Nr. 224 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 24. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monat;-Ve;ugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfttätr-Vuch- und rieindruckeret H. Lange in Sieben. Zchriftleitung. und Geschäftsstelle: schulstrahe r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Die pariser Verhandlungen beuffchnationaler Politiker Sie Darstellung der „National- liberalen Korrespondenz". Berlin, 24. Sept. (TU.) Die RLE. beschäftigte sich am Dienstag unter der Ueberschrift „Einhellige Bestätigung der deutschnationalen Franzosenpolitik" in einem längeren Artikel m i t dem Beto und den Gegenerklärungen, die ihre Berösfentlichung über Verhandlungen des Abgeordneten Klönne ausgelöst haben. Gegenüber der Erklärung Klönnes verweist sie u. a. auf amtliche Feststellungen, daß eine Information des Auswärtigen Amtes weder vorher erfolgt sei, noch fortlaufend mit dem Gang der Verhandlungen, noch mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes, geschweige mit seiner Billigung. Cs könnte zu- treffen, daß Dr. Klönne nachher sehr viel später einigen Herren des Auswärtigen Amtes gewisse Mitteilungen gemacht habe, aber das stehe fest, daß sie auch dann nicht gebilligt worden wären. Es steht erst recht fest, daß Dr. Klönne auf das Gefährliche dieser Be- strebungcn hingewiescn worden wäre, wenn er sich, wie es seine Pflicht gewesen wäre, rechtzeitig mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt hätte. Das sei nicht geschehen, und dos sei entscheidend. Bezüglich der Erklärungen des Generals von der Lippe, wonach er sich vor seiner Abreise nach Paris der Zustimmung deutscher offizieller Persönlichkeiten und führender Politiker zu seinen Absichten vergewissert habe, fragt die ÄLC., wer diese führenden Parteipolitiker seien. Gegen Herrn A e ch b e r g erhebe sie keinen Vorwurf, da er sich niemals gescheut habe, auch öffentlich und ohne Hinterhalt für seine Pläne einzutreten. Selbstverständlich sei damit nicht gesagt, daß seine Pläne zu billigen seien, im Gegenteil sie waren und seien gefährlich. Den rechtsgerichteten franz. Kreisen sei es ja nur darum gegangen, die unvorsichtigen Vertreter der deutschen Rechten auszuhorchen, um feststellcn zu können, wie man sich in diesen Kreisen den militärische'nIDicderaufbau 'Deutschlands denke. Zum Schluß macht die ALE. noch die „notwendige Feststellung", daß Dr. Stre- s c in a n n nicht das allergeringste mit den Veröffentlichungen des ALE. zu tun habe. Die Unterrichtung des Auswärtigen Amts. Eine amtliche Erklärung. Berlin, 23. Sept. (IDB.) Der Abg. Klönne hat gegenüber Veröffentlichungen der „Rational- liberalen Korrespondenz" eine Erklärung über die von ihm geführten Gespräche mit französischen Militärs abgegeben, in der er u. 0. erklärt, er habe das Auswärtige Amt über diese Unterhaltungen, obwohl sie rein privater Natur waren, alsbald unterrichtet. Dazu wird von amtlicher Seite bemerkt, daß der Abg. Klönne den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ein einziges Mal, nämlich am 26. April dieses Jahres, ausgesucht und hierbei Mitteilungen über gewisse Gespräche gemacht hat, die von ihm unmittelbar vorher mit einem französischen Abgeordneten in Berlin geführt worden waren. Diese Unterhaltungen haben mithin ohne jedes vorwissen des Auswärtigen Amtes flattgefunden. Auch hat Staatssekretär v. Schubert den Abg. Klönne nicht im Unklaren darüber gelassen, daß seiner Anficht nach die in jenen Unterhaltungen erörterten Gesichts- pnnkle für die deutsche Außenpolitik nicht in Betracht kommen könnten. Staatssekretär v. Schubert hat selbstverständlich von der ihm zuteil gewordenen Information auch dem Herrn Rcichsaußenminister Kenntnis gegeben. Ebenso verhält es sich mit General von der Lippe, der gleichfalls Staatssekretär von Schubert er st nachträglich unterrichtet habe. Botschafter 0. ho e s ch, der durch Arnold R e ch - berg und General von der Lippe gleichfalls nachträglich unterrichtet wurde, hat sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Herren ihm, oder das Auswärtige Amt nicht vorher ins Bild gesetzt hätten. Weitere Mitteilungen des „Zungdeutschen". Berlin, 24. Sept. (Priv.-Tel.) Der „I u n g de u t s ch e", der schon in seinem Sonntagsblatt zu den Mitteilungen der Aattonallibe- ralen Correspondenz Stellung genommen hatte, und seinerseits einige weitere Mitteilungen machte, bringt in einem Artikel seines Presse- warts August Abel ergänzende Einzelheiten über die Tätigkeit deutschnattonaler Politiker in Frankreich. Das Blatt stellt zunächst fest, daß die fraglichen Verhandlungen nicht etwa nur im Jahre 1927 stattgefunden haben, sondern „daß deutschnationale Abgeordnete und Politiker, t>uc uns dem Rainen nach bekannt sind, noch im Jahre 1 9 2 9, also in einer Zeit, wo die Deutschnationalen nicht in der Regierung sind, als Bevollmächtigte der Deutschnationalen Volkspartei mit offiziellen französischen politischen Kreisen verhandelt haben. Außer den genannten Herren Klönne und von der Lippe nennen wir vorläufig noch den deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneten Trevira- n u s, der auch im April d. Js. in Berlin mit dem Beauftragten Poincares zusammengewesen ist". Reben Herrn v. Med em wird als weitere hervorragende Persönlichkeit des Stahlhelms Herr von Alvenslcben genannt. Auch vom L a nd b u n d soll ein Vertreter, und zwar Herr Direktor Kriehheim, an den Verhandlungen mit Herrn Rcynaud (nicht Re- nauld, wie gestern gemeldet wurde) beteiligt gewesen sein. „Auch Herr von Gleichen mit seinem Kreis wollte da nicht zurückstehen, und auch er erklärte, ebenso wie alle vorher Genannten, sein Einverständnis mit einer deutsch-französischen Politik im Sinne der bekannten Rech- bergschen Bedingungen." Arn seltsamsten ist aber wohl die Mitteilung des „Jungdeutschen", wonach Herr Reynaud auch mit Kapitän Ehrhardt zusammengetroffen ist, und daß auch dieser sich auf die Basis der Rechbergschen Vorschläge gestellt haben soll. Weiter wird berichtet, daß Herr von Lindeiner-Wildau ebenfalls in Paris gewesen sei, worüber zur gegebenen Zeit das Blatt noch berichten wolle, wie es gleichfalls zu einem geeigneteren Zeitpunkt auch noch andere Ramen, die an solchen Verhandlungen beteiligt gewesen sind, nennen werde. Der Abgeordnete v. Lindeiner-Wildou erklärt dazu: „Die Zeitung ,Der Jungdeutsche' stellt die Behauptung auf, ich sei kürzlich in Paris gewesen und hätte dort mit französischen Politikern verhandelt, wobei ich mich von dem Vertreter eines deutschen Linksblattes hätte führen lassen. Ich stelle demgegenüber fest, daß ich noch nie in meinem Leben inParis gewesen bin." Eine neue Erklärung Klönnes. Berlin, 23. Sept. (IDB.) Dr. Klönne bittet uns anläßlich der Pressemeldungen über seine Verhandlungen mit -fremden Diplomaten um die Verbreitung folgender Mitteilung: 1. Ich habe niemals einem fronzösifchen Militär oder Politiker ein Militärbündnis angeboten. 2. Eine deutsch - englisch- französische Zusammenarbeit unter der Voraussetzung der Berücksichtigung der deutschen Lebensnotwendigkeilen stellt nach meiner Auffassung einen Akt der Selb st Verteidigung der drei großen nordeuropäischen Mächte gegen wirtschaftliche und ideelle Angriffe dar, gleichgültig von welcher Seite sie ausgehen. Eine derartige Zusammenarbeit hat keine offensive Spitze gegen andere Länder. Insonderheit verspreche ich mir keinen Erfolg davon, eine geistige Bewegung, wie der Bolschewismus sie darstelll, mit Kanonen zu beschießen. 3. Ich habe dos Auswärtige Amt über alle Verhandlungen, die ich führte, r e st l 0 s unterrichtet. Berliner preffestimmen. Berlin, 23. Sept. (TU.) Die Entgegnungen des Abgeordneten Dr. Klönne auf die Veröffentlichungen der „National-Liberalen Korrespondenz" werden auch am Montag in der Berliner Presse stark beachtet. Die „V 0 s s i s ch e Zeitung" und das „Berliner Tageblatt" kritisieren an dieser Erklärung, daß Klönne es unterlassen habe, sich darüber zu äußern, ob er den französischen Politikern ein Militärbündnis angeboten und zu ihnen von der Eventualität eines Militärbündnisses gesprochen habe. Festzustellen sei, daß in dem Schwanken des Herrn Klönne eine Bestätigung der von der „National-Liberalen Korrespondenz^ erhobenen Behauptung liege. Da ein deutsch-fran- zösisch-englisches Militärbündnis sich nur gegen Rußland richten könne, demgegenüber Deutschland einstweilen durch Verträge gebunden sei, so liege darin ein heimlich unternommener Sabotage» versuch. „Der Deutsch e", das Organ der christlichen Gewerkschaften stellt fest, daß die Berichtigung des Abgeordneten Klönne sehr peinlich für die „National-Liberale Korrespondenz" sei. Entweder habe sie den wahren Tatbestand gekannt, oder sie habe fahrlässig gehandelt, denn als parteiamtliches Organ der Deutschen Volkspartei hätte sie leicht erfahren können, ob das Auswärtige Amt und Strefemann von den privaten Verhandlungen des Abgeordneten Klönne wußten ober nicht. Hier hätten wir ein Musterbeispiel dafür, wie man bei uns Politik macht. Kein Wunder, daß man sich schließlich, völlig auseinanderpvlitisiere und bei einem Kampf aller gegen alle ende. Die „Berliner B ö r s e n z e i t u n g" wendet sich mit größter Schärfe gegen die „Nationalliberale Korespondenz". Sie meint, daß diese sich das zweifelhafte Verdienst erworben habe, den inne» ren Kampf zwischen den Rechtsparteien aus der geistigen Sphäre in die der Parte idemagogie zu ziehen. In vollständiger und grundlegender Erkennung der politischen Situation habe sie sich ein „Sensatiönchen" ausgedacht, eine „Enthüllung" konstruiert, eine „Affäre" zusam- mcngebraut, die aber an ihrer inneren Unwahrhastigkeit kranke. Man müsse sich fragen, was die „Nationalliberale Korrespondenz" als ein dem Reichsaußenminister nahestehendes amtliches Parteiorgan veranlaßt habe, sich so zu blamieren. Man könne doch schließlich einer politisch und wirtschaftlich hervorragenden Persönlichkeit, wie es Dr. Klönne sei, nicht verweigern, sich im Ausland in privaten Gesprächen zu informieren und Gedanken auszutauschen. Es könne im Interesse der nationalen Parteien nicht wünschenswert sein, die bestehenden Gegensätze zwischen den bürgerlichen Rechtsparteien noch zu verschärfen. — Die „Kreuzzeitun g" stellt fest, daß sich das Auswärtige Amt auf die Erklärung beschränke, daß es die Schritte Dr. Klönnes nicht gebilligt habe. Das Blatt stellt dann weiter die Frage, ob Dr. Strefemann von der Un- terhaltuna Dr. Klönnes gewußt habe, ob die Herren des Auswärtigen Amtes, die Klönne aufgesucht habe, Herrn Dr. (strefemann, unterrichtet hätten ober nicht, ob bas Auswärtige Amt von dem Vorstoß der „Nationalliberalen Korrespondenz" Kenntnis gehabt habe, woher die „Nationalliberale Korre- (0 cti f, 23. Sept (IDB.) Zwischen der französischen und der italienischen vötkerbundsdelegation sind im Auftrage der beiden Regierungen Verhandlungen über eine gemeinsame Front der beiden Mittel in eermächte auf der bevor st ehenden Floltenabrüst ungskonferenz im Gange. Die französische Regierung soll bereit sein, ihre Forderung nach einem dem italienischen Bestand überlegenen Kontingent an Kreuzern, Zerstörern, Unterseebooten und anderen kleinen Fahrzeugen fallen zu (offen, um dafür auf der Fünsmächtekonferen; die UntcrstützMiK. der italienischen Regierung bei gewissen Fragen, an denen beide Länder ein Interesse haben, zu erlangen. Die beiden Regierungen stellen sich auf den Standpunkt, daß sie nicht beabsichtigen, den vollen ihnen gelassenen Spielraum zum Bau kostspieliger Großkampsschiffe auszunuhen, daß sie aber eine genügende Anzahl von Unierseebooten zu Verieidi- gungszwecken und zur Abwehr einer Blockade beibehalten wollen. Rom und Paris weisen darauf hin, daß die von England im Mittelmeer (Gibraltar, Malta und Suez) unterhaltenden Geschwader größer und stärker sind als die französische und die italienische Marine zusammen. Andererseits will die französische Regierung den Bau des neuen deutschen Panzerkreuzers, von dem oiel# Flottensachverständige eine Umwälzung des künftigen Schiffbaues erwarten, zum Anlaß nehmen, um eine Revision der aus der Washingtoner Konferenz festgesetzten Klassifizierung der Kriegsschiffe zu fordern. 3m Zusammenhang mit den Verhandlungen der beiden Mitielmeermächle soll auch der alte, oft abgelehnte Königstein wieder frei. Abzug der englischen Besatzungstruppen. Königstein, 23. Sept. (211.) Im strömenden Regen marschierte das zweite Bataillon des Leicestershire Regimentes zum letzten Male durch die Straßen Königsteins. Zum letztenmal klang auch der „March Past", der Abschieds- Parademarsch, als die 400 Manntruppe am Montagmittag zum Bahnhof zog. Rur wenige Einheimische waren gekommen — sie haben das militärische Schauspiel fast elf Jahre lang genossen — dafür aber um so mehr fremde Gäste. Den am Bahnhof eifrig kurbelnden englischen, amerikanischen und französischen Filmoperateuren nach ^u urteilen, wird Königstein mit den abziehenden Tommis in der nächsten Zeit über die Leinwand der Filmpaläste aller Welt laufen. Mit dem Einzug des englischen Bataillons im Dezember 1925 war für den Kurort Königstein die schlimmste Desahungszeit vorbei, die Zeit unseeligen Angedenkens an die Marokkaner und Spahis, die Zeit, wo Marschall F 0 ch auf den Straßen eine große Parade über die 2000 Mann starken französischen Truppen abhielt, wo General Mangin es sich längere Zeit in der Villa „Rothschild" gemütlich machte. Schwere Tage waren es für Königstein, als die Behörden gleichzeitig gegen die Be- satzungstr uppen und die Separatisten zu kämpfen hatten. Der letzte „March Past" des Leicestershire Regimentes ist kaum verklungen und schon regt sich neues freies Leben in Königstein. Zwar sind der Besatzung drei Hotels und das „Grand Hotel" zum Opfer gefallen, doch schon baut rühriger Hoteliergeist die Räume aus, 40 für Kurtz wecke geeignete Wohnungen sind wieder frei, sämtliche reichseigenen Wohnungen sind schon vergeben, möge nur die Reichsvermögensverwaltung zum Ausgleich der Besatzungsschäden bei spondcnz" ihr Material erhalten habe, und ob Staatssekretär v. Schubert dem Reichsaußenminister von seiner Unterredung mit Generalleutnant von der Lippe Kenntnis gegeben habe. pariser Echo. Paris, 23. Sept. (WTB.) Die Abendpresse bespricht ausführlich die privaten deutfch-fran- zösischen Unterhaltungen. Die Libertö nennt in ihrer Besprechung der Angelegenheit die Generäle Rollet, Walch und Lerond und sordert \ ie und die anderen Beteiligten dringend auf, sich zu den Gerüchten über ihre angebliche Geneigtheit zu weitergehenden Verzichten gegenüber Deutschland zu äußern. Alle Parteien und das ganze Land hätten, so schreibt das Blatt, ein Recht daraus und erwarteten mit Ungeduld die Ausklärung der Angelegenheit. — Das Journal des Debüts nennt den Lärm, der um die Angelegenheit gemacht werde, schädlich für die deutsch-französischen Beziehungen, an deren Verbesserung jedermann arbeiten müsse. Vorschlag einer Rückgabe Gibraltars an Spanien im Austausch gegen (Teuta wieder erwähnt worden sein. Der Bericht des Abrüstungsausschusses. Genf, 23. Sept. (WB.) Der Abrüstungsausschuß hat auf Vorschlag des Redaktionskomitees beschlossen, sämtliche Begründungen der beiden gegnerischen Thesen zum Abrüstungsproblem aus dem Bericht zu streichen. In der Kennzeichnung der dreitägigen Aussprache der letzten Woche wird lediglich fest gestellt, daß „der englische Ent- schließungsantrag von einer Anzahl Delegationen unterstützt wurde, während andere Delegationen ihre Zweifel über die Opportunität zum Ausdruck brachten, die im Vorbereitungsausschuß bereits erzielten Ergebnisse wieder in Frage zu stellen und diesem Anregungen zu geben, die den Charakter von Direktiven für die Fortsetzung seiner Arbeiten gehabt hätten." In der zusam- mengestrichenen Fassung des Berichtes, der nunmehr an die Vollversammlung weitergeht, ist immerhin die Stelle unverändert geblieben, die auf eine am Samstag gemachte Anregung des Grafen Bernstorfs ausgenommen wurde und bestätigt, „daß im Schoß des Abrüstungsausschusses über die Opportunität einer Beschleunigung der Arbeiten des Völkerbundes Einstimmigkeit darüber besteht, in möglich ft kurzer Frist einen er ft en Schritt zur Verwirklichung des Abrüstungsprogramms nach Artikel 8 des Dölker- bundspaktes zu machen. Mit diesem Ergebnis hat der Abrüstungsausschuß der Völkerbundsversammlung seine Arbeiten für dieses Jahr abgeschlossen. der Veräußerung der Kaserne auf den Kurbetrieb die nötige Rücksicht nehmen. Man spricht davon, daß eine Polizeischule oder ein zweites Eisenbahnerheim dahingelegb werden soll. Räumung und Reichsarbeiter. Ein sozialdemokratischer Antrag für überzählig werdende Arbeitskräfte. Berlin, 24. Sept. lPriv.-Tel.) Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: Der Reichstag nimmt Kenntnis von den bisherigen Vorsorgemaßnahmen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung zur Unterbringung der durch bie Räumung der zweiten und dritten Zone des besetzten Gebietes voraussichtlich überzählig werdenden Arbeiterund Angestellten der Reichsvermögensverwaltung, der Desehungsämter und der Feststellungsbehörden. Der Reichstag erwartet von allen Behördenstellen des Reiches, der Länder, der Gemeinden und Gemeindeverbände des besetzten und der angrenzenden Gebiete, daß diese bemüht bleiben, die noch arbeitsfähigen Arbeitnehmer bevorzugt unterzubringen. Der Reichstag ersucht die Reichsregierung um die Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung von Unterstützungen: 1. in Form von Umzugs- und Trennungsvergütungen bei Vermittlung von Arbeit an anderen Orten; 2. zur Zahlung eines wesentlich erhöhten Uebergangsgeldes beim freiwilligen Ausscheiden; 3. eines Reichszuschusses bis zum Eintritt der vollen Invalidität für alle über 60 Jahre alten Arbeiter und Angestellten, sofern sie mindestens fünf Jahre im Dienste des Reiches, eines Landes oder einer Kommune beschäftigt gewesen smk . Iranzösisch-iialienische Abwehrfroni gegen die Geeabrüstung. Oie Mittelmeermächte verhandeln in Genf über eine gemeinsame 2Roufc aus der Seeabrüstungskonferenz. Die Räumung der zweiten Zone hat begonnen. Man dürfe die Bedeutung der Besprechungen nicht übertreiben. Essei auch wohl übertrieben, wenn man in dem Abgeordneten Sei)« naud einen Vertrauensmann, wenn nicht gar Abgesandten Poincares erblicken wolle. — Der Ami d u Peuple wendet sich gegen die französische Linkspresse, der er künstliche Aufregung und verworrenes Denken vorwirft. Er schreib: Jedermann in Frankreich wünscht den Frieden, aber wenn man daran geht,' ihn zu suchen, dann kehren ihm diejenigen den Rücken, die nur "durch Verzichte und sonstige Entäußerungen ihn glauben Herstellen zu können. — Der S o i r druckt einen Artikel des sozialistischen Abgeordneten Fressard ab, in dem es heißt' Es wird behauptet, daß der Abgeordnete Reynaud revanchelustigen Deutschen, also denen, die Briand in seiner Genfer Rede anklagte, die öffentliche Meinung zu vergiften, die Rückgabe des Danziger Korridors und, wenn man Rechberg Glauben schenken dürfe, die Wiederher st ellung der deutschen Militärmacht angeboten habe. Wir wollen wissen, ob das wahr ist, wir wollen wissen, ob Reynaud uns zu einer Entente führen will, in der Frankreich über das Ohr gehauen wird und für die Frankreich und der Friede die Kosten tragen würden. Eine Entente mit den Deutschen, die für den letzten Krieg verantwortlich sind und die die entschieden st en Vorbereiter des nächsten Krieges sind (I). Sind diese Fragen indiskret? Oer Gtrafparagraph im Volksbegehren. Sachlich nichts geändert. — Die Berant- Wörtlichkeit des Reichspräsidenten. Berlin, 24. Sept. (Priv.