Nr. M Erstes Blaff 179. Jahrgang Mittwoch, 24. Juli 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Bezttgspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfi1S1§-vuch- und Zteindruckerel K Lange in Gietzen. Lchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. end .ny-Tox*. il.Uter tUt« M. 3,75 M. 6,50 r M-2»" ]/efnichlani -Tox b edP'°hl?n- rougbW8C0, .eile och aMitt*1 isg iw** Parker Gilberi. Der Generalagent für den Dawesplan hat es bisher immer mit großem Geschick verstanden, die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes in der Haupt- sacke auf Nebendinge abzulenken. Es ist begreiflich, daß auch außerhalb Deutschlands nicht besser aufgepaßt wurde, zumal nicht bei den Gläubigern, da diese mit der Taktik Gilberts durchaus einverstanden sein könnten. Da hat uns Herr Gilbert zwei Jahre lang in Atem gehalten durch die scharfe Kritik, die er an der Reichsfinanzpolitik übte. Gewiß war in dieser Kritik Falsches mit Richtigem vermischt, allein es hätte uns doch besser gefallen, hätte Parker Gilbert einmal eine Untersuchung darüber angestellt, wie sich die von ihm getätigte Ausführung des Dawesplans mit den Voraussetzungen verträgt, die seinerzeit die Sachverständigen von 1924 aufgestellt hatten. Im Dawesplan heißt es nämlich ganz unmißverständlich, daß Zahlungen nur auf Grund von Ausfuhrüberschüssen möglich seien. Trotzdem oder grcaöe deswegen hat Herr Parker Gilbert fünf Jahre lang BarÜberweisungen vorgenommen, ohne daß ein Ueber- schuß in der Zahlungsbilanz vorhanden war. Da der Außenhandel in diesen fünf Jahren immer passiv war, so hätten in der Zahlungsbilanz Aktiven vorhanden sein müssen, die die sehr umfangreiche Irandferiätigteit des Generalagenten möglich machte. In seinem neuen Zwischenbericht gibt Parker Gilbert selber zu, daß der Außenhandel passiv gewesen ist, daß der Einfuhrüberschuß in der Zeit vom l.Iuni 1925 bis 31. Mai 1929 nicht weniger als 3,5 Milliarden Mark betrug! Auf der anderen Seite: Herr Parker Gilbert hat in der gleichen Zeit fast zwei Milliarden Mark an Barzahlungen an die Gläubiger überwiesen, vielleicht, um den Transfermechanismus auszuproben, vielleicht aber auch, um dem deutschen Volk eindringlich klar zu machen, daß es den Tribut bezahlen muß, ganz einerlei, ob es auf Biegen oder Brechen geht. Diese Ueberweisungen hätte der Generalagent nicht vornehmen können, hätten sich nicht auf dem Wege über die Auslandtredite die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen lassen. In jedem seiner Berichte hat Parker Gilbert sich sowohl mit der Auslandverschuldung, als auch mit der eigenen Kapitalbildung Deutschlands beschäftigt, um daraus jeweils Schluffe zu ziehen, die eigentlich mit dem technischen Kernproblem des Dawesplanes nichts zu tun haben. Diese Taktik hat in dem neuen Zwischenbericht wennmoglich noch eine Steigerung erfahren, denn Parker Gilbert bringt es fertig, die Krise im Winter 1928/29, die schließlich in dem Verlust von einer Milliarde Goldmark bei der Reichsbank gipfelte, der Reichsbank und ihrer Politik in die Schuhe zu schieben, obschon der Generalagent an dieser starken Abzapfung der Reichsbank nicht so unbeteiligt gewesen ist. 3n den ersten neun Monaten des fünften Da- wesjahres hat der Generalagent Barüberwei- fur.ge i in Höhe von 550 Millionen Mark vorgenommen. Insgesamt sind fast zwei Milliarden Mark in feine Kassen gewandert, die er bis auf ein Bankguthaben in Höhe von 310 Millionen Mark auch für die Gläubiger in Form von Sachlieferungen und Barzahlungen verausgabt hat. Allein in diesen neun Monaten war der deutsche Außenhandel unter Berücksichtigung der Sachlieferungen mit fast 700 Millionen Mark passiv! Selbst wenn die Sachlieferungen abgezogen werden, bleibt immer noch ein Fehlbetrag von über 300 Millionen Mark. Die Sachlieferungen sind eigentlich ein doppelter Fehlbetrag, denn wir müssen sie im Inland erzeugen und bezahlen, ohne bei der Ausfuhr eine Gegenleistung dafür zu erhalten. Parker Gilbert hat trotzdem unentwegt Devisenankäufe vorgenommen, die, weil Auslandkredite fehlten, weil auch der Außenhandel passiv war, nur durch Gold- abgaben der Reichsbank befriedigt werden konnten. Tatsächlich hatte der Generalagent mit diesen Devisenkäufen schon im vorigen Herbst begonnen, um damit im Winter fortzusehen, was gleichbedeutend war mit einem Qlngrifi auf den Goldbestand der Reichsbank. Als dann Woche für Woche der Reichsbankausweis über starke Goldabgaben berichten mußte, setzte eine gewisse Beunruhigung ein, die zum Abzug kurzfristiger Auslandkredite, sowie leider auch zur Auswanderung deutschen Kapitals führten. Parker Gilbert stellte in seinem Zwischenbericht den Derlauf der Dinge anders dar: von seinen eigenen Devisenkäufen erzählt er fein Wort, wohl aber von den kurzfristigen Krediten, sowie von der Kapitalverschiebung ins Ausland. , Aber damit ist Parker Silbcrt auch in die Bolle eines Erziehers hineingewachsen, jedoch in einem anderen Sinne, wie das die landläufige Meinung ist. Wenn der Generalagent sich über wesentliche Bestimmungen des Dawesplanes hinwegsetzen konnte, vor allem über die Voraussetzung des Ausfuhrüberschusses für Darüber- Weisungen, so müssen wir doppelt vorsichtig sein, um den grundsätzlich gebilligten Zahlungsaufschub tatsächlich zu sichern. Unter dem Voungplan kann es ja nicht anders sein wie unter dem Dawesplan, denn die Zahlungsfähigkeit Deutschlands ist und bleibt davon abhängig, daß es Ausfuhrüberschüsse erzielen kann. Sind diese nicht zu erreichen, so ist eine Zahlungs- stuNdung auch im Interesse der Gläubiger unvermeidlich. Rur muß diese Stundung im Bounaplan hieb- und stichfest eingefügt werden, denn die einfache Ermächtigung reicht nicht aus. Parker Gilbert hat uns abwechselnd mit Dingen Ur^er^a^€n’ "der die sich trefflich streiten läßt, aber er hat zu keiner Zeit auch nur in Erwägung gezogen, daß die von ihm getätigten Darüber- Weisungen im Widerspruch zuin Dawesplan standen. Polens großer Vorstoß gegen das oberMesische Deutschtum. Beginn des Prozesses gegen den deutschen Führer Lllitz. Gestern hat in Ka11owitz vor dem Bezirksgericht der Prozeß gegen den Führer des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien, Aba. U l i tz, begonnen, der nach der Anklage dem Deserteur Victor Bialucha wissentlich Beihilfe geleistet habe, zwecks Entziehung vom Militärdienst im Auslande zu verbleiben, indem er als Vorsitzender des Volksbundes dem Bialucha eine Bescheinigung ausstellte, daß dieser Mitglied des Volksbundes und in Polen militärpflichtig sei und deshalb nach Deutschland fliehen müsse. Die Anklage stützt sich auf die §§ 89 und 102 des Gesetzes über die allgemeine Wehrpflicht vom 23. Mai 1924. Dieses inkriminierte Schriftstück sieht im Original folgendermaßen aus: „Deutsch-Oberschlesischer Volksbund für Polnisch-Oberschlesien zur Wahrung der Minderheitsrechte E. V. Fernsprecher: Kattowitz 3000,3001. Bankkonto: Deutsche Bank Filiale Kattowitz Tagebuch-Nr....... Es wird gebeten, bei der Antwort diese Tagebuch-Nr. anzugeben. Kattowitz, den 15. VI. 25. .Bescheinigung Hiermit bestätigen wir, daß Herr Victor Bialucha geb. 903 Mitglied unseres Vereines ist. — Er ist deutsch gesinnt und Bier militärpflichtig, und deswegen muß er nach Deutschland flüchten. — der Vorstand. — Ulitz/ Stempel der Bezirksvereinigung Kattowitz des Volksbundes." Woran erkennt man die Fälschung dieses Schriftstückes? 1. Die Bescheinigung ist am 15. Juni 1925 ausgestellt, wo der Dolksbund überhaupt nicht mehr solche Kopfbogen mit einem derartigen Aufdruck verwandte. 2. Bialucha ist bereits am 11. Oktober 1924 in Beiße zugezogen, so daß er am 15. Juni 1925 nicht mehr nach Deutschland hätte fliehen brauchen. 3. Die orthographischen Fehler. In der Unterschrift »Der Vorstand" ist der Artikel „der" mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben worden. Weiter heißt es im Schriftstück, daß Bialucha 903 geboren sei. Vur die Polen kürzen die Jahreszahl, die richtig 1903 heißt, in dieser Form ab. 5. Der verstorbene Schriftsachverständige Dr. Ieserich hat die Fälschung der Unterschrift einwandfrei fest- gestellt. 6. Ulih hat immer den Grundsatz vertreten, daß die jungen Deutschen ihrer Militär- Pflicht in Polen zu genügen haben. 7. Das Beweismaterial hat der polnische Nachrichtendienst beschafft, der die Akten über Bialucha einmal zur Einsicht erhalten hatte. In diesen Akten, die jetzt wieder bei der Regierung in Oppeln liegen, befindet sich kein derartiges Schriftstück. Das Material solcher Nachrichtendienste, die noch immer von höchst zweifelhaftem Charakter sind, muß deshalb mit der größten Vorsicht behandelt werden. Wenn demnach auch alle Momente dafür sprechen, daß Ulitz freigesprochen werden müßte, so ist dem Prozeß mangels der Unabhängigkeit der polnischen Gerichtsbarkeit doch mit größter Besorgnis zu folgen. Schon die Methode, mit der man des Vorsitzenden des Deutschen Volksbundes habhaft wurde, hat die ganze Tendenz dieser Machinationen gezeigt. Die zugesicherte Publizität dieses Verfahrens wird hoffentlich bis zum Schluß durchgeführt werden, damit sich die Oeffentlichkeit über die eingeschlagene Methode orientieren kann. Die aufgehobene Unabsetzbarkeit der polnischen Richter dürfte schließlich auf deren Rechtsprechung auch nicht ohne Einfluß sein. Der erste Verhandlungstag. Kattowitz, 23. Juli. (WB.) Heute morgen um 9.20 Uhr begann unter ungeheurem Andrang der polnischen, ostoberschlesischen, deutsch-oberschlesischen, reichsdeutschen und ausländischen Presse der Prozeß gegen den Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien, Otto Ulih wegen Beihilfe zur Entziehung vom Militärdienst. Den Vorsitz führt der Vizepräsident des Bezirksgerichts Dr. Herlin - ger. Als militärische Sachverständige fungieren zwei Majore der polnischen Armee. Aach dem Zeugenaufruf und nach der Verlesung des Eröffnungswrschlusses erhielt der Angeklagte Lllitz das Wort. Als er sich zunächst über die schwere Verantwortung, die den Richtern obliege, äußern wollte, fiel ihm der Vorsitzende ins Wort und erklärte ihm, daß er sich nur zur Sache äußern dürfe. Ulih bestritt die ihm zur Last gelegten Straftaten in vollem Umfange. Die Anklageschrift enthalte eine ganze Reihe von Fehlern. Ulih führte weiter u. a. aus, es sei eine Unmöglichkeit, daß den Dokumenten vom 29. Mai und 9. Juni 1925 eine Bescheinigung vorangehen könne, die vom 15. Juni 1925 datiere. Aus lcl- Verfügung des Regierungspräsidenten in Oppeln vom 17. Juni ergebe sich deutlich, daß eine Bescheinigung vom 15. Juni nicht Vorgelegen habe. Die Anklage befinde sich auch in» loler» i» einem Irrtum, als die Bescheinigung angeblich als Beweismittel dafür anzusehen sei, daß ein gewisser Bialucha, zugunsten dessen die Bescheinigung ausgestellt worden ist, deutscher Gesinnung sei. Ulih erklärte, er habe gar keinen Zweifel darüber, daß, als die Akten an den Nachrichtendienst gelangten, die Bescheinigung vom 15. Juni sich noch nicht unter ihnen befand. Er hege vielmehr den bestimmten Verdacht, daß diese Bescheinigung erst nachträglich hergestellt wurde. Der Angeklagte betonte sodann, daß es sich um einen politischen Prozeß handele, und bekanntermaßen werde in politischen Prozessen häufig mit gefälschten Dokumenten operiert. Als Ulitz auf die drei Hauptbelastungs- zeugen eingehen wollte, unterbrach ihn der Vorsitzende mit dem Bemerken, daß er sich zum Deweisverfahren noch nicht zu äußern habe. Der Angeklagte fragte sodann, ob er grundsätzlich« Ausführungen über seine Stellung zur Militärdienstpflicht machen dürfe, was ihm der Vorsitzende bewilligt. Ulih verlas dann einen Aufsatz aus der „Kattowitzer Zeitung" vom 18. Mai 1924 mit der Ueberschrift: „Sollen wir optieren?“ In diesem Aufsatz hat er geschrieben, daß, wer optiere, sich selbst schade und damit auch seinen deutschen VUks- Es ist noch gar nicht so lange her, als das neue britische Kabinett gelegentlich der Adrehdebatte im Unterhaus Worte zur Rheinlandfrage fand, die in Deutschland außerordentlich sympathisch berührten, weil aus ihnen hervorzugehen schien, daß England künftig für eine Rheinlandpolitik französischen Musters nicht mehr zu haben sein werde, daß es unter allen Umständen entschlossen sei, die Räumung des besetzten Gebietes durchzuführen, und daß es endlich auch nicht Willens sei, eine Art unsichtbarer Besatzung durch Aufrichtung einer besonderen Kommission einzurichten. Wir werden jetzt aber durch Herrn Henderson, Len britischen Außenminister, also sozusagen durch die autoritativste Stelle Englands, eines anderen und keines Besseren belehrt. Aus die Anfrage eines prominenten Abgeordneten seiner eigenen Partei sah sich Herr Henderson veranlaßt, zu erklären, daß auch die neue britische Regierung verpflichtet sei, im Prinzip die französischen Wünsche auf Einrichtung einer „F e st st e l l u n g s - und Dersöhnungskommission" zu unterstützen. Er betonte allerdings in diesem Zusammenhang, daß weder über das Ziel, noch über die Dauer, noch endlich die Zusammensetzung der Kommission bisher zwischen den in Frage kommenden Kabinetten irgendwelche Vereinbarungen getroffen seien, und die britische Regierung wolle vor den bevorstehenden internatio- na'en Verhandlungen auch keinerlei Bindung in dieser Hinsicht auf sich nehmen. Diese Abschwächung will aber wenig besagen, wenn man berücksichtig', r. e klar und unzweideutig noch kurz zuvor eine Absage an Frankreich und seine Rheinlandkontrollwünsche erfolgt war. Es bleibt also schlechterdings nur die Deutung, daß das ßabourfabinett aus politischen Zweckmäßigkeitserwägungen seinen Kurs wieder geändert hat. Diese Schwenkung Englands gerade in diesem Punkt ist für uns unerfreulich, und sie eröffnet keine günstigen Perspektiven für den Verlauf der bevorstehenden politischen Verhandlungen. Als Reichskanzler Müller im September vorigen Jahres mit den wichtigsten Reparationsgläubigern die bekannte Genfer Vereinbarung traf, die auch von der Feststellungs- und Versöhnungskommission spricht, war der leitende Gedanke in Deutschland der, daß diese Kommission bestenfalls die sich bei einer schleunigen Räumung des besetzten Gebietes ergebenden A b - wicklungssragen zu regeln hätte. Wenn es aber nicht gelingen sollte, zu einer Vereinbarung in dieser Hinsicht zu gelangen, dann war die selbstverständliche Meinung die, daß Wortlaut und Sinn der Genfer Abmachungen es dann ohne weiteres zuliehen, diesen ganzen Punkt fallen zu lassen. Ist nun die neue Erklärung Hendersons dahin zu deuten, daß er gegebenenfalls lieber die ganze Konferenz und also auch die Rheinlandräumung an der französischen Forderung auf weitere Kontrolle des besetzten Gebietes scheitern lassen will? England für Verschiebung der Konferenz? London, 23. Juli. (WTB.) Der diplomatische Korespondent des Arbeiterblattes „Daily H e - r a l d" schreibt, in der Frage der R e p a r a - tionskonferenz herrsche noch volle Ungewißheit. Da die Zeit verstreicht, ohne daß eine Vereinbarung über den Tagungsort in greifbare Nähe rückt, wird wiederum angeregt, die Konferenz bis zum Oktober, d. y. bis nach der genossen in Ostoberschlesien. Er unterstrich damals als wichtigste Pflicht der Deutschen in Ostoberschlesien, auf der Heimaterde zu verbleiben. Wenn er damals zehntausende von Menschen aufgerufen habe, auf die Option zu verzichten, so bestehe gegenüber der Behauptung der Anklageschrift, daß er am 15. Juni 1925 dem Bialucha angeraten haben sollte, nach Deutschland zu flüchten, um sich der Militärdienstpflicht zu entziehen, eine unüberbrückbare Kluft. Auf eine Anfrage des Vorsitzenden erklärte Ulih sodann, er bestreite, daß die infrimlnierfe Urkunde in seinem Bureau angefertigt worden fei. Ebenso bestreite er, daß die Unterschrift unter diesem Dokument oon ihm herrühre. Der Vorsitzende fragte hierauf den Angeklagten nach dem Zweck des Volksbundes und nach der Art und Weise der Verwirklichung der Ziele des Bundes, woraus der Angeklagte die Erklärung abgab, daß der Volksbund es sich zum Ziel gesetzt habe, kulturelle Rechte der Deutschen in Ostoberschlesien zu wahren. Der Vorsitzende kam im Zusammenhang mit der Erörterung der Organisation des Volksbundes darauf zu sprechen, welchen Weg der Volksbund im Falle einer Beschwerde beschreite. Er fragte weiter, ob Ulitz es mit feiner Völkerbundstagung, aufzuschieben und inzwischen den Dawesapparat in Gang zu halten. „Daily Telegraph" führt aus: Die Reparationskonferenz ist wiederum durch Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen Mächten aufgehalten. Es ist jetzt schon so gut wie sicher, daß sie nicht zu dem vereinbarten Datum, dem 5. oder 6. August, zusammentreten kann. Infolgedessen kann auch an dem ursprünglich für das Inkrafttreten des Zoung-Ptanes vereinbarten Datum, dem 1. September, nicht mehr festgehalten werden. In einem Leitartikel erinnert „Daily Telegraph" daran, daß der Poung-Plan bereits am 7. Juni in die Hände der beteiligten Regierungen gelangte mit der Anempfehlung, keine unnötige Verzögerung in der Durchführung des Planes eintreten zu lassen. Das Blatt meint, ein Zusammenkunftsort der Konferenz in Holland könne oon der belgischen Regierung nicht erwogen werden angesichts der Erbitte- rung, die zwischen den beiden Staaten wegen des „Schelde"-Streites entstanden sei, und führt weiter aus: London ist von Anfang an die Stadt gewesen, die durch alle Umstände als geeignetster Ort erschien; das war zumindest die Ansicht, die alle Beteiligten, mit Ausnahme der französischen Regierung, vertreten haben. Angesichts der im Zoung-Plan von England verlangten finanziellen Opfer, ist von der britischen Regierung nicht zu erwarten, daß sie an den kommenden Reparationserörterungen mit Begeisterung feil- nehmen könnte. Der Charakter des Poung-Planes und die Gesinnung, die sich während der langen Bemühungen der Konferenzoorbereitungen gezeigt hat, könnten die britische Regierung vielleicht zu der Uebcr- zeugung bringen, daß die Zeit noch nicht reif für die Revision des Dawes-Planes gewesen ist. „E v e n i n g Standard" spricht in einem „Die K o n f e r e n z ko m o d i e" überschriebenen Artikel die Hoffnung aus, daß das Foreign Office jetzt in Anbetracht des verlorenen Prestiges eine feste Haltung in der Frage des Z u s a m - menkunftsortes der kommenden Reparationskonferenz einnehmen werde. Das Blatt betont weiter, daß die Arbeiterregierung zu dem Vorschlag, die Konferenz nach London einzuberufen, die Zustimmung jeder Regierung mit Ausnahme der französischen erhielte, und daß kein triftiger Grund für den französischen Einwand bestände. Henderson gebe jedoch mit derselben Schwäche nach, die die Amtszeit Chamberlains im Foreign Office gekennzeichnet habe. Oer deutsche Standpunkt. 