Nr. 71 Erster Blatt 179. Jahrgang Moniag, 25. März 1929 Erschein» täglich,außer sonntags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle. Vezugrpreir für 2 Wochen: l Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvtkvn-Verlag: vrühl'sche UniverfltStr.vvch. und Steindrvckerei ».Lanze in Siehrn. Zchriftleltunz und Sefchäftrstelle: 5chulftrahe r. Annahme von Lnzetae« für die Tagesnummer oi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. ■ Präsident Hoover vettündei die neue Linwanderungsquole. Präsident Hoover hat die amtliche Bekanntmachung erlassen, wonach vom 1. 3uli an öle deutsche Einwanderungsquote von 5 1 227 auf 29 957 Köpfe im 3ahr her- a b g e s e h t wird. Die englische Quote erfährt dagegen eine Verdoppelung. Cs werden mit dieser Bekanntgabe hier und da in der deutschen Presse Angriffe auf den Präsidenten verknüpft, die nach der Sachlage unberechtigt sind. Alm allen Mißverständnissen vorzubeugen, sei noch einmal kurz die Geschichte des Falles wiedergegeben. 3m 3ahre 1924 wurde im Kongreß ein neues Einwanderungsgesey angenommen, über dessen Bedeutung und Tragweite sich die wenigsten Mitglieder des Kongresses klar waren. Dieses Gesetz enthielt eine ganz neue Quotenverteilung mit der bewußten Absicht, die germanische Einwanderung, d. h. die deutsche und die skandinavische zugunsten der englischen zu verringern. Bald aber sah man ein, was für eine schwere Zurücksetzung für die deutsch-ameri- kanische Wählerschaft in dieser Behandlung lag, und in seiner Verlegenheit griff der Kongreß zu dem AuShilfsmittel, zunächst daS 3nkraft- treten des Gesetzes um ein 3ahr zu verschieben. Man hoffte, die Zwischenzeit zu einer vernünftigen Abänderung des Gesetzes auSnützen zu können. Da jedoch bei Behandlung der Einwanderungsfrage in Amerika auf der einen Seite so ziemlich sämtliche Rationalitäten der Welt, auf der andern Seite die mannigfachsten materiellen 3nteressen. z. D. die Furcht der organisierten Arbeiter vor der Einwanderung von Lohndrückern, in Frage kommen, drückte sich der Kongreß von 3ähr zu 3ahr immer wieder vor der heiklen Aufgabe und begnügte sich mit einer abermaligen Verschiebung um ein 3ahr. Dasselbe sollte auch 1929 in den letzten Tagen des Kongresses vor dem 4. März geschehen, aber da nutzte die Opposition im Senat die günstige Situation aus und vereitelte durch Obstruktion die abermalige Verschiebung. Sowohl Präsident C o o l i d g e wie Präsident Hoover waren mit dieser Erledigung der Angelegenheit keineswegs eiiwerstanden. Das Gesetz legt dem Präsidenten die Pflicht auf, die neuen Quoten amtlich zu verkünden. Sowohl Eoolidge wie Hoover hatten sich von ihren 3ustiz- ministern Gutachten erstatten lassen, und beide waren übereinstimmend der Ansicht, daß es für den Präsidenten keine Möglichkeit gebe, sich der Erfüllung dieser Pflicht zu entziehen. So hat Präsident Hoover nunmehr die Ankündigung erlassen müssen, aber gleich hinzugefügt, daß er die Maßregel nicht billige, und hoffe, der Kongreß werde das begangene Unrecht schleunigst wieder gutmachen. Dazu bietet sich nunmehr eine willkommene Gelegenheit. Gleich nach seinem Amtsantritt hat Präsident Hoover den gesamten Kongreß zu einer Extrasession auf den 16. April einberufen, allerdings zu dem Zweck, der Landwirtschaft die versprochene Unterstützung zu verschaffen und zugleich den Zolltarif zu erhöhen. Es steht nichts im Wege, daß der Kongreß auch die Einwanderungs- frage in Angriff nimmt und ein neues Gesetz erläßt, das an Stelle des nunmehr verkündeten am 1. 3uli in Kraft treten kann. Die Aeußerung Hoovers läßt erkennen, daß er seinen Einfluß in dieser Richtung geltend machen wird. Wenn Hoover mit seiner Regierung und wenn die Führer beider Parteien, die im Wahlkampf Aenderung der der deutschen Einwanderung feindlichen Gesetzgebung versprochen haben, ihr Versprechen wahrmacheu wollen, dann können sie es. Die Obstruktion im Senat wird dann zwecklos, wenn sofort in beiden Häusern des Kongresses gleichlautende Dills eingebracht und mit möglichster Beschleunigung angenommen werden. Das kann mit Leichtigekit während der Zeit geschehen, in der die landwirtschaftlichen und die Zolltariffragen in den Ausschüssen beraten werden. Es kommt nur darauf an, ob der Präsident und die Führer der beiden Parteien im Senat die erforderliche Energie aufwenden, um die Opposition zum Schweiger» zu bringen. Allerdings darf man sich nicht verhehlen, daß infolge der oben geschilderten Verhältnisse eine Friedrichshafen, 25.März. (WTB. Funkspruch.) Nachdem man angesichts der nicht gerade günstigen Windverhältnisse — der herrschende Ost- wind hatte sich während des Abends in einen mehr zur halle stehenden steifen Nordwest verwandelt — schon mit der Möglichkeit gerechnet hatte, daß der Aufstieg des „Graf Zeppelin" zum Mitkelmeerslug in letzter Minute abgesagt werden sollte, entschied sich Dr. Eckener nach längerer Wartezeit doch noch zum Start Bei der strengen Absperrung waren nur die Angehörigen dec Passagiere und die Besatzung, die Vertreter der Presse und die sonstige»» geladenen Zuschauer in der halle, in der der „Graf Zeppelin" fahrklar lag. Das hallenwr, durch das die Vollmondnacht hereinschimmerte, stand weit offen. Gegen 11.45 Uhr betraten d i e er st en Passagiere die halle, unter ihne»» die Gräfin Brandenstein-Zeppelin. Das Gepäck wurde verstaut. Um 11.52 Uhr geht die Besatzung an Bord. Die Passagiere sind mit Ausnahme von Staatspräsident Bolz und Reichsverkehrsminister a. D. von Guerard vollzählig anwesend. kurz daraus werden die Sandsäcke von Bord genommen. Punkt 12 Uhr gehe»» die anwesenden Passagiere an Bord. Da trifft auch Staatspräsident Bolz mit Minister von Guerard ein. Mai, hört, daß sie nicht früh genug geweckt worden sind. Dr. Eckener prüft mit seinen Offizieren die Windstärke. Plötzlich taucht er wieder in der Halle auf. Ungeachtet des nicht günstigen Windes will er es jetzt anscheinend doch mit dem Aufstieg versuchen. Alles ist an Bord. Der letzte Befriedigung aller Rationalitäten nicht erreichbar ist und daß daher die Opposition im Senat von den unzufriedenen Elementen Zuzug erhalten wird. Es kommt allein auf den Senat an, weil die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus stark genug ist, binnen kurzer Zeit mit Hilfe der Geschäftsordnung einen Gesetzentwurf durchzubringen, auf den sie sich geeinigt hat. Der Schwerpunkt des Kampfes liegt also ausschließlich im Senat, und dort muß von Anfang an der nötige Druck ausgeübt werden. Das tarnt der Präsident in diesem Augenblick, wo er zahlreiche Qlemter zu vergeben hat, leichter tun als später, und hiermit hat er eine sehr wirksame Waffe in der Hand. Sache der deutschamerikanischen Wählerschast muß es sein, ihrerseits mit dein entsprechenden Rachdruck den Präsidenten und die Führer beider Parteien an ihre Wahlversprechungen zu erinnern. Wird mit einigen, Geschick operiert, dann kann zweifellos das ^Unrecht aus der Welt geschafft werden, das der deutschamcrikanischen und der skandinavischen Wählerschaft zugefügt werden wird. Ballast fällt. Das Schiss wird ausgewogen. Nachdem man noch Wasser gelassen Hal, ist alles In Ordnung. Um 0.46 Uhr seht sich das Luftschiff in Bewegung. Die Positionslaternen der Maschinengondel blitzen auf und in wenigen 2H i n u f e n ist das Schiss im Freien. Der starke Wind treibt das Schiss sofort nach Süden ab. Aber schon ertönt das Kommando „Luflschifs hoch!" Die Motoren springen an. Die Zurückbleibenden rufen den» Schiff die letzten G r ü hzu, die von den Maschinisten mit Lichtsignalen erwidert rottben. Bald ist das Luslschifs in direktem Kurse nach dem Rhein den Blicken entschwunden. Lieber die Schweiz und Güdsrankreich. Freiburg, 25. März. (WTB. Funkspruch.) Bald nach seiner Abfahrt aus Friedrichshafen wurde das Luftschiff „Graf Keppel im" in K o n > st a n z gesichte». Um 1.45 Uhr überflog es die Stadt Waldshut nm Rhein. Es konnte allerdings infolge der nebeligen Witterung nur außerordentlich schlecht gesichtet werden, aber die herbeigeeilte Bevölkerung konnte das Motorengeräusch sehr gut hören. Das Luftschiff flog dann wieder den Rhein entlang und verließ gegen 2 Uhr das deutsche Gebiet bei Basel. In Basel selbst wurde das Luftschiff bis nach 2 Uhr nachts beobachtet. Der „Graf Zeppelin" hat um 7.45 Uhr französischer Zeit Marseille überflogen. Er schlug östliche Richtung ein. „Gras Zeppelin" zum Mlelmmßug gestartet. Auf falschem Wege. 3mmer von neuem und immer wieder vergeblich wird gegen d i e Ueberspannung deSBerechtigungswesens, gegen die feit dem Kriege fast in der ganzen Bevölkerung verbreitete irrige Meinung Stellung genommen, daß die höchste zugängliche Allgemeinbildung, also der Weg über Gymnasium, Realgymnasium usw., Matururn und wenn möglich Universität das einzig erstrebenswerte Bildungsideal und das ..Sesam öffne Dich" für eine erfolgreiche Laufbahn im praktischen Leben sei, daß die Ehancen größer, die Entwicklungsmöglichkeiten breiter icien, als wenn man z. D. in einem kaufmännischen oder technischen Beruf mit abgeschlossener Real« und Dürgerschulbildung eintrete. Es ist ein unseliger Drang des Deutschen, so anerkennenswert der idealistische Urgrund dieses Dranges ist, gute Bildung mit humanistisch- akademischer Bildung zu verwechseln und eine Bescheinigung über eine bestimmte Anzahl abgesessener Schuljahre und Semester für eine Gewähr zu halten, daß man auch das praktische Leben erfolgreich absitzen werde. DaS Arbeitsamt der deutschen Rechtsanwaltschaft hat kürzlich anläßlich seines zehnjährigen Bestehens eine Denkschrift herausgegeben, die mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, wohin dieser Bildungsdrang z. D. auf dem juristischen Gebiet geführt hat. Schon zwei 3ahrgänge von Assessoren können von den Behörden nicht mehr untergebracht werden. Die Zahl der auf Erwerb drin- gendst angewiesenen Referendare steigt ins Unendliche; der Bedarf der Anwälte, deren Arbeit allgemein zurückgeht, verringert sich entsprechend und wird teilweise durch ganz unbeschäftigte Kollegen oder durch Richter im Ruhestand gedeckt. Die Organisationen der Referendare und Assessoren stehen, so führt der Bericht aus, ebenso ratlos wie unser Arbeitsamt vor dieser sichzur Katastrophe auswachsenden Tatsache, die alle beteiligten ©teilen zu immer stärkerer Anspannung der Kräfte zwingt. Was hier von den Juristen gesagt wird, gilt mit geringen Abweichungen auch von den Philologen — man braucht nur an die Not der Junglehrer, an die Sperre pädagogischer Akademien wegen Uederbesetzung usw. zu denken — und von den Me. dizinern. Also vön oben her, von den eigentlichen akademischen Berufen wird schon ein verzweifelter Druck auf den Arbeitsmarkt ausgeübt, der das Einströmen akademischer oder halbakademischer Kräfte in diejenigen Berufsgattungen nicht verhindern kann, die an sich ein wesentlich kürzeres und weniger kostspieliges Ausbildungswesen beanspru. chen würden. Im Wettbewerb mit diesen Angeboten steigert nun aber auch der von unten her hin- einströmende normale Nachwuchs bei all diesen Berufen selbsttätig seine Ansprüche an den Bildungsgrad, an die „Berechtigungsscheine" der Bewerber. Und das mutz notwendig zu einem ganz schiefen Bild, zu einer unzweckmäßigen Halbbildung ganzer Berufskategorien führen, die nicht auf die Tüchtigkeit und körperliche Eignung, sondern auf die Abgangszeugnisse höherer Schulen und womöglich Kollegbücher ihrer Lehrlinge und Gehilfen sehen. Bei einer Tagung in Hessen-Rassau, die vorn Lehrerverein und den Elternbeiräten der mittleren Schulen veranstaltet worden ist, hat der Redner sehr treffend diese Zustände und ihre Folgen mit ihrem ganzen Elend aufgezeigt. 3n die höheren Schulen treibt dieses Derech- tigungsunwesen ständig wachsende Massen hierfür ungeeigneter Schüler hinein. Auf der andern Seite werden die der Degabungsrichtung dieser Schüler dienenden Mittelschulen und Oberstufen der Volksschulen immer leerer, weil durch bad Berechtigungsunwesen auch dem tüchtigsten Volks- und Mittelschüler immer mehr Berufe verschlossen werden, für die er volllommen ausreichende Allgemeinbildung und vorzüglichste Eignung besitzt. Die Verknüpfung von Schulreife mit Derufsreife ist die Wurzel dieses Hebels, und es kann nicht genug geschehen, um den verhängnisvollen 3rrvorstel- lungen, die dabei zugrunde liegen, ein Ende zu bereiten. Es ist Dolkskraft. die hier vergeudet wird und ein Spott auf das Wort »Freie Dahn dem Tüchtigen". Gegen die Ausartung des politischen Kampfs. Ein Aufruf des preutzischcnJunenministers. Berlin, 23. März. (WTB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst verbreitet einen Aufruf des preußischen Ministers des Innern, Grzefinfki, in dem auf die in letzter Zeit fortschreitende Häufigkeit des Mißbrauches der verfassungsmäßig gewährleisteten Vereins- und Versammlungsfreiheit wie des Rechtes der freien Meinungsäußerung, auf die Ausschreitungen, die sogar Menschenleben gefordert haben, und die zum Teil organisierte Auflehnung gegen die Polizei, bei der Beamte erheblich zu Schaden gekommen find, und auf die Denkmalsbeschädigungen und antisemitischen Friedhofschändungen hingewiesen wird. Er wiederhole noch einmal sehr ernstlich feine Mahnung an alle politischen Organisationen, Vüickie und die Führer der ihnen nahestehenden politischen Parteien und ersuche auch die in Frage kommende Presse dringend, durch Abkehr von dem verhetzenden und die Staatsautoritat untergrabeirden Ton auch ihrerseits zu einer Befriedung des öffentlichen Lebens beizutragen, so daß politische Meinungsverschiedenheiten wieder in vernünftigen Formen ausgetragen werden und Andersdenkende von ihren politischen Gegnern unbelästigt bleiben. Wenn dieser letzte Versuch ungehört verhallen sollte, werde er gegen die radikalen Organisationen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln rücksichtslos einschreiten und auch vor der Auflösung solcher Verbände und Vereinigungen nicht zuruckschrecken, die gleichzeitig die Form politischer Parteien haben. 3n einem an die Polizeiverwaltungen in Preußen gerichteten Erlaß ersucht Minister Grzesinsski unter Hinweis auf diesen Aufruf die Nachgeordneten Behörden, auch von sich aus alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, dem Treiben der radikalen Organisationen entgegenzutreten. Organisationen, die ihr gefährliches Treiben fortsetzen, sind aufzulösen. Oeffent- liche Versammlungen unter freiem Himmel und Tkmzuge, die eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen, find vorbeugend polizeilich zu verbieten und zu verhindern. Versammlungen in geschlossenen Räumen, deren unfriedlicher Charakter feststeht, find gleichfalls vorbeugend zu verbieten, oder, wenn sie nach Beginn einen unfriedlichen Charakter annehmen, polizeilich aufzulöfen. 0er Wahlreformvorschlag der Demokraten. Berlin. 25. März. Der demokratische Parteivorstand hat am Samstag die Veröffentlichung eines Wahlreformvorschlages beschlossen, wonach die Zahl der Reichstagsabgeordneten auf 450 festgesetzt wird. Das Reichsgebiet wird i'n 2 25 Wahlkreise eingeteilt. Gewählt ist. wer in einem Wahlkreis die absolute Mehrheit aller gültigen Stimmen erreicht hat. Darüber hinaus soll jede Partei oder jeder Wahlvorschlag soviel Abgeordnetensitze zugeteilt erhalten, als es ihrem prozentualen Qlnteil an der Gesamtzahl der im Reiche abgegebenen Stimmen entspricht. Es müssen aber auf die betreffende Partei oder den Wahlvorschlag im gesamten Reichsgebiet mindestens 3 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen gefallen fein. Bei Anteilfähen entscheidet daS Los. Wahlberechtigt sollen außer den 20 3ahre allen Deutschen auch Oester - reicher fein, die länger als ein 3ahr in Deutschland leben. Politische Schutzhaft schließt das Wahlrecht nicht aus. Dagegen sollen Reichswehrangehörige nicht wahlberechtigt sein, wohl aber Ausland- deutsche, die sich gerade im Reiche aufhalten. Die Benennung eines Bewerbers muh in jedem Wahlkreis durch mindestens 500 Wahlberechtigte des Wahlkreises unterzeichnet sein. Es genügen aber zehn Unterschriften, wenn die Partei des Kandidaten im letzten Reichstag mit 15 Abgeordneten vertreten war. Zentrum und Koalition. Eine Rede Stcgcrtvalds. Büren (Westfalen), 24. März (WTB.) Auf einem Parteitag des Zentrums hielt der Reichstagsabgeordnete Dr. Stegerwald eine Rede über die politische Lage, in der auch auf die Koalitionsfrage zu sprechen kam und u. a. sagte: Es gibt nur dreierlei: entweder Diktatur oder Reichstagsauflösung, oder aber f e ft e Koalition. Diktatur bedeutet praktisch die Zerreißung der Reichseinheit. Reichötagsauflösung bedeutet Stärkung des Radikalismus. Mithin bleibt nur der Weg zu einer festen Koalition offen. Parteipolitisch wäre es für die Zen rumspartei das Beste, sie bliebe noch längere Zeit außerhalb der Regierung. Die Parteien sind indes nicht Selbstzweck; sie sind insbesondere im Zeitalter des parlamentarischen Regimes 3nftrumente der Politik und des Staates. Wer im Zentrumslager ein bewußtes Fernbleiben von der Regierung will, arbeüet praktisch, ob gewollt oder ungewollt, an der Anbahnung der Diktatur. Jede Regierungskoalition hat sich bewußt zu sein, daß die deutsche Politik in den nächsten 3ahren auf allen Gebieten Ausgleichspolitik sein muß. Alle Parteien, die in der Regierung vertreten sind, müssen in den nächsten Fahren den Witten mitbringen, den Staatswagen ohne Rücksicht auf vorübergehende Popu- larität oder Llnpopulärität uner allen Umständen bergauf zu schieben. Sie nützen damit dem deutschen Volk, dem Staat und profitieren dabei, auf längere Sicht gesehen, bestimmt auch selbst. ' Die Vereinigung Waldecks mit Preußen verfassungsmäßig. Leipzig, 23. März. (WB.) Die Waldecksche Partei ,W i r t s ch a f t s b u n d" hatte gegen das Land Waldeck uni) die waldecksche Landesvertretung beim Staatsgerichtshof für das Deutsche! Reich Klage erhoben auf Ungültigkeitserklärung des waldeckschen Gesetzes über die Wahl zur waldeckschen Landesvertretung. Weiter wurde beantragt, die Wahl vom 17. Mai 1925 zur waldeckschen Landesvertretung für ungültig au erklären und festzustellen, daß die waldecksche Landesvertretung i n ihrer gegenwärtigen Zusammen- setzungzuälnrecht besteht. Schließlich wurde beantragt, das weideässche Gesetz über die "Bereinigung Waldecks mit Preußen vom 4. April 1928 für ungültig zu erklären, da es eine auf Grund eines ungültigen Gesetzes zustande gekommene Landesvertretung beschloß. Der Staatsgerichtshof wies in einer nichtöffentlichen Beschlußsihung sämtliche Anträge der Waldeck-' scheu Partei Wirtschaftsbund zurück. Kündigung des Lohnabkommens im Nutz bergbau. B o ch u m, 24. März. (WB.) 3n einer Funktionärkonferenz des Alten Bergarbeiterverbandes für das gesamte Duhrrevier wurde einstimmig beschlossen, das bestehende Lohnabkommen im Ruhrbergbau zum 1. Mai d. 3. zu kündigen. Die Bezirksleitung wurde ermächtigt, gemeinsam mit den übrigen am Tarif beteiligten Bcrgarbeiterorganifationen die Kündigung zu vollziehen und sich für die Schaffung eines verbesserten Lohntarifs einzusehen. Die gestern in Essen abgehaltene Konferenz deS Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands war ebenfalls einstimmig der Auffassung, die Lohnordnung zum nächstmöglichen Termin zu kündigen. Wann verläßt Pius XI. den Vatikan ? Rom, 23. März. (TU.) Das katholische Mailänder Blatt „Italia" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß der Papst den Q3ati* Jan am 24. Juni -um erst« Male verlass^ werbe, um sich nach der Lateran-Basilika zu begeben. Entgegen früheren Angaben soll dieser erste Besuch der römischen Grzbasilika nicht deren formelle Besitzergreifung bedeuten, sondern ausschließlich einer stillen Andacht in der Mutterkirche aller katholischen Gotteshäuser und der Bischofskirche des PapsteS dienen. Oie Wahlen in Italien. Am zehnten Jahrestag des FasziSmuS. A o m. 24. März. (WTB.) Der zehnte Jahrestag der Gründung faszistischer Verbände wurde gestern in ganz Italien festlich begangen. In vielen Städten wiesen die Vertreter der Behörden und der faszistischen Partei in Ansprachen auf die Bedeutung des Tages hin und forderten im Hinblick auf öic heutigen Wahlen die Bevölkerung auf, durch ihre Abstimmung der Zu- stimmung au dem von der faszistischen Staatsordnung vollendeten Werke Ausdruck zu geben. Die öffentlichen Gebäude und Privathäuser hatten die italienische Trikolore gehißt und am Abend illuminiert. 