Nr. 198 Erster Blatt 179. Zahrgang Samstag, 24. August 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugsprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen, poftschecklonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfilStr-Vuch- und Ztelndruckerei 8. Lange in Gießen. Lchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagcsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Fricdr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Verworrene Lage im Haag telbar mit der deutschen QI b p r b ivy n g Vorschläge zu dem von den vier übrigen Gläu- bigermächlcn heule vormittag durch Jaspar der englischen hätte, weder Mark Delegation überreichten Angebot gemacht ist festzustellen, daß die deutsche Delegation in der Frage der Summe von 300 Millionen aus der lleberschneidung von Dawcsplan und Poungplan noch in derjenigen der Ansprüche aus vesahungsschädcn oder mit Bezug auf irgendwelche Verschiebung der geschützten und ungeschützten Annuitäten des Poungplanes ihrerseits Ann a n z i e l l e n Fragen sowie das Vergleichsverfahren. Anschließend an die Finanzbesprechung der fünf Mächte statteten die Beichsminisler Dr. L u r t i u s und Dr. hi l s e r d i n g dem englischen Schahkanzler Snowden einen Besuch ab. Gegenüber den Vermutungen, die sich auf eine E r - Hütung Loucheurs vor der französischen Presse stützen, daß die deutsche Delegation bei dieser Gelegenheit von sich aus ergänzende ist also nicht viel geringer als das Interesse Deutschlands und wir sehen keine zwingende Notwendig- keit, bei den Gläubigern nun auf den Knien um die Gewährung des Noungplans zu betteln. Gibt uns doch das Dawesabkommen das Recht, ein Moratorium zu fordern, wenn die Aufbringung der Reparationszahlungen Währung und Wirtschaft in Gefahr bringen. Daß dieser Fall eintreten wird, dafür liegen leider Anzeichen genug vor. Ein Moratorium jedoch bedeutet, daß die' Gläubiger kein Geld bekommen, auf das gerade Frankreich nach Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Amerika bestimmt rechnet. Wir wissen nicht, ob die deutsche Delegation im Haag auf diesen Eventualfall aufmerksam gemacht hat, bevor sie die Anregung zu einem Provisorium gab, das die Ziffern des 9)oungplans, wie von den Pariser Sachverständigen vorgesehen, am 1. September in Kraft treten läßt, ohne Rücksicht darauf, ob die Haager Konferenz mit einer Einigung über den Poungplan endet. Man sollte d i e großen Gefahren, die eine solche provisorische Lösung in sich birgt, nicht unterschätzen. Der 9)oung= plan ist doch, wie wir oben zeigten, keineswegs ein einseitiges Geschenk der Gläubiger an Deutschland, sondern gewährt auch ihnen sehr handgreifliche Vorteile. Nach den bei früheren Gelegenheiten leider zur Genüge gemachten Erfahrungen sollte man doch langsam kopfscheu geworden sein, finanz- und wirtschaftspolitische Zugeständnisse zu machen, wie sie die von Deutschland erstmals aus freien Stücken zu vollziehende Bindung an den Poung- plan enthält, bevor nicht von der Gegenseite eine eindeutige Erklärung über die politischen Forderungen vorliegt, von denen Erfüllung Deutschland seine Zustimmung zum Poungplan abhängig gemacht hat. Aber was soll man dazu sagen,'wenn der „V 0 r w ä r t 5", das Zentralorgan der stärksten deutschen Regierungspartei, in geradezu rührender Selbstgenügsamkeit schreibt, die Haa- der Konferenz bleibe trotz ihres Fiaskos für Deutschland immer noch ein Erfolg, als sie gezeigt habe, daß die Minderung der Daweslasten im Sinne des Poungplans und die Räumung des besetzten Gebiets grundsätzlich überhaupt gar nicht mehr bestritten würden, Terminfragen — wann geräumt werde und wann der Noungplan in Funktion gesetzt werde — blieben Fragen zweiten Ranges, zumal es sich ja nur um Verschiebungen für ganz kurze Frist handeln könne. Nun die Fristen, mit denen Briand und seine Pariser Generalstäbler für die Räumung spielen, zählen immerhin nach vielen Monaten, ja Jahren, und auf die grundsätzliche Anerkennung des deutschen zupauken. Vierzehn Tage hatte die deutsche Delegation diesem Kampf der Gläubiger um die Verteilung der Quoten als stummer Zuschauer beigewohnt. Kein anderes Problem konnte vorangetrieben werden, die Besprechungen über die Räumung stockten, die Kontrollfrage, die für uns keine Frage ist, wurde in dem von Locarno und Genf her sattsam bekannten Juristenkomitee Hearst-Gauß-Fromageot^ begraben; Erörterungen über das Saargebiet kamen über den Austausch von Denkschriften nicht hinaus, alles wurde von Briand von der Annahme des Poungplans abhängig gemacht, und von dem selber wurde kaum noch gesprochen. So ist es psychologisch verständlich, daß die deutsche Delegation, angesichts der wachsenden Gereiztheit um sich herum, die täglich zum Abbruch der Konferenz hätte führen können, die Initiative ergriff, um die Konferenz von der Behandlung geringfügiger Nebenfragcn nun endlich zum Hauptthema, der Debatte über den Poungplan selber und seine politischen Voraussetzungen hinzuführen. Wir würden es für glücklicher gehalten haben, wenn diese deutsche Initiative schon mindestens acht Tage früher eingesetzt hätte, wo die Gläubiger sich noch nicht so in den Quotenstreit verbissen hatten, wie heute, wo die Konferenz auf des Messers Schneide steht und der deutsche Schritt fast den Anschein erwecken könnte, als wolle Deutschland sich zur Tragung der K 0 st e n aus dem Quotenstreit selber in empfehlende Erinnerung bringen, um überhaupt nur zur Besprechung der ihm selber dringend am Herzen liegenden Fragen zugelassen zu werden, bevor die Konferenz ohne greifbares Ergebnis auseinanderlaufe. Daß dies jedenfalls die Auffassung in den Kreisen der Gläubiger war, bewies die Zumutung, mit der Frankreichs Ministerpräsident die deutschen Wünsche prompt quittierte. Er begleitete die Einladung an die deutschen Delegierten Curtius und Hilferding zur Teilnahme an den bislang intern gepflogenen Gläubigerbesprechungen mit der Erklärung, es sei in der Tat notwendig, „daß Deutschland sich an den Opfern beteiligt, welche die vier Gläubigermächte Großbritannien eingeräumt haben, um dessen Zustimmung zur Inkraftsetzung des Poungplans zu erreichen". Deutschland müsse verstehen, daß es in seinem Interesse sei, alles Mögliche tu tun, um die Verwirklichung dieses Planes nicht in Frage zu stellen, eines Planes, der ihm unbestreitbar politisch und finanziell Vorteile bringe und der für es die Liquidierung des Krieges und gleichzeitig eine Politik der europäischen Annäherung überhaupt bedeuten werde. Soweit Herr Aristide Briand. Wenn nun auch über den Umfang dieser „Opfer", die man franzöfischerseits Deutschland über den Poungplan hinaus zumutet, im Augenblick die verschiedensten Versionen Kein deutsches Angebot. Snowden lehnt den neuen Gläubigervorschlag ab; Haag, 23. Aug. (WB.) Die heule nachmittag um 16 Uhr begonnene Besprechung der vier an der Besetzung des Rheinlandes infer- essierken Mächte, an der für Deutschland wieder die Reichsminister Dr. Stresemann und Dr. Wirth teilnahmen, wurde nach etwa einstündigem Verlauf auf morgen vormittag 10.30 Uhr vertagt. Erörlerungsgegenstände bildeten die mit der Besetzung im Zusammenhang stehenden f i - Englands Räumungsenischluß. Ein Schreiben Hendersons kündigt die Räumung für Mitte September an England soll sich an Deutschland halten. Die Gläubiger wollen sich aus der Affäre ziehen. Haag, 23. Qlug. (TLI. Funkspruch./ Der französische Arbeitsminister L 0 u ch e u r hat am Freitagnachmittag der französischen Presse mitgeteilt, Frankreich, Belgien, Italien und Iapan hätten in ihrem Angebot an England das letzte noch tragbare Zugeständnis gemacht. Die deutsche Abordnung verlange eine Mitbctet- I i g u n g bei der Verteilung der 300 Millionen Mark, welche sich aus dem üebergang des Dawesplanes zum Boungplan ergeben. Aach Ansicht der vier Gläubigermächte habe Deutschland kein Anrecht auf eine derartige Beteiligung. Die vier Mächte würden jedoch keinen Einspruch dagegen erheben, wenn dieser Betrag England zugewiesen würde. Sie hatten der englischen Olbordnung daher den Vorschlag gemacht, sich hierüber unmittelbar mit Deutschland zu verständigen. In gleicher Weise hatten die vier Mächte England empfohlen, sich mit Deutschland über den englischen Anteil an dem ungeschützten Teil der Tributzahlungen auseinanderzusehen, die aus dem Dienst der Dawesanleihe frei würden. Die Abordnungen bon' Frankreich, Belgien und Italien, also diejenigen Länder, die an den S achlief erungen ein direktes Interesse haben, hatten die englische Olbordnung ersucht, ihre Forderungen wegen einer endgültigen Regelung der Sachlieferungen schriftlich bekanntzugeben. Hierauf habe der Präsident des Board of Trade, Graham, den drei Mächten einen schriftlichen Vorschlag unterbreitet. Obwohl dieser Vorschlag für die drei Mächte nicht gün- st i g sei, würde man doch bereit sein, ihn anzunehmen unter der Voraussetzung, daß sich die englische Abordnung dieserhalb unmit- nächsten Jahres zu beginnen, da nicht gewünscht werde, die Räumung im Winter vorzunehmen. 3m Falle der Richtratifizierung des Poung- planes werde Belgien ersucht werden, an der Besetzung der dritten Zone leilzunehmen. Oie Vergleichsksmmission. Unstimmigkeiten in der deutfchcnDelegation. Berlin, 24. Qlug. (TLI.) Wie der „Vorwärts" aus dem Haag berichtet, steht einstweilen das Problem der neuen Vergleichskommission im Vordergrund, die auf Grund eines gemeinsamen Entwurfs der Iuristen geschaffen werden soll, doch seien neue Schwierigkeiten aufgetaucht, und zwar vor allem innerhalb der deutschen Delegation. Von Wiesbaden aus benutzte der Partei- Vorsitzende des Zentrums, Dr. K a a s , den Reichsminister Dr. Wirth als Sturmbock gegen den neuen Vorschlag, den Stresemann und die übrigen Delegationsmitglieder offenbar als durchaus erträglich ansahen, vorausgesetzt natürlich, daß er eine wirklich bal- d i g e G e s a m t'r'ä u m u n g zur Folge habe. Der Entwurf sehe die Vereinigung dec beiden in Locarno geschaffenen deutsch-belgischen und deutsch-französischen Schiedsgerichte in eine einzige Schiedskommission vor, in der drei Neutrale gegen einen Deutschen, einen Franzosen und einen Belgier unter neutralem Bors ih tagen würden. Aach einer Meldung des „Lokalanz." soll der deutsche Kronjurist Ministerialdirektor Gaus aus der verantwortlichen Besprechung dieses Vorschlags ausgeschieden sein, da er darauf beharrte, sich in keine dieser Erörterungen einlassen zu wollen, weil die Rechtsgrundlage zu ihnen fehle. Man habe daraufhin die Weiterführung einfach dem Iutistenkomitee entzogen. Paris, 23.Aug. (WB.) Der havasvertreker berichtet aus dem Haag: Wie ich aus Kreisen der Konferenz erfahre, hat der englische Außenminister Henderson an Dr. Stresemann ein Schreiben gerichtet, in dem er die Absicht der britischen Regierung hestätigt, die britischen Truppen aus dem Rheinland in allernächster Zeit und unabhängig von dem endgültigen Schicksal des Poungplanes zurückzuziehen. Das Schreiben behandelt außerdem gewisse Fragen, die sich auf die praktische Durchführung und die finanzielle Liquidierung der Besetzung beziehen, und erklärt zum Schluß, daß, wenn diese Fragen gelöst wären, die Räumung des Rheinlandes durch die britischen Truppen Mitte September beginnen und innerhalb dreier Monate durchgeführt sein könne. Wann räumt Frankreich? Briands Räumungspläne. London, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Rach £ ^bvvrd. Es geht hier um mehr, als um eine momentane Auffüllung der Reichskassen, damit die alte Mißwirtschaft mit öffentlichen Geldern ruhig weitergehen kann. Es wäre leichtfertig, aus diesen Verlegenheiten für Deutschland eine Zwangslage konstruieren zu wollen, in der die deutschen Unterhändler zu allem unbesehen Ja und Amen sagen müßten, was man ihnen im Haag zu- mutet. Die Haager Konferenz hat sich die kommende Woche als Galgenfri st gesetzt, in der man zu greifbaren Ergebnissen kommen oder endgültig die Koffer packen will. Von seinen Beauftragten erwartet das deutsche Volk, daß sie, ohne sich von der Nervosität der Gläubiger anstecken zu lassen, in diesen letzten Stunden mit ruhiger Entschlossenheit ihren Weg gehen und ohne Rücksicht auf inner» wie außenpolitisches Prestige sich Folgerungen versagen, die für Deutschland neue finanzielle Opfer bedeuten. Deutschlands Vorausleistungen find erschöpft. Es erwartet von seinen Gläubigern d i e politischen Rückwirkung en, ohne die der neue Zahlungsplan für Deutschland unannehmbar ist. kursieren, — über die im einzelnen zu sprechen, verfrüht erscheint — so steht doch das eine fest, daß Deutschland sich selber in den Quotenstreit eingeschaltet hat und nun größte Mühe haben wird, ungerupft davonzukommen, ohne daß man ihm eilfertig die Rolle des Karnickels zuschiebt, dessen Widerstand gegen das Opfermesser allein an dem Abbruch der Konferenz die Schuld trage. Die deutsche Delegation im Haag ist sich jedoch, wie wir hoffen, darüber im klaren, daß sie auch dieses Odium mit in Kauf nehmen muß und lieber mit leeren Händen heimkehrt, als Verpflichtungen übernimmt, die für Deutschland untragbar sind. Wenn die Reichsregierung seinerzeit den Reparationsplan der Pariser Sachverständigen keineswegs als solchen, sondern nur als brauchbare Verhandlungsgrundlage annahm, so bedeutete dies noch nicht, daß Deutschland bereit und in der Lage sei, Zahlungen über diesen Plan hinaus zu leisten. Wir haben den Kabinettsbeschluß jedenfalls so aufgefaßt, als ob die deutsche Delegation für die Haager Konferenz den Auftrag hätte, für den Poungplan noch wesentliche Verbesserungen, sei es der Zahlungen selber, sei es der Zahlungsmodalitäten zu erwirken. Nun scheint es im Haag allerdings zu einer Diskussion des Gesamtplans in dem eben skizzierten Sinne gar nicht gekommen zu sein, obwohl Snowdens Vorstoß gegen die England nicht genehmen Bestimmungen einen ähnlichen deutschen Schritt schon in der Generaldebatte der ersten Konferenztage geradezu herausforderte. Man hat davon leider nichts vernommen. Die deutsche Delegation hat vielmehr die Gläubiger sich in den Quotenstreit verbeißen lassen und sich im wesenitlichen darauf beschränkt, die politischen Voraussetzungen für die Annahme des Poungplans durch Deutschland zu diskutieren mit dem zweifelhaften Ergebnis, daß Briand erneut Proben feiner berüchtigten Verschleppungstaktik gab und wir also heute noch nicht wissen, ob Frankreich überhaupt geneigt ist, sich vor dem Inkrafttreten des Poungplanes auf bestimmte Räumungstermine festzulegen. Es scheint uns, als ob durch diesen Verlauf der Konferenz Deutschland in eine recht schiefe Lage gekommen ist. Mag auch der Voungplan vielleicht gegenüber seinem Vorläufer, dem Dawesabkommen, für Deutschland finanzielle Erleichterungen bringen, so sind diese doch durch sehr wesentliche Zugeständnisse an die Gläubiger teuer erkauft. Frankreich will schnell Geld sehen, der Poungplan gibt ihm durch die Lockerung des Transferschutzes hierzu die Möglichkeit gegen den Preis herabgeminderter Annuitäten. Frankreichs Interesse an dem Zustandekommen des ^oungplans Die Galgenfrist. Bald drei Wochen sitzen nun schon die leitenden Staatsmänner Europas in der holländischen Residenz beisammen, um angeblich die „Gesamtliquidation" des Krieges in die Wege zu leiten. Ein hohes Ziel, die Befriedung der Welt, des Schweißes der Edlen wert. Doch von der Friedensatmosphäre des Haag keine Spur, vom „europäischen" Geist, den Briand in seinen Genfer Reden oft und gerne zu bemühen pflegt, nicht ein Hauch. Sollte das Odium des Ortes, der genius loci, die beiden verunglückter Haager Friedenskonferenzen der Vorkriegszeit, so nachhaltige Wirkung haben? Der Generalangriff auf die letzten Bollwerke des „Krieges nach dem Kriege" ist schon in den Fallgruben und Verhauen des Vorfelds fterfengeblieben, und es ist im Augenblick kaum zu übersehen, ob es möglich sein wird, die Truppen der europäischen Diplomatie nach einmal zum Sturm zu sammeln. Weniger bildlich gesprochen: der Kampf um eine in Ansehung der Bedeutung des Paungplans und der mit ihm verknüpften politischen Probleme für Gesamteuropa lächerliche Nebenfrage, die Verteilung der Quoten aus den Reparationszahlungen unter Deutschlands Gläubiger, dieser Streit um ein paar Millionen ist zum Angelpunkt der Konferenz geworden, auf der es in Wahrheit um ganz andere Dinge gehen sollte. Alles andere, der youngplan selber, die Rheinlandräumung, das Schicksal des Saargebiets, ist beseitegeschoben, ist in Abhängigkeit gebrächt worden von dem Ausgang dieses Streites um die Quoten, der die Gegensätze klaffend aufgerissen und jene überreizte Stimmung geschaffen hat, die die Konferenz von Krise zu Krise trieb. Wir wissen, daß es England, dessen Schatzkanzler mit seinem Angriff auf den Verteilungsschlüssel des Poungplans den Streit heraufbeschwor, um mehr geht, als um das Geld, das es nach dem Wunsche der Pariser Sachverständigen und der Absicht seiner ehemaligen Alliierten auf dem Altar der Befriedung Europas opfern soll. Wir wissen, daß Snowdens Offensive im Haag den außenpolitischen Kurswechsel des Labour- kabinctts dokumentieren soll, das England aus dem Fahrwasser der Pariser Politik wieder aufs freie Meer führen will. Aber dieser Grundgedanke, so willkommen er an sich auch grabe Deutschland sein muß, das in den vergangenen Jahren Chamber--. lainscher Schaukelpolitik unter der englisch-französischen Entente schwer hat leiden müssen, ist für uns doch nur ein schwacher Trost, wenn wir als erste Rückwirkung dieses Kurswechsels ein Zerplatzen der Haager Reparationskonferenz und eine weitere Verschleppung aller der Probleme feststellen müssen, die für Deutschland Lebensfragen bedeuten. Denn darüber sind sich wohl nach den Ereignissen der letzten Tage auch diejenigen klar geworden, die allzll naiv und unbekümmert, augenzwinkernd und händereibend von dem häuslichen Zwist im Lager der Entente sich besondere Vorteile für uns versprachen, daß man nur allzu schnell bereit sein würde, den Streit um die Poungmil- lionen schließlich auf unserem Rücken aus- geböte gemacht hat. Auch ist Deutschland in keiner Weise an dem Angebot der vier fibrigen Gläubiger ni ächte an England beteiligt, das nach einer englischen Presseerklärung von Snowden als ungenügend abgelehnt worden ist. Es ergibt sich hieraus, daß die Dinge heute noch völlig im Fluh sind. Bei der Königin zu Gast. Eine Nachtsitzung der Konferenz ohne England. Haag, 23. 2lug. (Tel.-äln.) Königin Wilhelmine der Riederlande hat am Freitagabend um 7 Uhr in dem Königlichen Palais im Haag ein offizielles Diner gegeben, zu dem die Führer der im Haag anwesenden Abordnungen mit ihren Damen eingeladen waren. Von der Rutschen Delegation nahmen die vier Reichsmini st er an dem Diner teil. Außer den Delegierten waren nur einige Mitglieder des Hofes und der niederländische Außenminister eingeladen worden. Im Anschluß an das Diner wurden um 22,30 Ahr die Besprechungen der Delegierten Frankreichs, Belgiens, Italiens, Japans und Deutschlands fortgesetzt. Von deutscher Seite nahmen wieder die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Hilferdina an den Despsrechungen teil, idie um 23,40 Ahr beendet waren. Die Erörterungen galten der Frage der S a ch l e i st u n- g e n, insbesondere der Kohlenlieferungen. Es ist ferner die vor allem auf englischer Seite als Hauptschwierigkeit empfundene Bestimmung des Voungplaires behandelt worden, wonach Deutschland im Falle eines Transferaufbringungs-Moratoriums dasRecht hat, langfristige Sachlieferungsverträge mit seinen Gläubigern abzuschließen. Die englische Regierung hat in dieser Bestimmung eine wesentliche Gefährdung der englischen Kohlenausfuhr gesehen. Es wird gegenwärtig versucht. für die deutschen Kohlensachlieferungen nach Italien ein jährliches Maximum festzusetzen. Die Besprechungen werden Samstagmorgen 11,45 Ahr fortgesetzt werden. Snowden lehnt den „Kuhhandel" der Gläubiger ab. London, 24. Aug. (WTv. Funkspruch.) Aus dem Haag melden die Blätter, daß in finanzieller Beziehung nach wie vor völlige Verwirrung herrsche, in den politischen Verhandlungen einige Fortschritte erzielt seien. Line Reuter-Meldung aus dem Haag von gestern abend besagt: Die vier Mächte haben Deutschland in das Durcheinander hineingezerrt. Sie haben es den Deutschen überlassen, Vorschläge zu machen, die es ihnen ermöglichen sollen, Snowden e i n neues Angebot zu unterbreiten. Tatsächlich ist Deutschland zu verstehen gegeben worden, das Schicksal der Konferenz hänge mehr oder weniger von ihm ab. 3n britischen Kreisen wird behauptet, daß Snowden es ablehnt, sich an einem solchen Kuhhandel zu beteiligen, und daß er vielmehr darauf bestehen wird, daß die Zugeständnisse von den vier Mächten kommen und nicht von Deutschland. Die vier Mächte versichern also, ihr letztes Wort gesprochen zu haben und bemühen sich, die Verantwortung für einen Fehlschlag der Konferenz Deutschland aufzuladen. Dieses sehr durchsichtige Manöver wird der britische Schah- kanzler sicherlich mühelos durchschauen. In einer Unterredung mit Jaspar soll Snowden ausdrücklich erklärt haben, daß er den Vorschlag, England den aus der Uebertragung der Dawes- anleihezahlungen aus dem ungeschützten in den geschützten Teil der deutschen Tributzahlungen frei werdenden Betrag zur Verfügung zu stellen, nicht annehmen könne. Ein derartiger Gedanke sei für England nicht diskutierbar. England habe nicht die Absicht, eine Befriedigung seiner Forderungen lediglich zu La st en Deutschlands zu erreichen. England hatte nach wie vor an dem Verteilungsschlüssel von Spa fest und verlange dementsprechend einen 22prozentigen Anteil an den deutschen Tributleistungen. Wird weiter verhandelt? Die Franzosen wollen Montag reisen. Haag, 23. Aug. (Tel.-An.) Die Verschiebung der Sechs-Mächte-Vesprechung auf Samstag kann nur in dem Sinne bedeutet werden, daß die Einigung in den Finanzfragen wieder an Aussicht verloren hat. Man will unter allen Amständen -Zeit gewinnen, um weiter verhandeln zu können. Ein Abschluß der Konferenz am Samstag dürfte unwahrscheinlich sein. Mit einem Fortgang der Verhandlungen in der n ä ch st en Woche ist zu rechnen. Auf französischer Seite wird allerdings davon gesprochen, daß am Montag die Schl uh - sitzung der Konferenz stattfinden wird und daß Montagabend die Delegationen den Haag verlassen werden. Am Dienstag soll eine französische Kabinettssihung stattfinden, an der Driand teilnehmen würde. Auf französischer Seite wird in raschem Tempo mit allen Mitteln des Druckes gearbeitet, um auf dem Wege eines deutschen Angebotes in den finanziellen Fragen eine Einigung mit England herbeizuführen. Die deutsche Delegation befindet sich in einer außerordentlich schwierigen Lage. Die Annahme des Voung- planes durch sämtliche Mächte ist nach Lage der Dinge kaum denkbar. Es scheint weit wahrscheinlicher, daß in einer offiziellen Schlußsitzung die unüberbrückbaren Gegensätze von den einzelnen Regierungen festgestellt werden und die Konferenz vertagt wird. Das Organisaiionskomiiee. Haag, 23. Aug. (WB.) Das im $oungplan vorgesehene Organisationskomitee für die Anpassung der nach dem Dawesplan erlassenen deutschen Gesetze ist zu seiner ersten konstituierenden Sitzung unter dem Vorsitz des früheren belgischen Ministerpräsidenten Delacroix im Haag zusammenaetreten und hat zum neutralen Vorsitzenden Herrn Marcus W a l l e n b e r g (Stockholm) gewählt. Das Komitee besteht aus drei Anteraus- schüssen für die Anpassung der Regelung der verpfändeten Einnahmen, des Barckgesehes und des Reichsbahngesetzes und setzt sich wie folgt zusammen: Sturmsahrt über den pazifischen Ozean. Lieber unerforschtem Gebiet. Seit mehr als vierundzwanzig Stunden strebt der „Graf Zeppelin", der so viel an deutschen Hoffnungen mit sich trägt, quer übereden Pazifischen Ozean der atlantischen Küste zu. Der kleine Anfall, den Dr. Eckener in Tokio hatte, hielt ihn zum Glück nicht lange auf. Man unterschätzt eben die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat. Die Luftschiffhalle, in der das Lustschiff als Gast in Japan untergebracht war, ist immerhin schon siebzehn Jahre al t. Sie stand ehemals in Jüterbog und ist nach dem Kriege nach Japan transportiert worden. Sie reicht für die Raumverhältnisse eines modernen Luftschiffs kaum aus, beinahe ein Wunder, daß nicht mehr passierte. Begreiflich aber auch, wenn Dr. Eckener unter solchen Am- tänden beim zweiten Start sehr vorsichtig zuwege ging. Er wird seine Rerven auch jetzt noch brauchen. Die Fahrt über den Pazifik ist vielleicht der abenteuerlichste Teil der Reise, weil hier die Antersuchung der Luftströmungen, die doch auf dem Atlantischen Ozean schon ziemlich weit gediehen ist, vollkommen fehlt. Roch niemals hat ein Luftschiff das Wasser gekreuzt, auch die Flugzeuge haben sich nur bis Hawai getraut. Es ist also auch jetzt wieder wie über Sibirien gewissermaßen unerforschtes Gebiet, das Dr. Eckener unter sich hat. Im Vertrauen aber auf das bewährte Luftschiff und die eigene Tüchtigkeit wird er auch diese Fahrt nach San Diego überwinden, um dann nach kurzer Frist den letzten Teil der Reise anzutreten, der ihn nach Lake hur st zurückführt. Lieber dem Weltmeer. Tokio, 24.Aug. (Associated Preß.) Um 1 Uhr morgens hiesiger Zeit (17 Uhr MLZ.) gab der „Graf Zeppelin" durch Funkspruch den folgenden Standort an: 36 Grad nördlicher Breite, 151 Grad östlicher Länge. Diese Position befindet sich etwa 600 Meilen östlich von kasurnigaura und deutet an, daß das Luftschiff der Dampferroute nach Seattle folgt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 96 Stundenkilometer. Aus den Standortmeldungen des „Graf Zeppelin" geht hervor, daß das Luftschiff mutig in hie weiten Strecken des StillenOzeans hinein steuerte, statt der Grohzirkelroute zu folgen und sich in der Rühe der langgestreckten Inselgruppen zu halten, die sich von Japan bis nach Alaska hinziehen. Dr. Eckener bekundete dabei hinsichtlich der Wetterlage die gleiche scharfe Beobachtungsgabe, die chon bei den früheren Flügen den Erfolg gewährleistete. Die Führung des „Graf Zeppelin" teilte der Regierungsfunkstation durch Funkfpruch mit, daß er Freitagabend japanischer Zeit einen plötzlichen Gewitter st urm mit Böen vor sich gehabt habe. Als das Luftschiff um 22 Uhr (14 Uhr MLZ.) einen Standort bekannt gab, kündigte es zugleich an, daß es feine Geschwindigkeit gesteigert habe und 130 Kilometer zurücklege. Dr. Lckener ist nach dem Abflug von Kasurnigaura nach Südosten abgedreht, um den an der Küste von Of- kaido herrschenden Winden auszuweichen. Anscheinend ist er aber doch in den Ausläufer des Sturmes hineingeraten. Lin weiterer Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" teilt mit, daß das Luftschiff etwa drei Stunden nach dem Abflug von Kafumi-, gaura in einen Sturm geriet, der es hef- t i g schüttelte. Es herrschte jedoch k e i n*e Unruhe an Bord. Die Sturmzone war bald durchfahren und die Passagiere konnten in aller Ruhe ihre Abendmahlzeit einnehmen. Nachdem der „Graf Zeppelin" das Sturmgebiet umfahren hatte, nahm das Luftschiff bei mondhellem, klarem Wetter und einer Fluggeschwindigkeit von nahezu 150 Stundenkilometer seinen Kurs etwa 600 Kilometer südlich der zuerst geplanten Route. Wenn sich die Wetterlage nicht wesentlich verbessert, wird Dr. Eckener voraussichtlich den Kurs über den Stillen Ozean betbebalten. Das Luftschiff befand sich zwischen der nördlichen und der südlichen Dampferstrahe über dem einsamsten Teil des Stillen Ozeans. Die Funkstation Ochiischi erhielt Samstag vormittag 10 Uhr Tokioer Zeit (2 Uhr früh MEZ.) einen Funkspruch vom „Graf Zeppelin", in dem sein Standort mit 161,25 Grad östlicher Länge und 39,20 Grad nördlicher Breite angegeben wird, hiernach ist das Luftschiff von Kasurnigaura etwa 2 2 0 0 Kilometer entfernt. Line etwas spätere Meldung gibt die Position des „Graf Zeppelin" mit 1350 Kilometer südlich und etwas östlich von der Südspihe der Halbinsel Kamtschatka an. Das Luftschiff verfolgt nach dieser Meldung nordöstlichen Kurs in Richtung aus die A l e u t e n. Passagiere und Mannschaft befinden sich in bester Verfassung. Der „Graf Zeppelin" hatte seit seiner Abfahrt die rund 2 2 0 0 fiilometer in 17 Stunden 47 Minuten zurückgelegt, was einem Durchschnitt von 117 Kilometer in der Stunde ergibt. — Um 5 Uhr früh MEZ. befand sich das Luftschiff auf 40,5 Grad nördlicher Breite und 165 östlicher Länge. Diese letzte Standortmeldung wurde von einem Amateurfunker in San Franzisko aufgefangen, demzufolge das Luftschiff weiter meldete: Wir treten ineinTief- druckgebiet ein. Unsere Geschwindigkeit ist nicht sehr groß. Die Funkstation Mackay bei San Franzisko erhielt um9Uhrvorniiltags MLZ. eine Meldung vom „Graf Zeppelin", die den Standort des Luftschiffes mit 168 Grad 30 Ulin, östlicher Länge und 41 Grad 5 Ulin, nördlicher Breite angibt. 