte deshalb in den Befugnissen, die dieser Sachverständigenbericht Deutschland in Ansehung des geschützten Teils der Sahres- leistungen einräumt, von vornherein nicht als R o t b e h e l f erblickt werden, dessen Ausübung mit der Signalisierung einer bedenklichen Wirtschaftslage gleichbedeutend wäre, sondern ein Recht, welches Deutschland namentlich dann in Anspruch zu nehmen haben wird, wenn sich Voraussetzungen und Erwartungen als unzutreffend erweisen sollten, von denen der Sachverständigenausschuß, sei es bei der Einschätzung wirtschaftlicher Entwicklungsmöglichkeiten, sei es bei der zum Noung-Sukachken. Beurteilung der praktischen Auswirkung seiner technischen Vorschläge, ausgegangen ist. 2. Mit die wesentlichsten Bedenken, welche das deutsche Bankgewerbe vor fünf Jahren gegen die Annahme des Dawesplans geltend gemacht hat, betrafen die Unterstellung der wichtigsten Gebiete des deutschen Geld-, Finanz- und Verkehrswesens unter ausländische Kontrollorgane Das Bankgewerbe begrüßt deshalb die in Aussicht genommene B e - feitigung dieser Organe aufs Lebhafteste. Gleichzeitig aber kann es nicht dringend genug betonen, daß mit der Befreiung der Reichsbank von ausländischem Einfluß keinesfalls eine Beeinträchtigung der Garantien verbunden fein darf, durch welche das geltende Bankgesetz die Unabhängigkeit dör Zentralnotenbank gegenüber derFinanzverwaltungdes Reiches sowie gegenüber sonstigen politischen Gewalten und wirtschaftlichen Interessen im Jnlande sicherstellt. Nur so kann das unbedingte Vertrauen zur Sicherheit der deutschen Währung erhalten bleiben, dessen wir unter dem neuen Reparationsplan in noch höherem Maße als unter dem alten bedürfen werden. 3 Eine Verantwortung für eine politische Entscheidung auf der Grundlage des vorliegenden Sachverständigenberichts kann gegenüber den Geschlechtern, welche durch die darin vorgesehenen Sahresleistungen belastet werden sollen, unter keinen Umständen angenommen werden, wenn dabei nicht der feste Wille obwaltet, im Sn» nernDeutsckilands den Geboten einer gesunden Finanzpolitik uneingeschränkte Geltung zu verschaffen namentlich gegenüber wirtschaftlichen Tendenzen in der öffentlichen Ausgabengebarung, deren verhängnisvolle Wirkungen alle Glieder des Volksganzen in gleicher Weise berühren. Ein einheitliches Zusammenwirken aller Parteien und Wirtschaftsstände zu diesem Ziele ist im jetzigen Zeitpunkt, der allen Deutschen ohne Unterschied von Stand und Stellung ihre wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft erneut zum Bewußtsein bringt, eine unbedingte Rotwendig- keit. Die Angehörigen des Dankgewerbes stehen deshalb auf dem Standpunkt, daß gesetzliche Maßnahmen oder mindestens innerpolitische Bindungen, welche die Erreichung dieses Ziels sichern, mit denjenigen gesetzlichen Bestimmungen, welche demnächst der Reuregelung unserer ausländischen Zahlungsverpflichtungen "dienen sollen, ein untrennbares G a nzes bilden müssen. Probleme der Wüschen Selbstverwalümg. Oie Anleihepolitik. — Senkung der Realsteuern? — Finanzausgleich und Reichsreform. — Oie Reichsstädteordnung. — Oie sozialen Lasten. Lübeck, 24. Suni. (WD.) Der Präsident des Deutschen und Preußischen Städtetages, Dr. M u» lert, gab Vertretern der Presse Aufklärung über die Hauptpunkte der in Lübeck stattfinden- den Beratungen des Städtetages und ihre Ergebnisse. Dr. Mulert führte etwa folgendes aus: Bei allen Ausgaben, die zurückgestellt werden können, ist stärkste Sparsamkeit geboten. Finanzpolitisch gesehen wird es besonders bedeutsam fein, wie sich das Ergebnis der Pariser Verhandlungen auf den Anleihemarkt auswirkt. ? Die gemeinsamen Bemühungen der Städte werden dahin gehem Emissionen nur in dringlichen Fällen und nach guter Vorbereitung zu begeben und die Kurse der städtischen Arlleihen sorgfältig zu pflegen. Die Städte sind auf das intensivste bemüht, den Wünschen der wirtschaftlichen Kreise, die Steuern, insbesondere die Realsteuernzusenken, nach Möglichkeit zu entsprechen. Sollte sich aus den Pariser Verhandlungen die Möglichkeit einer Steuer erleichterung ergeben, so werden die Städte mit besonderer Genugtuung von einer solchen Möglichkeit Gebrauch machen. Die Festlegung eines endgültigen Finanzausgleichs erscheint nunmehr als eine der wichtigsten innerpolitischen Aufgaben. Auch für die innere Entwicklung des Reichs ist der gegenwärtige Augenblick besonders bedeutsam. Der Reichsminister des Innern wird in den nächsten Tagen die Länderkonferenz einberufen, die sich mit der Reform der Verfassung und Verwaltung des Reichs beschäftigen wird. Nach der Auffassung der Städte kann das ganze Problem nicht gelöst werden, wenn die Erörterung sich auf die Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern beschränkt. Die Städte wünschen einen klaren und vernünftigen Aufbau der Verwaltung und eine zweckmäßige regionale Gliederung des Reiches. Sie verlangen, daß alle Aufgaben, die örtlich gelöst werden können, auch der Selbstverwaltung zur selbständigen Erledigung übertragen werden. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat sich in zweiter Lesung mit dem Entwurf einer Reichs st ädteordnung beschäftigt, die ein Einkammersystem vorsieht, welches die Vorzüge der rheinischenBürger- meisteroerfassung und der süddeutschen Stadtratsverfassung in sich vereinigt. Die Gemeinden wollen im eigenen Hause für eine einheitliche, zweckmäßige und einfache Verfassung sorgen. Mit großer Sorge verfolgen die Städte die Verhandlungen über die Reform der Arbeitslosenversicherung. Riemals darf es eine Reform sein, die im wesentlichen darin besteht, die Lasten von den starken Schultern des Reichs auf die schwächeren der Gemeinden zu verschieben. Richt anders liegen die DerhÄtnisse auf dem Gebiete des Wohnungsbaues und der Wohnungsfürsorge. Eine Reuregelung, die den Bedürfnissen der Gemeinden nicht gerecht würde, wäre eine schwere Gefährdung des Wohnungsbaues und der Wohnungsfürsorge und zugleich eine Verschiebung des Finanzausgleichs von ganz außerordentlicher Tragweite. des Ministers, den B u 11 e r z o l l s a tz bis 31. De- zember 1933 nicht unter 50 Mark, bis 31. Dezember 1935 nicht unter 40 Mark und ab 1. Januar 1936 nicht unter 30 Mark je Doppelzentner festzusetzen. Die Abstimmung wurde auf morgen vertagt. Dagegen fand mit 13 gegen 11 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Antrag Annahme, den Zollsatz für frische Kartoffeln für die Zeit vom 15. Februar bis 31. August auf 4, und vom 1. September bis 14. Februar auf 2 Mark je Doppelzentner feftzusetzen. Der Sparkommiffar in Hessen. Wann wird das Gutachten veröffentlicht? Berlin, 25. 3uni. (prio.-Iel.) Bor rund einem halben Jahr Hal der Beldjsfparfommiffar ein sehr ausführliches Gutachten über die Benvallung des Bolksstaales Hessen ferliggestelll. Dieses Gutachten, das bisher noch nicht veröffentlicht wurde, hat Anlaß zu längeren Behandlungen zwischen dem Reichssparkommissar, d. h. seinem Beauftragten und der hessischen Regierung gegeben. Es handelt sich dabei um gewisse Korrekturen, die notwendig wurden, und es soll auch, wie wir von unterrichteter Seite hören, eine Kürzung des sehr umfangreichen Berichtes erfolgen. Erst dann ist mit einer Beröffentlichung des Gutachtens zu rechnen, auf die man mit Recht gespannt sein kann, da es im Rahmen der großen BcrroaUungsreform allein durch sein reichhaltiges Material von größter Bedeutung sein wird. Auch über die Einwirkung der Besetzung auf die finanzielle Loge Hessens dürfte der Schlußbericht Aufklärung geben. Im übrigen laufen eingehende Untersuchungen des Reichssparkommissars, zur Zeit vor allem noch in Württemberg und Mecklenburg. Schwerin, während in diesem Monat der Ab- schiuß in Thüringen erfolgte. Die evangelische Generalsynode. Geschloffenheit der Preußischen Landeskirchen in der Konkordaisfrage. Berlin, 24. Juni. (WTB.) Der Vorsitzende der aus Anlaß des Konkordatsabschlusses in Berlin versammelten außerordentlichen Generalsynode, der obersten Körperschaft der evangelischen Kirche der älteren preußischen Provinzen, hat die Vertreter der leitenden Kirchenbehörden der übrigen evangelischen Landeskirchen Preußens zu den Verhandlungen der Generalsynode eingeladen. Es sind bereits in dem heute tagenden Verfasiungsausschuß der Synode erschienen: der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Hannover, Dr. D. Marahren, der Präsident des Landeskirchenamts für Schleswig-Holstein, Dr. D. Freiherr v. Heintze-Kiel, der Vorsitzende der Kirchenregierung von Hessen-Kassel, Landesoberpfarrer D. Moeller. Die Vertreter der anderen kleineren Kirchen werden noch erwartet. Diese Teilnahme von Vertretern anderer preußischer Landeskirchen an der Tagung des altpreußischen Kirchenparlaments stellt einen ungewöhnlichen Vorgang dar, der die G e f ch l o s s e n h e i t der sämtlichen evangelischen Landeskirchen Preußens in der Konkordatsfrage zum Aus- druck bringen soll. OerZechenverband nimmt denSchieds- sprnch für den Ruhrbergbau an. Essen, 24. Suni. (WTB.) Der Zechenverband hat den Schiedsspruch über Manteltarif und Arbeitszeit für den Ruhrbergbau angenommen. Die Annahme erfolgt, wie der Zechenverband dazu bekannt gibt, trotz schwerer Bedenken, die dahin gehen, daß der Schiedsspruch nicht die von ihm erstrebte Entlastung der Selbstkostenlage, der Arbeitszeit und der Lleberschich. tenfrage, sondern im Gegenteil eine weitere Belastung insbesondere in den Urlaubsbestimmungen bringe. Der Beschluß des Zechenverbandes fei vor allem mit Rücksicht auf die Erhaltung des Arbeitsfriedens, der durch die Laufzeit des Abkommens f ü r längere Zeit gesichert erscheint, gefaßt worden. Oer Giinnes-Prozeß. Berlin, 24. Suni. (WTD.) Bankdirektoi Levit, Paris, Mitglied des Aufsichtsrats bei Danque Centrale, erklärt, er habe schon sehr bald betrügerische Geschäfte Schrandll festgestellt. Bald darauf sei er auch *nuf dar Konto von Waldows gestoßen, das ihm durch die ungewöhnliche Höhe der gekauften deutschen Anleihen auffiel. Rachdem erfahren habe, daß Anleihen im Betrage bc. 26 Millionen Mark widerrechllich zur Anmeldung gekommen seien, habe er Heinzmann davon 2Ki‘“ teilung gemacht. Der Zeuge R a s s o w schilde, die Durchsuchung des Hamburger Geschäftshauses des Stinnes-Konzerns. Die Akten aus den Sohren 1926 und 1927 seien außerordentlich dürftig gewesen. Stinnes' Privatsekretär Grubba habe angegeben, daß er die fehlenden Akten Stinnes habe übergeben müssen. Der französische Bankier Eugen Hirsch habe angegeben, ihm sei von vornherein klar gewesen, daß das Geschäft i l - legal sei. Er selbst habe es mit dem Wort „Schiebung" bezeichnet. Es seien in Paris auch zwei Personen vernommen worden, a u f deren Ramen die Anleihe angemeldet gewesen sei. Sie hätten zugegeben, niemals Altanleihe besessen zu haben. Die Madame Lagrange sei so völlig verarmt getoefe. daß ihr v. Waldow die Reise nach Paris bezahlt, habe. Aus aller Wett. Das Schicksal der spanischen Ozeanflleger. Die militärische Funkstation Madrid empfing von dem spanischen Dampfer „Magallanes" einen Funkspruch, wonach das vermutlich englische Schifi „©reiben“ mitteilt, daß es etwa 2 2 0 Kilometer von den Azoren entfernt die Äeberreste eines Flugzeugs ohne Mannschaft angetroffen habe. Der spanische Marineminister hat vier Torpedobootszerstörer angewiesen, sich von Ferol in die Gewässer nördlich der Azoren zu begeben. Zwei Ozeandampfer, die sich in der Rähe der Azoren befinden, sind durch Funkspruch angewiesen worden, die umliegenden Gewässer abzusuchen und festzustellen, ob die aufgefundenen Trümmer von dem spanischen Flugzeug „R u m a n c i a“ herrühren, mit dem Major Franco am vergangenen Freitag zu einem Transozeanflug ausgestie- g en ist. Oie Wetterlage. ilren-ins. TrigO •Seydlsf- .Hordoyan. u* 40 locxh- '2. ff UL Warxh Y60 Montag. d.24.Juni 1929.7* aDdS. >- -frY. Hamoo-IL- 43 x-»y | * ,£.20 o o 1R . IQ Hör. La (onina. ©wolkenlos. <3 neuer. <>naio Gedeckt. 9 wolkig. • oedecki «Regen * Schnee a Graupeln. e Nebel K Gewießen auf Kunstdruckpapier hergestellte und mit vielen fein herausgebrachten Bildern ausgestattete Buch umfaßt 80 Seiten. Es enthalt folgende Beiträge: Prof. Dr. Karl Hummel-Gießen „Die geologischen Grundlagen des Landschaftsbildes"; Prof. Dr. Aubin-Gießen „Die Siedlung Gleiberg": Prof. Paul Helmke-Gießen „Die Altertumssammlung auf dem Gleiberg"' Prof. Dr. Karl Ebel-Gießen ..Aus der Geschichte des Gleibergs": Bürgermeister Albert Brvck- meier -Krofdorf „DerGleiberg im letzten.Jahrhundert": Prof. Dr. Ehr. Rauch-Gießen „Zur Daugeschichte der Burg Gleiberg": Degierü'ngs- baumeister a. D. Theodor W i l d e m a n •Qtonn „Der Gleiberg in der Denkmalpflege": Dr. Leo Lampe- Gießen „Etwas aus der Geschichte des Gleiberg-Vereins": Oberbauinspektvr «Georg Mohr-Gießen ..Die Erhaltungsarbe^ea des Vereins an der Burg": Dr. Georg Lehnert- Gießen „Student en auszüge nach dam Gleiberg": Pfarrer Lic. Karl Friedrich MüIlle r -Dutenhofen „Gleiberger Bürger und Gießener Studenten Anno 1608"; Prof. D. Dr. August Freiherr von Gall-Gießen „Der Gleiberg und der Gießener Wingolf": cand. rer. nat. Adolf Echternacht- Marburg „Die alte Gleiberger Linde": Lehrer Hans Watz-Kinzenbach „Botanische und zoologische Naturdenkmäler des Gleibergs und seiner Umgebung“; stud. for. Karl Rudolf Fischer- Gießen „Mittelalterliche Jagd, Reiherbeize und Falknerei im Gleiberger Lahngebiet": Lehrer Hans Watz- Kinzenbach „Allerhand von der Dogelwelt des Gleiberggebietes". Don den Bildern sind besonders hervorzuheben die Wiedergabe des Gleibergs im Jahre 1892 nach einem Oelge- mälde von Professor von Wille, die Burg Gleiberg im Jahre 1627 nach einem Kupferstich von Meißner, Gleiberg und Vetzberg (Wiedergabe eines Stahlstichs von E. Willmann nach einem Gemälde von P. Weber aus der Mitte des 19. Jahrhunderts), der Studentenauszug aus dem Jahre 1826 nach einer Lithographie von E. Bieler, ferner die Aufnahme des Gleibergs aus der Vogelschau von einem Flugzeug aus, einige weitere Aufnahmen der Burg aus der Gegenwart, sowie die Bilder einiger Männer, die sich um die Erhaltung der Burg Gleiberg und die auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen des Gleiberg-Vereins besonders verdient gemacht haben. Den Mitgliedern und Freunden des Gleiberg- Vereins, darüber hinaus aber auch der Bevölkerung in Stadt und Land wurde mit diesem wertvollen Buche von dem Vorstand des Gleiberg-Vereins ein Andenken an die Jubiläumsfeier an die Hand gegeben, dessen Anschaffung sich niemand entgehen lassen sollte, besonders da der Anschaffungspreis, soweit wir unterrichtet sind, os niedrig bemessen ist, daß jedermann sich in den Besitz dieses interessanten und lehrreichen Dokumentes unserer Heimatgeschichte sehen kann. