Nr. 500 Erstes Blatt 179. Jahrgang Montag, 25. Dezember 1929 Eriche ini >oglich,nutzer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezngrpretr: 2.20 Reichsmarti und 30 Reichspfennig |ür Iröger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsvrechanschlüsse unter5ammc[nummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firanlfurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen thnid vnv Verlag: vrühl'sche UnlverfilSls-vuch- und Zteindruckerel B. Lanze in Sieben. Schriftleltung und Geschäftsstelle: §chu!sttaße L Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» krlameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den AnzeigenteU Max Filler, sämtlich in Dietzen. Der Volksentscheid über das Freiheiisgeseh gescheitert. Ruhiger Verlauf des „Goldenen Sonntags" in Berlin und im Reich. — 5,8 Millionen Ja-Stimmen bei 42,1 Millionen Stimmberechtigter. - Die verfaffungsändernde Zahl von 21 Millionen nicht erreicht. Oie amtliche Bekanntgabe. Das vorläufige amtliche Abstimmungsergebnis. Berlin, 23.Dez. (WB. Amtlich.) Das vorläufige amtliche Endergebnis des volks- cnlfcheids über das Freiheilcgefeh ergab folgende Zahlen: Stimmberechtigt waren 42 111 173. Es wurden abgegebn: 6 293 109 Stimmen, davon waren ungültig 130 707 Stimmen. Mit Rein stimmten 337 320, mit 3a 5 825 032 gleich 13,8 o. £). der Stimmberechtigten. Da das beantragte Gesetz verfassungsändernd ist, hülle der Volksentscheid 21 055 586 Ja-Stimmen auf sich vereinigen müssen. Davon ist nicht einmal ein Drittel erreicht worden. Die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien erzielten bei der letzten Reichstagswahl vom 2Nai 1928 etwa 7 Millionen Stimmen. Der Volksentscheid ist damit gescheitert. Das Ergebnis in denWahllreisen 1. Ost Preußen. Stimmberechtigte 1 341 042. Sa 359 495, Rein 27 528. (Volksbegehren 320 898 - 23.93 v. H.) 2. Berlin. Stimmberechtigte 1 540 882, Sa 132 205, Olein 6235. (Volksbegehren 95 646 = 6,21 v. H.) 3. Potsdam II. Stimmberechtigte 1 286 099, Sa 188 015, Olein 8330. (Volksbegehren 130 649 = 10.16 v. H.) 4. Potsoam I. Stimmberechtigte 1 270 449. Sa 241 727. Olein 13 710. (Volksbegehren 190 583 = 15,00 v. H.) 5. Frankfurt a. b. O. Stimmberechtigte 1 056 202, Sa 260 833, Olein 16 275. (Volks- Legehren 201 232 = 19,05 v. H.) 6. Pommern. Stimmberechtigte 1 172 255, Sa 391 406, Olein 25 888. (Volksbegehren 385 757 = 32,91 v. Sy) 7. Breslau. Stimmberechtigte 1 233 250, Sa 220 140, Olein 18 496. (Volksbegehren 164 201 — 13 31 v. H.) 8. L i e g n i h. Stimmberechtigte 789 850, Sa 152 150, Olein 12 038. (Volksbegehren 109 943 = 13.92 v. Sy) 9. Oppeln. Stimmberechtigte 822711, Sa 100 052, Olein 11 040. (VolkÄiegehren 61989 = 7,53 v. H.) 10. Magdeburg. Stimmberechtigte 1 095 723 Sa 233 166, Olein 13 477. (Volksbegehren 181 437 = 16,56 v. $).) 11. Merseburg. Stimmberechtigte 937693, Sa 230 083, Olein 14 227. (Volksbegehren 174 341 = 18,59 v. H.). 12. Thüringen. Stimmberechtigte 1 473488 Sa 356 757, Olein 14 781. (Volksbegehren 241 378 = 16,38 D. H.) 13. Schleswig-Hol st ein. Stimmberechtigte 1041330, Sa 190 318, Olein 10 607 (Volksbegehren 140841 — 13,52 v. H-). 14. Weser-Eins. Stimmberechtigte 953 939, Sa 162 623, Olein 6429 (Volksbegehren 112 044 = 11,71 v. H.). 15. O ft Hannover. Stimmberechtigte 6i9 4S5, Sa 1Z9 c94. Olein 10 201 (Volksbegehren 134 532 *= 19,80 v. H.). 16. Südhannover - Braunschweig. Stimmberechtigte 1 302 321, Sa 215 194, Vein 15 164 (Volksbegehren 143 739 = 11,04 v. H.). 17. 02 estfalen Olord. Stimmberechtigte 1 554 601, Sa 104 597, Olein 5358 (Volksbegehren 59 881 = 3,85 v. H.). 18. Westfalen Süd. Stimmberechtigte 1 601 821, Sa 90 820, Olein 4434 (Volksbegehren 51 159 = 3,19 V. H.). 19. Hessen - Olassau. Stimmberechtigte 1 644 365, Sa 171 339. Olein 7130 (Volksbegehren 89 670 = 5,45 v. H.). 20. Köln - Aachen. Stimmberechtigte 1 436 372, Sa 34161, Olein 2658 (Volksbegehren 18 881 - 1,31 v. H.). 21. Koblenz-Trier. Stimmberechtigte 776 332, Sa 39 715, Olein 2584 (Volksbegehren 9916 = l,23v. H-). 22. Düsseldorf O st. Stimmberechtigte 1 462 113, Sa 46 272, Olein 2868 (Volksbegehren 29 370 = 2,01 v. H-). 23. Düsseldorf 02 e st. Stimmberechtigte 1 121 280, Sa 65 716, Olein 3905 (Volksbegehren 35 412 = 3,16 v. H.). 24. Oberbayern - Schwaben. Stimmberechtigte 1 610 676, Sa 129 562, Olein 7896 (Volksbegehren 69 101 = 4,29 v. Sy). 25. Aiederbahe^n. Stimmberechtigt 791 509, Sa 35126, Olein 2580 (Volksbegehren 19 522 = 2,46 S.H.). 26. Franken. Stimmberechtigte 1 620 203, Sa 311 343, Olein 10147 (Volksbegehren 215 052 = 13,27 v. H.). 27. Pfalz. Stimmberechtigte 590 188, Sa 32 481, Olein 1884 (Volksbegehren 16 691 — 2,83 v. H.). 28. Dresden-Bautzen. Stimmberechtigte 1299108, Sa 202 585, Olein 12 058 (Volksbegehren 122 704 — 9,45 v. Sy). 29. Leipzig. Stimmberechtigte 917989, Sa 122 924, Olein 7411 (Volksbegehren 82 397 - 6,98 v. H.). 30. Chemnih-Zwickau. Stimmberechtigte 1 247 715, Sa 264 260, Olein 12 885 (Dolksbe- gehren 198 449 = 15,90 v. Sy). 31. Württemberg. Stimmberechtigte 1 717 104, Sa 202 504, Olein 5333 (Volksbegehren 110 546 = 6,44 V.H.). 32. Baden. Siimmberechtigte 1 495 624, Sa 85 238, Olein 3830 (Volksbegehren 33 098 — 2,21 v. H.). 33. Hessen-Darm st ad t. Stimmberechtigte 913 361, Sa 78 308, Olein 4127 (Volksbegehren 27 700 = 3.03 v. H.). 34. Hamburg. Stimmberechtigte 887 319, Sa 46 792, Olein 2262 (Volksbegehren 35 650 = 4,02 v. H.). 35. Mecklenburg. Stimmberechtigte 588 448, Sa 147 375, Olein 13064 (Volksbegehren 122 752 = 20,86 v. H.). Das Ergebnis in Hessen. Provinz Starkenburg. Kreis Dar m st ad t. Stimmberechtigte 104 091, Sa 6367 (6 v. Sy), Nein 354, (Volksbegehren 2091). Kreis Bensheim. Stimmberechtigte 46 547, Sa 3909 (8,2 v. Sy), Nein 306, (Volksbegehren 1091). Kreis Dieburg. Stimmberechtigte 42 399, Sa 4912 (11,4 d. Sy), Nein 196, (Volksbegehren 1787). Kreis Erbach. Stimmberechtigte 30 963, Sa 4608 (14,7 v. H ), Nein 302, (Volksbegehren 1917). Kreis Groß-Gerau. Stimmberechtigte 49 889, Sa 2282 (4,4 v. Sy), Nein 118, (Volksbegehren 380). Kreis Heppenheim. Stimmberechtigte 31 314, Sa 1737 (5 o. Sy), Nein 138, (Volksbegehren 341). Kreis Offenbach. Stimmberechtigte 123 358, Sa 2357 (1,9 o. Sy), Nein 245. Provinz Oberheffen. Kreis Gießen. Stimmberechtigte 67383, Sa 8416 (12,3 v. Sy), Nein 384, (Volksbegehren 3034). Kreis Alsfeld. Stimmberechtigte 24 413, Sa 7385 (29,9 D.Sy), Nein 185, (Volksbegehren 3960). Kreis Büdingen. Stimmberechtigte 28180, Sa 4634 (16,2 v. Sy), Nein 284, (Volksbegehren 1842). Kreis Friedberg. Stimmberechtigte' 58 045, Sa 7240 (12,1 v. Sy), Nein 394, (Volksbegehren 2314). Kreis Lauterbach. Stimmberechtigte 19 537, Sa 6559 (33 v. Sy), Nein 294, (Volksbegehren 2338). Kreis Schotten. Stimmberechtigte 18 137, Sa 6174 (33 v. Sy), Nein 177, (Volksbegehren 2089). Provinz Rheinhessen. Kreis Mainz. Stimmberechtigte 109629, Sa 1829 (1,6 v. Sy), Nein 116, (Volksbegehren 466). Kreis Alzey. Stimmberechtigte 27 452, Sa 2653 (9,5 v. Sy, Nein 224, (Volksbegehren 901). Kreis Bingen. Stimmberechtigte 30567, Sa 663 (2,1 o. Sy), Nein 85, (Volksbegehren 81). Kreis Oppenheim. Stimmberechtigte 32 374, Sa 3076 (9,3 v. Sy), Nein 229, (Volksbegehren 848). Kreis Worms. Stimmberechtigte 66 461, Sa 3487 (5 o. Sy), Nein 193, (Volksbegehren 1591). Kreis Marburg. Stimmberechtigt 22137, abgegebene Stimmen 8116, davon Sa-Stimmen 7915, Olein-Stimmen 114, ungültig 87, Beteiligung 32,7 v. Sy, Volks» begehren 5224. Kreis Weh ar. Stimmberechtigt 45 887, Ja-Stimmen 5806, Olein-Stünmen 242, Volksbegehren 2012. Erste preffestimmen Berlin , 23. Dez. (Funkspruch.) Die wenigen, am Montagfrüh erscheinenden Blätter nehmen zu dem Ergebnis des Volksentscheid ausführlich Stellung. Der „Montag" (Shugenberg-Konzern) stellt fest, daß alle Versuche, den Volksentscheid ungünstiger zu gestalten, als das Volksbegehren, die auch in Streifen unternommen worden feien, die der nationalen Opposition eigentlich sehr nahe stehen sollten, gescheitert seien. Für Deutschland entscheidend bleibe, ob die Sa-Stimmen das zum Volksentscheid gestellte Gesetz zur Annahme gebracht hätten oder ob das Gesetz abgelehnt sei. Aus diese Frage gebe es z w e i Antworten. Aber es gebe keine Snstanz, die über diese beiden Antworten hinaus die Entscheidung stellen konnte. Die Verfassung von Weimar und das Gesetz zur Durchführung des Volksentscheids hätten hier in den Bestimmungen ein Loch, durch das jede Regierung vor der politischen Wirkung eines gegen sie ergangenen Volksentscheides durchschlüpfen könne. Die Reichsregierung habe sich bereits ihre Verteidigung zurechtgelegt. Sie erkläre, daß das Gesetz gegen den '2)oungpian d i e Reichsverfassung ändere und verlange mit dieser Begründung für das Gesetz eine MehrheitderStimmberechtig- ten von 21 Millionen Sa-Stimmen. Weil die Regierung ihrer Austeguna über den verfassungsändernden Charakter des Gesetzes selbst nicht sicher sei, hat sie sich noch eine zweite Verteidigungs- stellung gebaut. Sie behauptet, daß bei der Abst.m- mung im Volksentscheid über jedes Gesetz, das vorher im Reichstag abgelehnt sei, sich die Mehr- heitderStimmberechtigtenbeteiligen müsse, obwohl überhaupt kein Gesetz zum Volksent- scheid gestellt werden könne, wenn es nicht vorher vom Reichstag abgelehnt fei, abgesehen von Abänderungsgesetzen des Reichstages selbst. Auch diese Behauptung sei verfassungsrechtlich sehr umstritten. Der Reichsausschuß bestreitet, daß das Gesetz verfassungsändernd sei. Er bestreitet, daß die Mehrheit der Stimmberechtigten sich beteiligen müsse. Es gebe keine Snswnz, die objektiv hier in Namen des Volkes rcchtsprechen könnte. Es gebe nur ein Wahlprüfungsgericht, das das Ergebnis des Volksentscheides formal feststelle. Es ist aus Vertretern der großen Parteien zusammengesetzt und habe damit eine Mehrheit der Parteien, die die Regierung unterstützten. Das Wahlprüfungsgericht spricht also kein Recht, sondern mache die Politik der Regierung. So verbaue die Regierung gegen den Grundsatz der Volksgesetzgebung dem Volksrecht den Weg. Die Regierung wird behaupten, daß das Gesetz abgelehnt sei und unbekümmert aus der 2. Haager Konferenz den $ o u n g p I a n u n - terschreiben. Die nationale Opposuion bestreite der Regierung nach dem Ergebnis des Volksentscheids das Recht zu solcher Unterschri t. Der Wahlausschuß betrachtet den Volksentscheid als g e - wonnen. Die „M o n t a g 5 p o ft" (Ullstein) schreibt, trotz aller Bemühungen sei der Volksentscheid ein Mißerfolg geworden. Bei objektiver Prüfung werde man überall d.e erwartete Zunahme der Stimmen jegenüber dem Volksbegehren feststellen können. Es ei oqn vornherein klar gewesen, daß bei einer Ab- timmung di e Beteiligung erheblich grö- 3 e r fein mußte als bei der Eintragung in öffentlich ausliegende Listen, zumal nach den Erklärungen der Negierung die Beamten diesmal überhaupt nicht zum Volksentscheid, darüber im Zweifel hatten fein können, daß ihrer Stimmenabgabe oon Regierungsseite nicht das geringste Hindernis bereitet werden würde. Die Zahl der Sa-Stimmen sei noch immer erheblich geringer als die Stimm Ziffern der Deutschnationalen und Nationalsozialisten bei den letzten Reichstagswahlen. Ueber das Mißlingen des Volksentscheids habe von Anfang an nicht der geringste Zweifel bestanden, da zu feiner Annahme die verfaffungsändernde Mehrheit oon über 50 v. Sy aller Stimmberechtigten, also mehr als 20 Millionen, notwendig gewesen wären. Trotz aller Bemühungen der Regisseure sei es ein Mißerfolg geworden. Das deutsche Volk habe begriffen, es habe gefprod)en, indem es schwieg. Das Volk wolle leben und arbeiten für den Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes. Kritik am Houngplan. Wichtige Ausführungen Dernburgs. Amsterdam. 22. Dez. (TU.) Der ehemalige Kolonialstaatssekretär und spätere Oleichsfinairz- minifter Dr. Bernhard Semburg, demokratischer Oleichstagsabgeordneter, schreibt im „Telegraaf" u. a.: Die Stimmung in Deutschland habe sich in den letzten Wochen keineswegs zugunsten des Planes gebessert, das Mißlingen des Volksentscheides dürfe doch nicht als eine Entscheidung zugunsten des Poungplanes aufgefaht werden. Einen der größten Einwände gegen den Poung-Plan bilde der geringe Einfluß, welcher der Aeichs- regierung auf die Reichsbahn nach dem Voung-Plan gewährt wird. Die Oleichsbahn biete heute kein Unterpfand mehr. Ihre Tarifpolitik fei ein wichtiger Faktor für den Innen- und Außenhandel. Die größte Sorge bildet indessen der Umstand, daß der Voung-PIan mit feinen Aebenabkommen statt einer Erleichterung für Deutschland wenigstens in den ersten Jahren, bedeutend höhere Lasten bringe. Die mit dem Plan verbundenen besonderen Abkommen verlangen von Deutschland schwere Opfer, und es sei zweifelhaft, ob Deutschland diese zusammen mit den Jahreszahlungen des Boung-Planes werde leisten können. Zu diesem neuen Abkommen gehöre das Warkabkomnien mit Belgien, die Besah ungs- kosten, die nach dem Dawes-Plan aus den Jahreszahlungen bezahlt wurden, und die gewaltigen Ausgaben, die der Wiederaufbau des Rhein- landes nach der Oiäumung von Deutschland fordern wird, nachdem Deutschland auf eure Entschädigung hierfür verzichtet hat. Durch den Fortfall des durch den ilebergang vom Dawesplan zum Vvung-Plan entstehenden Ueberschusses von 300 Millionen werde der Boung-Plan seinem Olamen nach am 1. April, tatsächlich aber erst am 1. Oktober in Kraft treten. Die Gegnerstaaten müssen alle diese Schwierigkeiten gründlich erwägen, denn eine große Belastung würde es zweifelhaft machen, ob die Dawes-Obligationen trotz der erstklassigen hypothekarischen Garantie Käufer finden werden. Außerdem fei zu befürchten, daß Deutschland den ausländischen Kredit zu sehr in Anspruch nehmen muß. VnWeZoWedelWoM. Von Otto Eorbach. Die Zeiten, wo sich John Bull für den Stellvertreter Gottes auf Erden Hal e.i konnte, wo ihm alle Dinge zum besten gereichten, wo er nur seine Stimme für „Freiheit" und „Fortschritt" zu erheben brauchte, damit in allen Teilen der Welt alles nach seinem Wunsche verlies, sind unwiderbringlich dahin. Der natürliche Gang der Dinge geht dem Anspruch des AngelfachsentumS auf Weltherrschaft wider den Strich, Man muß ihn auszuhallen oder wenigstens zu bremsen suchen, mutz verhindern, daß die anderen Völler ihrem eigenen Vorteil gemäß zu denken lernen, muh ihren traditionellen Hang, sich britischer Welllenlung zu fügen, künstlich starten, muß die Geister verwirren, wo klare Köpfe sie zu befriedigen drohen. Seit dem Jahre 1927 hat der Welthandel den Olückschlag überwunden, den ihm der Weltkrieg bescherte. Daß die kontinenta'enropäischen Länder mit diesem allgemeinen For.schritt nicht Schritt halten konnten, ist nicht zu verwundern, da Europa überhaupt ausgehört hat, der begün- ftigle Schauplatz des Weltverkehrs zu fein. Viel erstaunlicher ist, daß England mit feinen lebhaften traditionellen Beziehungen zu überseeischen Ländern, wo die wirtschaftliche Entwicklung feit dem Weltk.i.ge sprunghaft vorwär s geht, nicht einmal daskontinentaleuropäische T e mpo einzühalten vermag. Der Wert der Einfuhren aller Länder stieg nach Maßgabe der Warenwerte vom Jahre 1913 von 1536 Millionen Mark im Jahre 1913 auf 1793 Millionen Mark im Jahre 1923, aber Englands Ausfuhrziffern hoben, ebenfalls auf Grund der Dorkricgspreise berechnet, diejenigen des Jahres. 