3n der Meldung heißt es weiter: Wir machen 50 Knoten durch dichten Rebel. Oie Wetteraussichten. San Franzisko, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des Wetterbureaus von San Franzisko liegt ein großer Nebelgürtel in der Fahrtrichtung des „Graf Zeppelin". Auch werde das Luftschiff bei der Fahrt nach Amerika frischen Winden begegnen. Westlich vom 170. Grad westlicher Länge ist die Windrichtung von der Behringsee her südlich, östlich von demselben' Meridian herrscht Südwind. Wie das Wetterbureau erklärt, ist die Gegend der Aleuten st e t s sehr fteblig. Dr. Eckener werde aber gewiß im Stande sein, seinen Kurs den Windrichtungen vorteilhaft anzupassen. Verpfändete Einnahmen: Mi.isterial- rat Dr. Berger, Staatssekretär a. D. Bergmann, Andrew Macfadyean, Gaillet-Billotteau. Bankgesetz: Sir Charles Addis, Delacroix, Ministerialdirektor Dr. Scheffer, Geheimrat Bocke. Reichsbahngeseh: Bianchini, Ministerialdirektor Professor Dr. Dorn, Leverve, Ministerialdirektor Bogel. Das Komitee trat unter dem Vorbehalt zusammen, daß auf der Konferenz ein grundsätzliches Einvernehmen zustande kommt. Oie Kaffenlage des Reichs. Neue Anforderungen des Neichsarbeits- ministeriums. Berlin, 23. Aug. (Priv.-Tel.) Mit der Tatsache, daß eine Verlängerung des Schatzanweisungskredits notwendig geworden ist, rückt die Lage der Reichskasse wieder bedeutend stärker in den Vordergrund. Rach unseren Informationen sollen die 145 Millionen Mark Schatzanweisungen, die am 30. September fällig sind, nach einem Angebot des Bankenkonsortiums bis zum 31. Januar 19 3 0 prolongiert werden. Damit würde die Reichskasse ohne Frage eine Erleichterung erhalten, und es ist anzunehmen, daß das Reichsfinanzministerium das Banlenangebot auch akzeptiert. Run besteht allerdings noch eine andere Gefahr, und das ist die, daß die Reichskasse in Anbetracht der Unklarheit über die Reparationen noch nicht in der Lage ist, bestimmte Dispositionen zu treffen. Sollten am 1. September auch noch die Daweszahlungen fällig sein, so wird die Reichskasse diesen Anforderungen selbstverständlich genügen können, wenn es auch mancherlei Schwierigkeiten verursachen dürfte. Bedeutend schwieriger werden sich allerdings die Verhältnisse in der Reichskasse in den Mintermonaten gestalten, weshalb der Reichsfinanzminister ja auch so großen Wert darauf legt, daß er in Zukunft von der Gefahr neuer Mehr anforderun- gen seitens der Arbeitslosenversicherung verschont bleibt. Wie man hört, hat das Reichsarbeitsministerium aber auch noch eine ganze Reihe anderer Forderungen in Vorbereitung. So sollen die Etatsansätze für die Invalidenversicherung, wie auch die für die Krisenfürsorge nicht ausreichen. Im ganzen handelt es sich hierbei wiederum um einen Betrag, der über 100 Millionen Mark hinausgeht. Der Haushalt ist aber nach keiner Richtung hin in der Lage, diesen Rach» tragsforderungen zu entsprechen. Sie müssen unbedingt aus dem Wege von Einsparungen bei anderen Positionen des Reichsarbeitsministerrums gedeckt werden. Hinzu kommt noch, daß dem Reiche noch weitere Anforderungen drohen, die sich aus dem Defizit des Jahres 1928 ergeben, und andererseits dadurch, daß die Einnahmen dieses Jahres mit rund 300 Millionen Mk. unter den Etatsansähen liegen. Diese Summe, 1 die insgesamt 450 Millionen Mark ausmacht, stellt eine unerhörte Belastung der Reichsfinanzen dar, und es wird noch ernster Prüfungen bedürfen, um für diese Anforderungen eine Deckung zu finden. An und für sich rechnet der Reichsfinanzminister ja damit, diese Fehlbeträge durch die Reparationseinsparungen zu decken, vorausgesetzt, daß der Voungplan in Kraft tritt. Aus diesem Grunde wird die ablehnende Haltung des Reichsfinanzministers bei der Abstimmung über die Der- sicherungsreform auch durchaus erklärlich. Forderungen des Rsichsstädtebundes. Finanzausgleich und Arbeitslosenversicherung. Kiel, 23. Aug. (WB.) Auf der Tagung des Reichsstädtebundes begründete der Präsident des Reichsstädtebundes, Dr. H a e k e l, eine Entschließung zum Finanzausgleich, in der darauf hingewiesen wird, daß die Belastungen der mittleren und kleinen Städte bis ins Unerträgliche gestiegen seien und eine stärkere Berücksichtigung dieser Städte bei der Ueber- weisung von Reichssteuern verlangt wird. Die Entschließung wurde gegen die Kommunisten angenommen. Es heißt darin u. a.: Der endgültige Finanzausgleich in Reich und Ländern darf nicht nur das einseitige Ziel verfolgen, die Reichsfinanzen, zu sanieren und die an sich erwünschte Milderung einzelner untragbarer Steuerlasten durchzuführen, sondern muß zugleich den in besonderer Rot läge befindlichen mittleren und kleinen Gemeinden ein Existenzminimum sicher st el- len, das ihnen die Erfüllung ihrer gesetzmäßigen Aufgaben ermöglicht. Dies kann erreicht werden durch zweckentsprechende Ergänzung der gemeindlichen Einnahmen, die nicht nur bestimmten Gemeindegruppen, sondern allen mittleren und kleinen Gemeinden zugute kommt, auf Gebieten, die eine stärkere Belastung vertragen, ferner durch ausreichende Beteiligung der Gemeinden an den großen Steuern in Verbindung mit einer ausgleichenden Verteilung dieser Einnahmen sowie durch gleichzeitigen gerechten Ausgleich der Polizei- und Schullasten innerhalb der Länder, vornehmlich bezüglich der mittleren und höheren Schulen, die gerade die mittleren und kleinen Städte unverhältnismäßig stark belasten und die die Erfüllung einer Kulturpflicht darstellen, die eigentlich Aufgabe des Staates ist. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde über die vorliegenden Entschließungen zur Reform der Arbeitslosenversicherung abgestimmt. Im Hammelsprung wurde mit 298 gegen 285 Stimmen eine durch eine vom Zentrum beantragte Einfügung ergänzte sozi aldemo- kratische Entschließung angenommen, die besagt: Die Mitgliederversammlung des Reichsstädtebundes erkennt die Rotwendigkeit einer Reform der Arbeitslosenversicherung an. Sie erhebt aber gegen jede nicht unbedingt notwendige Einschränkung der Versicherungsleistungen die stärksten Bedenken und warnt vor einer solchen durch die tatsächlichen Verhältnisse nicht gerechtfertigten Einschränkung. Aus aller Welt. Löwenjagd in Gumbinnen. Durch Rachlässigkeit eines Angestellten des Zirkus Alberti entwichen in Gumbinnen abends um 9 Uhr drei Löwen aus dem Zirkus. Der Verwalter des in Stadtnähe liegenden Gutes Drücklerhöfchen, aufmerksam gemacht durch das Brüllen einer Kuhherde, begab sich aus feiner Wohnung, um die Ursache der Unruhe festzustellen. Als er in die Dunkelheit hinauskam, erhielt er plötzlich von hinten einen Schlag cn den Rücken. Als er sich umwandte, sah er einen starken Löwen hinter sich. Auf seinen Zuruf hin wich der Löwe zurück, so bah der Verwalter seine Wohnung wieder erreichen und die Tür schließen konnte. Jetzt wurden, Herrschaft und Personal des Gutes alermiert. Man sah durch die Fenster, wie die Löwen im Garten und auf dem Hof herumliefen. Inzwischen erschienen Angestellte des Zirkus auf dem Hof, Zum die Bestien wieder einzufangen. Glücklicherweise gelang es, die Tiere auf dem Hof, der ein geschlossenes Viereck bildet, zu stellen und durch Vorsehen von Gittern in drei Gebäudewinkeln abzusperren. Der Raubtierwagen wurde an die provisorischen Käfige herangebracht und auf Zureden ihres Bändigers kehrten die Löwen in die Gefangenschaft zurück. Der deutsche Flieger Morzik Sieger im Luropa- Rundflug. Rach dreitägiger Verhandlung hat der mit der Prüfung der Ergebnisse des Internationalen Europarundfluges betraute Sportausschuß dis Liste der Punktwertung festgestellt, der- zufolge der deutsche Flieger Morzik von der Deutschen Verkehrsfliegerschule a l s Sieger aus dem Wettbewerb hervor- gi n g. Die endgültige Plazierung der übrigen Teilnehmer kann erst später erfolgen, da gegen drei Sieger, und zwar gegen die Engländer Broad und Miß Cpooner sowie gegen den auf einer deutschen Maschine mitgeflogenen Kanadier Carberry eine Untersuchung wegen Ueberfiegens einer verbotenen Zone in Italien eingeleitet Zworden ist, deren Ergebnis auf die Gesamtwertung einen Einfluß haben kann. Von den 31 am Ziel eingetroffenen Konkurrenten sind 11 Deut - s ch e. Da der Sieger ein Deutscher ist, so wird die Organisierung des nächstjährigen Europa- rundfluges dem Deutschen A e r'o - C l u b zu- fallen. Rach der Punktwertungsliste ergibt sich für die ersten zehn die folgende Bewertung: Morzik 138,5 Punkte, Droad-England 135,25, Carberry-Kanada 131, Lusser-Deutschland 128,25, LGuazzatti-Italien 127,25, v. Dungern-Deutsch- land 126,75, Kleps-Tschechoslowakei 126,5, Ca- staldo-Italien 124,2, Gelmetti-Italien 122 und Miß Spooner-England 121,5 Punkte. Von den übrigen Teilnehmern stehen Roeder an 1., Poß an 15., Kneer an 17., Offermann an 18., Kirsch an 19., Siebel an 20., Iunck an 27. und Croneiß an 29. Stelle. Schweres Motorradunglück bei Leipzig. Auf der Lützener.Straße fuhr ein vorschriftswidrig mit drei Mann besetztes Motorrad gegen ein Fuhrwerk. Bei dem Anprall wurden alle drei heruntergefchlexdert. Der eine geriet unter ein Pferd, der zweite unter ein gerade vorüberfahrendes anderes Fuhrwerk. Beide wurden auf der Stelle getötet. Der dritte Fahrer blieb bewußtlos liegen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und ist noch nicht vernehmungsfähig. Oie Wetterlage. '■2.0 La Conina rreitaxL 23.7Ui sehr «unter Ost massiger SüdsudwesL Q stürmischer Kordwesl Oie »feile fliegen mit dem winde. Die oei den Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen} ■uf Meeresniveau umgerechoeier» Lufldruci Wettervoraussage. Durch den Südseiteneinfluß der nördlichen Störung hält die Zufuhr seuchtwarmer ozeanischer Luftmassen an. Sie haben ferner zu Riederschlägen geführt und in ganz Deutschland weiteren Temperaturanstieg verursacht. In ihrem Bereich dauert das wechselhafte Wetter mit Aufheiterung fort, wobei es strichweise noch zu Schauern kommt. Wettervoraussage für Sonntag; Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, vereinzelte Schauer, Temperaturen schwankend, um West drehende Winde. Wettervoraussage für Montag: Zeitweise bewölkt, sonst aufheiternd, Temperaturen im allgemeinen etwas zurückgehend. Lufttemperaturen am 23. August: mittags 20,1 Grad Celsius; am 24. August: morgens 17,5 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum 15,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. August: abends 19,4 Grad; am 24. August: morgens 17,4 Grad Celsius. — Niederschlag 1,1 mm. — Sonnenscheindauer 3% Stunden, Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. August 1929. Dein Sonntag. Dein Sonntag ist, was du daraus machst, wie übrigens in allen Dingen. Du willst deinen Sonntag genießen, wanderst ein Stück hinaus in die Welt, die deine Heimat ist. freust dich an vielem, das dir entgegenkommt, und machst dir über vieles deine Gedanken. Auch über die Menschen, die dir begegnen. Unb dann fragst du dich vielleicht auch einmal, wie sie ihren Sonntag verbringen, vergleichst mit deinem Vorhaben. So entdeckst du Verschiedenheiten. die dir gewiß auch bewußt waren, aber doch nicht so bewußt, wie jetzt, wo sie dir klar und scharf gegenüberstehen, weil du sie zum erstenmal klar und scharf siehst. Wandervögel grüßen, die in die noch vom Nebel verhangene Ferne hineinziehen. Die noch verschlafene Stadt von einigen wenigen Fußgängern belebt, die zum Bahnhof eilen, sonntäglicher Freiheit zu. Vor den kleinen Dorfhäuschen sonnt sich bereits das Alter, bastelt an den Blumen, die Jugend steht schon im Sonntagsstaat, bereit zum Kirchgang. Nicht lange, so streben auch die Alten zur Kirche, ernster als die Jugend, Lasten schleppend, von denen sich die Jungen noch nichts träumen lassen. Eine Stunde später tummelt sich Jugend bereits im Bad, treibt einen Ball vor sich her, sonnt sich auf dem Rasen, huldigt dem Spiel. Es geht gegen Mittag. In einer Wirtschaft der nahen Kleinstadt herrscht Hochbetrieb. Die Kellner eilen mit Getränken hin und her, es ist heiß, und die Hungernden sind bereits ungeduldig, weil sie nach ihrer Ansicht zu lange auf die Atzung warten müssen. Die Sonntagsfreude sollte ungetrübt sein, vor allem ungetrübt von solchen kleinen Mitzhelligkeiten: aber man gibt seinem Appetit nur zu gerne nach, und wenn dabei mehr als ein Tropfen Mißmut in den Becher der Sonntagsstimmung fällt. Nicht lange darauf wälzt sich eine Menschenschlange die Straße entlang. Was ist !os°i Ein großes Sportfest. Sie sitzen und stehen in der Sonne. Aber sie halten aus, denn sie wollen das Ergebnis sehen, wollen Zeugen der Vorgänge auf dem Rasen sein. Nicht weit davon ein Schwimmbad. Lustiges Treiben herrscht dort. Man plätschert in der Flut herum, wie wenn es das eigentliche Element des Menschen wäre, man lacht und scherzt. , In der Stadt siehst du andere junge Leute. Sie streben dem Kaffeehause zu, sitzen eng aneinandergelehnt und haben nur Augen und Ohren für sich. Allenfalls noch ein wenig für die Musik, die schmeichelnd erklingt. Draußen auf der Straße Kinder, die ihre harmlosen Spiele treiben und im übrigen sehr laut sind. An der Haustür drei Frauen, die sich zu einem Plausch zusammengefunden haben, der nicht enden will. And schließlich sinkt der Ahend herein. Stiller wird die Welt, verträumter. Junge Leute wandern Arm in Arm vor die Stadt hinaus. Jrgend- o erklingt ein Lied aus Mädchenkehlen, dann wieder helles Lachen oder auch heimliches Kichern. And im nächsten Dorfe ertönt bereits Tanzmufik. Anterdessen schreitest du in den sinkenden Abend hinein, von Nachtluft umweht, von Gedanken heimgesucht, wie verschieden doch so ein Sonntag angefaßt sein kann. And trotz seiner Verschiedenheit birgt er für jeden etwas, für jeden etwas Wertvolles, das ihn heraushebt aus der gleichförmigen Kette der andern Tage. Zum größten Teil unbewußt gestellt auf die geeignete Freude. And vielleicht ist das Anbewußte daran das Beste. Denn eine bewußt gesuchte Freude hört meist auf, Freude zu sein. 5. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 210; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Spinat 20 bis 30; Römisch kohl 10 bis 15; grüne und selbe Dohnen 30 bis 35; Erbsen 25 bis 30; Tomaten 25 bis 35; Zwiebeln 10 bis 15; Kürbis 8 bis 10; Pilze 35 bis 40; Kartoffeln 5i/2 bis 6; Frühäpfel 15 bis 25; Falläpfel 4 bis 5; Birnen 10 bis 30; Heidelbeeren 40 bis 45; Pfirsiche 55 bis 60; Preiselbeeren 45 bis 60; Pflaumen 10 bis 15; Zwetschen 15 bis 25; Mirabellen 20 bis 25; Reineklauden 20 bis 25; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Himbeeren 45 bis 50; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 14 bis 15; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 15 bis 20; Salatgurken 15 bis 40; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 25; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 15; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig- der Zentner: Kartoffeln 5 Mark. Daten für Sonntag, 25. August. 1744: der Dichter Johann Gottfried von Herder in Mohrungen geboren; — 1900: der Philosoph Friedrich Nietzsche in Weimar gestorben. Daten für Montag, 26. August. 1813: Theodor Körner fällt bei Gadebusch; — 1921: der Politiker Matthias Erzberger auf dem Kniebis ermordet; — 1921: der Dichter Ludwig Thoma in Rottach gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Dürgervereinigung ,Sachsenhausen": a. o. Mitgliederversammlung. 21 Ahr. im „ Fischerhof". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Seeschlachten von Coronel und den Falklandsinseln"; auf der Bühne: Fanny Aßmann. — Tageskalender für Sonntag. Gießener Schwimmverein: Schwimmwettkämpfe, 15,30 Ahr, Müllerfche Badeanstalt. — Dienenzüchterverein Gießen und Amgebung: Versammlung, 3 Ahr nachm. bei Kraft, Gießen, Frankfurter Straße. — Artilleristen-Dereiü: Familienzusammenkunft auf der „Ludwigsburg". — Lichtspielhaus Dahnhofstraße: ..Die Seeschlachten von Coronel und den Falklandsinseln"; auf der Dühne: Fanny Aßmann. L. U. Von der Landesuniversität. Der Kanzlist beim Aniversitäts-Sekretariat, Albert Z i r b u s, wurde zum Kanzleiassistenten ernannt. ** Polizeipersonalie. Ernannt wurde der Gendarmeriewachtmerster auf Probe, Philipp Schaffner zu Eichelsdorf mit Wirkung vom 1. August ab zum Gendarmeriehauptwachtmeister. ** Erledigte Schul st elle. Erledigt ist eine Schulstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in Rieder-Wöllstadt, Kreis Friedberg; Dienstwohnung ist für einen verheirateten Lehrer nicht vorhanden, eine Mietwohnung schwer zu beschaffen. ** Aufgehobene Provinzialstraßen- sperre. Die Straßensperre auf der Provinzial- straßenstrecke Gießen—Reiskirchen ist wieder ausgehoben. ** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club e. 23. (A. o. D.) Gießen: Die Strecke Romrod—Alsfeld im Zuge der Straße Gießen — Grünberg — Alsfeld wird vom 26. August 1929 für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Renzendorf—Badendorf—Strebendorf oder Angenrod—Zell. — Die Straßensperre auf der Provinzialstraße Gießen—Marburg von Abfahrt Odenhausen—Landesgrenze wird ab 28. August aufgehoben. Die Sperre der Ortsdurchfahrt Fauerbach im Zuge der Straße Friedberg—Staden—Nidda bzw. Friedberg—Büdingen—Gelnhausen ist aufgehoben. ** Von der Westanlage. Der Strahen- zug der Westanlage von der Dahnhofstraße bis zur Hammstrahe wird wegen Kabellegungsarbeiten vom kommenden Montag ab für den Verkehr gesperrt. ** Stadttheater-Gastspiel. Man schreibt uns: Das Stadttheater Gießen (Intendant Dr. Rolf P r a s ch) wurde von der Direktion des Stadions in Frankfurt a. M. eingeladen, am 31. August mit seiner „Salome"- Aufsührung auf der Waldbühne des Stadions zu gastieren. ** Ein Anlagenkonzert veranstaltet morgen, Sonntag, 11 Ahr, das Musikkorps des 1. (Hess.) Grenadier-Bataillons bei günstiger Witterung in der Südanlage. Leitung: Obcr- musikmeister Gober. Die Musikfolge lautet: 1. Armeemarsch II, Nr. 210, „Der Torgauer Parademarsch"; 2. Ouvertüre zur Oper „Ilka", I. Doppler; 3. Armeemarsch II, Nr. 123; 4. Große Fantasie aus der Oper „Der Bajazzo", R. Leoncavallo; 5. Armeemarsch II, Är. 136, Marsch nach Motiven aus der Oper „Die Zigeunerin", W. Balte. ** Schau- und Kunstflüge. Am Sonntagnachmittag werden bei günstiger Witterung Adreßbuch der Eiabi und des Kreises Gießen. Der Abschnitt III mit den Einträgen der Buchstaben M bis 3t in das alphabetische Einwohner- und Finnenverzeich- nis der Stadt Gießen liegt 3 Tage, vom Montag, dem 26. bis einschließlich Mittwoch, dem 28. August zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen. Oie zuständige Einwohnerschaft Gießens sowohl als die beteiligten Behörden und öffentlichen Körperschaften usw. werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und ün» richtigkeiten kann keine Haftung übernommen werden. Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schulstraße 7 Eingang von der Kaplaneigaffe aus. vom Flughafen aus wieder Schau- und Kunstflüge, sowie Rundflüge über der Stadt mit Passagieren veranstaltet. Vom Ludwigsplah ab wird ein Automobil-Pendelverkehr eingerichtet. (Vgl. die heutige Anzeige!) ** Die Schonzeiten in Hessen. Der Hessische Minister des Innern hat wegen der Schonzeiten des Wildes für das laufende Jahr folgendes bestimmt: Die Hegezeit für Hasen wird bis zum 15. Oktober lfd. Is. einschließlich verlängert; die Hegezeit für Fasanenhähne und -Hennen wird bis zum 15. Oktober lfd. Is. einschließlich verlängert; die Hegezeit für Auer- und Birkhähne wird bis zum 15. Oktober lfd. Is. einschließlich verlängert; jeher Abschuß von Haselhühner! und -Hennen, von Auer- und Birkhennen bleibt bis auf weiteres verboten; die Schußzeit für Rebhühner beginnt also in diesem Jahre am 1. September und endigt am 30. November lfd. Is. ** Radfahren auf Stadtwaldwegen verboten! Die Stadtverwaltung weist in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil daraus hin, daß die Fußwege im Stadtwald von Radfahrern nicht benutzt werden dürfen; Aeber- tretungen haben Strafanzeige zur Folge. ** Bullenversteigerung in Nidda. Für die Bullenversteigerung des Landwirtschaftskammer- ausschusses für Oberhefsen in Nidda am Montag, dem 2. September, sind 25 Bullen der hessischen Fleckvieh- rasse (Simmentaler), hierunter vier Bullen mit Leistungsnachweis, gemeldet. Der Schweinezuchtverein Lang-Göns bringt sechs Eber des deutschen Edelschweins zum Verkauf. Außerdem kommen drei Eber des veredelten Landfchweins zum Ausgebot. Interessenten ist somit beste Gelegenheit geboten, reingezogene Faseltiere zu erwerben. (Vgl. heutige Anzeige!) , . , ** 2 0. Ausstellung und Zuch tvreh - Versteigerung des Verbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter. Die erste diesjährige Herbstversteigerung für rotes Höhenvieh, verbunden mit Ausstellung, findet am 4. Sevtember d. I. in Wetzlar statt. Die lehtjähri- gen D.L.G.-Ausstellungen haben besonders der Herdbuchgesellschaft Wetzlar, die in erster Linie an der Beschickung der Veranstaltung beteiligt ist, große Erfolge gebracht und erwiesen, daß in diesem engeren Zuchtgebiete das in Klein- und Mittelbesitz gezüchtete Rotvieh allen Anforderungen gerecht wird. Die letztjährigen Zuchtviehversteigerungen wiesen fernerhin die hochwertige Zuchtqualität aus der Herdbuchgesellschaft Wetzlar nach. Durch eine weitere Beschickung aus den bekannten Hochzuchten der Oberhessischen Herdbuchgesellschaft Gießen, dem Verbände Westfälischer Rotviehzüchter, dem Odenwälder Herdbuch Darmstadt und dem Verbände Kurhessischer Rotvrehzüchter, also aus Zuchtgebieten, die sich in der Gestellung von besten durchgezüchteten Rotviehbullen usw. einen großen Ruf erworben haben, wird die Veranstaltung ein überragendes Gepräge tragen. Es bietet sich daher den Rot- viehzüchtem, Gemeinden, Genossenschaften und sonstigen Interessenten eine vorzügliche Gelegenheit zum Erwerb von einwandfreiem und züchterisch hochstehendem Rotvieh. Bisher liegen Anmeldungen über 77 Dullen und weibliche Tiere vor, so daß die Auswahl groß ist. Die Preise für hochwertige Zuchttiere halten sich in niedrigen Grenzen. Interessenten seien auf die heufige Anzeige verwiesen. — Volkstümliche Rheinfahrt. ®a3 hiesige Hapag-Reisebureau teilt mit, daß morgen, Sonntag die letzte diesjährige volkstümliche Rheintour stattfindet. Die Abfahrt mit Sonderzug erfolgt 6.32 Ahr ab Gießen, mit Haltestellen in Grohen-Linden, Langgöns, Duhbach, Bad- Nauheim und Friedberg. Ab Mainz mit Sondersalondampfer „Barbarossa" nach Rüdesheim und Ahmannshaufen, Unterhaltung und Tanz an Bord. An beiden Orten ein Aufenthalt von je über zwei Stunden zur Besichtigung des Niederwalddenkmals, Besuch der Winzerstuben usw. Nach abermaliger 2:/2ftünbiger Dampferfahrt wird Koblenz erreicht, woselbst ein weiterer Aufenthalt von zwei Stunden zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten und Besuch des Weindorfes vorgesehen ist. Die Rückfahrt erfolgt 19.50 Ahr ab Koblenz, Ankunft in Gießen 22.08 Ahr, so daß alle auswärtigen Teilnehmer rechtzeitig ihre An- schlußzüge erreichen. (Näheres siehe im heutigen Anzeigenteil.) ** Warnung vor einem Schwindler. In Frankfurt treibt ein angeblicher Schreib- maschinen-Mechaniker, der sich als Vertreter der Adlerwerke, Frankfurt a. M., ausgibt, seit längerer Zeit Schwindeleien insofern, als er Besitzer von Adler-Schreibmaschinen zur „gründlichen- Reparatur der Maschinen veranlaßt. Nachdenk ihm gutgläubig die Maschinen ausgehändigt worden sind, gibt er sie nach kurzer Zeit zurück und verlangt Zahlung von etwa 20 bis 30 Mark. In allen Fällen ist dann festgestellt worden, daß an den Maschinen überhaupt nichts gemacht worden ist. Der Betreffende tritt unter den verschiedensten Namen auf, u. a. als Wördehoff, Wiedehoff oder Wiedekopf und Ersing und hat vor allem in Westfalen, der Rheinprovinz, in Württemberg und Baden eine ganze Reihe von Personen und Firmen geschädigt. Es wird vor diesem Schwindler gewarnt und gebeten, ihn gegebenenfalls durch die Polizeibehörde festzustellen. ** Nicht geklebte In validen marke« und Schadenersatzpfl,icht. Eine bemerkenswerte Entscheidung fällte das Reichsarbeitsgericht in der Frage der Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers wegen unterlassener Mitwirkung bei der Klebung von Versicherungsmarken zur Invalidenversicherung. Die betr. Klägerin war bei dem beklagten Arbeitgeber nahezu 10 Jahre beschäftigt. Sie wurde in den Sommermonaten täglich, in den Wintermonaten nach Bedarf beschäftigt. Es war vereinbart worden, daß der Beklagte die Jnoalidenmarken für die Geschädigte klebt. Vor einiger Zeit wurde die Klägerin erwerbsunfähig. Ihr Antrag auf Invalidenrente wurde jedoch von der Landesversiche« rungsanftalt abgewiesen, da sie nicht die oorgeschrie- bene Anzahl von Jnoalidenmarken nachweisen konnte. Die Klägerin forderte nun Schadenersatz dafür, daß sie keine Invalidenrente bekommt. Das sei Schuld des Beklagten. Dieser hat wohl anfänglich die Marken geklebt, später aber nicht mehr. Das Arbeitsgericht gab dem Klageanfpruch statt und ver- urteilte den Beklagten zur Zahlung einer Rente von monatlich 15 Mark. Da aber die Klägerin eine gewisse Pflicht gehabt hätte, sich darum zu kümmern, ob der Beklagte die Marken klebe und diese Pflicht nicht erfüllt habe, habe ihr nur zwei Drittel der Invalidenrente als Schadenersatz zugebilligt werden können. Das Landesarbeitsgericht bestätigte das Urteil erster Instanz. Es wies die Einwände der Beklagten, daß es sich nur um eine unständig Beschäftigte gehandelt habe, als unbegründet" zurück. Das Reichsarbeitsgericht hat die Revision des Beklagten zurückgewiesen. In den.Entscheidungsgründen wird dargelegt, daß der Arbeitgeber dafür ver- antwortlich gemacht werden könne, daß er das Kle- ben der Marken unterlassen habe. Es habe eine Vereinbarung Vorgelegen, daß der Arbeitgeber das Kleben der Jnoalidenmarken zu besorgen habe. Das fei entscheidend, um den Beklagten zum Schadenersatz zu verpflichten. 