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. Juni 1929. Der verregnete Aachmittagsspaztergang. Wir hatten mit Bekannten ausgemacht, and am vorigen Eonntagnachmittag im Walde zu treffen. Gleich am Eingang, neben der neuen Schonung. Run machte aber der Sonntag so ein trübseliges Gesicht. Wir zögerten lange und wußten nicht recht: Gehen wir, oder bleiben wir zu Hause? Meine Frau sagte: „Die kommen doch nichtl" „Und wenn," sagte ich zuletzt, „wir haben versprochen, um drei da zu sein. Also los, ihr Kinder, wir gehenl" Wir kamen bei ganz leichtem Regen glücklich in den Wald, riefen Hallo und liefen die Schneise aus und ab, aber niemand gab uns Antwort. Der Wald war still. Was nun? Allmählich hatte sich der Regen verstärkt. Wir hatten zwar Schirme, aber gleich wieder zurück, daß uns die Nachbarn, die schon so merkwürdige Gesichter machten, als wir weggingen, auslachen, nein! Also suchten wir uns ein stilles Plätzchen. Wo die hohen Tannen aufhörten, war es noch ganz schön trocken, kaum ein Tröpfchen verirrte sich durch die dichten Radeln. Wir saßen mollig geborgen. Kein Windhauch kam za uns, nur oben in den Wipfeln rauschte es. Gegenüber standen hohe Buchen. Wir hörten den Regen auf den Blättern, wie es rauschte! Man glaubt immer, es gösse in Strömen, wenn so die Regen- «tropfen von Blatt zu Blatt fallen und sich bis zur Erde verhundertfachen. Die Tröpfchen erzeugen ein Geräusch als ob ein starker Regen niederginge. Ab und zu hörte es auf. Die Sonne schien doch endlich Herr über die Wolkensehen zu werden. Aber schon wieder wurde es trübe, in unserm Tannenversteck fast dunkel. Wir saßen ganz still und lauschten dem eintönigen Rieseln von Blatt zu Blatt. Wars nicht merkwürdig still im Sommerwald? Kaum hörten toir dann und wann einen Vogelruf. Die Ruhe ging auf uns über. Wir sprachen fast leise. Wie merkwürdig sich auch hie Kinder verhielten! Sie faßen neben uns, holten gemächlich ihr Stück Kuchen aus der Ledertasche und knusperten daran. Das gleichmäßige Tropfen des Regens wirkte wie das einschläfernde Wiegenlied der Mutter. Auf einmal sah ich, tote sich drüben etwas bewegte. Ich beutete nach der großen Buche. Da war ein kleines Waldmäuschen erschienen. Wir sahen ganz deutlich, wie das Tierchen sich prüfend nach allen Seiten umschaute, auf die Hinterfüße setzte, bann wieder einige trippelnbe Schritte machte. Jetzt hielt es inne, packte etwas zwischen feine Vorderfüße und knabberte daran. Wir wagten kaum zu atmen, um es nicht zu verscheuchen. Dann lief es wieder flink zur nächsten Baumwurzel, suchte, fand und knabberte von neuem. Die Augen meiner Jungen glänzten vor Freude. Wie gern hätten sie das Heine Ding gefangen! Ich wehrte ihnen und sagte flüsternd: »Schaut es euch doch an, ist es so nicht schöner?" So saßen wir wohl eine Viertelstunde und guckten dem kleinen Ding mit zu. Es war ein allerliebstes Tierchen. Auf einmal wars verschwunden. Irgendwo hatte ein Ast geknackt, oder hatten wir uns bewegt? Es kam nicht wieder, obgleich wir lange warteten. „Das war schön!" meinte mein Jüngster. „Wenn es gewußt hätte, baß wir hier zu fünft saßen! Ich hätte ihm gern ein Krümelchen von meinem Kuchen gegeben. Weißt du was? Ich lege es hier vor fein Versteck, bann finbet es ben Kuchen schon." ilnb so tat er auch. Hoffentlich hat es dem Mäuschen geschmeckt. (Cs waren vier Eier in dem Kuchen, sagte meine Frau vorwurfsvoll.) Der Regen hatte aufgehört. Neues Leben erwachte im Walde. Wir horten den garftigen Schrei des Hähers, dann auch hier und da die Amsel flöten, die ja bekanntlich gern im Regenwetter sitzt und dabei ihre sanften Melodien erklingen läßt. Wie sie ihr Gefieder aufplusterte und dabei unaufhörlich fang! Die Drossel setzte auch bald ein, Finken und Meisen sangen mit. Von fern hämmerte ein Specht. Wir gingen langsam durch den regennassen Wald und waren — wegen unserer Sonntagsstiesel — doch froh, als wir die Landstraße erreicht hatten; beim von neuem strömte der Regen. Aber noch auf dem Heimwege sagten meine Kinder: „Das war heut noch viel feiner, als wenn es so heiß gewesen wäre. Wir brauchten nicht zu schwitzen und haben doch viel gesehen und gehört." Ja, sie hatten recht. Man soll die Flinte nicht gleich ins Korn werfen, man soll auch den Wald einmal bei Regenwetter besuchens man wird nie enttäuscht fe:i. Meinen Freunden aber werden wir unfern Spaziergang so golden übermalen, daß sie bersten vor Neid! D. Gießener Wochenmarktpreis Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 20.0, Matte 30 bis 35, Wirsing 30 bis 35, Weißkraut 30 bis 35, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 15 bis 20, grüne Dohnen 35 bis 40, gelbe Dohnen 50 bis 60, Spargel 50 bis 90, Erbsen 25 bis 35, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, alte Kartoffeln 5,5, neue Kartoffeln 15 bis 20, ausländische Aepsel 45 bis 70, Dörrobst 35 bis 40, Kirschen 40 bis 50, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 90, Aprikosen 50 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Walderdbeeren 60 bis 65 Pf. der Schoppen: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 90, Eier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 60, Einmachgurken 15 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 15 Pf. das Stück; gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 15 bis 20, Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln 4,50 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die weißen Rosen von Ravensberg". — Vorträge über Glanzplätten mittels Elektrizität finden am Donnerstag und Freitag im Saale des Caf6 Leib auf Veranlassung des städtischen Elektrizitätswerkes statt. Der (Eintritt ist frei. Die Hausfrauen und Hausangestellten werden im heutigen Anzeigenteil zu dieser Veranstaltung eingeladen. Man beachte die Anzeige. ** Oeffentliche Stadtratssitzung. Wie gestern schon kurz berichtet, findet am nächsten Donnerstag, 16 älhr beginnend, eine öffentliche Stadtratssihung statt, die gegebenenfalls bei Nichterledigung der umfangreichen Tagesordnung am Freitag, wiederum um 16 älhr beginnend, ihre Fortsetzung finden soll. An der Spitze der Tagesordnung steht die Beratung und Beschlußfassung über den städtischen Haushaltsvoranschlag für 1929. Weiter sind aus der Tagesordnung als besonders bedeutsam folgende Vorlagen zu erwähnen: Ausbau des elektrischen Leitungsnetzes, Verstärkung des elektrischen Kabel- nehes: älmstellung der Stromversorgung des Bahnhofs Dießen von Gleich- auf Drehstrom und .die Herstellung einer Verbindung mit der Trans- f.oimatorcnftation am Aulweg; Beschaffung von Transformatoren; Llmschallung und Ausbau des Ortsnetzes Klein-Linden; weitere Durchführung ber Gleisbefestigungen der Straßenbahn. *• Ein Führer durch die Grünanlagen der Stadt Gießen Wiederholt ge-' äußerten Wünschen von Stadtratsmitgliedern und Schulleitungen, sowie von lokalgeschichtlich interessierten Personen Rechnung tragend hat die Stad-tverwaltung jetzt einen „Führer durch die Grünanlagen der Stadt Gießen" im Druck erscheinen lassen Das handliche Büchlein, das man bequem in der Rocktasche tragen kann, wurde im Auftr-rge der Stadtverwaltung von dem Uni- versitatsgarteninspektor i. R. F. Rehnelt (Gießen) geschrieben. Es enthält zunächst einen all- gemeinfn Teil, in dem über die Bedeutung und Aufgabcen der städtischen Grünanlagen und über den Schlitz der Anlagen gesprochen wird. In dem anschließenden beschreibenden Teile wird zunächst über die Gliederung und Größe der Südanlage, Ostanlage> und Nordanlage berichtet, sodann über die Bäurne in den Anlagen kurz und doch fachlich erschöpfend» Auskunft gegeben Den dritten und Schluß teil des Büchleins bildet die Beschreibung eines Rutildganges um die Südanlaqe und Oft» anlage, fotti'ie um die Anlagen am Alten Friedhof und endlich eine Beschreibung des Baumbestandes aarf dem unteren Teile des Alten Friedhofes. Die interessante und lehrreiche kleine Druckschrift im Umfang von 36 Klein-Oktav- feiten ist ei uv wertvolle Arbeit im Dienste der lokalgefchichtlahen Aufklärungsarbeit Die Herausgabe biefeß empfehlenswerten Büchleins ist eine verdienstviolle Tat der Stadtverwaltung und des fach- und lpkalkundigen Verfassers der Schrift. Möchte sie bei unseren Mitbürgern weitgehende Verbreitung fhaben und dazu beitragen, daß das Verständnis für: den hohen Wert unserer städtischen Grünanlagen sich immer mehr ausbreitet und den Willen stärkt, für die sorgsame Erhaltung und den weiteren Ausbau dieser „Lungen unserer Stadt" stets alles zu tun, was in den wirtschaftlichen Kräften unseres Gemeinwesens steht! '* Der Ruderklub assio" bittet uns, mitzuteilen, daß die Preise für seine am kommenden Samstag und Sonntag stattfjndende Ruderregatta im Schaufenster der Firma Lang & Wieder- ft e i n , Mäusdurg, ausgestellt sind. " Obst- und Gar tenbauverein Gießen. Im Obst- und Gartenbau verein Gießen sprach am Sonntag Obstbau-Oberlehrer Baumann von der Lehr- und Forschungsanstalt in Ober-Erlenbach über gärungslose Obstverwertung im Haushalt. In zahlreichen Lichtbildern wurden zunächst die verschiedenen Feinde und Freunde des Menschen aus der niedrigsten Stufe des Pflanzenreichs vorgeführt und besprochen, so die Pinsel- und Kopfschimmel, die Gärungserreger oder Hefepilze, die Essig- und andere Krankheitspilze, die Spaltpilze oder Bakterien, sowie die Art ihrer beispiellosen Vermehrung und die scheintote Dauerform, die zu neuem Leben erwacht, sobald ihre Lebensbedingungen wieder günstig geworden sind, auch dann noch, wenn nach dem ersten Erscheinen jahrelange Zeiträume verflossen sind. Don besonderem Interesse war die Besprechung des Erregers der Wurstvergiftungen, der gelegentlich nicht nur bei Fleischwaren, sondern auch in Gemüsekonserven, besonders eingemachten Dohnen, vorkommt und der alljährlich Opfer an Menschenleben fordert. Diese Bakterienart lebt von Ei- weißstosfen, kommt darum niemals in Frucht- konserven vor. Wo Gemüsekonserven Spuren von „Bombierung", d. h. Auftreibungen, zeigen, müssen sie vernichtet werden. Weiter war von großem Interesse die Schilderung der heutigen Äeberführung von Frischobst in Dauerware, wobei es dem Dortragenden gelang, die Rück ständigkeit unserer veralteten Methoden zu beweisen. Die lebenswichtigsten Ersatzstoffe, welche wir als „Vitamine" kennen, zerstörten wir seither durch übermäßiges Kochen. Zucker aber und Fruchtfäure, die uns den Obstgenuß angenehm machen, trieben wir mit Hilfe der Alkoholgärung in Form von Kohlensäure zum Spundloch hinaus. 3m weiteren Verlaufe seiner Ausführungen zeigte der Redner, wie auf wissenschaftlich einwandfreie Weise auch im Haushalt unter Anwendung der allereinfachsten Mittel der aus dem Obst slicßende reine und Rare Fruchtsaft unbegrenzt haltbar gemacht werden kann. Leider verbietet der Mangel an Raum, an dieser Stelle auf Einzelheiten näher einzugehen. Die Zuhörer, die den großen Hörsaal der Universität bis auf den letzten Platz füllten, dankten durch lebhaften Beifall. 3n der anschließenden Aussprache kam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, es möchte durch Zusammenwirken hiesiger Vereine die wich- tige Frage der neuzeitlichen Obstverwertung im eignen Haushall bald auf praktische Grundlage gestellt werden, damit die zu erwartende reiche Obsternte, vor allem die des DeerenobsteS, besser als seither ausgenüht werden kann. •* Das 12. Reit» und Fahrturnier des Wetterauer Reitervereins (Sitz Friedberg) findet am nächsten Sonntag auf dem Sportplatz Seewiefe bei Friedberg statt. Zu der Der- anstaltung sind zahlreiche Nennungen erfolgt, so daß daß mit einem vielseitigen Reit- und Fahrsport zu rechnen ist. Man beachte die heutige Anzeige. Berliner Börse. Berlin, 25. Juni. (WTB. Funkspruch.) Heute zur Liquidation ist zunächst kein größeres Geschäft zu erwarten. Man ist aber nach der Verbindlich- kettserklärung des Schiedsspruchs im Ruhrbergbau für Montanwerts weiter freundlich gestimmt, auch wird für heute ein guter Reichsbankausweis ermattet. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisen- martt nannte man London gegen Paris 123,93, London gegen Mailand 92,68, London gegen Spanien 34,25, London gegen Kabel 4,8480, London gegen Berlin 20,34 bis 20,35 (zirka), Kabel gegen Berlin 4,1960 bis 4,1970. Unser ständig steigender Millionen-Umsatz sowie das lOOjahrigi Bestehen unserer Firma beweisen am besten, dafj unser Original Bullrieh=Salz Verdauungsstörungen u. Sodbrennen Ist. Versäumen Sie nicht sich heute noch ein Paket für 60 Pfg, zu kaufen oder unsen Tabletten zu 0.25 und 1.50 RM zu versuchen. Audi Sie werdet von der prompten Wirkung überrascht sein. Nur echt in blaue Packung mit dem Bilde des Erfinders. Bullridi, Berlin W 57. 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Wir verlieren in demselben einen lieben, vorbildlichen Kameraden, den wir in steter Erinnerung Montagmorgen 10 Uhr verschied nach kurzem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere innigstge- liebte, treusorgende, herzensgute Mutter und Schwiegermutter ta M Karl Weil II. K Spies im Alter von 57 Jahren. In tiefer Trauer: Job. Karl Weil 11, OberweichensteUer a. D. Karl Weil, Anna Weil Familie Wilhelm Well Familie Georg Pfeffer Familie Karl Dem. Lang-Göns, Roth, Leihgestern, am 24. Juni 1929. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 26. Juni, nachmittags um IV, Uhr statt. 0*>31 Dobel Höhen-Luftkurort im wtirtt. Schwarzwald. 720 m ü d.M.zwisch. Wildbad u.Baden-Baden in schön.,ruhig. Lage, Inmitten herrl. Tannenhochwald mit prächt. Fernsicht, Höhensonne. Heilkr. Gebirgsklima.be.s. geeignet f.Nervöse, Bert-, Nieren- n. Asthma- leidende. Kurarzt. Lesezimmer. Gute Gasthöfe, zahlreiche Privatwohnungen. 4615V Prospekte durch die Kurverwaltung. MSE» 3Taf. Zitronen- u. 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Es ist oberflächlich, hier nur von Individualismus zu reden: die natürlich entfaltete Einzelpersönlichkeit bleibt doch noch immer ein Zoon Politikon nach dem berühmten Ausdrucke des Aristoteles, ein geselliges Lebewesen: und eingebettet in die Individualitäten höherer Ordnungen, in Familie und Stamm» Volk und Kulturkreis lernt sich daö selbstherrliche Ich liebend und dienend zum Du, verantwortungsbewußt und stolz zum Wir erweitern. Was und heute voneinander trennt, ist 6er Egoismus (dem nur gar zu oft das Ego fehlt), die Trägheit des Herzens, dem nur der eigene Takt vertraut und dem es zu mühevoll ist, sich einem andern einfühlend anzupassen. Diese freundliche Ineinssetzung müßte sich aber gerade in den kleinen Erlebnissen des Alltags bewähren. Ich sehe einen Mann mit seiner Frau durch die Straßen gehen. Ungeduldiger und ungeduldiger, weil sie ihm an zu vielen Schaufenstern stehen bleibt. Was interessieren ihn die Kleiderstoffe, die Pelze, die Hutmodelle? VielleiA kann er ihr doch nichts dergleichen kaufen. Oder er gibt ihr ohnedies Geld genug für solche, wre er meint, persönlichen Wünsche. In beiden Fallen: wozu soll er sich auch noch mit ihr die Schaufenster ansehen? Sie nimmt ja, wenn sie rauft, doch, was sie will. Der Mann brauchte sich darüber dann wirklich nicht zu wundern. Aber er wundert sich schon darüber, daß die Frau am Abend nach diesem Strahenspaziergange schlechter Stimmung ist: und er wird es gar nicht begreifen, wenn sie ihm das nächstemal spöttisch mitteilt: das interessiert dich doch nicht, ich ^he lieber mit meiner Freundin Erna. Don den feinen Spannungen, die es der Frau bereitet, wenn sie sich im Geiste hübsch anzieht, wenn sie im Geiste hübsche Sachen aussucht (auch wenn sie sie in Wirklichkeit nicht bezahlen kann), von den zarten Wunschträumen ahnt der Tölpel erst gar nichts. Vermißt er es dann, wenn die Frau nicht mehr daran denkt, für ihn schön sein zu wollen? Zu seiner Schande sei es gesagt: er vermißt es meist nicht, und es ist ihm ganz gleich- Aus dem schwarzen Frankreich. Von Hans Tröbst. Oran. Stadt an der Nordküste Afrikas. Gehört mit ihren „Vier Buchstaben" zum eisernen Bestand der deut- schen Kreuzworträtsel-Industrie. Genau wie der bewußte „Inselbewohner" und das „strauhenähnliche Tier", von dem man nie weiß, ob es „der", „die" oder „das" Emu heißt ... Zugegeben! ... Auch von Oran habe ich mir bisher nur sehr nebelhafte, sozusagen Kreuzwort- rätselhafte Vorstellungen gemacht. Bisher dachte ich immer, Oran — das Wort erinnert so an „Drang", an Riesenaffen, an afrikanisch-kannibalisc^s ... „Oran"! dachte ich, sei irgendein besteres Mamelucken- oder Piratendorf, irgendwo, dort oben, an der heißen, afrikanischen Küste. Palmen, Hütten, ein Hafen mit ein paar Booten. Am Ufer herumstreichende, auf Flucht bedachte Fremdenlegionäre. Palmwein-Kneipen ... und im übrigen „Scheichs", Kamele und Dreck. Wenn es hoch kam, noch ein paar Soldaten der grande armse ... Ach du lieber Himmel! In dieser Hinsicht unterschätzen wir die Franzosen doch wohl etwas. Selbstverständlich — ein kurzer, nach Stunden zählender Aufenthalt, ermöglicht gemeinhein nur den bekannten „e rste n" Eindruck. Zumal die Franzosen dafür bekannt sind, in der Regel nur an der Oberfläche zu kolonisieren und zu kultivieren. Was also an positiven Werten dahinter steckt, das wissen wir flüchtigen Weltenwanderer nicht. Die Oran-Fassade kann also täuschen. Immerhin — auch Fassaden haben ihre Reize. Das Meer ist preußisch-blau, spiegelglatt. Hohe kahle Berge säumen die Bucht ein. Die Gipfel von malerischen Forts gekrönt. Der erste Eindruck nicht übel: weiße Hochhäuser, die von weitem wie Paläste wirken, terrassenförmig den Berg hinaufgebaut. Ein großer, von Schiffen wimmelnder Hafen, mächtige Kohlenbunker ... hierher wird ein großer Teil der guten R u h r k o h l e verschoben, die wir auf Reparationskonto liefern. Oran ist eine der großen Kohlenstationen für die Handelsschiffahrt an der nord- afrikanischen Küste. Fast alle Levante- und Heber- seedampfer machen hier Station und füllen ihre Bunker. Mit jener Kohle, die unsere Bergleute In Westfalen im Schweiße ihres Angesichts fördern müssen und unsere anlegenden Dampfer dann zurückkaufen dürfen. Ein schönes Geschäft! Man be- kommt schon eine gelinde Wut, wenn man diese mächtigen Anlagen, die Kräne, die Leichter, die Lager, die Bagger kritisch betrachtet. Alles sozusagen „g r a t i s" geliefert ... Langsam steuert der Dampfer um die Mole, Boote schießen heran. Der drahtlos bestellte Kohlen- pran ist bereits mit mächtigen Hebern im Anschwimmen, ein kleines Motorboot bringt die schwarzen Kohlenarbeiter. Die armen Kerle! Behandelt werden sie von den französischen Aufsehern jedenfalls gemein. Das dicke Holzstück, das eben der eine ins Kreuz geworfen bekommt .. .1 Der darüber quittierende Gesichtsausdruck erinnert an den eines geprügelten Löwen. Wie gedrillte Lemuren arbeiten diese Schwarzen. Auf ihrer dreißig kommt ein französischer Aufseher. Dick und schmierig. Klebrig. Wie lange werden sich diese Schwarzen den „Schliff" noch gefallen lassen? Das Ouavantäne-Boot legt an. Kein Arzt, irgendein Schreiber. „Och!" sagt der Kapitän, „die Fran- zosen sind nicht so! Da können wir Pestkranke an Bord haben, wenn der Schreiber seine Boddel Bier bekommt, dann sind wir all« gesund!" Und dabei sucht man nun immer noch umständlich nach- den diversen Bazillen! Ein rotbefezter, zähnefletschender Algerier — weiß der Henker, in welche naturwissenschaftliche Abteilung diese Burschen rangieren — rudert mich an Land. Verbindlich grinsend steckt er meine etwas angerostete, kupfrig-silberne Reichsmark ein. Denn das sind trotz des verlorenen Krieges.an die sechs Franken. Gutes Geld, das man heule schneller los wird, als die Scheine der ..Banque d’Algerie“, die jeder Wechsler erst mißtrauisch gegen das Licht hält, worauf er oft noch höflich bedauert .. Im Hafen geschäftige Bewegung. Ueberall werden neue Straßen gebaut, Schienengleise verlegt, am Steilabfall finden Sprengungen statt, in dichten Wolken sausen die Staub- und Steinlawinen herab. „Unten" werden sie planiert, und der neue Kai entsteht so ohne umständliche Transportmittel. Den Abhang hinauf, zur Oberstadt, führen ausgezeichnete, asphattierte Kunststraßen. Von Sträflingen und Fremdenlegionären erbaut. Also deutsche Arbeit auch hier. Die Stadt selbst? Nun bei aller Antipathie, sachlich gesprochen: So habe ich mir die „Vier Buchstaben" des Kreuzworträtsels doch nicht vorgestellt. Hunderttausend, dreißigtausend Einwohner . . . schwer zu entscheiden. Das Nest erinnert an ein zehnfach vergrößertes Konstanza, stellenweise an Konstantinopel. Monumentale Geschäfts- und Verwaltungsgebäude. Breite Straßen, tadellos asphaltiert, von Palmen eingesäumt. Mächtig« Hotels, Bijouterie, und Möbelgeschäfte, Cafös, Restaurants, Warenhäuser — wie in Europa. Sausende, tutende Autos, elektrische Bahnen, mit denen man nach „Eggmühl", „Austerlitz", „Wagram" und anderen Orten französischer „glorie“ fahren kann. Taxis, Pferde und Maultiergespanne, Geschrei und Gelärm ... wie in Slldfrankreich. Der Haupttrubel auf der „Place d’armde“, dem von Palmen eingezäunten Zentrum der Stadt. In der Mitte ein mächtiger Obelisk, am Fuße, malerisch hingegossen, eine halbaufgerichtete, überlebensgroße Bronzefigur: „Das dankbare Frankreich!" Eine Frauengestalt, mit dem Griffel in der Hand, die auf den Obelisk schreibt: „Verteidigt Euch bis zum Tode!" Und darunter: „Den Helden von Siddi el Abbas". Wieviel gefallenen deutschen Legionären mag dieser „Gruß" gelten? Rings um das Denkmal stehen Karnevalsbuden, ein Oktoberfest en miniature, alle „Sensationen" durch deutsches Reichspatent geschützt. Der originellste Kauz ist der Mann mit dem Glücksrad. Ein kragenloser Kavalier „aus Marseille", wie er mit heiserer Stimme seiner gefleckten, schwarzen, weißen, gestrichelten und schraffierten Kundschaft immer wieder versichert. Mit einem Schwall von Worten verkauft er seine Los« und Bons an jeden, der da kommt. Es sind unter feinen Kunden nachdenklich blickende Beduinen in weißen Mänteln, bildhübsche Beduinenmädchen, Soldaten, Arbeiter, Lastträger .. Und der Mann aus Marseille redet, redet. „Vertrauen!, Vertrauen!" so fleht er, und jeder seht, und kauft, weil jeder eben gewinnen muß. Das Rad schnurrt herum ... „Numero fix". Natürlich haben alle eine „sieben" oder „adjr und andere Nieten gekauft. Der Unternehmer beklagt die Unglücklichen und ringt die Hände ... ergreifend! „Eins weiter!" und jeder hätte das halbe Pfund Helwa gewonnen. So ein Pech! Aber der Mann aus Marseille kennt seine Kundschaft. Für den, der „in die Nähe" gesetzt hat, stiftet er aus freiem Antriebe ein Viertelpfund dieser klebrigen Süßigkett. Und die Dummen, die auf diesen Trick hereinfallen, werden nicht alle. Und Oran sonst? Nun, es wird sich darin auch schon leben lassen. Im Sommer ist es sicherlich sehr heiß, denn irgend etwas speziell Afrikanisches muß diese Stadt doch ehrenhalber schließlich bieten. Die Landeseinwohner treten eigentlich kaum in Erscheinung. 3m Zentrum, vor den Kaffeehäusern, hier und dort einige Araber oder Beduinen im weißen Burnus, die geräuschvoll ihren Kaffee schlürfen und mit gerunzelter Stirn die Lokalzeitung studieren. Den „Kleinen Oraneser", dessen Titelkopf merkwürdigerweise das Hakenkreuz schmückt. Die Wehrmacht ist stark vertreten, auf reizend elegant gekleidete gültig, wie sie aussieht, seine Frau. Er findet nur manchmal, daß es eigentlich sehr langweilig zu Hause ist. Aber schließlich will er ja auch seine Ruhe haben, wenn er aus dem Bureau kommt. Vorigen Herbst stand ich entzückt im Kreuzgang von Maulbronn. Der freundliche alte Küster hatte mich nach liebevoller Führung allein gebissen und kam eben mit einer Gruppe von Fremden wieder an mir vorbei. Er hatte wohl eben die wundervolle Runde des Kreuzganges gezeigt, die vom romanischen zum spätgottschen Zeitstile alle Wandlungen in prächtiger Anschaulichkeit, ein Stück steingewordene Kunstgeschichte, vorstellt. Ich sah nur, wie ein Mann leuchtenden Auges ein bißchen zurückblieb, der seiner Frau offenbar einzelnes dieser Köstlichkeiten besonders deuten und sich mit ihr gemeinsam noch einmal dran freuen wollte. Es war kein Kunsthistoriker, der einen gelehrten Vortrag loszuwerden strebte, und kein Banause mit dummen Bemerkungen: nein, es war ein schlichter Mann, dem man die Freude an einem Stecken- vferd ansah. „Man", nicht seine Frau: denn oie war eine Darcs. „Ach, das harn mr doch alles grade schon emal geheert", sagte sie und lief weiter. Und als der Mann noch einen Augenblick, halb gebannt von dem Reichtum, halb beschämt, daß er seiner Frau so was zugemutet hatte, stehen blieb, kam die Gans richtig zurück und holte ihn am Aermel nach: „Ra, nu komm doch endlich! Mir sin schon die Letzten!" Dar nicht gereizt sagte sie das, gar nicht ärgerlich, ganz freundlich, Und wußte nicht, daß sie eben einem großen Kinde ein llebes Geschenk aus den Händen geschlagen hatte. Hat sie sich je darüber gewundert, daß der Mann sich scheu zurückzog von ihrem lauten, praktischen Wesen und von ihr, die immer „recht" behielt? Und neulich im Zoo. Eine Dame stand neben einem kleinen Iungen und war richtig ärgerlich über den Fragekasten. Sie hatte ihn offenbar in den Zoo eingeladen, um ihm die Affen zu zeigen — das mußte ihm doch Eindruck machen! Und nun stand der Bengel vor dem gemeinen Seehunde und war nicht wegzukriegen. Stellte die unmöglichsten Fragen: Tante, schwimmt der Seehund immer alleine da rum? Hat der Seehund keine Frau, Tante? Kriegt der Seehund auch Kinder? Kann der auch Eier legen wie die Gänse in Seddin? (Vielleicht war der Heine Kerl dort in der Sommerfrische oder hat er da sonst Bekannte.) Sinken die kleinen Seehunde nicht unter, wenn sie aus dem Ei kriechen und ins Wasser fallen? — Oh, oh, oh, und neben diesem lieben fragehungrigen kleinen Plapper- Offiziere, und Mannschaften in den seltsamsten Uniformen, die jede Gelegenheit benutzen, um sich um die vorgeschriebenen Ehrenbezeugungen zu drücken. Natürlich fehlt auch die Creme de Paris, zu Deutsch der „Abschaum" nicht. Wie in jeder großen Militärkolonie. Kleine Puppen, geschminkte Münder, scheußliches Parfum. Diele Bettler, tätowierte Ara- berroeiber, die mal sehr hübsch gewesen fein müssen, dann und wann ein paar junge Eingeborenenmädchen. Wie wandelnde Reklamephotos aus den Schaukästen daheim. Mit dem Wasserkrug und melancholischen Augen ... Preise? Meine Güt«! Teuer! Teuer! Diel teurer als in Deutschland und daher noch teurer als daheim. Und dabei stammt di« Hälfte aller Waren aus Deutschland! Solingen ist überall vertreten und auf dem Markt wird gerade von einem feisten Agenten ein Stapel deutscher Handsägen verschleudert. Die Eingeborenen stehen bewundernd drum herum und fahren mit den Fingern über die Zähne. Die Dinger gehen reißend ab. Nur schlucken wir nicht den Verdienst. Wie üblich... Daten für Mittwoch, 26. Juni. 1583: der schwedische Staatsmann Axel Oxenstierna auf Fänö geboren (gestorben 1654); — 1824: der englische Physiker Lord William Thomson in Belfast geboren (gestorben 1907); — 1918: der österreichische Dichter Peter Rosegger in Krieglach gestorben (geboren 1843). Oberheffen. Butzbach - Licher-Eisenbahn-A.