1913 noch nicht wieder erreicht. Englands Anteil am Welthandel sank von 13,9 v. H. im Jahre 1913 auf 12,1 V.H. im Jahre 1925, 11,4 v. H. im Jahre 1927 und weniger als 11 V.H. im Jahre 1923. Im 2ahre 1913 nahmen die europäischen Märkte 34,C2 v. H. der englischen Ausfuhr auf, 1928 nur mehr 27,9 v. H. Für den gesunden Menschenterstand auf dem europäischen Kontinent müßte sich aus diesen Ziffern ergeben, daß britischer Otat in europäischen Wirtschaftslagen ein schlechter Otat ist, dem man mißtrauen soll, aber es hat noch gute Weile, bis der gesunde Menschenverstand in der Politik konlinenlaleuropäischer Länder zum Durchbruch kommt. Wider französisch-europäische Sirenenklänge, wie Briands paneuropäische Anregungen, ist man, wenigstens in Mit.eleuropa einigermaßen gefeit, aber als England das Schlagwort vom „Zollfrieden" in die paneuro- päische Diskussion warf, fand es in weiten Kreisen hemmungslosen Beifall. Schienen sich nicht wieder einmal britische Staatsmänner als gewiegte Prak.i er im Vergleich zu kontinentaleuropäischen. Verfechtern paneuropäischer Otomantil zu bewähren? Wie liegen nun die Dinge in Wirklichkeit? Dasselbe England, das mit zäher Ausdauer übet öie Aufrechterhaltung einer britischen Oleichszollfront wacht, die sich vor allem gegen Kontinentaleuropa richtet und in dieser Hinsicht noch möglichst bet» tejert werden soll, möchte zugleich die Bestrebungen zrr Aufrichtung einer europäischen Zoll- front in seinem Sinne lenken. Auch in den bri- Men Dommions ist der natürliche Gang der Dmge nicht günstig für England, aber infolge cer pDllbeöcr-ugung immer noch weniger ungünstig als für kontinentaleuropäische Länder Englands An.eil am Einsuhrhandel der Länder des britischen Weltreiches ist durchschnittlich 36 d. H.. derjenige am Ein,uhrhandel fremder Län- dec 9,6 v. H. Indien und China kaufen von der Außenwelt ungefähr die gier'en Mengen Waren. °ber 1923 betrug die britische Ausfuhr nach ?^7nn£? ml C0° Mund Sterling, die nach China 15 717 000 Pfund Sterling. Australien und Ar- gentmren fuhren ungefähr die gleiche Oltengc ^aren ein. aber Australien kaust jährlich für "Millionen Pfund mehr englische Ovaren a^s Argentinien. , pRf11 ^nnn aus diesen Ziffern ersehen, wie katastrophal eS_ für den englischen Ausfuhr- handel fern müßte, wenn in den britischen Dominions dieselben Gesetze internationalen Wettbewerbs wirlsani würden, wie in anderen Teilen ^^e. An und für sich hat auch die Zollpolitik ter Dominions die Tendenz, die Vorzugsstellung des Mut.erlandes z i schwächen. Australiens Einfuhren stiegen von 78 196 639 Pfund Sterling im Jahre 1913 auf 161 127 759 Pfund eterang im Jahre 1927. der britische Anteil gleichzeitig nur von 40 948 803 auf 67 786 167 Pfund Sterling. 02 as England in feinen Dominions an Boden verliert, gewinnen hauptsächlich die Vereinig- n. bon Olordamerika, denen dar t fettreich 40 Prozent seiner Eesanu- ausi'uhr aonimmt. Es liehe sich nun denken, daß bie kontinentaleuropäischen Länder ihre Zoll- polllil einheitlich in dem Sinne orientierten, can ):e ihren Waren durch gemeinsame Anstrengungen b:sonders auf britischen Märkten leisteten Eingang verschafften, aber rin bloße» .Zollfrieden" bewirkt gerade das Gegenteil, indem er nur verhindert, daß der zoll- politische Selbsterhaltungstrieb nationaler Industrien fortfährt, sich vor allem auf Kosten der traditionelen britischen HanDelsin'eres.en aus- zuwirken. Dabei entfallet man in England und im ganzen britischen Imperium unbekümmert um kon.inentaleuropäischen Interessen, eine von Jahr zu Jahr lebhaftere Propaganda für eine britische Reichszollunion. Rach dem Muster der USA. sollen sich die künftigen 1166. (United States of England) gegen den kon- t i n e n ta le u r o p ä i sche n Ausfuhrhan- D e l absperren. Der Prophet dieses Zukunfts- gebildes ist der Kanadier Lord Deaverbrook, der Besitzer des großen Presselrutzs, der selbst den Kampf für einen „Reichsfreihandel" für seine Lebensaufgabe erklärt. Es ist zwar völlig ausgeschlossen, daß dieses Ideal je verwirklicht werben kann, aber auf jeden Fall läßt sich durch eine entsprechende Propaganda die unaufhaltsam fortschreitende Verflechtung der Dominions in die Weltwirtschaft im Sinne einer Steigerung des Teharrungsvermögens der Tevorzugung britischer Waren beeinflussen. Man kann ja unter Umständen mit der nordamerikanischen Ausfuhrhandelspolitik Kompromisse in dec Richtung gemeinsamer Anstrengungen zur Verdrängung kontinentaleuropäischer Konkurrenz auf nicht- angelsächsischen Märkten schließen und dadurch die „amerikanische Gefahr" von sich ablenken. Im Jahre 1929 führten die Vereinigten Staaten 8 Prozent ihrer Fabrikerzeugnisse aus. Eine Steigerung dieser Ausfuhr nur um 1 Prczent würden Werte in Höhe von ungefähr 70 Mill. Dollar ergeben, eine Summe, die größer ist als der Gesamtwert der britischen Ausfuhr nach südamerikanischen Ländern. Es verhält sich mit den Zollabrüstungsparolen nicht anders wie mit den militärischen Abrüstungsparolen. Wenn man schon nicht nach einem biblischen Beispiel der Sonne gebieten kann, stillzustehen, so möchte man doch den natürlichen Gang der Dinge aufhalten, soweit es vom menschlichen Willen abhängt. Dem wahren Interesse aller zukunfisträchtigen Völker entspricht es, neue gemeinsame Kampffronten zu organisieren, statt sich in Abrüstungsfronten ent» wicllungsfeindlicher Weltmächte einreihen zu lassen. Kehraus im Reichstag. Schuldentilgungsfonds, Tabaksteuererhöhung und Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung bewilligt. - Die Zollvorlage verabschiedet. Berlin, 21. Dez. (VDZ.) Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung steht zunächst die erste Beratung des Initiativgesetze s d e r Degierungspartein zur außerordentlichen Tilgung der schwebenden Reichsfchulh. Abg. Dr. Brüning (Zentr.) gibt namens der Regierungsparteien folgende Erklärung ab: Der Entwurf eines Gesetzes zur außerordentüchen Tilgung der schwebenden Reichsschuld ist eingebracht worden aus der Notwendigkeit heraus, noch vor der Vertagung des Reichstags die Voraussetzungen für die Heberwin- dung der Kassenschwierigkeiten des Reiches zu schaffen. Die Ste.lung der von den Antragsstellern vertretenen Parteien zu dem Finanzprogramm, dcsfen Grundzüge die Regierung entwickelt hat, wird dadurch nicht geändert. Die Parteien sind sich bewußt, auf dem hiermit eingeschlagenen Wege gleichzeitig die Fortführung der durch das nationale Interesse gebotenen Außenpolitik zu gewährleisten. Reichskanzler Mül er: Ich habe im Reichstag auf die Notwendigkeit der llcberwindung der -U t moschwicrigkeiten mit aller Deutlichkeit hingewiesen. Als die Verhandlungen mit einer amerikanischen Danksirma am Mittwoch noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt hatten, habe ich das Kabinett berufen. Die ReichSregie- rung war in dieser Sitzung einstimmig der Auffassung, daß innerhalb 2 4 Stunden Klarheit über die Heberwindung der Kassenschwierigkeiten g s. a fe.i We den mußte. Das Kabinett ersuchte mich, dazu Verhandlungen mit dem Herrn Reichsbankpräfi d e n t e n zu führen. Diese Verhandlungen ergaben, daß zur Behebung der vorhandenen Schwierigkeiten eine Erweiterung des Sofortprogramms dr R ich.'regierung nit'g war. Das Ergebnis dieser Verhandlungen fand seinen Ausdruck in dem vorliegenden Antrag. Der Antrag ist also unter Mitwirkung der Reichsregierung entstanden. Sachiich entspricht der Antrag dem 14. Punkt des Finanzprogramms. 5>:r vorliegende Gesetze..twurj nimmt einen Teil dieses Programms vorweg. Er legt für das Gtatsjahr 1930 d i e Tilgung von 450 Millionen Mark gesetzlich jetzt schon fest. Das erwies sich als notwendig, nachdem gegen die Erwartung der Regierung sich herausgeftellt hatte, daß das vom Reichstag gebilligte Sofortprogramm zur raschen Beschaffung der nötigen Ultimokredite von 330 Millionen Mark nicht ausreichte. (Hört! Hört!) Es ist nunmehr Aufgabe dieses hohen Hauses, durch baldige Verabschiedung dieses Gesetzentwurfes auch den Willen des Deutschen Reichstages zur Mitwirkung an der raschen Sanierung der Rcichs- finanzen zu bekunden. Die Annahme dieses Gesetzentwurfs wird nicht ohne Rückwirkung auf das Finanzprogramm der Reichsregierung sein. Die Regierung w'rd unverzüglich die notwcndigen Arbeiten leisten, um diesen neuen Teil des Sofortprogramms in d:n Rahmen ihres allgemeinen Finanzprogramms einzugliedern. Es wird dabei besonders zu prüfen sein, ein wie großer Betrag, der zur Tilgung der Reichsschulden im Jahre 1930 erforderlichen 450 Millionen durch Senkung der Ausgaben des Etats gewonnen werden kann. Die Finanzlage des Reiches zwingtzurSparfam- keit. Der Weg, den die Rnchsregierung gehen will, ist gewiß schwierig und dornenvolli Er wird aber von Regierung und Reichstag beschritten werden müssen, wenn wir zu einer endgültigen Sanierung der Richs i.a-.zen kommen wollen. (Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Or. Bang (Sn.) erklärt, Minister Hilferding habe zunächst die Lage nicht richtig dargestellt und habe von Kafsen- schwierigkeiten gesprochen, während es sich um ein Finanzdefizit handelte. Ein erster Vorwurf ist der Regierung daraus zu machen, daß sie im Etat 1929 die Einnahmen zu hoch, die Ausgaben zu niedrig angefetzt hat. Unser Mißtrauen gegen Dr. Hilferding ist so groß, daß das technische Mittel des Plihtrauensvotums zu seinem Ausdruck gar nicht ausreicht. (Lachen links.) Mit dem von Dr. Schacht vorgeschriebenen Tilgungsfonds dankt die Regierung ab und begibt sich unter die Geschäftsaussicht des Reichsbankprüsidenten. An se ne Sielte wird nach Annahme des Vonng-Plancs die internationale Tributbank treten. Ter Tilgungsfonds ist das Begräbnis des mit fo viel Brimborium aufgemachten Finanzprogramins. Das Lügengebäude bricht zusammen. Wir sind Herrn Schacht dankbar, daß er die Demaskierung der Kreise berbeigeführt hat, die alle möglichen Märchen über die günstigen Wirkungen des Boung-Vlanes verbreiteten. Im Gegensatz zu früher heißt es jetzt: Erst Reparationen, d a n n B r o t ! Am Ende dieser Politik steht das Ultimo unseres Volkes. Rettung kann uns nur werden durch die Beseitigung des jetzt herrschenden Systems. Abg. Dr. Neubauer (Komm.) meint, aus der Verfassungspräambel müßte der Satz gestrichen werden: „Die Staatsgewalt geht vom Dolle aus"! Tatsächlich gehe jetzt die Staatsgewalt auS von den fetten der Großbanken. Dr. Schacht fei der Diktator Deutschlands und hinter ihm stehe das internationale Finanzkapital. Die Sozialdemokratie habe sich dem Finanzdiktator Schacht unterworfen und sich einen Maulkorb anlegen lassen. Abg. Stöhr (Nat.-Soz.) führt aus: Der vorliegende Tilgungsantrag ist das Produkt einer Paarung des Leichtsinns mit schlotternder Angst vor dem, was ist, und was noch kommen kann. Herrn Dr. Schacht betrachten wir nicht als den Messias einer besseren Zeit, sondern als den Vollstrecker des unerbittlichen Willens des internationalen Finanzkapitals, aus der Arbeit und dem Schweiß des deutschen Dolles Tribute zu pressen. Abg. K l o e n n e (Dnt. Arb.-Gem.) spricht sich kurz gegen den Tilgungsfondsantrag aus. Die Linke habe das Reich bankrott gemacht, aber nicht daraus gelernt. Damit schließt die Aussprache. Der Jnitiatiogesetz- entwurf auf Bildung des Tilgungsfonds w.rd in erster und zweiter Beratung angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Initiativantrages der Regierungsparteien auf Erhöhung der Tabaksteuer. Abg. Stöhr (Rat.-S.) bestreitet, daß die Nationalsozialisten von den Zigarettenkonzernen finanziert werden. Die Nationalsozialisten hätten vielmehr die Monopolstellung dieser Konzerne bekämpft, im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die alle ihre Grundsätze über Bord geworfen hätten. Von den Regierungsparteien sind A e n d e - rungsanträge eingegangen. Danach wird die Steuer für Feinschnitt-Pfeifentabak weiter ermäßigt. Die infolge der Steuererhöhung stellungslos werdenden Angestellten und Arbeiter sollen unbeschadet der Arbeitslosenversicherung für die Dauer eines halben Jahres mit 75 v. H. des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes unterstützt werden. Abg. B ü l l (Dem.) bedauert die ü b e r h a st e t e Erledigung der Vorlage. Nur die bekannten zwangsläufigen Umstände könnten seine Freunde veranlassen, für das Tabaksteuergesetz zu stimmen. Abg. Dr. Hertz (Soz) erklärt, seine Partei stimme der Vorlage nur zu angesichts der Kassenschwierigkeiten des Reiches, und weil die Vorlage einige Verbesserungen erfahren habe. Abg. Dr. Hoff (D. Vp.) äußert Bedenken gegen die kurze Dauer der Kontingentierung, erklärt aber, daß die Deutsche Volkspartei die Vorlage annehmen werde. Die Aenderungsanträge der Regierungsparteien werden angenommen. Dazu gehört auch eine Steuerherabsetzung für Zigarettenpapier. Die Samstagsihung des Reichstags war an sich bis oben hin bepackt mit Sensationen. Die Verständigung zwischen Sozialdemokraten und den Regierungsparteien über die gesamte Zoll- n o d e 11 e und deren Verabschiedung gegen die kommunistischen Stimmen bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen, die endgültige Annahme der erhöhten Tabak st euer und der erhöhten Beiträge zur Arbeitslosenversicherung— wo auch ein Teil d^r Deutschen Volks- Partei mit der Minderheit stimmte — dazu der Kampf um das Tilgungsgeseh verounden mit einer richtiggehenden Mitternachisfitzung: das alles gab wirklich einmal politischen Auftrieb; und wurde trotzdem totgeschlagen durch den Kamps um den Skalp des Reichsfinanzministers Dr. Hilferding. In den Rachmit- tagsstunden war auch da' entschieden. Herr Dr. Hilferding erklärte sich mit feinem Staatssekretär Popitz solidarisch und te...e Dem Kabinett mit, daß er sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe. Eine notwendige Klärung, Denn tatsächlich war der Finanzmtnister nach einer solchen Serie von Mißerfolgen nicht mehr zu halten. Er hat von Anfang an eine unglückliche Hand gehabt, eben weil er kein Mann Der Tat, sondern ein Mann Des Grübelns ist. Zweifellos klug, aber unentfchlofsen, er stolpert über seine eigenen Bedenken, obwohl ihm vielleicht die Erkenntnis des Notwendigen nicht fehlte. So hat et im Kabinett Luther versagt, und es war ein schwerer Fehler der Sozialdemokraten, daß sie ihm in fo kritischen Zeiten noch einmal das gleiche Finanzministerium anvertrauten. Gewiß soll man nicht alle Schuld auf ihn häufen. Er hatte die Erbschaft seiner Vorgänger zu übernehmen, er hatte auch Darunter xu leiDen, Daß der Reichstag ihm im Frühjahr fein Steuerprogramm zerriß und durch mehr unechte als echte Abstriche im Etat Das Gleichgewicht herzustellen suchte. Aber Daß Herr Dr. Hilferding sich Das alles gefallen ließ, ist eben ein Beweis feiner Unzulänglichkeit. Noch mehr, Daß er nun Den ganzen Sommer über Der Entwicklung ruhig zusah, sich nicht rührte, als Die kurzfristigen Verschuldungen sich häuften und Die Kassenschwierigkeiten lawinenartig wuchsen, und Daß er endlich, nur um gegen Den Neich^bankpräsiDenten recht zu behalten, eine amerikanische Anleihe betrieb und Bindungen einging, die zu einer Demarche Der französischen Regierung führten; Beweis genug, Daß ihm Die Dinge über Den Kopf gewachsen waren. ES konnte auch kaum mehr die Rede davon sein, daß man ihn Den Sozial3n namentlicher Schlußabstimmung wird die Tobaksteuervorlage mit 258 gegen 147 Stimmen bei neun Enthaltungen angenommen. Der Jnitiativentwurf über die Erhöhung des Beitrags zur A r b e i t s l o s e n v e r f i ch e- rung wird in namentlicher Abstimmung mit 248 gegen 156 Stimmen bei neun Enthaltungen angenommen. Dagegen haben auch einige Mitglieder der Deutschen Volkspartei gestimmt. Damit ist das Sofortprogramm endgültig verabschiedet. 