Nr. 225 Erstes Blatt 179. Jahrgang Montag, 25. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Di« Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspjennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. poftschecklonto: Zrankftirt am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Umverfitcttr-Vuch- unö Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Frankreichs bedrohte Sicherheit. Zehn 2ahre lang haben wir bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit aus Frankreich den Ruf herüberschallen Höreri, daß trotz des Ausgangs des Weltkrieges seine Sicherheit durch das benachbarte Deutschland aufs 2leu- Herste bedroht sei. Mit diesem Argument ist die französische Politik ein Jahrzehnt lang krebsen gegangen, hat sie den Ruhreinbruch bömäntelt, hat sie die Fortdauer der Besatzung am Rheinland zu rechtfertigen versucht, hat sie jsden Fortschritt in der Abrüstungspolitik verhindert, und soeben erst im Haag hat auch D r i a n d wieder damit operiert. Der jetzige französische Ministerpräsident, der sonst soviel uno so eifrig von seinem Friedenswillen zu sprechen wußte, hat wiederum davon gefaselt, daß die Sicherheits- Vorkehrungen Frankreichs an seiner Ostgrenze noch nicht fertig gestellt seien und daß dahea: besondere Maßnahmen getroffen werden müßten. Mit dem Gerede von der bedrohten Sicherheit Frankreichs haben auch die Franzosen bis zum letzten Augenblick die Forderung einer besonderen Kontrollkommission für die entmilitarisierte Zone int Westen Deutschlands zu begründen versucht. Wie unaufrichtig alle diese tönenden Redensarten von der bedrohten Sicherheit sind, ist von deutscher Seite ebenso oft und ebenso eindringlich nachgewiesen worden, aber umsonst. 2ctzt ist ganz unerwarteter und überraschender Weise i n Frankreich selb st ein Mann aufgestanden, der seinen Landsleuten endlich einmal die Wahrheit gesagt hat. Innenminister T a r d i e u hat sich in einer Rede in seinem Wahlkreis Belfort gegen diejenigen Elemente gewandt, die dauernd davon sprechen, daß Frankreich durch die ungeschickte Politik seiner leitenden Staatsmänner der Früchte seines Sieges verlustig gegangen sei. Zu ihrem Rutz und Frommen hat er eine Bilanz des Sieges für Frankreich gezogen, wie sie sich heute dem geistigen Auge Tardieus darstellt. Was Frankreich heute als Frucht seines Sieges anführen kann, zählt Tardieu in folgenden Punkten auf: „Die Unabhängigkeit Frankreichs wiederhe-c- gestellt; die Handlungsfreiheit nach andeirihalb verhängnisvollen Jahrhunderten für unsere Politik wiedergewonnen; Elsaß und Lothringen in den Schoß der französischen Familie zurückgeführt; Zertrümmerung des Bersklavungsinstru- ments, das sich Dreibund nannte; an unserer Seite auf unserem befreiten Kontinent Belgien, die Tschechoslowakei, Rumänien, Südslawien, Polen. Griechenland; das linke Rheinufer und 50 K' ometer des rechten Rheinusers für das Heer irrerer Rachbarn gesperrt; unser nordafrikanischer Besitz von der deutschen Hypothek auf Marokko befreit; unser Kolonialreich mit Syrien, Kamerun und Togo um 800 000 Quadratkilometer, 16 Millionen Einwohner und eine halbe Milliarde Handelsverkehr vermehrt. All das zählt nicht für diejenigen, die berufsmäßig die Ration entmutigen und für ihre leichtgläubigen Anhänger." Das klingt wahrlich anders, als die wehleidigen Ieremiaden der französischen Rationalisten, und ihnen werden wir in Zukunft, wenn sie wieder von der deutschen Drohung mit einem Ueberfall auf das arme schwache Frankreich sprechen, diese Rede ihres heutigen Innenministers vorhalten. Er hat seinen Landsleuten aber auch noch mehr gesagt. Er hat ihnen vorgehalten, in wie glänzender wirtschaftlicher Lage sich heute Frankreich als einer weiteren Folge des Bertrages von Versailles befindet. Cs ist. nach den Ausführungen Tardieus, von dem Joch der Meistbegünstigungsklausel befreit, die ihm durch den Frankfurter Vertrag aufgezwungen worden war; dank der elsässischen Kaligruben geht es der französischen Landwirtschaft so gut, daß sie in der Lage ist, zu exportieren; die französische Erzeugung von Stahl und Eisen ist verdoppelt worden, die der Wolle und Bauwolle um ein Drittel erhöht; die französische Handelsflotte ist mehr als doppelt so stark» als in der Zeit vor dem Kriege; die industrielle Ausrüstung ist sogar verzehnfacht. Auch diese keineswegs übertrieben günstige Schilderung Tardieus werden wir anführen, wenn es demnächst wieider zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und später zu einer Revision des Voung-Plans kommt. Man könnte den Franzosen sagen, daß geradezu eine Perversität darin liegt, wenn ein so reiches und mächtiges Bolk von dem unterlegenen Gegner achtzig Jahre lang Tributleistungen verlangt und ihn bis zum letzten Tropfen auspreht. Cs ist eigentlich bedauerlich, daß der französische Minister diese Rede e r n jetzt in Belfort und nicht vor der Haager Konferenz gehalten hat; noch besser wäre es sogar gewesen, er hätte sie in Paris vor den Sachverständigen gehalten. Dann wäre sicherlich in Paris und im Haag ein ganz anderes, besseres und gerechteres Ergebnis erzielt worden. Eine größere moralische und sachliche Rechtfertigung der Haltung Deutschlands in jeder Hinsicht konnten wir uns in der Tat nicht wünschen. General Guittaumat über die Rheinlandräumung. Paris, 22. Sept. (WB.) Der Oberkommandie- rende der französischen Besatzungstruppen im Rheinland, General ©uillaumat, hat einem Sonderberichterstatter des „Journal" erklärt: Wir haben offiziell mit der Räumung der zweiten Außenpolitische Verhandlungen der Opposition. Die „RationalliberaleKorrespondenz" über einepariserFühlungnahmedeutschnationalerKreise Berlin, 21. Sepk. (WB.) Die Rational. Liberale Lorrefp ondenz (RLL.) macht in ihrer heutigen Ausgabe aussehenerregende Mitteilungen, wonach der deutschnationale Abg. klönne ohne Wissen der deutschen amtlichen Stellen m i t ft an; öflfchen Militärkreisen und Politikern über ein deutsch-französisch e s Militärbündnis unterhandelt habe. Die Korrespondenz hatte bereits kürzlich an- gcdeutet, daß von deulschnationaler Seite „in Paris sehr viel weitergehende, ja viel gefährlichere Angebote gemacht worden feien, als die von hugenberg bekämpfte Politik der Verständigung". Die deutfchnatiouale Pressestelle hatte die R.L.L. darauf der Verleumdung beschuldigt. Die heutige verösfentlichung der R.L.L., die, wie sie sagt, „wenigstens in etwas den Schleier lüsten wolle", besagt: Herr fUönne reist seit dem Jahre 1926 i n politischer Mission nach England und Frankreich. Lr hat in zahlreichen Gesprächen mit französischen Politikern den Franzosen e i n Militärbündnis und ein Zusammengehen Deutschlands und Frankreichs gegen Sowjet rutzland angetragen. Er hat über dasselbe Thema mit einem hervorragenden bekannten englischen Politiker in Paris Besprechungen gehabt. Lin französischer General, der aus seiner Tätigkeit im Zusammenhänge mit Fragen der Entwaffnung Deutschlands wohl bekannt in Deutschland ist und als ein hervorragender Kenner des augenblicklichen Rüstungszustandes in Deutschland gelten muh, ist mi t Wissen von her rn Klönne und mit Wissen der hinter ihm stehenden deutschnationalen Hintermänner im Winter 1927/28 inkognito nach Berlin gekommen, um mit deutschen Militärs die Frage eines deutsch-franwsijchen Militärs,imdnll^s zu besprechen. Dieser hohe französische Offizier stand während seines Aufenthaltes in Berlin in enger Fühlung mit Herrn Klönne, der es übernommen hatte, auf hochgestellte Militärs des Reichswehrministe. riurns einzuwirken. Selbstverständlich vertief aber die Mission des französischen Generals ergebnislos, weil die erwähnten amtlichen Stellen keine Reigung hatten, sich in diesem Konsortium zu betätigen. Dah aber die deutschnationalen Auhen- politiker es unterlassen hatten, das Auswärtige Amt von diesem Schritt in Kenntnis zu fetzen, versteht sich von selbst. Herr Klönne hat diese Besprechungen im Winter 1927/28 in Berlin fortgesetzt, und zwar mit französischen in Berlin tätigen Militärs hohen Ranges. 3m Frühjahr 1928 wurden diese Besprechungen nach Paris verlegt und maßgebende Politiker der französischen Rechtsparteien, darunter ein bekannter ehemaliger Militäx, beteiligt. Eine Entgegnung Dr. Mnnes. Das Auswärtige Amt von alten Besprechungen unterrichtet. Berlin, 21. Sept. (TU.) Reichstagsabgeordneter Dr. Klönne teilt der Telegraphen-Union mit: „Die Rational-Liberale Correspondenz, das amtliche Sprachrohr der Partei des Herrn Reichsaußen- ministers, brachte unter dem. 21. September 1929 Mitteilungen über Verhandlungen deutschnationaler .Herren, bei denen ich genannt wurde und die ich nicht unwidersprochen lassen will. In dem angezogenen Artikel sind Wahrheit und Dichtung in erstaunlicher Weise gemischt. Es ist r i ch t i g , daß ich (nicht 1926, sondern 1927) in London U n - t e r h a n d l u n g e n mit führenden englischen Politikern gepflogen habe, die die Entwicklung Europas und besonders die deutsche Sache betrafen. Bei diesen Gesprächen, bei denen ich meine Stellung als Privatmann, der ohne Auftrag der Regierung ober seiner Partei, nur seine eigene Meinung zum Ausdruck brachte, ausdrücklich betonte, führte ich etwa aus, daß Deutschland für eine deutsch - englisch - französische Zusammenarbeit nur bann in Frage tarne, wenn wenigstens bie ele - mentarften beutschen Forberungen erfüllt würden. Als solche nannte ich nicht nur, wie bie R.L.C. richtig ausführt, „Räumung ber Rhein- lanbe unb Rückgabe ber Saar, Wiberruf ber Kriegs- schulblüge" (unb zwar burch ben ehemaligen Feinb- bunb), „gewisse Erhöhung bes beutschen Heeresbe- stanbes", fonbern — unb bas vergißt die R.L.C. bezeichnenderwAise — in erster Linie die unbedingte Rückgabe des Weichsel-Korridors, volle Wiederherstellung der deutschen Souveränität unb eine Revision bes Dawesplanes in bem Umfang, baß Deutschland höchstens die Hälfte ber festen Dawes-Annuität zu zahlen hätte. Es versteht sich von selbst, daß ich das Auswärtige Amt über diese IInterhal * t uu gen. obwohl sie rein privater Natur waren, alsbald unterrichtet habe. Den französischen General, der auf seiner Tätigkeit im Zusammenhang mit Fragen der Entwaffnung Deutschlands Wohl bekannt ist, offenbar General Walch, kenne ich nicht, kann also mit seiner Demarche nicht in Verbindung gebracht werden. Alle darüber gemachten Ausführungen sind unrichtig. Dagegen habe ich mit französischen politischen Persönlichkeiten im Winter 1927/28 in Berlin Unterhaltungen ähnlicher Art wie vorher in London gepflogen, wobei ich nach meiner Auffassung über die Rechbergschen Pläne gefragt wurde, und dieselben Forderungen, wie in London vertrat. Ich glaube nicht, daß irgend jemand das Recht hat, derartige Unterhaltungen Angebote zu nennen. Im Frühjahr 1928, ebenso wie 1929, war ich nicht in Paris. Die hieran geknüpften Bemerkungen sind ebenfalls frei ertrinken. Dagegen hatte ich während der Pariser Devhandlringen übr-r den Vvungplan den Besuch französischer Politiker, wob« Berlin, 22. Sept. (Prio. T.) x3n Anbetracht der Tatsache, dah von französischer Seite bis zum heutigen Tage noch nicht die Lrn en- nun gen der Mitglieder der französischen Saardelegation erfolgt find, ist es leider trotz des fortgesetzten Drängens von seilen der deutschen Stellen noch nicht möglich gewesen, diese Verhandlungen zu eröffnen. In Paris entschuldigt man sich damit, dah die zuständigen Herren auf Urlaub wären, unb dah deshalb die (Ernennungen noch nicht vollzogen werden könnten. Wie wir hören, versucht jedoch das Auswärtige Amt nach wie vor, die sofortige Ausnahme ber Verhandlungen zu erreichen, doch rechnet man in eingeweihten Kreisen jetzt nicht mehr damit, dah diese vor Oktober zustande« kommen können. Die Gaargruben. EineAeutzerung des Industrielle» Röchling. Paris, 21. Sept. (TU.) Der „3ntranfigeant“ veröffentlicht eine llnfcrrebung mit dem deutschen Industriellen Hermann Röchling über die (Saarfrage. Röchling erklärte u. a., für ihn gäbe es keine (Saarfrage. In Deutschland sei man der Ansicht, daß die lächerliche Lage s o - fort beendet werden müsse. Die Einwohner des Saargebietes seien immer sehr gute Freunde der Franzosen gewesen und hätten mit ihnen Beziehungen unterhalten. Die Saarbewohner möchten wieder gute Freunde Frankreichs werden. Dies sei aber nur möglich, wenn die Franzosen sofort aus dem Saargebiet verschwände.c. Die Saarbewohner wünschten nur eine Rückkehr zu Deutschland. Selbst wenn man eine außerordentliche Lage für das Saargebiet schaffen würde, so würden seine Einwohner verlangen, wieder deutsch zu werden. Auf die Frage des Berichterstatters, ob man sich verständigen könne, indem man Frankreich in dieser oder jener Form, beispielsüber den Vvungplan selber gesprochen wurde. Auch hier war von Angeboten von einer der beiden Seiten nicht die Rede, auch in diesem Falle habe ich das Auswärtige Amt unverzüglich unterrichtet. In wie objektivem (Sünne dies geschah, darüber mögen die betreffenden Herren des Auswärtigen Amtes Auskunft geben. Ich erlaube mir die Frage zu stellen, ob sich der Herr Reichsauhenminister von den Herren des Auswärtigen Amtes über Dinge, die er jetzt offenbar für sehr wichtig hält, nicht unterrichten lieh, ober duldet er es, daß in dem Blatte, das bekanntermaßen seine Politik vertritt, grobe Irreführungen über Abgeordnete verbreitet werden? 2m übrigen bin ich der Meinung, dah eine Außenpolitik in dem von mir skizzierten Rahmen, in denen die deutschen Leibensnotwendigkeiten in den Vordergrund gestellt werden, den Anschauungen und Sorberungen des nationalen Deutschlands entspricht. Die sogenannte Verständigungspolitik des gegenwärtigen Herrn Reichsauhenministers kann ich allerdings nur älntertoerfung^olitif nennen. Solange freilich untere ehemaligen Gegner die Chance haben, mit dem amtlichen Deutschland eine derartige Politik zu machen, werden sie zu einer ehrlichen Verstäichigungspolitik nicht bereit sein. Gez. Dr. Kilönne." Berliner Besprechungen mit Renault). Berlin, 21. Sept. (WB.) 2m Anschluß an die Veröffentlichung der „Rationalen Korrespondenz" erklärt „Der 2u ngdeu t sche", daß der Stahlhelm und der Vorsitzende der Deutschnatio- weise durch die Schaffung einer internationalen Gesellschaft, eine dauernde Beteiligung an den Saargruben gewähre, antwortete Röchling mit erhobener (Stimme: „Riem als werden die Saarbewohner sich dazu bereitfinden, über einen Vertrag auch nur zu verhandeln, der nicht zur Grundlage den wesentlichen Vorbehalt hätte, daß die Saargruben an ihre ehemaligen Besitzer, den preußischen und den bayerischen Staat, zurückgegeben werden. Frankreich mutz jede Hoffnung auf eine etwaige Wiedergewinnung der Regierungsgruben auf* geben. Wir wollen sie Frankreich fortnehmen, um jede Versuchung für die Zukunft auszuschalten/ Die Schaffung eines autonomen Saarstaates lehnte Röchling mit aller Entschiedenheit ab, da die kleinen autonomen (Staaten zwischen den großen Rationen keinen Wert hätten. Auher den eingangs erwähnten Hauptforderungen sind wir bereit, die möglichen wirtschaftlichen Abmachungen zu prüfen und notfalls einen Modus vivendi für den liebergang anzu- erfennen. Röchling erklärte sich als Anhänger der Abschaffung der Zollschranke an der Saargrenze und für eine freihändlerische Politik. Vorbesprechungen in Heidelberg. Berlin, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Am Montag findet auf Einladung bes Auswärtigen Amtes in Heidelberg eine Sitzung bes Saarausschusses mit ben Vertretern ber Reichs- und ßänberminifterien unter Anwesenheit bes Führers ber beutschen Delegation für bie deutsch-französischen Saarverhanblungen, des Staatssekretärs z. D. von Simson, statt. Gegenstanb ber Beratungen ist eine Aussprache über bie bevorstehenden beutsch-französischen Verhanblungen unb bie Beteiligung ber Saar an biesen Verhanblungen. Die beutsche Delegation wirb bei biesen Verhanblungen zum erstenmal vollstänbig versammelt sein und eine Ergänzung durch Vertreter ber Gewerkschaften unb bes Wirtschaftslebens im Saargebiet erfahren. Frankreich verfiWpi die Saawerhandinngen. Besatzungszone begonnen. In Wirklichkeit aber ist n o ch n i d) t 5 getan, als bafc wir bie Kisten vernagelten. Das ist alles. Die phantastischsten Nachrichten sjnb, wie ich weiß, bereits in Frankreich im Umlauf. Man hat sogar gemelbet, daß Regimenter, die niemals im Rheinland gestanden haben, bie Grenze passiert hätten. Einige Quartiermacher sinb wohl bereits zurückgereist, aber nur, um bie Kasernen für bie Aufnahme ber Truppen, bie Deutschland verlassen sollen, vor- gubereiten. Die regulären Abteilungen werben c r st in einiger Zeit, unb zwar progressiv, abtransportiert werben. Die Interalliierte Rhein- lanbkom Mission wirb nach Wiesbaden verlegt werben, (obalb man sie bort unterbringen kann. Wiesbaben, in ber brüten Zone gelegen, ist vorläufig noch von ben Engländern besetzt. Unsere Verwaltungsstellen werden gleichfalls in bie brüte Zone verlegt werben. W"nn wir auf bie Linie Trier-Mainz-Wiesbaden gurüdgegangen find, wirb die französische Fahne in Koblenz heruntergeholt werben. Aber man bars nicht bamit rechnen, baß bies vor Enbe September geschehen sein wirb. Im nächsten Jahre wirb bie (Räumung der dritten Zone erfolgen. General ©uillaumat knüpfte an diese Bemerkung die Worte: „Das Rheinland wird alsdann ermessen, was es an ben Besatzungstruppen verliert." (!) Die sabotierte Abrüstung. Lord Cecil zieht seine Anträge in Gens zurück. Gens, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Die mit so viel Hoffnungen angekurbelte Genfer Abrüstungsdebatte ist dank ber französischen Quertreibereien vollkommen versandet. Es hat zwar an Worten schärfster Kritik bei fast keinem Delegierten gefehlt, auf allen Seiten war man sich darüber einig, daß auf dein Gebiete der Abrüstung bisher so gut wie gar nichts geschehen sei und daß endlich einmal ernstlich an diese große Aufgabe des Völkerbundes herangegangen werden müsse. In dem Augenblick aber als man sich in der dritten Kommission des Völkerbundes die Frage vorlegte, was zu geschehen habe und ob di e Cecilschen Vorschläge eine geeignete Basis> bildeten, war der Augenblick für die französische Gegenaktion eingetreten, die auch diesmal wieder zur vollsten Zufriedenheit der Pariser Regierung und ihrer Verbündeten mit Osteuropa unb auf dem Balkan verlaufen ist. Frankreich unb seine Gefolgsleute im Völkerbund verschanzten sich immer wieder dahinter, daß die dritte Kommission nicht zuständig für die Abrüstung sei, daß man vielmehr bas Schwergewicht der Verhandlungen in die vorbereitende Abrü- ftungsfonfercnx f e I b ft legen müßte. Mit diesem Vorwand haben sie sich auch tatsächlich durchgesetzt. Immerhin mußten sie eine Konzession in der Weise machen, daß sich die dritte Kommission später noch einmal mit dieser Angelegenheit beschäftigen solle, wenn auf der Abrüstungskonferenz bie Dinge nicht vom Fleck kommen sollten. Der Grieche Politis hat es verstanden, zur Ueberbrüdung der Gegensätze eine sehr geschickte Entschließung auszuarbeiten, bie auch angenommen wurde, nachdem die Engländer vorläufig auf die Weiteroersolgung ihrer Landabrüstungspläne Verzicht gekeift et hatten. Da ein Termin für den Zusammentritt der Vorbereitenden Abrüstungskommission noch nicht vereinbart ist, werden wohl wieder Monate ins Land gehen, bis man Neues über das vielerörterte und noch nie gelöste Problem „Abrüstung" hören wird. nahen Volkspartei Geheimrat Hugenberg durch die Chefredakteure Freiherr v. Medern und Dr. Krieg! mit dem Mitglied der französischen Kammer Paul Rena ul d im Hause des Kaft- industriellen Arnold Rech berg über die Bedingungen für ein Zusammengehen mit Frankreich verhandelt hätten. „Der Zungdeutsche" stellt eine Reihe von Fragen, die darauf hinauslaufen, ob die beiden genannten Journalisten im Auftrage des C tahchelms und im Auftrage des Geheimrats Hugenberg diesen Bedingungen zu- gestimmt hätten. Dazu übermitteln beide Herren uns eine Erklärung, aus der hervvrgeht, daß Ende April d. I. in der Wohnung des Generals v. Lippe anläßlich einer Tee-Einladung in Anwesenheit mehrerer anderer Herren, darunter Rech berg, eine Besprechung stattgefunden hat, in der Freiherr v. Wedem und Dr. Kriegk in selbstverständlicher Ausübung ihres journalistischen Berufs sich über die politischen Anschauungen Renaulds unterhol- t e n haben. Es sei nicht wahr, daß die beiden Genannten in irgendeiner Form beauftragt waren oder sich als Beauftragte bezeichnet hätten. Es sei ebensowenig wahr, daß sie irgendwelchen Bedingungen Renaulds zustimmten. Renauld habe in dieser Unterredung das Programm einer Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich mit weitgehenden politisch en und militärischen Angeboten entwickelt. Er habe aber durchblicken lassen, daß er seine persönliche Ansicht und nicht das Angebot der französischen Regierung vertrete. Die Feststellung, inwieweit die damals in Berlin vielfach verbreiteten angeblich französischen Angebote wirklich von der französischen Regierung vertreten würden, sei der Zweck dieser informatorischen Besprechung gewesen. Diese Feststellung sei absolut negativ gewesen. Darauf sei Herrn Renauld von den beiden Genannten erklärt worden, daß diese Angebote vom nationalpolitischen deutschen Standpunkt aus nicht ausreichend seien. Rechbergs Aktion. Die deutsch-franzöMche Interessengemeinschaft. Berlin, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Der bekannte Kaliindustrielle Arnold Rechberg veröffentlicht im Anschluß an die Mitteilungen der „Rational- Liberalen Eorrefpondenz" eine Erklärung, in der es heißt: Ich bin von Anfang an der Ansicht gewesen, daß eine für die Zukunft unseres Vaterlandes so entscheidende Frage, wie die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, von welcher die Befriedung Europas abhängt. der Parteipolitik entzogen werden müsse. Ich bin daher von vornherein bestrebt gewesen, sowohl den deutschen Rechtsparteien angehörige Politiker und Wirtschaftsführer, darunter auch den. Herrn Abgeordneten Dr. Klönne, an meinen Verhandlungen mit französischen Staatsmännern zu beteiligen, als solche, welche den Parteien der Mitte und den Linksparteien angehören. Weine Verhandlungen mit französischen Staatsmännern beruhen auf der Grundlage einer zu verwirklichenden industriellen, militärischen und politischen Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsch- französische Interessengemeinschaft soll sich gegen keine dritte Macht richten. Es soll insbesondere England Iber Eintritt in diese Interessengemeinschaft offengehalten werden. Ich habe denn auch mit Wissen meiner deutschen und französischen Freunde englische Staatsmänner über die Entwicklung der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten, und deren Billigung gefunden. Ich meinerseits habe über die Verhandlungen loyalerweise noch in diesem Frühjahr den deutschen Botschafter