Nr. 249 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 25. Oktober 1929 Eriche in» «äglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monat; vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüste anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitälz-Vuch- und 5teindruckerei H. Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/n mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Das Kabinett Briand gestürzt. paris, 22.0kt 0 ber. (WB.) Das Kabinett Briand ist am Dienstagabend in der Kammer gestürzt worden. Ein Antrag, die Diskussion über dieLnterpellationen zur auswärtigenpolitik auf den 15. November festzusehen, wurde gegen den Bertrauens- antrag des Ministerpräsidenten mit 288 gegen 277 Stimmen angenommen. Das Kabinett ist mit 11 Stimmen in der Minderheit geblieben. Es hat sofort dem Präsidenten der Republik sein Demissionsgesuch überbracht, der es angenommen hat. Paris. 22. Oft. (XU.) Die erste Sitzung der französischen Kammer im neuen Tagungsabfchnitt wurde am Dienstagnachmittag um 3 Uhr eröffnet. Zahlreiche Interpellationen über die Politik der Regierung wurden gleich nach Eröffnung verlesen. Daraus ergriff Briand das Wort, um der Kammer ein Arbeitsprogramm oorzufchlagen. Er empfahl mit der Haushaltsaussprache am Donnerstag dieser Woche zu beginnen, dagegen alle Interpellationen, die sich auf auswärtige Politik der Regierung beziehen, so lange zu vertagen, bis mit der Beratung des Poungplanes und den Haager Abmachungen begonnen würde. Als erster Redner aus dem Hause erklärte sich der Sozialist Blum mit dem Vorschlag, die Diskussion über die Außen- und Innenpolitik der Regierung zurückzustellen, einverstanden. Der radikale Abg. Montigny widersprach dem Abg. Blum. Rach seiner Ansicht könne die Kammer unmöglich zulassen, daß sie eines Tages vor eine vollendete Tatsache durch die Vorlage der Haager Abkommen gestellt werde. Beim Poungplan handele es sich um ein so wichtiges Problem, daß die Kammer auf ihr Recht der Kontrolle in dem Augenblick, in dem sie noch einen praktischen Wert haben könne, nicht verzichten könne. Drei Fragen seien es, die eine sofortige Klärung fordern. Einmal die Frage der Internationalen Zahlungsbank, die keineswegs der Kontrolle der Regierungen entzogen werden könne, und die man nicht ausschließlich unter Kontrolle der internationalen Finanz stellen könne. Die zweite Frage, die seine Partei interessiere, sei die R ä u m u n g 9 f r a g e. Hier habe sich in der öffentlichen Meinung ein gewisser Widerspruch gezeigt, und die Regierung habe die Pflicht, auszuklären. Die Räumung sei von gewissen Bedingungen abhängig, über die man keine Zweifel lassen dürfe, um so weniger, als die Aufklärungen Briands einen gewissen Einfluß auf die Ereignisse haben könnten, die sich gegenwärtig in Deutschland abspielen. Auch in der S a a r f r a g e würde eine Erläuterung der französischen Regierung willkommen fein. Montigny schlug deshalb vor, diese Frage im Laufe der kommenden Woche zur Debatte zu stellen. Der radikale Abgeordnete wird unterstützt von Louis Marin, der auch erklärte, daß die Regierung verpflichtet sei, über die Räumung und die Saarfrage Auskunft zu geben. Auch der Kriegsminister habe die Pflicht, Auskunft über den Abtransport der französischen Regimenter aus dem Rheinland zu geben. — Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum erklärt hierauf, er wolle sich dem Vorschlag Montigny s, die von ihm genannten drei Probleme baldigst zu besprechen, nicht widersehen. Ministerpräsident Briand: 3e kürzer das Bestehen einer Regierung ist, je mehr sie ihrem Ende entgegengeht, um so größeres Vertrauen braucht sie. um ihre Aufgabe im Interesse des Landes vollenden zu können. Ich brauche mich nicht gegenüber dem Auslande in eine geschwächte Gage drängen zu lassen. Das Parlament wird das Recht haben, die Abkommen, die wir ihm unterbreiten werden, zu billigen, zu mißbilligen und selbst abzuändern. Aber was würde eine Interpellation bedeuten und welchen Wert würde eine Tagesordnung haben? Man erinnere sich, unter welchen Bedingungen die Regierung nach dem Haag gegangen ist. Sie hatte von der Kammer eine Vertrauenskundgebung gefordert und erhalten und Protokolle sind aufgesetzt und veröffentlicht worden. Sie bilden den Gegenstand letzter Besprechungen, die auf gewisse Schwierigkeiten stoßen, deren Bedeutung man nicht übertreiben, aber auch nicht zu gering einschätzen darf. Für diese Besprechungen bedarf die Regierung vielleicht eines größeren Vertrauens als zu Beginn der Verhandlungen. Der Vorschlag Montignys und Warins würde darauf hinauslaufen, das der Regierung für diese Verhandlungen ausgesprochene Vertrauen wieder zu entziehen. Die Regierung hat sich übrigens vor der Kammer und vor dem Senat über die Bedingungen für die Rheinlandräumung geäußert. Sie kann sich also nicht damit einoer- standen erklären, daß die Verhandlungen von dem guten Willen des Parlaments abhängen, nein, meine Würde verbietet mir das. Die Regierung verlangt von der Kammer, klar herauszusagen, ob sie ihr weiterhin das Vertrauen schenkt. Der Abgeordnete Marin erklärte, man wolle keine Geheimdiplomatie. Die Kammer könne ihr Vertrauen nicht geben, wenn sie im Dunklen tappe. Abg. Mandel erflärt, es könne keine Auslegungsschwierigkeiten hinsichtlich der Rheinlandräumung und der Inkraftsetzung des TZoung- planes geben. Poincare habe in Anwesenheit von Briand die Lage klargestellt. Mandel zieht aus seiner Rocktasche ein Stück Papier, auf dem die Rede Poincares steht. Er verliest die Ausführungen, in denen Poincarö gesagt hat, es müsse ratifiziert werden, der Beginn der Ausführung des Bvungplanes werde die Konsolidierung der französischen Schulden sicherstellen. Der Abg. Montigny widerspricht und erflärt, nach der Rede Maginots sei es ihm unmöglich, der Regierung Briand das Vertrauen zu geben. Der Sozialist Blum stellt hierauf den Antrag, die von Montigny eingebrachte Interpellation am kommenden Dienstag zur Debatte zu stellen. Gegen diesen Vorschlag setzt Briand die Vertrauensfrage ein. Der Abg. Montigny schlägt dann vor, die Aussprache am 15. November vorzunehmen. Auch hiergegen stellt Briand die Vertrauensfrage. Es kommt darauf zu der oben gemeldeten A b st i m m u n g , die zu dem Sturz des Kabinetts führte. Was nun? Achte Mehrheit für eine andere Koalition Paris, 22. Off. (1DB.) 3u einer Betrachtung der Agentur havas zu dem Sturz des Kabinetts Briand heißt es: Der Beginn der zweiten außerordentlichen Tagung des Parlaments, der sich als sehr ruhig an- kündigte, ist im Gegenteil sehr bewegt gewesen, denn er führte zu einer Regierungskrise, deren Ernst niemand verkennt. Die Regierung ist. um ein Wort Leon Blums zu gebrauchen, von einer verschiedenartig zusammengesetzten Mehrheit gestürzt worden. Aus anderen Gründen haben Louis Marin auf der rechten und Mandel in der Mitte des Hauses und ihre Freunde, die ihre Opposition gegen d i e Haager Abmachungen nicht verbergen, sich mit den Radikalen (Montigny) und den Sozialisten (Leon Blum), die für die Abkommen sind, vereinigt, um entgegen der Ansicht der Regierung, die die Vertrauensfrage gestellt halte, durchzusetzen, daß die außenpolitische Interpellation am 15. Rovember zur Debatte gestellt wird. — Als aus der I äußersten Linken des Hauses jemand ironisch lachte, | als das Ergebnis der Abstimmung bekannt wurde, rief ein Abgeordneter aus der Mitte des Hauses, ohne daß jemand widersprach: „Ls liegt wirklich kein Grund vor, zu lachen!" — hervorzuheben ist der Hinweis Löon Blums, daß die Stimmabgabe der Sozialisten in der Kammer nicht als Verleugnung der Haager Abkommen ausgelegt werden dürfe. Briand hat allerdings geglaubt, betonen zu müssen, daß eine derartige Abstimmung unfehlbar ernste Folgen haben würde. Gewiß ist, daß unter den gegenwärtigen Umständen die Ministerkrise schwierig zu lösen sein wird. Die Mehrheit, die das Kabinett gestürzt hat, ist nicht nur keine Koalltionsmehrheit, sondern ziffernmäßig betrachtet — die Zahl der Abgeordneten beträgt 610 — nicht groß genug, um Anspruch darauf machen zu können, die Mehrheit abzulösen, die feit 1926 erst das Ministerium poincare und dann das Ministerium Briand unterstützt hat. „Endlich allein!" Briand wünscht nicht fein 13. Kabinett zu bilden. Paris, 23. Oft (WTV. Funkspruch.) Die Frage der Rachfolgeschaft Briands stellen, heißt, nach dem „Petit par'sien", für die meisten Abgeordneten, die das Blatt befragt haben will, sie in dem Sinne beantworten, daß das kommende Kabinett von Briand gebildet werden müsse. Das scheine aber nicht Brianbs eigene A nsicht zu sein. Rach der gestrigen Kammersihung habe Briand, umgeben von mehreren kabinettsmitgliedern, den ihn umringenden Persönlichkeiten lächelnd erklärt: „Endlich allein!" Als jemand ihm sagte, daß er jetzt zur Bildung seines 13. Kabinetts berufen werden würde, habe er lebhaft protestiert und erklärt: .Allein! Das nicht!" und energisch hinzugefügt: „Rein, genug!“ Rätselraten um die Nachfolge. Berliner Blätierstimmen. — Wird Tardieu Ministerpräsident? — Rückwirkungen auf die Außenpolitik. Berlin, 23. Oft (Priv.-Tel.) Unter der ikbcrfdjrift „Ungetlärte Lage" schreibt die ^Germania" zu dem Sturz des Kabinetts Briand: In der gestrigen Kammersihung traf sich die Mißstimmung der Linken mit derjenigen der äußersten Rechten. Dieser Vorstoß von bei - den Flügeln zeigt, daß die Situation nach dem Sturz des Kabinetts Briand kaum nach einem einheitlichen Gesichtspunkt gedeutet werden kann. Die parlamentarische Situation in der französischen Kammer bietet Spielraum genug für mehrere Kombinationen. Es bleibt abzuwarten, ob die Krise sozusagen mit einer Umbildung des Kabinetts Briand auf breiterer parlamentarischer Basis endet, wie sie ja ohnedies nach der Erledigung der schwebenden politischen Probleme beabsichtigt war. — Im „B. T." wird gesagt: Das gestürzte Kabinett Briand war das zwölfte, das Briand gebildet halte. Er hotte nach dem Rücktritt Poincares erflärt, daß sein Ministerium nur ein Ferienkabinett sein werde; diese Voraussage ist jetzt wörtlich einge troffen. Das Kabinett ist tatsächlich nur zweimal vor der Kammer erschienen: am 31. Juli, dem Tage seiner Bildung, und am Ende der ordentlichen Parlamentstagung und am 22. Oktober, dem Tage seines Sturzes und des Beginns der außerordentlichen Session. — 3m „Vorwärts" wird gesagt, Briand hätte Farbe bekennen müssen, d. h., von feinen Mitarbeitern auf der Rechten abrüden müssen. Er hat es vermeiden wollen und ist darüber gestürzt. Rach der Logik des parlamentarischen Systems müßte eigentlich als Folge des gestrigen Sieges der Linken em Ruck nach links eintreten. Aber — es gibt ein aber —, mit dem man sich ernsthaft auseinandersetzen muß. Eine Mehrheitsbildung nach links ist heute, genau wie im Jahre 1924 nur möglich mit Hilfe der französischen Sozialisten. Die Mehrheit der sozialistischen Fraktion ist zweifellos f ü r aktive Regierungspolitik, die Mehrheit der letzten Parteitagsbeschlüsse ist dagegen. In England regiert die Arbeiterpartei, in Deutschland ist die Sozialdemokratie die weitaus stärkste Fraktion der Reichskoalition. Es wäre jedenfalls für die Arbeiterklasse aller europäischen Länder ein Tag der Freuds, der Hoffnung und des Stolzes, an dem man verkünden könnte, daß nunmehr auch und gleichzeitig in Frankreich der Sozialismus den Anspruch auf den Teil der Macht erhebt, der ihm nach seiner Stärke und nach der geistigen Bedeutung seiner Führer gebührt. Die „Voss. Ztg." erflärt: Eine der unmittelbaren Konsequenzen der Regierungskrise auf außenpolitischem Gebiete dürfte eine neue Vertagung der Saarverhandlungen sein. Der mit der Vorbereitung dieser Verhandlungen beauftragte interministerielle Ausschuß hat erst gestern feine Arbeiten beendet, so daß, die Regierung noch nicht Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu nehmen. Diese sollte im nächsten Ministerrat erfolgen. Dis das neue Kabinett in der Lage sein wird, darüber Beschluß zu fassen, wird es mindestens ein bis zwei Wochen dauern. Wer Briands Nachfolger werden wird, darüber sind int Augenblick kaum mehr als Vermutungen möglich. In parlamentarischen Kreisen gilt nach wie vor Tardieu als der aussichtsreichste Kattdiöat. Das Moment der lieber- raschung, das bei Ausbruch der Krise eine so große Rolle gespielt hat, könnte allerdings auch ihre Lösung in unvorhergesehener Weise beeinflussen. Jedenfalls hofft man, daß, wie immer auch das neue Kabinett zusammengesetzt fein wird. Briand d i e Leitung der auswärtigen Politik beibehalten wird. In dem Pariser Bericht des „Lokalanzeigers" heißt es: Das Kabinett Briand ist das Opfer seiner eigenen zweideutigen Außenpolitik geworden. Eine reine Links- regierung kommt nicht in Frage, da in dieser Kammer die Rechtsparteien die absolute Mehrheit haben. Theoretisch ist also eine reine Rech t sreg ierung möglich, wird aber wenig wahrscheinlich fein. Sollten die Radikal-Sozialen jede Regierungsbeteiligung ableh- nen, so bleibt eben nur die Wiederherstellung der gegenwärtigen Koalition mit einer leichten inneren Verschiebung nach rechts übrig. Sollte Briand an dieser Aufgabe scheitern, so wird wahrscheinlich Tardieu berufen werden. Ob Briand freilich in feinem Kabinett das Außenministerium beibehalten wird, ist zweifelhaft. — Die „Deutsche Tageszeitung" erflärt: Die starke Beteiligung rechtsstehender Abgeordneter an dem Mißtrauensvotum gegen Briand, trotzdem die Rechte zur Koalition gehört, gibt zu denken und muh vor allem in Deutschland Beunruhigung Hervorrufen. Da es sich im Grunde doch um Briands A u h e n- politik, also vor allem auch um die Räumung handelte, und da Briand für die Fortführung dieser Politik auch weiterhin bedingungsloses Vertrauen verlangte, bedeutet die Ablehnung dieser Forderung auch zumeist ein Infragestellen der unbedingten Kontinuität des französischen Regierung s k u r s e s. Es hat durchaus den Anschein, als sei in Frankreich die Zeit stabiler Kabinette, wie sie das „Regime Poincare" kennzeichnete, wieder vorbei. Briands Ministerpräsidentschaft hat diesmal nur etwa drei Monate gedauert. Damit kann Frankreich aber unter Umständen auch wieder einäußer st unsicherer, wechselnder Verhandlungspartner für Deutschland werden. Oer Edison-Gedenktag in Amerika. Fünfzig Jahre elektrische (Glühbirne. N e u y 0 r f, 22. Oft. (Priv.-Tcl.) Das fünfzigjährige Jublläum des elektrischen Lichtes begann offiziell mit der Ankunft des Präsidenten Hoover auf dem Landsitz Fords in Dcarborn. Unter den mehr als 500 Gästen, die Ford zur Jubelfeier seines intimsten Freundes Tom Edison ein- geladen hat, befinden sich u. a. Frau Curie, Dr» Dille Wright, Omen H 0 ung, der Londoner Botschafter Dawes, der Staylkönig Schwab, N 0 ck e f e l l e r jun. Die Feierlichkeiten finden in der historischen frühamerikanischen Stadt statt, die Ford mit einem Aufwand von vielen Millionen Dollars bei Dcarborn aufgebaut hat. Die Laboratorien, das alte Wohnhaus Edisons, der Menlo-Park find hier Stein für Stein neuerrichtet worden. Das Modell eines Eisenbahnzuges, wie er im Jahre 1879 gefahren wurde, sogar mit einer holzgeheizten Lokomotive, beförderte die Gäste nach dem altertümlichen Bahnhof des Dorfes, worin Autos, Radio und die übrigen technischen Wunder des heutigen Zeitalters verpönt sind. So naturgetreu hat Ford feine alte Stadt dem vergangenen Jahrhundert angepaßt, daß auf den umliegenden Feldern statt Ford-Traktoren Ochsengespanne Furchen ziehen. Die amerikanischen Zeitungen drucken die Berichte ab, die sie 50 Jahre zuvor der Erfindung Edisons widmeten. Sie sind heute sämtlich erstaunt, w i e wenig Bedeutung ihr damals zugemessen wurde. Viele Blätter waren damals skeptisch und stellten die Frage, ob die Glühbirne sich als praktisch und zuverlässig erweisen würde. Die allermeisten betrachteten damals das Glühlicht als Luxus gegenüber dem billigeren Leuchtgas. Der Edifon-Gedenttag ist im ganzen Land«, festlich begangen worden. 'In allen größeren Städten wurden abends Festbeleuchtungen veranstaltet. Edison beteiligte sich sehr lebhaft an allen Veranstaltungen. So verkaufte er auch Früchte, Nüsse und Zeitungen an die Gäste. Die Einnahmen dienten wohltätigen Zwecken. Am Abend unternahm Edison, nachdem ringsum alles Licht ausgelöscht worden war, vor der Festversammlung mit seinen alten Mitarbeitern fein erstes Experiment mit der Glühlampe. Das Aufflammen wurde von den Versammelten mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Präsident Hoover feierte Edison in einer humorvollen Rede, in der er an die Zeit der Petroleumbeleuchtung erinnerte. Owen 7J 0 u n g verlas bei dem anschließenden Festessen das Degrü- ßungstelegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg, in dem dieser dem gleichaltrigen großen Erfinder herzliche Glückwünsche zum goldenen Jubiläum der Erfindung der elektrischen Glühlampe übermittelt Minutenlanger Beifall folgte der Verlesung des Telegramms, die ganz Amerika im Radio mit anhörte. Oie Auswirkungen desZündholzmonopolvertrags Berlin, 23. Oft. (Priv.-Tel.) Heber die Auswirkungen des mit Ivar Kreuger abgeschlossenen Zündholz-Vertrages werden jetzt in der Oeffent- lichkeit eine ganze Reihe von Zahlen bekannt, die recht mtereffant sind. Danach dürfte durch den Ausfall der russischen Zündholzeinfuhr eine Umsatz st eigerung von etwa 25 Proz. des bisherigen Syndikatsabsatzes eintreten. Die Mehrbelastung der Verbraucher wird auf jährlich et w a 50 Pf. für die vierköpfige Familie geschätzt Insgesamt beträgt die Mehrbelastung bei einem Verbrauch von 220 000 Kisten gleich 2,2 Milliarden Schachteln nach der Preiserhöhung ton 5 Pf, etwa 10 bis 12 Mill. Mark. Die Höhe der Zinsersparnis des Reiches wird bei der ersten Tranche von 50 Millionen, die nächstes Iahr gezahlt werden soll, und die der Reichsinanzminister sofort zur Abdeckung des Amerika-Kredits verwenden toiU, allein 5,6 Millionen jährlich ausmachen. Hinsichtlich der zweiten Tranche läßt sich dies noch nicht überblicken, da deren Verwendungszweck noch nicht festliegt. Oie Llntersuchung des Eklarekskandals. Bor weiteren Verhaftungen. Berlin, 23. Okt. (Prio.