1 ~3 Pfarrer Heumanns Heilmittel stets vorrätig in der Niederlage Hirsch-Apotheke Gießen, Frankfurter Straße Nr. 4 Das Pfarrer Heumann-Buch 272 Seiten, 150 Abbildungen, erhält jeder Leser vollständig umsonst und portofrei von Ludwig Heumann & Co., Nürnberg M 613. löi WeifMlGriö^^^^.Ä^ Bau-, Kauigelder, Hypotheken, Darlehen. Tvrechzetl 9—12'/,, 3-6, Sonnt. 10—12, Samstag nachm. geschloffen. R-. Köster, Frankfurt a. 9)1., Scknllerstr. 30, III. Steine Vermittlung. Aufzug. 700IC mit Ober- und Unterauslauf und Entleerung direkt in den Sack. — Unbegrenzte Lebensdauer. 6338V Pflüge aller Art Unübertroffen sind noch immer Original-Sack- Drillmaschinen mit neuesten Körpertormen sowie sämtliche Ersatz - Teile mit d. bekannt. Sack-Gütezeichen. GO. Schielerstein BIM- | Vermietungan | Aeiel-ZillMk- WoDnnng t. südl. Villenviertel, m. komfort. Ausbau, auch an Auswär- tiae, zu vermieten. Schrtftl. 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August 1929 Russische ZukunfispMik. Außenpolitische Umschau. Von Or. Otto Hoehsch, 0. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. 2t Der 1. August war von der 3. Internationale und Sowjctrußland als ein roter Demonstratio nstag für die Welt beabsichtigt, eine 'Truppenschau über das Proletariat der ganzen Welt. Er war in diesem Sinne ein totaler Fehlschlag. Trotz allen Werbens ist er ohne jede Erschütterung und ohne jede Wirkung verlaufen. Das ist sehr erfreulich und zeigt, daß die Arbeit und Agitation der 3. Internationale ihre Grenzen hat. Sie wirkt auch darum nicht so stark, weil alle Welt sieht, dah Sowjetruhland cinsach gezwungen ist, eine Friedenspolitik zu machen. Es kann einen Krieg mit China nicht riskieren, und so sind seit dem 22. Juli auch die Verhandlungen für eine friedliche Verständigung zwischen Moskau und Mulden im Gange. Ob sie in direkter Aussprache zum Ziele kommen, ob andere Mächte oder Faktoren vermittelnd nachhelfen, die Hauptsache ist, dah Rußland einen Krieg nicht wünscht und nur bestrebt ist, unter Wahrung seiner Rechte möglichst viel von seinen Interessen in einer Position ausrechtzuerhalten, die im ganzen zweifellos nicht zu halten ist. llnö es blickt gesvannt nach England, dessen neuer Premierminister die Wiederaufnahme der Beziehungen eingeleitet hat. Hnb es blickt noch gespannter nach Amerika, aus dem eine große und bedeutende Wirtschastsdelegation jetzt in seinem Lande reist. Die russischen Staatsmänner stellen sich sicherlich auf den Zeitpunkt ein, da, wenn der Poungvlan angenommen sein sollte und in Wirkung wäre, das r u s s i s ch e Schul- dcnproblcm nun in erste Reihe rückt. Es ist ja nur logisch, dah dann auch diese Frage der finanziellen Kriegsfolgen geregelt wird, die französischen, die englischen, die amerikanischen Schuld- forderungcn an Ruhland. Rebenbei sei erneut gesagt, dah Deutschland mit seinen Forderungen dabei nicht zu kurz kommen kann, weil bekanntlich im Rovallo-Dertrag auf diese Forderung Deutschlands nur verzichtet ist, wenn Ruhland anderen gegenüber nicht Entschädigungszugeständnisse macht. Denkt die Sowjetregierung überhaupt daran, sich in Verhandlungen über die Anerkennung der Schulden einzulassen, so will sic das teuer verkaufen: gegen die diplomatische Anerkennung ohne Vorbehalt und gegen die Gewährung riesiger Kredite, die zu einer gewaltigen Zusammenarbeit des Kapitalismus am Wiederausbau Ruhlands führen würden. Gewaltige Perspektive, zu denken überhaupt nur, wenn Rußland im Frieden bleibt! Und was denkt sich dabei die Sowjetregierung. Stalin selbst, für den Kommunismus und seine Besesti- gung? Uns scheint, dah das jetzt nach der Annahme des Fünfjahrplans immer deutlicher wird: der Versuch in unerhörter Willensanspannung einer einheitlich geführten Partei in fünf Jahren durch die Industrialisierung und die Sozialisierung der Landwirtschaft den Sowjetstaat wirtschaftlich auf eigene Fühe zu stellen, vom Auslande möglichst unabhängig zu machen, und zugleich das Sowjet-Regime durch Einzwängung der Landwirtschaft in den Sozialismus dauernd zu stabilifieren. Ein solcher Gedankengang würde, wie wir es uns zurecht legen, dein starken Willensmenschen, der Stalin in erster Linie ist. durchaus entsprechen. Er würde bedeuten, dah sich Rußland damit immer stärker gegen das Ausland abzuschließen suchte und dah die Kommunistische Partei den Kampf mit der Bauernschaft unter dem Ziele, den Bauer zu „verstaatlichen" und damit zu proletorisieren, ansnähme. Es bedarf keines Wortes, dah damit eine riesig- Aufgabe in Angriff genommen wird, Hn- zweifclhaft hat Stalin die Partei und die Arbeiterschaft fest in der Hand', diese dienen dem Staate auch unter Leiden, weil sie den Staat beherrschen. Das wird auch im grohen und ganzen für die Beherrschung der Verwaltung aus- reichen, weil die Rot die nichtkommunistischen Beamten doch festhält. Hnb für Gewalt unb Terror hat bcr Diktator die GPH., die ein Teil, und zwar der zuverlässigste, der Armee ist. Aber die Armee? Die Rekruten sind überwiegend Bauernsöhne und die Offiziere werden schwerlich ausnahmslos Stalin-Leute sein. Und dann die Bauernschaft? Der Fünfjahrplan kommt in der Landwirtschaft auf den entscheidenden Klassenkampf zwischen Kommunistischer Partei und Bauern hinaus. Wird es möglich sein, mit den „Getreidefabriken" und Kollektivwirtschaften dos zu erdrücken, was an Individualismus und Kapitalismus bei den gröhercn und mittleren Bauern unzweifelhaft entstanden ist? Wird diese sozialistische Agrarpolitik dem Rahrungsbedürfnis einer jährlich um 3 Millionen zunehmenden Be- völk-rung ausreichend dienen können, deren Hauptproblem ja paradoxerweise die Heber» bevölkcrung ist? Wird damit eine G c - treidcausfuhr ermöglicht werden können, die der Fünfjahrplan für das dritte Iahr schon vorsieht und mit der er an seinem Ende bestimmt rechnet? Eine Getreideaussuhr, ohne die auf die Dauer Rußland gar nicht durchkommen kann? Denn wie will der Fünfjahrvlan Rußland industriell vom Auslande unabhängig machen ohne Verbindung mit dem Ausland, die dafür die notwendigen Voraussetzungen schaffen muß? Das kann auch Stalin nicht bestreiten, worauf Trotzki immer wieder hinwics, daß Ruhland eine sich selbst genügende sozialistische Insel in einem kapitalistischen Meere nicht bleiben kann. Theoretisch wäre cs denkbar, praktisch würde das auch die ungeheure Fähigkeit des russischen Volkes, Leid zu ertragen, nicht aushalten. Dann würde der Weg weiter entweder doch zu einem kapitalistischen Vorstoh der grohen Weltmächte führen oder, indem an der Unmöglichkeit der Lösung das Sowjetregime zusammenbräche, Ruh- land in Chaos und in Auslösung zurückfallen. Dann wäre sicher der Abschluh vom Auslande, der Stalin wohl vorschwebt, erreicht, aber nicht unter Aufrechterhaltung der Sowjet-Herrschaft. Selbstverständlich sind das nur Annahmen und Erwägungen. Rach der Ergreifung der Macht 1917, dem ersten gescheiterten Versuch des Kriegskommunismus, der Rep. beginnt das Sowjetregime jetzt ein gewaltiges, abermaliges Experiment. um für Ruhland den Sozialismus doch zu stabilisieren. Die Frage ist, wie das Ausland darauf reagieren wird und was in Stalins Programm der weltrevolutionäre Gedanke der 3. Internationale bedeutet. Zum letzteren nehmen wir an, dah er daran festhält als einer Hoffnung, auf deren Gelingen er selber ziemlich wenig Einfluh hat und die allerdings sicher in Erfüllung ginge, wenn Eurova wieder in einen Krieg gestürzt würde. Bleibt aber Frieden und führen die grohen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Zusammenhänge wirklich unter Führung Rordamerikas zu einer Ordnung von gewisser Dauer, so wird das auch auf Rußland zwingend im Sinne der Evolution zurückwirken. Eines ist aber unter allen Umständen klar und dürfte Hauptpunkt in den Stalinschen Gedanken sein: eine kriegerische Verwicklung macht in jedem Fall dem ganzen Programm ein Ende: gerade aus ihm heraus muß Stalin pazifistisch sein? Volk und Raum in Frankreich und Men. Die Ablehnung des französischen Entwurfes des „Freunbfchafts- und Schieosvertrages" über das Statut der in Tunis ansässigen Italiener unb die tripolitanischen Grenzen durch Italien zeigt, wie tief und schwer die bevölkerungspolitischen und geopolitischen Probleme zwischen Frankreich unb Italien in Nordafrika sind, Probleme, die unter Uitfftänben in nicht allzu ferner Zeit in Südfrankreich eine nicht minder bedeutungsvolle Parallele finden können. Seit zwei Jahren bemüht man sich vergebens, die Verhandlungen über diesen „Freundschaftsvertrag", hinter dem die schicksalhafte Bedeutung der inneren Gesundheit und Fruchtbarkeit des Volkskörpers für das Bestehen und die Zukunst eines Staates sichtbar wird, zur Zufriedenheit beider Seiten zum Abschluß zu bringen; Bemühungen, die bei der Tiefe der hier vorliegenden Gegensätze und bei den sich dauernd zu ungunften Frankreichs ändernden Verhältnissen, so lange nicht zu einem endgültigen Resultat--trotz eventueller vorübergehender Einigung — führen werden, bis eine geopolitische Lösung gefunden ist, die den bevölkerungspolitischen Verhältnissen entspricht. Die wenigen Kolonien, die Italien besitzt, sind bei weitem nicht imstande, den Bevölkerungsüberschuß, den ein Geburtenüberschuß von über 400 000 Köpfen jährlich in diesem nur 306 000 Quadratkilometer großen Lande mit einer Bevölkerungsdichte von 125 Köpfen auf den Quadratkilometer hervorruft, aufzunehmen, so daß sich ein gewaltiger Strom italienischer Auswanderer — vor allem infolge der amerikanischen Einwanderungsbeschränkungen — vorzugsweise in französisches Gebiet ergießt, da hier die Möglichkeit besteht, große Menschenmengen unterzubringen. Dieser Strom muß in dem Maße anwachsen, als die weitsichtige Bevölkerungspolitik Mussolinis die natürliche Wachstumstenbenz des italienischen Volkes wirkungsvoll unterstützt. „Italien muß, um in der Welt zu zählen, an der Schwelle der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts eine Bevölkerung von nicht weniger als 60 Millionen aufweisen. Tatsache ist, daß das Geschick der Ration an ihre demographische Potenz gebunden ist", sagt Mussolini — und hat entsprechend dieser Einsicht eine Bevölkerungspolitik eingeschlagen, die ihresgleichen in Europa nicht hat, die in zunehmendem Maße die Bedeutung Italiens steigern wird: die in demselben Maße die Gegensätze zu Frankreich vergrößern muß, als die Auswanderung von Italienern in französisches Gebiet anwächst, die dort unter Leitung des sadistischen Staates bewußt und sicher ihr Volkstum bewahren. Denn der faszistische Staat Mussolinis wandert mit seinen Söhnen über die Grenze und weiß es zu verhindern, daß sie sich im fremden Volkskörper assimilieren, um damit dem eigenen Staate verlorenzugehen. Welche Einsicht und welcher Wille steht hinter der Tatsache, daß jährlich Tausende von italienischen Frauen in die Heimat fahren, um durch ihre Niederkunft in Italien zu verhindern, daß ihre Kinder, entsprechend den französischen Gesetzen, die französische Staatsangehörigkeit erhalten? Welcher Gedanke läßt dem italienischen Staat tausende italienische Kinder aus allen möglichen, nicht nur europäischen Ländern in die Heimat einladen, um dort ihre Ferien zu verbringen? Etwa nur der, ihnen Erholung und Freude zu geben? Ist hier nicht vielmehr ein Wille wirksam, der die versprengten Tropfen italienischen Volkstums auch dadurch mit dem Mutterlande verbinden will, daß er in die Seele der Kinder dieser früher Ausgewanderten außer die Liebe zur Heimat ein Bild dieses neuen italienischen Staates, auf den man stolz sein kann, senkt, die Gewißheit mit auf den Rückweg in die Fremde gibt, daß der Geist dieses neuen Staates, seine Sorge um das Wohl aller seiner Kinder nicht seine Grenzen in denen des Landes findet! Sechzig Millionen Menschen soll Italien um die Mitte dieses Iahrhunderts zählen, so will es Mussolini, und er weiß genau, daß sein Land niemals Raum genug bietet für die zwanzig Millionen Menschen, die er über den heutigen Bestand hinaus fordert. Diesem Hrnstand muß seine Bevölkerungspolitik entsprechen, wenn sie erfolgreich sein soll. Die ständig zunehmende Bevölkerung Italiens strömt über seine Grenzen und vorzugsweise nach Frankreich, dessen innere Gesundheit unb Rachwuchskraft einen verhängnisvollen Gegensatz zu Italien zeigt. Eine Fläche von 551 000 Quadratkilometer, bald doppelt so groß als die Italiens, wird von einer gleich großen Bevölkerung bewohnt, 75 Köpfe auf den Quadratkilometer, doch die demographische Potenz sinkt erschreckend. Einem Geburtenüberschuß von über 400 000 Köpfen mit steigender Ziffer in Italien steht ein solcher von nur 50 000 mit absinkender Zahl in Frankreich gegenüber, dessen Entvölkerung in einem ganz großen Tempo voranschreitet und zwangsweise zu einer Devölkerungspolitik führte, die jeden Gedanken an Rasscnhygiene vermissen läßt. 7 3n Indochina propagiert man eine anamitifd)- französischc Mischkultur!!, um es volklich zu retten, in Frankreich selbst gibt man dem Schwarzen das Bürgerrecht. Die täglich cintoanbcrnbcn, etwa 1100 Fremden, die es auf die Dauer unmöglich sich assimilieren kann, haben bisher noch nicht die menschenleeren Gebiete Frankreichs füllen können. Die über 2500 unbewohnten großen Bauernhöfe im Departement Gers, das mit Lot unb anbcrcit Departements in etwa breißig Iahren menschenleer sein soll, die verfallenben Dörfer, bereu ganze Bevölkerungen ausgestorben sind, in den fruchtbaren Flußtälern der Garonne, Loire und Rhone, in bcr Provence, ber Rormanbic, in Cotentin, das Sinken bcr Getreibeanbaufläche von über sieben Millionen Hektar bes Iahres 1890 auf nur noch etwa vier Millionen im Iahre 1923, die Zunahme des Brachlandes von 1920 bis 1924 um 22,7 Prozent auf fast fünf Millionen Hektar sind ein beredtes Zeichen für die zunehmende Entvölkerung. In die hierdurch entstehenden Lücken strömt ein großer Teil bcr italienischen Auswanberer. 200 000 Italiener überschreiten im Iahre die Ostalpen, um sich in ben menschenverlassenen Gebieten Südfrankreichs seßhaft zu machen und der neue Geist Italiens, ber seine Berufung darin sieht, die Ideen von 1789 zu überwinden, schreitet mit! Der Italiener verliert in Frankreich sein Italicnertum nicht, er bleibt ein fester Bestandteil seines Heimatstaates. In Südfrankreich finden wir heute zahlreiche, rein italienische Dörfer, mit eigenen Schulen und Kirchen. Im Departement Lotct-Garonnc wird ein geschlossenes Gebiet von 3000 Hektar von Italienern bewohnt. 30 Prozent bcr Bevölkerung im Grenzdepartement Alpes-Maritimes finb Italiener. In Tunis zählte man 1921 54 477 Franzosen und 84 819 Italiener, die bis 1926 auf annähernd 90 000 angewachsen waren unb heute breimal so stark vertreten finb, als die Franzosen. Angesichts dieser Stärkeverhältnisse ist es zu verstehen, daß die italienische Regierung ben französischen Vorschlag, die erste in Tunis geborene Generation soll italienisch bleiben, die zweite zwischen Frankreich unb Italien optieren, die dritte ohne weiteres französisch werden, ablehnte, und weiter die Abtretung von zwei Oasen an Tripolis als völlig ungenügend erklärt, dafür aber unter Berufung auf den Vertrag von Lausanne, in dem die Türkei die Gebiete von: Dornu bis zum Tschadsee abtritt, diese Gebiete und unter Berufung auf ben Vertrag von London vom Iahre 1915 Deutsch-Kamerun als eigenes Kolonialmandat verlangt. Es kann fein Zweifel darüber fein, daß Italien anstrebt, Tunis ganz für sich zu bekommen, wozu es vom bevölkerungspolitischen Standpunkte aus Frankreich gegenüber ein volles Recht hat. Hier, wie in Südfrankreich, entwickelt sich eine Irredenta. die Italien gewiß unter dem Drucke seines Bevölkerungsüberschusses sich bilden lassen muß, die aber auch von ganz bestimmten Gesichtspunkten aus bewußt verstärkt wird. Doch ist weder für Gin Bann den« an Karl My... Von Harry Schreck. Der leicht beleibte Herr im besten Alter ist unverkennbar ein wenig befangen, als man ihm mitteilt, daß sein Reffe Wolfgang käme und da»ß es dabei unumgänglich nötig sei, daß er in oheimhaftcr Sorgsamkeit sich um ben hergewehten Knaben Wolfgang kümmere. „(Sä ist nur darum..spricht ber leicht beleibte Herr, indem er eilends ben Verbacht zerstückeln möchte, baß er sich nicht nach bcr Gebühr zu freuen schiene, „es ist nur deshalb, weil die Iungens heute doch ganz anders finb; man weiß doch gar nicht, wie man sich mit ihnen unterhalten soll, nicht »wahr? Gott mag da ahnen, auf was für Dinge solche Burschen aus sind. Man spricht mit ihnen, gibt sich redlich Mühe und ist am Ende doch nur lächerlich. Ich wäre ungemein vergnügt, wenn all ber Humbug sich vermeiden ließe. Ia, wenn die Kerlchen eben heute noch so wären, tote wir gewesen sind. Doch so — nun, ja..." Man sagt dem leicht beleibten Herrn zum Trost, wie sich mit Wolfgang alles leichter geben werde, als es das unbehagliche Gefühl wohl zu erhoffen wage. Jedoch, als Wolfgang schon am nächsten Morgen kommen soll, rast wieder die bestürzte Frage durch das Hirn des leicht beleibten Herrn: „Hnb bann?“ Der leicht beleibte Herr geht an ein Selbstgespräch: ..... ja, damals kam ber Willy Dali- chow noch abends rasch mit Helmut Marsch auf einen Augenblick herüber; und während Helmut Marsch mit schlecht gespieltem Gleichmut frug, wie viele Zeilen Cäsar wir zu morgen übersehen müßten, sprach Dalichow mit grauen aufgerissenen Augen: ,Run ist er also doch gestorben: der Rappe Rih ist tot —/ Ein langes Schweigen stürzte in den Raum... Dies war ein Schlag, der sich kaum überwinden ^«Rach ein paar Tagen lief man dann mit Werner Iacke durch den Stadtwald; unb Werner Iacke bückte plötzlich sich voll Eifer über einen Fuhabbruck, ber halbgelöscht im schwarzen Boden krümelte. ,5)otogb‘, sagte Werner Iacke in bedeutungsvollem Ton, ,die Fährte ist noch nicht zwei Stunden alt — es muß ein Bleichgesicht gewesen sein!' Wir sahen ernst gesammelt au, die Spuren... Wir spürten dieser Fährte bis zum Waldes- r-anbe nach, Hnb als uns eine Woche später dann Robert Fenske in fein Wigwam einlud, das er mit Hermann Ziesing an ber Gartenmauer aufgerichtet hatte, da las Hans Schulz mit donnernder Begeisterung uns vor, wie Scharlihs Freund Old Firehand trotz seiner Kugel in der Brust noch lebte. Hnd wir ... wir schwenkten uns entspannt zu unserer tongeschnittenen Pfeife und riefen anerkennend: ,Hff —‘ Das war vor fünfundzwanzig Iahren Wirklichkeit ...!" ♦ „Hc...", spricht bcr leicht beleibte Herr am nächsten Morgen, als Wolfgang vor ihm steht, mit jenem munter angelegentlichen Ton, den man gebraucht, sofern man eigentlich verlegen ist, „he. Wolfgang, weißt du schon, daß heute nachmittag die Meisterschaft im Fußball ausgetragen wird? Das muß doch prachtvoll sein, da mitzuschaun." „Gewiß,“ spricht Wolfgang schlicht unb freundlich. Der leicht beleibte Herr denkt mittlerweile weiter: m „ „Ja, Helmut Marsch ist späterhin zur Post gegangen; unb Werner Iacke tost in Landwirtschaftsstiefeln irgendwo in der Mark Brandenburg umher: von Robert Fenske hat man seither nichts gehört, und Dalichow soll Zahnarzt sein- sie wandern alle ohne Hcnrystuhen, ohne Kalumet und ohne Mokassins durch ihre Welten: und Ziesing ist ein Lehrer ohne Bärentöter in dem uckermärkischen Gefilde.“ Der leicht beleibte Herr ist nun cm wenig traurig. . r , Ein Lasso“, sinnt er, ..wirbelt kaum in Zicsings Händen; unb welcher Lanbwirt hofft im Ernst darauf, sich mit Savannen zu befassen; welcher Zahnarzt will mit einem Tomahawk die Kiefer seiner Kranken spalten; auch Fenske, bcr aus aller Augen kam. wirb Weber einen Mustang, noch ein Dromedar besitzen; und Marsch, ber auf dem Postamt sitzt, nimmt kein Paket ins Land ber Skipetaren an.* Dem leicht beleibten Herrn weht leise Schwermut zu. _ . „So ist das nun ... wir alle, Scnske, Iacke, Ziesing, Marsch und Dalichow unb id) • .^)ir alle finb nicht mehr imstande, den Rachstcn als ben Weißen unb den roten Bruder zu bezeichnen. Ach — alles ist feit fünfundzwanzig Iahren still vergessen; wo sind die Skalps, die Bowiemesser. Bolas und Revolver hingekommen: I wo ist ein Hadschi Halef, der uns mit kauzig- | weisen Sprüchen tröffet...?“ Der leicht beleibte Herr ist sich fast selber gram. Der leicht beleibte Herr vermerkt erschrocken, daß Wolfgang wartend ihn betrachtet: „He, Wolfgang, weißt du schon, dah wir auch eine neue Hochantenne haben? Man hort damit Amerika; jawohl, da staunst du ganz gewiß... man hort damit Amerika ... Reuhork, Chikago, und was es sonst noch geben soll; das muß doch prachtvoll klingen!“ „Gewiß“, spricht Wolfgang schlicht unb freundlich. , Der leicht beleibte Herr nickt Wolfgang heiter zu — „Ach nein", spricht er bei sich, indem er fast ein wenig mißgestimmt beschließt, zwei Karten für die Fußballmeisterschaft zu kaufen, „ach nein ... wir haben alle nicht gehalten, was wir dem Leben einst versprachen, als wir in jenem wilden abenteuerlichen Glück des Herzens vor ben befleckten, abgegriffenen Seiten eines dicken, halb verbotenen Buches hockten unb es verschlangen." Der leicht beleibte Herr sieht sich mit Mißmut an. „Wir finb nicht kühn geworden und nicht heldisch, wie cs ber „Sibhi" aus bem Franken- lanbe war — wir finb nicht milbe unb gerecht in unsre Daseinsbahn hincingeschritten, wie ber „Effendi“, der seinen Fcinben stets so stolz vergeben konnte — wir haben uns nie so bewährt, wie unser SreuiS>. „Old Shatterhand“ vor jedem Prankenschlag des Schicksals sich bewährte. Im Gegenteil —, — I“ Der leicht beleibte Herr gerät in eine leichte Wut. „Im Gegenteil, mit uns ist wenig Staat zu machen; man sollte uns die harte, ja die derbste Bastonnade dafür geben, daß wir als heuchlerische Burschen aus dem zahmen Westen oft mit zwei Zungen redeten unb uns in weibischem Entsetzen vor den Marterpfählen fürchteten. Es ist vorbei mit uns — und das, was nach uns kommt, will lieber Fußballmeisterschaften und Antennen sehen!" Der leicht beleibte Herr geht Fuhballkarten holen. Als er zurückkommt und mit scherzhaft heiterem Geblinzel nach Wolfgangs Aufenthalt zu fragen anhebt, weiß niemand, wo sich Wolfgang finden ließe: vor ein, zwei Stunden hat man ihn zuletzt gesehen. „Lcha". vermutet schon der leicht beleibte Herr, ..die Hochantenne ... Reuyork .... Chikago, Ein Techniker, hehe!" Iedoch die Hochantenne scheint des Hörers zu entraten; Reuyork ist einsam, und Chikago trommelt unbelauscht die letzten Börsenkurse in die Luft des leeren Zimmers. „Das ist doch eigentümlich!" denkt der leicht beleibte Herr, indem er, seine Fußballkarten mit dem Finger knitternd, durch alle Räume seiner Wohnung streicht und plötzlich wie von ungefähr beinahe über ein verqueres Hindernis im Wege stolpert. Er ist ein bißchen überrascht, daß Wolfgang sich als dieses Hindernis erweist und ihm mit grauen, hochgerissenen Augen das Wort entgegenstöhnt: „Run ist er also doch gestorben — der Rappe Rih..." Ein langes Schweigen stürzt in den ergriffenen Raum. „Ia", sagt der Herr, ber plötzlich weniger beleibt scheint, „nun ist er also doch gestorben...!“ Er denkt nicht mehr daran, daß er auch scherzhaft heiter blinzeln konnte; und in bcr Tasche zerrupft die rechte Hanb ganz langsam jene Fuhballkarten... Es scheint, daH Wolfgang sich beinahe verstanden fühlt. Hochschulnachrichten. Der an ber Hniversität zu Marburg neu gegrünbete Lehrstuhl für Grenz- unb Auslanb- bcutschtum ist bem nichtbeamteten aufjerorbent- lichen Professor ebenba Dr. jur. et phil. Iohann Wilhelm Mannharbt unter Ernennung zum orbentlichen Professor übertragen worben. Mann- harbts Veröffentlichungen betreffen Volkstums- unb Staatcnkunbe, Grenz- unb Auslanbdeutsch- tum. Hamburger von Geburt, ftubiertc Mannharbt in Heibelberg, Berlin unb Freiburg i. D., ferner am Kolonialinstitut in Hamburg, würbe 1908 Referenbar in Hamburg, später wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Kolonialinstitut bafelbft, unb übernahm 1919 bie Gcschästsleitung bes Instituts für Grenz- unb Auslanbbeutschtum an ber Hniversität Marburg. Inzwischen promovierte Mannharbt in Greifswald zum Dr. jur. und später in Gießen zum Dr. phil. 1920 wurde Dr. Mannharbt Leiter der Deutschen Burse in Marburg, später etatsmäßiger Assistent an der dortigen Hniversität unb habilitierte sich 1925 in ber Marburger Philosophischen Fakultät für Grenzlanb- unb Auslanbkunbe. Ostern 1926 erhielt Mannharbt bie Ernennung zum Direktor des Marburger Instituts für Grenz- unb Ausland- deutschtum, einen Lehrauftrag für Grenz- und Auslanbkunbe unb brei Iahre später die Ernennung zum nichtbeamteten a. 0. Professor. Italien noch für Frankreich der Abstrom der italienischen Bevölkerung in französisches Gebiet eine günstige Regelung ihrer Bevölkerungsprobleme. Die vorübergehende Erleichterung seines Bevölkerungsüberdruckes will Italien nicht auf die Dauer mit einer neuen Irredenta erkaufen, aber auch für Frankreich kann, trotz seines Vevölkerungsmangels, der Zustrom von ungezählten Italienern incht erwünscht sein, wenn diese sich energisch dagegen wehren „gute Franzosen" werden zu müssen, und damit zu einer ernsten politischen Gefahr im Lande selbst heranwachsen. Welches auch die vertraglichen Lösungen sein werden, die man für diese Probleme finden wird, eine Lösung reift heran, die keines Vertrages bedarf, wenn die Tendenz der demv- graphischen Potenz in beiden Völkern die heutige bleibt. Mussolini weih das und hat auf dieser Erkenntnis seine Devölkerungspolitik auf- gebaut. Gegen die Fruchtbarkeit eines Volkes gibt es auf die Dauer »kein anderes wirksames Mittel, als die Fruchtbarkeit des eigenen Volkes, und gerade die hat Frankreich nicht aufzuweisen. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 23. Aug. Das Evangelische Pfarramt Wieseck schreibt uns: Der Bericht über die Gemeinderat^ihung in Rr. 196 des „Gießener Anzeigers" veranlaßt uns zu folgenden Ausführungen: Es bleibt uns unverständlich, daß nicht sämtliche, am 3. Mai d. 3. der Bürgermeisterei zugesandten Aufstellungen über die Forderungen der Kirche auch dem Gemeinderat bei seinen Verhandlungen über den Voranschlag vorgelegt worden sind. Die vom Kirchenvorstand in seinem Voranschlag eingesetzten und gehörig begründeten Posten wurden vom Dekanat, Kreisamt und Landeskirchenamt restlos anerkannt und genehmigt. Diese Behörden teilen also den Standpunkt des Kirchenvorstandes und feine Auffassung über die Ergebnisse der am 25. März d. 3. erzielten Vereinbarung. Um die Akten über die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Gemeinde endlich schließen zu können, verlangte das Landeskirchenamt die schriftliche Fixierung jener Vereinbarung; sie wurde am 4.3uni d. 3. vorn Bürgermeister als Vertreter der bürgerlichen Gemeinde und vom Pfarrer als Vertreter der Kirchengemeinde unterschrieben. Aus ihr geht deutlich hervor, daß der Abfindungssumme von 2250 AM. eine Aufstellung über 3040,69 RM. zugrunde lag, die Besoldungen bis zum 1. April 1929 einbegriffen waren, Baulastvorlagen aber nur bis zu dem in den 3040,69 RM. enthaltenen Betrag von 400 RM. Das damals noch nicht genau feststehende „Mehr" wurde bei den Verhandlungen auf Anfrage eines Gemeinderatsmitglieds von dem Pfarrer mit etwa 600 RM. angegeben; es ist klar, daß man bei Festsetzung einer Dergleichs- summe von einer festen Grundlage ausgehen mußte: bei 3500 AM. (3040,69 und Gehaltsanteile bis 1. April 1929) war eine solche in der Höhe von 2250 RM. annehmbar, aber nicht bei 4100 RM. Eine solche Einbuße könnte keine Vertretung und keine Behörde verantworten. Der Bericht erweckt weiter den Anschein, als ob der Kirchenvorstand zweimal je 400 RM. für Bau- und Instandsehungsarbeiten angefordert habe; er tat es nur einmal unter Beigabe eines Voranschlags der Baubehörde und hat damit auch die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt. [t] Lollar, 23. Aug. Aus der gestrigen öffentlichen Gerneinderaitssihung ist zu berichten: Die vom Gemeinderechner verlesene Rechnung aus dem Rechnungsjahre 1 9 2 7 schließt ab in Einnahme mit 182 689,44 Mark, in Ausgabe mit 174 598,90 Mk. Der rechnerische Ueberschuh beträgt 8090,54 Mk. Hiervon sind in bar 6820,56 Mk. vorhanden, während der restliche Betrag mit 1269,98 Mk. auf Rückstände entfällt. Von diesem rückständigen Betrage gehen 996,91 Mk. zu Lasten eines Einwohners und bekommt die Gemeinde gemäß eines Pfändungsbeschlusses, die in dessen Gebäude aufkommende Miete mit monatlich rund 40 Mk. durch die Mieter gezahlt. 