3n Rom herrschte den ganzen Tag ein festlich bewegtes Treiben. Auf dem Colonna-Platz hielt der Sekretär der faszistischen Partei, T u r a t i, vor Tausenden von Schwarzhemden und einer ungeheuren Volksmenge eine Ansprache, in der er der Verehrung für Mussolini Ausdruck gab. Aach einer Meldung der „Agenzia Stefani" vollzogen sich die Wahlen im ganzen Königreich unter großer Begeisterung der Bevölkerung. Hervorragende Persönlichkeiten aller Berufsstände machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, unter ihnen der Kronprinz, Mussolini, Generalsekretär Turati, die Kardinäle, Bischöfe und der gesamte Klerrrs, die Veteranen des Weltkrieges und die Kriegsbeschädigten. Die Besatzungen der Dampfer, die sich auf hoher See befanden, verliehen auf telegraphischem Wege ihrer Anhänglichkeit an das Regime des Duce Ausdruck. Die Wahlbeteiligung betrug bis 4 Uhr nachmittags 80, 90 und in einigen Bezirken sogar 95 Proz. der eingetragenen Wähler. In vielen Ortschaften begaben sich die Bauern und Arbeiter in geschlossenem Zuge mit Musikkapellen und mit wehenden Fahnen zu den Wahllokalen. In einigen Gemeinden mußten die Bürgermeister Listen auflegen, in denen sich die Aichtberechttgten eintrugen, um ihrer Loyalität gegenüber der Regierung Ausdruck zu verleihen. DieTrauerseierfürRarsHallFoch Aufbahrung unter dem Triumphbogen. Paris, 24. März. (Telun.) Am Sonntag- 1 vormittag erfolgte im Beisein des Verteidigungsministers P a i n l e v 6 die Ueberführung der Leiche des Marschalls Foch aus seiner Wohnung zum Triumphbogen. Schon seit den frühen Morgenstunden waren die angrenzenden Straßen von einer großen Menschenmenge angefüllt. Unter den Klängen der Marseillaise wurde der von der Trikolore bedeckte Sarg auf die Lafette gehoben, die von Generalstabsoffizieren mit gezogenen Degen begleitet wurde. Die Witwe und -die beiden Töchter des Verstorbenen nahmen mit dem General W e y g a n d in einem Wagen Platz. Der Zug wurde von Kavallerie-Abteilungen eröffnet. Unter dem Triumphbogen, wo das Grab des unbekannten Soldaten mit zahlreichen Blumenspenden geschmückt ist, fand die Lafette mit dem Sarge inmitten von vier Kandelabern Aufstellung. Am Kopfende liegt die Standarte des Marschalls. Dann begann der Vorbeimarsch der ungeheuren Menschenmenge. Auf Bitten der Witwe Fochs wird der Sarg bereits am Sonntagabend in die Aotre Dame-Kirche überführt werden. General Sarrail gestorben. Paris, 23. März. (WTB.) General S a r r a i l ehemalige Oberkommandierende der Orientarmee, ist in seiner Pariser Wohnung im Alter von 73 Jahren gestorben. General Sarrail führte während der Marne-Schlacht eine Armee und erhielt dann den Oberbefehl in den Argonnen, bis er nach den deutschen Teilerfolgen Ende Juli 1915 des Oberbefehls enthoben und mit dem Oberbefehl im Orient betraut wurde. Dezember 1917 wurde er auch hier abberufen und schließlich April 1918 in die Reserve versetzt. Sarrail gehörte der linksrepublikanischen Partei an und war u.a. gegen die Ruhrbesetzung aufgetreten. Rach dem Wahlsieg der Linksparteien im Mai 1924 wurde er ohne Altersgrenze wieder in den aktiven Dienststand versetzt und bald darauf an Stelle Weygands zum Oberkommissar in Syrien und zum Oberbefehlshaber der französischen Levantearmee ernannt. Nach der Beschießung von Damaskus wurde er Ende Oktober 1927 vom Kabinett Briand abberufen. Zuspitzung der Lage in China. Tschiangkaisckek zur Verteidigung des Staates entschlossen. Schanghai, 23. März. (Agentur Indo Pacifigue.) Der den, Heere des Marschalls Feng Vusiang angehörende General W e i h i s ch a u beteuert seine Loyalität gegenüber Nanking, läßt aber seine Truppen auf Nanking z u marschieren. In Hankau haben die militärischen Behörden die Kulis gezwungen, Munition, Waffen und Gepäck zu transportieren. Im Arsenal in Nanyang wird Tag und Nacht an dec Fertigstellung von Munition gearbeitet. Die Truppen von Wukan unter dem Befehl des Generals Pchschi verfolgen die Degierungstruppen weiter bis über die Honan- und Kiangsi-Grenze hinaus und dringen bereits in die Kiangsi-Provinz ein. Die Mobilisierung der Regierungstruppen erstreckt sich auf mehr als acht Divisionen. Es handelt sich dabei durchweg um ehemalige Truppen der ersten Armeegruppe des Generals Tschiangkaischek: der letztere hat sich zum Verteidiger des Staates und der Gesetze der Kuomintang ausrufen lassen. Vermittler bemühen sich weiter, einen Bruch zu verhüten, aber es schemt dazu bereits zu spät zu sein. Die Regierungstrz^ppen find in die Honan-Pro- vinz eingerückt, dre aufständischen Truppen konzentrieren sich um die wichtigsten Städte. Tschiangkaischek hat erklärt, die Nanking-Regierung sei eine revolutionäre Regierung. Er werde nicht zögern, zu revolutionären Maßnahmen zu schreiten, um den Triumph der Grundsätze der Revolution zu gewährleisten. Sohn Graf Christian Friedrich teilte dem Untersuchungsrichter mit, daß sein Vater es mit der ehelichen Treue nicht allzu genau genommen habe. Ob diese Bekundung geeignet ist, eine Klärung herbeizuführen, ist fraglich. Da eine Klarheit bisher nicht erreicht ist, hat sich der Oberstaatsanwalt entschlossen, bei den, Regierungspräsidenten die Aussetzung einer namhaften Belohnung zu beantragen. Drei Krankenschwestern unter Mordverdacht verhaftet. Drei Krankenschwestern, die am Krankenhaus in Kuttenberg (Böhmen) tätig sind, wurden unter dem Verdachte verhaftet, an dem mutmaßlichen Mord an Dr. Cymbalow und dem Moröanschlag auf Dr. Kral beteiligt zu sein. Bei der mikroskopischen Untersuchung der weihen Mäntel und eines Koffers der Krankenschwestern wurde derselbe Glas staub entdeckt, den man in den Eingeweiden Dr. Chmbalows gefunden hatte und auf den man den Tod des Arztes zurückführt. Zwei Wärter sind unter dem gleichen Verdachte verhaftot worden. verwegener Eisenbahnraub in Polen. Zwei Banditen schlichen sich in Verkleidung als Eisenbahnbeomte unter dem Vorwande, notwendige Reparaturen durchzuführen, ,n den Postwagen des PersonenzugeS 5km- blin—Krakau ein. Einige Kilometer vor der Station Puetkow überfielen sie plötzlich den Po st beamten, der gerade mit dem Sortieren der Briefe und Sendungen beschäftigt war, und warfen ihn aus dem Wagen des Zug es. Dann plünderten sie in aller Gemütsruhe die Geldsendungen des Zuges, sprangen mit 130 000 Zloty aus dem fahrenden Zuge und e y t k a m e n im nahen Walde. Der Raub wurde erst in der nächsten Station entdeckt. Eine sofort entsandte Streife hat bisher kein Ergebnis gehabt. Der aus dem Zuge geworfene Bahnpostbeamte wurde mit schweren Verletzungen in das Hospital von Krakau eingeliefert. Siebzehn Tote bei einem Eisenbahnunglück in Kanada. Vei Parry S o und (Ontario) stießen zwei kanadische Schnellzüge in voller Fahrt zusammen. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Die Eisenbahnkatastrophe hat nach den amtlichen Feststellungen eine weitaus höhere Zahl von Opfern gefordert, als zunächst angenommen wurde. S i e b- zehn Personen wurden getötet, fünf schwer verletzt. 5tec Zusammenstoß ereignete sich aus einer eingleisigen Linie und wurde dadurch herbei geführt, daß der eine der Züge, der in einem Ausweichgleis die Vorbeifahrt des entgegenkommenden Zuges hätte ab- warten müssen, die Fahrt f o r t s e tz t e. Ein gutes Geschäft. In H a l l e bot eine junge Frau, die den Sowjetstern trug und gebrochen russisch sprach, den kommunistischen Familien russische Bilderbücher für 1,50 Mark das Stück an. Sie gab an, der Ertrag diene der Weltreoolution und dem Proletariat. Dabei machte sie auch ein gutes Geschäft. Die Käufer aber mußten nachl-er feststellen, daß sie tschechische Fibeln aus der Vorkriegszeit erhalten hatten, auf deren ersten Seite sich das Bild des Kaisers Franz Joseph befand. Schwindeleien bei einem gemeinnützigen Dauoetein. 3n Düsseldorf wurden drei Vorstandsmit- 9 lieber des gemeinnützigen Bauvereins Bauhilfe für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene und der Geschäftsführer einer Baugesellschaft festgenommen, die vielfach vorbestraft sind und schon mehrfach Konkurs gemacht haben. Sie hat- ten sich durch verschwenderisches Leben verdächtig gemacht. Es wird ihnen zur Last gelegt, kriegs- j beschädigte Bauherren um insgesamt 150 000 bis 180 000 Mark betrogen zu haben, indem sie von Bauunternehmern Provision von 10 bis 15 Prozent nahmen, die zum Schaden der Bauherren versteckt in den Preis eingerechnet waren. Die drei Vorstandsmitglieder sind geständig. Bergsturz in Ober-Oesterreich. 3n Schälchen bei Braunau am 3nn riß ein katastrophaler Bergsturz ein Haus zur Hälfte weg. Vier Personen, eine Frau mit drei Kindern im Aller von zwei bis fünf Jahren, sind von den Felsenmasten, die teilweise die Größe kleiner Häuser hatten, verschüttet worden. Es wi-d befürchtet, daß sie den Tod gefunden haben. Eine Person wurde schwer der- Wo flehen Vir in Hessen? Minister Leuschner verlangt Ermächtigungen für die Regierung zur Durchführung ihres Sparprogramms. Guntersblum, 24. März. Am Sonntag sprach hier Innenminister Leuschner über die politische Lage Hessens. Der Redner betonte zunächst, daß die sozialdemokratische Partei unter keinen Lim ständen ihre Zustimmung dazu geben werde, daß die R ä u m u n g des beseht en Gebietes mit neuen La st en erkauft werde, und fuhr dann fort: ®ie R o t der Landwirtschaft, die wir anerkennen, ist eine der ernstesten Sorgen der Regierung. Wir freuen uns des Tages, an dem wir die Möglichkeit haben, der Not der Landwirtschaft, des Handels und Gewerbes und den Lasten, die der Arbeiterstand zu tragen hat, wirksam entgegentreten zu tonnen. Eine solche Möglichkeit besteht aber nur dann, wenn wir inderFrage der Repar ationen wesentliche und grundsätzliche Erleichterungen zugestanden bekommen. Die finanzielle Lage des Reiches ist zur Zeit außerordentlich ernst. Die vollen Reparationslasten von 2,5 Milliarden, die außerordentliche Höhe der Ausgaben für die Arbeitslosen in diesem Winter und das Defizit, das die augenblickliche Regierung von der vorigen zu übernehmen hatte, machen diesen Ernst deutlich. Die steigende Zahl der Konkurse auch alter, bestrenommierter Firmen ist ein weiteres Zeugnis dieser Lasten. Wir haben unsere Zustimmung dazu gegeben, daß die 11 eb ertoei- Jungen an die Länder und Gemeinden um 120 Mill. Mk. gekürzt werden. Eine höhere Summe, 300 Mill. Mk., wie sie von den Deutsch- nationalen und dem Hansabund beantragt wird, halten wir für die Existenz von Ländern und Gemeinden für gefährlich. Würden die Reichsüberweisungen um 120 Mill. Mk. gekürzt, so bedeutet das für Hessen bereits eine Wenigereinnahme ü on 8,5 Mill. Mk.. wovon das Land 4 Millionen, die Gemeinden 4,5 Mill. Mk. zu tragen haben würden. Bei allem Verständnis für die Nöte des Reichs stehen wir auf dem Standpunkt, daß Länder und Gemeinden einen Anteil der Reichssteuern behalten müssen. Die Lage in Hessen ist unter diesem Gesichtspunkt nicht rosig. Neben der obengenannten Mindereinnahme erhalten wir eine Mindereinnahme aus der Sondergebäudesteuer von 2 Mlll. Mk. nach einem Beschluß des Landtags, der der Landwirtschaft Erleichterung brachte. Wir haben in diesem Winter 1,2 Mill. Mk. Mehrausgaben für Erwerbslose gehabt. Dazu kommen Mehrausgaben infolge der neuen vom Reich ausgegangenen und von den Ländern übernommenen Erhöhungen der Beamtengehälter. Wenn die hessische Regierung dennoch keinen Etat mit einem Defizit von 20 Mill. Mark, sondern nur von 5,25 Mill. Mk. vorlegt, so ist das ein Ausdruck des Willens zu rücksichtsloser Sparsamkeit. Wir werden diese rücksichtslose Sparsamkeit mit aller Kraft durchsetzen. Wir werden unsere Pläne und Ziele aber der Oeffentlichkeit ebenso rücksichtslos vorhalten, weil wir es als im Interesse des hessischen Volkes liegend halten. Es ist nicht leicht, ein Amtsgericht oder ein Kreisamt aufzulösen. 3n diesem Kapitel haben wir im Landtag noch nie eine Mehrheit bekommen. Das ist vom 2lb- geordnetenstandpunkt auch verständlich, denn kein Abgeordneter dürfte sich wieder daheim sehen lassen, wenn er nicht durchdrückt, daß das Amtsgericht seiner Stadt oder das Kreisamt seines Kreises bestehen bleibt und das eines anderen Kreises aufgelöst wird. Die Regierung muß daher gewisse Ermächtigungen erhalten, um diese Sachen im Interesse des hessischen Volkes durchzuführen. Amerikanische Küstenwachischiffe versenken einen englischen Schmuggler. Neuyork, 23.März. (WTB.) Der in Dri- tisch-Honduras beheimatete Schoner „2 m a - lone" traf gestern auf der Höhe der Küste von Louisiana mit zwei amerikanischen Küftenwachtfchiffen zusammen, die auf ihm Kontrebande vermuteten und ihn deshalb zum Halten aufforderten. Da das englische Schiff das Signal nicht • beachtete, kam es zu einem Gefecht, das mit der Versenkung des Schoners endete. Die ganze Besatzung mit Ausnahme eines schwarzen Matrosen wurde gerettet. Die Mannschaft des Schoners ist an Land gebracht worden. Ein Mann der Besatzung wurde durch das Geschühseuer getötet. Nach Aussagen von Mannschaften der Küstenwache hat der Schoner, ehe er feine Operationen in den hiesigen Gewässern aufnahm, drei Jahre hindurch an der Neu-Sngland-Küste einen erfolgreichen Schmuggel mit geistigen Getränken betrieben. Nach den Berichten der amerikanischen Behörden ist die Beschießung des britischen Schoners innerhalb der Grenzen der amerikanischen Gericht sb ar- k e i t erfolgt. Nach einer Meldung aus Washington sprach der britische Botschafter, Sir Esme Howard, beim Staatsdepartement vor und ersuchte um sofortigen Bericht über den „2malone"-Fall. Der Botschafter erklärte, er habe weiter keine Kenntnis von der Angelegenheit als was er aus den Zeitungen erfahren habe. Der Vorfall könne jedoch eine ernste Bedeutung haben. Sparmaßnahmen Hoovers. Washington, 22. März. (WB.) Präsident Hoover hat bereits wichtige Entscheidungen zur Schonung feiner Gesundheit und zur Verminderung seiner Amtsausgaben getroffen. Er hat die täglichen Empfänge von Bürgern zum Händeschütteln von sechs auf gwei Tage herabgesetzt und wird nur bei außergewöhnlich wichtigen Anlässen Reden halten. Ferner wird Hoover den von Covlidge beantragten und vom Kongreß auch bewilligten S o m - m ersitz des Weißen Hauses nicht instandseyen, und schließlich hat Hoover heute die Auflegung der Präsidentenjacht „Mayflower" in einem Trockendock angeordnet, da der Betrieb der Jacht 300 000 Dollar jährlich koste und außerdem der Marine Personal entziehe. Bus aller Welt. Schweres Unwetter in den amerikanischen Siidftaaten. In verschiedenen Gegenden der acht Südstaaten haben Stürme und Wolkenbrüche große Verheerungen angerichtet, die den durch die kürzlichen Ueberschwernmungen verursachten Schaden noch vergrößert haben. Die Flüsse sind wieder aus den Ufern getreten, und in den östlichen Teilen der Staaten Tennessee und Kentucky haben sich die Gebirgsbäche in reißende Ströme verwandelt und viele Häuser weggeschwemmt. Das Gebirgsdorf Eoal Creek nördlich von Knoxville soll durch einen Wolkenbruch vollständig zerstört worden sein. In Gloster sind fünf Häuser von einem Orkan in Trümmer gelegt worden. Dabei wurden drei Personen getötet. Auch in Millport in Alabama wurde durch einen mit heftigen Regengüssen verbundenen Sturm eine Reihe Gebäude zerstört. Zwei Kinder wurden verletzt. In der Nähe von Rockwood (Tennessee) wurden 2 8 Pfadfinder in einer Blockhütte auf einer kleinen Insel im WhiteCreck-Fluß vom" Hoch- w a s s e r ü b e r r a s ch t. Die Pfadfinder entdeckten das Steigen des Masters erst, als sie durch die Flut überrascht wurden. Sie flüchteten auf das Dach, da ein Durchschwimmen des wißenden Stromes nicht möglich mar. Das Blockhaus wurde plötzlich fortgeristen. Alle 28 Pfadfinder sind ertrunken. Der Mord aus Iannawih. Der auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedene Gras Eberhard zu Stolberg- Wernigerode auf Zannowih ist unter starker Beteiligung aller Devölterungstreife auf dem Friedhof beerdigt worden. Neben zahlreichen Anverwandten und vielen Mitgliedern des schlesischen Adels gaben sämtliche Ortsvereine mit ihren Fahnen und die Feuerwehr dem Toten das letzte Geleit. Der unter Mordverdacht verhaftete T letzt. Militär und Gendarmerie sind zur Hilfeleistung herangezogen worden, Es besteht die Gefahr eines weiteren Bergsturzes. Die heiraislust hält an. Die vom Statistischen Reichsamt vorgelegien Ziffern über die Bevölkerungsbewegung im dritten Vierteljahr 1923 zeigen ein weiteres Ansteigen der Eheschließungen. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten des Ilahres 1928 41 58 79 Ehen neu gegründet gegenüber 370 643 int gleichen Zeitraum des Vorjahres also rund 46 000 mehr. Die Heiratsluft hat also auch int vergangenen Jahre weiter angehalten. Auch die Zahl der Lebendgeborenen war mit 92 711 um 4000 höher als im dritten Vierteljahr 1927. Da andererseits die Zunahme der Lebendgeborcnen durch die gleichzeitige Vermehrung der Sterbefälle annähernd aufgehoben wurde, war der Geburtenüberschuß im dritten Vierteljahr nut ungefähr ebenso groß wie im gleichen Zeitraum das Jahres 1927. Er betrug 123 989 oder 7,8 auf 1000 Einwohner. Es ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, daß dieser relativ geringe Lleberschuß bei der Eigenart unseres gegenwärtigen Altersaufbaus zu falschen Schlüssen führen kann. Der bekannte Bevolkerungsstatistiker Oberregierungsrat Durgdörser hat erst vor einigen Togen den Nachweis erbracht, daß Wit alles in allem keinen Geburtenüberschuß, sondern einen Geburtenausfall von 1,5 pro Mille in Deutschland zu verzeichnen haben, somit die deutsche Geburtenziffer um rund 10 Proz. hinter dem zur Erhaltung des Bevöllerungs- standes notwendigen Plus zurückbleibt. Es bedarf also erneut der Feststellung, daß Deutschland und insbesondere seine Großstädte ihren Bevölkerungsstand nicht mehr auf gleicher Höhe erhalten können. Daran ändert auch die Feststellung der erhöhten Eheschließungen nichts. Trotzdem ihre Zahl um etwa 10 Proz. angewachsen ist, ist der Geburtenrückgang nicht mehr auszuhalten. Die Bevölkerungsstatistiker sehen daher auch der weiteren bevölkerungspolitischen Entwicklung mit großer Skepsis entgegen. Ei» losgelöstes Lraktorenrad tötet ein Kind. Ein seltsamer Unglücksfall hat sich in Neukölln abgespielt. Dort löste sich von einem vorüberfahrenden Traktor ein Hinterrad und rollte aus den Bürgersteig in eine Gruppe spielender Kinder hinein. Dabei wurde ein achtjähriges Mädchen von dem viele Zentner schweren Rade erfaßt und getötet. Ein Berliner Palais soll Hotel werden. Das Palais Prinz Albrecht in der Wilhelm st raße gegenüber der Kochstraßenmündung soll ein Hotel werden. 3rt dem Park soll als Ergänzung ein Hochbau von acht Stockwerken für die Zwecke des Gasthauses aufwachsen. Berliner Börse. Be r l i n, 25. März. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es schon zum Schluß der vorigen Woche auf G-att- stellungen schwächer war, rechnet man im heutigen Frühverkehr eher mit weiteren Kursrückgängen. D s ausgesprochen schwache Neuyork, die Überraschende Diskonterhöhung in Holland um 1 v. H. auf 5,5 n S). und der zu erwartende Lohnkonflikt im Ruhrbergin i sind Momente, die im heutigen Verkehr eher zu Abgaben führen könnten. Kurse sind vorläufig noch mevt zu hören, da sich, wie immer am Montag, so früh noch kein Geschäft entwickeln konnte. Am Devisenmarkt nennt man London gegen Paris 124,24, Laudon gegen Mailand 92,70, London gegen Spa ien 32,10, London gegen Kabel 4,8540, Kabel g gen Berlin 4,2150. Oie Wetterlage. Ü Carunj Sonntag, 24. MArz 1929 8b mgs. ©wolkenlos ($ neuer. O na'b oedecM. »wolkig, ♦bedeckt * Schnee a Graupeln b Nebel K Grwitvr.(^)windstille. •O* sehr leichte’ Ost massiger Südsüdwest Q stürmische" 'lordwesl tue Pfeue fliegen mit dem winde. Die beiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur a-> oie Linien verbinden Orte mit gleichen, eyf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck TVctLervor..uc-sage. Der hohe Druck über Mitteleuropa hat sich gehalten. Somit kommen die im Nordwesteu lagernden Tiefdruckstörungen bei uns weniger zur Geltung. Wenn auch an der Südseite des Tiefs ozeanii ,abei wurde ein achtviele Zentner schweren soll Hotel werden. Albrecht in dek über der Kochstraben- -erden. In dem Park >chbou von acht 6iod» Jaslha'^ses ausvachsen. Börse. 