03 e r l in, 2 3. Juli. (Privatmeldung.) Wie in politischen Kreisen verlautet, ist Deutschland nach wie vor der Meinung, daß die Konferenz nur an einem neutralen Ort abgehalten werden kann. Brüssel kann als neutral nicht angesprochen werden. Zu einer Verschiebung des Konferenzbeginnes besteht keinerlei Anlaß. Für uns kann nur eine Konferenz in Fra^e kommen, in welcher die technische Erledigung des Voung-Planes beraten und die politische nKo nse- quenzen aus dem Voung-Plan, besonders auch für die beteiligten kleineren Rationen, bereinigt werden. Henderson hat sich in dieser Frage offenbar doch dem französischen Standpunkt etwas genähert. Die SchivenkiiW des englischen Kabinetts. Annäherung Englands an Frankreich in der Krage der Rheinlandkonirolle. Scharfe Worte in England gegen Hendersons Schwäche. V Loyalität als vereinbar Halle, wenn er sich rnif einer Beschwerde an eine fremde Reg.ie- tung wende. Der Angeklagte erklärte ganz entschieden, daß er sich niemals an eine fremde Regierung in Mmderhettssachen gewandt habe. Gr wurde das auch nie hm da ja der Weg unmittelbar nach Genf gegeben sei. Auf eine weitere Frage bezüglich der Dialucha sagte Alitz, daß er diesen Ra men zum er st en Male gehört habe, als der Auslieferungsantrag an den schlesischen Sejm gekommen sei. Der Vorsitzende stellte an Alitz dann die Frage, ob nicht irgendein Angestellter des Bureaus die Bescheinigung vom 15. Juni 1925 ausgestellt haben konnte, die die Mitteilung enthielt, Dialucha sei Mitglied des Deutschen Dolks- bundes und müsse, da er in Polen rnilitärpfltch» tig sei, nach Deutschland fliehen. Alitz verneinte dies. Er verwies u. a. darauf, daß in dem Dokument statt des Wortes „Hier" das Wort „Bier" zu lesen sei und daß außerdem in dem Passus, der die Unterschrift enthält, und in dem es heißt, „Der Vorstand" das Wort „der" statt groß, klein geschrieben ser. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die Unterschrift als gefälscht betrachte, antwortete Ulih mit einem lauten „I a". Auf die weitere Frage, ob er einen Verdacht habe, wer die Unterschrift gefälscht haben könnte, erklärte Ulih, daß er früher angenommen habe, daß Dialucha selbst der Fälscher sei. Er sei aber jetzt anderer Auffassung geworden und werde im Laufe der Deweisauf- nahme nochmals auf diese Frage zurückkommen. Ulih wies auch ausdrücklich darauf hin, daß der bei der Abfassung der Urkunde verwandte Stempel nicht derjenige sei, den er zu verwenden pflegte. Rach der Vernehmung des Angeklagten wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Oer Haupibelastungszeuge Hauptmann Cychon vom Generalkommissariat in Danzig erklärte, im Jahre 1925 sei der Rachrichtenabteilung zur Kenntnis gekommen, daß vom Dolksbund ausgestellte Bescheinigungen von deutschen Behörden als Pässe angesehen würden. Da die Vermutung bestand, daß dadurch die Heere s f l u ch t begünstigt werden könne, seien Schritte unternommen worden, um derartige Bescheinigungen in die Hand zu bekommen. Zu diesem Zweck seien sowohl beim Deutschen Generalkonsulat in Kattowitz, wie auch beim Deutschen Volksbund 4 Spitzel angestellt worden, die dem Rachrichtendienst Mitteilungen zur Verfügung stellen sollten. Das gelieferte Material sei photographiert und die Akten sodann wieder zurückgegeben worden. Alitz fragte den Zeugen, ob die Akten beim photographieren auseinandergenommen worden seien, worauf Hauptmann C y ch o n erklärte, daß es ein Apparat neuester Konstruktion gewesen sei, der es ermöglicht habe, verschiedene Akten auf einmal aufzunehmen. »Das müßte allerdings der neueste Apparat sein", warf Alitz ein, der auch darauf hinwies, daß zwei Dokumente zusammen photographiert worden seien, die überhaupt nicht zusammengehörten: die Akten müßten also auseinandergenommen worden sein. Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung sagte der Zeuge C h ch o n aus, daß die Post des Deutschen Dolksbundes immer über das deutsche Generalkonsulat gegangen sei. Alitz bestreitet das mit Entschiedenheit und stellte den Antrag, den Chaufseur Primus, der sich zur Zeit in Brasilien aufhalt, als Zeugen dafür zu laden, daß d^r Deutsche Dolksbund niemals Postsachen durch Vermittlung des Deutschen Generalkonsulats erhalten habe. Zeuge C y ch o n bekundete, er habe in Erfahrung gebracht, daß Alitz mit R e d a k t i o'n s - Mitgliedern der »Kattowitzer Zeitung" geheime Konferenzen abgehalten hätte. Der Angeklagte Alitz stellte den Antrag, die Redaktionsmitglicder der „Kattowitzer Zeitung" in diesem Zusammenhang zu fragen, ob es sich bei den Konferenzen um staatsge führ- liche Angelegenheiten gehandelt habe. Seitens der Verteidigung, wie auch seitens des Angeklagten selbst wurde ferner erklärt, daß diese Konferenzen lediglich den Zweck hatten, die „Kattowitzer Zeitung" zu veranlassen, sich auf eine mehr staatsbejahende Politik in bezug auf Polen einzustellen. Der militärische Sachverständige bekundete demgegenüber, man sei in polnischen Kreisen hierüber gegenteiliger Meinrmg gewesen. Zu Beginn der Nachmittagssitzung kam es zunächst zu einer Kontroverse zwischen dem Vorsitzenden, dem Staatsanwalt und der Verteidigung, einmal weil nach Ansicht der Verteidigung der Staatsanwalt eine von dem früheren Sejmmarschall W o l l n y zu machende Aussage vorweggenommen habe, und dann über die Frage, ob Wollny nach seiner Vernehmung der Verhandlung weiter beiwohnen müßte. Diese letztere Frage wurde dahin entschieden, daß ein Bleiben des Zeugen nicht notwendig sei. Hierauf wurde als erster Entlastungszeuge der frühere Sejmmarschall Wollny vernommen. Der Zeuge verneinte die Frage des Vorsitzenden, ob er die Bescheinigung, die Ulitz zugeschoben, seinerzeit vom Sejm aber als nicht echt erkannt wurde, für echt halte. Die Frage des Staatsanwalts, ob er diese Meinung gegenüber einem eventuellen gegenteiligen Gutachten der Sachverständigen aufrecht erhalten werde, b e - j a h te der Zeuge. Heber die Loyalität des Angeklagten im schlesischen Sejm befragt, erklärte der Zeuge, daß Ulih immer objektiv gewesen sei. Bei seinen Entscheidungen habe er sich immer ou: die Rechtsgrundlage gestützt. Auf die Frage eines der beiden militärischen Sachverständigen, ob er wisse, warum Ulitz für das Militärdienstpflichtgesetz gestimmt habe, antwortet der Zeuge, daß er darüber keine genaue Auskunft geben könne. Er wisse nur, daß der deutsche Sejmabgeordnete Dr. P a n t sich für das Militärdienstpflichtgesetz eingesetzt habe. — Als nächster Zeuge wurde dann Hauptmann Lies vernommen, der im wesentlichen die Aussagen des am Vormittag vernommenen Hauptmanns C z y - ch o n bestätigte. Neu in seiner Aussage war nur, daß der deutsche Nachrichtendienst nach seinen Feststellungen versucht habe, die als Zeugin geladene frühere Angestellte des Deutschen Volks- dundes Wuzik für seine Zwecke zu beeinflussen. Als diese das ablehnte, habe der deutsche Nachrichtendienst die Wuzik kompromittiert, indem er ver- WeitererZündstoff im Fernen Osten Doch Kampfmaßnahmen? Paris, 23. Juli. (WD.) Die Agentur Jndo- Pacrfique meldet aus Schanghai, daß die S o w j e t st r e i t k r ä f t e am 19. Juli um 8 Ahr am Siae Suifengho-Fluß, den die ostchinesische Eisenbahn überquert, angegriffen haben. Russische Flugzeuge sollen Suifengho überflogen haben. Außerdem sollen die Sowjets im Dezirk von Wladiwostok alle Männer zwi- chen 17 und 32 Jahren mobilisiert haben. Die Agentur Jndo-Pacifique meldet aus Peking , daß 21 russische Flugzeuge die Stadt L a h a s s u s u in der Gegend von Po» granitschnaya bombardiertt und unter der chinesischen Bevölkerung eine P a n i t hervorgerufen haben sollen. Paris, 23. Juli. (WB.) Havas meldet aus P e p i n g , daß in Mukden offiziell angekün-- digt werde, daß 50 000 Mann Rordtrup- pen mit 90 schweren Geschützen in Mandschuli Hinten. Eine weitere Havasmeldung aus Pe- ping berichtet, daß zwei chinesische Handelsschiffe von einem russischen Kriegsschiff auf dem Amur 30 Kilometer von Dlagowestschensk aufgebracht worden seien. London, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Einer Exchangemeldung aus Washington zufolge, hat der amerikanische Generalkonsul in Charbin dem Staatsdepartement mitgeteilt, daß sich unter den Passagieren des chinesischen Handelschiffes „I l l a n", das von den Russen auf dem Amur mit Beschlag belegt worden sei, auch drei Amerikaner befänden. Die Russen hätten versprochen, die Amerikaner rücksichtsvoll zu behandeln. Das Staatsdepartement hat keine Schritte unternommen. Amerika erbiiiei Deutschlands Unterstützung. W a s hi n g t o n , 24. Juli. (WTB. Funkspr.) Staatssekretär ©tim f on verständigte gestern die deutsche Botschaft von dem im Interesse der Verhütung eines Krieges unternommenen Schritte und erbat Deutschlands An - te r st ü h u n g hierbei. Der Staatssekretär sagte, Kellogg habe ihn auf den hervorragenden An- teil der deutschen Regierung bei dem Zustandekommen des Kelloggpaktes aufmerksam gemacht. Er habe deshalb alsbald auch die deutsche Regierung um ihre Mithilfe ersucht. Er freue sich, daß nunmehr alle Großmächte an diesem Friedenswerk beteiligt seien. Massenverhastnngen von Russen in China. Charbin, 24. Juli. (WTB. Funkspr. Reuter meldet: Heber 3 00 Sowjetange st eilte der chinesischen Ostbahn sind unter der Anschuldigung, ihre Landsleute gegen die chinesischen Behörden aufgereizt zu haben, verhaftet Worten. 42 andere, darunter 8 Frauen, die in Pogranichnaha angestellt waren. sind ins Gefängnis in Charbin eingeliefert Worten. Japan sperrt die südmandschurische Zahn. London, 23. Juli. (WD.) Wie Reuter an zuständiger Stelle in Tokio erfahren haben will, hat ter Befehlshaber ter japanischen Desatzungstruppen in ter Mandschurei die südmanschu- rische Eisenbahngesellschaft angewiesen, den Transport chinesischer Truppen und Munition abzulehnen und keine bewaffneten chinesischen Truppen ohne Genehmigung ter örtlichen japanischen Kommandanten durch die Eisenbahnzone passieren zu lassen. Briand gab nur Ratschläge zur Mäßigung. Paris, 23. Juli. (WTB.) Zu dem Telegramm, daß die Sowjetregierung die Vermittlung Frankreichs im chinesisch - russischen Streitfall a b g e l e h n t habe, wird in einer halbamtlichen Erklärung des Außenministeriums festgestellt, daß diese Nachricht den tatsächlichen Ereignissen nicht entspreche. Briand habe nicht vermittelt, sondern den Vertretern der beiden in Frage kommenden Ländern nur Ratschläge zur Mäßigung erteilt und dabei hervorgehoben, daß jede militärische Handlung den internationalen Verpflichtungen zuwiderlaufen würde, die die Länder untereinander verbinde, insbesondere dem Kelloggpakt. Ger Sieg der „Bremen". 3m Besitze des „Blauen Bandes" des Ozeans. Hindenburgs Glückwunsch. 'Berlin, 23. Juli. (WTB.) Der Rord- deutsche Lloyd hat an den Herrn Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: „Eurer Exzellenz habe ich die Ehre zu melden, daß nach hier vorliegenden Kabelnachrichten Eurer Exzellenz Patenschiff Llvydschnelldampfer „Bremen" auf ter ersten Reise die Strecke Cherbourg-Ambrose Feuerschiff in vier Tagen 18 Stunden zurückgelegt und sich auch sonst in jeder Beziehung bewährt hat. gez.: Stimming." Der Herr Reichspräsident hat hierauf wie folgt geantwortet: „Dem Rordteutschen Lloyd spreche ich zu dem schönen Erfolg, den sein neuer Schnelldampfer „Bremen" errungen hat, meine herzlich st en Glückwünsche aus. In unserem schweren Kampf um die Wiedererlangung der Gleichberechtigung in Weltwirtschaft und Seeverkehr ist die Leistung, die Sie durch die Schaffung dieses Schiffes erzielt haben, ein be s anderer Schritt vorwärts. gez.: v. Hindenburg, Reichspräsident." Bremens Stolz und Glückwunsch. Bremen, 23. Juli. (WB.) Anläßlich ter Ankunft des Lloyddampfers „Bremen" in Reuhork hat der Senat folgende Schreiben gesandt: An die Deutsche Schiffs- und Wasch i n e n b a u - A.-G.: Im Besitze des Blauen Bandes" ist der Lloyddampfer „B r e - m e n“ nach glücklicher Fahrt in Reuyork eingetroffen. Er hat die Hoffnungen und Erwartungen, die an ihn geknüpft waren, erfüllt. Daß dieses stolze Schiff, das Bremens Ramen von neuem durch das Weltmeer trägt, seine weltwirtschaftliche Mittlertätigkeit aufzeigt und a u f einer bremischen Werft aus bremischem Gei st und bremische m Gewerbefleiß entstanden ist, erfüllt unsere Brust mit hoher Genugtuung. Der Deutschen Schiffs- und Maschinenbau-A.-G. zu diesem hervorragenden Werke die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen ist dem Senat ein herzliches Bedürfnis. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen. (gez.) D oe me r s. An den Norddeutschen Lloyd: In glücklicher Fahrt hat die „Bremen" auf ihrer ersten Ausreise Neuyork erreicht und das „Blaue Band" erworben. Bei diesem freudigen Anlaß ist es dem Senat ein Bedürfnis, dem Norddeutschen Lloyd, im Rückblick auf zehn Jahre des Wiederaufbaues seiner Flotte, die h e r z l i ch st e n Glückwünsche auszusprechen. Gewaltig und schwer stand nach dem Zusammenbruch des Vaterlandes die Aufgabe des Aufbaues vor dem Norddeutschen Lloyd und fern schien das Ziel. Unerschütterlich im Glauben an Bremens Zukunft und beseelt von tatkräftigem Mut ist der Norddeutsche Lloyd an diese Arbeit gegangen. Ein Ziel ist erreicht. Möge die erste Fahrt der Bremen das glückhafte Symbol sein für die Zukunft des Norddeutschen Lloyds und für unsere Vaterstadt Bremen. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen. Glückwünsche Ghurmans. Freudenstadt, 23Juli. (WB.) Der hier zur Erholung weilende amerikanische Botschafter in Berlin, S h u r m a n , sandte an den Norddeutschen Lloyd ein Glückwunschtelegramm, worin er der Freude über die siegreiche Rekordfahrt der „Bremen" Ausdruck gibt und die auf« richtigsten und herzlich st en Glückwünsche ausspricht mit dem Hinzufügen, daß die Fahrt der „Bremen" Deutschland und Amerika einander nähergebracht habe. Die Cnnard-Linie gratuliert. London, 23. Juli. (WTB.) Die Cunard- Linie in Liverpool, ter ter bisher schnellste Passagierdampfer „Mauretania" gehört, hat an den Norddeutschen Lloyd in Bremen folgendes Telegramm gesandt: „Herzliche Glückwünsche zur glänzenden Leistung Ihres wunderbaren Dampfers." Die Taufe des Postflugzeuges der „Bremen". Reuhork, 23. Juli. (WD.) Unter großer Beteiligung vollzog heute Bürgermeister Walker auf dem Sonnendeck des Lloyd-Dampfers die Taufe des Postflugzeuges der „Bremen" auf den Ramen „Reuyork''. Anter den Anwesenden befand sich auch Generalkonsul Lewinski. Dem Taufakt ging ein Frühstück zu Ehren des Bürgermeisters vorauf, wobei Präsident Heineken ter Stadt Reuyork für den großartigen Empfang der „Bremen" dankte und das Glückwunschtelegramm des amerikanischen Botschafters in Berlin Shurmann verlas. Bürgermeister Walker führte diese Gedankengänge in seiner anschließenden Ansprache weiter -aus. Heute fand auch die erste öffentliche Besichtigung ter „Bremen" statt, zu ter die städtischen Behörden, die Handelskreise und die Presse geladen waren. breitet habe, daß sie sowohl für den polnischen, wie für den deutschen Nachrichtendienst arbeite. Im weiteren Verlauf ter Rachmittagsverhand- lung wurden die Belastungszeugen pielawski und Wuzik vernommen, die beide jedoch zugeben mußten, daß sie die Alitz zur Last gelegte Bescheinigung niemals im Volksbunde gesehen haben und auch nicht sagen können, daß Alitz eine solche ausgestellt habe. In der weiteren Verhandlung ergab sich schließlich, daß der Zeuge P i e l a w s k i wegen Arkuntenfäl» schung vorbestraft ist. Er hatte seine Schulzeit um zwei Gymnasialjahre erhöht, um auf diese Weise in den Offi^ersdienst eintreten zu können. Auf Grund der 'Verurteilung wurde er jedoch zum Unteroffizier degradiert. Der Angeklagte Alitz stellte fest, daher einen Mann, ter bereits einmal wegen Arkuntenfälschung verurteilt fei, nicht für glaubwürdig halten könne. Die darauf vernommene Zeugin Wuzik bc» fluntete, daß sie die Alitz Kur Last gelegten Descheinigungen niemals gesehen und derartige Bescheinigungen nie herausgegeben habe. Sie habe nur im Bureau des Volksbuntes von der Existenz derartiger Bescheinigungen gehört. Daß Alitz selbst solche herausgegeben habe, Vnne sie nicht behaupten. Aus der weiteren Vernehmung ergab sich, daß die Zeugin über die innere Organisation des Volksbundes überhaupt nicht im Klaren war, da sie den Unter» schied zwischen ter Bezirksvereinigung Kattowitz des Deutschen Volksbuntes und ter Zentrallei» tung nicht kannte. Pielawski will sie keine Briefbogen mit Ausdruck gegeben haben, obwohl derartige Bogen ohne große Schwierigkeiten zu erlangen gewesen wären. Die letzte Zeugin des ersten Derhandlungs- tages, Hedwig Knebel, eine frühere Angestellte des deutschen Generalkonsulats, sagte aus, daß vielfach Personen sich im Generalkonsulat dnfantert und erklärten, sie seien deutsch gesinnt, aber in Polen militärpflich- t i g und möchten, um der Militärpflicht nicht genügen zu müssen, nach Deutschland. Man habe ihnen dann geraten, sich an den Deutschen Volksbund zu wenden, wo sie toeifer beraten werden würden. Weiter habe man ihnen vorgeschlagen, sich in Deutschland Wohnung und Arbeit zu verschaffen, wozu ihnen der Deutsche Volksbund ebenfalls behilflich sein werde. Weiteres Wesentliche wußte die Zeugin nicht auszusagen. Die Verhandlung wurde dann auf morgen vormittag V-9 Ahr vertagt. Das Befinden des Reichskanzlers. Heidelbe rg, 23. Juli. (WB.) Rach unseren neuesten Erkundigungen von 7 Ahr abends ist das Befinden des Reichskanzlers zufriedenstellend. Die Temperatur des Patienten ist etwas zurückgegange n. P a ri s, 23. -Juli. (WB.) Havas meldet aus Berlin, daß der französische Botschafter, te Mar. gerie, sich heute im Ramen des Außenministers Briand nach dem Befinden des Reichskanzlers Müller erkundigt habe. Die Amerikafahrt des „Graf Zeppelin". Die letzten Vorbereitungen. Friedrichshafen, 23. Juli. (WTB.) Das Luftschiff „Gras Zeppelin", das nach einer Ankündigung Dr. Eckeners am 1. oder 2. August nach Amerika starten wird und dann die große Reise um die Welt unternimmt, wird jetzt fafjrtbereit gemacht. Augenblicklich werden nach dem befriedigenden Ergebnis der Probeläufe mit den neuen Kupplungen die Motoren wieder eingebaut In den nächsten Tagen wird das Luftschiff zu einer Werkstättenfahrt über den Bodensee aufsteigen. Moorbrand in Oldenburg. Eine Torfstreufabrik und 8 Arbeiterhäuser cingeäschert. Emden, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Gestern nachmittag gegen 2 Ahr geriet das Jp- weger Moor nördlich von Oldenburg in Brand. Infolge des heftigen Westwindes verbreitete sich das Feuer mit großer Schnelligkeit und hatte gegen 5 Ahr die große Torfstreufabrik Strückhausen erreicht. Die Fabrik wurde mit sämtlichen Maschinen und sämtlichen Torf beständen! ein Raub ter Flammen. Im letzten Augenblick gelang es noch, einige mit geretteten Möbeln beladene Wagen aus ter Gefahrenzone zu entfernen. Inzwischen war das Feuer auf einer Breite von 300 bis 500 Meter vier Kilometer vorgerückt und hatte den Eisenbahn- dämm Oldenburg — Brake erreicht. Sämtliche Feuerwehren der Umgebung waren schon nachmittags alarmiert worden, konnten jedoch wenig ausrichten, da fast fein Wasser vorhanden war und das Feuer in den trockenen Torf- beständen immer neue Nahrung fand. Nachmittags gegen 5 Uhr wurden alle Reserven der Oldenburger Ordnungspolizei und zwei Kompagnien der Reichswehr eingesetzt. Erst nachdem Gräben aufgelegt worden waren, bekam man Gewalt über das Feuer. Außer ter Torfstreufabrik sind 8 Arbeiterhäuser niedergebrannt. 70 bis 80 Leute sind obdachlos geworden. Sie haben die Rächt zum Teil im Freien verbracht. Das Feuer dauerte in den späten Abendstunden noch an. Es war einige Kilometer weit zu sehen. Das Bahngleis Oldenburg—Brake toat an beiden Seiten von Feuer umgeben, so daß der Rachtzug Drake- Oldenburg umgeleitet werden mußte. Der entstandene Schaden ist vorläufig noch nicht zu übersehen. Oie Wetterlage. La Corunai £15. Z8 €-20"- 'Mayen- Nordoy an _ Röst Hai MrenHns. V4 ftor \O dienstaa, d.23.Juli, 1929. 7h ivanKt, . w,tn ./AL O 4 warsd 2.5 <5. x«r -Seydt Lymes/z,.-—j O^ofkenlos.® neuer, o naiv oedecn ® woiKig. ooedecKL eRegen, * Schnee Graupeln e NeDei K ffiotmaun-Cd, 18,u ^und. u. «ucgelwafler. Mmch°l,eoo Spirit, 400 gPafi. - Apochckea U- (Progerien erbaulich. K -vv^ i??. ■<.? /;..■ ,''u erzäh dem Titel J ^^iten qj ÖQ0rp_s I./15 ter Löber nd onzert kapelle Mittwoch statt 0251t Tanzen nd Teufel \>- Nr. 171 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 24- Juli 1929 Ser russisch-chinesische Konflikt. Seine Hintergründe. Don <5. Mulden. Der zwischen China und dem Räteverband aus- gebrochene Konflikt verdient die angespannteste Aufmerksamkeit des Politikers noch mehr durch die verborgenen Triebe und Beweggründe seiner aktiven und passiven Teilnehmer, als durch das, was in den diplomatischen Boten urbi et orbi alS unmittelbarer Grund dieses Konfliktes gezeigt wird. Wenn in den chinesischen Boten sowohl als in der jüngsten Erklärung T schlang- k a i s ch e k s die kommunistische Wühlarbeit der Sowjetagenten, ja beamteter russischer Personen an der Ost-Chinesischen Bahn selbst als Grund der von chinesischer Seite an den Sowjetrussen verübten Repressalien hingestellt wird, so ist diese Erklärung freilich nicht ohne weiteres als absurd von der Hand zu weisen. Bach der Liquidierung der bolschewistischen „Freundschaft" und Ausweisung der ehemaligen „Verbündeten" aus Südchina durch Tschiangkaischek muhte die Sowjetpropaganda sich eben in Bordchina konzentrieren. Sie muhte das, weil Moskau auch nach der Biederlage in Cüdchina keineswegs auf den Trumpf China in seiner weltrevolutionären Agitation zu verzichten gesonnen war: sie muhte das ferner als Gegengewicht gegen die weihgar * distische Propaganda in der Mandschurei selbst, die als latente Gefahr stets vorhanden war und die jetzt als akute, militärische Gefahr für die Sowjets hervortritt: und sie muhte es schließlich — und hier liegt Wohl der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhänge — weil nach der Unterbindung Inner-Chinas für die Sowjetpropg- ganda die agitatorische Wirksamkeit auf dem Seewege als die wichtigste Möglichkeit noch übrig blieb: das heißt eine Propaganda von Wladiwostok aus durch Vermittlung befreundeter Matrosen auf Schiffen, die die Haupthäfen Chinas anlaufen — ein bewährtes, wirksames 2^itationsmittel. Um dieses Mittel in Angriff zu nehmen, mußte aber eben die Ost-Chinesische Bahn als Verbindungslinie zwischen Bäteruhland und jenem fernöstlichen russischen Hafen benutzt werden. Unb dennoch: würde sich der russisch-chinesische Konflikt in solchen Streitigkeiten um die kommunistische Propaganda, sowie allenfalls um Drangsalierung chinesischer Kaufleute in Sowjet- ruhland (was ja allerdings auf der Anti-REP- Linie Stalins läge), erschöpfen, so würde diesem Konflikt lange nicht jene eminente weltpolitische Bedeutung zukommen, die ihm ganz allgemein beigemessen wird. In der Tat weiß jeder, der die Entwicklung der Dinge im Fernen Osten nicht erst seit gestern beobachtet, daß die Desitzlage der Ost- Chinesischen Bahn bereits seit den Zeiten Tschangtsolins gefährdet war. Gewiß, Tschang- t s o l i n, der wahre Machthaber der Mandschurei, hatte sich im September 1924 dem russisch-chinesischen „ Freundschaftsvertrage" von Anfang desselben Jahres angeschlossen, und in Peking sprach man damals nicht ohne Angst von je einem Bündnis zwischen dem Marschall und Moskau. Aber der Marschall brauchte dieses Bündnis nur, solange er von konkurrierenden Generälen bedroht war. Als aber diese Gefahr vorbei war, verhaftete er bekanntlich kurzerhand den damaligen russischen Vorsteher der Ost-Chinefischen Dahn Iwanow, was schon damals zu einem Konflikt mit Tschitscherin führte. Tiefer gesehen hatte übrigens schon der Pakt Tschangtsolins mit dem Kreml eine Dresche in den ehemals ungeteilten russischen Besitz der Ost-Chinesischen Bahn gelegt, indem er nämlich eine paritätische Verwaltung dieser Dahn durch Russen und Chinesen festsetzte. Gewiß, eine solche Parität sieht auf dem Papier ganz schön aus, was sie aber in Wirklichkeit in einem für Moskau schwer erreichbaren Gebiet bedeutete, das zeigte das soeben erwähnte eigenmächtige Vorgehen Tschangtsolins und, das Gießener Stadttheaier. Hermann Lckisch und Hans Bernhöfi: „Hallo, wir fliegen!" Hochsommertheater. Zwei Stunden eines mehr als lauen Iuliabends plätscherten von hinnen, mit holdem Tlnsinn bis zum Rand gefüllt. Modern frisierter Schwank, jedoch nach den urältesten Rezepten einer eisernen Tradition erbaut. (Unvermutete Erkenntnisse beschert oder bestätigt die sehr saure Gurkenzeit: es gibt keine Gattung des Spiels auf der Bühne, die stabiler und konservativer durch die Zeiten wanderte als der Schwank. Hier gibt es, von etlichen modischen Einkleidungen und Spielarten abgesehen, nichts Beues unter der Sonne. Seit den Tagen der Gartenlaube bis zur Epoche der neuen Sachlichkeit: er überdauert alles und er behauptet 'ich.) Kein Gutgesinnter wird uns zumuten, den Inhalt zu erzählen: es würde die Kräfte mehrerer Referenten erfordern. Man begnüge sich mit dem Titel und mit der Feststellung des grund- gescheiten Ben Akiba, das alles schon einmal dagewesen sei. Es braucht zum Aeberfluh kaum angedeutet zu werden, daß das glücklicherweise unsichtbare Schlachtfeld der Ereignisse ein Flugplatz ist, das Hauptquartier jedoch die Villa eines Generalkonsuls in einer kleinen mitteldeutschen Stadt, die noch viel zu wenig bekannt ist. Der Generalkonsul ist hier, was früher nicht selten ein Mostrichfabrikant war: und werm jener vielleicht ein Fuhballkönig wurde, so tut es dieser nicht unter einem verhinderten Lufthelden und Sturzflieger. Welche Perspektiven für die entfesselte Phantasie mutwilliger Autoren. Es versteht sich wohl von selbst, daß der berühmte dunlle Punkt vieler schwacher Stunden dieses fortschrittlich gesinnten Bürgers nicht fehlt und in Gestalt einer großstädtischen Drettldiva tm verkehrtesten Moment aus der Versenkung laucht. Eine Fliegerin, ein Magnetopath, der unverwüstliche Herrschaftsdiener, der Krinnnal- kommissar, der in keinem besseren modernen Stück mehr fehlen darf ... genug! Die Spielleitung dieser wilden Sache war dem ^euengagierten Äomifer Heinrich Hub anver- iraut: er hat sein Sach auf Krach gestellt und sorgte für einen Betrieb, der der Temperatur des Abends spottete. zeigt auch der Eingriff, der zum gegenwärtigen Konflikt geführt hat. Welche Gründe liegen aber letzten Endes hinter diesen Eingriffen? Tschangtsolin wußte als Militär die st r a t e g i s ch e, aber auch die wirt sch a f t l i ch e Bedeutung der Ost-Chinesischen Bahn zu schätzen. Aber wenn er zunächst nur an die eigene Macht dachte, enthüllt und sein der nationalistischen Banking-Regierungs beträchtlich näherstehender Sohn die tieferen Gründe des heutigen Konflikts. Die chinesische Ostbahn — so hat Tschangsü liang, wie aus Peking berichtet wird, in einer Besprechung mit milltärischen Führern erklärt — sei chinesisches Gut und müsse daher von chinesischen Beamten verwaltet werden. Die Liquidierung der ausländischen Konzessionen müsse amtlich einmal eingeleitet werden. Deullicher kann nicht gesprochen werden. Cs handelt sich bei dem Eingriff in die Sowjetrechte an der Ost-Chinesischen Bahn um eine Konsequenz der allgemeinen nationalistischen Politik des heutigen China, aber wohlweislich an der Stelw des geringsten Widerstandes. Denn daß das Rätereich den geringsten Widerstand — trotz aller Riesenbemonstrationen in russischen Städten — leisten würde, das verstehen die Bationalchinesen sehr wohl. Unb die Schwierigkeiten der Zarenregierung beim Transport an den russisch-japanischen Kriegsschauplatz des Jahres 1904/05 sind auch noch nicht vergessen. Unflat dagegen bleibt noch die Haltung Japans. Daß Japan auf den Besitz der S ü d - Mandschurischen Dahn nicht ohne heftigsten Widerstand verzichten würde, dürfte feststehen. Diese Dahn aber prosperierte immer mehr gerade auf Kosten der Ost-Chinesischen Dahn. Der Desitzwechsel würde also kaum in japanischem Interesse liegen. Die Meldung, daß« im japanischen Außenministerium sich eine gefübls- mähige Sympathie für die Russen bemerkbar macht, entbehrt daher nicht der Wahrscheinlichkeit. Aber von diesem Gefühlsstandpunkt etwa bis zu einem Eingreifen zugunsten der Russen ist ein weiter — und kaum glaubwürdiger Weg. Zunächst der Schutz des eigenen Desihstandes in der Mandschurei — das ist die vorgezeichnets Linie der japanischen Politik, die im übrigen die Auseinandersetzung den beiden anderen Mächten überlassen wird. Tumen, Sport und Spiel. Regatta der Gießener Rudergesellschast 1877. An der am 3. und 4. August stattfindenden 2 4. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschaft 1 877 (19. Regatta des Lahn-Regattaverbandes) nehmen nach den gestrigen Feststellungen des Regattaausschusses ins- g^amt 25 Der eine mit 111 Boot en und 527 Ruderern teil. Zu den einzelnen Rennen liegen folgende Meldungen vor: Rennen 1. (Iean-Kirch-Gedächtnis-Rennen). Vierer: 1. Limburger R.-K. 1907. 2. Verein Rudersport Gießen. 3. Wetzlarer R.-K. 1880. 4. Limburger Ruderverein. Rennen 2. Junior-Vierer: 1. Kölner R.-G. 1891. 2. Ruderverein Kassel. 3. Bassovia Höchst. Rennen 3. Schuler - Gig - Vierer: 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. Gießener R.-G. 1877. Rennen 4. Iungmann-Vierer : 1. Dortmunder R.-G. 2. Offenbacher R.-V. 1874. 3. Kölner R.-G. 1891. 4. Gießener R.-G. 1877. Rennen 5. Iungmann-Einer: 1. R.-G. Ruhrort. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Hassia Hanau. 4. Limburger R.-V. 1895. 5. Rhenania Koblenz. Rennen 6. 8-Vierer: 1. Weilburger R.-V. 2. Verein Ruder-Sport Gießen. 3. Wassersport- Verein Beuel. Rennen 7. Junior-Achter: 1. Kölner R.-D. 1877. 2. R.-V. Kassel. Rennen 8. ZweiterDierer: 1. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Offenbacher R.-V. 1874. 4. R.-K. Bassovia Höchst. Rennen 9. Zweiter Iungmann-Vie- rer: 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. R.-V. Kassel. 3. Limburger R.-V. 1895. 4. Gießener R.-G. 1877. 5. Dortmunder R.-G. 6. Kölner R.-G. 1891. 7. Rhenania Koblenz. 8. Offenbacher R.-V. 1874. 9. Kölner R.-D. 1877. 10. Saarbrücker R.-G. Undine. Rennen 10. Zweiter Einer. 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. Limburger R.-V. 1895. 3. Verein Rudersport Gießen. 4. R.-G. Ruhrort. 5. Frankfurter R.-G. Oberrad. 6. R.-V. Kassel. 7. Cochemer R.-G. 8. Frankfurter R.-G. Germania. Rennen 11. Vierer. 1. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-V. Kassel. Rennen 12. Anfänger-Vierer: 1. R.-G. Lahnstein. 2. Gießener R.-G. 1877. Rennen 13. 6 - Ach ter fällt aus. Rennen 14. Zweiter Achter. 1. Limburger R.-K. 1907. 2. R.-G. Sachsenhausen. 3. Kölner R.-V. 1877. Rennen 15. Vierer: 1. R.-V. Kassel. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-G. Sachsenhausen. Rennen 16. Iungmann-Vieer: 1. Limburger R.-G. 1920. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Weilburger R.G. 4. R.-G. Lahnstein. 5. Gießener R.-G. 1877. 6. Limburger R.-K. 19. 7. Limburger R.-V. 1895. Kennen 17. Jungmann - Achter: 1. Kölner R.-G. 1892. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-V. Kassel. Rennen 18. Einer (Lahn-Pokal): 1. Cochemer R.-G. (2. Boot). 2. Cochemer R.-G. (1. Boot). 3. Verein Rudersport, Gießen. 4. Limburger R,-V. 1895. 5. Wetzlarer R.-K. 1880. 6. R.-G. Ruhrort. 7. Rhenania, Koblenz. Rennen 19. Vierer ohne Steuermann fällt aus. Rennen 20. Junior-Einer: 1. R.-G. Ruhrort. 2. R.-V. Kassel. 3. Frankfurter R.-G. Oberrad. 4. Wetzlarer R.-K. 1880. 5. Cochemer R.-G. 6. Has- sia, Hanau. Rennen 21. Dritter Vierer: 1. R.-V. Kassel. 2. Saarbrücker Undine. 3. Offenbacher R.-V. 1874. 4. Kölner R.-V. 1877. 5. R.-K. Rassovia Höchst. Rennen 22. Zweiter Junior-Vierer: 1. Saarbrücker Undine. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. R.-K. Rassovia, Höchst. 4. Hassia, Hanau. 5. Kölner R.-V. 1877. 6. R.-V. Kassel. 7. Rhenania Koblenz. 8. Kölner R.-G. 1891. Kennen 23. Achter: 1. Limburger R.-V. 1895. 2. Limburger R.-K. 1907. 3. Verein Rudersport, Gießen. 4. Gießener R.-G. 1877. Rennen 24. 8. -Iungmann-Dierer. 1. Wassersportoerein Beuel. 2. Weilburger R.-D. 3. Eschweger R.-V. 4. Limburger R.-G. 1920. Kennen 25. Doppel -Zweier fällt aus. Kennen 26. Ermunterungs - Vierer: 1. Gießener R.-G. 1877. 2. Wetzlarer R.-K. 3. R.