3m übrigen war eine Beitreibung nicht möglich. Einwendungen wurden nicht erhoben. Der Bürgermeister brachte sodann den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 92 9 zur Vorlage. Die Gesamtsumme aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 209 127 Mk.; davon entfallen auf die Betriebsrechnung 160 747 Mk., auf die Vermögensrechnung 48 380 Mk. Das Gesamtbild ist im allgemeinen dasselbe wie in den Vorjahren. 3m einzelnen ist u. a. folgendes bemerkenswert: Als Rechnungsrest erscheinen 2655 Mk. in Einnahme und 5000 Mk. in Ausgabe. Die Einnahme aus Gebäuden und Grundstücken beträgt 4152 Mk., denen 6820 Mk. in Ausgabe gegenüberstehen. 3n dem Ausgabebetrag befinden sich 5000 Mk. für den Erwerb des Gebäudes der Apotheke als Teilbetrag. Die Einnahme aus dem Gemeindewald beträgt 13 730 Mk., ihr stehen Ausgaben von 4404 Mk. gegenüber. Aus der Gemeindejagd wurden 800 Mk. gelöst. Die Einnahme an Wassergeld beziffert sich auf 12 150 Mk., in Ausgabe stehen 11072 Mk. Die Zahlen für Licht - und Kraftversorgung sind 18 715 Mk. in Einnahme und 18 810 Mk. in Ausgabe. Die Heberschreitung der Einnahmen und das starke Anwachsen des Ausgabebetrages gegenüber den Vorjahren sind hier bedingt durch Reuanlagen und erforderlich gewordener Auswechslung von Aluminiumleitungen durch Kupfer- leitungen. Die Ausgabe für die allgemeine Verwaltung beträgt unter Absetzung der Einnahmeposten 14927 Mk., für die öffentliche Sicherheit 2880 Mk. Für die öffentliche Gesundheitspflege sind 4800 Mk. angefordert. Für das Feuerlöschwesen werden 947 Mk. benötigt. Die allgemeine Armenpflege erfordert 7000 Mk. Die Schulkosten betragen 6350 Mk. Für die Unterhaltung des Friedhofes sind 2156 Mk. eingesetzt, während für gleiche Rubrik 556 Mk. in Einnahme stehen. Die Ausgabe für Straßenunterhaltung ist auf 4500 Mk. berechnet. 3n der Rubrik Kanäle erscheinen 505 Mk. in Einnahme und 11250 Mk. in Ausgabe, darunter als Anlage ein Betrag von 10 000 Mk. für die für das 3ahr 1930 vorgesehene Kanalisation. Die Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke belaufen sich auf 6330 Mk. (nach Abzug von 970 Mk. in Einnahme). Zur Unterhaltung der Bäche und Gräben sind 1900 Mk. erforderlich. Unter s o - ziale Fürsorge erscheinen 6000 Mk. in Einnahme und 13 100 Mk. in Ausgabe. An Sondersteuern finden wir in Einnahme 1800 Mark. Dis zur Ueberweisung kommenden Reichs steuern sind mit 36 900 Mk., die von Oie innere Wiederherstellung der allen Liebfrauenkirche zu Schotten. Von Bürgermeister Mengel, Schotten. Das bei weitem wertvollste Baudenkmal der Stadt Schotten ist seine, innen wie außen gleich bedeutende, herrliche evangelif ch e Pfarrkirche, eine mächtige Hallenkirche mit gleichhvhem Mittel-, zwei Seitenschiffen und einem Chor, zur Zeit der Gotik entstanden. Die Stadt ist stolz auf diesen ehrwürdigen Zeugen einer alten Kunstepoche und hat für die Erhaltung des Bauwerks allezeit freudig größte Opfer gebracht. Eine größere Renovierung fand in den Iahren 1858 bis 1860 mit einem Kostenaufwand von über 50 000 Mark statt. Die äußere Verwitterung der Kirche war indes weiter fortgeschritten, so daß in den Iahren 1911 bis 1912 eine Wiederherstellung von Grund auf nötig wurde. Etwa 200 000 Mark Kosten wurden hierfür verwendet. Die Renovierung des Kircheninneren war damals ebenfalls vorgesehen; Krieg und Rachkriegszeit verzögerten damals die Ausführung. Der Wunsch der Bevölkerung, auch im Inneren ein zur Andacht und Weihe mahnendes Gotteshaus zu erhalten, wurde immer lebhafter, bis Kirchenvorstand und Kirchenvertretung die baldige Inangriffnahme der Wiederherstellungsarbeiten beschlossen. Am 4. Februar l. 3. wurden die Arbeiten begonnen, jetzt sind sie beendet; morgen, am 25. August 1929, wird in einem Festgot- tesdienst die weihevolle Uebergabe an d ie Gemeinde erfolgen. Der derzeitige 3n- haber der ersten Pfarrstelle, Pfarrer Dornscheuer, wird die Feier abhalten unter Zugrundelegung der Bibelworte, die auch seiner Zeit, 1860, nach der Renovierung vom damaligen Pfarrer Lehr, gewählt waren: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet." Die innere Wiederherstellung erfolgte unter Leitung des Hochbauamtes Schotten unter Zuziehung des Denkmalpflegers, Geh. Rat W a l b e (Darmstadt); die Kirchenmalerei ist von dem bekannten Kirchenmaler D e l t e ausgeführt worden, einheimische Handwerksmeister und Arbeiter förderten das Werk. Die Kosten werden sich auf etwa 17 000 Mark belaufen. Dank der Opferfreudigkeit der Kirchengemeinde ist ein großer Betrag im Lauf der Zeit durch Sammlungen und Kollekten zusammengekommen, auch die Stadt hat eine größere Summe beigesteuert. Betritt man jetzt durch das Westportal und durch den neugeschaffenen Windfang das 3nnere, so ist man ergriffen von der Gesamtwirkung, die die Kirche jetzt hat. Der alte, schmutzige Verputz, die frühere häßliche, blaue Decke sind verschwunden. Die mächtigen Säulen, in grauer Farbe gehalten, mit rotgoldnen Kapitellen, streben wuchtig nach oben, die helle Kirchendecke mit den prächtig gemalten Schlußsteinen läßt das 3imere hoch aufragen, alles strebt nach oben, dem Himmel, dem Lichte zu. Um die vorderen Säulen prangen in Goldschrift die Worte des Iohannes-Evangeliums: „3m Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort!" Auf einem goldroten Läufer treten wir näher in das 3nnete durch den neugeschaffenen Mittel- gang, immer tiefer bringt die Wucht des erhabenen Bauwerks auf uns ein. Um die Einrichtung dieses Mittelganges spielten sich anfangs einige Kämpfe ab, man befürchtete, die besten Plätze zu verlieren, heute möchte niemand diese Reue- rung missen, für die Festgottesdienste, für Konfirmation und Hochzeit ist nunmehr ein würdevoller Zugang zum Altar geschaffen worden. Das Gestühl (eine Schnitzerei weist 1519 als Zeit der Anfertigung auf) ist mit einem schwarzbraunen Anstrich versehen und wirkt außerordentlich vornehm. Durch geschickte Anbringung neuer Bänke sind die durch den Mittelgang vorlorenen Plätze längst erseht und noch etwa 70 neue Plätze gewonnen worden. Auch sind Klappstühle beschafft worden, die bei großem Andrang Verwendung finden. Das gesamte Holzwerk weist einen vornehmen, dunklen, warmen Ton auf. Ganz besonders vorteilhaft hat sich die Senkung der Emporen ausgewirkt. Sie sind sämtlich gesenkt worden, besonders die Empore auf der Westseite, die heute weit niedriger als früher auf angepaßten, schönen Eichensäulen ruht. Die Kirche hat durch diese Senkung außerordentlich an Helligkeit gewonnen, eine größere Lichtfülle dringt letzt in das 3nnere. Die früheren, offenen vorderen Brüstungen an allen Emporen sind verschwunden, geschlossene Brüstungen sind an ihre Stelle getreten, die in Felder eingeteilt und mit Verzierungen und sinnvollen Sprüchen aus der Bibel versehen wurden. Besonders schön ist die Wiederherstellung der alten Orgel gelungen. Auch eine neue Stimmung der Orgel und der Einbau zweier weiterer Register ist vorgenommen worden; die Orgel hat elektrisches Gebläse erhalten. Ein schönes Gitterwerk hat man am Sitz des Organisten angebracht. Ein sehr altes, wertvolles Kruzifix wurde auf dem CBoben aufgefunden, man hat es künstlerisch Herrichten lassen und auf der linken Seite des Chors ausgehängt. Der Chor selbst wirkt besonders eindrucksvoll, er ist vorwiegend rot gehalten, mit schöner Kuppel. Der mächtige Flügelaltar, das allerwertvollste Stück der Kirche, beherrscht den Chor. Die im Chor befindliche Kriegerehrung (die Ramen der Gefallenen sind in Sandsteinplatten eingehauen und in acht Rischen aufgestellt) ist aufgefrischt worden. 3n goldnen Farben auf schwarzem Hintergrund prangen die Ramen unserer Hewen zum ewigen Gedächtnis. 3n einer seitlichen Rische des Chors erblicken wir die kunstvolle Pieta, zu beiden Seiten an den Wänden zwei auf Holz gemalte Epitaphien, die Kreuzigung und Himmelfahrt Christi, darstellend. Der Altar ist vollkommen verändert, auf den fünf Feldern des Altars sind Christus und die vier Evangelisten von Künstlerhand gemalt worden. Prächtig gelangt nunmehr die alte, künstlerisch so außerordentlich wertvolle, in Holz geschnitzte Kreuzigungsgruppe zur Geltung, die wir zur Linken beim Eintritt durchs Westportal erblicken. 3n der Mitte der Gekreuzigte, das Haupt geneigt, das Antlitz voll göttlicher Hoheit und Würde. Links Maria, mit schmerzerfülltem Angesicht, voll Trauer um den toten Sohn, rechts Iohannes, ein Buch, das Symbol des Evangelisten, in der Hand. Daneben in der Ecke fällt der wuchtige, gotische Taufstein aus Sandstein in die Augen. Ein kleinerer Taufstein ist im Chor aufgestellt. Als weiteres Schmuckstück sei der prächtige Sakristeischrank am Südpvrtal erwähnt. Auch Dem Inneren der Sakristei hat man einen neuen Anstrich gegeben. So ist unser altehrwürdiges Gotteshaus in neuer Pracht erstanden. Möge ein frommes, gottesfürchtiges Geschlecht in diesem Heiligtum wahre Andacht. Erbauung, Trost und Kraft für den Lebenskampf finden. der Gemeinde zu leistenden Steuerzahlungen mit 2610 Mk. angenommen. Der Reservefonds beträgt 6340 Mk., der Ausgleichfonds 2300 Mk. Unter der Rubrik „Umlage" erscheinen in Einnahme 43 600 Mk., während 4350 Mk. in Ausgabe stehen. 3n der Aussprache wurde demgemäß beschlossen, daß die Erhebung der Gemeindesteuer für 1929 vorläufig nach den gleichen Sätzen wie im 3ahre 1928 erfolgen soll. Man will dadurch ein Zusammendrckngen der Steuerziele auf den letzten Iahreszeitraum vermeiden. Der Ausgleich erfolgt nach Erscheinen der endgültigen Anforderungen für 1929. Der gesteigerte Wasserverbrauch läßt eine Heranziehung der Autobesiher notwendig erscheinen und wird beschlossen, für jeden Wagen jährlich 6 Mk. zu erheben. Die Beträge für die von der Gemeinde gekauften Bauplätze sind laut Kaufvertrag mit 5 Proz. in den ersten drei 3ahren zu verzinsen. Der Gemeinderat hält es nicht für angängig, über diesen Zeitraum hinaus diesen Zinsfuß beizubehalten, da die Gemeinde für das aufgenommene Kapital selbst einen bedeutend höheren Zinsfuß zahlen muß. Die Käufer sollen hiervon in Kenntnis gesetzt werden. V Londorf, 23. Aug. Sattlermeister Börger verkaufte sein an der Wißnerschen Schneiderei und Zimmerplatz gelegenes Haus an Zimmermeister W i ß n e r. Dessen Haus mit Scheuer und Stall erwarb der Forstwart Ludwig Wißner, von hier. ' Lang-Göns, 23. Aug. 3n den letzten Tagen fand auf dem Rathaus die diesjährige Generalversammlung der Spar - und Leih lasse statt. Direktor Artz erstattete den 3ahresbericht für 1928. Daraus war zu entnehmen, daß die Spareinlagen im verflossenen 3ahr von 35 000 auf 70 000 Mk. gestiegen sind. Wenn auch nicht alle Kreditbedürfnisse befriedigt werden konnten, so waren doch am Iahres- ende 20 000 Mk. gegen Hypotheken und 40 000 Mark gegen Schuldscheine ausgeliehen. Rechner Merkel ergänzte den Bericht und konnte für das erste Halbjahr 1929 einen erfreulichen Fortschritt feststellen. Voraussichtlich werden die Spareinlagen im laufenden 3ahr die Zahl von 100 000 Mark überschreiten. Die früheren Spareinlagen, die V». Million Mk. betrugen, sollen eine acht- prozentige Aufwertung erfahren. Da nach Verteilung Der dazu nötigen Summe noch ein Rest bleibt, kann dieser Sah später nach Wzug aller Unkosten wahrscheinlich noch etwas erhöht werden. Es wurde beschlossen, an alte und bedürftige Sparer jetzt schon Beträge bis zu 100 Mk. auszuzahlen, soweit es die laufenden Einnahmen gestatten. 3n seiner Schlußrede betonte der Direktor, daß die Kasse eine Rotwendigkeit für die Gemeinde sei. Wenn auch die Mitgliederzahl 100 bald erreicht sei, so sei das für eine große Gemeinde viel zu wenig. Denn je großer die Beteiligung. desto größer der Segen, den die Kasse stiften wolle und könne. * Lang-Göns, 23. Aug. Am Sonntag, 25. d. M. hält der Oberhessische Sängerbund, Bezirk 5 des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, in der Turnhalle zu Lang-Göns seinen diesjährigen Lieder tag ab. Es gehören dem Bunde elf erstklassige Vereine an; es sind daher besonders gute Vortragsleistungen zu erwarten. * Lang-Göns, 23. Aug. Der Gesangverein „Frohsinn" kann im Iahre 1930 das Fest seines 75jährigen Bestehens feiern. Aus diesem Anlaß findet am 12., 13. und 14. Iuli 1930 hier ein großer nationaler Gesangswettstreit statt. Der Gesangverein „Frohsinn" ist Mitglied des Deutschen, Hessischen und Lahn- talsängerbundes. Er steht unter der bewährten Leitung des Reallehrers Blaß (Gießen). Kreis Büdingen. !! Büdingen, 23. Aug. Als erster Punkt der Tagesordnung in der jüngsten G e me i n b e r a t s- sitzung lag die im Mai d. 9. beschlossene außerordentliche Holzfällung im Wirtschaftsjahr 1930 vor. Der Erlös soll zur Tilgung von Darlehen verwendet werden. Zur Klärung der Angelegenheit wurde das Forftamt Büdingen tim Ausarbeitung eines Gutachtens durch die Aufsichtsbehörde gebeten. Das Forftamt stellt sich auf den Standpunkt, daß die Rentabilität des Waldes verbessert werden könnte, wenn durch die Losholz- berechtigten außer den Werbungskosten, Holzhaulöhne, auch noch die übrigen Unkosten getragen würden. Nach seiner Berechnung handelt es sich um einen Betrag von 7800 Mk., welchen die Losholzempfänger zu dem seitherigen Hauerlohn noch zu zahlen hätten. Der Gemeinderat sieht sich jedoch nicht veranlaßt, von dem seither gebrauchten Modus, nach dem lediglich der Hauerlohn für das Ortsbüroerholz zurückerhoben wird, abzugehen. Einer Aufhebung der Losholzbelieferung sei es auch gegen entsprechende Entschädigung, kann der Gemeinderat nicht zustimmen. 3m übrigen hält der Gemeinderat die Gelegenheit für gegeben, auf die gegenüber der Vorkriegszeit außerordentlich an- gewachsenen Forstverwöltungskosten und Steuern hinzuweisen, die die Rentabilität des Waldes ungleich höher beeinflussen, als es der Verzicht auf die Erhebung dieses Zuschlages bedeutet. — 3n einem früheren Beschlüsse wurde bereits der Volksbank Büdingen die Befestigung des Bachufers an ihrem Anwesen seitens der Stadt Büdingen zugestanden. Da sich nach genaueren Untersuchungen herausstellte, daß das Objekt einen Kostenbetrag von zirka 500 Mark erfordert, sah sich der Gemeinderat veranlaßt, von der geplanten Ausbetonierung Abstand zu nehmen. — Die Besetzung der zur Zeit provisorisch verwalteten Gas - me i st e r st e l l e war zur Neubesetzung ausgeschrieben. Es Haden sich 8 Bewerber gemeldet. 3n die engere Wahl kam ein Zivilanwärter, W. Bettzüge aus Bugen in Baden. Der Gemein- berat macht jedoch die definitive Einstellung von einem noch einzuholenden Gutachten bei der derzeitigen Behörde des Bewerbers, abhängig. — Ein Antrag des Landeskirchenamts Darmstadt, bezüglich der Aufwertung einer Dorkriegsanleihe wird dahingehend erledigt, daß der (9e< meinberat entgegen ber Ansicht ber antragfteUen« den Behörbe bie Auswertung im Rahmen Der gesetzlichen Bestimmung anerkannt. — Dem Antrag des Vereins für Rasenspiele um Erlaß der Pacht für Benutzung des Sportplatzes konnte der Gemeinderat nicht entsprechen. Gntgegentom- menderweise soll die Pacht von 80 auf 50 Mark herabgesetzt werden, wenn der Verein bereit ist, die Spieltore für die Schüler des Gymnasiums und der Volksschule unentgeltlich ,}ur Verfügung zu stellen. — Nach einem Vertrag vom 12. März des Jahres 1914, die (Strom beliefcrung der Stadt betreffend, war der Stadt Büdingen seitens des Ueberlandwerks Oberhessen ein Stromkostenzuschlag in Höhe von 5 Pf. pro Kilowatt zugestanden worden. 3n Abänderung dieses Vertrags erklärt sich die Stadt damit einverstanden, daß alljährlich statt des Zuschlages eine Pauschalsumme von 5000 Mark an die Stadtkasse überwiesen wird. !! Büdingen, 23. Aug. Ein erbitterter Ron- kurrenzkampf wird zur Zeit im Büdinger Bäckergewerbe ausgefochten. Ein auswärtiger Bäcker hat in der Neustadt dicht neben einem alten Büdinger Geschäft eine Verkaufstelle eingerichtet und gibt vier Pfund Brot für 60 Pf., Brötchen für 3 Pf. ab. Der Büdinger Brotpreis betrug seither 85 Pf., die Brötchen kosteten 5 Pf. Die Büdinger Bäcker setzten deshalb vor einigen Tagen zur Freude der Bevölkerung ihre Preise ebenfalls auf 60 Pf. herab. 3n der Voraussicht, daß dieser Brotpreis nicht lange bestehen bleiben wird, versuchen nunmehr besonders vorsichtige Hausfrauen, Brot zu hamstern. So ist cs gekommen, daß sich die Bäckermeister erst die Brotkäufer daraufhin ansehen müssen, ob sie zur Kundschaft gehören. Unwillkürlich wird man an bie Zeiten ber Zwangswirtschaft erinnert. A Bübingen, 23. Aug. Nächste Woche beginnen die Vorführungen des Kreislehrkinos an den einzelnen Stationen. Es werden vorgeführt ein neuer Ufafilm „Die Schweiz, das Paradies Europas", sowie ein Film für die Kleinen. Das Schul-Wanderkino besteht seit November 1925. Q] Nidda, 23. Aug. 3n ber letzten Gemeine deratssitzung mürben folgenbe Beschlüsse get faßt: An bem von Der Bürgermeisterei ausge- arbeiteten Voranschlag für bas 3 ahr 1929, ber eine Umlage auf Grunbbesitz unb Gewerbe von 90 000 Mk. vorsah, würben 10 000 Mk. gestrichen Unb damit die Umlage auf 80 000 Mark reduziert. Dieser Betrag soll wie folgt aufgebracht' werden: 40 Pf. auf je 100 Mk Steuerwerk ber Gebäube unb Bauplätze, 50 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert des lanb- unb forstrpirtschaftlich genutzten Grunbbesitzes, 110 Pf. auf je 100 Mk. Steuermert bes gewerblichen Anlage- unb Betriebskapitals, je 500 Pf. auf 100 Mk. Steuerwerk vom Gewerbeertrag unb 34,93 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwerk bes staatlichen Sonbergcbäubefteuer- solls. Das Gewerbesteueraufkommen für bas 3ahr 1928 auf Grund ber vorläufigen Gewerbesteuerveranlagung (60 Pf. vom Anlage- unb Betriebskapital unb 1,50 Mk. vom Ertrag) beträgt 30 540 Mark. Um biese vorläufige Gewerbesteuer in endgültige Steuer umzuwanbeln, müssen vom Anlage- unb Betriebskapital sowohl als auch vom Gewerbeertrag bie gleichen Ausschlagssätze (110 unb 500 Pf.) erhoben werden, wie sie für 1929 vorgesehen sind. Es findet also trotz ber Erhöhung ber Umlage gegenüber 1928 von runb 10 000 Mk. eine Erhöhung ber Ausschlagssätze in Ansehung bes gewerblichen Anlage- unb Betriebskapitals unb bes Gewerbeertrags nicht statt. Den Löwenanteil an ber Umlageerhöhung sollen bie Gebäube tragen, bei denen der Ausschlagssatz von 22 auf 40 Pf. erhöht worben ist. Die Erhöhung ist im Gemeinberat bamit begründet worben, baß bie Häuser im allgemeinen Erträge bringen unb außer- bem auf bem Gebiete ber Sonbergebäubesteuer Erleichterungen erfahren haben. — Für bie Weiter- führung der Wasserleitung nach ber Bunbes» straße unb oberen Schillerstraße werben bie Graben- unb Rohrverlegungsarbelten ben Herren H. Drott unb H. Re11berg übertragen. Mußerbent wirb bie Weiterführung ber Wasserleitung nach ben Neubauten bes Heinrich Ebelmann unb Gustav Rings hausen beschlossen. — Für Großabnehmer wirb das Wasser gelb mit Wirkung vom 1.3uli 1929 auf 40 Pf. pro Kubikmeter festgesetzt. — Der Pauline Wiesner Ww. wirb ein Bauplatz in ber Abellstraße zum Preise von 1,50 Mk« pro Quabratmeter überlassen. — Die Durchführung bes vorliegenden Kanalisationsprojektes muß wegen der ungünstigen Finanzlage der Stadt bis auf weiteres zurückgestellt werden. Aus dem gleichen Grunde muß die Anschaffung einer neuen Motorspritze für die Feuerwehr Nidda zurückgestellt werden. 2(ud) der Errichtung einer Haushaltungsschule kann man aus den gleichen Gründen zurzeit nicht nähertreten. — Der Stammholzanfall im Fahre 1930 soll ebenso wie in früheren 3ahren an 3ntereffenten aus Nidda und Umgebung zur Versteigerung kommen. — Zur Verbilligung ber Straßenbeleuchtung soll bie Derwenbung von Glühbirnen von geringerer Kerzenstärke ins Auge gefaßt werben. th. L e i d h e ck e n , 23. Aug. Gelegentlich eines Umbaues in einem Wohnhaus fand ein hiesiger Einwohner in einer Lehmwand zwei Goldmünzen in der Größe eines früheren Zweimark, stückes. Die eine trägt die Fahreszahl 1610, dazu auf der einen Seite das Bildnis eines Fürsten. Wie bie Umschrift ergibt, ist es GEOR. RUD. ERD. Unter dem Bildnis stehen die Abkürzungen: SL. LIG, ET B. REX. Auf der anderen Seite ist ebenfalls ‘eia Fürstenbildnis zu sehen; die Umschrift lautet} JOHANN CHR. ET . MO AUREA. D. G. Die andere Münze zeigt auf der Vorderseite bas Bilbnis anscheinend eines Mainzer Erzbischofs namens Anselmus Casimirus. Soweit die weiteren Schriftzeichen zu entziffern sind, lauten sie: D. G. ARCHIEP. MOG. Das Wappen auf der Rückseite zeigt zweimal das bekannte Mainzer Rad und in zwei Feldern je fünf kleine Pyramiden. Die Umschrift ist kaum zu entziffern. Es ist geplant, bie sicher wertvollen Stücke dem Friedberger Museum zur Begutachtung vorzulegen. rl. Vleichenbach, 23. Qlug. Rachdem an der diesigen Schule unter Leitung von Lehrer Schnier le vom 15. April bis 1. August ein Anfängerkursus in der deutschen Einhei ts^ kurz schrist statkgefunden hatte, an dem mehr als dreißig junge Leute aus Dleichenbach und Umgegend teilnahmen, bildete sich nunmehr ein Verein für Kurzschrift, dem bisher 22 Mitglieder beitraten. Er veranstaltet jetzt einen Fortbildungs-- und einen zweiten AnfängerkursuS. Kreis Schotten. wg. Schotten, 23. Aug. Unter dem Vorsitz von Dekan Widmann (Gedern) fand hier dis 5. diesjährige Konferenz der Geistlichen des Evangelischen Dekanats Schott ten statt, welch« von Pfarrer D. Fritsch Ruppertsburg in der üblichen Weise eingeleitet wurde. Pfarrer Römer (Schotten) sprach dann über verschiedene die Innere Mission betreffende Fragen und warb besonders um Mithilfe beim Vertrieb der Wohlfahrtsbriefmarken und beim Rufbringen von Mitteln für den Bau des Krüppelheims in Rieder-Ramstadt. Ferner wurde beschlossen, dem Gedanken der Veranstaltung von Volksmissionswochen näherzutreten, vor allem in den Gemeinden, in denen zur Zeit wegen des Pfarrermangels die Pfarrstellen unbesetzt sind. Pfarrer Weimar (Gonterskirchen) erstattete hierauf ein Referat über das Thema „Charisma und Amt", woran sich eine lebhafte Aussprache anschloh. Die nächste Konferenz soll am 5. September auf dem Hoherodskopf stattfinden und gedacht sein als eine Zusammenkunft der Pfarrfamilien des Dekanats Schotten und der benachbarten Dekanate, womit man einen alten Brauch wieder ausleben lassen will. Zum Schluß wurde noch mitgeteilt, daß das Dekanatsmissionsfest am 8. oder 15. September in Rainrod und das Iahresfest des Zweigvereins Schotten der Gustav-Adolf-Stiftung am 29. September in Volkartshain stattfinden werde. Schotten, 23. Aug. Unter der Leitung von Pros. Dr. S Pilger (Darmstadt), eines hervorragenden Kenners der oberhessischen Pflanzenwelt, fand dieser Tage eine botanische Exkursion durch den hochgelegenen Teil des Vogelsbergs statt. Cs beteiligten sich daran etwa 60 interessierte Personen, in der Mehrzahl Lehrer unseres Kreises. Die Wanderung begann in Hartmannshain und führte über Herchenhain zum Hoherodskopf. Auf dem Wege wurden die thpifchen Vertreter der spätsommerlichen Flora, bte Wiesen, Wald, Heide und Sumpf beherrschen, bestimmt und gewürdigt. Rach der Mittagspause auf dem Hoherodskopf sprach Schulrat H a s e n z a h l (Schotten) über den naturkundlichen Llnterricht in der Volksschule. Er kam zu dem Ergebnis, daß eine aufmerksame Raturbeobachtung nur durch Wanderungen zu erreichen sei. Der Rachmittag führte die Teilnehmer über den Taufstein zur Dreungeshainer Heide, dem einzigen hessischen Hochmoor. Das ganze Gebiet soll jetzt als Raturschuhpark erklärt werden, wie überhaupt alles Gelände im Oberwald über 700 Meter Höhe. Infolge des trockenen Sommers konnte das Hochmoor gut überschritten werden. Dabei wurden sein Werden und Wachsen erläutert, die vorhandenen Sumpfpflanzen behandelt und besonders davor gewarnt, sie abzupflücken, da sie bereits zu den Seltenheiten gerechnet werden müssen. Schulrat Hasenzahl brachte dem überaus sachkundigen Führer Prof. Dr. S p i l g e r den Dank der Teilnehmer zum Ausdruck. * Eichelsdorf, 23. Aug. Dor etwa sechs Monaten wurden die Vorarbeiten für die Errichtung eines Gefallenen- und Kriegerdenkmals in Angriff genommen. Die vorgesehene Dau- summe von 5000 Mark wurde bereits gezeichnet. Runmehr konnte auch eine Einigung in der Platzfrage erzielt werden. Die Mehrheit der Denkmalkommission hatte den Platz am Zusammenflüsse von Eichel und Ridda fallen lassen und sich für den Drunnenplah im Oberdorfe entschieden. Eine Dürgerversammlung trat einstimmig diesem Beschlüsse bei und ermächtigte die Kommission zu selbständiger Weiterarbeit. Rachdem die Plcrhfrage geklärt ist, wird sich die Zeichnungssumme wesentlich erhöhen, denn eine Anzahl Haushalte hatte die Zeichnung bis zur Klärung der Plahfrage verschoben. * Ulfa, 23. Aug. Schon seit Jahren war unsere Wasserleitun g kaum imstande, das hier benötigte Wasser zu liefern. Man versuchte auf den verschiedensten Wegen Abhilfe zu schaffen. Am Sägewerk Eichelsdorf wurden Wassermesser eingebaut, um den Verbrauch von Ober-Schmitien und illfa feststellen zu können, die Hausanschlüsse unseres Dorfes wurden erneuert — der Wassermangel blieb. Runmehr hat sich die Gemeinde entschlossen, nach Plänen des Kulturbauamtes Gießen mit einem Kostenauswande von 10 000 Mk. ein Pumpwerk zu errichten, um den sehr ergiebigen, unterhalb des Dorfes gelegenen Schnöde n b o r n für die Wasserversorgung nutzbar machen zu können. Aus dem hohen Vogelsberg, 23. Aug- Die Erntearbeiten sind in den höchsten Gemarkungen des Vogelsberges verhältnismäßig weit fortgeschritten. Viele Roggen- und Gerslenfelder sind bereits leer. Hier und da sieht man auch noch die Kornhaufen mit den doppelten Hüten, die in der Ebene nicht mehr anzutreffen sind. Zum Schuh vor Regen stülpt man nämlich über den Haufen erst eine große, dann darüber eine kleine Garbe. Der Weizen ist bis auf die höchsten Hänge gut geraten und uir Reife gelangt. Ueberhaupt darf der hohe Vogelsberg mit seinem Ernteergebnis recht zufrieden sein. Bei trockenem Wetter und einem etwas lebhaften Arbeitstempo dürfte in 8 bis 10 Tagen die letzte Garbe geborgen sein. — Die meliorierten Hut-, sowie die angelegten 3 u n g- vlehweiden begünstigen in merklichem Maße die Viehhaltung. Man sieht stattliche Herden gut genährten Viehes auf den grünen Weideflächeir. Vereinzelt geht man zum zwei ten Grasschnitt über. Büchertisch. — „Kaiser und Kanzler im Sturm- jahr 1 9 0 8". Die Wahrheit nach den ilr- kunden. Von *" — Leipzig 1929, Hesse & Decker Derlag. 