in Paris Herrn von H o e s ch eingehend informiert, der mir erklärt hat, er werde meine Mitteilungen an das deutsch« Auswärtige Amt weitergeben. pariser Echo. Paris, 23. Sept. (Funkspruch. Privatlelegr.) Die Enthüllungen der Rationalliberalen Korre- spondenz über angebliche Pläne eines deutsch- französischen Bündnisses finden in einigen Blättern besondere Beachtung. Der Berliner Kor- Tierfreundschasten. Don Afrikaforscher Hans Schomburgk. Wit seiner Mutter stand das kleine Rashorn unter dem spärlichen Schatten der Schirmakazie. Sie standen nur da und dösten. Wollten sich zur Ruhe ni-dertun. Auch diese einfache Handlung erfordert Ueberlegung, und das kleine Gehirn des großen Tieres arbeitet sehr langsam. Plötzlich ein Blitzstrahl aus einem Dornbusch. Ein scharfer Knall, dann ein weicher Anschlag, der klingt, wie wenn ein Zebra den Huf aus wcicheni Schlamm zieht. Das kleine Rashvrn fuhr behende herum. Der Schreck war ihm in die Seele gesprungen. Die Mutter machte einige schwerfällige, groteske Sprünge. Legte sich dann zum Erstaunen des Kalbes ruhig auf die Seite. Aber die Ruhe der Mutter übertrug sich nicht auf das Kleine. Die Furcht hatte sein Inneres aufgewühlt. Mit dem tleinen Ansatz des Dorderhornes stieß es die Mutter, doch so fest war ihr Schlaf, daß sie sich nicht rührte. Es blieb bei der Mutter stehen. Rahm den Kopf hoch, um die Witterung einzusaugen. Äe Jäger, die aus dem Dusch traten, fanden, daß es sehr arrogant aussah, wie es so dastand auf seinen vierstämmigen Beinchen, mit erhobenem Kopf. Sobald es Witterung bekam von seinem Todfeind, dem Menschen, flüchtete es ängstlich miesend zur toten Mutter. Stand zitternd bei ihr, ein rührend trauriges Bild der Der- waistheit. Schwierig war der Fang. Es wehrte sich nach Leibeskräften. Teilte kräftige Püffe aus. Da es nicht folgen wollte, wurde es von acht kräftigen Regern in einer schnell improvisierten Hängematte zum Lager getragen. Im Lager fühlte cs sich einsam und verlassen. Rur schwer konnte es sich an die Menschen gewöhnen, die ihm Futter gaben. Die Witterung, die von ihnen auSströmte, flößte ihm noch lange Zeit Furcht ein. Einige Ziegen kamen in das Lager, sie sollten Milch spenden für den kleinen Gast. Diese Geschöpfe, die aus vier Beinen gingen, erinnerten an die Antilopen der freien Steppe Vor ihnen hatte das kleine Rashorn keine Furcht. Aus der Einsamkeit seiner kleinen Seele sprang die Sehnsucht nach einem Gefährten. Rie war es alleine gewesen. Jeden Schritt seines jungen refpondent des „Echo de Paris" glaubt, daß die Reichsregierung durch Bekanntgabe der Vorgänge auf die anläßlich der Haager -Konferenz gegen sie geführte Kampagne hcche antworten wollen. Denen, die Stresemann beschuldigten, Frankreich zu weit entgegengekommen zu sein, wolle der deutsche Außenminister beweisen, daß die Rationalisten selbst nicht vor Zugeständnissen zurückschreckten. Das heiße gute Innenpolitik treiben. — Blätter wie das radikale .Oeuvre" und der sozialistische „P o Pula ir e" sind aufgebracht darüber, daß einige nationalistische französische Parlamentarier (Renauld) mit den rechtsstehenden deutschen Kreisen, die bisher die Widersacher des Friedens gewesen seien, verhandelt hätten und erwarten von ihnen eine Stellung- nahme. — „Quotidien" spricht sogar von einem Skandal, denn während die Regierungen aus die Geheimdivlomatie verzichteten, gebe es einfältige Leute, die die Geheimdiplomatie auf eigene Faust wieder einführten. — „Figaro" hebt hervor, daß auch dem Vorschlag der deutschen Rationalisten niemals Vertrauen entgegengebracht werden könne, denn es werde darin die Streichung des Artikels von der Kriegsschuld gefordert. Ser Paragraph 4 des Volksbegehrens. Eine Erklärung des Reichsausschusses. Berlin. 21. Sept. (TU.) Der Reichsaus - schuh für das deutsche Volksbegehren teilt mit: Das Präsidium des Reichsausschuffes ist am Samstag, 21. September, in Berlin zu einer Sitzung zusammengetreten, in der erneut der einmütige Wille zum Ausdruck kam. sich für das Volksbegehren zur Verhinderung des Zoungplanes und zur endgültigen Beseitigung der Kriegsschuldlüge mit allen Kräften einzusehen. Um die Absicht des Reichsausschusses, die Person des Reichspräsidenten vor jedem Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf zu schützen, auch gegenüber böswilliger Auslegung noch schärfer zum Ausdruck zu bringen, wurde durch die Einführung des Wortes „d e r e n“ folgende Fassung des § 4 einstimmig beschlossen: „Reichskanzler und Reichsminister und deren Bevollmächtigte, die entgegen der Vorschrift des § 3 Verträge mit auswärtigen Mächten zeichnen, unterliegen den im §92 Jlt. 3 Strafgesetzbuch vorgesehenen Strafen." Die Vertreter des Reichslandbundes und der Christlich-nationalen Bauern- und Landoolkpartei hielten ihre grundsätzliche Stellung- nähme gegen die Strafbestimmung des § 4 gemäh den Beschlüssen ihrer Vorstände aufrecht. Getragen von dem unerschütterlichen Wil- len zum schärfsten Kampf gegen Zoungplan und Kriegsschuldlüge erklärten sie jedoch, daß Reichslandbund und Christlich-nationale Dauern- und Landoolkpartei Schulter an Schulter mit den anderen verbänden im Reichsausschuh für b i e g e - meinsame Sache kämpfen werden. Am Sonntag, 22. September, traten die Führer der Landesausschüsse im großen Saal des Reichs- landbundes zusammen. Sonnlagsschießerei in Berlin. Propattandaumzug der Nationalsozialisten. Derlin, 22. Sepi. (WTB.) Bei einem Pro- pagandaumzug, den die Rationalsozia li- st en heute mittag durch Reukolln und den Südosten der Stadt veranstalteten, kam es an verschiedenen Stellen Zusammenstößen zwischen den Teilnehmern und politisch Andersdenkenden, bei denen die Polizei eingreifen und Feststellungen vornehmen mußte. Als der Zug die Luisenbrücke passierte und dort ein Gedränge entstand, fielen mehrere Schüsse, durch die aber niemand verletzt wurde. Die Polizei nahm neun Angreifer fest. Bei einem von ihnen sand man eine Schreckschußpistole, aus der, wie festgestellt wurde, zwei Schüsse abgegeben worden waren. Aus dem Lebens hatte es mit der Mutter getan. So schloß es sich einer Ziege an, die bald die Scheu vor dem kleinen Ungeheuer überwand und es neben sich duldete. Sv entstand aus der Derwaistheit eines jungen Tieres eine Freundschaft mit einem Tier anderer Art, die später zur Gewohnheit wurde, ein Lebenlang dauerte. Das tägliche Leben zeigt uns viele Freundschaften zwischen Tieren verschiedener Arten. (Aber den edlen Ausdruck „Freundschaft" kann man bei Tieren nur mit Vorbehalt anwenden. In den meisten Fällen handelt es sich um Gewöhnung, wenn nicht gar um künstliche Dressur. Die Freundschaft zwischen Hund und Katze ist immer indirekt. Sie geht über den Menschen, mit dem beide leben. Ohne dessen Vermittlung würde nie eine Freundschaft entstehen. Rie würde eine Freundschaft zwischen einem Hund und einer Schlange möglich sein. Die angebome Furcht vor der Schlange, die in jedem wilden Tier stark ausgeprägt, hat sich naturgemäß auch auf den Hund vererbt. Affe, Fuchs und Hahn, die man in einer Zirkusgruppe sieht, werden in Gegenwart des Dompteurs friedlich zusammen arbeiten. Sich selbst überlassen, würde der Affe dem Hahn säuberlich die Federn ausrupfen, und sehr bald würde der Fuchs dem Kahlgerupsten ein friedliches Grab in seinem Magen bereiten. Wahre Tierfreundschaften entstehen nur aus einem starken, rein tierischen Instinkt. Mutterliebe, Sehnsucht des jungen Tieres nach Ersah für die verlorene Mutter, oder gegenseitiger Schutz in der Wildnis. Eine Löwin, der die Jungen abgenommen wurden, und der man als Ersatz junge Hunde anlegt, wird aus dem natürlichen Trieb, dem Drang der Muttermilch, die jungen Hunde adoptieren. Sie läßt die Kleinen nur zu gerne saugen, da sie ihr eine Erleichterung verschaffen. Aus der Gewohnheit entsteht eine Freundschaft für ein ganzes Tierleben. In der afrikanischen Wildnis sieht man häufig Elefanten mit Giraffen, Zebras oder großen Antilvpen zufammenstehen. Hier benutzt der kluge Elefant, dem die Ratur nur schwache Augen gegeben hat, die scharfen Lichter seiner Gefährten als Schuh gegen den Erbfeind, den Menschen. Während Giraffen. Zebras und Antilopen ßch den ungeheuer entwickelten Geruchsinn des Elefanten dienstbar machen. Spreewaldplah am Görlitz« Bahnhof wurde ein Privatkraftwagen, in dem der Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels und vier andere Rationalsozialisten saßen, von Andersdenkenden angehalten. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen wurden auf beiden Seiten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Polizei nahm den Abg. Dr. Goebbels und die übrigen Insassen des Autos fest und führte sie der Abteilung I A des Polizeipräsidiums zu. In dem Auto fand man eine Pistole und mehrere Hülsen. Der Chauffeur des Wagens hatte einen Streifschuß am Halse erhalten, Um 7 Hfjr abends wurde der Reichstagsabg. Dr. Goebbels sowie die übrigen vier Insassen seines Autos wieder freigelassen. Wie festgestellt wurde, war das Auto, in dem Dr. Goebbels und feine Parteifreunde saßen, von politisch Andersdenkenden scharf bedrängt worden, worauf einer der Insassen des Wagens Schüsse aus einer Schreckschußpistole abgab. Von den im Laufe des Sonntags Festgenommenen befinden sich noch 15 im Polizeipräsidium, doch ist auch mit ihrer Freilassung zu rechnen. Oer Kapitalbedarf der deutschen Industrie. Tie Düsseldorfer Tagung des:>:eichsverbandes. Düsseldorf. 21. Sept. (WTB.) Auf der Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie sprach Dr. Wrrner Kehl, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Dank in (Berlin, über das Thema „D ie Bedeutung des internationalen Kapitalmark- t e s für Deutschland". Deutschlands Wirtschaft sehe sich auf den internationalen Kapitalmärkten einer Lage gegenüber, die ebenso schwierig sei wie der internationale Wettbewerb selbst und durchaus nicht die Tendenz habe, uns um unserer selbst willen -zu helfen. Die jährlichen Investitivnsbedürfnisse Deutschlands berechnet Dr. Kehl mit mindestens zehn Milliarden M k. Der dringende, um leden Preis Befriedigung suchende Kapitalbe» darf komme in dem hohen deutschen Zins- f u ß zum Ausdruck. Das Verhältnis zwischen eigenem und fremdem Kapital sei in Deutschland unbefriedigend. 40 Prozent eigenem Betriebskapital stehe nach dem Bud«. das die meisten Betriebsbilanzen bieten, 60 Prozent fremdes Kapital gegenüber. Dr. Kehl wies darauf hin, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo die öffentliche Hand der privatenWirt- schäft einmal den Vortritt in der Inanspruchnahme des Auslandes für dre Kapitalbeschaffung lassen sollte, und zwar schlug er als Weg der Inanspruchnahme des ausländischen Kapitalmarktes vor, in viel größerem Umfange als bisher ausländisches Kapital in der Gestalt langfristiger und verantwort- l ich er Beteiligungen hereinzunehmen, da ja die kurzfristige Verschuldung einen Höhepunkt erreicht habe und da die Reparationen drohten, das Ergebnis ausländischer, langfristiger Anleihen für sich in Anspruch zu nehmen. Generaldirektor Meinhardt von der Os- ram-Gesellschaft erklärte, die Beteiligung des Auslandkapitals könne begrüßt werden, wenn es am offenen Markt Aktienpakete kaufe. Gefährlich werde aber der sog. Ausverkauf dann, wenn die Einflußnahme des ausländischen Konkurrenzunternehmens dazu dienen solle, die deutsche Ausfuhr zu drosseln. Dagegen sei gegen eine Minderheitsbeteiligung des Auslandes, die zu angemessenen Preisen abgegeben werde, nichts einzuwenden, wenn eine Schädigung der Ausfuhr nicht eintrete und die Leitung des Unternehmend auch deutsch bleibe. Direktor Sempell von den Vereinigten Stahlwerken meinte, es erscheine besonders bedenklich, wenn man einem fe ft gefügten ausländischen Konkurrenzunternehmen eine maßgebende Beteiligung gebe. Geschlossene Minderheiten hätten im Aktienleoen schon oft eine große und ausschlaggebende olle gespielt. Jedenfalls handelt es sich um die Abgabe von industrieller Substanz, die von der deutschen Wirtschaft und mit deutscher Madenhacker und die weißen Kuhreiher finden Rahrung an den Zecken, die Dickhäuter, Antilopen und Krokodile plagen. Gewähren ihrerseits wieder ihren Gastgebern Schutz, indem sie aufflattern und Warnungsrufe ausstoßen, wenn Gesahr droht. Rur bei wenigen Tieren verschiedener Gattung ist es der Sexualtrieb, der eine Freundschaft festlegt. Auch dann nur in der Gefangenschaft. Den Beweis hierfür erb.ach.