-Tel.) Der Reichs- ausschuß für das deutsche Volksbegehren hat sich wider Erwarten doch entschließen müssen, den sogenannten „Zuchthausparagraphen" a b - zuändern, der den Reichskanzler und die Reichsminister sowie Bevollmächtigte des Deutschen Reiches mit Strafverfolgung bedroht, falls sie sich herbeilassen sollten, Verträge abzuschließen, deren Bekämpfung sich der Ausschuß zur Aufgabe gesetzt hat. Die gewählte Formulierung hatte bekanntlich beim Reichslandbund und bei den christlichnationalen Bauern starken Widerspruch gefunden, weil man sich mit Recht sagte, daß auch der Reichspräsident unter diesen Paragraphen fällt, da er nach der Verfassung verpflichtet ist, durch seine Unterschrift Verträge mit auswärtigen Mächten in Kraft zu setzen. Soll das neue Haager Reparationsabkommen Gültigkeit erlangen, dann muß es also mit der Unterschrift Hindenburgs versehen werden. Am Samstag hat es nun innerhalb des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren einen oielstündigen erbitterten Kampf gegeben. Man ist schließlich darauf abgekommen, eine Formulierung zu wählen, wonach „Reichskanzler und Reichsminister und deren Bevollmächtigte" bedroht werden sollen. Im Grunde genommen ist dadurch aber nicht viel geändert worden, denn nach der Verfassung ernennt und entläßt der Reichspräsident die Reichsminister. Ist er mit ihrer Außenpolitik nicht einverstanden, dann kann er also auf ihre weitere Mit- •arbeit verzichten. Bisher hat er das nicht getan, woraus man wohl schließen darf, daß er gegen unsere Außenpolitik keine grundsätzlichen Bedenken zu erheben hat. Der Landbund und die christlichnationalen Bauern vermögen auch in der neuen Formulierung eine Rettung aus den Schwierigkeiten nicht zu erblicken, sie sind aus ihrer Oppositionsstellung nicht herausgegangen, wenn sie auch zunächst sich gegen die im Kommunique des Reichsausschusses enthaltene Feststellung nicht gewehrt haben, daß sie gewillt seien, Schulter an Schulter mit den anderen Verbänden für die gemeinsame Sache zu kämpfen. Mitte der Woche will das Präsidium des Reichslandbundes zu einer Sitzung zusammentreten. Es wird sich dann zu zeigen haben, ob der Oie neue Winterspielzeii des Gtadttheaters. Vom Dramaturgen Or. Karl Witter. Die Winterspielzeit des GießenerStadt- theaters wird am I. Oktober mit Lion Feuchtwan g e r s „Vasantasena" (nach dem Indischen des Sudraka) eröffnet. Gleichzeitig ist das die erste Vorstellung des Abonnementsbeginns und der „Klassischen Theaterabende". Als Rachdichtung eines klassisch-antiken Werkes stehen noch Werfels „Die Troerinnen" (nach der Tragödie des Euripides) auf dem Spielplan, die infolge der Erkrankung des Intendanten Dr. P r a s ch , der das Stück inszenieren wird, in der vergangenen Spielzeit nicht herausgebracht werden konnten. Von Goethe ist „TorquatoTasso", von Shakespeare das Lustspiel „Wie es Euch gefällt" ausgewählt worden. An einem Theaterabend werden die zwei größten dramatischen Fragmente der deutschen Klassik zusammen gegeben: Kleists „Robert Guiskard", hierauf Schillers „Demetrius". Aus Büchners Werken ist „Wohzeck" oder „Dantons Tod" in Aussicht genommen. Der größte Teil der Aufführungen ist wieder den zeitgenössischen Dichtern zugedacht. Schauspiele: Fritz von Anruh: „Louis Ferdinand, Prinz von Preußen": Jules Romain: „Der Diktator": W. S. Maugham: „Die heilige Flamme". Das stärkste und gleichzeitig vornehmste Kriegsstück sowohl in menschlicher als auch' in kultureller Beziehung ist wohl „Die andere Seite" von R. C. Sheriff. Die Presse aller Länder und aller Parteien hat dem Autor dieses jeder Politik fernstehenden Stückes Dank und Anerkennung gezollt. Auch das Gießener Stadttheater wird dieses Werk im kommenden Winter herausbringen. Dei Ästspielen und Komödien sollen wiederum nur Stücke mit literarischem Riveau gegeben werden. Paul Frank, Ludwig Hirschfeld, Julius Der st l, Ugo Fa lena , Mathews imb Richols sind u. a. als Lustspielautoren mit folgenden Stücken vorgesehen: „Grand Hotel" (Frank), „Die Frau, die jeder sucht" (Hirsch, fold), „Scribbys Suppen sind die besten" (Derstl), „Der letzte Lord" (Falena), „Hochzeitsreise" (Mathews und Richols). Die gute Salon- und Konversationskomödie hat gerade hier in Gießen viel Freunde gefunden und soll deshalb wie bisher in erstklassiger Besetzung gepflegt werden. Die Gestaltung des urwüchsigen und gesunden Menschen wird mehr und mehr eine Theaternotwendigkeit. Das bluthafte Volksstück wird Landbund bereit ist, eine Schwenkung im Sinne der Mehrheit der im Reichsausschuß vertretenen Organisationen oorzunehmen. Poincare und Paneuropa. Etappenweise Konsolidierung des europäischen Friedens. P a r i s, 23. Sept. (WTD.) Der „Temps" veröffentlicht einen in der „Racion" in Buenos Aires erschienenen Artikel Poincarös, den dieser kurz vor dem Abschluß der Haager Konferenz geschrieben hat. Poincare beschäftigt sich darin u. a. mit dem Problem der Vereinigten Staaten von Europa und weist vor allem.auf die Schwierigkeiten einer Definition des Begriffes Europa hin, wobei er die Frage der Zugehörigkeit Rußlands und der Türkei als Beispiel erwähnt. Die Wahl der der Aufnahme in die europäische Föderation würdigen Staaten, so fährt Poin- care fort, hätte also ihre Schwierigkeiten. Außerdem ist es auch wahrscheinlich, daß große Rationen von unbestreitbar europäischen Charakter große Bedenken tragen würden, sich an einer derartigen Gruppierung zu beteiligen. Die Kombination würde die Gefahr in sich schließen, als gegen gewisse Staaten gerichtet zu erscheinen und sich in eine Art Liga Europas gegen andere Völker zu entwickeln. Wenn die Vereinigten Staaten von Europa mit diesem heimlichen Gedanken gegründet würden, so würden sie vielleicht keinen sehr wirksamen Beitrag zum Werke des Weltfriedens liefern. So schwerwiegend diese Bedenken auch sein mögen, so sei er weit davon entfernt, zu dem Schluß zu gelangen, daß man darauf verzichten müsse, zwischen den europäischen Staaten bessere politische, zollpolitische, kommerzielle, industrielle und landwirtschaftliche Beziehungen herzustellen. Eine rationellere Verteilung derPro- d u k t i o n, eine wissenschaftliche organisierte gegenseitige Wirtschaftshilfe, ein regerer und engerer geistiger Austausch und ein durch die wachsende Interessengemeinschaft gestärktes gegenseitiges Vertrauen: das seien Fortschritte, die nicht nur erwünscht, sondern notwendig seien. Auf diesem Wege müsse man allmählich in Etappen zur Konsolidierung des europäischen Friedens gelangen. Es ist, so führt Poincare aus, unsere Aufgabe, ein solches Werk durchzuführen: aber wir hüten uns, es Träumereien von magischen Umwandlungen und paradiesischen Zuständen zu opfern. Oie Saarverhandlungen. Günstiges Ergebnis der Vorbesprechung in Heidelberg. Heidelberg, 24. Sept. (TU.) Die letzten Besprechungen vor den Pariser deutsch-französischen Saarverhandlungen am Montag in Heidelberg haben einen durchweg befriedigenden Verlauf genommen und in den wichtigsten Fragen Ueber- einstimmung zwischen den Regierungsvertretern und den Saarbeauftragten ergeben. Besonders wertvoll war es für die deutsche Abordnung und ihren Wortführer, Staatssekretär o. S i m f o n , sich über die Auffassung der Bevölkerung des Saargebietes zu unterrichten und deren einmütige Haltung, wie sie in den Ausführungen der Vertreter aller Saarparteien zum Ausdruck kam, kennenzulernen. Diese Auffassung des gesamten Saargebietes läßt sich folgendermaßen zufammen- fassen: Die Saarländer wollen keinen Zoll breit deutschen Landes opfern und den Saargrubenbesitz gleichfalls ohne Einschränkung Deutschland erhalten. 2luf diese Grundforderungen haben sich sämtliche Parteien des Svargebietes festgelegt. Sie sind eher bereit, bis 1935 auszuharren, als auch nur einen die nervenaufpeitschende Revue überholen. Unter einer besonderen Spielplanrubrik sind daher Volks st ücke und Legenden zusammen- gefaht: Bernhard Blumes „Feurio", Carl Zuckmahers „Straßburg" oder „Schinder- Hannes", Gerhard Hauptmanns „Der arme Heinrich", Eugen Ortners „Tobias Wunderlich", Diehenschmidts „Vom lieben Augustin" gehört auch zu dieser Kategorie und wird von Intendant Dr. P r a s ch mit der Musik von Krenek in Szene gesetzt werden. Weiterhin werden Eichendorffs „Die Freier" mit der Musik von Lahusen und Gilberts Singspiel „Dorine und der Zufall" einstudiert. Operngastspiele: Hessisches Landestheater Darmstadt und Mainzer Stadttheater. Operettenga ft spiele: Direktor Hans Baars, Frankfurt a. M. Hans Baars, der zu der Leitung des Reuen Operettentheaters in Frankfurt gehörte, ist dem Gießener Publikum durch mehrere Inszenierungen bekannt. Vor allem sein „Mikado" war ein erstklassiger künstlerischer Crfoig. Nachdem das Reue Operettentheater Frankfurt sich im kommenden Winter aufgelöst haben wird, darf man den künstlerischen Leistungen des Ensembles Baars mit großem Interesse entgegensehen. Baars war den Sommer über im Karlsruher Konzerthaus im Sommerspielplan des Karlsruher Landestheaters verpflichtet. Es sind wieder verschiedene Prominenten- G a st s p i e l e vorgesehen, darunter Albert Basser mann mit „Herr Lambertier" und Hermine Körner mit Ensemble („Die große Katharina". „Weihnachtseinkäufe"). Es werden incher Spielzeit 1929/30 32 Abon- nementsvorstellungen stattfinden. Die Abonnementskarten sind gegenüber den Tageskarten wesentlich (bis 30 Prozent) billiger. Bei Richtbenuhung der Abonnementskarten können wie seither für Schauspiel und Operette Gutscheine gegen Entrichtung einer Gebühr gelöst werden, die für die ganze Spielzeit, auch für die Sonntagsvorstellungen. Gültigkeit haben. Bei Gastspielen, soweit sie nicht im Abonnement gegeben werden, haben die Abonnenten eine wesentliche Vergünstigung. Die Logen-Rückplätze sind verbilligt worden. Die Ausgabe und Bezahlung der Abonnementskarten erfolgt in acht Raten. Die erste Ratenzahlung verpflichtet zur restlosen Abnahme des bestellten Abonnements. Die Anmeldungen zum Abonnement sind schriftlich bei der Verwaltung des Stadttheaters lTheaterge- bäude) unter Angabe des Abonnementstages einzureichen. Die Intendanz beabsichtigt auch in diesem Winter sogenannte „Fremdenvorstellungen" (Sonntagnachrnittag) zu veranstalten, in denen Finger breit nachzugeben. Sie wünschen, daß die Gruben in die Hände der deutschen Staatsmacht übergehen und für alle Zukunft vor dem Zugriff der Franzosen gerettet werden. Auf handelspolitischem Gebiet verlangen die Saarländer die Rückkehr des Saarlandes ins deutsche Zollgebiet, doch halten sie eine Uebergangszeit für notwendig, um wirtschaftliche Härten zu vermeiden, da das Saargebiet elf Jahre in besonders enger wirtschaftlicher Beziehung zu Frankreich gestanden hat. Die Fran- zosen verlangen eine noch längere Uebergangszeit, die von den Saarländern nicht unbedingt abgelehnt wird, da die begünstigte Ausfuhr saarländischer Waren und Roherzeugnisse nach Frankreich für das Saargebiet von großem Vorteil ist. Abschließend sei erwähnt, daß der am Montag eingesetzte Saarausschuß, der die deutsche Abordnung beraten soll, vor allem als Organ gedacht ist, das der saarländischen Bevölkerung gegenüber die Verantwortung für die Verhandlungen in Paris übernehmen soll. OieVölkerbundsversammlung Annahme der wirtschaftspolitischen Entschließungen Genf, 23. Sept. (WTD.) Die Völkerbunds- Versammlung genehmigte den von Dr. 'Breit- scheid erstatteten Bericht über die Wirtschaftsprobleme und die dazu vergelegten elf Entschließungen, die eine völlig neue Methode der Verwirklichung eines allgemeinen Zollabbaues und Wirtscha f tsf riedens vorsehen, z. B. die Vorbereitung und den Abschluß eines zwei- bis dreijährigen zollpoli - tischen Waffen st ill st andes. Während dieses Zollfriedens sollen Verhandlungen über Kollektivverträge geführt werden, deren Ergebnis von einer neuen Weltwirtschaftskonferenz in drei Jahren sanktioniert werden könnte. Genehmigt wurde ferner ein Bericht über den Flugzeugverkehr im Dien st e des Völkerbundes in Krisenzeiten, eine juristisch und politisch sehr interessante Frage, die auf deutschen Antrag nicht mehr dem Internationalen Luftsahrausschuß allein überlassen wird. Angenommen wurden auch verschiedene Beschlüsse zur Verbesserung der Tagungsverhältnisse, die im wesentlichen auf eine Anregung von Reichsaußenminister Dr. Stresemann zurückgehen. Zu dem Bericht über die r ü ck st ä n d i - gen Beitragszahlungen in Höhe von etwa acht Millionen Schweizer Franken, wovon über die Hälfte auf China, der Rest auf einige südamerikanische Staaten entfallen, haben die-englische und die norwegische Delegation erklärt, daß sie bei der nächsten Dölkerbundsversammlung auf öffentlicher Behandlung dieser Frage bestehen würden, falls bis dahin nicht eine wesentliche Aenderung eingetreten wäre. Oie Aussichten für ein Reichskriminalgesetz. Berlin, 24. Sept. (Priv.-Tel.) Die seit einigen Jahren im Gang befindlichen Bestrebungen zur Schaffung eines Reichskriminalgesetzes, durch das eine gewisse Vereinheitlichung in der Kriminalistik, die bekanntlich gegenwärtig noch Sache der Länder ist, und zu deren Kompetenzen gehört, hatten vor längerer Zeit tatsächlich zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes geführt, der seinerzeit auch vor dem Reichstage zur Behandlung stand. Der Gesetzentwurf, der die Annahme durch den Reichstag mit der Einschränkung gefunden hatte, daß die Regierung von ihm nur im Notfälle Gebrauch machen sollte, sieht eine Zusammenlegung verschiedenartiger Kompetenzen- unter eine einheitliche, vom Reich zu schaffende Verwaltung vor, und fordert u. a. auch die Schaffung eines Reichskrimi n a l a m t e s, das insbesondere bei der Auf- vornehmlich Stücke, die nicht durch das Äbonne- ment gehen, zu ermäßigten Preisen gegeben werden. Oas blaue Pferd. Von Liesbet Dill. Meine Münchener Freundin nennt sich nicht mehr Katharina, den Aamen kann sie nicht mehr hören: seit sie in Schweden war, nennt sie sich Karin. Als Karin hörte, daß ich nach Schweden führe, erteilte sie mir einen Auftrag. Karin erteilt gern Aufträge, besonders solche, die nicht leicht auszuführen sind. Meist handelt es sich darum, ihr etwas irgendwohin mitzunehmen oder mitzubringen, einen Pelzmantel, eine Schreibmaschine oder etwas, was man „nur in Paris" unö nur in Florenz oder in Holland findet. ... Karin gefallen nur Dinge, die man unter Schwierigkeiten und im Ausland kauft. „Bei uns gibt es eben so etwas noch nicht", sagt sie dann. Diesmal war's ein blaues Pferd. Jawohl, blau, zwischen Türkis und dem fahlen Grün, das die alten Aegypter benutzten. Im „Britischen Museum" in London hatte sich Karin für diese Farbe erwärmt, und in Stockholm hatte sie im Dorbeifahren (sie hatte damals keine Zeit gehabt, auszusteigen) so ein wundervolles springendes Pferd aus blaugrüner Fayence im Schaufenster eines kleinen Ladens gesehen, der zwischen einem öffentlichen Garten und einer Schwimmanstalt lag, in einer Straße, deren Ramen Karin vergessen hatte. „Ein Pferd?" fragte ich entsetzt, „wie soll ich denn das transportieren?" „Transportieren?", sagte Karin, „du sprichst, als ob sich's um einen Renngaul handelte. Das Pferd ist nur einen halben Meter hoch. Das läßt man sich in ein ^Kistchen packen, unterwegs wird's verzollt, die Transportkosten trage ich natürlich." Das wird ein nettes Vergnügen werden, dachte ich. Dieses blaue Pferd würde wahrscheinlich mehr Zoll und Verpackung und Transport kosten, als das ganze Pferd wert war. „And weshalb mußt du denn dieses Pferd ausgerechnet in Schweden kaufen?" erlaubte ich mir zu fragen. Aber da prasselte es auf mein Haupt. „Siehst du, so etwas kannst auch nur du fragen. Du bist doch im Lande des Porzellans. Dort wird es doch gemacht. And da du nicht über Kopenhagen fährst und gerade in Stockholm bist, wo das Pferd noch vor einer Woche im Laden stand, ist es doch sehr einfach, es von dort mitzubringen. Rachher kann man lange danach umherlaufen. Mein Grundsatz ist, immer klärung politischer Verbrechen und Der- gehen in Aktion zu treten hätte. Gegen die Ausführung des Gesetzes wurde feinerfeit schon von dem damaligen Finanzminister im Kabinett Luther Einspruch erhoben. Das Gesetz hat seitdem unbe- achtet und undurchgeführt in den Akten der Behörden gelegen. Da sich jedoch auf Grund eingehender Feststellungen jetzt seine Undurchführbarkeit erwiesen hat, ist damit zu rechnen, daß es in Kürze völlig unter den Tisch fällt. Oie Finanzreform. Hilferding noch bei prinzipiellen Erwägungen. Berlin. 24. Sept. (Priv.