-G. pb. Butzbach, 24. Juni. Heute vormittag fand im „Hessischen Hof" die Generalversammlung der Butzbach-Licher Eisenbahn- Aktiengesellschaft statt. Der Vorsitzende des l Aufsichtsrats, Med.-Rat Dr. Vogt (Butzbach), eröffnete und leitete die Sitzung. Vorstandsmitglied Reg.-Baumeister a. D. S em ke erstattete den Be> rcht über die Betriebs- und Verkehrsverhältnisse der Bahn. Aus diesem war zu entnehmen, daß sich bei den Bahnanlagen und Betriebsmitteln außer einigen Verbesserungen wenig geändert hat. Befördert .wurden im Jahre 1928 599 693 Personen gegen 591842, der Gütertransport stellte sich auf 240 646 Tonnen gegen 301403 Tonnen im Vorjahr. 3m Personenverkehr zeigten die Einnahmen eine geringe Steigerung, die Mindereinnahmen im Güterverkehr find im wesentlichen auf geringere Verfrachtungen von Basalterzeugnissen und Quarzit zurückzuführen. Die Betriebseinnahmen (Personen-, Gepäck-, Güterverkehr usw.) betragen 577 026,43 Mark (im Vorjahre 616 299,27 Mark), die Betriebsausgaben (Besoldungen, Löhne, Unterhaltung und Ergänzung, Steuern usw.) 504 710,76 Mark (im Vorjahre 458 340 Mark), so daß einBetriebsüberschuß von 72 315,67 Mk. verbleibt. Aus der Gewinn- und Verlust-Rechnung feien, folgende Zahlen genannt: Soll: Zinsen auf Schuldverschreibungen 11115 Mark, Steuer auf Schuldverschreibungen 716,85 Mark, Schatz für Betriebsrücklage 4743,75 Mark, Schatz für Erneuerungen 93 000Mk., insgesamt 109575,60Mk. Haben: Gewinnvortrag aus 1927 693,20 Mark, Betriebs- Überschuß 72 315,67 Mk., Verlust 36 566,73 Mark. Letzterer Betrag wird auf neue Rechnung vorgetragen. Der Vorsitzende stellte den Bericht zur Aus- spräche, es erhob sich kein Widerspruch, worauf Entlastung des Aufsichtsrats und Vorstands erteilt wurde. Es wurde nod) erwähnt, daß in diesem 3ahre seit der Eröffnung der Bahn (28. März 1904) 25 Jahr« verstrichen seien, bei der derzeit ungünstigen Lage sei es jedoch nicht möglich gewesen, eine Feier aus diesem Anlaß zu veranstalten. La: "reis Ccßcn. .—. Lang-Göns, 24. Iuni. Rach einer kurzen Wanderung trafen sich heute die S ch u l- klassen von Grüningen, Holzheim und Lang-Göns in der Rähe des Pfahlgrabens maul steht eine ratlose, verärgerte Tante, die nur an die Affen denkt, die sie sich gerade eingebildet hat! Statt, wie es ihr niemals wiederkehrt, auf alle Fragen des Kindes vergnügt antwortcmd, den gemeinen Seehund zu zweit mit ihrem Reffen zu erleben, so zu erleben wie nie zuvor ein Tier, geführt durch die Märchenaugen und die Kinderphantasie des Iungen! Es ist nicht notwendig, die Beispiele zu häufen. Ieder weiß auö eigener Beobachtung und — aus eigener schmerzlicher oder beschämter Erinnerung ein Dutzend Gelegenheiten, wo es zu zweit so schön, so wunderschön hätte werden können, und wo es ganz und gar daneben ging. Und es gehört doch nur ein bißchen Demut und ein bißchen Humor dazu, mit einem andern Menschen zusammen etwas, nicht zuallerletzt ihn selber! zu erleben. Ich kenne kein besseres Mittel, einen (oder eine) für meinen Kreis zu erproben, als indem ich einmal einen Tag lang mit ihm (mit ihr) wandere. Da ergibt sich der Rhythmus der Deine wie der Herzen und Gedanken, und wenn es auch ganz grundverschiedene Menschenkinder sind, so ein paar Stunden einträchtig-willig nebeneinander herlaufen, es könnte eigentlich fast immer ein reiches und schönes „Zu zweit" werden, gerade weil der Gleichschritt nur für einen festlichen Tag und nicht für die Dauer des Lebens gilt, wo die Proben viel, viel härter sein müssen. Es könnte eigentlich fast Immer... und es ist doch so selten, so selten... Armer potuschek! Von Hans Riebau. Potuschet war ein netter Kerl. Aber er hatte einen Fehler: Er renommierte. Und er renommierte um so hemmungsloser, je weiter er von seiner Heimat Erfurt entfernt und je mehr er den Kontrollmöglichkeiten jener Zeitgenossen entrückt war, die irgendwie mit dem Milieu des Erfurter Bekanntenkreises in Berührung kommen konnten. So war denn auch seine Serienreife ein Symbol dieses Charakterfehlers. Don Erfurt bis München war Potuschek, wie es sich für einen kleinen Geschäftsmann gehört, dritter Klasse gefahren. Don München aber sah er in den grauen Polstern der zweiten Klasse. Mit ihm fuhr ein älterer, sympathischer Herr. Potuschek hatte sich vorgestellt. Der ältere Herr hatte sich vorgestellt. „Ich bin Kaufmann," sagte Potuschek. „3n Erfurt." auf der „Langen Höhe", einer wundervoll gelegenen Waldwiese, um den Iugendtag festlich zu begehen, ilntcr Spiel und Gesang, Vorträgen und Reigen verflossen die Stunden gar zu schnell. Holzheimer Schüler trugen Gedichte vor, die sich auf diesen Tag, der unter dem Zeichen des Wanderns stand, bezogen. Sackhüpfen, Cierlauf, Cilbotenlauf und Dallspiel wechselten ab. Rach einer kurzen Ansprache von Lehrer Reck (Hwlzheim) und einem Heinen Sonnwendfeuer fangen Die 400 versammelten Kinder mit leuchtenden Augen „Das Wandern ist des Müllers Luft". Damit war die Feier beendet. Man trennte sich mit dem Versprechen, auch im nächsten Iahre hier auf der schönen Waldwiese den Iugendtag, vielleicht in größerem Ausmaße, zu feiern; denn gerade das Zusammenspiel der Kinder aus verschiedenen Dörfern gibt dem Feste einen besonderen Reiz. s. Ätphe, 24. Iuni. Bei der Versteigerung des Heugrases auf den Gemeindewiesengelände, zu der sich auch zahlreiche Landwirte aus Rachbardörfern eingefunden hatten, wurden ganz ungewöhnlich hohe Preise erzielt. Die billigsten Morgen beliefen sich auf 35 bis 50 Mark, obwohl sie hinsichtlich der Menge und Güte des Grases minderwertig sind. Die Morgen mittlerer Güte kamen mit 60 bis 80 Mark heraus, während alle Morgen guter Qualität mit starkem Graswuchs mit über 100 Mark bezahlt wurden, teilweise bis 120 Mark. Den Höchstpreis erzielte ein 3000 Quadratmeter großes Stück mit 134 Mark. Derartige Preise wurden noch nie erzielt und lassen sich nur erklären durch den seitherigen Mangel an Grünfutter, sowie die restlose Verfütterung der vorjährigen Heubestände. Kreis Friedberg. 2$. Bad-Rauheim, 24. Iuni. Die jüngste Stadtratssihung beschloß, wie in den Vorjahren, den Verfassungstag wieder durch eine allgemeine städtische Feier zu begehen. Eine Kommission von Stadtratsmitgliedern trifft die Vorbereitungen. Im Hinblick auf die bevorstehende Vereinigung der Kommunalen Landesbank und der Hessischen Girozentrale wurde beschlossen, daß die Stadt auch unter der veränderten Sachlage Mitglied der Kommunalen Landesbank bleibt. Der zunehmende Verkehr in der Stadt macht zur Vermeidung von Verkehrsunfällen weitgehendeD erkehrssicherungen notwendig. An zwei wichtigen Straßengabeln sollen daher Verkehrsinseln mit Beleuchtungsmöglichkeit errichtet werden. Es wurden dafür 1750 Mk. bewilligt. Im Rah- men des Wohnungsbauprogramms 1929 erscheint die weitere Errichtung eines Wohnbaues am Rödger Weg dringend notwendig. Es handelt sich um einen Dau mit Zwei- und Dreizimmerwohnungen und entsprechenden Gartengrundstücken. Die Wohnungen sind für Minderbemittelte bestimmt, weshalb eine niedrige Miete vorgesehen ist. (Zweizimmerwohnung etwa 22 Mk.) 50 000 Mark wurden für den Dau bewilligt. Die städtischen Arbeiter, die der strengen Kälte besonders ausgesetzt waren, erhalten eine einmalige Winterbeihilfe von 30 Mark. Gegen die Stimmen der Linke wurden für Anschaffung von Ehrenpreisen gestiftet: 200 Mk. dem hiesigen Rot-Weih-Klub für das inzwischen schon stattgehabte internationale Tanzturnier und 50 Mark dem Sport-Schieß-Klub für sein im August stattfindendes Herbstschießen. Deschlossen wurde ferner, die gleiche Steuerfreiheit, die der hessische Staat den im Iahre 1929 begonnenen Reubauten gewährt, auch für die städtische Grundsteuer gelten zu lassen. —Etwa 100 Delegierte des Derbandstages der deutschen Duchdrucker, der zur Zeit in Frankfurt a. M. stattfindet, statteten gestern unserem Bade einen Besuch ab. Dieser galt in der Hauptsache der Besichtigung des Kurheims Gutenberg der Krankenkasse Berliner Buchdrucker. „In Erfurt?" fragte der ältere Herr. „In Erfurt. Die Geschäfte gehen, Gott sei Dank, gut. Da reden die Leute soviel von Wirtschaftskrisis daher, aber der wirkliche Kaufmann, der die Lage zu meistern versteht, kennt keine Krisis. Das Unglück der einen ist immer das Glück der anderen, und es kommt eben darauf an, sich im richtigen Augenblick auf die richtige Seite zu schlagen, jawohl. Die ewigen Schreier sind die Schwächsten, denen es an der Fähigkeit zu organisieren fehlt. Ich, Gott sein Dank, gehöre nicht zu ihnen!" „Mein Kompliment," sagte der ältere Herr, „es gibt heute wenig Geschäftsleute, die ehrlich sind, ihre Erfolge einzugestehen." „Warum soll man nicht eingestehen?" lächelte Potuschek. „Gewiß, beim Finanzamt muß man ja schon ein bißchen zurückhaltend sein, aber im übrigen läßt es sich doch z. B. nicht verheimlichen, daß ich drei Automoblle habe, daß ich jetzt nach Garmisch-Partenkirchen fahre, daß ich so zu leben gewohnt bin, wie ich zu arbeiten verstehe; nämlich gut!" Der ältere Herr schwieg. Aber Potuschek renommierte weiter. Er erzählte von den zahlreichen Dienstboten, die et im Hause habe, von der Motorjacht, die er sich bauen lassen wolle und von mancherlei anderen Dingen, die geeignet waren, bei materiell veranlagten Leuten Gefühle des Reides wachzurufen. Aber der ältere sympathische Herr schien nicht materiell veranlagt zu sein. Er hörte ruhig zu, in seinem Gesicht lag ein Zug von sachlichem Ernst, und schließlich gar nahm er ein Rotizbuch und schrieb sich dies und jenes auf. „Was schreiben Sie denn da?" fragte Potuschek. „Ach", lächelte der sympathische Herr. „Ieder hat so seine 3ntereffen, Sie sind ein tüchtiger Kaufmann und haben Ihre Freude daran, nach Partenkirchen zu fahren, Kaviar im Eisblock zu essen und sich eine Motorjacht bauen zu lassen. Ich dagegen bin weit anspruchsloser und liebe es, mich über die Lebensumstände meiner Mitmenschen zu orientieren.“ „Sonderbare Liebhaberei", schüttelte Potuschek den Kopf. „Gewiß," sagte der sympathische Herr und schrieb weiter in seinem Rotizbuch, „aber meine Lieberhaberei wird Ihnen weniger sonderbar erscheinen, wenn Sie auch meine Lebensumstände erfahren. Ich bin — und ich hoffe, daß unsere flüchtige Reisebekanntschaft zu weiter- gehenden Beziehungen in unserer gemeinsamen Heimat führen wird — ich bin Leiter des Finanzamtes Erfurt." Tumen, Sport und Spiel. Gießener Rudergesellschast 1827 Bei der am Sonntag in Kassel stattgehabten Regatta konnten die Jungmannen der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 durch ihren Sieg im Leichtgewichts-Vierer wieder einen schönen Erfolg erzielen. Trotz ungünstigen Startes, bei dem sie etwa 3 Längen verlören hatte, gelang es der Mannschaft durch fortgesetztes Spurten, ihre Gegner, Deutschland- Hannover und Rudersport-Gießen, niederzu- kämpfen. Rach scharfem Rennen, das durch heftigen Gegenwind sehr erschwert wurde, ging das Voot mit i/4 Länge vor Deutschland-Hannover als erstes durchs Ziel. Leichtathletik der Sp.-Sg. 1900. 