8. tzuntjpluch.) Nachdem -rigen Mche aus G.on- cchnet man im heutigen en fiursrüifgangen. ? s lyork, die überraschende um 1 v. J). aus 5,5 n ?). koiiflilt im Sluhrbergban en Verkehr eher zu sind oorläiijg noch n^'t r am Montag, io lru:) konnte. Am Teoijcü- >x\=> l'M London MN Lpn »en ;l 4,8540, y-abel S S-n erläge. d /wx Zot'i L„ 2 an 2ge^ ß bis ** -Tg Aus der Provinzialhauptfiadi. Drehen, den 25. März 1929. ^Tag des Buches". Sic Duchwoche in Gießen schloh am Samstagabend mit einer sehr 'gut besuchten Festveranstaltung in der Neuen Aula. Als Auftakt ein liebevoll vorgeiragener Sah aus Mozarts jugendfrischer „Kleinen Nachtmusik". Ein feingeschliffener Prolog von Alfred Dock, von Oberspielleiter Sanner t gesprochen, lenkte dann zum Sinne dieser Feierstunde, die Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität, Prof. Dr. Herzog, mit einem herzlichen Willkommens- gruh einleitete. 3m Buche der deutschen Wissenschaft als dem wirksamsten Propagandamittel für die Bewertung deutscher Kultur, ja deutscher Wesenheit im Auslande und im Buche der deutschen Dichtung, das wie nichts anderes geeignet ist, zusammenzuführen, was deutsch ist und deutsch fühlt auch jenseits der Grenzpfähle, begrüßte der Rektor den Wegbereiter eines größeren Deutschlands. Stadtschulrat Prof. Dr. Alles übermittelte die Wünsche des Oberbürgermeisters und sprach dem vorbereitenden Ausschuh mit Derlagbuchhändler Dr. Toepelmann an der Spitze den Dank der Stadtverwaltung aus für die Bemühungen um das Zustandekommen einer Gießens würdigen Buchwoche. Dann sprach Borries von Münchhau- f e n über den Wert des DucheS. 3n geistvollen und anregenden Ausführungen legte er dar, wie schließlich unser aller geistige Haltung auf Büchern steht, wie Wissen und Bildung überhaupt nur aus Büchern werden kann, aus dem willigen Eichversenken und Sicherarbeiten deS dort von den großen Geistern aller Welten und aller Zeiten niedergelegten Schatzes kultureller Güter. Vorträge können, wie der Dichter ausführte, ohne gleichzeitige Vertiefung in das Schrifttum selbst, nur zur Halbbildung führen, die niemals der Weg zur Bildung bedeutet, sondern eine üble, nutzlose Sackgasse ist, in der Oberflächlichkeit, geistiger Hochmut und Dünkel zu Hause find. Der Dichter wies dann auf die überwältigende Bedeutung des Buches, der Schrift im allgemeinen geradezu als Schnittpunkt zweier Welten, als Grenze zwischen der für uns unfaßbaren prähistorischen Zeit und den wenigen Jahrtausenden greifbarer Menschheitsgeschichte hin, an deren Schwelle das Buch in seinen verschiedenen äußeren Abwandlungen steht als Llebermittler alles menschlichen Wissens in »Kultur, Wissenschaft und Technik, aller menschlichen Dildungswerte schlechthin. War so das Buch durch die Jahrtausende der wahre Akkumulator aller geistigen Kräfte, so war eS unserer Zeit Vorbehalten, einen hin- und hergetriebenen ledernen Ball höher einzuschätzen als ein ehrwürdiges Pergament. 3n der krankhaften Liebersteigerung deS Sportbetriebes unserer Tage, in den Duch- gemeinschaften und den zur Oberflächlichkeit erziehenden Magazinen sieht Münchhausen die Gefahren für das Buch. Der Dichter sprach dann von der Lleberfremdung auf dem deutschen Büchermarkt und der hohen Mission des guten deutschen Buches als Propagandaträger deutscher Art im Auslande und schloß mit einem begeisternden Hymnus auf das Buch als wahren Freund, als Maßstab und Mittler. Rach einer Pause trug Borries von Münchhausen dann eine gut getroffene Auswahl eigener Balladen vor. Aus der Gruppe von Dichtungen historischen Stoffs sei die gewaltige, mit altieftamentarischer Kraft erzählte Ballade vom Zuge der Juden durch das Rote Meer genannt und die glutvolle, durch ihre Sprache besonders faszinierende Schilderung von dem eigenartigen Siege der ersten russischen Katharina über den Lürkensultan an den Ufern des Pruth. Rach einigen Proben feiner lyrischer Kunst entzückten das Publikum zum Schluß besonders das Preislied auf die „Hirschlederne" und das sehr launige „Alte Kleider". — Don dem gut abgestimmten, in allen Teilen wohlgelungenen Abend wird — so hoffen wir — auch nachhaltende werbende Kraft ausgehen für das gute deutsche Buch, das uns allen am Herzen liegen sollte, denn feine Zukunft wird auch unsere Zukunft fein. Daten für DienStag. 26. März. Sonnenaufgang 5.50 Uhr, Sonnenuntergang 18.22 Uhr. — Mondaufgang 19.49 Uhr, Monduntergang 6.33 Uhr. 1794: der Maker I. Schnorr von Tarolsfels in Leipzig geboren; — 1827: Ludwig van Beethoven in Wien gestorben Geboren 1770); — 1868: der ruf» fische Schriftsteller Maxim Gorki in Nishni-Nowgorod geboren. Hessische EierverweriungSzentrale. Am Samstagnachmittag fand unter dem Vorsitz von C. V c i t h (Reichelsheim) in der Gastwirtschaft von Faulst.ch Hierselbst eine zweite Versammlung zurGründungeinerEieroerwertungs» genossenschast statt, nachdem bereits am Samstag vorher eine vorbereitende Sitzung im Hotel Hopfeld abgehaltcn worden war. Den Verhandlungen am Samstag wohnte als Vertreter des hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft Regierungsrat Morneweg bei, der für die Gründung einer solchen Genossenschaft warm eintrat. Rach den Mitteilungen des Generalsekretärs Dr. Strub über Zweck und Ziel der Genossen» schäft handelt cs sich darum, mit Hilfe dieser Organisation die einheimische Eierproduktion zu fördern und dadurch der Eiereinfuhr aus dem Auslände entgegenzuwirken. Besonderer Wert soll auf die Qualität der Eier gelegt werden, die sortiert und möglichst nach Gewicht verkauft werden sollen. Erstrebt wird ein deutsches Frischei als Markenware. Die Eieroerwertungsgenossenschaft soll den An- und Verkauf übernehmen. Als Mitglieder der Genossenschaft kommen Geflügelzuchtoereine, Molkereien, Bezugs- und Absatzgenossenschaften und Geflügelfarmen in Betracht. Aus der Versammlung heraus wurde der Wunsch laut, eine Genossenschaft dieser Art für Oberhessen mit dem Sitz In Gießen zu gründen, da aber nach den Bestimmungen des landwirtschaftlichen Rotprogramms nur eine Zentrale für den ganzen Freistaat Hessen in Betracht kommt, der auch ein Reichszuschuß gewährt wird, einigte man sich auf die Gründung einer „Hessischen Eierverwertungszentrale c. G. m. b. H." mit dem Sih in Frankfurt a. M. Der Geschäftsanteil wurde auf 100 Mk., die Haftsumme auf 200 Mk. festgesetzt. Das Gründungsstatut trägt 19 Unterschriften; mehrere Vertreter von Genossenschaften und Geflügelzuchtvereinen haben deren Beitritt in Aussicht gestellt. 3n den Vorstand wurden gewählt: Säger (Ober« Hörgern) als Direktor. Wald (Alsfeld). Düringer (Gambach) und Rummel (Langen). Der Aufsichtsrat besteht aus Verbandsdirektor Berg (Darmstadt), D e 116 (Reichelsheim). Brohm (Darmstadt), Buß (Holzheim), Börger (Geilshausen) und D a h m c r (Butzbach). Die neue Genossenschaft trat dem Verbände der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften bei. Zwecks Erzielung eines geregelten Msahes müssen sich die Geflügelhalter der Genossenschaft zur Ablieferung bestimmter Giermengen verpflichten. Vornotizen. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Die morgige Vorstellung von „Caesar und Cleopatra" beginnt um 19.30 Ahr. Das mit vielem Beifall aufgenommene Lustspiel „Der Mustergatte" von Hopwood . wird am Mittwoch, 27. März, zum erstenmal wiederholt. Frau Auguste P r a s ch - Grevenberg gibt am Donnerstag, 23. März, ihr letztes Gastspiel. Sie wird sich von dem Gießener Publikum mit der erfolgreichsten Rolle ihres diesmaligen Gastspiels, als Kniertje in Herman Heyermans Seestück .Hoffnung auf Segen" verabschieden. Karfreitag: Einmaliges Gastspiel. Geistliche Wusikaufführung: „Parsifal", Fragmente aus bem Weihefestspiel von R. Wagner. Die Feier wird von folgenden Mitgliedern des Wiesbadener Stadttheaters gegeben: CH. ©treib (Tenor), R. Geiße-Winkel (Bariton), F. Mechler (Daß), Kapellmeister Willi Krauß. — Der Goethe-Bund teilt uns mit. daß der Abend von Anna Bahr-Mildenburg, der seinerzeit wegen Erkrankung der Künstlerin verschoben werden muhte, endgültig auf Donnerstag, 2. Mai, festgesetzt wurde. Die gelösten Theaterkarten bleiben tn Gültigkeit. (Siehe heutige Anzeige.) •• (Sin Reunzigjähriger. Der in weiten Kreisen unserer Stadt bekannte Musikdirektor Ehr. Kruse, Weserstrahe 16 wohnhaft, begeht am morgigen Tage feinen 90. Geburtstag. Der alte Herr ist geistig und körperlich erfreulicherweise noch bei voller Rüstigkeit, nur das Augenlicht hat etwas gelitten, so daß er nicht mehr vom Rotenblatt spielen tont. Aber airf dem Gedächtnis musiziert er gelegentlich immer noch mit großer Freude. Herr Kruse dürfte wohl der älteste Bürger unserer Stadt sein. •• Straßensperre. Wegen Ausführung von Ausbesserungsarbeiten an einer Drahtseilbahn wird die Provinzialstrahe Lardenbach bis Straße Freienseen —Mücke vom 25. März ab auf zwei Tage für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über den sog. Bodenweg in der Gemarkung Lardenbach. ** Vorzeitige R«. ntenauszahlung. Das Postamt teilt uns mit: Mit Rücksicht auf das Osterfest wird mit der Auszahlung der Militär- verforgungsgebührnifse für April am 27. März und mit der Auszahlung der Unfall- und Invalidenrenten für April am 30.Marz begonnen. Eine Dücher-Rothilfe. Der hessische Minister für Kultus und Dildungswesen teilt mit, daß er beabsichtigt, auS Anlaß deS deutschen Buchtages für eine Anzahl von besonders bedürftigen Volks- und Arbeiterbüchereien in Hessen eine kleine Buchspende aus Werken hessischer Dichter und Schriftsteller zu stiften. Büchereien. die aus dieser Spende bedacht zu sein wünschen, wollen ihr Gesuch unter eingehender Darlegung und Begründung ihrer Verhältnisse bis zum 1. Mai an das Ministerium für Kultus und Dildungswesen einreichen. •* Polizeiam t und Derkehrsver- eins-Versammlung. Dom Polizriamt Gießen wird und geschrieben: In der Jahreshauptversammlung deS DerkehrsvereinS Gießen am 19. d. M. hielt Herr Kaufmann Krämer, in Firma Süß, die Anwesenheit eines Vertreters des Polizeiamts bei den Versammlungen des Verkehrsvereins zur Entgegennahme von Wünschen und Anregungen für wünschenswert. Wir teilen hierzu mit, doch e-in Vertreter des Polizeiamts Gießen zu der Jahreshauptversammlung deS DerkehrsvereinS nicht eingeladen war und deshalb auch nicht erscheinen konnte. •’ Dertreterversammlung deS Hessischen Landes- Lehrervereins in Gießen. Rach einem Zeitraum von 30 Jahren findet in diesem Jahre zum erstenmal wieder in Gießen eine Dertreterversammlung der hessischen Lehrer statt, soweit sie im Hessischen Landes-Lehrerverein organisiert sind. Die Tagung am morgigen Dienstag, 26. März, wird im wesentlichen interne Vereinsangelegenheiten zu erledigen haben. Wichtigere pädagogische und schulpolitische Fragen stehen in diesem Jahre nicht zur Entscheidung und dürften auch wohl nicht zur Erörterung gelangen. •• Deutsche Dolkspartei. Man berichtet uns: Die am Dienstag im Hindenburg tagende Monatsversammlung der Frauengruppe der Deutschen Dolkspartei erfreute sich trotz deS schönen Frühlingswetters eines guten DesucheS. Provinzialgeschäftsführer Dr. Weißer erstattete einen ausführlichen Bericht über den Landesparteitag in Mainz. Anschließend referierte die erste Vorsitzende der Fxauengruppe. Frau S ch u d t, mit großer Gründlichkeit und Sachkenntnis über den Referentenentwurf eines Gesetzes über die Beschäftigung in der Hauswirtschaft. Reben verschiedenen Heinen Wünschen wurde u. a. gefordert, daß in das Gesetz keine Bestimmungen übernommen würden, die den Haushalt einem Gewerbebetrieb gleichstellten und daß die Destimmungey so klar umrissen fein müßten, daß nicht durch die Verschiedenheit der Auslegungen Unstimmigkeiten herbeigeführt würden. Ganz entschieden wurde von der Versammlung die Fassung des § 20 (Mutterschutz betr.) abgelehnt. ** Der Gisenbahnverein Gießen hielt dieser Tage feine dieslährige, sehr gut besuchte Iahresmitgliederversammlung im Hotel Kobel ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Reichsbahn-Obersekretär Alt Haus, verlas zunächst den Geschäftsbericht. AuS diesem war zu entnehmen, daß der Verein im vergangenen Geschäftsjahre seinen Zweck, die Zusammengehörigkeit der Reichsbahnbediensteten zu fördern, die Geselligkeit unter ihnen zu pflegen und insbesondere der Doll- und Halbwaisen verstorbener Reichsbahnbediensteten Sjelfet zu sein, in reichem Maße erfüllt hat. Auch in Rot geratene Hinterbliebene verstorbener Dereinsmitglieder hat der Verein nach besten Kräften unterstützt. Der Verein hat m. E. in der Sozialfürsorge im vergangenen Jahre wieder sehr viel geleistet. Der Kassenbericht, der von dem Kassierer, Reichsbahn- WkklAkMWklle im neuen MM! Nur eigenhändiger und vollständiger •hb trag tn die Haus- und Firmenliften schützt vor den peinlichen Nachtellen mangelhafter Aufnahme in dem wichtigen Nachschlagewerk oder vor gänzlicher Ausschaltung. Die Sicherhett richttger Einträge in die Liften kann von den Hausbesitzern oder ihren Stellvertretern wesentlich gefördert werden durch die Überwachung ordnungsmäßigen Umlaufe der Liften. Überprüfung der Einträge, sowie rechtzeitige Bereitstellung Jmr Abholung durch die Polizeibeamten. Wem die Hrusliste nicht vorgelegt wurde, oder wer die Firmenliste nicht erhallen hat, woNe seine Rechte wahren durch Meldung beim Adreßbuchver.ag, Schulftrahe Nr. 7, ober durch Anruf mit Fernsprecher Nr. Ai. assistent Loos, verlesen wurde, zeugte von einer gesunden Finanzlage. Die Kassenprüfer hatten die Unterlagen zur Iahresrechnung geprüft unk» in gewohnter bester Ordnung gefunden. Dem Dereinsvorstand und Rechner konnte somit einstimmig Entlastung erteilt werden. Bei der Reuwahl deS Vorstandes wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder zum grüßten Teil wiedergewählt. Rur für einige inzwischen in den Ruhestand getretenen Vorstandsmitglieder wurde Ersatz gewählt. Zum Schlüsse der Tagesordnung wurden noch vier langjährige Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt. Zur Verschönerung der Zusammenkunft. namentlich im geselligen Teile, trug das hiesige Reichsbahn-Sängerquartett „Flügelrad" unter der Leitung seines rührigen Dirigenten mit wunderbar vorgetragenen Chören viel bei. ** Auftrieh auf dem heutigen Frankfurter Schlachtoiehmarkt: 374 Ochsen, 85 Bullen, 663 Kühe. 420 Färsen, 1276 Kälber, 139 Schafe und 6531 Schweine. Rundfunkprogramm. Dienstag, 26. März. 6,30: Morgengymnastik. 13,30: Schallplatten" Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35; Stunde der Jugend: Vorträge von Professor Dr. Fr. Drevermann: „Ser Mensch der Vorzeit". 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 13,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 biS 18,30: ßefeftunbe. 18,30 bis 18,40: Don Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund, Sprecher: Garteningenieur Karl Hinze. 18,40 bis 19: Von Kassel: .Mittelalterliche Dichtungen", Vortragende Auguste Prasch- Grevenberg. 19 bis 19,30: .Fürsorgeerziehung", ein Diergespräch. Sprecher: Dr. Heinrich Meng, Frankfurt, Dr. Wehn. Wiesbaden, Dr. Verlege-, Frankfurt, und Dr. Paul Laven. Frankfurt. 19,30: Don der Stadthalle Koblenz: „Sie Matthäus- Passion" von Dach. Mittwoch. 27. Mär;. 6,30: Morgengymnastik. 13,15: Schallplatten- Konzert: 5. Sinfonie von Tschaikowsky, op. 64. Willem Mengelberg mit dem Konzertgebouw- Orchester. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Mundharmonikakonzert der Volksschule in Bermuthshain, Kreis Lauterbach in Hessen, Thorierter: Lehrer Karl Winter. 15,55 bis 16,05; Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: W. Mus- sorgsky. 18,10 bis 18,30: Dücherstunde. 18,35 bis 18,45: Stunde des ChorgesangS: Vortragender. Max Dartsch. 18,45 bis 19,05: „Verdi-Renaissance", Vortrag von Dr. Paul Stefan. 19.05 bis 19,20: Senckenberg-Viertelstunde: „Zoologische Forschungen in Spanien II", Vortrag von Dr. F. HaaS. 19,20 bis 19,45: Don Königswusterhausen: „Genosscnschc f en und deutscher Mittelstand',- o - trag von Prof. Dr. Stein. 19,45: Dom Landes- Theater Darmstadt: „Sly", Oper von Ermanno Wolf-Ferrari. 6L ZIGARETTE OHNE MUNDSTÜCK . .* • T r-*J■ Sv';. : ' M w. r Ä&L VT." Arbeitsvergebnnq. . Für den Um- und Erweiterungsbau der Gewerbeschule sollen unter Zugrundelegung der Reichsverdingungsordnung die Verputz» und -lnstrcicherarbeiten in 3 Losen vergeben werden. Angebote aus Vordruck sind bis zum Eröffnungstermln am Mittwoch, den 3. April, vormittags 10 Uhr verschlossen und versiegelt, sowie mit ent-- sprechender Aufschrist versehen, bei uns einzureichen. 2729C Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen. Gießen, den 23. März 1929. Städtisches Hochbauamt. _____________Gravert._____________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Leihgestern verkauft einen fehlerfreien erstklasngen, 20 Monate alten, rotscheckigen Timmentaler Zuchtbullen zur Zucht, wegen Aufstellung eines Stationsbullens. Preisangebote sind bis zum 28. d. M-, nachm. 7 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle einzureichen. 2727V Ebenfalls wird ein erstklassig fetter Bulle int gleichen Alter zum Schlachten verkauft. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind im verschlossenen Umschlag, mit Aufschrift versehen, bis zum 28. d. M., nachm. 8 Uhr, bei uns einzureichen. Hess. Bürgermeisterei Leihgestern. Rutz- und Laden mit 3-Zimmer-Woh- nunfl tn der Wagen - gasse zu vermieten. Auskunft 2l. Becker. Kevlerstr. 9. s27200 Laden am Seliersweg zu vermiet. I. Baer, Ostanl. 29. [01646 I Mietgesuche I Schöne 5-Zim.Wohn. im 1. Stock od. Parterre, zu mieten gesucht. Gebe 4 Zim.- Wobng. tu Tausch Garage erwünscht, jedoch nicht Beding. Schrift!. Angeb. unt. 01520 a. d. Gieß. Anz. OMMHMHO BeWgnabmefrele 3-bts4-Zimmer- Wohnung mit Ztibe.ör zu mieten gesucht. Schrift!. Angeb. mit PreiSana. u. 2716D an den Gieß. Anz. Eisenbahn-Falirbeamlen-Verein Gießen. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem in Hamburg erfolgten Ableben unseres lieben Mitgliedes und Kollegen Herrn Friedrich Deibel Zugführer i. R. geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. _____________________2724p 1913 1863 Der Vorstand. 2723V Für die Familien Schön Gießen, Hanau, den 25. März 1929. 01637 Heuchelheim, den 25. März 1929. 251 ID unseres bestens. Teilnahme beim Heimgang Entschlafenen danken wir Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Helmgange unserer Heben Entschlafenen sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Geschwister Sack. Wir setzen unsere Mitglieder hiermit von dem Ableben unseres Heben Alterskollegen Friedrich Deibel in Kenntnis. Die Einäscherung fand In Hamburg statt. Sein Andenken wird bei uns weiterleben. Ausschreibung. Zur Ausführung der Neubauten 1. eines Finanzamts 2722D 2. eines Derforgungsamts in Gießen sollen in öffentlicher Verdingung vergeben werden: die Schmiede- und Annstschmiedearbeilen. Die Bauzeichnungen und Bedingungen liegen in den Geschäftsräumen der Neubauleitung II Gießen, Liebigstraße 16 (Alte Klinik), Zimmer 49, während der Dienststunden zur Einsicht aus. Die Verdingungsunterlagen können, soweit der Vorrat reicht, dort bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Anschrift versehen bis zum öffentlichen Derdingungstermin am 8. April 1929, und zwar für Bau 1 vormittags 11)4 Uhr und Bau 2 vormittags 12 Uhr an die Neubauleitung II, Gießen, einzusenden. Gießen, den 25. März 1929. Neubauleitung II der Baugruppe des Landesfinanzamts. Beroelinofl einet filötanlage. Für die Stadt Lauterbach (Hessen) soll die Ausführung der Kläranlage (Smscher- brunnc«) in Eisenbeton auf Grund der ReichSvcrdingungsordnung vergeben werden. 2728V Pläne, Berechnungen und Bedingungen liegen bei uns und unserer Nebenstelle in Lauterbach zur Einsichtnahme offen. Das Leistungsverzeichnis kann von uns und von unserer Nebenstelle in Lauterbach kostenlos bezogen werden. Eröffnungstermin LamStag, den 6. April 1929, vormittags 11 Uhr, auf unserem Amt, Frankfurter Straße 29. Freie Auswahl unter den Bietern bleibt ausdrücklich Vorbehalten. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 23. März 1929. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungs-Baurat. Trutzholzsubmission. Die Gemeinde Albach verkauft im Wege des schriftlichen Angebots: 2721V Eichenskämme. Güteklasse N. 1. Klasse 2 Stück, 0,42 km „ N. r. „ 2 „ 0,59 „ „ N. 3. „ 6 „ 7,41 „ Kiefern flämme. Güteklasse A. 3b-Klasse 2 Stück, 2,08 km „ A. 4a, „ 1 „ 1,58 „ Iichlenslämme. Güteklasse N. la-Klasse 48 Stück, 6,62 km „ N. lb- „ 63 „ 20,95 „ „ N. 2a* „ 17 „ 10,22 „ „ N. 2b* „ 19 „ 18,76 „ „ N. 3a* „ 4 „ 5,02 „ N. 4a, „ 1 „ 2,14 „ Derbstangen. 