142 Seiten. Preis 3 Mark. 337 — A. Azevedo: „(Sin brasilianisches Mietshau s". Aus dem Amerikanischen übertragen von Eva Mellinger (Romane der Welt. Th. Knaur Rachs., Verlag, Berlin W 50). Ganzleinen 2,85 Mk., ilmfang 319 Seiten 8°. — 300. — — Knoten, der Kompanieschlot. Von Heinrich Veh ne. Frontgeschichten von Knoten, Taule und dem jeden Tünnes. Mit Bildschmuck von Otto Delling. Verlag Tradition Wilhelm Kolk, Berlin SW 48, Wilhelmstrahe. Preis 2 Mk. - 311. —__________________________________ Verantwortlich für Lokales: i. V. Dr. Thyriot. Bei Erkältungskrankheiten,9Zbeuma,®icbt, Ischias, Nerven- und Kopfschmerzen, haben sich Toaal-Tabletien hervorragend bewährt. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5009 2lmte die hervorragende Wirkung des Togal. In mehreren hundert ärztlichen Berichten wird neben prompter Wirkung besonders die Unschüdlichk. hervorgehoben! Togal kann daher mit vollem Vertrauen genommen werden. Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Sipotheten. 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August 1929 auf dem Wohnungsamt, Lonystrahe 2 I, abzugeben. 6993C Gießen, den 22. August 1929. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Seid. Grummetgrasversteigerung der Stadt Gießen. Montag, den 26., und Dienstag, den 27. August 1929, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: Montag, den 26. August 1929: a) vormittags 9 Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof) von den Wiesen im Neustädter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleiche und auf der 3nsel; b) vormittags 10^ Uhr (Zusammenkunft in der Restauration von Gg. Schrimpf, i Kaiserallee 4) die Wiesen an der Thromschen Fabrik, eine Wiese hinter * der Kläranlage, von den Wiesen am Weiher, am Öhleberg, im Heegstrauch und am Alten Steinbacher Weg (Ruß- ' land); c) nachmittags 2 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration Philosophenwald) von den Wiesen im Wiesecktal, am Fürstenbrunnen und an der Esels- wiese. 6926C Dienstag, den 27. August 1929: a) vormittags 9 Uhr (an Ort und Stelle) nn der Anneröder Straße von den Wiesen am Altentisch und Uters- brunnen, anschließend an der Rödger Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenmorgen. Das Grummetgras von den Wiesen des Gas- und Wasserwerks in den Gemarkungen Rödgen und Großen- Buseck wird im Stolzenmorgen mitversteigert. Steigliebhaber, welche die Wiesen besichtigen möchten, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Am Rodberg 5, wenden. Gießen, den 20. August 1929. Der Oberbürgermeister. 3.23.: Klingspor. Grummel grasverfieigerung Donnerstag, den 29. August, vormittags 9 Uhr, wird das Grummetgras von den fiskalischen Wiesen in den Gemarkungen Garbenteich, Leihgestern, Schiffenberg und Watzenborn, das Gras von Schneisen, Mähplatten, den Eisteichen, dem Peters- weiher und der Klosterwiese in der Wirtschaft des Georg Sommer VI. zu Watzen- born versteigert. Anschließend kommen etwa 200 Düngersäcke zum Verkauf. Gießen, den 22. August 1929. Hessisches Forstamt Schiffenberg. _________Nicolaus.______6969D @rummcigro6 Verweigerung Das Grummetgras von den fiskalischen Wiesen wird versteigert: 6970D 1. von Gemarkung Attenvuseck: Mittwoch, den 28. August, vormittags 9% Uhr, in der Otto Rabenauschen Wirtschaft zu Alten-Buseck; 2. von Gemarkung Slaufenderg-Daubrln- gen: an demselben Tage, nachmittag» 12% Uhr, in der Wirtschaft „Zum blauen Hecht" in Daubringen; 3. von Gemarkung Wieseck: Donnerstag, den 29. August, vormittags 10 Uhr, in der Wirtschaft „Zur Ludwigsburg" an der Straße Wieseck—Alten-Buleck; 4. von Gemarkung Gießen: an demselben Tage, nachmittags 2 Uhr, im Philosophenwald. Auskunft erteilen zu 1 Herr Förster i. R. Müller zu Alten-Buseck, zu 2 Herr Förster Braun zu Daubringen, zu 3 und 4 Herr Förster Brück zu Rödgen sowie das Forstamt. Gießen, den 24. August 1929. ______Hessisches Forstamt Gießen.______ Niddaer Herbstmarkt. Montag, den 2. September 1929, findet in Nidda auf der Gänsweid 7003D Rindvieh-, Schweine-, Zlegen- und Krämermarkt verbunden mit einer Prämiierung von Bullen, Kühen, Kalbinnen und Rindern der Simmentaler und Vogelsberger Raffen sowie einer Versteigerung von Bullen, Ebern und Ziegenböcken eingetragener Herdbuchtiere statt. Günstige Gelegenheit zum Ankauf von Faselvieh für Gemeinden. Nachmittags 2% Uhr Verlosung von auf dem Markt angekauften 15 Stück Vieh sowie landwirtschaftlichen Geräten und Gebrauchsgegenständen. Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen usw. Sonntag nachmittag 2 Uhr Reit- und Fahrturnier des Reitervereins Nidda und Umgebung. Konzert, Tanz, Volksbelustigung. Bürgermeisterei Nidda. Weinahscniafi 28er Edenkobener 6130 -5 28erEdenk. Heide G1.404 27erZeller schwarzer HerrfiottG1.50d 27erHorweiler . BL504 all la. gepll.,u. reintönig Prima Speierling 61.15 4 Weinstube Naal'sHäuschen Eil- iransporle aller Art übernimmt mit 2-t-Benz St. Sutil. 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Es gibt nichts tSefferes! Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lollar für das Rj. 1929 liegt von Montag, den 26. August 1929, ab eine Woche auf hiesiger Bürgermeisterei während den Ge- schäftsstunden zur Einsichtnahme und Erhebung von Einwendungen offen. (7023D Bemerkt wird, daß die Erhebung einer Umlage beschlossen worden ist, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Lollar, den 23. August 1929. Helfische Bürgermeisterei Lollar. ___________Schmidt.___________ Dullenverkauf. Mittwoch, den 28. August 1929, vormittags 10 Uhr, soll ein zur Zucht untauglicher Fleckoiehbulle im Wege schriftlichen Angebots verkauft werden. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum genannten Zeitpunkt einzureichen. Bedingungen werden vor Oeffnung der Angebote bekanntgegeben. 7022D Grünberg (Hessen), den 23. August 1929. ____________Bürgermeisterei.____________ KeinegrauenHaaremebr! 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Carl Spangenberg / Schönste Aussicht Marburgs EINTRITT FREI! 7011L» Mittwoch: 5-Uhr-Tee 27) D Sonntag, den 25. August, nachmittags 330 Ahr, in der Müllerschen Badeanstalt Der Prüfungsausschuß der Freien Schneider Innung d.Kreises Gießen Gardinen. Aufhängen und Montage der Gardinen durch geübte Fachleute. Samstag: Gesellschafts-Tanz (schwarz.Anzug) Sonntag: Nachm. Konzert, abds. Abend-Tanz Luise Zörb Earl Bei'lewi'tz Anmeldungen für die Herbstprüfung der Lehrlinge des Schneider-Handwerks des Kreises Gießen werden entgegengenommen Dienstag, den 27., und Mittwoch, den 28. August 1929. in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags, bei Herrn Obermeister Robert Gärtner, Ludwigstraße 59 p • Mitzubringen sind der Lehrvertrag und 7 RM. Prüfungsgebühren. Anfangszeiten: 4, 6, 8,30 Uhr Sonntag ab 3 Uhr 05395 Haben Sie offene t'üße? Schmerzen7 Jucken?Siechen7 Brennen? Dann flcbrnudjen Lie die tnufenömd) bewährte ünfversalheüsalbe „Gentarin“ Wirkung überraschend. 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Heil das Fest der Silberhochzeit Gießen, Bahnhofstraße 59 Gießen (Roonstr. 8) Freiberg i. Sa. im August 1929 Wirtschaft ,Zur Burg* Sonntag, 25., u. Montag, 26. August KIRMES BaWs-W™! Jeden Sonntag ausgesuchte Mittag- und Abendessen Gießen, Schillerstr. 11 Bingenheim (Wetterau) 25. August 1929 RUHDFLÜGE mitPassagieren8M. MOTORRAD-KUNSTFAHREN Sonntag, den 25., und Montag, den 26. August 1929 Kirmes io Lollar Es laden freundlichst ein: Heinrich Hettche, .Gasthaus zum Schwanen' Prima felbitoe* kelterter Apfelvein per Viter 60 Pscnuig LudwigKohlermannlV. 5434D Blcichstr.12. der Arbeitslosigkeit Sicherung D der Existenz Erleichterung G des berufl. Aufstiegs Steigerung G 7J24D des Einkommens durch Beherrschung der deutschen Einheitskurzschrift! Neue Lehrgänge ab 2. September in der Goethescbnle (Westenlage 43) Unterrichtsleiter: Staatl. geprüfte Lehrerd. 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So sehr teil Verwaltung Unterkunft gc sorgen, so sei Berechtigung Ltadtralsmitx hinsichtlich i außerhalb in mit Recht & leine Urania Bürger stärke! nehmen, nur \ setzlichen und tvohnungslvse nicht in der Dir mochten Erscheinungen Mitgliedern ' eines Deispü Verwaltung men wird, n Personen zu ^ncht komme 'hrer Pflicht diese erledigte das Vorlagen ohne Le'l der Eihu berichten, 6 Anwesend! r Vertretung de Vorsitz 4amm und. S37.Stoi I» - i«i tS*86 * Htfen des a über die an -e Mlunei -S- S6t«bl aui iUT S &•* LZ2 «Ä »->- ,jch « * i'Ä Üj» !Sige b oen^°5' Jinis,. 11 bn>.. Nr. M Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)Samstag. 24- August (929 Städtische Kleinwohnungsbauten an der Krofdorfer Straße. Die Hälfte der Verwaltungsvorlage für dieses Jahr genehmigt. — 25 Kleinwohnungen für 125000 2H. — Keine Baracken, sondern massive Bauten für zahlungswillige Mieter. 05395 nnt N 1929 i Martin ;her annt (Wetterau) wer Bier layern «880 wn imW 6. August fen u. öefränte’- mit konB 69860 05349 5twirte: WilhJNagner 26. August''929 ottar 05333 bei h,teinl3d®! jfjfifrt * Gießen. 20. Aug. 1929. Die Stadtratsversammlung widmete in ihrer heutigen Sitzung den größten Zeitaufwand der Vorlage der Stadtverwaltung über die Errichtung von Kleinwohnungsbauten an der Krofdorfer Straße. Vach der Stellungnahme der Vürgervereinigung Sachsen- Hausen-Gießen sah man allgemein der Erledigung dieser Angelegenheit mit besonderem Interesse entgegen. 3m Verlaufe der Beratung trat nun zutage, daß die Opposition jenseits der Lahn bei ihrer Stellungnahme von einer falschen Voraussetzung ausgegangen war. Die Stadtverwaltung beabsichtigt nämlich nicht, in jenem Stadtteil Baracken wie auf der Margarethenhütte zu errichten, sondern sie will eingeschossige, massive Bauten mit den erforderlichen Einrichtungen einer zeitgemäßen Wohnweise schaffen und in diese Wohnungen auch nicht etwa solche Mitbürger hineinbringen, an denen die Nachbarschaft wenig oder gar keine Freude hat, sondern sie will dort für Bürger Wohnung schaffen, die selbst auf Anständigkeit Wert legen und gewillt sind, ihrer Mielzahlungspflicht im Nahmen ihrer Wirtschaftskraft nachzukommen. Bei dieser Sachlage sah denn auch die Mehrheit des Stabtrates keinen Anlaß, sich der Opposition der Sachsenhäuser Bewohnerschaft anzuschließen, und sie erteilte demgemäß der Stadtverwaltung Vollmacht, an der Krofdorfer Straße Wohnungen der geplanten Art zu errichten. Aus finanziellen Erwägungen konnte sich die Mehrheit des Hauses aber nicht zur Bewilligung der gesamten, ohnehin auf zwei Jahre berechneten Vorlage entschließen, sondern sie bewilligte nur den diesjährigen Abschnitt des Bauvorhabens. Man darf wohl annehmen, daß nach den Aufklärungen in der heutigen Sitzung nun auch die Opposition der Bewohnerschaft jenseits der Lahn gegen die künftigen Mitbewohner verschwinden wird. Allerdings wäre zu sagen, daß es zu dieser Opposition wohl gar nicht gekommen wäre, wenn nicht bei der Arbeit an dieser Vorlage das ominöse Wort „Notwohnungen" aufgetaucht und dann auch noch in der offiziellen Ankündigung auf der Tagesordnung in Erscheinung getreten wäre. So sehr wir damit einverstanden sind, daß die Verwaltung bestrebt ist, für eine anständige Unterkunft gesitteter minderbemittelter Mieter zu sorgen, so sehr möchten wir aber doch auch die Berechtigung dessen unterstreichen, was von den Stadtratsmitgliedcrn Nicolaus und Fischer hinsichtlich des unerwünschten Zuzuges von außerhalb in dieser Sitzung gesagt wurde. Es ist mit Recht betont worden, daß unsere Stadt keine Veranlassung hat, die Steuerkraft ihrer Bürger stärker als geboten in Anspruch zu nehmen, nur weil andere Gemeinden ihren gesetzlichen und menschlichen Verpflichtungen gegen wohnungslose und wirtschaftlich schwache Familien nicht in der erforderlichen Weise nachkommen. Wir möchten hoffen, daß gegen derart üble Erscheinungen, wie heute von den Stadtratsmitgliedern F i s ch-e r und Mann an Hand eines Beispiels dargelcgt wurde, seitens der Verwaltung mit aller Schärfe Stellung genommen wird, natürlich nicht, um die betreffenden Personen zu bedrücken, sondern um die in Betracht kominenden Verwaltungen zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten. Neben diesem Hauptpunkt der Tagesordnung erledigte das Haus noch eine Neihe weiterer Vorlagen ohne besondere Aussprache. Lieber diesen Teil der Sitzung werden wir am Montag noch berichten. Sitzungsbericht. Anwesend: Bürgermeister Dr. Seib, der in ! Vertretung des beurlaubten Oberbürgermeisters den Vorsitz führt, die Beigeordneten Dr. Hamm und Kommerzienrat K l i n g s p o r, sowie 37 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist vorübergehend — während der Beratung des Wohnungsbauvorhabens an der Krofdorfer Straße — leidlich beseht, nach Erledigung dieser j Vorlage abe*r nur noch von fünf Personen be- I sucht. Als Hcnrptpunkt der Tagesordnung steht inmitten des allgemeinen Interesses die Vorlage : über die Errichtung von Klein-Wohnungen an der Krofdorfer Straße. Der Antrag des Bau- und Finanzausschusses lautet: „Die Erbauung von 50 Wohnungen an der Krofdorfer Straße wird genehmigt und ein Kredit von 250 000 Mark bewilligt. Das städtische Wohlfahrtsamt zahlt an die Stadtkasse eine jährliche Miete in Höhe der der Stadt aus der Kapitalaufnahme erwachsenen Zinsverpflichtungen." : Die Fraktion der Wirtschaftlichen Ver- I einigung beantragt Zurückv erweis ung I der Vorlage an den Bau- und Finanzausschuß zur nochmaligen genauen Durchprüfung. Stadtratsmitglied Mann 1 als Ausschußberichter st atter teilt u. a. i mit, daß ungefähr 80 Familien in der nächsten Zeit wohnungslos werden. Die Stadt habe bereits eine große Anzahl derartiger Wohnungen geschaffen für solche Leute, die infolge Zwangsmaßnahmen ihre Wohnungen verlassen müssen. Cs habe sich nun herausgestellt, daß nicht jeder, der durch Zwangsmaßnahmen seine Wohnung verlassen mußte, ein schlechter Zahler oder em unanständiger Mensch sei. Bei der Verwaltung sei jetzt auf Antrag des Wohlfahrtsamtes dre Abficht entstanden, für derartige durchaus anständige Familien, die zum Teil auch aus baufälligen Wohnungen ausziehen mußten, Wohnungen zu schaffen. Für diese Familien sollen fünfzig massive Wohnungen, nicht Baracken, mit Hofraum, Keller, Kanalanschluß, Licht- und Wasserleitungsanschluh errichtet wer. en, also anständige Wohnungen, die jeder beziehen könne. Von den vorgesehenen Baukosten solle die eine Hälfte in diesem Jahre, die andere Hälfte im nächsten Jahre Verwendung finden. Er betone nochmals besonders, daß es sich bei diesen Woh- nungsbauten nicht um Barackenwohnungen, sondern um anständige massive Wohnungen handle. Der Redner spricht sich weiter gegen den Antrag aus Zurückverweisung der Vorlage an die Ausschüsse aus. Eine Zurückstellung der Vorlage um einige Wochen könne zur Folge haben, daß diese Wohnungsbauten vor Winter nicht mehr beendet werden könnten. Eine Stadtratsmehrheit, die durch Zurückverweisung der Vorlage die baldige Schaffung dieser Wohnungen unmöglich mache, lade eine schwere Verantwortung auf sich. Die Verpflichtung der Stadt, für die hier in Betracht kommenden Familien für Unterkunft zu sorgen, bleibe bestehen, und dadurch werde eine weitere Belastung des Wohlfahrtsamtes entstehen. In einem Teil der Oefsentlichkeit werde Sturm gelaufen gegen diese Vorlage. Ein Beschluß über die Errichtung dieser Wohnungen an der Krofdorfer Straße liege noch nicht vor. Ein Teil des Tauausschusses war der Meinung, daß diese Wohnungen zu gut ausgestattet feien. Die Mehrheit des Ausschusses habe sich diesem Standpunkt nicht angeschlossen. Im Bau- und Finanzausschuß habe man sich bis jetzt nur dahin verständigt, daß es vor allem notwendig sei, den Kredit zu bewilligen, damit das Dauamt in dieser Sache arbeiten könne. Stadtratsmitgl. Nicolaus (Wirtsch. Vgg.): Aus der Zeitung habe man entnommen, daß der Plan zur Schaffung solcher Wohnungen eine erhebliche Erregung in der Bevölkerung jenseits der Lahn hervorgerusen habe. Man könne diese Erregung begreiflich finden, wenn man annehmen müsse, daß dort Wohnungen erbaut werden sollen für solche Leute, die exmittiert wurden und auf Kosten der Stadt dann anderweitig untergebracht werden sollen. Wenn es sich um die Llnterbrin- gung von Mietern handle, die tatsächlich zahlen, dann verstehe er nicht, warum das Wohlfahrtsamt hier einspringen und Gewähr für die Zinsen übernehmen solle. Diese Mittel könne man doch besser zur Aufbringung erftstelliger Hypotheken verwenden und damit ein größeres Bauprogramm durchführen. Es werde von der Verwaltung leider nicht gesagt, wie hoch diese Zinsen sein werden, man könne sie nur errechnen. Cs müsse daher gründlich geprüft werden, bevor man eine Viertelmillion bewillige, ob die Notwendigkeit dazu vorliege oder nicht. Seine Fraktion wolle sich erst durch eingehende Nachprüfung davon überzeugen, inwieweit diese Notwohnungen erforderlich seien. Zur Zeit seien die Bauten in der Schwarzlach und auch die verschiedenen Genossenschaftsbauten im Gange, die man doch erst einmal abwarten solle. Wenn es sich um die Unterbringung von Obdachlosen handle, dann solle für diese natürlich ein Obdach besorgt werden, man komme hierbei aber mit weniger Mitteln aus. Zur Zeit sei es so, daß aus zahlreichen anderen Orten, bis hin nach Kassel, Leute einfach hier zuziehen und dann von der Stadt Gießen Wohnung verlangen. Unsere Stadt habe dadurch den Ruf besonderer Wcitherzigkeit erlangt, während andere Städte ihren Verpflichtungen auf diesem Gebiete nicht nachkämen. Dieser Entwicklung müsse Einhalt getan werden im Interesse der Steuerzahler. Seine Fraktion werde die Vorlage ablehnen, wenn der Antrag auf Zurückverweisung an die Ausschüsse nicht angenommen werde. Stadtratsmitgl. Loeber (Dt.BP.): Bei der heutigen schlechten Wirtschaftslage sei die Aufbringung einer solchen Summe, wie sie hier angefordert werde, keine Kleinigkeit. Es müsse jetzt besonderer Wert darauf gelegt werden, daß die Stadt endlich zu einer Ermäßigung der Steuern komme, daß vor allem endlich die von allen Parteien und amtlichen Stellen schon lange versprochene Senkung der Realsteuern eintreten könne. Seine Fraktion habe die Vorlage der Verwaltung genau geprüft, und sie sei sich dabei bewußt gewesen, daß es keine Kleinigkeit sei, diesen Betrag zur Verfügung zu stellen. Da die hier in Betracht kommenden Familien bisher von der Stadt in Gasthäusern untergebracht worden seien, . was die Stadt viel Geld koste, habe seine Fraktion beschlossen, die Hälfte der angeforderten Summe zu bewilligen, in der Annahme, daß sonst das Wohlfahrtsamt noch für lange Zeit mit zu großen Ausgaben belastet fei. Stadtratsmitgl. Mann (Soz) betont, in unserer Stadt seien noch 800 bis 1000 Familien ohne Wohnung. Seine Fraktion könne cs nicht verantworten, daß diese Leute ohne Wohnung blieben. Zur Schaffung von minderwertigen Wohnungen werde man die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion nicht erhalten. Der Redner tritt nochmals warm für die Vorlage ein und hebt dabei erneut hervor, daß cs sich hier um die-Schaffung anständiger Wohnungen handele. Stadtratsmitgl. Fischer (Dem.): Sparen sei eine schöne Sache: Sparen könne aber auch falsch sein, besonders falsch bei einem Gegenstand, mit dein man sich hier befasse. In den Ausschußsitzungen wurde mitgeteilt oaßzahl- reiche Familien aus völlig ungenügenden Wohnungen herausgenommen werden ^muhten, die Unterbringung dieser Leute müsse die Stadt bis zu 5 Mk. pro Kopf jeder Familie zahlen. Da müsse man wohl der Meinung sein, daß so nicht weitergewirtschaftet werden könne. Seine Fraktion habe besonders begrüßt, daß bet den jetzt geplanten Wohnungen bessere Verhaltntsie geschaffen werden sollen, die würdiger seien als bei den bisher errichteten Wohnungen diese Art. Er verstehe nicht, warum man nun au diesem Wege stehenbleiben solle. Seine Fraktion werde für die Vorlage stimmen. Der von Stadtratsmitglied Nicolaus kritisierte starke Zuzug werde durch einen Fall besonders illustriert, der ihm (Redner) heute zur Kenntnis gekommen sei. Ein Wann, der acht Jahre in Darmstadt gewohnt habe, gab dort seine Wohnung auf und verzog nach einem Landort bei Gießen, wo er Aroeit annahm. Dort sei er nun am 16. August fristlos entlassen worden, und gestern sei er I nach Aufgabe seiner Wohnung in dem Orte | hier in Gießen angekommen, wo er jetzt mit einer Familie sitze und eine Wohnung erwarte. Er (Redner) sei entschieden dagegen, daß hart verfahren werde mit Leuten, die auf der Straße itzen, er sehe aber nicht ein, daß die Stadt Gieren Wohnungen schaffen solle für solche Leute, )ie sie gar nichts angehen. Die Stadt Gießen ei nicht dazu da, daß sie die Wohnungsnot teuere für andere Gemeinden, die auch ihre Schuldigkeit tun könnten. Stadtratsmitgl. Mann (Soz.) bemerkt zu diesem Vorfall ergänzend, daß der betr. Mann zuletzt in Großen-Buseck gewohnt habe. Don dem Sekretär des Kreiswohl fahrts- amtes Gießen, an das sich der Mann wegen Wohnungsbeschaffung gewandt habe, sei ihm ge- agt worden, er solle sich an das Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen wenden, die Stadt Gießen bekomme für eine Wohnung Ersah vom Landesarmenverband. Eine Verpflichtung zur Unterbringung der Familie bestand in diesem Falle ür Gießen jedoch nicht. Stadtratsmitgl. Nicolaus (Wirtsch. Bgg.) betont in einer Polemik gegen verschiedene Vorredner, es handle sich bei dieser Vorlage um ein groß aufgezogenes Programm, das der Verwaltung suggeriert werde: die Verwaltung sei nicht mutig genug, dem entgegenzutreten und die Bremse anzuziehen. Der Redner tritt nochmals für eine eingehende Nachprüfung der Vorlage in den Ausschüssen ein. Auch wenn man über die Einwendungen der Bewohner jenseits der Lahn hinweggehen wolle, werde man doch nicht erreichen, daß noch in diesem Jahre mit dem Dau begonnen werden könne, weil bei der gegenwärtigen Geldmarktlage die Mittel wohl nicht beschafft werden könnten. Stadtratsmitgl. Kirchner (Dt.BP.) erklärt, er könne nicht verstehen, warum man nochmals in eine Prüfung der Vorlage eintreten solle, nachdem doch die Notwendigkeit der Schaffung von Kleinwohnungen erkannt fei. Seine Fraktion werde dem Vertagungsantrag nicht zustimmen: seine Fraktion schlage in ihrem Anträge vor, in diesem Jahre 25 Wohnungen der vorgesehenen Art zu errichten und nur dafür die Hälfte der angeforderte Summe zu bewilligen. Seine Fraktion wolle keine schlechten Wohnungen. Stadtratsmitgl. Mayer (Dem.) stimmt dem Vorschläge des Vorredners zu und lehnt sodann die Bezeichnung „Notwohnung" ab, da es sich hier doch um massive Bauten handle, die auf etwa 20 Jahre Haltbarkeit berechnet seien. Es handle sich hier um die Schaffung von Kleinwohnungen für anständige Leute. Deshalb verstehe er auch den Sturmlauf der „Sachfenhäuser" nicht, da es sich doch bei diesen Mietern um mietezahlende Leute handle, die das Viertel nicht entwerten, sondern es geschäftlich wertvoller machen würden. Stadtratsmitgl. Schwieder (Dt. BP.) hebt hervor, im Ausschuß sei mitgeteilt worden, daß diese Häuser eine Lebensdauer von 50 Jahren haben sollten. Da könne man doch nicht sagen, daß es sich um Baracken handle. Unter den Wohnungsuchenden befänden sich viele anständige Leute, für die gesorgt werden müsse. Hier kämen keine Baracken, sondern tatsächlich Kleinwohnungen in Betracht. Stadtratsmitgl. Goertz (Fr. Vgg.) bringt die Zustimmung feiner Fraktion zu der Vorlage zum Ausdruck. Seine Fraktion sei sehr dafür, daß für die anständigen und ordentlichen Leute Unterkunft geschaffen werde. Die Stadt müsse jetzt für die Unterbringung dieser Leute in Gasthäusern größere Aufwendungen machen, als wenn in der vorgeschlagenen Weise gebaut werde. Da ein fester Beschluß über die Platz- frage noch nicht vorliege, erscheine ihm die Kostenhöhe noch nicht genügend erklärt. Diese Frage habe der Ausschuß zuerst klären müssen. Seine Fraktion werde dem volksparteilichen Antrag, für dieses Jahr für 25 Wohnungen die Hälfte der angeforderten Gesamtsumme zu bewilligen, zustimmen. Beigeordneter Dr. Hamm erklärt im Schlußwort u. a.: Die Darstellung hinsichtlich der Platzfrage sei nicht ganz richtig. In einem Beschluß vorn 5. Juli sei gesagt, daß die Errichtung der Bauten an der Krofdorfer Straße in Betracht komme, wenn dafür die Bedingungen günstig seien. Diefer Platz sei dann nach reiflicher Ueberlegung ausgewählt worden. Die ganze Angelegenheit fei ins Rollen gekommen durch einen Beschluß der Wohlfahrtsdeputation, die sich an die Stadtverwaltung wandte mit dem Ersuchen, für die hier in Betracht kommenden Familien Wohnungen zu schaffen. Heute drehe es sich nur um die prinzipielle Zustimmung zur Kostenfrage. Bei der Art der Behandlung dieser Angelegenheit habe der Verwaltung der Vorwur erspart werden müssen, daß sie hier eine lieber» rumpelung der Bürgerschaft jenseits der Lahn vorhabe. Tatsächlich sei diese Sache schon seit April im Gange, der Bauausschuß habe darüber schon am 25. Juli beraten. Da könne man doch nicht von Ueberrumpelung sprechen. Der Stadtverwaltung habe es jedenfalls völlig femgetegen, einen Teil der Bürgerschaft zu überrumpeln. Bisher feien die Wünsche „Sachsenhausens" von der Verwaltung auch erfüllt worden. Er habe das Gefühl, daß bei der Behandlung dieser Angelegenheit schon die bevorstehenden Wahlen mit- gesprochen hätten. Wenn der Vertreter von „Sachsenhausen" sich vor seinem Eingesandt bei der Verwaltung oder beim Bauamt erkundigt hätte, wäre sein Irrtum schnell aufgeklärt worden. Auch der öffentliche Vorwurf der Felddiebstähle erscheine ihm sehr bedenklich, weil dadurch ein Teil der Bürgerschaft schon von vom- 1 herein ohne Tatsachenbeweis unbegründet mit I Diebstählen belastet werde. Zu den Bemer- | tun gen des Stadtratsmitgl. Nicolaus über ein suggeriertes Programm bemerkt der Redner, ihm fei nur ein Antrag des Wohlfahrtsamtes auf Schaffung dieser Wohnungen bekannt, und hier- ür habe die Verwaltung den Mut der Verantwortung ausgebracht. Andere Anträge feien ihm nicht bekannt. Zu dem Antrag der Wirtfchaft- lichen Vereinigung auf Zurückverweisung der Vorlage an die Ausschüsse bemerkt der Redner, die Verwaltung und das Haus wüßten, daß Herr Nicolaus außerordentlich belastet sei. Infolgedessen sei er (Nicolaus) leider in einigen Sitzungen des Ausschusses nicht zugegen gewesen. Der Stellvertreter für Herrn Nicolaus habe sich der Stimme enthalten, weil er nicht gewußt habe, wie Nicolaus als Fraktionsvorfitzender sich zu der Sache stellen werde. Nun erlebe man biefe Schwenkung der Wirtschaftlichen Vereinigung im Plenum. Das er- chwere das Arbeiten natürlich außerordentlich. Zur Beleuchtung der Wohnungsmarktlage weist der Redner darauf hin, daß das Rektorat der Landesuniverfität der Verwaltung mitgeteilt habe, daß gegenwärtig sechs Lehrstühle nicht beseht werden könnten, weil es in Gießen an größeren Wohnungen fehle. Das sei doch ein Jammer für unsere Stadt, denn wenn es nicht gelinge, eine prominente Besetzung der Lehrstühle zu sichern, gehe die Besucherzahl der Universität zurück. Die Stadt habe alles Interesse daran, daß die Zahl der Studenten weiter zunehme, was nur geschehen könne, wenn die Lehrstühle mit prominenten Persönlichkeiten beseht seien. Um für diese die Vorbedingungen hinsichtlich der Wohnungen zu schaffen, sei es möglich, daß die Stadt unter Umständen noch einmal werde Opfer bringen müssen. Eine hiesige Körperschaft plane jetzt die Errichtung eines Stifts sür alte Damen. Dadurch könnten vielleicht größere Wohnungen frei werden. Aber auch für dieses Stift werde von der betr. Körperschaft ein Baukostenzuschuß seitens der Stadt erwartet. Der Redner ersucht zum Schluß nochmals um die Bereitstellung der Mittel für die jetzt unterbreitete Vorlage. Oie Abstimmung. In der Abstimmung wird der Antrag der Wirtschaftlichen Vgg. auf Zurückverweisung der Vorlage an den Dau- und Finanzausschuß mit allen Stimmen gegen die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung abgelehnt. Die Verwaltung nimmt an Stelle der Vorlage, für die eine Mehrheit zur Zeit nicht vorhanden ist, den Antrag der Deutschen Volks- Partei auf Bewilligung von 125000 Mark für 25 Wohnungen für dieses Jahr an. Diesem Antrag stimmt das Haus m i t allen Stimmen gegen die der Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung zu. Mit einigen persönlichen Bemerkungen verschiedener Stadtratsmitglieder schließt die Beratung dieser Angelegenheit. Oberheffen. Kreis Schotten. wg. Gedern, 23. Aug. Unter sehr zahlreicher Beteiligung wurde hier der im Alter von 77 Jahren verstorbene Ehren-Kirchenvorsteher Johannes D o n - dorf IV. z u Grabe getragen. Dondors war von 1902 bis 1928 Mitglied des Kirchenvorstandes und wurde in Anerkennung feiner treuen Dienste anläßlich seiner durch Krankheit veranlaßten Amtsniederlegung zum Ehren-Kirchenvorsteher ernannt. Außerdem war er Mitbegründer des hiesigen Kriegeroereins, dem er 50 Jahre lang angehört hat. Nach der Grabrede des Ortsgeistlichen folgten Kranz- niederlegungen durch Postmeister i. R. Mehring für den Kirchenvorstand und durch Gendarmerie- inspektor i. R. W ö r n e r für den Kriegerverein. Kreis Alsfeld. —.