-Tel.) Während der gestrigen Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft stellt.' sich heraus, daß eine der bisher beschuldigten beamteten Personen durch schriftliche Unterlagen dartun konnte, daß die Verfehlungen, die man ihr zur Last legte, von ihr nicht begangen worden seien bzw. daß sich der Sachverhalt erheblich anders, als man bisher angenommen hatte, darstellte. Diese betgebrachten Dokumente sind nun von der Staatsanwaltschaft im Laufe der letzten Tage eingehend geprüft worden. Es ergab sich der dringende Verdacht, daß mit diesen Papieren etwas nicht in Ordnung sei, und daß die beigebrachten Beweis st ückegefälscht seien. Um diesen Verdacht endgültig zu klären, hat daraufhin die Staatsanwaltschaft gestern in den Wohnungen der beschuldigten Brüder Sklarek und bei den nächsten Verwandten eine überraschende und gründliche Haussuchung vorgenommen. Es ergab sich, daß bestimmte Dokumente, statt in den Räumen der Beamten jnderSklarekschenWohnungher- ge stellt worden sind. Es ergab sich weiter, daß diese Schriftstücke, die dem Augenschein nach schon sehr alt waren, in Wirklichkeit er st inderletzten Woche hergestellt worden sind. Nunmehr ist der Verdacht gegen einige der bisher beschuldigten Amtspersonen, sich schwerer strafrechtlicher Verfehlungen schuldig gemacht zu haben, so groß geworden, daß mit einer Verhaftung über den eigentlichen Kreis der Sklareks hinaus in den nächsten Tagen zu rechnen sein dürfte. Reichskontrolle über Reichsbahn und Reichsbank. Notwendige Aenderungen im Aoung-Plan. Berlin, 22. Okt. (D.d.Z.) Ein Unterausschuß des Reichstages stellte den Bericht Wer die Prüfung der Haushaltsrechnungen 1918—1924 fest. In diesem Bericht wird bemängelt, daß das Reichsbahngesetz den Rechnungshof in seiner Prüfungstätigkeit ausgeschaltet hat. obwohl das Reich der alleinig« Aktionär der Reichst» ah n- g e s e l l s ch a f t geblieben ist. Der Unterausschuß hält es für dringend notwendig, daß bei der Durchführung des Boungplanes unter allen Umständen das volle Prüfungsrecht des Rechnungshofes bei der Reichsbahn wieder sichergestellt wird. Besonders soll auch rückwirkend festgestellt werden, was bei Uebergang der Eisenbahnen an die Reichsbahngesellschaft an Eigentum vorhanden war, und weiche Bewegungen auf diesen Eigentumskonten vor sich gegangen sind. Ebenso wird die Ausschaltung des Rechnungshofes durch das Reichsbankgesetz verurteilt. Rach Auffassung des Rechnungsunterausschusses hat der R e i ch s f i n a n z m i n i st e r die Interessen des Reiches gegenüber der Reichsbank, die dem Rechnungshof ein weiteres Kontrollrecht bestritt, nicht voll durchgeseht. Das Reich sei an dem Gewinn der Reichsbank beteiligt. Zur Zeit gebe es aber keine Stelle, die unabhängig prüft, ob der dem Reiche zustehende Gewinnanteil ordnungsgemäß berechnet und restlos abgesührt wird. Cs erscheine dringend notwendig, daß die Reichsregierung bei der Annahme des V»ung-Planes für die volle Wiederher st ellung des Kontrollrechtes des Rechnungshofes bei der Reichsbank sorgt. Der Reichsbund der höheren Beamten zum Volksbegehren. Berlin, 22. Okt. (WB.) Wie der Reichsbund der höheren Beamten mitteilt, hat er stets seine Treue zu Reich, Volk und Verfassung bekundet. Ebenso hat er immer als durchaus unpolitische Derufsvertretung jede Stellungnahme zu politischen Fragen abgelehnt. An diesem Standpunkt mutz der Reichsbund als unverrückbare Richtlinie festhalten, wenn er nicht älneinigkeit in die Reihen seiner den v e r - schieden st en politischen Parteien angehörenden Mitglieder tragen will. Von dieser Grundlage ausgehend, muß der Reichsbund der höheren Beamten von einer Stellung zu dem jetzt zur Abstimmung gestellten Volksbegehren als einer rein politischen Aktion absehen. Mit Rücksicht auf mehrfache Mißdeutungen seiner Haltung stellt der geschäftsführende Vorstand fest, daß vorstehender Beschluß keine Stellungnahme für dasVolksbegehren bedeuten sollte und konnte, dessen § 4 vom beamtenpolitischen Standpunkt aus in feinen Folgerungen schwere Bedenken auszulösen geeignet ist. Der von der Reichs- und preußischen Staatsregierung kundgegebenen Ansicht, daß ein Beamter sich durch Eintragung in die Listen für das Volksbegehren einer disziplinarisch zu ahndenden Handlung schuldig macht, muh dagegen mit aller Entschiedenheit widersprochen werden, da eine derartige Auffassung mit der den Beamten verfassungsmäßig gewährleisteten politischen Meinungsfreiheit unvereinbar ist. Kleine politische Nachrichten. Wegen äleberschreitung seiner Befugnisse und persönlicher Beleidigung des Landrats des Kreises G l o g a u, Geh. Reg. Rates Dr. I e r s ch k e, durch eine öffentliche Bekanntmachung zum Volksbegehren, wurde Amtsvorsteher Major a. D. Fletsch er in Sa lisch vom Landrat von seinem Amt suspendiert und gegen ihn das Disziplinarverfahren auf Entfernung vom Amt eröffnet. Auf Einspruch des „Königin-Luisen- BundeS", der als Hilfsorganisation des Stahl- Ungünstige Finanzlage Hessens Minister Kirnberger kündigt durchgreifende Darmstadt, 22.Okt. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses nahm Finanzminister K i r n b e r g c r Veranlassung, zunächst grundsätzliche Ausführungen über die Finanzlage Hessens zu machen. Er wies darauf hin, daß die bisherigen Vorentwürfe zum Voranschlag 1930 e i n sehr ungünstiges Bild böten. Die Ursachen lägen insbesondere in der gesunkenen Wirt- schastskonjunktur, in dem Umstand, daß der Beharrungszustand in der Auswirkung der Besoldungsordnung noch nicht erreicht sei, in dem Rückgang der Ueberweisungs- steuern und in der starken Steigung des Z i n s e n d i e n st e s. Er erklärte im Einverständnis mit dem Gesamtkabinett, daß vor Abschluß des Staatsvoranschlags 1930 noch durchgreifende Sparmaßnahmen herbeigeführt werden müssen. Der Minister betonte, daß er nur ein Budget vorlegen werde, das günstiger abschließen würde als das von 1929. Das Ziel könne aber nur erreicht werden, wenn bei dem Landtag, wie bei allen Regierungsstellen, der stärkste Sparwille vorhanden, und wenn man auch bereit sei, auf manche gewohnte oder wünschenswerte Einrichtung zu verzichten. Die Regierung gehe wohl mit dem Landtag darin einig, daß die künftig« staatsrechtliche Gestaltung Hessens nicht von der Finanzlage des Landes diktiert werden dürfe. Der Ausschuß überwies dann eine Eingabe des Professors Dr. G. S e s s o u s auf A u s st a t - tu n g des Instituts f ü r Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Gießen nach Sparmaßnahmen an. eingehender Beratung der Regierung als Material. Die Frage soll nach Abschluß der Verhandlungen über Rationalisierung der Universität und der Technischen Hochschule geklärt werden. Auf eine Eingabe der Gemeinde Eich auf Beibehaltung einer Lehrer st eile erklärte der Minister für Kultus und Bildungs- Wesen gegenüber Angriffen von feiten des Bauernbundes, daß die Regierung gerade bei der Aufhebung von Lehrer st ellen auf dem Lande viel nachsichtiger gewesen sei, als in der Stadt. Sie habe stets die besonderen Umstände berücksichtigt. In dem vorliegenden Fall sei die Aufhebung der einklassigen Schule von nur neun Kindern gerechtfertigt, da bis zur nächsten Schule eine nur 900 Meter lange glatte Chaussee liegt. Einstimmig genehmigt wurde die Erhöhung des Aktienkapitals des Staates Hessen bei der Süddeutschen Holzwirtschaftsbank A. - G. um weitere 8000 Mk. Ein Dauernbundantrag betr. raschmöglichste Veranlagung der landwirtschaftlichen Betriebe zur Reichseinkommensteuer unter Berücksichtigung der diesjährigen Ernteschäden, wird einstimmig angenommen. Ein Antrag der gleichen Fraktion aus Stundung der Landessteuern bei landwirtschaftlichen Steuerpflichtigen wird zurückgestellt, da eine Stundung von Amts wegen in dieser Form nicht möglich ist. cc Beamte und Volksbegehren Oie Klage der -eutschnationalen Landtagsfraktion Leipzig, 22. Okt. (WTB.) Heute begann mit einhalbstündiger Verspätung um 11 ilf)r die mit großer Spannung erwartete Verhandlung vor dem Staatsgrichtshof für das Deutsche Reich in der Verfassungsrechts-Streitsache der Fraktion der Deutschnationalen Dolkspartei im Preußischen Landtag gegen das Land Preußen. Die Klage geht bekanntlich auf Erlaß eines Feststellungsurteils, durch das das Recht jedes Beamten, sich als wahlberechtigter Staatsbürger an einem verfassungsmäßig zuge- lassenen Volksbegehren zu beteiligen, ausdrücklich sichergestellt werden soll, uno auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung, durch die dem preußischen Staatsministerium ausdrücklich untersagt werden soll, weitere Kundgebungen gegen die Beteiligung der Beamten am Volksbegehren zu erlassen. Die bereits erfolgten Anweisungen sollen zurückgezogen werden. Zu Beginn der Verhandlung stellte der Vorsitzende Dr. Dumke fest, daß eine Verhandlung zur Sache nur dann möglich sei, wenn beide Parteien damit einverstanden seien. Rechtsanwalt Dr. Seelmann als Vertreter des Klägers stimmte zu. Ministerialdirektor Dr. Dadt als Vertreter Preußens widersprach, so daß sich die heutige Verhandlung nicht auf die Sache selbst erstrecken darf. Der Staatsaerichtshof beschloß jedoch, den Antrag der prcu^is :,e.i R.gierunz aus Vertagung abzulehnen. Rach Eintritt in die Verhandlung führte als Klagevertreter zunächst Rechtsanwalt Seelmann-Eggebert aus: Dos preußische Ministerium habe ausdrücklich die Erklärung abgegeben, daß die Teilnahme am Volksbegehren mit den Beamtenpflichten nicht vereinbar sei. Das sei, wenn auch nicht ausdrücklich von einem Verbot gesprochen werde, nicht nur eine Warnung, sondern ein versteckte A n - drohung disziplinarischer Maßnah- m e n. Wenn das Staatsministerium in dieser autoritativen Form spreche, so sei das nicht mehr eine theoretische Erörterung über irgendwelche Beamtenrechte, sondern es sei eine Meinungsverschiedenheit über Auslegung und Anwendung der Verfassung. Sinn und Zweck des Paragraphen 4 des Volksbegehrens sei, für die Zukunft die Methoden unmöglich zu machen, durch die in den letzten sechs Jahren insbesondere der Reichsaußenminister wiederholt die Reichsregierung, den Reichspräsidenten und den Reichstag vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Paragraph 4 sichere lediglich den Zweck des Gesetzes; er habe überhaupt keine selbständige Be- d e u t u n g und sei weit davon entfernt von der Zielrichtung der ersten drei Paragraphen abzuweichen und in eine andere Zielrichtung, nämlich die Verunglimpfung der jetzigen Minister und Unterhändler abzuirren. Er wolle zeigen, daß das deutsche Volk feinen bisherigen Krankheitszustand und seine Willenslähmung überwunden Hot. Bei dem ganzen Volksbegehren handele es sich nur um eine Stimmenabgabe, die jedem Staatsbürger, auch dem Beamten zu stehen müsse. Das Wesen des Volksbegehrens besage noch nicht einmal, daß jemand, der das Volksbegehren unterschreibt, sich auch auf den Standpunkt des begehrten Gesetzes im Volksentscheid selbst stellt. Es bedeute nur d i e Aeuherung des Willens, daß eine Entschließung des ganzen Volkes herbeigesührt werde. Wenn der Paragraph 4 den vom preußischen Mini- fterium angenommenen Sinn hätte, hätte das Volksbegehren überhaupt nicht zugelassen werden dürfen. Das Einzeichnungsrecht dürfe den Beamten auf keinen Fall genommen werden, wenn auch zweifellos die Agitation für das Volksbegehren in de r Beamtengefetzgedung ihre Grenze finden müsse. In diesem Sinne vor dem Staatsgerichtshof. fei eine einstweilige Verfügung eine Staatsnotwendigkeit. Ministerialdirektor Or. Badt hob in seiner Entgegnung hervor, daß der Erlaß einer einstweiligen Verfügung die Feststellung zur Vorbedingung habe, die Stellungnahme der preußischen und damit der Reichsregierung sei ein Verstoß gegen die den Beamten gewährleisteten Rechte und verstoße somit gegen die Verfassung. Insofern handele es sich also nicht um eine edjte e i nst - m e i I i g e Verfügung. Die Zuständigkeit des Staatsgerichtshofes sei nur gegeben, wenn es sich um einen Streit um solche Bestimmungen der Reichsverfassung handele, die eine Ergä nzung der Landesverfassung bilden. In der preußischen Verfassung seien aber keine Beamtenrechte festgelegt, so daß eine solche Ergänzung des Landesrechts nicht vorliege. Die Form der politischen Betätigung werde durch die Grundrechte des Beamten nicht geschützt. Die bisherige Gesetzgebung reiche durchaus aus, um Minister, die gegen die Verfassung verstoßen haben, zur Verantwortung zu ziehen. Der § 4 könne keinen anderen Sinn haben, als daß die bisherige Regierung für ihre Außenpolitik wert fei, mit Zuchthaus bestraft zu werden. Es sei allgemein anerkannt, daß Grundrechte der Verfassung einschränkbar seien, sobald Pflichten des Dienstverhältnisses dadurch berührt würden. Wenn der § 4 des Volksbegehrens lediglich die Sicherung der Durchführung des etwa angenommenen Gesetzes bezweckte, so würde er überflüssig sein, da kein Minister bei Annahme der Paragraphen 1 bis 3 entgegen diesen Bestimmungen handeln würde. Für eine strafrechtliche Sicherung hätte die Einfügung eines besonderen Ministerverantwortlichkeitsparagraphen oder die Einfügung einer ganz bestimmten Strafe vollkommen genügt. Hier handele es sich um einen unsachlichen' persönlichen Angriff auf die gegenwärtige Regierung, die als Landesverräter gebrandtmarkt werden soll. Wer sich am Volksbegehren beteilige, mache sich daher vor der Oefsentlichkeit den Zweck des Begehrens, insbesondere auch den Zweck des 8 4 zu eigen und beteilige sich an dem unsachlichen persönlichen Angriff. Gegenüber der Meinung, daß der Reichsminister des Innern das Volksbegehren überhaupt nicht hätte zulassen dürfen, wurde betont, daß dieser nur zu prüfen gehabt hätte, ob die formellen V or - aussehungen des Volksbegehrens vorlägen, nicht aber iten sachlichen Inhalt. Das Recht der freien Meinungsäußerung dürfe der Beamte nicht mißbrauchen. Rechtsanwalt Dr. Seelmann-Eggebert betonte in seiner Replik: Die Durchführung des Volksbegehrens dürfe nicht dadurch beeinflußt werden, daß der ungeheure Albdruck auf der preußischen Beamtenschaft bleibe. Wenn eine klare und eindeutige Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten erreicht werden könne, daß die Eintragung in die Li st en des Volksbegehrens von ihm in seiner Kundgebung über die Beteiligung der Beamten nicht gemeint sei, so würde eine einstweilige Verfügung überflüssig werden, da dann die Dringlichkeit fallen würde. Weiter wolle der Antrag der preußischen Landtagsfraktion nichts. Daß für die Qlgitation des Volksbegehrens den Beamten gewisse Schranken durch die Beamtenpflicht gezogen seien, werde von ihm durchaus anerkannt. Cs müsse verhindert werden, daß Hunderttausenden von Wahlberechtigten ihr Wahlrecht entzogen werde. Rach einigen weiteren Erwiderungen der Regierungsvertreter wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt. Helms unter Bezugnahme auf die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages durch den preußischen Innenminister in Westfalen aufgelöst war, hat Minister Grzesinski nunmehr Anweisung gegeben, den „Konigin-Luisen- Bund" nicht in das Verbot einzubeziehen. Die Auflösung ist somit zurückgenommen. ♦ Aus der nächsten Umgebung des ehemaligen Reichskanzlers Fürsten Bülow wird versichert, daß im Befinden des Fürsten eine weitere Besserung eingetreten ist. Die Rächt verlief zufriedenstellend. Entgegen Rachrichten über einen Schlaganfall des Fürsten wird auf das bestimmtste erklärt, daß der Fürst nur an einen Bro nchialka ta rrh leide und Atmungs- beschwerden sowie mäßiges Fieber habe. Die Erkrankung sei aber im Hinblick auf sein hohes Alter nicht ungefährlich. Die neue australische 21 r b e i t e r r e g i e • r u n g stellt einen Sieg des gemäßigten Flügels der Partei dar. Dem Kabinett gehören außer dem Parteiführer S c u l l i n als Premierminister der frühere Premierminister von Queensland, Theodore (Finanzen), und der stark protektionistisch gerichtete Abgeordnete Fenton (Handel) an. Clemenceau hat eine ausgezeichnete Nacht verbracht; er hat ruhig geschlafen und ist zur gewohnten Zeit aufgeroatht. Im Befinden des ehemaligen Ministerpräsidenten ist eine sehr große Besserung zu verzeichnen. Die behandelnden Aerzte haben erklärt, daß der Gesundheitszustand Clernen- ceaus nicht zur geringsten Beunruhigung mehr Anlaß gibt. Aus aller Wett. „Graf Zeppelin" zur Lpanienfahrt gestartet Friedrichshafen, 23. Okt. (WTB. Funk- spruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heut« früh um 6.49 iU)r mit 18 Passagieren am Bord zur Fahrt nach Rordspan.en aufgestie- gen. Unter den Fahrgästen befinden sich u. a. auch der spanische Botschafter in Berlin, Fernando Espinosa de los Monteros, und der argentische Konsul in München, Fremery. Rach glatt verlaufenem Start und einer Schleife über der Stadt nahm das Luftschiff, das sich schon in großer Höhe befand, den Kurs nach Westen. Ein nciwr Ozeanflug. Harbourgrace (Neufundland), 22. Okt. (WB.) Ohne Ankündigung stieg heute der Flieger Litern a n aus Billings (Montana) zu einem transozeanischen Flug auf. Siteman führt 740 Liter Gasolin mit. Der um 12.15 Uhr erfolgte Abflug wurde erst bekannt, als Freunde von Ditcman ein Schreiben von ihm erhielten, in dem er mitteilte, er beabsichtige, über Cap St. Franc zu fliegen, um dann direkt auf London zuzusteuern. Das amtliche Neuyorker Wetterbureau erklärt, das Wetter auf dem Atlantik fei dem Fluge vorwiegend ziemlich günstig. Das Flugzeug, mit dem Siteman aufge- ftiegen ist, führt den Namen „Golden H i n ö" oder „Goldene Hirschkuh". Es ist ein kleiner, offener Ganzmetall-Zweisitzer mit einem Leergewicht von 740 englischen Pfund und einem Motor von 110 Pferdekräften. Das Flugzeug hat eine Spannweite von etwa zehn Meter und kann eine Stundengeschwindigkeit von rund 150 Kilometer entwickeln. Die von dem Flieger mitgeführte Brennstoffmenge reicht für 27 Stunden. Siteman, der von Beruf Schiedsrichter ist, hat eine Flugerfahrung von nur hundert Stunden. Siteman hat Cap Francis um 12.55 Uhr amerikanischer Zeit überflogen. Ein Leonardo da Vinci in Dien entdeckt? lieber die Entdeckung eines angeblichen Werkes von Leonardo da Vinci glaubt „Sie Stunde" berichten zu können. Nach den Angaben des Blattes bandelt es sich um ein altes Bildnis, das sich schon seit längerer Zeit im Besitz eines betann- ten Wiener Kunstsammlers befand, ohne daß eine nähere Untersuchung erfolgt war. Dor kurzem hat der Besitzer das Bild bei dem bekannten Auktions- und Lombardhaus „Sorotheum" b e • leihen lassen. Er erhielt den Höch st zulässigen Beleihungsbetrag von 25000 Schilling zugesprochen. Sas „Sorotheum", das über die Mitarbeit bekannter Fachleute verfügt, ließ mit Zustimmung des Verpfänders das Bildnis restaurieren. Bedeutende Kunsthistoriker, die das Werk zu Gesicht bekamen, stellten nun fest, daß es sich höchst wahrscheinlich um ein bisher als verloren geltendes Hauptwerk von Leonardo da Vinci handele. Falls der Nachweis Gelingt, daß in dem Bildnis tatsächlich ein Werk Leonardo da Vincis vorliegt, dürfte dem Gemälde ein Wert von 1 bis 2 Millionen Sollar zukommen. Drei Tote durch eine treibende Mine. In Masholm, in der Mündung der Schlei (Nordschleswig) wurden drei Fischer durch eine explodierende Mine getötet und einer schwer ver- letzt. Sie Fisch"r hatten die Mine, die auf hoher See treibend aufgefunben wurde, an Bord genom- m e n. Als sie ihr Boot an Land zogen, löste sich die Zündung aus. Er handelt sich bei allen um Fami- lienoäter. Oie Wetterlage. Mren- X) bord mr hOfjlv d.ocWi.