« Karl Hagen- beck, dem es zuerst gelang, Löwen und Tiger zu kreuzen. Die Freundschaft der veirschiedenen Affen in einem Käfig ist immer nur passiv. Meist nur eine bewaffnete (Neutralität. Zwei Affen allein in einem Käfig werden sich, besonders wenn sie nicht gleichen Geschlechtes, bald aneinander gewöhnen. Aus der Gewohnheit entsteht eine Freundschaft, obwohl der birefte Sexualtrieb fehlt. Genau wie ein Hund sich schneller mit einer Katze als mit einem Kater anfreundet. Je höher die Tiere in ihrer geistigen Entwick- lunh stehen, desto schwerer ist es, sie zu einer Freundschaft mit einem Tiere niederer Art zu bewegen. Ich habe alle Versuche gemacht, meinen jungen Elefanten, den ich im Jahre 1907 in Deutsch- Ostafrika fing, an irgendein Haustier zu gewöhnen. Vergeblich. — Ziege, Kalb oder Esel duldete er Wohl in seiner Rahe, betastete sie auch mal mit dem Rüssel, ohne jedoch das geringste Zeichen von Enttäuschung zu zeigen, wenn sie ihn verließen. Rie hat er eine Bewegung gemacht, ihnen zu folgen, oder älnruhe gezeigt, wenn sie fort waren. Er fühlte sich nur zum Menschen als dem ihm geistig nahestehenden Wesen hingezogen. Wehe, wenn ich ihn verließ, ohne einen seiner Wärter bei ihm zu lassen. Sofort fing er an zu trompeten, zu schreien und zu loben. Dis er ein gewisses Alter erreicht und damit eine sicherere Selbständigkeit erlangt hatte, war es überhauvt unmöglich, rhn am Tage oder in der Rächt ohne die Gesellschaft eines Menschen zu lassen. Roch ausgeprägter ist aber dies Gefühl der Zugehörigkeit zum Menschen bei den Menschenaffen, Schimpansen, Gorilla. Orang-Utan oder Gibbon, entwickelt. Ein Tier ist für den Menschenaffen genau wie für ein Kind ein Spielzeug, das er je nach Laune herzt oder quält. Gewiß Arbeit geschaffen worden sei, deren Rückführung unter deutsche Leitung aber sehr fraglich sei. Direktor Sempell empfahl dem Reichsverband die Untersuchung des Problems der Ueberfremdung, das in den Rahmen des großen Wirtschafts- Programms des Reichsverbandes gehöre. Generaldirektor D ü ch e r von der AEG. erklärte. ein Unternehmen sei nicht überfremdet, wenn Ausländer an dem Risiko des Unternehmens beteiligt und mithaftbar gemacht werden. Wenn man ein Unternehmen durch Beteiligung des Auslandes zu stärken versuche, um ihm auf den internationalen Märkten seine Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, dann bedeute das eine nationale Tat. Rückkehr des Reichskanzlers und des Außenministers. Reichskanzler Müller wird seinen Erholungsurlaub auf der Bühler Höhe am nächstes Mittwoch abfchließen und nach einem kurzen Besuch in Heidelberg die Rückreise nach Berlin antreten. Der Reichskanzler wird an der am 30. September stattfindenden Reichstagssitzung teilnehmen und feine Dienstgcschäfte wieder äufne h m e n. Ebenso wird im Laufe der nächsten Woche auch Reichsminifter Dr. Stresemann wieder in Berlin eintreffen. Am 26. September wird das Kabinett vollständig in Berlin versammelt fein. Aus aller Welt. Die nächsten Fahrten des „Graf Zeppelin". Die Hamburg-Amerika-Linie gibt Einzelheiten über die geplanten nächsten Fahrten des „Graf Zeppelin" bekannt. Am 25. oder £6. September wird das Luftschiff zu einer Achtstunden- fahrt über Schweizer Gebiet aufsteigen, an der 24 Passagiere teilnehmen können. Der Fahrpreis ist vom Luftschiffbau auf 400 Mk. festgesetzt worden. Einige Tage später, am *^>. oder 29. September, soll eine achtstündige Süddeutschlandfahrt nördlich bis Upn, zurück über München, angetreten werden. Die Zahl der Passagiere beträgt wiederum 24, der Fahrpreis ist ebenfalls der gleiche. Die dritte Fahrt am 5. oder 6. Oktober führt dann über Schlesien nach Berlin. Dort wird das Luftschiff mbr licherweise eine Rächt am Ankermast f e ft machen. Die Heimfahrt erfolgt über Ost Preußen. Sämtliche Plätze zu dieser Reise sind bereits auSüerfauft. Schließlich wird „Graf Zeppelin" am 10. Oktober eine 14 stündige Fahrt nach Holland unternehmen, an der 20 Passagiere zu einem Passagepreis von 700 Mark teilnehrncn können. Deutscher Turn- und Sporttag in Reuyork. (Bei dem Deutschen Tum- und Sporttag im Lewiston-Station zu Ehren Dr. Eckeners und zum Gedächtnis Hünefelds wurde Bürgermeister Walker eine Hünefeld-Plakette überreicht. Eine Ansprache hielt u. a. Generalkonsul v. Lewinski. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche deutsch-amerikanische Sportkreise teil. Der Konstrukteur des 42-cw-Rlörserv f. Im 48. Lebensjahr starb das frühere Mitglied des Krupp-Direktoriums Major a. D. Dr. ing. e. h. Max Sieger. Die Grubenkataslrophe in klein-Rosseln. Die Zahl der Todesopfer der beiden (Berg- Werkstatastrophen von K'.ein-Rosseln hat sich a u f 29 erhöht, da von den Verletzten inzwischen nochsechs ihren Cßetleßungen erlegen sind. Die elsässisch-lothringische Presse betont übereinstimmend, daß es notwendig sei, schonungslos die für das Grubenunglück Verantwortlichen festzustellen. Es dürfe keine falscheRücks ich t genommen werden. Vor allem müff «untersucht werden, ob in Klein-Rosseln alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen gewesen seien. Cs werden Stimmen laut, daß das Unglück auf die schlechte Bewetterung des St. Charles-Schachtes zurückführen. Heber die direkte Hrfache des Unglücks tauchen allerlei Vermutungen auf. Man nimmt an, daß ein Kurzschluß die Explosion hervorgerufen habe. Die Grubendirektion führt sie auf ungeschicktes Hantieren eines Benzol- lann er dies Spielz«ug gelegentlich lieben. Eine wahre Freundschaft wird er nie dafür empfinden. Wie anders verhält er sich aber dem Menschen gegenüber. Ich will nicht von seinem Herrn sprechen, dem er eine Liebe und Treue geschenkt hat, wie sie kein anderes Tier aufbringen kann. Aber auch andere Menschen, mit denen er einmal wahre Freundschaft geschlossen hat, wird er nicht vergessen, auch wenn er sie monatelang nicht gesehen hat. Meine Schimpansin „Cleo", die ich aus dem Kongo mitbrachte, spielte zwar gerne mit einer kleinen Antilope, die mit uns reifte. Wahre Liebe dagegen schenkte sie nur einem kleinen Mu- lattenmäbchen, die aus ihrer Kongoheimat von ihrem Vater zur Erziehung nach Europa gebracht wurde. Die Liebe meiner kleinen Schimpansin „Susi" zu mir ging so weit, daß sie sich noch in Afrika ohne Zaudern ins Wasser stürzte, das sie doch sonst so fürchtete, um mir zu folgen. In Berlin verließ sie sofort ihren Spielgefährten, den Schimpansen „Bobby", wenn sie mich nur von weitem sah. Cs gibt für den fühlenden Menschen kein schöneres Bild als die Freundschaft zweier verschiedener Tiere. Der denkende Mensch soll aber den Grund, die älr.ache dieser Freundschaft zu ergründen suchen und immer berücksichtigen, daß „Tiere Tiere, aber leine Menschen sind!" Amerika wird nochmals entdeckt. Die Karavelle „Santa Maria", die gegenwärtig vor Sevilla liegt, ist eine getreue Rachbildung jenes historischen Fahrzeugs, mit dem Christoph Columbus zur Entdeckung der neuen Welt aufbrach. Dieses Schiff wird nun im Mai des nächsten Jahres, am gleichen Tage und zu der gleichen Stunde von Spanien aufbrechen, zu ter einst Columbus absuhr, um eine zweite „Entdeckungsfahrt" nach Amerika zu unternehmen. Auch die Zeremonien bei der Abfahrt werden die gleichen sein wie vor der historischen Reise. Die Karavelle wird einen Block aus den Steinbrüchen von Palos mit sich führen: er soll dazu dienen, in Amerika ein Denkmal aufzurichten. Im Gebiet von San Domingo wird ein Leuchtturm gebaut, der den Ql amen des Amerikaentdeckers tragen soll. Aus der Provinzialhauptstadt Die 3n ge- mit von Deere der Tollkirsche (Atropa Belladonna), diesem Jahre hat sie besonders reichlich fruchtet. Da sie eine täuschende Aehnlichkeit einer mitteldicken Herzlirsche hat, wird sic 26. September für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Laubach. Die Strecke Dieder- Ohmen — Dcrnsseld wird vom 1. Oktober bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Atzenhain. ** Stadttheater-Abonnement. 3m heutigen Anzeigenteil wird von der Stadtverwaltung an die Abholung der Theaterabonne- ments für die Dienstag-, Mittwoch- unb Freitagvorstellungen des Stadttheaters erinnert. •’ Verdient e Strafe für einenTier- quäler. Vor dem hiesigen Amtsgericht stand dieser Tage ein Fuhrmann unter der Anklage der Tierquälerei. Er hatte feinen mit zwei Pferden bespannten Wagen zu stark beladen, sich aber trotzdem, dazu noch mit einem Beifahrer, oben aufgesetzt. Das schwächere von den beiden Pferden, das der ihm zugemuteten Anstrengung offensichtlich nicht gewachsen war, fiel in die Knie, war aber gleich wieder auf den Deinen. Der Fuhrmann schlag trotzdem unbarmherzig auf das Perd ein, stieg nach kurzer Zeit ab, nahm seine Peitsche verkehrt und setzte, gleichsam um das Tier abzustrafen oder zu einer rascheren Gangart zu veranlassen, seine Mißhandlung fort: wohin seine Schläge trafen, ob auf Kopf oder Weichteile oder sonst wohin, war ihm einerlei. Es sammelten sich Zuschauer auf der Straße, die über die unmenschliche Handlungsweise des Fuhrmanns empört waren. Namentlich stellte ihn eine ältere Dame aus dem Osten, die über den Umgang mit Pferden genau Bescheid wußte, zur Rede und brachte es auch fertig, daß er mit seiner rohen Behandlung des Tieres innehielt. Gr setzte sich aber wiederum auf den Wagen und fuhr weiter. 3m Strafbefehlsverfahren erhielt der rohe Mensch wegen Tierquälerei eine Geldstrafe von 25 Mk. Dagegen erhob er noch Einspruch, hatte damit aber kein Glück. Die Strafe wurde vom Gericht vielmehr verdoppelt. ** Hütet die Kinder vor der Tollkirsche! Gegenwärtig findet man in unseren Wäldern massenhaft die schwarze, glänzende Gießen, den 23. September 1929. Flugzeugiaufe in Giehen. den Kindern leicht dafür gehalten. Sie ist un- gemein giftig, wie auch alle anderen Teile des Tollkirschenstrauches ein sehr gefährliches Gift (Atropin) enthalten. Die ganze Pflanze riecht betäubend und schmeckt bitter. Der Genuß der Beeren bewirkt Mattigkeit, Kopfweh, Schwindel, 3rrereden, heftiges Fieber und endlich den Tod. Als Gegenmittel bis zum Eintreffen des Arztes sind bekannt starker Kaffee nach vorherigem Erbrechen deS Mageninhaltes. Oderheffen. Landkreis Gießen. chRüddingshausen,21. September. Gestern toste ein gewaltiger Sturm über unsere Gegend hin und richtete in Den Obstgärten IroßenSchaden an. Unter den Obstbaumen mit rühreifen Obstsorten lagen die Früchte wie gesät, luch von den Zwetschenbäumen riß Der Sturm Die roten, unreifen Zwetschen in Mengen herunter. BesonDers schade ist es um das Obst an den Provinzialstraßen, wo die schönsten Früchte auf die Straße fielen und zerplatzten. Gegen 4 Uhr legte sich Der rafenDe Sturm, Der geraDe hier^ auf freier Höhe sich richtig auswirken konnte, unD brachte einen tüchtigen, lange anhaltenDen LanD- regen. Der zeitweise wolkenbruchartigen Charakter annahm, gepeitscht von plötzlich einsetzenDem Sturm. Bis zum AbenD ftanDcn überall Die Wege unD Gräben voll von Den langersehnten, plötzlich unD unerwartet eingetroffenen Wassermassen. □ Arnsburg bei Lich. 22. Sept. 3m Got - tesackertol, einen Kilometer nördlich des Klosters, wir') eine breite Brücke über die Wetter gebaut, um das ..Langholz" aus der „Hardt" aus das rechte Dachufer zur Staatsstraße bringen zu können. 