-Tel.) In der Oesfentlichkeit wird in diesen Tagen immer wieder beanstandet, daß der Reichsfinanzminister noch nach keiner Richtung hin Einzelheiten über seine Finanzref.orm bekanntgegeben hat. Dor allem möchte man wissen, wie sich der Reichssinanzminister die Verteilung der Reparationseinspa- rungen gestalten wird. Dazu hören wir aus zuverlässiger Quelle, daß dem Reichsfinanzminister bis zur Stunde derartige Veröffentlichungen noch nicht möglich gewesen sind, da er sich noch nicht mit den Einzelheiten der Finanzreform befassen konnte, sondern bis jetzt nur prinzipielle Erwägungen anstellen ließ. Der genaue Plan der Finanzreform und der Verteilung der Reparationseinsparungen wird erst aufgestellt werden können, sobald der Voungplan endgültig angenommen worden ist. Vor allem müssen aber auch die Ergebnisse der Verhandlungen in den einzelnen Voung-Ausschüssen vorliegen, da diese doch wie z. B. im Falle der Verkehrssteuer der Reichsbahn von ausschlaggebender Bedeutung für die endgültige Festlegung der deutschen Finanzpolitik sind. Aus aller Welt. Tumullfzenen vor einem Berliner Bankgeschäft. Ein Bankzusammenbruch hat viele kleine Geilte im Zentrum und im Osten Berlins geschädigt. Das Bankgeschäft des Berliner Spar- und Kreditvereins in der Schicklerstraße 7 verweigerte ihren um Geld kommenden Einlegern die Auszahlung der geforderten Beträge mit dem Bemerken, sie habe kein Geld flüssig. Die Rachricht hiervon verbreitete sich rasch unter der Kundschaft der Firma und in den Mittagsstunden hatte sich bereits eine große Menschenmenge angesammelt. Schließlich erklärte der Leiter des Geschäfts sogar klipp und klar, die Firma sei zusammengebrochen und werde den Konkurs ansagen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Banlleiter und dem Publikum. Ein Mann, der 1500 Mark abheben sollte, griff dem Geschäftsleiter in die Brusttasche, um ihm von dort seine Geldtasche zu nehmen. Der Geschäftsleiter zog plötzlich den Revolver und hielt sich damit die Leute vom Leibe. Die Erregung des Publikums ist um so größer, als die Bank noch Samstag und auch noch heute Einlagen angenommen hat. Die Kriminalpolizei wurde von den Vorgängen verständigt. Schwere Skurmschüden in der Nordsee. Aus dem Gebiet der Unterelbe und der Provinz Schleswig-Holstein laufen aus zahlreichen Orten Meldungen über durch den Sturm und eine Springflut angerichtete schwere Schäden ein. Die Insel Sylt wurde von einer Hochwasserkatastrophe heim- gesucht; auch die Eiderdeiche sind wieder an verschiedenen Stellen gebrochen und haben zur Ueber- Hutung weiter Ländereien geführt. An der Nortorfer Kirche, an der gegenwärtig Re- pgraturarbeiten ausgeführt werden, hat her oturm bedeutende Zerstörungen angerichtet. Empfindlich wurde die Elbinsel K r a u t f e n b betroffen. In der Gegend von Stade wurde mehrfach Vieh abge- die Dinge, die mir gefallen, an Ort und Stelle zu kaufen." Weshalb Karin damals in Stockholm von ihrem Grundsatz abgewichen war und dieses blaue Pferd nicht selbst mitgenommen hatte, erklärte sie mir: „Ich war damals nicht bei Kasse." Das kommt manchmal vor bei Karin. Ich trabte also durch Stockholm und suchte nach dem Pferdeladen. Da ich die Straße nicht wußte, fragte ich die Schutzleute. Aber die verstanden weder mein Deutsch noch mein Englisch. Rach blauen Pferden kann man Schutzleute nicht fragen. Ich versuchte es mit Kindern. Die starrten mich an, als ob ich nicht ganz bei Verstand sei. Ich fragte alte Herren, aber die hatten nie etwas von einem Laden mit einem blauen Pferd — nein, wirklich nicht. And sie gingen rasch weiter, indem sie mir einen mißtrauischen Blick zuwarfen. Ich irrte lange in den Geschäftsstraßen Stockholms umher, denn öffentliche Gärten und Schwimmanstalten gibt es in dieser gesunden Wasserstadt genug. Die Leute wichen scheu vor mir zurück, wenn ich sie nach einem blauen Pferd fragte. Endlich fand ich das Geschäft durch einen Zufall. Ich kam aus einer Schwimmanstalt und — stand vor einem kleinen Laden, in dessen Schaufenster das springende Pferd stand. Es war blau, türkisblau, und sehr wirkungsvoll. Ich ging in den Laden und kaufte es. Ich fand noch eine Menge anderer schöner Gegenstände in Kupfer, Bronce und Fayence, und suchte mir noch ein paar hübsche Dinge aus. die nicht gerade so umfangreich waren wie das Pferd. Eine Madonna, einen Leuchter und eine sehr feine Schokoladentasse. Als das Pferd eingepackt war und ich meine Reiseerinnerungen bezahlte, fragte ich: „Woher kommt denn die Madonna?" — „Aus München", sagte das Fräulein, das die Pakete einschnürte. „And dieser Leuchter?" fragte ich. „Der kommt aus Sachsen", war die Antwort. „And diese Tasse?" „Aus Berlin" — — Rach dem blauen Pferd wagte ich nicht mehr zu fragen. Cs schien aus derselben Familie zu kommen wie die Madonna. Aber als dann das blaue Pferd mit mir über das Meer und in l)-Zügen mit mir durch die Lande reifte, und ich den Zoll dafür entrichtete, bildete ich mir ein, ein gutes Werk getan zu haben. Erstens an dem Zoll, der denselben Gegenstand zweimal bezahlt bekam, zweitens an den vielen Gepäckträgern, die das Kistchen schleppen durften, drittens an Karin, die glücklich ist, weil sie sich einbildet, ein blaues Pferd aus Stockholm zu besitzen. ... Es steht in ihrem „Studio" in München, woher es höchstwahrscheinlich kam. , rm. Üjiiellttt JJ ^te man Mmister die ^."seinspa! •offenthcfcungen er sich noch 1QTWorm be- nur Prinzen ließ. Der und der Der- S W> erst der ngenvDrnen auch die " °en einzelnen 1 diese doch feie un der Reichs« lder Dedeu. 'gung der deut« elf. ft Lankgeschäsl. '4 hat viele nd im Osten acheschäst des editvereinS zcrte ijjren um Auszahlung bet necken, sie habe ichricht hiervon Kundschaft der iben hatte sich enmenge an« der Leiter des , die Firma sei werde den Kon« l heftigen Aus« Äantleiter und 11500 Mark ab« Weiter in die seine Geldtasche zog plötzlich den )amit die Leute Publikums ist um unstag und auch enommen hat. den Vorgängen er Nordsee. und der ^toM Mreichen vnen und eine Spring- n ein. Die Änscl -rtataslrophe heim- ib wieder an ver- haben zur U eber- ’ien geführt- Ln • gegenwärtig Rc- en, Hal der «tum ichtet. Empfindlich ) betroffen. In der chrsach MH ^UtUlle n Stoäholm von r und dieses blaue en bat^. erüK nicht bei Kasse. mund suchte na- kraße nicht mß^ er die verstanden n EngM sieute nicht fragen- fes« nanstattcn u^e T& ®K »y“ ®bon» »ar ,<6S”t Mt° A' 1 zte ich- . 2IntB°rt toar t,lv Lande re 1 it e>n, »»®$ake5 IW. fiÄ finD , trieben und ertrank. Der Dampferverkehr nachHelgolond begegnete Schwierigkeiten. Der Dampfer „Bubendey" kehrte Halbwegs nach Cuxhaven zurück, wo die Passagiere vom Dampfer „(Eobra6 übernommen und nach der Insel gebracht wurden. Verschiedene seewärts gegangene Schiffe kehrten wieder nach Cuxhaven um, um eine Besserung des Wetters abzuwarten. Die schweren Unweller in Italien. Die schwere Unwetterkatastrophe, die den Bahnverkehr an verschiedenen Stellen empfindlich gestört hat, hat, wie jetzt erst eingetroffene Berichte vermuten lassen, anscheinend auch Menschenleben gekostet. Auf der Eifenbahnstrecke Dal« dano—Bellcrmuro wurde vor dem Abgang des fahrplanmäßigen Personenzuges im Interesse der Sicherheit der 150 Passagiere dieses Zuges ein aus zwei Wagen und einer Lokomotive bestehender Jnspektioirszug mit Beamten und Streckenarbeitern von Baldano abgelassen, um den Zustand der Strecke zu untersuchen. Dieser Zug ist zwischen zwei Tunnels an der Brücke über den Platano vom Hochwasser überrascht worden, das die Lokomotive zum Stehen brachte und den Tender in den Fluß hinabriß. Zehn Personen des Zugpersonals und ein Eisenbahnarbeiter werden oermi ßt, alle bisherigen Nachforschungen sind ergebnislos geblieben. Schnee im Allgäu. In den Allgäuer Bergen hat es infolge des starken Witterungsumschlages ziemlich stark geschneit. Die Berge sind bis zu 1500 Meter herab in Neuschnee gehüllt. Ein deulschcr Segelkuller an der kleinasiatischen Küste gekentert. Der deutsche Segler Hans Zi11, der mit einem 6-Meter-Segclkutter von Deutschland nach Aegypten zu segeln versucht hat, ist bei einem der schweren Herbststürme der letzten Tage in der Rächt vom 10 zum 11. September vor Wurla bei Smyrna gekentert. Es gelang ihm, sich selbst trotz der schweren Brandung anßanö zu retten, während sein Doot und die gesamte Ausrüstung verloren sind. Der Heimatsort des Kutters, der den Damen „Bayern" trug, ist München. (Ein hapagdompser in Seenot. Ein Funkspruch von Bord des Hapagdampfers „Höchst", der bei der Insel Minicoi im Indischen Ozean auf Grund geraten ist, besagt, daß einige Schotten im Bug des Dampfers voll Wasser gelaufen sind. Auch die untersten Laderäume sind überflutet, und die Mannschaft ist nicht imstande, das eindringende Wasser abzudämmen. Die Schiffsleitung hatte schon vorher durch Funkspruch mitgeteilt, daß ein Teil der Ladung, hauptsächlich Gummi und Tee, über Bord geworfen wird, um das Schiff, wenn möglich, flott zu machen. Der Schlepper „Herkules", der am Samstag zur Hilfeleistung von Colombo abgegangen ist, dürfte die „Höchst" erreicht haben. Dach den bisherigen Meldungen hofft man, daß das Schiff gerettet werden kann. Passagiere befanden sich nicht an Bord. Großfeuer in einem mecklenburgischen Dorfe. In dem bei Friedland gelegenen Bauerndorf Sch wichtenberg brach Feuer aus, das 18 Bauernstellen mit über 40 Gebäuden eingeäschert hatte. Sturm, Trockenheit und Wassermangel begünstigten die Ausbreitung des Brandes, dem wütenden Element sind insgesamt 18 Hofstellen zum Opfer gefallen, davon 10 Wohnhäuser, 21 Ställe und 17 Scheunen. Die Brandstätte zieht sich zu beiden Seiten der Dorfstraße in einer Länge von etwa 500 Meter hin. Jammernd schleppten die Geschädigten das, was sie von ihrer Habe noch gerettet hatten, durch das Dorf. Zum Teil suchten sie vergeblich nach Unterkunft. Da die Diebstähle an den geretteten Gegenständen großen Umfang annahmen, traf kurz Nach 9 Uhr ein Kommando der Staatspolizei aus Neustrelitz ein. Es besteht starker Verdacht einer vorsätzlichen Brand st iftung. Schweres Schadenfeuer in Saloniki. Im Zentrum Salonikis brach am Montagmittag Feuer aus, das infolge des starken Sturmes bald eine riesige Ausdehnung annahm. 80 Häuser sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Fünf Personen fanden dabei den Tod. Der Sachschaden wird auf 70 Millionen Drachmen geschätzt. (Ein 600 Jahre altes Schloß eingeäscherl. In der Nacht zum Sonntag brannte das Schloß des Grafen Schall-Niaucour in Malschwitz bei Bautzen vollständig nieder. Nach den Feststellungen der Kriminalpolizei liegt unzweifelhaft Brandstiftung vor. Bereits am Freitagabend war ein Dachstuhlbrand ausgebrochen. Das Feuer in der Nacht zum Sonntag nahm bald nach Entdeckung solchen Umfang an, daß das alte Schloß, eine Wasserburg, die auf eine 600jährige wechseloolle Geschichte zurückblicken konnte, in Schutt und A s ch e gelegt wurde. Gras Schall hatte das Malschwitzer Schloß zuletzt verpachtet. Es war wegen der Wohnungsnot von mehreren Familien bewohnt. Es ist bereits früher mehrfach versucht worden, die Burg in Brand zu stecken. Dor 14 Tagen erst brannte ein Flügel nieder. Das Mobiliar der Familien konnte zum Teil gerettet werden. Der Lrzdischos von Paris f. Der Erzbischof von Paris, Kardinal Dubois, ist am Montag 17.20 Uhr verstorben. Dubois war am 11. September 1856 in Calais geboren worden und 1879 zum Priester geweiht. Von 1901 bis 1909 war Dubois Bischof von Verdun, später Erzbischof von Bourget und Rouen. Im Dezember 1916 erhielt er den Kardinalspurpur und wurde nach dem Tode des Pariser Erzbischofs, Kardinals Anette, im April 1920 zu dessen Nachfolger ernannt. (Eine Deutsch-Englische Vereinigung. Eine Deutsch-Englische Bereinigung, deren Gründung seit einigen Monaten in Borbereitung war. hat sich nunmehr endgültig konstituiert. Die Bereinigung hat sich zur Aufgabe gemacht, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Böllern zu fördern und zu vertiefen. Den Vorsitz hat in der englischen Gruppe Lord D e a d i n g, der ehemalige Dizekönig von Indien, in der deutschen Deichskanzler a. D. Dr. Cuno übernommen. Beide Gruppen haben Dorstände gebildet, denen u. a. Mitglieder aller Parteien beider Länder angehören. (Eine angebohrle Wasserader überflutet eine Ortschaft. 3m Dorfe Bussin (Kreis Schlawe) wurde beim Dertiefen eines Brunnens eine Wasserader angebohrt, die mit starkem Strahl emporschob und umgehend das ganze Gehöft unter Wasser setzte. Alle Bemühungen, diese Quelle einzudämmen, sind mißlungen. Man versuchte in einer Entfernung von 100 Metern durch Erbohren einer zweiten Quelle die Wasserader abzufangen. Man erreichte aber gerade das Gegenteil, denn nun werden bereits seit Tagen durch zwei in unverminderter Stärke strömende Quellen dieAecker, Gärtenund Gehöfte unter Wasser gesetzt. Ein Besitzer hat bereits sein Gehöft räumen müssen. iStocKh. Oslo -_____Oie Wetterlage.________ 3 Aontao, 23-Sept. 1929 7" abd Owomemos. o neuer, o naib oeoecxi ® woihig, • oedeext eKeo?fl W Schnee g Graupeln. = Nebel K Gewiiter,^)winostille.*0^ sehr «icnter O$i -nissiger Südsüdwest (S Stürmischer Normest Oie Piene fliegen mit oem winde Die beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichem •Nf Meeresniveau umgerechnelen Luftdruck Wettervoraussage. Der hohe Druck hat sich mit dem über Skandinavien lagernden vereinigt und bildet somit ein von England in nordöstlicher Richtung über Frankreich und Deutschland laufendes Hochdruckgebiet mit Barometerständen von über 770 Millimeter. Der Hochdruckeinfluh wird zunächst noch standhalten und infolgedessen die neue Störung über Island vorläufig keine weitere südliche Ausdehnung gewinnen. Wettervoraussage für Mittwoch: Stellenweise Frühnebel, sonst wolkig mit Aufheiterung, trocken, nachts wieder kühler und tagsüber Erwärmung. Wettervoraussage für Donnerstag: Weiterhin teils wolkiges- teils aufheiterndes Wetter, vorwiegend trocken. Lufttemperaturen am 23. September: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 14,7 Grad; am 24. September: morgens 13 Grad. Maximum 17 Grad, Minimum 12,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 23. September:, abends 15,2 Grad; am 24. September: morgens ‘14,4 Grad Celsius. — Niederschlag 0,3 mm. — Sonnenscheindauer % Stunde. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. September 1929. Oberhessischer Reisebrief. Cs gibt Leute, die in der Fremde besser mit Land und Leuten Bescheid wissen, als in ihrer engeren Heimat. Daran dachte ich, als ich dieser Tage eine Perle in meiner Heimatprovinz Oberhessen „entdeckte": Homberg a. d. Ohm. Der Einladung eines befreundeten Herrn in Frankfurt, der für eine große Daufirma einen Dau in Homberg leitet, folgend, beteiligte ich mich an der Autofahrt ab Frankfurt 16.30 Ühr. Auf ausgezeichneten Straßen mit Kleinpflaster, Asphalt- oder Zementdecken ging es schnell vorwärts. In Bad-Dauheim, wo eine gute Tasse Kaffee genommen wurde, herrschte Hochbetrieb; der ganze Eindruck ließ sofort erkennen, wie dieses Weltbad auf der Höhe ist. Die Fahrt wurde fortgesetzt durch die altertümlichen, schonen Landstädte Butzbach, Lich, Grünberg. Um 7 Uhr waren wir nach Zurücklegung von 100 Kilometer in Homberg. Eine herrliche Abendstimmung herrschte, im Südosten stieg am tief* violetten Abendhimmel der purpurne Dollmond auf. Eine kühle, eruickende Lust empsing uns nach heißer Fahrt. Freundlich grüßte das „hochgebaute" Städtchen von der Dergkuppe. Wir nahmen Quartier in einem freundlichen Gasthaus. Arn anderen Morgen ging ich mit einer Fahrtteilnehmerin über den in neuer Herstellung begriffenen Diehmarktplatz mit feiner neuen städtischen Halle durch die heimeligen, sauberen Straßen hinaus nach dem Schloh- berg, der früher eine Reichsseste trug. Reste davon sind noch zu sehen; im übrigen ist das Hauptgebäude im Besitz des Arztes; drum herum ziehen in Terrassen herrliche blumige Garten und Wiesen- und Obstbaumstücke, in denen schöne Aussichtsplähe eingerichtet sind (Privatbesih). Wundervoll ist der Blick vor uns ins Tal mit der Ohm und der Bahn nach Rieder- Gemünden zu und darüber in der Feme nach Ulrichstein. Im Norden sehen wir den bedeutenden Basaltsteinbruch Rieder-Ofleiden und dahinter die Amöneburg auf hoher Bergkuppe (Arnone — Amana — Ohm, also Ohmburg). Was üns nach diesem langen, heißen Sommer so angenehm auffällt, ist das tiefe Grün der ausgedehnten Wälder und der Wiesen im Talgrunde; die Spuren der Trockenheit sind verhältnismäßig gering. Die Hornberger Wasserleitung hat auch die Gefahren des trockenen Sommers ohne Störung überstanden! Im Ror- den, etwa eine Stunde entfernt, liegt die alte Burg Schweinsberg, wo früher das alte, ritterschaftliche Geschlecht der Schenk zu Schweins- berg sah, das noch zahlreiche Familien in Hessen und Preußen hat. Auch im Rorden, eine Stunde aufwärts im Ohmtal, begegnen wir einem Hofgut der Schenk zu Schweinsberg: Wäldershausen. Langsam steigen wir wieder hinab von der Höhe, vorbei am alten Stadtbrunnen, der alten Kirche, die jetzt renoviert werden soll, und dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Rathaus. Wir holen uns im „Frankfurter Hof" den Schlüssel zu dem ihm gehörigen Park und gehen einen schmalen Stufenpfad durch das Tor in diesen Park. Zahlreiche Sitz- und Aussichtsplähe sind da, die gut unterhalten sind, und zum Lesen, Schreiben, Träumen und zu traulicher Aussprache einladen. Besonders schön ist der Blick ins Ohmial hinauf von hieik. Ich habe mich herzlich gefreut, einen fo schönen Platz in der Heimat gefunden zu haben und schied von dort mit dem Wunsche, daß Hombergs Fremdenverkehr sich noch gut entwickeln möge. B. Generaldirektor Stephan, Wetzlar f. Am Sonntag verschied in Heidelberg nach kurzem Krankenlager der Generaldirektor der Stahlwerke Röchling-Buderus A.-G. in Wetzlar, Michael Stephan. Der Verblichene war der Schöpfer der Anlagen der Stahlwerke Röchling-Buderus A.-G., die gemeinsam von dem Edelstahlwerk Röchling A.-G. in Völcklingen und den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar im Jahre 1920 gegründet worden ist. Die oberste Leitung des Werkes lag seit der Gründung in seinen Händen. Mit Generaldirektor Stephan wird ein Edelstahlfachmann zu Grabe getragen. Er genoß internationalen Ruf. Die Einäscherung erfolgt seinem Wunsche gemäß im kleinen Kreise in Heidelberg. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: D. V. P.: Generalversammlung, 20.15 Uhr, im Hotel Hindenburg. — Liliputaner-Theater: „Heiratsfieber", 20.30 Uhr, im Cafä Leib. —. Lichtspielhaus, Bahn- Hofstraße: „Verdun". — Astoria-Lichtspiele: „Menschenschmuggel" und „Der Mann mit der eisernen Faust". — Ein Vortrag über Glanzplätten und Wäschebehandlung findet morgen nachmittag im Hotel „Prinz Carl" statt. Unsere Hausfrauen seien auf diese Veranstaltung besonders hingewiesen. — Das Liliputaner-Gastspiel, das heute nachmittag und heute abend im Saale des Cass Leib stattfinden wird, sei an dieser Stelle noch einmal der Beachtung unserer Mitbürger empfohlen. ** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Tage kann der Installateur Lu d w i g Möser aus Wie- seck auf eine 25jährige Tätigkeit im Städtischen Gas- unb Wasserwerk zu Gießen zurückblicken. Dem Jubilar wurde heute vormittag von seinen Mitarbeitern eine Ehrung bereitet und ein Geschenk überreicht. ** Herbstfest der D. D. A. * I u g e n d. Am Samstagabend veranstaltete die Gießener D. D. A.