-! 75 .ond La Corun». Dienstaa, 22. Oktot>. 1929 7" aDds. .'an/ayen-rpnf -------IngO- 8 W '/ -5 Owomemos. o neuer. Qnaiö bedecM. 9 woixig. G ocdtcm e Regia * Schnee g Graupeln, c Nebel K Ge^iiter.(g)Win ein bisher als ver- lauptwerk von Leo. mbele. Falls der Nachweis titdnis tatsächlich ein Werk uliegt, biirste dem Gemälde is 2 Millionen Dollar eine treibende Mine. Mündung der Schlei (Nord- ei Fischer durch eine ex- ötet und einer schwer ver- die Mine, die aus hoher See lurde, an Bord genom- an 2anö jagen, lüfte sich die >.lt fid) bei allen um 5ami- ietterta^. pW;6 8 »• -•Äg*2 S-issss «ICDLUll«»11 rvorau-M sich du^ ^ert, nur verul' jwenig/^g Temperatur nordische" Aertiest. w ter knt ach roktter aQrDmetcr |et und stoAbemegung °er^ unahme der^ ^stenM^z, 5Wietien$a9 cnr^.Lrth et®0® %£**$&*% Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. Oktober 1929. Soziales Gefühl. Sozial: Das ist auch so ein Fremdwort, das sich in die deutsche Sprache eingenistet hat. 3n Hunderten von Reden, in Hunderten von Aufsätzen wird es gebraucht, und jeder wirft dem anderen vor. daß er nicht sozial empfinde und handele. Was bedeutet eigentlich: sozial empfinden? Wenn mir jemand diese Frage stellt, werde ich lebhaft an ein kleines Erlebnis erinnert, das mir einst einen frohen Tag bereitete. Ich will es hier kurz erzählen. Ich machte einen Rachmittagsspaziergang und war schon tief im Walde, als ich von einer Bauersfrau, die einen leeren Korb auf dem Kopfe trug, eingeholt wurde. Wir kamen inS Gespräch, und sie klagte mir, daß sie geschäftlich in der Stadt gewesen sei, dann noch Verwandte besucht und sich dabei zu lange aufgehalten hätte. So war es gekommen, daß das Auto, mit dem sie fahren wollte, nicht mehr da war, als sie den Haltepunkt erreicht hatte, und es war das letzte Auto, das ging. Run müßte sie IVe Stunden zu Fuß durch den langen Wald laufen, und zu Hause warteten die Kinder und das Vieh! Ich tröstete sie so gut ich konnte und erinnerte an die Zeiten, in denen sie ja so wie so zu Fuße laufen mußte. „Aber man hat sich so schön daran gewöhnt, an das Autofahren", erwiderte sie.. „Ja, es ist manches anders und besser geworden", mutzte ich zugeben. Es wurde noch allerlei gesprochen, dann nahm ich Abschied und sprach tröstend: „Vielleicht kommt ja noch ein Fuhrwerk, mit dem Sie fahren können." Ich war kaum hundert Meter von ihr entfernt, da raste ein Auto vorbei. Es kam aus der Stadt, und nur ein einzelner Herr saß darin. Aber ehe ich auch nur winken konnte, war cs schon weg. Unwillkürlich drehte ich mich um und dachte: Wenn die Frau doch ein Zeichen geben wollteI Aber nichts von dem. Sie ging gelassen ihres Weges. Zu dumm, datz ich das Auto nicht eher bemerkt habe, dachte ich noch. Doch halt! Was ist das? Das Auto hält ja tat» sächlich, der Herr steigt aus, wartet auf die Frau, sie sprechen einige Worte, und nun steigt auch die Frau mit dem Korb ein. Schon rast das Auto weiter. — Ich mutzte den ganzen Abend an diese kleine Tat denken. Sie stimmte mich freudig, bewegte mich eigentlich im innersten Herzen und erhellte mir mit einem Schlage das Fremdwort: Sozial! Was dieser Autofahrer tat. war sozial gedacht und — gehandelt. Und immer wieder, wenn sich ein Redner nicht genug tun kann in schönen Worten vom sozialen Denken und Empfinden, fällt mir das kleine Erlebnis ein. Ich stelle dann innerlich immer die Frage und stelle sie auch dir, lieber Leser, „Würdest du auch so handeln wie jener Autosahrer, oder denken: Gut, datz ich ein Auto habe, mögen die andern sehen, wie sie heim kommen?" So können wir bei gar manchen Gelegenheiten, ohne datz es uns viel Arbeit macht, unfern Rächsten einen Gefallen tun. Du gehst im Walde spazieren und zerreibest dir an einer überhängenden Brombeerranke das Kleid. Ist es da nicht eine Kleinigkeit, daß du umkehrst und die schlimme Ranke zurückbiegst und abschneidest? Oder freust du dich, wenn deine Mitmenschen auch Schaden nehmen? — — In der Rähe meiner Vaterstadt steht an einem wichtigen Stratzenknotenpunlt ein Wegweiser. Er ist ziemlich alt und war morsch geworden. Da hatten sich nun einige Burschen einen Spatz gemacht und ihn herumgedreht. Das sind so kleine Lausbubenstreiche. Die Folgen werden nicht bedacht. Gar mancher Fuhrmann. Autofahrer und auch Wanderer, sic wären hier mitten im Walde auf einen ganz falschen Weg gewiesen worden. Wir brachten deshalb den Wegweiser wieder in seine richtige Stellung und befestigten ihn. so gut wir konnten. Hätten wir nicht auch Vorbeigehen und denken können: Latzt ihn. wir kennen ja den Weg? Solche sozialen Handlungen sind gar oft nur Selbstverständlichkeiten, aber viele gehen stumpf und teilnahmslos vorüber. Bedenken wir doch auch den eigenen Gewinn, den wir haben, wenn wir unfern Mitmenschen — ohne datz sie es ahnen — helfen können. Das frohe Gefühl, das unsere Brust schwillt, ist doch auch etwas wert. L- J- Serbstbezirlstcg des SasslabezNS Meßen. Unter sehr starker Beteiligung der Kriegervereine fand am Sonntag im „Postkeller" der Bezirkstag des Hassiabezirks Gietzen statt, den der 1. Vorsitzende Prof. Dr. Kraemer mit he^lichen Tegrützungsworten eröffnete. Bei der Auszahlung der Rückvergü- t u n g e n wurden vom Vorsitzenden an die Kriegervereine des Bezirks insgesamt 1446,80 Mk. aus den Vertragsversicherungen der „Hassia" auSgehändigt, und zwar von der Allianz-Versicherung 875.55 Mk.. von der Unfall-Versicherung 96.90 Mk.. Lebensversicherung 134,55 Mk.. von der Zürich 186.50 Ml., von Hassia-Kalendern 150,50 Mk. Anschliessend referierte Karnerad Kretschmar über das Versicherungswesen und betonte, datz einzelne Kriegervereine grötzte Erfolge erzielt und hohe Vergütungen erhalten hätten. Die Cesamtrückvergütungen der Allianz betrügen 42 000 Mk. An der regen Aussprache beteiligten sich Prof. Dr. Kraemer. Frei- t a g (Hausen) und Haas (Burkhardsfelden). Die Aufwertung und Auszahlung alter Versicherung erfolgt 1932. verzinst werden sie feit 1924. Heber das Fürforgewefen sprach Obmann Lehrer D ö h n (Gietzen), dec zu der Landestagung der Kriegsopfer innerhalb der „Hassia" in Mainz einludt. lieber das Schießwesen sprach Bezirksschietz- wart Kamerad Klein in ausführlicher Weise. Auf seine Anregung wurde der Bezirk in vier Gruppen eingeteilt. Für das Lumdatal fand das Scbießen in Daubringen, für das Buseckertal in Reiskirchen statt; außerdem wurde ein Schießen in Hausen und eins in Gießen auf den Ständen des Schützenoereins abgehalten. Die Beteiligung war über alles Erwarten stark. Die vier Schießen habyn sich glatt und ohne Unfall abgewickelt. Im ganzen nahmen 230 Schützen teil, 1396 Patronen wurden verschoßen, 230 Scheiben ausgegeben. Auch das finanzielle Ergebnis war günstig: bie Einnahmen betrugen 312,20 Mk., die Ausgaben 314,09 Mark. Der Vorsitzende dankte dem Schießleiter für die mustergültige Durchführung des ersten Bezirksschießens und hofft auch für 1930 auf starke Beteiligung. Zugleich beglückwünschte er die Schützen des Kviegeroeneins Gießen: Wilhelm a i n b a d), Willi Georg, Gg. Schilling und Hch. M o o tz , die am 1. September in Offenbach auf dem Derbandsschiehen die Meisterschaft der Kriegerkameradschaft .Hassia" errungen haben. Das Hassia-Berbandsschießen 19 3 0 findet in Gießen auf den Schießständen des Schützenvereins statt. Daneben bleibt das Bezirks- schießen bestehen, das Ende September oder Anfang Oktober abgehalten werden soll. Hierauf schloß der Vorsitzende den Bezirkstag und dankte nochmals allen Vereinen und Kameraden für ihre erfolgreiche Mitwirkung im Interesse des Hassiabezirks Gießen. Anschließend fand in feierlicher Weise die Dertei- lung der Ehrenpreise an die Sieger des ersten Preisschießens des Bezirkes Gießen durch den Bezirksschießwart Kamerad Klein statt. Es wurden 30 silberne Becher mit dem Hassiaabzeichen für beste Schießleistung ausgegeben. Es errangen: 1. Preis Wilhelm Hainbach (Gießen), 62 Ringe: 2. Willi Georg (Gießen), 61 Ringe: 3. Heinrich Roth (Reiskirchen) und Georg Schilling (Gießen), 58 Ringe; 4. Hrch. Mootz (Gießen), 57 Ringe; 5. Ernst Hofmann (Burkhardsfelden), 54 Ringe: 6. Johannes Damm (Al- lendorf a. d. Lda.), 51 Ringe; 7. Philipp Hammel (Annerod), Joh. Ad. Horn (Burkhardsfelden) und Ernst Wüst (Mendorf), 50 Ringe. Die Kriegerkameradschaft „Hassia" ließ durch den Bezirksoorsteher den drei besten Schützen noch eine besondere Ehrengabe überreichen. Zehn Wahlvorschläge zur Gießener Kreisiayswabl. Zu der bevorstehenden Neuwahl des Kreistages für den Kreis Gießen sind folgende zehn Wahlvorschläge eingereicht worden: Deutschnationale Dolkspartei, Hessischer Landbund, Deutsche Dolkspartei, Mittelstandsoereinigung, Zentrum, Evangelische Volksgemeinschaft, Volksrechtpartei, Deutsche Demokratische Partei, Sozialdemokratische Partei, Kommunisten. * Für die Neuwahl des Provinzialtags sind, wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, nicht weniger als 18 Wahlvorschläge eingereicht worden. Zagd-Hastpslichtversicherung und Inhaberiagdpäffe. Das Jagdpaßgesetz vom 25. März 1929 brachte ab 1. April 1929 die Neuerung, daß jeder I a g d p a ß (mit Ausnahme der Dienstpässe) nur gültig ist in Verbindung mit einer Jagdhaftpflichtoersicherung in Mindesthöhe von 100 000 RM. für Personen, und 10 000 RM. für Sachschaden. Die Tatsache der Versicherung muß bei dem Lösen des Passes am Kreisamt durch Vorlage eines Ausweises oder der Police nachgewiesen werden. Der Nachweis der Versicherung für eine fest bestimmte Einzelperson macht also keine Schwierigkeiten. Anders steht es mit den sog. Pässen auf Inhaber, gut deutsch auch „Au porteur-Pässe" oder manchem Jäger anheimelnder klingend scherzweise „Apportierpässe" genannt. Da diese Pässe von dem Jagdpächter, der sie zu seinem eigenen Paß hinzulöste, heute dem und morgen dem Jagdgast in die Hand gedrückt werden können, taucht die Frage auf, wie nun dabei die Versicherung nachgewiesen werden soll. Da die Versicherung den Privatgesellschaften überlassen wurde, fragt es sich, ob diese Gesellschaften bereit sind, auch die Deckung für einen solchen Paß zu übernehmen, obwohl damit eine ganze Anzahl ganz verschiedener Menschen versichert wird und das Risiko ein anderes ist. Darin, daß unter Umständen ein gewisses Entgegenkommen der Versicherer vorausgesetzt werden muß, liegt u. E. eine Lücke im Gesetz. Es wird vielleicht praktisch so werden, daß sich alle Gesellschaften gegen Zahlung einer weiteren Jahresprämie für jeden Jnhaberpaß bereitfinden, die Haftpflicht zu übernehmen. Wenigstens haben es die Vertragsgesellschaften sowohl be-' „Hubertus" in Gießen wie auch des Hessischen Jagdklubs getan. Jedenfalls ist ein Jnhaberpaß, wenn er nicht durch eine Versicherung gedeckt ist, ebenso ungültig wie ein anderer Jagdpaß ohne Deckung. H. Daten fnr Donnerstag 24. Oktober. 1601: der Astronom Tycho Brahe in Prag gestorben; — 1648: Westfalischer Friede: Ende des Dreißigjährigen Krieges. Bornotizen. — TageskolenderfürMittwoch. Stadttheater: „Der arme Heinrich", 19.30 bis 22 Uhr. — R. C. „Germania", Gießen: Generalversammlung, „Bayerischer Hof", 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Monolescu, der König der Hochstapler".— Astoria-Lichtspiele: „Der Postillon von Mont Cenis". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutig« Aufführung des Dramas „Der arme Heinrich" von Gerhart Hauptmann beginnt um 191 Uhr. — Eine öffentliche Versammlung für das Volksbegehren wird in unserem heutigen Anzeigenteil von dem Ortsausschuß für das Volks- begehren auf kommenden Freitag abend in die Turnhalle am Oswaldsgarten einberufen. Referent ist Dr. Brehm- Darmstadt. (Siehe heutige Anzeige.) * L. U. Von der Landesuniversität Gietzen. Da eine Besetzung des altte Rament» lichen Lehrstuhls zum Wintersemester 1929/30 nicht mehr möglich ist, wird die Vertretung in diesem Semester Prof. Sic. Eduard Sach tze aus Herborn übernehmen. ** 20000 Mark Staatsbeihilfe für den Gießener Flughafen. Aus Darmstadt w^rd gemeldet: Der im Etat für 1929 vorgesehene C^trag von 40 000 Mk. zur Unterstützung der Flugverkehrsunternehmungen wird in diesem Jahr nicht, wie bisher, zwischen Darmstadt und Mainz, sondern je zur Hälfte zwischen den Flughäfen Darmstadt und Gießen auf- getcllt werden, da der Flugplatz in Mainz ausgefallen ist. — In Gießen wird diese Beihilfe des Staates sicherlich allgemein begrüßt werden. Zu wünschen wäre aber noch, daß der Staat auch dem Gießener Stadttheater gegenüber bei der Bemessung der Staatsbeihilfe großzügiger als bisher verfahren möge. ** D i« Schnellzüge der Reichsbahn werden komfortabel. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft beabsichtigt, sämlliche Schnellzugswagen im gesamten Bereich der Reichsbahn wieder, wie vor dem Kriege, mit Fenstervorhängen aus dickem grünen Fries auszustatten. Diese Maßnahme soll noch zu Beainn der diesjährigen Kälteperiode durchgeführt werden. Die Reisenden werden die Anbringung von Fenstervorhängen, die sie gegen das Eindringen der Kälte in die Abteile schützen, sicherlich begrüßen. ** D i e Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Hes- s e n hält ihre diesjährige Hauptversammlung am 9. November in Gießen ab. Vormittags wird im I großen Hörsaal der Universität ,/Die Reform des Jrrenrechts" besprochen werden. Berichterstatter sind Geh.-Rat Professor Dr. Hoche, Freiburg i. Breisgau, und Med.