1900 dominiert in Frankenberg. ö. Der Sportverein .Hessen“ 19 11 Frankenberg wickelte am Sonntag seine fünften nationalen Wettkämpfe ab. Dank der Rührigkeit des Veranstalters nahmen die Wettkämpfe auch in diesem Jahre wieder einen glatten Verlauf und zeitigten schönen Sport. Durch das Ausbleiben der Kasseler Vereine war die Konkurrenz nicht ganz so zahlreich wie in den Vorjahren, im übrigen wurden die Leistungen mitunter stark durch die schlechte Witterung beeinflußt. Eine imposante Leistung boten die am Start erschienenen Vertreter der Spielvereinigung 1900 Gie - ßen, die sowohl in der aktiven, wie in der Jugendklasse den weitaus größten Teil der Wettbewerbe an sich brachten. Besonders beachtenswert ist, daß die 1900er sämtliche ausgeschriebenen Staffeln gewannen. Nachstehend die in Betracht kommenden Konkurrenzen: Klasse I: 100 Meter: 1. Guyot, 1900, 11,3 Sek.; 2. Hopfenmüller, 1900, 11,8 Sek.; 3. Wolf, Altenlotheim, 13 Sek. 400 Meter: 1. Guyot, 1900, 58 Sek.; 2. Range, Fritzlar, 59,2 Sek.; 3. Mieschalk, Corbach, 59,4 Sek. Grasbahn und Gegenwind ließen keine besseren Zeiten zu. Weitsprung: 1. Seipp, 1900, 6,30 Meter; 2. Guyot, 1900, 5,67 Meter; 3. Schmidt, 1900, 5,30 Meter. Kugelstoßen: 1. Gary, Marburg, 11,42 Meter; 2. Vesper, Münden, 10,70 Meter; 3. Hopfenmüller, 1900, 9,75 Meter. Speerwerfen: 1. Dr. Schlotthauer, Fritzlar, 45,10 Meter; 2. Guyot, 1900, 45,95 Meter; 3. Hartmann, Corbach, 41,80 Meter. Daß Guyot nur 15 Zentimeter hinter dem Bezirksmeister blieb, ist sehr beachtlich. Dreikampf: 1. Seipp, 1900, 124 P.; 2. Guyot, 1900, 91 P.; 3. Schmidt, 1900, 65 P. Klasse II: 200 Meter: 1. Guyot, 1900, 25 Sek.; 2. Seipp, 1900, 25,2 Sek.; 3. Becker, Fritzlar, 25,3 Sek. 1500 Meter: 1. Bepperling, 1900, 4:51,6 Min.; 2. Schäfer, 1900, 4:56,1 Min.; 3. Wolf, Fritzlar, 5,02 Min. Hochsprung: 1. Seipp, 1900, 1,55 Meter; 2. Hopfenmüller, 1900, 1,45 Meter; 3. Kohlberg, Herzhausen, 1,30 Meter. Seipp sprang nicht aus infolge Fußverletzung. Diskus: 1. Gary, Marburg, 33,80 Meter; 2. Seipp, 1900, 29,60 Meter; 3. Vesper, Münden, 28,90 Meter. Klasse III: 100 Meter: 1. Hopfenmüller, 1900, 11,8 Sek.; 2. Richtberg, 1900, 12,1 Sek.; 3. Schmidt, 1900, 12,2 S.'künden. 400 Meter: 1. Wolf, Fritzlar, 61 Sek.; 2. Knigge, 1900, 62,1 Sek. Weitsprung: 1. Vesper, Münden, 5,93 Meter; 2. Knigge, 1900, 5,68 Meter; 3. Schlömer, Corbach, 5,44 Meter. M'taWmMon. Roman von Edgar Wallace. 10 Fortsetzung Nachdruck verboten Wenige Augenblicke stand sie bewegungslos auf der Türschwelle. Dann hörte sie einen leichten Fußtritt auf der Treppe und gab Feuer. Ein Angstgeheul, und hastige Füße polterten die Treppe hinunter. Rur einen Augenblick zögerte sie, dann flog sie selbst hinterher. Sie hörte das Poltern auf den unteren Treppenabsätzen, dann das Oeffnen der Tür. Als sie atemlos unten ankam, fand sie die Tür offen. Riemand war zu sehen. Sie verbarg den Revolver in den Falten ihres Kleides und trat auf die Charing Croß Road hinaus. Um diese Zeit waren wenige Fußgänger in Sicht, und vergebens spähte sie nach ihrem Angreifer umher. Ein leichtes Lieferauto einer Wäscherei fuhr gerade vorbei, und die einzige Person, die sie in ihrer Rähe sah, war ein alter, blinder Mann. „Tap — tap — tap —" klopfte die eiserne Zwinge seines Stockes auf das Pflaster, als er mühselig und langsam vorwärts stolperte. „Ein armer Blinder", jammerte er. „Habt Mitleid mit einem armen Blinden!" 11. „Sunnh," sagte Larry zu seinem Diener, „London ist eine fürchterliche Stadt." „Das glaube ich auch, Sir", stimmte Mr. Patrick Sunny bei. „Aber London besitzt auch einen strahlenden Lichtpunkt, der die tiefe Trostlosigkeit und Verkommenheit dieser Riesenstadt durchbricht." „Da bin ich ganz Ihrer Meinung, Sir. Das ist mir auch schon öfter ausgefallen. Ich gehe auch sehr gern in das Kino." „Wer spricht denn von Kinos!" fuhr ihn Larry an. „Richts lag meinen Gedanken ferner als die Kinos. Ich dachte an etwas anderes, an etwas Geistiges." „Wünschen Sie vielleicht einen Whisky und Soda, Sir?" fragte Sunny, der sich lieber auf realem Boden bewegte. „Scheren Sie sich raus!" brüllte Larry und schüttelte sich vor Lachen. „Raus mit Ihnen, Sie unglaublicher Materialist. Machen Sie, daß Sie in das Kino kommen." „Ja, Sir." sagte Sunny ehrerbietig, „aber es ist schon ein bißchen spät." „Dann gehen Sie ins Bett. - Halt. Dringen Sie mir meine Schreibmappe." Er trug bequeme Hauskleidung — Schlafrock, ein Paar alte Criquethosen und weiches Hemd — und stopfte seine geliebte Pfeife mit einem Gefühl physischen Wohlbehagens. Jugend, Jahrgang 11/12: 200 Meter. 1. Balser, 1900, 26 Sek.; 2. Schuz, 26,2 Sek.; 3. Schickedanz, 1900, 26,4 Sek. Hochsprung: 1. Balser, 1900, 1,55 Meter; 2. Speicher, Münden, 1,45 Meter; 3. Schütz, Münden, 1,40 Meter. Stabhochsprung: 1. Jung, 1900, 3,02 Meter; Kutsch, Wetter, 2,50 Meter; 3. Brand, Münden, 2,05 Meter. Die 3,02 Meter von Jung sind für einen Jugendlichen ganz ausgezeichnet. Speer: 1. Gräf, 1900, 42,80 Meter; 2. Jung, 1900, 42,40 Meter; 3. Müller, 1900, 40,10 Meter. Jugend, Jahrgang 13 u. jung.: 100 Meter: 1. Koch, 1900, 12 Sek.; 2. Balz, Fran- kenberg, 12,3 Sek.; 3. Gebhardt, Fritzlar, 12,4 Sek. Koch hat sich prächtig entwickelt. Weitsprung: 1 Gräf, 1900, 5,09 Meter; 2. Balz, Frankenberg, 5,06 Meter; 3. Wagner, Frankenberg, 4,84 Meter. Kugelstoßen: 1. Koch, 1900, 10,40 Meter; 2. Gräf, 1900, 9,85 Meter; 3. Flock, Fritzlar, 9,80 Meter. Staffeln: 4X100-Meter-Staffel offen: 1. Sp. Vgg. 1900 Gießen 50,2 Sek.; 2. Sportv. Fritzlar 52 Sek. 1900 gewann mit Guyot, Richtberg, Seipp, Hopfenmüller die Staffel und damit endgültig den Wanderpreis. Das Rennen wurde im Regen gelaufen, auch find auf der Frankenberger Bahn die spitzen Kurven hinderlich. 4X400-Meter-Staffel offen: 1. Sp Vgg. 1900 Gießen 3,59 Min.; 2. Sportv. Fritzlar 4,08 Min. Die siegreichen 1900er liefen mit Knigge, Bepperling, Peters, Guyot. 3X1000-Meter-Staffel offen: 1. Sp. Vgg. 1900 Gießen 8,50 Min.; 2. Sportv. Corbach 20 Meter zurück. Der Ersatzmann Schäfer bewährte sich bei den Spielvereinigungsleuten recht gut. Bepperling und Peters taten das übrige. 4X100-Meter-Staffel, Jugend: 1. Sp. Vgg. 1900 Gießen 50,4 Sek.; 2. Sportv. Fritzlar 56 Sek. Die 1900er, in der Aufstellung Koch, Schickedanz, Balser, Schüz, liefen und wechselten ausgezeichnet. D. f. B.-Leichtathletik. Die v f. D. Jugend verliert den 6lub;weikampf gegen B. f. £. Wetzlar nur mit 84:114 Punkten. Die Veranstaltung der Leichtathletik-Abteilung des V. f. B. am Sonntag stand im Zeichen denkbar ungünstigen Wetters. Daß trotzdem die Leistungen im allgemeinen recht gut waren und die Kämpfe sich flott abwickelten, stellt allen Beteiligten ein gutes Zeugnis aus. Für den gesamten V. f. B. war die Veranstaltung insofern ein Ereignis, als zum erstenmal eine Leichtathletik-Jugendabteilung auf eigenem Platze zum Wettkampf antrat. Eine besondere Bedeutung erhielt die Veranstaltung durch die Mitwirkung von Paulus, der bei seinen Schauwürfen trotz des kalten und regnerischen Wetters die glänzende Leistung von 45,28 Meter (seine diesjährige Bestleistung) erzielte. Nachfolgend die Kon- kurrenzen: Kl. A, Iahrg. 1911/12: 100 Meter: 1. Marx, Wetzlar, 11,9; 2. Schick, Wetzlar, 12; 3. Gruber, 23. f. 23., 12,5; 4. Frhr. v. Rotenhan, 23. f. 23., 12,7 Sek. — 2 00 Meter: 1. Marx, Wetzlar, 25; 2. Schick, Wetzlar, 25,1; 3. Gruber, V. f. B., 25,6; 4. Frhr. o. Rotenhan, 23. f. 23., 25,9 Sek. — 3000 Meter: Abe, Wetzlar, 10,49; 2. Rübsamen, 23. f. 23., 10.52; 3. Waldschmidt, Wetzlar, 10:52,4; 4. Müller II., 23. f. 23., 10,58 Min. In diesen Konkurrenzen war Wetzlar den Einheimischen durchweg körperlich stark überlegen. — Hochsprung: 1. Schick, Wetzlar, 1,60; 2. Gruber, D. f. B., 1,60 (durch Stechen entschieden); 3. Kuhlmann, Wetzlar, 1,50; 4. Frhr. v. Rotenhan, 23. f. 23., 1,40 Meter. — Speerwerfen: 1. Schick, Wetzlar, 38,48; 2. Schmalz, Wetzlar, 36,48; 3. Gruber, V.f.B., 36,08; 4. Luh, 23. f. 23., 31,68 Meter. Gruber warf den Speer einmal an die 40-Meter- „Glauben Sie mir, Sunnh," sagte Larry nachdrücklich, „es gibt eine gaiue Menge Plätze, die noch schlechter sind, als Lonoon an einem schönen Frühlingstage, wenn Ihr Herz —" Ein leichtes Ratt-Ratt-Ratt ließ sich an der Wohnungstür hören. „So spät noch Besuch!" wunderte sich Larry. Don Scotland Vard konnte es niemand fein, denn die Herren von Scotland Vard bedienen sich recht häufig des Telephons, manchmal sogar zu häufig. „Ich glaube, es ist jemand an der Tur, Sir," sagte Sunny. „Da haben Sie ein seines Stück geistiger Arbeit geleistet," meinte Larry. „Machern Sie doch auf.“ Er wartete und hörte einen kurzen Austausch von Fragen und Antworten. Der Besucher war eine Frau, und bevor er überlegen konnte, wer es war, öffnete sich die Tür und Diana Ward kam in das Zimmer. An ihrem Gesicht sah er, daß etwas vorgcsallen sein muhte. „Was ist passiert?" fragte er hastig. „Hat der Mann Sie nochmal belästigt?" „Welcher Mann?" fragte sie erstaunt. „Flimmer Fred." „Ich weiß nicht, ob es Flimmer Fred war," sagte sie kopfschüttelnd. „Aber wenn er ein ganz besonders unangenehmer Mensch ist, wird er es wohl gewesen fein." „Sehen Sie sich doch, bitte. Ich wollte gerade Kaffee trinken — darf ich Ihnen eine Tasse anbieten? Sunnh, bringen Sie zwei Tassen." „Ja, Sir," sagte Sunnh und fügte dann bedeutungsvoll hinzu: „Wünschen Sie, daß ich in das Kino gehe?" Larrh errötete ärgerlich. „Bringen Sie den Kaffee, Sie — Sie," stotterte er; und zu Diana: „Run, was gibt es denn?" Ohne weitere Umschweife berichtete das junge Mädchen ihr Abenteuer, und Larry horte mit ernstem Gesicht zu. „Sie sagen, er war groß und dick? — Dann scheidet Fred aus. Rehmen Sie an, daß es ein Einbrecher war, den Sie durch Ihr unerwartetes Eintreffen gestört haben?" „Das glaube ich nicht." Diana schüttelte energisch den Kopf. „Ich habe die Lieberzeugung, daß es ein sehr ernst gemeinter Angriff war. rr 15 in meine Wohnung zurückkam, habe ich alle Räume genau durchsucht. Im Eßzimmer, wohin ich unter gewöhnlichen Umständen zuerst gegangen wäre, habe ich einen großen Wäschekorb gesunden." „Emen Wäschekorb?" fragte Larry verwundert. Sie nickte. „Er war mit einer Art Polsterung dick auS- geschlagen, und auch der Deckel war gefüttert. Das hier habe ich im Korb gefunden." Marke, konnte den Wurf jedoch nicht gewertet bekommen. — 4X100 Meter: 1. Wetzlar 50,2; 2. 23. f. B. 52,4 Sek. Kl. B, Iahrg. 1913/14: 100 Meter: 1. Körber, Wetzlar, 12,9; 2. Kuhlmann, Wetzlar, 13; 3. Kirch- Heimer, 23. f. 23., 13,1; 4. Steuerwald, 23. f. 23., 13,2 Sek. — 300 Meter: 1. Kuhlmann, Wetzlar, 43; 2. Körbers Wetzlar, 44,2; 3. Stroh, 23. f®., 47; 4. Hellmeyer, 23. f. 23., 49 Sek. — Weitsprung: 1. Steuerwald, D. f. B., 5,08; 2. Kuhlmann, Wetzlar, 5,03; 3. Körber, Wetzlar, 4,99; 4. Bildhäuser, 23. f. 23., 4,72^Meter. — Kugelstoßen: 1. Körber, Wetzlar, 11,20; 2. Waldschmidt, Wetzlar, 10,78; 3. Steuerwald, V. f. B., 9,72; 4. Luh, V.f.B., 9,13 Meter. — Diskus: 1. Körber, Wetzlar, 34; 2. Waldschmidt, Wetzlar, 26,25; 3. Luh, V. f. B., 25,48; 4. Schweitzer, 23. f. 23. — 4X100-Meter: 1. 23. f. 23. 51,1; 2. Wetzlar 51,2. Für V. s. B. liefen Steuer- wald, Hellmeyer, Stroh, Kirchheimer; wenn die Staffel in dieser Besetzung bleibt, wird sie noch von sich hören machen. Kl. C, Iahrg. 1915/16: 100 Meter: 1. Born- schlegel, Wetzlar, 14,2; 2. Paulus, V. f. B., 14,3; 3. Ludwig, Wetzlar, 14,5; 4. Happ, D. f. B., 14,8 Sek. Paulus führte über die ganze Strecke, ließ sich aber im Ziel abfangen. — Weitsprung: 1. Göbel, Wetzlar, 4,46; 2. Paulus, 23. f. 23., 4,18; 3. Ludwig, Wetzlar, 4,03; 4. Happ, V.f.B., 3,78 Meter. — 4X50- Meter: 1. Wetzlar, 28,3; 2. 23. f. 23., 30 Sek. Kl. v, Iahrg. 1917/18: 50 Meter: 1. Weyl, V. f. B., 8,1; 2. Küpper, 23. f. 23., 8,2; 3. Franz, Wetzlar, 8,4; 4. Ganillscheg, Wetzlar, 8,5 Sek. — Weitsprung a. d. St.: 1 Weyl, 23. f. 23., 1,95; 2. Steuerwald II., 23. f. 58., 1,86; 3. Franz, Wetzlar, 1,75; 4. Mayrand, Wetzlar, 1,73 Meter. — Speerwerfen: 1. Schäfer, 23. s. 23., 20,80; 2. Franz, Wetzlar, 15,86; 3. Weyl, 23. f. 23., 15,20; 4. Freitag, Wetzlar. — 4X50 Meter: 1. V. f. B. 32,1; 2. Wetzlar 32,7 Sek. Kl. E, Iahrg. 1919: 50 Meter: 1. Ganillscheg, Wetzlar, 8; 2. Hörder, V.f.B., 8,4; 3. H. Fischer, 23. f. 58., 8,5; 4. Königstein, Wetzlar, 8,8 Sek. — Weitsprung a. d. St.: 1. Ganillscheg, Wetzlar, 1,78; 2. H. Fischer, 23. f. 58., 1,67; 3. Königstein, Wetzlar, 1,63; 4. Wedel, 23. f. 58., 1,55 Meter. — 4X50-Meter: 1. 23. f. 58. 33,3; 2. Wetzlar 33,8 Sek. Während 23. f. 58. vor kurzem noch in Wetzlar bei einem Gesamtpunktverhältnis von 59:91 nur drei Siege erringen konnte, gelangen ihm diesmal bei 85:114 Punkten schon 7 Siege. Jedenfalls darf die Abteilung und der 58eretn stolz sein auf die wohl- gelungene Veranstaltung und auf die Leistungen der jungen Leichtathleten. Handball in Gießen. Universität — Stadtmannschaft 4:5 (3:3). Auch das Rückspiel am Samstag konnte die Städte- elf mit obigem Ergebnis für sich entscheiden. Ditzs ist um so höher zu werten, da sie mit mehrfachem Ersatz antreten mußte und verschiedene Spieler in derselben Woche schon bei zwei schweren Spielen mitgewirkt hatten. Die erste Halbzeit zeigte ein völlig ausgeglichenes Spiel. Zu Anfang fand sich die Hintermannschaft der Städteelf nicht recht zusammen, und die Universität konnte mit 2:0 in Führung gehen. Doch glich der glänzende Sturm der Stadtmannschaft bis zur Halbzeit aus. Nach der Pause fiel die Universitätsmannschaft etwas ab. Der sonst gute Sturm war der vorzüglichen Deckungsarbeit des Gegners nicht mehr gewachsen, und Einzeldurchbrüche wurden schon am Strafraum abgestoppt. Desto besser ’ arbeitete der Sturm der Städtemannschaft, allerdings hatte er sichtlich Schußpech. Die bestgemeintesten Würfe gingen an die Latte. Doch langten die erzielten Erfolge zum Siege. Mit dem Resultat 5:4 für die Städteelf wurde das Spiel beendet. Handball der Gießener Turnerschast. Alto.