-V. Kassel. 4. Saarbrücker R.-G. Undine. Rennen 27: Akademischer Vierer fällt aus. Rennen 28. Dritter Achter: 1. Saarbrücker R.-G. Undine. 2. Kölner R.-V. 1877. 3. R.-G. Sach- senhausen. 4. Dortmunder R.-G. 5. Kölner R.-G. 1891. Rennen 29. Großer Achter: 1. R.-V. Kassel. 2. Mainz-Kastel R.-G. 1880. Turnerschwimmen. Die Schwimmbewegung unter den Mitgliedern der Deutschen Turnerschaft, hat, wie die diesjährige Bestandserhebung ausweist, einen weiteren, höchst erfreulichen Aufschwung erfahren. Die Zahl der Vereine, die das Schwimmen in ihren ■Mum ■ nwi —l TH— —■ — Auch erzielte er, in tausend Aengsten berlinernd, als Hauptperson sowohl im Sturzhelm wie im schlichten Zivil uneingeschränkte Heiter- keitserfvlge: er kann sich seines Debüts freuen. Die verdächtige Diva vom Kabarett mit dem so klangvollen wie bittern Bamen Wanda An- gvstura wurde von Maria Koch mit der ganzen frechen Beredsamkeit ihres verwerflichen Berufes ausgestattet. Im Pilolendreß erschienen, außer chr, die obligate Verwirrung zu stiften, die Fliegerinnen Ingebvrg Scherer und Ilse Jahn. Als ein von geheimen Kräften strotzender Heilkundiger hüpfte Hans-Wilhelm Schütz, ein blonder junger H«rr, mit beschwörenden Gebärden und nervenstärkenden Rezepten zur Freude aller Anwesenden über die Bühne. Bon den übrigen Mitwirkenden, die sich alle mit anerkennenswerter Hingabe einsetzten, seien Dolck, Linkmann und W e s e n e r genannt. Der Besuch war der Jahreszeit entsprechend. Der Beifall freundlich. Es wäre viel gewonnen gewesen, wenn man seinen Rock hätte ausziehen dürfen. Dr. Th. Heidelberger Festspiele. Nach den Eröffnungsfeierlichkeiten, über die bereits berichtet wurde, haben die eigentlichen Festspiele in Heidelberg mit einer Aufführung des Shakespea reschen „Sommernachtstraums" abends im Schloßhof, dem herrlichsten Schauplatz, begonnen. Hartungs Regietemperament müht sich — um nunmehr vierjährige Erfahrung bereichert —, aller Grazie und aller Schalkheit der Dichtung mit Einfallsreichtum und musikalischem Sinn zu dienen. Unter äußerster Ausnutzung aller Möglichkeiten des formalen Reizes und einer sublimiert spielerischen Note wird dem Zuschauer diesmal vorwiegend ästhetische Beteiligung abgelockt. Aus der Ueberfülle der Regieeinfälle spritzen ein paar kleine Abgleitungen ins Operettenhafte: doch der Gesamteindruck ist der einer bisher nicht erzielten schwebenden Leichtigkeit und Vollendung, die den zwischen Astgeäder und Schloßruinen eingefügten Tanzgruppen zauberhafte Beschwingtheit und traumhafte Plastik verleihen. Oberon — in diesem Jahre wieder Heinrich George —, so erdgebunden, naturnah und dämonisch wie nur je, ein silberner Riesenfalter von unheimlicher Bewegsamkeii. Im Sprachlichen ein wenig müde. Oder ist es die Gewöhnung an allzu vertraut gewordene Register? Die Frauenrollen — bis auf den Elf Kalta Sternas — durchweg blaß, gleichgültig lassend. Die Rüpelszenen mit Otto Wernickes Zettel wie immer die gelungensten Episoden. Die interessanteste Leistung des Abends unbestreitbar Wladimir S o k o l o f f s Puck, ein Zwitterwesen voll jener schauspielerischen Urkraft, die sich, durch Intellekt gebändigt, im Frohlocken seiner Phantasie, im seligen Unfug seines verwirrenden Treibens auswirkt und ihn in Wort und Gebärde unwiderstehlich macht. A. Sch. Sine Preise, die nur für Sünde schreibt. Eine Presse, von der man selten etwas hört, und die doch in der Stille ein wertvolles Kulturwerk vollbringt, sind die von dem Neuyorker Wohlfahrtsunternehmen „American Braille Preß" herausgegebenen Zeitungen für Blinde, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in anderen Ländern erscheinen. Entsprechend dem besonderen Zweck der von ihm herausgegebenen Zeitungen ist auch deren Herstellungsart von der anderer Länder verschieden: Alles, was in der Brailleschen P u n k t i e r s ch r i f t für Blinde gedruckt werden soll, wird von einer Angestellten in einen Schalltrichter gesprochen und von einer Phonographen- walze ausgenommen. Die Walzen kommen dann in eine Werkstatt, in der blinde Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt find, und werden dort neben die Arbeiter auf einen Apparat gestellt. Die Arbeiter hören dort den Text mit einem Kopfhörer ab und übertragen ihn tippend auf die Klaviatur eins Diktophons, wodurch er sofort in Brailletypen auf Zinkplatten geprägt wird. Nachdem letztere noch einmal überprüft und korrigiert worden sind, kommen sie in eine Maschine, die den Text auf Blätter aus dünner Pappe überträgt. Pro Stunde werden so 5000 Abzüge hergestellt, die beiderseitig bedruckt sind. Gedruckt wird nach diesem Verfahren zunächst eine Zeitung, die einen Auszug des wichtigsten Stoffes aus den großen Tageszeitungen enthält und eine Zeitschrift, die Auszüge aus den literarischen unb philosophischen Zeitschriften bringt. Im gleichen Verlage erscheinen weiter Bücher und Musiknoten. Hochschulnachrichten. Vvm Verwaltungsrat bes Tlniversitäisbundes Marburg e. V. finb anläßlich der diesjährigen Hauptversammlung folgende Beihilfen bewilligt worden: Privatdozent Dr. Wachtsmuth als Uebungsbetrieb ausgenommen haben, ist gegenüber dem Vorjahr um 128 auf nahezu 3300 geftiegeiu Das Männerschwimmen ist am stärksten im Kreis Sachsen entwickelt: das Frauenschwimmen im Kreis Bayern. Bei den Jugendlichen ist es dagegen gerade umgekehrt: Bayern zählt die meisten Knabenschwimmer, der Freistaat Sachsen die stärkste Beteiligung der Mädchen am Schwimmen. 57 Vereine der D. T. verfügen über eigene Badeanlagen. Hier ist der Mittelrheinkreis am besten daran, der 10 Vereine in seinen Reihen hat, die Schwimmbadbesitzer sind. Auch in unserem H e s s e n g a u hat sich das Turnerschwimmen sehr günstig entwickelt. Einmal in der Erfassung der Massen, dann auch noch der Spitzenleistung hin, die das Können des einzelnen Schwimmers nach Bestleistung erstrebt. Das Jahr 1929 sah die Schwimmer des Gaues Hessen im Mittelrheinkreis mit an erster Stelle. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. 1900 erringt 2 erste, 8 zweite und 3 dritte Siege. ö. Bei sehr guter Beteiligung der eingelabenen Vereine nahm bas Werbesportfest bes Polizei - Sportvereins Friedberg einen glatten Verlauf. Das Hauptkontingent der Teilnehmer stellten die Polizeivereine aus Frankfurt. Darmstabt, Friebberg, der Fuhballsportver- ein Frankfurt, Turnverein 1860 Dab-Bauheim unb Reichswehr Gießen usw. Der gute Durchschnitt prägte der Veranstaltung seinen Charakter auf. Die Spielvereinigung konnte in der Gesamtwertung ben zweiten Platz belegen, obwohl in Staffeln, Weitsprung unb 3000-Meter-Lauf recht unglücklich gekämpft wurde. In allen Disziplinen, in denen die 1900er auf den 2. Platz kamen, stellten die Frankfurter Polizisten die Sieger. Diese wohltrainierten Leute setzten eben der glühenden Hitze den größten Widerstand entgegen. Heber jedes Lob erhaben waren die Sprinter Guhot und Geist: besonders Guhot war in sehr guter Verfassung und bewies, daß er der kommend Mann ist. Auch die Mittelstreckler kamen zu einem Doppelsieg. Bepperling war t>er glücklichere. Seipp war in Wtzitsprung seinen Witbewerbern weit überlegen, kam aber zu keinem gültigen Sprung. In der 4x100-COleter- Staffel hatten die Spielvereinigungsleute nach den Ergebnissen der Vorläufe eine erste Chance, die aber durch die im Cndlauf geloste, aufgelaufene Innenbahn zunichte gemacht wurde. Der Schlußmann brachte seine Mannschaft zwar noch bis auf einen halben Meter heran, Sieger waren jedoch bereits die Frankfurter Polizisten. Die 10xl00-Meter-Mannschaft lief und wechselte sehr gut unb ließ bie Frankfurter nur zu einem knappen Sieg kommen. Die olympische Staffel mußte >ohne Geist gelaufen werben, dazu kam ein schlechter Wechsel, und zum drittenmal waren die Frankfurter glückliche Sieger. Dritter wurde in diesem Rennen, weit zurück, Fußball-Sportverein Frankfurt, mit Kaufmann. Die Ergebnisse finb: 100 Meier: 1. Guhot 11,9; 2. Geist 12. 400 Meter: 2. Tönges 56 Sek. 800 Meter: 1. Depperling 2:7,8 Min.: 2. Peters 3 Meter zurück. 3000 Meter: 2. Paul 9:59 Win. Weitsprung: 3. Maus 5,75 Meter. Speerwerfen: 3. Hopfen müller 43,47 Meter. Kugelstoßen: 2. Schäfer 13,35 Meter. Dreikampf: 3. Seipp 157 Punkte. 4xl00-Meter°Staffel: 2. in 46,1 Sek. 10X100- Meter-Staffel: 2. in 1:57,6 Min. Olympische Staffel: 2. in 3:54 Min. A.f.B. Leichtathletik. Trotz der starken Konkurrenz beim Werbe- fportfeft des Polizei-Sportvereins Friedberg unb des mißlichen Umstandes, daß alle Teilnehmer mir in einer Klasse (Klasse I) starten mußten, während die meisten der jungen Leichtathleten des D.f.B. noch zur Klasie III gehören, konnten sich doch einige von ihnen bis in die Entscheidungen durchkämpfen. Wenn auch nur zwei dritte Siege errungen wurden, so kann man deshalb das Gesamtabschneiden der V.f.B.er, bei denen Mahl unb Koch fehlten, doch als zufrieden- Druckkostenzuschuh zu einer kunstgeschichtlichen Arbeit 750 Mk., Privatdozent Dr. Eimer für eine Stoffwechselforschung in der Schweiz 350 Mk., Prof. Dr. Schenk für einen Skikursus im Allgäu, sportärztliche Untersuchungen 500 Mk., Prof. Dr. Häpke für wirtschaftsgeschichtliche Forschungen in Venedig 400 Mk., Privatdozent Dr. Steinhart für kunstgeschichtliche Studien in Berlin 400 Mk., Privatdozent Dr. Fahrner als Reisezuschuß nach Griechenland 300 Mk., Prof. Dr. Stephani für weitere Ausstattung des Musikwissenschaftlichen Seminars 500 Mk., Privatbozent Dr. L ö w i t h für philosophische Studien über Biehfche 300 Mk., Prof. Dr. Iacobsohn und B o b e l für Ankauf eines Teils der Bibliothek Geldner für das Orientalisch-Indogermanische Seminar 1000 Mk., Marburger Museumverein 500 Mk., Privatbozent Dr. Llbbelohde-Doering zu einer Forschungsreise nach Peru bis zu 1000 Mk., Prof. Dr. Wrede für dialektgeographische Forschungen 950 Mk., Prof. Dr. Hamann für ein neu zu gründendes Kunstforfchungsinstitut vorbehaltlich jährlicher Beubewilligung 2000 Mk., Prof. Dr. Iacobsthal für wissenschaftliche Reisen, photographische Arbeiten usw. 1000 Mk., Prof. Dr. Wedekind für das Geologische Institut 450 Mk., Prof. Dr. Spitzer für Anschaffung von portugiesischer Literatur für das Romanische Seminar 200 Mk., Geh. Rat Prof. M a n i g t als weitere Beihilfe zum Ausbau der Abteilung für Rechtsvergleichung im Juristischen Seminar 500 Mck., Prof. Dr. Al Verdes für verbesserte Ausstattung des vergleichend-physiologischen Laboratoriums im Zoologischen Institut 1300 Mk., Prof. Dr. Friedländer als Reisezuschuß nach Paris und Italien für Sophokles-Studien 600 Mk., Privatbozent Lic. Maurer als Druck- kostenzuschuh zu seiner Arbeit über Aufklärung, Ibealismus und Restauratton. Studien zur kur- hess. Kirchen- und Geistesgeschichte (1780-1850- 500 Mk., Prof. Dr. Siegfried zur Vorbereitung zweier theologischen Arbeiten 278,50 Mk. Auf Grund vorjähriger Bewilligungen: Prof. Hamann zur Vollendung seines Werkes über die Elisabethkirche in Marburg 1000 Mk., Geh. Rat Prof. Elster zur Ergänzung der Germanistischen Seminarbibliothek 491 Mk.: insgesamt 15 269,50 Mk. — Professor Dr. med. Robert Röhle in Basel hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf aus den Lehrstuhl der Pathologie an der Universität Berlin als Rachfolger von Prof. O. Lubarsch zum 1. Oktober d. I. angenommen. stellend bezeichnen, zumal tn Anbetracht der Starke der bedeutend routinierteren Gegner von vornherein mit einem Sieg nicht gereä)net worden war. In der 4 mal 100-Meter-Staffel machte sich das Fehlen Kochs stark bemerkbar: der als Ersatz eingesprungene 3000-Meter-Mann konnte naturgemäß nicht genügen. Im Hochsprung gab es einen harten Kampf zwischen vier gleichwertigen Gegnern. 1. Becker, Polizei Frankfurt, 1,65; 2. Bolz, Polizei Friedberg, 1,60; 3. Jakob, V.f.B. Gießen, 1,60; 4. Seipp, Spielvereinigung Gießen 1,60. Beim Speerwerfen ließ der zum erstenmal' startende S p a a r sich sehr gut an, trat jedoch bei einem Wurf von 43 Meter über und verscherzte sich so die sichere Chance auf einen Platz. Hand- qranaten-Weitwurf: 1. Koch, Polizei Darmstadt, 64,05; 2. Baß, Polizei Frankfurt, 63,45 ; 3. Spaar, D.f.B. Gießen, 60,80 Meter. Die beiden Ersten sind als außerordentlich gute Werfer bekannt und haben auf diesem Spezialgebiet eine große Erfahrung, so daß die Leistung Spaars besondere Anerkennung verdient. Wenn Mo hl, V.f.B., mit von der Partie hätte sein können, wäre ihm der Sieg wohl kaum zu nehmen gewesen; im Vorjahre warf er in Friedberg die Handgranate 67,15 Meter, lieber 100 Meter lief Albert Schmidt sehr gut, hotte jedoch das Pech, beim Start zum Zwischenlauf zu stolpern, wodurch er das Rennen aufgeben müße. Schmidt kann aus der 100-Meter-Strecke noch etwas erreichen; in der Staffel lief er gegen seinen Konkurrenten einige Meter heraus. Max Fischer und Mosbach konnten sich über 400 Meter nicht durchsetzen, zumal gerade hier die Konkurrenz sehr stark war. Gießener Schwimmverein. Im Frankfurter Stadion wurde am Sonntag der Städtekampf Frankfurt- Darmstadt—Offenbach, verbunden mit gauoffenen Jugend wettkämpf en, zum Austrag gebracht. Leider trat Darmstadt zu dem Städtekampf nicht an, so daß die Staffeln etwas an Jntereffe verloren. Trotzdem gab es spannende Kämpfe, die Führung in den einzelnen Staffeln wechselte sehr oft, und es ging am Ende oft anders aus, als man im Anfang dachte. Frankfurt gewann die 10X100-Meter-Freistilstaffel, die lOXlOO-Meter-Druststaffel und die 20x50-Meter- Freistilstaffel, während Offenbach nur in der 15xl00-Meter-Lagenstaffel siegreich bleiben konnte. An den Jugendwettkämpfen war der Gießener S. V. mit einer Mannschaft beteiligt, deren Leistungen nicht ganz den Erwartungen entsprachen. Mosner (Zeit 1;41), Mewes (1;39,8) und Habrich (1;39) gelang es nicht, im Jugendbrustschwimmen auf Platz zu kommen. Auch Hechler wurde im Iugendfrei- stilschwimmen, 100 Meter für 17- und 18jährige, mit 1;23 nur Sechster. Dagegen schnitten Georg Herbert und Arnold 3 immer im Jugendfreistilschwimmen für 15° und 16jährige (15 Teilnehmer) vorzüglich ab. Herbert verbesserte seine beim Gaufest geschwommene Zeit von 1 ;13,2 auf 1 ;12,4 und belegte damit den 2. Platz im toten Rennen mit Eimer, 1. Frankfurter S. C. hinter Wendling, Moenus Offenbach, der mit l;10 eine ganz hervorragende Zeit schwamm. Zimmer wurde mit 1;16,9 Dritter und zeigte damit zum ersten Male, was er eigentlich kann. Die in diesem Rennen erzielten Zeiten könnten manchem Herren zur Ehre gereichen. Bemerkenswert ist, daß auch die im Iugendsreistil, 100 Meter, für 17- und 18jährige Jugend erreichten Zeiten hinter denen der jüngeren Klasse zurückblieben. Im Anschluß an die Wettkämpfe zeigte der süddeutsche Meister und Olympiateilnehmer Rehbor n , Gießener S. V., mit einer Anzahl ganz .ausgezeichnet gelungener Sprünge vom 10-Meter- Turm, über welch großes Können er verfügt. Das Publikum war einfach begeistert, und auch wirklich mit Recht. Es ist erstaunlich, daß Reh- born — man kann es wohl behaupten — noch besser springt als im Vorjahre, obgleich er in Gießen keine Gelegenheit hat, Sprünge vorn 10- Meter-Turrn zu üben. Das ist um so bedauerlicher, als sein Können gerade erst bei Sprüngen aus großer Höhe ganz zur Entfaltung kommt. Den Abschluß der Veranstaltung bildete ein Wass erballspiel zwischen der Jugend des G. S. V. und der des Rot-Weiß, Darmstadt, als Vorspiel zur Gaumeisterschaft. Das Spiel zeigte, daß die Gießener Jugend noch nicht über die nötige Kampferfahrung verfügt, daß aber andererseits die besten Ansätze vorhanden sind, die darauf schließen lassen, daß es die Mann- Roman von Edgar Wallace. 35. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Dann muh ich dich mal wieder ein wenig auf die Erde zurückbringen," sagte Diana ruhig. „Ich möchte, daß du mir etwas versprichst." „Ich will dir alles versprechen, was es auch sein mag, Diana," sagte er im Lieberstrom seiner Gefühle. „Verlange den obersten Ziegel des Schornsteins, verlange ein Stückchen vom Mond und —“ „Gar nichts so Schwieriges. Ich möchte nur — und doch wird eS vielleicht noch schwieriger sein," sagte sie eimsthaft. „Willst du mir versprechen, daß du mich unter keinen Lim ständen bitten wirst, unsere Verlobung aufzuheben?" Er drehte sich zu ihr und wäre beinahe stehen geblieben. „RichtS mehr als das?" sagte er. „Wie kannst du nur auf den Gedanken kommen, daß ich jemals den Wunsch haben sollte, diese wundervolle Verlobung aufzulo—" „Ich weiß, ich weiß," unterbrach sie ihn. „Es ist genau so wundervoll für mich, und doch" — sie schüttelte den Kopf — „willst du mir versprechen, daß du niemals unsere Verlobung auf* heben wirst, was auch immer vorfallen mag, wie auch immer der Ausgang des Falles Stuart sein mag, ob du Erfolg hast oder nicht, was für Enthüllungen auch kommen mögen — willst du mir das versprechen?" „Das verspreche ich dir," sagte Larry bestimmt. „Es gibt nichts in der ganzen Welt, das mich veranlassen konnte, mein gegebenes Wort zurückzunehmen. Aber ich lebe in Todesangst, du wirst noch mal herausfinden, daß du dich an jemand weggeworfen hast, der deiner unwürdig ist. Wenn du das aber tust, schwöre ich dir, daß ich dich wegen gebrochenen Eheversprechens verklagen werde I Mit meinen Gefühlen lasse ich nicht spielen," fügte er lachend hinzu. Als sie nach dem Zimmer 47 kamen, fanden fie zwei Mann, die im Gang auf sie warteten. Einer war ein Kriminalbeamter in Zivil, und der andere ein kleiner, verschrumpelter Mann, der schäft in kurzer Zeit zu etwas bringen kann. Der Gesamtetndruck des Spiels war der, daß eigentlich keine Mannschaft die bessere war, der Ball befand sich jedenfalls öfter in der Spielhälfte der Darmstädter, als tn der der Gießener. Daß das Spiel trotzdem mit 5:2 zugunsten der Darmstädter endete, lag daran, daß diesen verschiedene Durchbrüche glückten, während die Gießener Stürmer den Ball reichlich oft am Tor vorbeiwarfen. Da die Mannschaft des G. S. V. mit Erfolg antrat, dürfte damit zu rechnen sein, daß das Rückspiel am 25. August in Gießen günstiger ausgehl. Tennis. Gießen — Darmstadt 9:10. Wie erwartet, war der Verlauf dieses Klubwettkampfes äußerst spannend. Rur mit einem Punkt Vorsprung konnte der vorjährige BezirkS- meifter den Gießener Tennisklub 1922 bezwingen. Bei gleichviel gewonnenen Sähen konnte Gießen 237 Spiele für sich buchen, Darmstadt mir 232. Die meisten Siegespunkte für Gießen ergaben diesmal die Doppels, eine für den Klub besonders erfreuliche Tatsache; noch in der vorjährigen Saison waren die Doppels und im besonderen das Mixed stets der wunde Punkt in der Gießener Mannschaft. Gegen Darmstadt gingen alle aus- getragenen Mixedspiele gewonnen I Herren-Einzel: Dr. Kirchner muß sich nach Kampf dem Sicherheitsspiel des früheren Gießener Klubmitgliedes Werner ergeben. Roll stellt sich gegen Deutler nach verlorenem 6:0-Sah um und siegt nach schönem Spiel mit rasanten Vorhandschlägen gegen den guten Darmstädter. Hamann muß S t e f f a n in drei Sähen knapp den Sieg überlassen. Dr. Schoppet unterliegt dem wuchtigen Spiel von Sa - mesreuther. 6eriba präventiert sich in ausgezeichneter Form und schlägt Dr. Friedrich 6:1, 6:2. Dr. Dönges und v. Grvl- man müssen Niederlagen hinnehmen, testeter verliert nur ganz knapp in drei Sähen. Fischer schlägt Petersen nach härtestem Dreisatz- kompf. Damen-Einzel: Frau Dumur beweist erneut ihre große Klasse, indem sie gegen die ausgezeichnete Darmstädterin Frl. Fischer nach gewonnenem ersten Satz und nach 4: 2-Führung tm zweiten nur ganz knapp unterliegt. Das Match brachte ausgezeichnetes Damentennis und besonders schönes Hehspiel von Frau Dumur. Frl. K e m p f f und Frl. S e u f f e r t spielen ziemlich ausgeglichen drei Sätze, die Darmstädterin ist zum Schsich glückliche Siegerin, Hrl. Berg ist gegen vorigen Sonntag nicht wiederzuerkennen, in Hochform schlägt sie Frl. Spaeth 6:3, 6:0. Frau Düttmann unterliegt dem weichen Spiel von Frl. S c r i b a. H erren -Dop pel: Dr. Kirchner-Roll spielen gegen Werner-Samesreuther ein flottes, interessantes Match, letztere gewinnen in drei Sätzen. Gießen hätte genau so gut gewinnen können. Dr. Schopper-Scriba führen eines der schönsten Spiele ihrer Tennispraxis vor und siegen über Deutler-Steffan. Dcriba in Ausschlag und Rückhand erstklassig. Ha - mann-v. Grvlman verlieren unnötig 7:9 im dritten Satz. Dr. Dönges-Fischer sichern den zweiten Pluspunkt im Herren-Doppel. Mixed: Das erste Mixed muhte leider aus- fallen, ein Llmstand, der vielleicht entscheidend für den ©efamtfieg war. Die starke Gießener Kombination Frau Dumur- Dr. Kirchner hätte die besten Aussichten gegen Frl. Fischer- Werner gehabt. Frl. Berg- Dr. S ch o p p e r müssen sich gehörig strecken, um Frl. S e u s f e r t - Samesreuther zu bezwingen. Das 9:7 im dritten Satz zeigt die Härte des Kampfes. Frl. Kempf-Roll siegen sicher 6:3, 6:3 gegen Frl. Scriba-Deutler. Frau Dü11 - mann-Scriba gaben Frl. Spaeth-Stes- fan 6:3, 8:6 das Rachsehen. Das 2. Bundesfest des Arbeiier- Tum- und Sportbundes in Nürnberg. Vom 18. bis 21. Juli fand in Nürnberg das 2. Bundesfest des Arb eit er-Turn- und Sportbundes statt. Bereits feit zwei Jahren waren die Vorarbeiten für diese Veranstaltung im Gange und wenn diefes große Fest in allen Teilen die Erwartungen übertraf, so ist das auf das beste Zusammenarbeiten aller Funktionäre und die vorzügliche Disziplin der Massen zurückzuführen. Bereits ab Mittwoch rollten die Sonderzüge durch alle deutschen Gaue, um die Teilnehmer nach Nürnberg zu bringen. Auch der 9. Kreis (H e s - f e n) war mit einigen tausend Teilnehmern vertreten, die in drei Sonderzügen ab Frankfurt befördert wurden. Der 3. Bezirk im 9. Kreis (Gießen) fuhr mit 150 Teilnehmern am Donnerstag früh ab. Trotz des schweren Gewitters hatten sich alle Gemeldeten pünktlich in Gießen eingefunden. In Nürnberg wurden fast alle Teilnehmer des 9. Kreises bestens untergebracht. Bis Autn Freitag, dem eigentlichen Festbeginn, waren über 100 Sonderzüge in Nürnberg eingetroffen. Die Stadt dürfte selten einen so riesigen Verkehr aufzuweifen gehabt haben, wie in den Tagen des Bundessestes. Die Festeröffnung fand pünktlich 10 Uhr im großen Rathaussaal statt. In stimmungsvolles Zwielicht getaucht fitzen hier Hunderts von Vertretern der Sportler, der Länder, der Stadt und der Arbeiter- organifattonen. Die Decke ziert der Erinnerungskranz an das Dürerjahr, und von den Wänden herab schauen die Malereien von Albrecht Dürer auf die bunte Menge. Die Musiker des städtischen Orchesters leiten die Feier mit der glänzend gespielten Ouvertüre zu „Egrnont" ein. Die Musik verklingt, dann singt der Volkschor „Hans Sachs" mit 300 Teilnehmern den dramatischen Männerchor von Paul Kurz. Der Bundesoorsitzende Gellert, Leipzig, begrüßt die Gäste, besonders den Reichsinnenminister S e v e r i n g , Reichstagsprä- fident L ö b e, die Oberbürgermeister der Städte Nürnberg und Fürth, Dr. L u p p e und Dr. W i l d, sowie Vertreter anderer Organisattonen und den Vertreter Oesterreichs. Dann überbringt Oberbürgermeister Dr. Luppe die Willkommengrüße der Feststadt. . Die Grüße der Reichsregierung und des Reichskanzlers überbrachte Reichsinnenminister Severing. Gr führte ferner aus, daß die Reichsregierung Wert darauf lege, festzustellen, daß sie es als ihre Pflicht und Aufgabe betrachtet, auch für die Tagesarbeit der Turner Mittel bereitzustellen. Wenn unsere jungen Arbeiter und Sportler keine Gelegenheit hätten, sich in frischer Luft zu tummeln, wenn sie nicht folgen würden ihren Führern, die sie hinausführen in die Wälder, auf Fluren und Stadien, dann bestände die Gefahr, daß sie bet Zigarren- und Zigarettenqualm in der Stadt ihre freie Zeit verbringen und verkümmern würden. Dies hätte doch die größten sittlichen Gefahren im Gefolge. Ferner habe er die Absicht, im nächsten Herbst alle die großen Zentralorganisationen (die Kulturorganisationen, Theater-, Jugend-, Schriftsteller- und Turnerorganisationen) zusammenzuberufen, um zu versuchen, den einen großen harmonischen Menschen der Zukunft zu gestalten. Reichstagspräsident Lobe richtet auch einige Worte an die Festversammlung. Es sprechen dann noch verschiedene Vertreter von Organisattonen. Die Grüße der Oestreicher überbrachte Jul Deutsch. Inzwischen hatten im Stadion die Wettkämpfe aller Sparten begonnen, die große Beteiligung aufwiesen. Der Rachmittag und Abend brachte die Sondervorführungen der Dundesschule, sowie die Kreisveranstaltungen. Alle Veranstaltungen waren stark besucht. Linser Hessenkreis war in der wunderbaren Freilichtbühne „Schmausenbuck" zum Kreisabend zu fammengetommen. Alle Vorführungen fanden stärksten Beifall. Der Samstag brachte die Fortsetzung der Wettkämpfe, sowie die verschiedenen Dorproben und Fußballkämpfe. Abends fand das Festspiel statt, dem sich eine Jugendkundgebung mit Fackelzug anschloß. Zehntausende nahmen hieran teil. Den Höhepunkt des Festes bildete der F e st z u g am Sonntagvormittag. Bereits früh 7 Llhr marschierten die Sportler zu ihren Stellplätzen. In zwei Zügen marschierten die Hunderttausend durch die Straßen Rürnbergs nach dem Stadion. Was nicht am Festzug beteiligt war, hatte in den Straßen und im Stadion Aufstellung genommen, um dieses seltene Schauspiel zu bewundern. Tausende von Fahnen, Musiker, Trommler und Pfeifer gaben dem Festzug das Gepräge. Lim nachdenklich, die Hände auf den Knien, auf einer Dank sah und mit sichtlosen Augen auf den Boden starrte. Bei seinem Anblick blieb Larry stehen. „Was soll das bedeuten?" fragte er. „Ach, bitte, sei nicht böse," sagte das junge Mädchen bedauernd. „Das hätte ich dir ja erzählen müssen — ich habe ihn holen lassen." „Das ist doch Lew," rief Larry überrascht, und Diana nickte. „Du hast mir doch selbst gesagt, daß ich als Zeugen holen lassen könnte, wen ich nur immer woltte," begann sie, aber er unterbrach sie freundlich: „Selbstverständlich, Liebling, du kannst tun, was du willst." Er betrachtete neugierig den alten Mann, der teilnahmlos für alle äußeren Dinge in seiner dunklen, schweigenden Welt seinen eigenen Gedanken nachhing. „Bringen Sie ihn ins Bureau," sagte Larry, und zu Diana: „Wie willst du es denn anfangen, ihn zum Sprechen zu bringen? Wie willst du es ihm verständlich machen, was wir von ihm wollen?" Er schüttelte mitleidig den Kopf. „Ich habe es mir vorher nie recht klar gemacht, was für ein entsetzlicher Zustand es fein muß, blind und taub zu sein. — Kannst du dich mit ihm verständigen?" „Ich glaube — ja," antwortete das Mädchen ruhig, „aber du mußt dir erst klar machen, daß Lew keine Idee hat, wo er eigentlich ist. Wie soll er das denn wissen? — Vielleicht denkt er, daß er immer noch in jenem fürchterlichen Blindenheim in der Gewalt der Leute ist, die ihn so grausam mißhandelt haben." Larry nickte beipflichtend. „Ich brauche einen Revolver," sagte das junge Mädchen, „und einen Schutzmann in Uniform." Sie wandte sich Larry zu. „Ich muß sehen, ob ich noch nicht alles vergessen habe, was ich im Blindenheim gelernt habe," und ergriff die Hand des alten Mannes. Sie nahm seine beiden Handgelenke und' hob seine Hände an ihr Gesicht. „Eine Frau," sagte Lew. Dann hielt sie die kleine Vase mit Blumen, die auf ihrem Schreibtisch stand, unter feine Rase. „Rosen, nicht wahr?" fragte er. «Das ist wohl ein Hospital." Sie winkte hen uniformierten Schuhmann, der an der Tür stand, zu sich heran und hob von neuem die Hände des alten Mannes hoch, führte sie leicht über den Uniformfragen des Beamten, über die Knöpfe feiner Tunika hinweg und ließ sie schließlich den Helm berühren. „n Grüner I" sagte Lew und fuhr zurück. Wieder ließ sie ihn an den Blumen riechen und strich von neuem mit seiner knochigen, alten Hand über ihre frische Wange. „Ich bin in ’m Hospital, und ’n Schutzmann paßt auf mich auf. Sucht man mich Denn für irgend was?" Diana nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und schüttelte ihn von rechts nach links. „Also nich? Was?" sagte er erleichtert. Larry beobachtete gespannt die beiden. „Bin ich vor den Schweinehunden sicher?" Wieder nahm sie seinen Kopf zwischen die Hände und zwang ihn zu nicken. „Ich soll wohl aussagen?" Das junge Mädchen wiederholte dieselbe Bewegung, zog einen Stuhl heran und führte Um zu diesem. Der Kriminalbeamte hatte inzwischen den Revolver gebracht und reichte ihn dem jungen Mädchen. Sie nahm Lews Hand und strich leicht mit dieser über Griff und Lauf der Waffe. Er schauderte. „Ja, das haben sie mit mir gemacht," sagte er. „Sie wollen sie wohl dafür fassen, nicht wahr? — Es war furchtbar grausam für ’nen blinden Mann. Warum kneifen Sie mich denn in die linke Hand?" Wieder ließ sie ihn nicken und zwickte dann seine rechte Hand und, ohne auf seine neue Frage zu warten, ließ sie ihn den Kopf schütteln. „Ich hab's, ich hab's begriffen," sagte er eifrig. „Die rechte Hand bedeutet nein und die linke ja. Ist jemand hier — ’n Oberbonze?" Sie signalisierte ihm „Ja". „Wollen Sie, daß ich aussage?" Wieder das „Ja"-Zeichen, und Lew begann seine Erzählung. Er und der blinde Jake waren Leidensgenossen, aber er war beinahe schon von Jugend an der die elfte Stunde trafen die Spitzen tm ÖhrftÖB ein, wo trotz Sonnenglut eine tausendLpfigq Menschenmenge ausharrte. Sofort nach (Sin* treffen auf der Festwiese nahmen die E n t * scheidungs kämpfe der Leichtathleten, bet Schwimmer und Spieler ihren Fortgang. Gegen 3 Llhr setzten die Massenfreiübungen auf der Festwiese ein. Zwanzigtausend Männer und über zehntausend Frauen zeigten die famos einstudierten und peinlich exakt ausgeführten rhythmisch-gymnastischen Bundesfreiübungen mit Musikbegleitung. Ein aufziehendes schweres Gewitter mit dem langersehnten Rah konnte diese- seltene Schauspiel nicht stören und auch die Zepn- tausenden Zuschauer von der Begeisterung mchk zurückhalten. Dem Donner des Raturschauspiels folgte der Beifallsdonner der Massen. Zu gleicher Zeit ehrte Siegesjubel den Besten in der Schwimmbahn und bei den leichtathlettschen Schluhkämpfen. Bundeshöchstleistungen wurden überholt durch neue Bestleistungen. Den Schluß der sportlichen Wettkämpfe bildete das Fußballspiel der Verbände Süd- und Mitteldeutschland. Zwei Mannschaften guter spielerischer Qualität, die besten Könner ihrer Verbände, rangen zäh um die Entscheidung, die jedoch ausblieb. Ein Unentschieden 3:3 war das Ergebnis, das auch den Leistungen entsprach. Zu dem Kapitel Sondervorführungen gehören die am Sonntagnachmittag im Stadion gezeigten Einzeldarbie- tungen von Gästegruppen und auch die würdige Abschlußfeier dec Gesamtveranstaltung am Abend auf der Hauptkampfbahn. Jetzt setzte der letzte Kampftag der Straßenbahner ein, die Mustergültiges geleistet haben. Bereits ab Sonntagnacht fuhren die Sonderzüge wieder zurück. Ergebnisse von Teilnehmern unseres Bezirks: Geräte-Siebenkampf für Turner: Karl Bettln, Wieseck, 11. Stelle, 243 Punkte. Geräte-Sechskampf, Jugendliche 16 bis 18 Jahres Wagner, Launsbach, 33. Stelle; Sehrt, Großen- Linden, 37. Stelle. 5000-Meter-Lauf: Baffer, Gießen, 6. Stelle. Diskus, beidarmig, Sportler: Wilhelm Schwarz, Annerod, 3. Stelle, 58,19 Meter, Dundesmeister. Schleuderballwerfen: Wilhelm Schwarz, Annerod, 6. Stelle, 51,31 Meter. Tennis: Männer, Einzel B, Adam Gündervth^ Gießen, 6: 4. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 16. Juli. Diebstähle aus sahrmchen Fuhrwerken auf der Landstraße gehören nicht zu den Seltenheiten. In dem einen Fall schleicht sich der Dieb an die Fuhrwerke heran, ohne daß es der Fuhrmann merkt; in dem anderen gesellt er sich zufällig zu dem Fuhrmann und benutzt dann irgendwelche Gelegenheit, diesen während der Fahrt zu bestehlen. Ein Diebstahl der letzterwähnten Art führte den heutigen Angeklagten, der ein Milchsuhrwerk bzw. dessen Leiter eine längere Strecke hindurch begleitete, auf die Anklagebank. Er soll aus einem an dem Fuhrwerk befestigten Kasten Geld gestohlen hahen. Der Bestohlene merkte den Verlust erst, als er an seinem Bestimmungsort angelangt war. Sein Verdacht fiel auf seinen Begleiter, einen vorbestraften 21jährigen Menschen aus einem Rachbarort, der sich auch schon in Fürs orgeerziehung befand. Die vorgebrachten Verdachts gründe des Fuhrmanns, des einzigen Zeugen, reichten jedoch zu einem verurteilenden Erkenntnis nicht aus. Derselbe Angeklagte wurde noch eines weiteren Diebstahls beschuldigt. Er hatte gleich zu Beginn des Jahres eine mehrmonatige Gefängnisstrafe zu verbüßen und soll die Absicht gehabt haben, sich vor Antritt der Strafe noch einige gute Tage zu machen, wozu ihm aber das Geld fehlte. Rach der Anklage hat er sich das Geld durch Diebstahl in der Wohnung eines alleinstehenden Sonderlings verschafft, indem er diesen ohne einen besonders ersichtlichen Grund besuchte und während seines Aufenthalts in der Wohnung eine günstige Gelegenheit wahrnahm, um aus einem Kleidungsstück 15 bis 20 Mk. zu stehlen. Das Zeugnis des Bestohlenen, der offensichtlich geistig minderwertig ist und in der Hauptverhandlung von seinen im vorbereitenden Verfahren gemachten Angaben abwich, reichten auch hier nicht zu einer Verurteilung aus, so daß in beiden Fällen wegen mangelnder Beweise Freisprechung erfolgen mutzte. Sklave des riesigen Kerls gewesen und hatte unter der Herrschaft dieses Verbrechers ein stündiges Leben voller Schrecken geführt. „Er hat Dinger gedreht, Sie würden zu Stein erstarren, wenn Sie se wüßten. Dinger," sagte er kopfschüttelnd, „hat Jake angestellt, an die ick nich gern denke — oft kann ich nachts nich schlafen." Dann war vor fünf oder sechs Jahren Lews «eigener Bruder ein Mitglied dieser außergewöhnlichen Bande geworden. „Lind ein feiner, kräftiger Kerl war er“, faate Lew stolz, ,,und sehen konnte er auch! Er lief immer auf Den Jahrmärkten als Blinder herum, aber er konnte sehen wie ein Luchs, tonnte sogar Zeitungen und Bücher lesen; 'n großer Kerl war er, Sir, und hatte einen langen, buschigen Backenbart. Ja, Jim war ein großer Kerl, aber ’n Gauner." Dann waren sie unter den Einfluß jener außergewöhnlichen Macht geraten, von der der blinde Jake nur in so respektvoller Weise zu sprechen pflegte. Man hatte sie gebraucht, um Tote aus einem Hause fortzuschaffen, Jake hatte dabei geholfen und Jim und Lew. Er wußte nicht, ob man sie ermordet hatte, aber er glaubte es. „Das war ’ne gerissene Bande. Wissen Sie, was sie vor sechs Jahren ferttgbekommen haben?" Er schien beinahe stolz auf das verbrecherische Genie dieser Schreckensmenschen zu sein. „Wir haben einen Mann in den Fluß geschmissen mit einem Gewicht an den Deinen. Denken Sie vielleicht, man hat Lunte gerochen, als der Körper gefunden wurde? Rich dran zu denken. Wo denken Sie, daß das Gewicht befestigt worden war? An einem großen Block Salz, der genau um die Beine von dem armen Deibel patzte. Als das Salz sich aufgelöst hatte, kam er fein nach oben, und nischt war zu merken." „Lebte er denn noch, als er hineingeworfeN wurde?" fragte Larry, und das junge Mädchen schauderte bei diesem Gedanken. Der Mann konnte die Frage nicht Höven, aber er antwortete, als ob er die Worte vernommen hätte. (Fortsetzung folgt) »Die DttneueZ pW 8«'* 5 5 noch bill noch ö,e m Jn ! eit lu^ , ES?2! As £ if Kn von einem - Am Mdsunljir Dtt-n liW w°n £G 'man mit der 2 mi-idi beginnt > Ski allen ApsXw , wehen M wir rjnit dem begb Dion einem leite -»er einiger Ze »ci der die „6i iwtigtelt von Bit Skit Der Borte, ' Tonfilm besteht .