-Iugend, die in der Arbeitsgemeinschaft: der Gießener Jugend- und Schulgruppen des D. D. A. zusammengcschlossen ist, auf der Cie- bigshöhe ihr diesjähriges Herbstfest, dessen Ertrag zugunsten des Auslanddeutschtums bestimmt war. Wie die gleichartigen Deranstaltungen der vergangenen Jahre,, so war auch diese Feier für alle Teilnehmer ein schöner Genuß und für die Sache des D. D. A. ein voller Erfolg. Der große Saal der Liebigshöhe war bis auf den letzten Platz gestopft voll; neben den Jugendlichen konnte man erfreulicherweise auch viele Erwachsene sehen, die durch ihre Anwesenheit ihr Derbundensein mit den V. D. A.-Destrebun* gen bekunden und sich an den Darbietungen der jugendlichen Mitwirkenden erfreuen wollten. Die ganze Deranstaltung, von der Jugend selbst organisiert und in der Dortragsfolge auch selbst durchgeführt, brachte musikalische Darbietungen, Gesänge, Rezitationen, komische Dorträge, Volks* tanz, ein kleines eindrucksvolles Schauspiel über die deutsche Rot in Südtirol und zum Schluß eine große Revue. Jugendliche Kräfte aus der Studienanstalt, dem Fröbelseminar, dem Realgymnasium, der Oberrealschule und dem Gymnasium stellten sich teils musizierend, teils tanzend oder darstellend in den Dienst der Sach«. Sämtliche künstlerischen Leistungen waren wohlgelungen und fanden verdientermaßen den lebhaften Beifall der außerordentlich großen Zuschauermenge. Um die Revue machten sich besonders verdient: Bolker Loos (Entwürfe), Tanzlehrer Bä ulke (Tänze), Realgymnasium (Musik), Hans P e t s ch (Beleuchtung), L. Geist und G. Körner (Dekoration), Frau K. Iöckel (Kostüme); ferner seien hier mit einem besonderen Wort der Anerkennung die famosen Leistungen der Girls aus der Studienanstalt und dem Fröbelseminar hervorgehoben. Was die Jugend im Rahmen dieser Revue brachte, war natürlich auf die Arbeit des D. D. QI. abgestellt, geschickt und reizend hergerichtet, von gehaltvoller Kraft und stark werbender Wirkung. Olm Schlüsse der Dortragsfolge sprach der Vorsitzende' des Landesverbandes Hessen des D. D. QI. in einer kurzen Rede, ganz im Sinne der vielen Besucher, der Gießener D. D. A.-Iugend für den in allen Teilen wohlgelungenen Abend herzlichen Dank und volle Anerkennung aus, wobei er zugleich auch die Mitarbeit der jungen V. D. A.-Mitglieder in Gießen für die große Sache des Derbandes rühmend hervorhob. Hm die Dorbereitung und die Durchführung des Olbends haben sich die Mitglieder Student Loos und Unter Primaner R a y k o w s k i sehr verdient gemacht, denen denn auch vom Landesverbandsvorsihenden in gebührender Weise öffentlich Dank gesagt wurde. Als Gesamtergebnis der rückschauenden Betrachtung auf den Abend kann gesagt werden, daß unsere Gießener D. D. A.-Iugend hier wieder einmal eine vortreffliche Tat vollbracht hat. •• Dolkskunstabende der Dolksh och* schule. Man schreibt uns: Die Volkshochschule wird auch im kommenden Winterhalbjahr ihre musikalischen Dolkskunstabende veranstalten, und zwar in der weniger konzertmähigen, als musik- pädagogischen Form, die im vorigen Winter als ihren Zielen entsprechend erprobt wurde; den Darbietungen werden daher jeweils einführende Worte vorangestellt. Es ist wohl anzunehmen, daß die regelmäßigen Teilnehmer solcher Musikabende auch in ihrem allgemeinen Musikverständnis gefördert und mit größerem Gewinn die anderen Konzerte unserer Stadt besuchen werden. Im Hinblick auf diese sind die musikalischen Dolkskunstabende wie eine Reche weiterer Veranstaltungen der Volkshochschule als volksbildnerischer Vorbau vor das Konzertleben Gießens gedacht. Reben den drei vorgesehenen Musikabenden werden weiter als Reuerung im Rahmen der Volkshochschule zwei literarische Volkskunstabende stattfinden. Don diesen fünf Veranstaltungen steht das Programm der drei vor Reujahr stattfindenden bereits fest: 1. Sonaten für Violine und Klavier von Mozart. Ausführende: Prof. K. Schmidt (Klavier) und Konzertmeister Gen * zewskr (Violine). 2. „Spiegel der Zeit". Rezitationsabend von Hans D o h m e (Kassel). Dichtungen von Menschen und Maschinen, vom Rhythmus und Willen der Zeit. 3. „Marsch und Tanz". Ausführende: Frau E. Fischer (Klavier) und Prof. K. Schmidt (Klavier). Rach Reujahr finden der dritte Mu-sikabend (voraussichtlich Orchesterabend) und der zweite literarische Volkskunstabend statt. Man beachte die Einladung im heutigen Anzeigenteil. Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt. _M AM M ... Ur.: Wetzlar, den 23. September 1929. 7835D I Sie HM nirns. bürg die ei sorder schlich seierlil iuttflui Men: initbcll fenitii in fei’« feiner soll do gebend im De Jndivi nclk König Nachruf. Nach kurzem Krankenlager verschied am 22. d. M. unser erstes Vorstandsmitglied Herr Generaldirektor Michael Stephan im 55. Lebensjahre. Er hat den Grundstein zu unserem Unternehmen gelegt und es in zielbewußter und weitblickender Weise zu seiner heutigen Größe ausgebaut Sein vorbildliches Pflichtbewußtsein und ruhiges, überlegenes Handeln haben unserem jungen Unternehmen ein festes Fundament geschaffen und ihm über die schwierigsten Zeiten der wirtschaftlichen Nöte Deutschlands hinweggeholfen. Tieferschüttert nehmen wir Abschied von einem Manne, dessen tiefes Fachwissen und nie ermüdende Arbeitskraft wir nur sehr schwer vermissen werden. Wir werden ihm ein dauerndes, ehrendes Angedenken bewahren. Aufsichtsrat und Vorstand der Stahlwerke Röchling-Buderus A.-G. Stellengesuche Statt Karten! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen dankeh herzlichst Johanette Hainbach geb. Schaaf und Kinder. Gießen, den 23. September 1929. 782jD diese . IM 8. 3ai Unter ward .mein« ihres öinhci entwic Rechte Deutsl lisch« neuen schlüss Sie 2 imterfc achtle waren Liebln unter gromir tvoiscr in dar wurde biete. Grvhi chunK einem fönnc das i wollt, ftanji versul trolisi feiten lionalf. Sol ein ti Desek Gutsi Anspi ousgt wievie in der würde, undera gebühr Aber mehr i aus d« legen, Do Aat ’hren er mi Da- tafllo- ®ine verwo fällig andere bestellt ?°4s . 6in innere, sich Den deltv scheut Verh« legen. Ao Sende wir ^ache auch ftcm& .Don M, lockte ■ , Abe, '"Ans dumpfe >ne, S. lein^ Men Mm , ®lei Iain (. aus <■ Lagerplatz au mieten, evtl, zu kauf, gesucht. Angeb. mit Preis und Lage- angabe unter 05993 an den Gieß. Anzeig. Stellenangebote! wie warnen Sie IhreaÄewerbungen auf Anzeigen ohne Nomen Zeugnisse, ürfunben ob. fonff wichtige Papiere beizufügen: Abschriften genügen zur Einleitung v. Anslellungsvechand- lunaen. Ost ist uns ber Auftraggeber unbefanni unb in biesenFällen können wir nichts tun für b. TBlebererlangung ber Sewerbungsunteriagen Gtetzenev Slttzeigev Junges Mädchen f. vormittags, außer Samstags, gesucht. Wo ? sagt die Geschst. d. Gieß. Anz. 06092 Hilfsarbeiter von 14—17 Jahren gesucht. 06075 W. Zimmer, Metallgießerei, G. in. b. H., Gießen, Bahnhofstraße 12. Unabhängige Mim s. zweimal wöchentlich gesucht 06082 Ludwigttr. 61. Suche für meinen Haushalt ein anständiges, junges IHflöUtl am liebst, vom Lande. 3rau DlrenorHehberg Abendstern b. Gießen. 78,7D soilöts. Alleres liiHn das selbständ. kochen kann, alle Hausarb. versteht u. kinderlieb ist, z. 1. Okt. gesucht. Wo? sagt d. Geschst. d. Gieß. Anz. 7833V Lichtspielhaus, Bahnhof str. 34 Heute letzter Tag: VERDUN Ab morgen bis einschl. Sonntag: „Das hervorragende Doppelprogramm“ 1. Schlager: 7839C Albani in in Schwarz^ MIT LIANE HAID Ein Gesellschaftsdrama aus der Welt, in der man sich nicht langweilt, in 8 Akten. — Weitere Mitwirkende: Kurt Vespermann, Albert Paulig, Hermann Pieha, Charles Lincoln, J. Mylong-HUnz 2. Schlager: LaaralaPlante»HoDDla,Vatersiehtsjaniclit Lustspiel in 7 Akten Ferners Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt TRAGT DIE GUTE SCHMÜCKER-KLEIDUNG 7085A Statt Karten! Danksagung. 78)8D Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Sattler sagen wir auf diesem Wege innigen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Hammel, Lokomotivführer. Wiesede, den 23. September 1929. Fleißige, gesunde weibliche Kraft für Fabrikation, zum Abfällen von Flaschen, Etikettieren, packen, Reinemachen usw. mög- lichst zu sofort gesucht. Stellung auch geeignet für tüchtiges Landmädchen. Angebote erbeten unter 06034 an den Gießener Anzeiger. 12 Verschiedenes! Inserieren bringt Gewinn 15 45 30 20 Ambosse, Nickt- u. Lockvlatten, Zvlindcrgebläse. Sckraubstöcke und viele andere Majchtnen usw. Simon Wolf, Auktionator Frankfurt a. M.» Tel. CaroluS 45938. Besichtigung ab 8 Uhr vormittags. Wer sucht Qualitäts- Margarine zum Vertrieb an Private? WaoIaWargarine- Gesellschalt mAH Bochum-Laer. 7795D Versteigerung von Werkzeugmaschinen usw. Am Tonnerstaa, dem 26. Sevt. 1920, beginnend Vormittags9' Ubr, versteigere ich int Auftrag in Frankfurt a. M., Kostbeimer Straße 12 (an der Galluöwarte, Haltestelle der Straßenbahn, Linie 121 30 Drehbänke mit Lett- sowie Leit- u. Zugfvinbel bis 3 rn 20 Drück- und Meckanikcrbanke für Fuß- und Krastbetrieb 7826V 10 Ncvolverbänkc und Automaten 25 Scklosser- u. Scknellbohrmaicki- nen bis 40 mm 5 Sbavingmasckinen btS3i>0mmHub 3 Hobelmaschinen bis 1,5m Hobell. Horizontal-, Vertikal-, Plan» u. Handdebelfräsmaickincu Exzeuter- und Friktionövressen Svindel- und Fußtrittvreffen Schleis- und Poliermaickinen 3 Stoßmaschinen bis 200 mm Hub 5 Gewindcichneidmasch. bis 19« Zoll 20 Kaltkreis- und Bügel,agen 25 Blechscheren und Lock stanzen 10 Ruudmaickincn bis 2 m Nutzlge. 6 Slbkantmasck'nen bis 2 m Nutzlge. 10 Kurbel u. Taselickeren bis 1 m komb. Nund-, Abkant- u. Wulstma- fckinen, Sickcnmaschincu, Kreis und Streifenichcreu lotlto n. loflmon liefert zu billigsten Preisenfrei Haus GlegmunO Hofeoüaum Franks. Str. W. ,,«v An die außerord. Generalversammlung am Mittwoch, dem 25. 9.,8.30 Uhr t. BereinSheim wird erinnert. 7822V Der Vorstand. Suche Stelle als Metzgergeselle für sofort ob. später. Habe in Darmstadt gelernt, in Wiesbaden gearbeitet u. bin 22 Jahre alt, gesund u. kräftig. 06099 Gurt Weidner Herckenbaiu, „Schöne Aussicht". Tel. Grebenhain 14. Junge Heiß. Frau sucht stundenweise WWllWg im Haushalt oder Geschäft. Schriftliche Angebote um. 06078 an den Gieß. Anz. ©eöilö. mein 30 I- alletnst., tm ge- samien Hauswesen erf.. such, selbständ. Wirkungskreis in bess. srauenl. HauSb. ob. bei ein». Herrn z. 15. ©ft. ob. später, b.Zeugn.u. Empfehl. Schr. Angeb. u.06084 an b. Gieß. Anz. erb. Dauerstellung sucht älteres Fräulein auoerläfftfl, sehr wirtschaftlich, in nur gutem, frauenlosen Haushalt.Glanzende Zeugnisse vorhanden Schr. Ang. u. 7842V a. d. Gieß. Anz. erb. Gebildete Wiiwe, 49 I., nut 6'/, Jahre alt. Sohn, im Kochen, Einmachen sowie tm ganz. Hauswesen erfahr, sucht Stelle alS Haushälterin. Näher. (Sibert, Bad Ems, Bömerstr. 56II. Behüt Fräulein im Kochen, Haush. u. Nähen bewandt sucht paffenden Wirkungskreis. 06096 Sööler, IDeBlar, Gr. Promenade 11. TAPETEN Eine große Partie RESTE in jeder Rollen zahl schöne, moderne Muster äußerst billig H. Hochstätter Brandplatz Schloßgasse 7271A ».ii.rim.i.i 11 Vermietungen Ktmom I 3 Zimmer Zinkwannen. 7829D 4-6-Zimmer- Wohnung in guter Lage für 1. Oktober 29 gesucht. Dringlichkeitsschein vorhanden. Schriftl. Angebote unt.7818D a. d Gießener Anz. Junges Ebevaar, tagsüber abwesend, sucht 1—2 leere Zimmer. Schr. Ang. unt. 06081 a. d. Gießener Anz. Nofiadt stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen Ußieferfer Weg 16 — Telephon 3383. | Mietgesuche | iwtiw tBoUnung 4 Zimmer, Bad u. Kücke, für bald gesucht. Schr. Angeb. unter 7836V an den Gieß. Anz. erbeten. SchöDe Garage m. Waschgelegenbett ab 1. Okt. zu verm. Walltorstraße 63, Bureau, Mittwoch, den 25. Sept. 1929 nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: drei Pic ninos, zwei Trumeauspiegel, eine Waschmaschine, vier Küchenherde, einen Gasherd, drei Oefen, eine Küchenanrichte, acht Schreibtische, eine Kredenz, zwei Ladentheken, drei Ladenregale, eine Holzkasse, fünf Ausstellungsgefäße, 20 Flaschen Sekt, vier Kleiderschränke, 114 Paar Damenftrümpfe, drei Sofas, einen Projektionsapparat, einSchrankgrammo- phon, ein Vertiko, eine Schreibmaschine, einen alten Schrank, einen Zierschrank, einen Grasmäher, ein Tafelklavier, drei Nähmaschinen, einen Kassenschrank, einen Safesd)rank, zwei Chaiselongues, einen Dreschwagen mit Strohpresse und Spreubläser, eine Lederwalze, 15 Pack Hanfgarn, 24 Paar Gamaschen, 15 Dutzend Hosenträger, 20 Paar Herrcnleisten, 25 Dutzend Gummiabsätze, 30 Schuhbürsten, zehn Schaffelle, zwei Aktentaschen, zwei Koffer, zehn Fensterleder, einen Spiegel, ein Damenfahrrad, eine Kommode, sechs Große, elegante, möblierte VchMl m. Küchenbenutzung für sofort gesucht. Schriftl. Angebote unter 78381) an bett Gießener Anzeiger. Walltorstraße 5 Süßer Apfelmost 7/72L tu. Küchenbenutzung ober 2 Zimmer mit Küche tu ruhtgem, besserem Hause in sehr guter Lage sof. z. vrm. Schr. Angeb. u.06077 a. b.Gß.Anz. Zwei iebt große Zimmer (unmövl.) erster St., Straßenfront, evtl. m. sevar. Eingang, f. Rechtsanwalt, Arzt usw. wegen ber günstigen Lage befonberS geeignet, »it vermieten. Schriftl. Ansr. unter 7748V a.b. Gteß. Anz. Schönes, möbliertes Wohn- und Schlafzimmer mit separ. Eingang zum 1. Okt. zu vermieten in ber Näße Klinik u. Universität. Zu erfr. t. b. Gefehlt. b. Gieß. Anz. 06095 Sckön möbliertes Zimmer mit Balkon in freier Lage billig zu verm. Schriftl. Angeb. unt. 06091 a. b. Gieß. Anz. Gut möbliertes Zimmer zum 1. Okt. gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 06087 a. b. Gieß. Anz. 2 leere 3immer für sofort zu mieten gesucht. Schriftliche Angeb. mit Breis u. 06093 g. d. Gß. Anz. 2769V Hausfrauen! Am Mittwoch, dem 25. September, nachm. 4 Uhr, findet in Gießen, im Hotel Prinz Carl ein interessanter Vortrag über M Glanzplätten mit praktischen Vorführungen statt Eintritt frei Neuzeitliches Waschen, Einstärken, Glänzen, Formen und die dabei anzuwendenden Kunstgriffe werden gezeigt und erklärt. Jede Hausfrau ist in der Lage, nach Anhören dieses Vortrags die Stärkewäsche ihres eigenen Haushaltes selbst fertigzustellen. Die Mitglieder der Frauenvereine sind besonders , eingeladen. Plättwäsche erwünscht Der Vortrag ist verbunden mit einer: J Gratis-Verlosung von elektrischen Bügeleisen Referentin: Frau Else Stephan Nr. 224 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für lvberhesfen) Dienstag, 24. September 1929 Das Deutschtum in Rumänien, insbesondere in der Bukowina. Ein Beitrag zum europäischen Minderheitenproblem. Von Or. Fr. König. ne). Die politische Plattform im Kampf um die Dolksrechte sind für die Minderheiten Rumäniens, vor allem für die Deutschen, die Karls» b u r g e r Beschlüsse vom Dezember 1918 sowie die eigenen Anschluherklärungen. Sn Karlsburg forderten die Rumänen Siebenbürgens zum Anschluß an Rumänien auf und versprachen dabei feierlich, für die Freiheit der volkstümlichen Entwicklung der andern einzutreten. Sie verkündeten: „®ic volle nationale Freiheit für alle mitbewohnenden Völker. Jedes Volt soll den Hn* terricht, die Verwaltung und die Rechtspflege in seiner eigenen Sprache durch Individuen aus seiner eigenen Mitte haben, und jedes Volk soll das Recht der Vertretung in den gesetzgebenden Körperschaften und in der Regierung im Verhältnis der Zahl der zu ihm gehörigen Individuen haben." Sie verkündeten zugleich die „Gleichberechtigung und volle autonome konfessionelle Freiheit für alle Konfessionen im Staate". König Ferdinand bestätigte am 27. Dezember 1918 diese Beschlüsse; daraufhin entschied sich die große Volksversammlung der Sachsen zu Mediasch am 8. Januar 1919 für den Anschluß an Rumänien. Unter Berufung auf die Karlsburger Beschlüsse ward hier gefordert, daß es dem sächsischen Volk „niemals unmöglich gemacht werde, sich als eine ihres Volkes bewußte nationale und politische Einheit in aller Zukunft zu behaupten und zu entwickeln"; zugleich verlangte sie, „daß die Rechte, die ihm gebühren, auch den übrigen Deutschen zuerkannt werden und daß die völkische Zusammengehörigkeit aller Deutschen im neuen Staat anerkannt werde". Aehnliche Beschlüsse faßten die Bukowiner, die Bessarabischen, die Banater Deutschen. Am 9. Dezember 1919 unterschrieb Rumänien den von den Großmächten auferlegten Mindcrheitenschuhvertrag; am 6. Sept, waren in Temesburg Vertreter aller deutschen Siedlungsgebiete zusammengetreten und hatten unter Führung von R. D r a n d s ch ihr Programm zum 1. großrumänischen Parlament entworfen, das am 6. Rovember 1919 in Schäßburg in das sächsische Volksprogramm hineingearbeitet wurde. Entsprechend handelten die anderen Gebiete. So war der Verband der Deutschen in Grohrumänien entstanden. Wurden die Versprechungen gehalten, so hätte Großrumänien zu einem Rationalitätenstaate freier Völker werden können. Die liberale Oligarchie des Altreichs, die das Heft in die Hand bekam, hat es anders gewollt. Sie hat, befangen in den Vorstellungen französischen Staatsdenkens, es 10 Jahre lang versucht, den grohrumänischen Staat durch Zentralisierung und durch Assimilierung der Minderheiten zu einem geschlossenen rumänischen Ra- tionalßaat zu machen, obwohl von 17,4 Mill. * Vgl. Artikel in Nr. 222 vom 21. September 1929. Einwohnern rund 6,5 Mill, keine Rumänen sind. Davon wurden auch die Deutschen schwer betroffen. Im Derfassungsarundgeseh geschah der Minderheiten keine Erwähnung, so daß der Verwaltung Tür und Tor zur gewaltsamen Romani- sierung geöffnet wurde, die Agrarreform griff durch die Enteignung an die Wurzel des Lebens der Minderheiten, das Derwaltungsgeseh gab die Selbstverwaltung in den Minderheitsgebieten den Rumänen in die Hand; sie romanisierte die staatlichen Schulen und suchte den Abbau der kirchlichen zu erzwingen; sie versagte den nicht staatlichen Schulen die Staatszuschüsse und das Oeffentlichkeitsrecht, sie verhinderte die Ausbildung von Minderheitslehrern und suchte durch ihr Däkkalaureatsgesetz die Minderheiten des Intelligenznachwuchses zu berauben. Run aber haben Anfang Rovember letzten Jahres die Rationalzaranisten unter ihrem Führer M a n i u das Heft in die Hand bekommen. Es ist die Partei der Siebenbürger Rumänen, die einst in Karlsburg sich zur Wahrung der Dolksrechte der Minderheiten verpflichtet haben. Unter R. Drandschs Führung verbündeten sich die Deutschen mit den Rationalzaranisten. Mit 328 Abgeordneten ist die Partei zur Alleinherrschaft im Parlament gelangt. „Don diesem Parlament erwarten die völkischen Minderheiten Rumäniens die Schaffung einer gesetzlichen Ordnung ihrer Lebensverhältnisse im Sinne der Karlsburger Beschlüsse." Im Sommer 1928 waren sie