3n der wiederholten Abstimmung über Die Futtermittelzölle wird im Gegensatz zu gestern von Den Abg. Dr. Horlacher (Bayer, vp.) und Schiele (Dnt) beantragte Erhöhung Des Zolles für Futtergerste abgelehnt. aber Die Verbilligungsprämie für Futterroggen angenommen. Es gilt also ein Zollsatz von 5 Mark für Das 3ahr 1930 und 2 Mark vorn 1. 3a- nuar 1931. 3n namentlicher Abstimmung wirD Die Zollvorlage mit 311 gegen 40 Stimmen bei 64 Enthaltungen angenommen. Erne Nachisihung. Bei starker Besetzung Des Sitzungssaales und der Tribünen eröffnet Vizepräsident Esser die Nacht- sitzung mit der amtlichen Mitteilung vom Rücktritt des Reichsfinanzmini st ers Dr. Hilferding und eröffnet die dritte Beratung des Initiatiogesetzentwurfes der Regierungsparteien über die Bildung eines Tilgungsfonds von 450 Millionen. Abg. Dr. Neubauer (Komm.) führt aus, mit dem vorliegenden Entwurf sei dem ganzen deutschen Volke gezeigt worden, daß seine Geschicke vom internationalen Finanzkapital bestimmt werden, daß sogar die Konkurrenzkämpfe der amerikanischen Großbanken auf dem Rücken des deutschen Volkes ausgetragen würden. Bezeichnend fei es, daß im „B. T. Theodor Wolff den Diktator des Trustkapitales Dr. Schacht beschwört, nach Dem Haag zu gehen. Hilferding ist gegangen, aber die Regierung, die seine Politik gedeckt hat, sitzt noch da und schickt Ergebenheitsadressen an Schacht. Weitere Wortmeldungen lagen nicht vor. (Lebhaftes Hört, Hört! bei den Kommunisten.) Der Initiativgesetzentwurf wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien, und zwar mit 255 Stimmen gegen 131 Stimmen angeornmen bei vier Stimmenthaltungen. Vizepräsident Esser schl'eßt die Sitzung mit guten Weihnachtswünschen für die Abgeordneten. Demokraten zuliebe noch länger im Amt lieh, weil Die übrigen Regierungsparteien jedes Vertrauen zu ihm verloren hatten und Die Koalition Darüber in Die Brüche gegangen wäre. Das Gescheiteste war es schon. Daß nach Erledigung Des Sofortprogramms auch Die So- zialDemokraten ihn fallen l eßen. Der Reichswirt- schaftsminister Professor Moldenhauer tritt eine schwere Nachlassenschaft an, und es wird großer Energie aller hinter Der Regierung stehenden Parteien beDür.en, um Die Reichsfinanzen jetzt hoffentlich endgültig in Ordnung zu bringen. Oie amtliche Verlautbarung. Berlin. 21.De). (WB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsidenk Hal auf Vorschlag des Reichskanzlers Den Reichsminister Dr. h i l s e r D i n g in Genehmigung seines Abschiedsgesuches von Dem 21mte Des Reichsmini st ers Der Finanzen entbunDen. Der Herr Reichspräsident hat ferner Den Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Dr. Popitz auf seilen Antrag in Den einstweiligen RuhestanD verseht. Es wird Damit gerechnet. Daß Der Reichspräsident den Landwirtschaftsminister Dr. Moldenhauer kommissarisch mit der Leitung des Reichsfinanzminiske- riums beauftragen wird. Hilserdings Abschiedsbrief. „Störungen von außen." Berlin, 22. Dez. (£11.) Nach Dem »Börsen- Courier" fjat das Schreiben, mit Dem Dr. Hilfer- ding Den Reichskanzler um seine Entlassung gebeten hat, fctgenDen Wortlaut: »Nachdem Die Aufnahme des Kredits zur HcDcrtolnDung Der llltimoschwierigkeiten gesichert ist, fallen Die Gründe weg. Die meine politische HanDlungsfreihei t eingeengt haben. Die von mir verfolgte Politik sah vor: Die fortschreitenDe KonsoliDierung Der schwebenDen SchulDen, Die bereits Durch Den Abschluß Der Kreuzer-Anleihe ein- gclcitct war, Die VerwenDung Der Ersparnis aus Dem Voung-Plan zur Beseitigung DeS Defizits im Haushalt Der Jahre 1923 und 1929 und zur Entlastung DerWirtschaftDurchSteuer- s e n k u n g e n von wirfsamem Ausmaße und zu einem nahen Zeitpunkt. Diese Politik ist Durch Eingriffe von außen gestört und kann Deshalb von mir nicht weitergeführt werden." Or. Hilserdings Rücktritt. OasEnilaffungelge'uch hes^eichsfinanzminist^rsunhhesStaaissekre'ärspopih genehmigt. - Minister Moldenhaurr mit her Führung her Geschäfte beauftragt. Der Demokratische Börsenkurier schreibt Dazu: Hilserdings letzter Akt sei Der vergebliche Versuch, sein eigenes Versagen auf Störungen „oon außen" zurückzuführen, feine eigenen Pläne. Deren Auswirkung zu erleben uns erspart blieb, als Die einzig glorreiche hinzustellen. Eines sei gewiß, Daß n i e m a n D Diesen als Ergänzung zum BilDe HilferDings wertvollen 216- schiedsbrief mit Dem Wunsche „Aus Wie- Dersehen" beantworten werde. Um Hilserdings Nachfolge. Tie Sozialdemokraten fordern die Ernennung von Dr. Hertz. Berlin, 22. Dez. (VDZ.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Sonntag früh nach der letzten Plenarsitzung des Reichstags mit dem Rücktritt des Reichsfinanzrninifters Dr. hilferding. Dabei tarn einmütig die Auffassung zum Ausdruck, daß die Fraktion nicht auf den durch das Ausscheiden Dr. hllferdlngs frei- werdenden vierten Sih im Reichskabinett verzichten könne. Der Reichskanzler wurde daher aufgefordert, das Finanzministerium wieder mit einem Sozialdemokraten zu besehen. Die Fraktion sprach dabei den Wunsch aus, daß die Wahl auf D r. Hertz fallen möge. Dr. Hertz hat sich noch nicht darüber erklärt, ob er diesen Posten annehmcn würde. Dr. Hertz, der nun voraussichtlich Nachfolger Dr. hilserdings werden wird, ist 1883 in Worms geboren und studierte Staatswissenschaften in München und Tübingen. von 1919 bis 1922 war er politischer Redakteur der unabhängigen „Freiheit" in Berlin. 3n den kehlen 3ahren war er Sekretär der sozialdemokralifchm Reichstagsfraktion. Etats- und Finanzfragen, zu denen er im Reichstage häufig das Wort ergriff, waren wahrend feiner Tätigkeit als Abgeordneter sein wichtigstes Arbeitsgebiet. Attentatevorbereitungen in Agram. Tie kroatische Opposition gegen Belgrads Militärdiktatur. Belgrad, 23. Dez. (WDB. Funkspruch.) Wie aus Agram gemeldet wird, wurde Dort Der Vorsitzende Der ehemaligen kroatischen Bauernpartei und Nachfolger Stefan RaD'.tschs in Der Parteiführung, Dr. Wladimir M a t s ch e k, verhaftet. Die Verhaftung Matschiks soll in Zusammenhang stehen mit Der Aufdeckung eines geplanten Höllenmaschinenanfch'ages, Der gegen 6ie zum Geburtstag des Königs nach Belgrad fahrenden kroatischen Deputationen verübt werden sollte. Wegen dieses Anschlages wurden b.reitZ in den letzten Tagen in Agram zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Aus Den Aussagen von Verhafteten soll hervorgehen, daß mit Den Höllenmaschinen, Die gefunden wurden und in Den Händen Der Polizei sind, ein Attentat auf den Zug geplant war, und ferner ein Attentat in der Agramer Kathedrale während des Gottesdienstes am Geburtstag des Königs. Unter Den Verhafteten befinden sich Der ehemalige Abgeordnete Der Raditfch- Partei, Ielasitsch, und e'.n eh ma i^er Ob rst B e g i t s ch. Ihre Aussagen, in Denen sie ihre Teilnahme an Den versuchten Attentaten zu - gaben, sollen Matschek infofern belastet hab n, als er Die Vorbereitung des Attentats Durch Geldzuwendungen gefördert haben soll. Matschek wurde daraufhin verhaftet. M ßglücktes Attentat auf hen Vizekön'g von Znhien. Delhi, 23.Dez. -(WTD. Funlspruch.) Gegen den Eisenbahnzug des Dizekönigs von Indien, Lord Irwin, wurde eine Bombe gss- schleudert. Ein leerer Speisewagen tounie zerstört. Der Dizekonig ist nicht verletzt. Ein Zugbeamter wurde leicht verletzt. Der Ort, an Dem Das Attentat auf Den Vizekönig erfolgte, ist etwa anderthalb Kilometer von der Station Der neuen Hauptstadt New-Delhi entfernt. Die Bombe wurde durch ein Fenster des Speisewagen geschleudert, in dem sich aber niemand befand. Die Explosion wurde von Den Leuten auf Der Station gehört. Sie glaubten aber, es handele sich um ein Nebelsignal. Die Explosion war fo stark, daß der Fußboden des Speisewagens zerstört wurde. Aus oller Wrli. Papageienkrankheit in Berlin? Zwei eigenartige Todesfälle sind zur Zeit Gegenstand eingehender Untersuchungen durch Die meDizinischen Stellen in Berlin. Der in Dahle m wohnende Geologe Prof. Dr. Harbort, ist unter grippe- und typhusartigen Symptomen gestorben. Gleichzeitig erkrankten die Frau des Professors, Die beiden Töchter, das Hausmädchen, die Hausschneiderin sowie zwei Bekannte der Familie. Die Hausschneiderin ist ebenfalls g e st o r b e n. Die behandelnden Aerzte glaubten zunächst an eine Grippe- oder Typhuserkrankung. Als Dann aber zwei Der Papagei en. Die sich im Besitz Des Professors befanden, eingingen, kam man auf Die Vermutung, Daß Die verstorbenen b;to. erkrankten Personen von Den Vögeln infiziert worden sein könnten. Der Direktor des Untersuchungsamts für ansteckende Krankheiten ist zur Zeit Damit beschäftigt, in Gemeinschaft mit Dem Institut für Die Parasitenkunde an Der tierärztlichen Hochschule Die Krankheitserreger enD» gültig festzustellen. Fast alle Anzeichen Deuten daraus hin, daß es sich um Die sog. Papageienkrankheit handelt. versunkener Sporlruhm. Man spricht im allgemeinen nur von dem ungeheuren Summen, die Die bekannten Sportgrößen verdienen, aber wer weiß, wie schnell der Ruhm auch seinen klingenden Wert verliert. Da ist Suzanne Len gl en, die nach glänzendem Aufstieg Berufsspielerin wurde, aber damit gescheitert ist, und nun hört man, daß die einst in der ganzen Welt gefeierte Tennissvielerin sich heute in einem Pariser Modesalon als Verkäuferin ihr Brot verdient. Oder Kurt Prenzel, Der bekannte Boxer, der als Taxichauffeur in Cbikago sich den Lebensunterhalt verdient, während N a u j o k s im großen Berliner Sportpalast als Angestellter für die Sauberhaltung der Arena unbekannt und ungefeiert zu sorgen hat. * als S'* l lverde ^chsvlge, raten *ä'H l*L6e®o|«liMlt "Äfe °7?7 Itr |bfU butf) tb'n95lrei ^nVei-d,£,an^ S'nanjtnmiftetium Demokraten . Ipra-H bakl bcn Hertz fallen ’ö)’ baruber erklärt, r' Holdings wer. 'geboren und Lunchen und lü- ' pvlilifchtt He. 9en Freiheit' ™ "°r et Sekretär lagkfraklion. Etat,, im Reichstage häu. h"nd feiner Tätig, gffes Arbei'ksgebiet. eitungen n. gegen Belgrads mr. M. Funlfpruch.) toitb, wurde dort tätigen lioatilchrn Eteian Daditlch; in idimir Watsche/, Watscht foH in r Aufdeckung M h'ages, ter gegen es Königs nach roatischen Je« den sollte Degen reits in letzten che Derhastun« Aicesegen von Ter« iß mit den Hollen« irdrn und in den i Attentat aus r, und lernet ein ranier Kathe- :nfle3 am Geburts« '.tjafcten bzfinbea t verletzt, Ser M n Mkönig et 0.8 e. ter von der» 6M * nicmani» , §peisetvagens >er» Bett. e smd °chu«S-» j. LL« en ^ÄeiJeri,'’ 8« E,„» falls Suchst an glaubten ö h^n >rklankun8c. im leien,, o e ' {am daß Iögelo tnß M d^^llot des 2er ^anlhetten fettende .schalt nt.t tinx5derL ÄSe^A^euten M-"' lt. lotlr»^. Ar ftffS '.StzL irr«16 Aus der Provinzialhauptstadt. Gieß en, den 21. Dezember 1929. Das verzauberte Backhaus. Beobachtungen auf dem Lande. Die kleine Elfe ging mit wichtigen Schritten über die (Strafte; denn sie sollte einkaufen. Es war ein gar großer Zettel, den die Mutter vollgeschrieben hatte: Mandeln, Zitronat, Sultaninen, Zimt, Honig, Hellen und viele, viele andere Sachen. Zu Hause auf dem Tisch standen Butter und Eier, „ilnö ich muß helfen," dachte Else. Sie fühlte die Grüfte der Aufgabe; denn das Weih- nachtsgebäck sollte nun hergestellt werden. Der feierliche Augenblick kommt. Else und ihre Brüder stehen stumm um die Mutter herum. Da wird abgewogen, gemengt, der Teig wird angerührt. Nicht lange dauert das stumme Sa-auen. Fragen schwirren auf, und ungeduldig fragt der Kleinste, ob es nicht bald fertig wäre. Dann kommt das Auswalzen. Die Formen werden ausgestochen. Da können die Kleinen helfen. Lind wie fein schmecken die Abfalle des Teiges! Ich meine immer noch, uns hatten in der Kinderzeit diese Kostproben besser gemundet, als das fertige Gebäck. Wenn nun alles auf das Blech gelegt und schön überstrichen ist, geht es ins Backhaus. Da dürfen die Kinder nicht mit. Abends, wenn das tägliche Brot gebacken ist, kommen die „Plätzchen" an die Reihe. Nachbarn und Verwandle tun sich zusammen und bringen ihre Bleche, bis der Backofen gefüllt ist. Sich leise unterhaltend, als ob schon Weihnachten wäre, stehen die Frauen und Mädchen um den Backofen. Dann kommt die erste Nachschau. Sie sind schön braun geworden. Irgend jemand hat ein neues Rezept gefunden. Schon strecken sich verlangend einzelne Hände, die wollen alle einmal versuchen. Der reinste Tauschhandel! Bewundernd werden die einzelnen Sorten gelobt und dann stolz lächelnd und wohlgeraten nach Hause getragen. Run kann Weihnachten gefeiert werden. Das Gebäck ist geraten. Es kommt die Zeit, in der immer eine Stubentür im Haus verschlossen ist. Rur durch das Schlüsselloch kann man schauem Da stehen die Kinder manchmal auf den Zehenspitzen und glauben. wenn sich ein Sonnenstrahl in das Zimmer verirrt, die Flügel der Weihnachtsengel zu sehen. Lind erst der Duft! Roch lieblicher als von Rosen und Veilchen strömt uns aus dem Spalt der Türe ein Hauch von Marzipan, Zitronen und Schokolade entgegen. Ein Geheimnis waltet über dieser Stube. Aber der Tag wird kommen, und auch hier werden Lichter brennen, und unter dem Weih- nachtsbaum wird das duftende Gebäck neben den Geschenken liegen. Dulde, gedulde dich fein! Der Volksentscheid. Die Beteiligung am gestrigen Volksentscheid war erwartungsgemäft in Gieften, w.e auch im Kreise Gieften und in anderen Gegenden des Reiches stärker als beim Volksbegehren. In der Stadt Gieften war der Betrieb in den Abstimmungslokalen am Vormittag im allgemeinen flau, nachmittags dagegen etwas lebhafter. Von 24 320 Stimmberechtigten gaben 1770 ihre Stimme ab. Hiervon entfielen 1602 auf I a , 149 auf Rein; 19 Stimmen waren ungültig. Für das Volksbegehren hatten sich in der Stadt Gieften 470 Personen ausgesprochen. 