— Bleidenrod, 23. Aug. Bon einem u nist ürzenden Getreidewagen wurde die Ehefrau eines hiesigen Landwirts herabgeschleudert. Zum Unglück fiel sie in die eisernen Zinken eines Ernterechens, wodurch sie sich erhebliche Beriet- zungen zuzog. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 22. Aug. Die nadjfolgenben Zahlen geben in bezug auf die Bevölkerungsbewegung der Stadt Lauterbach innerhalb der letzten zehn Jahre ein anschauliches Bild ihrer günstigen Entwicklung. Wenn man bedenkt, daß Lauterbach als Kleinstadt sich vom 1. Juli 1919 bis 1. Juli d. I. um fast tausend Einwohner vermehrt hat, dann taucht die Frage auf, worauf dieser sehr bedeutende Zuwachs zurückzuführen ist. Ganz besonders tritt der Geburtenüberschuß gegenüber den Sterbefällen in Erscheinung. Beträgt dieser doch, verglichen mit den zu verzeichnenden Sterbefällen, weit über 100 Prozent. Dies dürfte ein Beweis dafür sein, daß wir hier ein auf die Gesundheit äußerst günstig einwirkendes Klima haben. Deshalb wird auch mit Recht von ärztlicher Seite unsere Gegend den Rekonvaleszenten als Nachkur empfohlen. Die Zeit dürfte nicht mehr allzu fern fein, da Lauterbach mit seiner schönen, waldreichen Umgegend als gern besuchter Luftkurort bekannt fein wird. Auch der nach dem Krieg einsehende allgemeine Zug nach den Städten hat die Bevölkerungsentwicklung der von einer fortschrittlich eingestellten Verwaltung geleiteten Stadt günstig beeinflußt. So beträgt der Ueberschuß der Zugezogenen gegenüber den Weggezogenen während der letzten zehn Jahre rund 10 Prozent. Die Bevölkerungsbewegung im letzten Jahrzehnt ergibt zahlenmäßig folgendes Bild: Einwohner am 1. Juli 1919: 4290, Geburten: 985, Zugezogene: 4882, Sterbefälle: 436, Weggezogene: 4778, Einwohner am 1. Juli 1929: 5243. Während dieser Zeit haben 438 Eheschließungen stattgefunden. Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen. Das Land ohne Lärm. EindrückevoneilterFerienreisenachOa'nemark Von Anna Valeton. Es ist immer ein bißchen mißlich, von fremden Ländern zu erzählen und keine Bilder dazu zeigen zu können. Gewiß, man könnte etwa berichten: Dänemark hat märchenhaft schöne Meeresküsten, herrliche Wälder, liebliche, saubere Städtchen und Dörfer, unzählige Seen, von Wald umsäumt und von lustigen weißen Segeln belebt. Aber damit ist nichts besonders Charakteristisches gesagt. Viel leichter ist es, zu erzählen, was man in fremden Ländern Besonderes und Auffallendes zu hören bekommt. IInb für Dänemark ist es besonders charakteristisch, was man nicht zu hören bekommt. Kopenhagen ist eine recht große Stadt; ich glaube, es hat sechs- bis siebenhunderttausend Einwohner. Und dazu ein bißchen mehr Autos und Autobusse, und sehr viel mehr Fahrräder, als unsere deutschen Großstädte. Und höchstens drei Verkehrsschuhleute in der ganzen Stadt. Das verspricht schon einen ganz gehörigen Lärm, nicht wahr? Und auch allerhand Zwischenfälle. Aber der Lärm ist nicht da, und die Zwischenfälle auch nicht. Autos hupen fast gar nicht, auch im dichtesten Verkehr nicht. Rämlich niemals, solange sie geradeaus fahren. Man sieht sie ja, was brauchen sie da Lärm zu machen? Rur wenn man um eine Ecke fahren will, hupt man einmal. Aber wirklich nur einmal. Und die Radfahrer machen es ebenso mit dem Klingeln. Die Leute wissen das und passen schon auf. Man kann sich nur schwer vorstellen, was für eine erstaunliche Stille dadurch in den Straßen herrscht. Es gibt auch keine Unglücksfälle. Zuerst ist es ein bißchen schwer, so ohne Derkehrsschutzmann über die Straßen zu kommen, und mehr als einmal steht man plötzlich erschrocken zwischen einem Auto und zwei Rädern und erwartet eine Katastrophe, oder doch wenigstens eine Schimpfkanonade. Aber siehe da, die Radler springen ab, das Auto hält und der Chauffeur winkt freundlich, daß man Vorbeigehen soll. An Ecken, wo sechs bis sieben Straßen aneinanderstoßen, erlebt man es duhendmal, daß auf einmal sieben Autos mit den Schnauzen aneinanderstoßen und nicht weiter können. Gespannt wartet man auf Wutausbrüche und Flüche. Richts dergleichen geschieht! Alle sieben Chauffeure grinsen freundlich, die Autos rutschen ein bißchen zurück, und in drei Sekunden ist der Knäuel aufgerollt und der Verkehr flitzt weiter. „Ach, man würde sich ja so lächerlich machen, wenn man da schimpfen wollte," sagen die Dänen. Wenn man von Kopenhagen spricht, so ist meist das erste, was den Menschen dazu elnfällt: „T i v o l i“. Tivoli ist ein riesiger ständiger Vergnügungspark in Kopenhagen mit Karussells und Rutschbahnen und allem, was dazu gehört. Manchmal sind fünfundzwanzigtausend Menschen an einem Tage dort. 51 nb man hört sie kaum! Tivoli ist so still, daß mitten drin eine große offene Konzerthaile stehen kann, in der Hunderte von andächtigen Menschen einer ausgezeichneten Kapelle zuhören, die Beethoven und Mozart spielt. Dicht daneben sind Tanzdielen und Würfelbuden, und ein Pantomimentheater im Freien, das man durch riesige sonderbare Teriskope begucken kann, ein bunt beleuchteler See mit Gondeln, moderne Lilörstuben, chinesische Tempel- chen, und allerhand Restaurants, in denen man leckeres Smörebröt zu essen bekommt, alles überstrahlt von Tausenden und aber Tausenden von Lichtern. Lauter vergnügte Gesichter sieht man, alles kommt dort zusammen: große Damen, kleine Mädchen, Offiziere und Soldaten, Gelehrte, Arbeiter, Dienstmädchen und Kaufleute, und manchmal auch der König. Wer seine Rerven erholen muß, kann es in Dänemark vielleicht besser als in manchem Sanatorium. denn das Land ist ja nicht nur äußerlich „ohne Lärm". Die Menschen sind auch innerlich sanft und ohne Lärm. Sanft wie die Ratur, in der sie leben, die nirgends besonders großartig ist, aber überall lieblich und erquickend. Auf Spaziergängen legt man nicht allzu lang Beschlag auf eine besonders schöne Dank, „andere wollen auch einmal sitzen", beim Deerenpflücken im Walde nimmt man nicht alle mit, „andere wollen auch noch etwas finben", unb wenn man Lust zum Rauchen bekommt unb seine Zigaretten vergessen hat, läßt man sich vom ersten besten Bauernburschen unterwegs eine schenken, unb ber findet bas ganz natürlich. Harmonisch unb frieblich leben, ist etwas, worauf man großen Wert legt in Dänemark, und vielleicht ist das dort leichter zu verwirklichen, als anderswo, weil dort die sozialen Gegensätze nicht so scharf sind, wie anderswo. Dänemark hat ja nur eine einzige Großstadt, Kopenhagen, und nur ganz wenig Industrie. Natürlich gibts Fabriken. Dänemark ist ja ein moderner Staat, aber im wesentlichen ist es doch ein Bauernland. Das würde noch nicht genügen zum Ausgleich der sozialen Gegensätze. Bauern können arge Streit- hämmel fein. Es kommt dazu, daß der Stand der Volksbildung in Dänemark ein sehr hoher ist. Ein sehr hoher und ein sehr eigenartiger, denn er beruht ganz unb gar auf ber Volkshochschule. Der Dolkshochschulgedanke stammt ja aus Dänemark und ist dort seit fast hundert Iahren schon verwirklicht. Augenblicklich hat Dänemark, das kleine Land, bereits fünfzig Volkshochschulen. Sie liegen fast alle auf dem Lande und sind ausschließlich Anstalten, in denen die Schüler meist ein halbes Jahr vollständig wohnen, essen und schlafen unb das ganze Leben gemeinsam führen. Die meisten sind Schulen für junge Bauern, aber sonst ganz verschieden. Es gibt christliche und weltliche, nationale unb internationale Volkshochschulen in Dänemark. Der Staat unterstützt sie alle, mischt sich aber in Verwaltung und Unterricht in keiner Weise ein. Also auch hier geht alles „ohne Lärm". Man bekommt einen Begriff von dem Geist dieser Schulen, wenn man liest, was ihr Begründer R. F. S. Grundtvig darüber sagt: „Die Jugend, die in jedem Stand und in jeder Stellung die Lebenskraft eines Volkes ausdrückt, die durch viele Geschlechter hin verkrüppeln kann oder gedeihen — diese Iugend ist es, die wir packen müssen, nicht für uns selber, oder für bestimmte Ansichten, nicht für irgendwelche geschlossene Dinge oder Gedanken, sondern für das Leben, das edle, wirksame Menschenleben, gleich edel in jeder äußeren Stellung, wenn es sich nach dem Geiste bildet, ber frei über uns allen schwebt — bereit machen müssen wir die Iugend für ein solches Leben, sie dahin bringen, daß sie Lust bekommt, das Leben aufgeklärt zu sehen, die wunderbaren Gesetze zu verstehen, die das Leben, so regellos fein Verhalten auch scheint, doch unabweichlich befolgt." „Tak for sidst,“ sagt man in Dänemark zu Menschen, bei denen man gestern ober vor drei Wochen oder vor zwei Jahren zu Gast gewesen ist, wenn man sie zum erstenmal danach wieder- sieht. „Dank fürs letztemal." Und „Tak for sidst“ wird jeder von ganzem Herzen sagen, der je einmal in Sänemarf gewesen ist. Donaufahri. Von Or. Wodaege, Gießen. Auf den uralten Wanderstraßen des Wassers zieht der moderne Kajakfahrer dahin, mit Faltboot und Zelt. 3n den ewigen Kreislauf des Wassers, wandernd vom Berg zum Meer, fügt er sich ein, auf kurze Zeit nur, aber um so inniger vereint mit Strom unb Welle. Donau, du alte Wanderstraße Europas! Du weißt zu künden von der Ribelungen Fahrt, von Kelten, Römern, Hunnen und Türken. Darius, Alexander, Trajan, Attila, Karl der Große haben bereits deine Fluten geschaut. Was Wunber, wenn deine Ufer erzählen vom Klirren _ der Waffen und dem friedlichen Verkehr ber Völker aller Zeiten. Der D-Zug führt uns durchs bayrische Land nach Regensburg. Hier spüret wir gleich den Odem einer wechselreichen stolzen Geschichte. Castra regina der Römer, Herzogsburg der baju- varischen Herzöge der Agilolfinger, Pfalz Karls des Großen. Von der alten steinernen Brücke, einem Weltwunder des Mittelalters, blicken wir hinab in den st rubelnden Strom. Bald wenden wir uns ganz realen Dingen zu. Einen Zentner Wandergepäck unb außerdem noch das verpackte Faltboot lassen wir uns durch einen Dienstmann zum Donauufer karren. Das Gepäck ist ber Feind des Faltbootfahrers, aber nur so lange, als er sich noch nicht seinem Element anvertraut hat. Alsdann trägt es das treue Boot, und die Last gibt ihm eine besonders ruhige Fahrt. Zelt. Schlafsäcke unb Proviant unb was sonst noch alles bazu gehört, lassen dann jeden Abend ein Heim entstehen, in dem es an nichts fehlt. Die Donau kennt sie seit längeren Jahren gut, die Zeltlager an ihren Ufern unb auf ihren Inseln. Wenn die Sonne im Westen sinkt und die Wasser im Abendrot schimmern, so daß der Kajakfahrer glaubt in purpurnem Element dahinzugleiten, dann späht er nach einem Lagerplatz aus. Oft finden sich • mehrere Zelte zusammen, besonders an bekannten Zeltlagerplähen wie etwa dem „Regensburger Hausen", einer langgestreckten Insel drüben im Oesterreichischen, wo die steilen Donauberge dem Mond erst spät gestatten, sich in den Fluten zu spiegeln, dort wo das alte Raubrittemest Haichenbach nach zwei Seiten hin 8um Strom hinabschaut, der sich in einer Schleife um den Berg schlingt. Wie wenn es in der Ratur der Sache läge, türmen die Kajakfahrer, die diese Rächt auf der einfamen Änsel zusammengeführt hat, dort vorne auf der vorgelagerten Sandbank einen Holzstoß auf, aus Aesten und Planken, die beim letzten Hochwasser an Bäumen und Gestrüpp der Insel hängen geblieben sind. Bald lodert ein mächtiges Feuer hoch auf, spiegelt sich weithin donauabwärts in den Fluten unb leuchtet hinauf zu den steilen Uferhängenr Heiße Wandertage sind uns beschieden. Ein Sonntag führt uns durch die „Kornkammer Bayerns" gen Straubing, das wir auf endlosen Flußwindungen erreichen, nachdem seine Türme uns schon Stunden zuvor gegrüßt haben. Flach sind die Ufer. Zur Linken wird ein weites Panorama von den Höhen des bayrischen Waldes begrenzt, die bis zu 1200 Meter ansteigen. Dörfer, Städtchen, Klöster unb Burgen ruhen im Tal und auf Höhen unter ber Glut der Sonntagssonne. Allenthalben steigen neue Kirchtürme auf, schlanke und massige, mit spitzen, breiten unb Zwiebel-Dächern, bald allein, bald zu zweien die Wacht am Kirchenbau haltend. Die meist etwas eintönigen Glocken schallen am Morgen übers Land. Kahnfähren tragen sonntäglich gekleidete Bauern unb Bäuerinnen unb junges Volk zum Kirchgang aufs anbere Ufer. Am Rachmittag klingt das dumpfe Rollen der Kegelkugeln aus den Schankstätten zu uns herüber unb laute bajuvarische Lebensfreude. Die Strömung ist nicht immer gleich. Vor Passau fahren wir infolge der Kachletschleuse- schließlich nur noch im Stau. Aber bisweilen packt die Flut kräftig das Doot. Die Isar, die unterhalb des zwischen Höhen im Grünen eingebetteten Deggendorfs mündet, bringt nur vorübergehend eine etwas schärfere Gangart. Anders ist es mit dem Inn, dem kräftigen Sohn der Berge. Bei Passau wirft er sich in die Donau und Farbe und Tempo des Stroms wechseln sofort. Dann ist noch das Kachlet unterhalb des österreichischen Aschachs zu nennen. Eine lange Bojenreihe zur Linken warnt uns, in das Felsgemenge einzudringen, gegen bas die Flut dort tosend anprallt. Aber auch den Damm zur Rechten müssen wir meiden, unb zwischen beiden jagen wir in flottem Paddelschlag mit den Fluten dahin. Tor Passau ruht ein mächtiges Elektrizitätswerk mitten im Fluß, dessen Lauf durch Werk und Schleuse gesperrt wird. Dem Kajakfahrer, der sich diesem Hindernis bei Rächt nähert, wirb es zum besonderen Erlebnis. Feenhaft schimmert das leuchtende Werk im Fluh. Richt einen Zweck- und Industriebau, sondern ein Märchenschloß glaubt man vor sich zu haben. Das Spiegelbild im Wasser erscheint nicht minder wirklich als der Bau darüber. Ein doppelter Lichterglanz. Alle leuchtenden Konturen des Werks ergänzen sich strahlend in Spiegelbild und Wirklichkeit. Richt ganz cinfadTTft'ä für den fremden Kajakfahrer, zur Rachtzeit den Weg fürs Doot zu finden. Zur Rechten stürzt. sich der Strom im Kraftwerk plötzlich in die Tiefe. Wir hüten uns, dem Sog zu nahe zu kommen. Zur Linken verschließt die große Schleuse den Weg, die sich sür kleine Boote, zumal zur Rachtzeit, nicht öffnet. Aber der deutsche Kanuverbanb (DKV.) hat für die Seinen gesorgt. Ein Rollwagen auf Feldbahnschienen steht auf der rechten Schleusenseite bereit. Auf ihn lagen wir das Boot und schieben es auf den Schienen bis unterhalb des Kraftwerks, wo wir es in den hochgehenden Wellen des aus dem Werk abströmenden Wassers wieder einsehen. vorsichtig fahren wir in dem unbekannten dunkeln Gewässer weiter. Bald glättet sich die Flut. Zur Rechten und Linken schimmern die Lichter Passaus. Wie zu unserem Empfang wiegen sich die Klänge einer österreichischen Kapelle über den Wassern. Ein Passauer Kajakfahrer, den wir antreffen, weist uns den Weg hart um die Ecke der alten Wasserburg, des „Rieöer- hauses" herum durch Felsen hindurch in den Ilzfluh, an dessen Ufer das Paddlerheim des DKV. liegt, das bald Mann unb Boot gastlich aufnimmt. Der nächste Tag gilt Passau. Diel zu wenig sinb die Schönheiten bieses „bayrischen Venedig" bekannt. Donau, Ilz unb Inn bereinigen sich dort, unb bis zu den Mündungen vorgeschoben liegt die Stadt. Wir schlendern durch die alten Straßen unb durch kühle, geheimnisvolle Gewölbegänge. Der Dom nimmt uns in seine gewaltigen Hallen auf, unb uro die Mittagszeit hören wir dort ein Orgelkonzert auf der größten Kirchenorgel der Welt mit ihren siebzehnausend Pfeifen. Als ob es in seinen Grundfesten erbebe, so gewaltig dröhnen die Klänge durchs Gotteshaus. Zuvor waren wir noch hinaufgestiegen zum „Oberhaus", dem früheren fürst bischöflichen Sitz. Unvergeßlich ist der Dlick von dort oben hinab auf die Stadt, die Flüsse und das weite Panorama der Landschaft. Am Spätnachmittag trägt uns die Donau nach Oesterreich hinein. Zwischen. Passau unb Linz bietet sie sich dem Fluhwanderer in ihrer einsamsten Schönheit. Wie wenn die Zeit stehengeblieben wäre, so - unberührt steigen die bewaldeten Steilufer bis zum Fluß hinab mit ihren Felsen und Schlössern. Eine Donauschleife folgt ber anderen, bis sich von Schloß Reuhaus ab *ber Strom 7 Kilometer lang schnurgerade dahinzieht. In jenen Windungen bei Strudeln und Widerwellen hatten wir die Paddel fest in der Hand. Ieht ruhen sie auf kurze Zeit und wir überlassen es der Laune des Flusses, ob unser Dlick zurückgeht zum stolzragenden Schloß, zu den steilen Uferhängen ober stromabwärts nach Aschach zu, -wo die Berge plötzlich zurücktreten. Vor Ottendbeim mit feinem alten Schloß der Walliser lassen wir unser Boot seitwärts gleiten in die Idylle des „Gstocket". Es sind dies seichte Seitenarme der Donau, die durch Wälder unb Buschwerk führen. Eine Art Walbspaziergang 1m Kajak ist es, den wir da unternehmen, gemächlich und ohne Strömung. Dann folgt noch eine Rächt vor Linz im Zelt. In aller Frühe schlagen wir in Linz, der Hauptstadt Oberösterreichs, unser Doot wieder ab unb winken noch den anderen Kajakfahrern zu, denen es vergönnt ist, ihre Fahrt fortzusetzen bis hinunter zur großen Donaustadt, bis Wien. 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Am letzten Montagnachmittcuz wurden dort Kühe zu- und abgeführt, welche buch« stäblich die Milch aus allen Oeffnungen des Euters laufen ließen. Auch konnte man Kühe sehen, welche meinem Ermessen nach seit drei bis fünf Tagen nicht von ihrer Milch erleichtert worden waren: diese Tiere konnten vor Schmerz nicht mehr ruhig stehen. 1km eines Geschäftes willen solche Tierquälerei zu dulden, Sonntagsdienst d.Aerztc u.Avotbeken nm 25.8/29 Frl. Dr. Gürtler. Dr. Steinreich. Pelikanapothcke. Zahnarzt: Dr. Baum. ‘D stunde. 20: Der diesjährige Goethe Preis. 20.30? Alte Hausmusik. 22: Ungarische Aativnalmusik. Donnerstag, 29. August. 6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetter- bericht und Zeitangabe. 12.30: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Äugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.15 bis 18: Konzert. 18.10: Lesestunde. 18.30: „Frauenwirken für gefährdete Mitschwestern". 18.50: „Wo uns der Schuh Drückt: V. Stenotypistinnen". 19.10: Schachstunde. 20: Der Gassenhauer, seine Psychologie und Faszinationskraft. 22 bis 22.30: Fried Stern erzählt seine Geschichten. Freitag, 30. August. 6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 12.15: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16 bis 16.45 Großer Preis von Baden. 16.45 bis 17.45: Haus- srauen-Aachmittag. 17.45 bis 18: Konzert. 18.10: Lesestunde. 18.30: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 18.50: Esperanto-Unterricht. 19.10: Stenographischer Fortbildungskursus. 19.30: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.50: Film-Wochenschau. 20: „Der Kammersänger". Komödie von Frank Wedekind. 22: Funkstille. Samstag, 31. August. 6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 10.40 bis 11.10: Schulfunk. 13.15: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.15 Md 18: Konzert. 18.10: Lesestunde. 18.30: Briefkasten. 18.40: Stunde des Arbeiters. 19: „Der Sternhimmel im September". 19.30: Die Macht des Schicksals. Oper in einem Vorspiel und drei Akten. Anschließend Tanzmusik. die Perle des Dilitales , ml. u 6300 Einwohner, beliebter Luftkurort u. Sommerfrische, Wochenendaufenthalt u. Ausflugsort, im waldreichen Bergland zwfsch. Westerwald u. Sauer» lapjh Sehenswürdigkeiten, Ruine und Gewölbe der Stammburg Wilhelm5 von Oranien. Wilhelmsturm m. oranisch. u. Altertumsmuseum. Neueingericfitete Jugendherberge. Gutgeleit mod. Hotels. Romant. Umgebung schöne Aussichtspunkte auf Westerwald und Rotbaargebirge, gute Auto» u. Bahnvcrblnd. Aus« kunft durch die Stadt Verkehrskommission. HERZ-NERVEN-UND GELENKLEIDEN.LÄHMUNGEN. RHEUMA. . ISCHIAS. FRAUENLEIDEN. D-ZUG SST ATlOfC BEOLIN-KOLN/DQESDEN-AMSTEPDAm - AUSKUNFT DUCXH OE 9APEVEPWALTUNG. Aus dem Amtsverkündigungsblati. * Dcvs Amtsverkündigungsblatt Ar. 60 vom 23. August enthält: Straßensperre. — Schweine- »wischenzählung. — Hauptkörungen 1929. — För- oerung der Musik- und Sprecherziehung in den Schulen Hessens. — Belehrung über Verhütung von Berkehrsunfällen. — Schulgesundheitspflege. — Tierschutzkalender für 1930. — Die Schrift „Hessen und seine Wirtschaft". — Dienstnachrichten. BarharossasM Gelnhausen Solsprudelbad Hotel und Pension Kurhaus inmitten des Kurparks. Konzerte. Vorzügliche Verpflegung. VollePension v.6 M.an. Autohalle. Auskunft durch Magistrat Schöffengericht Gießen. Gießen, 21. Aug. Dor dem Erweiterten Schöffengericht hatte sich heute der stellvertretende Gerichtsvollzieher B. von Laubach wegen Amtsunterschlagung zu verantworten. Der im wesentlichen geständige Angeklagte hat Geldbeträge im Gesamtbeträge von etwa 9000 Mk., die er in amtlicher Eigenschaft von Schuldnern erhalten hatte, nicht an die empfangsberechtigten Gläubiger abgeliesert, sondern für sich verwendet. Hm diese Veruntreuungen zu verdecken, hat er unrichtige Einträge in sein Dienstregister gemacht. So kam es, daß seine Verfehlungen bei den Revisionen nicht bemerkt werden konnten. Erst als ein Gläubiger, der von B. trotz mehrerer Mahnungen kein Geld erhielt, bei seinem Schuldner feststellte, daß dieser bereits an D. bezahlt hatte, kam der Stein ins Rollen. Das Gericht billigte dem Angeklagten in weitgehendem Maße mildernde Umstände zu und ließ es bei einer Gefängnis st rafe von einem Jahr bewenden. Schratte Sommertreudej Baden am Strand Graben Im Send Yon Westerlandl Sommerfrische Ruppertenrod (Oberh.) Angenehmer Erholungsaufenthalt in neuem Privathause mit Bad, allen Bequemlichkeiten IL guter Verpflegung. Pension 4.50 RM. Wochenende?.- KM. Anmeld. u. Ausk. b. Verkehrsb. Gießen. Mittenwald! ■ derhothslq^eqene Luftkurort d bavr Alper 'ir> 930,-H00m v KefchiwProip.Ourcnf -c5r NORDSEEINSEL BORKUM Prospekte durch die Badeverwaltung trägt zur Zeit 67; sie übersteigt somit die durch Erlaß des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildung vorgeschriebene Höchstzahl von 60 Kindern für eine Schulstelle. Da in den nächsten Jahren ein weiteres Anwachsen der Schülerzahl zu erwarten ist, fordert die Regierung die Einrichtung einer zweiten Schul st elle. Der Gemeinderat befaßte sich in seiner jüngsten Sitzung mit dieser Angelegenheit und beschloß, sich grundsätzlich mit der Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle einverstanden zu erklären, jedoch unter der Bedingung, daß der Gemeinde zur Aufbringung der hierdurch entstehenden höheren Schullasten ein namhafter Zuschuß aus staatlichen Mitteln bewilligt wird. Die Gemeinde ist nicht in der Lage, die erhöhten Schullasten aus eigenen Mitteln aufzubringen, weil sie bereits auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen und die Gewerbesteuer eine Umlage von 300 Prozent erhebt und außerdem mit einer größeren Schul- idensumme belastet ist. — Die Ausführung der restlichen Arbeiten an dem am Dorfausgange nach Hochelheim neu angelegten Friedhof, insbesondere die Herstellung eines entsprechenden Einganges wurde dem Bauunternehmer Zöller von hier, welcher auf eine öffentliche Ausschreibung hin Wenigstfordernder war, zu seinem Angebot übertragen. <> Aus dem Kreise Wetzlar, 23. Aug. Weil in diesem Jahre der Bezirksausschuß in Koblenz einen besonderen Beschluß über den Aufgang der Rebhühnerjagd nicht gefaßt hat, bestehen in Iägerkreisen vielfach Zweifel darüber, wann diese Jagd im Kreise Wetzlar aufgeht. Wie uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, beginnt die Jagd auf Rebhühner am i. September und endigt mit dem 31. Oktober. Die Jagdzeit für Rehböcke endigt mit dem 31. Oktober. Weibliches Rehwild darf nur in der Zeit vom 1. bis 31. Dezember geschossen werden, und Hasen nur in der Zeit vom 1. November bis 15. Januar. -6- Aus dem Kreise Wetzlar, 23. Aug. In den Gemarkungen unseres Kreises wird gegenwärtig das erste Frühobst geerntet. Wegen der starken Trockenheit im Sommer sind die Früchte etwas kleiner geblieben, dagegen ist die Qualität des diesjährigen Obstes vorzüglich, wenn auch die Quantität teilweise hinter den vorjährigen Erträgen zurückbleibt. Die Spätobsternte kann in unserer Gegend nur als Mittelernte angesprochen werden. Die Apfelbäume zeigen im allgemeinen einen befriedigenden Behang;-ebenso tragen auch die Birnbäume, insbesondere lokale Sorten, gut. Die Erträge der Zwetschenbäume scheinen verschieden auszufallen, im ganzen ist festzustellen, daß der anfänglich gute Ansatz durch die fehlende Feuchtigkeit sehr beeinträchtigt wurde. — Wie man jetzt allenthalben hört, ist der durch den Hagel- schlag am Sonntag in den südöstlichen Gemarkungen entstandene Schaden wesentlich höher als zuerst angenommen wurde. Bei der glücklicherweise nur noch vereinzelt auf dem Halm stehenden Sommerfrucht ist auf eine Körnerernte nicht mehr zu rechnen, da der Hagel die Körner ausgeschlagen hat. Auch bei den strichweise um» gestürzten Getreidehaufen ist der Körnerverlust durch das Aufschlagen der Garben beträchtlich. In fast allen Obstbaumanlagen wurden durch den heftigen Wirbelwind Bäume umgerissen und große Aeste abgebrochen, auch haben die Obst- baumbesiher durch das massenweise Herunterfallen frühreifer Obstsorten Schaden erlitten. Die beste Kernseife Schont die Wäsche Spart Zelt und Geld Nichts kann bei Wäsche Kernseife ersehen. Alle Seifenpulver, alle Waschmittel enthalten deshalb Seife, jedoch wesentlich weniger. Starkenburg. WSN. Griesheim, 23. Aug. Der Gemeindem t befaßte sich in seiner Sitzug mit der Klagcerhebung gegen die Hessische Eisenbahn-A.-G. (heag) in Darmstadt und stimmte der Klage zu. Differenzen, die wegen der Abrechnung von Zusatzfahrscheinen und einiger anderer Vertragsbestimmungen entstanden sind, sollen nach längeren ergebnislosen Berhandlungen aus dem gerichtlichen Wege beigelegt werden. erfüllt alle Ihre Erholungswünsche. HjreFreunde werden es bestätigen. Bitte lassen Sie sich im Reisebüro unser neues Faltblatt gehen. Ausführliche Bilder- Kui^chrift schickt aufV4erlangen d.Badeverwaltung Nordseebad Westerland. Große Strafkammer Gießen. Gießen, 20. August. Ein verheirateter Mann und Vater einer großen Zahl von Kindern war durch das hiesige Schöffengericht wegen eines versuchten Sittlichkeitsoerbrechens zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die von ihm gegen dieses Urteil verfolgte Berufung wurde jetzt kostenfällig verworfen. Auch diesmal fand die flanke Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlichkeit unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Wie sich aus der öffentlichen Urteilsbegründung ergab, hatte er unter großer Dreistigkeit versucht, ein ihm bekanntes geisteskrankes Mädchen zu mißbrauchen. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.15 bis 18: Konzert. 18.30: „Lieber Grotzplanungsfragen". 18.40: Stunde der Landwirtschaftskammer Kassel. 19: „Blutgruppen", Dortrag von Stadtarzt Dr. Meyer. 19.20: „Die geplante Zeppelin-Polarexpe- dition 1930“, Bortrag von Dr. Max Grotewahl. 19.40: „Heizungsfragen“. 20: Konzert. 21: Von Salzburg: Serenade. 22 bis 23: Im Lande des Tango. Mittwoch, 28. August. 6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 10.40 bis 11.10: Schulfunk. 13.15: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stund« der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauen- dienst. 16.15 bis 18: Konzert. 18.10: Dücher- stunde. 18.45: „Die Geschichte einer deutschen Dürgerfamilie", Vortrag von Julius Bab. 19.05: Französische Literaturproben. 19.20: Französischer Sprachunterricht. 19.45: Senckenberg-Viertel- Rundfunkprogramm. Sonntag, 25. August. 7: Hafenkonzert. 7.05: Hamburger Morgenruf. Anschließend: Konzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier. 11: Elternstunde. 11.30 bis 12.45: Vom Tannenberger Rationaldenkmal in Hohenstein: „Helden-Gedenkfeier“. 13 bis 13.10: Zehnminutendienst der Landwirtschastskammer Wiesbaden. 13.10: „Mittagsständchen“. 14.30: Stunde des Chorgesangs. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Stunde des Landes. 17.30 bis 19: Konzert. 19 bis 19.30: Reisebericht von Oberstudiendirektor Dr. Oehlert. 20: Sportnachrichten. 20.30: Konzert. Anschließend Tanzmusik. Montag, 26. August. 6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 12.30: „Edith Lorand". 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. 16.15 bis 18: Konzert. 16.10: Lese stunde. 18.30: „Zehn Minuten Vorschläge für den Gartenfreund“. 18.40: Vortrag von Pfarrer Taesler. 19: „Jntelligenzprüfung il: Mitteilung der Ergebnisse“. 19.20: Englische Literaturproben. 19.35: Englischer Sprachunterricht. 20: Kammermusik an zwei Klavieren. Wanderfahrten. Hungen — Aorsthaus Glaubzahl — Bad Salzhausen — Ridda. Wir fahren mit Sonntagskarte Ridda nach Hungen, durchschreiten die Stadt und gehen, zunächst ohne Markierung, am Hof Graß vorbei durch das idyllisch gelegene Rodheim a. d. Horloff nach dem am Eingang des Waldes gelegenen Forsthaus Glaubzahl (Wirtschaft). Auf gut gepflegten Waldwegen folgen wir zuerst weißen Kreuzen, später roten Kreuzen über den Rabenstein, von dem man einen überraschenden Blick auf den gesamten Vogelsberg hat, nach Bad Salzhausen. Rach gebührender Besichtigung des Kurhauses sowie der schönen Garten- und Quellenanlagen wandern wir über einen aussichtsreichen Höhenrücken nach unserem Endziel Ridda. Wanderzeit ungefähr 4 Stunden. Duhbach — Dodenrod — Maibach — Fauerbach — Ostheim. Vom Bahnhof Butzbach (Sonntagskarte) leiten uns rote Striche durch schöne Waldungen^ über Hausen nach dem hochgelegenen sauberen Taunusdörfchen Bodenrod mit zwei guten Gasthäusern. Wir gehen nun dem Zeichen nach weiter durch die sog. Maibacher Schweiz nach Maibach und von hier ohne Markierung auf fester Straße zu dem schön gelegenen Jagdhaus Hubertus (gute Einkehr). Um nunmehr die Landstraße zu vermeiden, schlagen wir einige hundert Meter hinter dem Jagdhaus einen Waldweg nach links ein, der mit einem schwarzen Strich bezeichnet ist, und gelangen in ein schönes Tälchen, dem wir bis Münster folgen, -lieber das nahe gelegene Fauerbach erreichen wir auf guter Landstraße unser Endziel Ostheim. Dauer der Wanderung 5 Stunden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 25. August. 13. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrassistent Schlaudraff; zu« 0 Christenlehre für die Neukonfirmierten der häusgemeinde; 9.30: Pfarrer Becker; feierliche Eröffnung des Konfirmandcnuntcrrichts der Mar- kusgemeinde: 11: Kinderkirche für die Markus- gemeinde; Pfarrer Becker. — Johanneskirche. 8f Pfarrer Bechtolsheimer, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9..§0: Pfarrer Ausfeld; zugleich Militärgottesdienst; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannes- gemeinde; 11: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde- Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Lic. IBaas. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Luthergemeinde; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde. — Llisabeth-Klein- kinderschule. 8.30: Pfarrer Eie. Waas; feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Petrus« gemeinde; 9.45: Pfarrer Eie. Waas; 10.45: Kinder« kirche für die Petrusgemeinde. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; 10: Kindergottesdienst. — wieseck. 9.30: Opfer für kirchliche Jugendarbeit. Atten- Duseck. 9.45: Pfarrer Staubach, Watzenborn. — Kirchberg. 10: Kirchberg; feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts; Kollekte; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend; 1.30: Mainzlar. — Hausen- Garbenteich. Gottesdienst zur Eröffnung des Konfir« mandenunterrichts. 10: Haufen; Christenlehre; 1? Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 1.30: Hauptgottesdienst; anschließend Christenlehre (Kollekte). —» Lich. (Kollekte für die kirchliche Jugendarbeit.) 9.30: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Äindergottesdienst; 2: Stiftsdechant Kahn; Einführung der Konfirmanden und Gottesdienst für die konfirmierte Jugend. — Tlieber-Beffingen. 9.30: Missionar Walther; Christenlehre; Kollekte für die kirchliche Jugendarbeit. katholische Gemeinden. Samstag, den 24. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 25. August. 14. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grün- berg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich? 7.30: Messe, Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. Tlnlaal Höhen-Luftkurort II UW im württ, Schwarzwald. 720 m ü. ■ViV'wr» d.M.,zwisch.Wildbad u.Baden-Baden in schön., ruhig.Lage, inmitten herrl. Tannenhochwald mit prächt. Fernsicht, Höhensonne. Heilkr. 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Aus den Berichten der serbischen Gesandten an ihr Ministerium ging hervor, das; sämtliche Entente- ftaaten und Italien die Entstehung des Bündnisses begünstigt und feine offensiven Absichten geschürt hatten, ohne damit einen sofortigen Krieg Hervorrufen zu wollen. Rußland insbesondere wünschte noch einige Zähre Frieden, um seine Rüstungen vollenden und den längst geplanten Krieg gegen die Mittelmächte und die Pforte zugleich in voller Stärke aufnehmen zu können. Es ergab sich so ein natürlicher Interessengegensatz zwischen Rußland und den Balkanstaaten, die nach Abschluß des Bundes den Kampf gegen die Pforte beschleunigen wollten, und, wie bekannt, trug es die Rücksichtslosigkeit der Bulgaren und Serben davon: trotz aller Abmahnungen Rußlands schritten sie im Jahre 1912 zur Eroberung Mazedoniens. Jetzt erfahren wir nun aus der Fortsetzung dieser Publilation (Boghitschewitsch, Diploma- tische Geheimakten aus russischen, montenegrinischen und sonstigen Archiven) noch manche Einzelheiten über diese Verhältnisse. Sie bringt vor allem zahlreiche Berichte des russischen Gesandten Hartwig in Belgrad an Sas 0 n 0 ff, den russischen Minister des Auswärtigen, seit dem Jahre 1910 und vertieft damit unsere Kenntnis über die Entstehung und Bedeutung des Balkanbundes. Hartwig war einer der führenden panslawistischen Agitatoren in der russischen öffentlichen Meinung — er wolle durch seinen nationalen Radikalismus seine deutsche Abkunft in Vergessenheit bringen, hat einmal Sasonoff von ihm gesagt — und stand in den engsten Beziehungen zur serbischen Regierung, die ihn bei jeder wichtigen Entscheidung zu Rate zog. Selbst eine Ministerkrisis, in der Positsch vor einer militärischen Opposition das Feld räumen wollte, wurde einmal Anfang 1914 auf fein Verlangen vermieden. Hartwigs Ziel war, wie er in vielen Berichten ausspricht, die Verwirklichung der „jahrhundertealten russischen historischen Aufgabe: festen Fuß zu fassen an den Ufern des Bosporus, dem Eingangstor des russischen Sees" und Verteilung des übrigen türkischen Besitzes auf der Balkanhalbinsel unter die slawischen Balkanvölker. um sie dauernd an'Rußland zu fesseln und so eine unwiderstehliche slawische Macht zu gründen. Da auch der Zar seit 1909 in intimen Aussprachen den Kampf des Slawentums gegen das Germanentum als die Aufgabe der Zukunft bezeichnete, stimmte er also mit den maßgebenden Petersburger Stellen durchaus zusammen. Eine ähnliche Rolle wie Hartwig in Belgrad suchte der Gesandte R e k l j u d 0 w in Sofia zu spielen, nur war die bulgarische Regierung weit selbständiger als die serbische und räumte ihm niemals einen so weitgehenden Einfluß ein. Es war. wie angedeutet, eine recht komplizierte Politik, die Sasonoff und Rikolaus ll. ergriffen hatten: einmal Anstachelung der bulgarischen und serbischen Begehrlichkeit nach dem Besitz türkischen und österreichisch-ungarischen Gebietes. andererseits Zügelung dieser Eroberungslust. bis sie das Signal zum Kampfe geben konnten. Es ist nun von Interesse, zu sehen, wie die russische Regierung diele doppelseitige Politik verfolgte, und wie sie daran gescheitert ist. Zunächst tritt ein Mangel an innerer Heber» einftimmung zwischen den verschiedenen russischen Diplomaten und an straffer Oberleitung durch das Ministerium des Auswärtigen zutage. Einig waren allerdings alle in dem Endziel der Eroberung Konstantinopels und der Vorherrschaft auf dem Balkan, aber über die Wege dorthin gingen die Meinungen auseinander. So vertrat z. B. der Botschafter Tscharykow in Konstantinopel 1910 und 1911 die Anschauung, daß Rußland, da es augenblicklich den großen Weltkampf noch nicht führen könne, einstweilen einen allgemeinen Balkanbund unter Einschluß der Türkei zustande bringen müsse, um auf diese Weise den Frieden und den bestehenden Zustand auf der Balkanhalbinsel am sichersten so lange zu erhalten, als die russische Politik für gut halte. Hartwig war außer sich über diese Idee. Eine solche Föderation, schrieb er, werde nur zur Stärkung der Türei beitragen und folglich den russischen Interessen schaden, außerdem werde der Versuch, einen solchen Bund zu stiften. die Balkanslawen mißtrauisch gegen die russische Regierung machen und sofort wieder das alte Mißtrauen zwischen Serben und Bulgaren erwecken. Die Aussicht, gemeinsam türkisches Gebiet erobern zu können, habe die beiden rivalisierenden Rachbarn angenähert: ein solcher Bund, der doch den Türken auf lange hinaus ihren Länderbestand garantieren müsse, werde sie wieder auseinanderbringen. Die Petersburger Regierung war nicht imstande, sogleich die Tätigkeit ihrer Diplomaten in Einklang zu bringen, Tscharykow hat daher versucht, seine Idee durchzusetzen, und wie Hartwig richtig gesehen hatte, dem serbisch-bulgarischen Bündnis manche Hindernisse bereitet. Schließlich erwies sich der allgemeine Balkanbund als unmöglich, und Hartwigs Politik des serbisch-bulgarischen Bündnisses trug den Sieg davon. Ein anderer Mangel der russischen Politik war die falsche Einschätzung der Stimmung unter den Balkanvölkern. Hartwig wie Rekljudow waren überzeugt, es werde gelingen, die Balkanstaaten zur friedlichen Politik gegen die Pforte zu bestimmen. Weder Serbien noch Bulgarien, schrieb Hartwig während der Vorbereitung des Bündnisses (Rov. 1911) beabsichtigten „das Bündnis zu speziell aggressiven Zwecken zu verwenden" und nach Abschluß der Allianz wiederholte er die Versicherung: Serbien werde gegen den Willen Rußlands nie etwas Kriegerisches unternehmen, solange der Friede am Balkan nicht von anderer Seite, d. h. von Oesterreich oder von der Türkei, gestört werde. Dasselbe behauptete Rekljudow von Bulgarien, und als sich nach einiger Zeit Griechenland dem serbisch-bulgarischen Bündnis anschloß, meinte er, jetzt werde die alte Eifersucht zwischen Griechenland und Bulgarien jede etwaige Absicht einer gemeinsamen Aktion vereiteln (Juni 1912). Ein Vierteljahr darauf brachen die Bundesgenossen den Krieg gegen die Pforte vom Zaun, und Rußland blieb nichts anderes übrig, als ihr Vorgehen zu dulden und sich mit der veränderten politischen Lage abzusinden: die panslawistische Strömung, die die öfsentliche Meinung beherrschte, war begeistert durch die Erhebung der Stammesgenossen am Balkan und hätte nie geduldet, daß die Regierung einen ernstlichen Versuch machte, die ungehorsamen Balkanvasallen zur Ruhe zu zwingen. Heber die Stellung der übrigen großen Mächte zu dem Balkanbunde und den Dalkanwirren der Dämonen der Zeit. ZRomcin von Arthur Brausewetter. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Klaus bemerkte es nicht. Ein Wohlbehagen erfüllte ihn, wie er es lange nicht gekannt hatte. Hier in dieser Gesellschaft harmlos froher Menschen begannen alle Sorgen und Widerwärtigkeiten, die ihn in der letzten Zeit oft genug gedrückt hatten, zu weichen. Die Welt lag wieder in rosigem Lichte vor ihm. Ein neuer Mut erfüllte ihn, den Kampf mit dem Leben aufzunehmen und seinen Mann in ihm zu stellen. Inzwischen war es Zeit geworden, in das Licht- fpiel zu gehen. Rach der Vorstellung besuchte man das Cafö des Deutschen Hauses, saß mit einer Tasse Schokolade an einem der kleinen, auf die Straße gestellten Tische und vergnügte sich an den Vorübergehenden. Da Fräulein Heimßen und Herr Pintscher in dem neuen Stadtteile zu Hause waren, trennte man sich, und Klaus und die kleine Fink gingen allein ihren Wohnungen zu. Sie waren in die Jopengasse eingebogen. Dlant und klar stand der Mond am dunkelblauen Himmel und umschmiegte den Koloß von St. Marien, zu dessen Füßen die kleinen Häuser in dunkel verschwommenen Linien wie Kinderspielwerk sich kuschelten. Eine kurze Weile gingen sie noch vor. ihrem Hause auf und nieder, denn die Rächt war zu schön, um sich leichten Herzens von ihr zu trennen. Mit einem kurzen Händedruck trennten sie sich endlich. „Ra, nun wird's Wohl bald genug sein dieser Herz und Hirn einrostenden Federklauberei", sagte eines Rachmittags der Oberst, als er eben in das Kontor gekommen und an Klaus Körbers Pult getreten war. „Ein richtiger Holz- Kaufmann lebt schließlich nicht von englischen Korrespondenzen allein, er muß auch für das Praktische einen Blick haben. Ich glaube wahrhaftig, Sie sind noch mit keinem Schritt in unseren Sägewerken, geschweige denn auf unseren Holzfeldern gewesen. Legen Sie Ihre Schreibereien beiseite und fahren Sie mit mir hinaus: ich habe draußen zu tun.“ -Herr Faßbender wollte diese Briefe noch bis zum Abend vorgelegt haben." Hoch wölbten sich die buschigen Brauen. Ein Blitz schoß unter ihnen hervor, zuckte über die ausgebreiteten Papiere. „Zum Teufel auch! Wenn ich Sie auffordere, werde ich wohl auch die Verantwortung tragen. Packen Sie Ihren Kram zusammen! Das Auto steht vor der Tür und lärm nicht warten." Tas war der alte Herrscherton wieder, wie er ihn früher so oft vernommen, der alte Regimentskommandeur war es, der befahl und für den es einen Widerspruch nicht gab — Klaus wußte es und wagte ihn nicht länger. In gemäßigter Fahrt bewegte sich das Auto über die beiden Brücken zum ßanggartertor. Als es aber dies hinter sich hatte, verstärkte es seine Geschwindigkeit und flog durch den weit und fruchtbar sich öffnenden Werder. Von der hochgelegenen Chausee sah man über die rauschende Hnendlichkeit der Felder, auf denen die grüngrauen Aehren wie Lanzen standen, hier und da schon den gelblichen -Unterton der Reife zeigend. Auf fetten Triften weidete das Vieh, und von den Koppeln drang das Helle Wiehern der Pferde, die in ausgelassenen Sprüngen hin und her tollten, als freuten sie sich ihrer Freiheit und des lachenden Junitages. Hnd über alledem gleißte in der stolzen Ruhe ihrer Schönheit und Kraft die langsam zum Westen sich neigende Sonne und breitete segnend die Hände über diese Welt des Wachsens -und Gedeihens. Schweigend hatten die beiden Männer eine ganze Weile nebeneinander gesessen. Je weiter sie jedoch in die Frische und Freiheit der Statur hineinfuhren, um so mehr war Klaus zumute, als taute sein Rachbar von der Starre auf, die ihn solange gefangen gehalten, : als breitete sich die mächtig gewölbte Brust und wichen die Schatten von den früher so klaren, jetzt meist so trübe verschleierten Augen. „Das ist das einzige, was uns geblieben," sagte er, auf das blühende Bild unter ihm weisend, „aber auch,das Beste. Alle Weisheit des Lebens und seine ganze Philosophie liegt schließlich in der Statur. Sie ist ganz konservativ und stets im Werden, ist immer alt und neu zugleich, deshalb ist f ie das einzige, was Trost und Kraft verleiht ... mir wenigstens." Sie waren bei den Sägewerken angelangt, die, nicht unweit vom „Siegeskranze", zwischen der Straße und dem Wasser errichtet waren und mit ihrem ohrenbetäubenden Kreischen, Aech° zen und Bohren schrille Mißtöne in die Stille des feiernden Sommernachmittags zu bringen schienen. „Aber auch das ist mir liebe Musik," meinte der Oberst, indem er mit Klaus die rohgezimmerten Räume durchschritt, „denn es singt das hohe Lied der Arbeit, nicht der Federfuchserei und Geldklauberei, die mir beide zuwider sind. Sondern der krafterfüllten Arbeit der Maschinen und Menschenhände." Jetzt wanderten sie durch Juc unmittelbar sich anschließenden, weit sich hindehnenden Holzfelder und Schnittholzlager und begaben sich von dort auf die endlose Weite sich verlierender Flöße, die. in rötlich-braunem Kupferglanze sich sonnend, auf der Weichsel schwammen. Jahre 1912 und 1913 erfahren wir aus den Akten dieses Bandes wenig Reues von Bedeutung, nur über die französische Politik sind einige Rotizen von besonderem Werte. Rach dem Weltkrieg hat bekanntlich P 0 i n c a r e in mehreren Reden und in seinen Denkwürdigkeiten mit Entrüstung bestritten, daß die französische Regierung irgendeine Kenntnis von den Machenschaften am Balkan gehabt habe: sie sei vielmehr durch den Slb- schluß des den Frieden gefährdenden Bundes sehr unliebsam überrascht worden. Demgegenüber hatte der erste Band schon gelehrt, daß die serbische Regierung die französische von ihrer STb- sicht, mit Bulgarien ein Bündnis für alle möglichen Eventualitäten zu schließen, unterrichtet hat, und jetzt erfahren wir gar aus einem Berichte Hartwigs, daß der Serbenkönig bei einem Besuche in Paris im Rovember 1911 mit den maßgebenden Ministern ein Gespräch über den kommenden serbisch-bulgarischen Bund gehabt und dabei die lebhaftesten Sympathien gesunden hat: „Frankreich," heißt es u. a., „ist in völliger Hebereinstimmung mit Rußland bereit, in jeder Beziehung zwecks Realisierung der nationalen Aufgaben Serbiens mitzuwirken". Daß diese nationalen Aufgaben Serbiens sich nicht allein gegen die Pforte, sondern auch gegen Oesterreich richteten, war in Paris nicht unbekannt: seit Jahren war ja davon die Rede, und um dieselbe Zeit schrieb der fron» zösische Geschäftsträger in Wien seiner Regierung ganz unbefangen von den Jntriguen des russischen Gesandten in Belgrad, die die serbischen Hnteitancn des Kaisers Franz Josef zur Rebellion zu treiben geeignet seien. Man wußte also in Paris damals wie 1914 genau, d.iß Oesterreich- ilngarn sich in Rotwehr gegen Serbien und Rußland befand: für die Beurteilung der Wahrheitsliebe des modernen französischen Rationalhelden wie zur gerechten Verteilung der Schuld und Hnschuld an den Ereignissen, die zum Weltkriege geführt haben, find also auch diese Zeu-i- nisse von grundlegendem Wert. Wirischast. Vom deutschen Außenhandel. Der Einfuhrüberschuß beträgt im Monat Juli 130 Mill. Mk., nachdem im Vormonat sich Ein- und Ausfuhr das Gleichgewicht gehalten hatten und sogar noch ein kleiner Ausfuhrüberschuß von 2 Mill. Mk. sich ergab. Rechner man die Reparationssachlieserungen, für die bekanntlich ein Gegenwert nach Deutschland nicht hereinkommt, nicht zu den übrigen Ausfuhrziffern hinzu, so erhöht sich der Einfuhrüberschuß sogar auf 200 Mill. Mk. Diese Verschlechterung in den Ziffern des Außenhandels könnte zunächst auch eine verschlechterte Beurteilung der Außenhandelsentwicklung berechtigt erscheinen lassen. Aber das ist nicht der Fall. Die Verschlechterung der Ziffern beruht auf einer Steigerung der Cinsuhrziffern* die im wesentlichen zolltechnisch bedingt ist durch die üblichen scmester» bzw. quartalsmäßig erfolgenden Zollabrechnungen im Riederlageverkehr. Hauptsächlich werden von diesen Zollabrechnun- gen Kaffee, Tee, Kakao und Mineral- o l e betroffen, Waren, deren Cinfuhrerhöhung im Juli allein, einen Betrag von rund 71 Mill. Mark ausmacht. Außerdem unterliegen auch Rohstoffe der späteren Zollabrechnung, auf sie entfällt ein Betrag von 28 Mill. Mk. im Juli. Wenn man also diese beiden Summen abseht, so ergibt sich eine Verminderung des Einfuhrüberschusses auf 30 Mill. Mk. Bei dieser Summe ist noch zu berücksichtigen, daß sich bis zum Inkrafttreten der neuen Getreide- zölle die Getreideimvorte gehäuft haben, so daß also alles in allem genommen sich, wenn man die genannten Beträge abzieht, ein Ausgleich zwischen Ein- und Slussuhr ergeben würde. Daß sich die Entwicklung des Stuften- Handels nicht ungünstiger gestaltet hat, geht vor allem aus der nicht unbeträchtlichen Steigerung der Fertigwarenausfuhr hervor, an der die wichtigsten Cxvortindustrien beteiligt sind. Für die ersten sieben Monate des laufenden Jahres ergibt sich eine Passivität des deutschen Außenhandels von über 400 Milt. Ml., was gegenüber zur gleichen Zeit des Vorjahres (1,5 Milliarden Mk. Passivität) eine erhebliche Besserung bedeutet, um so mehr, als sie auf die Steigerung der Ausfuhr, insbesondere der Fertigwarenausfuhr. zurückzuführen ist. Die Entwicklung des deutschen Auftenhandels ist überhaupt seit Beginn des Jahres recht gleichmäßig gewesen, und man kann wohl annehmen, daß sie es bleiben wird, abgesehen von den saison- Hnd nun war der Alte ganz in seinem Elemente. Wie ein Feldherr, mit aufrecht erhobenem Haupte und einem das Rahe wie das Ferne mit gleicher Sicherheit umfassenden Blicke, schritt er durch sein Gebiet. Alles, was er anfaßte oder anordnete, zeigte sein praktisches Geschick und seine organisatorische Fähigkeit. Hnd Klaus ertappte sich darauf, daß er wieder mit Leib und Seele im Banne dieses Mannes war, wie in früheren, schöneren Jahren. „Heute hat er seinen Regimentsabend," sagte am nächsten Morgen die kleine Fink zu ihm, als er ihr von seiner Fahrt mit dem Oberst in die Sägewerke und Holzfelder erzählte, „dann kommt er den nächsten Tag überhaupt nicht ins Kontor, nicht einmal am Rachmittag." Zu Mittag hatte Klaus eine Einladung von Frau Reichenbach erhalten. Diesmal erschien der Hausherr ganz pünktlich zur festgesetzten Stunde an der Tafel. Aber er saß übernächtig und wortkarg, oft ein Gähnen unterdrückend, auf seinem Stuhle und überließ seinen Damen die Hnterhaltung mit dem Gaste. Doch bevor er sich zur gewohnten Rachmittagsruhe auf sein Zimmer begab, trat er an Klaus Heran, nahm ihn in einen Winkel des Eßsaales und sagte schnell und leise, als wollte er nicht, daß die anderen es hörten: „Heute abend um acht Hhr treffe ich mich mit einigen Regimentskameraden im Ratskeller. Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, dann kommen Sie doch auf eine Stunde heran. Sie werden alte Bekannte wiederfinden." „Sie werden mitgehen?" fragte Edith, nachdem der Vater das Zimmer verlassen und die Mutter sich ihren Hausgeschäften gewidmet hatte. „Sie hörten, daß er mich einlud?" „Ich hörte es nicht, aber als er heute wider seine Gewohnheit bei Tische erschien und Sie dann beiseite nahm, wußte ich. um was es sich handelte. Er muß Ihrer Liebe sehr sicher sein, dach er sie auf solche Probe stellt." „Auf solche Probe?" Eine innere Bewegung arbeitete in ihr, ließ sie nicht gleich die Antwort finden. „Run ja," sagte sie schließlich, „daß ... Sie ihn in einem Zustande sehen werden, in dem ich ihn niemals sehen könnte .... das weiß er doch ganz genau." „Vielleicht wirkt meine Gegenwart auf ihn. Es wäre ihm früher unmöglich gewesen, sich vor mir eine Blöße zu geben." Ein verlorenes Lächeln flatterte um ihre reifen Lippen. „Er gibt sich auch keine Blöße." Eine Pause trat in ihrem Gespräch ein, lastete schwer und drückend auf ihnen beiden. mäßigen Einflüssen, die sich in jedem Jahre einzustellen pflegen. So erfreulich an sich eine solche Entwicklung ist, so sind wir doch weit entfernt davon, einen so großen Ausfuhrüberschuß zu erzielen, daß aus seinen Einnahmen die R e * parationsverpslichtungen gedeckt werden können. Rur durch eine Steigerung der Ausfuhr werden Devisen verdient und geschaffen, es genügt also nicht eine Verminderung her (Sin- suhr, die nur Devisen erspart, aber nicht schafft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. In der letzten Woche zeichnete sich die Börse! durch eine immer mehr um sich greifende Hn - s i ch e r h e i t aus. Dies wurde vor allem durch die katastrophalen Vorgänge bei der Frankfurter Allgemeine nDersicherungs- A. - G. hervorgerufen. Der Zusammenbruch dieses Hnternehmens, der durch Geschäfte von saft zweifelhafter Art hervorgerufen wurde, löste in gewissem Sinne eine Panik aus, die immer mehr um sich griff, als die Tragweite der Verluste bekannt wurde. Vielfach werden aus dieser Situation bedenkliche Rachwirlungen auf die gesamte deutsche Wirtschaftslage erwartet, da doch der Zusammenbruch eines solchen Hnternehmens, dem in jeder Beziehung das größte Vertrauen entgegengebracht wurde, erschreckend wirken muß, und einen ungünstigen Einfluß auf das Ausland ausüben wird. Die Börse wurde in der ganzen Woche hindurch fast nur von diesem Faktor bestimmt und beeinflußt. Die übrigen Momente traten ganz in den Hintergrund, sogar die sonst mit Eifer verfolgten Verhandlungen der Haager Konferenz wurden kaum mit einem Worte gestreift. Selbstverständlich blieb die ernste Situation im Haag doch nicht ganz ohne Einfluß, vielmehr verschlechterte sich die Stimmung auch schon aus diesem Grunde. Die Verluste hätten aber niemals diesen Umfang annehmen: können, wenn die Vorfälle bei der Frankfurter Allgemeinen der Börse erspart geblieben wären. Zu Anfang der Woche sank dieses Papier von etwa 900 RM. auf 840 RM., doch beruhigten sich die interessierten Kreise bald wieder, da die Verwaltung ein „Beschwichtigungs-Kommunique" herausgab. Man tonnte sich aber nicht erklären, daß durch die Slufgabc eines Versicherungszweiges (Automobilverjicherung) ein solcher Verlust entstehen könnte. Man traute dem Frieden nicht mehr, sondern z:igte sich sehr mißtrauisch, und bald kam der wahre Grund zutage, der schon in der Presse ausführlich „Ich habe gestern mit Ihrem Herrn Vater eine Fahrt in die Sägewerke und Holzfelder gemacht," sagte er dann, ,,ich habe ihn dort wirken und anordnen gesehen, als wäre er von seiner ersten Jugend an in dieser Arbeit groß geworden und mit ihren kleinsten Obliegenheiten vertraut ... ich habe mit ihm Gespräche geführt wie in alter Zeit und aufs neue einen Einblick in sein Inneres getan. Hnd wieder habe ich mir gesagt, wie früher so manchesmal: Welch ein ganzer, welch ein prachtvoller Mann!" 3f)r Auge blickte zu ihm auf, leuchtete ihm warm und dankbar entgegen. „Sehen Sie... das sage ich mir auch." „Hnö wenn ich Ihren Vater auch heute sehen sollte, wie Sie meinen, ihn niemals sehen zu können... die alte Liebe würde es nie ertöten. Die ist zu tief gewurzelt. Ich würde mir sagen: es liegt in der Zeit, dieser von Tollheiten und Gärungen überladenen Zeit, die auch in den bis dahin normalen Raturen irgendetwas Abnormes ausbrütet. Hnö insbesondere in solchen, die unter ihr leiden, sie nicht zu ertragen vermögen und nun nach einer Art von Betäubung suchen, um nicht an ihr zugrunde zu gehen... der eine auf diese, der andere auf jene Weise." „Es ist sehr freundlich und nachsichtig von Ihnen, eine solche Rechtfertigung zu finden." „Weder freundlich noch nachsichtig. Ich habe vielleicht ein wenig auch für mich selber gesprochen." „Für Sie selber?" fragte sie voller Erstaunen. .