drauf und dran, den Weg der Beschwerde nach Genf zu beschreiten. Sie haben im Vertrauen auf die neuen Männer davon Abstand genommen. Bisher ist die Regierung Manius aber in der Minderheitenfrage nicht zum Handeln gekommen. So sehr man ihr zugute halten muh, daß sie zunächst eine gewaltige Aufräumungsarbeit zu verrichten hatte, die Minderheiten sind infolge ihres Zauderns, vor allem in den Dingen der Schule, sehr skeptisch geworden. Sie stehen vor der Frage, ob sie auch den Rationalzaranisten ihr Vertrauen werden entziehen müssen und erneut in die Opposition gegen den Staat abgedrängt werden. Immerhin ist noch nicht alle Hoffnung verloren. Allerneuesten Rachrichten nach scheint die Regierung nun endlich entschlossen zu sein, ein Minderheitengeseh auszuarbeiten und zur Debatte zu stellen. Cs soll dem Parlament in der nächsten Tagung vorgelegt werden. Wie „Cuvantul" (Bukarest- berichtet, wird die Regierung den Entwurf nur nach vorheriger Fühlungnahme mit den Führern der Minderheiten der Oeffentlichkeit übergeben; es soll außerdem die Schaffung eines Minderheitenfekretariats in Aussicht stehen, daß sich mit den Schul- und Kirchenfragen der Minderheiten befassen soll. Rumänien steht so in der Frage der Minderheiten am Scheidewege. Gelingt es ihm, sie Dämonen der Zeit. iRomcm von Arthur Brausewetter. (Schluß.) Cowie sich Sturm und Regen am Rachmittag ein wenig gelegt hatten, gab Herr Feuchtwanger Befehl zuni Anspannen und führte den neuen Gutsverwalter in einer mehrere Stunden in Anspruch nehmenden Rundfahrt durch. die weit ausgedehnte Wirtschaft. Und Klaus erkannte, wieviel zäher Arbeit und Energie es sowohl in der Hof- wie in der Außenwirtschaft bedürfen würde, um dies durch eine Reihe von Jahren unverantwortlich vernachlässigte Gut zu der ihm gebührenden Höhe und Kultur zu führen. Aber je schwerer die Aufgabe erschien, um so mehr reizte sie ihn. mit um so froherem Mute empfand or, daß ihm hier das Feld gewiesen, auf dem er seine Kräfte, die so lange brach gelegen, mit frischer, freier Lust tummeln konnte. Wochen, Monate waren dahingegangen. Hatte Klaus Körber in unausgesetzter Tätigkeit ihren schnellen Wechsel kaum empfunden, so sah er mit um so größerer Freude ihre Früchte. Das ihm überantwortete Gut war unter seinen rastlos schassenden Händen sichtbar emporgeblüht. Eine mustergültige Ordnung war auf dem bisher verwahrlosten Hofe, die schlechtgenährten und lässig bespannten Ackerpferde zeigten ein ganz anderes Gesicht, draußen standen die sorgsam bestellten Felder und Aecker in verheißungsvollem Wachstum. Ein nie gekanntes Gefühl stillen Glücks und innerer Befriedigung durchzog seine Seele, wenn er sich sagen durfte, daß dies alles im buchstäblichen Sinne seiner Hände Werk war. Denn wenn er auch einen jungen tüchtigen Inspektor zur Seite hatte, so hatte er sich nie gescheut, geradeso wie damals bei Willibald von Oerhen, in notwendigen Fällen selber Hand anzulegen. x Don draußen drangen böte und beunruhigende Rachrichten in die Abgeschiedenheit seines mit jedem Tage gleichen ländlichen Lebens. Immer schwerer seufzte der Westen unter dem Joche rücksichtsloser Feinde, und im Osten, ja auch in seinem geliebten Danzig, machte sich fremder Einfluß bedrohlich geltend. Dann wurde wohl der Geist des alten Obersten wach, und das Soldatenblut regte sich in ihm, lockte von Haus und Hof in weite Femen. Aber er kämpfte in heißer, den ganzen Körper in Anspruch nehmender Arbeit den Zorn und die dumpfen Sehnsüchte nieder. So kam Pfingsten heran. Mit einem flotten Einspänner fuhr er durch die in vollem Pfingst- schmuck blühende Ratur. Gerade als er in die lange, zum Bahnhof führende Straße einbog, bemerkte er einen alten Herrn, der im Schweiße seines Antlitzes einen schweren Koffer trug, und dessen altmodischer schwarzer ileberrocf in der warmen Frühlingsluft fast komisch wirkte. Gleich auf den ersten Blick kam er ihm so seltsam bekannt vor -- richtig, es war der Pastor aus Altfelde. Lotte Bernhards Vater! Er sprang vom Wagen, begrüßte den alten Herrn, nahm ihm den Koffer ab und lud ihn ein, die noch ziemlich beträchtliche Strecke mit ihm zu fahren. „Sie haben mir wieder einmal einen guten Dienst erwiesen," sagte dieser, indem er es sich nach der ausgestandenen Strapaze auf dem bequemen Sitze wohsein lieh, „ich hatte hier eine wichtige Angelegenheit wegen meiner Altfelder Schule zu ordnen, meine Frau hatte mir einen ganzen Haufen von Besorgungen für die Wirtschaft und das Fest aufgetragen, da war es für mich keine Kleinigkeit, den schweren Koffer zu schleppen. Auch zu meiner Tochter sind Sie immer so freundlich in Berlin gewesen und haben dem armen Mädchen den manchmal wohl ein wenig bitteren Aufenthalt dort möglichst erleichtert." Schweigend sah Klaus neben dem Alten. Diese unvermutete Begegnung hatte allerlei in ihm wachgerufen. Hatte er ein schlechtes Gewissen gegen seine Berliner Kameradin? Er hatte gleich nach seiner Ankunft in Derg- rode an sie geschrieben, sich nach ihrem Befinden erkundigt, ihr einige Male Postpakete mit Lebensmitteln geschickt. Rach Altfelde aber war er noch nie gefahren, obwohl er sie nach dem Semesterschluh dort vermuten muhte. Weshalb nicht? — Rur mit halbem Ohre folgte er der unermüdlich sprudelnden Beredtsamkeit des Alten ... Hatte er nach seiner Tochter gefragt? „Ja ... die Lotte ... so ... Sie wissen noch gar nicht?" hörte er ihn mit einem Male neben sich. „Sie war bei den Osterferien bei uns zu Hause. Wir futterten sie ordentlich heraus ... jeden Tag zwei Liter Milch. 11 nb Eier, so viel sie nur essen konnte ... meine gute Frau versteht sich auf so etwas. Es war aber auch notwendig, ilebcranftrcngung der Rerven, meinte der Arzt." Sie erholte sich sehr schnell. Als sie aber nach Berlin zurückkehrte, war es bald das alte Lied. Sie bekam einen Rückfall und wir muhten sie wieder nach Altfelde nehmen. An Examen fein Gedanke ... Jetzt aber ist sie, Gott fei Lob und Dank, wohl und frisch, hat volle und gebräunte Wangen und die alten lustigen Augen. Den ganzen Tag arbeitet sie im Garten ... ja, das Land macht alles gut Sie werden Sie gar nicht wieder erkennen, toenn Sie uns einmal die Freude Ihres Besuches machen wollen ... aber wahr haftig, das ist schon mein Zug! Leben Sie wohl und haben Sie herzlichen Dank! Und nicht wahr, der Lotte kann ich einen Gruß bestellen?" Als der alte Herr ihn verlassen hatte, kam das Gefühl einer bis dahin nicht gekannten Vereinsamung über Klaus. Er hatte in der ganzen Umgebung keinen Menschen, mit dem er sich nach aller Arbeit einmal aussprechen, der ihm etwas hätte sein können. Wohl war die alte Kardinal in jeder Weise um sein leibliches Wohl und seine gute Pflege bedacht. Aber wenn er vom Felde heimkehrte, so lag sie bereits im Bett, und da er nicht so früh zur Ruhe zu gehen vermochte, waren die Abende lang und lastend. Er dachte daran, feinen Freund Oertzen, mit dem er in regem brieflichen Verkehr geblieben I war, zu besuchen. Aber die Reise in den Danziger einigermaßen zu befriedigen, so ist ein bedeutsamer Schritt zur Konsolidierung des Staates getan. Das Beispiel Rumäniens würde darüber hinaus von großer Bedeutung für die Gestaltung der Dinge in ganz Ostmitteleuropa werden können; es bedeutete die Loslösung von dem mechanistischen Staatsgedanken des Westens und den üebergang zum organischen. Wir wollen im Interesse unserer deutschen Volksgenossen, im Interesse auch eines guten Verhältnisses des deutschen zum rumänischen Volke hoffen, daß der Ausgleich gelingt. In der Bukowina harrt augenblicklich noch eine andere wichtige Frage der Erledigung. Das neue Konkordat mit Rom ist kürzlich in Kraft getreten. Es hat die von Oesterreich übernommene Zugehörigkeit des Landes zur nunmehr polnischen Diözese Lemberg beseitigt und es dem römisch-katholischen Bischof der Moldau in Jassy unterstellt. Trotzdem von den rund 97 000 Katholiken der Bukowina die Deutschen 1925 rund 58 000, die Polen nur rund 29 000 betrugen, trotzdem von den 31 katholischen Pfarren 12 rein deutsch, 3 überwiegend deutsch und nur 8 kleinere überwiegend polnisch, 4 zu gleichen Teilen deutsch und polnisch sind (4 sind rein magyarisch), war die Pflege der katholischen Religion bisher ganz vom polnisch-nationalen Standpunkt geleitet, mußten doch die Bukowiner Theologen im Lemberger polnischen Priesterseminar studieren. Run haben die katholischen Polen der Bukowina die Errichtung eines römischkatholischen Bistums in Czernowitz mit einem Bischof polnischer Rationalität gefordert. Dies hat unter den Deutschen der Bukowina gewaltige Erregung hervorgerufen. In großen Versammlungen verlangen sie, daß die Rationalität der Mehrheit der Katholiken ausschlaggebend set und fordern daher für die Bukowina einen deutschen Bischof oder Generalvikar. Der Katholische deutsche Volksbund hat die Beschwerden der Katholiken dem Bischof von Jassy überreicht und ihm „die eindringliche Ditte' ausgesprochen, den deutschen Katholiken „die bisher leider vermißte Gerechtigkeit" widerfahren zu lassen. Eie verlangen nicht nur den deutschen Bischof oder Generakvikar, sie verlangen gute deutsche Priester für die deutschen oder überwiegend deutschen Pfarreien, ev. „durch Berufung aus dem Ausland"; sie verlangen für die Theologiestudierenden die Möglichkeit, „ihre theologischen Studien am deutschen P riest ersemi- nar in Temesvar zu betreiben“, sie verlangen den Ausbau des katholisch-deutschen Knabenkonvikts in Radautz zu einem kleinen Seminar für den deutschen Priesternachwuchs; sie verlangen die Errichtung deutscher Pfarrschulen, „zumindest in den größeren katholisch-deutschen Pfarrorten", „in welchen unsere Kinder religiös und völkisch herangebildet werden". Der deutsche Dolksrat hat die Erklärung abgegeben, daß er die Forderungen des katholischen Volksbundes „vollinhaltlich unterstütze und alles tun werde, um die Angriffe von polnischer Seite gegen das Recht der Bukowiner deutschen Katholiken abzuwehren". — Ein Memorandum dieses Inhalts wurde an die päpstliche Runtiatur in Bukarest und direkt an den päpstlichen Stuhl nach Rom geschickt. Freistaat war für die kurze Zeit, die er hätte pfem können, zu weit und mit zu großen Paß- schwierigkeiten verbunden. Eine, das sagte er sich in feinen einsamen Stunden so manches Mal, gab es Wohl, die hier mit ihm auf dem mühevoll erkämpften Grund stehen, die ihm arbeiten und das Leben tragen helfen könnte. Ein Gedanke keimte in ihm auf, ein Entschluß reifte ... langsam und allmählich. Er kämpfte mit ihm, verwarf ihn ... er kehrte wieder und ließ ihn nicht mehr. Bis feine Stunde gekommen war und er alle Widerstände und Bedenken, die man ihm entgegensetzte, über den Haufen warf. Es war ein lichtheller Iunitag vollen Blühens und Duftens. Wie ein aus bläulichem Silber zart gewobener Schleier flimmte die Sonne über die Felder und Wiesen. Alles war Werden und Kraft. Rach etwas schwieriger Fahrt, zuletzt mit einer endlos schleichenden Kleinbahn, war Klaus am Ziele angelangt. Durch die Unendlichkeit des wogenden Getreides, dessen Halme zu beiden Seiten des Fußsteiges mattgrün und ährenschwer unter dem seidenen Frühsommerhimmel standen, schritt er auf den Kirchturm zu, den er, oben ein wenig abgedacht, stolz und truhig vor sich aus der fruchtduftenden Erde ragen sah. Run befand er sich dem Pfarrhaus gegenüber, das, von einem Wall, rauschender Bäume umgeben, in weltvergessener Ruhe friedlich dalag. Durch eine kleine Pforte begab er sich in den ©arten, der sich hinter dem Hause, von einer undurchdringlich dichten Fliederhecke liebevoll um» schmiegt, im bunten Schmuck der verschiedenen Blumen» und Gemüsebeete breitete. Zwischen den Büschen winkte ein helles Kleid — und alles war, wie er es sich in seinen Gedanken die ganze Fahrt und Wanderung vor- gestellt hatte. Rur eine leichte Blutwelle stieg in Lottes Antlitz, als er plötzlich vor ihr stand und ihr die Hand entgegenstreckte. Ihre feingebaute Gestalt erschien ihm hier mitten unter den Bäumen und Blüten des Gartens schlanker und größer, als er sie bisher gesehen hatte. „Ich wußte, daß Sie kommen würden," sagte sie, ohne ein besonderes Erstaunen zu zeigen. „Sie haben es gewußt?" fragte er, von der rührenden Schlichtheit in ihren Worten ergriffen. „2a ... die ganze Zeit hindurch, als ich krank lag. Und dann, als ich genesen war ... jeden Tag habe ich hier gestanden und die Straße hinunter geschaut und immer aufs neue zu mir gesagt: Jetzt wird er kommen.“ „Und als ich nicht kam?" „Wußte ich, daß Sie eines Tages doch kommen würden.“ Er geriet in einige Verlegenheit, sagte etwas von vieler Arbeit, von der völligen Reuordnung, die er in Dergrode hätte vornehmen müssen, von Besuchen, oie ihn in Anspruch genommen hätten, — da sah er ihr Auge, das ihn eben noch so nachdenklich angeblickt, mit einem luftigen Blinzeln auf sich gerichtet. „So bodenständig sind Sie geworden? Und wollen sich gar nicht mehr verändern?" So steht denn das Deutschtum Großrumäniens, auch das der Bukowina, in einem schweren Kampf. Es wird ihn gewinnen, wenn es sich oon Grund aus in der gesamtdeutschen Volksgesinnung zu erhalten versteht, die über alle Schranken von Konfession, Partei und Stand hinweg im Volkstum das gemeinsame große Gut verehrt, das die Grundlage des geistig-seelischen Lebens ist. Die Bukowina war da recht schwer dran, da sie in den Partei- und Weltanschauungskämpfen des alten Oesterreichs mitten drin stand. Liberale und christlich-soziale Deutsche standen sich einst auch hier feindlich gegenüber, auch hier halle man keinen Sinn für wahre Volkstumsarbeit, auch hier orientierte man sich mehr an der sog. „Bildung" wie am schlichten deutschen Menschen des Dorfs, auch hier kannte man keine rechte Methode für die Erweckung der Jugend zum volkhaften Leben. All dies ist nunmehr im Wandel begriffen: Unter dem Druck der Not suchen die deutschen Menschen nach neuen Formen volklichen Gemeinschaftslebens und schaffen sich auf dem Wege volklicher Selbsthilfe die Organe, durch die sie sich in Einheit, im Bewußtsein der Verbundenheit im Volkstum eine Stellung zwischen den anderen Völkern und im Staate erringen können. In diesen Sommerferien haben vom Landesverband Hessen des V. D. A. Herr Dr. Diemer (Darmstadt) und der Verfasser dieses Aufsatzes sowie eine V. D. A-Iugendgruppe von 24 Jungens aus Mainz unter Führung von Herrn Flessa die Bukowina aufgesucht. Wir find dort mit einer österreichischen Spielschar und mit der Bukowiner Jugend zusammengetroffen; wir haben ernste Zwiesprache mit den Führern der deutschen Volksgruppe, mit Bürgern in den Städten und Bauern in den Dörfern halten können. Wir haben die Ueberzeugung gewonnen, daß der Landesverband Hessen-Darmstadt des V. D. A. in dem schönen Lande ein Betreuungsgebiet besitzt, dem es die Hände zu reichen lohnt. Der Dienst am Volk, der dort geleistet wird, wird sowohl dem deutschen Gesamtvolk wie dem rumänischen Staate zum Segen gereichen können. Bad-Nauheimer Tagungen. Der medizinische Fortbildungslehrgang. Dad-Rauheim, 21. Sept. Der 6. Fortbild u n g s l e h r g a n g für Aerz te, über dessen Eröffnung schon berichtet wurde, bot in seinem weiteren Verlauf weitere bedeutsame Referate zu dem Gesamtthema „Pathologie und Therapie der Zirkulations- st ö r u n g e n". Es sprachen noch: Prof. Peter- s e n, Würzburg, über „Dau und Mechanik der peripheren Kreislauforgane"; Prof. Eppinger, Freiburg, über „Zur Pathologie und Therapie der Kreislaufinsufsiziens“; Prof. Fränkel, Heidelberg, über „Das Bett als Therapeutikum"; Dr. En th oven, Amsterdam, über „Funktionsprüfung" ; Prof. Frey, Stuttgart, über „Die Behandlung der Endocarditis“; Prof. Herx- Heimer, Wiesbaden, über „Bluthochdruck und pathologische Anatomie“; Prof. Lefchke, Berlin, über „Lues des Herzens und der Gefäße"; Pros. Goodall, London, über „Das Mhocard“; Prof. R a u t m a n n, Braunschweig, über „Die Wirkung Er verstand ihre Anspielung, ging auf ihren Scherz aber nicht ein. „Rein," erwiderte er ganz ernsthaft, „ich bin nicht mehr veränderungsbedürfllg. Ich habe das Leben kennengelernt, bin, teils von der Rotwendigkeit, teils von einem in mir wohnenden Geist getrieben, von Station zu Station gepilgert, immer neuen Ufern entgegen — “ „Und jetzt?" fragte sie langsam, als er innehielt. „Jetzt, glaube ich, find meine Wanderjahre zu Ende." „Und der alte Trieb ist nie mehr erwacht?" „Vielleicht doch einmal," erwiderte er nach einer Weile. „Als ich von ber Rot unseres Landes im Westen wie im Osten hörte. Aber ich sagte mir, daß die Zeit, das Schwert zu nehmen, noch nicht gekommen ist ... und nahm statt dessen den Spaten. Und wenn ich meinen Spaten so in den Boden stoße — ich weiß nicht, ob Sie das verstehen —“ „Ich verstehe Sie sehr gut. Sprechen Sie nur weiter!" „Dann ist mir zumute, wollte ich sagen, als baut ich nicht nur an meinem Land, sondern an dem großen deutschen Land, das dem alten Obersten das Herz brach, und das auch ich mit meiner ganzen Seele liebe. Sehen Sie, das ist die Erkenntnis, die meine Wanderjahre mich gelehrt, in der ich nach allem Umherirren zur Ruhe und zur Kraft gelangt bin. Darum habe ich meine Arbeit liebgewvnnen, so hart und eintönig sie mich auch manchmal anmutet.“ Es war still um sie. Rur in der Rotbuche zwitscherte ein Vogel, und von den hohen Ias- minbüschen wehte ein heißer Duft zu ihnen hinüber. „Schließlich mußte Wohl alles so kommen wie es gekommen ist,“ nahm er das Gespräch wieder auf, das eine ganze Zeit geruht hatte, „ ... auch zwischen uns. Vielleicht mußten wir uns erst einmal trennen, um uns zu finden, mußten uns beide prüfen, besonders ich mich... Aber ich glaube, jetzt auch hierin zu einer Klarheit gelangt zu sein. And sehen Sie, das ist de« Grund, weshalb ich heute hierhergekommen bin: Sie zu fragen, ob Sie mir bauen helfen wollen?" Einen Augenblick stand sie ihm gegenüber, bewegungslos ... wie abwefend. Dann aber schlang sie ihre Arme um seinen Hals, und all die lange zurückgedämpfte Glut, die tiefe, brennende Liebe, mit der sie ihn geliebt hatte von der ersten Stunde an, da er damals im Berliner Hotel ihr und ihres Vaters Helfer geworden, und die sie mit aller Tapferkeit bekämpft hatte, kam in der leidenschaftlichen Hingebung zum Ausdruck, mit der sie sich seinen Küssen überließ und sie erwiderte. Eine ganze Weile blieben sie allein, sprachen oder schwiegen, wie ihnen zumute war. Und ihre Worte wie ihr Schweigen waren von einem großen, starken Glücksgefühl durchströmt. Dann schritten sie Hand in Hand wie zwei gute Kameraden dem Pfarrhause entgegen, über dem der kantig truhige Turm, vom rosigen Licht der sinkenden Sonne wie Warte und Verheißung eines neu aufsteigenden Lebens in den ernsten Abendhimmel ragte. sportlicher Muskelarbeit auf die Organe des Kreislaufs": Prof. Straub, München, über ..Neuere Digitalisforschungen"; Prof. Groedel, Bad-Nauheim, über „Die diagnostische Bedeutung der graphischen Darstellung der Herztone". Der Zortbildungslehrgang wird als bestver- lausener der seitherigen Kurse bezeichnet: nicht nur hinsichtlich der starken Beteiligung (etwa 220 auswärtige und 40 hiesige Aerzte), sondern auch im Hinblick auf die Ergebnisse, die auf dem Wege zur Erkennung und Behandlung der Herz- und Gefäßkranlheiten ein gut Stück weiter geführt haben. Sanitätsrat Dr. Hahn, der Dor- sihende der Bereinigung Bad-Nauheimer Aerzte, konnte das in seinem Schlußwort mit Befriedigung feststellen. Er dankte nochmals den Referenten für die wertvollen wissenschaftlichen Darbietungen und Anregungen und dann den Teilnehmern für den äußerst starken Besuch und das der Tagung bis zum Schluß entgegengebrachte l^>hafte Interesse. Neben dem wissenschaftlichen Erfolg des Lehrgangs ist die Veranstaltung auch vom verkehrspolitischen Standpunkt ein nicht zu unterschätzendes Ereignis für unser hessisches Staatsbad gewesen. 