-Rat Professor Dr. Dannemann, Heppenheim a. d. B. Nachmittags findet im Schwurgerichtssaale, Ost-Anlage, eine Vorstellung bedeutsamer kriminalistischer Typen statt. *• Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen. Man schreibt uns: Wie aus der gestrigen Anzeige ersichtlich ist, hält die Vereinigung am nächsten Samstag, 26. Oktober, abends 7l/s älhr beginnend, auf der Licbigshöhe einen Familienabend ab, wozu sie ihre Mitglieder mit deren Angehörigen, sowie auch die ehemaligen Gießener Realgvmnasiaften, die ihr noch nicht beigctre- ten sind, herzlich einlädt. Da von vielen Seiten der Wunsch geäußert worden ist, diese Wiedersehensfeier zu veranstalten, darf sicherlich mit einer starken Beteiligung auch der auswärtigen Mitglieder mit ihxen Damen gerechnet werden. Eine sehr reichhaltige Vortragssolge verspricht einen genußreichen Abend. Cs werden nicht nur eine Reihe von Herren und Damen der Vereinigung Mitwirken. - sondern es haben auch einige namhafte Künstlerinnen und Künstler in liebenswürdiger Weise sich in den Dienst der guten Sache gestellt. In seiner Ansprache wird der Vorsitzende der Giehener Ortsgruppe eingehend über den Stand der Denkmalfrage berichten. Die Vereinigung, die in der Pflege der Iugendfreundschaften und Kameradschaft ihre vornehmste Aufgabe sieht, beabsichtigt, im kommenden Jahre ihren im Weltkriege gefallenen Kameraden ein schlichtes, aber würdiges Ehrenmal zu errichten. Dieses soll anläßlich der im Sommer 1930 stattfindenden Feier des lOOjähri- gen Bestehens des Gießener Realgymnasiums eingeweiht werden. Es wird voraussichtlich in der Ludwigstraße vor der Front des Realgymnasiums seinen Platz finden, dessen Vorgarten nach Renovierung des Gebäudes in eine für die Oeffent- lichkeit zugängliche, gärtnerische Anlage umge- wandelt werden wird. •* Eine Warn-ung vor üblen Landstraße n. Dom Auto- und Motorrad-Club E. V. Gietzen wird uns mit,geteilt: In der am 6. Oktober in Alsfeld stattgehabten Iahreshaupt- dersammluirg des Gaues 3 b Hessen und Hessen- Rassau-Rord des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. wurde auf einstimmigen De- schluh der Teilnehmer folgende Entschließung angenommen: „Die Jahreshauptversammlung des Gaues 3 b Hessen und Hessen--Rassau-Rord des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club mit weit über 100 000 Mitgliedern hat in ihrer Tagung Klagen zahlreicher Gaumitglieder entgegennehmen müssen über die Beschaffenheit vieler Haupt- verbindungsstrahen im Gebiete des Regierungsbezirks Kassel, von denen z. B. die Straße Kirchhain—Marburg als völlig unbefahrbar bezeichnet wepden muß, daß sie einen Anspruch auf die Bezeichnung Straße überhaupt nicht mehr hat. Die Gauleitung sieht sich im Interesse ihvev Mitglieder veranlaßt, vor der Benutzung der Straße im Regierungsbezirk Kassel öffentlich zu warnen, und trägt sich sogar mit dem Gedanken, eventueU notwendig werdende Zivilklagen gegen den Straßeninhaber zu finanzieren, Klagen, die darauf hinausgehen, den Straheninhaber für Materialschäden, die lediglich auf schlechte Straßenbeschaffenheit zurückzuführen sind, haftbar zu machen. Die von den obersten deutschen Gerichten übereinstimmend festgelegte Rechtsprechung ist sich darüber einig, datz der Stratzen- inhaber für derartige Schäden aufkommen muh, und datz Warnungszeichen, wie — Achtung, Schlaglöcher! — und ähnliche eine derartige Haftung nicht im geringsten einschränken. Es soll auch weiterhin der Gedanke erwogen werden, ob es nicht möglich ist, die gesetzliche 'Vertretung der die Straße verwaltenden Behörden in fortgesetztem Falle fahrlässiger Außerachtlassung pflichtgemäßer Beaufsichtigung der Straßen und ihrer Beschaffenheit und Verkehrssicherheit persönlich haftbar zu machen." ” Der Kriegerverein Gießen hielt dieser Tage im „Postkeller" eine außerordentlich gut besuchte Monatsversammlung ab. Der große Saal war — wie man uns berichtet — bis zum letzten Platz besetzt, ein Zeichen des guten Zusammenhaltens und der treuen Kameradschaft. Der 1. Vorsitzende, Landgerichts rat Trümpert, begrüßte die Kameraden und deren Angehörige und konnte anschließend die Kameraden Georg, Hain b ach, Wootz und Schilling, die anläßlich des Derbandsschietzens der Kriegerkameradschaft „Hassia" die Verbandsmeisterschaft errangen, burd) Ueberreichung von Diplomen und des wunderbaren Wanderpreises ehren. Es ist lobenswert, daß der Kriegerverein den edlen Schießsport pflegt und den großen Erfolg erringen konnte. Rachdem einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt waren, erstattete Kamerad Klein einen Bericht über den Reichs- kriegertag in München. Kamerad Kretschmer schilderte kurz seine Erlebnisse anläßlich einer Reise nach den Schlachtfeldern bei Verdun, die ebenfalls mit großem Interesse ausgenommen wurden. Der Abend wurde umrahmt von einigen Musikvorträgen der Hauskapelle unter Leitung des Kameraden Weller, so daß alle Teilnehmer befriedigt von dieser Versammlung waren. •* Vorträge über Prag. Am Sonntagabend veranstaltete der Goethc-Bund in der Reuen Aula feinen zweiten dieswintcrlichen Vortragsabend. Dr. Oskar Schürer, Prag, sprach über „Prag, ein bläuliches Schicksal". In der Einleitung zeigte der Redner zunächst die Art und Weise, wie man Städte besichtigen soll und wie sich die Städte mit ihren Bauwerken als Schicksalsgestalten zeigen. Auf die Verhältnisse der sehr lebendigen Großstadt Prag (800 000 Einwohner, darunter nur 40 000 Deutsche) eingehend, versuchte der Vortragende das Geheimnis dieser alten, an prachtvollen Bauwerken so reichen Stadt zu ergründen. Zu diesem Zwecke zeigte er eine große Anzahl von Lichtbildern, die zunächst den außerordentlichen Unterschied der Bauwerke in Ausdruck und Form, je nach dem Zeitalter der Entstehung, veranschaulichten. Er erläutert: weiter die Entstehung, Gestaltung und Entwicklung Prags, sowie die Beeinträchtigung alter mächtiger Bauwerke durch die Errichtung von Anbauten in späterer Zeit. Als Gegensatz zu den Bauarten in Prag zeigte der Redner die Bauweise in Paris, die eine klare Führung aufweist, in großen Leitlinien entlangzieht, dem Auge aber Gelegenheit zur Ruhe läßt, während man bei der Besichtigung der Bauwerke von Prag sich weitergezerrt fühlt, ohne Ruhepause. Als Zwischenstufe der Bauweisen in Prag, und Paris zeigte der Redner Bilder von Augsburg. Weiter unterzog er die einzelnen Bauwerke in Prag einer eingehenden Betrachtung, dabei die Stimmung der Formen besonders kennzeichnend und erwähnend, daß viele Kunstwerke aus alter Zeit heute in Prag modernen, nüchternen Ge- schäftsbautcn weichen müssen. Der Vortragende sprach dann noch von den sehr beengten Der- lehrsverhältnisien der Altstadt Prags und der beabsichtigten Maßnahmen zur Abhilfe dieser Mißstände. Weiter zeigte er noch in sehr interessanter Weise, wie sich das Schicksal dieser Stadt in seinen Bauwerken ausgeprägt hat. Er schloß mit dem Hinweis, daß der Deutsche in Prag viel von seinem Schicksal erleben würde. — Am Montagabend sprach Dr. Schürer auf Einladung des KaufmännischcnVereins und des Ortsgcwcrb evercins über das gleiche Vortragsthema vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft in der Reuen Aula. Wie am Vorabend, so bereitete der Redner auch hier seinen Hörern durch Wort und Bild einige genußreiche Stunden, für die ihm mit lebhaftem Beifall gedankt wurde. ** „Eine Wa nderung durch Thüringen." Der Deutschnationale Handlungsgehilfen- Verband veranstaltete im Rahmen seines Wintcr- bildungsplanes diesen Lichtbildervortrag am vorigen Freitagabend im Katholischen Vereinshaus. Der Geschäftsführer Rudolf Drzezinski vorn D. H. V. versuchte in seinen Degleitworten die Besucher mit der Schönheit unseres Vaterlandes in Thüringen vertraut zu machen. Die gut ausgeführten Diapositiv-Bildcr zeigten Ausschnitte aus der Landschaft mit DevölkerungS- typen, Waldwege mit Durchblicken auf Burgen und Schlösser, wie Wartburg, Schloß Ältenstein, Burg Liebenstein, Wilhelmsburg, Rheinhards- brunn, Elgersburg. Schwarzburg, Heidecksburg, Schloß Lobeda des D. H. B., Dornbura, Freyburg, Schönburg, Rudelsburg und Saaleck. Daneben erschienen auf der Leinewand die Bilder denkwürdiger Stätten, wie Eisenach, Ruhla, Schmalkalden, Jena, Raumburg, Pforta, Bad Kösen, Lutherstübchen in der Wartburg, Elisa- bethenkemenate, Lutherkeller in Eisenach, Cyriaks- kirchen-Ruine bei Camburg und Gotha. Wan kaim sagen, daß die Bild-Wanderung durch diesen deutschen Gau sehr stark interessiert hat. ** GDA. »Iugendführertagung. Wan berichtet uns: Der Iugendbund des Gaues Hessen im Gewerkschaftsbund der Angestellten (GDA) hielt in den altehrwürdigen Mauern des Schiffen- bcrgs eine Führertagung ab, die einen starken Eindruck hinterließ. Aus Darmstadt, Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Limburg, Kassel,Wetzlar usw. waren die Iugendobleute und Mädelsführerinnen eingetroffen. Theo Kisselbach (Frankfurt a. M.) verstand cs am. Vorabend ausgezeichnet, mit seinen Vorschlägen für frohe Heimrunden und „Unterhaltungsspiele" die Lacher auf seine Seite zu bringen, und vielen ging es gewiß zu früh in die Lagerstätten (Scheunen und Zeltlager). Am Sonntagmorgen um 6 Uhr begann das Wecken mit anschließender Morgengymnastik für Jungens und Mädels. Die Morgenfeier im Walde leitete die Tagung ein. Bei der Rückkehr waren inzwischen das Bundesvorstandsmitglied Borchardt (Berlin), sowie der Leiter der Volkshochschule Gietzen, Walter H c - gar, eingetroffen. Rach kurzer Begrützung durch Drost (Frankfurt a. M.) uni) Geschäftsführer Mack (Gietzen) sprach Herr H e g a r über „Die Psychologie des Jugendalters", indem er die Behandlung der Altersgruppe von 14 bis 15' § Jahren und 15'/r bis 18 Jahren unterschied. Er Zeigte die Spannungen, welche diese jungen, unfertigen Menschen belasten, und hier den Ausgleich in freundschaftlich-beratender Weise zu schaffen, sei Mission des Jugendführers. Der Führer dürfe dabei aber nicht in seiner eigenen Entwicklung steckenbleiben, sondern müsse auch an seiner eigenen Entwicklung fortarbeiten. Einen engeren Könnet zwischen Volkshochschule und der heranreifenden Jugend herzustellen, sei bisher leider mißlungen, müsse aber die erstrebenswerte Aufgabe sein. Der Redner warnte vor einer Belastung, wie sie auherberufliche Betätigung bei Scheinfirmenarbeiten und dergleichen mit sich bringe. Leider konnte Herr Heg ar infolge anderweitiger Verpflichtung der regen Diskussion, die seine Ausführungen hervorgerufen hatten, nicht mehr beiwohnen. Er hätte dabei erfahren, datz die Jugend gerade in der außer- beruflichen Betätigung den Ausgleich sucht und findet, den Herr Hcgar als Belastung betrachtet. Die Freiwilligkeit dieser Detättgung ist es, welche ihr erst Wert und Gehalt verleiht. Gerade diese • Aufgabe, richtig erfatzt, macht die Arbeit des Jugendführers, der selbst noch in der Entwicklung steht, so außerordentlich schwer und vielseitig. Reife Menschen seien nicht die resignierten, sondern die schöpferischen Menschen, die nicht geistig tot sind, sondern geistig belebend wirken. Denn Leben ist Bewegung, und ohne Bewegung kein Fortschritt. Die Jugend will den Fortschritt, den nur reife Menschen formen können. „Vom hohen Sinn der Gemeinschaft" sprach Herr Borchardt (Berlin), und er führte u. a. aus, daß wir heute „nur darin einig seien, daß wir einiger werden müßten". Versöhnung und Vertrauen sind die Grundlagen der Gemeinschaft, die wir erstreben. Dietz (Frankfurt a. M.) gab Anleitungen zum Singen in den Gruppen, Keller (Darmstadt) „Raturbetrachtungen beim Wandern" bei praktischer Anschauung im Herbstwald. Gegen 2 Uhr begannen die internen Beratungen Hierbei wurde die Werbearbeit, Winterarbeit, Ausgestaltung der Winterabende eingehend behandelt. In die Themen teilten sich Drost (Frankfurt a. M.). Görde (Offenbach), Winter (Kassel), Riede n t h a l (Offenbach). Die fruchtbaren Anregungen fanden lebhaftes Interesse und bezeugten die innere Verbundenheit in der Gemeinschaftsarbeit des GDA. unter dem Leitsatz: „Unsere Arbeit dient dem Gemeinwohl". Kleine Strafkammer Gießen. • Gietzen, 22. Oft. Die heutige Sitzung war kurz, da zwei Angeklagte ihre Berufungen in den anstehenden Sachen zurücknahmen. Es wurde verhandelt gegen einen Geschäftsmann aus Friedberg und dessen Frau, die nach ihm, wenn auch nur formell, Geschäftsinhaberin gewesen war, wegen Vergehens gegen die Reichs- versicherungsgesehc. Beide hatten Beiträge zur Kranken-, ■ Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, die sie einbehalten oder ausbezahlt erhalten hatten, nicht an die Versicherung abgesührt. Vom Amtsgericht Friedberg war deshalb der Mann zu Geldstrafen von zusammen 300 Mk., die Ehefrau zu 70 Mk. verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft verfolgte dagegen Berufung wegen der Strccchöhe. Wegen der beträchtlichen Höhe der hinterzogenen Beträge wurde die Strafe des Angeklagten um 2 0 0 Wk. erhöht, die Berufung gegen die Angeklagte wurde zurückgewiesen, da im Hinblick auf ihre Rot- läge die Strafe ausreichend erschien. L. BERN ARD :.ock6 für Mäntel und Besätze FELLPLUSCHE im 828 ID Die Polsterer-,Tapezierer- u.Sattler-Innung für Stadt und Kreis Gießen 8735D 25. Oktober, nachmittags 3 Uhr, statt 375OD TRAGT DIE GUTE SCHMÜCKER-KLEIDUNG 7085A Blumenzwiebeln 8 Damenhüte Telephon 3403. 8250A Herbstpreisliste kostenlos zu Diensten! Gießen Herborn 863) A unsere Kundschaft. 873 D Quatttatswaver U681U Mchhaus.Lmehaven' Marktstraße 14 Gießen Telephon 2412. Auserlesene 11 Kaufhaus HAHSA Kunstgewerbehaus Jul. Bach z Kristall Seltersweg 28 zugeben 06T7» 854/A SelterSweg 70 U. 3 5 Verfangen Eie auSführl. 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Die Trauerfeier vor der Einäscherung findet Freitag, den 25. Oktober, nachmittags 3 Uhr statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 87«80 (o d) (° v) v) w y (-> y (0 J v) y % X1A \c\ L •n alie, ?’n p«liter. 'EIDUNG izwiebeln n- einfache und gefüllte wissen, Krokus, Schnee* Scilla usw. für Zimmer- feine Gartenbeete und muck in gesunden, blüh- Uen empfiehlt preiswert Heinrich Hahn raße, Ecke Wolkengasse 3403. 8250A iste kostenlos zu Diensten! »eleuchtungskörper Kronen und Kränze ö nu&baum empnebll 106811 ’z Montage Jlr. 20. rofdorh V ,eirilW,B O O w* i« e,'W *«««;■ »w* sä« ,, 70^ itober 1929 beginnt unser el-illi® iorf, Gasthof Frle». für undschaft Itag. dem 25. Oktober 929 SS Uhr, findet im Gasthof (großer Saal) eine Imvorführung Eifllrüt für lii»»«“ ’TeH MM-W.Ii>»' .ßeo.narktplatiä^__ 8»®*1 l» bitit” SL de» 31. aeWÄ ©««‘"SU SS ZA zrebfamer Donlem cit, auch cail in cm- rieb-N niet 06812 zLn^erb' rfer »er. - 15. Md. TenniO*r' edenjs] LieÄbrc Ize ebnetet bei w ottitr. 71. llren E Vereine T-onnersiag'^O^ flanplprobe Ä sS'/FVrVUllktüch' „uo Dorfiand« '^710 Ifjl W W M Z . u Nn H Nr. 249 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 25. ©Höbet 1929 Das „röteste" Land der Erde. Zum Liege der Arbeiterpartei inAustralien. Don unserem (k)-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. London, Oktober 1929. Nun hat auch Australien wieder eine Ar- beiterrcgierung. Der Nationalist Mr. Druce, der Nachfolger von Mr. Hughes, hat, nachdem er 6'/z 2ahre lang fast unumschränkt regiert hatte, bei den Oktoberwahlen dieses Jahres eine vernichtende Niederlage erlitten, zusammen mit der ihm verbündeten Landpartei. Also ein Wechsel der Innenpolitik Australiens? Was geht das uns an, wird man fragen. Liegt denn nicht Australien so fern von aller europäischen Politik, daß es schließlich gleichgültig sein kann, was sich dort ereignet? — Gewiß, wenn man die große Linie der Weltpolitik betrachtet, um von Europa und seinen Streitereien ganz zu schweigen, so wird sie durch den Wahlausfall in Australien kaum berührt. 3a, nicht einmal die reichsbritische Politik wird durch den Wahlausfall in Australien ernstlich betroffen. Und doch sind die Ereignisse auf jenem kleinsten Kontinent, der fern im Süden sein Sonderdasein führt, bemerkenswert: weil sich aus ihnen eine Lehre ableiten läßt, die auch für uns Europäer und Deutsche wichtig ist. Denn Australien, das weiße, fast nur von Angelsachsen bevölkerte Land ist „das ,rö t e st e‘ Land der Erd e". 3n Australien herrschen sozialistische Auffassungen und sozialistische Organisationen in einem Außmahe, wie das sonst auf der Erde nur noch in Sowiet-Nußland vorkommt, das ja aber wohl aus Dem Stadium des eigentlichen Sozialismus längst heraus ist. In Australien ist das bestimmende Clement, im positiven wie im negativen Sinne, der Arbeiter und seine Organisationen, die ©ewerkschaf- t e n. Um das Wohlergehen der Arbeiter drehen sich alle Fragen in diesem jungen Koloniallande, das, außer der großen Masse der Arbeiterschaft, die etwa vier Fünftel der gesamten Bevölkerung ausmacht, so gut tote keinen Mittelstand und nur geringfügige bäuerliche Besitzungen, und im übrigen nur wenige Großgrundbesitzer kennt. Die Frage, wie der einzelne Arbeiter lebt, d. h. wie hoch sein Lebensstandard ist, oder andersherum gesehen, wie hoch der Lohn zu fein hat, den der einzelne Unternehmer zahlen muß, wieviel Stunden gearbeitet werden darf, wann Entlassungen ftattzufinden haben, sind das A und O der gesamten inneren Politik. Und die Gewerkschaften, die von den Arbeitern als Derfechter dieser Politik anerkannt werden, sind daher, obwohl nur etwa ein Drittel der Arbeitnehmerschaft in ihnen organisiert ist, die eigentlichen Träger der innerpolitischen Macht und des Kampfes um den Lohn; während die Führerschaft der anderen Parteien — der Agrarischen Landpartei und der Nationalisten (bürgerlicher Mittelstand, Hausbesitzer, Industrielle und alteingesessene Stadtbevölkerung) — stets nur eine ephemere Rolle spielen, da ja auch sie in ihren Programmen Ansichten vertreten, die man in Europa von sozialistischen nicht unterscheiden könnte. Nirgends in der Welt werden so hohe Löhne wie in Australien gezahlt, und nirgends gehen die Wohlsahrtseinrichtungen des Staates so weit wie hier. Arbeitslosenunterstützung, A.terspensionen, Zwangslöhne, Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer, Schlichtungsverfahren, Staatsunternch- munacn, — alles das ist in Australien seit langem Wirklichkeit, so daß selbst der radikalste Reformer hier nur weniges neu einzuführen vermöchte, da auch die Prinzipien der Demokratie — Selbstverwaltung, freies Wahlrecht, so fest eingewurzelt Liebe in Ketten. Roman von Hans Mittewewer. Copyright by Martin F uchtwanger. Halle (Saale). 