1. Klosse 51 Stück 4,59 km 2. „ 108 „ 6,48 ,, Angebote, nach Klassen und Sortiment getrennt, sind verschlossen und mit ent* sprechender Aufschrift bis zum Donnerstag, dem 28. Illörz 1929, nachmittags IV» Uhr, bei uns einzureichen, woselbst auch die Bedingungen, mit denen sich die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, cingesehen werden können. Das Holz ist mit Rinde gemessen und ist vorher einzusehen, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden. Albach, den 24. März 1929. Hessische Bürgermeisterei Albach. Lenz. Väü- undÄutzholzverfieigemng. A,n Dienstag, den» 26. März 1929, kommt in den Waldungen der Gemeinde Ettingshausen folgendes Nutzholz zur Versteigerung. 2671 D Schnittholz Kiefern 3a-Kl. 4 St. 6,8 fm „ „ 3- Kl. 3 St. 3 „ „ 4a*Kl. 2 St. 2,77 „ „ Fichten 3d-Kl. 8 St. 14,61 „ „ „ 4a-Kl. 4 St. 8,49 „ „ 4d-Kl. 1 St. 1,33 „ Langholz Fichte la* bis 2b-Kl. 175 „ Derbstangen Fichte 1. b S 3. Kl. 38,66 „ Nutzreifig Fichte 60 rm. Zusammenkunft vormittags 8 Uhr am Pflanzgatten. Das Schnittholz kommt vormittags zum Verkauf. Ettingshausen, den 23. März 1929. Hess. Bürgermeisterei. Opper. e das übrige Zubehör • Pholo-Amarale in großer Auswahl Photohaus 2717A < Central - Drogerie Scbulstrabe * * e> Achtung! Achtung: Kausfvaue« von GieHe« U. Umsesettdr Wollen Sie Geld soaren. dann kommen Sie morgen DienStag, den 26. März auf den Gemilsemarkt (Standplatz) Dort wird ein Waggon loflioiifiii. Skmöse gesunde, srostirete Ware, billig verkauft. I« Rotkohl, Wirsing und Weißkob!, das Pfund 20 Pfennig, ’/«Zentner 4.50. 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Die Auhenhandelsziffern stiegen gegen 1913 um 25 Prozent für die Einfuhr und um 17 Prozent für die Ausfuhr, die Produktion erreichte überall zumindest das Dorkriegsniveau, der Konsum stieg. Der seit einem Jahre andauernde starke Rückgang der deutschen Wirtschaftslage läßt die Frage auftauchen, ob cs sich hier nicht, wie schon vom Reichsbank- präsidenten und auch früher vom Reparationsagenten behauptet, nur um eine Scheinblüte gehandelt habe: ob nicht Deutschland sowohl die Reparationen wie auch die Investitionen seiner Industrie ganz oder zum größten Teil mit aus dem Ausland geborgten Geldern gezahlt hätte, und so, anstatt produktiv zu investieren, vom Kapital gezehrt hätte. Bedenkt man die Summe des von Deutschland langfristig im Ausland geborgten Geldes, so wird man feststellen, baß eS seit 1924 bis jetzt etwa genau so viel vom Ausland geliehen hat, wie cs an Reparationen gezahlt hat, nämlich 7,2 Md. Mk. Danach hätte es aus sich heraus — abgesehen von Sachlieferungen — keine wesentlichen transferierbarer Beträge produziert, da ja auch die Handelsbilanz passiv ist. Infolge der Belastung Deutschlands durch die für die Reparationszahlungen benötigten ungeheuerlichen Summen ist Geld in Deutschland sehr teuer geworden. Der Tagesdurchschnitt für tägliches Geld 1928 war 63/* Prozent, ein Bankkredit auch für erste Firmen kostet zumindest 9 bis 10 Prozent, Anleihen der Städte 9 Prozent! Bei diesen Sähen tft es der Industrie im ganzen genommen kaum möglich, auch nur eine bescheidene Rentabilität herauszuwirt'chasten. 'Betrachtet man die deutsche Wirtschaft, die Verluste durch die Blockade, den Vermögens- schwund in der Inflation, den Verlust des in den Kolonien investierten Kapitals, die Schäden durch die Sequestration, den Verlust deutscher Patente usw., so wird man durchaus nicht zu demselben günstigen Ergebnis kommen, wie derReparations- agcnt. Bei einem Passivum der deutschen Handelsbilanz von etwa 2 Md. Mk., der Zahlungsbilanz von ungefähr 2,8 Md. Mk. muß in der gegenwärtigen Depression ein deutliches Zeichen der Lleberlastung durch den Dawes-Plan gesehen werden, wie sie z.B. in mangelnder Exportfähigkeit zum Ausdruck kommt. Der Wohlstandsindex. Alm der endgültigen Regelung der Reparationen eine objektive Grundlage zu geben, an Hand derer die Entwicklung Deutschlands unter dem Dawesplan festgestellt werden könne, schlug die Sachverständigenkommission die Berechnung eines sogenannten Wohlstandsindex vor. Dieser wird nach folgenden Gesichtspunkten errechnet: 1. Gesamtsumme der deutschen Ein- und Ausfuhr. 2. Einnahmen und Ausgaben des Reichshaus- haltcs, des Haushaltes Preußens, Bayerns und Sachsens. 3. Eisenbahngüterverkehr nach Gewicht. 4. Wert des Verbrauchs an Zucker, Tabak, Bier und Branntwein. 5. Gesorntbevölkerung. Der erste Abschied. Do« Waldemar Dönsels. Es sind selten die großen Ereignisse, die unser Gemüt in Aufruhr oder Stille führen, sondern etwas ganz anderes, etwas, das ich die Ahnung vom Lesen des Lebendigen nennen mochte, den kaum spürbaren Abglanz jener Beschaffenheit des Men- schenwesens, aus dem alle Schicksale geboren werden, wie schon im ersten Blick zweier liebender Menschen der erste Herzschlag eines neuen Lebens schlummert. An jener Ahnung entzündet sich unsere eigenste Hoffnung, von ungewisser Erwartung bis zum brennenden Heimweh geführt, von der Unschuld zur Tot, und zuletzt zum langsamen Erwachen, über die rasche Jugend dahin, bis zur großen Einkehr, welche nur denen erspart bleibt, die ihre Augen mitten im Glanz der Jugend im Tode schließen. Zu diesen letzten gehört der eine jener zwei, von denen ich erzähle, vom späteren Ergehen des anderen weiß ich so wenig wie vom Geschick des Lesers, der vielleicht flüchtig seine Augen durch diese Zeilen gleiten läßt, um ihren Inhalt in der Unruhe des Lebens wieder zu vergessen. Beides waren Kinder, nicht einmal ihren Namen kenne ich, cs waren zwei Knaben von etwa zwei und vier Jahren, und ich beobachtete ihre Tagesstunden in der Sommersonne von einem grünen Versteck des Nachbargortens aus, in einer glücklichen Geborgenheit des Beschauens. Das Glück eines solchen Postens ist ein wemg indiskret, und man würde sich nicht allein rechtlos, sondern auch wie ein ungebetener Gast am Tisch des Lebens vorkommen, wenn nicht die Andacht solch tatlose Einmischung zu einer neidlosen Erkenntnis des Schönen umgestatten könnte. Jeden Morgen brachte ein alleres Dienstmädchen, zugleich mürrisch und gutmütig, die beiden Knaben in den Garten und setzte sie auf eine große rote Deoe auf den Rasenplatz unter vier Ahornbaumen, eie schüttete aus einem Korb die Trümmer einiger bis zur Unkenntlichkeit heimgesuchter Spielsachen neben den kleinsten von ihnen, der in der Ihegel uorsog, sich zunächst niederzusetzen, und entfernte sich, meist bis zum Mittag. Nun begann für meine beiden Nachbarn das große Leben. Ich weih erst seit ihrem Glück um nichts, wieviel Unnötiges wir Großen nötig haben.,Der Kleine bevorzugte deutlich den gebrochenen Kopf eines hölzernen Hahnes, den Schwengel einer Spieldose, deren Seele längst bis zur Lautlosigkeit durchforscht war, und einen braunen Gardinenring von der Größe eines Armbandes. Um diese drei Wunder menschlicher Erfindungsgabe gruppierte sich fein Glück. Er genoß ihre Herrlichkeit mit allen Sinnen, er betastete sie, ergötzte sich am Klang, den sie gaben, wenn man sie aneinanderschlug, und versäumte nie, sie zuletzt auch zu kosten. Er war in allem, was den Morgen hindurch geschah, derjenige, auf den es ankam. Sein' 6. Kohlenverbrauch per Kopf. Als Derechnungsgrundlagc für die Punkte 1, 3. 4 dient das arithmetische Mittel der Jahre 1912, 1913. 1926, 1927, 1928 und 1929, für die Punkte 2, 5, 6 das Mittel der Jahre 1927, 1928 und 1929. Als Grundlage des Index dient das arithmetische Mittel aus den so gewonnenen 6 Ziffern. Heute ist es also noch unmöglich, etwas über die Entwicklung dieses Wohlstandsindex zu sagen, da ja die Ergebnisse für 1929 noch nicht vorliegen. Der „Wohlstandsindex", von dem nun bei 6er jetzigen Reparationstagung die Rede zu sein scheint, ist nichts anderes als die Entwicklung Deutschlands während der letzten Jahre. Hierbei wird meistens ein Vergleich mit dem Jahre 1924 gezogen, wobei man Übersicht, daß 1924 das Jahr nach der Inflation und nach der Ruhrbesetzung, also das Jahr schwersten wirtschaftlichen Riederganges und einer niegesehenen Verarmung war. Deswegen werden von deutscher Seite stets dieErgebnissebes Ickten normalen Friedensjahres also von 1913 als einzig maßgebend bezeichnet. Es ist deshalb auch richtig, die heutigen Ziffern mit Hinblick auf die Ergebnisse von 1913 zu analysieren. Zu 1. Die Einfuhr Deutschlands hat sich gegenüber 1913 um 25 Prozent, die Ausfuhr nur um 17 Prozent erhöht. Irn Vergleich mit der Pro- duktions- und Konsumsteigerung der meisten übrigen europäischen Gebiete, ist Deutschland in der allgemeinen Entwicklung stark zurückgeblieben. Zu 2. Wenn es dem Deutschen Reich und den Ländern auch bis jetzt noch immer gelungen ist, ihre Haushalte ohne Defzit im Gleichgewicht zu halten, so ist es doch schon für dieses Jahr sehr schwer, das Gleichgewicht herzustcllen. Rur durch erhebliche Steuererhöhungen und durch äußerste Kürzung aller entbehrlichen Ausgaben wird dies möglich sein. Allein die Reparationsbelastung des ordentlichen Haushaltes macht mit 1200 Millionen Mark ein Achtel der gesamten Ausgaben aus. Zu 3. Die Entwicklung des deutschen Güterverkehrs ist von allen angeführten Punkten bei weitem die günstigste. Er ist gegenüber 1913 um 24 Prozent gestiegen. Zu 4. Der Verbrauch an Zucker ist gegenüber 1913 um 22 Prozent gestiegen: dagegen der von Bier auf 82 Prozent, der von Branntwein auf 48 Prozent des Vorkriegsstandes zurückgegangen. Zu 5. Obwohl Deutschland die Kriegsverluste an Menschenleben noch nicht verwunden hat, zeigt doch die Bevölkerungszahl ein dauerndes leichtes Ansteigen, aber die Zunahme ist i m Sinken begriffen. Zu 6. Der Kohlenverbrauch ist jetzt er st dem Vorkriegsoerbrauch wieder gleich geworden. Im ganzen dürfte Deutschlands Entwicklung hinter derjenigen des übrigen Europas zurückbleiben. Gibt also dieser Wohlstandsindex, selbst wenn er eine Besserung gegenüber 1924 aufweist, ein richtigeres Bild von Deutschlands Wohlstand, vom Lebensstandard des deutschen Volkes als die angeführten Zahlen von Ausfuhr. Einfuhr, Geldzins? Schließlich haben alle diese Bestimmungen für möglicherweise noch gesteigerte Reparationszahlungen ihre Basis im Diktat von Versailles, und dieses hat wiederum feine Begründung einzig und allein in der angeblichen älterer Bruder, der zweifellos, auch abgesehen von seinem Alter, der Stärkere und Gesündere mar, schien seine ganze junge Existenz in den Dienst des Bruders gestellt zu haben. Er diente ihm mit einer Hingabe und Geduld, deren Ernst mich tief entzückte, es schien fast, als trachtete er ihm die Ettern zu ersetzen, die ich erst später gesehen habe: wahrscheinlich befanden sie sich auf einer Sommerreife. Wer Kinder beobachtet hat, weiß, daß cs in der Regel zwischen ihnen umgekehrt zu sein pflegt, um so mehr fesselte mich die liebreiche Vorsicht des älteren Knaben, in der er über seinen Bruder wachte. Er schien von der Natur ein wenig benachteiligt gegen den jüngeren, der in seinem hellgoldnen Blondkopf mit der überzarten Gesichtsfarbe, wie ein unterirdischer Erdengast, einem kleinen Engel vergleichbar, eine unerkannte Demut im Herzen des Bruders auszulösen schien. Das mochte diesen für seine vier Jahre ungewöhnlich besonnen gemacht haben: ein wenig derb und nicht eben schön, wie er war, strich er oft sein rauhes Haar aus der Äinderstim und schien zu überlegen, was wohl der Bruder meinte, der es mit der Sprache durchaus nicht genau nahm. Dann mußte man achthaben und das Unverständliche erraten, aber trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, daß das Bruder- wescn zuweilen alle Lebenslust in einem weltvergessenden Geschrei aufgab. Schließlich verliert selbst ein Hahnenkopf vorübergehend seinen Reiz. Die Ratlosigkeit des anderen solchem Schmerz gegenüber war bewegend, er konnte nicht trösten. Er mochte längst die Nutzlosigkeit seines Eifers eingesehen haben, so blieb ihm nichts übrig, als das Leid des Bruders zu teilen, und er meinte schließlich auf feine Art mit, aber ohne sich dabei oorzu- drängen. Einmal sah ich, daß sie einen Käfer gefangen hatten, der ahnungslos in das Bereich ihrer Herrschaft geraten war. Der Weitere war diesem Raubtier gegenüber außerordentlich zurückhaltend, denn gerade hin diesen Jahren beginnt die Tätigkeit der Phantasie, und man nimmt etwas Lebendiges nicht so selbstverständlich wie mit zwei Jahre». Aber der jüngere bemächtigte sich in gedankenloser Kühnheit der Beute und zerlegte sic in blauäugiger Andacht, unter dem Hellen Löckenwald, in alle Bestandteile, in die sich etwa ein Käser zerlegen läßt. Das trug ihm die Bewunderung seines Bruders in großem Maße ein. Ich beobachtete fast täglich, wenn die Sonne schien, Vorfälle nichtiger und doch so bedeutsamer Art, und die Erlebnisse meiner beiden Nach- baren wurden in der Zurückgezogenheit meines Landaufenthalts ein wichtiger Teil meines Erlebens überhaupt. Als ich »ach einer Abwesenheit von einigen Wochen aus der nahen Großstadt zurückkehrte, hörte ich, daß der jüngere meiner nachbarlichen Freunde gestorben sei. Er war plötzlich und unerwartet einer heimtückischen Krankheit erlegen. Am nächsten Morgen, als ich meine Holunderlaube am Zaun bezogen hatte, sah ich nach einer Alleinschuld Deutschlands am Kriege, an die heute Wohl nur noch wenige Menschen selbst bei den damaligen Kriegsgegnern glauben. Daß diese so viel von Deutschland, dem im Kriege unterlegenen, fordern, als sie für ihre Schulden an andere alliierte oder assoziierte Rationen aufwendcn müssen, läßt sich von ihrem Standpunkt vielleicht begreifen. Frankreich fordert aber mehr, vor allem für den Wiederaufbau seiner zerstörten Gebiete. Da wäre doch zu fragen: Was hat und hätte Frankreich aus den bisher von Deutschland gezahlten Reparationen schon an Wiederaufbau leisten können und welche Summen fehlen noch für den Wiederaufbau? Unsere Sachlieferungen können natürlich nicht sämtlich für die zerstörten Gebiete verwendet werden. Werden denn aber in Frankreich den Summen, die es für den Wiederaufbau ausgibt, alle Beträge gewissenhaft gegenübergestellt, die Deutschland an Reparatonen leistet? Was soll also Deutschland endgültig zahlen? 1. Die Annuitäten der Schulden unserer Kriegsgegner untereinander? (Wenn diese Schulden mit den Reparationen auch nichts zu tun haben.) 2. Die Kosten des Wiederaufbaus in den zerstörten Gebieten? Wieviel hat Deutschland schon davon bezahlt? Wird noch mehr gefordert? Dann aber müßte diese Forderung wenigstens ehrlich und einfach damit begründet werden, daß Deutschland besiegt wurde. Die bequeme und niederträchtige Behauptung von Deutschlands Alleinschuld am Kriege sollte endlich fallen gelassen werden. Was wir bis jetzt von den Pariser Verhandlungen vernommen haben, sind nur Ideen und Pläne, von denen noch gar nicht feststeht, daß die Regierungen sie annehmen, ilnfcrc Vertreter auf der Pariser Konferenz werden einen schweren Stand haben, wenn es erst zur ernsten und offenen Diskussion über die Endsumme kommt. Aber vielleicht kommt es jetzt noch gar nicht dazu, und die Entscheidung wird wieder der Zukunft überlassen. Dann wäre aber der Beweis geliefert. daß der Krieg jetzt noch nicht endgültig liquidiert werden kann und die Ungewißheit über unsere Schulden und der hierdurch auf unserem Wirtschaftsleben liegende Druck wird vorerst nicht von uns genommen. Jedenfalls müssen wir mannhaft für unsere Sache kämpfen, nicht um grundsätzlich möglichst viel herunterzuhandeln, sondern weil uns ein Friedensvertrag mit solchen Lasten auferlcgt wurde, wie er seit den Zeiten der alten Römer nicht dagcwescn ist und der gemacht war, nicht allein um Deutschland zu strafen, sondern um sein Wicderhochkommen auf lange Zeit zu verhindern. Geschichten aus aller Welt. Edda Mussolini. (k) Mailand. Fräulein Edda, die achtzehnjährige Tochter des italienischen Diktators Mussolini, unternimmt zur Zeit eine kleine Erholungsreise auf den indischen Gewässern. Als nun die Königin von Travancore (Travankur). des zur Präsidentschaft Madras gehörigen britisch-ostindischen Vasallenstaates, erfuhr, daß Fräulein Mussolini sich in einer Hafenstadt ihres Reiches aufhielt, lud Ihre Majestät Edda ein, sie in ihrer Residenz zu besuchen. Edda weih, was sich schickt: sie bat ihren Vater mittels Radiogramm um Erlaubnis, erhielt diese und reifte in Begleitung des Senators Conti unverzüglich nach Trivandrum, um der Königin ihre Huldigung darzubringen. Unter» Wegs wurde Edda von den Eingeborenen lebhaft gefeiert: ihr Einzug nach Trivandrum (Tiru- wanantapuram) gestaltete sich zu einem wahren Siegeszug. Die Königin unterhielt sich mehrere Stunden mit der jungen Dame und entlieh sie reichlich beschenkt. Die Achtzehnjährige kann sich nunmehr rühmen, die Stadt besucht zu haben, die dereinst ihren berühmten Landsmann, den bedeutendsten Weltreisenden des Mittelalters, Marco Polo (1254—1271), auf dessen Indienfahrt beherbergte. Damals hieh Trivandrum noch C o i 1 u m, sonst hat sich aber daselbst in der Zwischenzeit herzlich wenig geändert. Denn nachdem Fräulein Edda sich von der Königin und ihren Ministern verabschiedet hatte, nahmen Ihre Majestät sowie der gesamte Hof ein öffentliches Bad im „heiligen Flusse", um sich den religiösen Gesehen entsprechend von der „Berührung mit den Ungläubigen“ zu entsühnen. Eisenbahrtromantik. (b) Sofia. Asparuch Rankoss und Georgi Stohanoff waren Söhne einer armen Eisenbahnerfamilie in Rust- schuk. Aus der Schule waren sic entlassen, konnten aber keine Arbeit finden. Zusammen traten sie im vorigen Frühjahr die Wanderschaft an, durchquerten halb Bulgarien zu Fuß und gelangten schließlich nach Sarambey, einer Station Weile das ältere mürrische Dienstmädchen den älteren der beiden Knaben an der Hand auf den gewohnten Spielplatz führen: sie stellte sogar den Korb mit den gewöhnten Spielsachen neben ihn auf die große Decke, es mochte beides eher in der Verstörtheit ihrer Trauer und in unbedachter Gewöhnung geschehen, als eben mit Ueberlegung. Aber man ist so sehr davon überzeugt, daß ein Kind noch nicht befähigt ist, einen Abschiedsschmerz im Bewußtsein zu durchleben, daß man sich feiner zumeist nur in gedankenlosem Bedauern annimmt. Der Zurückgebliebene der Zwei erweckte auch nicht den Anschein, als fei er betrübt. Merkwürdig, von allen, die ich sah, die Ettern waren nun auch zurückgekehrt, schien nur er den Bruder nicht zu vermissen, denn ich habe ihn weder meinen »och klagen sehen, wenn die Magd bisweilen vom toten Brüderchen sprach. Er sah mit großen Augen die Tränen an und schwieg. Da sah ich an einem Morgen, an dem das Mädchen sich entfernt hatte, wie das Kind die Spielfachen seines Bruders nacheinander zur Hand nahm und betrachtete, den Hahnenkopf, den braunen Ring und den Schwengel der Spieldose. Mit gesenkten Blicken und roohl in dem, was man bei einem Kinde Nachdenklichkeit nennen möchte, versuchte es mit diesen Dingen etwas anzufangen, und darüber muß ihm wohl in de» Sinn gekommen fein, daß ihn nie mand mehr brauchte. Er sah langsam auf, und fein Blick verlor sich in die Weite. Diesen Blick habe ich nie vergeßen können, und er ist mir im Leben unter Menschen überall wieder begegnet, und mehr als in ihm lag, habe ich in keinem Schmerz gefunden. Dämais mußte ich die Dinge meines eigenen Lebens überdenken und ihren Wert, und mir war zumute wie meinem kleinen Nachbarn, ich fühlte plötzlich, daß alle Güter und Gaben des Daseins in unserem Herzen bedeutungslos werden, wenn wir niemand haben, der sie braucht. Hochschulnochrichten. Der ordentliche Professor der praktischen Theologie an der Ruprecht-Karls-Hniversität zu Heidelberg Geh. Kirchenrat D. Johannes Bauer ist seiner Amtspflichten enthoben worden. Johannes Dauer ist 1860 zu Wiesloch bei Heidelberg, als Sohn eines Pfarrers, geboren, widmete sich dem Studium der Theologie in Erlangen, Leipzig. Bafel und Heidelberg. Im Dienst der badischen Landeskirche war er bis 1890 in Emmendingen, Heidelberg und Freiburg tätig. 