2)cn Teilnehmern war durch sachkundige Führungen Gelegenheit gegeben, einen Blick zu tun in die Anlagen und Betriebe des Bades, und auch die vornehmen gesellschaftlichen und lünstlerifchen Einrichtungen der Bad- und Kurverwaltung waren den Gästen zugänglich. Der Allgemeine Deutsche Bäderverband in Bad-Nauheim. 4 Bad-Nauheim, 21. Sept. In den Tagen vom 24. b'.s 29. September hält hier der Allgemeine Deutsche Bäderverband seine 3 8. Generalversammlung ab. Das Programm der bedeutsamen Tagung weist eine Menge von Sitzungen der angeschlossenen Arbeitsgemeinschaften und besonderen Fachabteilungen auf. Für einen größeren Kreis sind die öffentlichen Vollversammlungen bestimmt, in denen grundlegende verkehrspolitische und bäderwissenschaftliche Fragen in Vorträgen behandelt werden. So sprechen u. a. Prof. Glücksmann vom Berliner Forschungsinstitut für Fremdenverkehr über „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Bäder innerhalb des deutschen Fremdenverkehrs", Prof. Dietrich, Berlin, über den heutigen Stand der Heilquellenforschung, Prof. P o l i s, Aachen, über lokale und klimatologische Eigentümlichkeiten westdeutscher Bäder und Kurorte, Prof. Linke, Frankfurt am Main, über die Beziehung der Klimatologie zur Balneologie, Neg.-Baurat Grenzebach, Hannover, über „Das Flugzeug im Däderdienft", Prof. De de, Dad-Nauheim, über „Die Bindungsweise der Kohlensäure in natürlichen Koh- lensäurequellcn", Prof. Weber, Bad-Nauheim, über „Objektiv nachweisbare Symptome der Herz- muskelschädigung". Die Bad- und Kurverwaltung bietet mehrere gesellschaftliche und künstlerische Deranstcütungen zu Ehren der Gäste. Aus der provinzialhauptsiadt. Gießen, den 24. September 1929. Konzert der Schule Minna Körner. Fräulein Minna Körner veranstaltete am Sonntag ihr diesjähriges Schülerkonzert zum Besten der beiden Schwesternhäuser in Gießen. Das Programm gab den Schülern Gelegenheit, sich als Solisten und Kammermusikspieler bzw. Begleiter zu zeigen. Gerade dies letztere verdient als anerkennenswerte Absicht der Veranstalterin hervorgehoben zu werden, denn auf dem Zusammenspiel mit anderen basiert im wesentlichen die Hausmusik, und jedem jungen Schüler ist ein häufiges Gemeinsammusizieren, bei dem er sich anderen anpassen muß, ohne daß er seine Eigenart aufzugeben braucht, immer wieder dringend zu empfehlen. Umfaßt dies Zusammenspiel gute Kammermusik, so ist es ein hochzuschätzender Faktor der Erziehung der jungen Generation zur guten Musik. — Der Gesamteindruck der Darbietungen ist ein recht guter zu nennen. Bei allen Schülern merkte man eine klare technische Durchbildung und — bei den älteren — musikalischen Gestaltungswillen. Solistisch betätigten sich Lisbet K j dj, Hilde Grode, Lotte Köhlinger, Elli und Martha Ludwig mit recht gutem Erfolg. Das gleiche gilt von Hanni Paul und Erwin Müller, welch' letztere ein schon reiferes Spiel zeigte. Helmut Broms spielte den Klavierpart eines Trios von Klengel technisch sauber und rhythmisch genau. Weiterhin traten begleitend noch Edith Fourier, Gretel W e h r h e i m , Hanna Pohl, Ilse Noll und Thea Petri in Erscheinung. Alle paßten sich dem jeweiligen Solisten gut an. Thea Petri bewältigte den Klavierteil eines Trios von Cesar Frank mit beachtlichem technischen Können, Paul Köhler (Violine) fand sich mit dem nicht leichten Frank- Trio recht sicher ab, und Karl Rabenau (Violine) konnte die k^-Dur-Romanze von Beethoven, sowie den Mittelsatz aus dem O-Dur- Violinkonzert von Mozart eindrucksvoll und technisch sauber wiedergeben. Don Gretel W e h r - heim bzw. Ilse Noll wurde er geschickt begleitet. Ludwig Hillenbrand verwaltete in den Trios das Amt des Cellisten mit Umsicht und steuerte noch ein paar geschmackvoll gespielte kleinere Stücke zur Abwechslung bei. In Otto S ch w i e d e r stellte sich ein Daßbariton vor, dessen Organ in der mittleren und hohen Lage am freiesten und klarsten ist: er sang Brahms und Schumann. Fräulein Körner darf mit Recht mit dem Eindruck des Konzerts zufrieden sein, denn ihre Schüler wurden den ihnen je nach Vermögen gestellten Aufgaben durchweg gerecht. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Spinat 20 bis 30; Römischkohl 10 bis 15; grüne und gelbe Dohnen 25 bis 30; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 15 bis 20; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 70 bis 150; Kürbis 5 bis 8; Pilze 40 bis 45; Kartoffeln 5; Falläpfel 4 bis 5; Aepfel 10 bis 20; Birnen 10 bis 20; Preiselbeeren 35 bis 40; Pfirsiche 45 bis 70; Brombeeren 55 bis 60; Zwetschen 8 bis 12; Mirabellen 15 bis 20; Reineklauden 15 bis 20; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 25; Cinmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 30; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 4 bis 4,50 Mark. ** Eine Magirus-Fahrzeuggruppe, bestehend aus mehreren Autoomnibussen und einigen Schnellastwagen, passierte gestern auf der Fahrt nach Siegen und dem Rheinland unsere Stadt und hielt kurze Zeit in der Frankfurter Straße. Bei einer Inaugenscheinnahme der Kraftomnibusse konnten wir die Feststellung machen, daß die Wagen mit allen Bequemlichkeiten und Vorzügen des neuzeitlichen Autobauwesens ausgestattet sind. Die Fahrzeuge, die durch ihre elegante äußere Herrichtung und ihre schöne Formgebung im Innern einen guten Eindruck machen, sind im Fassungsvermögen auf die verschiedensten Passagierzahlen eingerichtet. Durch Welt» gehende Vervollkommnung im Motorenbau sind die Wagen, wie uns yon dem Fahrtenleiter mitgeteilt wurde, auch unter dem Gesichtswinkel der weitmög« lichsten Brennstoffersparnis den heutigen Zeitanforderungen vollkommen gewachsen. Die Fahrzeugkolonne erregte das Interesse der zahlreichen Straßenpassanten. ** Dorträge über b i e Wirts chaft - lichkeit des elektrischen Kochens fanden, wie man uns mitteilt, auf Einladung der städtischen Elektrizitätswerke und der Prometheus A.-G. Frankfurt am Mittwochabend in Klein- Linden und am Donnerstagabend in Heuchelheim statt. Dor der Gemeindevertretung und einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach dort Ing. Schabacker von der Prometheus A.-G. Ec gab zunächst eine älebersicht über die Geschichte der Cleltrizitätserzeugung und Elektrizitätsverwertung und sagte u. a.. das- elektrische Licht habe innerhalb einer Zeitspanne von 30 Iahren den absoluten Sieg errungen. Auf dem Gebiete der Kraftversorgung stehe heute an erster Stelle der Elektromotor. Der heutige Wettstreit fei auf das Gebiet der Wärme beschränkt. Die Elektrizität bringe mit erstaunlicher Schnelligkeit auch in dieses Gebiet ein. Zum Bügeln werbe fast nur noch bas elektrische Bügeleisen benutzt, Millionen von kleinen Kochtöpfen, Warmwasserbereitern, elektrischen Kochkisten würden bereits verwendet. Man sehe, daß die Anwendung dieser elektrischen Geräte sich in den letzten Iahren bedeutend gesteigert habe, seitdem die Elektrizitätswerke den Gebrauch dieser Apparate durch zweckmäßige Tarife erleichterte. Nun sei auch der elektrische Herd auf dem Markte erschienen. Er sei betriebssicher, haltbar und einfach. Das technische Problem könne als gelöst gelten. Es bleibe noch die Frage übrig: Kann er wirtschaftlich mit anderen Energien konkurrieren? Der Vortragende wies darauf hin, daß der Schwerpunkt nicht auf das Rechnen zu legen, sondern zu berücksichtigen sei, daß auch andere Gesichtspunkte als die reinen Betriebskosten schwer in die Wagschale fielen. Aber selbst die Betriebskosten bewegten sich im Rahmen dessen, was die Hausfrau für die Küchenfeuerung auszugeben gewohnt sei. Die Erfahrung lehre immer von neuem, daß die Derbrauchszahl von 0,7 bis 1kWh ==■ 6 bis 8 Pfennig pro Kopf und Tag erreicht werde, wenn sich die Hausfrauen an den elektrischen Herd und seine zweckmäßige Benutzung gewöhnt batten. Die Besucher folgten dem Dortrag mit großem Interesse. Tonwerke Abendstem G.m.b.H.BHHMKSI Gegründet 1888 / Bahnstation Abendstern / Telephon Nr. 3884 Amt Gießen Gießen-Abendstern Doppelfalzziegel Biberschwanzziegel Firstziegel naturrot - altschwarz - altbraun Stallbodenplatten der beste und gesündeste Belag für Viehställe Ringofensteine Jahres-Produktion 12 Millionen Stück 497IU nur diese 3 Artikel Wollgarne aber dafür größte Auswahl, beste Qualität, niedrigste Preise Else Dittmar Spezial-Wollgeschäft Gießen, Löwengasse 20 7841A lilllHI Rama im Bloulitind Butter oderTTXargarine-roenn nicht trisdi, ist sie nur halbe Qualität^ Sicherheit bietet 3hneruRama imßlauband. ‘Denn jcderlDucfel trägt sichtbar das2eiche n dertnsche,fur guten^mkaufdie beste Gero ähr! MARGARINE 2 Pfd 50 Pfg doppelt so gut Oberheffen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 23. September. Die G e - meindeob st Versteigerung von heute vormittag war recht stark besucht. Zum Ausgebot kamen an Aepfeln einige Goldparmänen, größere Mengen Allcndorfer Rosenäpfel, Landsberger Rei- netten, Kasseler Reinetten und Schöner von Boskoop, an Birnen namentlich Pastorenbirnen und wenige Wirtschaftsbirnen. Für Aepfel wurde je Zentner am Baum 4 bis 10 Mark bezahlt, einzelne befon- ders gut behangene Bäume kamen fast bis auf 40 Mark, Birnen galten der Zentner 3 bis 5 Mark, in einzelnen Fällen bis zu 10 Mark. Die wenigen Zwetfchen gingen mit 20 Pf. bis 1 Mark pro Baum ab. Zum Ausgebot kam auch die Obsternte eines Schulgartens, der Erlös betrug rund 15 Mk. Der Gesamterlös der Versteigerung beträgt rund 1400 Mark, gegen 622 Mark im vorigen Jahr. Das Obst des alten Friedhofes, meist Zwetfchen, gehört der Kirchengemeinde und würde mit versteigert. Der Erlös mit 27,60 Mark fließt in die Kirchenkasse. z Alten-Buseck, 22.Sept. Zu der Versteigerung des Gemeindeobstes am Freitag waren verhältnismäßig wenig Käufer erschienen. Der Durchschnittspreis stellte sich pro Zentner am Baum aus etwa 7 bis 8 Mark. Dagegen waren die am Samstag abgehaltenen Obstversteigerungen in den fiska- lischen und Rabenauschcn Gärten sehr stark von Kauflustigen besucht. Infolgedessen bewegten sich die Preise in ziemlicher Höhe. Gutes Tafelobst, das meistens von einem hiesigen Obsthändler erstanden wurde, kam auf etwa 10 bis 12 Mark. Auch das Wirtschaftsobst konnte durch die Anwesenheit von Apfelweinherstellern den recht ansehnlichen Preis von etwa 7 bis 8 Mark erzielen. — Trotz der langanhaltenden großen Trockenheit verspricht die zur Zeit sich in vollem Gange befindliche Kartoffel- ernte in unserer Gemarkung auch in diesem Jahre wieder ein sowohl in Qualität wie in Quantität sehr befriedigendes Ergebnis. §Daubringen,23. Sept. Bei der diesjährigen Gemeindeobstversteigerung kamen hauptsächlich Birnen, Aepfel und Zwetfchen zum Aus- gebot. Wie es hier üblich ist, werden immer ansehn- liche Preise erzielt. Je noch Behang der Bäume wurde für Tafelobst 5 bis 8 Mark pro Zentner am Baum, für Wirtschaftsobst etwa durchschnittlich 3 bis 6 Mark geboten und bezahlt. Auserlesene Sorten, wie Boskoop, Goldparmäne, auch Jakob Lebel, erreichten noch höhere Preise. Zwetfchen, die in diesem Jahre hier wenig vorhanden sind, waren sehr gesucht. l. Hungen, 24. Sept. Zu dem gestrigen Rindvieh- und Ferkelmarkt waren 98 Stück Rindvieh und 432 Ferkel aufgetrieben. Am Rindviehmarkt wurden verschiedentlich Verkäufe vorgenommen und auch einige Bullen verkauft. Am Fer- kelmarkt war der Handel gut, trotz des großen Angebotes. Der Markt wurde geräumt. Es wurde gezahlt für Ferkel, sechs Wochen alt, 30 Mark, sechs bis acht Wochen alt 31 bis 42 Mark, acht bis zehn Wochen alt 43 bis 50 Mark, zehn Wochen und darüber bis zu 62 Mark je Stück. Kreis Friedberg. WSR. Butzbach, 23. Sept. Im Verlaufe von Auseinandersetzungen versetzte ein Hofgutsarbeiter vom Hofgut in Griedel dem Zeitungsträaer E l - m i g e r von hier in der Abwehr tätlicher Angriffe einen Stich in die Herzgegend. Der Ge- stochens ist im Krankenhaus in Rieder-Weisel seinen schweren Verletzungen erlegen. Kreis Alsfeld. ’!• Ruppertenrod, 21. Sept. Die bei unserem Orte gelegene Transformatoren- Hauptstation erfährt seit einigen Monaten eine gründliche Umgestaltung. Man hat ein provisorisches Häuschen aufgestellt und ist eben noch am vollständigen Umbau des Gebäudes. Drei neue Oelschalter sind bereits angekommen. Man hofft, nach Fertigstellung der Arbeiten endlich vor dem bei Gewittern so lästigen Ausbleiben des Stromes gesichert zu sein, Preußen. Kreis Biedenkopf. <5d Gladenbach, 23. Sept. In der jüngsten Gemeindeoertretersitzung wurde in ausgedehntem Maße über die auch hier seit längerer Zeit herrschenden Wasserkalamität und deren Beseitigung verhandelt. Man war allgemein der Ansicht, daß zwar der Wasserzulauf noch normal, der Verbrauch, namentlich seitens einiger Gewerbebetriebe, jedoch zu sehr gestiegen sei. Der Vorschlag, in diesen Betrieben Wassermesser anzubringen, stieß als unpraktisch auf Widerstand. Auch über die Erbauung eines weiteren Hochbehälters konnte man sich noch nicht einigen, weshalb die Sache noch einmal vertagt wurde. — Die Feldhüter- und Gemeindearbeiter stelle muß neu besetzt werden. Es wurde beschlossen, für diesen Posten einen Höchstlohn von 1200 Mark pro Jahr festzusetzen und die Stelle auszuschreiben. . Strafkammer Gießen. * Gießen, 20. Sept. Ein Arbeiter war vor Jahren zur Alimentation seines unehelichen Kindes verurteilt worden. Er entzog sich aber der Unterhaltspflicht. Wenn das Jugendamt mit vieler Mühe feinen Aufenthaltsort ermittelt hatte, verlieb er alsbald seine Dienststelle, um Lohnpfändungen zu entgehen, und verzog nach einem andern Ort, ohne sich ab- und anzumelden. Das Amtsgericht Gießen hatte ihn deshalb za zwei Wochen Haft verurteilt. Die Strafkammer erkannte auf eine G e l d st r a f e, um nicht bei Verbüßung einer Freiheitsstrafe auch noch seine Frau und Kinder der Wohlfahrtspflege anheimfallen zu lassen. Zwei junge Leute hatten einen Lattenverschlag auf einem Hausboden gewaltsam geöffnet und mehrere Gegenstände entwendet. Wegen Cin- bruchsdiebstahls waren sie zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nachdem sie eingehend darüber belehrt waren, daß dies die gesetzliche Mindeststrafe sei, zu der das Gericht sie verurteilen müsse, nahmen sie ihre Berufung zurück. Berliner Börse. B e r l i n , 24. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon im gestrigen Nachmittagsverkehr und an der Frankfurter Abendbörse auf die Stützungsaktion der Banken eine allgemeine Kurserholung eingetreten war, machte die Beruhigung auch im heutigen Früh- oerkehr weitere Fortschritte. Nennenswertes Geschäft konnte sich aber bisher noch nicht entwickeln, so daß zuverlässige Kurse noch nicht zu hören sind. MAGGfeist nicht eine allgemeine Bezeichnung für Suppenwürzen, sondern die gesetzlich geschützte Fabrikmarke für alle MAGGi-Produkte! d&ffen Sie Jhrlttaggifläfdich&t nur aus MAGGI5 großen Originalflafchen nachfütten ,n. denen gefetzlich nichts anderes als MAGGF IViirze feilgehalten werden, barf. 1 Vergleichsverfahren. I lieber das Vermögen der Firma ®ebrü- der Weil in Gießen und ihrer Inhaber Frau Witwe weil und Emil Mannheimer in Gießen wird heute, am 21. September 1929, vormittags 11 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet, da die Schuldnerin zahlungsunfähig ist. 7830D Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen wird zur Vertrauensperson ernannt. Ein Gläubigerausschuß wird nicht bestellt. Termin zur Verhandlung über den Ver- gleichsoorschlag wird auf Donnerstag, den 17. Oktober 1929 vormittags 8% Uhr vor dem nachstehend bezeichneten Gericht, Zimmer Nr. 204, anberaumt. Es wird gleichzeitig ein allgemeines Der- iiußerungsverbot erlassen. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst feinen Unterlagen ist auf der Geschäftsstelle zur Einsicht dec Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 21. September 1929. __________Hessisches Amtsgericht.__________ -MenuMVefgebung. Die Lieferung von 500 Zentner aus- gelefener haltbarer Spcifekartoffeln für die Provinzial-Pflegeanstalt Oberheffen in Gießen soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Bemusterte Angebote sind bis zum 1. Oktober L 3., vormittags 11 Uhr, einzureichen. Die Lieferung kann auch geteilt vergeben werden. 7827D Zuschlagsfrist fünf Tage. Gießen, den 24. September 1929. Direktion der Provinzial-Pflegeanstalt Oberhessen. Bullenverkauf. Die Gemeinde Harbach versteigert am Donnerstag, dem 26. September 1929, nachmittags um 2 Uhr, im Gemeindezimmer, meistbietend einen erstklassigen, schlachtreifen Vogelsberger Lullen. Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. 7820D Die Gemeinde beabsichtigt, einen jungen, sprungfähigen, gekörten Vogelsberger Lullen sofort anzukaufen. Angebote sind zu richten an die unterzeichnete Stelle. Harbach, den 23. September 1929. Hessische Bürgermeisterei Harbach. ___Schomber._______________ Bekanntmachung. Bei der am 15. er. stattgefundenen Vorstands- und Beiratswahl wurden nachstehende Herren gewählt: A. in den Vorstand: Ferdinand Bär Alfred Fröhlich Julius Mendel Levi Sondheim Sallj Wetterhahn B. in den Beirat: Fritz Austerlitz Hofrat Jacob Grünewald Salli Joseph Ferdinand Löb Rechtsanwalt Dr. Ludwig Rosenthal. Das Protokoll und die Anlagen liegen drei Tage lang auf dem Bureau des Unter- zeichneten offen. 