■ Lichtspieltheater < «abeoorrlchtung s »miß. Ts genügt ters wichtig ist i Mstenfchostlicher ifine andere M Heim aiyufehen,, Windung mit dem' Iwo tonn man B IRunbfunl häufig inwtben. Für f)eii !Bild auf 10 bis »verkleinert tnetbei .bescheidenen W . Apparates benutz imoglichi sogar ' ■, »der bewegter E als bisher. Im Vie neuesten tech f'unkgebiet ousgef eine deutsche Er, lenden deutschen «mb? bas 5tm greg.-r üidjfftärle flän Mer Entf Sotiührungnaum Neuerdings git mit Mikroskopen 'können. Dadurch ff verte Bewegme fkops fesselnd t Bewegung von ■ lerchen oder vo ,?i'.aii)enzelle, di ldurch Bakterien «singe. Durch sei eine behutsame ichwindigkeit ode: same Borgange । Dieser neue g . Schrifstelleri ^ouffüh^ ^rbft in H ® An. de Dergr fr Mue, veranlaß! L« sonder Langen „®;e Ns i cn.Me;( Ute ** h «4» J?an Ab h tu ÄtDof Ä 6 b» »Phon und dem Radio. Aehnlich gtl *<) der Kinematographie. 2Bi | n gen wird, billige und dennoch fli nl Wiedergabeapparatc herzuftellen, ij werden, alle wichtigen Familie liirheidenen Platzverbrauch eines odell er- ht es heute ienn es ge- elangt tvar. Sein werter, einen vorbestrasten einem Aa^arvrt, der orgeerziehung besand. hts'gmnöe beä Fuhr- 'n, reiften jetod) ni itnis nicht aus. i eines weiteren Dieb- gleich zu 'Degim des GesänaniSstrase zu sicht gehabt haben, sich ch einige gute Tage zu das Geld fehlte. Aach Geld durch Diebstahl illeinstehenden bonder- biesen ohne einen be- nd besuchte und tvah' in der Wohnung eine rnchn, um aus Ein Wk. zu stehlen. Das der offensichtlich geMg der Hauptverhandlung tenden Erfahren ge- reichten auch hier E us, so daß m taten Beweise Ireispre filcnnzenzelle, das Anbohren eines Blutkörperchens dirch Bakterien und viele andere belehrende Vorsilbe. Durch sehr langsame Aufnahmen und durch ins behutsame Wiedergabe mit normaler Ge« kuDinbigfeit oder mit dem Zeitraffer können lang» j n e Vorgänge in raschem Ablauf gezeigt werden. s gewesen und H2 Krbrechers ein M- len ge$)Tt' Sie wurden zv vtew rkten als ® « bnnte i wie e" ^'großer ’^u Sicn langen- > ** i geraten^" w P respekwoue^^ht, um Satte K.9« hatte üotw u Wissen Kd Ln 'Seinemta SM e von 5 hatte, ch -E me-ken- ’wsJ* i ob Dom Gleichlaufkino zum plastischen Film. Don Or. Siegfried Kurth. Fast alle bedeutenden technischen Erfindungen iben leider eines gemeinsam: sie sind zunächst für Allgemeinheit unerschwinglich. Erst wenn sie -ientltch verbilligt werden, erobern sie sich das rofoe Verbreitungsgebiet, für das sie bestimmt nt>. So war es mit dem Automobil, dem Gram» 1Q>en C 1 zeigte „unner SJftSs i'LSr sä M ausbli5 K Ergebnis, das „7.2 eÄ*SF '»tarn’' ? unseres Bezirks- V'W'S- ^srr. Brohen« ' Bietzen, 6. ©teile. ^'Wilhelm Scherz. DundLstA Ä Schwarz, Anne. B- Aam Gimdervt^ ciparates benutzt wird. Das neueste r eicht sogar das Fernsehen lebender Personen t??r bewegter Gruppen in viel größerer Lichtstärke o': bisher. Im vorigen Monat wurden im Haag t neuesten technischen Fortschritte auf dem Rund« simkgebiet ausgestellt. Großes Aufsehen erregte dort tre deutsche Erfindung, der Fernseher eines füh- 'tmben deutschen Unternehmens. Zum erstenmal Rinde das Fernsehen lebender Personen mit so -z-oßer Lichtstärke gezeigt, daß man die Bilder auf ihn Meter Entfernung ohne Verdunklung des lortührungsraumes gut erkennen konnte. Tcuerdings gibt es Kleinkinos, die unmittelbar Mt Mikroskopen in Verbindung gebracht werden Ihren. Dadurch lassen sich zahlreiche bemerkens- t-r ic Bewegungen unter dem Deckglas des Mikro- f'cpi fesselnd wiedergeben. Man sieht z. B. die 6 tregung von Schneckenembryonen, von Glocken- Iirchen oder von Protoplasmaströmungen in einer „Die letzten Adler." Oer neue Bengt-Berg-Film der Llfa. Berlin, im 3ull 1929. Dieser neue Film des schwedischen Forschers uib Sch rif steiler s Bengt Berg, der in diesen Sagen im Llniversurn am Leniner Platz seine tc-aufführuna erlebte, soUte eigentlich erst Herbst in Berlin gezeigt werden. Der große s »lg aber, den der Film und der Bortrag .er.gt Bergs bei der Kieler Festspielwoche er* Ijiüe, veranlaßte die Ufa, das Filmwerk schon j:t)i herauszubringen. Die alle Filme Bengt Bergs, der nicht nur Doscher, sondern auch ein großer Künstler ist, tr.mgen „Die letzten Adle r" eine so bezifferte Zustimmung, und einen so starken Ap- filluis, wie er selten in unseren Lichtspielhäusern riebt wird. Der Schöpfer dieses Films hat Hernit in vierjähriger mühevoller und nicht xsachrloser Arbeit ein wirklich monumentales 2er! geschaffen, das alle Geheimnisse dieser kn glichen, im Aussterben begriffenen Vögel in PO herrlichen, lebendig-anschaulichen Bildern kit'düllt. ES ist eine Erzählung geworden, die ii einzigartiger Weise das Leben der Adler schil- kr l und eine Raturnähe und Raturliebe atmet, re den Zuschauer in einen seltenen Bann zwingt. liL)äI)Iigc Male dankte brausender Beifall mit* In in der Szene für besonders Wohlgelungens üu:'nahmen. Fast will es unglaubhaft erschein i'ix daß es möglich War, diese scheuen, auf hohem onst lebenden Vögel so zu belauschen, daß man 'liegen, rauben, fressen, schlafen und erwachen .hl, daß man das Wachsen der Jungen von c Hilflosigkeit an bis zum ersten selbständigen mg in die Weite miterlebt, als hätten sie sich Billig der Kamera präsentiert und sich den ^Weisungen eines Regisseurs gefügt. Aber diese Ech mspieler der Ratur wußten nichts von dem benachbarter hoher Kiefer in einem fünft* kch«m Laubversteck verborgenen Kameramann, der fit- hingebender Geduld und Liebe dort oben toqenlang ausharrte, um sie in allen Phasen, brat Lebensgewohnheiten zu belauschen und Bil- p Sn schaffen, deren lebendigen Eindruck und I tande Erzählungskraft Worte kaum zu schil- vermögen, ^hen muß man diesen Film! Tiit welch hoher Künstlerschaft, mit welchem .aüun>erständnis und mit welchem Humor spricht her Bengt Berg in Bild und Wort zu uns, die ir mitgenffen seinem Erlebnis folgen. Man tg-elft plötzlich den hohen kulturellen Wert M beweglichen Bildes, das einer breiten All* nf) die Aufnahme eines Films. Run gibt es ! ii kurzem ein Mittelding zwischen dem Massen- n.3 und dem „Privatfilm": das Gleichlauf- i o, das auch mit dem Rundfunk kombiniert - den tonn. Die Aufnahmen für diese Kinoart et rben zwar von einer Filmgesellschaft gemacht, ic Vorführung kann aber jeder selbst in seinem leim vornehmen. Der Grundgedanke dieser Ersin- ung ist folgender: in einer Zentralstelle, etwa n em Rundfunksender, läuft ein Film, zu dem ein !attragender erläuternde Worte spricht. Diese wer- ii von einem Mikrophon ausgenommen und mit iir Rundfunksender verbreitet. In beliebig vielen rtten läßt man nun denselben Film wie in der :e nbeftation abrollen, während der Lautsprecher üeiilhzeitig den begleitenden Vortrag mitteilt. Wenn jia n mit der Vorführung des Films überall zu- telch beginnt und den Ablauf des Bildstreifens el allen Apparaturen genau gleich schnell vor sich pfrm läßt, wird das Filmbild an allen Stellen ut dem begleitenden Vortrag übereinftimmen, nm einem leitenden deutschen Unternehmen wurde or einiger Zeit eine solche Anlage vorgeführt, n der die „Synchronisierung", die Gleich -itigfeit von Bild und Vortrag, ausgezeichnet gelöst mx. Der Vorteil dieser Erfindung gegenüber dem Tonfilm besteht darin, daß nicht jedes einzelne ichtspieltheater oder Hauskino mit einer Wieder- ü».Vorrichtung für die Stimmen ausgerüstet sein ruH. Es genügt ein billiger Lautsprecher! Beson- ere wichtig ist dieses System bei der Wiedergabe dislenschastlicher Vorträge. i£ine andere Möglichkeit, sich Filme im eigenen Itltn anzusehen, bietet das Fernkino in 93er« Inbung mit dem Rundfunkfernseher. Mit dem Fern- l"D kann man Bildstreifen senden, ähnlich wie im fi ndfunk häufig Grammophonplatten vorgeführt certen. Für Heimapparate kann das frei sichtbare Aus der Wett des Films. Diese Kleinkinos für wissenschaftliche Zwecke — einschließlich der Einrichtung für Mikro-Aufnahmen — kosten allerdings 500 Mark. Für Amateur- aufnahmen gibt es schon billigere Apparate: aber unter 200 oder 250 Mark für den Aufnahme- und dieselbe Summe für den Wiedergabe-Apparat wird man wohl nichts finden. Dafür weist ein solcher Filrnaovarat eine Reihe technischer Neuerungen auf. Die Schwierigkeit der Scharfeinstellung und das Problem der Belichtungszeit sind soweit wie möglich ausgeschaltet. Ein Kurbeln ist nicht nötig: es wird eine starke Feder aufgezogen, und beim Drücken eines Knopfes läuft dann der Film von selbst mit gleichbleibender Geschwindigkeit ab. Eine besondere Vorrichtung gestattet Selbstaufnahmen durch einen Selbstauslöser, der erst einige Zeit nach der Inbetriebsetzung den Film zum Llblauf bringt, so daß man Zeit hat, sich in einiger Entfernung vor dem Apparat aufzustellen und dort zu „spielen". Aus dem Gebiet der Kinematographie jagt eine Erfindung die andere. Kaum hat sich das Staunen über den Tonfilm gelegt, so kommt eine vielleicht ähnliche wichtige Nachricht über die Vorführung eines stereoskopischen Films in London. Der gewöhnliche Sehoorgang vermittelt erst dann einen plastischen Eindruck, wenn man einen Gegenstand mit beiden Augen betrachtet. Darauf beruhen ja die bekannten Stereoskopbilder. Nun ist es gelungen, diese bekannte Tatsache für den Film nutzbar zu machen. Die Aufnahme geschieht durch Es ist wohl sicher, daß die Anregung der Phantasie, welche der Besuch eines Filmspieles bietet, speziell für die Frau gewissermaßen eine optische Abart des beliebten Äomanlesens bildet, und es wäre eine Verkennung des positiven Wertes solcher Ablenkungsmöglichkeiten, sie einfach als überflüssig, und nutzlos abzulehnen. Das Flüchten aus dem gebundenen Einerlei des Alltags in eine buntere, glänzende Scheinwelt, das Ausruhen von der Anspannung des täglichen Dienstes durch Llmstellung auf eine mühelos sich bietende phantastische Llnwirklichkeit, ist für die heutige Frau, die, sei es im Haus, sei es im Beruf, viel angestrengter tätig sein muß, als früher, keineswegs nutzlose Zeitvergeudung, sondern eine notwendige Reaktion, ein Ausspannen und Kräftesammeln zu neuer Tätigkeit. Beim modernen und modänen Spielfilm ist es für den Durchschnittsbesucher beinahe ebenso wichtig, w i e etwas dargestellt wird, als was es zu sehen gibt. > Jedenfalls gilt dies absolut für das so wichtige, mit dem ganzen Empfindungsleben der Frau aufs Tiefste verwurzelten Gebiet der Mode: denn das intensive Interesse der Mehrzahl der Frauen für die Mode ist nicht eine Eigentümlichkeit einer bestimmten Klasse, einer besonderen Geistesrichtung oder einer begrenzten Zeit, sondern es hat feinen Ursprung in dem ganz elementaren, primitiven Trieb des „Gefallenwollens", der auch in der Tierwelt allgemein verbreitet und gewissermaßen ein Urinstinkt ist. — Unerläßlich ist es deshalb für den Film, diesem wichtigen Gebiet, soweit er sich mit ihm befassen muh, nämlich bei allen in der Gegenwart spielenden Werken, seine allergrößte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es ist selbstverständlich (oder sollte es wenigstens sein), daß die Darsteller und Darstellerinnen moderner Gesellschaftsfilme stets nicht nur absolut einwandfrei, sondern auch geschmackvoll, modern und elegant angezogen sind, und sich auch in einer entsprechend ausgestatteten Umwelt bewegen. Und daß die modische Eleganz sich insbesondere bei den Toiletten der Damen oft zu einem überraffinierten, extravaganten eine zweilinsigc Kamera, die Wiedergabe des Bildes auf einem Glasschirm. Die Figuren eines einaktigen musikalischen Lustspiels waren bei der kürzlich erfolgten Vorführung so plastisch zu sehen, als stünden sie frei auf der Bühne. So wird das Kino dem Theater immer ähnlicher und seine Konkurrenz immer bedrohlicher. Aber auch die gewöhnliche Photoaraphie, die Mutter des modernen Films, erobert sich neue Denven- dungsgebiete. Die Photomontage, noch gestern eine „revolutionäre Kunst", steht heute im Dienst von Industrie und Handel. Freilich genügt cs nicht, einfach Bilder auszuschneiden und zusam- menzukleben: diese Klebemontage ist nur eine ärmliche Schwester jener wirklichen „Schwarzkunst", die auf diesem Gebiet von Künstlern betrieben wird. Die entsprechenden Ausnahmen sind sehr schwer zu machen: sie erfordern wiederholtes (Exponieren einer Platte, Abdecken, Retouchieren und sonstige raffinierte Mittel, um die verschiedensten Gegenstände und sogar symbolische Darstellungen von Gedanken auf einer Fläche zu vereinen. Von der Gedankenarbeit der Photomontage führt die gerade Entwicklung zu den photodramatischen Bildern, den Darstellungen von kleinen Szenen des täglichen Lebens, ausgeführt von mimisch begabten Modellen. Manche Unternehmer in Amerika haben Archive mit 70 000 und mehr solchen Bildern, die für die Illustration der Werbetexte benutzt werden. Luxus steigert, gereicht dem Film nur zum Vorteil. da dadurch seine souveräne Verachtung der Wirklichkeit, sein Abschweifen in die Zonen einer erwünschten und erträumten Phantasie betont wird. Denn nur ein kleiner Kreis, eine auserwählte Oberschicht hätte auch im realen Leben Gelegenheit. Feste von solchem Glanz, Toiletten von solcher Pracht, Räume von solchem Luxus zu sehen, zu tragen, zu bewohnen, wie sie im Film schon alltäglich geworden sind! Aber Luftschlösser bauen ist eine der angenehmsten und — verantwortungslosesten Beschäftigungen, und diese zauberhaften Gebilde sind eben sichtbare Luftschlösser. — Aus dieser Tatsache erklärt sich zweifellos der geschäftliche Erfolg einer Reihe von Filmen, deren fast einzige Qualitäten der Charme schöner Frauen in entsprechend kapriziöser und luxuriöser Aufmachung, und ein reicher, gesellschaftlicher Rahmen sind. Run ist es aber gar nicht so leicht, wie es sich der Laie vielfach vorstellt, im Film stets elegant und modern zu wirken, und es bedarf langwieriger Beratungen, vieler Versuche und Proben, ehe das Resultat befriedigend erscheint. Vor allem muß man sich darüber klar sein, daß es etwas prinzipiell Verschiedenes ist, sich für den Film zu kleiden, oder für das wirkliche Leben, ebenso wie ja auch zwischen den für das Rampenlicht berechneten Bühnentoiletten und anderen meistens ein großer Tlnterschied ist. Zwei Gründe bedingen im Wesentlichen diesen fundamentalen Llnterschied: einerseits die Tatsache, daß das Filmbild lediglich auf reine Schwarz-weih-Wirkung gestellt ist, und daß die Farbe, dieses für die Wirkung einer Mode so wichtige Element, vollständig ausscheidet. — Dazu kommt, daß die photographische Wiedergabe der Helligkeitswerte der Farben teilweise nicht richtig ist. (Man denke daran, daß z. B. Helles Gelb in normaler Photographie fast schwarz erscheint, während ein ziemlich tiefes Blau beinahe noch । weiß wirkt!). — Weiter ist von größter Bedeutung der Tlmstand, daß die Menschen sich nicht 1 im Raume bewegen, sondern auf einer Fläche, wodurch die dekorative Wirkung des Hintergrundes. von dem sich die Gestalten abheben, viel einschneidender sein wird, und eingehende Berücksichtigung erfordert. Es bedarf eines gründlichen Durchdenkens dieser technischen Fragen, um im Filmbild die harmonisch abgestuften, fein abgetönten Wirkungen, oder die pikanten Kontrasteffekte jener kostbaren, schimmernden Schöpfungen getreu wiederzugeben, die der Wunschtraum jeder wahren Frau sind. Roch bedeutungsvoller ist jedoch der zweite Grund, nämlich: der rasche Wechsel, dem die Mode jetzt unterworfen ist! Das weibliche Publikum will in den Darstellerinnen meistens auch modische Vorbilder sehen, sich an den neuesten exquisiten Schöpfungen der launischen Göttinnen erfreuen. — Da aber zwischen Aufnahme, Fertigstellung und Erscheinen eines FUmes auf der weihen Wand oft eine recht erhebliche Zeitspanne verstreicht, besteht die Gefahr, daß Vieles, was im ersten Zeitpunkt als ultramodern und schick galt, dann schon überholt