-Tv. 1846 komb. — Polytechnikum Friedberg 5:3 (3:2). Anläßlich eines Sportfestes des Polytechnikums spielte eine Mannschaft der Gießener Turnerschaft Sie legte den Gegenstand auf den Tisch. Er sah aus wie eine Pilotenkappe, hatte aber keine Oeffnung für den Mund. Larry nahm sie auf und roch daran, obwohl dies unnötig war, denn ihm war sofort ein eigenartiger süßlicher Geruch aufgefallen, als sie das Zimmer betreten hatte. „Mit Chloroform getränkt," sagte er. „Das würde Sie natürlich nicht vollkommen besinnungslos gemacht haben, hätte Sie aber sicherlich für kurze Zeit betäubt “ Die Hände in den Taschen, das Kinn auf die Brust gesenkt, ging Larry im Zimmer auf und ab. „Haben Sie noch etwas anderes bemerkt?" „Als ich auf die Straße kam, fuhr gerade ein Lieferungswagen einer Wäscherei fort. Das ist mir deshalb so besonders aufgefallen, weil das Wort ,Wäscherest — und das war die Aufschrift — sehr ungeschickt und fehlerhaft geschrieben war." „Das ist mir völlig unverständlich," sagte Larry verwirrt. „Der Kerl hätte Sie doch nicht allein wegbringen können, ober er muß Helfershelfer im Hause gehabt haben." „Darin stimme ich Ihnen nicht bei,“ sagte sie ruhig. „Dieser Mensch hatte unglaubliche Kraft. Ich war in seinen Armen wie ein kleines Kind, und für ihn wäre es sehr einfach gewesen, den Korb die Treppenstufen hinuntergleiten zu lassen, und der Chauffeur hätte ihm bann unten geholfen, den Korb in den Lieferwagen zu heben.“ „Warum hat man es aber auf Sie abgesehen?“ entgegnete er immer verwirrter. „Was haben Sie denn mit der ganzen Geschichte zu tun?“ Das junge Mädchen antwortete nicht sofort. „Ich überlege,“ sagte sie schließlich, „ob ich vielleicht durch Zufall auf eine Spur gekommen bin, die zu dem Mörder Stuarts führen könnte. Bielleicht habe ich irgend etwas erfahren, irgend etwas in meinem Besitz, ohne daß ich selbst weih, welche gefährliche Bedeutung dies für die Verbrecher hat, und sie versuchen natürlich mit allen Mitteln, diese Spur zu beseitigen." Larry war sehr nachdenklich geworden. „Warten Sie bitte einen Augenblick; ich möchte mich umziehen," sagte er und verschwand in das Rebenzimmer. Das junge Mädchen sah sich mit Gefallen in dem behaglichen Zimmer um. Dann kam Sunny mit einem Tablett, aber nicht, ohne vor seinem Eintreten vor der Tür auffallend laut gehustet zu haben, was seinen Herrn im anderen Zimmer ausnehmend ärgerte. „Rehmen Sie Zucker, Miß?" fragte Sunnh feierlich und, als sie nickte, „es gibt nämlich Damen, die keinen Zucker mögen. Der macht sie zu dick." „Ich habe keine Sorge, zu stark zu werden,“ antwortete sie lächelnd» am vergangenen Freitag in Friedberg. Es war ein äußerst hartes Spiel, das ausschließlich auf Erfolg eingestellt war. Besonders zu Anfang der zweiten Halbzeit, als Friedberg mit aller Macht zum Ausgleich drängte, wurde das Tempo unheimlich scharf. Daß Gießens Mannschaft, die zum großen Teil aus Jugendlichen bestand, in dieser Spielphase durchhielt, war bewundernswert. 23a l f e r im Tor zeigte sich unüberwindlich. Da der Mittelläufer schon vor der Pause ausschied, mußten die Gießener bis zum Schluß mit zehn Mann spielen. Trotzdem hiellen sie das Spiel jederzeit offen und siegten verdient 5:3. Handball im Männeriurnverein (O.T). TV. Alsfeld I - Mtv. Gießen II 1:1 (0:1). Am Sonntag hatte die zweite Mannschaft d.s Mw. Gießen die erste Elf des Tv. Alsfeld zu Gast. Die Alsfelder Mannschaft, die in den letzten Verbandsspielen hinter den Meister der A-Klasse, Tv. Lauterbach, den zweiten Tabellenplatz einnahm, gilt im Gau Hessen als sehr spielstarke Mannschaft, die auf eigenem Platze wohl kaum zu schlagen ist. Die Mtv.er, die zudem noch mit mehrfachem Ersah antreten mußten, können also mit dem erzielten Resultat vollkommen zufrieden sein, sie müssen aber in Alsfeld in stärkster Aufstellung antreten, wenn sie auch beim Rückspiel ehrenvoll bestehen wollen. Trotzdem hätte es zu einem Sieg der Gießener Mannschaft gelangt, wenn nicht der Sturm mehrere sichere Torchancen unausgenüht gelassen hätte. Mw. Jugend — TV. Wetzlar Jugend 1:2. Am Tage vorher trug die Iugendmannschast des Mtv. in Wetzlar ein Freundschaftsspiel gegen die gleiche des Tv. Wetzlar aus und mußte nach überlegenem Feldspiel eine unverdiente 2:1- Riederlage hinnehmen, da die Platzmannschaft, nachdem sie zahlenmäßig die Führung übernommen hatte, sich darauf beschränkte, mit allen zur Verfügung stehenden Leuten das Tor sauber zu halten. Faustballrunde an der Universität Gießen. Wie alljährlich, haben auch in diesem Sommer- semester die Verbindungen an unserer Universität den F a u st b a l lm e i st e r wieder ausgespielt. Da in den Verbindungen ein steter Wechsel der Mitglieder herrscht, ist ein ständiger Wechsel in der Spielstärke die Folge. Auch macht man immer wieder die Erfahrung, daß die Spielstärke aller Mann- schäften zum Schluß der Runde hin sich wesentlich steigert. Man darf wohl behaupten, daß an unserer Hochschule ein besonders guter Faustball gespielt wird; dementsprechend waren auch einzelne Spiele sehr spannend. Von den acht gemeldeten Mannschaften lieferten sich gerade die drei besten sehr gute Treffen, die nur immer um einen Punkt von dem Sieger gewonnen wurden. Als die beste und unstreitig auch gleichmäßigste Mannschaft stellte sich die der Landsmannschaft Chattia heraus, die als Sieger in alle: Spielen für dieses Semester den Meisterschaftstitel errungen hat. An zweiter und dritter Stelle stehen die Mannschaften des A. T. V. Rh e i n f r a n k e n und des 28 i n g o l f. Aus diesen drei Mannschaften wird die Gießener Hochschulmannschaft zusammengestellt werden, die am kommenden Samstag und Sonntag an den Meisterschaftskämpfen des südwestdeutschen Hochschulkreises in Karlsruhe teilnehmen wird. Mannschaft Spiele gew. verl. Pkt. Chattia 7 7 0 14 A. T. 23. Rheinfranken 7 6 1 12 Wingolf 7 5 2 10 Hasso-Rhenania 7 4 3 8 Adelphia 7 3 4 6 Darmstadtia 7 2 5 4 Hasso-Nassovia 7 1 6 2 Arminia (später zurückgezogen) 7 0 7 0 „Olein, Miß, die Sorge brauchen Sie nicht zu haben," sagte Sunnh liebenswürdig. Auf dem Wege nach ihrer Wohnung fragte sie lachend, ob Sunny immer mit allem überein» stimmte, was er sagte. „Mit allem, ohne Ausnahme," sagte Larry. „Er treibt mich manchmal zur Verzweiflung. Das habe ich noch herauszufinden, worüber Sunny eine eigene, bestimmte und unabhängige Meinung hat." Lind worüber Sunnh feine eigene, feste Ansicht hatte, sollte er noch herausfinden, aber das lag noch weit weg. Als sie in ihrer Wohnung in der Charing Croß Doad angekommen waren, begann Larry sofort eine sorgfältige Durchsuchung. Gr hatte eine elektrische Taschenlampe mitgenommen und leuchtete jede Stufe der Treppe ab, ohne jedoch einen Hinweis auf den geheimnisvollen Angreifer finden zu können. „Lind jetzt wollen wir uns mal Ihre Wohnung ansehen." Er untersuchte den Wäschekorb, den daF junge Mädchen schon so genau beschrieben hatte. „Hier ist nichts zu finden", sagte er. „Sehen Sie nach, ob Ihnen irgendwas fehlt." Sie suchte allein in den anderen Räumen nach und kam mit einem verdutzten Gesicht in das Wohnzimmer zurück. „Mein grüner Mantel und mein Hut ist verschwunden." „Ist der Hut auffallend?" fragte er schnell. „Was meinen Sie mit .auffallend*?" „Ob er besonders ins Auge fällt?" „Ich glaube ja," lächelte sie. „Es ist ein goldgelber Hut, den ich zu meinem grünen Mantel trage.“ „Haben Sie ihn schon mal in Scotland QJarb aufgehabt?" fragte er. „Schon sehr oft," erwiderte sie, ohne zu begreifen. „Dann hab' ich's,“ sagte er. „Kommen Sie mit. Ich möchte Sie nicht gern allein hier lassen." Sie gingen zusammen nach der nächsten öffentlichen Telephonzelle, von der Larry das Präsidium anrief und sich mit dem diensttuenden Pförtner verbinden lieh. „Hier Inspektor Holt. War Miß Ward heut abend im Bureau?" „Jawohl," kam die Antwort. „Sie ist gerade wieder fortgegangen.“ Larry stöhnte. „Aber ich bin doch gar nicht im Präsidium gewesen," rief Diana erstaunt. „Aber jemand anders, der Sie fehr gut nach- geahmt haben muß," sagte er kurz. (Fortsetzung folgt.) ELSOFFER'5 SERIEN-TAGE Was bringen sie??? r25~| F451 I 95 I 11451 |195| [2951 13951 1 1 Märchenhaft billige Preise! Pf. I I Pf. I I Pf. I I Pf. I I Pf I I Pf. I I Pf. I Ih0her I Von vielen hunderten Serien Abteilung Haushaltwaren Glaswaren 1 Zitronenpresse und I Zuckerschale Pf. 25 1 Kompottgarnitur, I Schale und 1 Teller, Preßglas.............................. Pf. 25 2 Bier- oder Wasserbecher Pf. 25 1 Likörglas, Kristallglas, optisch Pf. 25 1 Kompottgarnitur, 3teil., Schüssel u. 2Teller Pf. 45 1 Wasserflasche mit Glas mit Reifeikante . Pf. 45 2 Bierbecher, Goldrand oder Rankenmuster Pf. 45 5 Kompotteller, Oliven u. andere Muster .. Pf. 45 3 Weingläser, schöne Form m. Olivschliff . 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Topflappen, fein lack. Pf. 95 1 Blumengießkanne, 2 Liter, fein lackiert... Pf. 95 1 Garten-Gießkanne, stark, fein lackiert.. Pf. 295 1 Brotkasten, fein lack., schöne Muster,groß, Pf.295 einige Beispiele: ■ Des großen Andranges wegen benützen Sie bitte die Vormittage! Bürstenwaren 1 Schrubber Pf. 25 1 Kokoshandfeger Pf. 25 1 Kokos-Kehrbesen Pf. 45 1 Bürstengarnitur, je 1 Kleider-, Glanz-, Auftragbürste aus reinen Borsten u. 1 Schmutzbürste ................................ Pf. 95 1 Standardbodenbesen und 1 Handfeger .... Pf. 95 Reform-Edel-Mop, extra groß, gute Qualität, mit Stiel ...................... Pf. 295 Mop-Politur, große Flasche Pf. 95 u. 45 1 Bohner, reine Borsten, Eisenplatte mit Schutzkanten Pf. 345 Rein-Aluminiumwaren 1 Kinderbecher, 8 cm, mit Zierrand Pf. 25 1 Touristendose, % Pfd.................. Pf. 25 1 Schüssel, 24 cm Durchmesser Pf. 45 1 Kasserolle mit Stiel ................... Pf. 45 6 Kaffee- oder 3 Eßlöffel und 3 Gabeln .... Pf. 45 1 Muschelseifenhalter und 1 Stück Kernseife Pf. 45 1 Muschelkonsol mit Schöpfer und 1 Handwaschbürste .......................... Pf. 95 1 Garnitur Schöpf-, Schaum- u. Saucelöffel Pf. 95 1 Kochtopf, 22 cm, mit Isoliergriffen...... Pf. 145 1 Kochtopf, 24 cm, mit Isoliergriffen Pf. 195 6 Milchtöpfe, 7—12 cm, mit Zierrand Pf. 195 1 Wasserkessel, extra groß, starke Qualität Pf. 395 1 Satz, 5 Kochtöpfe mit Deckel, 14—22 cm Pf. 695 Echt Porzellanwaren 1 Kinderbecher mit Bild und Goldrand und 1 Kaffeelöffel Pf. 25 1 Tasse mit Untertasse, Blumenmuster, mit kleinen Fehlern....................... Pf. 25 1 Kuchenteller, 19 cm, Gold- u. Blumenkante Pf. 25 1 Kindersuppenteller mit Bild u. Festonrd. u. 1 Eßlöffel.......................... Pf. 45 2 Frühstücksteller, weiß, mit Goldrand Pf. 45 6 Frühstücksteller, weiß mit Zierrand, Fehlporz Pf. 95 1 Service-Kaffeekanne, weiß, für 6 Personen, Fehlporz.............................. Pf. 95 5 Tassen m. Untertassen, weiß, mit kleinen Fehlern Pf. 95 3 Tassen m. Untertassen, Goldrand, Zwiebelmuster oder bunte Randdekore Pf. 95 3 Speiseteller, tief oder flach, weiß Feston, Fehlporz.............................. Pf. 95 1 Obst-Service, 7teilig, Schüssel und 6 Teller, Fehlporz............................. Pf. 145 1 Kaffee-Service, Steilig, m. Blumenranken Pf. 195 1 Kaffee-Service, 1 Steilig, mit Goldrand ... Pf. 595 1 Speise-Service, 23teilig, mit Goldrand und Linie ....................... Pf. 2395 Stahlwaren 1 Tischmesser Pf. 25 1 Garnitur, 4 teil., 1 Schlacht-, 1 Brot- und 2 Küchenmesser Pf. 95 6 Paar Messer und Gabeln Pf. 295, 195 6 Paar Messer und Gabeln, prima Solingerstahl, Königsholz..................... Pf. 445 6 Paar Messer und Gabeln, echt Ebenholz, la Solingen Pf. 495 Echt Alpakabestecke, garantiert stets weiß bleibend, feine moderne Muster Kaffeelöffel Pf. 25 Eßlöffel oder Eßgabeln Pf. 45 Tafelmesser mit Solinger Klinge Pf. 95 Verschiedenes 1 Ondulierschere ganz Metall Pf. 45 1 Konservenglas-Oeffner, Neuheit Pf. 45 1 Küchenspiegel, extra groß......Pf. 145, 95, 45 6 Rollen Krepp-Klosettpapier, große Rollen Pf. 95 1 Garnitur Salatbesteck, 6 Eier- und 2 Salzlöffel ................... ............ Pf. 95 1 Waschseil, geklöppelt, 20 m u. 50 Klammem Pf. 95 1 Waschseil, geklöppelt, 40 m, Aloehanf extra stark.......................... Pf. 195 1 Duplexreibmaschine Pf. 195 1 Wandkaffeemühle m. Steingutbehälter, geschmiedetes Stahlwerk Pf. 395 1 Einkochapparat, la verzinkt mit Einsatz und Thermometer..............*. Pf. 495 Luxus- und Lederwaren 1 Celluloidseifendose Pf. 25 1 Celluloidtoilettenspiegel, extra groß. Pf. 95, 45 1 Rasiergarnitur mit Pinsel........Pf. 195,95,45 1 Brotkorb, fein vernickelt, mit Einlage ... Pf. 95 1 Frisiergarnitur, Kopfbürste und Kamm, in weißem Celluloid...................... Pf. 95 1 Celluloid-Zahnbürste, 1 Frisierkamm, Rasierpinsel Pf. 95 1 Portemonnaie, nur echt Leder, für Kinder Pf. 25, 45, 95 wunderschöne Geschenkartikel zu Pf. 195, 145, 95 Damentaschen, neuesteFormen Pf.295, 195,145,95 1 Thermosaflasche, %1, mit Aluminiumbecher, fein lackiert................... Pf. 95 1 Thermosaflasche, % I, mit Aluminiumbecher, fein lackiert.................. Pf. 195 1 Tortenplatte, messingvemickelt, wunderschöne Muster....................... Pf. 195 1 Satz, 10 Stück, Rasierklingen Pf. 45 Edelstahlklinge, Handabzug Abteilung Textilwaren Gardinen 1 Mtr. Landhausgardinen, reizende Muster Pf. 95, 45 3 Scheibengardinen, Etamin mit Spitze .... Pf. 95 1 Stores mit Einsätzen, Etamin u. engl. Tüll Pf. 295, 195,145, 95 Madras-Garnituren, Steilig Pf. 495,395,245 Damenschürzen, Jumperform, moderne Stoffe........................ Pf. 195,145,95 Kinderspielanzüge, Russenkittel und Kinderkleidchen............ Pf. 195,145,95 Taghemden, Träger oder Achsel, mit reicher Stickerei in guter Qualität...... Pf. 295, 195,95 Knaben- und Mädchenhemden m. Stickerei Pf. 95 Nachthemden f. Knaben u. Mädchen, prachtvolle Ausführung ............. Pf. 195,145,95 Hemdhosen mit Stickerei u. Hohlsaum. Pf. 295,195 Prinzeßröcke, reizende Fassons, erstkl. Verarbeitung m. Stick, u. Spitze Pf. 495, 395, 295,245 Nachthemden, elegant gearbeitet Pf. 345,295 Hauskleider für Damen, gute Zephirwaschstoffe ............................... Pf. 295 Herrenwäsche Trikot- u. Mako-Einsatzhemden m. modernen Einsätzen Pf. 395, 295, 195 Oberhemden in Perkai u. Zephir, gute Qualitäten, besondere Gelegenheit, teils mit 2 Kragen ................... Pf. 495,395,345 Strümpfe Damenstrümpfe, Baumwolle, haltbare Quai. Pf. 45 Kinderstrümpfe, lang, gut zum Strapazieren, moderne Farben....................... Pf. 45 Damenstrümpfe, echt Mako, gute Qualität .. Pf. 95 Damenstrümpfe, Agfa-K.-Seide, alle moderne Farben............................... Pf. 95 Damenstrümpfe, la. Seidenflor u. Waschseide ........................... Pf. 195,145 Damenstrümpfe, la. Bemberg m. Goldstemp. Pf. 295 Handarbeiten Nachttischdecken, gezeichnet Pf. 45,25 Läufer-Zlerdecken mit Lochstickerei, Hohlsaum und Spitze................ Pf. 195,95,45 Tablettdecken, gezeichnet, 3 Stück Pf. 95 Ueberhandtücher, gezeichnet, für Küche und Schlafzimmer.......................... Pf. 95 Kissen, schwarz Rips, mit Stickmaterial und bunter Vorlage Pf. 95 Waschtisch-Garnitur, gezeichnet Pf. 95 Bettwäsche Kissen, glatt oder gebogt Pf. 95 Kissen, reiche Stickerei Pf. 295,195,145 Bettücher mit Hohlsaum, 150x220 Pf. 395 Bett-Garnituren, 1 Bezug u. 1 Kissen, reich gestickt mit Hohlsaum und 1 glattes Kissen, zus.......................... 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Friedberg (Hessen) 12. ländliches Reit- und Fahr-Turnier Sonntag, den 30. Juni 1929, nachmittags 2 Uhr, auf dem Sportplatz der Seewiese zu Friedberg. Programm: 1. Vorführung der Reitabteilungen der ländf. Reitervereine Hessens B. Jugendpreis: Ualoppreiten 2. Arbeitsgespanne Im Oekonomie- wagen 3. Reitprüfung für Landwirte bzw. Mitgliederderländlichen Reitervereine 4. Trabreiten 6. Jagdspringen 7. Eignungsprüfung für Wagenpferde 8.6ewandheitsprüfung 9.Trabfahren 10. Galoppreiten 11. Vielseitigkeitsprüfung Aenderungen des Programms vorbehalten Konzertl Restauration! Eintrittspreise: Num.Sitzplatz 3 Mk.,unnum.Sitzplatz 2 Mk., Wagen- oder Autokarte (Fahrer frei) 3 Mk., Wagenplatz 2 Mk., Stehplatz und Promenaaenkarte 1 Mk. - Vorverkauf in Friedberg: Ed. Oppenheimer Nachf., Zigarrengeschäft, Kaiserstraße 54 und Hanauer Straße 12, Tel. 4075; in Bad-Nauheim: Og. Griebel, Zigarrengeschäft. mj4V Der Vorstand des Wetterauer Reitervereins e.V. 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Nach der amtlichen Statistik über die französische Ein- und Ausfuhr in den ersten fünf Monaten des Jahres 1929 belief sich die Einfuhr (Rohstoffe und Fertigfabrikate) auf 23 289 569 Tonnen im Werte von 25 474 876 000 Francs, die Ausfuhr auf 15 691 628 Tonnen im Werte von 20 378 393 000 Francs. Die Einfuhr ist gegenüber dem Vorjahre um 3574 504 Tonnen und 3 904 941000 Francs gestiegen: die Ausfuhr dagegen um 874 040 To. und 661 225 000 Francs zurückgegangen. Im Vergleich mit dem Jahre 1913 haben sowohl die Enfuhr wie auch die Ausfuhr rund um 5 bzw. 7 Millionen zugenommen. * Dolorit-Bafalt A. - G., Köln. Die Generalversammlung genehmigte den divdendelosen Abschluß. Die Beschäftigung der Werke wurde als zufriedenstellend bezeichnet. Die dritte Quartalszuteilung der Reichsbahn am 1. Juli werde voraussichtlich weitere beträchtliche Aufträge bringen. Auch für das neuzeitliche Straßenbaumittel, das dje Gesellschaft hcrstellt, liegen Aufträge für längere Zeit vor. Außerhalb der Tagesordnung wurde mitgeteilt, daß die Gesellschaft die im Umlauf befindlichen 200 000 Reichsmark Vorzugsaktien zu einem Kurse von 50 v. S). zurückzukaufen beabsichtigt. Das Stimmrecht der Vorzugsaktien ruht einstweilen. Die sich aus dem Rückkauf ergebenden Maßnahmen dürften der nächsten Generalversammlung unterbreitet werden. * Rationale Automobil-Gesellschaft A.--G., Berlin. Vor Eintritt in die Tagesordnung der G.-D. gab die Verwaltung eine längere Erklärung ab, in der der Verlust des Jahres 1928 mit der ungünstigen Auswirkung der Presto-Fusion, besonders aber mit der kritischen Lage der deutschen Automobilindustrie begründet wurde. Auch der Geschäftsbericht des Reichsverbandes der deutschen Automobilindustrie weise auf die krisenhafte Zuspitzung der Verhältnisse hin. Es handle sich also keineswegs um ein Einzelschicksal der R. A. G., das von ihr verschuldet wäre. Lieber das neue Geschäftsjahr fern der Vorschlag der Stempelvereinigung, die Sollzinsen zu ermäßigen, Annahme findet, werden auch die Sätze für die Habenzinsen entsprechend ermäßigt. Da die Kreditrestriktion seitens der Reichsbank praktisch bereits in der ersten Hälfte des Monats Juni nicht mehr durch ge- führt worden ist, konnten die Danken der Rückgängigmachung ihres vor einem Monat gefaßten Beschlusses der Erhöhung ihrer Debetzinsen nähertreten. Bereits damals war von den Banken in Aussicht gestellt worden, die Debetzinsen wieder in ihre normale Relation zum Reichsbankdiskont zu bringen, sobald der Geldmarkt sein normales Aussehen wieder gewonnen habe. Da inzwischen in erheblichem Maße Auslandgelder, die seinerzeit zurückgezogen wurden, nach Deutschland zurückgeflossen sind, ist den Banken ihr Entschluß auf Zinssenkung sogar zu einer Pflicht geworden, um die billigeren Auslandkredite der Wirtschaft wieder voll zugängig zu machen. Für die Reichsbank selbst, die bisher offiziell die Aufhebung der Kreditrestriktion nicht bekanntgegeben hat, ist der Entschluß der Banken von weitgehender Bedeutung. Denn die Entlastung des Reichsbankstatus kann nunmehr schneller vor sich gehen, wenn die Banksätze nicht meht zwei Prozent über dem Reichsbankdiskont liegen. Die günstige Prognose, die wir letzthin der Entwicklung des Geldmarktes gestellt haben, findet in dem Vorgehen der Danken ihre Bestätigung, auch die Reichsbank dürste in diesem Vorgehen den ersten Schritt zur Wiederherstellung eines erträglichen Zins- niveaus für die Wirtschaft sehen. Die internationale Geldmarktlage ist zur Zeit so beschaffen, daß sogar die Frage einer D i s - kontermähigung seitens der Reichsbank in den Vordergrund rückt. In Reuhork sind die Geldverhältnisse als leicht zu bezeichnen. Es ist infolgedessen nicht ausgeschlossen, daß schon in allernächster Zeit, natürlich nach Abwicklung des Halbjahrultimos, die Reichsbank einer Diskont- ermäßigung nähertreten wird, die zwecks Entlastung der Wirtschaft im Interesse eines Konjunkturantriebs nur zu sehr erwünscht wäre. Rindermartt in Gießen. Gpielvereimgung 1900 Gießen. Die Ligamannschofl gewinnt in Wetzlar 5:1 (1:1). ö. Die Gießener Mannschaft mußte für dieses Spiel eine Umstellung vornehmen und außerdem auch Ersatz einstellen. Trotzdem war 1900 dem Gastgeber technisch sehr überlegen. Sobald die Gießener das Spiel flach gestalteten, lief der Ball von Mann zu Mann, und nur mit vereinter, oftmals verstärkter Abwehr konnte der Wetzlarer Sportverein fast sicher scheinende Erfolge der Gäste verhindern. Das Spiel war für ein Freundschaftsspiel viel zu hart, jedenfalls härter, als das letzte in Wetzlar ausgetragene Derbandsspiel, bei dem es um die Punkte ging. Zwei zu Beginn gegebene Elfmeter gegen 1900 führten zu nichts: der erste ging über die Latte und den zweiten hielt Sack in ausgezeichneter Manier. Dann gestaltete 1900 das Treffen bis zur Pause fortgesetzt überlegen, konnte aber trotz zeitweisen heftigen Drängens und ausgezeichneter Chancen nur zu einem Treffer kommen, den Wetzlar aber noch vor dem Wechsel ausglich. Rach der Pause legte Wetzlar kräftig los. Die Angriffe waren aber zu durchsichtig angelegt, so daß meist die beiden Gießener Verteidiger allein mit ihnen fertig wurden: was weiter kam, wurde eine sichere Deute des vorzüglich arbeitenden Torhüters. In systemvollen Angriffen trugen die 1900er den Dail vor das Wetzlarer Tor und' brachten zahlreiche wuchtige Torschüsse an. Der Torwart des Platzvereins wehrte manche brenzliche Sache ab, aber auch die Gebrüder Denner in der Verteidigung spielten recht aufopfernd. Dalser, der Schütze des ersten Tores, erhöhte bald auf 2:1 für Giehen. In der letzten Viertelstunde schoß Graubner das dritte und vierte Tor, denen fast mit dem Schlußpfiff Dalser den fünften Treffer anreihte. Gegen Spielende erlahmte der Wetzlarer Widerstand fast ganz. Die Gesamtleistungen litten sehr unter der Dodenglätte infolge des vorausgegangenen Regens. 1900s Ligareservemannschaft blieb aus dem Sportplatz an der Liebigshöhe über Cölbes »erste Mannschaft mit 2:1 sicherer Sieger, obwohl die Mannschaftsaufstellung der Gießener recht schwach genannt werden kann. Die dritte Mannschaft schlug die zweite Elf Cölbes recht hoch mit 5:0 Treffern. Der Sieg der Gastgeber soll allerdings etwas zu hoch ausgefallen sein. Die Lleberlegen- heit der Gießener war nicht so groß, wie das Resultat ausdrückt. 1900 war aber vor dem Tore weit entschlossener. Sp.-Vg. 1900 — Ltniversität Gießen. ö. Dieses Treffen wird am morgigen Mittwochabend ausgetragen. Die Llniversität Gießen tritt damit erstmals in diesem Jahre mit einer Fußballmannschaft an die Öffentlichkeit. 1900 wird aus seiner Ligaelf drei Spieler (Studenten) der Tlniversitätself abtreten, kann diese aber bestens ersetzen. Die Studentenmannschaft verfügt aber auch sonst noch über ausgezeichnete Kräfte (Mittelläufer!), so daß es wohl zu einem ausgeglichenen Spiel kommen wird, bei dem man recht ansprechende Leistungen erwarten kann. Der Ausgang ist nicht vorauszusagen. 1900 genießt den Vorteil des eigenen Platzes. V. f. B. Alsfeld sagte das für vorigen Sonntag vereinbarte Rückspiel noch am Samstag ab, so daß die Ligamannschaft ohne Spiel blieb. Die Ligareserve fertigte die E r st e H o m- bergs mit 6:3 ab. Bei der (Beurteilung des Resultats ist allerdings zu berücksichtigen, daß die D. f. B.-Elf durch zwei Ligaspieler verstärkt war und die Gäste nur mit zehn Mann einschl. eines Spielers der V. f. D.-Liga antraten. In der ersten Halbzeit wurde von beiden Seiten sehr lahm gesbielt. Gießen war wohl technisch überlegen, jeooch ließ die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen sehr zu wünschen übri^. Rach dem Wechsel klappte es bedeutend besser. Die Einheimischen zeigten eine ansprechende Kombination, gegen die die Gäste nicht aufkamen. Das Schlußresultat entspricht dem Spielverlauf. Die dritte Mannschaft hatte in der P o k a l k o n ku r r e nz des Daubringer Sportfestes drei Spiele zu bestreiten, die sie alle drei gewann und damit P o k als i eg er wurde. Wenn auch die Siege sämtlich mit dem knappsten aller Resultate 1:0 erkämpft wurden, so waren sie nichtsdestoweniger vollauf verdient. In der Vorrunde stand die D. f. B. - E l f Q u e ck- b o r n gegenüber, das, körperlich in guter Verfassung, seine spielerische Unterlegenheit durch erhöhten Eifer und vollen Einsatz seiner größeren Körperkraft fast auszugleichen vermochte und Gießen vor eine schwere Aufgabe stellte. das sich gegen Schluß darauf beschränkte, das l:0-Resultat zu halten. In der Zwischenrunde hatte V. f. D. die erste Mannschaft ®rün» b e rgs, die in die 1. Gauklasse, also eine Klasse höher, eingestuft ist als D. f. D., zum Gegner und schlug nach hartem und zähem Kampfe auch diesen mit 1:0. Anschließend muhte Giehen sofort gegen R i e d e r w a l g e r n s erste Mannschaft zum Endspiel antreten. Der Gegner ist Meister seiner Gruppe in der 2. Gauklasse und als sehr spielstark anzusprechen. Rur unter Aufbietung aller Energie gelang es V. f. B., kurz vor Spielende, Sieg und Pokal sicherzustellen. In Anbetracht der Spielstärke der beiden letzten Gegner muh man die Gesamtleistung der V. f. V.- Mannschaft als sehr gut bezeichnen. Tennis. Giehen — Bad Homburg 11:7. Eine kombinierte Mannschaft des Giehener Clubs hatte am Sonntag die 1. Mannschaft des Tennis-Clubs Bad Homburg zum Gegner. Der Sieg der Gießener Mannschaft ist diesmal hauptsächlich auf das gute Abschneiden der Gießener Damen zurückzuführen, die ihren fast durchweg recht spielstarken Gegnerinnen mit 4:1 das Rachsehen geben konnten. Bei den Herren mußte sich Dr. Schopper in hartem Dreisahkampf seinem Homburger Gegner Haas beugen. Scriba und v. Grolman konnten ihre Spiele ziemlich leicht gewinnen. Müller und Schühler verloren nach Kampf knapp. Frau Dumur und Frl. Berg konnten nach schönem Spiel knapp siegen. Geringer war der Widerstand, den Frl. Li Stückrath und Frl. Lo Stückrath bei ihren Gegnerinnen fanden. Rur Frl. Kuhlmann, der das weiche Spiel von Frl. Lauenstein nicht zusagte, verlor knapp in 3 Sätzen. Im Herren-Doppelspiel waren Dr. Schopper- Scriba und v. Grolman-Sack erfolgreich. Das erste Mixed spielten Frl. Derg-Dr. Schopper, die ebenso wie Frl. Li Stückrath-v. Grolman und Frl. Lo Stückrath-Sack ihr Spiel gewannen. Gießen siegte mit 11:7 Punkten, 24:17 Sätzen, 217:195 Spielen. Wirtschaft. Weitere Besserung des Reichsbankstatuts. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 22. Juni hat sich die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Reichsschahwechseln, Lombards und Effekten in der vergangenen Dankwoche um 184,1 Millionen auf 2667 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Destände der Dank an Wechseln und Schecks um 128,4 Millionen auf 2427,1 M llionen Mark, die Bestände an Reichsschahwechseln um 22,5 Millionen auf 54,4 Millionen Mark und die Lombardbestände um 33,2 Millionen auf 92,6 Millionen Mark abgenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 140,2 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 123,1 Millionen auf 4068,7 Millionen Mark und der Umlauf an Rentenbankscheinen um 17,1 Millionen auf 435,5 Millionen Mark vermindert. Ein Betrag von 6,7 Millionen Mark an Rentenbankscheinen wurde getilgt. Dementsprechend belaufen sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 29,4 Millionen Mark. Die fremden Gelder haben um 23,4 Millionen auf 579,2 Millionen Mark abgenommen. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen insgesamt sind um 12,2 Millionen auf 2095,1 Mlllionen Mark angewachsen, und zwar weisen die Bestände an deckungsfähigen Devisen eine Zunahme um 12,2 Millionen auf 330,7 Millionen Mark und 'die Goldbestände eine Abnahme um 55 000 Mk. auf 1764,3 Millionen Mark auf. Die Deckung der umlaufenden Roten durch Gold allein besserte sich von 42,1 Prozent in der Vorwoche auf 43,4 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 49,7 Prozent auf 51,5 Prozent. Ermäßigung der Bankzinsen. Wie WTD.-Handelsdienst erfährt, hat die Berliner Stempelvereinigung vor einigen Tagen den auswärtigen Bankvereinigungen vorgeschlagen, mit Wirkung vom 30. Juni 1 929 den nur als Liebergangsmaßnahme gedachten starren Sollzinssatz von 9,5 Prozent p. a. aufzuheben und den Sollzinssatz von 1 P r o z e n t über Reichsbankdiskontsah wieder einzuführen, damit also eine Ermäßigung der Sollzinsen um 1 Prozent eintreten zu lassen. Sowurde berichtet, daß nach der Lleberwinöung der harten Wintermonate die Llmsätze der ersten fünf Monate die der entsprechenden Vorjahrsmonate erreicht hätten, wobei sich der Derlust- vortrag nicht verändert habe. Die finanzielle Situation der Gesellschaft habe eine kleine Erleichterung erfahren. Voraussagen über die weitere Entwicklung deS neuen Geschästsjähres seien jedoch untunlich. In der anschließenden Diskussion kam eine große Anzahl von Kleinaktionären zu Worte, die Vertagung der G.-D. und Einsetzung einer Revisionskommission zur Prüfung der Bilanz und der Frage der Regreßmög- lichkeit der Verwaltung beantragten. Besonders wurden Vorschläge vermißt über die Schritte, die man zur Gesundung zu tun beabsichtige. Die Verwaltung erklärte, daß sie noch keine diesbezüglichen Mitteilungen machen könne. Die Anträge der Kleinaktionäre wurden sodann gegen deren Stimmen abgelehnt und der Abschluß mit dem gleichen Stimmverhältnis genehmigt. * Belegschaftsverminderung in der Zuckerfabrik Frankenthal. Die zu den Süddeutschen Zuckerfabriken A.-G., Mannheim, gehörende Zuckerfabrik Frankenthal, die bisher 1100 Arbeiter beschäftigte, muß wegen Beendigung der Kampagne etwa die Hälfte ihrer Belegschaft entlassen. Eine ganzjährige, volle Durchführung des Betriebes ist nicht möglich. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. Juni. Tendenz geschäftslos. — Zum heutigen Liquidationstag war die Spekulation sehr zurückhaltend, doch werden zur Ueberwindung keine Schwierigkeiten erwartet, da am Geldmarkt wider Erwarten eine leichte Entspannung eintrat. Auch war der Engagementsumfang nicht groß, so daß das herauskommende Material keine großen Aufnahmeschwierigkeiten fand. Die Tendenz war nicht unfreundlich, es ergaben sich sogar kleine Besserungen bis zu 1 v. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse. Nur Zellstoff-Aktien waren stärker angeboten und büßten bis zu 2,5 v. $). ein. Am Elektromarkt bestand für Siemens, Schurkert, Licht 6: Kraft und Chade-Aktien einiges Interesse bei leicht erhöhten Kursen. AEG. und Gesfürel eröffneten dagegen bis 0,5 o. H. schwächer. Im großen und ganzen war man zuversichtlich, da der heute erschienene Reichs- bankausweis eine weitere Entlastung aufweift. Das Geschäft erfuhr aber keine nennenswerte Belebung, da Auslandorders auch von privater Seite fast kaum Vorgelegen haben dürften. Am Chemiemarkt war ebenfalls eine Beruhigung festzustellen. Das Angebot schrumpfte erheblich ein, und Farben eröffneten' fast ohne Verlust: es muß hier der Dividendeabschlag in Betracht gezogen werden. Für Montanwerte konnte sich weiter einiges Interesse erhalten. Hier regte vor allem die Der- bindlichkeitserklärung des Schiedsspruches im Ruhrbergbau an. Bei vermehrtem Umsätze gewannen Klöckner 1,5 v.H., Mannesmann, Phönix, Rhein- ftahl und Gelsenkirchen bis 1 v. S). Kaliwerte lagen uneinheitlich. Aschersleben eröffneten 0,5 und Westeregeln 1,5 v. S). niedriger. Salzdetfurth zogen bis 1,5 d. $). an. Bankwerte zumeist gut gehalten. Reichs- bankanteile gesuchter und 1,5 v.H. fester. Auch in Glanzstoffaktien kam heute kaum Material heraus, es bestand eher Nachfrage bei einer Besserung bis zu 1,5 d. S). Etwas gefragter waren noch Deutsche Linoleum plus 2 o. H. und am Automarkt Adlerwerke, die etwas anziehen konnten. Daimler dagegen vernachlässigt. Renten still. Deutsche Anleihen etwas nachgebend. Von Ausländern Anatolier weiter erhöht. Im Verlaufe war die Umsatztätigkeit weiter gering. Nur für Montanwerte erhielt sich die Nachfrage bei weiter kleinen Besserungen. Elektroaktien eher leicht gedrückt. Farben gut gehalten. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld auf 7,5 v. H. erhöht. Monatsgeld war mit 9,25 bis 10,25 v. S). eher zu haben. Am Devisenmarkt war die Mark angeboten und schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1958, gegen Pfund 20,3425, London gegen Kabel 4,8479, gegen Paris 123,96, gegen Mailand 92,66, gegen Madrid 34,25, gegen Holland 12,0725. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Juni. Am heutigen Produktenmarkt war die Tendenz fest. Anregend wirkten die weiter stark erhöhten Auslandnotierungen, doch boten diese keine besondere Geschäfts- anregung, da heute nur Rebenmarkt war. Etwas regeres Interesse bestand für Weizen, Roggen und besonders Weizenmehl, das bis zu 0,50 Mk. anziehen konnte. Auch Roggenmehl war etwas reger umgeseht. Am Futtermittelmarkt konnte Mais für Futterzwecke weiter Interesse auf sich lenken. Es wurden notiert: Weizen 24, Roggen 22, Sommergerste für Brauzwecke 23, inl. Hafer 22, Mais (gelb) für Futterzwecke 20,50, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,50, Roggenmehl 29 bis 29,75, Weizenkleie 10, Roggenkleie 11,25 Mark. Tendenz: befestigt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a.M Berlin Schluß- Kurs 1-Uht. ff ii re Schluß- Kurs Anfang Kure Datum 24 6. 25-6. 24 6. 25 6. . 6% tl. fieichranleihe o. 1927 87,25 —- 87,5 — »L Anl.-Ablöl.-Schuld mil 611LÖ lol.-fiechten 50,9 — 50,9 50,9 fteial. ohnr Auslos.-fiechke . 10,6 10,4 10,4 10,25 7% Frankl Hyp.-Bk Goldvl un [ünobar bis 1932 85,75 — — 4V»% fiheiniickie Hyp.-Bank Stau. Goldpf. 78,75 — —— — tu?.®, abg. fBortrteoe-Obltflattßn. rückzahlbar 1932 90 — — — 4% Schweiz. Bundesb.-Anl.. — — — — 4% Ctfitrreidjiirfie Goldrte. 29,9 — 29,65 — 4,20% Gelten. Silberne. 2,5 a - — —- 4% Oesterreich, einbetH. Rte 1,8 — — — 4% Ungarische Goldrte. 23,25 — 23,4 23,3 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 20,3 — 20,3 — 4%% besgl. von 1913 22,25 — 22,4 — 4% Üngarische Kronenrte. 1.9 — 1,9 1,9 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.. 8,15 — 8,1 8,1 Serie 1 — —- 8 8 4% desgl. Serie II 8,1 —— 8,1 — 4% Rumänen convert. fite. 8,9 —— —— — 4H% Rumänen (BolbanL von 1913 17 — 17,4 — Clip. Deutsche Eisenbahn *¥i — — — — Hamburg-Amerika Paket . 6 119 118,5 119,13 118,5 Hamb.-Südam. Tampjich. . 8 Hansa Dampfschiff . . 10 — — 156 156,13 Korddeutscher Lloyd . . . 8 110,5 110,5 110,75 110,25 illlg. Deutsche Creditanll. . 10 128,5 —• 128,25 128 Sarmer Bankverein 10 130,5 — 130,5 130.75 öetiinet banvelsgesellsch. 12 — —- 222 221,5 Lommerz- uni Privat-Bank 11 186,5 186,5 186,5 186,5 Lärmst, u. fiationalbanl 12 275,5 — 275 275,5 Deutsche Bank 10 171,75 171,75 172,25 172 DiNonto-GeleUschost DU.. 10 156,75 156,25 156,5 156,5 Dresdner Bank ■ • 10 163,25 163,25 163,5 163,5 Rttteldeursche Ereditbanl . . . 9 — . 8 — —— — — lieichvdank .«•••••• 12 332 333,5 331,5 333,5 Frankfurt a M Berlin Schluß- Kurs 1 Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Datum 24.6. 25.6. 24-6. 25-6. A.1L.G. • - b 192,25 192 192,25 192,5 Bergmann . . . . 9 220,13 — 220 222,5 Gleite. Lieserunge«. . 10 158 — 158,25 157 Lickt und fttaft . . 10 218 218,75 217,25 218,75 Felten & Guilleaume. Ges. f. Elektr. Untern.. . 6 134,25 — 134,65 134,13 10 223,5 223 223,5 — Hamb. Gicht. Werke . 10 — — 141 139,75 Rhein. Glekrr. . 9 — — — — Echtes. Elektr. 10 — — 195 195 Schucken . . . . 8 —— 240,25 240,13 240,25 12 — 398,75 398,5 399 Transradio . . » . 8 — — 146 146 Lahmeoer 4 Eo.. • • 10 170,5 — 170 Buderus . . . . 6 73,5 — 73 73,5 Deutsche Erdöl . . . . 6 — 116,6 116,75 116,9 Essener Steinkohle . . . 8 — —— 130 130,75 Gelsenkirchener . . . -y. 3-< 139 139,25 139,65 139,75 Harvener . . • • . 6 — —- 146 147 . 8 — —— 129,75 130 Flse Bergbau . . . . . 8 221 — — 220 klöcknerwerke . • • • . 7 106,5 108 107,25 108,13 Koln-Neuesjen . . . . 9 — — 127,5 127,25 . 8 121,75 122,25 122 121,75 Manslelder ... . 7 141,75j — 141,75 141,5 Lberschles. Eisenb. Bedarf. . . b 84 — 86,25 86,5 Oberschlei. Kokswerke . 6 — 111 111 Phönix Bergbau 6 Vt 96,25 96,75 96.5 97 Rheinische Braunlohlen . 10 294 — 294.5 294 fibelnslabl i. % Jahr 4yz 127,5 127,75 127,25 127,5 Riebeck Montan . . 7,2 — — — Bereinigte Stahl». . Otaot Minen . . . k 102,75 — 103 103 3 sh — — 70 70,4 ffali Aschersleben . . 10 241,75 241,5 242,5 240,13 Kall Westeregeln . . . Kaliwerk Salzdetfurth 10 251 249,5 251,5 247,5 Id 407,5 409 409 407 3. ®. Yarben.Inbultrle Dynamit Nobel . . . 12 249,75 238,25 250 238,75 . 5 — —— 117 116,5 «cheideanstalk.... . 9 159,5 — — Goldschmidt . . . . . b 74 — 74,65 75 . 6 88 — 87 87 Metallgejelllchatt. » . 11 127,5 128 128,5 Frankfurt o M. Berlin Schluß- Kurs i-Uhr Kur« Schluß- Kurs Anfang- Kurs Datum 24.6. 25 6. 24-6. 25 6. Pyuirw Pv>zmann......< 113,25 — 113,25 112,75 Heidelberger Cemenk .... 10 138 — — — Gement Karlstadt ..... 8 177 — — _ Qovß 4 Freitag .... 10 101,5 — 102,75 — Schultheis Patzenhofer ... 15 — — 311,75 311 Cftiuede.........12 —- — 251 250,25 Bei. Glanzltoll ...... 18 443 444 443 444 Bömberg ..... 14 — — 346 342,5 Zellstoff Waldbos.....12 — 150,5 252,5 250 Zellstoff Aschasjenburg ... 12 184,9 182,25 186,5 — Charlottenburger Wasser ... 7 — — 111 110,9 Dessauer Gas........8 — — 210,5 209,5 Daimler Motoren......0 53,75 58,5 59,5 89,75 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 — — 50,5 50 Adlerwerke Äleoet......5 50,5 50,75 49,5 51,75 Ludw. Loerve.......10 — — 206,5 205,5 fiat. Automobil.......0 —- — 27,5 27,25 Lrenstem 4 Koppel.....6 — — 91,25 90,25 Leonhard Tietz.......6 — — 279 276,75 Bamag-Meguin ....... 0 — — Franks. Maschinen ...... 6 47,5 — 48,5 — Gritzner....... . 11 72 — 71 —— Heyligenstaedt ....... 0 FunghanS..... 4 Lechwerke.........8 73 106 I I 1 733 I 11 Mainkrastwerks.......8 106,13 — — _ Miaq...... 10 122 — 121,9 122 fiekariulmer........8 — Peters Union ........ 8 127., 5 127,75 Gebr. Roeder ....... 10 115,5 _ Boigt 4 Haeffner......8 220 _ 221,5 Cüdd. Zucker........8 144,75 — 145 — Banknoten _______Berlin. 24. Funi (Selb Brief Ameritatniche Noten..... 4,168 47758 Belgische Noten........ 58,10 58,34 Dänische Noten ........ 111.98 Englische Noten........ 20,26 20^34 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 24. Juni Geld Brief Französische Noten..... Holländische Noten...... 16,375 167,91 16,435 168,59 Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Druttch-Oesterr,-iao Kronen 21,915 21,995 111,28 111,72 58,92 59,16 Rumänische Noten...... 2,485 2,505 Schwedische Noten..... 112,03 112,47 Schweizer Noten....... 80,58 80,90 Spanische Noten....... 58,93 59,17 Tschechoslowakische Noten . . 12,40 12,46 Ungarische Noten 72,78 73,08 24. Juni 25- Juni Amtliche Noneruny Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst.. Ron. 168,13 168,47 168,36 168,70 Buen.-AireS 1,754 1,758 1,757 1,761 Brff.-Antw. 58,10 58,22 58,21 58,33 Lhriftianio • 111,53 111,75 111,69 111,91 Kopenhagen 111,51 111,73 111,66 111,88 Stockholm . 112,20 112,42 112,33 112,55 Helstngfors. 10,522 10,542 10,536 10,556 Italien. . . 21,90 21,94 21,935 21,979 London. . . 20,296 20,336 20,325 20.365 NetWork . . 4,187 4,195 4,1925 4,2005 Paris.... 16,37 16,41 16,395 16,435 Schweiz . . 80,575 80,735 80,655 80.815 Spanien . 59,22 59,34 59,26 59,38 Japan .. . Rio de Jan. 1,838 1,842 1,833 1.842 0,496 0,493 0,496 0,498 Dien in D-- Oest. abgesl 58,84 58,96 58,94 59.06 Prag Belzrad . . 12,408 12,428 12,425 12,445 7,359 7.373 7.369 7,388 Budapest. . 72,98 73,12 73,08 73,22 Bulgarien 3,027 3,033 3,027 3,033 Lissabon 18,73 18,77 18,73 18,77 Tanüg. . . flonftanttn. 81,16 2,018 81,32 2,022 81,27 2,023 81,43 2,027 Alben. . 5,425 5,435 5.425 5,435 Kanada 4,152 4,160 4,156 4,162 Urn uav. 4,026 4.034 4.036 4,044 Eairo . . 20,817 20,857 20,848 20,863