1892 promovierte er in Marburg zum Lic- theol. und habilitierte sich gleichzeitig für Kirchengeschichte und praktische Theologie, wurde zum nichtetatsmähigen Extraordinarius im Jahre 1902. zum etatmäßigen 1905 ernannt, folgte zum 1. Oktober 1907 einem Rufe als Ordinarius für praktische Theologie und christliche Archäologie nach Königsberg i.Pr. 1910 erfolgte seine Dean der großen Eisenbahnlinie Belgrad—Konstantinopel. Auch hier war keine Arbeit zu bekommen. In ihrer Enttäuschung beschlossen sic, daS Vaterland zu verlassen, und sie bedienten sich dazu des vornehmsten Verkehrsmittels, dessen sic in Bulgarien habhaft werden konnten. In Sarambey macht allnächtlich der Orientexpreßzug einen kurzen Halt, um Wasser zu fassen. Als Eisenbahnerkindern war ihnen ein Bahnhof wohlvcrtrautes Gelände, und unbeme'ckt gelang es ihnen, sich auf den Achsen der mächtigen Simplonwagen zu verstecken — mit drei Lewa in der Tasche ohne jegliche Rahrung. Dis Osi- jek, schon jenseits der Donau, hielten sie aus, denn die damals besonders scharfe Grenzkontrolle an der jugoslawisch-bulgarischen Grenze entdeckte wunderbarerweife die beiden blinden Passagiere nicht - und es war noch nicht sibirisch kalt. In Ofijek konnten fbe unbemerkt „aussteigen", sich etwas Rahrung erbetteln und — in der nächsten Rächt wieder den zweiten Simplonexpreß besteigen. der sie nach Venedig führte. Die italienische Polizei aber hatte schärfere Augen, entdeckte die bis zur Unkenntlichkeit durch Rauch. Oel und Staub verfchmierten Burschen und nahm sie fest. Fünf Monate brachten sic dann in verschiedenen italienischen Gefängnissen zu, um schließlich auf Staatskosten in die Heimat befördert zu werden. Jetzt sind sie, durch eiitsvrechende Reklame der Sofioter Presse, zu kleinen Berühmi- hcitcn geworden und werden jetzt Wohl ohne weiteres Arbeit finden. Der Nachtwächter von London. (f) Londo n. Der Stunüenruf des Rachtwächters mit Laterne, Hellebarde und Horn wird wohl von niemandem mehr als etwas angesehen, was noch der Gegenwart einer modernen Großstadt an- gehbrt. Wie soll man sich auch diesen legendär gewordenen braven Rachtwächter in der modernen Stadt vorstellen, wo zwischen Tag und Rächt kaum noch ein älnterschied besteht, wo die Zifferblätter elektrischer Ricsenuhren auch nach Mitternacht noch in greller Beleuchtung die Stun- rufung nach Heidelberg als Rachfolger H. Basser- manns. 1915,16 stand Geheimrat Bauer als Prorektor an der Spitze der Ruperto-Earola. Einen Ruf an die Universität Leipzig als Rachfolger Rietschels hat Bauer ausgeschlagen. 1904 ernannte ihn die Marburger theologische Fakultät zum Ehrendoktor. Bauers Veröffentlichungen betreffen Fragen aus dem Gebiete der praktischen Theologie und christlichen Kunstgeschichte. - - Der ordentliche Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Instituts an der Universität Freiburg i. D. Geh. Hofrat Dr. Friedrich Oltmanns ist feiner amtlichen Verpflichtung enthoben worden. Prof. Oltmanns ist Mitbegründer und Schriftleiter der „Zeitfchrift für Botanik". Der aus Oberndorf (Hannover) gebürtige Botaniker betuchte das Gymnasium in Lüneburg und studierte in Jena und Straßburg. Dann bekleidete er eine Afsistentenstelle am Rostocker Botanischen Institut und erwirkte dort 1886 -eine Zulassung als Privatdozent für Botanik. 1893 siedelte er als etatmäßiger Extraordinarius nach Freiburg i. B. über, wo er später zum ordentlichen Professor befördert wurde. Einen Ruf nach Straßburg hat er abgelehnt. Im Studienjahre 191213 stand Pros. Oltmanns als Prorektor an der Spitze der Freiburger Hochschule. Den Mademien der Wissenschaften in Berlin und Heidelberg gehört der Gelehrte als Mitglied an. — Dem außerordentlichen Professor für alttestamcntliche Exegese in der evang.-theologifchen Fakultät der Universität Tübingen Dr. Wilhelm Rudolph find die Rechte eines ordentlichen Professors verliehen worden. Zum Leiter des Forschungsinstituts für Pflanzenklimatologie in Trier ist Diplom-Landwirt Dr. phil. Otto Wilhelm Keßler. Geschäftsführer und Versuchsleiter des Reichsausschusses für Frostabwchr im deutschen Weinbau zu Oppenheim a. Rh., berufen worden- Keßlers Arbeiten betreffen die Beziehungen zwischen Wetter und Pflanze, ferner Klimaverbefserungen. Keßler widmete sich in Gießen und Göttingen dem Studium der Botonik, Meteorologie sowie der landwirtschaftlichen Fächer und erwarb 1925 de« Doktorgrad mit der Arbeit „Die klimatischen Verhältnisse der Provinz Overhes- s e n und deren Einfluß auf die landwirtschaftliche Bodenkultur" Zunächst als Assistent ani Landwirtschaftlichen Institut der Ükniversität Gießen und Leiter her dortigen Wetterdienststelle tätig, wurde er später Assessor an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Darmstadt und kam 1927 in gleicher Eigenschaft an die Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Oppenheim a. Rh. Bei dem Reichsausschuh für Frost- abwchr im deutschen Weinbau wirkt Dr. Kehler seit September 1928. bett anzeigen, unb wo ein Mensch mit Horn und Laterne mitten zwischen Lichtreklame und Autohupen ein merkwürdiger, um nicht zu sagen: lächerlicher Anblick wäre? Und doch gibt es noch eine große Metropole in Europa, wo der Nachtwächter die Stunden abruft, und diese Stadt ist — London. Allerdings „begeht" dieser Nachtwächter während der Nacht nicht ganz London, was ja ein Ding der Unmöglichkeit wäre, aber er hat noch ein kleines „Reservat" mitten in der Millionenstadt. wo er ungeachtet der vorüberratternden Omnibusse selbstherrlich regiert. Er herrscht in einem Winkel Londons, der sich fast seit dem Mittelalter unberührt erhalten hat und wo heute noch die absonderlichsten Rechte und Gesetze gelten. ES ist dies die Umgebung des Ely-Palastes. Ely-Palace war früher die Londoner Resi- denA beS Dischofs von Ely und gehörte verwaltungstechnisch zur Grafschaft Cambridgeshire. Innerhalb seines Weichbildes hat die Polizei heute noch keine Macht und kann erst auf Anforderung des Nachtwächters in Tätigkeit treten. Schon in alten Zeiten war daher Ely-Palace die Zuflucht aller möglichen Existenzen, die sich in irgendeinen Gegensatz zum Gesetz gestellt hatten. Dor kurzem ist der bisherige Nachtwächter von Sly-Palace gestorben, und man hätte nun eigentlich erwarten können, die Behörde, die es angeht, würde nun dies mittelalterliche und patriarchalische Ueberbleibsel beseitigen. Weit gefehlt; England ist und bleibt das Land, in dem man am hartnäckigsten an der Tradition hängt, und heute versieht ein neuer Wächter in Em- Palace die romantische Aufgabe, von zehn Uhr abends ob die Stunden auszurufen. Und bei festlichen Gelegenheiten darf er nach wie vor mit seiner goldgeschmückten Uniform und dem Dreispitz paradieren. BaldwinS Pfeife. (f) London. London hat etwas ganz NeueS im Ausstellungswesen gezeigt: eine Parlamentsund Ministeriums-Ausstellung. Erstaunlich, was eS da zu sehen gab: 3n einer blanken Ditrine, unter Glas verschlossen, wie eine kostbare Relique, liegt eine Pfeife, eine ganz gewöhnliche Tabakspfeife, ein .Dasenwärmer", wie man im Volksmunde sagt, auS Weichselholz, knorrig, sehr durch- geraucht und geschwärt, mit ziemlich abgeknabbertem Mundstück. Es ist, wie gesagt, eine ganz gewöhnliche Pfeife, wie man sie in London bei jedem Tabakhändler für 45 Cents kaufen kann. Aber sie hat doch etwas Besonderes an sich, sie gehörte Mr. Baldwin, dem Ministerpräsidenten, dem fanatischen Pfeifenraucher, der diese abgenutzte Pfeife erst ablegte, als seine bessere Ehehälfte ihm erklärte, mit ihm zusammen nicht mehr vor die Tür gehen zu wollen wenn er sich nicht sofort eine anständigere Pfeife anschaffen werde. Das tat er als folgsamer Gatte, und so konnte er die abgelegte Pfeife als Schaustück für die Parlamentsausstellung im Britischen Museum zur Derfügung stellen. Denn man bedenkt, daß im konstitutionellen England der Ministerpräsident das eigentliche Staatsoberhaupt ist, kann man die eminente Bedeutung einer Shagpfeife ermessen, an der ein solcher Ministerpräsident jahrelang gezogen hat! ES sind interessante Singe auf dieser Ausstellung zu sehen, die greifbare Erinnerungen an alle Premiers der englischen Regierung seit den Tagen Georgs III. zeigt; so z. D. der Staatsmantel des Finanzministers, über den D i s r a e l i und Gladstone seinerzeit eine wenig liebenswürdige Korrespondenz miteinander geführt haben. Bis zu Disraelis Zeiten war eS Gewohnheit gewesen, dah der neue Schatzkanzler diesen Staatsmantel von seinem Dorgänger übernahm. Disraeli jedoch weigerte sich, ihn herauszugeben, und seitdem stellt sich der Schatzkanzler dem Parlament nur noch im gewöhnlichen Anzug vor. So ist von jedem englischen Premier etwas zu sehen: von Disraeli außer dem genannten Staatsmantel sein Adelsbrief, von Gladstone sein sauber geführtes Haushaltungsbuch, von Lloyd George „fliegende Blätter" mit Notizen zu einer großen Staatsrede, und von Baldwin eine verrauchte, angeknabberte Stummelpfeife. Provinzialtag Oberhessen. Am Samstag fand im Regierungsgebäude in Gießen unter dem Vorsitz des Prooinzialdirektors Graef die diesjährige ordentliche Tagung des Prooinzialtags der Provinz Oberhessen statt. Don 35 Prooinzialtagsabgeordneten waren 29 erschienen, 5 fehlten entschuldigt, 1 ohne Entschuldigung. Bei Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Provinzialtagsmitgliedes Direktor May (Gießen). Das Andenken des Verewigten wurde in üblicher Weise durch Erheben von den Sitzen geehrt. Hierauf teilte der Vorsitzende mit, dah der Abg. Christ (D. 23p.), Holzmühle bei Lollar, sein Mandat niedergelegt habe, da er aus der Partei ausgetreten sei. Als Nachfolger für beide Herren wurden Studienrat Prof Friedrich Müller (Büdingen) bzw. Fürsorgeobersekre- tär Fritz Luft (Lauterbach) in den Provinzialtag berufen und jetzt auf gewissenhafte Erfüllung ihres Mandats verpflichtet. Oer Bericht über bas 1927. Anschließend wurde der Verwaltungsbericht des Provinzialausschusses für das Rechnungsjahr 1 92 7 ohne Aussprache gegen die Stimme des kommunistischen Mitglieds Schäfer (Bad-Nauheim) genehmigt. Das Berichtsjahr, das die Zeit vom 1. April 1927 bis dahin 1928 umfaßt, erbrachte der Provinz eine Einnahme von 5 640 271,89 Mark, eine Ausgabe von 5 393 135,16 Mark, mithin einen Einnahmeüberschuß von 247 136,73 Mark, der sich aus einem Barvorrat von 218192,85 Mark und Prooin- zialumlageausständen von 28 943,88 Mark zusam- mensetzt. Der Provinzialausschuh hat im Kalenderjahr 1927 insgesamt 24 Sitzungen abgehalten. In diesen wurden 122 Sachen mit kontradiktorischem Verfahren und 359 Sachen ohne kontradiktorisches Verfahren verhandelt. An Stratzenunterhaltunasarbeiten wurde auch im Rj. 1927 wieder eifrig gearbeitet. An Walzarbeiten wurden auf 6-Straßen 20 203 Kilometer geleistet und dafür 131 491,67 Mk. ausgegeben; die Kosten für einen Kilometer betragen hiernach 6505 Mark; auf v-Strahen wurden 12 452 Kilometer gewalzt, die Kosten hierfür belaufen sich einschließlich der im Rj. 1926 beschafften Materialien auf 87 951,95 Mark, mithin für einen Kilometer 7060 Mark. An Oberflächenbehandlung (Kaltasphalt) wurden auf 6-Straßen 1663 laufende Meter hergestellt und dafür 15 356,93 Mark aufgewandt, mithin für einen Kilometer 9234 Mark, auf v-Strahen wurden 66 972 Kilometer geleistet und dafür 315 523,95 Mark ausgegeben, mithin für einen Kilo Meter Oberflächenbehandlung im Durchschnitt 4710 Mark. In besonderer Herstellung auf v-Straßen aus Anleihemitteln und aus Mitteln der Kraftfahrzeug- steuer wurden im Berichtsjahre 28 194 Kilometer mit Kleinpflaster versehen. Die Stoffen dieser Kleinpsiasteranlagen, einschließlich Ortsdurchfahrten, betrugen insgesamt 1 794 315,59 Mark, für die Stra- ßenstrecken innerhalb der Ortsdurchfahrten wurden von Gemeinden und Städten 199 657,78 Mark ersetzt, so daß für die Provinz 1 594 657,81 Mark verbleiben. Die Provinz hatte im Durchschnitt für einen Kilometer Kleinpflaster im Rj. 1927 - 63 630 Mark aufzubringen. Der gegen den Voranschlagsbetrag von 60 000 Mark höhere Preis wurde bedingt durch notwendig gewordene umfangreiche Straßen- und Bankettregulierungsarbeiten. Mit Lopeka-Gußasphalt wurden 8,130 Kilometer versehen. Die Kosten dieser Topeka- decke betrugen einschließlich der Ortsdurchfahrten 534 557,20 Mk., von Gemeinden und Städten wurden 37 433,83 Mk. erseht, so daß für die Provinz 497 123,37 Mk. verbleiben. Die Provinz hatte im Durchschnitt für einen Kilometer Topeka- decke tm Rj. 1927 = 53050 Mk. aufzubringen. Bei den angegebenen Kosten und Durchschnittspreisen sind Verwaltungskosten und der Kapiteldienst nicht mit eingerechnet. Oer Haushaltsvoranschlag für 1929. Das Haus wandte fith nunmehr der Beratung des Haushaltsvoranschlags für d i e Provinz O b e r h e s s e n für das Rechnungsjahr 1929 zu, der — wie von uns schon berichtet — in Ein- nähme und Ausgabe mit 5 844 609 Mark, gegen 5 775 024 SOtt im Vorjahre, abschließt. Prooinzial- direktvr Graes ggb einleitend einen kurzen Lieber« blick über den Voranschlag und erörterte dabei vor allem die Aufwendungen der Provinz für die Straßenunterhaltung, die wir ebenfalls schon in un- lerer Nr. 64 vom 16. März eingehend behandelt haben. Weiter betonte Provinzialdirektor Graef, daß bei dem neuen Voranschlag mit Rücksicht auf die starke Belastung der Wirtschaft von einer Erhöhung der Prooinzialumlagen Ab- st and genommen worden sei, ober ebensowenig die Rede sein könne von einer Steuersenkung, so lange die Straßenunterhaltung noch so erhebliche Mittel erfordere, wie gegenwärtig. Die jetzige Gestaltung des Voranschlags sei nur unter der Voraussetzung erreicht worden, daß eine Kürzung der Steuerüberweisungen an Länder, Gemeinden und Gemeindeoerbände nicht eintrete. Sollte eine solche Kürzung dennoch kommen, so fei sie für die Provinz untragbar und werde sich in ihrer Auswir- kung dann nur bei der Straßenunterhaltung bemerkbar machen. In der Einzelberatung des Voranschlags teilte Provinzialdirektor Graef u.a. mit, daß der Pro- vinzialausfchuß in nächster Zeit in Erwägung ziehen müsse, auf welche Weise die jetzige verstreute Lage der Diensträume der Provinz Oberhessen in Gießen zu beseitigen, also der Verwaltungsappa- rat zu zentralisieren sei. Der kommunistische Abgeordnete Schäfer (Bad- Nauheim) beantragte u. a. die Streichung der Beiträge an die Gießener Hochschulgesellschaft und an die Darmstädter Hochschulgesellschaft, ebenso die Streichung des Provinzialzuschusses an das Gießener Stadttheater; bei feinen Anträgen gegen die Gießener und die Darmstädter Hochschulgesellschaft blieb er allein, bei dem Antrag auf Streichung des Zuschusses an das Gießener Stadttheater stimmte Abg. Fenchel (Ober-Hörgern, Landbund) mit ihm; beide Anträge verfielen somit der Ablehnung. Bei der Beratung des Kapitels „Straßen- b a u t» e f e n" wurden eine Anzahl Wünsche vorgebracht. Abg. Kissel (Bad-Nauheim) ersuchte um baldige Herstellung Der Straße Ockstadt—Bad-Nauheim; die Abgeordneten Jost (Bermutshain) und Weidner (Herchenhain) forderten stärkere Berücksichtigung des hohen Vogelsberges bei der Neuher- cichtung von Straßen; Abg. Fenchel (Ober. Hörgern) und Abg. Breidenbach (Dorheim) er« suchten um entgegenkommende Behandlung der Besitzer von Dreschmaschinen beim Transport ihrer Maschinen auf den Landstraßen und um Nieder- schlaaung der bisher gegen verschiedene Dreschmaschinenbesitzer verhängten Geldstrafen wegen Verstöße gegen Verkehrsbestimmungen der Provinz; die Abgeordneten H i l d n e r (Büdingen) und Walz (Lauterbach) ersuchten um gleichmäßigere Berücksichtigung der oberhessischen Basaltwerke bei der Erteilung von Aufträgen zur Lieferung von Stra» ßenbaumaterial, damit die Beschäftigung der Ar- beiterschast in gleichmäßiger Weise möglich werde, ferner um Belastung der Straßenwarte für L-Straßen bei den Arbeiten auf diesen Straßen und um Heranziehung anderer Arbeitskräfte bei Neuherrichtung auf v-Straßen. Die Verwaltung gab entgegenkommende Zusicherungen. Bei Der Beratung des Kapitels „Finanz- und Steuerwesen" machte Prooinzialdirektor Graef besonders darauf aufmerksam, daß die Provinzial umlagen auch im neuen Rechnungsjahre nach den vorjährigen Sätzen erhoben werden. In Der Gesamtabstimmung wurde der Voranschlag mit allen Stimmen gegen die Stimme des kommunistischen Abg. Schäfer (Bad-Nau- heim) angenommen. Damit wurden auch die von uns bereits rnitgetcilten Pläne Der Provinzial- verwaltung hinsichtlich Der Anleiheaufnahme in 1929, Die geplanten Straßen- unD Brlickenumbauten und Die Absicht Der Vergebung von Materiallieferungen im Herbst 1929 zu Listen des Rechnungsjahres 1930 genehmigt. Wasserwerk Inheiden. Der Rechenschaftsbericht für 1927 weist in Der Betriebsrechnung einen Abschluß von 895 214,99 Mark, in Der 23 er-- mögensrechnung von 1 180 845,14 Mark in Einnahme und Ausgabe auf. Der Bericht wurde ohne Aussprache genehmigt. Der Voranschlag des Wasferwerks Inheiden für 1921) sieht in der Betriebs- r e ch n u n g Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 841400 Mark, in der Vermög-ensrech- nun® einen Abschluß von 615 565 Mark vor. Wurde gleichfalls debattelos genehmigt. Lleberlandrverk Oberhessen. Der Rechnungsabschluß für 1 927 zeigt die Bermögensübersicht nach dem Stande vom 31. März 1928 mit einem Abschluß von 10 721 825,40 Mk., den Abschluß des Betriebsergebnisses am 31. März 1928 mit 3 292 860,98 Mark, das Betriebsergebnis des Wasserkraftwerkes Lißberg mit 114 401,51 Mk. wurde genehmigt. Der Boranschlag für das BetriebS- j a h r 1 9 2 9 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4 000 000 Mk. ab und wurde gleichfalls glatt angenommen. Bei all diesen Abstimmungen gab der kommunistische Abgeordnete Schäfer seine Stimme gegen die Derwaltungsvorlagen ab. Trägerschast für Unfallversicherung. Am Schlüsse der Sitzung wurde noch einem Antrag des Provinzialausschusses auf lleber- nahme der Trägerschaft für die durch das Gesetz vom 20. Dezember 1928 der Unfallversicherung neu unterstellten Betriebe und Tätigkeiten zugestimmt, ebenso ein Auszug aus der Rechnung des Ueberlandwerkes Oberhessen (Dau) für die Rechnungsjahre 1924 bis 1927 genehmigt. Turnen, Sport und Spiel. Deutscher Fußballbund. Der gefchästsführende Ausschuß des D. F. D. hielt am 23. und 24. März in Frankfurt a. M. eine umfangreiche und sehr wichtige Tagung ab. Fragen der Verwaltung und Organisation, der Hochschule für Leibesübungen, der allgemeinen Jugenderziehung, der Anstellung von Sportlehrern, der Schlichtung von Streitfällen, u. a. m. wurden eingehende Aussprachen gewidmet. Im besonderen Interesse standen die in diesem Jahre noch auszutragenden Bundesspiele. Für die Länderspiele gegen Italien am 23. April in Turin und gegen Schweden am 23. Juni in Köln sollen aus Prestigegründen die denkbar stärksten Mannschaften aufgestellt werden. Gegen Italien wird im wesentlichen die gegen die Schweiz in Mannheim erprobte Els antreten, doch sind endgültige Entschließungen noch nicht gefaßt worden. Die in einem Teile der Presse als mutmaßliche Vertretung bezeichnete Elf entspricht jedoch nicht der Auswahl des Bundes. Anfangs April ist mit der amtlichen Bekanntmachung der Mannschaft zu rechnen. Das Spiel gegen Schottland am 2. Juni in Berlin wird von einer Mannschaft bestritten werden, an der süddeutsche Spieler nicht beteiligt sein werden. Heberhaupt sollen Spieler eines Vereins nach Möglichkeit nicht mehr als dreimal im Jahre für Zwecke des Bundes Verwendung finden. Das am gleichen Tage wie das Länderspiel in Italien auszutragende Dundespokal-End- spiel zwischen Norddeutschland und Berlin wird in Berlin ausgetragen werden. Arn 20. Oktober ist dann noch in Hamburg das Länderspiel gegen Finnland vorgesehen. Nähere Besprechungen hierüber wurden auf eine spätere Sitzung zurückgestellt. Die Neufestsetzung der Termine für die D. F. B. -Meisterschaft ergab folgende Regelung: die Vorrunde wird am 16. Juni ausgetragen, die Zwischenrunde am 30. Juni, evtl, sogar am 29. Juni (Peter-und-Paul-Tag), damit der 30. als Iugendspieltag möglichst ungestört durchgeführt werden kann. Rach dem Semi- Finale am 7. Juli soll dann am 14. Juli das Endspiel folgen. Die Austragungsorte der einzelnen Spiele können natürlich erst an Hand der weiteren Entwicklung bestimmt werden. Weniger aus finanziellen Erwägungen, als vielmehr im Hinblick auf die stark reduzierte Leistungsfähigkeit der beteiligten Mannschaften wurde von einer Austragung des Bundes-Endspieles im August Abstand genommen. Hnbe- kümmert um die Verwendung der beiden ersten Sonntage im Juli soll das Spielverbot für diesen Monat aufrechtechalten werden. In der Angelegenheit des Hamburger Sportvereins (H.S.V) wegen einer Neuregelung der Verteilung der Einnahmen aus den Endspielen um die D.F.B.^Weisterschaft wurde das Vorgehen des H.S.V. als fachlich imbegründet, der Form nach alS vollkommen inkorrekt bezeichnet. Der Weg über den Vorstand des N.F.D. wäre allein der richtige gewesen. Eine Aendcrung des Verteilungsschlüssels kann sahungsgemäß nur von dem ordentlichen Bundestage vorgenommen toerben. Der Bundesvorstand wird noch fest- ftellen, ob der H.S.V. hinter den Maßnahmen und Doykottdrohungen seines Vorstandes steht. Gegen alle Vereine, die sich dem Schritte des H.S.V. anschließen sollten, müßte mit Disqualifikation vvrgegangen werden. An Stelle derart disqualifizierter Meistervereine würden die nächsten Anwärter ihres Verbandes an den D.F.D.