wirkt. Eine Gefahr, der leider, neben vielen gleichgültigen, auch wertvolle, interessante Filmwerke nach verhältnismäßig kurzer Zeit zum Opfer fallen müssen. Denn kaum etwas anderes ist im Film so' störend als „die Mode von gestern". Während wir einen guten Kostümfilm nach Jahren genießen können, trotz aller künstlerischen und technischen Reuerungen, die dem Publikum vielfach gar nicht bewußt werden, hilft uns auch die blendendste Regie, die spannendste Handlung, die vorzüglichste Darstellung nur höchst selten über „altmodisch" gewordene Kleidung hinweg, und ausgesprochen unmodern gewordene Toiletten sind in den meisten Fällen ein absolutes Todesurteil für das betreffende Werk, mag sein sonstiger, künstlerischer Wert auch noch so groß sein. Um nun dieses rasche Veralten zu vermeiden, ist es nötig, mit ganz besonderer Sorgfalt und Hebetlegung auf die „Linie" der Mode zu achten. Man muß sozusagen mit einem besonderen Sinn begabt sein, um das Bleibende im Wechsel zu erkennen, das Kommende vorauszuahnen, das allzu Vergängliche zu fühlen und zu vermeiden, und auf diese Weise eine gewisse Zeitlosigkeit des Stils zu erzielen, die, solange sich das Gesamtbild der Mode nicht allzu schroff verändert, längere Zeit hindurch modern wirken kann. — So erscheinen uns z. B. heute der kurze Rock, das gebobbte Haar, helle, seidene Strümpfe als solch „bleibende" Mode-Elemente: es ist aber für die Aktualität der Filmwirkung unwesentlich, ob der Rock etwas länger oder kürzer ist, ob einmal der ondulierte Bubikopf, ein andermal der glatte, gerade en vogue sind usw. Die Erfüllung dieser Forderung einer gewissen „neutralen“ Modelinie ist in neueren Filmen oft in »sehr glücklicher Weise gelungen, und zwar für alle Arten von Kleidung: vom einfachsten Strahenkleid, bis zur phantastischen Komposition eines übersteigerten Luxusbedürfnisses, in der uns sowohl die Kostbarkeit des verwendeten Materials besticht, wie die Kühnheit des Schnittes und die Abstimmung der Tonwerte. Manchmal ist der Film sogar gezwungen, im Interesse seiner Wirkung bewußt anachronistisch zu sein: so kann man bei Werken, die kurz' vor dem Kriege spielen, unmöglich die damalige Mode genau kopieren. Denn die langen Röcke, die Riesenhüte, die „Wespentaillen" und Schinkenärmel, die „©tiefletten“ usw. würden derartig unfreiwillig komisch wirken, daß sie höchstens für eine Groteske brauchbar würden. Es müssen also hier Zugeständnisse gemacht werden, und so sehen wir z. B. die Prinzessin Louise von Coburg bereits im ärmellosen Kleid, oder Offiziersdamen aus einer kleinen Garnison im kurzen i mit Bubikopf, ohne daß es uns störend Trotz aller geschilderten Schwierigkeiten aber bleibt der Film, besonders für die zahllosen Orte, die nicht gerade Zentren des Weltverkehrs sind, Mode und Mm. Von £. von Seufferi. gemeinljeit Forschungsarbeit und Raturaeschehen in einer unerhört anschaulichen Art nahebringt. Das spannendste Raturdrama rollt mit diesem Film an unseren Augen vorüber. Heimische Vögel sind seine Helden, königliche und einsame Vögel, die bisher fast etwas Legendäres für uns hatten, weil wir sie noch niemals in ihrem Sein und in ihren Lebensgewohnheiten kennengelernt haben. Schlimme Räuber nannten wir sie, aber Bengt Berg lehrt uns, daß die so unschuldig aussehenden Möven weit schlimmere Räuber sind, die heimlich fremde Rester ihrer Eier berauben. Er zeigt uns, daß der Fischer am See, der die Adler haßt und sie am liebsten gleich auf der Stelle ausrotten möchte, weil sie, um leben und ihre Jungen ernähren zu können, auf Raub ausziehen, daß dieser selbe Fischer eine Riesenbeute von seinem täglichen Fischzug nach Hause bringt, während die Adler immer nur einen Hecht ober Aal ober ein Eiderküken in ihren Fängen zum Horst hinauftragen. Bengt Berg hat mit der Schaffung dieses Films mehr beabsichtigt, als nur der Allgemeinheit ein Raturdokument zu schenken. Er wollte, daß sein Film ein Rettungsruf für die Adler werden möge, deren Lebensdauer nur noch eine Frage von Jahrzehnten ist. Tatsächlich ist es ihm gelungen, daß der schwedische Staat die Adler unter Raturschuhgesehe gestellt hat. Allein diese Maßnahmen werden das Aussterben der Adler nicht verhindern, sondern nur verzögern können. In einem Interview erklärte Bengt Berg, daß der Schutz, den man einem brütenden Adler paar in Schweden von nun an gewährt, nicht ausreicht, da alle jungen Adler in ihren ersten Jahren nach dem Süden ziehen, an den mitteleuropäischen Küsten und Flüssen entlang. Die meisten kommen von dieser Reise nicht zurück, denn Schlageisen und weittragende Gewehre machen ihrem Leben ein Ende. E. A. Filme des AuslanddenWmns. Von F. H. Reimesch. In den letzten Jahren ist das Auslarcddeutsch- tum gewissermaßen Mode geworden. Weite Kreise des deutschen Volkes haben sich die ernste Frage gestellt, was das Mutterland eigentlich für seine 30 Millionen außerhalb des Reiches lebenden Stammesbrüder unternimmt, um sie kulturell und wirtschaftlich mit dem Reiche in Verbindung zu halten, und so ist es eigentlich ganz selbstverständlich, daß auch das nrobemste künstlerische Ausdrucksmittel, der Film, in Beziehung zu den Deutschen im Auslande getreten ist, weil es ja der Film sehr leicht hat, nicht nur die Kenntnis über das Auslanddeutschtum zu vermitteln, sondern uns alle die bisher verborgen gebliebenen Schönheiten von Landschaft, Kunst und Volkstum zu zeigen. Es gibt schon verschiedene Filme über das Auslanddeutschtum, doch es sei nicht über das Bisherige gesprochen, sondern über zwei neue Werke des bekannten Filmmannes Karl De nnert, dem wir u. a. einen ausgezeichneten Deutschostasrikafilm verdanken, und der jetzt in Südamerika filmt. Diese beiden Filme behandeln das Deutschtum Südosteuropas, und zwar nennt sich der Film der Siebenbürger Sachsen" „Aus dieser Erd', da ist ein Lan d!", während der Film „Pflüg' mir den Boden , wackre Sch w a b e n f au ft!“ uns Land und Leute des Donauschwabentums zeigt. Beide Filme bringen eine außerordentliche Fülle von Lichtbildmaterial im bewegten Bild an unfer Auge, das anregend, belehrend und auch tünsllerisch entzückend ist. lleberall dort, wo die Sachsen und die Schwaben bei der Arbeit oder beim Vergnügen gezeigt werden, können wir in vollster Befriedigung von diesem Anschauungsmaterial sprechen. Seien es die Sachsen mit ihren stolzen Trachten inmitten ihrer altersgrauen Kirchenburgen, oder die Schwaben beim Kirchgang, beim Tanz oder Markt. Hervorragend und nun auch besonders den Landwirt interessierend sind alle Aufnahmen aus dem bäuerlichen Betriebe, aus denen wir staunend ersehen, auf einer wie hohen Stufe dies deutsche Bauernvolk steht, das, wirtschaftlich und politisch umbrandet von den jungen Böllern des Südosten s. schwer um seinen Bestand zu ringen hat. In der Landwirtschaft sind sie, ebenso wie im Bürgertum, die Lehrmeister ihrer Mitvölker gewesen. Beide Filme sind mehr als sogenannte Kulturfilme, denn sie zeigen uns in lebhafter Ge- staltungssreude den (Erbengang von zwei Millionen deutscher Menschen im Dorlande des Reiches, von Menschen, die nicht nur berufen sind, Pioniere zu fein, sondern es auch wirklich sind. Wie sehr würde eine Filmpropaganda für das Auslanddeutschtum noch gewinnen, wenn erst der Tonfilm und auch die Volkslieder und die Mundart übermittelt. So weit sind wir frellich noch lange nicht, und so ist es deshaiw zu wünschen, daß diese beiden Fllme nicht nur von Vereinen und Schulen, sondern auch von Lichtspieltheatern zur Vorführung erworben würden. Verpflichtungen. Von Greta Garbo. Filmstar sein — das heißt, sich ungeschriebenen Gesehen fügen müssen. Filmruhm verpflichtet. Es gibt so viele Dinge, die zwar nicht klipp und klar verboten sind, doch die man einfach nicht tun kann, weil — nun ja, weil man eben der „Typ" ist. Der Typ Greta Garbo. Der Typ dec weiblichen Frau. Ich möchte einmal eine Jungensrolle spielen, mit langen Hosen Herumlaufen und mir gar nicht ähnlich fein. Es ist nicht möglich. Ich habe Verpflichtungen. Meinem weiblichen Typ gegenüber, mit dem sich der Begriff meines Ramens deckt. Was für viele meiner jungen Kolleginnen selbstverständlich ist, kommt für mich nicht in Betracht. llebermut, Laune, Ausgelassenheit darf ich mir eventuell in meinem unbeobachteten Privatleben leisten, in dessen Rahe sich kein Photograph oder Interviewer aufhält. Ich bin der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet, unerhört seriös zu erscheinen — ich glaube, seriös ist daS einzig richtige Wort dafür — weil die Oeffent- lichkeit mich so haben tojll. Ich möchte eine Jungensrolle spielen. Ich träume davon, Oskar Wildes Dorian Gray zu verkörpern. Ich sehe die größten dramatischen Möglichkeiten in dieser Rolle, aber ich denke praktisch genug, um nicht zu wissen, daß der größte Teil des Publikums über eine solche Rolle zumindest befremdet wäre. Damit meine ich das amerikanische Publllum. Bei europäischen Zuschauern würde ich aller Wahrscheinlichkeit nach sogar Erfolg haben, wenn in den Dorian Gray spielen würde, ^in amerikanischer Filmproduzent jedoch, dem ich das Ansinnen stellen wollte, mich als Dorian Gray her- auszubringen, würde unbedingt außer sich geraten. Ich könnte ihm seinen Widerstand auch nicht verdenken, denn wenn die Oesfentlichkeit von einer Schauspielerin weiblichste Weiblichkeit verlangt, muß dieses Verlangen -erfüllt werden. Das Publikum ist ja nicht für uns da, sondern totr für das Publikum. Ich wünsche mir so sehnlichst. den Dorian Grah im Film darzustellen, vorausgesetzt natürlich, daß ich in der Rolle überzeugen könnte und nicht wie ein Mädchen in Jungenskleidem wirken würde. Ich bin mir klar darüber, daß dieser Herzenswunsch niemals in Erfüllung gehen wird. Derm, wie gesagt, man hat Verpflichtungen ... (Aus dem Englischen von Gusti Schidlost) btt große Künber internationaler modischer Neuheit und Eleganz. Unb besonders Bei der von England und Amerika ausgehenden Herrenmode kann man genau beobachten, daß sie meistens durch den Film einige Monate früher zu uns gelangt sind, als wir sie in natura zu sehen bekommen: Ein Wink, der sicher für die ja auch nicht an mangelnder Eitelkeit leidenden Herren der Schöpfung nicht unwillkommen sein dürfte. — Oberheffen. Kreis Büdingen. -5- Nidda, 23. Juli. Die Kleinpflasterarbeiten auf der Durchgangs st raße Ranstadt — Nidda konnten in der abgelaufenen Woche fertiggestellt werden. Die über zwei Kilometer lange Strecke wurde am 15. 3uni in Angriff genommen und in der verhältnismäßig kurzen Seit von fünf Wochen gepflastert. Zuletzt waren 50 Pflasterer an der Arbeitsstelle. 3n die Materiallieferung teilten sich die verschiedensten oberhessischen Dasaltwerke, um jede Un- terbrechung der Arbeit infolge Matericümangels auszuschalten. War doch die Instandsetzung dieses Straßervteils ursprünglich von der Provinzial- straßenverwaltung nicht vorgesehen und erst später angeordnet worden, so 6oft die Materiallieferung nicht rechtzeitig sichergestellt werden konnte. Die Arbeiten an den beiden Fußsteigen sind noch etwas im Rückstand, was zur Folge hat, daß die Freigabe der Strecke für den Verkehr erst in nächster Woche erwartet werden darf. Damit ist der Straßenzug Frankfurt- Vilbel — Ranstadt — Schotten bis vor Nidda (Karlshof) mit Kleinpflaster versehen. Leider mußte die Depflasterung der hiesigen Ortsdurchfahrt unterbleiben, da die Ka n a l i s a t i o n noch aussteht. Diese würde einen Kostenaufwand von 400 000 Mk. erfordern, was zur Zeit steuerlich untragbar für unser Städtchen wäre. Man bedauert es sehr, daß die Kanalisation nicht schon vor dem Kriege in Angriff genommen und etappenweise durchgeführt wurde. Die großen Schwierigkeiten, die heute den Gemeinwesen auf dem Gebiete der Wohnungsbeschaffung erwachsen, müssen jedes andere Projekt, und fei es noch so dringlich und lebenswichtig, zurückorängen. h. W a l l e r n h a u s e n, 22.3uli. Hier feierte der Landwirt und Altveteran von 1870/71 Aug. Koch seinen 80. Geburtstag. Unter den vielen Glückwünschen, die ihm zu seinem neuen Lebensjahr dargebracht wurden, befand sich auch ein Glückwunschschreiben vom Reichspräsidenten v.Hindenburg nebst Bild und eigenhändiger Widmung. Vom Kriegerverein, dessen Ehrenmitglied Koch ist, erhielt er einen Ruhesessel. Er ist der letzte Veteran aus jener Zeit in unserem Dorfe und erfreut sich noch einer so guten Gesundheit, daß er täglich von früh bis spät in der Landwirtschaft sich betätigt. Kreis Schotten. ld. Schotten, 23. 3uli. Die H i m be e r- ernte, die vielen geringen Leuten unserer Gegend reichlichen Verdienst gibt, seht ein. Der Fruchtansatz der Sträucher ist ungemein reich: die Beeren sind jedoch infolge der Trockenheit der letzten Zeit zu einer Art Notreife gezwungen worden und sind daher ziemlich klein und saftlos. Da die Landwirtschaft zwischen Heu- und Fruchternte eine Arbeitspause zu verzeichnen hat, ist die Zahl der Beerensammler sehr groß und die Ausbeute des einzelnen ziemlich gering. Gin ausgiebiger Regen konnte die Erträgnisse der Himbeerernte wesentlich steigern. Für das Pfund Beeren werden eben noch 60 Pfennig bezahlt. — Obgleich nun die Heuernte nunmehr im gesamten Vogelsberg abgeschlossen ist, hat sich der Heuhandel bis jetzt nur zu ganz vereinzelten Ankäufen entschließen können. Käufer sind meistens Wetterauer Landwirte. Der Preis bewegt sich zwischen 4 bis 6 Mark, je nach Güte. Wie sich die eigentlichen Heuhändler zurückhalten, so hat sich bis jetzt auch noch kein fester Preis herausgebildet. Angebot und Nachfrage sind äußerst gering. Der knappe Ausfall der Heuernte und der hohe Preis lassen vorläufig noch nicht das flotte Geschäft der Vorjahre aufkommen, das auch bis zur Einbringung der Frucht- und Grummeternte lahm bleiben wird. L a u b a ch, 23. 3ult Dieser Tage unternahm der hiesige Zweigverein des Vogels - berger Höhenklubs eine zweitägige Wanderung unter Führung von 3ustizsekretär Decker. Man verband damit einen Besuch des Mitglieds, Kammerdirektor Birnbaum in Birstein, der bis voriges 3ahr in Laubach tätig war. Von Merkenfrih ging es nach Wenings, wo man sich leiblich stärkte. Darauf zeigte der Führer die Sehenswürdigkeiten des Städtchens, das 1187 als Waeninges erscheint, den „3sen- burger Hof" mit seinen malerischen alten Wirtschaftsgebäuden (erbaut 1537), daS Schloß, den sog. „Moritzstein", einen schlichten Steinbau (etwa 1520 errichtet), zwischen dessen zwei rechtwinklig zusammentreffenden Flügeln ein runder Treppenturm eingebaut ist, sowie die ileberrefte der alten Stadtbefestigung. 1336 erteilte König Ludwig dem Dorfe Stadtrechte. Darauf zeigte Pfarrer Köhler die Kirche, die schon 1351 urkundlich bezeugt ist. Beachtlich ist der im Grundriß quadratische Chor, der, wie die ganze Kirche, im Aeuhem die deutlichen Kennzeichen deS im 17. und anfangs des 18. 3ahrhunderts ausgeführten Um« baues zeigt, jedoch im 3nnem die mittelalterliche Formbildung bewahrt hat. Von den drei Glocken geht die älteste bis etwa 1200 zurück. Sie enthält eine lateinische 3nschrift, die um Schutz gegen Hagelschlag bittet. 3n Hihkirchen machte der Führer auf die alte Kirche aufmerksam, deren ältester Teil dem Ende des 14. Jahrhunderts angehört und von einer 5 Meter hohen, ein Meter breiten Mauer mit Schießscharten umschlossen ist. Gegen 8 Uhr kam man in Birstein an, das als Nachtquartier bestimmt war. Hier lud Kammerdirektor Birnbaum die 17 Mitglieder des Klubs zu einem Fasse Bier, die Damen zu einer Bowle ein. Der reizvolle Garten war mit zahlreichen Lampions geschmückt. Am Sonntagmorgen wurde das stattliche Fürsten- schloh unter Führung von Prof. R o e s ch e n besichtigt. Die Burg erscheint urkundlich 1279 als „Birsinstein". Sie liegt auf einem steil aufsteigenden Bergrücken in einer Höhe von 262 Meter. Don der alten Ringmauer ist nur noch die Westseite erhalten. 3n der Hauptsache gehört das gegenwärtige Schloß der Mitte des 18. 