3n diesem Tal war früher nach sicherer Ueberticfcrung der Friedhof für die Mönche der Abtei, wie Funde von Gebeinen in den 70er 3ahren vorigen 3ahrhundcrts gezeigt haben. Auch wurden die im Lazarett zu Arnsburg verstorbenen Soldaten (in der Zeit der Revolutions- und Freiheitskriege) auf jenem Friedhof begrabender Friedhof für die Aebte und die höheren Geistlichen (die „Patres") war dagegen im Klosterbezirk selbst, bei der ..Allerheiligen-Kapelle" am nördlichen Seitenschiff der Abteikirche, der jetzt noch belegt wird. Kreis Büdingen. r. Büdingen, 21. Sept. Einen schweren Verlust erlitt ein junger Mann einer hiesigen öffentlichen Kasse, der zur Einzahlung von Geld in die Stadt geschickt worden war. Unterwegs wurde er bei dem plötzlichen Herannahen eines schweren Gewitters zur größten Eile angetrieben, wobei er aber infolge des Hastens unbemerkt einen Betrag von 1 8 0 0 Mark in den Straßen der Stadt verlor. Dis heute hat sich ein Finder des Geldes noch nicht gemeldet, so daß der junge Mensch mit einer schweren Einbuße rechnen muh. LJ Dorsdorf, 22. Sept. Die diesjährige Obsternte unseres Dorfes liefert im allgemeinen außerordentlich gute Erträge. Wenn auch die Zwetschenernte nur gering war, so zeigen vor allem die Apfelbäume einen geradezu übervollen Dehang. Der Aepfelhandel, der in anderen 3ahren um diese Zeit schon recht rege ist, geht in diesem 3ahr bis jetzt noch sehr langsam. Rur ein Waggon Falläpfel zu Kelterzwecken kam dieser Tage zur Verladung. 3n Pflückobst wurden kaum Verkäufe getätigt; in einzelnen Fällen wurde der Zentner je nach Qualität mit 6—11 Mk. abgeseht. Die Rachfrage nach Dirnen, die ebenfalls eine sehr gute Ernte liefern, ist ähnlich gering. Die Preise für die etwas mehr begehrten Honigbirnen schwanken zwischen 2—3.50 Mk. je Zentner ab Daum. -h Aus dem Riddatal, 22. Sept. Die diesiährigen K a r t o s f e l p r e i s e, die für den Zentner geboten und bezahlt werden, sind über eine Mark niedriger als die des Vorjahres. Wcihfleischige Kartoffeln werden nur mit 2 Mark bezahlt, gelbfleischige entsprechend höher. Die Erzeuger üben große Zurückhaltung im Verkauf, weil sie annehmen, ihren Ertrag anderweitig besser verwerten zu können. Die niedrigen Preise sind auf die ausnahmslos gute Ernte zurückzuführen, die ein starkes Angebot zur Folge hat. Ein großer Teil Der Landwirte ist bereits mit dem Ausmachen der Kartoffeln fertig. Kreis schotten. * Schotten, 22. Sept. Dieser Tage fand hier im „Hessischen Haus" eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in welcher Syndikus Dr. Göbel, Berliner Börse. Berlin, 23. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die neue Woche eröffnete wenig verändert. Im heutigen Frühverkehr konnten sich Geschäfte noch nicht enb wickeln. Die TenDcnz blieb unDurchsichtig, unD Die Spekulation zurückhaltenD. Kurse sinD noch nicht zu Horen. Am Devisenmarkt nannte man LonDon gegen Paris 123,85, London gegen Mailand 92,65, London gegen Spanien 32,82, London gegen Kabel 4,8461, London gegen Berlin 20,3550, Kabel gegen Berlin 4,20. tretet der Stadt die Taufrede: „Wir stehen heute vor dem Werk unserer Jung- flieget. Das Flugzeug soll den Namen „Stadt Gießen" tragen. Der Herr Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung und der Stodtrat haben mich beauftragt, dem Verein für Lus.fahrt und seiner Jungfliegetgtuppe den h e r z l i ch st e n Glückwunsch zum Gelingen des Werkes zu überbringen und der Freude darüber Ausdruck zu geben, daß das Flugzeug den Namen „Stadt Gießen" tragen soll. Kopf — oben — auf die Hand am Knauf! Mein deutsches Volk: Sonn' auf! Diesen Gruß widmete der leider zu früh verstör- bene Dichter Cäsar Flaischlen seinem großen ßanbsmanne, dem Grafen Zeppelin, und seinem großen Werke. Ich möchte ihn heute dem Segelflugzeug als Taufspruch mitgeben. Meine lieben 3ungf lieger 1 Kopf-oben-- auf. Ein leuchtendes Vorbild, was trotz aller Rückschläge zähe Energie vermag, kann euch Graf Zeppelin sein. Was dieser Held des Geistes an Spott, an niederschmetternden Urteilen aus der Fachwelt, an schweren Schicksalsschlägen erdulden mußte, ist für ein Herz fast zu viel. Denkt an den Grafen, wenn einmal nicht alles so glückt, wie ihr glaubt. Die Hand am Knauf: Diese Worte möchte ich symbolisch deuten. Wo wir im Leben auch stehen mögen, wenn auch immer wir uns in heiligem Eifer einer 3dee hingegeben haben, nie wird uns der Kampf erspart. Mit unermüdlichem Ringen, mit heißer Arbeit nur setzt sich der Mann durch. Hier heißt es kampfbereit fein. Der schwerere Kampf ist dabei vielleicht nicht der mit irgendwelchen Gegnern, sondern der mit uns selbst, gegen die dem Menschen angeborene Rei- gung, es sich bequem zu machen, in selbstsatter Genügsamkeit andere für sich arbeiten zu lassen und sich dann auf die Kritik zu beschränken. Die Hand am Knauf heißt: Wachsam sein gegen sich selbst. Mein deutsches Volk Sonn' auf! Liebe 3ungflieget! Mit 3dealismus seid ihr ans Werk gegangen. Kein 3dealismus ohne Opser- bereitschasl. Durch zahllose persönliche Opfer, durch Verzicht auf allerlei materielle Dinge habt ihr das Flugzeug geschaffen. Reben allen Ausgaben, die das Leben an euch stellte, die die Schule von euch forderte, habt ihr in rastlofer Arbeit das Werk vollendet. Der Lohn des Wirkens wird euch befchieden fein: Mit dem Flugzeug hinauf in den Aether: Sonn' auf! Deutsche 3ugend, deutsches Volk, ferne aus diesem 3dealismus, dieser Opserbercitschast! Dann, deutsches Volk: Sonn' auf! Die laufe. Frau Dr. Hamm vollzog daraus die Taufe, wie üblich mit flüssiger Luft, indem sie das Flugzeug zu Den Worten des TaPspruchs dreimal damit besprengte. Der Ausklang. 3m Ramen der 3ungflieger dankte Herr Karl Schmidt Herrn und Frau Dr. Hamm und allen, die die 3ungflieger bei ihrem Werke unterstützt haben, und gab kurze Erläuterungen über den Dau des Apparates und über den Unterschied des älteren „Zöglings" zu dem nach Den Plänen des „Prüflings" gebauten neuen Flugzeug. Glückwünsche waren eingegangen von dem zweiten Vorsitzenden, Dankdirektor Grießbauer aus Göhren, von dem früheren Mit- gliede der 3ugendgruppe, H. G. König aus Hamburg, und vom Verein für Luftfahrt in Hirzenhain im Dillkreis. Der Vorsitzende schloß Die Feier mit Dem Wunsche, Daß die 3ungflieger, die auf ihrem „Zögling" 50 Flüge ohne jeden Bruch ausgeführt haben, auch mit der „Stadt Gießen" stets mit heilem Apparat und heilen Knochen zur Erde kommen mögen. Daten für Dienstag, 24. September. Sonnenaufgang 5.48 Uhr, Sonnenuntergang 17.55 Uhr. — Mondaufgang 20.15 Uhr, Monduntergang 12.37 Uhr. 1473: der Landsknechtsführer Georg von Frunds- berg in Mindelheim geboren (gestorben 1528); — 1541: Der Arzt unD Naturforscher Philipp A. Paracelsus von Hohenheim in Salzburg gestorben (geboren 1493). BornoLizcn. — TageskalenDer für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „DerDun". — Astoria- Lichtspiele: „Menschenschmuggcl" unD „Der Mann mit Der eisernen Faust". 3ustizpersonalie. Der 3ustizinspek- tor bei Dem Amtsgericht Gießen Friedrich Schmalz wurde zum geschäfisleitenden 3ustiz° inspektor bei dem Amtsgericht Homberg ernannt. ** Straßensperrungen, mitgeleilt vom Oberhessischen Automobil-Elub (A. v. D.) Gießen: Die Sperrungen auf folgenden Provinzialstrahen- strecken sind aufgehoben: Saubringen — Mainzlar ab 17. September, Grüningen—Holzheim ab 1. Oktober, Berstadt — Wölfersheim im Zug der Straße Friedberg—Hungen ab 23. September, Staden — Rieder-Wockstadt — Ober- Mockstadt im Zuge der Straße Friedberg—Ridda bzw. Friedberg — Ortenberg ab 23. September. — Die Strecke Ober-Mockstadt - - Ranstadt vom Abzweig nach Dauernheim ist bis auf weiteres gesperrt. Umleitung über Dauernheim. Die Strecke Gonterskirchen — Ruppertsburg wird ab fasse- durch mehrere Arbeiter zurück. 3n Aosselner Dergmannskreisen behauptet man, daß Vie zweite Katastrophe hätte vermieden werden können, wenn rechtzeitig zweckdienliche Maßnahmen ergriffen worden wären. Bezeichnend ist die Abberufung deS Ehefinge- nieurs Cardel, der seines Amtes enthoben und auf der Stelle durch den 3ngenieur Hardt ersetzt wurde. Einheitlich ist die Stellungnahme der Presse gegen daS Verhalten der Direktion Hochwasser auf Sylt. Durch einen Rordweststurm, der eine Wind- stLrke rnon 10 biS 11 erreichte, wurden die Wassermassen (Der Rordsee mit großer Gewalt in Da« Wattenmeer getrieben, wo sie sich.am Hindenburgdamm stauten unD Die aus- geDehnten Ländereien zwischen Keitum und Archsum biS zur Ostseite Des Reichsbahndammes überschwemmten. Außerdem wurde Der ungefähr 100 Meter breite WattenstranD vor Dem Kaitum-Kliff völlig überflutet. Die Wassermassen brandeten gegen Die Umräumungen Der anliegenden HauSgärten. Glücklicherweise vermochten Die Viehbesitzer ihre Schafe rechtzeitig zu bergen und somit Verluste zu vermeiden. Dennoch hat Der Sturm mancherlei Schaden angerichtet. 3n viele Hvusdächer wurden große Löcher gerissen. Fahnenstangen und Obstbaume tourDen umgeknickt. Die elektrischen Straßenbeleuchtungen wurden zu Boden geschleudert. Die Obsternte ist vernichtet. Die Tele- phönleitungen sind gestört. Die Flugverbindung nach Schweden durch Sturm gestört. Das in Stralsund stationierte Wasserflugzeug D 1696 Der Deutschen Lufthansa, das Die Luft- pvstverbindung zwischen Stralsund und Stockholm aufrechterhalt, formte infolge Gewitter und Sturm in der Samstagnacht nicht starten. Rach einem geglückten Start Sonntagfrüh um 7,30 Uhr formte sich das Flugzeug nur eine halbe Stunde in der Luft halten, Da Sturm mit 80 bis 90 Stundenkilometer herrschte. Eine Sturmboe rj.ß das festgemachte Flugzeug samt der Boje los, und erst am Eingang des Greifswalder Bodden kam es zwischen Steinen fest. Das Flugzeug überschlug sich hier und wurde stark beschädigt. Erst nach geraumer Zeit gelang es dem Dergungsdarnpfer, Die Maschine abzuschleppen. Die Funkanlage im Flugzeug ist zerstört, der Propeller unD Die beiden Flügel wurden beschädigt. Das Flugzeug Stockholm- Stralsund mußte im Flughafen Sellin auf Rügen notlanden, da es vor der deutschen Küste in starke Böen geraten war. Opfer des Unwetters in Süditalien. Potenza, 23. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bei dem gestrigen schweren Sturm stürzte ein Landhaus in der Landschaft Tolve ein und begrub sechs Personen unter denTrüm- me rn. 3n der Landschaft Dalvano kam bei Dem -Üntoetter eine Person ums Geben. veniselos in Berlin. Der griechische Ministerpräsident Veniselos wird am Abend des 29. September in Berlin eintreffen und hier mehrere Tage als G a st Der Reichsreg ierung verweilen. Er befindet sich in Begleitung feiner Gattin. Zwei Gifkmordprozesfe. Vor Dem BielefelDer Schwurgericht wurDen in Den letzten Tagen zwei GiftmorDprozesse verhanDelt. In Dem einen war Die Ehefrau Philippine Damme y e r aus Minden angeklagt, am 23. Oktober 1923 ihren Ehemann vergiftet zu haben, indem sie Fliegenteller auskochte und Das Gebräu ihrem Mann als Tee zu trinken gab. Genau Dasselbe Verbrechen wurDe Der Freundin Der Dammeyer, Der Ehefrau Frieda Schumann, ebenfalls aus Minden, zur Last gelegt, deren Ehemann auf dieselbe Weise am 21. Oktober 1921 zu Tode gekommen fein sollte. Die beiden Prozesse griffen teilweise ineinander über, Da die Angeklagten in Dem einen Prozeß Zeugin, in Dem anderen Angeklagte waren. Nach dreitägigen Verhandlungen wurden Die Urteile gefällt. Frau Dam- meyer wurde des Mordes schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt, während Frau Schumann aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden mußte. vom Sfartffrom getroffen. Aus dem Kllosterplah in Sch ivelbein sollte DaS große ZSlt des Zirkus Vogt aufgerichtet Werden. Beim Hochziehen Des großen Masten mit einem Drahtseil wurde ein Stück Des sich an Der Spitze Des Mastes befindlichen Drahtseiles Durch Den Sturm gegen Die Hochspannungsleitung Der lleberlanDzentrale (15 000 Voanb- Werks. Regierungsrat Dr. Braun (Gießen) übermittelte die Glückwünsche der Provinzialdirektion an die jungen Meister und betonte dann, mit der Erlangung des Meistertitels sei nun der Werdegang der jungen Meister nicht beendet, sondern es müsse eifrig weitergearbeitet werden, das Handwerk müsse sich der neuen Zeit anpassen und überholte Arbeitsmethoden beiseite lassen. Wenn es diesen Weg gehe, werde es auch in Zukunft noch gedeihen, wie in früheren Jahren, denn es bleibe neben den modernen Großbetrieben ein bedeutungsvoller Produktions- saktor. Durch handwerkliche Tüchtigkeit und Strebsamkeit seien schon aus vielen Kleinbetrieben Großbetriebe entstanden. Dieses Zielstreben möge auch die jetzige Iungmeisterschaft allezeit besitzen. Hierauf brachte Redakteur B l u m s ch e i n von der Redaktion des Gießener Anzeigers den Iungmeistern und Iungmeisterinnen herzliche Glückwünsche zu ihrem Ehrentage zum Ausdruck. Er wies sodann auf die mannigfachen handwerkerfeindlichen Bestrebungen in der Politik und Gesetzgebung hin, erinnerte an den stark ausgebauten Zusammenschluß der großen Konzerne । und Syndikate, deren Ausdehnungsdrang und I wirtschaftliches Machtstreben vielfach das Handwerk bedrohe, und forderte die Handwerker auf mit ihren Forderungen an das Volksganze, an die Gesetzgebung in einer geschlossenen Front aufzutreten. Dazu sei es, wie Direktor Schüttler schon mit Recht betont habe, eine Notwendigkeit für die Handwerksmeister, die handwerklichen Organisationen durch Beitritt und Mitarbeit zu stärken: notwendig sei es für sie aber auch, sich der Bedeutung der auch dem Handwerk freundlich gesinnten Tagespresse bewußt zu werden, wie Dr. B ü n n i n g s zutreffend hervorgehoben habe. Der „Gießener Anzeiger" werde dem Handwerk bei der Vertretung seiner berechtigten Forderungen stets gerne als Kampfgenosse zur Seite stehen, um mitzuhelsen an der Schaffung einer neuen wirtschaftlichen Blüte des deutschen und des hessischen Handwerks. Buchdruckereibesiher Klein empfahl nach feinen Glückwunschworten den Iungmeistern ebenfalls den Anschluß an die Organisation und die Inanspruchnahme der Einrichtungen des Handwerks und forderte dann zum eifrigen Lesen des von ihm verlegten Kammerblattes auf. Der Vorsitzende des Gießener Ortsgewerbe- vereins, Schveinermeister H a u b a ch (Gießen), beglückwünschte die jungen Meisterkollegen im Namen des Vereins und hob hervor, daß die Meisterstücke über alles Erwarten gut seien. Der Meistertitel müsse immer in Ehren gehalten werden. denn er sei ein Ehrentitel. Die jungen Meister sollten sich immer den alten Handwerkerspruch vor Augen halten: „Wer soll Meister sein? Der was erfann. Wer soll Geselle sein? Der was kann. Wer soll Lehrling fein? Jedermann " Iungmeister Faber (Gießen) dankte sodann im Namen der jungen Meister und Meisterinnen den Ehrengästen für die beherzigenswerten Worte und Glückwünsche, der Meisterprüfungs- kvmmission und den Meistern für ihre Mühewaltung und schloß mit einem Hoch auf die Ehrengäste, die Meisterprüfungskommifsion und die Meister. Oer weitere Festverlauf. Die Kapelle Weller und das Doppelquar- tett des Bauerschen Gesangvereins erfreuten dann mit instrumentalen bzw. gesanglichen Darbietungen. Hierauf folgte das gemeinsame CQattageffen, das der Küche des Gastwirts Rahnefeld volle Ehre machte. 3m Verlaufe der Tafel hielt Oberreallehrer i. R. H a g g e m ü l l e r (Gießen) eine Ansprache, in der er auf dir schwere wirtschaftliche Lage unseres Vaterlandes unter dem Drucke der Reparationslast fjintoieC. dann die nunmehr festgelegte baldige Räumung des besetzten Gebiets als einen Freudenstrahl in der großen deutschen Not bezeichnete, und wünschte, daß wir bald wieder in weitestem Ausmaß ein Volk der Arbeit werden möchten. Die jungen Meister seien mit dazu berufen, durch eifrige und gute Arbeit mitzuchelfen an dem Wiederaufstieg und der Genesung unseres deutschen Vaterlandes. Der Redner schloß seine Ansprache mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf das deutsche und hessische Handwerk. Das Doppelquartett der Bauern, sowie der Opernsänger Kurt Richter bereicherten die Feststunden noch wiederholt mit prächtigen Gesängen, wobei Kurt Richter Lieder des Gießener Komponisten Paul Duchwald zu Gehör brachte. Die Sänger sanden stets verdientermaßen lebhaften Beifall als Lcchn für ihre hervorragenden Leistungen, die Schreinermeister Hau dach als Mitglied der MeisterprüfungsVielleicht brachten sie ihm Heilung. Vielleicht gab es eine so tiefe innere Gemeinschaft, wie er sie trotz aller seiner Alnruhe und Alnstetigkeit im letzten Grunde doch voller Sehnsucht erstrebte, zwischen Menschen überhaupt nicht. Alnb doch litt er unter seiner Einsamkeit-- Durch einen eiskalten Januar und einen schnee- und regennassen Februar war Berlin zu einem Weichen, linden Vorfrühling erwacht. Alnb als bic siegreich üorbringenbe Sonne sich selbst in bas eherne Häusermeer Berlins einen Eingang erzwang unb in bem Tiergartenviertel manchmal eine bereits fast sommerliche Wärme ausstrahlte ba war es um Klaus geschehen. Die große Staot begann ihn zu erbrücfen. Alnb nun kam mit einem Male auch Licht in feine Seele unb machte es klar unb hell in ihm. Nun wußte er, was mit fo unbestimmtem Suchen in ihm gärte unb trieb: die alte Liebe zum Lande war es, die mit der Sonne erwachte Sehnsucht nach Luft unb Freiheit, die ihn mit solcher Gewalt packte, baß sie seinen letzten Wiberstanb zerbrach. Co schrieb er eines Tages an Herrn Feucht- toanger, der sich immer noch auf Reisen befanb, unb teilte ihm seinen Entschluß mit, sich nach irgenbeiner Tätigkeit in Gottes freier Natur umzusehen, ohne die er nicht gedeihen könnte. Nie wäre ihm das so^zum Bewußtsein gekommen, als während seines langen Aufenthaltes in Berlin. Schneller, als er erwartet, hatte er dessen Antwort in Händen: „Mein lieber Herr Körber! Ihr Pries, den ich heute morgen erhielt, hat mich in keiner Weise überrascht. Als ich Ihnen damals die Stellung in meinem Hause bot, wußte ich, daß sie Ihnen nur auf eine gewisse Zeit Befriedigung gewähren würde. Ich habe inzwischen vorgebaut unb bin heute in ber glücklichen Lage, Ihnen eine neue Aufgabe schaffen zu können, bie bem Wunsche, bem Sie in Ihrem Schreiben so beredten Ausdruck geben, sicher entsprechen dürfte. Es handelt sich um einen größeren Landbesitz in der Nähe von Alelzen, mit Namen Dergrode, von dem ich Ihnen wohl bereits erzählte. Alrsprünglich nur ein Geflügelhof, ist er im Laufe der Zeit durch allerlei Ankäufe und Doben- erteerb bedeutend vergrößert, bann aber im Kriege unb in ber barauf folgenden Zeit durch mangelhafte Bewirtschaftung leider stark entwertet worden. Ich habe jetzt den ganzen Besitz an mich gebracht. Es fehlt nun aber an der ordnenden und neuschaffenden Kraft für ihn. Sie wären der Mann, den ich brauchte. Eine große, mühereiche Tätigkeit wartet Ihrer. Das darf ich Ihnen nicht verhehlen. Aber zugleich eine lohnende. Die Pacht, die Sie mir zahlen, ist Ihre Arbeit. Alnb wenn es biefer gelungen fein sollte, das verwahrloste Land zu neuer Kultur unb Blüte zu führen, bann wäre es mir Freube, es ganz in Ihre Hänbe legen unb bamit einen kleinen Teil ber großen Dankesschulb abft otten zu können, in der ich mich Ihnen gegen* über fühle. Sind Sie bereit, dann melden Sie mir drahtlich Ihre Ankunft. Dis dahin seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem Martin Feuchtwanger." Sowie Klaus diesen Brief gelesen, war sein Entschluß gefaßt. Zugleich war es ihm klar, daß er Lotte Bernhard noch einmal sehen muhte, bevor er, vielleicht für immer, von ihr ging. Er schickte durch einen Boten einige Zeilen an sie: daß er bereits am nächsten Tage Berlin zu verlassen gedächte, und bat sie um ein letztes Zusammensein, damit er ihr das Nähere Mitteilen könne. Als Antwort erhielt er einen Brief von Lotte Bernhard, in bem sie ihm mitteUte, bah sie krank zu Bett läge, seiner Einlabung für ben Abenb also nicht folgen könne. Ihr Pfarrdorf Altfelde wäre jedoch, wenn die Verbindung auch etwas umständlich wäre, nicht fo weit von Alelzen entfernt, daß sie nicht auf ein Wiedersehen hoffen könnte. Inmitten aller Arbeit, die ihm die Ordnung seiner Angelegenheit auferlegte, wollte ihm dieser Dries nicht aus dem Sinne. Sie lag krank zu Dett. Was mochte ihr fehlen? War ihr Definben der Grund, daß der mit unsicherer Hand geschriebene Dries einen so fremden Eindruck machte? Oder — war sie vielleicht gar nicht krank? War auch dies vielleicht nur eine Ausflucht, ein letztes Zusammensein mit ihm zu vermeiden? Aber es war nicht Zeit zum Fragen und Grübeln, denn morgen in der ersten Frühe schon ging der Hamburger v-Zug, der Üjn nach Alelzen bringen sollte...zu neuen Alfern, neuen Tagen, die das Vergangene vergangen sein liehen, ihm in frischer Arbeit frische Kraft, und, wenn es sein muhte, Vergessen bringen sollten. * Herr Feuchtwanger war selbst auf dem Bahnhof. Es war ein unfreundlicher Dorfrühlingssonn- tag, an bem sie im offenen Iagbwagen bie lange gerabe Straße hinab unb bann, an manchem hochgiebligen altertümlichen Hause vorbei, burch die trotz ber vorgeschrittenen Stunde noch im Sonntagsschlummer ruhende Stadt fuhren. Als sie auf die Lanbstraße gelangten, hatte bie Alnbill bes Wetters zugenommen. Der vom Sturm gepeitschte Regen trieb ganze Ströme von Wasser unb Kälte in ben schlecht geschützten Wagen, so daß sie völlig durchnäßt unb erfroren enblich in Dergrobe anlangten. Dafür empfing sie in bem kleinen, nach Schweizer Art gebauten Hause ein um so größeres Behagen : ein mit alten Möbeln traulich eingerichtetes, von einem dunkelbraunen Kachelofen wohlig durchwärmtes Zimmer unb ein tunber Disch, auf bem alles stand, was zu einem guten ländlichen Mahl gehört, unb banach ein Kaffee, wie ihn nur Fräulein Kardinal, die zweiund- fiebzigjährige, langerprobte Haushälterin, beraten konnte. (Schluß folgt.) fommiifton in deren Oluf trag mit einer Dani* anfp rache an die Sänger noch besonders würdigte. Dann Warden die Meisterbriefe den jun* Sen Meistern überreicht. 