- Schlußkämpfen teilnehmen. Schließlich wurden noch mehrere Wettspielgesuche gegen ausländische Berufsspielermannschaften (sog. „Lehrspiele") auf Grund bestehender Beschlüsse ausnahmslos abgelehnt. Kußball in Hessen-Hannover. Spiel und Sport Nordheim — V. S. L. Sport Kassel 1:1. Die Kasseler Mannschaft trat mit einigen Ersatzleuten an und fand sich nur langsam zurecht. Die Nordheimer zeigten sich als kampfkräftige Gegner und zwangen Die Kasseler Mannschaft Die volle Entfaltung ihrer Kräfte ab. In techniscl)er Beziehung war Sport Kasiel die bessere Mannschaft. Sportclub 03 — Hermannia Kassel 2:1 (1:1). Die 03er mußten bei diesem Spiel auf ihren bewährten Mittelläufer verzichten. Die Mannschaft zeigte nicht Die Leistungen des Vorsonntages. Ein unentschiedenes Ergebnis hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Iura Kassel — Kurhessen Marburg 5:2 (1:1). Die Kasseler Mannschaft trat in einer veränderten Aufstellung an, Die sich bewährte. Namentlich der Millelläuferposten war sehr gut besetzt. Das Spiel war zuerst vollkommen ausgeglichen. In Der zweiten Spielhälfte setzte sich die kampfkräftigere Kasseler Mannschaft besser durch und konnte in dieser Spielhälfte allein vier Tore erzielen. Denen die Gegner nur noch einen Erfolg entgegensetzen konnten, und zwar durch Den famosen Halbrechten. Kußball in Güddeutschland. Der gestrige letzte Verbandsspielsonntag verstrich nicht ohne eine große Anzahl bemerkenswerter Ueberrafd)ungen. Namentlich in Der Runde der Meister entsprach nicht ein einziges Resultat vollauf Den Erwartungen. So wurde zunächst Die erste inoffizielle Begegnung um Die Meisterschaft Des Mainbezirks zwischen Dem mainischen und dem hessischen Gruppenmeister, Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms, in Worms ausgetragen und von Den Hessen gewonnen, trotzdem Die Frankfurter mit verstärkter Mannschaft antraten. Sie verloren gegen Den in bester Form befindlichen Gegner mit 1:3 Toren. Auch Der 1. F. C. Nürnberg befrieDigte absolut nicht. Er konnte in Karlsruhe gegen Den K. F. D. trotz sehr rücksichtslosen Spiels nur ein 0:0 erzielen unD büßte somit Den ersten Punkt ein. Der V. f. L. Neckarau büßte auf seiner Reise nach Neunkirchen überraschenDerweise einen Punkt ein. Denn er erreichte gegen Borussia nur ein 2.2. Sehr tapfer hielt sich Germania Brötzin- gc n, die auf eigenem Platze gegen Bayern München nur ein 2:3 einzustecken brauchte. Runde Dec Zweiten und Dritten. Auch in Der Gruppe NorD gab es Resultate, Die allen Erwartungen zuwiDerlausen. Im Frankfurter StaDion verlor Union NiederraD als platzbauender Verein gegen F. Sp. V. Frankfurt mit 0:2 Toren. BeiDe Parteien spielten hierbei sehr mäßig. Der S. V. Waldhof Mannheim war al» sicherer Sieger gegen den in seiner Form zurückgegangenen V. s. L. Neu-Isenburg erwartet worden. Beide Mannschaften teilten sich jedoch mit 1:1 Die Punkte. Der 23. f. 9t. Mannheim ließ sich sogar auf eigenem Platze von Dem Letzten Der Tabelle, Saar 05 Saarbrücken, mit 2:4 Toren schlagen. Nur Der F. Sp. V. 0 5 Mainz befrieDigte vollauf feine Anhänger und sandte Den 1. F. E. 07 IDar mit 3:1 geschlagen nach Hause. Gruppe SÜD. Hier ging es nicht ganz so anormal zu. Die Sv. V g g. Fürth schüttelte Die Stuttgarter Kickers mit einem glatten 4:0 ab. Schwaben Augsburg behielt über Ph ö- n i x Karlsruhe knapp mit 3:2 Toren die Oberhand. Das erwartete Unentschieden gab es mit 3:3 Toren zwsschen Dem S. D. 18 6 0 München und Dem 21. 6. Nürnberg. Nach manchen bitteren Niederlagen erfocht der D. f. B. Stuttgart diesmal wieder einen Sieg. Mit 3:1 triumphierte er über den F.E. Freiburg. DeutscheZechierinkimmVndOl st Wohl über 1000 Zuschauer hatten sich am Samstag in der Redaute in Budapest eingefunden, um Zeugen interessanter Kämpfe zu sein. Im ersten Florettkampf siegte Frau 01 r a Oelkers über die Ungarin Fräulein (i r r. a Dogen mit 6:4. Mit dem gleichen Resultat war auch Frä -n Helene Mayer über Frau G isela T a .) erfolgreich. Frgulein T a r h war dann gegen F au Oelkers ziemlich überlegen und siegte mit 6:1. Den schönsten Kampf lieferten sich zum 6.' 3 Helene Mayer und Fräulein Dogen, Den die deutsche Meisterin mit 6:2 gewann. Handball der D. T. Vorspiele um die kireismcisterschafl des Miltelrheinkrelser. Tv. Marstadt — To. Nied 5:0. Turnerinnen: To. 70 Mainz — Tv. Arheilgen 9:0. Gau Frankfurt (WanDerpreisspiele, erste Runde): Polizei Frankfurt — Wartburgverein 9:1. T. G. Eintracht — T. G. Rödelheim 6:1. T. u. F. C. Frankfurt — S. E. Eschersheim 8:7. Tv. Sachsenhausen — T. G. Sachsenhausen (B) 11:1. T. G. Sachsenhausen (A) — T. G. Bornheim 3:0. Süddeutsche Handballmeisterschast. V.f.A. Kaiserslautern — Polizei Darmstadt 3:4 (1:4). Sp -Vgz. Fürth — Stuttgarter KickerS 8:2 (_:2). Damen. Sportfreunde Landau — F. Sp.-V- Frankfurt 2:0. Lim den süddeutschen Handballpokal. Dei regnerischem Wetter kamen am SamStag in Mannheim zwei Spiele um den süddeutschen Handballpokal zur Durchführung. Der V. f. R. M a n n h e i m schlug nach überlegenem Spiel in der zweiten Hälfte M. T. G. Mannheim 5:1 (2:1). Die zweite Begegnung zwischen S. V. W a l d h o f und Phönix Mannheim endete dagegen 3:3 (1:1) unentschieden. ^0.Rhön-Sege.flug-WettbewLrb^9r9 Die Ausschreibung des 10. Rhön- Segelflug-Wettbewerbs 1929 ist jetzt erfolgt. Er findet in der Zeit vom 18. Juli bis 1. August auf Den Hängen und benachbarten Höhen der Wasserkuppe statt. Der Wettbewerb ist o.fen für Flugzeuge ohne Motore. Für die einzelnen Wettbewerbe steht wieder eine Reihe von namhaften Preisen zur Verfügung. So beträgt die Gesamtpreissumme für den Schulungswectbewerb 5500 Mark, für den Aebungswettöewerb 4500 Mk. und für den Leistungswettvewcrb 8000 Mk. Außerdem steht dem Preisgericht noch eine Preisreserve von 2000 Mk. zur Verteilung von Prämien nach eigenem Ermessen zur Verfügung. Meldeschluß ist der 22. Juni 1929, mittags 12 Uhr. Cambridge — Oxford. Der traditionelle Achter - Ruderwett- kamvf Cambridge — Oxford kam am Samstagnachmittag auf der 6840 Meter langen Themsestrecke zwischen Putney und Morilake zum 81. Male zum Austrag. Die Mannschaft der Universität Cambridge zeigte sich ihrem Gegner weit überlegen und siegte mit sieben Längen unangefochten in 19:25 Minuten. --- Von den 81 Bewegungen haben beide Universitäten je 40 Rennen gewonnen, während einmal, und zwar im Jahre 1877, unentschieden gekämpfÜ wurde. FÄRBEREI HENZE M Schirmer, Kommerzienrat. »»140 Bekanntmachung Telcvbo« 66 Vabuboküraste 59 27UDD WEB« ÜBERALL PROMPT LIEFERBAR BEDEUTENDSTE CHEM.REINIGUNGSWERKE IN SUDDEUTSCHLAND i gab er mit 3:3 loten München und dem liedetlagen erfocht der ial wieder einen Sieg, der den F.L. Frei- treter-Besuch. Regensburger Kranken- und Sterbeversicheningsanstatt für den Mittelstand, V. a. G„ Site Regensburg Bezirksdirektion Frankfurt a. M„ Taunusstrabe 52-60 haben »le offen« Füße? lüiirnn ? Jieken ? Stecboi ? Brennen? 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Ist bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks einem Seigerer durch den Beschluß des Bollstreckungsgerichls der Zuschlag erteilt worden, so findet nach § 93 des Zwangsverstet- gerungsgesehes gegen den Besitzer de- Grundstücks auf Grund des Zuschlagsbeschlusses die Zwangsvollstreckung auf Räumung und Herausgabe statt. Der Zuschlagsbeschluß besitzt also eine besondere Bedeutung. Der Gläubiger muß eine vollstreckbare Ausfertigung erwirken und sie einem Gerichtsvollzieher übergeben, der den Schuldner aus dem Besitz setzen und den Gläubiger in den Besitz einweisen wird. Salzböden. Aach § 3 des Impfgesetz«- vom 8. Qlbtit 1874 ist eine Impfung, wenn sie nach ärztlichem Urteil erfolglos geblieben ist, spätestens int nächsten Jahre und, falls sie auch dann erfolglos bleibt, im dritten Jahre zu wiederholen. Die zuständige Behörde kann anordnen, baß die letzte Wiederholung der Impfung durch den Impfarzt erfolgt. Da Ihr Sohn bereit- dreimal geimpft worden ist, mühte di« etwaige Anordnung einer vierten Impfung als gesetzlich unbegründet erscheinen. Laden in Gießen: Marktplatz 8 Femspr.1459 2495D Herren-und Damenkleider welche bis Dienstagabend in meine Läden gebracht werden, werden noch bis Ostern tadellos chemisch gereinigt »hd Färberei Croon Fabrik und Laden Marburger Straße 40 Filiale 8e!tsweg 26 — Telephon 869 Bestellungen erbitte frühzeitig C.G.Kleinhenn ßeöenllidie Handelslehranstalt der Industrie- und Handelskammer, Hieben Abteilungen: 1. Höhere Handelsschale 2. Zweijährige Handelsschule Anmeldungen bis rum 6. April 1929 Im Schulfokal, Gießen. Nordanlage 15 (Kaufmännisches Vereinshaus). Mittwochs und Samstags von 10 bis 12 Uhr. Die seit Jahren In Süddeutschland, Saargebiet und Thüringen führende Mlttelstandes-Kranken-Versicherung der Regensburger Kranken- u. Sterbeversicberungsanstalt Iflr den Mittelstand, V. a. G„ Silz Regensburg hat mit dem 15. März d. J. in Gießen die durch Erweiterung des Geschäftsgebietes notwendig gewordene Ortsverwaltung (Heben Herrn Friedridi Müller, ßieBen .SthiUertfr. 19 übertragen. Wir bitten bei dieser Adresse unverbindlich unser Prospektmaterial zu fordern; alle Auskünfte werden dort gleichfalls gerne erteilt, auch erfolgt auf Wunsch unverbindlicher Ver- Rn ah ne ®Unmtt d'e durch d'UFer. Ä »aus duN zu, Kn Oau^nfl 127 «Mm /1 bl« iuMM auer hatten sich oin in Budapest cingc- mter Kämpfe zu sein. siegte Frau Olga rin Fräulein Erna ! var auch 'Stär' i M Tisela Ta .) in gegen F.au Oei« ib siegst mit v:l. ;ctkn sich zum 5 / ) Mein Dogen, ocn 5:2 gewann. vtD.l Melkhrinkttisc». 5:0. nen: tburgoereln 9.1- odelheim 6:L ;.C.TicherrM°-t -achsenhauM lVN _ 1, 0. Bornheim 3.U. M-i W*11 3 * ‘ 2anMu ö' v "8 m e«w schlug nach j §. :n Ahnung Sie zweite r rgen 3.»11 ?lS>li bMer MH SM w 1 -Dk^'wett- aut HL Ak!? Rheinhessen. WER. Dingen, 23. März. Für dieDürger - Meisterstelle haben sich 43 Bewerber aus Darmstadt. Mainz, Frankfurt o. M., Berlin, München, Braunschweig, Würzburg, dem Industriegebiet, aus Singen usw. gemeldet. Unter ihnen befinden sich Rechtsanwälte, Volkswirte, Bürgermeister, Gerichtsafsessoren, Regierungsräte, Referendare, Stadtverordnete usw. Preußen. KreiS Wetzlar. rr Wetzlar, 23. Mörz. Während der vorjährige städtische Gtat erst im Frühsommer verabschiedet werden konnte, gelang eS den Stadtverordneten. den diesjährigen städtischen Haushalt in einer dreistündigen Sitzung zu erledigen. Die Etatrebe des Bürgermeister- Dr. Kühn wurde am vergangenen Freitag gehalten. Die Endsummen, mit denen der Bürgermeister den Etat der Stadtverordnetenversammlung vorlegte, erreichten rund 4867 000 Mark bei der Einnahme und 4 777 000 Mark bei der Ausgabe. Besonders hohe Zuschuhkapitel find die Schulen, der Wohlsahrtsetat. der Dauetat und die städtische Polizei. Bei letzterer ist zu beachten, daß die Stadt fämtliche Polizeilasten fernst tragen muh, der Staat also keinen Zuschuß leistet. Auch die SchuNasten drücken ebenso stark auf den Steuerzahler, da die Rückflüsse von feiten der Regierung verhältnismähig sehr gering sind. Dazu kommen die Verzinsung und Abtragung der Anleihen von rund 9,5 Mill. Mark, von denen etwa ww bte Hälfte al» produktiv anzusprechen ist. Da- Auskommen an indirekten Steuern kann auf 1 Million Mark geschäht werden, während an anteilmäßigen Ern- lommensteuern nur rund 320 000 Mark im Voranschlag stehen. Das Vermögen der Stadt wird mit 16,5 Will, angenommen. In der heutigen Stadtverordnetensihung ergaben Abstriche und Einnahmeerhöhunaen eine Verbesserung deS Etats auf der Srfparni-fette um 80000 Mark, die nach dem Wunsch der bürgerlichen Fraktionen zur Senkung der Gewerbesteuer Verwendung finden sollte. Dorgeschlagen wurden 650 Proz. Gewerbesteuer vom Ertrag und 1800 Prozent von der Lohnsumme. Man einigte sich nach längerer Aussprache dahin, den Wünschen der S. P.D. auf Einsetzung erhöhter Beträge beim Wohlfahrtetat entgegenzukommen und dafür an Gewerbesteuer 625 Proz. vom Ertrag und 1900 Proz. von der Lohnfumme zu erheben. Wit einigen weiteren unwesentlichen Ginnahmeerhö- hungen soll der Etat auf diese Weife bei einem Heinen Fehlbetrag von rund 6000 Mark ab- schließen. Gegen die vorgeschlagenen Sätze erhob der Bürgermeister für die Verwaltung Bedenken, der Etat wurde jedoch in dieser Gestalt von allen Stadtverordneten angenommen. Kirche und Schule. Dekanatstag des Dekanats Büdingen. )( Büdingen, 23. März. Dieser Tage traten die Abgeordneten unseres Dekanate- im evangelischen Gemeindefaal zum diesjährigen SS’- und Dritten. or} 9ab es Resultate w «tr- merra6 ab LSM Frank. Geleit spielten hierbei Naunheim mat als 'e*ner Fnm jurüdat« nburg erwartet war- llcn sich jedoch mit 1:1 m Iie& sich sogar aus Letzten der Tabelle u, mit 2:4 Toren °inz befriedigte voll. Mdte den l.g,(r.O7 ach Hause. J er nicht ganz so onor- Fürth schüüeüe dir mit einem Men fl behielt über Phö» it 3:2 Toren die Ober- Dekanatßtag zusammen. Die Andacht wurde von Pfarrer Freitag- Dleichenbach gehalten, Dekan Schäfer- Büdingen begrüßte hierauf die fast vollzählig erschienenen geistlichen und weit- lichen Abgeordneten. Der vom Dekanatsausschuh vorgelegte und gedruckt erschienene Rechenschaftsbericht über den religiös-sittlichen und kirchlichen Zustand der Dekanatsgemeinden bot ein recht erfreuliches Bild regen kirchlichen LebenS und opferfreudiger Liebestätigkeit in vielen Gemeinden. Freilich wurden auch vereinzelt Klagen laut: so war gegen 1926 ein Geburtenrückgang von 6,36 Prozent und eine Zunahme der uneyelichen Geburten um 3,9 Prozent festzustellen, Trauungsverweigerungen kamen 2, Taufverweigerungen keine vor. An Liebesgaben gingen in 1926 21 699 Mk.. in 1927 24 752 Wk. ein, d. h. auf den Kopf der Bevölkerung 0,92 Mark bzw. 1,05 Wk. Der Bericht löste eine fehr rege Aussprache auS, in der besonders die Frage der Sonntagsheiligung, des Kuchenbackverbots am Karfreitag und die Ausartung und Verschwendung bei kirchlichen Feiern, besonders bei Konfirmationen, besprochen wurden. Die Neuwahlen im Dekanat hatten folgendes Ergebnis: An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurücktretenden bisherigen Dekans, Psarrer und Hofpredigor Schäfer, wurde einstimmig Pfarrer Bär- Lindheim, zum Dekanstellvertreter Pfarrer Hoch-SelterS, zum Stellvertreter für beide im Dekanatsausschuh Pfarrer Adam- Büdingen gewählt. Die Wahlen zum Dekanatsausschuh erfolgten ebenfalls in größter Einmütigkeit, es lag nur ein Wahlvorschlag vor. Vach Vorlage der Rechnung für 1925/27 SkWttMW für die Karwoche 2010D Gardinen- Reste besondere preiswert Ä47A Aussteuerhaus Salomon Seltersweg 81 — das^&brt H den Namenszug ■ Die zwei Kennzeichen x der Echtheit Es fehlt nicht anVersuchen, der Hausfrau statt des begehrten Palmins irgendwelche anderen Kokos- Speisefette mit fast gleichklingenden Namen und in täuschend ähnlichen Pak- kungen in die Hand zu stecken. Achte darum beim Einkauf genau auf Verfangen Sie Prospero Ober das auBerordent- hch bequeme Triumph-Reteneystem beim nächsten autorisierten Triumph-Händler oder direkt beim Werk. Jeden jederzeit erreichen zu können — heuet die Feld beherrschen! Da» Triumph-Motorrad Ist immer fahrbereit Bequem, sicher und zuverlässig fahren Sie ihrem Ziel entgegen. 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RM.45000,— Goethestr. 7 ,, 50000,— Geschäftseinrichtung .... Goethe-Bund Ab Montag bis Samstag bei Chai Her Mitgliedsbeitrag ITumMin einlösen Bahr-Mildenburg-Abend: Donnerstag, 2. Mai. - Ausgegebene Theaterkarten behalten Gültigkeit. 2712 Geschäftsguthaben ...... Gesetzliche Rücklage .... Sonder-Rücklage........ Wertpapier-Rücklage ... Spareinlagen und Termingelder ................ Kontokorrent-Gläubiger.. Schulden bei Banken .... /Akzeptverbindlichkeiten . Vorerhobener Diskont ... Bürgschaften RM. 362973,38 Reingewinn............. Dienstag,-. 26. März 1929 nachmittags 2 !lhr versteigere ich im „tfcwett", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: eine Registrierkasse, eine Schreibmaschine, einen Personenwagen, drei Nähmaschinen, einen Lücherschrank, einen Schreibtisch mit Gessel, 30 Mstöeetfenster, einen Kassen- schrank, eine Schrank»Sprechmaschine mit 38 Platten, einen Waschtisch, einen Ausziehtisch, zwei Äüfetts, eine Kredenz, eine Standuhr, einen Teppich, vier Fahrräder, eine Ladentheke, eine Frlseuf-Ladeneinrich» tuna, ein Motorrad (Stock), zwei Nähmaschinen (Unterteile), einen Klichenschrank, WttMNl Montag, den 25. März ab 18.30 Uhr: Irish Stew 1158 Heinrich Marx medi. Glaserei, Löwengasse 5 Spezialanfertigung; 25790 Stumpfs Reform-Schiebefenster Auch IcUwer und ungern lernende Schüler liind Schülerinnen werden erfolgreich gefördert im i KietzMlWOßiW, LiebWe 46 Fernrnt 27 5 2412L Verlorene Zeit wird wiederffewonnen. Umtausch aller Rasierklingen aller Systeme! MT und alter Apparate. 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Die Stadtverordneten - Versammlung beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung vor der Erledigung des Wohnungsbauprogramms für 1929 mit folgenden Vorlagen: Neue Telephonanlage im Stadthaus. Bergstraße. Gelegentlich der Einrichtung des Selbstanschluh- betrieb« beim Telegraphenamt muh auch die Haustelephonanlage im Stadthaus Bergstraße »ungestaltet werden. Die Lieferung eines neuen Hausapparates mit Zentraleinrichtung für 23 Teilnehmer wird der Firma Siemens & Halske zum Angebotspreise von 2833 Mk. übertragen. „Tag des Buches" in Glehen. Zur Durchführung der Veranstaltung „Tag des Vuches" in Gießen wird ein Zuschuß von 200 Mk. zur Verfügung gestellt. Neue Gebühren aus dem Vieh- und Kramermarkt. Die nachstehende Aenderung des Vieh- und Krämermarkttarifes wird gutgeheißen: I. Das Standgeld auf den Viehmärkten wird für einen Ochsen, eine Kuh, oder ein Rind von 50 auf 80 Pf., für ein Kalb von 20 auf 30 Pf. erhöht. II. Auf den Krämermärkten kommt unter Wegfall der seitherigen Staffelungen und Sähe folgendes zur Anwendung: 1. Das Standgeld für Verkaufsstände usw. beträgt für jeden in Benutzung genommenen laufenden Meter Platz 25 Pf., mindestens aber 50 Pf. für einen Stand. 2. Für Karussells und Schaustellungen jeglicher Art für den laufenden Meter 1 Mk. Die Erhöhung der Gebühren ist durch die Mehrausgaben für die Märkte notwendig geworden. Die Viehhändler-Vereinigung hat sich mit der Gebührenänderung einverstanden erklärt. Vor dem I.Mai dürften die neuen Sähe nicht in Kraft treten. Schonkkonzessionvgesuche. Antragsgemäß werden folgende Echanktvnzes- sionsgesuchc befürwortet: Charlotte Horstmann, zur Zeit Frankfurt a. M., zum Betrieb des Cafe Ernst Ludwig: Heinrich Aaaf, Wall- torstraße 34, zum Ausschank von Branntwein (Liköre): Johannes Steinbach, Ludwigstr. 