7832V Einwendungen gegen die Wahl und gegen die Person des Gewählten können während der Offenlegungsftist bei demselben vorgebracht werden. Gießen, den 24. September 1929. Israelitische Religionsgesellschaft Gießen. Der Vorstand: A. Fröhlich. Obffversteigerung. Freitag, den 27. September, wird das Gemeindeobst der Gemeinden Holzheim und Bergheim an Ort und Stelle versteigert. 7828V Zusammenkunft für Holzheim vormittags 9 Uhr an der Bürgermeisterei und für Bergheim nachmittags um 3 Uhr an der Straße von Holzheim nach Dorf-Gill, am Kreuz. Bemerkt wird noch, daß vormittags ein größeres Quantum feinster Tafel- und Linmochblrnen versteigert wird. Holzheim, den 23. September 1929. Hessische Bürgermeisterei. Wetz. Speise-und Salat- kartoffeln in prima Qualität, empfiehlt billigst W. Hantel Ww. Reuen Baue 7, Televb. 2612. 4öD Asbest- Platten 1,2, 3,4 und 5 mm, wieder am Lager. 6785V CarlSchunck 782JA Waschbare \ / Damenbinden \ / od. Camelia Hartmann-Binden \ f sowie sämtliche Artikel für die Hygiene der Frau v Bettstoffe, sämtliche Gummiwaren, t Gummistrümpfe, Leibbinden \ Ständige Damenbedienung! \ DrogerieWinterhoff) Abteilung Hygiene Riesenerfolg JA, dieses neuen zum Preise eines /f. 800000 WÄHLTEN IHN IM ERSTEN HALBJAHR . . . Erst nach vierjähriger Forschungsarbeit war es möglich, diesen „Sechs“ zum Preise eines „Vier“ auf den Markt zu bringen. Der Motor mit hängenden Ventilen ist 32% stärker und daher noch schneller geworden. Hervorragendes Anzugsvermögen durch die Beschleunigerpumpe am Carter-Vergaser. Die zuverlässige Vierradbremse, die Lovejoy Stoßdämpfer und die starken Scheinwerfer mit Fußhebelabblendung sind weitere Vorzüge. Die Holz-Stahl Fisher-Karosserien sind mit verstellbaren Vordersitzen ausgestattet. Machen Sie eine Probefahrt. Verlangen Sie Von 3995 ao PERSONEN-, LAST- und LIEFERWAGEN ab Berlin-Borsigwaldc Günstige Bedingungen nach dem General Motors Zahlungsplan auch illustrierte Literatur. CHEVROLET 6 ERZEUGNIS DER GENERAL MOTORS Autorisierter General Motors Händler für Chevrolet; Otto Faber, Fahrzeuge, Gießen, Mühlstraße 22, Telephon 1096. 4355V Volkshochschule Einladung zum Abonnement auf fünf Volkskunst-Abende (drei musikalische, zwei literarische Abende) Erster Abend: Sonaten für Violine nnd Klavier von Mozart (Konzertmeister Lenzewski, Prof. K. Schmidt) am Sonntag, dem 27. Okt., 20 Uhr Weitere Abende vorNeujahr: „Spiegel derZeit“, Rezitationen von Hans Dohme-Kassel. „Marsch und Tanz“. ElfriedeFischer und Professor K. Schmidt. Nach Neujahr: Voraussichtlich Orchesterabend und zweiter literarischer Abend. — Die noch bekanntzugebenden Termine werden so gelegt, daß Kollision mit ähnlichen anderweitigen Veranstaltungen vermieden wird. Abonnement fflr reservierten Platz (Einzelkarte mindestens 70 Pf.): 2.50 Dlk. (für Mitglieder des Vereins „Volkshochschule Gießen e. V.“ 1.50 Mk.). Verkauf nnr ihr Nichtmitglieder bei Challier, Neuen weg. Nur schriftliche Bestellungen für Hitglieder bei der Geschäftsstelle der Volkshochschule, Wolfstr. 10. Die bestellten Karten werden an der Abendkasse des ersten Abends bereitgehalten bzw. in der anschließenden Woche gegen Zuschlag von Wn durch Boten zugestellt. [7819D Saalbau Caf& Leib / Gießen I „Liliputaner I Abends V29 Uhr: „Heiratsfieber“ I Nachmittags 5 Uhr: „Der kleine Prinz“ I Vorverkauf: Heute im Saalbau Caf6 Leib. Gießener Zigarrenfabrik sucht wöchentlich Kristallwaren finden Sie in reicher Auswahl und jeder Preislage im ältesten und größten Fachgeschäft am Platze Hermann Mettenheimer Inh.: C. Kerber & W. Menges Besichtigung der Verkaufsräume ohne jeden Kaufzwang erbeten! 7849* Nr. 224 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 24. September 1929 Turnen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Am Sonntag trug die Ligaelf der 1900er il)r erstes Lerbandsspiel auf eigenem Platze gegen die Liga von Breidenbach aus. Nach durchweg überlegenem Spiel der Einheimischen, bedingt durch besseres technisches Können, sah man trotz alledem am Schluß nur einen knappen 4:3-Sieg des Platzvereins, da die gegnerische Hintermannschaft heftigen Widerstand leistete. Umgekehrt hatte das ersatzgeschwächte Schlußtrio der Bereinigten manche schwache Momente, die die eifrigen Breidenbacher bei schnellen Vorstößen geschickt ausnutzten und dabei zu drei Gegentreffern kamen. Das Spiel war sehr fair. Obwohl 1900 in der ersten Spielhälfte gegen heftigen Wind und Sonne spielen mußte, war es fast immerzu überlegen, scheiterte ober an der aufmerksamen 'Verteidigung der Gäste, die vom Glück begünstigt wurden, denn auf Fehler des Gießener linken Verteidigers kam Breidenbach zum Führungstor. Die Blauweißen kamen aber bald zum Ausgleich. Dann versiebte der unentschlossene Sturm der Einheimischen ganze Serien der sichersten Torgelegenheiten. Mit 1:1 wechselte man die Seiten. Der Platzverein drückte, mit Rückenwind spielend, nach der Pause beängstigend, im Tor der Gäste stand jedoch ein ausgezeichneter Hüter. Breidenbach übernahm nochmals die Führung, da ein Gießener den Ball ins eigene Gehäuse setzte. Gießens Mittelläufer glich jedoch bald wieder aus, und nach schönem Durch- spiel schoß der Linksaußen zum 3:2 für Gießen ein. Durch Mißverständnis in 1900s Hintermannschaft kam der Gast nochmals zum Ausgleich, ober eine Minute vor Schluß hotte Gießen nochmols Erfolg und dodurch mit einem 4:3=Sicg die ersten Punkte der neuen Saison erkämpft. Diesem Spiel voraus ging das Lokaltreffen 1 9 0 0 gegen V. f. B. - Ligareferveruann- schäft e'n , bei dem die Bewegungsspieler, verstärkt durch mehrere Ligaspieler, einen 2:1-Sieg über die mit fünf Ersatzleuten antretende Elf 1900s davontragen konnte. Das (spiel war verteilt, beiderseits ließ man einen Elfmeter aus. Die Spielweise war scharf, der gut amtierende Schiedsrichter schickte gegen Schluß zwei Spieler, von jeder Partei einen, hinter die Barriere. V.f.B. war im Feldspiel besser. Die besseren Torchancen jedoch hatte 1900. Die dritte Mannschaft enttäuschte ihre Anhänger sehr, da sie sich im ersten Meisterschafts- trcff'cn von Lichs er ft er E l f glatt mit 4:1 Toren (Halbzeit 3:0) überfahren lieh. Das Spiel fand in Lich statt. Die vierte Senioren elf bestritt ebenfalls ihr erstes Verbandsspiel gegen Steinbach und es nach schönen Leistungen zu einem Sieg 3:1 (Halbzeit 1:1) gestalten. Wenn der Sturm etwas schußkräftiger gewesen wäre, wäre der Gegner, Steinbachs zweite Mannschaft, wohl nicht so glimpflich davongekommen. 1900s erste Jugend hatte Aßlars erste Jugend als Pflichtspielgegner. Nach beiderseits guten Leistungen behielten die Gießener mit 1:0 das bessere Ende für sich. Die zweite Jugend spielte gegen Steinbergs erfte Jugend und gewann 2:0. X\ f. D. Die vierte Mannschaft nxir vergeblich in Dnubringen; ihr Verbandsspiel gegen die dortige Zweite kam infolge Ausbleibens des Schiedsrichters und anderweitiger Benutzung des Platzes nicht zum Austrag. Die zweite I u g e n d m a n n f ch a f t schlug die gleiche von Nieder-Girmes nach forschem, abwechslungsreichem Kampf knapp, ober verdient mit 1:0. Wenn ihr Sturm etwos mehr Durchschlagskraft gezeigt hätte, wäre der Sieg höher ausgefallen. Ein unerwartet gutes Resultat erzielte die dritte Jugend gegen die erste von Grohen-Buseck. V.s.B. war dem körperlich stärkeren Gegner technisch überlegen und lag sogar bis in die zweite Spielhälfte mit 3:0 in Führung, vergab dann lediglich Willem de Haan. 3um achtzigsten Geburtstag. 23cm Prof. Dr. jur. et Phil. Karl Esselborn. Obwohl Holländer von Geburt, so hat sich doch Willem de Haan wie wenige um die Pflege der Qli u H t in Hessen verdient gemacht. Mit vierundzwanzig wahren kam er in dieses fein Wahlvaterland und lebte hier fünfzig Jahre, von denen nur die letzten vier der Ruhe gewidmet waren. Wenn er auch dann seinen Wohnsitz noch Terlin verlegte, so ist es doch eine Ehrenpflicht, daß man in Hessen seiner zu feinem achtzigsten Geburtstag gedenkt. Am 24. September 1849 hat er zu Rotterdam dar Licht der Welt erblickt. Mit zehn Jahren erhielt er den ersten Musikunterricht in der dortigen Musikschule. Bald schon begann er. ohne etwas von Harmonielehre gehört zu haben, Märsche und Tänze zu komponieren, sogar eine Oper noch einem selbstverfaßten Text zählt zu seinen srühesten Kompositionsversuchen. Dem W uniche seines Bakers entsprechend, trat er, nachdem er mit siebzehn Jahren die Schule verlassen halte, in ein Speditionsgeschäft ein, doch befriedigte ihn diese Tätigkeit nicht im geringsten. Er benutzte daher jeden unbewachten Äugenblick, um Kompositionen auf das in seinem Schreib- Pult versteckte Rotenpapier zu werfen. Er besuchte weiter die Musikschule, wo Samuel de Lange ihm im Klavierspiel und Willem Rieolai ihn in der Harmonielehre unterrichtete. Erst als beide Lehrer seinem Boter seine Befähigung zum De- rufsmusiker bezeugten, willigte dieser ein, daß der -Sohn die Musik zum Lebensberuf erkor und Schüler Waldemar B o r g i e l s wurde. 1870 bezog er für ein Jahr das Leipziger Kon- servotorium. Dann lernte er das Musikleben in Berlin. Wien und München kennen. 1872 kam er noch Köln, wo seine Ouvertüre zu Andersens Mörchenspiel ..Die kleine Seejungfrau" in der musilolischen Gesellschaft aufgeführt wurde. Ferdinand Hiller und Friedrich Gernsheim, deren Bekanntschaft er damals machte, empfahlen ihn als Leiter des Cäcilienvereins nach Bingen. Dort wirkte er bis Ende 1875. Im folgenden Jahre kam er als Dirigent des Mozartvereins nach Darmstadt, der unter seiner bis zum Jahre 1886 währenden Leitung einen bedeuten- durch falsche Taktik den Sieg und ließ die eifrigen Gäste noch kurz vor Schluß den 'Ausgleich erzielen. Die erste Schüler Mannschaft gewann gegen die ersten Schüler der Spielocr- einigung sicher mit 3:1. Die Platzmannschaft war in ihrer Gesamtheit, vor allem im Zuspiel und in der Ballbehandlung, besser als die gegnerische Elf, aus der einige Spieler durch gutes Können heroorftachen. Der Sieg der B.f.B.er war verdient. Z. Sp. B. 1926 Steinbach. Steinbach l — D. f. D. lll 3:3. Mit demselben Resultat wie im Gesellschaftsspiel vor 14 Tagen in Steinbach trennten sich om Sonntag obige Mannschaften im Verbands- spiel. Die Gäste erschienen wesentlich verstärkt, während die Plahbesiher für ihren Rechtsaußen Ersah einstellen mußten. Daß Steinbach dieses Spiel trotzdem unentschieden gestalten würde, hatte wohl niemand geglaubt, zumal die Gäste bei Halbzeit 3: 0 in Front lagen. Steinbach kam nach Halbzeit mehr auf. konnte noch dreimal einsenden und fo das Resultat unentschieden gestalten. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Gießen I — Dorheim I 2:3. Am Sonntag standen sich diese Mannschaften im Borrundenspiel der Kreisklasse auf dem Trieb gegenüber. Gießen hatte wieder Ersatz für seinen Tormann und Mittelläufer einstellen müssen, während die Gäste in kompletter Aufstellung antraten. Der Anstoß brachte den Gästen bereits in der ersten Minute einen Handelfmeter, der aber durch Fehler des ausführenden Spielers den Einheimischen einen Freistoß einbrachte. Bald gelang es nun Gießen, zum ersten Erfolg zu kommen. Kurz vor der Pause konnten die Gäste durch einen Fehler des Hüters der Einheimischen den Ausgleich erzielen. Rach dem Wechsel zeigten beide Mannschaften ein planloses Spiel. Ein Elfmeter brachte Gießen abermals die Führung, Dorheim konnte jedoch abermals den Ausgleich erzielen. Gießen mußte es sich dann gefallen lassen, daß in der letzten Minute der Rechtsaußen der Gäste in schönem Alleingang seiner Mannschaft zum dritten Erfolg und damit zum Siege verhalf. Grohen-Linden I — Wieseck I 2:5. Die erste Mannschaft Wiesecks trat zum Rückspiel in Grohen-Linden gegen die dortige erste Mannschaft au. Die Einheimischen versuchten die technische Ueberlegenheit der Gäste durch größeren Eifer und härteres Spiel auszugleichen. Wieseck, das weit unter seiner sonstigen Form spielte, konnte trotzdem dos Spiel mit obigem Resultat für sich entscheiden. Saubringen I — Burkhardsfelden I 3:2. In reichlich scharfem Spiel standen sich obige Mannschaften in Daubringen gegenüber. Bald gelangten die Gäste zum ersten Tor, dem die Einheimischen nach einiger Zeit durch einen hohen Ball den Ausgleich entgegensetzten. Rach dem Wechsel wurde das Spiel noch schärfer. Daubringen konnte durch Strafstoß das Führungstor erreichen, dem nach kurzer Zeit das dritte Tor folgte. Erst kurz vor Schluß konnten die Gäste zum zweiten Tore kommen. (Brünberg I — Oppenrod I 0:3. Zum fälligen Serienspiel standen sich beide Mannschaften in Grünberg gegenüber. Die Einheimischen konnten bis zur Halbzeit das Resultat auf 0:0 halten. Rach dem Wechsel trat die Ueberlegenheit der Gäste mehr hervor und Grünberg mußte sich trotz reichlicher Abwehr mit obigem Resultat geschlagen bekennen. Leun I — Wieseck II 1:3. Wiesecks Zweite war in Leun zu Gast. Leun, das den Wind zum Bundesgenossen wählte, konnte nidy verhindern, daß Wieseck bald zum ersten Tor kam und bei Halbzeit mit 2:0 in Führung lag. Rach dem Wechsel bot Leun seine den Aufschwung nahm. Schon 1878 erhielt er die erledigte zweite Kapellmeisterstelle am Groh- herzoglichen Hostheatcr. Seine Berufung an das Hoftheater ist der beste Beweis dafür, wie schnell man in Darmstadt seine vorzügliche Kraft erkannt hatte. Auch die Familie des Grohherzogs Ludwig IV. wurde auf ihn aufmerksam. Er wurde mit dem Klavierunterricht der Prinzessinnen und des Erbgrohherzogs Ernst Ludwig betraut und häufig zu Kammermusikaufführungen bei Hofe herangezogen. Als Klavierspieler erfreute er sich mit Recht eines großen Rufes. Auch mit feinsinnigen und geistvollen eignen Tonschöpfungen, insbesondere für Männerchor und Orchester, wie „5)er Königssohn". „Harpa". ..Das Grab im Dusento" trat er hervor. Als der Hofkapellmeister Gustav Schmidt bald daraus erkrankte, versah er dessen Stelle, und nach dessen Ber- sehung in den Ruhestand wurde er 1881 dessen Rachfolger. Dreiunddreihig Jahre lang war de Haan nun der oberste Leiter der Darmstädter Oper. Es hieße beren Geschichte während dieses Zeitraums schreiben, wollte man im einzelnen hervorheben, was er hier geleistet hat. Hervorgehoben sei nur. daß unter seiner Leitung nicht weniger als fünf Werke Richard Wagners ihre Darmstädter Erstaufführung erlebten; er setzte sich auch mit Erfolg für die strichlose Aufführung der Wagnerschen Musikdramen ein und verstand es, sie in Darmstadt volkstümlich zu machen. Auch mit zwei eigenen Opern erschien er auf dem Spielplan: der die Sage von Eginhard und Emma behandelnden „Kaiserstochtcr" nach einem Text des Mainzer Dichters Wilhelm Jacoby und „Die Jnlasöhne", deren Dichtung er nach einer Erzählung von Multatuli selbst verfaßte. „Die Kaiserstochter" wurde 1885 zum erstenmal ausgeführt. Auch aus holländischen Bühnen wurde das Wert, dessen Textbuch an einer mangelnden Charakterisierung leidet, beifällig ausgenommen. „Die Jnkasöhne" erlebten 1895 ihre Erstaufführung. 2m Jahre 1889 übernahm de Haan nach Carl Amand Mangolds Tode die musikalische Leitung des Musikvereins, die er bis 1919 beibehielt. Sein fünfundzwanzig- jähriges Dienstjubiläum am 22. Oktober 1903 brachte ihm zahlreiche Ehrungen, darunter auch die Ernennung zum Hofrat. Zur Feier des Tages wurde „Die Kaisertochter" neu einstudiert. Bon fernen weiteren Kompositionen, die auch Lieder, Duette und Klavierstücke umfassen, seien ganze Körperkrast auf, um zu Erfolgen zu kommen. Wohl gelang es ihm, sein Ehrentor zu erzielen, dem setzte aber Wieseck einen dritten Erfolg entgegen. Tcnnis-Turnicr in (Äictzen. Am Sonntag fand auf den Tennisplätzen vor dem D. f. D.-Sportplah ein Tennis-Turnier zwischen der Freien Tennisvereinigung Gießen und den gleichen Bereinigungen Frankfurts und Offenbachs statt. Wenn.aud) Gießen wenig Aussichten auf Siegeserfolge gegen diese Gegner hatte, so zeigten doch die einzelnen Spiele, daß es auch in seinen Reihen gutes Spielermaterial besitzt, das bei weiterem Training auf spätere Erfolge gute Aussichten gibt. Bon den sechs Spielen, die es jeweils gegen Frankfurt und Offenbach austrug, konnte es bei Frankfurt zwei für sich entscheiden, während es Offenbach gelang, alle Spiele zu gewinnen. Die Resultate waren: Gießen gegen Frankfurt. Sportlerinnen Einzel: Borschel (Gießen) — Staubach (Frankfurt) 6:3, 6:4. Sportler Einzel: Kunhemüller (Gießen) — Sprenger (Frankfurt) 7:5, 4:6, 4:6. Sportlerinnen Doppel: Bolkmann - Borschel (Gießen) — Ludwig-Kolb (Frankfurt) 11:9, 6:3. Sportler Doppel: Günderoth-W. Borschel (Gießen) — Staubach-Steuernagel (Frankfurt a. M.) 4:6, 6:3, 3:6. Gemischtes Doppel: Bolkmonn-Borschel (Gießen) — Staubach--Staubach (Frankfurt) 3:6, 2:6. Gemischtes Doppel: Reubauer-Kunhemüller (Gießen) — Ludwig-Sprenger (Frankfurt) 13:15, 5:7. Gießen gegen Offenbach. Sportlerinnen Einzel: Dörnbach (Gießen) — Bodim (Offenbach) 9:7, 3:5 abgebr. Sportler Einzel: Ungeheuer (Gießen)—Schulz (Offenbach) 3:6, 4:6. Sportlerinnen Doppel: Kuntzemüller-Bolkmann (Gießen) — Pischner-Göh (Offenbach) 1:6, 3:6. Sportler Doppel: Wahren-Thielmann (Gießen) — Pischner-Luzius (Offenbach) 1:6, 1:6. Gemischtes Doppel: Reubauer-W. Borschel (Gießen) — Labbe-Hirth (Offenbach) 5:7, 3:6. Gemischtes Doppel: Kuntzemüller-Günderoth (Gießen) — Bodim-Bodim (Offenbach) 0:6, 5:7. Handball der 2. Komp., 15.3-2R. Turnverein Garbenteich I — 2. Komp. I 4: 5. Unter recht schwierigen Umständen mußte die Handballelf der 2. 15. das Spiel aufnehmen; sie war gezwungen, mit mehrfachem Ersatz anzutreten und hatte außerdem das Pech, in den ersten Minuten einen Spieler wegen Verletzung zu verlieren, so daß sie fast das ganze Spiel mit nur zehn Mann durchhalten mußte. Mehr Eifer und Spielerfahrung brachte die Militär- mannschast immer wieder in Führung. Handball im Männerturnverein (O.T). Tgdc. Friedberg I — 2Ntv. Gießen I 5:10 (3:5). Das 2. Berbandsspiel in der diesjährigen Handballrunde führte die 1. Mannschaft des Männerturnvereins nach Friedberg. Trotzdem die Gastgeber in kompletter Aufstellung antraten, mußten sie von den in neuer Aufstellung antretenden Männerturnern eine hohe Riederlage einstecken. In der ersten Biertelstunde wollte cs, obwohl die Mtver mit 2:0 in Führung gehen konnten, trotzdem bei diesen nicht so recht klappen. Rachdem aber Friedberg ausgeglichen hatte, kam mehr Eifer in die Gießener Mannschaft und das ganze Spiel wurde systemvoller. Dis Halbzeit gingen die Mtver abermals mit 5:3 in Führung, obwohl, ein Stürmer etwa 10 Minuten vor Halbzeit infolge eines Blutergusses im Knöchel das Spielfeld verlassen muhte. In der zweiten Halbzeit, in welcher auch der verletzte Spieler — wenn auch nur als Statist — wieder mitwirkte, waren die Mtver jederzeit Herr der Lage; in regelmäßigen Abständen fielen noch 5 weitere Tore, besonders die Kantaten „Das Lied vom Werden und Dergehen" (1904- und „Das Märchen und das Leben" (1911) genannt, das 1912 von dem Musikverein in Darmstadt aufgeführt wurde. Bon Gelegenheitskompositionen seien erwähnt die nach Weberschen Motiven zusammengestellte Musik zu dem Prolog der einhundertundfünfzigsten Aufführung des „Freischütz" in Darmstadt am 17. Februar 1889, die Musik zu der „festlichen Handlung" zur Eröffnung der Darmstädter Künstlerkolonie von Georg Fuchs am 15. Mai 1901 sowie zu der am 19. Dezember 1909 erstmalig aufgeführten Weihnachtsdichtung „Bonifatius" des Grohherzogs Ernst Ludwig. 