3m Kreise Gieften machten von 68 395 Stimmberechtigten 8870 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. 8416 stimmten mit 3 a, 384 mit Rein, 70 Stimmen waren ungültig. Für das Volksbegehren hatten sich im Kreise Gieften 3034 Personen eingeschrieben. . 1929,8hmas< *5- 2S Thobtiavr 5t .0, .Paris iurs, j fl •P q$io VaiAc£5 O o Jagent Ot) Oer Skt.*"'2 ) - ff EH W« ©worxemos (3 neuer. <> nail> Dtdecnt - *01*19. • oeoecKt • Regen v Schnee a (ireuoein. e «eoei K6etfitier^)Uind5tiiie.«O~ sehr «eine- O$t ^5 massige» Südsüdwest q stürmischer Rordwesl Oie »lene fliegen mit dem winde Pie oei den Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an Die Linien verDtnoeo Oru mit gleichet) «al necresniveau umaertrooelet» Uilld/uck Wettervoraussage. Immer mehr vollzieht sich der Witterungsumschlag, der durch die westliche Störung verursacht wird. Ihre Ausläufer fetzen sich bereits durch, so daß die Kaltluft mehr und mehr durch wärmere verdrängt wird. In Westdeutschland waren die heutigen Morgentemperaturen schon bis zu 3 Grad über Null und in unserem Bezirk um Null. Stärkere Bewölkung, im Taunus und Odenwald traten auch Schneefälle, jedoch leichterer Art auf. Nur im östlichen Deutschland bestimmt der Hochdruckeinfluß noch die Wetterlage und hat dort das vielfach heitere und stärkere Frostwetter fortbestehen lassen. Mit der weiteren Zufuhr wärmerer Luft durch das westliche Fallgebiet setzt noch weiterer Temperaturanstieg ein. Die noch auftretenden Niederschläge gehen wahrscheinlich später in Regon über. Nach der jetzigen Wetterlage sind die Mssichten auf winterlilyes Weihnachtswetter gering. Wettervoraussage für Dienstag: Meist wolkiges Wetter, weiterer Temperaturanstieg, vereinzelt leichte Riederschläge, zunächst als Schnee, später in Regen übergehend. Wettervoraussage für Mittwoch: Bei wechselhafter Bewölkung milderes Wetter, noch vereinzelte Riederschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 22. Dezember: mittags — 0,1 Grad Celsius, abends + 0,2 Grad; am 23. Dezember: morgens — 0,2 Grad. Maximum + 0,4 Grad, Minimum — 8,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Dezember: abends —2,2 Grad; am 23. Dezember: morgens —0,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. Amtliche Dinlersportnachrichten. Vogelsberg (Hoherödskops), Bedeckt, 3 bis 4 Zentimeter Pulverschnee, Sportmbglichkeit: keine. Hercherchainerhohe: Bedeckt, —5 Grad, 2 bis 3 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeiten: keine. Odenwald (Tromm): Leichter Schneefall, —1 Grad, Gesamtschneehöhe 4 Zentimeter Reuschnee, 1 bis 2 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit: keine. Schwarzwald (Fcldberg): Bewölkt, minus 3 Grad, 35 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnce, SportmegliH.eiten: Ski und Rodel gut. Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Bewölkt, minus 2 Grad, 20 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. — (Berchtesgaden): Heiter, minus 2 Grad, 24 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Edgar Borrmann Eisenhandlung. Ai Eieß Din, Obe Als drchr W Sri lagt! Der nen. bean Das lung berg unte A Don „2 bürg fletoij too f)[ vtt f %aupi Nicht Höne, außer ndgü die [, -nsbel nun v in die Knr pönd yriße durch des übet der . hin 3 ®auö Suziek )?Sen' Maa daz t aber 'S lande die' derze fbiei. Freu tote das fllüni) s? Sü 21 u f scha run 2 b>! M« Mlic Sic - I!ind< toiebei willig bestza der z Kaier also das: nache De Ang- alle als ' Mine: otn. ßntto Auft licten nachz sicher iiger Die rüdgej spätere fen tn Fre 1928 entspi Klass träge den, !omn nicht 1928 Seho der nächsi klasse diele dem 1 Pe: schast Teilt abtve noch nat i Praktische Geschenk-Artikel für die Küche bei G EG-Fleisch- und Wurstwaren sind nicht zu übertreffen I Frischwurst täglich frisch zu haben Rollschinken, Berliner......Pfd. 2.70 Rollschinken, Berliner, Verkauf Im Aufschnitt o. Schw.....% Pfd. 0.70 Schinkenspeck..........y4 Pfd. 0.60 So'iweinenacken i.D......% Pfd. 0.65 Eisbein I. D., 500 Gramm.... Dose 1.50 Eisbein I. D., 375 Gramm ... Dose 1.20 Schlackwurst, I. Fettdarm, X/A Pfd. 0.70 Zervelatwurst, la Mitteid., % Pfd. 0.65 Schlnkenploskw.J.MItteld., ‘/4 Pfd. 0.65 Salami, la.............% Pfd. 0.65 Sächsische Bratwurst (grobe Mettwurst)...........i/4 Pfd. 0.50 01 :enburger Mettwurst I. Enden............/* Pfd. 0.50 Bierwurst I. Kalbsd......% Pfd. 0.53 Lyoner Preßkopf, i.Mitteld.,% Pfd.0.45 Rindswurst............*/4 Pfd. 0.32 Fleischwurst I. Ringen.... V* Pfd. 038 Fle.schwurst L Paaren (Knackwurst)........% Pfd. 038 Preßkopf, grob.........% Pfd. 0 42 Preßkopf, fein..........i/4 Pfd. 0.42 Fleischwurst, Krakauer, L R ügen .. .........y4 Pfd. 0.42 Leberwurst, breit.......% Pfd. 0 35 Leberwurst, fein, I. Mitteid., % Pfd. 0.40 Frkf. I. Ringen..........% Pfd. 0.25 Sulzwurst I (Schwartenmagen), weiß................»/4 Pfd. 0.41 Rotwurst I. Schweinebutten (Speckwurst)........% Pfd. 0.35 Blutwurst, FkL In Ringen, % Pfd. 0.30 Leberwurst I.D., 500 Gramm, Dose 0.72 Leberwurst I.D., 250 Gramm, Dose 0.45 Blutwurst i. D., 500 Gramm, Dose 0.72 Blutwurst I. D., 250 Gramm, Dose 0.45 Sohweinskopl, I. Aufschnitt zum Verkauf............% Pfd. 030 Konsumsülze LD.,500 Gramm, Dose 0.80 Konsumsülze 1.0., 2,5 kg, im Aufschnitt.............Pfund 0.80 Dehkateßwurst in Dosen (5 Paar Inhalt)..........Dose 130 Zervelatwurst I........% Pfd 0.55 Holsteiner Plockwurst... %Pfd. 0.55 Delkateßbauchspeck, gen, % Pfd. 0.45 Speck, fett............y4 Pfd. 0.40 Corned Beef I. D...........Dose 1.04 Corned-Beef, offen......% Pfd. 0.30 Wurstfett................ Pfd.0.70 Berlin. Mettwurst I. Kra zd.,% Pfd. 0.40 Nur erstklassige Wurstwaren • Warenabgabe nur an Mitglieder 5% Rückvergütung Unterstützung in Sterbefällen bis zu 100 RM* Konsum- Verein Gießen und Umg. e. 6. m. b. H. iowa verreist bis 1. Jan. einschL IO498D lohiemg. bittet 1U4D9D Der Vorstand. ES wird nebeten, die Geschenke aut Verlosung bis Aum 1. Aeicrtnn, mtiiagS 2 Übt, tin Vereins« lokal nbAuneben. Den Lli gliedern Aut Stennintonnbme, dahdieKinderkanen mitAttbrinacn sind. Vertreter die Herren: Dr. S. Klein Dr. Klewitz Dr. Wolf 1 WelonafDtefelertas morgens ti1, Ubr tn bei Stadtrirche; nachunffaa» 4 Ubr Zusammenkuuli bei Mitglied Leibet. 2. weilmMsle enas nachmittags 37, Ubr Wcibnachisfcier m.51tn^erbelchernng auf d. Kiebttitfböbc. Um Aablieiche Be- tefltaunn bet allen Veranstaltungen In dem Nachlasse der Fritz Hübner au Gienen । nd der EUe Lukas daselbst, beide Inhaber der Airma^rltzHiibucr Au Gickcn. Bahn- bofsirane 90 92, fordere ich als gerichtlich bestellter Nach- labvsteger hierdurch auf. ettvatae Ber- binblltbteticn an die Genannten und an die r>»rma innerhalb einer Woche behufs Berllckstch- ttgiing bet der Nach» laniegulterung, ebenso tunerüalb gleicher vristeilvatge Lchuldbetrage bei mir anzumeldcn. bAtö. an mich ab- zulühren. 1U502D Giesten. den 23. DcAbr. 1929. L. Althvff Nachlastvsteaen «1^6 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben, guten Mann.unse ren lieben,treusoruenden Vater,Schwiegervater, Großvater und Bruder Wilhelm Dörr I. Städtischer Pflasterer i. R. im 72. Lebensjahre nach schwerem Leiden in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Dörr geb. Schepp Familie Wilhelm Dörr UL Familie Ferdinand Paul Familie Ernst Schupp. Annerod, Gießen, .den 22. Dezember 1929. Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Dezember 1929, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause aus statt Empfehle für die Feiertage la Rindfleisch ... per Pfund 1.20 Mk. la junges Mastfleisch p. Pfd. 0.80 Mk. la Hackfleisch ... per Pfund 1.00 Mk. la Rindswürstchen per Pfund 1.00 Mk. Gießener Fleischhalle WalltorstraBe 3 osixj Gießen (Steinstraße 591), den 22 Dezember 1929. Dutenhofen, Bremen, Nauborn,Frankfurt a.M.,Erbenheim, 21 Dez 1929. Die Beerdigung findet Dienstag, den 24 d. M, mittags 1 Uhr statt D5I0D 105 Wt Dr. Schäffer Nachruf! I 501 Wir werden sein Andenken dauernd in Ehren halten. Firma Gebrüder Kahl, Gießen IO513D 105 HD Gießen (Nordanlage 3), den 23. Dezember 1929. OR2JO Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Dezember, nachmittags 1 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. — Beileidsbesuche danken verbeten. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Lina Wagner geb. Brado Im Namen der Hinterbliebenen: Marga Kuppel geb. Kahl Die Beerdigung findet Dienstag, den 24 Dezember, vormittags 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Am Sonntag, dem 22. Dezember 1929 verschied nach längerer Krankheit nur allzu früh unser treuer bewährter Mitarbeiter und Schwiegersohn unseres Senior-Chefs In tiefer Trauer: Familie Heinrich Agd Familie Jakob Hahn Familie August Loh Karl Agel. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigstgeliebten, herzensguten Mann, unseren lieben Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel, Neffen und Vetter Dr. phil. Georg Otto Kuppel im 31 Lebensjahr nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, heute morgen durch einen sanften Tod zu erlösen. Herr Dr. phil. Otto Ruppel Chemiker Wir betrauern tief das Ableben unseres Heben A. H. Dr. Otto Ruppel Chemiker (aktiv 1918-1920) Die G. B. Germania. Die Vereinigung alter Burschenschafter Gießen und Umgegend betrauert tief das Ableben ihres Heben Bundes- biuders Dr. Otto Ruppel Chemiker (Germania-Gießen) Wir werden dem Verstorbenen stets ein treues Gedenken bewahren. Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Dezember, nachmittags 1 Uhr, aut dem Neuen Fried hot statt Der Vorsitzende: Dr. Walbrach. Gießen, den 22. Dezember 1929. VJ. 8.08 e.V. 1. ßetetian: Frirbschovven (§aiS Krämer. 2.. eiert tg, ab.'Ubr iDa-öroeitinathtsfelEr iin (S.jrenjntn mit anschlten. Ktnder- belchernng tm Bei- einsdetm. 1U512D Der Vorstand. .» Wochen alte Welpen (Baab.iunDei ohne Bergülung tn gute Hande abAugeben. Emil Staicb, Bann» he m bei Wetilar, Hauvtstr. 10. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben, guten Mann, wo seren herzensguten Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Herrn Karl Wagner von seinem langen, schweren Leiden, im Alter von 41 Jahren, durch einen sanften Tod zu erlösen. I. A:Hcdrlch F. V. Gießen, den 22 Dezember 1929. Todesanzeige. (Statt jeder besonderen Anzeige) Heute mittag 12 Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden im Krankenhaus zu Wetzlar unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Agel Landwirt und Kaufmann im Alter von 64 Jahren. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser innigstgeHebtes Töchterchen, Schwesterchen, Enkelcben und Nichtchen MIM WM? Bade.Anstalt Ang. BueS / Gießen Walltorstraße 38 geöffnet oum am 24. und 31. Dezember 1029 von 8 norm, dis 9 Ub abends. Gewöhnliche Wannenbäder 60 Bf. Hühneraugen, Schwielen und einge- wachsene Nägel werd, schmerzlos entfernt Mariechen im Alter von 6 Jahren, nach schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden, in die Ewigkeit abzurufen. In tiefer Trauer: Familie Karl Halbroth nebst Angehörigen. Butzbach, Lang-Göns, Niederkleen, den 22. Dezember 1929. Die Beerdigung findet den ersten Weihnachtsleiertag, nachmittags 3 Uhr, in Butzbach vom Trauerhaus, Langgasse, aus statt kmood Nr. 300 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Montag, 23. Dezember (929 Aus Oer Provinzialhauptstadt. I (Siesten, den 23. Dezember 1929. Aufrechterhaltung der Anwartschaft in der Angestelltenversicherung. Für die Zeit vom 1. Januar 1926 an ist es zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft in der Angestelltenversicherung erforderlich, dah jeder Versicherte vom 2. bis 11. Kalenderjahre seiner Versicherung jährlich mindestens 8, vom 12. Kalenderjahre an jährlich mindestens 4 Veitragsmonate nachweist. Die Anwartschaft erlischt zunächst, wenn diese Mindestzahl nicht erreicht wird. Sie lebt aber wieder auf, wenn der Versicherte soviel freiwillige Veiträge, als zur erforderlichen Min- destzahl von Deitragsmonaten fehlen, innerhalb der zwei Kalenderjahre nachcntrichtet, die dem Kalenderjahre der Fälligkeit folgen. Es können also die etwa noch erforderlichen Veiträge für das Jahr 1927 noch bis zum 31. Dezember 1929 nachentrichtet werden. Der Entwurf eines Gesetzes zum Ausbau der Angestelltenversicherung sieht allerdings vor, daß alle Anwartschaften bis zum 31. Dezember 1929 als ausrechterhalten gelten, auch wenn in einzelnen Jahren zu wenig Veiträge entrichtet wurden. Da es aber noch ungewiß ist, ob dieser Entwurf Gesetz wird, empfiehlt es sich, die zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft erforderlichen Beiträge bis zum Schluffe des Jahres nachzuentrichten, denn nach Eintritt des Der- sicherungsfalles ist die Aachentrichtung freiwilliger Beiträge regelmäßig unzulässig. Die freiwilligen Beiträge werden nicht zurückgezahlt, auch wenn sie wegen einer etwa späteren Gesetzesänderung nicht notwendig gewesen wären. Freiwillige Beiträge für die Zeit vom 1. April 1928 an sind in der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden Gehaltsklasse, mindestens aber in Klasse B, zu entrichten. In Klasse B können Veiträge nur von solchen Versicherten geleistet werden, die ohne Einkommen sind oder deren Einkommen im Monat den Betrag von 103 Mark nicht übersteigt. Für die Zeit vor dem 1. April 1928 sind freiwillige Veiträge mindestens in der Gehaltsklasse zu entrichten, die dem Durchschnitt der letzten 4 Pflichtbeiträge entspricht oder am nächsten kommt. In einer niedrigeren Beitrags- klasse ist die freiwillige Weiterversicherung für diese Zeit dann zulässig, wenn diese Gehaltsklasse dem Einkommen des Versicherten entspricht. Personen, die in eine versicherungsfreie Beschäftigung übergetreten sind, können freiwillige Beiträge für die Zeit vom 1. Oktober 1923 an abweichend von den allgemeinen Bestimmungen noch bis zum 31. Dezember 1929 für jeden Monat nachentrichten. W. Bs. provinzialausschuß-Sihung. Am Samstag fand im Aegierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung desPro- v i n z i a l a u s s ch u s s e s der Provinz Oberhessen statt. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde verhandelt die Klage Les Wilhelm Günther in Friedberg gegen den Bescheid des K r e i s a m t s Friedberg vom 10. Oktober 1929 wegen Versagung einer Legitimationskarte für das Kj. 1929. Der Kläger war zur Verhandlung nicht erschienen. Der Vertreter des Polizeiamts Friedberg beantragte Versagung der Legitimationskarte. Das Gericht schloß sich der ablehnenden Stellungnahme des Polizei- und Kreisamts Friedberg an und verwarf die Klage als unbegründet unter Verurteilung des Klägers in die Kosten Althamburger Weihnachten. Don Geheimrat Professor Dr. Theodor Birt.*) „Dom", so hieß und heißt der große Hamburger Weihnachtsmarkt, und jedes Kind weiß gewiß, woher der seltsame Aame kommt. Gleichwohl fei hier bas Nötige angedcutet. Am Speersort stand vormals die gewaltige, fünfschiffige Hauptkirche Hamburgs, der Dom, der jedoch nicht der Stadt, sondern dem Domkapitel gehörte. Darum trat er seit der Reformation außer Dienst, verfiel und wurde im Jahre 1806 endgültig abgebrochen. Vor ihm befanden sich Kreuzgänge mit Gewölben, die Domhalle genannt, die schon früh dem Warenhandel, dem Markt, insbesondere dem Christmarkt diente, den man nun volkstümlich den „Dom" nannte. Denn auch in die leere Kirche selbst hatte sich der Handel übertragen, und auf den Grabsteinen der alten Mönche und Ritter hockten dort Verkäufer von heißen Würsten und Schankwirte, die Grog und Punsch brauten. Erst im Jahre 1802 wurden durch Reichsdeputalionsbeschluß die Besitzungen des Domkapitels an den Hamburger Staat übertragen und erst seit dieser Zeit hat sich dann der Christmarkt, Dom genannt, allmählich weithin über die Straßen und Plätze der Stadt ausgedehnt. Für meinen Vater war es immer noch ein Gaudium, mit uns Jüngsten in den Dom loszuziehen. Es war ein „Strömern". Abends 7 Uhr zogen wir aus, mitten in die Menschenmassen hinein, die sich in den Straßen drängten. We'ck- hinaus ging es bis zum Heiligengeistfeld, wo dos voltstümlich reichste, bunteste Leben brauste, aber auch gegen Eintrittsgeld in feine und künstlerisch ausgeschmückte Festsäle. Apollosaal, Odeon, sowie Sagebiel, wo die Aufmachung besonders blendend und die Riesentannenbäume wie himmelstrebend in tausend Lichtern strahlten. Es gab damals zu solchem Zweck noch echtes Kerzenlicht, das sich vor Freude gleichsam selbst verzehrt, und noch nicht den elektrischen Glühdroht. Welcher Vorzug! Denn nur die offen spielende Flamme ist ein wahres Sinnbild der Freude in uns jungen Menschenkindern, die ihr gleicht, von jedem Hauch bewegt, und langsam wie die Kerze niederbrennt. Wenn dabei gar das TannenreiS Feuer fängt und knisternd glimmt' und flackert, wie zieht da der Würzgeruch der Fichtennadeln beseligend durch die Rase in alle Sinne! Das ist das Wahre. * Diese hübsche Schilderung Althamburger Familienlebens entnehmen wir den erlebnisreichen Jugenderinnerungen des berühmten Gelehrten, die unter dem Titel „Wie ich lernte" im Verlage Quelle & Meyer in Leipzig erscheinen. (In Leinen 8 Mark.) Tumen, Sport und Spiel. Fußball in Hessen-Hannover. Bei den Kämpfen der Sonderliga Hessen— Hannover gab es am gestrigen Sonntag einige Lieberraschungen. Der Spitzenreiter 6. C. 0 3 Kassel konnte aus eigenem Platz nur durch einen in den letzten Minuten verwandelten Elfmeter den Tabellenletzten Kurhessen Marburg 2:1 (1:1) schlagen. Das Spiel litt sehr unter den schlechten Bodenverhältnissen, denen sich die Marburger besser anzupassen verstanden. Hessen 0 9 Kassel gelang cs, dem Spiel- verein Kassel-R.» der sich um den zweiten Tabellenplatz bewirbt, einen wertvollen Punkt abzunehmen. Die Mannschaften trennten sich nach hartem Kampf 1:1. Fußball in Güddeutschland. Von den gestrigen Fußball-Derbandsspielen in Süddeutschland standen diesmal die beiden Entscheidungsspiele um die Teilnahme an der Trostrunde im Vordergrund des Interesses. In der Gruppe Main ist von drei punktgleichen Anwärtern der Tabellerizw:ile und -dritte zu ermitteln. Union Riedcrrad hatte bei den Ausscheid ungslämpfen Freilos gezogen. F. Sp. V. Frankfurt und Rotwcih Fron.furt lieferten sich vor relativ zahlreichem Publikum ein mäßiges Spiel, das auch nach Verlängerung mit 1:1 kein brauchbares Ergebnis zeitigte und am kommenden Sonntag wiederholt werden muß. In der Gruppe Saar wurde ebenfalls die Ausscheidung unter den drei Kandidaten für den dritten Tabellenplatz angefangen. In Saarbrücken siegte hierbei der F. V. Saarbrücken über den V. f. R. Pirmasens, allerdings nur mit 1:0 Toren nach Verlängerung. Bei den wenigen Kämpfen in den übrigen Gruppen handelte es sich um einige noch rückständige Verbandstreffen. Die Gruppe Südbahern zeitigte hierbei wichtige Ergebnisse. Wacker München spielte gegen Jahn Regensburg 4:0. Durch diesen nicht nur hohen, sondern überhaupt unerwarteten Sieg wurde Wacker mit S. D. 1860 München punktgleich für den dritten Platz. Ein Entscheidungsspiel wird erforderlich. Die beiden punktgleichen Abstiegskandidaten, F. D. 94 illm und D. S. D. München, spielten 2:4 für München, so daß also Lllm absteigen muh. In der Gruppe Württemberg fiel das geplante Tressen Sportfreunde Stuttgart gegen D. f. R. Heilbronn aus. Germania Brötzingen verscherzte sich die letzten Aussichten auf den dritten Platz durch ein 1:2 gegen Kickers Stutt-^ gart, die hierdurch endgültig aus der Abstiegs- gesahr herauskamen. In der Gruppe Vaden erkämpfte sich Phönix Karlsruhe den dritten Platz durch ein 3:2 gegen den F. D. Rastatt. Das 2:1 der Sp. Dgg. Freiburg gegen die Sp. Vgg. Schramberg bedeutet für die Freiburger eine kleine Möglichkeit, doch noch mit dem S. C. Freiburg um den Abstieg stechen zu müssen. GüddeutscheZußballmederlageinparis Die ausgedehnte Weihnachtsreise der Frankfurter Eintracht begann am Sonntag in Paris nicht gerade sehr verheißungsvoll. Auf dem durch Schnee und Regen aufgeweichten Platze der Buffalo-Radrennbahn wurde die süddeutsche Elf von der Mannschaft des Stade Fran^ais mit 3:1 (1:1) geschlagen. Die Frankfurter fanden sich weit schlechter als die Franzosen mit den ungünstigen Bodenverhältnissen ab, und haben es in erster Linie ihrem guten Torhüter Trumpp zu danken, daß die Riederlage nicht Höher aussiel. Deutscher Hockeysieg in Barcelona. Deutschland schlägt Frankreich 8:2 (4:2). Das Internationale Weihnachtsturnier in Barcelona begann für die Deutschen recht vielversprechend. Die Deutschen konnten in ihrem ersten Kampf gegen Frankreichs Nationalteam ihre augenblickliche glänzende Spielkultur unter Beweis stellen, zumal das Treffen auf den Deutschen ungewohnten sandiaen Boden zum Austrag gebracht wurde. Die Deutschen ließen durch ihr vortreffliches Läuferspiel den Gegner gar nicht zu Atem kommen. Mit glänzenden Einzelleistungen und vorbildlicher Zusammenarbeit waren sie bis zur Pause viermal erfolgreich, denen Frankreich nur zwei Erfolge entgegenstellen konnte. In der zweiten Halbzeit mußte der Gegner vor der deutschen Kombinationsmaschine vollständig kapitulieren und vier weitere Treffer hinnehmen. Von den Erfolgen brachte der deutsche Sturmführer Weiß allein sieben auf sein Konto. Arbeitsgemeinschaft der O. T. und des DSD. Bei den gemeinschaftlichen Beratungen der Deutschen Turnerschaft und des Deutschen Schwimmverbandes wurde ein Uebereinkommen geschlossen, dessen wichtigster Punkt die gemeinsame Vertretung der beiden Verbände in allen schwimmsportlichen Belangen ist. Diese Vereinbarungen treten nach dem Vcrbandstag des DSV. in Braunschweig, der Ostern stattfindet, in Kraft. des Verführens. Der Streitwert wurde auf ICO Mark festgesetzt. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde verhandelt die Klage des Dezirksfürsorge- verbands des Dillkreises, vertreten durch den Kreisausschuh Dillenburg gegen den Bezirksfürsorgeverband der Stadt Gießen auf Ersah von Fürsorgeleistungen für den Schausteller Ludwig H a ü b e i l aus Gießen, der in Ausübung seines Gewerbes hilfsbedürftig wurde. Ein Vertreter des Klägers war nicht erschienen. Der Vertreter des Beklagten erklärte, daß der Dezirkssürsorgeverband der Stadt Gießen die dem Schausteller Ludwig Haubeil per- fönlich entstandenen Kosten an Reisegeld, sowie die Kosten für Fracht aus Anlaß dessen Rückreise mit Geschäftswagen und Familie von Straßebersbach, wo Herbstmarkt stattsand und Haubeil wegen schlechter Witterung nur geringe Einnahmen hatte, übernehmen werde. Die den übri- Lleberall aber gab es zu schauen, Musik zu hören und zu lachen: Taschenspieler, Flohtheater, Feuerfresser, Fettmenschen, und zu naschen: Denitkci.:gel, Zuckertaler, Waffeln mit Schmalzgeruch. Nichts lustiger, als wenn durchs Publikum ein Riesenmensch auf hohen Stelzen geht, als Kranich verkleidet, der uns frech mit seinem langen Schnabel den Hut vom Kopfe nimmt. Das Schönste aber, sich Hand in Hand durch die hellerleuchteten Straßen der Innenstadt zu schieben, um in all den Ladenfenstern die Auslagen zu bestaunen, wo jede Handlung das Reueste, was es gab, und die verlockendsten Sachen zeigte. Wie mancher verwegene Weihnachtswunsch fand erst da feine Geüurtsstundc! Richt nur das: es war erlaubt, auch ohne Kaufverpflichtung in die großen Handlungen selbst einzutreten, und mein Vater nützte das fröhlich aus, und wir starrten mit ihm bei Löwengard und Davenport am Reuenwall, den bazarartigen Großhandlungen der Kunstindustrie, alle die Herrlichkeiten an, Kandelaber, Gefäße und Plastiken in Porzellan, Bronze und Edelmetallen, Dinge der ausgesuchtesten E eganz, zumeist englisches oder Pariser Fabrikat. Linser väterlicher Führer war mit dem ernsten Vorsatz ausgezogen, diesmal sparsam zu sein und nichts zu kaufen. Aber et dachte an seine Evelina, die zü Hause geblieben, unö richtig: schon war er mit dem Verkäufer, der wie ein Baron aussah, in Verhandlung, suchte noch etwas auf den Preis zu drücken, und irgendeine Lleber- raschung war für sie schon gefunden. Denn er schenkte nur gar zu gern. „Es reißt mich hin," schrieb er einmal in fein Tagebuch: „ich tue leider mehr als ich sollte, und die Meinigen beanspruchen ja nichts, aber gerade darum geschieht es. Gott wird es mir nicht Übelnehmen." Llnausbleiblich war übrigens der Besuch bei Wilm, dem berühmten Konditor in der Knochen- hauerstraße, und bei Reefe und Wichmann, wo es die besten Schokoladesachen gab: und so hatten wir schließlich jeder ein Paket unter dem Arm, wenn es per Nachtdroschke nach Hause ging. Aach dem Herkommen verlief dann auch der nachfolgende Weihnachtsabend reich an Gaben. Die beiden Großmütter durften nicht fehlen, auch nicht Herr Heerup. der Hausfreund Bruder Ernst pflegte den Baum zu schmücken. Der große Saal, wo der Daum aufgestellt war, und die Geschenktische an den Wänden entlang standen, war zunächst, verschlossen, und wir harrten, als wären wir noch die fünfjährigen Kinder, artig und erwartungsvoll vor der Doppeltür. Dann pochte der Vater von innen und rief mit drohendem Ton: „Sind die Kinder auch artig gewesen?" Schallend riefen wir. auch die Großmütter, ja! und die LichterfreuLe und die Schenkfreude begann. Ratürlich brachten auch wir unsere Quasigeschenke herbei, eine Zeich- gen Familienmitgliedern entstandenen Reisekosten könnten jedoch von dem Bezirks,ürsorgeverband Gießen nicht übernommen werden. Der Provin- zialausschuß wies die Klage insoweit ab, als sie über den von dem Teklagten anerkannten Betrag hinausgeht. Die Kosten Les Verfahrens wurden dem Kläger zur Last gesetzt. Als dritter Punkt der Tagesordnung wurde verhandelt das Gesuch des Otto Dietz in Bad- Rauhcim um Verlängerung der Wirtschaftskonzession im Hause Karlstraße 10 zu Vad-Rauhcim. Der Gesuchsteller, der seinen Wirtschaftsbetrieb in dem genannten Anwesen am 15. April 1926 einstellte und die freigewordenen Raume der Firma Schade & Füllgrabe vermietete, stellte Antrag auf Verlängerung der Konzession um weitere drei Jahre gemäß § 49 Abs. III der Gewerbeordnung. Der Stadtrat und das Polizeiamt Bad-Rauheim hatten die Verlängerung abgelehnt mit der Begründung, daß nung, einen Vers in Kunstschrift, oder auch nur das Versprechen, etwas Neues auf dem Klavier zu spielen. Viel gab es zu sehen: auch das dienende Personal, reichlich beschenkt, freute sich mit, und man bedankte sich von Lisch zu Tisch nach allen Seiten, probierte die neuen Handschuhe an oder die Klinge am Taschenmesser und war durchweg sehr zufrieden, nur unsere liebe Mutter nicht, die unbestechlich wahrheitsliebend, wenn da ein neues Stück Pelzwerk lag oder ein Seidenstoff, mitleidlos fagle: „Nichts für mich, Dirt! Den kann ich so nicht brauchen!" Ihr Birt stand dann da wie begossen. So war es fast jedesmal, und das Llmtauschen bei den Derkaussstellen wurde beschlossen. Dann aber wurde es Zeit, uns auf das Wichtigste zu besinnen. Aus der großen Bibel mit Goldschnitt wurde die schöne Weihnachtsgeschichte in aller Andächtigkeit vorgelesen, und schon klap- perlen die Teller, und die große Schüssel mit den dampfenden blauen Karpfen unter dem Cover kam auf den Speisetisch, die delikaten Appel- kuchen, F^iederi ens Meisterwerk hinterdrein; auch dies geschah zur allgemeinen Befriedigung, damit auch dem Magen, dem begehrlichen, die Feststimmung nicht fehle: denn das kleine Nasch- werk genügte nicht, selbst nicht die „Stuten und Semmeln" aus Marzipan, die wir auf unseren Geschenktischen sanden. Hochfchulnachrichten. Der ordentliche Professor der Mathematik Dr. Helmut Hasse in Halle a. d. S. ist in gleicher Eigenschaft in die Philosophische Fakultät der Llniversität Marburg als Nachfolger des Geh. Rats K. Hensel versetzt worden. — Der Ordinarius an der D e r 11 n e r Technischen Hochschule Prof. Dr.