„Ja, für mich selber. Weiß ich denn, was diese Zeit aus mir machen wird, welche Wege sie mich einmal führen wird? Oder meinen Sie etwa, daß ich mich auf geordneter Bahn befinde? Da wären Sie in einem großen Irrtum." „Sie haben sich aus Verhältnissen, die über Ihnen zusammenbrachen, tapfer herausgearbeitet haben mit Selbstverleugnung und Selbstüberwindung einen bescheidenen und gegen Ihre frühere Stellung untergeordneten Posten angenommen, nur, um im Kampf mit dem Leben nickst zu unterliegen — ja, glauben Sie, ich fühlte das alles mchst sehr gut und hätte Sie nicht manches Mal bewundert?" „Zur Bewunderung war wohl wenig Grund. Mir Blieb nichts anderes übrig, und ich muß Ihrem Vater dankbar sein, daß er mir diesen Hnterschlupf bot. Hnd doch fühle ich im 3nner- ften. aber nein... das kann ich Ihnen nicht sagen. tuii Sie es! Ich habe Ihnen vom ersten Augenblicke an mein Vertrauen geschenkt und Tinge mit Ihnen besprochen, die ich allen anderen auf das Aengstlichste verberge. So geben Sie mir auch das Ihre!" (Fortsetzung folgt.) geschildert wurde (waghalsige Abzahlungsgr- schäfte), und die Folge davon war eine noch nie dagewesene Tatsache und Kurseinbrüche in rascher Folge — ins Bodenlose: von 840 RM. ging die Quotierung auf etwa 400 DM., dann bis 100 RM. und sogar bis zu etwa 70 RM. Es kam beträchtliches Material heraus, das keine Unterkunft fand. Anfangs wurde eine Stützungsaktion von den Banken abgelehnt, da die Verluste zu enorm erschienen. Dann kam aber doch ein Stühungskonsortium zustande und die Aktien der Frankfurter Allgemeinen Versicherung konnten sich wieder auf 200 AM. erholen. Die Allianz übernahm die volle Garantie, doch war diesem Papier gegenüber das Vertrauen von allen Seiten erloschen, so daß sein erneuter Rückschlag eintrat. Für die Versicherten selbst besteht jedoch in keiner Beziehung eine Gefahr. Als nach tagelangen Verhandlungen die Reugründung der „Reuen Frankfurter Allgemeinen Versicherung" bekanntgegeben wurde, war erst jetzt eine Beruhigung der Lage zu verzeichnen. Die Stimmung wurde etwas zuversichtlicher, doch konnte sich in Rachwirkung der Affäre kein regeres Geschäft entwickeln. Die ernste Lage der Haager Konferenz fand wieder mehr Beachtung: man war besorgt um das Weiterverhandeln, da doch gerade hierdurch eine Klärung der politisch gespannten Lage und eine Besserung der ungünstigen deutschen Wirtschafts- Verhältnisse erwartet wurden. Gegen Ende der Woche verschlechterte sich die Lage wieder etwas, so daß die iUnterneh- mungslust weiter eingedämmt wurde. Die neueren Goldablüsse der Bank von England führten zu Glattstellungen. Stärker vernachlässigt lagen I. -- G. - F a r b e n im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten innerhalb der deutschen Viskose-Konvention. Doch änderte sich die Tendenz bald wieder, als man erfuhr, daß die Dank von England von einer Diskonterhöhung wiederum abgesehen hat. Die Börse zeigte wieder ein zuversichtlicheres Gepräge, und neuer Optimismus trat zutage. Bei einem Vergleich der Kurse gegenüber der vergangenen Woche gingen die Verluste durchschnittlich bis zu 5 Prozent. AEG.. Deutsche Linoleum, Aschersleben, Westeregeln, Schuf- k e r t und Zellstoff Waldhof gaben 1 bis 8 Prozent nach. Salzdetfurth und Glanz st offaktien hatten einen Spihenver- lust von je 11 Prozent. Etwas fester lagen von internationalen Werten Svenska. Reichsbank büßten 5 Prozent ein, doch wurde bis zum Wochenschluß dieser Rückgang fast wieder ausgeglichen. Am Montan markt traten nur ganz vereinzelte Abschwächungen ein. Das Geschäft war hier auch zumeist lebhafter. Anlaß hierzu boten die günstigen Arbeitsverhältnisse und die steigende Kohl enförderung im Ruhrgebiet. Harpener und M a n s f e l - der lagen bis 4 Prozent über dem Riveau der vorigen Woche. — Am Rentenmarkt war das Geschäft ruhig, größere Verluste traten nicht ein, für Deutsche Anleihen und auch Schutzgebiete trat etwas mehr Interesse hervor. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Auch in der vergangenen Woche war keine nennenswerte Belebung des Geschäftes festzustellen. Verschiedentlich lagen wohl höhere überseeische Rotierungen und auch einige Anregungen vor, doch konnte sich dies hier nur wenig auswirken, da die Händler eine große Zurückhaltung bekundeten. Das Angebot von Inlandware war zumeist sehr gering, trotzdem schritten die Interessenten nur im Bedarfsfälle zu einigen Abschlüssen. Auch die Provinz hielt im Angebot stark zurück. Die Grundstimmung war jedoch fast die ganze Woche hindurch nicht unfreundlich, denn die zumeist höheren Rotierungen des Auslandes stimmten etwas zuversichtlicher, aber am Preisniveau änderte sich wenig, vielmehr reagierte man auf schwache Auslandmeldungen, so daß bei einzelnen Getreidearten Abschwächungen eintraten. Das Mehlgeschäft lieh immer viel zu wünschen übrig und beeinflußte auch die anderen Märkte. Die Mühlen zeigten nur ganz geringe Aufnahmeneigung. Gegen Ende der Woche wurde die ^lnternehmungslust noch mehr eingedämmt, da die Schwankungen an den amerikanischen und Liverpooler Märkten deprimierten. Die Stimmung wurde daraufhin wieder lustlos. und die Besserungen, die im Laufe der Woche verschiedentlich erzielt wurden, gingen verloren. Das Geschäft in Auslandgetreide ging stark zurück, da infolge der ziemlich günstigen Ernte Inlandware genügend vorhanden war. Weizen neuer Ernte war anfangs der Woche etwas gesuchter. Auch Roggen trat vorübergehend etwas mehr hervor, bei etwäs höherem Preise. I n l. Hafer wurde in neuer und alter Qualität notiert, die Preise tagen aber gedrückt. Am Futtermittelmarkt war das Geschäft infolge des günstigen Wetters sehr ruhig. Rur Weizenkleie war gefragter und gebessert. In Erbsen und Linsen konnten auch im Laufe der Woche etwas mehr Llmsätze getätigt werden. Zum Wochenschluß neigte die Tendenz nach unten; denn die schwachen Auslandnotierungen drückten jetzt stärker auf die Stimmung. Es ergaben sich bei der geringen älnternehmungslust erneute Abschläge. Auch die anfänglich erzielten Gewinne gingen zumeist verloren. Besonders unter Druck lagen Mehle. Im Vergleich mit den Rotierungen der vergangenen Woche gaben Weizen, Roggen und Mais je 0,25 Mark nach. Weizenmehl verlor bis zu einer Mark. Hafer schloß die Woche mit einem Verlust von 0,50 Mark. Roggenkleie minus 0.75 Mark. W e i z e n k l e i e lag 0,25 Mark fester und Rogge n m e h l war gut behauptet. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviehmarkt. Das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt war auch in dieser Woche im großen und ganzen ziemlich ruhig und klein, nur am Rebenmarkte machte sich für Kälber und Schafe etwas regeres Interesse geltend. Das Geschäft in R i n - dem nahm weiter einen sehr ruhigen Verlauf bei meist etwas nachgebenden Preisen, woran wohl auch der größere Auftrieb nicht ganz schuldlos fein dürfte. Das angetriebene Vieh war mittlerer Qualität. Der Verkauf nach auswärts weiter stark. Der Markt konnte nicht ganz geräumt werden. Auch am Schweinemarkt war der Auftrieb erheblich stärker als in der Vorwoche. Das Interesse für Schweine scheint etwas nachgelassen zu haben, da in letzter Zeit das Geschäft sehr an Umfang eingebüht hat. Rach ruhigem Handel und nachgebenden Preisen verblieb geringer Ueberstand. Kälber hatten infolge des geringeren Auftriebs reges Geschäft zu verzeichnen. Rach flottem Handel und anziehenden Preisen wurde ausverkauft. Am Schaf- markt machte sich trotz größeren Auftriebes ver-mehrte Rachfrage bemerkbar. Ramentlich mittlere Mastlämmer und gut genährte Schafe waren stärker bevorzugt und konnten im Preise stärker anziehen, während sich für beste Weide- rnastfchafe weniger Interesse geltend machte; jedoch konnten auch hier die Preise etwas anziehen. Rach regem Geschäft wurde der Markt geräumt. — Der Gesamtauftrieb bestand aus 1849 Rindern, darunter befanden sich 295 Ochsen, 95 Bullen, 779 Kühe und 520 Färsen, ferner aus 1553 Kälbern, 279 Schafen und 4993 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 206 Rinder, 83 Schafe und 378 Schweine mehr angetrieben, während 127 Kälber weniger zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al 60 bis 62. A2 55 bis 59, Bl 50 bis 54; Bullen A 50 bis 54, B 49 bis 53; Kühe A 46 bis 49, B 41 bis 45, C 35 bis 40, D 30 bis 34; Färsen A 60 bis 52, B 55 bis 59, C 50 bis 54; Kälber B 76 bis 80. C 70 bis 75, D 64 bis 69; Schafe A 1 55 bis 59, B 45 bis 54; Schweine B 86 bis 89, C 87 bis 90. D 86 bis 89, E 84 bis 87. Im Vergleich mit den Preisen der letzten Woche gaben Rinder 1 bis 2 Mark und Schweine 2 Mark nach, dagegen konnten Kälber 2 Mark und Schafe bis 5 Mark anziehen. * Die preußische Erntevorschätzung. Nach den Ermittelungen der Vertrauensmänner des Preußischen Statistischen Landesamtes ergibt sich für den Anfang August, daß die Erntemengen für Getreide und Frühkartoffeln wraussichtlich etwas niedriger als im Vorjahre fein werden, im Vergleich mit früheren Jahren aber im allgemeinen als befriedigend zu bezeichnen find. Die Schätzungen find nicht als endgültig anzusehen, da sich das Bild der Ernte bei dem fortschreitenden Ausdreschen und auch infolge von Witterungseinflüssen noch wesentlich ändern kann. Im einzelnen werden die voraussichtlichen Gesamterträge für 1929 (alle Angaben in Tausenden von Tonnen) wie folgt angegeben: Winterweizen 1617,5 gegen 2078,2 endgültigen vorjährigen Ernteertrag, Sommerweizen 173,5 gegen 272,8, Winterroggen 6071,8 gegen 6386,8, Sommerroggen 62,3 gegen 73,2, Wintergerste 226,5 gegen 332,2, Sommergerste 1392 gegen 1534,5, Hafer 4898,8 gegen 4946,7, Frühkartoffeln 1858 gegen 2033,7. * Sie Preisindexziffer der „M e - tallwirtschaf t“. Die Preisindexzifser der ,.Metallwirtschaft" stellte sich am 21. August auf 125,2 gegen 125,3 am 14. August (Durchschnitt 1909/13: 100), fiel also um 0,1 Prozent. Für die einzelnen Metalle wurden nach dem Preisstande vom 21. August folgende Cinzelindexziffern errechnet: Kupfer 127,9 (am 14. August 128,1), Blei 146,1 (146,1), Zink 104,7 (104,7), Zinn 112,1 (111,6), Aluminium 132,0 (132,0), Rickei 107,7 (107,7), Antimon 98,7 (101,6). Weitere Einlagen st eigerung bei den preußischen Sparkassen. Die Einlagen bei den preußischen Sparkassen stiegen im Iuli um 70,6 auf 5088,6 Mill. Mk., während sich tue1 Giro-, Scheck-, Kontokorrent- und Depositeneinlagen um 15,6 auf 896,6 Mill. Mk. ermäßigten. * Frankfurter Allgemeine Ver - sicherungs-A. -G. In der gestrigen Versammlung inländischer Gläubiger der Frankierter Allgemeinen Dersicherungs-A.-G. wurde unter den Erschienenen eine grundsätzliche Heber» einftimmung über ein dreimonatiges Stillhaltekonsortium erzielt. Mit den gestern nicht erschienenen in- und ausländischen Gläubigern wird wegen Beitritts zu dem Stillhaltekonsortium verhandelt. Dem unter Voraussetzung des Zustandekommens des in- und ausländischen Stillhaltekonsortiums begründeten Abwicklungskonsortium gehören die der Gesellschaft nahestehenden Danken und eine Anzahl anderer Bankinstitute an. Mit weiteren Bankfirmen wird wegen Beitritts verhandelt. Das Abwicklungskonsortium hat die Aufgabe, mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln eine ruhige und zweckmäßige Abwicklung der Geschäfte durchzuführen. * Zahlungseinstellung der Dank- firma Rauheim & Co. Wie wir erfahren, hat das alte, angesehene Dankhaus Rauheim & Co. in Darmstadt mit Filiale in Frankfurt a. M. die Zahlungen eingestellt. Der Inhaber © u 11 m a n n, der seit 30 Iahren an der Firma beteiligt war. ist seit Donnerstagnacht verschwunden. In einem Dries hat er die Absicht mitgeteilt, aus dem Leben zu scheiden. Die Dank hat in den letzten Tagen erhebliche Verluste erlitten; über die Höhe der Engagements ist jedoch noch nichts genaues bekannt. Die Rachforschungen der Polizei nach Guttmann blieben den ganzen Tag über erfolglos. Freitagabend gegen 10.30 Hhr fand sich der Gesuchte bei seiner Familie wieder ein. * Reugründung der M e t a l l g e s e lisch a s t. Ins Handelsregister wurde die Darex A.-G. für Kautschukverarbeitung in Frankfurt a. M. mit einem Aktienkapital von 500 000 Mk. eingetragen. Der Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung und der Vertrieb von Halb- und Fertigwaren aus Kautschuk oder von solchen Halb- und Fertigwaren, die unter Verwendung von Kautschuk hergestellt werden. Laut „Franks. Ztg." hat diese amerikanische Gesellschaft in ihren Betrieben bereits Versuche nach den Verfahren der Metall - gesellschaft gemacht und ist an der Frankfurter Reugründung zur Hälfte beteiligt. Die neue Gesellschaft wird in Frankfurt a. M. eine Fabrik errichten. ’ Schiedsspruch im englischen Baum- wollkonslikt. Das mit der Beilegung des Konflikts in der Baumwollinduftrie betraute Schiedsgericht hat entschieden, daß die Forderungen der Arbeitgeber nach einem Lohnabbau von 12,5 v. H. berechtigt seien. Die verminderten Löhne sollen am Zahltag der am 14. September d. I. endenden Woche in Kraft treten. Berliner Produktenbörse. Berlin. 23. Aug. Während im Vormittagsverkehr infolge des uneinheitlichen Verlaufes der überseeischen Terminbörsen der hiesige Produktenmarkt bei gegen gestern kaum veränderten Preisen ziemlich ruhig verlief, machte sich zu Dörsen- beginn unter dem Eindruck der höheren Liverpooler Rotierungen eine Befestigung geltend, wozu insbesondere die Lieferungspreise für die späteren Sichten profitieren konnten. Weizen fetzte 2 Mk., Roggen bis 1 Mk. fester ein. Das In- lanbangebot von Brotgetreide war angesichts der Zurückhaltung der Mühlen ausreichend, jedoch wurden für Weizen und Roggen zur Promptverladung etwa 0,50 bis 1 Mk. höhere Preise bewilligt. Für Roggen waren weitere Interventionskäufe zu bemerken. Weizen- und Roggenmehl hatte gestern nachmittag in billigen Provinzsorten noch etwas lebhafteres Geschäft zu Mittagsvreifen, heute beschränkten sich Hmsähe auf Deckung des laufenden Bedarfs. Hafer hat bei ausreichendem Angebot und wenig veränderten Preisen ruhiges Geschäft. Von Braugersten werden weiterhin nur Ausstichqualitäten angeboten. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märf., 239 bis 242 (befestigt). Sept. 253 bis 252,50 Brief, Ott. 259, Dez. 264 bis 263.50; Roggen, märf., 191 bis 195,50 (unregelmäßig), Sept. 206 bis 207. Oft. 212,50 bis 212,25 Brief, Dez. 219,25 bis 219; Braugerste 214 bis 230; Futtergerste 167 bis 188 (ruhig); Hafer, märf., 168 bis 174 (ruhig). Oft. 187; Mais, La Plata, 215 bis 217 (ruhig); Raps 340; für je 100 kg: Weizenmehl 29,50 bis 35 (still); Roggenmehl 25,40 bis 28,25 (kaum behauptet); Weizenfleie 11,50 bis 12,25 (still); Roggenkleie 11,25 biS 11,50 (matter); Viftoriaerbsen 40 bis 48; kleine Erbsen 28 bis 34; Futtererbsen 21 bis 23; Wicken 28 bis 32; Rapskuchen 18,30 bis 19; Leinkuchen 24 bis 24,30; Trockenschnitzel 11,50 bis 11,60; Soja schrot 19,80 bis 20,30; für je 50 kg: Kartoffelflocken 17,60 bis 18 Mark. Letzte Nachrichten. Schweres Flugzeugunglück. Bier Tote, ein Schwerverletzter. Frankfurt a. 7N., 24. Aug. (111. Drahlnach. richt.) In starkem Rebel ist das F l u g z e u g D 757, da um 7 Ahr von Frankfurt nach Erfurt fuhr, bei Schlüchtern gegen ein Hindernis des sog. Distelrasens gerannt. Die Maschine wurde stark beschädigt. Der "Pilot Bauer, ein Herr Groh aus Louisville (Amerika) und der polizeioberwacht- meister Rückert aus Frankfurt a. M. konnten nut noch als Leichen geborgen werden. Die Frau des Oberwachtmeisters und ein Fräulein Reugeb a u e r, Sekretärin aus Frankfurt, wurden schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. — Rach einem MTB.-Funkspruch aus Berlin ist Frl. Neugebauer inzwischen ihren Verletzungen erlegen, so daß die Zahl der loten vier beträgt. Gcwinnauszug 5. Klasse 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 14. Ziehungstag 23. August 1929 3n der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinn« ju 10000 M. 88987 155682 2 Gewinne zu 5000 M. 349556 12 Gewinne zu 3000 M. 10758 170449 214848 256708 258385 263013 14 Gewinne,u 2000 M. 37805 47374 108746 220528 259181 262968 322501 30 Gewinne zu 1000 M. 30143 55397 167888 168397 176500 185377 198592 239755 245322 246604 257368 319266 323397 369279 380816 96 Gewinns zu 600 Dl. 211 7319 10681 12592 16944 19926 24778 31479 43311 53718 58121 66546 74061 77189 81756 82113 92759 113872 115502 119339 124379 155774 158834 167307 181650 187631 189521 190337 201861 214700 225081 231396 233907 255159 259332 260767 261813 263150 269398 273298 311198 323514 332062 336270 361406 374434 390205 391982 254 Gewinne zu 300 M. 3362 6601 11228 14753 17398 19405 24833 25826 27485 31245 61709 51984 63426 67987 64570 65030 66866 70713 73281 77093 78195 82911 84776 89076 98484 98718 101411 106000 107028 108402 108789 112964 113859 114195 118210 120366 120790 121092 121790 126135 130869 132018 136333 139636 146013 146896 148873 150548 163761 166867 160394 162336 171234 171879 174711 176237 177365 180049 188780 190299 198773 208332 210182 215197 217458 219817 227654 229380 229783 230269 230767 239746 245236 246970 248554 255532 266665 257385 263437 266187 270069 273181 276522 280913 281315 282715 283477 285111 287026 287296 288104 290379 291450 294551 295113 297113 297386 298262 309060 311924 312722 312807 313130 314040 319902 320637 327460 328295 332154 334109 348079 352204 363127 363006 363077 364189 365870 367394 378104 378176 378347 383395 383856 388103 389057 395337 398978 3n der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 10 Gewinne ,u 3000 M. 115899 156296 299567 318523 341389 22 Gewinne zu 2000 OK 29328 32720 61070 113707 143416 259893 263103 273908 310104 316935 347736 26 Gewinne zu 1000 M. 12109 14808 26974 48627 62174 108524 115973 143701 189935 274199 329531 374985 384634 60 Gewinne zu 500 Dl. 263 3766 4664 16258 17755 54404 75353 80564 107646 148334 186323 222870 227023 243475 245775 259431 264216 282971 296214 303849 309999 310748 316627 320390 323266 329720 384911 386350 393475 396460 172 Gewinne zu 300 Dl. 2427 8283 10030 14632 21961 27102 37652 40134 45980 53930 64208 56568 81444 81648 88368 89242 106985 108243 112583 113673 128820 129338 137407 146082 154029 161462 164052 168848 170731 186770 187812 190705 192905 194758 196749 201456 202622 211275 220942 225395 236783 242691 244931 245450 250511 252682 258202 259168 259739 263645 265786 268560 270946 274705 274766 279341 281160 285001 286144 288032 290541 293473 294817 298684 303322 308533 309173 317575 319740 319762 324211 325404 334086 336398 342192 344710 345739 349885 351335 366395 370470 372309 372901 392864 393401 394148 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 3 zu je 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000, 4 zu je 25000, 48 zu je 10000, 80 zu je 5000^ 208 zu je 3000, 402 zu je 2000, 1040 zu je 1000, 2566 zu je 500, 5940 zu je 300 M. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlvsienen Dividende an. — Reichsbankdisfont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankturt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- fiur-3 Schluß!. Abendbörse Schluß» Kurs Lchluhk. Abend» bör|e Schluß» Kurs Schluß!. Abendbörse Schluß» Kurs -chlußk. Abend» börse Datum 22.8. | 23.8. 22. 8. 23.8. Datum 22.8. 23.8. 22.8. 23-8. . 6% Dt. Retchsanleihe v. 1927 . • Tt. Anl.-Ablöj.-Schuld mit AuS- 87,3 87,25 87,5 87,5 A.E.G........... . 8 193,25 194 193,5 193,13 52,5 52,4 52,1 Bergmann ........ . 9 — 223,5 224,4 223,5 los.-Rechten......... 52,2 Elektr. Lieferungen. .... 10 — 163 165 164,75 DeSgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. un- 10.8 10,65 10,7 10,8 Licht und Kraft . ..... 10 205,25 204,5 205 204,5 Felten 4 Guilleaume.... . 6 140 139 140,65 139 kündbar bis 1932....... 85,5 85,5 — —— Ges. s. Elektr. Untern.. ... 10 208,5 208,5 209 209 *yt% Rheinische Hhp.-Bank Ligu.» Hamb. Elektr. Werke .... 10 140,75 140,13 77,5 77,75 Rhein. Elektr........ Echles. Elektr........ . 'i 150,75 175,75 150,25 173,75 A.E.G. abg. Borkriegs-Obligation., 10 — — rückzahlbar 1932 ....... 87,5 87,5 —— — Schuckert..... • • • . 8 _ — 223,5 221 4% Schweiz. BundeSb.-Anl.. . . 98,75 98,5 — — Siemens 4 Halske . • • • • 12 . 8 373,5 — 373,5 371,75 4% Oesterreichijche Goldrte.. . . 28,75 2,4 1,7 28,6 2,4 28,75 2,5 28,5 2J» Lahmeyer 4 Co.. ..... 10 171 170,5 171 170,25 4% Oesterreich, einheitl. Rte. . . Buderus......... . 5 75 73,5 74,5 — 22,3 20 22,5 22,5 22,65 Deutsche Erdöl...... Essener Steinkohle..... . 6 . 8 _ _ 111,65 139,25 4% Ungarische Staatsr. v. 1910 . — — 4'/z% desgl. von 1913..... 22,13 22,25 22,25 — Geilenkirchener ... f. V. ff. 4 36,5 135,75 136,5 136,13 4% Ungarische Krönende..... 1,75 1,75 1,8 1,75 Harpener......... . 6 150 147,5 149,5 147 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., 7,2 7,15 7,35 7,35 Hoesch Eisen........ Ilse Bergbau....... . 8 . 8 212 212 213,5 130,9 Serie 1........... 7,2 7,2 7,4 — Klöcknerwerke ....... . 7 — 112 112,65 112 4% desgl. Serie II....... 7,2 7,2 — 7,3 Köln-Neuesten. ...... . 9 — — 129,5 127,5 4% Rumänen convert. Rte. . . . 8 7,75 — Mannesmann....... . 8 117,5 116 117 116 4>/z% Rumänen Boldanl. von 1913 — —- — — Mansselder........ . 7 — — 136,25 135 Oberschiei. Eisenb. Bedarf. . . 5 — — 85 Oberschles. Kokswerke.... . 6 — — 104,75 103,75 Allg. Deutsche Eisenbahn . . 4>/r — — — — Phönir Bergbau...... 6Vr 107 106,25 106,9 105,75 Hamburg-Amerika Paket ... 8 119,5 117,5 119 117 Rheinische Braunkohlen. . . Nheinstahl ... f. % Jahr 10 281 281 281 — Hamb.-Südam. Dampssch. . . 8 — —— 184,5 183,5 — 123,5 124,25 122,65 Hansa Dampfschiff.....10 — — 157,75 157,25 Riebeck Montan...... 7,2 — — — — Norddeutscher Llohd.....8 '11,25 — 111 110 Bereinigte Stahllv..... 117 117 117 116 Allg. Deutsche Creditanst. . . 10 125,75 125,75 126,25 126,25 Ltavi Minen....... 2 sh — 63,4 63,75 Barmer Bankverein .... io 127 127 127,13 127,13 Kali Aschersleben..... 10 226,5 225.5 226,5 225,25 Berliner HandelSgesellsch. . . 12 Commerz- und Privat-Ban! . 11 — 200 201,5 201 Kali Westeregeln...... 10 229,75 228,5 230,5 229 179 178,25 179 178,25 Kaliwerk Salzdetfurth . . . 15 381 383 382 381,5 Darmst. u. Nationalbank . . 12 Deutsche Bank......10 Ti-rkonto-Gesellschast Ant.. . 10 273,5 165 272 164 273,5 165,5 272 164,5 I. ®. Farben-Industrie . . . 12 217,75 217 218,25 103,5 73,5 216,75 102,65 73,5 151 157 150,5 156,5 150,65 157 150,9 156,75 Scheideanstalt....... Goldschmidt ....... . u . 6 148 73,5 148 73,25 Melallvan t. ••••••• • ® Reichsbank •••••••• *- 297 297 298 297 RütgerSwerke ....... Meiallgelellschajt. . • • . . . 6 11 81,75 123,5 81,25 123,5 82 123,5 81,75 124 Datum Philipp Holzmann.....< Heidelberger Cement.... 10 Gement Karlstadt ...... 8 Wayß 4 Freitag......10 Schultheis Patzenhoser ... 15 Ostwerke........ • 12 Der. Glanzstoss ...... 18 Bemberg.........14 Zellstoff Waldhos.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 Dessauer Gas........8 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Maschlnen-Fabrik . . 0 Adlcrwerke Klever......6 Ludw. lloeroe....... Nat. Automobil ....... 0 Orenslein 4 Koppel ..... ° Leonhard Tley • ..•••• ® Bamag-Meguin ....... 0 Franks. Maschine»......° Gritzner.........“ Hehligenstaedt .......o IunghanS..........4 Lechwerke..... o Mainlraftwerke.......8 ...............10 Nekarsulmer......... Peters Union ........ 8 Gebr. Roeder.......10 Voigt & Haessner......8 Südd. Zucker........8 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- Kurs Schluhk. Abend- börke Schluß- Kurs Lchlußk. Abend- börfe 22.8. 23.8. 22.8. 23-8. 104 104 104 104 — 130,5 — —— 185 185 — — 100,5 100 100 100 — — 292,25 290.5 — — 229,5 228 393 391 393 391 — — 309 307 —— — 234 232,25 153 — 152 151,5 — — 106,75 105,25 —— 191 189 51 51 51,9 51 — 54,75 54 46,5 46,5 47,5 46,75 — — 196,5 196 — — 26,5 26 — — 87 87 — — 205 205 —— — — — 55,5 54,5 55,5 55,5 — 56 58 57 9,25 9,25 — 62,25 62 62 62 106 106,5 — 106,25 106,25 — — — — 123,5 123,5 ■ ■ ■ 121,5 120,5 121,75 119 111,5 108 222 222 222 222 154,75 154,75 154,75 155 Danknoten. Berlin, 23. August Geld «rief Amerikanische Noten..... 4,175 4.195 Belgische Noten ....... 58,21 58,45 Dänische Noten ........ 111,40 111,84 t£nalifd)e Noten........ 20,31 20,39 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 23. August Geld Brief französische Noten..... 16.40 16.46 Aollnnbiid)'' Noten ...... 167,79 168 47 italienische Noten ...... 2l)95 Norwegische Noten...... 111,43 11L87 Deutsch-Oesterr.Lioo Kronen 59,02 59,26 Rumänische Noten...... 2,48 2,50 Schwedische Noten ...... 112,14 112,58 Schweizer Noten....... 80,62 ■ 80194 Spanische Noten....... 61,48 61'72 Tschechoslowakische Noten . . 12,37 12; 43 Ungarifche Noten ...... 73,02 73,32 22. August 23. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Weib Brief Geld Brief Amst.-Rokt. 168,05 168,39 168,06 168,40 Buen.-Aires 1,759 1.763 1,758 1,762 Brss-Antw. 58,32 58,44 58,315 58,435 Chriitiania. 111,76 111,98 111,68 111,90 Kopenhagen 111,67 111,89 111.66 111,88 Stockholm . Helsingfors. 112,34 112,56 112,36 112,58 10,541 10,561 10,54 10,56 Italien. . . 21,93 21,97 21.94 21,98 London. . . 20,338 20,378 20,336 20,376 Neuyort . . 4.195 4,203 4,195 4,203 Paris.... 16,415 16,455 16,42 16,46 Schweiz ». 80,73 80,89 80,74 80,90 Spanien. . 61,66 61.78 61,70 61,82 Japan . . . 1,960 1,964 1,958 1,962 Rio de Jan. 9,497 0,499 0,4975 0,4995 Wien in D-- Test, abgest. =9,075 59,195 - 59,07 59,19 Prag . . . . 12,416 12,436 12,414 12,434 Belgrad . - 7.368 7,382 7,370 7,384 Budapest - - 73,18 73,32 73,17 73,31 Bulgarien . 2,032 3,058 3,032 3,038 Lissabon . . 18,78 18,82 18,74 18,78 Danzig - - - Konstantin. 81,29 81,48 81,31 81,47 1,998 2,002 1,999 2,003 Athen- . 5,43 5,45 5,43 5,44 Canada . . 4,171 4,179 4,166 4,174 Uriwuat). . 4,116 4,124 4,106 4,114 Cairo . . - 20,85 20,89 20,855 20,895 » Itr.l1 erschE Sonnte* D Eichcw H' fflon 2.20 9 Reichs lohn, scheine tnfolg' W nnterS Ifis-Hri richten: zranlst I M Mer sich an 2vden - das Seen i frucht nende serer Dörfer wie es Reugr läifien zielt t par e> Glut ( weht i lüft, b Dächte leuchte die ve MNts uns ai Himmc einzeln verfchie dem 3 Tagen, Sbe g T Ävch Mini reiche! beschick einem Haupt Maul, von i das 1 dem i in bei Dassel hühnei penvöz (Stoff, bewerbe. bis aus befahrei galvppi ebene, dem su Echwai Markt« derisch« boten, aber s Orangi südlich - geb Diese Sen, ist ersten l schichte, nach Je führen Juda" Salomo Landes blieben: klar dm die so sollten, den ihm und de von en, fphäre Ae'ch hierfür sein 2| Ar auc Volke [ geprägt« ankerte bn Aec Mlleir 'N de, bahn V häischtz telephv vtoeije lebend« werten konntet Tetv Aessii staben Mleir faufUHi ?"ng b oum n Uuse wGen hnveik ZS° er s 61: ^'eg c w'e er