1914 wurde de Haan, nach 36jähriger Tätigkeit am Hoflheatcr verabschiedet. Die Feier im Foyer und das Abschiedskonzert im Hostheater gaben ihm viele Beweise der Liebe und Verehrung. Eine besonders sinnige Ehrung war es. daß der Hilfsfonds der Hofmusik", dessen Gründung und rasches Aufblühen hauptsächlich seinen opferfreudigen Bemühungen zu danken war, den Ramen „Willem-dc-Haan-Sliftung" erhielt. Die Leitung des Musikvereins behielt er bis zu seinem siebzigsten Geburtstag bei und trat sie dann an Michael Balling ab. 1923 siedelte er nach Berlin über, wo er sich neben der kompositorischen der unterrichtlichen Tätigkeit widmete. Mit voller Rüstigkeit des Geistes und des Körpers tritt er in das achte Jahrzehnt seines Lebens ein. Möchte ihm diese noch lange ungeschmälert erhalten bleiben, das ist der Wunsch, der seine zahlreichen Freunde in Hessen bei seinem Jubeltage beseelt. Ein Ei im Briefkasten. Dor einigen Tagen machte ein Driefkastenleerer in Paris eine ganz merkwürdige Entdeckung. Er fand unter dem bunten Gemisch von Briefen, Karten, Drucksachen und Päckchen einen ganz eigentümlich runden Gegenstand, der sich bei näherer Betrachtung als ein echtes Hühnerei herausstellte. Der Postbeamte musterte es von allen Seiten und muhte die Feststellung machen, daß das Ei rechtmähig frankiert war und auch eine Adresse trug. Behutsam steckte er es in die Tasche, nahm es mit zum Hauptpostamt, wo man sehr viel Sinn für diesen Scherz hatte und sich befonberd darüber freute, dah man den Empfän- denen die Gastgeber nur noch zwei entgegensetzen konnten. Das Spiel war ein sehr schönes Handballspiel und glich, was die faire Spielweise der beiden Mannschaften und die Ruhe während deS ganzen Spieles anbetrifft, eher einem Werbe- spiel, als einem Derbandsspiel. Iv. wchlar-Rieder-Girmes I — Mio. Gießen Ik 12:3 (7:2). Die 2. Mannschaft hatte in Wehlar-Rieder- girmes gegen die erste des dortigen Turnvereins einen sehr schweren Stand. Die Riedergirmeser verfügen zur Zeit über eine Mannschaft, die in der Meisterklasse ein ernstes Wort mitreden könnte. Trotzdem jeder Spieler fein Bestes hergav und auch der Mtv.-Torwart fast unmögliche Leistungen zeigte, konnte die Mtv.»Mannschaft eine Riederlage nicht verhindern, wenn auch deren Höhe dem Spielverlauf nach nicht ganz gerecht wird. vuhbach 1. Jugend — Mtv. Gießen 1. Jugend 3:3 (3:2). Auf eigenem Platze hatte die 1. Jugend des Männerturnvereins die gleiche des Tv. Butzbach als Gast. Die Butzbacher Jugendmannschaft, die durch mehrere gute Kräfte des Polizeisportvereins verstärkt worden ist und dadurch sehr an Spielstärke zugenommen hat. konnte die Mtv.- Mannschaft. noch ehe fid) diese zusammenfand, überrumpeln und innerhalb 10 Minuten 3 Tore werfen. Allmählich fanden sich auch die Giehener zusammen und konnten bis Halbzeit 2 Tore auf- holen. In der 2. Halbzeit waren die Mtver stets tonangebend, konnten jedoch das Endresultat nur zum Unentschieden gestalten. Dehlar-Nieder-Girmes 1. Schüler — 2Ntv. Gießen 1. Schüler 1:0 (0:0). Die Kleinsten des Mtv. waren einer Einladung des Tv. Wehlar-Riedergirmes gefolgt. Rach ziemlich ausgeglichenem Spiel, bei einem Halbzeitresultat von 0:0, konnte der Plahverein als Glücklicherer mit 1:0 das Spiel für sich entscheiden. Das Resultat hätte genau so gut umgekehrt lauten können. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Tv. 1846 I — Tv. wehlar l 3:2. Wie erwartet, war Wetzlar ein sehr schwerer Gegner. Er zeigte sich in bester Form und war gegenüber dem Spiel gegen Mtv. nicht wiederzu- erkennen. Beide Mannschaften führten ein völlig gleichwertiges Spiel vor, in dem Gießen in der ersten und Wetzlar in der zweiten Hälfte dominierte. Gleich vom Anstoß weg wurde Gießen überlegen. Das Wetzlarer Tor kam öfter in Gefahr. Da der heimische Sturm gut aufgelegt war, blieben Erfolge nicht aus. Nack) schönem Zusammenspiel konnten Rechtsaußen, Mittelstürmer und Linksaußen drei Tore erzielen. Wetzlar konnte nur einmal, durch einen Fehler der Gießener Verteidigung einsenden. War vor der Pause 1846 sehr im Vorteil, so änderte fid) jetzt das Bild. Die Gäste wurden leid)t überlegen, und Balser im Gießener Tor hatte keine leichte Arbeit. Doch hielt er mit verblüffender Sicherheit auch die schwierigsten Bälle und bewahrte dadurch seine Mannschaft vor einer Niederlage. Nur einmal war Wetzlar noch erfolgreich, so daß beim Stande von 3:2 für 1846 das Spiel beendet wurde. Die Jugend Gießens mußte gegen die gleiche Wetzlars eine 5:2-Niederlage cinfteden, die vollauf verdient war. Den Heimischen fehlte fast alles, was den Gästen eigen war; nämlich Stellungsspiel, Fangen und Werfen. V. f. B.-Handball. In der Frcitagsvorsck)au war irrtümlich angegeben, daß das Handballschiedsrichter-Deleh- rungsspiel für vergangenen Sonntag angesetzt sei; tatsächlich findet es erst am kommenden Sonntag statt. Vielmehr sollte die V. f. D.-Ju- gend-Handballelf gegen die gleiche des V. f. L. Wchlar auf hiesigem Platze ein Gesellschaftsspiel austragen, erhielt aber von dort noch ger — denn das Ei soll richtig befördert werden — mit einem Strafporto belasten konnte. Cs hatte Uebergewicht. Vermutlich ist es dem Absender beim Wiegen immerfort von der Briefwaage heruntergekullert. Begeisterung. In dem kleinen Orte Hjöring bei Kopenhagen fand jüngst ein Fest statt, wobei auch tüchtig das Tanzbein geschwungen wurde. Auf einmal, mitten in einem Walzer, brach der Tanzboden ein, nicht vollkommen, aber Stück für Stück. Und die Tanzenden landeten paarweise in einem darunterliegenden Pferdestall, teils auf, teils neben den Krippen und Gäulen. Zu Schaden kam anscheinend niemand, denn nach einigen Minuten, die man für notwendige Aufräumungsarbeiten benötigte, wurde im Pferdestall weitergetanzt, während die Musikanten auf dem stehengebliebenen Stück Tanzboden weiterspielten. Amerikanische Nummerntelegramme. Es gibt viele Gelegenheiten im Leben, wobei man aus reiner Höflichkeit irgendeine Phrase sagen, schreiben oder telegraphieren muß. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat die amerikanische Postbehörde sogenannte Rummerntele- gramme einge'-ührt. Man schreibt auf einen Zettel: „Mr. Smith, Boston, 24 Downingstreet tel. 116“ und Mister Smith liest freudig bewegt: „Zum 25jährigen Dienstjubiläum die herzlichsten Glückwünsche von Ihrem---". Das ist eine praktische Sache, doch kann es passieren, daß der Beamte statt der 246 die Rümmer 846 durch- funkt, und dann liest ein glückliches Brautpaar erstaunt: „Mein innigstes Beileid zu der Katastrophe. Bete zu Gott, daß alles wieder besser werde." Hochschulnachrichten. Der Professor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge im Staate Massachusetts (Amerika) Ingenieur Dr. Karl 2er» zaghi ist zum ordentlichen Professor für Wasserbau an der Technischen Hochschule in Wien berufen worden. spät eine Absage. Für Wetzlar sprang die Jugend der Spielvereinigung als Gegner ein. D. f. B. trat nur mit acht Mann an und verlor gegen die weitaus besseren Spielvereinler mit nicht weniger als 0:12. Handball der Sp.-Dg. 1900. ö. Das Samstagnachmittagspiel zwischen den Realghmnasiasten und den 1900ern konnten letztere nach flottem Verlauf siegreich gestalten. Die Platzbesiher sicherten sich den Vorsprung in der ersten Spielhälfte, indem sie mit dem Wind im Rücken drei Tore vorlegten. Allerdings hätte die Ausbeute größer sein können, wenn sich die Stürmer besser verstanden hätten. Aach dem Wechsel wurden, wie zu erwarten war, die Schüler agressiver und holten zunächst durch Verwandlung eines 13-Meters ein Tor auf. Ein viertes Tor der 1900er beantworteten sie kurz vor Schluß mit einem zweiten Gegentor, das aus einem schönen Weitwurf resultierte. Ergebnis 4:2 für 1900. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. ö. Die bei den Jubiläumswettkämpfen des Weilburger Fußballoereins erzielten Erfolge gaben der 1900er Leichtathletiksaison einen würdigen Abschluß. Die Staffeln der Aktiven — Einzelwettkämpfe kamen hier, von den 2ö-Kilometer-Läufen abgesehen, nicht zum Austrag — waren von den Spielvereinigungsleuten derart gut besetzt, daß der Sieg nie in Frage stand. Die Olympische Staffel, Klasse 1, gewannen sie in der Aufstellung Bepperling, Gei st, Guyot, Lange mit großem Vorsprung vor der sich tapfer schlagenden Mannschaft der Oberrealschule Hagen. Dieselbe Placierung ergab auch die Schwedenstaffel der Klasse 2. Die 1900er Farben vertraten: Bepperling, Geist, Guyot, Hopfenmüller. Zu einem spannenden Kampf kam es in der 4X100- Meter-Staffel, Klasse 3. 1900s Mannschaft (T ä u - bert, Birken stock, Seipp, Lange), bewies, daß ihr Sieg» vor 14 Tagen in Wetzlar kein Zufall war, und sie gewann in 48 Sekunden sicher vor Oberrealschule Hagen und V. f. B. Gießen, die 48,9 Sek. bzw. 49,3 Sek. benötigten. Beim 23-Kilo- meter-Lauf hielt sich der Spieloereinigungsmann Paul bis 17 Kilometer an dritter Stelle in der Spitzengruppe, mußte aber dann infolge einer Schwächeperiode aufgeben. Die Frauenabteilung hatte ihr beste Vertreterin in Marg. Lösch (Mädchen bis 14 Jahre). Aber in Anbetracht des guten Könnens der Wettkämpferinnen des V. f. L. Wetzlar sind auch die von Frl. Nickel und Frl. Langhammer (Frauenklasse), sowie die von Frl. Volk und Braun (Mädchen bis 16 Jahre) belegten Plätze hoch anzuschlagen. Nachstehend die hier in Betracht kommenden Ergebnisse: Frauen: 10 0 Meter: 1. Frl. Schneider, Wetzlar, 13,8; 2. Frl. Nickel, 1900, 14,5; 3. Frl. Dietzsche, Wetzlar, 14,9 Sek. Speerwerfen: 1. Frl. Frey, Wetzlar, 18,96; 2. Frl. Nickel, 1900, 18,57; 3. Frl. Langhammer, 1900, 17,55 Meter. Kugelstoßen: Frl. Schneider, Wetzlar, 7,72; 2. Frl. Frey, Wetzlar, 7,62; 3. Frl. Langhammer, 1900, 7,10 Meter. 4X100-Meter-Staffel: 1. und 2. V.f.L. Wetzlar 57,2 bzw. 58,3; 3. Gießen 1900 58,7 Sek. Mädchen bis 16 Jahre: Weitsprung: 1. Frl. Ritter, Wetzlar, 4,60; 2. Frl. Daudt, Wetzlar, 4,07; 3. Frl. Volk, 1900, 4,05 Meter;. Hochsprung: 1. Frl. Fischer, V. f. B. Gießen, 1,15; 2. Frl. Kuhn, Wetzlar, 1,15; 3. Frl. Braun, 1900, 1,10 Meter. Mädchen bis 14 Jahre: 7 5-Meter-Lauf: 1. M. Lösch, 1900, 11,1; 2. Walther, Diez, 12; 3. Baum, V. f. B. Gießen, 12,5 Sekunden. Weitsprung: 1.Walther, Diez, 3,55; 2. Baum, V. f. B. Gießen, 3,35; 3. Lösch, 1900, 3,25 Meter. Ballweitwurf: 1. Lösch, 1900, 44,70 Meter; 2. Baum, V. f. B. Gießen, 29,40 Meter; 3. Walther, Diez, 23,60 Meter. D r e i k a m p f (75 Meter, Weitsprung, Ballweitwurf): 1. Lösch, 1900; 2. Walther, Diez; 3. Baum, D. f. B. Gießen. V.f.B. Leichtathletik. D. f. D. konnte bei seinem letzten Start der diesjährigen Saison in Weilburg, trotzdem er sich nur mit einer geringen Zahl von Teilnehmern an ter dortigen Veranstaltung beteiligte, recht erfolgreich fein. Es wurden ein 1., drei 2. und fünf 3. Siege errungen. Die Damen waren z. T. abermals von richtigem Ansängerpech verfolgt. Frl. Luh und Frl. St o m m e l erzielten im Kugelstoßen bzw. Speerwerfen beide die beste Stiftung, die jedoch in beiten Fällen wegen geringem Regelverstoß nicht gewertet werten Maßnahme» derZankwellzurSWung derdörse. Die Llmsähe an ter Börse sind bekanntlich seit geraumer Zeit so minimal, daß mit ganz geringen Nominalbeträgen erhebliche Kursrückgänge erzielt wurden. Diese katastrophale Dörsenent- wicklung hat nunmehr die Großbanken veranlaßt, Maßnahmen zur Verbesserung der gegenwär tigen Dörsenverhältnisse vorzubereiten. Es wurde^olgendes Kommunique darüber verbreitet: „Die vier D-Danken, die Commerz- und Pri- vatbcrnk und die Firma Mendelssohn & Co. sind zuiammengetreten, um die augenblickliche Dörsen- lage zu erörtern. Sie sind einstimmig der Ansicht, daß durchgreifende Maßnahmen zur Verbesserung der heutigen Dörsen- verhältnisse erfordert ich sind. Es wurde infolgedessen beschlossen, den bisher in ähnlichen Fällen tätig gewesenen Kreis von Danken und Dankiers alsbald zusammenzurufen, um über die zu ergreifenden Schritte in Verbindung mit einer Intervention Deschluß zu fassen." Wie dazu verlautet, wird der Kreis von Danken und Dankiers erheblich erweitert und im wesentlichen die Mitglieder der Stempelvereinigung umfassen. Der Entschluß, durchgreifende Maßnahmen zur Verbesserung der Dörsen- verhältnisse einzuleiten, ist außerordentlich erfreulich. Jedoch sind die Meinungen über den Erfolg einer solchen Aktion geteilt, umsomehr, als alle Einzelheiten darüber, in welcher Form die Intervention ter Danken vor sich gehen soll, zur Zeit noch ausstehen. Man darf nicht übersehen, daß die kritische Lage der Dörse nicht eine Daisse-Periode darstellt, in der weite Kreise des Publikums Verluste erleiden, denn das Publikum hat sich ja schon seit langer Zeit der Dörse fern- gehalten. Die Aktien- und Effektenkurse haben aber einen solchen Tiefstand erreicht, daß sich in vielen Fällen gegenüber den Kursen, wie sie mancherorts in die vorjährige Dilanz eingestellt worden sind, ein Duchverlust ergibt. Ob die Abneigung gegen Effekten durch die geplanten Maßnahmen zu beseitigen sind, kann erst die Zukunft lehren. Einen beachtenswerten Anfang stetten die Maßnahmen jedoch immerhin dar, da die Kursschwankungen auch bei verhältnismäßig kleinen Aufträgen infolge der Intervention der Danken in Zukunft weniger groß fein werten. Eine wirkliche Hebung des Kursniveaus werden aber auch diese Interventionen kaum erreichen, da die deutsche Kapitalarmut, die letzten Endes die Hauptursache des Aieterganges der Dörse ist, eben eine gegebene Tatsache ist. Was die Form ter Intervention der Danken anbetrifft, so ist man bei früheren solchen Gelegenheiten so vorgegangen, daß man nicht einen Fonds mit eventueller Aachschußpflicht bildete, woraus dann die Mittel zur Abwehr unberechtigter Daisse- Angriffe entnommen wurden, vielmehr hat jede Dank in den vvn ihr betreuten Papieren interveniert. Welche Methode zu wählen ist, darüber wird heute nachmittag eine Vollsitzung der Stem- pelvereinigungsbanken stattfinden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß schon allein das Bewußtsein, daß eine so starke Abwehrgruppe wie die Stempelvereinigungsbanken vorhanden ist, den Baissiers den Mut zu Angriffen entscheidend abkühlt. konnte. Aach stehend die Konkurrenzen, in denen V. f. B. vertreten war: 25-I 110^5 106,13 120 69,25 230 236,5 387 212,5 149,5 78,75 125,5 188,13 210,5 163,25 196,5 133 202,5 140 142,5 177 213,9 368 139 165 67,5 106 137,75 136,75 138 123,5 212,5 109,25 120 106,75 135,5 78 98,75 102,25 258,5 114 121,25 110 68 225,75 230 382 208 99,25 70,25 75,13 125,5 101,5 219 166,75 201 133 205 141,25 144 181 219 373 141 169 70,25 109,25 140,5 139,25 141,25 126,75 214,75 112,5 123 111 136 80,5 102 6,5 264 120 113 69 229,5 236 386,4 212,75 100,25 71,75 78,5 125,5 Frankfurt a M. Berlin Lchluß-i Kurs l-Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang. Kurs Datum 23.9. 24.9. 23.9. 24 9. Philipp Holzmann . . Heidelberger Ee ment. - . 10 97,5 123,5 125 97,5 99,25 Gement Karlstadt . . . 10 — — — — Wayß 4 Freitag. . . . . 8 95,25 95,75 97 — Schultheis Payenhofer e . 15 — — 277,5 283 Ostwerke...... . 12 — — 212 218 Ber. Gianzstoff . . . ■ e . 18 299,5 302 297,5 303 Bemberg...... . 1-1 — — 240,7 248 Sellftofi Waldhos . . e 13% — 229 226,75 230 fieUflofi Aschassenbura Charlottenburger Waffe e . 12 148,5 150 143,75 150 . . 8 — — 100,25 101,75 Dessauer Gas .... . . 9 — — 176,5 182,5 Daimler Motoren . . . . V 44 45 43,25 45 Deutsche Maschtnen-Fabrü . ■ 1 — 48 51 Adlerwerle Klever . . . . 0 39 — 39,5 40,5 Ludw. Loews ...» . 10 — -- 192 194,5 Rat. Automobil . . . . . 0 — — 21,75 — Orenstetn 4 Koppel . M . . 6 — — 80,5 82,25 Leonhard Tiey . . . . 10 — — 196 — Bamag-Meguin . . . Franks. Maschinen . . . . o . . 4 47,5 — — Grigner...... . . 6 57 — 57 Heyligensiaedt .... 9 — — — FungyanS. . . . • • . . 6 60 — 55,5 — Lechwerke. . . . . e . . k 105,75 105,75 — — Maintrastwerke . . • • . . 8 106,5 — — — Miag..... • . e • . 10 124 — 123 124,5 Rekarsulmer . . . . . . k — — — — PeterS Union . . . . . . 8 — —— — Gebr. Roeder . . . . . 10 108,5 — — — Boigt 4 Haesfner . . . . 9 222 —— 222 — Südd. Zucker .... . 10 155 156,9 157,5 — Banknoten. Berlin, 23. September Geld Brief Amerikanische Noten..... 4,1895 4,2095 58,10 58,34 111,45 iii .M 20,30 20,38 Berlin, 23. September Geld Brief Französische Noten..... Holländische Noten...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr-, a il>0 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ....... Spanische Noten....... Tscheüw'loivakische Noten .. Ungarische Noten...... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,405 167,88 21,96 111,48 58,91 2,477 112,05 80,66 61,81 12,385 73,05 • -Frankfur Aus za hl 16,465 168,56 22,04 111,92 59,15 2,497 112,49 80-, 98 62,05 12,445 73,35 t a. M. ung. 23. September .4. September Amtliche Notierung Geld i Brier Amtliche i Geld ioticruna Brief Amst.. Rott. Buen.-AircS Brss.-Antw. Christiania. Kopenhagen Stockholm ■ HclsingforS. Italien. . . London. . . 'Jicunort . . Paris.... Schweiz ». Spanien. . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-» Oest. abgcst. Prag Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . Danzig. - . Konstantin. Athen. . Canada . . Uruguay. Cairo . . 168,22 1,75 58,29 111,67 111,70 112,32 10,54 21,94 20,33 4,19 16,42 80,87 61,93 2,00 0,49 58,98 12,42 7,38 73,17 3,03 18,73 81,31 2,03 5,42 4,15 4,09 20,86 168,56 1,76 58,41 111,89 111,92 112,14 10,56 21,98 20,37 4,20 16,46 81,03 62,05 2,00 0,49 59,10 12,44 7,39 .3,31 3,04 18,77 81,47 2,03 5,43 4,16 4,10 20,90 168,26 1,759 58,30 111,67 111,69 112,34 10,538 21,95 20,336 4,1945 16,41 80,855 61,97 2,013 0,4975 53,98 12,425 7,383 73,17 3,035 18,73 81,33 2,017 5,425 4,151 4,096 20,855 168,60 1,763 58,42 111,89 111,91 112,56 10,558 . 21,99 20,376 4,2025 16,45 81,015 62,09 2,017 0,4995 59,10 12,445 7,397 73,31 3,041 18,77 81,49 2,021 5,435 4,159 4,104 20,895