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten Er antwortete nicht gleich, sondern furchte etwas die Stirn. Dann sprach er: "Was du mir beichten kannst, Käthe, ja. das werde ich dir verzeihen können, denn nie kannst bu etwas getan haben noch tun, was gegen meine Ehre wäre. Alles andere ist ja nichts..." Er merkte nicht, wie Käthe leicht erschauerte. „Nichts gegen seine Ehre!" dachte sie. lind sie"? Hatte sie nicht das Schlimmste gegen ihn getan, was es überhaupt geben konnte? Aber sie nahm sich zusammen. Noch einmal bannte sie die Furcht aus dem Herzen. Sie war zwar jenem angetraut worden, aber sie war in Wahrheit nie seine Frau gewesen. Und jetzt wußte sie doch, daß er sie mit aller Absicht verlassen hatte, nicht durch einen Unglücks i all gehindert worden war, zu ihr zurückzukehren. Sie hatte sich schon bemüht, herauszufinden, warum er so gehandelt hatte, doch sie hat c cd sich nicht denken können. Sie meinte indessen, einmal gehört zu haben, daß eine Ehe geschieden werde, falls der eine Gatte den anderen böswillig verließ. Und das war doch' hier der Fall gewesen! Aber sie wollte jetzt nicht an Berndt Klausen denken. Sie wollte Felix sagen, daß sie Kellnerin gewesen war. Doch als sie anhob, davon zu erzählen, da lächelte er abermals und sagte: ..Hast du dich deswegen so geängstigt. Liebste? Dann tust du mir ausrichtig leid. Aber auch ich muß dich um Verzeihung bitten, daß ich nicht früher schon auf diesen Punkt gekommen bin. Käthe, als ich dich in Nonnenwerth wiedersah. da wüßte ich sogleich, daß ich dich schon kannte. Aber nur eine gab es die dir ähnlich gewesen war. jenes arme Mädchen, dem ich Helsen konnte, und das ich nie vergessen habe. Ich will dir nur gestehen, daß ich dir mit dem nächsten Zuge nachgefahren bin, in der Hoffnung, dich wiederzu- finböii,, ,l< „Und wenn du mich gefunden hättest?" fragte sie atemlos vor Erregung. Da schaute er sie mit einem Blick voll innigjter Liebe an und sagte tiefernst: „Käthe, dann hätte ich dich schon damals gefragt, ob du meine Frau werden wolltest!" „Das arme Mädchen ohne Namen, das du kaum kanntest?" „Dich, Käthe! Du hattest es mir angetan, als ich dich auf dem Dampfer erblickte. Deine stille Trauer griff mir ans Herz, und ich sah doch, sind, daß es einen Australier Wundernehmen wollte, wenn man ihm erzählen wollte, dah es noch andere Formen des politischen Lebens gibt und daß andere Länder anderen Notwendigkeiten gehorchen. Also ein Arbeiterparadies? — 3a und ein! Was Sozialismus und Demokratie im Formalen erreicht haben, das haben sie materiell gefehlt. Denn das große sozialistische Experiment, oas man in Australien versucht, hat Geld und nochmals Geld gekostet. Die Bundesstaaten, in die sich das große „Gemeinreich" (Commonwealth) gliedert, sind, ebenso wie der Gesamtbundesstaat Australien, heute dermaßen nach außen und innen verschuldet, daß kein ausländischer Staat Australien auch nur mehr einen Pfennig leiht. Zu viele Defizits im Haushalt sind mit Anleihen gedeckt worden. Und sind die Löhne hoch, so sind es auch die Steuern und Zölle, die heute so hoch geschraubt worden sind, daß sogar die Bereinigten Staaten mit Repressalien drohen. Gewiß sind viele Anleihen, gewiß sind die letzten Zollerhöhungen gemacht worden, um die einheimische australische 3ndustrie zu stützen und zu entwickeln — weil man den Arbeitern ihr Brot erhalten wollte — aber alles das ist gescheitert an der Höhe der Löhne. Die hohen Löhne haben die Erzeugnisse Australiens auf dem Weltmarkt fast unverkäulich gemacht und eine 3ndustrie nach der anderen zum Schließen gezwungen. Selbst der vorzügliche australische Weizen und die ebenso gute australische Wolle sind auf dem Weltmarkt schwer loszuschlagen, weil sie zu teuer sind. Die Folge dieser Wirtschaft ist, dah auch die Arbeitslosigkeit im Lande ständig wächst, und daß man nach allen möglichen Rezepten sucht, um die kranke australische Wirtschaft zu heilen. Aber nicht etwa, daß man eine Politik der Lohnermäßigung triebe — das verhindern immer wieder die Gewerkschaften, deren Existenz ja davon abhängt, dah sie die Höhe der Löhne verteidigen, obwohl man längst erkannt hat, dah es so nicht weitergeht. Infolgedessen sind erbitterte Streiks und Boykotte in einem Ausmaß und einer Heftigkeit, wie wir sie nicht kennen, seit 3ahren an der Tagesordnung. Und die weitere Folge ist, dah die Schlichter, oder genauer, die Schiedsgerichtshöfe für Lohnfragen eine Bedeutung im Leben der australischen Nation gewonnen haben, wie sonst nirgends auf der Welt. Bon der Politik dieser Schiedsgerichtshöfe hängt eben das Wohl und Wehe des ganzen Landes ab. Hnö über diese Frage ist denn auch das als gemäßigt sozialistisch zu bezeichnende Kabinett Bruce bei den letzten Wahlen gefallen. Australien hat nämlich noch aus der Zeit her, da es in mehrere, sich gegenseitig auf das heftigste befehdende, selbständige „Länder" zerfiel, alle Staatseinrichtungen, al'o auch die Sch.edsgerichts- höfe, doppelt. Neben der Bundesregierung hat somit jeder Staat seine eigene Schlichtungsund Lohnpolitik. Der Erfolg ist, dah in den lebenswichtigen Gojnfragen ein Durcheinander herrscht, wie es schlimmer nicht denkbar ist. Druce faßte daher einen sehr vernünftigen Ent- schluh: er stellte das Land vor die Wahl, entweder die bundesstaatliche oder die Länder- schiedsgerichtsbarkeit abzuschaffen. Da die Länder sich ihre Schiedsgerichtsbarkeit nicht nehmen lassen wollten, legte er dem Parlament ein Gesetz vor, das die bundesstaatliche Schlichtung abschaffen sollte. Das aber wollte wieder das Parlament nicht, da es damit die lebenswichtige Frage der Lohnpolitik einem noch größeren Durcheinander überantwortet hatte, weil der Verzicht auf eine bundesstaatliche Schlichtung jede Ordnung der.Lohnstreitigkeiten im gesamten Australien beseitigt haben würde. Aus diesem Grunde ist Bruce bei den Wahlen auch unterlegen, da die Arbeiterschaft darüber hinaus befürchtete, daß die Abschaffung der Reichsschlichtung sie in den einzelnen Staaten der Willkür der Unternehmer ausliefern würde. So will es die 3ronie der Geschichte, daß die australische Arbeiterpartei die Regierung des Landes in einem Augenblick übernehmen muh, in dem ein Abbau der Löhne für Australiens besonders geartete Wirtschaft zur Notwendigkeit geworden ist, und zwar — obwohl der Wahlsieg auf einer Wahlparole beruhte, die eine weitestgehende Sicherstellung der Arbeiterrechte verlangte. Ob sie die einzig mögliche Folgerung aus der Lage ziehen wird? Australien wird uns und unseren sozialen Problemen ein lehrreiches Beispiel fein. Oberheffen. Landkreis Gictzcn. * Leihgestern, 22. Ott. Von den Gemeinderäten Arnold, Seipp und Funk wird uns geschrieben: „3n der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers befand sich ein Bericht aus Leihgestern über die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen des Weltkrieges, worin der letzte Sah lautet: „Nachdem nun die Entscheidung gefallen ist, daß und wo das Denkmal errichtet werden soll, darf man wohl annehmen, dah auch die anfänglichen Gegner dieses Planes sich damit aussöhnen, so daß es schließlich die ganze Gemeinde ist, die mit dem Denkmal ihre Gefallenen ehrt." Hieraus könnte der Uneingeweihte folgern, daß es in Leihgestern Leute gäbe, die gegen eine Kriegerehrung gewesen seien, oder noch sind. Wir legen Wert darauf festzustellen, daß wir niemals auf diesem Standpunkt gestanden haben, uns nur dagegen gewandt haben, dah Ausgaben in so hohem Mähe (es handelt sich um 10 000 Mk.) bei der gegenwärtigen schlechten und unsicheren Wirtschaftslage auf Kosten der ohnehin sich in großer Not befindlichen Steuerzahler gemacht werden. Schließlich hätte man auch dem in Kürze neu zu wählenden Gemeinderat einen Beschluß von so hoher finanzieller Auswirkung überlassen sollen. Wir Gemeindevertreter legen Wert auf diese Feststellung, weil wir es nicht unwidersprochen hinnehmen können, als diejenigen zu gelten, die es abgelehnt hätten, den Gefallenen des Weltkrieges, mit denen wir Schulter an Schulter in vorderster Linie gestanden haben und die größten Gefahren und Entbehrungen erleiden und zum Teil schwer bluten muhten, die Ehre zu erweisen, die ihnen gebührt. Als Gemeindevertreter haben wir jedoch auch das Recht und sogar die Pllicht, die Angelegenheit auch von ihrer finanziellen Seite zu beurteilen." Klein-Linden, 22. Olt. Der Altveteran Heinrich Knapp !., Eisenbahnbremser im Ruhestand, feierte gestern seinen 8 4. Geburtstag. Er hat an den Kriegen 1866 und 1870/71 als Kürassier und Ulan teilgenommen. Als die schwerste Schlacht in den beiden Kriegen bezeichnet der Veteran die bei Königgräh in 1866, wo er als 20jähriger Soldat schwer gekämpft habe. Aus Anlaß seines Geburtstages ließ ihm der Herr Reichspräsident von Hindenburg ein Glückwunschschreiben nachstehenden Inhalts zugehen: „Zu 3hrem 84. Geburtstag, den Sie heute feiern, lasse ich Ihnen ails altem Mitkämpfer von 1866 meine herzlichsten Glückwünsche nebst kameradschaftlichen Grüßen übermitteln.“ Als Geburtstagsgeschenk lieh ihm der Herr Reichspräsident fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift überreichen. Der Altveteran erfreut sich noch bester Gesundheit und erzählt noch gerne von seinen kriegerischen Erlebnissen Und Isolde brannte lichterloh vor Eifersucht! Sie hatte Felix immer geliebt, liebt? ihn noch und hatte auch jetzt die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn trotz allem noch zu erringen. Das konnte aber nur glücken, wenn sie Käthe von feiner Seite riß, wenn sie ihn dazu brachte, das Weib zu verstoßen, das er jetzt liebte. Sie wußte, daß eine echte Herzensneigung die beiden zueinander geführt hatte und verband. Sie lachte höhnisch. Auch die reinste Liebe kann vergiftet werden durch Verleumdung. Und Isolde Kletten wollte damit nicht sparen! Aber sie wollte Beweise sammeln, durch die sie ihren verleumderischen Worten den Schein der Wahrheit geben konnte! Die Morgenpost hatte für Käthe einen Brief von Tante Adelheid gebracht. Erfreut öffnet? sie ihn. Aber sie erblaßte, als sie ihn las. Da Käthe nichts sagte, schaut? Felix endlich auf und sah, wie verstört sie war. Sofort erhob er sich und eilte zu ihr, sie mit einem Arm umschlingend. „Liebste, Las ist dir?" fragte er zärtlich. „Hast du eine schlechte Nachricht erhalten?" Da schaute sie ihn verwirrt an, zögerte einen Augenblick und reichte ihm den Brief. Felix Turnau las: „Mein liebes Käthchen! Ich habe mit großer Freude aus Deinen Briefen erfahren daß Ihr beide so sehr, sehr glücklich seid, und immer wieder bitte ich Go.t, Daß er Euch dieses Glück erhalten möge. Ich freue mich unbeschreiblich, Dich wiederzusehen: doch daraus werde ich wohl noch einige Zeit warten müssen. Deshalb fahre ich einstweilen nach Nonnenwerth, obwohl es dort sehr einsam sein wird. Heute aber möchte ich Dich warnen, mein liebes Kind. Du hast eine heimliche Feindin: Isolde von Kletten. Ich sagte Dir früher einmal, daß man eine Zeitlang überzeugt war, Felix würde sie heiraten. Cs ist zwar ein Irrtum gewesen, aber immerhin muß etwas zwischen den beiden bestanden haben — vielleicht nur ein Flirt von ihrer, ein kleiner Leichtsinn von seiner Seite. Jedenfalls ist sehr wahrscheinlich, daß Isolde sich allerhand Hoffnungen gemacht hat. Da diese nun durch Eure Heirat enttäuscht worden sind, scheint sie sich rächen zu wollen. Sie hat aus- spioniert, daß du in jenem Cafe warst und hat sich, allerdings vergeblich, bemüht, von der Wirtin e twas über Dich zu erfahren. Sie ist auch bei Herrn von Dodenstein gewesen, der mir das alles mitgeteilt hat Iedensalls warne ich Dich, Kind! Laß kein Geheimnis zwischen Dir und Felix fein---“ Weiter las Felix nicht. „Glaubst du wirklich, Kind, daß diese Isolde uns trennen oder auch nur veruneinigen könnte?" daß du ohne dein Verschulden Schweres erlebt haben mußtest ..." „Ohne mein Verschulden, Felix?" Da streichelte er ihre Wangen und küßte sie, und bann fuhr er fort: „Ia, ohne dein Verschulden! Denn, Käthe, ein Gesicht wie das deine kann nicht lügen. Man kann auf ihm alles lesen, was in dir ist. ilnb was dir auch immer geschehen fein mochte, es war dir zugestoßen ohne dein Verschulden. Weil du es aber so tapfer trugst, weil bu niemand hattest, dem du dich anvertrauen konntest, deswegen folgte ich dir dann nach der Landung, und deshalb fuhr ich dir nach. Ich fand dich nicht, Käthe, und ich war deshalb sehr traurig. Doch ich gab die Hoffnung noch nicht auf. Als ich dich bann in Nonnenwerth toiebersah, ba wußte ich, baß bu es seist..." „Du hattest mich vorher schon wiebergesehen, Felix!" unterbrach sie ihn. „Daraus wollte ich eben kommen, Schah. Damals wußte ich, baß nur bu meine Reisebekanntschaft und jenes Mädchen sein konntest, bas ich in dem Casö traf. Ich staunte, als Tante Dctlrup mir später sagte, du seist direkt aus Iava gekommen, aber ich habe “fein Wort gesprochen. Jetzt indessen sollst du hören, daß ich doch überzeugt war, bu seist jene Unbekannte unb jene Kellnerin gewesen." Unb trotzdem hast bu um mich geworben? „Ich liebte bich ja, Käthe. Ich sagte bir schon, baß ich bich auch geheiratet hält?, wärest bu nur ein armes Mädchen gewesen!" Da schlang Käthe beibe Arme um seinen Hals und küßte ihn stürmisch. „Du bist so gut, Felix!" rief sie. „Nun toctß rch, baß du mich immer lieben unb mir immer vertrauen wirst!" Immer unb unter allen Umständen, Käthe. Ich habe es bir boch auch geschworen!" Da erst war Käthe ganz ruhig. Nun glaubte sie, baß sie ber Zukunft ruhig unb getrost entgegensehen könne, unb brauchte sich nicht mehr vor dem zu fürchten, ber wie ein Schreckgespenst so plötzlich wieder vor ihr aufgetaucht war. Isolde von Kletten hatte, Haß und Neid im Herzen, alles aufgeboten, um hinter das Geheimnis zu kommen, das nach ihrer festen Ueber- zeugung mit ber Person Käthes verbunden war. Sie merkte wohl, baß hier etwas nicht stimmte. Frau Dottrup hatte gesagt, ihre Nichte fei unmittelbar aus Duitenzorg gekommen. Das war eine Lüge! . Isolde Kletten wußte, baß jene Kellneren tn dem Casö unb bie jetzige Gattin Felix von Tur- naus dieselbe Person war. Die Augen ber Liebe sehen scharf, die Augen ber Eifersucht sehen noch schärfer! und von den alten Zeiten. Außer Knapp leben noch weitere drei Altvetevanen, der 86jährige> Landwirt Georg Schmidt, der 84jährige Landwirt Philipp Iung IX., und ber 83jährige Eisenbahnbremser im Ruhestände August Sieger!. in unserer Gemeinde. * Mainzlar 22. Oft. Am Samstag sprach in einer öffentlichen, stark besuchten Bruderversammlung des Jungbeutschen Ordens Mainzlar der Großkomtur für Hessen-Nassau unb Waldeck, Bruder Stößner, über Ziele und Richtung der Volksnationalen Aktion und über das Volksbegehren. Bruder Stößner, der über eine glänzende Rednergabe verfügt, fand mit feinem überzeugenden Vortrag starken Beifall. Lieder- unb Mufikoorträge der Bruderschaft Mainzlar verschonten den Abend. Da die Bruderschaft stark gewachsen ist, sind für den kommenden Winter zur eigenen Belehrung eine Reihe weiterer Vorträge, die auch wieder als öffentliche Vorträge anzusehen sind, vorgesehen. Die Gründung einer Iungdeutschen Schwesternschaft ist im Gange. t Treis a. d. Lda., 22. Oft. Am Sonntagvormittag wurde in unserer Kirche das diesjährige Erntedankfest gefeiert. Die Konfirmanden trugen in feierlichem Zuge bie Erntegaben in bie Kirche unb legten sie unter Aufsagen von passenben Strophen aus Gerocks Erntebanklied auf ben Altar. An ber feierlichen Ausgestaltung bes Gottesbienstes wirkten noch ber Kirchengesangverein, ber Posaunenchor unb bie Schüler ber 1. Klasse bahier mit. Abenbs hatte der Musikschüler vom Hochschen Konservatorium Heinrich ©rau von hier unter Mitwirkung von Drei weiteren Künstlern ein Instrumentalkonzert veranstaltet, bas von gutem Geschmack bei Auswahl ber Stücke und hoher künstlerischer Auffassung und Kunstfertigkeit zeugte. Cs kamen Stücke für Klavier, Violine, Cello unb Klarinette von M. v. Weber, Urbach, Chopin, Beethoven. Offenbach unb ©rünfelb xum Vortrag, bie bei ben Zuhörern großen Beifall fanben. — Gegenwärtig wird die Hauptstraße unseres Dorfes mit einem Teerüberzug gegen die Staubplage versehen. — Die Erbarbeiten für bie Anlage ber W a s s e r - lei tun g in ber neuen Weiherstraße sind bem Maurermeister Gotthard A m e n d bahier übertragen worben, ber auch sofort mit ber Arbeit begonnen hat. 4 Rüddingshausen, 22.Oft. In der Nacht auf Montag wurden hier und in dem benachbarten Deckenbach drei Einbruchsdieb stähle vet- übt. Die Tatsache, daß der oder die Einbrecher genaue Ortskenntnis besessen haben müssen, läßt dar- auf schließen, daß kein Fremder in Betracht kommt. Die Diebstähle wurden in Rüddingshausen bei Gastwirt Wißner und bei Anselm Simon, in Deckenbach in der Gastwirtschaft Müller verübt. In der Gastwirtschaft Wißner soll ein größerer Geldbetrag dem Spitzbuben in die Hände gefallen sein. Bei Simon revidierte der Einbrecher die Ladenkasse, fand dabei aber nur einige Groschen Wechselgeld. In der Gastwirtschaft Mülle r-Dcckcn- bach wurde die Schublade, in der die Postwertsachen, Briefmarken u. dgl. aufbewahrt wurden, erbrochen und ein größerer Geldbetrag gestohlen. s. Trais-Horloff, 22. Ott Am Sonntag wurde in unserem Kirchspiel, zu bem noch Jnhei- ben unb Utphe gehört, bas Crntebankfest gefeiert. Die Feier war stark besucht und nahm einen schönen Verlauf. Die Kinder hatten das Gotteshaus mit Blumen und den verschiedensten Früchten von Feld und Garten hübsch ausgeschmückt. Pfarrer Weber wies in seiner Predigt auf die Bedeutung von Same und Ernte im menschlichen Leben hin, die hier ebenso unlöslich wie in Der Natur in Zusammenhang stünden. Es wurde eine Kollekte für die Beschaffung neuer ©locken erhoben, die einen ansehnlichen Betrag ergab. „Felix, sie liebt dich!" entgegnete Käthe zitternd. „Sie hat vielleicht geglaubt, ein Recht auf dich zu haben!" „Dann hat sie sich bas eingebildet", versicherte er. „Och habe mich eine Zeitlang wohl von Isolde blenden laßen. Du wirst ja zugeben, daß sie einen Mann durch ihre Erscheinung zu blenden vermag. Doch als ich Einblick in ihren Charakter tun konnte, habe ich mich sogleich zurückgezogen. Und vor allem mußt du mir glauben, Schah, baß ich nie ein Wort von Liebe zu ihr gesprochen habe. Ich habe", fuhr er lächelnd fort, während seine Augen strahlten, „bie wahre Liebe erst kennengelernt, als ich bich sah. Aber bann packte sie mich auch gleich so, baß ich nicht toieber loskommen konnte. Es war wie ein Rausch, baß ich an nichts mehr benlen konnte als an bich. Niemals hätte Ifolbes Schönheit eine solche Wir- lung auf mich auszuüben vermocht, niemals ein anderes Mäbchen: unb bu wirst begreifen, Liebste, was ich empfanb, als ich bich wiedersah, als bu meine Werbung abwiesest. Ich Hatte bis dahiw wohl viel von Männern gehört, die infolge verschmähter Liebe tiefunglücklich geworden, ja sogar zum Selbstmord getrieben worden waren. Nun lernte i ch das kennen. Ich war ber Verzweiflung nahe..." Da kam Käthe ein fdjredenerregenbcr ©e- banfe. Sie faßte beibe Hänbe ihres Mannes, schaute ihm angstvoll ins Gesicht unb fließ hervor: „Dann war bas Unglück mit dem Motorrade kein Zufall, Felix? Du hast sterben wollen?" Zärtlich lächelnd befreite er feine Hände und (egte sie an beide Wangen Käthes. So zog ec ihren Kopf dicht vor sein Gesicht, schaute ihr lange in die großen blauen Augen und atmete tief. „Liebste," flüsterte er dann, als spräche er ein köstliches Geheimnis aus. das niemand sonst erfahren dürste, „Liebste, wenn doch einmal ein Tag kommen sollte, wo trübe Wolken unser Glück beschatten möchten, bann erinnere mich an diese Minuten, und sie werden sogleich weichen. Ich habe immer gewußt, daß dein Herz und deine Liebe mir allein gehören, aber noch nie habe ich es so klar erkannt wie jetzt, wo ich in deinen , Augen lesen kann! Käthe, du, mein Weib, mein höchster Schatz, sorge dich nicht, fürchte nicht, baß meine Liebe zu bir je erkalten könnte! Mein Herz schlägt nur für bich! All mein Sinnen umkreist nur bich! Ich bin kein Freund von Eiben, bie leichtfertig abgelegt werden, ich will bir nicht toieber schwören. 