62; Hausverein der Turnerschaft „Hasso- Aas s o v i a" zum beschränkten Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Frankfurter Straße 33; Heimverein des Vereins Deutscher Studenten zum beschränkten Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Wolfstraße 9. Ein Gesuch von Friedrich Jörg, Asterweg 7, wird zur erneuten Prüfung an den Ausschuß zurückverwiesen. Gebührenorlvsahung für die Müllabfuhr und Slraßenreinigung. Einige vom Minister des Innern vorgeschlagene. mehr formelle Abänderungen zu den Orts- sahungcn und Gebührenordnungen über die Straßenreinigung und Müllabfuhr werden genehmigt. Stadtv. Loeb er (D. V.) führt bei dieser Gelegenheit Beschwerde darüber, daß für unbebaute Grundstücke Straßenreinigungskosten erhoben werden, deren Höhe den Ertrag der betreffenden Grundstücke erheblich, sogar um ein Mehrfaches übersteigt. Er ersucht um Beseitigung dieser Härten. — Stadtv. Prof. Dr. Krausmüller (D. V.) unterstützt diese Forderung. Stadtv. A i c o - saus (Wirtsch. Vg.) beanstandet gleiche Härten bet den Müllabfuhrgebühren, die z. B. auch bei Grundstücken ohne Wohnungen, also ohne Müllabfuhr erhoben werden. Folgender Antrag Loeber-Krausmüller-Winn wird dem Finanzausschuß überwieset: „Bei den Straßen- reinigunasgebühren werden für den unbebauten Grundbesitz die Gebühren auf ®/6 der sonstigen Gebühren festgelegt." Baugesuche. Auf Antrag des Bauausschusses werden befürwortet: die Gesuche von Ehr. Burk, Leihgester» ner Weg: Heinrich Renting, Wiesecker Weg 40: Witwe Kroatz, Westanlage 1. Bebauungspläne. Die Bebauungspläne über 1. das Gebiet zwischen Freiligrath-, llhland-, Friedrich- und Frankfurter Straße, Am Riegelpfad und Aulweg, 2. das Gebiet zwischen der Eisenbahn Gießen— Fulda, Reue Kaserne und östlich der Licher Straße, 3. das Gebiet zwischen Wiesecker Weg und Marburger Straße nebst Ortsbausahung werden genehmigt. Lieber die Vorlagen, insbesondere über die umfangreiche unter Ziffer 1, können wir leider nicht näk^r berichten, da die Verwaltung die erforderlichen Unterlagen der Presse nicht übermittelte, obwohl das Material für das Stadtparlament vervielfältigt worden war. Eine gärtnerische Anlage an dec hammstraße. Die Umgestaltung des seitherigen Lagerplatzes zwischen dem Elektrizitätswerk und der Hamm- strahe zu einer gärtnerischen Anlage wird beschlossen. Hierzu wird ein Kostenbeitrag von 2250 Mark bewilligt. Gemarkungsgrenzregulierung Annerod-Gießen. Die gelegentlich der Feldbereinigung Annerod geplante Grenzregulierung an der Gemarkungsgrenze Gießen-Annerod, entlang des Stadtwaldes, wird genehmigt. Verlegung des Klingelbaches. Für die Verlegung des Klingelbachs wird ein Kredit von 24 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Verwendung des städtischen Hauses weldengasse 5. Für den Einbau von 5 Wohnungen in dem städtischen Haus Weidengasse 5 (früheres Polizeiamt) werden 6000 Mk. bewilligt. Ausgestaltung des Physik- und Chemiesaaler der Oberrealschule. Für die Ausgestaltung des Physik- und Che- miesaales der Oberrealschule wird ein Kredit von 8500 Mk. bewilligt. Städtische Betriebsrechnungen. Die Rechnung des städtischen Gaswerkes für das Rechnungsjahr 1926 mit einer Einnahme von 1 011 124.57 Mk. und einer Ausgabe von 1 006 030.82 wird ohne Aussprache genehmigt, ferner auch die Rechnung des städtischen Wasserwerks für das Rechnungsjahr 1926 mit 456 020.83 Mk. Einnahme und 455 425.03 Mk. Ausgabe, die Rechnung des städtischen Dolksbades für das Rechnungsjahr 1927 mit einem Llbschluh von 72 754.19 Mk. in Einnahme und Ausgabe, sowie die Rechnung der städtischen Straßenbahn für das Rechnungsjahr 1927, die in Einnahme und Ausgabe mit je 347 714.12 Mk. abschließt. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. Zu dem Hm» und Erweiterungsbau der Gewerbeschule werden vergeben: G l a- ferarbeiten: Los 1 an Heinrich Baum zum Angebotspreis von 1480 Mk., Los 2 an B. Wolf von 1543.20 Mk., Los 3 an H. Ar- n ol d von 1683.55 Mk., Los 4 an H. Wa den- Pfuhl von 4104.50 Mk.; Installationsarbeiten an die Mindestfordernden L.. I r l e Oie Liebe derBrigitta Hollermann ZRomon von Elisabeth 7ley. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 15. Fortsetzung Nachdruck verboten. Eggenbrecht antwortete jedoch nicht, und kaute nervös an seiner Zigarette, so daß schließlich Mister Amerh, in der Annahme, doch eine Dummheit gemocht zu haben, in den Saal zurückkehrte. Der junge Arzt war allein. So faß er lange Zeit in Gedanken versunken. Isa Hollermanns unerwartetes Erscheinen hatte die kaum vernarbte Wunde seines Herzens wieder oufbrechen lassen, und er vergegenwärtigte sich abermals das Bild jenes für ihn so schmachvollen Abends. So bemerkte er nicht, daß sich eine junge Dame langsam seinem einsamen Platz hier draußen näherte. Erst die sanfte Berührung seiner gebeugten Schulter lieh ihn aus der Versunkenheit auffahren. Vor ihm stand Isa Hollermann. Schön und verführerisch, in einem spinncnfeinen Kleid von chinesischer Seide, das ihre etwas volle Gestalt vorteilhaft hervorhob. Sie sah ihn aus leicht verschleierten Augen, die gleichsam um Verzeihung zu betteln schienen, lächelnd an. Plötzlich streckte sie ihm beide Hände entgegen, und ihn freundlich grüßend, sagte sie zu ihm mit leicht bebender Stimme: „Ich habe Sie gesucht. Doktor Eggenbrecht, um Ihnen zu sagen, wie herzlich froh ich bin. daß Sie leben. Ich glaube, wir haben uns so manches zu sagen, oder hassen Sie mich noch immer?" „Fräulein Isa, wie kommen Sie qusgercchnet nach Schanghai?" stieß Eggenbrecht, mühsam seine Erregung bekämpfend, hervor. „Davon später, wenn cs Ihnen recht ist, lieber Doktor. Jetzt sind Sie mir zuerst eine Antwort schuldig. Sie böser Monn. Gott, wenn Sie wüßten, wie ich mich in jener Rächt um Sie gebangt habe!" „Gebangt, um mich? Ich verstehe nicht, ich verstehe überhaupt Ihre Worte nicht, gnädiges Fräulein. Weshalb bangten Sic sich, warum erschraken Sic so bei meinem Anblick? Hielten Sie mich bereits für gestorben?" „So wissen Sie nichts von der furchtbaren' Explosion in jener Rächt? „Ich verstehe Sie noch immer nicht." „Kaum, daß Sic den Saal verlassen hatten, flog das Laboratorium der Klinik in die Luft. Es entstand eine Feuersbrunst. Aus den brennenden Trümmern zog man einen verkohlten Leichnam, der als der Ihre identifiziert wurde." „Sehr angenehm! Aber wie kam man auf diesen Gedanken?" „Sie sind nicht nach dem Laboratorium gegangen? Der alte Diener Wilhelm mußte Sie ja aus der Hintertür lassen." „Ich war auch dort, Fräulein Isa, ging aber sehr schnell wieder fort, und verlieh Hamburg bereits zwei Stunden später mit der »Ozeana*. Die geborgene Leiche war ich also demnach wohl nicht." „Weshalb so sarkastisch", entgegnete Isa leise. „Es war eine schliipme Rächt. Ich bin bald verzweifelt, als ich hörte, daß Sie tot wären: denn ich nahm an, daß Sie Selbstmord verübt hätten, da Gitta Ihnen so furchtbar wehe getan hatte." „Sprechen wir nicht von ihr, verehrtes Fräulein Isa. Hoffentlich kam ihr doch wenigstens ein wenig Reue, als man mich angeblich tot fand." „Ich achtete nicht darauf. Brigitta hatte nur Sorgen um ihren Verlobten, der sich zu weit zum Brandherd wagte." „Also keine Reue?" sagte Eggenbrecht, bitter auflachend. „Gott ja, Gitta hat den glücklicheren Teil erwählt", plauderte Isa jetzt angeregt weiter. „Man verehrt die schöne Frau Doktor ungemein." Eggenbrecht war bleich geworden, und in seinem Gesicht zuckte es erregt. „Brechen wir dieses unerquickliche, der Vergangenheit angehörende Thema ab, gnädiges Fräulein", sagte er dann, indem er versuchte, Fassung zu bewahren. „Erzählen Sie mir lieber, wie Sie nach Schanghai kommen und was Sie ausgerechnet hierher führt." Isa ließ sich jetzt oufseufzend in einen Sessel, Eggenbrecht direkt gegenüber, fallen, und schloß, sich weit zurücklehnend, die Augen. „Ja, mein lieber Doktor, die Zeiten haben sich sehr geändert, und ich habe, entgegen meiner Schwester, den schlechteren Teil gewählt", sagte sie dann leise. „Ich kam nach Schanghai als die Gesellschafterin von Frau Ri von Salden, und befinde mich demnach in dienender Stellung: wenn dies auch natürlich nicht so drückend ist, da Ri zufällig eine Pensionsfrcundin von mir war." „Wie aber geht das zu? Ich verstehe dies alles noch nicht. Ihr H^rr Vater, wie konnte er — ?“ „Der arme Pa ist schon seit einem Jahre tot. Sie wußten das nicht, Herr Doktor?" sagte Isa, und es schien Doktor Eggenbrecht, als wenn sie nur mühsam das Weinen unterdrückte. Unwillkürlich griff er nach ihrer matt herniederhangenden weißen, gepflegten Hand, und drückte sie teilnehmend. „Das ist schlimm", sagte er dabei erschrocken. „Das habe ich natürlich nicht gewußt. Wie sollte , ich es auch? Geheimrat Hollermann tot? Wie und H. Blum zum Angebotspreis von 12967.10 Mk.; elektrische Installation: Die Ausführung der elektrischen Licht-, Kraft- und Klingelanlagen wird der Firma Gg. Appel zum Angebotspreis von 4319.20 Mk. übertragen. Die Vefchasfung eines fahrbaren Motor- Kompressors einschließlich Zubehör für 6700 Ml. von der Frankfurter Maschinenbau» Aktien-Gesellschaft vormals Pokorny & Wittekind. zu Lasten des Gaswerks wird genehmigt. Instandsetzung der Retortenofenanlage im Gaswerk. Die Dersehung der Retortenöfen Rr. 5 und 6 mit neuem Unter- und Oberbau wird genehmigt. Die nötigen Cha- mottemoterialien sind von der Stettiner Cha- mottefabrik zu beziehen. Zu den Umbauten werden zu Lasten des Erneuerungsstocks 15 700 Mk. bewilligt. Alphaltreparaturarbeiten in der Alice st raße. Die Vergebung der bereits aus- aeführten Aspholtreparaturarbeiten in der Alice- strahe an C. Rübsamen im Betrage von 6101,26 Mark wird nachträglich genehmigt. Beschaffung von Schulbänken für die Volksschulen. Für die Beschaffung von 66 zweisitzigen Schulbänken für die drei Volksschulen wird ein Kredit von rund 5000 Mk. zur Verfügung gestellt. Das städt. Hochbauamt wird mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Lieferung ermächtigt, diese im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung sofort freihändig zu vergeben. Beschaffung einer Fernmeßanlage für das städt. Elektrizitätswerk. Für den Bezug von Instrumenten für eine Fernmeßanlage wird ein Kredit von 5000 Mk. zu Lasten des Elektrizitätswerkes für 1929 Rj. zur Verfügung gestellt. Die Lieferung der erforderlichen Instrumente wird den Aron-Werken, Clektrizi- tätsgesellschaft, Berlin-Charlottenburg, übertragen. Verbesserung aus den städtischen Tennisplätzen. Für die Dersehung und Erhöhung der Umzäunung der Tennisplätze zwischen Straßenbahnschleife und D. f. B.-Sportplatz, sowie für die Errichtung eines Umkleideraumes, Einbau eines Geräteraumes in die Böschung der Plätze und für die Instandsetzung des um die Plätze liegenden Geländes wird ein Kredit von 6500 Mk. bewilligt, der wie folgt zu verrechnen ist: a) zu Lasten der Lieberschüsse aus dem Rj. 1928: 3300 Mk., b) zu Lasten der Einnahmen aus dem Tennisplahbetrieb für das Rj. 1929: 3200 Mk. Die Stadtverwaltung wird zur Vergebung der erforderlichen Lieferungen und Arbeiten ermächtigt. Beitrag zur Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen. Für die auf Grund des Gesetzes über die Kostenregelung für die gewerblichen Unterrichtsanstalten vom 14. Dezember 1928 für die Rj. 1923 bis 1926 für die Stadt Gießen fich noch ergebende Deitragslcistung guv den Kosten der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen mit zusammen 16 701,38 Mk. wird der erforderliche Kredit zur Verfügung gestellt. Oberheffen. Landkreis Gießen. X Wieseck, 22. März. Die regelmäßigen Dereinsabende unseres Frauenvereins fanden für diesen Winter mit einem Schluhabend ihr Ende. Die Jugend trug mit Detlamalionen, Gesängen, Mandolinenvorträgen und zwei wohlgelungenen Einaktern wesentlich zur Verschönerung und Abwechslung bei. Der Ortsgeistliche brachte in seiner Ansprache einen Rückblick über das vergangene Vereinsjahr und zeigte eine mit großer Begeisterung aufgenommene Lichtbilderreihe: „Kinderfreude, Kinderglück." Die Kinder- bilder stammten von A. Hcndschel, A. Lüs, Kaulbach, Knaus, Defregger, Schuster-Woldan u. a. Bei Kaffee und Kuchen, auch einer amerikanischen Versteigerung flössen schnell die Stunden dahin. : L i n d e n st r u t h , 23. März. Gestern fand die Uebergabe der neuen Grundstücke in dem Wiesengrund östlich und westlich des Dorfes und des anschließenden Teiles der Gemarkung Reis- kirchen an die neuen Besitzer statt. Durch die stän big zunehmende Versumpfung des Tales war eine Berlegung der Wieseck nötig geworden. Die Arbeiten begannen im Jahr 1926 und wurden im Spätherbst bei- vergangenen Jahres zu Ende geführt. Mit der Bachregulierung wurde zugleich die Bereinigung des Wiesengrundes vorgenommen. Die 'Verteilung der Grundstücke sollte zu Beginn dieses Jahres oor genommen werden, mußte jedoch infolge des lange anhaltenden Winters verschoben werden. Es hat sich bis jetzt erwiesen, daß die Verlegung des Waller laufes ihren Zweck erfüllt. Eine Stauung des Wassers zur Regenzeit ist nicht mehr oorgekommen. s. Utphe, 23. März. Gestern abend fand die Entlassungsfeier der diesjährigen Konfirmanden statt, zu der fich die Eltern und Angehörigen der Schüler eingefundcn hatten. Es wechselten zweistimmige Lieder und Gcdicht- vorträge der Mädchen. Die Knaben des Jahrgangs spielten in flotter Weise ein Theaterstück, das viel Beisall fand. Ein Schüler fpielte kleine Viclinstückchen mit Harrnoniumbegleitung, mehrere andere trugen Lieder auf der Schneidcrschen Schulflöte vor. wobei dieses Instrument mannig- sache Verwendbarkeit erwies. Sowohl das ein* und zweistimmige Spielen, als auch die Flötenbegleitung zu Gesang wirkten gut. Lehrer Arnold wies in feinen Abschiedsworten besonders auf den Segen der Arbeit im menschlichen Leben hin. Sie gewähre mehr als alles Hasten und Jagen nach Vergnügungen innere Befriedigung und dauerndes wahres Glück. Zum Schluß wurden noch die ausgelegten Handarbeiten der Mädchen. Zeichnungen und Klebearbeiten aus Buntpapier besichtigt. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 23. März. Unser Vcrkchrsverein hat in einer Eingabe an den Verkehrsbund Oberhessen, Sitz Gießen, seine Fahrplanwünsche mitgeteilt mit dem Ersuchen, sie an die zuständige Stelle (Direktion der Reichsbahn. Frankfurt a. M.) weiterzuleiten und zu vertreten. Weil aber auf unserer Strecke (Burg—Rieder-Gemünden— Kirchhain) an den Rachmittagen kein Personenzug verkehrt, so hat er sich weiter dafür eingesetzt. den Verkehr einer Autopost in dieser Zeit versuchsweise zu erreichen. Der Wagen der Strecke Alsfeld—Groß-Felda—Rieder-Gemünden liegt ' nämlich nachmittags untätig in Rieder- Gemünden. Cs wurde erreicht, daß die A u t o « post um 18.50 Uhr in R i e d e r - G e m ü n - den abfährt und um 19.15 Uhr am Marktplätze in Homberg eintrifft. Rach einem Aufenthalt von 15 Minuten erfolgt um 19.30 Uhr die Rückfahrt und die Ankunft in Rieder-Gemünden um 19.50 Uhr. Vom nächsten Montag ab wird dieser Wagen, genügende Beteiligung vorausgesetzt, $um ersten Male verkehren und vielleicht zu einer dauernden Einrichtung werden. — In seiner Sitzung am Freitagabend beschloß der Ge- meinberat einstimmig, auch in diesem Jahre den Prämienmarkt wieder abzuhalten, und zwar am 12. Juni. Wie im Vorjahre, so soll auch in diesem Jahre eine Verlos ung statt- finden, gleichfalls eine Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen, sowie Erzeugnisse des einheimischen Gewerbefleißes. Mit den Vorarbeiten zu diesem Markte soll alsbald begonnen werden. ist da» nur möglich, wie konnte der stattliche Mann so schnell sterben?" „Ein Herzschlag, sagt man, Herr Doktor", flüsterte Isa fast tonlos. „Ich allein weiß cs besser, er vergiftete sich, und schuld ist Brigittas Verlobung mit diesem Beilinger." „Weshalb? Um Gottes willen, liebes Fräulein Isa, sprechen Sie?" „Cs starb damals ein alter Patient etwas zu schnell. Pa hat da in seiner grenzenlosen Menschenliebe wohl ein bißchen nachgeholfen. Bellinger aber kam dahinter und drohte ihm." „Erich Blessen, ja, ja: ich ahnte es, wenn ich auch keine Gewißheit hatte: es ist entsetzlich, liebes Fräulein Isa. Also deshalb wurde aus dem kleinen koketten Backfisch in so kurzer Zeit eine so ernste junge Same.“ Eggenbrecht beugte sich in aufwallendem Mitleid zum Kuß über Isa Hollermanns Hand. So sah er nicht, daß in den gesenkten Mädchenaugen ein kurzes triumphierendes Blitzen aufflammte, das aber schnell wieder verschwand. „Und Sie, Fräulein Isa, weshalb müssen Sie nun Ihr Brot verdienen?" fragte er erschüttert, zu ihr aufsehend. „Ich ging freiwillig. Vater hinterließ kein Vermögen: das Haus war mir verleidet. Ich konnte nicht länger den Menschen begegnen, die meinen Vater —" „Still, liebe Isa, reden Sie nicht mehr davon, es tut Ihnen zu weh." „So — so hassen Sie mich nicht, weil ich die Schwester derjenigen bin, die Ihnen so weh getan hat?" „Wie könnte ich es, Fräulein Isa, jetzt, nachdem ich alles weih. Hier, meine Hand, auf gute Kameradschaft fern von der Heimat, und —“ Cggenbracht brach plötzlich ab, bot dann Isa den Arm und führte sie in den Saal zurück. „Du kennst den deutschen Arzt von Hamburg her, Isa?" fragte Ri von Salden, als sie zusammen im Auto sahen und nach Hause fuhren. Don Salden selbst war noch im Älub geblieben. Isa Hollermann lehnte tief in den Polstern des eleganten Coupes und gähnte verstohlen. „Gott ja", sagte sie dann. „Ich kenne Eggenbrecht von Hamburg, er war Pas Assistenzarzt. Ein ganz netter Kerl, ein bissel schwerfällig und verträumt." „Ist er nicht in dich verliebt, Isa? Du solltest daran denken, dir eine gute Partie zu sichern." „Meinst du. Ri? Run ja, Frau Doktor Eg- genbrecht wäre nicht schlecht, und wenn er will, ich sage vielleicht nicht einmal nein. Schließlich kann ich dir ja auch nicht mehr lange zur Last fallen.' „Davon ist keine Rede, Isa; aber schließlich ist es doch nicht richtig, wenn du hier meine Gesellschafterin mimst. Womöglich läht man es dich gesellschaftlich einmal fühlen." „Das sollte man wagen! Doch, Ri, du hast recht; schmieden wir also das Eisen, solange es heiß ist. Llebrigens will Eggenbrecht morgen seine Aufwartung machen. Hast du etwas dagegen?" ..Weshalb wohl; es wird hier ohnedies langweilig genug werden, das ahne ich bereits. Gott, weshalb blieben wir nicht in Berlin?" Isa antwortete nicht. Außerdem waren sie jetzt gerade am Ziel angelangt. Schon vier Wochen später führte Doktor Hans- Jörg Eggenbrecht Isa Hollermann als seine Frau heim. Sie bewohnten gleich neben der prachtvollen Dilla Saldens ein entzückendes einstöckiges Haus. Isa verstand es in kurzer Zeit, in der Kolonie tonangebend zu sein. Alles drehte sich um sie. Kam Eggenbrecht von seiner Tätigkeit überanstrengt nach Hause, so kam es vor, daß seine junge Frau nicht anwesend war. Aus seine Dorwürfe entschuldigte sie sich mit Verpflichtungen aller Art. Die ersten Wochen ihrer Ehe glaubte Isa sogar eine Art Liebe für ihren Mann zu fühlen, doch nur allzubald Begann ihr koketter Sinn nach Abwechslung, nach kleinen Flirts auszuschauen. Eggenbrecht war ihr zu ernst, zu schwerfällig in seiner Liebe. „Er ist mir zu deutsch", sagte sie kurz nach ihrer Hochzeit einmal seufzend zu Ri von Salden, die ihr Vorwürfe machte. „Weißt du, Ri, ich hasse nun einmal alle Sentimentalität. Wahrhaftig, ich sehe immer mehr ein, daß er und meine Schwester Gitta besser zusammengepaßt hätten. Gott ja, man muß sich da eben ein wenig anöertteitig amüsieren." „Wenn es sich dein Mann gefallen lassen wird", entgegnete Frau von Salden mahnend. „Aber Di, ich bitte dich, er wird es gar nicht werten. Mein Gott, er ich ja so verliebt und stolz auf mich. Wer eine schöne Frau heiratet, muh übrigens mit einigen Anbetern rechnen." „Mister Tarn benimmt sich aber, meiner Ansicht nach, etwas zu unverfroren. Glaube nicht, daß dein Mann ein so blinder Taps ist, wie du ihn hinzustellen beliebst. So kurze Zeit ich auch den Geist einer solchen Europäerkolonie studieren konnte, glaube ich doch bestimmt, jetzt schon zu wissen, daß man dich, wenn du es zu weit treiben solltest, schon weil man deinen Mann hoch- schätzt, einfach boykottieren würde." „Sie sollen es wagen!" rief Isa hochfahrend. Vorläufig sah Hans-Jörg Eggenbrecht dem Treiben seiner Frau still zu. Sein kurzer Glückstaumel war längst verflogen, und er erblickte sie wieder mit seinem kritischen Auge, (Fortsetzung folgt.) 