3ahr- hunderts an. Ungemein reizvoll ist der 3nnenhof. Um 7 Uhr fuhr man nach Wächtersbach. Hier zeigte Professor R o e s ch e n das stattliche Grafenschloß, das 1236 urkundlich auf tritt und mit vier Rundtürmen an den Ecken, ursprünglich als Wasserburg angelegt war. Darauf fuhr man nach Gelnhausen, wo Prof. Roeschen die Kaiserpfalz, die alte Stadtbefestigung, das „romanische Haus" und die Marienkirche zeigte. Um 1 Uhr fuhr man nach Büdingen. Hier zeigte der Ehrenvorsitzende des Zweigvereins, Prof. Weißbart, die großenteils noch wohlerhaltene Stadtbefestigung. Auch das prächtige fürstliche Schloß wurde besichtigt. Nach leiblicher Stärkung nahm man die Bahn bis Hungen, von wo der Abendzug die vom Ausflug trotz der ungewöhnlichen Hitze hochbefriedigten Wanderer in das Heimatstädtchen zurückführte. * Laubach, 22.3uIL Am Freitag fand in Laubach eine Sitzung des Vorstandes des Kreisvereins Schotten der Deutschnationalen Volkspartei statt. Auf Vorschlag des bisherigen ersten Vorsitzenden, Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg, wurde Oberpostsekretär a. D. Kühn, Wetterfeld, zum ersten Vorsitzenden gewählt. Pfarrer D. Fritsch bleibt jedoch auch weiterhin als Beisitzer im Vorstand, der im übrigen keine Veränderung erfährt. Nach Besprechung einer Reihe weiterer organisatorischer Fragen ergriff der erste Provinz-Vorsitzende, Studienrat Dr. Lenz, Gießen, das Wort zu längeren Ausführungen über den Voung-Plan, dessen Nachteile, auch gegenüber dem Dawes-Plan, er erläuterte. Da große Teile des deutschen Volkes sich gegen diese neue langjährige Versklavung sträuben, von dem herrschenden System aber kein Widerstand zu erwarten sei, bleibe als letzter Weg nur ein Volksentscheid übrig. Es wurde darauf beschlossen, entsprechend den Maßnahmen des in Berlin gebildeten „Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren" auch im Kreise Schotten alle Vorbereitungen zu treffen, um das Volksbegehren zu organisieren und ihm zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. Nach einer Aussprache über die herannahenden Kommunalwahlen wurde die Sitzung geschlossen. Kreis Alsfelv. WSN. Alsfeld, 23. Juli. Bei dem schweren Unwetter, das — wie von uns gemeldet — am Samstag in der Mittagszeit über dem nordöstlichen Vogelsberg niederging und in Alsfeld, sowie in Lauterbach und Umgegend erheblichen Schaden anrichtete, schlug, wie jetzt noch bekannt wird, der Blitz in das Grundstück des Landwirts Sauer in Strebendorf ein und zündete, wodurch das Wohnhaus mit Nebengebäuden in Asche gelegt wurde und eine Kuh und eine Ziege im Stalle durch den Blitz den Tod fanden. Ferner wurden durch Blitzschlag die S ch e u n e und Stallungen des Wagnermeisters Schrimpf in Storndorf eingeäschert. 'S' Homberg a.d.Ohm, 23.Juli. Den gestei- gerten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung tragend, läßt die Reichsbahnverwaltung den Bahn- Hof Neuhaus wesentlich vergrößern. Die umfangreichen Erdarbeiten werden durch die Firma Ruckelshausen (Burg - Gemünden) durchge- führt. V Otterbach, 23. Juli. Die Gemeinden Otterbach und Hainbach lassen zur Zeit an der Straße Otterbach—Rülfenrod ein neues Schulhaus errichten. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 22. 3uli. Heute mittag um 14.40 Uhr wurde der Streckenläufer Heinrich Keiner aus Werdorf bei Wetzlar zwischen den Stationen Werdorf und Aßlar bei der Streckenbegehung von einem Personenzug, der ausnahmsweise auf dem falschen Gleis gefahren wurde, überfahren und getötet. Der Streckenläufer hat anscheinend das Näherkommen des Zuges übersehen. Wirtschaft. * 60 Millionen Mark A u s l a n d k r e d i t der Berliner Verkehrs- A.- G. Durch Vermittlung der Darmstädter und Nationalbank hat ein unter ihrer Führung stehendes internationales Bankenkonsortium, dem eine amerikanische Gruppe unter Führung von Kuhn, Loeb & Co., Neuyork, eine englische Gruppe unter Führung von I. Henry Schröder & Co., London, ferner die Schweizerische Kreditanstalt in Zürich und die Internationale Bank zu Amsterdam angehören, der Berliner Ver- kehrs-A.-G. einen einjährigen Kredit vop 60 Millionen Mark eingeräumt. Es ist in Aussicht genommen, daß das gleiche internationale Bankenkonsortium bei geeigneten Marktoerhältnissen eine Anleihetransaktion für die Berliner Verkehrs-A.-G. durchführen wird. Frankfurter Börse. Frankfurt, 24. 3uli. Tendenz: freundlicher. — Gegen Schluß der gestrigen Abendbörse konnte man schon eine leichte Besserung verzeichnen, die zu Beginn des -offiziellen Marktes eher noch Fortschritte machen konnte. Es bestand bei der Spekulation trotz des bevorstehenden Ultimos Deckungsneigung, die sich aber nur auf einige Cpezialwerte erstreckte. Ueber die Besserung im Befinden des Reichskanzlers war man befriedigt und hiervon ging schon eine gewisse Beruhigung aus. Aber auch die festere gestrige Neuyorker Börse blieb nicht ohne Einfluß. Die Diskonterhöhungsbefürchtungen der Bank von England, die mit den starken Goldabflüssen in Zusammenhang gebracht werden, traten ziemlich in den Hintergrund. Das Ausland soll sich auch wieder verschiedentlich am Geschäft beteiligt haben, so daß die Umsahtätigkeit in einigen bevorzugten Werten etwas größeres Ausmaß annahm. Bei freundlicher Stimmung ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse überwiegend Erholungen von 1 bis 2 Prozent. Die in letzter Zeit stark vernachlässigten Elektrowerte traten etwas mehr in den Vordergrund. Führend waren Bergmann mit plus 2 Prozent und Schuckert mit plus 2 5 Prozent. AEG. gewannen 0,5 Prozent, Licht & Kraft 1 Prozent. Siemens blieben vernachlässigt. Eine Erstnotiz kam nicht zustande. Auch 'Z.-G.-Farben konnten sich Inefer zuversichtlichen Stimmung anschließen, doch trat hier nur ein ganz geringer Gewinn ein. Scheideanstalt gaben dagegen 0,75 Prozent nach. Montanwerte lagen vernachlässigt. Mannesmann und Phönix eröffneten bis zu 1 Proz. fester. Rheinische Braunkohlen lagen dagegen angeboten und 1,5 Proz. schwächer. Danken und Schiffahrtswerte waren meist leicht gedrückt. Glanzstoffaktien konnten sich auf dem erhöhten Kursniveau von gestern nicht ganz behaupten und gaben 1 Proz. nach. Einiges 3nterefse bestand noch für Deutsche Linoleum, Metallgesellschaft, Zellstoff Aschaffenburg. Renten gefchäftslos. 3m Verlaufe konnte sich der Geschäftsumfang weiter ausdehnen. Desonders den Elektrowerten wurde verstärktes 3ntereffe entgegengebracht, AEG. gewannen erneut 1,5 Proz. und Siemens konnten 1 Prvz. anziehen. Schuckert blieben auf dem höheren Stand behauptet. Nachfrage erstreckte sich jetzt auch auf einige andere Werte. 3m allgemeinen traten Besserungen bis zu 1 Proz. ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1940, gegen Pfund 20,3250, London gegen Kabel 4,8538, gegen Paris 123,8450, gegen Mailand 92,76, gegen Madrid 33,30, gegen Holland 12,1060. Berliner Börse. Berlin , 24. 3uli. Die Tendenz im heutigen Vormittagsverkehr hakte viel Ähnlichkeit mit der gestrigen. Wieder einmal war man im Grunde freundlich gestimmt, zumal man aus bet vorliegenden Momenten eine Anregung festzu, stellen glaubte. Zu Beginn der Börse blieb aby die Orderlosigkeit vorherrschend und kleines An. gebot vermochte schon am Markte eine unein. herrliche Kursentwicklung herbeizuführen. Mai diskutierte viel über die Möglichkeit einer Dis. konterhöhung für London (auch gestern muht, die Dank von England 660 000 Pfund Sterling Gold abgeben), jedoch wird in gut informierte, Dankkreisen damit gerechnet, daß auch morgei eine Veränderung des Satzes nicht eintreten wich Ein zweiter Unsicherheitsfaktor war die Un, einigleit zwischen England und Frankreich hin. sichtlich der Reparationskonferenz. Für die Fest» setzung des Reportgeldsatzes, die heute durch die Danken vorgenommen wird, ist mit einet kleinen Erleichterung (etwa 0,25 Prozent) zi. rechnen, doch hatte auch das zunächst keinen Ein. fluh auf die Tendenz. Zu den ersten Kursen hat. len nur wenige Papiere größere Veränderungen auszuweilen. Durch schwache Haltung fielen RWE. mit Minus 3,75 Proz., Glanzstvff mit minui 4 Proz., und Salzdetfurth mit minus 2,5 Prvz. auf. Dagegen eröffneten Gesfürel plus 2,25 Proz., Calmon Asbest plus 1,5 Prozent und Schuckert plus 1 Prozent etwas fester. Deutsche Anleihen uneinheitlich. Ausländer gehalten. Pfandbrief. markt luftlos, doch eher weiter etwas gefragt Der Geldmarkt zeigte nur geringe Veränderungen. Die rechtzeitigen Ultimovorbereitungen ließen den T a g e s g e l d s a h auf 6,5 bis 8,5 Pro. zent zurückgehen. Monatsgeld aber mit 9‘ bis 10,5 Prozent gesucht, und Warenwechsel tour- den mit 6,9 bis 8 Prozent genannt. Wenn baS Geschäft auch im weiteren Verlaufe nicht zu- nahm, so konnte sich doch eine etwas freundlichere Stimmung durchsetzen. Die Spekulation nahm die erwarteten Deckungen zum Ultimo vor. Vor allem regte aber d i e fest, Haltung der Bergmann-Aktien an die auf Käufe einer Großbank um 4 Prozent anziehen konnten. Die alten Gerüchte von einer bevorstehenden Kapitalerhöhung (auch von einer höheren Dividende wollte man wissen) tauchten wieder auf. Glanzstoff konnten ihren Anfangs. Verlust wieder zuruckgewinnen. Auch die Schiff, fahrswerte waren etwas erhöht. 3m allgemeinen betrugen die Kursgewinne im Verlaufe aber nur 0,5 bis 1 Prozent etwa. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 24. 3uli. Der Produk. tenmarft verkehrte in ruhiger Haltung Die schwä. cheren Auslandnotierungen ixrftimmten, so daß sich das Geschäft in kleinem Rahmen betoegti und es traten bei verschiedenen Getreidesorten aus diesem Grunde Rückgänge ein. Das Angebot von 3nlandware war reichlich. Die Preise waren auch hier meist leicht nachgebend. Es wurden notiert: Roggen 22,50; Hafer, inländischer 22,75 bis 23; Mais (gelb) für andere Zwecke 22,75: Weizenmehl, süddeutsches. Spezial 0 38.75 bis 41,50; Roggenmehl 30,60 bis 32; Weizenkleie 11.251 bis 11,50; Roggenkleie 12,75 Mark. — Tendenz ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 23. 3uli. Die Hausse an den nord- amerikanischen Terminmärkten führte an der heutigen Produktenbörse zwar zu einer Befestigung der Weizenpreise, das Geschäft bewegte sich jedoch weiterhin in ruhigen Bahnen. Auf Basis bet zum Teil beträchtlich erhöhten Cifofferten für Auslandweizen kamen Umsätze kaum zustande Für 3nlandweizen waren im Vormittagsverkehi für Herbstlieferung etwa 4 Mk. höhere Preist genannt worden, während Roggen neuer ©mit nur leichte Preisbesserungen verzeichnen konnte Das Angebot auch in Roggen alter Ernte ho! sich etwas verringert, war jedoch, gemessen an der Nachfrage ausreichend. Am Lieferungsmarkt war Weizen in den Herbst sichten anfangs 4 Ml fester. Roggen konnte lediglich per Oktober 2,5' Mark höher eröffnen. Weizenmehl hatte in den Vormittagsstunden bei unveränderten Preisen, kleines Geschäft, an der Börse war die Stim-I nrung sehr ruhig. Hafer und Gerste bei aus- reichendem Angebot aber geringer, Kauflust ruhig. Letzte Nachrichten. Schwere Explosionskaiastrophe. Berlin, 24. Iuli. (T.U.Drahlberichl.) heilt, mittag ereigneten sich in den Sauer ff offroer ken in Berlin - Borfigroalbe mehren schwere Explosionen. (Eine 100 Bieter hohl Stichflamme schlug aus dem Fabrikgebäude empor. Blan spricht von vielen Toten. Die Lxplofionen dauern an. Nähere Einzelheiten sind noch nicht be- fannt Devisenmarkt Berlin-Frankfurt Telegraphische Auszahlung. 29,75 1,65 23 1,8 7,7 124,5 123,75 117,25 Banknoten. 160,25 314 314,25 314 184,6 276 116,5 125 128 184,6 277 170,25 155 160,5 117,9 126,5 128 212,5 184,75 278 170,5 155,5 160,75 23,25 20 123,75 191 165 117,9 126,4 128,25 213 184,75 274,75 170,75 155,13 160,75 8111g. Deutsche Eilenbahn Hamburg-Amerika Paket Hamb.-Südam. Dampssch. Hansa Dampsschiss . . . Norddeutscher Lloyd . . Slllg. Deutsche Eredilanst. Barmer Bankverein . . Berliner Handelsgesellsch. . . Commerz, und Privat-Bank . Darmst. u. Nationalbank . . Deutsche Bank...... Diskonto-Gesellschast Ant.. . Dresdner Bank...... Mitteldeutsche Kreditbank . . Mclallbank........ Reichsbank........ 7,9 7,65 7,65 7,65 23,25 22 1,8 io 10 12 11 12 10 10 10 . 9 . b 12 1,8 7,75 4% Schweiz. Bundesb.-Anl.. . . 4% Oesterreichische Goldrte.. . . 4,20% Lcslerr. Sllberrte..... 4% Oesterreich, einheitl. Rte. . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . 4l/i% beigl. 6on 1913..... 4% Ungarische Kronenrte..... 4% Türk. Zollanreihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie I........... 4% deLgl. Serie II....... 4% Rumänen convcrt. Rte. . . . 4/i% Rumänen Goldanl. von 1913 . *Yi . . 8 . . 8 . 10 . . 8 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. ———ter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Brief 16,477 168,44 22,04 111,94 59,24 2,50 112,47 80,92 61,12 12,43 73,13 a. M. Geld 16,417 167,76 21,96 111,50 59,00 2.48 112,03 80,60 60,88 12,37 72,83 &ranjöiif*e Noten..... Holländische Noten...... (italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oeslcrr, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Frankfurt a M. Betin Schlug- finre l-Ubr Rute Schluß. flute Anfang Kure Datum 23.7. 24-7- 23.7. 24.7. A.G.G........ . . . . « 197 197,25 nr 197 Bergmann..... . . . . 9 222,75 224,75 223 224 Gicht. Liescrungen. . . . . 10 — — 155 154,25 Licht und ÜTQft . . . . . . 10 209,5 210,5 209,5 209,75 Prellen & Guilleaume. . . . . 6 137 — 136 135,4 Ges. s. Elektr. Untern.. . . . 10 208 210 207,75 210 Hamb. Gleltt. Werke . . . . 10 — 139,75 140 Rhein. Gleltt..... . . . . 9 — — 147,13 Schles. Gleltt..... . . . 10 — — 188,5 188 Schuckert...... . . . . 8 — 231 228,75 229,75 Siemen« & Halske . . . . . 12 387,5 387 386,5 TranSradio..... . . . . 8 _ Lahmeyer 4 Go.. . . . . . 10 — — 167,5 168 Buderu«...... . . . . 5 75 — _ 75 Deutsche Grdöl . . . . . . . 6 — — 115,65 116 Gssener Steinkohle . . . . . . 8 — — 135 136,25 Gelsenkirchener . . . f- Y1 3 4 138 — 138,4 138,13 Harpenet...... . . . . 6 147 — 147 Hocjch Gisen..... . . . . 8 — 133,25 133 Ilse Bergbau .... . . . . 8 213 — 212 212,5 Rlödnerroerle .... . . . . 7 111 — 110,9 111,5 Köln-Neuesten.... . . . . 9 — 129,5 129,25 Mannesmann.... . . . . 8 121,5 122,5 121,5 120,25 Mansselder..... . ... 1 — 136,5 136,4 108,4 109 105.4 Lbersch'.es. Gisenb. Bedats . . . b —— 88 Oberschles. Kokswetke. . ... 6 — — 108 Phönix Bergbau. . . - • . 6Vi 105,25 105,5 105,13 Rheinische Braunkohlen . . . 10 299 297,5 298,25 998 Rheinstahl . . . % Jahr 4N Riebeck Montan......7,2 125,75 225,75 126 126 Bereinigte Stahlw. . Otavi Minen .... Kali Aschersleben . . . . . . 6 . . . 2 sh 113,5 — 113,75 64,13 236,5 113,5 64,13 236,5 241,75 496,25 . . . 10 237 _ Kali Westeregeln. . . Kaliwerk Salzdetfurth ... 10 . . . 16 398 — 240,75 398,75 I. 0. Fatben-Industtie Dynamit Nobel . . . Scheideanstall.... . . . 12 . . . . 6 225,5 - 225,25 225 . . . . 9 158,75 153 Goldschmidt .... . . . . b 76 75,25 85,5 125 76 95,5 127 Rütgerswerkc .... Metallgesellschast. . . . . . . e . . . ii 85,5 124,5 85 126 .^ranksutt a M Berlin Schlub- Kur« 1 Uhr- Kur« Schluß- Rure Anfang Kure Datum 23.7. 24-7. 23 7. 24 7. 5% Dt. Reichsanleihe o. 192 < . Dt. Anl.-AbUst.-Schuld mit AuS- 87,25 — 87,5 — los.-Rechlen......... 51 — 51 51,1 Desai, ohne Auölos.-Rechte . . . 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. un- 9,65 — 9,5 9,6 kündbar bis 1932....... *V*% Rheinische Hyp.-Bank Liqu.- 83,5 — — — Goldps.......... • A.G.G. abg. Borktiegi-Obligation., 78,05 — — — rückzahlkar 1932 ....... 87,5 — — — FtankfuNa.M. Berlin Schlub- Kuts l-Ubr- Kurs Schluß- Kurs Anfang Rur» Datum 23.7. 24-7. 23.7. 24 7. Philipp .............. Heidelberger Gement .... 10 Gement Karlstadt......8 Wayb 4 Freitag......10 Schultheis Pahenhoser ... 15 Ostwerke.........12 £3et. Glanzstosf......18 Bemberg.........14 ßellftofr Waldhof.....12 Zellstois Aschassenbuta ... 12 Chatlotlenburger Wasser ... 7 Dessauer Gas........8 Daimler Motoren......0 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 Adlerwerte Kleoet......6 Ludw. Loewe.......10 Nat. Auto m obst.......0 Dtetirtein 4 Koppel.....6 Leonhard Tiey.......6 Bamag Meguin.......0 Franks. Maschinen......6 Gripner.........11 Heyliaenstaedt .......0 Iunghans..........4 Lechwetke..........8 Mainttastwerke.......8 Miag...........10 Nekars ulmer........8 Beters Union........8 Gebt. Roeder.......10 Boigl 4 Haeffner......8 Südd Zucker........8 “11 1 S 1 f S? 1 1 S 1 in 1 “! 1 1 1 1 1 3 1 1 S 1 1 1 1 1 1 1 1 S - w - S 3 100 397 155,25 150 110 307 234,5 396 308,5 240,75 155,75 197,25 53,75 54 50 197 22 91 216 54 68,5 64,25 123,5 120 222 150 305,25 392 307 236,5 196,25 53,25 _ 216,5 123,75 23. Juli 24. Juli Ärmliche Notierung Geld l <8 rief Amtliche Geld Notierung 6rteL Amft.'Nott. 168,11 168.45 168,H) 168,44 Buen.-Aires 1,759 1,763 1,758 1,762 Brfl.-Antw- 58,23 58,35 58,24 58,36 Thristionia. 111,68 111,90 111,68 111,90 Kopenhagen 111,70 111,92 111,69 111,91 Stockholm . helsingforS. rttaHcn . . . London. . . 112,31 112,53 112,28 112,50 10,528 21,915 10,548 21,955 10,531 21,92 10,551 21,96 20,339 20,379 20,336 20,376 Neuhork . . 4,190 4,198 4,191 4,199 Paris. . . . 16,42 16,46 16,415 16,455 Schwei, . . 80,61 80,77 80,62 80,78 j Spanien . 61,09 61,21 61,05 61,17 Japan . . . Mio de Jan. 1,936 0,497 1,940 0,499 1,931 0,496 1,935 0,491 Wien in D-« Ceft. abgeft 59,015 59,135 59,01 59,13 Prag ■ • - - 12,40 12,42 12,399 12,419 B.-lrrad . . 7,355 7,359 . 7,360 7,374 Budapest - . 73,04 73,18 73,03 73,17 Bulgarien . 3,032 3,038 3,037 3,043 Lissabon . . 18,7« 18,82 18,75 18,79 Danzig. . . Konstantin. 81,33 81,49 81,32 81,48 2,018 2,022 2,015 2,019 Athen. . . 5,415 5,425 5,42 5,43 Tanada . . 4,174 4,182 4,176 4,189 Uru.uah. . 4,116 4,124 4,096 4,104 Cairo . ■ ■ 20,86 20,90 20,855 20,895 Berlin, 23. Juli Ö)eld Brief Amerikanische Noten..... 4,168 4 1 RR Belgische Noten........ 58,23 58,47 Dänische Noten........ 111,43 111 »7 Englische Noten........ 20.305 20.385 !lr.^ SSg Ti! 31« Die5 lllonal^ 0 90 * • lohn, auch Ichein-n "A infolge y «"K 51. * Ansch<^ zronlst^ •21m 27.Su sand in > KeU°gp° in Krall » Signatarmac ameritanW terlegt W pan begegn weil Aertra und nicht s können. Di aus dem - klärung der Zeichnung d (Übergabe wurde. 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