2lber ich habe es schon einmal getan, unb dieser Schwur wird gelten, bis einst mein Leben zu Ende geht. Mein letzter Herzschlag wirb noch bir gelten, bu Süße! Du weißt ja nicht, wie glücklich bu mich burch Deine Liebe alle Tage von neuem machst!" (Forts, folgt.) Auch Deutschland macht Tonfilme Wo sie entstehen. — Ihre Maschinen und Menschen Berlin, im Oktober. Es sind erst einige Monate vergangen, daß wir in Berlin den „Singenden Barren" anstaunten, den ersten amerikanischen Tonfilm, den ersten zugleich, der sich in einem immensen Durchstoß die ganze Welt eroberte. Damals gab es von sichtbaren Zeichen einer deutschen Tonfilm- industrie so gut wie nichts: — heute: In der märkischen Herbstlondschast von Reu- babelsberg. der Ufa-Stadt, stehen die neuen großen Hallen und schlagen allen herkömmlichen Vorstellungen vom Film und vom Filmen ins Gesicht. Das sind nicht mehr die trad:t.o- nellen Glasatelicrs, jene verhältnismäßig primitiven hohen Räume, in denen nach Bedarf Dekorationen aufgebaut und Scheinwerfer zurechtgestellt wurden — der Tonfilm steht auf einer ganz anderen Basis: er beruht auf technischer Präzisionsarbeit. Eine neue Gattung von tfum» gebäuden ist erstanden. Man kann nicht mehr irgendeinen Raum, der eben freisteht, zu Tonfilmzwecken verwenden, obwohl auch das in Reubabelsberg durch den Umbau alter Glashallen versucht worden ist. Aber der Tonfilm ist sehr anspruchsvoll und erfordert ganze und vollständige Mittel, er beansprucht Reubautm von Grund auf. Also sind die neuen Hallen massive Gebäude, glatt, fensterlos, aus gebrannten Ziegeln, ohne Cisenkonstruktionen, die den Schall leiten würden. Diese Ateliers wehren sich wie Festungen feindlich gegen jeden Eintritt äußeren Lebens. Daher sind sie auch von innen noch mit Cellotex ausgepvlstert, ihre wenigen Türen schließen luftdicht, und zum Ueberfluß sind Decken und Wände auch noch mit Vorhängen verkleidet: alles, damit jeder Rachhall in den weiten Räumen erstickt werde. Strahlenförmig nach ollen vier Himmelsrichtungen laufen die vier Hallen aus — sie haben die Gröhe von zwanzig mal dreißig und achtzehn mal fünfzehn Meter — und stoßen in der Mitte in einem viereckigen Hof zusammen, wo die Dynamos zum Antrieb der einzelnen Motore und das Herz der ganzen Anlage gelagert sind: die Ton- nufnahmeapparate, welche äußerst sensible Einrichtungen darstellen. Das ist wirklich eine Festung mit glatten, harten Fronten, innerhalb deren nun die neueste Produktion beginnen kann. Sie ist ganz ungewöhnlich und erscheint zunächst in erstaunlichem Grade kompliziert. Zwar ist bei den eigentlichen Aufnahmen zunächst nichts Ungewöhnliches zu bemerken, es sei denn, daß über der Szene einige Mikrophone hängen und die Kamera mit dem Operateur in einer schalldichten Zelle untergebracht ist. Daß die Darsteller jetzt reden, daß der Regisseur jetzt stumm danebensteht und sich- nur durch Winke bemerkbar machen kann, ist nicht das eigentlich Ueberraschende, auch vielleicht nicht, daß die sausenden Jupiterlampen traditioneller Herkunft nun ausgespielt haben und durch stumme Kohlenfadenlampen bis zu 5000 Watt — kindskopfgroße Dirnen — ersetzt worden sind. Das Auffällige und Reue liegt in der ganzen Anordnung des Vorgangs. Ueber dem Aufnahmeraum sitzt nämlich, wieder schallsicher abgedichtet, der Tonmeister, der neue Mann, den der Tonfilm geschaffen hat. Er ist der akustische Regisseur des Ganzen, er überprüft oben in seinem Kämmerchen die Stärken und Stufungen der Töne, er herrscht dort oben mit seinem Maschinentelegraphcn in das Aufnahmeatelier hinab wie ein Dirigent in sein Orchester. Erst wenn er abgestimmt hat — hierbei kann er nach Bedarf aus den verschiedenen Mikrophonen, die über den Spielenden hängen, den Ton und seine Stärken „mischen"— erlaubt er die eigentliche Aufnahme. Run schaltet der Operateur die Kamera ein: sie geht elektrisch, da sich die Geschwindigkeit des gleitenden Bandes immer gleich bleiben muh — vierundzwanzig Bilder in der Sekunde — und ihre Bewegung überträgt sich automatisch auf Filmbörse. Don Franz Hessel. Untergrundbahnhof. Vor uns ein stolz rotbraunes Zottelhaar über bescheidenem Kaninkragen. „Penckal" Sie dreht sich um. „Ohne Katja? Wohin allein?" — „Ich allein heut Filmbörse warten. Katja schon angekommen Babelsberg." Pencka ist erst ein paar Monate von der bulgarischen Heimat fort, aber sie verfügt bereits über eine Anzahl deutscher Vokabeln. Das Fehlende ersetzt lebhaftes Gebärdenspiel. So jung sie ist, sie war schon Schauspielerin. „In An- drokul und der Lowe ich habe gespielt", sagt sie und schüttelt ihre Mähne, als habe sie den Löwen gegeben. Zur Zeit will sie es mit dem Film versuchen. „Wart ihr auf der Russenbörse?" Pencka, fast entrüstet: „Wir nicht wilde Börse, wir gute Börse. Hier Strahe." Sie führt uns in das große Haus mit den vielen Arbeitsämtern. Da hat allabendlich die Filmbörse ihre Stätte. In dem einen Saal warten die Männer, im anderen die Frauen, und im Mittelgang ist hinter Schranken das Bureau. Mit seinen kahlen Tischen und Kartotheken sieht es auf den ersten Blick etwas düster aus. Aber da sitzt „gute Frau", wie Pencka sie nennt. Und wenn man mit der spricht, wirds gleich heller und freundlicher. Während Pencka zu den Frauen hinübersteuert, dürfen wir uns eine Zeitlang zu „Gute Frau" sehen und zusehen, wie sie die Hilfsbedürftigen empfängt, ihnen gute Ratschläge gibt und die Personalbogen ausfüllen hilft. (Dor- und Zuname: Käthe Schmidt, Künstlername: Cara So- vretta usw.). Alle lieben sie, und sie behält jedes Gesicht und Schicksal. Da kommt der Alte mit dem kupfrigcn Gesicht und dem eisengrauen Lockenkranz um den kahlen Charakterkopf. „Wie aeht'sCoco?" fragt sie. Coco ist sein Papagei und Mitarbeiter. Oh, er hat noch mehr Tiere, einen Pavian, einige Schlangen, einen Alligator, berichtet er uns, und früher hatte er ganze Menagerien. Er haust gut zusammen mit seinen Tieren, lieber als mit Menschen. Ihm zuliebe vertragen sie sich untereinander. Er braucht ihnen nur in die Augen zu sehen. Er spricht im sonoren Ton der alten Schauspielerschule. Früher war er selbst Mime und einige Zeit Theaterdirektor tn Pom- Aus her Welt des Films. den Tonaufnahmeraum. Auch hier läuft ein Film hinter Kapseln und in Zylindern, unsichtbar, geräuschlos, aber auf ihm vollzieht sich das Wunder der Sprache, die hier in Lichtwellen umgesetzt wird. Das geschieht so, daß die Ströme des Mikrophons durch gewisse Stoffe gehen, die je nach der Stromstärke mehr oder minder licht- durchlässig sind. Läuft nun ein Film hinter diesen immer variierenden Elementen an einer Lampe vorbei, so wird er offenbar — der jeweiligen Stromstärke und Lichtdurchlässigkeit entsprechend — Helle und dunkle Streifen aufweisen. Er ist nachher gestreift wie ein Zebra. Es handelt sich jetzt nur noch darum, die im Atelier gewonnenen optischen Bilder diesem akustischen Streifen zeitlich anzugleichen, sie zu „synchronisieren", wie das neue Filmfachwort lautet, und das bietet keine Mühe, da ein Telegraph auf beide Streifen entsprechende Zeichen macht. Bei der Vorführung geschieht der gleiche Vorgang in umgekehrter Reihenfolge: die Lichtstreifen werden wieder in Schall zurückverwandelt. So ungefähr entstehen die Tonfilme: es klingt vielleicht einfach, aber es ist ein Beginnen, das noch unendlich mehr Mühe, Arbeit und Gewissenhaftigkeit erfordert als der stumme Film, schon deshalb, weil jetzt mindestens drei sehr anspruchsvolle Instanzen zusammengehen müssen: der Regisseur in seiner Spieldekoration, der Tonmeister in seinem Oberstübchen, der Techniker an den Tonaufnahmeapparaten. Don den Darstellern, dem Beleuchter und anderen Mitwirkenden ganz abgesehen. Hat man einen Begriff? Der Tonfilm bietet des Reuen noch viel mehr. Man hat wohl schon davon gehört, daß die wenigsten der traditionellen Stars den Sprung in das neue Filmgebiet mitmachen werden, sie versagen sprachlich. Wer genügt, ist nicht leicht zu sagen: der „klassische" Sprecher jedenfalls wirkt geschwollen und gekünstelt, denn der verräterische Tonfilm macht aus jedem winzigen Fehler eine Riesenentgleisung. Es scheint, daß der am besten fahre, der ganz natürlich und gelassen redet. Also tauchen in den Tonfilmateliers neue Gesichter auf, die man nicht kennt: und sah man früher in den Reu- babelsverger Hallen die bekannten geschminkten Starköpfe, so merkt man nun, es ist ein neues Geschlecht im Entstehen, das Dolk des Tonfilms, in dem weder der schöne Held noch die liebliche Heldin nach äußeren Dorzügen ausgesucht werden. Hat der Tonfilm überhaupt Aussichten? Er muß es wohl, wenn die Ufa sich so entschlossen zu ihm bekennt und diese gewaltige Anlage schafft. Direktor Corel! erklärt, weder Europas Kultur noch seine Geistigkeit vermöchten seinen Siegcszug aufzuhalten. England und Frankreich seien von ihm Überfällen worden, Deutschland werde das gleiche Schicksal erleben. Wir hörten auch einen kleinen Tonfilmdialog: seichtes Lustspiel, erschreckende textliche Trivialität. Es gibt schon die optische Konvention des Films, vor der man die Augen schließen konnte — die akustische, die viel ärger und unerträglicher sein wird, droht jetzt noch außerdem. Eine furchtbare Rivellierung des Empfindungslebens wird anheben, denn wir kennen den Einfluß des Kinos auf das Leben und auf die Literatur. Unter solchen Auspizien also stehen die neuen Ufa-Tonhallen und warten. Sie sind-so gebaut, daß, während in der einen noch gespielt wird, in den anderen schon die neuen Dekorationen errichtet werden. Da wird nun gekurbelt und ausgenommen werden, die Regisseure, die Tonmeister, die Techniker werden in ihre Maschinentelegraphen brüllen, die Mikrophone arbeiten, die Lichtstreisen blitzen und erlöschen, und Schall verwandelt sich in Erscheinung, es wird aber alles noch unendlich komplizierter und fieberhafter und verbissener werden als bisher, denn die kleinen Maschinen des Tonfilms sind die sensibelsten und feinfühligen, die alle Vergehen und Versehen rächen. A. Wie ein Großfilm entsteht. Don Joachim Felde. Sie sehen nur den fertigen Film. Das einzige, das Sie nachher von ihm wissen, ist, ob er gut ober schlecht war, und um das zu beurteilen, ist es vielleicht einmal nötig, von den Mühen, Sorgen und Plagen, einfacher gesagt, von der Arbeit zu sprechen, die der oder jener Film verursacht hat. Denn jeder, der in die Geheimnisse der Filmfabrikation einörang, wird selbst einem nicht restlos gelungenen Werk die Achtung nicht versagen, die jeder liebevollen und fleißigen Arbeit gebührt. Die Tatsache, daß die jüngste und erfolgreichste Kunst unserer Zeit auch zur stärksten Industrie gehört, zeigt schon schlagend die Schwierigkeiten, mit denen die ausführenden Künstler zu rechnen haben. Wir wollen vorn Groß film sprechen. Die phantastischen Ziffern, die als Herstellungskosten für solche Werke angegeben werden, gehören keineswegs ins Reich der Fabel. Und wenn Sie jetzt noch hinzunehmen, daß die Welt als Publikum eines Films zu gelten hat, werden Sie die erste Schwierigkeit ohne weiteres erkennen und einschähen können: den Stoff auf sein Allgemeininteresse und seine Allgemeingültigkeit hin zu prüfen. Ein Theaterbesiher, der ein Schauspiel für seine Bühne erwirbt, hat nur mit der Mentalität seiner Besucher zu rechnen. Hat er kein Stammpublikum, so ist es im schlimmsten Falle eine Stadt, für die er zu entscheiden hat, ob der Stoff von Interesse sein würde. Ganz anders der Leiter eines Filmkonzerns. Für ihn ist die Frage wichtig, ob in Europa, Amerika, Asien, Afrika, ob in Australien der Film interessieren wird, ob er fein Publikum hat, ob seine menschlichen Beweggründe und ob seine Handlung selbst bei völlig anderen Voraussetzungen der Lebens- gewohnheiten noch Gültigkeit und Wirkungskraft besitzen. Das nächste Kopfzerbrechen fordert die Be- sehungsfrage: welche Schauspieler passen am besten für die tragenden Rollen, welcher Regisseur ist gerade für diesen Stoff geeignet? Beim Theater existieren diese Sorgen auch. Aber da die große Auswahl ja immer die Qual vergrößert, sind sie beim Film ungleich schwieriger zu lösen. Welches Theater hat, schon viel mehr als hoch gerechnet, zwei Heldendarsteller, Liebhaber, jugendliche Raive, und wie die heute Gott sei Dank schon etwas aus der Mode gekommenen Fachbezeichnungen alle heißen. Dem Film stehen Hunderte und tausende zur Verfügung. Ruancen müssen entscheiden, und es ist keine Seltenheit, daß der Regisseur Hunderte von Hauptdarstellern vor der endgültigen Rollenübertragung ausprobt. Als Beispiel mag dienen, daß ein führender Regisseur erklärt hat, sein Rekord sei die Aus- wahlzwischen 165 Darstellern gewesen, die er auf das gewissenhafteste für die beste Eignung der Hauptrolle des Films in Konkurrenz gezogen hat. Rehmen wir schon an, diese Anfangssorgen seien alle aus der Welt geschafft, dann ist noch nicht ein Meter Film vorhanden, sondern nur das Manuskript und die Hauptdarsteller. Die nächste Sorge ist die Wahl des Operateurs, der die Kamera zu bedienen hat. Wie jede Vollkommenheit in technischer Hinsicht zur Spezialisierung führen muß, ist man hier fast völlig davon abgekommen, nur einem Operateur die Arbeit eines Films anzuvertrauen. Es gibt Spezialisten für Großaufnahmen von Frauenköpfen und für Großaufnahmen von Männern. Es gibt Operateure, die nut für Außenaufnahmen und andere, die nur für Innenaufnahmen mern. Don der Bühne will er nichts mehr wissen. Er erhebt seine guten roten Wärterhände. „Lieber geh ich mit meinen Tieren auf Wanderschaft. Ich produziere sie nicht auf Va- rietes, nein, in wissenschaftlichen Gesellschaften. Da zeig ich den Herren Professoren, wie die Seele des Tieres beschaffen ist, wie der Wille magisch übergeht Liebe ist die beste Dressur!" Ia, nun wird er sich hinüberbegeben in den Männersaal und warten, ob man ihn und die Seinen brauchen kann. „Wie oft hat mein reicher Freund in Oberglogau zu mir gesagt: Warum wirfst du nicht den ganzen Krempel hin und kommst zu mir mit Cvco? — Er liebt Coco. Aber nein. Solang ich noch selbst für meine Tiere sorgen kann, verlier ich den Mut nicht. Und ihnen kann nichts geschehen. Der Postbote hat Anweisung, wenn ich morgens um neun einmal nicht öffne, die Behörde zu benachrichtigen. Dann finden sie auf meinem Tisch ein Testament mit ausführlichen Bestimmungen." Inzwischen hat sich dem Mitarbeiter von „Gute Frau" ein neuer genähert. Mit weißem, fettem Gesicht und Üppigen Schultern neigt er sich über den Tisch, weist Diplome und Bilder vor und sagt ein langes Sprüchlein auf. Richt nur, daß er verschiedene, noch unbekannte Tricks besitzt, er beherrscht auch eine Reihe von Sprachen, das Englische, Französische, Ungarische, Italienische, ferner Pariser Patois und Genueser Stadtdialekt. Don letzteren gibt er gleich im selben. Sah seltsame, etwas erschreckende Beispiele. Obendrein ist er Damenimitator, was er mit hoher Stimme kundtut. Diese Tugend illustriert er mit Bildern in weiblicher Tracht. Dieser besondere „Trick" wird ebenso wie alles andere sorglich notiert, ehe er in den Männersaal geht. Wir aber besuchen unsere Pencka im Frauen- gelaß. Sie spielt mit Schicksalsgenossinnen Karten. Setzen dürfen wir uns nicht zu ihnen. Nachdem die Mädchen mit einem Blick konstatiert haben, daß wir keine Regisseure sind, beachten sie uns weiter nicht. Flirt ist hier nicht am Platze. Mein Begleiter lenkt hinüber zu einem Tisch mit älteren Damen. Die vertreiben sich die lange Wartezeit nicht mit eitlem Spiel, sie machen Handarbeiten. Rur die eine, die Rothaarige, die etwas böse dreinblickt, löst mit gezücktem Bleistift ein Kreuzworträtsel. Und die stattlichste sitzt einem imaginären Publikum zugelehrt (wie aus I der Bühne eine Diva im Chor der Gefährtinnen sich durch ihre Haltung hervorhebt). Sie 'fängt ein Gespräch mit uns an. Sie scheint von früher her gewohnt, mit der Presse zu verkehren. Am alten Lessingtheater, noch vor Brahms Zeiten, hat sie debütiert. Wie schlank sie damals war, können wir uns nach dem Vorhande- nen (sie zeigt auf