-Jng. Georg Madelung scheidet auf seinen Antrag zum 1. Januar 1930 aus dem preußischen Staatsdienst aus. Er übernimmt das Ordinariat für Luftfahrt Wesen an der Technischen Hochschule in Stuttgart als Nachfolger von Prof. A Baumann. Der durch die Emeritierung des Geheimen Konsistorialrats Prof. D. Dr. Johann Ficker an der Llniversität Halle erledigte Lehrstuhl der Kirchengeschichte ist dem ordentlichen Prof. D. Ernst Kohlmeyer in Breslau angeboten worden. — Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Professors H. Glimme an der Llniversität M ü n st e r erledigten Lehrstuhls der semitischen Philologie ist ein Ruf an Prof. Dr. Anton Baumstark an der Llniversität Bonn ergangen. — Der durch das Ableben des Geheimrats M. Lidzbarski an der Göttinger Llni- versität erledigte Lehrstuhl der orientalischen Philologie ist Prof. Dr. Richard Hartmann in Heidelberg angeboten worden. ein Bedürfnis nicht bestehe und dah durch Wiederherstellung des Wirtschaftsbctricbs im Hause Karlstraße 10 — Ecke Karlstraße-Fürstenstraße wegen der Lage und Beschaffenheit des Anwesens sortgesehte Klagen zu erwarten seien. Das Kreisamt Friedberg, das in der Verhandlung nicht vertreten war, schloß sich der ablehnenden Haltung des Stadtrats und Polizeiamts an und trug ebenfalls Bedenken, das Gesuch zu befürworten. Der Vertreter der Stadt Bad-Nauheim, sowie der Vertreter des dortigen Polizeiamts begründeten nochmals mündlich ihre ablehnende Stellungnahme. Der Gesuchsteller Dietz erklärte, daß er sich durch seinen Antrag nur seine spätere Existenz sichern wolle, zumal nicht vorauszusehen sei, ob die Firma Schade & Füllgrabe für dauernd seine unteren Räume mieten würde Sollte einmal später die Firma ausziehen, so könne er fein früheres Gewerbe als Gastwirt wieder betreiben und seine Existenz sei gesichert. Er begründete ferner eingehend das Vorliegen eines Bedürfnisses und beantragte Verlängerung der Konzession um weitere drei Jahre. Er gab die Erklärung ab, daß er, im Falle später der Wirtschaftsbetrieb wieder eröffnet werden sollte, nur Schankwirtschaft betreiben wolle und auf Veranstaltungen von Singspielen und dergleichen, wie dies früher der Fall gewesen sei, verzichte. Der Provinzialausschuß gab dem Antrag statt und verlängerte die Konzession gemäß § 49 Absatz 3 der Gewerbeordnung bis zum 15. April 1932. Die Verlängerung hat jedoch nur für den Betrieb einer Schankwirtschaft zu gelten. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Antragsteller zur Last gefetzt, und der Streitwert auf 1000 Mk. festgesetzt. • •* Gegen die Verzögerung von Entscheidungen im Steuerrechtsmittelverfahren. In den von Bücherrevisor Herm. Will in Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" lesen wir folgende bedeutsame Mitteilung: Da in Steuersachen die Einlegung von Rechtsmitteln nicht von der Zahlung der Steuerbeträge befreit, muß dem Steuerpflichtigen an einer beschleunigten Erledigung der Rechtsmittel sehr viel gelegen sein. Die Finanzämter pflegen dem nicht genügend Rechnung zu tragen. Ein beliebtes Verzögerungsmittel ist die Aussetzung der Entscheidung, bis ein ähnlich liegender Rechts- streit in irgendeinem anderen Bezirke rechtskräftig entschieden ist. Der Reichsfinanzhof hat mit Recht dieses Verfahren gerügt und dem Steuerpflichtigen gegen Auvsehungsbefchlüsse, die in Wahrheit nichts anderes als die vorläufige Bestätigung des angefochtenen Bescheids bedeuteten, die ordentlichen Rechtsmittel gewährt. Weiter verbreitet als diese Aussetzung des Rechtsmittelverfahrens ist die Hebung der Finanzämter, nach Einlegung der Berufung die Angelegenheit nochmals von sich aus zu prüfen. So befaßt sich das Finanzamt sachlich dreimal mit derselben Angelegenheit. bevor es sie an das Finanzgericht weitergibt. Dieser Verzögerung tritt .jetzt der Reichsfinanzhof — VIA 861/29 — vom 15. Juni 1929 entgegen. Er führt aus, „daß sich die Aufgabe des Finanzamtes nach § 243 darin erschöpft, die Berufung mit den bei ihm befindlichen Akten und sonstigen Unterlagen dem Finanzgericht zu übersenden. Das hat unverzüglich zu geschehen, damit das Verfahren nicht verzögert wird. Die Leitung des Verfahrens, insbesondere die Verfügung dessen, was auf die Schriftsätze der Beteiligten zur Erforschung des Sachverhaltes weiter erforderlich nst, liegt ausschließlich in den Händen des Fü/anzgerichts. Grundsätzlich ist von der Einlegung ver Berufung an nicht mehr das Finanzamt, sondern das Finanzgericht Herr des Verfahrens." Der Reichsfinanzhof weist darüber hinaus noch darauf hin, daß das Finanzamt Kleine Weihnachisgeschichte. Don Karl Alexander pruß. Klein-Heini wünschte sich zu Weihnachten ein Zweirad. Schon seit dem Herbst bettelte er darum. „Du bist für ein Zweirad noch viel zu klein", hieß es aber immer wieder. 2m Grunde genommen — ich als der Vater — hatte ja nichts dagegen, warum sollte der Junge nicht...? Doch meine Frau war ängstlich wie die meisten Mütter. „Bedenke — solch ein kleines Kind auf einem Zweirad. Der Heini bricht sich ja Arm und Beine. Er muß eben warten, bis er größer geworden ist." Klein-Heini wollte aber nicht warten, bis er großer geworden — das ging ja so furchtbar langsam. Mit seinem Wunsche sand er bei uns also keinen Anklang, doch wußte er jemanden, dem er sein Anliegen vorbrachte. Er betete, wenn ihn meine Frau schlafen gelegt, in feinem Bettchen zum lieben Gott mit lauter Kinderstimme: „Lieber Gott, schenke mir bitte zu Weihnachten ein Zweirad!" So ging das die ganze Adventszeit, Abend für Abend. Schließlich sagte ich zu meiner Frau: „Wir müssen K^ein-Heini doch das Zweirad kaufen — er verliert sonst seinen Glauben an den lieben Gott." Meine Frau war immer noch dagegen. „Wegen seinem Glauben", — wie alle reizenden weiblichen Wesen behandelt meine Frau nämlich das „wegen" mit dem Dativ — „wegen seinem Glauben können wir ihn doch nicht Arm und Deine brechen lassen!" Was sollte ich machen? Ich überlegte hin und her. Da kam mir ein rettender Gedanke: ein Dreirad! Das schien ungefährlicher und weniger halsbrecherisch. „Glänzende 2bee!" \fagtc meine Frau und gab mir einen Kuh. Das Dreirad wurde nun besorgt. Der langersehnte Heiligabend brach heran und im Lichterglanz erstrahlte der Tannenbaum. Weit öffneten sich die Flügeltüren. Klein-Heini stürmte in das Weihnachtszimmer. Mit offenem Munde und angehaltenem Atem blieb er vor dem Rade stehen. Dann hob er sein Köpfchen, rang die Arme zum Himmel und sagte mit vorwurfsvoller Verzweiflung: „Aber lieber Gott, weißt du denn nicht, wie ein Zweirad aussieht?!" nach Einlegung der Berufung nicht mehr das Recht habe^ Beweise zu erheben, in jedem Falle dürfe das Finanzgericht nicht ohne weiteres seiner Entscheidung die Beweiserhebung des Finanzamtes zugrunde legen. ** Der Kranken st and im Monat No« v e m b e r. Am 1. Dezember waren im chauptver- band deutscher Krankenkassen bei einer Mitgliederzahl von 5 770 978 (3062 006 männlich, 2 708 972 weiblich) 3,97 o. H. erwerbsunfähig Kranke vor- Händen (4,11 v. H. männlich, 3,81 v.H. weiblich). Gegen den Stand am 1. November ist eine Steige, rurxg der Krankenziffer von 0,12 v. H. zu verzeichnen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) zählte am Stichtage 10 102 Mitglieder (5353 männlich, 4749 weibslch), davon waren arbeite- unfähig erkrankt 3,75 u. H. (3,47 v. H. männlich, 4,06 v. H. weiblich), gegen den Vormonat weniger 0,06 v.H. Die Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen (Land) weist ein ungünstigeres Bild aus: 7481 Mitglieder (4970 männlich, 2511 weiblich), krank 3,89 v.H. (3,32 v.H. männlich, 5,02 v.H. weiblich), also ein Mehr von 0,72 v. H. •• Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Sn der jüngsten Hitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Naturwissenschaftliche Abteilung, svrach zur 100. Wiederkehr des Todestages von 3. B. Lamarck (18. Dezember 1829) Prof. Dr. Mar Dingler über „Lamarck und den Lamarckismus". Der Bortragende gab als Einleitung einen kurzen Lieberblick über das Leben des am 1. August 1744 zu Bazentin in der Pikardie geborenen französischen Naturphilosophen, der als erster eine Abstammungslehre verkündete. Diese Lehre, niedergelegt in der 1809 erschienenen „Zoologischen Philosophie", war der wissenschaftlichen Welt so gut wie unbekannt geblieben, bis 50 Jahre später, 1859. das aufsehenerregende Buch Darwins, „Die Entstehung der Arten durch die natürliche Zuchtwahl", die Aufmerksamkeit auch auf den Borgänger Darwins lenkte. An eine Kritik der mechanistischen Zuchtwahllehre Darwins schloß sich die Darlegung der Lamarckschen Theorie, welche die Llmbildung der Lebewesen auf die Wirkung des Gebrauchs und Nichtgebrauchs der Organe zurückführt. Unter den Gelehrten, welche in der Zeit nach Darwin das Gedankengebäude Lcunarcks ausbauten, wurde vor allem der Münchener Zoologe und Philosoph A Pauly eingehender gewürdigt. Er sieht in konsequenter Berfolgung der Lamarckschen Ideen in den Lebensäuherungen der organischen Substanz ein „urteilendes Prinzip", welches es dem Organismus ermöglicht, Bedürfnisse mit Hilfe von zufällig dargebotenen Mitteln im Sinne der eigenen Erhaltung zu befriedigen. Die moderne Entwicklungsmechanik bietet dafür wertvolles Beweismaterial. Zum Schluß ging der Bortragende auf die Frage nach der „Vererbung erworbener Eigenschaften" ein, die ihm als Voraussetzung jeder Deszendenztheorie eine Denknotwendigkeit zu sein scheint. •• Die Deutschnationale Frauengruppe hielt dieser Tage eine gutbesuchte Der- samm.ung ab, die als Ehrung und Abschiedsfeier für die aus dem Stadtrat ausscheidende Frau Professor Kramer gedacht war. Die Vorsitzende sprach — wie uns berichtet wird — in tiefempfundenen Worten Frau Kramer den Dank der deutschnationalen Frauen aus für ihre zehnjährige, erfo"greiche Tätigkeit im Stadtparlament. Frau Kramer habe stets im Sinne der Deutsch- nationalen Partei ihres Amtes gewaltet, vor allen Dingen aber in hervorragender Weise die Interessen der Frauen mit Energie und Tatkraft vertreten. In den schweren Nachkriegs- und Inflationsjahren sei sie ganz besonders für die Linderung der sozialen Not eingetreten und habe in der Stille viel Gutes und Segensreiches gewirkt. Gerade durch ihre Tätigkeit in dem Frauenverein vom Noten Kreuz und im Alice-Schul- verein sei sie dauernd in reger Fühlung mit der weiblichen Jugend geblieben, sie kannte wie keine die Nöte und Sorgen, die Hoffnungen und Erwartungen unserer Heranwachsenden Mädchen, stets bereit zu helfen mit Nat und Tat. Die Vorsitzende, Frau Klewitz, sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß es ihr als Nachfolgerin von Frau Kramer im Etadtrat vergönnt sein möge, so wie diese das Vertrauen der Wählerschaft zu rechtfertigen und ein Beispiel zu geben in Pflichttreue und Hingabe an die gestellten Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit. Nach äleber- reichung einiger Blumen bat die Vorsitzende die Frau Kramer, zum äußeren Zeichen dafür, daß sie auch weiterhin mit den deutschnationalen Frauen eng verbunden bleibe, den Ehrenvorsitz der Gruppe anzunehmen. Frau Kramer dankte in bewegten Worten, hob hervor, daß sie stets mit ganzem Herzen Bel ihrer Arbeit gewesen sei und nahm den Ehrenvorsitz an. Dach dieser Feier sprach die Vorsitzende ausführlich über die letzten Vorgänge im Neichsparteivorstand. Anschließend an einen Bericht über den Deichs- Parteitag sprach sie ihre Befriedigung darüber aus, daß eine Klärung der Lage geschaffen sei. Die Partei könne jetzt nur Abgeordnete gebrauchen, die ohne Schwanken sich unentwegt hinter den Führer Hugenberg stellten, dessen geradem Weg und Ziel auch der Landesverband und der Landes-Frauenausschuß Hessens voll und ganz zugestimmt hätten. Schauspieler-Protest gegen die Mainz- Darmstädter Theaterzusammenlegung. WSN. Mainz, 22.Dez. Die Ortsgruppe Mainz der Genossenschaft deutscher Dühnenangehöriger veröffentlicht einen Aufruf an die Mainzer Bevölkerung, in dem es u. a. heißt: „Witten in unsere künstlerische Arbeit, die in diesem Jahre einen besonders großen Beifall bei der Mainzer Bevölkerung gefunden hat, kommt plötzlich die Nachricht, daß man unser Stadttheater, an dem die Mainzer sicherlich nicht weniger hängen als wir Künst.er selbst,'in einer Art einschränken will, die den ganzen Betrieb gefährdet und nur als erster Schritt zur vollkommenen Aufhebung eines selbständigen Theaters in Mainz aufgefaht werden kann. Einwohner von Mainz, helft und heute, für die Stadt, die wir alle lieben, ihr eigenes Theater zu erhalten! Wir behalten uns vor, demnächst mit fachlichen und statistischen Unterlagen die Berechtigung für Mainz nach- zuwcisen, ein eigenes Theater rnitOper, Schauspiel und Operette zu haben." Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Ahr. Samstag nachmittag geschlossen. Wirtschaft. Oie Lage des Geldmarktes. Im vorwöchentlichen Geldmarltbericht war fest- gestellt worden, daß sich am Termingeldmarkt im Zusammenhang mit den frühzeitigen Boreindeckungen zum Iahresultimo eine Versteifung ergeben hatte. Diese Versteifung hat in der Derichtswoche auch aus den Tagesgeld- markt übergegriffen und zu einer Verteuerung der Sätze geführt. Das gleiche gilt für den Privatdiskontmarkt, an dem erhebliches Material herauskam, welches in der Hauptsache wiederum von der öffentlichen Hand stammte. Das Weihnachtsgeschäft hat dagegen bisher nicht einen besonders ins Gewicht fallenden Geldbedarf hervorgerufen. Da anzunehmen ist, daß die Danken bereits jetzt in ihrer Vorsorge für die Abwicklung des Iahresultimo sich mit genügend Mitteln eingedeckt haben und dadurch zu einem gewissen Abschluß gekommen sind, so ist damit zu rechnen, daß sich die Versteifung am Tagesgeldmarkt wieder geben wird, sobald Ultimogelder vorübergehend Anlage an diesem Markt suchen. Termingeld ist sehr teuer geworden und hat in der Bericht-Woche die Sätze erreicht, die für Auslandgelder bewilligt werden müssen, so daß Offerten auf Dollar oder Pfund, die im übrigen sehr nachgelassen haben, nicht mehr das Interesse finden, wie in der vorhergehenden Berichtswoche. Mit dieser Entwicklung hat sich der Grad der von der internationalen Geldmarkterleicht rung abweichenden Entwicklung am deutschen Geldmarlt noch gesteigert, und man kann Wohl sagen, daß dies auf die großen Geldbedürfnifse der öffentlichen Stellen zurückzuführen ist. Sowohl London, als auch Neuyork zeigen nach wie vor eine günstige Verfassung der Geldmärkte, die bei der Sonderlage des deutschen Geldmarktes leider nicht auch hier zur Auswirkung kommen kann. Durch die frühzeitigen und umfangreichen Voreindeckungen der Danken wird aber auf jeden Fall eine starke, über das normale Maß hinausgehende Versteifung zum Iahresultimo vermieden werden können. Die Verhandlungen über den dem Deich zur Behebung feiner Kassenschwierigkeiten zu gewährenden Kredit mit dem Bankhaus Dillrm Red & Co. haben zu keinem Erfolg geführt, es ist jedoch gelungen, in letzter Stunde eine Verständigung zwischen dem Deichsbankpräsidenten und der Deichsregierung her- beisufüBren. um den Twtwendigen Kredit des Deiches sicherzustellen. Diese Einigung ist allerdings nur dadurch erreicht worden, daß durch Steuererhöhungen, die in einen besonderen Fonds gehen sollen, volle Deckung für den Kredit geschaffen wird. Dieser Tilgungsfonds wird nach Annahme eines Initiativantrages im Reichstag errichtet werden, und damit ist die Forderung des Reichsbankpräsidenten „feine Anleihe ohne Deckung" erfüllt. " D ie amtliche Großhandels! ndex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 18. Dezember berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche von 134,4 auf 134,1 zurückgegangen. Don den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstosfe um 0,3 v. H. auf 126,1 (Vorwoche 126,5) gesunken. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat auf 129,2 (129,3) nachgegeben, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 156,2 leine Veränderung aufweist. • Standard Elektrizitäts-Gesellschaft A. E. (SED.) Berlin. Eine neue Schwachstromgcscllschast ist am Samstag unter der Firma Standard Eleltri^itäts-Gesellschaft A. G. (SEG.) mit einem Kapital von insgesamt 25 Mill. Mark als deutsche Gesellschaft gegründet Worden. An der Gründung sind beteiligt die International Standard Electric Corporation Neuyork, die AEG. Berlin und die Felten L Guilleaume Carlswerk A. G. Köln. Die SEG. ist eine Holdinggesellschaft. Ihr Arbeitsgebiet ist das gesamte Telephon- und Telegraphen- geschäst. Eie besitzt die Aktienmajorität von Ferdinand Schuchhardt Berliner Fernsprech- und Telegraphenwerk A. G. Berlin und der Mix & Genest A. G. Berlin. Die Verhandlungen wegen Aufnahme weiterer deutscher ProduktionsstLtten schweben. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.» 23. Dez. Tendenz: ge- schLftslos. — Zu Beginn der neuen Woche verkehrte die Börse in stillster Haltung. Die Aufträge beschränkten sich auf ein Minimum. Auch dürfte dies zum Teil die Folge der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sein. Die Grundstimmung war aber trotzdem nicht unfreundlich. So machte vor allem der Rücktritt des Reichsfinanzministers Dr. H i l f e r d i n g den denkbar geringsten Eindruck, da auf der anderen Seite die Erledigung des Finanzprogramw.s befriedigend wirkte. Auch die zum Schluß fester gewordene Neuyorker Börse vom Samstag wirkte tendenzanregend, ohne daß das Geschäft jedoch eine Belebung auch späterhin erfahren konnte. Lieber den Ausgang des Volksentscheids war man geteilter Meinung. Gegenüber den Schlußkurfen vom Samstag blieben im allgemeinen die Veränderungen sehr klein. Nur einige Spezialwerte machten eine Ausnahme und lagen etwas starker unter Druck. Die Abschläge waren hier größer, obwohl Angebot nur wenig herauskam, doch genügte dies bei der stark überhandnehmenden Aufnahmeunluft, um Abschwächungen bei Salzdetfurth und Deutsche Linoleum von 5 bis zu 6 Prozent herbeizuführen. Der bevorstehende Iahresultimo löste ebenfalls eine Zurückhaltung aus. Gut behauptet eröffneten am Chemiemqrkt I.-G.-Farben und Deutsche Erdöl. Am Electromarkt lagen AEG. knapp behauptet, während Schuckert 1,75 Prozent abgeschwächt waren. Montanwerte von 0,5 bis 1,5 Prozent gedrückt. Gut gehalten waren Gelsenkirchen. Etwas Interesse bestand für Me- tallgesellfchaft und für Zellstoff Aschaffenburger, die bis zu 0,5 Prozent anzogen. Zellstoff Wald- Hof lagen dagegen vernachlässigt. Am Kunstfeide- marft eröffneten Aku 2 Prozent schwächer. Renten still, aber überwiegend gehalten. Nach den ersten Kursen traten infolge der Geschäftslosigkeit Rückgänge bis zu 1,5 Prozent ein, doch erhöhte sich die Tendenz später wieder, so daß die zwischendurch eingetretenen Abschwächungen wieder eingeholt wurden. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 Prozent leicht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1744, gegen Pfund 20,367, London gegen Kabel 4,8825, gegen Paris 123,92, gegen Mailand 93,26, gegen Madrid 35,30, gegen Schweiz 25,0950, gegen Holland 12,1090. Berliner Börse. Berlin, 23. Dez. Die heutige Börse hatte unter verschiedenen Schwierigkeiten zu leiden. Rein technisch versagte schon die Lichtanlage, so daß die ersten Kurse nicht angezeigt werden konnten, zweitens kam das Geschäft, wie immer Montags, nur schwer in Gang, drittens Warfei die Feiertage ihren Schallen voraus, und viertens machte sich Der nahende Ultimo bemerkbar. Hinter diese rein börsentechnischen Momente mußten politische und wirtschaftliche Auslassungen, auch wenn sie günstig waren, zurücktreten. Vormittags hatte man mit einer noch freundlicher en Börse gerechnet, da die schwebenden Fragen der letzten Woche (Rücktritt Dr. Hllferdings, Reichskredit, Dolksenifche.d, Zil'gefe ^Vorlage usw.) inzwischen ihre Erledigung gefunden haben. Auch ein preußischer Handelskammerbericht mit einem wenigstens optimistischen Ausdruck und die gemeldete Verständigung Hapag-Norddeutscher Lloyd hätten, ebenso wie der festere Neuyorker Dörsenschluh vom Samstag, einen günstigen Einfluß haben müssen. Die Spekulation bekundete wenig Neigung zu Neuengagements, und das. Geschäft hielt sich wieder einmal in engsten Grenzen. Die ersten Notierungen zeigten meist nur unbedeutende Verändern ngen gegenüber der Samstagschlutzbörse. lieber den Rahmen von 2 v. H. hinaus waren Thörls Oel 4 v. H. fester, Köln-Neuessen, Buderus unb Aku bis 3 v. H. schwächer. Deutsche Anleihen ruhig, Ausländer geschäftslos. Bosnier bis 1 v. H. gebessert. Auch Mexikaner leicht erhöht. Psandbriefmarkt eher schwächer. Der Geldmarkt zeigte eine kleine Erleichterung für Tagesgeld, bei einem Sah von 7,25 bis 9,25 v. H. Monatsgeld lag mit 9,23 bis 10,5 v. H. und Warenwechsel mit etwa 7,5 v. H. unverändert. Nach den ersten Kursen blieb das Geschäft sehr flau, und die Tendenz neigte eher weiter zur Schwäche. Die zu erwartende Nominierung des Herrn Dr. H e r tz zum Finanzminister konnte kaum anregen, dagegen verstimmten angeblich neu einfehende Exekutionen am Farbenmarkt, die wieder für Rechnung eines süddeutschen Großindustriellen ausgeführt fein sollen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. 1, 23. Dez. Am Produkten-- markt war zum Wochenbeginn das Geschäft sehr ruhig. Die Stimmung war jedoch fester, da dm höheren Auslandnotierungen eine Anregung boten. Das Geschäft wurde aber trotzdem hierdurch nicht beeinflußt, die Preise erfuhren Gl> Höhungen zumeist bis 0,50 Mk. Nur Weizenmehl lag angeboten und bis 0,50 OKI. schwächer. wurden notiert: Weizen 26,50 bis 26,75; Roggen 19; Sommergerste für Drauzwecke 19,75 bis 20. Hafer 18; Mais (gelb) für Futterzwecke 18: Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 38,75 bis 39,25; Roggenmehl 27,75 bis 28,75; Weizenkleie 9,50 bis 9,60; Roggenkleie 10; Erbsen 31 bis 44; Linsen 55 bis 100; Heu 10,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 5,50 bis 5,80; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 5,50 bis 5,80; Treber, getrocknet 14,75 bis 15,25. Tendenz: Sehr ruhig. Frankfurter Eiermarkt. Marktlage : Tendenz stetig, Ab'atz weiter schwach. (Auswmdeier unverzollt ab Grenzstation. Inlandeier ab Station.) Preise in Pfennig per Stück: bulgarische 13 bis 13,50. holländische 11,50 bis 18, jugoslawische 14 bis 14,50, polnische 11,75 bis 12. dänische 12 bis 18, belgisch-flandrische 14,50 bis 15, rumänische 12,25 bis 12,50. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. TL, 23. Dez. Auftrieb: 1079 Stück Rinder; darunter 244 Ochsen, 43 Dullen. 478 Kühe, 240 Färsen, ferner 754 Kälber, 122 Schafe, 1586 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 55 bis 58 Mark, ältere 50 bis 54, sonstige vollfleischige, jüngere. 45 bis 49; Bullen: Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 54 bis 58, sonstige vollfleischige, oder ausgemästete 50 bis 53; Kühe: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 45 bis 47., sonstige vollfleifchige, oder ausgemästete 42 bis 44, fleischige 36 bis 41, gering genährte 28 bis 35; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, aus- gemäftete, höchsten Schlachtwerts 57 bis 60; voll- fleischige 53 bis 56, fleischige 48 bis 52. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 94 bis 96. mittlere Mast- und Saugkälber 90 bis 93, geringe Kälber 80 bis 89. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 32 bis 84, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 83 bis 85, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 83 bis 85 Mark. — Markt- verlaul: Rinder schleppend, äleberftand. Kälber und Schafe lebhaft, ausverkauft. Beste Kälber über Notiz. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H., Lombardzinsfuß 8 v.H. Frankfurt a M »erlir .-d|.u(kl len...... _ — _ Deutsclic flumm Sammel abl. Anleihe Serie 1...... 46 _ 46,25 __ 8% Franks. Hvp.-Ban! Goldpsc XI II unkündbar VIS 1934 . 96,5 _ _ 7% Franks. Hvp.-Aank Boldpsc unkündbar die 1932..... 82 ___ — — L'A% Rlwinljche Hyp.-Banl Ciqu. Goldv>e........ 78,05 _ 8% Pr. LandcöpsandbriefMlstoU Piandbriesc R. 17..... 8% Pc- Lanvo'vsandbriesanstatt Komm.-Obl. S. 16..... 7% Pr. LandeepsandbriesanstaU, Pfandbriefe R. 10 . . 98 __ 98 — 95 _ 95 89 __ 89 S.C Q. ctnj. S>otfnea5»£bllgatlDn rückzahlbar 1932...... — — 4% CeflerreWfdie Eoidrir.. . 4.co% Ceftcn. Silbern- 4% Oeflcrrelchlsche Einheitliche äiente.......... 4% Ungarildw Eoldrre.. . - 4% Hnflarifdje Siaatdr. a 1810 4Vi% teifll. t>on 1013 .... 4% Unfloiifthc flronentte.. . - 4% $ürt. ZoUanIcihe v. 1911 ■ 4% Türkische Bagdadbahn-An Serie I...... 4% Pe»ßl. E--N- II 5% Ru mürrische vereknh. Rentt von 1903 . . . ui manische veremh. Rentr von 1913 ....... iNuomntfäe veretnh. J.en» . 21,1 19,25 1.95 6,85 6,8 6,8 2,8 — 2 _ — 21.13 21,13 w 19,25 19,2 — 20,75 — —- 1,95 । — — 7,1 __ — 6,95 — 7,1 — 8,85 — 14 7,1 ran Huri a >"> Berit. fi.ire ! Uu frut Schlug i frnr: | riniang« fiutv Doium 21 12 23 12 21 12 23 12 Hamvucy-Amerila Pate) . . < — — 89 88.4 Homd. Südam. Dump sich. Hanta Damrsschtss .... — — 161 1> — •— 136 Norddeutscher Lloyd . . . . t 88.75 88.25 88.65 88,25 811g. Deutsche (Sretrttartfl . 11 115 115 114,5 Barmer Bankverein . - . 1< 115.5 — 115 25 115,5 Berliner Hcmdelsgelclllch. . 1t 168,5 — 168 168 Commerz- und Prival-Bmik D 148.5 148 148 148 Lärmst, u. Naiionalbant . 1 226 226 226,5 Teutiche Bank..... H 144.5 — 143-5 143 Diecouto-Geiellschast, Lut. H 144.5 — 143,5 Dresdner Lank..... 1' 144 — 143,5 142,75 SteiLsbonl....... 1 274 — 273.75 274,75 aj$.e....... 149 5 149 149.75 150 Bergmann ... Wektr. LieferungSselelllchasr e 199 193 1 156 — 156.5 Licht und firmt 1 144.75 143 stellen & Outliecmme . . . e 7* 111 — 110.13 Gei. f. ciektr. Unleru.. . . e lu 139 _ 138,75 137,13 Hamb. Gleite -Derke . . . l __ 127.25 Nbcin. Gekir....... —. __ 136 Schlei, (riefr ..... le * _ 139 139,3 Schuckert L Co. - . 11 170 __ 169 168 Siemens « yaiste .... Lrcmttadlo ....... Lahmeyrr 4 Go. . .... 16 . 8 269,5 — 269,5 269.4 117,9 • 10 158 — ist Buderus...... . Deutlich? etbM..... . b — — 53,25 55 . k 97 — «7.75 87,25 CHiener Steinkohle .... — — 127 127.5 Geilenkirchener ..... . t 123,5 123,5 124.13 124 Haroener........ HoeiM Gien....... . 0 —- 132,5 133.5 133 6Vf — — 104 103.5 stlle Bergbau...... Rlödncroerte ..... 10 214 87.25 87 Köln Neuesten . . . — . 1 — 102-5 Mannermm"- -RShrei» . . • . 1 91 89,5 90.13 89.75 Manelelde, Bergbau . . . ■ 1 104 _ 104 103,25 CbmA'ei. libciueoari . . - -V— 63,5 Cbetidilei. fioMmcric. . . . ■ — 90 90 ißbönlr Bergbau..... Rhe-ntlche Braunkohl:'«. . - GV. 10 100 232,5 100 100 232 100 39 230,75 100 vibrinstaht....... Nieve ck Montan..... ■ 7A - ^rankkuii a Berlin - «1 Q t ..... • V —— — — ruow. t?oem . . • . . H 138 137,75 Rat Lulomobil.......r — — 16,5 16 Ctenfiem 4 fiept»!.....8 — — 66 65,25 t"onbnrd Tie- ...... 10 — 144.25 - EvenSko - ■•••••.. ' 312 — 312 311 strank». Mwchma»......4 — -— 40 — @tir,nct ........6 — —- 42,75 — HenligenSaevt ....... 1» Iungyaua. . ......6 Leckwerie. - 8 5,5 — ** 44.5 102 45 — Maintrattwerie tz-chst a. SL 8 — — — SIU« . 1b Gebe. iÄoebez.......in 120 107 _ 119.5 119,5 Soigl 6 t-nEffna . . . » . . f 222.5 222 —• SüLd- Luck« ....... 10 160 160 168,25 I - Devisenmarkt Berlin — Frankfurt o. IN. Banknoten. Berlin, 21- Dezember (8elb SMef . iHmerifantfthc Noten . . . 4,163 4,183 Belgstche Noten ...... 58.23 58.47 Dänische Noten ....... 111,70 112.14 Englische Noicu . ....... 20-355 20.435 stranzusstche Noten ....... 16,42 16.48 Holländtsche Roten ....... 167,96 168.64 stkulteniiche Roten........ 21.79 21.87 Norwegische Noten....... 111,65 112,09 Deutsch-Oesterreich, t 100 SchMlng 58-62 58.86 oaimänifdie Noten....... 2 485 2.505 Schwedische Noten ....... 112-23 112.67 Schwci-cr Ro»n . ...... 81.11 81.43 Spanische Noien ........ 57.60 57-84 T'chechoilowakstche Noten. • • • . 12,36 12.42 Ungarische Noten ..... 72,85 73.15 21 Tejembei 23 Dezember lümlltch'» Notvrunr, iLuitstcho Not>erin> lüeie «nel 'Mr e Amit--Noli 168,16 168.50 168.17 168,51 Buen.-Airet 1,668 1.672 1 687 1.691 ^rff.-Äntw 58,375 58.495 58.37 58.49 Clirlstianta 111.83 112,05 111.84 112,06 .Qopcnbngcn 111.93 112,15 111.90 112.12 «Stodbolm 112.46 112.68 112.44 112 66 Hellings orS Italien. . 10,478 10,498 10.476 10,496 21.82 21.86 21.825 21,865 London. . . 20.353 20.393 20,352 20,392 Ncuvork . . 4,1690 4,1770 4,1695 4.1775 Paris. . • 16,43 16.47 16.425 16,465 Schweiz ». 81,13 57.64 81.29 81.13 81.29 Sva iien - 57,76 57.63 57,75 Jovan - - - 2.046 2.050 2 048 2 052 -nio de Ion Wien in D-- 0.456 0.458 0,456 0,458 Cefl. abaeft 58.72 58,84 58.72 58,84 Prag . 12.385 12,405 12-38 12.40 Belirad 7,409 7,423 7,407 7,421 *yabaD:fl • 73.09 73.33 73.07 73-21 Bui arten 3.019 3.025 3.019 3.025 Lissabon 18.81 18.85 18-81 18,85 Tanjig. 81.41 81,57 81-41 81.57 ffonft nnn. 1.973 1.977 1.978 1-382 Alben - . 5.43 5,44 5,43 5.44 Kanada 4.136 4.161 4,131 4.133 llru not} 3,836 3,844 3,876 3,884 Lntrs - • 20.875 20-flU 20 «77 ro-817 rr.Z 8 a 81-ti 'Ä 20 tf7 <8, 8> <21 3-Og '0-8 S • drL?