'XV irtschast. Etwas leichtere Geldmarktlage. Grundtendenz bleibt gespannt. Am Geldmarkt ist nach der Abwicklung des Medio eine gewisse Beruhigung und Erleichterung eingetreten, die allerdings nur am Tagesgelümarkt und beim Wonatsgeld deutlich in Erscheinung trat. Die Bereitstellungen für den bevorstehenden Wärz-Ultimo hatten, da der März-Ultimo in diesem Jahre mit dem Quartals-Ultimo zusammenfällt und daher besondere Vorsorge am Platze war. bereits in der ersten Monatshälfte einen solchen Umfang angenommen, daß kurz nach dem Medio eine gewisse Uebersättigung eintrat, die dem Tagesgeldmarkt in der abgelaufenen Derichtswoche zugute gekommen ist. Selbst der große Bedarf für den rheinischen Zahltag am 20. d. M. machte sich nicht wie sonst fühlbar, da er glatt befriedigt werden konnte. Abgesehen von der entlastenden Wirkung der am Tagesgcldmarkt vorübergehend ausgeliehenen Gelder aus ter Ul^imcfinarzierung ist auch dadurch eine Gelderleichterung eingetreten, daß die Gelddispositionen des Reiches in der B^richtswoche den Markt nicht mehr b e l a st e t haben, nachdem sie durch die bekannten Bereinbarungen mit den Großbanken über Gewährung eines größeren Kontokorrentkredites ihren Abschluß gefunden hotten. Es dürfte mit neuen Geldausleihungen des Reichs für die allernächste Zeit, entgegen anders lautenden Meldungen, nicht zu rechnen ein. Die Entspannung am Tagesgeldmarkt hat sich auch auf Monatsgeld übertragen, ohne daß allerdings eine Ermäßigung der Sähe trotz reichlichen Angebots eingetreten wäre. Die cingetretene Gelderleichterung ist aber nur eine bedingte, und man darf sich nicht darüber täuschen, daß die Grundtendenz des Geldmarktes nach wie vor auf Anspannung hindeutet. Dies beweist die Lage am Privatdiskontmarkt. Das große Angebot in der Vorberichtswoche hat zwar nachgelassen, aber nach wie vor ist ein starkes Angebot vorhanden, dessen Verkauf jedoch zurück- gehalten wird, weil man weiß, daß dann der Scch für Privatdiskonten sofort auf den offiziellen Satz anziehen würde. Infolgedessen warten die Privatdiskontabgeber die Lage ab, und es ist damit zu rechnen, daß die Reichsbank zum Ultimo stark in Anspruch genommen werden wird, aüch von dieser Seite. Was den Ultimo anbelangt, so ist mit einer glatten Abwicklung zu rechnen, schon deswegen, well die Vorbereitungen, wie oben gesagt, recht umfangreiche waren. Es wgre jedoch falsch, wollte man annehmen, daß nach glatter Abwicklung des Märzultimo ün April eine rasche Entspannung am Geldmarkt eintreten wird. Dagegen sprechen zunächst die Anforderungen für Steuerzahlungen, die Anfang Aprll an den Geldmarkt gestellt werden. Erst nach dem 10. Aprll wird man mit einer Zunahme des Geldangebots rechnen können. Hinzu kommt, daß die Saisonansprüche der Wirtschaft, besonders der Landwirtschaft und des Baugewerbes, sich bemerkbar machen werden. Der Geldbedarf der Landwirtschaft und des Baugewerbes ist bisher trotz der günstigeren Willerungsver- hältnisse iwch nicht stark in Erscheinung getreten. well erst nach und nach die Belebung nach der langen Zeit des Frostes um sich greift. Ratürlich wird es darauf ankommen, wie weit und in welchem Grade die sich aus dem Rückgang der Konjunktur ergebenden Entspannungsmomente den Druck aus den geschllderten Ansprüchen für Aprll am Geldmarkt auffangen. Die internationale Geldmarktlage bleibt nach wie vor ungeklärt, die in Reuhork am Medio eingetretene Geldflüssigkeit hat inzwischen wieder einer erheblichen Anspannung Platz machen müssen: ob Amerika ohne eine Diskonterhöhung seine Kreditverhältnisse ordnen kann, ist zweifelhaft, so daß Überraschungen möglich sind. Diskonterhöhung der Niederländischen Bank. A m st e r d a m , 23. März. Die Niederländische Bank hat ihren Diskontsatz von 4,5 auf 5,5 d. 5). erhöht. preußische Elektriziiäis-A.-G. Der Geschäftsbericht der Preußischen Elektrizitäts-A. -G. schildert die gort» schritte, die in der K o n z e n t r a t i o n s - und Demarkationsbewegung der deutschen Elektrizllätswirtschaft unter maßgeblicher Mitwirkung dieses Unternehmens erzielt werden konnten. Die Aktiengesellschaft Sächsische Werke, die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, und die Württembergische Landeselettrizlläts-A.-G. haben ihren Beitritt zu der Aktiengesellschaft für deutsche Elektrizitäts- Wirtschaft erklärt, die die Vereinigung aller führenden Unternehmungen der deutschen Elektrizitätswirtschaft erstrebt. Die Preußische Elek- trizitäts-A.-G. selbst förderte die Verständigungsbewegung durch Abkommen, die sie mit der Bahernwerk-A.-G., der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen, G. m. b. H., der Aktiengesellschaft Sächsische Werke, der Thüringischen Landes-Elektrizitätsversorgung 21.-®. (Thüringen-Werk), und der Elektrizitätswerk-älnterelbe-A.-G., Altona, traf. Für den Ausbau der eigenen Erzeugungsanlagen der Preußischen Elektri- zitäts-A.-G., wurde besondere Sorge getragen. Das Kraftwerk Hemfurth II, an der Edertalsperre, mit 13 000 Kilowatt kam im Laufe des Jahres 1928 in Betrieb. Ebenso wurden im Laufe des Jahres die Erweiterungen des Kraftwerks 2lhlem bei Hannover um 12 000 Kilowatt und des Kraftwerks Borken um 20 000 Kilowatt durchgeführt. Zur Deckung des mit dem umfangreichen Dau- Programm verbundenen Geldbedarfs wurde im Geschäftsjahr 1928 eine 6prozentige Ausland- ailleihe von 1,2 Millionen Pfund ausgenommen, der im laufenden Geschäftsjahre 1929 eine zweite Tranche von 4 Mill.onen Dollar folgte. Die Gewinn- und Derlustrechnung der Preußischen Clektrizitäts-A.-G. schließt nach Zuweisung von 4,1 Millionen Mark an den Erneuerungsfonds mit einem Reingewinn von 4.3 Millionen Mark ab, von denen 4 Millionen Mark, gleich 5 Prozent, als Dividende auf das 2lktienkapital von 80 Millionen Mark aus- geschüttet werden. 150 000 Mk. werdendem Fonds für soziale Zwecke zugewiesen, 100 000 Mk. als Gewinnvortrag auf neue Rechnung übertragen. Der Betriebsüberschuß von rund 10,5 Millionen Mark entfällt etwa im Verhältnis 3:7 auf Einnahme aus den Beteiligungen und sonstige Einnahmen. Trotz ungünstiger Wasser- verhclltnifse weist das Ergebnis der Betriebe eine wesenlliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahre auf. Das Geschäftsergebnis zeigt, daß eine erhöhte Wirtschaftlichkeit des Unternehmens erzielt werden tonnte, und rechtfertigt die 2lnnahme, daß auch in dem nächsten Jahre befriedigende Erträgnisse erwartet werden können. Hamburg-Amerika-Linie. In der stark besuchten Generalversammlung der Hamburg-Amerika-Linie waren vertreten 132 692 100 Mk. Stammaktien und 1 370 000 Mk. Vorzugsaktien. Zum Punkt B i - lanz, Gewinn- und Vertu st rechnung kam eine ganze Reihe Opponenten zum Wort, die im wesentlichen übereinstimmend die Ermäßigung der Dividenden und ferner die Behandlung der Frage der Freigabegelder bemängelten und verschiedenllich auch 2luskunft über einzelne Bilanzposten verlangten. Rach längeren Diskussionen gab der Vorsitzende, von S ch i n ck e l. namens der Verwaltung die Erklärung ab. daß aus dem Ergebnis des Geschäftsjahres auch nicht das Geringste versteckt worden ist. Es sei der Verwaltung daher unbegreiflich, daß die Aktionäre glaubten, mehr Dividende erhalten zu können. Der einzige Posten, aus dem mehr Dividende möglich Ware, seien die Abschreibungen. Im Hinblick auf die neuen Erfindungen und Verbesserungen technischer Art würde jedoch eine Gesellschaft wie die Hapag die Erneuerung ihrer Flotte aus Abschreibungen bestreiten. Was die Verhandlungen in Amerika wegen der Freigabegelder anbelange, so könne man zwar hoffen und vermuten, welche Entschädigung einmal gezahlt und nach welchen Prinzipien sie errechnet werden wird, ober nichts Genaues wissen. Es sei deshalb nicht denkbar, daß die Verwaltung unter diesen Umständen im voraus bestimmte Zusagen machen könne. Zum Schluß bat der Vorsitzende die Herren, die den Antrag auf Ausschüttung einer 8prozentigcn Dividende gestellt hatten, diesen Antrag genau in der Richtung zu formulieren, woraus die erhöhten Summen verteilt werden sollten, lieber die Darlegungen des Vorsitzenden entspann sich erneut eine ausgedehnte Diskussion. Schließlich folgte die Abstimmung über den vorliegenden Abschluß, der die Verteilung einer. Dividende von 7 Prozent vorsieht. Die Vorschläge der 2kr- Wallung und der 2lbschluß wurden mit 368 581 (davon 314 581 Stimmen mit 94 374 000 Mark Stammaktienkapital und 54 000 Stimmen mit 1 370 000 Mk. Vorzugskapital) gegen 119 504 Stimmen mit 35 851 000 Mk. Stammaktienkapital der Opposition genehmigt. * Die am tliche Großhandelsinderziffer. Die auf den Stichtag des 20. Mär; berechnete Großhandelsinöexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 139,3 gegenüber der Vorwoche (139,9) um 0,4 v. H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,6 v. H. auf 132,9 (135,0) gesunken. Die Indexziffer für Kolonialwaren war mit 125,4 unverändert. Die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,4 v. H. auf 134,5 (134,0) gestiegen, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 158,0 keine Oberänderung aufweist. 'Wiesbaden tritt derSüdwestdeut- schen Gas - A. - G. bei. Rach einstimmigem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung ist die Stadt Wiesbaden ebenfalls der Südwest- deutschen Gos-A.-G. beigetreten. Die Beteiligung beträgt 10 Prozent gleich 100 000 Mk. Es sind nunmehr der Südwestdeutschen Gas-A.-G. beigetreten die Frankfurter Gasgesellschaft, die Städte Mannheim, Karlsruhe, Ludwigshafen. Heidelberg, Pforzheim, Hanau, Wiesbaden und die Provinz Hessen-Rassau. * Vom Kupferblechsyndikat. Der Entwicklung der Marktlage entsprechend hat die Ver- kaufstellc des Äupferblechsyndikats Kassel den Grundpreis für Kupferblechfabrikate mit Wirkung vom 23. März auf 290 Mark festgesetzt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. März. Tendenz: unsicher. — Die überraschende Diskonterhöhung der Riede rländischenDank, die schwache Reuhorker Börse vom Samstag und der zu erwartende Lohnkonflikt im Ruhrbergbau riefen zu Beginn der neuen Woche eine allgemeine Unsicherheit hervor. Die Tendenz war schwächer, und das Geschäft bewegte sich in bescheidenen Grenzen, doch nahm auf dem ermäßigten Kursniveau, da auch verschiedentlich wieder Orders Vorlagen, die Spekulation ganz vereinzelte Deckungen vor. Im allgemeinen verhielt sie sich jedoch sehr zurückhaltend, nahm teilweise auch Abgaben vor, so daß die Verluste später noch zunahmen. Auch der heutige Liqui- dationstag mahnte zur Vorsicht. Gegenüber der Samstagschlußbörse gingen die Verluste durchschnittlich bis zu 3 Prozent. Vereinzelte Werte überschritten sogar noch diese Grenze. Stark angeboten waren vor allem Svenska, die weitere 8 Mk. einbüßten. Auch A.E.G. verloren 3,75 Prozent, Schuckert minus 2 Prozent, Siemens minus 1,5 Prozent. Okur für Bergmann bestand bei höherem Kurse einiges Interesse. Auch Glanzstoff verloren bei etwas erheblicherem Angebot 5 Prozent. I.-G.-Farben lagen 1,60 Prozent und Scheideanstalt 1,5 Prozent schwächer. Holzverkohlung blieben behauptet. Von Zellstoffwerten büßten Waldhof 1 Prozent ein, während Aschaffenburger gehalten blieben. Am Montanmarkt waren die Verluste gering, Rheinstahl gaben 2 Prozent nach. Für Rheinische Braunkohlen bestand dagegen recht lebhafte Rachfrage, da hier das Ausfallen jeglicher Feierschichten eine 2lnregung bot. Zur ersten Rotiz gewann dieses Papier 4,27 Prozent. Am Bankenmarkt verloren Berliner Handelsgesellschaft 2.5 Prozent, Metallbank 2.25 Prozent. Bei den übrigen Werten betrugen die Rückgänge nur bis 1 Prozent. Aschersleben minus 2 Prvz. Westeregeln gut behauptet. Autoaktien uneinheitlich Kleyer 1,25 Prozent höher, Daimler gaben dagegen 1,25 Proz. nach. R. S. U. behauptet. Einiges Interesse bestand noch für Zement Heidelberg. Karstadt und Deutsche Linoleum dagegen 2,5 Proz. schwächer. Ailleihen ohne nennenswertes Geschäft. Ablö- sungsschuld und von 2lusländern Türken leicht gedrückt. Schutzgebiete weiter etwas erhöht. Im Verlaufe war das Geschäft sehr ft UI, bei weiteren Abgaben gingen die Kurse gegenüber dem Anfang erneut brs 1 Proz. zurück. Schuckert sogar 2 Proz. schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5.5 Proz. etwas gesucht. Geld über Ultimo 7,5 bis 8,5 Proz. Am Devisenarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2148, gegen Pfund 20,460, gegen Paris 124,23. London gegen Kabel 4,2148. gegen Mailand 92,75. gegen Holland 12,1113. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. März. In der neuen Woche verkehrte der hiesige Produktenmarkt in flauer Haltung. Die schwächeren Auslandnotierungen drückten auf die Stimmung und Umsätze kamen daher nur in bescheidenem Umfange zustande. Obwohl das Angebot noch immer verhältnismäßig gering war, traten Abschwächungen bis zu 0,25 Mark ein. Stärker angeboten war vor allem Brotgetreide. Auch am Futtennittel- markt war großes Angebot in Mais für Futter- zwecke vorhanden, bei einem Verluste bis zu 0,50 Mark. Das Mehlgeschäft war nach wie vor schleppend. Es wurden notiert: Weizen 23,75 bis 24; Roggen 23,75, Sommergerste für Drau- zivecke 24, Hafer, inländischer, 24,25 bis 2450: Mais (gelb) 23.50, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 33 bis 33,75, Roggenmehl 30,25 bis 31,50, Weizenkleie 14 bis 14,10, Roggenkleic 15,25 Erbsen 35 bis 60, Linsen 65 bis 118. Heu, süddeutsches, 14 bis 14.75, Weizen und Roggenstroh. drahtgepreht 5,75 bis 6. Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 4,80 bis 5.25, Treber, getrocknet 21,50 Mark. Tendenz: Flau. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 25. März. Auftrieb. 1587 Rinder (darunter 374 Ochsen, 85 Bullen 663 Kühe, 420 Färsen), 256 Kälber. 139 Schafe. 6531 Schweine. Es wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 55 bis 59 Mk., (ältere 1 50 bis 54; sonstige vollfleischige (jüngere) 45 bis 49: (Bullen): jüngere, vollfleischrge, höchsten Schlachtwerts 50 bis 53; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 49; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 42 bis 47; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 37 bis 41: fleischige 33 bis 36; gering genährte 25 bis 32; (Färsen — Kalbinnen, Iungrinder —): voll- fleischige. ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 55 bis 59; vollfleischige 50 bis 54; fleischige 45 bis 49. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 79 bis 83: mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 78: geringe Kälber 65 bis 72. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 78; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 76 bis 79: von etwa 160 bis 240 Pfund 77 bis 80; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 75 bis 78 Mk. - W a r k t v e r l a u f: Rinder ruhig, nahezu ausvertauft. Schweine ruhig, geringer Ueberstand. Kälber und Schafe lebhaft, geräumt. Büchertisch. j— Ottokar Ianetschek: Der Raxkönig. Leinen 4.50 Wk. Amalthea-Verlaa. Wien (42). — Seitdem die Raxschwebebahn Tausende bequem in eine Höhe von 2000 Mrter emporträgt. um den Lufthungrigen die köstliche Frische des Hochgebirges und bad gesundheitsspendende Licht der Höhensonne zu schenken, ist es überaus lebendig geworden m der einstmals so einsamen Bergwell der Rax. Vordem waren es die wagemutigen Hochtouristen, die die Reize des vielgestaltigen Berges den Menschen erschlossen. Aber auch sie hatten kühne Wegbereiter: jene einfachen Holzknechte, die vor mehr als hundert Jahren in das unwegsame, urwaldwilde Raxgebiet zum ersten Male eindrangen und mit den primitivsten Mitteln, bloß von der Macht des Glaubens an ihren Gott und an ihre Sendung geleitet, eine kulturhistorische Tat vollbrachten, die im neuesten Romane von Ottokar Ianetschek dichterische Würdigung fand. Icme- tscheks Roman hat das gewaltige steinerne Haupt der Rax mit dem Glorienschein menschlicher Heldenaröße umwoben. Geister vergangener Zeiten sind in den Zinnen und Schrofen der Rax lebendig geworden unZ> die Wässer der Dargwelt wissen zu erzählen von ihrem Schwemmeister Huebmer, lispelnd und raunend an sonnigen Tagen, rauschend und dröhnend, wenn der Föhn im Frühling das Eis der Berge bricht und die ungeheure Flut der Schmelzwässer durch daS Höllental tobt. — Dr. Hans F. K. Günther: Rassengeschichte des hellenischen und des römischen Volkes. Mit einem Anhang: Hellenische und römische Köpfe nordischer Rasse. Mit 147 Abbildungen im Text und auf Tafeln. München, I. F. Lehmanns Verlag. In Leinen 8 Mark. (719) — (Seit Spengler den Untergang des Abendlandes auf ein Altwerden, auf ein Erschöpfen der kulturellen Leistungsfähigkeit seiner Völker zurückzuführen suchte, ist die Anteilnahme an der Geschichte des Altertums viel größer geworden. Günther behauptet, die Erschöpfung der Schaffenskraft, das Altwerden der Völker sei letzten Endes nichts anderes als eine Veränderung der rassischen Zusammensetzung, ein Emporkommen anderer Schichten, die nicht im Stande sind, die in der Blütezeit geschaffene Kultur auf derselben Höhe weiterzuführen. Günther schildert die Kämpfe zwischen Patriziern und Plebejern nicht nur als Stände» und Klassenkämpfe, sondern deckt ihre blutbedingten Ursachen aus. Ties ergreifend und gerade für die heutige Zeit erschütternd wirken seine Darlegungen über den Untergang von Sparta, Athen und Rom, der seiner^ Ansicht nach überall ähnliche Gründe hatte: Verstädterung, Wohlleben, dadurch verursacht Geburtenbeschränkung und Ehescheu, Rückgang der führenden Schichten, Zerrüttung des Bauernstandes und Durchsetzung der Bevölkerung mit morgenländischer Einwanderung. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse 130,5 129,5 Danknoten. 171.5 135 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, 7,5 135,5 321 12 lu 10 10 9 V' 10 6 io 10 10 8 12 8 10 225.5 199 2 sh 10 . t . 9 . 5 , 6 11 137,25 320 120,75 141 143,5 228 200 286,5 176,75 167,75 172 175,25 171 136.25 319,75 I Ille Bergbau ..... Hlödnermeite . . . • . Kölu-Neuelleu. .... Manuesmcmu..... ManSfelder...... Cbeddikt (Hfenb. Bedarf Oberfcklel. Roltroede . 141,75 i 143,75 227,5 199,75 285 । 176,25 j . ä 3.4 . 6 . 8 130,75 ' 193 ; Berg manu..... Clettt. Lieferungen. , Licht und Kraft gelten & Guilleaume < Ges. f. Gletrt. Untern., Hamb. Eleltr. Werte , Rhein. Glettr. . . . , Schief. Eleltr. . . . , Schuckert...... Siemens & Halste . < Trausradio . . . . , Lahmetzer L To.. . , Buderus...... Deutsche Erdul . . , Weiter Steintahle . . Geljeutirchener . . , Haroener...... Hoesch Eilen. . . . , - 166,5 120,9 119,13 166,75 | 166,25 172 ’ " Rheinische Brauntohlen Rheinstahl f. Riebeck Montan . . . Bereinigte Stahiw. . Otavi Minen ... Sali Aschersleben . . ft Uhr- Kur- Schuh!Anfong. flute I Kur' Datum 23.3. 25-3. 23.3. 25 3. Phtuvv Pv^mann ....... Heidelberger Cemeni.... 10 Gement Karlstadt ...... S Wayß 4 Freitag ...... 10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Oilwerte........12 Ben Glan-stoff......18 Bembcrg...... 14 Zellstoff Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 Dessauer Gas........8 Daimler Motoren ...... 0 Demag . ....... 0 Adlerwerte Kleber ...... 6 Ludw. Loewe ....... 10 Rat. Automobil ....... 0 Crenftein & Koppel . .... 5 Leonhard Tietz ■ ...... 6 Bamag-Meauin ....... 0 Franlf. Maschinen ...... 6 Gritzner...... 11 Heylioenstaedl ...... .0 Iunghan-,. . .....4 Lechwerte. . ........ 8 Mainkraftwerte ....... 8 Mag..........10 Netarsulmer ........ 8 BeterS Union . .......8 Gcbr. Roeder . ...... 10 Loigt 4 Haesfner ...... 8 Südd. Zucker ........8 129,5 144,5 175 130 264,9 188,25 56,5 53,5 65 89,25 72 115,25 119 23 108 110 147 145 263,25 188,25 55,25 54,75 23 129 123,75 288,5 239 445 385 264 189.25 120,5 220,75 56 52,5 55 223 30,65 88.75 287 66,9 87,9 72,5 144 22,5 108 213 147 127,5 288,5 443 380 263,25 120 220 56,5 52 52,13 30,75 98 288 143,5 Berlin 23. März Geld Brief Französische 'Jloten..... oollandiiche Noten...... italienische Noten...... 16,47 16.53 168,28 22,18 168,96 22,26 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr.i 100 .Kronen 112,08 112,52 59,00 59/00 Rumänische Noten...... 2,00 2,00 Schwedische Noten...... 112.18 112,62 Schweizer Noten....... 81.01 81,33 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. 64,21 12,445 64,49 12,505 Ungarische Noten ... 73,00 73,00 176 175,25 176 176 222,5 223 223,75 224 171,5 — 171,5 172,25 218 — 217,5 215,9 145.65 144.5 145,5 145 236,5 — 234,5 234 — — 149,25 148.5 167 — 168,5 168,75 — — 214,5 213.6 235 233 234,75 233,5 395 393,5 395,25 392.13 — — 160 160 170,75 —- 171 170.5 78,5 78,25 78 78,9 124,5 — 124 124 — •— 127,75 126 130,75 129.5 130,75 130 137,5 137 136,75 138 — — 124 122,5 210 —- 210 211 106,65 —- 106 105.75 — — 122,5 122 113,5 113,25 114,75 114 132 —— 132,5 132.9 — — 87,75 87,75 — — 106,13 106,25 94,5 93.5 94.4 — 293,25 298 295 300 127 125 125,75 125 144 — 145 144 92.75 — 92,13 72,65 91,9 73 72 71,75 224.5 222,5 224 223.75 230 230 230,25 231 343,5 342 338 252,25 250,6 252 251,5 — — 117.75 171,5 170 — 91.5 90,5 91,25 91.9 93,75 93 93.5 93,13 196 — — 23- M n 25- März Amtliche Notierung Geld i Brie' Amtliche Notierung Geld i Pr> 21 UHL- Ron. Bu> n-AireS Brss.-Antw- Thristiania. .Kopenhagen Stockholm . HelnngforL- Italien. . London- . . Neuyork . . Paris.... Schwei; . . Sva iien . Japan . . . Rio de fttnt Wien in D-- CefL ab gelt Prag - . . - Äcl»rad - - Budapest. . Bul arten Lissabon . Danzig. . . Konst nrin. Athen. . . Ganaba Urn uat) . Cairo . . . 168,63 1,770 58,455 112,28 112,25 112.46 10,589 22,055 20,437 4,2105 16,445 81.005 63.69 1.871 1.499 59,195 12,478 7,397 73,37 3,041 18,83 81,71 2,065 5,455 4,183 4,266 20,965 168,97 1.774 58.575 112,50 112,47 112.63 10.609 22,095 20,477 4.2185 16,485 81.165 63,81 1,875 0,501 59,315 12,498 7,411 73,51 3,047 18,87 81,87 2,069 5,465 4,191 4,274 21,005 168,83 1,769 58.465 112,27 112,21 112.43 10,591 22,05 20,44 4,2110 16.455 81,01 63,82 1,878 0,4985 59,20 12,481 7,395 73,34 3.041 18,84 81,735 2,063 5,45 4,196 4.276 20.96 169.17 1.771 58,585 112,49 112,43 112,65 10,611 22,09 20,18 4,2190 16.495 81,17 63.94 1.882 0,5005 59,32 12,501 7.409 73,48 3.047 18,88 81,895 2.067 5.46 4.204 4.284 21,00 Berlin, 23. März Geld «riet .'murtlantiwe Noie»..... Belgische Noten ........ Dänische Noten. ....... Englische Dolen........ 4.204" 58,00 112,03 20,435 4,224 58,00 112,47 20,515