Bestandteile) wohl kaum vorstellen. Ihr besonderes Gebiet war die Raive, aber Freunde entdeckten ihre Begabung für Charge. Und so kam sie ans Variete und Kabarett. Die besten Chansons wurden ihr auf den Leib geschrieben. „Rach Willy Prager bin ich aufgetreten. Eine Villa hatte ich damals im Süden. Tempi passati. Run muß man zu- sehn, was man kriegt. Aber ich sage mir immer, Kopf oben behalten, Miez!..." Man flüstert neben ihr. Sie neigt das Ohr hin, greift dann schnell nach dem Kissen, auf dem ihre Häkelarbeit lag, und stopft es unter die wollene Bluse vor die so schon recht stattliche Brust. Warum? Es kommt gerade ein Regisseur, der „dicke Dame" sucht. Leider hat die Gute fein Glück. Die geübten Augen des Herumspähenden finden eine Aspirantin von natürlicherem Riesenumfang. Die folgt ihm ins Bureau. Wir hinterdrein. Mit gigantischer Betulichkeit neigt sie sich über sein Rotizbuch. Wie matt und sachlich er dreinschaut, der Dielgeplagte. Hier ist er ein umschmeichelter großer Herr. Draußen im Atelier wohl nur der Geringeren einer. Run hat er die Dicke erledigt und telephoniert: „Jawohl, Reisekostüm, vielleicht mit kleiner Handtasche. Sie haben selbst? Um so besser. Aber elegant, verstanden! Richt so 'n Plaidpaket wie 's vorige Mal." Er geht zu den Männern hinüber. Wir folgen. Wie sie sich aufrichten: vom Tarock, die Herrn Charakterköpfe! Der mit der Tabakspfeife wird ganz Genrebild. Ein faltiges Gelehrtengesicht seht die düstere Miene auf, die es vorrätig hat. Ach, aber der Mächtige wählt einen Bart, einen richtigen Schusterbart, der selbst ganz überrascht ist. Am Büfett bricht ein Streit aus. „Was tust du hier, bist ja nicht eingetragen! Was kannst du denn?" „Ich bin »Mann auf der Straße"', verteidigte sich der Angegrifsene, ein blasser Gesell mit schütterem Bart, in abgeschabtem Mantel. „Zehnmal, zwölfmal bin ich genommen worden." »Gute Frau muß zu Hilfe kommen und die Streiter trennen. Sie nimmt den „Mann auf der Straße" beiseite, sie wird für ihn telephonieren, verwendet werden. Tier-, Iagd- und Massenszenen werden anders und von anderen photographiert, ganz abgesehen davon, daß man heute, um möglichst viel verschiedene Bildeinstellungen zu bekommen, die Szene zur gleichen Zeit dreimal und bei wichtigen Massenaufnahmen sogar dreißig- bis vierzigmal aufnehmen läßt. Es wird also niemand wundem, daß bei Großfilmen eine Mitwirkung von über 100 Operateuren, wenn auch nicht die Regel, so doch keine Seltenheit ist. Roch immer kein Meter Film, im Gegenteil haben die vorbereitenden. Schwierigkeiten noch lange kein Ende gefunden. Die Auswahl der Komparsen und Statisten wird zwar von den Hilfsregisseuren vorgenommen, ist aber letzten Eni es auch eine Sorge des Regisseurs, der mit ihnen arbeiten muß. Sie wissen selbst: jeder zum Film, und jeder ijt gern bereit, um überhaupt erst einmal hereinzukommen, Statist zu spielen. Der Film ist auf Rachwuchs an- gewiefen. Also muß jede einzelne Bewerbung genau geprüft und begutachtet werden, damit man Nicht einen Star von morgen (wie es bei Harold Lloyd tatsächlich passiert ist) für gänzlich filmungeeignet erklärt. Aber wir wollen ganz großmütig sein und alle diese Sorgen erledigt sein lassen. Dann taucht in der Weiterentwicklung des vorhandenen Manuskripts zum Film schon wieder eine neue Schwierigkeit auf. Beim Theater ist es selbstverständlich, daß sich die Handlung in ihrer natürlichen Reihenfolge abspielt. Erft hat der Schauspieler geboren zu werden und bann zu sterben, wenn das Stück sein ganzes Leben zeigt. Beim Film kann es ihm passieren, daß er nach seinem Tode noch die Hälfte seines Lebeirs zu spielen hat, denn es ist eine eiserne finanzielle Rotwendigkeit, die Reihenfolge, in der die Szenen ausgenommen werden, nicht nach dem Gang der Handlung, sondern nach der Dekoration zu rchten. Selbstverständlich stellt der Film an die Intensität des Gefühlslebens der Schauspieler mit dieser Tatsache ganz andere Anforderungen als die Bühne. Doch hier liegt auch noch keine der Hauptschwierigkeilen. Es genügt nicht, wenn der Regisseur Künstler ist. Um mit Massen, wie es heute bei jedem Film gang und gäbe ist, wirklich arbeiten zu können, ist Organisationsgenie unerläßlich. 15 000 Menschen auf die Minute in der gewünschten Kleidung zur Aufnahme bereit zu haben, ist ebenso schwierig, wie dafür Sorge zu tragen, daß die anderen deko- rationsmähigen Vorbereitungen zu dem bestimmten Zeitpunkt nicht nur fertig, sondern auch richtig ausgeleuchtet sind, damit durch eine evtl. Verzögerung der Produktionsfirma nicht Heber* stunden-Unkosten entstehen, die bei solch einem Massenaufgebot natürlich gleich in die Tausende gehen würden. Darüber hinaus gibt es aber nichts Schwereres, als mit einer so großen Zahl von Statisten ein natürlich wirkendes Bild zu erzielen. So unlogisch es klingen mag: die freie Bewegung ist in diesem Falle nur durch straffe Disziplin zu erreichen. Ieder einzelne muh genau vorgeschrieoen bekommen, wie er sich zu benehmen hat. Einer kann die Arbeit von Stunden und Tagen vernichten. Das Megaphon reicht nicht aus, ujn den Regisseur vernehmlich zu machen, und so ist es heute üblich, daß für Massenszenen durch Radio Befehle erteilt werden. Arn meisten Sorge aber macht der Hauptdarsteller eines jeden Films, die Ratur. Keine Organisation hilft, um sie den Wünschen des Manuskripts gefügig zu machen. Es klingt unglaublich, aber der Sonnenuntergang eines Großfilms kostete nicht weniger als 10 000 Dollar, da ein Heer von Statisten und Operateuren und Derpflegungspersonal tagelang vergeblich auf einen filmisch geeigneten Zeitpunkt für diese Szene hatte warten müssen. Wenn Sie jetzt noch all die tausend kleinen Sorgen hinzunehmen, die sich einstellen und die unvermeidlich sind, werden Sie glauben, daß die Zahlen über die Herstellungskosten nicht übertrieben sind, werden Sie sich selbst ausrech- das nächste Mal soll er etwas Schriftliches mitbringen. Rur jetzt kein Zank. Die beiden Säle leeren sich. Müde Gesichter. Pencka kommt zu uns, wiegt traurig das Köpfchen: „Schone Mädchen heut nicht gefragt. Morgen wieder hier. Ietzt heim, kochen für Katja. Katja hungrig. Babelsberg." Und dann trottet sie geduldig hinter den andern drein, von denen schon so viele eine große Zukunst hinter sich haben. Oie Arche Tioaf) ist verfilmt! Wenn der gute alte Roah hätte zusehen können, wie die Geschichte von seiner weltberühmten Arche auf dem dünnen Filmband aufgefangen worden ist, dann würde er sich bah verwundert haben. Man hatte die größten Anstrengungen gemacht, um ein Bild der Sintflut zu bieten. Mehr als 7000 Statisten waren engagiert, um jene ungläubige Menschenschar darzustellen, die von den Fluten verschlungen wurde. Da sie alle mit dem Wasser eine sehr eingehende Bekanntschaft machen mußten, so konnte die gewöhnliche Fettschminke für ihre Herrichtung nicht verwendet werden. Cs wurden daher 80 große Spritz-Maschinen mit einer flüssigen Dronzefarbe gefüllt, die garantiert „wasserdicht" ist, und die Statisten wurden jeden Tag an Armen und Beinen, Kopf und Brust mit einer solchen leuchtenden Farbschicht überzogen, die ihnen die interessante Sonnenbräune des Morgenländers verschaffen sollte. Die Wasser der Sintflut wurden durch eine Menge von 140) Tonnen bestritten, die unter starkem Druck in mächtigen Wogen durch das Atelier getrieben wurden. Sie spülten in ihrem Sturz alles mit fort, darunter auch ein riesiges Götzenbild deS Baal, das 100 Fuß hoch war und 15 Tonnen wog. Die größte Mühe hatte man mit der Tierwelt, die Roah paarweise in feine Arche begleitete. Alle zoolog sHen G rlen Amerikas hatten dazu aus ihren Beständen beiaesteuert, und unter dieser buntscheckigen Schar befanden sich Elefanten und Kamele, Tiger und Giraffen, CBären, Affen, Zebras usw. Sogar so seltene Tiere wie das Okapi mußten in der großen Prozession erscheinen Die Photographen aber hatten alle Mühe, die Tiere immer hübsch zu zwei und zwei an sich vorüverpassieren zu lassen. Die Herstellung des Filmes soll 5000 Dollar die Ausnahmestunde gekostet haben. ,t r^cnaufnah2 J.' >00 0®ei6 ,me" «ine "*LSeiA: Mm rAtv^ 6 jede 5ÄU^ an, ^morgen (toie ti’Kman ,to *»«W° >«« «6IM sä LT J,««" M Um« .| ganzer Leden >etal ' ?5M« Lebens zu UL?? VmwA I Ehen^vlge. in der die S«, vnden^ n-.cht nach dein ' &A1*1 Drtora^n zu I St S 5” ^'m °n die fühMebenS der Schauspieler 1 ganz andere Anforderungen auch noch keine der Haupt, ! genügt nicht, wem der Le, ; fr mit Massen, wie eS ' nun gang und gäbe ist, wirk, 1 iren, ist Organisations« u- _ 15 000 Menschen aus die i wünschten Kleidung zur Aus« I oben, ist ebenso schwierig, wie i ragen, daß die anderen bete« rrbereitungen zu dm bestimm, hl mir fertig, sondern auch et sind, damit durch eine eütL , Produktionsfirma nicht lieber, entstehen, die bei solch einem atürlich gleich in die Tausende gibt es aber nichts Schwereres, großen Zahl von Statisten ein Bild zu erzielen. So un« nag: die freie Bewegung ist in durch straffe Qifjiplin zu n- >'nc muß genau rvrgefchmvui ließ zu öenehmcn ßat tönet »n Stunden und Tagen w chhon reicht nicht auL, m nehnriich zu machen, und Io , daß für Waffechenen durch M werden. rae aber macht der Haupt« S jeden Films, die Aatur. m Ml m I« drn Dm. slrchts gefügig Lu machen. ES aber ter Sonnenuntergang cm« Mt Irt* n* >t kein Zank. Gesichter, le leeren sch. Aöps« uns, Wtf ?ÄflflL ®or- idchen pt ncht g-i » Agtia. Jetzt he'M. Xn trMt sie abelsberg. Md kw xSBlS iJsS&s verEine W ’r‘ SS se5 pulten « Lsiges ®°Tso< Ä/Lh Ä der Li-l' । Su6 WSLite man Ml» bc ' ^llein seine StU« L'isB’-s« KAKd neu können, da- eine Dumme von 4 Millionen Mark, die für außergewöhnlich große Filme genannt wird, nicht übertrieben sein muß. Alber wenn S « bedenken, daß ein Film, wenn er Erfolg Hal. von über 100 Millionen Menschen gesehen wird, werden Die verstehen, daß die Künstler und darüber hinaus jeden Atelier- arbe:ter stolz sind, an einem Werk mitzuarbeiten, dessen Wert alle Mühe und Arbeit nach dem Gelingen bei weitem wieder wettmacht. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Aus dem Kreise Wetzlar, 22.Dtt. Für die bevorstehende Neuwahl zum Kreistag hat die .Arbeitsgemeinschaft für Stadt und Land" folgenden gemeinschaftlichen bürgerlichen Wahlvorschlag ausgestellt: 1. Karl Br oll, Brunnenbesiher, Bislirchen: 2. Wilhelm Langsdorf II., Landwirt, Großrechtenbach: 3. Karl Lenz, Bergmann, Ehringshausen: 4. Adolf Köhler, Kommerzienrat. Wehlar: 5. Heinrich Droh, Gemeindevorsteher a. D., Kahenfurt: 6. Fritz Gaß, Lehrer, Dutenhofen: 7. Dr. Bruno Schauen, Rechts- anwalt und Notar, Wetzlar: 8. Fritz Kunz, Landwirt, Rauborn: 9. Jakob Krauskopf, Landwirt. Großaltenstädten: 10. Heinrich Ziegler, Bürgermeister, Braunfels: 11. Adolph Bausch, Pfarrer, Kölschhausen: 12. Wilhelm Bechthold, Schmied, Launsbach: 13. Wilhelm Höchst, Landwirt, Ebersgöns: 14. Wilhelm Köster III., Landwirt, Oberweh: 15. Karl Friedrich Stroh, Landwirt, Reiskirchen: 16. Friedrich Henrich, Gymnasiallehrer, Wetzlar: 17. Konrad Heep, Landwirt, Riederbiel: 18. Georg Welsch, Landwirt, Hohensolms: 19. Karl Lang, Bergingenieur, Wetzlar: 20. Otto Evers, Fabrikant, Wetzlar: 21. Friedrich Simon, Gastwirt, Holzhausen: 22. Wilhelm Hedderich II., Landwirt, Garbenheim: 23. Friedrich Wilhelm Spahr I., Landwirt, Braunfels—St. Georgen: 24. Philipv Keiner >11., Werkmeister, Aßlar: 25. Fritz Kern, Landwirt, Werdorf: 26. Wilhelm Wagner, Landwirt, Wißmar: 27. Wilhelm Glaßner, Schneidermeister, Schwalbach. $ Krofdorf, 22. Oft. Bei dem anfangs voriger Woche auf dem Landweg erfolgten Rücktransport einiger im Sommer auf &er "'•tng- viehweide zu Kloster Altenberg gewesener Rinder hiesiger Landwirte gingen zwei 6.üa bei Waldgirmes durch und verschwanden in dem angrenzenden Wald. Der von den Besitzern einige Tage später unternommene Versuch, die Tiere einznsangen, mißlang. Beim Räherkommen der Landwirte ergriffen die Tiere wieder die Flucht. So blieb nichts anderes übrig, als am Sonntagmorgen mit einem Aufgebot von rund 20 Mann auf die Suche zu gehen. Die Tiere hatten ihren Standort wenig gewechselt. Sie wurden alsbald gesichtet, umkreist und eingefangen und konnten so zur Freude der Besitzer in die heimatlichen Stallungen übergeführt werden. — Durch die jetzt hier im Gange befindliche Pflasterung der Gießener Str aß e ist auch die Ausdehnung der Kanalisierung auf diese Straße zur dringenden Rotwendigkeit geworden. Die Gemeindevertretung hat daher die Ausdehnung des Kanalnetzes auf diese Straße beschlossen und die Ausführung dem Unternehmer Karl Schn epp von hier übertragen. Kreis Biedenkopf. # Königsberg, 22. Dtt. Die Arbeits - Verhältnisse für die Bergleute in unserer Gegend werden immer schlechter. Manche Grube der Umgebung ist in diesem Fahre wieder stillgelegt worden. Die Dörfer Bieber und F e l - lings Hausen sind besonders hart betroffen durch die Stillegung der Grube Eleonore, weitere Bergleute in Frankenbach, Erda und Königsberg wurden arbeitslos durch Einsck änkung auf der Gießener Braunsteingrube. Obwohl mancher junge Bergmann dieser Orte auf der hessischen Braunkohlengrube in Wölfersheim Arbeit fand, sind doch die meisten noch ohne Arbeit, und besonders hart haben es die älteren Bergleute, die fast keine Aussicht mehr auf Einstellung haben. Die Königsberger Grube arbeitet mit einer Belegschaft von etwa 55 Mann bis jetzt voll weiter, und sie hat auch Aussicht auf weitere Beschäftigung, da der Eisenstein, der hier gefördert wird, im allgemeinen recht hochprozentig ist. Bor einiger Zeit wurde erst wieder ein neues Lager mit hochprozentigem Stein angeschlagen, das nach Beendigung der Aufschlußarbeiten zufrieden- stellend sein dürste. Wirtschaft. * Der französische Außenhandel. Der Außenhandel Frankreichs stellt sich für die ersten neun Monate des Jahres 1929 wie folgt: Einfuhr nach Frankreich 43 945 347 Tonnen im Werte von 43 959 880 COO Franken, was gegenüber den ersten neun Monaten des Dorzahres eine Erhöhung um 7 829 453 Tonnen und 5 288 318 000 Franken bedeut.!. Die Ausfuhr aus Frankreich belief sich auf 29 873173 Tonnen im Werte von 37 022 121 COO Franken, was gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres eine Verminderung um 1 202 756 Tonnen und 530 447 000 Franken bedeutet. * Zusammenarbeit in der Zementindustrie. 3n den Aufsichtsratssihu:gen bzw. Gesellschafterversammlungen der Dyckerhoff & Söhne Portland-Cement-Fabrik G. m. b. H., Mainz-Amöneburg, der E. Schwenk Cement- und (Stcintocrfe in Ulm, der Portland-Eemeniwerke He.del5erg-Mannh.im-St iltgart A.-G. in Heidelberg und der Schlesische Portland-Eement-Jn- dustrie A.-G.. Oppeln, ist einem Gegenseitigkeitsvertrag zwischen den genannten Gesellschaften zugestimmt worden. Dieser Gegenseitigkeitsvertrag ist unabhängig von dem Bestehen oder Richtbestehen der derzeitigen Syndikate. Er regelt die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Firmen und sieht den Abschluß weiterer Verträge vor. • Finanzierung der Kreditgemeinschaften deutscher Spezialgeschäfte durch die Großbanken. Die Finanzierung der Kredit^emeinscha'ten deutscher Spezialgeschäfte in Berlin, F.anksurt a. M., Hannover, Stettin, Braunschweig, Slberseld, Dessau, Münster, deren Organisation sich in der Praxis bewährt hat und die bisher mit dem Konzern der Frankfurter Allgemeiner Dersicherungs-A-G. in Verbindung stand, wird, wie WTB.-Handelsd e ist erfährt, von einem Banienkonsortiurn. dem fast sämtliche Berliner Großba- er angehören, weiter durchgeführt werter. Das Dankenkonsortium hat zur Durchführung der Finanzierung der von ihm gegründeten Gesellschaft für Finanzierung von Kreditgemeinschaften m. b. H. die erforderlichen Kredite zur Weitergabe an die Kreditgcmeinschaf- ten zur Verfügung gestellt. * Große Kasseler Straßenbahn A.-G. WTD.-Handelsdienst erfährt von unterrichteter Seite, daß die Älbschluharbe'ten noch nicht beendet sind, aber die Ausschüttung der gleichen Dividende wie im Vorjahre (4 Proz. auf die Stamm-, 7 Proz. auf die Vorzugsaktien) zu erwarten ist. Seit 1. Oktober ist übrigens eine Tariferhöhung bei der Großen Kasseler Straßenbahn A.-G. durchgeführt, ebenso wie bei der Kasseler Omnibusgesellschast, an der die Straßenbahn mit der Stadt Kassel beteiligt ist. * Englische Beteiligung an Hirsch Kupfer. Die Firma Aron Hirsch & Sohn, welche die qualifizierte Majorität der Hirsch Kupfer- und Messingwerke A.-G. besitzt, hat, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, einen Posten von nom. 3 Mill. Mk. Aktien gleich 25 Prozent des Aktienkapitals an die Imperial Chemical Industries Ltd. (Alfred Mond, London) verkauft. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M„ 23. Ott. Tendenz: weiter befestigt. — Trotz der Kabinettskrise in Frankreich, worauf man im Frühverkehr sehr skeptisch gewesen war, eröffnete die Börse in freundlicher Haltung, und eine weitere Befestigung trat ein. Dies war vor allem nach der überwundenen Krifenstimmung auf eine a l l- mähliche Gesundung der internationalen Börsen zurückzuführen. Abgaben wurden nicht mehr vorgenommen. Trotz des bevorstehenden Ultimos schritt die Spekulation weiter zu Deck"ngskäufen. Teilweise wurden auch Inter- essenkäufe vorgenommen, da einige vorliegende Auslandorders, sowie noch vereinzelte Interventionstätigkeit der Danken einen Ansporn boten. In Spezialwerten war das Geschäft w i e- der lebhafter. Es war eine allgemeine Zuversichtlichkeit zu erkennen, und man neigte der Ansicht zu, daß die Lage seither nicht ganz berechtigter Weise als zu schwarz angesehen wurde. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten Besserungen von 2 bis 5 Prozent ein. Im Vordergrund standen am Kalimarkt Salzdetfurth mit plus 10 Proz. und Westeregeln mit plus 4 Proz. Aber auch den Elektrowerten wandte sich verstärktes Interesse zu. Führend waren hier Siemens mit plus 4,5 Prozent, Bergmann mit plus 3,5 Prozent, DSG. plus 1 Prozent, Licht und Kraft 2,5 Prozent, Schachert 3 Prozent. Angeboten waren dagegen wieder Chade-Aktien mit minus 6 Wk. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben mit plus 1 Prozent nur leicht gebessert. Dütgerswerke zogen 1,5 Prozent an, während Goldschmidt vernachlässigt lagen. In den Vordergrund treten konnten noch Zellstoff Waldhof mit plus 3 Prozent. Auch Deutsche Linoleum waren nach den beträchtlichen Abschwächungen der letzten Tage stärker bevorzugt und gewannen 8 Prozent. Am Montanmarkt war, mit Ausnahme von Rheinstahl, die 2,75 anzogen, das Geschäft ziemlich gering. Banken lagen ebenfalls wenig beachtet. Rur Reichsbankanteile traten mit plus 2 Prozent etwas hervor. Renten schlossen sich der allgemeinen Besserung ebenfalls an. Im Verlaufe wurde das Geschäft stiller, doch erhielt sich ziemliches Interesse für SpezialwerSe, bei erneuten Besserungen bis zu 2 Prozent. Lebhafteres Interesse bestand für Bemberg mit plus etwa 10 Prozent gegen Anfang. Am Geldmarkt war Taqesgeld mit 6 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man M'rk gegen Dollar 42830, gegen Pfund 20,406, Lcnd,n gegen Kabel 4,8765, gegen Paris 123,85, gegen Mailand 93,12, gegen Madrid 33,90, gegen Amsterdam 12,1140. Berliner Börse. Berlin, 23. Oft. Die Bederken, die man im heutigen Dormittagsverk hc im Zusammenhang mit dem plötzlichen Rück tri t des Kabinetts Briand hatte, erwiesen sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs als unbegründet. Der Sturz der französischen Regierung machte, anscheinend auch im Auslände, einen verhältnismäßig geringen Eindruck, denn auch von den übrigen europäischen Effektenbörsen waren festere Kurse gemeldet. Auf die Hoffnungen für eine baldige Diskontsenkung in Reu- York, die Mitchell von der Rational City Bank in einem Interview zum Ausdruck brachte, ist gestern schon hingewiesen worden. Der internationale Geldmarkt zeigte auch eine Entspannungstendenz: hier fiel die leichte Verfassung des Tagesgeldmarktes auf, die aber mit den Ultimovorbereitungen zusammenhängen dürfte. Die Tendenz war ausgesprochen freundlich. Es wird von den Danken versucht, das Kursniveaa systematisch heraufzusehen, wahrscheinlich um die Differenzen zum Ultimo zu verringern. Man konnte aber auch Deckungen der Spekulation und kleines Kaufinteresse, teilweise des Auslandes, beobachten, die bei Spezial- werten zu kleinen Kurserholungen führten. Papiere, wie Reichsbank, Kaliwerte, Deutsche Linoleum, Schubert & Salzer, Siemens, Schuckert, (Berger, Dembcrg, Glanzstosf, Norddeutsche Wolle, und an erster Stelle Polyphon, gewannen 7 bis 15 Proz. Aber auch Montanwerte und die meisten Elektropapiere konnten um 1 bis 3 Proz. anziehen. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer weiter überwiegend befestigt. Pfandbriefmarkt gehalten. Der Geldmarkt war leichter. Tagesgeld 5.75 bis 8 Proz.: Monatsgeld 9 bis 10 5Proz.: Warenwechsel zirka 7,75 Proz. Auch im Verlaufe setzten sich bei ruhigem Geschäft Kurserholungen durch, die aber nur bei wenigen Papieren über 1 bis 1,5 Proz. hinausgingen. (Berger lagen zeitweise 7 Proz. über Anfang, Polyphon 8 Proz., Svenska 4.50 Mark, Spritwerte 2 bis 3 Proz. höher. Die anfangs sehr stark gesteigerten Salzdetfurthaktien konnten im Verlaufe ihren Gewinn nicht voll behaupten. Die schon gestern auffällige Steigerung der Kupferaktien fand heute eine Erklärung in der Inter- essennahme des englischen Chemie-Trustes. Es wurde bekannt, daß die Imperial Chemical ein 3-Millionen»Paket — 25 Proz. des Aktienkapitals der Kupfer-A.°G. übernommen habe. Der Kurs von Hirsch Kupfer konnte im Verlaufe auf 136 Proz. anziehen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Okt. Am Produktenmarkt war die Stimmung allgemein etwas freundlicher, da die starken Erhöhungen an den Ueber- feemärften eine Anregung boten. Das Geschäft konnte aber trotz geringen Angebotes kein größeres Ausmaß anr.e)men, da mittlerweile wieder niedrigere Notierungen von Liverpool eingetroffen sind. Die Preise lagen jedoch allgemein gut behauptet. Nur Roggenmehl war eher angeboten und leicht abgeschwücht. Auch Weizen- und Roggerckleie wurde etwas niedriger notiert. Cs wurden notiert: Weizen 25 25 bis 25.50; Roggen 18.75 bis 19: Sommergäste für Drauzwecke 20 bis 20,75; Haser, inlän-z.l^er 18.75 bis 19; MaiS (gelb) für Futter^wecke 19 50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 37.25 bis 38.25; Roggenmehl 27.25 b.s 28; Wei e rileie 10,15 bis 10,25; Roggenkle.e 10. — Tendenz: ruhig. Büchertisch. — Rhein-Mainischer Atlas für Wirt- schäft, Verwaltung und Unterricht. Bearbeitet in der Rhein-Mainifchen Forschung des Geographischen Instituts der Universität Frankfurt. Herausgegeben von Prof. Dr. W. Behrmann und Prof. Dr. O. Maull. Kartoniert 9 Mark. H. L. Brünners Druckerei und Verlag, Frankfurt a. M. (467) — Der Atlas gibt in einem ausgezeichnet instruktiven Kartenmaterial eine überaus klare Darstellung der geographischen, bevölkerungspolitischen und namentlich wirtschaftlichen Struktur des Ryein- Maingebietes. In letzterer Hinsicht ist besonders interessant die Heranziehung der modernen Verkehrsmittel zur Erläuterung wirtschaftlicher Zusammenhänge. Auch Dialektgrenzen und Konfessionen haben eine gute kartographische Wiedergabe gefunden. Jeder der sehr plastisch gezeichneten Karten ist eine textliche Erläuterung beigegeben. Professor Maull hat außerdem in einem zusammenfassenden Vorwort den rheinisch-mainischen Lebensraum nach verschiedenen Richtungen hin beleuchtet und ein wohl annähernd lückenloses Literaturverzeichnis beigegeben, das über Einzelfragen leicht eine weitere Orientierung ermöglicht. Don besonders aktuellem Interesse ist der Atlas, weil er auch die ja besonders iin rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet intensiv erörterten Fragen der Reichsresorm, also der politischen Neugliederung des Reiches, in seine Betrachtung einbezieht. Wir würden es begrüßen, wenn dieser Atlas vor allem auch in den Schulen bald unentbehrliches Lehrmittel werden würde. — Klamroth, Dr. Heinz: Aegypten, das uralte Kultur- und moderne Reiseland. Mit 24 Tafelbildern und einer Äebersichlskarte. Freiburg i. B., Herder & Co. Geb. 4,50 Mk. (394). — Der Herdersche Verlag beginnt mit diesem Band eine Buchreihe „Fremdland — Fremdvolk', in der Wilhelm Filchner demnächst seine Reise durch China und über Asiens Hochsteppen beschreiben wird. Der eröffnende Band, dessen Verfasser lange Jahre zwischen Alexandria und Wadi Haifa verbracht hat, schildert Land und Volk am Nil derart anschaulich und lebendig, daß auch seine Leser ein persönliches Verhältnis dazu gewinnen. Prächtig arbeitet Klamroth Aegypten als Land der unvermittelten Gegensätze heraus: neben den flinken Dampfern der Fremden trägt der Nil die schwerfäUigen Feluchen der braunen Männer: .aus der fruchtbaren Nilebene steigt ohne Heber* gang die Sandwüste baumlos empor: neben den steinernen Riesenbauten der Vergangenheit leben die heutigen Bewohner in armseligen Hütten aus Nisschlamm. Kein inneres Band verknüpft die große Vorzeit mit dem bescheidenen Heute. Bei Klamroth wechseln Bilder aus alter Zeit mit Darstellungen des gegenwärtigen Lebens. Geschichte und Kultur, Sprache und Religion, Rasse und Landschaft Aegyptens werden dem Leser unmittelbar und farbig nahegebracht. Bunte Szenen aus dem Volksleben tauchen auf, wie sic nur dem sichtbar werden, der mit Land und Leuten wahrhaft vertraut geworden ist und inneren Anteil an der gelassenen Schwermut gewonnen hat, mit der dort der große Riß, der durch Natur und Kultur geht, ertragen wird. Schwer an Vergangenheit und leer an Gegenwart — wie wird Aegyptens Zukunft fein? Von den verschiedensten Seiten lehrreich, von einem gebildeten Mann anziehend, beziehungsreich und lustig geschrieben, durch eine Fülle guter Bilder belebt, wird das ungewöhnliche Buch keinen Leser enttäuschen, der sich seiner Führung anvertraut. A. G. — Das Oktoberheft des „Kunstwort s" (Verlag G. D. W. Callwey, München) bringt u. a. eine Novelle von Hans Grimm, „Der Richter in der Kam". Paul Aloerdes schreibt über Hofmannsthal, Hermann Eßwein über Alfred Kubin, den „Reiter auf der Chimäre". Wilhelm Michel tritt in feinem Beitrag über „Die eigene und die fremde Meinung" für die Notwendigkeit der Existenz der anderen Meinung ein. Bilder nach Karl Rottmann und Kubin, darunter zwei farbige, ferner Abbildungen guter kunstgewerblicher Erzeugnisse bereichern das Heft, das übrigens eine neue Abteilung .Leitung" aufweist, die ohne viel Kommentar Zeitungsberichte der verschiedensten Art wiedergibt, die charakteristische Züge unserer Zeit streiflichtartig beleuchten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a Berlin 'ranlfun a Berti' Schluß-, ffnre ! Ul’ Nur Schiuv 1 Rur 1 Anian«- Rur -'dbufr. Rurc u nur Schl uh Rur -Umanfl, flur Saturn 22- lu. 23- 10. 22 n. 23 II. Datum 22 l 3 22 ll. 23. Ii 6 eu Idie '> on ........ 87,5 — 87,5 — Hamdura-Amerita Palei Hamb -Südam Dampslch . r 109,5 110,5 109 165,25 110,25 7% Deutsche ReichSanlelhe Hanta Dami sshill .... Rorvdeutschec ülotjö ... 1< — — 149 151 von 1929 ......... SS — 99,1 — . - 05,4 105,75 105 105,5 Di. «In., ublfll. Schuld mil Allg Deutichelireditanir . 1< 119 —— 119 119,75 >o> -Rechlen . . 50 50 -0,1 50,1 Barmer Bontv^rcin . . V 120 — 119,5 120,25 fr-n1 rRni* Rech!" 1,2 9,4 9,1 9,4 Berliner HanoelsgeieUsch. . 1. •79,5 — 179,5 182,5 8% He«. 5?ol!«ftaat von 1929 Commerz- und Prioat-Bank ■ 68 68,5 67,5 168,5 trülkzahlb. 102%) . . . — 90 — $ arm ft. u. Wahonalbant 1 251 — 250 251,25 Oberhcllen Provinz - Anleibe mit Deut'che Bant ... Ti:c^nto-t«e,eUschasi, Ant. 1 160 160 60 160 AuXos.-Rechten . .... Deutsche ttunim. Sammelabl. 46,5 — — 11 160 160 160 160 Dresdner Ban! . . • 1 150,75 150 150 150 Anleihe Serie 1 • • 8% Franks. Hnv -Bank Goldvfe. 49 ->4,75 — 49,25 — Reichsbam 1 -70,5 272,5 <.67 271,5 XIII unlünbbar bis 1931 . 7% ,3ranff. Hvp-Bank Golbpse — —- - S.S.S Bergmann Eieltr. Lielerun rgelellschafi 171 172 171, 85,5 188 185 18b unkündbar l>l» 1932 ..... 4K% «belutsche Hyp.-Bank ”T 56,5 163 157,25 165,5 .55,5 60,25 158, b 165,7a Liqu. GoldpN....... 8% Pr. LandcSpsandbriesanklalt, 76 Reiten ft Guilleaume (Mei | (th-ftr Untern.. . . . IV, 1' 17 64 — 115 162,. 119,25 166,25 Psonddriese 8L 17..... 8% Pr. LandespsanvbrielanNalt, 98 8 Hamb Eieltr.Werte . . . 1 40 _ -24,5 139 126,5 140 Komm.-Lbi. R 16..... 95 — 5 — Schlei Eie' ..... Schaden ft Co. . , . , . ! — 152 157,5 7% Pr Laiivespsanbbrielanstalt, 89 11 7,5 179,25 -73,5 179,5 Psanvbriese R. 10 — 19 — Eiemens & vaisle ..... 16 306 310,5 301 310 w uvg <'U[irie.,v»Obltflatwn . 8 — — 22,75 — rüchablbat 1932 — Lahmeyer ft (So. ..... 10 -62,5 — 163 162,5 4% Leiterreichilche «oldrte 26,05 — 26,5 — Buderus ..... «. 62 63 61 98,5 62,6 4 Crftcr- Cllbrrr- — — 3 — Deutsche Erd31 ...... . 6 — — 100,4 4% Oeslerrelchilche Einheitliche Eliener Steinlah!«..... — — 24,5 127,5 Lien le.......... — — *. — Gelienlirchener ..... . 8 Iz8,75 — 126 129 4% Unflart|d)e iSolvne 21,7 — 22 — Harpener. . ..... Hoeick Eisen. . .... O 134,25 — 133 135 4% Unflannte Slaalsr. o 1910 19,1 — 19,65 —— en — — 109,25 113,25 4y,% besgl. von 1913 . . . 4% Unflarildh' flronenrte.. . 2 _ 1.65 2 2,05 5we «erobern ...... Rlodncnuerte ■ . . . 10 .09 6,75 06,75 208 93 209 97 4% Turl. Zollanicihe v. 1911 .4 7,4 .4 7,55 Röin-Neueilen . . . . 7 — — 106 109,75 4% lürfiidx Bagdadbabn An Mannesman -NShreo . . . 7 3,75 100 38,5 99,75 Serie l . —• — ,45 7,6 Manssclde. Bergbau . . . . 113 — 11,5 116 4% tveai. li ,4 — ’,4 ,55 Cbrnch'ei (ii eoan . . — — 67 67,5 6% Rumünilche vereint, Rente Cbcridilei Kotsiverke. . 7 — — 30 — von 1903 • . . . . 4y.uo *■ manische vereint,. Rente ,5 — 8,6 — 'JJbdiüj Bergbau ... 6 V. 4,4 04,5 103 104,75 Rbegliche Brauntohlen. . . 1' 250 — 250 250,5 Von 1913 ....... 13,95 — 14,1 — iKbelnftabi ..... . 6 100 102,25 98,25 102 4% Rumänische vereint,, eit e . 6,95 —- 7,05 — Riebecl Montan . . . 7/ — — 103,25 104 'ranlhrrt a M Berlin Banknoten. c» -&• i Ul' -ch-uh -äiiianfl. Berlin. 22. Oktober Geld Bries Rur# | n--- fiur -Amerikanische Noten 4,205 4,225 Belgische Noten 58,27 58,51 Datum 22 10. 23 li- 22 । 23 la Dänische Noten . . . 111,73 112,11 Englische Noten .... & * — 20,347 20,427 Bereinigte Stahtw 108 — 107,5 108 französische Noten . . . Holländische Noten . . . 6,435 16,495 Ciao- Minen 16'/. — — 60,25 62 68,06 168.74 fia werke a-dterilcben 204 — 200,25 206.5 Italienische Noten .... 21,85 21,93 Ra werke aJefteregeln 10 212 215,5 209 217 Norwegische Noten . . . 11,64 112,08 La u> . e 5aU6eiiurtD 15 ,13,5 323 310,25 325 Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling 58,60 58,84 Rumänische Noten . . . 2.465 2,485 J G Rarben-Onouftne . . . li 179 180 177 180 Schwedische Noten . . . 12,03 112,47 Dynamii Nobel..... . . 6 — — — 84,5 Schweizer Noten .... 80,84 81,16 LcheideanstaU...... 137 — — — Soanische Noten .... 59.79 £0,03 Goldichmidt ...... . . 5 61,5 61 61 62.25 T-chechoslowakische Noten. 12,33 12,39 Rüigerswerie...... . . 6 70,25 71,75 70 70,75 Ungathdie Noten 72,82 73,12 Metaiiaelell'chafi • . . - . 8 115,25 116 11 83,5 85 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL lt q • . . u — — 36,5 36,5 Schweiz . . 80,935 81,095 80,94 81,10 vuon#. x.*oea« . • • . 10 — — 160 165.25 Sva ieu . Japan . . . 59,84 CO,9t 59.91 60.03 3?at Vlutomob* . . . , . n — — 17,13 17,6 2,000 2,004 1,998 2,002 Oreniletn 6 Koppei . . . . . 6 — — 69,25 71 Hio be Jan ,4975 0,4995 u,497 0,499 v nnt'iro Heg . . . . 10 — — 160,5 — Wien in D-' 58,91 355 — 152,5 — Ccft. abgeft 58,70 12,375 58,82 58,79 Prag . ■ 12,395 12,378 12,398 Granit Mmchtnen .... . . 4 43 43 43 Bel trab . 7,391 7,405 7.393 7,404 Äriyner .... 6 46 — <— — Vubaptlt. Bul arten 73,03 73, 7 73,04 73,18 peqltaenfiaeot . . . 6 — — — 3,027 3,033 3,017 3,023 .lungvan» 6 ,25 — 4,5 — v-fTabon 18,80 18,84 18,83 18,87 ijediiDetle - 103 — — — Danztg. - .ffonft ntin- 1,44 81,6 81,46 81,62 Mainirainoer- HSchst a. M- 8 (5,5 — — — -.968 1,972 1,972 1,976 •Diiafl. 10 121 —— 120 119,75 Athen. . 5,435 5,445 5,435 5,445 Gedr Roeder . ... 10 106 —— — •— ölanaba 4,144 4,152 4,136 4,144 löolfli ft Haelinrr .... s 222 — 222 — Uru uat) 4,056 4,064 4,086 4,054 Südd Zucker...... . 10 48 — 145,5 — Cairo 20,905 20,945 20,90 20,94 Oberbessen. Kreis Büdingen. /V Nidda, 22.Okt. Hier wurden diesmal zur Gemeinderats. > ahl sechs Wahloor- schlage eingereicht, eine bei früheren Kommunal- wählen noch nie erreichte Zahl: 1. die bürgerliche Liste, Spitzenkandidat Rektor i. P. G a tz e r t (seither Gemeinderatsmitglied)', 2. die demokratische Liste, Spitzenkandidat Staufmann Hans Schmoll (seither Gemeinderatsmitglied): 3. Liste des Bauernbundes, Spitzenkandidat Mühlenbesitzer und Landwirt Äug. Mann (seither Gemeinderatsmitglied): 4. die sozialdemokratische Liste, Spitzenkandidat Dachdeckermeister Richard Orth; 5. Liste der Evangelischen Volksgemeinschaft, Spitzenkandldat Iustizinspektor Eduard Bär: 6. Liste des Sportvereins, Spitzenkandidat Weißbindermeister Gustav Pfannkoch. Zwischen den beiden erstgenannten Listen besteht Listenoerbindung. Die beiden zuletzt genannten Wählergruppen treten hier zum erstenmal mit eigenen Listen auf. Kreis Schotten. a. Schotten, 22. Okt. Die Einzeichnung in die Liste für das Volksbegehren ist hier sehr minimal: nur ein paar Leute haben unter« schrieben. — Für die Gemeinderatswahl sind neun Li st en eingegangen, mehrere sind der Zweckmäßigkeit halber untereinander verbunden. □ Laubach. 22. Oft Die Dickwurzernte ist jetzt beendet: sie kann im ganzen als gut bezeichnet werden. Die Aussaat des Winter- Weizens hat begonnen. Das Korn hat sich bereits recht gut entwickelt. Wintergerste wird hier nicht gezogen: einzelne Versuche scheiterten an der Ungunst des Klimas. — Die Obsternte ist jetzt geborgen. Die Vachfrage nach Obst ist gering. Falläpfel kommen der Zentner auf 2 bis 3 DHL, Tafeläpfel der Zentner auf 10 bis 12 DHL — Gestern abend gegen 6 115r zog wieder eine Kette von 20 b i s 22 Schneegänsen an unserem Städtchen vorüber. Die Vögel kamen aus der Gegend von Weickartshain und flogen durch das Lautertal in der Richtung gegen Wetterkeld und RöthgeÄ. Ihr Flug bildete einen Haken. Kreis "Alsfeld. ch Deckenbach, 22. Okt. In den Förstereien Schadenbach und Gontershausen fanden dieser Tage Treibjagden statt. Es wurde auf Rehe, Hasen und Füchse gejagt. Insgesamt hatten die Treibjagden folgendes Ergebnis: 15 Stück Rehwild und 25 Hafen. Die Hafen find allgemein noch ziemlich schwach ent- wickelt. Der Bestand an Hasen ist gut. An Feldhühnern weisen die beiden Förstereien einige starke Ketten auf. Der Rehbestand ist als sehr gut zu bezeichnen. Man schätzt die Zahl dieses Wildes in den genannten Förstereien auf 250 bis 260 Stück. Freiiag, den 34 einschließlich Sonntag: 87530 DER K< HOCHSTAPLER Der Se bis 5-Ztmmer-Wohnung kann getauscht werden. Schr. Angeb. u. 06806 a. d. Gn. Anz. Sür getragene fWenileioet zahlt höchste Preise L. Kofenzweig ©leBen.eeHersro.SSL Karte genügt. (7349A 25. Oktober 1929, abends Wz ühr, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten i|jChtSPiBlhciUS eine Egg Bahnhofstraße 34 öffentliche Versammlung 1 : Mowack 1 185 Seltersweg 85 ___________________________ K72UA M Herr Dv. 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