>rr SCH'1®' । frt. ■*“ L1^T b«i 5S.g 112.00 112'2 112 g i Auch JfJW ¥ bie geÄl ,Ct^^rfenfS -n « S M BLw EiS 5‘eä Enesmarlt eher 3-f eine kleine tzi- »L°? S°tz don M lag mit 9,25 E mit etwa 75 Kursen blich Tendenz neigte öl« zu envaitenbr )"h M ridebörse. «i^Am ^ndukiew- n Mä Deichäit sehe edvch fester, ba dir n eine Anregung aber trotzdem hier- 3:eise erfuhren Sr. £ Dur Weizenmehl M. schtvacher, & ) bis 26,75; Roggen Iwecke 19,75 bis 20: r Futterzwecke 18: 'Pezial 0 38,75 bis i 28,75; DeizeM 10; Erbsen 31 Hf 10,50; Deizen' unb >0 bis 5,80; Men- 5,50 bis 5,8); Sre- 25. Tenöem: Sehr lemartt. stetig, Absatz weiter ölst ab Grenzstation, ei|e in Pfennig per >0 holländilche 11,50 14,53, polnische 11,75 MgiltHoiWc 5 bii 12,50. tviestmartt. in. Austneb'. 1079 Ochsen, 43 TnM .er 754 Kälber, 122 rotierten: Linder: jqcnaftet«, höchsten bis 58 Mark, altere sonstige vollfleischige, stete 42 bis 44, slu rhrte 28 bis.35; 8« voM -b'ge. ati* e 48 bis 52. >»”S - TtarH- 3rtt» M 51.47 112.» 20.135 16.« 168,W 21-2 Ä Ä s 23.15 itanMiS- Das Erbe -es Herrn von Anstetten. Vornan von 3. Schneider.Zoersil. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i.Sa. 33 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Anstetten kam die Terrasse herab und hielt Rtxa an der Leine. Gr konnte die drei nicht sehen, da der Laubengang reich im Blattwerk stand. "Aber jedes Worll das er mit dem Hunde sprach, war bis herüber vernehmbar: „Rixa, mein Mädchen, was wird das noch für ein Ende nehmen mit uns beiden! Solch ein verliebter Mann, wie ich und solch ein verliebtes Frauchen, wie du, mein Sied“ 211« die Hündin die Rase zur Witterung hob, schwieg er und schlug einen Seitenweg nach dem Parke ein. .Mutter, was sagte er?“ „25(18 du dir immer so sehnlich gewünscht hast: Daß er mich liebt.“ Lieber Bernds Gesicht lief helle Glut. Er beugte sich hastend nach ihren Händen herab und küßte sie. .Du gönnst deinen Eltern ihr Glück, mein Junge?" Statt einer Antwort ging ein abbittendes Lächeln über das Gesicht. Mit einer raschen Wendung verschwand er zwischen den Büschen. 2lm Rachmittag hatte Drunhilde eine längere Unterredung mit dem Gatten. Er begriff sofort, als sie ihm Bernds Klage vorstellte. Das lieh sich ohne weiteres vermeiden, daß der Junge sich vereinsamt fühlte. Cs wurde in der Folge ein wundervoll harmonisches Glück zu dreien, das denen auf Anftetten vom Herbst in den Winter hinüberblühte. Ein so gottbegnadetes, wahrhaft Friede und Segen bringendes Weihnacht hatte das Schloß seit einem Jahrzehnt nicht erlebt, wie es diesmal hereinbrach. Jede- Gesicht war in ein Strahlen getaucht. Bernd fand einen Traber im Stalle, der ihm allein gehörte, aus Brunhildes Gabentisch lagen Geschenke von so unerreichter Schönheit, daß ihr jedes Wort des Dankes dafür zu gering erschien. HanS Peter hielt an der einen Hand den Sohn, an dec anderen die geliebte Frau und sah in das Glitzern und Flimmern der Riesentanne. die in der Halle aufgebaut war. 2lls Bernd neuerdings nach dem Stalle lief, den Gaul zu besehen, schob Brunhilde den Arm in den des Gatten: „Komm!“ Er folgte ihr wortlos nach dem oberen Stockwerk, durch die Reihe der Gesellschasisräume nach ihren Privatzimmern. Sie drehte den Schlüssel zu einem Seitengemach, das sonst nie benützt wurde, und lieh ihn eintreten. Ein kleines Däumchen brannte und beleuchtete mit seinem Schimmer die alle Anstettensche Wiege, die ein spitzenbesetztes Kissen barg. „Drunhilde I" Der große Mann zitterte und mußte sich gegen die bespannte Wand lehnen. „Es ist mein Christgeschenk für dich, Hans Peter — wenn ich es dir auch erst im Mai in die Arme legen kann." „Hilde!" »Ich habe dir einmal gesagt, es soll das Pfand unserer neuen Ehe sein. Ich habe es mit der gleichen Liebe empfangen, wie Bernd, und werde es mit derselben Liebe zum Licht des Lebens tragen, wie ich ihn geborgen habe." Die Arme des Mannes hingen bleibeschwert. Er wollte die Hände heben und vermochte kein Glied zu rühren. Rur seine zuckenden Lippen formten ihren Ramen und stammelten etwas — von Dergebensollen — und auf den Händen tragen — bis — bis — Der Kopf der Frau ruhte an seiner Schulter. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber als er die Finger hob, es an seine Brust zu drücken, fühlte er, baß es von Tränen überrieselt war. „Silbe, ich bin es nicht wert!" .Sprich jetzt nicht, Liebster!" „Du weiht nicht, welche große Schuld ich gegen dich trage!" „Du?" Ton draußen ein Trommeln gegen die Türe. „Vater, von Großpapa ist eine Liesenkiste eingetroffen? Willst du mir helfen, sie aufzu- brechen?" „Komm, Peter, der Junge wartet." Er stand noch immer wie gelähmt. .Geh voran, Hilde! Ich kann jetzt nicht! älnmöglich! Ich — das hatte ich nicht in Berechnung gezogen!" „Sind wir denn schon so alt, wir beide?" Sie blickte schelmisch zu ihm auf. .Andere heiraten in diesem Alter erst. Du solltest dich nichts als freuen und machst ein Gesicht, als ob Gefahr wäre, dah ich dir zwanzig Kinder in die Wiege lege und du nicht wüßtest, ob du sie ernähren kannst." „Ich würde sie ernähren, Hilde.“ „Run also! — Lach doch, du dummer Mann!" Sie nahm sein Gesicht in die Hände und strahlte ihn an: „Bub oder Mädchen? — Welche Wünsche trägt mein Herr und Gebieter?" „Ein Mädchen!" „Wie anspruchsvoll. Ich werde mich bemühen!" Ihr helles Lachen lief noch mit die Treppe hinab, als Anstetten oben die Türe des kleinen Zimmers verriegelte. Aus! — Alles aus! — Run gab es fein Zurück mehr! Zu spät! — Alles zu spät! Jedes Bekennen war jetzt ausgeschlossen. Er stellte sich Brunhildes entsetztes Gesicht vor, wenn er ihr sagte: Ich bin nicht dein rechtmähiger Gatte! — Du bist nicht meine rechtmäßige Frau! Das Kind, das du unter deinem Herzen trägst, ist illegitim! — Schweißtropfen perlten ihm am Körper. Sein Blick fiel auf die Wiege, die im Schein der herabgLbrannten Lichter gespenstisch weih her- uberleuchtete. Ein paar Monate noch, dann würden auf diesem Spitzengeriesel sich zwei kleine Aermchen recken, die ihn festhielten, — so fest, wie tausend Seile und Klammern cs nicht vermocht hätten. Dein Kind! — Mein Kind, Hans Peter! „Vater, warum kommst du nichts' Das war Bernd! — Der Sohn des Toten, dessen Erbe er schmälerte, wenn er sein eigen Fleisch und Blut, wie ein Kuckucksei, auf Anstetten groß werden ließ. Die Schuld nahm fein Ende mehr. „Hör doch, Papa!" „Ich komme schon, Bernd!" Der junge Mann forschte im Gesichte des Vaters, das so grau und verfallen unter de? Türe auf tauchte. „Hat die Mama mit dir gezankt?" Ein mattes Lächeln. „Gewiß nicht, ich bin nut nicht so wohl wie sonst." .Du mußt ein paar Gläser Punsch trinken, Papa, dann wird es wieder." Brunhildes Augen lachten ihm entgegen, als sie beide Arm in Arm in das große Speisezimmer traten, in welchem sich der Duft von Konfekt und Punsch mit dem der Rarzillen und Veilchen mengte, die dec Gärtner aus den Treibhäusern herübergebracht hatte. „Vater ist nicht ganz wohl," berichtete Bernd und schob den bequemsten Stuhl tiefer gegen den Kamin, dessen rote Glut Reflexe über den Teppich warf. „Das macht das schlechte Gewissen," neckte die schöne Frau, ülnd auf Bernds erschrockenen Blick fügte sie scherzend hinzu: „Hat dir Papa nichts anvertraut?" „Rein!" Die Knabenaugen hingen in denen des Mannes. Anstetten fühlte tiefe Scham, die ihm da- Blut bis ins Gehirn peitschte: „Wir müssen die Mama jetzt auf den Händen tragen — du und ich," würgte er heraus. Hnö nach einet Pause bon Minuten: „Würdest du sehr, seht böse sein, wenn die Eltern — dir noch Geschwister schenkten?" „Geschwister?" Bernd fühlte sich in Wirbel gedreht: „Mama? — du! — Ich!" 2lls diese nickte, tat der Junge das, was Anstetten am wenigsten erwartet hatte. Er küßte erst die Mutter mit solch stürmischer Wildheit, daß ec Sorge hatte, Brunhilde möchte Schaden davon nehmen, dann sprang er auf ihn zu und warf beide Anne um seinen Hals, dah er Mühe hatte, sich ün Stuhl zu halten. „Geschwister!" Bernd konnte sich nicht mehr helfen. Die Tränen liefen ihm fortgesetzt über die Wangen. Es war das schönste Weihnachten, bas der Erbe von Anstetten je erlebt hatte! (Fortsetzung folgt.) P lch tt y oss G astst Me n WEIHNACHTEN 1929 1. FEIERTAG • MITTAGESSEN ZU MARK 2.20 Ochsenschwanzsuppe Milchmast-Poulets nach Stanley Herzogin-Kartoffel ✓ Eisbecher Falstaff MITTAGESSEN ZU MARK 3.50 Ochsenschwanzsuppe Harzer Bachforelle, blau mit geschlagener Butter, Nubkartoffel / Böhmischer Edelfasan Chipolata Eisbecher Falstaff ABENDESSEN ZU MARK 3.50 Schildkrötensuppe / Gänseleber „Lukullus" Kalbskotelette Montmorency, Salat Grimod Valencia Creme 2. FEIERTAG • MITTAGESSEN ZU MARK 2,20 Cremsuppe Fanchette Tournedos Magenta, garniert Plumpudding mit KVeinschaumtunke MITTAGESSEN ZU MARK 350 Cremsuppe Fanchette / Ostender Steinbutt mit holländischer Tunke und Dampfkartoffeln Gefüllter steyrischer Puter, Salat Excelsior Plumpudding mit Weinschaumtunke ABENDESSEN ZU MARK 3.50 Kraftbrühe Bergäre Rhein-Salm mit Mousselintunke Gespickte Medaillons Demldoff Römischer Punsch TISCH BESTELLUNG EN ERBETEN / TELEPHON 2725 KEINE BAHNSTEIGKARTE ERFORDERLICH I0504D Verein ehemaliger 116 er, (sieben Rodelschlitten Wärmflaschen imj/d Kohlenkasten Ofenschirme Christbaumständer Christbaumschmuck Nickelwasserkessel Kaffeemühlen Vern. LütielGarnituren Lüffelbalter Sämtliche Haus- u. Küchengeräte Aeuberst günstige Preise WOncli, Asterwet 16 Eisenwaren-Großhandlung ist der beste t-9-*6A 55 Bolz- Denen matrats«. m. Kinder bettouPoUter ^5 chlaiztoitn er .Chai aeloegoe- Ul an Private. Ratenzahlung Katalog 235 teti, Ä5V Eieenmöbelfabrlk Suhl (fltetegee). Richard Sack Heuchelheim bei Gießen Goslar am Harz Weihnachten 1929 08)86 Glatt Karlen! Stellenangebote! 105070 Glatt Karten! Heynes Weine Ihre Vermählung zeigen an Festweine 08198 08195 Oie Verlobung ihrer Tochter Hanna mit dem Kaufmann und Fabrikbesitzer Herrn Richard Sack beehren sich anzuzeigen Geh. Gtudienrat Prof. Or. Äoth und Frau Lina geb. Manfe sind infolge ihrer hochwertigen Qua litäten die gegebenen 23. Dezember 1929 Trauung 2 Uhr ZohanneSkirche Meine Verlobung mit Fräulein Hanna Both gebe ich hiermit bekannt Ernst-Ludwig Wagner Iftie Wagner geb.Waldschmidt Äielefeld Theesenerstr. 9 a [Vermietungen | Ba tnhotslr. GO ist das Erdgeschoß. 5-6 Räume iür Praxis oder ae- luetbL Zwecke wforl zu oermieien. staderes A. Becker. Meplerürane 9. Telephon 3804. , ^0 Fanny Berlin Rudolf Krämer Verlobte Ewald Baulke Annie Baulke geb. Spies Vermählte Gießen, Wolsstraße 21 Kirchliche Trauung: Erster Feiertag, mittags 12 Llhr, in der Stabtklrche 105030 Gießen Friebrlchstr. 14, Hofmannstr. 4 Drucksachen aller Art We vrLhl'sche Lnwerßtvr'vrnckerei. 8. Lange, Gießen. Schulst». 7 Großer Heller Raum Nabe Babnhof, frankfurter Sirafie a. lenen, als Vager oder Werknöile geeignet, für sofort zn vermieten. (V8141 AuSk. Fr. Ldmfer, Kavlansnasse 1U 1t. Tel. 3i7& Trauringe in jedem Goldfeingehalt Carl Brück Juwelier, Gießen, Kreuzplatz s .............................. 1017] D H.Heyne,Weinhandlung WalltorstraBe 5 1042 H Bekanntmachung. Betr.: Ladenschluß am 24. Dezember. Auf Grund des Gesetzes vom 13. Dezember 1929 — Reichsgesetzblatt I Nr. 44 — werden folgende Bestimmungen zur Kenntnis gebracht: 10070C Offene Verkaufsstellen dürfen am 24. Dezember nur bis 17 Uhr (5 Uhr nachmittags), Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen verkaufen, bis 18 Uhr (6 Uhr nachmittags) für den geschäftlichen Verkehr geöffnet sein. Die beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden. Die Vorschriften gellen auch für Verkaufsstellen von Konsum- und ähnlichen Vereinen, für solche auf Eisenbahngelände und für das gewerbsmäßige Fetlbieten außerhalb offener Verkaufsstellen. Sie gelten nicht für Apotheken und den Handel mit Weihnachtsbäumen. Für den Markt- oerkehr gellen die Bestimmungen der Po- kizeioerordnung vom 14. März 1929. Wer vorstehenden Vorschriften zuwider- handell, wird mit Geldstrafe bestraft. Gießen, den 21. Dezember 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Selb. Ingenieur- Schul e MiScrinenoaiElettre- tecnniiHocR-o. nttotu, \ Toninousini Weremmrer-Aeniieeeni Shi.Kw.lat>rpi&ntfrti.\ Oie glückliche Geburi eines Sohnes zeigen an Salo Posen und Frau geb.Sondheim Frankfurt a.M. , „ _ . 22. Dezember-.42» la Gramophon mit 32 Platten für Mk. 6> — flefl. Stoffe zu verkaufen. Zu er- »raaenüd.^eschafis- stelle d. G. A. <**> Mehrere MMe (30 —80 Mk.) zu verkaufen. 08193 Markt 21. LMv warnen Sie 3brat3ewtrbnngoitiu| Anzeigen ohne Namen BcuonlfTe, Urfunbm »d. sonst wichtige Papiere beizufügen, Sbschristm genügen zur Gin! ifung v. Anstcllunoeverhand- unqoL Oft lst uns der Auslroqgeber unbekannt und in vlesenMlen tön» nen wir nichiS tun für d. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen Gietzenev Arrrelsev Großen-Äuseck Dieburg (Hessen) Dezember 1929 Tüchliges, ehrliches w uim 1. Jan gefacht. Sroii Nofessorüermal Lteotaftr. Mk «,°« JunneS flnättn ca. 18 für tagsüber aefucht 08189 Ar'cdensftr. 2 v. | Verkäufe Gute MMkuMne bat abnigeb. 08172 Rich. Frcuzcl sen., Schottstr. 15 III. | Operetten-Auftührung~] Gesangseinlagen | Verstärktes Orchester I • TANZ< | eingeführt werden • Der Vorstand. 10511D Wir laden unsere Mitglieder nebst Angehörigen zur diesjährigen Weihnachtsfeier mit reichhaltigen Darbietungen höflichst ein • Gäste können Weihnachtsfeier Donnerstag, 26. Dezember (Zweiter Weihnachtstag) abends 8 Uhr Cafe Leib ikanische Dauerbrand- öicn in emailliert bis aus weiteres b»S au 2L! Ävozeni Rabatt bet > arAahluna. [10497D Günstige Ratenzablungsbedingungen. -WitrtzA aiifcrtöCfl.Cefett und Herde ADUnU? Telcvdon 3292. Seltersweg 38 und Filialen IU328D Douro-Portwein. ...Flasche 2.30 Alle Preise für Flaschenweine mit Glas la Apfelwein.... Fl. 0.60 Heinrich Hodistä tter 9577A WlilWye ich le ist bohl und revaricrt 10595« 5Wtei6emei Markfstraüe.1, Eingang Rnlergasfe. GarieiiMtelriei) W« MW Schiffenberger Weg Nr. 23, Fernsprecher Nr. 3642 Mitglied der Blumenspendenvermittlung V. D.B. Juwelensdimudk Gelds und Silberwaren Tafelbestecke 10l7JÜ Carl Brück/ Gießen Xt« Ständig gröhte Auswahlin Palmen und Zimmertan neni. jed.Gröfee u, Preislage Ferner zu billigsten Preisen blühende Azaleen, Camelien, Alpenveilchen und Primeln. misd »■■■■MMaMMMMMMäaBUMBiiil ■lllllll »I—Ba Wilhelm Moeser G. m. b. H. Konsumverein Dießen und Umgegend e. G. m. b. H. 10464A lllllllllllllllllllllllll.....HlllllllllHllllllllillllll.....illlllllllll........................................................................ Linoleum -Teppiche GEG-Malzkaffee ...x/i Paket 0.50 GEG-Kornkaffee ... „ 0.50 GEG-Konsumkorn.. „ 0.55 GEG-Mischkaffee................ < 4 ü ■Ä 0^0 •C * C E LI« '^U UJJ E a>, L ■ft L < l t