3m übrigen musizierten ie Mitglieder der Kapelle Weller eifrig und mit Beifall reich bedacht, und spielten schließlich bei frohgestimmter Geselligkeit zum Tanze auf, der viele Festteilnehmer noch lang« gut unterhielt. Wirtschaft. Oie Lage am Geldmarkt. Die Entspannung am Geldmarkt, die im all- gemeinen gegen Mitte des Monats einzutreten pflegt, hielt sich diesmal trotz einer unver- fimnbaren Entspannung der Grundtendenz am offenen Geldmärkte in engen Grenzen. Hierin dürften die ersten Anzeichen der für den Quartalsultimo zu erwartenden, stärkeren, saisonmäßig bedingten Anspannung zu erblicken sein. Der Zinssatz für Tagesgeld, der sich am Donnerstag noch zwischen 6 bis 8,5 Proz. bewegte, erhöhte sich am Freitag auf 7 bis 9,5 Proz.; er ging auch für erste Adressen stärker herauf. Wie in früheren Monaten ist dies darauf zurück- zufübren, daß infolge des Industriezahltages im Rheinland größere Beträge von Berlin abgezogen worden sind. Monatsgeld wurde davon nicht berührt, sondern blieb auf dem Stand von 9 bis 10,5 Proz. Dabei ist aber zu berücksichtigen. daß dieser Sah fast nur nominell ist, da einerseits infolge der ungeklärten Geld- lage die Geldgeber von Monatsgeld Zurückhaltung üben, und anderseits die meisten Geldnehmer bei der gegenwärtigen Spannung zwischen Monatsgeld und Tagesgeld ihren Bedarf lieber in Form von Tagesgeld decken. 3n Privatdiskonten hielt sich das Geschäft weiter in engen Grenzen, so daß zu einer Aenderung des Satzes (7,13 Proz. für beide Sichten) keine Veranlassung bestand. Warenwechsel mit Dankgiro stellten sich auf etwa 7,75 Prozent. Für den älltimoverlauf am deutschen Geldmarkt ist wesentlich, ob das Reich ohne neue Beanspruchung durchkommt. Das dürfte aber der Fall fein, da man annimmt, daß die begebenen Schahwechsel jetzt voll untergebracht worden sind, älnd auch sonst bestehen gegenwärtig bei Post, Preußenkasse usw. keine Schulden. Zudem ist Oktober ein guter Einnahmemonat und dürfte den Reichskassen keine Sorgen bereiten. Dagegen hat der Geldbedarf der Kommunen noch nicht nachgelassen. Daß die Entspannung am offenen Geldmarkt unverkennbar ist, hat auch der letzte Reichsbankausweis bestätigt. An den internationalen Geldmärkten ist die Lage nach wie vor unsicher. Das Angebot von Auslandgeldern ist jedoch unverändert reichlich. Kurzfristige Kredite gibt das Ausland immer noch gerne an Deutschland, trotz der Vorfälle bei der Frankfurter Allgemeinen, die im Auslande lediglich als Ginzelfall betrachtet werden. Trotz der befriedigenden Entwicklung des Reichsbankstalus ist anzunehmen, daß die Reichsbank in ii>er Diskontfrage noch den Quartalsultimo abwarten wird, denn eine sofortige Herabset- Aung dürfte dem Quartalsultimo, an dem immer besonders starke Ansprüche auftreten, hindernd im Wege stehen. Rach äleberwindung desSep- tfcmber-llltimo dürfte die Frage der Diskonter- mäßigung in Anbetracht der erleichterten Situation jedoch immer aktueller werden. * D i e amtliche GrohhandelSindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 18. September berechnete Grobhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 138,3 gegenüber der Vorwoche (138,2) nahezu unverändert. Von den Hauptgruppen sind die Indexziffern für Agrarstoffe und für Kolonialwaren um je 0,4 Prozent auf 133,2 (132,7) und 131,4 (130 9) gestiegen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren war mit 131,8 unverändert, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 157,1 (157,3) leicht nachgegeben hat. * Getreide-Ei n kaufs-A. -G-, Mainz. In der außerordentlichen Generalversammlung wurde Mitteilung gemäß § 240 HGB. (Verlust von mehr als der Hälfte des Aktienkapitals) gemacht. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Eine Liquidation des Unternehmens kommt nicht in Frage. Eine eventuelle Zusammenlegung des Aktienkapitals bleibt den Beschlüssen einer späteren Generalversammlung Vorbehalten. Die Geschäfte werben unverändert weitergeführt. Frankfurter Börse. Frankfurt, 23. Sept. Tendenz: schwach. Zum Wochenbeginn wurde die Börse durch den Zusammenbruch von chartry (London) sehr stark beeinflußt. Die Lage scheint hier bedrohliche For- Deutscher Ausfuhrüberschuß im August. Die Einfuhr d«S deutschen AußerchandelS im August im reinen Warenverkehr beträgt 1074 Mill. Mk.. die Ausfuhr einschließlich der Reparationssachlieferungen 1191 Millionen Mark. Die Handelsbilanz ergibt somit einen Ausfuhrüberschuß von 117 Mill. Mark, gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 130 Will. Mk. im Iuli. Die Reparationssachlieferungen belaufen sich auf 67 Mill. Mark gegen 69 Mill. Mk. im Vormonat. Die Einfuhr ist gegenüber dem Iuli um 156 Mill. Mk. geringer ausgewiesen. Diese Abnahme beruht zu einem erheblichen Teil darauf, daß die Einfuhrzahlen im Iuli in beträchtlichem Ümfang Zollabrechnungen im Riederlageverkehr enthalten: zu einem weiteren Teil liegt ihr aber auch ein tatsächlicher Rückgang dev Einfuhr zugrunde. Abgenommen hat, wenn man von dem Einfluß der Zollabrechnungen absieht, nur die Einfuhr von Lebensmitteln und Fertigwaren: und zwar hat sich bet Lebensmitteln insbesondere die Ausfuhr von Getreide, di« im Iuli infolge der Erhöhung der Zölle stark gestiegen war. bei Fertigwaren in der Hauptsache die Einfuhr von Pelzwaren, Kraftfahrzeugen und Leder vermindert. Die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren ist um 37 Millionen Mark geringer ausgewiesen, als im Iuli. Schaltet man jedoch den Einfluß der Zollabrechnungen (Mineralöle) aus, so ist die Einfuhr von Rohstoffen nahezu unverändert geblieben. Eine im wesentlichen saisonmähige Abnahme bet einzelnen Waren (Wolle, Oelsaaten) wird durch die Zunahme bei anderen Waren (Holz, Eisenerze) ausgeglichen. Die Ausfuhr ist gegenüber dem Iuli um 91 Mill. Mk. gestiegen. Die Zunahme, die überwiegend saisonmäßiger Ratur ist, entfällt auf Rohstoffe und halbfertige Waren, sowie auf Fertigwaren. An der Steigerung der Ausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren sind hauptsächlich Düngemittel, sowie Steinkohlen beteiligt. Die Zunahme der Fertigwarenausfuhr verteilt sich auf eine große Zahl von Warengruppen. Besonders bemerkenswert ist die beträchtlich« Erhöhung der Ausfuhr von Textilfertigwaren (+ 30 Mill. Mk.). Stärker zugenommen hat daneben auch die Ausfuhr von Wasserfahrzeugen, Maschinen, elektrotechnischen Erzeugnissen, Kinderspielzeug und chemischen Erzeugnissen. men annehmen zu wollen, denn man befürchtet, daß weitere Kreise stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Auch am hiesigen Platze konnte man sich bisher noch nicht ganz beruhigen. Die Nachwirkung der in der vergangenen Woche umlaufenden Gerüchte, obwohl deren Unhaltbar- feit schon wiederholt erörtert wurde, verstimmten immer noch. Als verstimmender Faktor kam ferner noch in Betracht die schwache Neuyorker Börse vom Samstag. Bei der bestehenden Unsicherheit schritt die Kulisse zu Abgaben, zumal auch das Ausland sowie das Publikum, soweit hier noch Engagements bestehen, mit Derkausorders an den Markt kamen. Bei der beftehenben Unternehmungsunlust und der schwachen Börsensituation ergaben sich gegen den Schluß von Samstag teilweise ganz erhebliche Abschwächungen. Besonders zu leiden hatten Elektrowerte. Licht & Kraft verloren 5,5 v. Sy, Gessürel 3,25 v. Sy, Siemens 3,5 o. Sy und Schlickert 2,5 v. Sy Starker angeboten waren noch Deutsche Linoleum mit minus 4 o. Sy und am Kalimarkt, trotz höherer Kaliabschätzungen im September, Salzdetfurth mit minus 5 v. H. und Aschersleben mit minus 3 v. H. Bon Dankwerten lagen Berliner Handelsgesellschaft 5 v. H., Deutsche Bank 2,5 o. H. und Reichsbank 3 v. H. schwächer. Bon Montanaktien hatten Rheinstahl einen Verlust von 4 v. Sy aufzuweisen. Die übrigen Werte dieses Marktes verloren bis zu 2 v. H. Glanzstoff 2 v. H. schwächer. Farben lagen zur Erstnotiz 1 v. H. niedriger, gaben aber später, da auch hier das Angebot zunahm, weiter etwas nach. Deutsche Erdöl verloren 3 v. H. Renten geschäftslos. Schutzgebiete etwas höher. Nach den ersten Kursen wurde es auf weitere Exekutionen durchweg erneut schwächer. Siemens verloren 6,5 v. Sy die übrigen Märkte lagen durchschnittlich bis zu 2 ö. Sy niedriger. Später machte sich jedoch wieder etwas Deckungsbedürfnis geltend, und das Kursniveau konnte sich allgemein etwas heben. Farben gewannen wieder 1,5 v. Sy, Schlickert 1 v. Sy und Siemens 2,5 v. Sy zurück. Aber trotzdem blieb das Anfangsniveau etwas unterschritten. Glanzstoff bildeten eine Ausnahme lind waren mit etwa 2 v. Sy über Anfang gesucht. Das Geschäft lag allgemein etwas lebhafter. Tagesgeld war mit 6 ö. Sy unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,20, gegen Pfund 20,358, gegen Paris 123,85, London gegen Kabel 4,8465, gegen Paris 123,85, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 32,885, gegen Holland 12,084. Berliner Börse Berlin, 23. Sept. Die erste Börse der neuen Woche brachte weitere Kursrückgänge. Die Schwäche vom Samstag ist nicht spurlos vorübergegangen, sondern hat erneute Exekutionen am heutigen Markt zur Folge. Sicherlich ist manches Konto bei Nachrechnung schwach geworden, und bei der Provinz und Stadt machte sich eine gewisse Angst in stärkeren Verkäufen fühlbar. Es verstimmten die schwachen Ausland- börsen und die immer weitere Kreise ziehende Hatry-Affäre (London). Von einer Nachwirkung der aktiven Außenhandelsbilanz-Ziffern konnte nicht die Rede fein. Auch daß die Angelegenheit Sigmund Sternheim erledigt ist, nachdem die Gläubiger dieser Firma sich mit einem 25prozenti« gen Abschlag hei ihren Forderungen einverstan- den erklärt haben, machte keinen Eindruck. Die Gerüchte, daß die Großbanken eine Sitzung einberufen hätten, um über Interventionen zu beraten, werden nicht bestätigt. Wir erfuhren, daß von einer gemeinsamen Stützung, wie bisher noch nie, keine Rede sein könne. Zu den ersten Kursen betrugen die Verluste gegen Samstagschluß im Durchschnitt 1 bis 3 Prozent, bei Spezialwerten bis 5 Prozent und darüber hinaus bei Schultheis 8 Prozent, bei Rheinischen Braunkohlen 6 Prozent und bei Polyphon 6,25 Prozent. Deutsche Anleihen weiter ruhig. Ausländer lagen ebenfalls eher schwächer. Pfandbriefe überwiegend angeboten. Der Geldmarkt war leichter. Tagesgeld 6 bis 8,5 Prozent: Monatsgeld 9 bis 10,5 Prozent; Warenwechsel etwa 7,75 Prozent. Rach den ersten Kursen zunächst unbedeutend erhöht (nur Spritwerte etwas stärker befestigt), setzten sich später die Exekutionen fort, und die Stimmung wurde wieder ausgesprochen schwach. Papiere wie Siemens und Polyphon gingen erneut um 6 Prozent zurück, während sonst mit wenigen Ausnahmen ein- bis dreiprozentige Verluste eintraten. Bezeichnend für die Nervosität der Börse ist, daß Gerüchte unglaubwürdigster Art von der Spekulation für bare Münze genommen werden. 11. a. wollte man sogar wissen, daß die Großbanken sich in einer heutigen Sitzung mit der Wiederabschaf- fung'öeS Terminverkehks beschäftigen würden. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Sept. Am Produktenmarkt war di« Haltung heute sehr ruhig. Anregungen lagen nicht vor. Don Aaslandseite trafen meist niedrigere Offerten ein. Die Unternehmungslust war wieder eng begrenzt. Besonders unter Druck lag Roggenmehl, das bis zu 0,50 Mk. verlor. Es wurden notiert: Weizen 24,50 Mk., Roggen 19,50. Sommergerste (für Drauzwecke) 20,75 bis 21, Hafer (inländischer) 19 bis 19,25, Mais (gelb) 19,75, Weizenmehl (süddeutsches. Spezial 0) 37,50 bis 38,25, Roggenmehl 27,75 bis 29,50, Weizenkleie 11,15 bis 11,25, Roggenkleie 11,25, Erbsen (je nach Qualität, für Speifezwecke) 35 bis 48, Linsen (je nach Qualität, für Speifezwecke) 45 bis 85, Heu (süddeutsches, gut. gesund, trocken) 11, Weizen-' und Roggen- stroh (drahtgepreßt) 6, Weizen- und Roggen- stroh (gebündelt) 5,75 bis 6, Treber (getrocknet) 17,25 bis 18,50 Mk. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 21. Sept. Das Geschäft am Frankfurter Eiermarkt war auch in der vorigen Woche recht lebhaft, da namentlich vom Auslande wenig Ware an den Markt kam, so daß die Preise weiter etwas anziehen konnten. Da die Produktion in den Weststaaten stark nachgelassen hat, ist mit einer weiteren Preissteigerung zu rechnen. Es notierten in Pfennig per Stück (Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, Inlandeier ab Station): bulgarische 10.75 bis 10.9, holländische 12 bis 14,5, südslawische 10,75 bis 11,25, polnische 9,5 bis 10, russische 10 bis 11, dänische 12 bis 14,75, belgisch-flandrische 14,5 bis 14,75, rumänische 10,25 bis 10,5. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 23. Sept. Auftrieb: 1450 Rinder, darunter 294 Ochsen, 96 Dullen, 694 Kühe, 380 Färsen: ferner 514 Kälber. 71 Schafe, 4439 Schweine. Rinder: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 60 bis 62. ältere 55 bis 59, sonstige vollfleischige jüngere 50 bis 54; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 54 bis 57, sonstig« voll- fleischige oder ausgemastete 49 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 46 bis 49, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 42 bis 45, fleischige 37 bis 41, gering genährte 30 bis 36; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 62, vollfleischige 55 bis 59, fleischige 50 bis 54; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 80; mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 77, geringe Kälber 66 bis 72; Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 89 bis 90, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 2cberu>- gewicht 89 bis 90, von etwa 160 bis 240 Pfund Lebendgewicht 90 bis 91, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 86 bis 88. Marktverkauf: Rinder mäßig rege, geringer lieber« stand. Schweine rege, ausverkauft. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Turnen, Syori und Spiel. Kußball in Hessen-Hannover. Die gestrigen Fußballspiele im Bezirk Hessen-Hannover endeten mit folgendem Ergebnis: Svg. Kassel — Herrnannia Kassel 1:2. SC. 03 Kassel — Göttingen 05 1:0. Borussia Fulda — Kurhessen Marburg 2:4. Kußball in Güddeutschland. Bezirk Main-Hessen. In der Gruppe Main gelangte Eintracht Frank furt in den alleinigen Besitz der Tabellenspitze. Sie holte sich bei der Sp. Agg. 02 Griesheim einen 4:0-Sieg. Rotweiß Frankfurt glitt auf den 3. Platz hinunter, denn er verlor auf eigenem Felde gegen Union Niederrad 1:2. F. Sp. V. Frankfurt kam gegen Kickers Offenbach zu einem sicheren 3:0, wäh rend der 1. F. C. 93 Hanau trotz Platzvorteil gegen Germania Bieber 0:2 das Nachsehen hatte. Die Gruppe Hessen hatte ihr wichtigstes Spiel in Mainz. Dort brachte der F. Sp. V. 05 Mainz dem S. V. Wiesbaden mit 2:1 den ersten Punktverlust bei. Wormatia Worms tarn nicht ungerupft aus Neu-Isenburg nach Hause. Der V. f. L. bereitete den Wormsern ein 2:2. Auch Alemannia Worms gegen hassia Bingen endete 2:2, und S. V. <98 Darmstadt gegen den F. C. 03 Langen 3:3. Bezirk Bayern. Die Gruppe Nordbayern hatte gestern durch weg reguläre Ergebnisse. Der 1. F. C. Nürnberg gewann gegen den mäßigen V. f. R. Fürth mit 3:1 allerdings nicht allzu hoch, zeigte aber immerhin ansprechendes Spiel. A. S. 23. Nürnberg ließ die Sp. Vgg. Hof auch in ihrem 6. Spiele nicht zu Punkten kommen und gewann 5:1. Bayern Hof mußte der Sp. Vgg. Fürth mit 0:4 die Punkte mitgeben. In der Gruppe Südbayern war für die Platz- besitzer ein unglücklicher Tag. Teutonia München zog gegen den D. S. 23. München mit 2:6 Toren den Kürzeren. S. 23. 1860 unterlag Wacker München, einer Mannschaft, die seither noch gar nichts gezeigt hatte, sogar mit 1:6, und Schwaben Augsburg hatte gegen Bayern München di« unvermeidliche Niederlage von 2:4 Toren einzustecken. Nur Jahn Regensburg wahrte sein hausrecht und sandte den F. 23. 94 Ulm mit 5:0 nach Hause. Walter Flinsch, Frankfurt a. M. gewinnt den Holland-Becher. Bei den internationalen Ruderivettkämpfen um den Holland-Decher konnte gestern der Altmeister Walter Flinsch, Frankfurt a. M. an dem neuen Deutschen Meister Boehelen, Berlin, Revanche nehmen und ihn mit einer hakDen Länge Vorsprung schlagen. Einen weiteren Sieg der Deutschen gab es im Doppelzweier, den die Meistermannschaft Buthz — v. Düster- I o h vor Da re - - Devil, Rotterdam gewinnen konnte. Süddeutsche Meisterschatten im Laufen und Gehen. In M ü n ch e n wurden am geitrigem Sonntag bi'e Süddeutschen Meisterschaften im 25- Kiilometer-Laufen und im 50-Kllometer- Gehen ausgetragen. Bei den Läufern unter» nahm Kapp (München) einen Ausreißversuch kurz vor dem Ziel, der ihm auch glückte und die Meisterschaft brachte. Dagegen gab es bei den Gehern sogar einen neuen Weltrekord, da Reichl (München) für die Strecke die famose Zeit von 4:33,10 Std. herausbrachte. Die Ergebnisse sind: 25-Älm. -ßaufen: 1. Kapp, Eisenbahnsportverein (München) 1:26,57,8 Std. 2. Ronall (Saarbrücken) 1:28,42,6 Std. 3. Zeilnhofer (München 1860) 1:29,14 Std. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Berlin, 21. September Banknoten Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a.M. Telegraphische Auszahlung. Fran)üsische Noten. . . . . Holländische Noten...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch Oestrrr., äioö Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten..... Franlsun a M. Berlin Schluß, flut« ■m : ui « Lti»lub> Kure Anfang, Kurs Datum 21.9. 23.9. 21.9. 23-9. Philipp Holzmann...... Heidelberger Le ment .... 1 Gement Karlstadt.....1 Wayh » Freitag....... Lchulthei» Patzenhofer ... 1 Ostwerke.........1 Bet. Manz stoss......1 Bemberg.........1 Zellstoss Waldhos .... 13 V Zellstoff AfchafsenVura . . . j Charlottenburger Wasser . . . Dessauer ®afl........ Daimler Motoren...... Deutsche Maschinen-Fabrik . . Adlerw-»rle Alever...... Ludw. Loewe..... . 1 Rat. Automobil ...... Orenstetn 4 Koppel..... Leonhard Tieh ...... 1 Bamag-Megutn....... Franks. Maschinen...... Britzner.......... Heyligenstaedt ....... Iungyan».......... Lechwerte. ........ Maintraslwerke....... Mag...........1 Rekurs ulmer........ Beters Union........ Gebt. Roeder.......1 Voigt 4 Haessner...... Südd findet.......1 । 1 > R n 6 6 0 e 0 96 125 98 288 229 150 44,25 39,76 50 60 105,75 106,5 125 222 157,75 | | | | 1 I £ 1 1 3 1 1 P 1 S 1 1 1 1 1 1 1 1 1 I H 1 1 H " 8 *" 5 8? B 94 278 211 287,5 234 227 148,75 100,5 179 44 49,25 40 192 22,5 80 195,25 56,5 123,75 222 158,25 92,5 270 208 284 231 224 99,25 172 43 45,6 40,75 190,5 22 79 193 123 Frankfurt a '.'M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Lchlub- Rur» l-Uhr Kur» Schluß Kurs Ansang. Kur» Schluß Kurs I-Udr Kurs Schluß.! Anfang. Knirs | Kurs Datum 21.9. 23 9. 21.9. 23.9. Damm 21.9. 23.9. 2L9. 23.9. 6% Dt. Reichsanlethe v. 1927 . . S)t. Anl.-Abidf.-Schuld mit Au» ik>< -Rechten......... 87,5 53,45 9,85 85,5 77,5 88,5 28 22,3 1,75 7,5 7,5 7,5 14,9 113,5 106 123,75 124 198 174 :65,5 163 150 152,75 192,5 $ 1 1 1 1 £ i 1 £ 1 Illi 1 « 1 1 1 1 1 । । 1 1 1 1 87,5 53,3 9,9 28,13 2J 22,25 19,75 7 35 1,3 7,4 7,45 14,9 113,65 178 150,5 106 124 124,13 195,5 173 265 162,5 150 153 'M 9,6 7,4 112 148,25 105,25 124 124,13 193 172,5 264,25 161,65 150 288,25 81.6.®...........v Bergmann 0 eieftt. Lieferungen. . » . . 1« Licht und Kraft......10 Reiten 4 Guilleaume.... 7% Ges. 1. (Sieht. Untern.....10 Hamb. Elektt. Werke .... 1" Rhein. Elektt.........9 Schlei. Elektt........io G (fintiert.........H Siemens 4 Halske.....16 TranSradio..... 8 LahMeher »To.......10 Buderus..........6 Deutsche Erdöl ....... 6 Geilenkirchener ....... 8 -arpener.......... 0 Hoefch Eilen. ....... 6", Zlie Bergbau.......1° Klötinerwerke......... 189,75 215,5 166 198,5 134,25 202,25 144 214 369 167 68 141,75 212 111^5 106,25 135 103 261 117,6 121,6 109,65 68,75 225 233,25 380 .06,75 70,75 76 126 108,25 193 199 211,5 365,5 166 65 105 104,5 101,5 113,5 222 227 375 1 205,6 75 125,5 190 212 '163,13 198,5 135 204 140,75 142,5 174,5 214,75 367 67 107 136 136 140 124 212,25 109 122 105,5 136 79 97,75 102,13 259,5 115,5 121,5 109,25 68 224 227,5 378,25 207,13 98,25 70,5 74.5 '25.75 188 209,5 161,25 192,5 132,5 199 140 142 175,5 212 367 137 65 105 135 134 137 121,25 310,5 106,75 117 104 135 76 97,5 101 253,5 113 108,25 67,25 220 224 375,13 205 74.5 Tetgl. ohne AuLIof.-Rechte . . . 7% Franks. Hyp-Bk. Soldpf. um kündbar bis 1932....... *y,% Rheinische Hqp.-Bank Llqu - Goldps............ Vl-E G- abg. BorkriegS-Obligation.. rüchahlbar 1932 ...... 4% Schwel,. BundeSb.-Ani.. . . 4% Oelterreichifche Goldrte.. . . 4.60% Ceffen. Stlberrie..... 4% Oesterreich, ein hei tl. Sitr . 4% Ungarische Wolbrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . *¥i% belgl. von 1913..... 4% Ungarische Ätonentte..... 4% Türk. Hollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn DnI. (Serie I........... 4% desal. Serie 11....... 4% Rumänen conoett kitte . . . 4 V,% Rumänen Boldanl. von 1913 Mg Deutsche Eisenbahn . . 4% Hamburg-Amerika Paket ... 7 Hamb.-SOdam. Dampssch. . . 6 H.msa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Deutsche Eredltanst. . . 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner HandelSgelellsck. . . 1$ Commerz, und Privat-Bank . 11 Darmst. u. Nationalbank . . 12 Deutsche Bank......JO DiSkonto-Gesellschaft Dnt.. . 10 Mannesmann........ 7 ManSfelder.........7 cbersch'.ef. Eifenb. Bedarf... CbendileL KoUwerke.....7 Phönir Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstabl..... 6 OUebed Montan......7,2 Bereinigte Slahlw ..... Olavi Minen..... 16'/. »all Aschersleben.....U Kall Westeregeln......1< Salltv-'ri Salzdetfurth . . . V> ®. Farben-Industrie ... 12 Thnamli Nobel.......6 Scheide anstatt . ....... y ..................1 Goldschmidt ........ 6 RülgerSwetts........6 Metal igelellichaft.......8 Geld Brief 16,40 16,46 167,93 168,61 21,96 22,04 111,48 111,92 58,88 59,12 2,477 2.497 112,13 112,57 80,64 80,96 61,74 61,98 12,38 12,44 73,05 73,35 2b September 23. September Amtliche ss Geld | otierung Brief Amtliche 9 Geld iotieruna Brief Amst-. Rott. 168,23 168,5- 168,22 168,56 Burn-.AtteS 1,759 1,763 1,75 1,76 Brss.Antw 58,28.i 58,405 58,29 58,41 111,89 Christiania. 111,66 111,88 111,6/ Kopenhagen 111,68 111,90 111,70 111,92 Stockholm • 112,34 112,56 10,561 112,32 112,54 HelssngforS. 10,541 10,54 10,56 Italien - . . 21,945 21,965 21,94 21,98 London - . . 20,332 20,372 20,33 20,37 Neuyork . . 4,1855 4,2035 4,19 4,20 Pari«.... Schweiz .. 16,41 16,45 16,42 16,46 80,85 81,01 80.87 81,03 Spanten . . 61,94 62,06 61,93 62,05 Japan .. . 2,003 2,007 2,00 2,00 Wo de Jan- J,4965 9,498 0,49 0,49 Wien in D-« Lest, abgest. 59,00 59,12 58,98 59,10 Prag Belgrad . . 12,423 12,443 12,42 12,44 7,39 7,380 7,394 7.38 Budapest. . 73,17 73,31 73,17 »3,31 SuUanen . 3,035 3,038 3,03 3,04 Lissabon 18,76 18080 18,73 18,77 Danzig. . 81,29 81,45 81,31 81,47 Konstantin- 2,017 2,021 2,03 2.03 Sitten. . 5,42 5,43 4,169 5,42 5,43 Canada 4,161 4,15 4.16 11 nt uav 4,096 4,104 4,09 4,10. Carro ■ 20,86 20,90 20,86 20,90 Berlin, 21- September Held Brief Amerikanische Noten ..... 4J81 4.201 58,10 58.34 Dänische Noten ...«*, । 111,48 111,92 Enolikche Noten........ 20.306 20.38^